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Full text: Hetze gegen Flüchtlinge in Sozialen Medien / Dinar, Christina

HETZE
GEGEN FLÜCHTLINGE
IN SOZIALEN MEDIEN
Handlungsempfehlungen

HETZE
GEGEN FLÜCHTLINGE
IN SOZIALEN MEDIEN
Handlungsempfehlungen

H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

Herausgeberin: Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
Telefon: + 49 (0)30. 240 886 10
Fax: + 49 (0)30. 240 886 22
info@amadeu-antonio-stiftung.de
www.amadeu-antonio-stiftung.de
Autorinnen und Autoren:
Christina Dinar, Theresa Mair, Simone Rafael, Jan Rathje, Julia Schramm
Redaktion: Timo Reinfrank, Theresa Mair, Julia Schramm, Johannes Baldauf
Bildnachweise: Screenshot (Facebook)
Grafik: Jan Ortgies
Gestaltung: Design
© Amadeu Antonio Stiftung 2016
Alle Rechte bleiben bei den Autorinnen und Autoren.
Druck: Druckzone, Cottbus
Gedruckt auf Envirotop Recycling 100% Altpapier

H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

Vorwort.........................................................................................................................................................................4
Aber zuerst: Rassistische Hetze gegen Flüchtlinge überhaupt erkennen..............................................5
Hass auf Geflüchtete in Sozialen Netzwerken.................................................................................................6
A. Melden und Anzeigen.........................................................................................................................................6
A1. Melden...................................................................................................................................................................6
A2. Anzeigen...............................................................................................................................................................7
B. Counterspeech: Hetze entgegentreten und sich organisieren...............................................................9
B1. Argumentationsstrategien...............................................................................................................................9
Fakten gegen die Gerüchteküche.......................................................................................................................10
Hass auf Geflüchtete – »Nein zum Heim«-Seiten...........................................................................................11
Wer befeuert den Hass auf Geflüchtete in Sozialen Netzwerken strategisch?...................................11
B2. Mit Fakten gegen Vorur­teile: Debunking.................................................................................................12
C. Selbstschutz und Empowerment .................................................................................................................14
C1. Selbstschutz........................................................................................................................................................14
C2. Empowerment...................................................................................................................................................16
Literatur......................................................................................................................................................................16

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H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

Vorwort

Seit vermehrt Flüchtlinge* im deutschsprachigen Raum Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen, explodieren die sozialen Netzwerke. Alle
und jede haben eine Meinung, eine Warnung,
Sorgen, sehr viel Hass und noch mehr Wut.
In vielen Formen treffen Benutzer_innen auf
explizit rassistische und flüchtlingsfeindliche
Aussagen und Kommentare, oder beteiligen
sich aktiv selbst daran. Schon lange agitieren
Rechtsextreme und Kameradschaften in Sozialen Netzwerken, besetzen gezielt Themen –
beispielsweise Heimatschutz – rekrutieren Gefolgschaft und verbreiten rechtsideologisierte
Propaganda. Im Zuge der Flüchtlingsdebatte
zeigt die Strategie nun Wirkung: Rechtsextreme Sprache und Bilder haben sich in kurzer
Zeit über die Sozialen Medien im gesellschaftlichen Mainstream re-etabliert und sind normal
im täglichen Gespräch über Flucht und Migration geworden. Gerade junge und weniger
informierte Menschen können von der Hassrede gegen Flüchtlinge in den Sozialen Medien
beeinflusst werden. Oft wirken nämlich diejenigen, die Hass gegen Flüchtlinge verbreiten,
in der Mehrheit. Sie sind lauter, dominanter
und schüchtern damit auch ganz gezielt ein.
Soziale Medien ermöglichen Austausch und
Vernetzung und können eben auch zur Verbreitung rassistischer Hetze und Rekrutierung
eingesetzt werden. Im schlimmsten Falle führt
dies auch zu konkreter Gewalt – nicht online,
sondern offline. Clausnitz, Freital und andere
Orte sind dafür Zeuge. Gerade auch weil sich
die Hetze zwangsläufig in reale Gewalt gegen
Menschen übersetzt, sind viele Nutzer_innen
von der Wucht menschenverachtender Hetze
gegen Flüchtlinge schlicht überwältigt. Sie wol-

len gegen die rechte ­Hetze vorgehen, handeln,
widersprechen, wissen aber nicht genau wie.
In dieser Broschüre werden die Möglichkeiten ausgelotet rassistischer Hetze entgegenzutreten. Wie melde ich rassistische Beiträge? Wie
kann ich eine Anzeige machen? Was muss ich
dabei beachten? Und was muss ich tun, wenn
ich selbst ins Fadenkreuz gerate? Die Broschüre richtet sich an alle Interessierten und die
vielen engagierten Flüchtlingshelfer_innen,
die sich gegen rassistische Hetze online wehren wollen, die sich eine Übersicht verschaffen
wollen zu der großen Frage: Was tun? Denn es
gibt viele verschiedene Möglichkeiten Hass zu
begegnen: Löschen, Blocken, Ignorieren, Diskutieren, Gegenrede, Strafverfolgung.
Entsprechend gibt die Broschüre einen Überblick, wie rassistische Hetze erkannt, gemeldet
und angezeigt werden kann. Aber auch Selbstschutz und das Veröffentlichen rassistischer
Hetze werden thematisiert. Die Handreichung
entstand im Rahmen des Projekts no-nazi.net.
Für die Unterstützung dankt die Stiftung sehr
herzlich dem Bundesministerium für Familie,
Frauen, Senioren und Jugend und der Freudenberg Stiftung, Weinheim.

*Hinweis: Der Begriff »Flüchtlinge« ist umstritten und aus verschiedenen Gründen problematisch. Wir haben uns aus Zugänglichkeitsgründen für diese Broschüre dennoch dazu
entschieden, den Begriff zu verwenden.

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H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

Aber zuerst: Rassistische Hetze
gegen Flüchtlinge überhaupt erkennen

Um gegen rassistische Hetze aktiv zu werden,
ist es notwendig ein Bewusstsein für rassistische Aussagen zu schaffen, um diese als solche zu erkennen. Im Kern werden Flüchtlinge
durch Hatespeech kollektiv abgewertet, immer
auch in Einklang mit gesellschaftlicher Diskriminierung. Beschimpfungen gegenüber Flüchtlingen, die meist mit rassistischen (häufig ­auch
sexistischen oder antisemitischen) Vorurteilen
verknüpft werden, sind ein relativ offensicht­
liches Merkmal von Hetze. Meist wird emotionaler Hass als rationale Argumentation
verpackt. Hetze bedient sich dabei falscher
Informationen, wie z.B. »Flüchtlinge beuten Sozialsysteme aus«. Indirekte Hassrede wirkt auf
den ersten Blick oft harmlos, legitimiert in letzter Konsequenz jedoch Rassismus und Gewalt
gegen Flüchtlinge, z.B. »Das Asylrecht gehört
abgeschafft«. (Artikel 16a des Grundgesetzes
garantiert Asyl als ein Grundrecht: »Politisch
Verfolgte genießen Asylrecht.«)
Häufige Formen rassistischer Hetze gegen
Flüchtlinge sind:

## Gegenüberstellung »Wir« und »Die«
## Verallgemeinerungen (»alle Flüchtlinge …)

chen Gründen nach Deutschland kommen,
nicht, weil sie Schutz vor Verfolgung suchen.
## Entmenschlichung: Gleichsetzung von
Flüchtlingen mit Insekten, Parasiten, Tieren, etc.
## Lügen über Geflüchtete und angebliche
Kriminalität, Gewalt, Vergewaltigungen,
­gefälschte Behördendokumente – oft getarnt als vorgebliches eigenes Erleben.
## Kulturrassismus (»Die passen einfach nicht
zu uns«)
## (Nationalistische) Relativierungen: Was ist
mit »unseren« Kindern/Obdachlosen etc.?
## Bald fühlt man sich fremd im eigenen
Land/»Volkstod«
## Die da oben/die Lügenpresse – erzählen
uns eh nicht die Wahrheit
## Wer Geflüchteten hilft, ist mindestens ein
Gutmensch, oder gleich linksextrem.
## Bin ich denn gleich ein Nazi, nur weil ich
…/wo ist meine Meinungsfreiheit, wenn ihr
meine Kommentare löscht?

Oft wird rassistische Hetze auch als Satire
oder Humor getarnt oder im Nachhinein
und Gleichsetzungen (z.B. Flüchtling = Mus- als Ausrede benutzt, es sei ja nur witzig
lim)
gemeint gewesen. Außerdem richtet sich
## Normalisierung von Diskriminierungen: der Rassismus nicht nur gegen Flüchtlinge,
»Ist doch kein Wunder, dass…«
sondern auch gegen nicht-weiße Deutsche,
## Projektionen von gesamtgesellschaftlichen die von der Hetze und den Übergriffen
Problemen wie Sexismus, Kriminalität oder ebenso betroffen sind.
Wohnungsmangel z. B. auf »Flüchtlinge«
# # Abwertende Bezeichnungen: z. B. »Wirtschaftsflüchtling« suggeriert, dass das
Grundrecht auf Asyl hier von Menschen
ausgenutzt werde, die nur aus wirtschaftli-

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H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

Hass auf Geflüchtete
in Sozialen Netzwerken
## findet sich aktuell in allen Kommentarspalten und -feldern, besonders
aber auf allen Seiten, die sich mit
dem Thema Flüchtlinge beschäftigen oder bei Medien, die über
Flüchtlinge berichten.

## Er wird durch strategisch durch

Rechtsextreme und Rechtspopulist_i­nnen geschürt, aber stark von
Alltags-Rassist_innen verbreitet.

## Es sind laut unserer qualitativen

Beobachtung Menschen aller Alters­und Bildungsschichten, beiderlei
Geschlechts, auch mit Migrationshintergrund – mit einer leichten
Verstärkung bei weißen, älteren
Männern.

Das passt zur Einstellungsforschung,
denn die zeigt seit Jahren, dass rund
25 % der Menschen in Deutschland
rechtspopulistische Einstellungen vertreten, 44 % stimmen der Abwertung
von Flüchtlingen zu.1

1 

Daten aus: Andreas Zick/Anna Klein: Fragile Mitte – Feindselige
Zustände (2014)

A. Melden und Anzeigen
A1.
Melden
In den Richtlinien vieler Sozialer Netzwerke ist
festgehalten, dass Nutzer_innen kein Material
freigeben oder veröffentlichen dürfen, das zu
Hass gegenüber Gruppen auf Grundlage ihrer
ethnischen Herkunft, Staatsangehörigkeit, Religion, Behinderungen, ihres Geschlechts, Alters, Gender oder ihrer sexuellen Orientierung
aufruft. Darunter fällt auch rassistische Hetze
gegen Flüchtlinge, die gemeldet werden kann.
In der Regel wird eine Meldung innerhalb von
48 Stunden bearbeitet, häufig innerhalb weniger Stunden.
Meldungen werden immer vertraulich behandelt. Die gemeldete Person wird nie erfahren wer sie gemeldet hat.
Die Meldefunktion bei Facebook unterscheidet
sich je nachdem, welche Art von Inhalt du melden möchtest. Grundsätzlich gilt aber, dass neben den Inhalten ein Optionsbutton zu finden
ist, unter dem sich die Meldefunktion finden
lässt. Informationen:
https://www.facebook.com/help

Erfahrungen zeigen, dass es erfolgreicher ist
spezielle Inhalte direkt zu melden, als das gesamte Profil oder Seiten.
Den Status deiner Meldung kannst du im
Support-Postfach überprüfen. Dort hast du
auch die Möglichkeit,, die Bearbeitung deiner
Meldung zu bewerten. Sollte eine Löschung
des entsprechenden Inhalts abgelehnt werden,
kannst du die Bearbeitung negativ bewerten
und dann ein Feedback schreiben. So kannst
du den Sachverhalt noch einmal genauer beschreiben und dadurch eine erneute Überprüfung des Falls veranlassen.

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Merke: Alle Netzwerke bieten die Möglichkeit,

einen Beitrag zu melden an. Meistens befinden
sich die Buttons zum Melden in dem zu meldenden Post selbst. Manchmal müssen noch
ein, zwei Klicks gemacht werden. Da sich das
Meldeverfahren auf den Plattformen regelmäßig ändert, findet sich hier nur Grundsätzliches. Den aktuellen und detaillierten Stand
findet ihr auf unserer Homepage: http://www.

H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

Kennzeichen verfassungswidriger
Organisationen (§ 86a StGB)
Ebenfalls ist es nicht zulässig, Kennzeichen
verfassungswidriger Organisationen zu verwenden. Hierunter fallen neben der Verwendung des Hakenkreuzes, diverse Runen, auch
Grußformeln wie »Heil Hitler« und »Sieg Heil«,
aber auch Liedtext und Melodie des HorstWessel-Lieds.

amadeu-antonio-stiftung.de/onlinehetze/
Belohnung und Billigung von Straftaten
(§ 140 StGB)

A2.
Anzeigen
Prinzipiell gilt: Was offline strafbar ist, ist auch
online strafbar und kann angezeigt werden.
Dabei ist zu beachten, dass Strafverfolgung oft
langsam ist, der Dynamik des Internets nicht
gerecht wird und keine Soforthilfe bietet. Die
Meinungsfreiheit wird in diesem Land durch
Artikel 5 des Grundgesetzes besonders geschützt. Das heißt auch, dass Meinungen, die
man nicht teilt und rundweg ablehnt aus rechtlicher Perspektive hinnehmen muss. Eine Anzeige macht daher nur Sinn, wenn es sich um
einen strafrechtlich relevanten Beitrag handelt.
Aber auch, wenn du dir nicht sicher bist: Eine
Anzeige zu viel, ist besser als eine zu wenig.

Volksverhetzung (§ 130 StGB)
Wer Menschen zu Hass gegen Flüchtlinge oder
andere Teile der Bevölkerung aufstachelt, zu
gewaltvollen Maßnahmen gegen diese aufruft
oder böswillig verächtlich macht, macht sich
gegebenenfalls der Volksverhetzung strafbar.
Nicht jede ausgrenzende Beleidigung oder Diskriminierung wie zum Beispiel »Flüchtlinge
unerwünscht« ist eine Straftat. Ein relativ klarer Fall von Volksverhetzung dürfte vorliegen,
wenn nationalsozialistische Gewalt verharmlost oder befürwortet wird.

Strafrechtlich relevant ist ebenso das Billigen
von Straftaten, sofern dies öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von
Schriften geschieht – hierunter fallen auch Internetkommentare. Zu den relevanten Straftaten zählen: Mord und Totschlag, Brandstiftung,
aber auch die Bildung terroristischer Vereinigungen. Wer sich zum Beispiel öffentlich hinter
die Taten des NSU stellt oder Brandanschläge
auf Flüchtlingsunterkünfte zustimmt, macht
sich eventuell strafbar.
Aufforderung zu Straftaten (§ 111 StGB)
Die öffentliche Aufforderung zu Straftaten ist
ebenfalls eine Straftat. Hierbei muss die Aufforderung hinreichend konkret sein. Provokationen und Unmutsäußerungen, wie das einfache Befürworten von Straftaten, reichen nicht
aus.
Beleidigung (§185 ff StGB)
Häufig sind die Hasstiraden der Internetkommentare auch mit Beleidigungen und Verleumdungen gespickt. Eine Beleidigung wird nur auf
Antrag der Beleidigten von der Polizei verfolgt.
Du kannst dich aber auch persönlich mit anwaltlicher Hilfe (zivilrechtlich) wehren.

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Die »Verunglimpfung des Andenkens
Verstorbener« (§189 StGB)

Dieser Paragraph setzt eine besonders schwere und grobe Herabsetzung voraus. Die Verunglimpfung kann auch unter einer Kollektivbezeichnung erfolgen, z.B. wenn in hämischer
Weise Kommentare über ertrunkene oder erstickte Flüchtlinge abgegeben werden.
Wie erstatte ich eine Anzeige?
Die Anzeige einer Straftat kann bei der Staatsanwaltschaft oder Polizei mündlich oder
schriftlich eingereicht werden. Daneben besteht auch die Möglichkeit, eine Anzeige online
zu erstatten. Viele Länder haben so genannte
Internetwachen eingerichtet:
https://de.wikipedia.org/wiki/internetwache

Formulierung einer Strafanzeige
Eine Strafanzeige kann ohne besondere Form
erstattet werden. Wichtig ist, was du anzeigen
willst und dass alle wichtigen Daten enthalten
sind. Es bietet sich jedoch folgende Formulierung an:

H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit erstatte ich Strafanzeige gegen
den Nutzer der Internetplattform Facebook,
welcher unter dem Namen XYZ auftritt
●● unbekannt
●● Herr Frau XYZ [+ Link zum Profil]
und bringe folgenden Sachverhalt zur Kenntnis:
Am XX.XX.XXXX um xx.xx verfasste Herr/
Frau auf der Plattform Facebook einen Beitrag folgenden Inhalts: »Laber Rhabarber,
Laber Rhabarber«.
●● Siehe Screenshot Bezug genommen.
●● Ich bitte darum, die entsprechenden Ermittlungen aufzunehmen und mich über
das Ergebnis zu benachrichtigen.
Des Weiteren stelle ich Strafantrag wegen aller in Betracht kommende Delikte
(Hinweis: Straftaten wie Beleidigung werden
nur auf Antrag verfolgt. Liegt dieser nicht
vor wird das Delikt nicht verfolgt. Strafantrag ist auch nur bei persönlicher Betroffenheit erforderlich).
Mit freundlichen Grüßen,
XYZ

Im Netz: Beweise sichern
Das Internet kann sehr flüchtig sein. Kommentare und Tweets sind manchmal so schnell gelöscht wie verfasst oder die Seite schlicht nicht
mehr auffindbar. Auch sehen es die Strafverfolgungsbehörden z.T. nicht als ihre Aufgabe
an, einem aus ihrer Sicht vagen Hinweis nach
zugehen. Deswegen immer Screenshots mit
Zeitstempel fertigen. Aus dem Screenshot sollte auch die URL hervorgehen.

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Eigene Daten schützen!
Der Eigenschutz sollte grundsätzlich an erster
Stelle stehen! Der Beschuldigte kann durch
Akteneinsicht die Personalien der Anzeigenden bekommen. Es versteht sich von selbst,
dass nicht jeder sein Geburtsdatum, Meldeanschrift und noch gegebenenfalls seine Telefonnummer in den Händen potentiell gewaltbereiter Menschen sehen möchte. Daher sind
verschiedene Schutzmaßnahmen gegen das
Bekanntwerden von Personalien bei einer
Strafanzeige möglich:
Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit,
eine Anzeige auch anonym aufzugeben. Der
einfachste Weg ist eine Anzeige per Email von
einem Fake-Account direkt an die E-mail-Adresse der zuständigen Staatsanwaltschaft zu schicken. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft im
Wohngebiet des Täters. Im Zweifelsfall kannst
du dich an die Staatsanwaltschaft in deinem
Ort wenden. Sie wird die Anzeige weiterleiten:
http://zustaendiges-gericht.de

Eine weitere Möglichkeit ist, dass man die
Strafanzeige zum Beispiel über ein Anwaltsbüro aufgeben lässt und dessen Adresse als ladungsfähige Adresse angibt.
Es sollte auch mitbedacht werden, dass die
Polizei bei Anzeigen die persönlichen ­Daten
des Anzeigenden speichert.

H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

B. Counterspeech:
Hetze entgegentreten und
sich organisieren
Sogenannte Counter Speech (»Gegenrede«) kann
eine Möglichkeit sein, sich aktiv mit dem Verbreiten flüchtlingsfeindlicher und rassistischer
Vorurteile und Hetze in Sozialen Netzwerken
auseinanderzusetzen und Menschen bei ihrem
Weg zu unterstützen, sich menschenrechtsorientiert in die Onlinedebatte einzubringen. Gegenrede ist vor allem deshalb wichtig, weil es den
sichtbaren und öffentlichen Widerspruch zu Rassismus und Hetze darstellt. Dadurch entsteht ein
Gegengewicht zur gefühlten Dominanz von Hassrede in Diskussionen und der Gesprächsverlauf
wird positiv beeinflusst. Denn Counter Speech
geht davon aus, dass es in einer Onlinedebatte
nicht nur die Diskriminierenden und die davon
Betroffenen gibt, sondern auch solche, die still
mitlesen und sich einbringen, wenn sie dazu eingeladen oder motiviert werden.

B1.
Argumentationsstrategien

Nachfragen
Einfaches Nachfragen kann hilfreich sein
und bringt manchmal eine schnelle Lösung.
Verständnisfragen, Fragen nach Beispielen
und Fakten, sowie nach der Intention decken
Zusätzliche Beschwerdestellen:
manchmal schnell Missverständnisse auf und
Anzeigen: Online-Wachen der Bundesländer: geben den Nutzer_innen die Chance den Post
Internet-Beschwerdestelle der FSM und ECO selbst zu überprüfen und zu reflektieren. Oft
e.V: www.internet-beschwerdestelle.de
ist das angebliche Wissen nur Copy & Paste,
Kommission für Jugendmedienschutz:
ohne, dass die Quelle wirklich gelesen wurde.
www.kjm-online.de/kontakt
Möglicherweise kann das Nachfragen durchJugendschutz.net:
aus eine Gegenargumentation befeuern. Wenn
www.jugendschutz.net/hotline/
nach dem Nachfragen weitere größere Themen und Diskriminierungen geäußert werden,
ist es besonders wichtig zu überlegen, ob die
diskriminierende oder vorurteilsbehaftete Po-

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H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

sition womöglich dazu genutzt wird, den Raum gegen eine Unterkunft für Flüchtlinge in der
einzunehmen und so zu tun, als wäre die ras- Nachbarschaft zu mobilisieren. Sehr oft wird
sistische Haltung die allgemeingültige.
die rechtsextrem strategisch organisierte Urheberschaft solcher Seiten und Diskussionen verBenennen
schleiert. Rechtsextreme geben sich gerne und
Es ist wichtig, Diskriminierung und menschen- sehr strategisch einen bürgerlichen Anstrich.
verachtende Äußerungen im Netz als solche Eine besondere Rolle spielen dabei rechtsextzu benennen, vor allem um sie nicht als etwas reme, weibliche Nutzerinnen, die über Themen
vermeintlich »normales« stehen zu lassen und wie Kindererziehung, Familie und Sexualitätses fälschlicherweise als legitim erscheinen zu vorstellungen sprechen und andere Frauen so
lassen. Benenne einen rassistischen Post als in rechte bis rechtsextreme Strukturen bringen.
solches: »Ist Ihnen klar, dass das rassistisch Deswegen ist es wichtig darauf zu achten, ob
war?« oder etwas konfrontativer »Das ist rassis- nicht organisierte Nazis hinter einer Diskussiotisch, belästigen Sie mich nicht damit«. Dabei nen im Internet stecken. Oft ist es leichter zu erist es hilfreich auf die Community Standards kennen, als sich erst vermuten lässt. Wen liken
hinzuweisen.
die Leute, die in einer Diskussion sind, noch?
Sich wehren und Gegenargumentieren.
Zur offenen Diskussion anregen macht schlauer als zu stigmatisieren. Versuche in der Diskussion ruhig und sachlich zu bleiben und dich
nicht zu Beleidigungen hinreißen zu lassen.
Wie heißt die These deines Gegenübers ohne
emotionales Beiwerk? Fordere harte Fakten
statt Pauschalisierungen und Gefühle. Weise
auf Lücken und Fehler in der Argumentationsweise hin und überprüfe verwendete Quellen.
Rechtsextreme und andere unseriöse Quellen
sollten benannt werden.
Rechtsextreme im Netz in der Diskussion
erkennen.
Rechtsextreme Strömungen und Akteur_innen
haben gemein, dass sie an eine Ideologie der
Ungleichwertigkeit glauben und diese auch aktiv in den Sozialen Netzwerke verbreiten. Für
sie sind soziale Netzwerke ein Ort der Verbreitung, Propaganda und auch der Rekrutierung
aus der politisch-gesellschaftlichen Mitte, die
sie mit dem Bild der »besorgten Bürgerschaft«
erreichen. Rechtsextreme holen potentielle Gefolgschaft bei emotionalen Themen ab um, z.B.

Fakten gegen die
Gerüchteküche
Hoaxmap.org hinterfragt angebliche
Straftaten von Geflüchteten
Seit einem halben Jahr sammelt das ehrenamtliche Webprojekt Hoaxmap.org Gerüchte
über vermeintliche Straftaten von Geflüchteten. Seitdem gibt es 345 (Stand 1. April
2016) dokumentierte vermeintliche Straftaten im Internet, die auch jeweils konkret mit
Fakten und einem Link auf seriöse Quellen
widerlegt werden. Mit Hilfe einer Deutschlandkarte werden die Falschmeldungen geographisch zugeordnet. Wesentliche Verbreitung finden die Gerüchte über die Sozialen
Netzwerke, wie Twitter, Tumblr und Facebook. Hauptsächlich dokumentiert die Karte
vermeintliche Sexualstraftaten, erfundene
Diebstähle und nicht belegte Tierquälereien. Insbesondere Profile von Akteure_innen
der rechtsextremen und rechtspopulistische
Szene verbreiten gezielt diese Falschmeldungen zur Hetze gegen alle Asylsuchende und
Flüchtlinge.

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Hass auf Geflüchtete –
»Nein zum Heim«-Seiten
## Aktuell 300 »Nein zum Heim«-Seiten

mit (vorgeblicher) lokaler Anbindung
allein bei Facebook
## Versuchen sich den Anschein »besorgter Bürger_innen« geben
## Oft von Rechtsextremen gesteuert
## Orte der Stimmungsmache, Fehlinformation, Lügen, aber auch ,der Bedrohung der Geflüchteten und von Helfenden
## Es wird auch zum Handeln aufgerufen;
mehrere gewalttätige Proteste gegen
den Einzug von Geflüchteten wurden in
diesen Gruppen organisiert (z.B. Heidenau, Freital)
## Neueste Entwicklung: BürgerwehrGruppen

Wichtig: Rechtsextreme wollen in der Regel

nicht diskutieren – sie wollen ihre Meinung
durchsetzen. Ziel einer Auseinandersetzung
mit ihnen ist, (schweigende) Dritte vom Gegenteil zu überzeugen. Sollte die Auseinandersetzung mit organisierten Nazis trotzdem gesucht
werden gilt Vorsicht. Organisierte Rechtsextreme meinen die Drohungen meistens sehr ernst.
Deswegen immer die eigenen Daten schützen,
mit anderen vernetzen und organisieren.

H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

Wer befeuert den Hass auf
Geflüchtete in Sozialen
Netzwerken strategisch?
## Erste NPD-Kampagne ab 2012
## Erste flüchtlingsfeindliche »Nein zum

Heim«-Gruppen ab 2013
## Dann als Kampagnenthema mit Chancen auf Anschluss an die »Mehrheitsgesellschaft« entdeckt
## Hass über Flüchtlinge verbreiten
●● Rechtsextreme Parteien (Der III. Weg,
Die Rechte)
●● Rechtspopulistische Parteien und
­Medien (»Junge Freiheit«)
●● Rechtsextreme FB-Seiten (z.B. Identi­
täre Bewegung, »Mädelbund Henriette
Reker«, Zuerst-Magazin)
●● Pegida und alle Ableger; außerdem FBSeiten einzelner Akteure: Lutz Bachmann, Tatjana Festerling, Akif Pirincci
●● »Nein zum Heim«-Gruppen mit lokaler
Anbindung (aktuell: 300)
●● Rechtsaußen- »Medien« wie PI-News
(»Politically Incorrect«), Kopp-Verlag,
Compact-Magazin
●● Neurechte »Medien« wie »Eigentümlich frei«, »Sezession im Netz«, »Blaue
­Narzisse«
●● Rechtsaußen-Facebook-Seiten wie
Anony­mous-Kollektiv, vorgebliche
»Patrioten«-Seiten, Verschwörungs­
ideologische Seiten

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H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

und Politik funktionieren. Zeige auf, für welche Werte du einstehst und wie es funktioniert, die Welt besser zu machen.

B2.
Mit Fakten gegen
Vorur­teile: Debunking

Erfolgt ein Themenhopping (viele verschiedene
Themen werden auf einmal angesprochen)
durch das Gegenüber, solltest du die Gesprächspartner_innen auf ein Thema festlegen und dies auch kommunizieren (»Du hast
jetzt viele Themen angesprochen, ich möchte
mir Dir aber nur über diesen einen, z.b. rassistischen Aspekt hier diskutieren«). Auch kann
es in Bezug auf Debatten um Flucht helfen,
inhaltlich bei dem Thema Menschenrechten
und Gleichwertigkeit zu bleiben, statt Nützlichkeitsdiskurse über »gute« und »schlechte« Migrant_innen zu beginnen. Auch andere
Störversuche mit dem Ziel die Diskussion zu
sprengen, sollten angesprochen und entlarvt
werden. Fordere Diskussionsregeln ein, denn
wer ernsthaft diskutieren will, lässt sich darauf ein.
Teil der Gegenrede kann auch sein, mit positiven Beispielen über soziale Werte wie Toleranz, Vielfalt, Freiheit, Demokratie statt Rassismus, Hass, Gewalt zu argumentieren und
möglicherweise zu erklären, wie Demokratie

Ein Mittel der Gegenrede bietet das so genannte Debunking, zu Deutsch »Entlarven«. Bei der
Methode geht es konkret darum, falsche Informationen oder Lügen in Vorurteilen, Mythen
und Überzeugungen mit Fakten offenzulegen
und zu entkräften. Debunking richtet sich
nicht nur an Personen, die falsche Informationen vertreten und verbreiten, sondern auch an
Mitlesende, die noch keine geschlossene Perspektive auf die Thematik entwickelt haben.
Debunking legt einen Schwerpunkt auf Fakten und bedarf deshalb einiger Einarbeitung,
um seine Wirkung entfalten zu können. Dazu
kann es hilfreich sein, sich mit Wissenschaftscommunities zu vernetzen, vertrauenswürdige
wissenschaftliche Quellen zu studieren oder
sich auf Debunkingseiten zu informieren. Dabei geht es weniger darum, Menschen noch
mehr Informationen zur Verfügung zu stellen,
als vielmehr Falschinformationen und -interpretationen, Gerüchte und Mythen als solche
aufzuzeigen und durch objektiv belegte Fakten
zu ersetzen. Nützliche Fakten und Argumente
im Kontext von Flüchtlingen liefert unter anderem die Broschüre »pro menschenrechte.
contra vorurteile«, die als pdf kostenlos heruntergeladen werden kann:
http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/hetze

Allgemein kann festgehalten werden, dass es
sich beim Debunking nicht um eine Methode
handelt, die alle menschenfeindlichen Falschinformationen aus der Welt zu schaffen vermag. Wenn nichts mehr geht, kann es besser

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sein, das Gespräch abzubrechen. Debunking
kann jedoch erfolgversprechend sein, wenn es
sich an Dritte wendet, die noch kein geschlossenes Weltbild ausgebildet haben. Manchmal
führen Sachargumente zu Diskussionsbereitschaft. Es kann hilfreich sein andere demokratische Nutzer_innen zu bitten mitzumachen
und Nutzer_innen , die sich bereits in einer
Auseinandersetzung befinden, argumentativ
zu unterstützen.
Beim Debunking empfiehlt es sich, einige
Punkte zu beachten, wenn die Methode erfolgreich angewandt werden soll:
## Die wesentlichen Fakten wiedergeben, statt
Falschinformationen zu wiederholen
## Zu viele Informationen und Fakten überfordern die angesprochenen Personen tendenziell. Deshalb sollte sich beim Debunking
auf die wichtigsten Fakten konzentriert
werden, damit diese im Gedächtnis verbleiben. Zusätzlich gilt es zu beachten, dass
die Wiederholung von Falschinformationen
bei Menschen dazu führen kann, dass sie
sich diese eher merken als die entgegenstehenden Fakten. Deshalb sollte, soweit es
möglich ist, vermieden werden, die Falschinformationen bei ihrer Widerlegung zu erwähnen. Bei Texten sollten die widerlegenden Informationen in der Überschrift und
im ersten Absatz vorkommen.
## Wenn auf Falschinformationen eingegangen werden soll, sollte ihnen eine Warnung
vorausgehen, dass es sich um Falschinformationen handelt.
## Es muss klar erkennbar sein, dass die verschwörungsideologischen Aussagen innerhalb des Debunkings eine falsche Wahrnehmung der Welt darstellen. Ohne die
eindeutige Warnung besteht die Gefahr,
dass lediglich die vertrauten und leicht zu
verstehenden Falschinformationen im Gedächtnis bleiben.

H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

## Das Debunking sollte nicht nur rassistische

und flüchtlingsfeindliche Vorurteile, Mythen und Überzeugungen widerlegen, sondern auch eine alternative Erklärung oder
auch eine Gegenerzählung (Counternarrative) für die Ereignisse bieten.
## Falschinformationen dienen nicht nur der
Umsetzung einer flüchtlingsfeindlichen
Politik. Sie bestärken auch entsprechende
menschenfeindlicher Vorurteile und Weltbilder. Damit nicht allein diese Geschichten
in der Gesellschaft kursieren, sollen ihnen
alternative Erzählungen entgegen gestellt
werden. Für demokratische Gesellschaften
ist es wichtig, dass Widerspruch sichtbar
geäußert wird.
Fallstricke vermeiden
Wie die genannten drei Hinweise zum Debunking schon andeuten, kann Debunking bei
falscher Anwendung auch das Gegenteil von
dem bewirken, was ursprünglich geplant war.
Hinzu kommt das Problem der geschlossenen
Weltbilder. Menschen, deren Weltbild maßgeblich von menschenfeindlichen Ideologien bestimmt wird, können durch den Versuch des
Debunkings in ihren Überzeugungen bestärkt
werden. Die Widersprüche zu ihren falschen
Überzeugungen widerlegen nicht einfach nur
die Falschinformationen, sondern sie bedrohen auch ihr Selbstbild. Um diese Menschen
für das Debunking empfänglich zu machen,
bietet sich an, dem Debunking einen Rahmen
zu geben, der es weniger bedrohlich für das
vollständige menschenfeindliche Weltbild der
angesprochenen Person wirken lässt. Auf diese Weise haben die im Debunking enthaltenen
Fakten eine größere Chance, nicht pauschal
abgelehnt zu werden und die Person langfristig zum Nachdenken über die eigenen Positionen zu bewegen.

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H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

C. Selbstschutz und Empowerment
C1. Selbstschutz
3. Nimm Beleidigungen
nicht zu persönlich
Sehr viele Angriffe haben mit dir als Mensch
rein gar nichts zu tun. Stattdessen handelt es
sich um eine Projektion. Insbesondere in Auseinandersetzungen auf Sozialen Netzwerken
sind Beleidigungen und Hass schneller getippt,
als es üblicher Weise ausgesprochen wird. Das
ändert nichts an der Menschenverachtung, die
1. Blocken, blocken, blocken
geäußert wird, aber hilft vielleicht ein wenig
In den Sozialen Medien gibt es die Möglichkeit, Abstand zu bekommen.
Nutzer_innen zu blockieren. Meinungsfreiheit
heißt nicht, dass du dir rassistische Äußerun- 4. Achte auf dich
gen und Angriffe anhören musst. Lass dir nicht Engagement gegen rechte Hetze ist wichtig,
erzählen, dass Blocken nicht okay sei.
aber auch Energie raubend. Deswegen ist es
Alle Plattformen geben dir die Möglichkeit sehr wichtig auf die eigene Gesundheit zu achzu blocken. Dafür musst du auf die Profilseite ten und sich im Zweifel auch mal aus Debatten
der zu blockierenden Person und dort in die rauszuhalten. Zivilcourage ist wichtig, aber es
Einstellungen gehen. Meistens bieten die Platt- hilft niemanden, wenn Zivilcourage leben beformen auch eine Liste mit den von dir blo- deutet, dass die eigene Gesundheit leidet.
ckierten Accounts an. Zudem gibt es die Möglichkeit, Accounts stummzuschalten (mute) 5. Nicht zu viele Rechtfertigungen
oder zum Entfolgen zu zwingen, indem du die Wenn du dich in den Sozialen Netzwerken
Leute blockst und wieder entblockst.
gegen Nazis oder positiv über Flüchtlinge äußerst, ist es sehr wahrscheinlich, dass du ange2. Schütze dich
griffen wirst. Lass dich nicht davon in die Ecke
Zivilcourage zeigen ist auch online nicht ganz treiben und fange an deine Aussagen zu rechtfrei von Gefahren. Rechtsextreme führen Lis- fertigen. Du musst dich nicht dafür entschulditen, teilweise auch öffentlich, und es kommt gen, dass du rassistischer Hetze widersprichst.
immer wieder zu Bedrohungen. Deswegen ist
Vor allem in einem Schlagabtausch mit Reches wichtig, im Zweifel anonym zu bleiben und ten mit einem gefestigten Weltbild, ist es oft beskeine privaten Daten und vor allem Adresse ser eine Diskussion abzubrechen. Wenn es dir zu
öffentlich zu machen.
viel wird, zieh dich auch mal raus und nutze Soziale Netzwerke vielleicht auch mal nicht. Freund_
innen treffen, ein Buch lesen oder ins Kino gehen
hilft auf andere Gedanken zu kommen und wieder zu sehen, dass die Welt nicht nur schlecht ist.
Sich mit flüchtlingsfeindlicher Hetze und diskriminierenden Äußerungen in den Sozialen
Medien zu beschäftigen, kann sehr schnell
belastend werden – insbesondere, wenn es zu
Beleidigungen und Angriffen gegen die eigene
Person kommt. Auf sich selbst zu achten und
sich zu schützen sollte daher nicht vernachlässigt werden.

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6. Suche dir professionelle Hilfe
Es gibt Momente, in denen professionelle Hilfe
notwendig ist. Sei es nun psychologische Betreuung oder aber Anlaufstellen, die Beratung
und Hilfe anbieten, wenn es um rechte Gewalt
geht. Das gilt ganz besonders dann, wenn Menschen aus dem direkten Umfeld betroffen sind.
Wichtig: Es gibt Beratungsstellen, die helfen,
wenn Familie und Freund_innen ins rechtsextreme Milieu abgleiten. Zum Beispiel die Mobile Beratung gegen Rechts.
7. Versuche Betroffene in Diskussionen
zu unterstützen
Stärke ihnen argumentativ den Rücken und
lasse sie wissen, dass sie nicht allein sind. Solidarität ist ein wichtiges Instrument!
8. Veröffentliche die härtesten Sachen
Öffentlichkeit bedeutet in diesem Fall Schutz
und Solidarität, Privatheit bedeutet vielleicht
sogar, dass du dich selbst mit dem Abfall alleine lässt. Veröffentliche es ruhig anonym, oder
auch mit Namen. Jedenfalls gilt: Anonymität
ist nicht unbedingt ein Indikator für Hass.
Die härtesten Sachen kommen oftmals von
Menschen, die in ihrer Signatur mit vollem
Namen auftreten.
9. Suche Verbündete
Ermutige auch andere Nutzer_innen, sich gegen Hatespeech zu positionieren und schließt
euch zusammen. Gemeinsam ist vieles einfacher. Wenn Nutzer_innen mit rassistischer
Hetze gegen Flüchtlinge nerven, hilft es, wenn
sich mehrere im Forum dagegen aussprechen –
einfach darum bitten, wenn das nicht ­passiert!

H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

10. Netzwerken
Netzwerke aus Gleichgesinnten, die sich mit
Neuigkeiten und Nachrichten versorgen und
die sich mobilisieren lassen sind auch online
sehr wichtig. Es kann zum Beispiel auf Veranstaltungen, Publikationen und Aktionen hingewiesen werden. Gemeinsam lässt sich auch
eine größere Aktion im Internet realisieren:
zum Beispiel eine Hashtag-Kampagne oder
eine witzige Facebook-Seite, um rechte Hetze
mit Humor in den Schatten zu stellen.

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H E T Z E G E G E N F L Ü C H T L I NG E

C2. Empowerment

Literatur:

Das Engagement gegen rechte Hetze in den Sozialen Medien ist sehr wichtig, dabei darf aber
ein Punkt nicht aus dem Auge verloren werden: Die Geschichten und die Perspektive der
Flüchtlinge selbst zu sehen und zu verbreiten.
Flüchtlinge haben selbst eine Stimme, diese zu
hören und zu verstärken kann helfen, rechter
Hetze aktiv entgegen zu treten. Es gibt dazu
viele Projekte. Hier eine kleine, unvollständige Liste:

Viraler Hass. Rechtsextreme Kommunikationsstrategien im Web 2.0: http://www.netz-gegen-nazis.de/files/Viraler-Hass-Final.pdf

Zwischen Propaganda und Mimikry – Neonazi-Strategien in Sozialen Netzwerken: http://
www.netz-gegen-nazis.de/files/Netz%20gegen%20
Nazis2.0%20Internet.pdf

Neonazis im Web 2.0: Erscheinungsformen und
Gegenstrategien: http://www.netz-gegen-nazis.de/

●●

http://www.fluchtnachvorn.org/

artikel/neonazis-im-web-20-erscheinungsformen-

●●

https://www.facebook.com/sharehausrefugio/

und-gegenstrategien-1212

●●

http://www.thecaravan.org/

●●

http://www.refugeesemancipation.com/ und

●●

https://twitter.com/REmancipation

Liken. Teilen. Hetzen. Neonazis-Kampagnen in
Sozialen Netzwerken: http://no-nazi.net/wp-con-

●●

h t t p : / / w w w. r e f u ge e r a d i o n e t w o r k . n e t /

tent/uploads/2013/04/Liken.Teilen.Hetzen.pdf

projekt.­html und https://www.facebook.com/
refugeeradionetwork/?fref=ts (Radio von Re-

●●

Die Brandstifter. Rechte Hetze gegen Flüchtlinge: http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/

fugees für Refugees, bundesweit, mehrere
Sendestandorte)

files/pdfs/broschuere_brandstifter_internet.pdf

https://arriving-in-berlin.de/ (Map made by re-

no-nazi.net-Projekt: http://no-nazi.net/

fugees, Berlin)
●●

https://asyl-in.de/ (Um den Flüchtlingen die

Das Bild des »übergriffigen« Fremden. Warum
Gelegenheit zu geben, ihre Geschichten zu ist es ein Mythos? Wenn mit Lügen über seerzählen und sicher zu kommunizieren, xualisierte Gewalt hass geschürt wird: http://
stellt das Projekt vielfältige Infrastruk- www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/gentur zur Verfügung, die nachfolgend darge- der_und_rechtsextremismus.pdf
stellt wird. Die Zuarbeit durch das Projekt
beschränkt sich dabei ausschließlich auf Nachfragen, Klarstellen, Grenzen setzen – Hand­­
strukturelle Maßnahmen. Sämtliche Inhalte lungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD:
ergeben sich aus den vielfältigen Geschich- https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/
files/pdfs/afd-handreichung.pdf
ten der Flüchtlinge.)

Übersicht der Projekte aus dem Refugee Pro Menschenrechte. Contra Vorurteile. – Fakten und Argumente zur Debatte über FlüchtlinHackathon
●● http://refugeehackathon.de/ergebnisse/doku- ge in Deutschland und Europa: https://www.
teil-3-bearbeitete-projekte/ u.a. spannend http:// amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/browww.weconnect.berlin/
schuere_pro_contra_internet.pdf

UNTERSTÜTZEN SIE INITIATIVEN
FÜR WILLKOMMENSKULTUR UND EIN
DEMOKRATISCHES MITEINANDER
Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wendet. Hierfür fördert und unterstützt die Stiftung Initiativen überall in Deutschland, die sich in
Jugendarbeit und Schule, im Opferschutz und der Opferhilfe, in kommunalen
Netzwerken und vielen anderen Bereichen engagieren. Zu diesen bereits über
1000 unterstützten Projekten gehören zum Beispiel:
## das Glossar der Neuen Deutschen Medienmacher zu diskriminierender
Sprache,
## die Bildungswochen »Anerkennen statt Ausgrenzen« in Halle zu Asylpolitik, Rechtsextremismus, sexueller Identität und Inklusion
## und die Theatertour »Asylant im Wunderland« des Flüchtlingsrats Mecklenburg-Vorpommern.
Die Stiftung ist nach Amadeu Antonio benannt, der 1990 von rechtsextremen
Jugendlichen im brandenburgischen Eberswalde zu Tode geprügelt wurde,
weil er eine schwarze Hautfarbe hatte. Er war eines der ersten von heute fast
200 Todesopfern rechtsextremer Gewalt seit dem Fall der Mauer.
Die Amadeu Antonio Stiftung wird unter anderem von der Freudenberg Stiftung unterstützt und arbeitet eng mit ihr zusammen. Sie ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen und hat die Selbstverpflichtung der Initiative Transparente Zivilgesellschaft unterzeichnet.
Kontakt
Amadeu Antonio Stiftung
Novalisstraße 12
10115 Berlin
Telefon: 030. 240 886 10
Fax: 030. 240 886 22
info@amadeu-antonio-stiftung.de
amadeu-antonio-stiftung.de
facebook/AmadeuAntonioStiftung
twitter.com/AmadeuAntonio
Spendenkonto
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IBAN: DE32 4306 0967 6005 0000 00
SWIFT-BIC: GENODEM1GLS
Bitte geben Sie bei der Überweisung eine Adresse an, damit wir Ihnen eine
Spenden­bescheinigung zuschicken können.

Rassistische Hetze gegen Flüchtlinge ist
in den Sozialen Netzwerken an der Tagesordnung. Es gilt also der Hetze im Internet
entgegenzutreten. Nur wie?
Diese Handreichung gibt einen Überblick,
was konkret getan werden kann, wenn im
Internet wieder jemand rassistisch hetzt.
        
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