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Full text: Abfälle vermeiden / Tansey, Rachel

ABfälle
Vermeiden
Für eine optimale
Kreislaufwirtschaft
Reicht Recycling
nicht auS

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Herausgeber: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V., Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, www.bund.net · Die englische
Originalfassung mit dem Titel: “Preventing Waste: recycling isn’t enough for a circular economy” wurde von Friends of the Earth
Europe veröffentlicht. · Autorin: Rachel Tansey · Recherche und Textentwurf: Joseph Zacune · Dank für Kommentare und Input an:
Ariadna Rodrigo, Julian Kirby, John Hyland, Keith James and Lasse Brand. · Übersetzung: Sandra H. Lustig, Dr. Rolf Buschmann
In dankbarer Anerkennung der in diesem Bereich von Zero Waste Europe, RREUSE, iFixit, Repair Cafe, European Environmental
Bureau, und zahlreichen weiteren Organisationen geleisteten Arbeit, auf die in diesem Bericht Bezug genommen wird, sowie alle
Projekte und Initiativen, die in diesem Bericht präsentiert oder genannt werden. · Gestaltung: www.lindsayynobledesign.com ·
V.i.S.d.P.: Yvonne Weber · Januar 2016

Friends of the Earth Europe ist der europäische Zweig von Friends of the Earth International. Es ist
Europas größtes Umweltnetzwerk, das in mehr als 30 europäischen Ländern nationale Gruppen sowie
AktivistInnengruppen vereint. Als die Stimme der BürgerInnen Europas setzen wir uns für nachhaltige
Lösungen ein, von denen unser Planet, die Menschen sowie die Zukunft profitieren. Friends of the Earth
Europe nimmt Einfluss auf die europäische und auf die EU-Politik und schafft Bewusstsein für Umweltthemen.
Nähere Infos auf: www.foeeurope.org

Dieses Projekt wurde gefördert von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Umwelt. Die in diesem
Dokument geäußerten Ansichten spiegeln nicht notwendigerweise diejenigen der Förderinstitutionen wider.
Die Förderinstitutionen übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Genauigkeit oder Vollständigkeit der
Informationen oder für die Beachtung der privaten Rechte Dritter.

Dieses Projekt wurde gefördert von:

Die Übersetzung aus dem Englischen erfolgte im Auftrag des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. und wurde mit
Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit unter dem Förderkennzeichen Z6-90381-752
gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autor/-innen.

2

EINLEITUNG
Die vielen sozialen, ökonomischen und Umweltvorteile, die aus einer soliden Ressourcenpolitiken resultieren würden, werden sowohl von der Europäischen Union (EU) als
auch von den Regierungen ihrer Mitgliedstaaten anerkannt. Beispielsweise fördert die
Wiederverwendung und Reparatur von Produkten die Schaffung von Arbeitsplätzen und
vermeidet die Auswirkungen der Mineral- und Metallgewinnung, der Müllverbrennung und
der Deponierung. Jedoch scheint das Risiko zu bestehen, dass politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger die Ambitionen zur Förderung von Wiederverwendung und Reparatur und die breitere Vision eines Europas, das ressourceneffizienter ist
und weniger konsumiert, aufgeben könnten. Im vorgeschlagenen Arbeitsprogramm der
Europäischen Kommission für 2015, das im Dezember 2014 veröffentlicht wurde, wurde
deutlich, dass das Kreislaufwirtschaftspaket   , das Recyclingraten erhöhen und Vorschriften zur Müllverbrennung und Deponierung verschärfen sollte, fallengelassen wurde – trotz
der Unterstützung durch das Europäische Parlament und den Europäischen Rat. Analysen der Europäischen Kommission zufolge soll das Paket bis 2030 außerdem mehr als
180.000 Arbeitsplätze in Europa direkt schaffen und 62 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent
vermeiden2, wobei die vollständige Umsetzung der bestehenden EU-Abfallgesetzgebung 	
72 Milliarden Euro pro Jahr einsparen soll3. Zudem könnten Fortschritte in Bezug auf die
Ziele des Fahrplans für ein ressourcenschonendes Europa (also mehr als die Umsetzung
bestehender Rechtsvorschriften) helfen, 526.000 Arbeitsplätze und zusätzlichen Umsatz
in Höhe von 55 Milliarden Euro, verglichen mit 2008, zu schaffen4. Die Unsicherheit und
Verzögerungen aufgrund der Streichung des Kreislaufwirtschaftspakets stehen vollkommen im Widerspruch zur Verpflichtung der EU auf die Schaffung einer nachhaltigen
Wirtschaft.  
Zunächst hat Vizepräsident Frans Timmermans Mitgliedern des Europäischen Parlaments
(MdEP) versprochen, dass die Kommission 2015 einen neuen, ambitionierteren Vorschlag
vorlegen würde5. Es ist unbedingt notwendig, dass die Juncker-Kommission hierfür zur
Rechenschaft gezogen wird, und dass die Streichung und Wiedervorlage des Kreislaufwirtschaftspakets nicht dazu genutzt wird, auf Geheiß rückwärtsgewandter Wirtschaftslobbys wichtige Aspekte zu schwächen und zu streichen – im Gegensatz zu den Bedürfnissen fortschrittlicher Unternehmen und Menschen sowie des Planeten
In Europa ist unsere Wertschätzung der Ressourcen, die wir verbrauchen, nicht hoch genug. Nach wie vor werden mehr als 50 % der Siedlungsabfälle deponiert und verbrannt6,
was Berechnungen zufolge dem Verschleudern von mehr als 5 Milliarden Euro pro Jahr
gleichkommt7. Das Ziel der europäischen Abfallgesetzgebung, die mit der Abfallrahmenrichtlinie von 2008 rechtlich etabliert wurde, ist es, Mitgliedstaaten hin zu Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling, der Spitze der Abfallhierarchie, zu steuern8.
Jedoch ist belegt, dass Verbrennung und Deponierung weiterhin in ganz Europa die Norm
sind.
Wir können diese Situation verändern, aber nicht durch die Aufgabe der Abfall- und
Ressourcenpolitik. Das Kreislaufwirtschaftspaket hätte nicht nur nicht gestrichen werden
dürfen, es hätte vielmehr gestärkt und zum Schlüsselthema anderer Politikfelder gemacht werden sollen, insbesondere der Wirtschaftspolitik. Dieser Schritt wirft uns zurück,
kommt den Interessen eng definierter und rückwärtsgewandter Wirtschaftsinteressen allzu sehr entgegen und fügt den Aussichten Europas für einen tatsächlich zukunftsfähigen
Wirtschaftsaufschwung erheblichen Schaden zu. Außerdem ist es unerlässlich, dass die
EU sich nicht ausschließlich auf Abfall konzentriert, sondern auf den Ressourcenverbrauch
insgesamt, da Europa nach wie vor mit einem Material-Fußabdruck von 21 Tonnen pro
Person und Jahr einer der Kontinente mit dem weltweit höchsten Ressourcenverbrauch
ist10. Abfallminderung und die Ausrichtung unseres Umgangs mit Abfall auf soziale und
ökologische Nachhaltigkeit sind wichtige Schritte, jedoch erfordert eine bessere Ressourcennutzung einen umfassenderen Ansatz. Abfall ist ein Output unseres sozioökonomischen Systems. Selbst wenn wir 100 % eines bestimmten Materials recyceln, bleibt unsere
Nachfrage nach Primärrohstoffen aufgrund unseres hohen und steigenden Warenkonsums in Europa hoch. Ein Beispiel: trotz hoher Aluminiumrecyclingraten (62 % bis 95 %)
ist unsere Nachfrage so groß, dass sie durch recyceltes Aluminium allein nicht befriedigt
werden kann – recyceltes Aluminium deckte 2008 nur 35 % des Verbrauchs in Europa –
was eine kontinuierliche Nachfrage nach dem Primärrohstoff schafft11.

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VERMEIDUNG

VORBEREITUNG ZUR
WIEDERVERWENDUNG

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RECYCLING
RÜCKGEWINNUNG
BESEITIGUNG

ABBILDUNG 1.

DIE ABFALLHIERARCHIE
Die EU und ihre 28 Mitgliedstaaten sind rechtlich verpflichtet, Abfälle
entsprechend der Abfallhierarchie zu entsorgen.
An erster Stelle steht die Abfallvermeidung (Vermeidung, Minderung
und Wiederverwendung), gefolgt von der Vorbereitung zur Wiederverwendung (Prüfung, Reinigung oder Reparatur von Erzeugnissen oder
Bestandteilen von Erzeugnissen für eine weitere Verwendung)9, dann
Recycling, Verwertung (z.B. anaerobe Gärung zur Gewinnung von Energie aus organischen Abfällen) und schließlich Beseitigung (z.B. Deponierung). Dies ist in der EU-Abfallrahmenrichtlinie von 2008 festgelegt.
Sie schreibt vor, dass die Abfallbewirtschaftung die Umwelt und die
menschliche Gesundheit nicht beeinträchtigen darf.  

4

Europa kann die Herausforderungen einer von Ressourcenknappheit
geprägten Welt nicht meistern, es sei denn, dass das Abfallrecht Teil einer
breiter angelegten Strategie zur Senkung unseres Ressourcenverbrauchs
wird. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts sind die Rohstoffpreise – mit einer
Steigerung von 147 % im ersten Jahrzehnt – in die Höhe geschossen12. Die
globale Mittelschicht wächst. Die Welt ist mit stetig steigender Nachfrage
nach derselben endlichen Menge natürlicher Ressourcen konfrontiert, was
zu stärkerem Wettbewerb führt. Eine Entwicklung in Richtung Kreislaufwirtschaft ist ein sehr wichtiger Schritt auf dem Weg, diese Herausforderung anzupacken, jedoch geht eine Kreislaufführung selbst nicht mit dem
Problem um, dass wir insgesamt über unsere Verhältnisse leben, nämlich
über die planetaren Grenzen hinaus. Dies hat sowohl für den Planeten als
auch für die Menschen irreversible negative Konsequenzen, denn unsere
Ökosysteme sind über ihre eigene Regenerationsfähigkeit hinaus strapaziert – dies bedeutet u.a. Verlust an Biodiversität, Bodenerosion, Klimawandel und Schädigung von Ressourcen.  
Deswegen reicht es nicht aus, die Wirtschaft in Richtung Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln. Europäerinnen und Europäer konsumieren
weiterhin zu viel, mehr als unseren Anteil an den Rohstoffen der Erde.
Seit Jahrhunderten gehören wir zu den stärksten Konsumentinnen und
Konsumenten und tragen so dazu bei, dass die Menschheit insgesamt
die Grenzen des Planeten überschreitet. Jedes Jahr erreichen wir die
Überlastung der Erde früher; im Jahre 2014 war das Datum, an dem die
Menschheit die Kapazität des Planeten zur Reproduktion nachwachsender
Rohstoffe und zur Bindung von CO2 überschritt, der 19. August13. Bemerkenswert ist außerdem folgende Schätzung: wenn alle Menschen weltweit
wie durchschnittliche EU-Bürgerinnen und -Bürger lebten, bräuchten wir
etwa zweieinhalb Planeten Erde, um unsere Ansprüche an die Natur zu
befriedigen14. Deswegen ist es sowohl eine Notwendigkeit als auch eine
Frage der Gerechtigkeit für die EU, Instrumente und Politiken einzuführen, die uns eine gute Lebensqualität bei niedrigerem Konsum ermöglichen.
Die gute Nachricht: Gemeinden in ganz Europa beginnen, die Führungsrolle im dringend benötigten Wandel zu übernehmen. Ohne Veränderungen in der EU-Gesetzgebung können diese Best Practices jedoch nur
marginal und örtlich begrenzt bleiben. Der vorliegende Bericht dokumentiert eine Reihe lokaler Projekte, die Europa helfen, Rohstoffverbrauch
und -verschwendung zu senken, und legt Politikempfehlungen vor, die
es ermöglichen würden, dass diese Best Practices zur Norm werden. Die
Fallstudien machen deutlich, dass es häufig Gemeinschaften mit knappen Ressourcen sind, die, von Nachhaltigkeitsprinzipien geleitet, eine
Führungsrolle bei der Verbesserung der Ressourcennutzung und der
Abfallvermeidung einnehmen. In manchen Fällen kann öffentlicher Druck
zu einem Politikwandel auf lokaler Ebene führen, wie etwa in Capannori
(Italien) und Argentona (Katalonien). Anderswo helfen Netzwerke von
Reparaturcafés, Zero-Waste- (Null-Abfall-) Gemeinden, Online-Plattformen für Wiederverwendung, “Ausleihläden”, Bibliotheken zum Ausleihen
von Kleidung und Werkzeug und lokale Kompostierungsinitiativen dabei,
die Lücke zu füllen, die durch Untätigkeit auf der nationalen und regionalen Ebene entstanden ist.
Ohne ausreichende politische und finanzielle Unterstützung werden diese
Aktivitäten jedoch eine verstreute Minderheit bleiben, mit dem Risiko,
dass sie aufgrund unzureichender Ressourcen oder Infrastruktur im Sande
verlaufen. Der EU und ihren Mitgliedstaaten stehen leistungsfähige Politikoptionen zur Verfügung, um solche Projekte zu fördern, was gleichzeitig
deutliche wirtschaftliche, soziale und Umweltvorteile mit sich brächte. Die
politischen Handlungsempfehlungen in diesem Bericht sollen die Lücke
füllen zwischen den nicht erreichten europäischen Politikzielen und dem
ressourceneffizienten Europa mit geringerem Konsumniveau, zu dem sich
die EU entwickeln kann – und muss. Die Notwendigkeit und Effektivität
vieler Handlungsempfehlungen werden von den begleitenden Fallstudien
veranschaulicht und inspiriert. Wenn Mitgliedstaaten mehr tun, um solche
nachhaltige und lokale Initiativen zu unterstützen, werden sie finanzielle
Einsparungen, die Schaffung von Arbeitsplätzen, weniger teuren Abfall
und mehr Umweltschutz realisieren.

5

POLITISCHE HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft ist in der EU dringend
nötig, aber derzeit fördern die EU-Institutionen nicht das richtige
Verhalten. Ressourceneffizienzpolitik leidet konsistent unter ihrem
unverbindlichem Charakter, sodass Mitgliedstaaten entscheiden,
ob sie die Maßnahmen einführen oder nicht. Verschiedene Auslegungen und unterschiedlich starker Ehrgeiz in den Mitgliedstaaten
hat zu einem “Europa der zwei Geschwindigkeiten" geführt, wobei
Länder wie Deutschland und Österreich ihre eigenen Agenden zum
Thema Rohstoffverbrauch entwickeln, während andere das Thema
überhaupt nicht aufgreifen15. Noch schlimmer: das Kreislaufwirtschaftspaket ist nun gestrichen, mit der Folge, dass das Schicksal
der Abfallgesetzgebung nun unsicher und von den Versprechen
der Juncker-Kommission hinsichtlich eines ambitionierteren Vorschlags in 2015 abhängig geworden ist.
Bezüglich Abfall ist die unzureichende Umsetzung der bestehenden EU-Abfallgesetzgebung nur ein Teil des Problems. In gegenwärtigen Politiken sind die Bemühungen nicht ausreichend auf
die Spitze der Abfallhierarchie (Vermeidung, Wiederverwendung
und Vorbereitung zur Wiederverwendung) ausgerichtet, was die
Umwelt-, sozialen und ökonomischen Kosten des in Europa produzierten Abfalls nicht ausreichend berücksichtigt. Die Abfall- und
Rohstoffpolitik der EU muss rechtliche und ökonomische Bedingungen schaffen, die der angemessenen Wertschätzung von Rohstoffen und Produkten dienlich sind, sodass die beste Option ist,
sie im Wirtschaftssystem zu belassen. Bei diesem Wandel kommt
der Politik eine bedeutende Rolle zu.

6

HANDLUNGSEMPFEHLUNG 1.

ROHSTOFFEFFIZIENZ ZU
EINEM SCHLÜSSELTHEMA DER
POLITIK MACHEN
1.1 ÜBERWACHUNG UND MESSUNG DES RESSOURCENVERBRAUCHS
IN EUROPA GEWÄHRLEISTEN, U.A. DURCH MESSUNG DER LAND-,
WASSER-, CO2- UND MATERIAL-FUSSABDRÜCKE.
Natürliche Ressourcen bilden die Grundlage unserer Gesellschaften.
Ohne sie könnten wir nicht leben, und unsere Volkswirtschaften könnten
nicht funktionieren. Dennoch misst die EU von ihr verbrauchte Rohstoffmenge nicht, und sie evaluiert nicht, ob ihre Politiken die Ressourceneffizienz steigern. Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts stiegen die
Materialienpreise insgesamt um 135 %, die Energiepreise um 190 % und
die Lebensmittelpreise um 135 %, bei zunehmender Schwankungsanfälligkeit der Preise16. Der Rohstoffverbrauch der EU wächst weiter, und
20-30 % der 2010 in Europa verbrauchten Rohstoffe wurden importiert17.
Ineffiziente Konsum- und Produktionspraktiken in der EU schädigen
Ökosysteme und die menschliche Gesundheit weit über die Grenzen
Europas hinaus, denn die negativen Umwelt- und sozialen Auswirkungen
des Rohstoffabbaus werden in andere Teile der Welt verlagert: Kontamination und übermäßige Nutzung von Wasser, Verlust der Biodiversität, Vertreibung von Gemeinschaften, Verletzungen und Krankheiten.
Steigender Konsum bedeutet stets steigende Ansprüche an den Planeten sowie stärkeren Wettbewerb um Rohstoffe zwischen Ländern und
zwischen verschiedenen Nutzungen, beispielsweise ob Land für Lebensmittel, Treibstoffe oder Biodiversität genutzt wird.
Die hohen Umwelt-, sozialen und ökonomischen Kosten des Ressourcenverbrauchs bedeuten, dass Europa mit einer ambitionierten und gerechten EU-weiten Strategie zur Ressourcennutzung eine Führungsrolle
einnehmen muss. Der erste Schritt dabei ist, die vier Fußabdrücke zu
messen:

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•	 Land-Fußabdruck, in Hektar, inklusive Land außerhalb der EU, das zur
Herstellung importierter Produkte genutzt wird;
•	 Material-Fußabdruck, in Tonnen, inklusive der Materialien, die zur Herstellung nach Europa importierter Produkte eingesetzt werden;
•	 Wasser-Fußabdruck, in Liter, inklusive außerhalb der EU bei der Herstellung importierter Produkte verbrauchtes Wasser;
•	 Treibhausgas-Fußabdruck, in CO2 Äquivalenten, inklusive Emissionen
außerhalb der EU im Zuge der Herstellung von in Europa konsumierten
Produkten18.

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RIA

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Siehe Handlungsempfehlungen 1.2, 1.3 und 3.2 für Hinweise darauf,
wie die vier Fußabdrücke in andere Politikinstrumente und -bereiche
einbezogen werden sollen. Die Fallstudien in diesem Bericht zeigen die
Arten von Aktivitäten auf, die durch Politiken gefördert würden, die die
Land-, Wasser-, Material- und CO2-Fußabdrücke erfassen und zu senken
versuchen, u.a. Ausleihläden und Leasingmodelle (siehe Kästen 1 und
3), Wiederverwendungsnetzwerke (siehe Kasten 6) und Reparaturcafés
(siehe Kasten 8).

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7

KASTEN 1.

AUSLEIHLÄDEN UND DIE
MACHT DES TEILENS
Modelle zum Teilen, Leasing und Ausleihen gehören zu den lokalen sozioökonomischen Aktivitäten, die nicht nur ressourceneffizienter sind,
sondern die aktiv den Rohstoffverbrauch senken (siehe Kasten 3 zu
Leasingmodellen). Die Messung der Ressourcennutzung bildet den ersten Schritt zur Wertschätzung der natürlichen Ressourcen. Außerdem
ermöglicht sie Modellen, die dies genauer widerspiegeln, erfolgreich zu
arbeiten und sich durchzusetzen. Die Einführung der vier Fußabdrücke,
und insbesondere ihre Anwendung in der legislativen Folgenabschätzung und der Wirtschaftspolitik, würde die Grundlage für Politiken zur
Förderung von Projekten wie Ausleihläden, Wiederverwendungszentren (siehe Kasten 6) und Reparaturcafés (siehe Kasten 8) schaffen.
Siehe Handlungsempfehlungen 1.1 und 1.2. Ausleihplattformen helfen
Menschen, Geld zu sparen und sich miteinander zu vernetzen, Abfall 	
zu vermeiden und Ressourcen zu schonen sowie Denkweisen zu verändern, indem sie die Vorzüge des Teilens auf Grundlage gegenseitigen
Vertrauens innerhalb eines Wirtschaftssystems vermitteln.
Das Leila-Projekt ist ein 2010 von einer privaten Initiative gegründeter
Ausleihladen in Berlin mit ca. 750 Mitgliedern. Um Mitglied zu werden,
muss man lediglich einen Gegenstand spenden, der dann von anderen Mitgliedern ausgeliehen werden kann – es gibt keine Verträge,
und Geld bleibt außen vor19. Am häufigsten wird eine Bohrmaschine
ausgeliehen. Wenn sie im Besitz von einer Person ist, dann wird eine
Bohrmaschine typischerweise über ihre gesamte Lebensdauer hinweg
13 Minuten lang benutzt20 – offensichtlich spart das Ausleihen solcher
Werkzeuge verglichen mit dem Kauf sowohl Geld als auch Ressourcen.
Insgesamt sind etwa 800 Gegenstände im Angebot, u.a. Teller, Besteck,
Spielzeug, Umzugskartons und Elektro-Haushaltsgeräte. In der ersten
Jahreshälfte 2014 wurden 2.300 mal Gegenstände ausgeliehen, mit
steigender Tendenz21. Leila wird von Freiwilligen betrieben und stützt
sich auf kleine Spenden, die gerade die Ladenmiete abdecken. Versuche, vom Land Berlin finanzielle Förderung zu erhalten, scheiterten,
was einen Mangel an öffentlicher Unterstützung für diese Art Projekt
aufzeigt – trotz der Verpflichtung der EU, der Spitze der Abfallhierarchie, nämlich der Vermeidung, Priorität einzuräumen. Solche Initiativen
gibt es in ganz Europa, und sie benötigen Unterstützung, denn sie
kämpfen nach ihrer Gründung ums Überleben, anderswo in Berlin, in
Kiel und in Wien.
Ecomodo ist ein internetbasiertes Sharing-Projekt in London, ein direktes Ausleihnetzwerk unter Gleichen, mit dem Ziel "unsere gelegentlichen Bedürfnisse und Wünsche durch Miete statt durch Eigentum zu
befriedigen", und gleichzeitig Vorteile für die Umwelt, die Allgemeinheit und die Brieftaschen von Bürgerinnen und Bürgern zu erzielen.
Von Rasenmähern, Zelten und Golfschlägern bis hin zu Luftmatratzen,
Digitalprojektoren und Werkzeugen – dies alles wird ausgeliehen. Und
zwar entweder kostenlos oder gegen Gebühr, und die Ausleihenden
können den Geldbetrag entweder behalten oder für einen wohltätigen
Zweck spenden22. Ecomodo ist ein soziales Unternehmen, das soziale
und Umweltbedürfnisse befriedigt, aber wie ähnliche Projekte auch
sind seine Größe und Reichweite stark begrenzt. Projekte, die Teilen
und gemeinsames Eigentum fördern, benötigen öffentliche Unterstützung, um sich hochzuskalieren und stärker an die Öffentlichkeit
zu treten. Die EU hat zweifellos eine Rolle zu spielen, nämlich bei der
finanziellen und politischen Unterstützung in den EU-Mitgliedstaaten
für faire Bedingungen zu sorgen23.

8

1.2 ÜBERPRÜFEN, OB POLITIKEN DIE RESSOURCENEFFIZIENZ
EUROPAS VERBESSERN
Trotz der Ziele des Fahrplans für ein ressourcenschonendes Europa
werden Politiken, die dem Ziel einer ressourceneffizienten Wirtschaft
widersprechen, weiterhin eingeführt und umgesetzt. Um diesem Zustand
zu begegnen, sollten Land-, CO2-, Wasser- und Material-Fußabdrücke in
Wirkungsabschätzungen eine Schlüsselrolle spielen. Derzeit erlauben
von der Europäischen Kommission durchgeführte Folgenabschätzungen
legislativer Vorschläge häufig, dass kurzfristige wirtschaftliche Belange
längerfristige Umwelt- und soziale Themen übertrumpfen. Es besteht ein
besorgniserregender Trend, auf den die großen Wirtschaftslobbys dringen,
diese Tendenz weiter zu verankern24.
Über den von der Juncker-Kommission angekündigten Veränderungen
im Ausschuss für Wirkungsabschätzung, durch die er in einen Ausschuss
für Regulierungskontrolle mit externen Mitgliedern verwandelt würde, hat
Friends of the Earth Europe Bedenken geäußert. Sie beruhen auf dem Risiko, dass der Ausschuss gegenüber Lobbying aus der Industrie allzu offen
würde und zu einem „Blockademechanismus“ für neue Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsgesetzgebung verkommen könnte25. Folgenabschätzungen sollen nicht zur Durchsetzung eng gefasster, kurzfristig angelegter
wirtschaftlicher Belange instrumentalisiert werden, sondern Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger über den Rohstoffverbrauch
Europas informieren, über daraus folgende Auswirkungen in der Zukunft
und folglich darüber, in welchem Ausmaß die EU von der Verfügbarkeit
und Erschwinglichkeit von Ressourcen abhängig wird. Die Einbeziehung
der vier Fußabdrücke in die Folgenabschätzungen wird dabei helfen und
gewährleisten, dass unbeabsichtigte negative Folgen bezüglich anderer
Ressourcen vermieden werden. Zum Beispiel bedeutete das Setzen von
Biosprit-Zielen ausschließlich auf Basis von CO2, dass die damit verbundene und zunehmende Landnutzung nicht betrachtet wurde. Dies hatte
unbeabsichtigte Auswirkungen zur Folge, die die Wirksamkeit der Ziele
schwächten26. Um ähnliche Fälle zu vermeiden, müssen Abfallpolitiken
eine Abschätzung der Auswirkungen auf die Material-, Land-, Wasser- 	
und CO2-Fußabdrücke Europas beinhalten.

POLITIKEN EINFÜHREN
ANREIZE:

WENIGER
KONSUM

ERE 	

HÖHERE	
STEUERN

GERING

N
STEUER

NEGATIVE ANREIZE:

DEPONIERUNG +
VERBRENNUNG

WIRKUNGS-	
ABSCHÄTZUNGEN 	

DER POLITIKEN 	

VORNEHMEN

ENTSCHEIDUNGSTRÄGERINNEN UND
ENTSCHEIDUNGSTRÄGER

9

1.3 ÜBERWACHUNG DER LEISTUNG DER
MITGLIEDSTAATEN BEZÜGLICH RESSOURCENEFFIZIENZ DURCH DAS EUROPÄISCHE
SEMESTER.

1.4 EINEN ÖKONOMISCHEN RAHMEN SCHAFFEN,
DER DIE WIRTSCHAFTLICHE SINNHAFTIGKEIT VON
RESSOURCENEFFIZIENZPRAKTIKEN
GEWÄHRLEISTET.

Mitgliedstaaten müssen ihre Ressourceneffizienz und
ihren Rohstoffverbrauch messen, auch mithilfe der
vier Fußabdrücke, um Politiken einführen zu können,
die die gegenwärtige Situation verbessern. Würde
der Fortschritt beim Ressourcenverbrauch durch das
Europäische Semester überwacht – gegenwärtig ist
es überwiegend auf klassische makroökonomische
Belange ausgerichtet – dann entstünde darüber ein
besserer Überblick. Das Europäische Semester ist
der jährliche Zyklus der Koordinierung von Wirtschafts- und Haushaltspolitiken auf EU-Ebene sowie
ein Instrument zur Umsetzung der breiter angelegten
Strategie Europa 2020 für „intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“. Es beginnt mit
dem Jahreswachstumsbericht der Kommission, der
Umweltziele meist in sehr begrenzter Art und Weise
in die mitgliedstaatenspezifischen Empfehlungen einbezieht, und zwar hauptsächlich dort, wo sie offenbar
Wachstum, Wirtschaftsaufschwung oder eine Erholung des Arbeitsmarktes begünstigen, jedoch weniger, wenn sie die breiteren Ziele der Strategie Europa
2020, etwa Ressourceneffizienz, unterstützen27. Die
behandelten Umweltthemen betreffen hauptsächlich
Klima und Energie28, während Themen wie Biodiversität, Ressourceneffizienz, Wasser und Abfall marginalisiert werden oder fehlen.

Derzeit subventionieren unsere Regierungen Aktivitäten,
die keinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Beispielsweise
gewähren Deutschland, Italien, Frankreich und das Vereinigte
Königreich dem Sektor fossile Energieträger bis zu 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr an Subventionen für die Erkundung
von Lagerstätten29. Die zehn reichsten EU-Mitgliedstaaten haben die Produktion fossiler Energieträger zwischen 1999 und
2013 mit mindestens 78 Milliarden Euro subventioniert30. Die
EU muss dringend solche umweltschädlichen Subventionen
streichen, um einen Rahmen zu schaffen, der für Ressourcenschonung, Abfallvermeidung und Wiederverwendung Anreize
bietet. Umweltschädliche Subventionen fördern die ineffiziente Nutzung natürlicher Ressourcen: eine Reform wird
Steigerungen der Ressourceneffizienz und Kosteneinsparungen unterstützen, beim Anpacken negativer Umweltauswirkungen helfen, öffentlichen Gelder freimachen und Anreize
für Öko-Innovationen schaffen31. Umweltbelastungen wie
Abfall und Umweltverschmutzung zu besteuern anstatt sie zu
subventionieren, wie gegenwärtig bei der Abfallverbrennung
der Fall ist (siehe Handlungsempfehlung 2.5), ist eine weitere
unverzichtbare Komponente einer ressourceneffizienten
Wirtschaftsweise. Außerdem ist eine umweltbezogene Steuerreform in Europa erforderlich, die die Steuerlast von der
Arbeit hin zur Ressourcennutzung verlagert, was arbeitsintensive Wiederverwendung und Reparaturen fördern und den
Konsum neuer Produkte weniger attraktiv machen würde.

Der bislang enge Fokus des Europäischen Semesters
muss ausgeweitet und „grün“ werden, um Ressourceneffizienzziele besser zu unterstützen. Eine ganzheitlichere Auslegung der im Jahreswachstumsbericht festgelegten Prioritäten ist nötig, einschließlich
Maßnahmen, die den Übergang zu einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft fördern. Die Rolle des
Europäischen Parlaments bei der Sicherstellung von
Politikkohärenz zwischen dem Europäischen Semester
und anderen strategischen EU-Dokumenten – etwa
dem Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa –
muss ebenfalls gestärkt werden.

Die EU hat sich darauf verpflichtet, umweltschädliche Subventionen auslaufen zu lassen und eine Ökosteuerreform
durchzuführen, was im Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa bekräftigt wurde.

10

Dieser Fahrplan soll die Leitinitiative „Ressourcenschonendes Europa“ der Strategie Europa 2020 sein. Er fordert ein
Auslaufen sämtlicher umweltschädlicher Subventionen bis
2020 sowie eine grundlegende Verlagerung der Besteuerung, und zwar weg von der Besteuerung der Arbeit und hin
zu Öko-Steuern32. Da der Fahrplan jedoch nicht verbindlich
ist und der kurzfristigen ökonomischen Erholung Priorität
eingeräumt wird, ist der Fortschritt bislang kläglich. Dennoch
verfügt die EU bereits über die Verpflichtung und die Instrumente – einschließlich dem Europäischen Semester – um ihre
Absichten umzusetzen. Es ist Zeit, sie Realität werden 	
zu lassen.

KASTEN 2.

DIE ZERO-WASTE- (NULLABFALL-) BEWEGUNG:
CAPANNORI, VORREITER IN
ITALIEN
“Zero waste” (“Null Abfall”) bedeutet, Produkte und Prozesse so zu gestalten und
zu managen, dass die Menge und Toxizität von Abfall und Materialien gesenkt werden, und dass sämtliche Ressourcen geschont und rückgewonnen werden, anstatt
sie zu verbrennen oder zu deponieren. Die Umsetzung der Idee erfordert daher die
Abschaffung aller Emissionen in den Boden, ins Wasser oder in die Luft, die die
Gesundheit des Planeten, von Menschen, Tieren oder Pflanzen gefährden könnten33. Die Zero-Waste-Bewegung versucht die öffentliche Infrastruktur zu verändern und grüne Arbeitsplätze zu schaffen, sodass Abfallvermeidung und nachhaltige Ressourcennutzung in Politik und Praxis eingebettet ist. Zero waste bedeutet
auch kulturellen Wandel durch die Beteiligung und Aufklärung der Allgemeinheit,
sodass die Menschen durch Handeln lernen können. Die Stadt Capannori in Italien
zeigt auf, wie wirksam Null-Abfall-Kommunen in der Praxis sein können.
Die Geschichte von Capannori begann 1997 mit dem Kampf der Gemeinde gegen
eine geplante Müllverbrennungsanlage, die als schnelle (Schein-)Lösung für das
zunehmende Abfallproblem des Landes gesehen wurde34. Eine Handvoll besorgter Menschen vor Ort, die die nachteiligen Auswirkungen auf die menschliche
Gesundheit und die Landschaft fürchteten, versuchten, öffentliches Bewusstsein
zu wecken und Opposition gegen die Planung zu mobilisieren. Nachdem sie die
geplante Anlage erfolgreich blockiert hatten, erhielten sie den Auftrag, eine Alternative zu finden. Sie entschieden sich dafür, die Bürgerinnen und Bürger vor Ort in
die Abfallminderung einzubeziehen. In den folgenden Jahren führte Capannori die
Getrenntsammlung von Haus zu Haus ein – zusammen mit frühzeitiger Beratung
und aktiver Bürgerbeteiligung – sowie eine verursacherbezogene Abfallgebühr,
die sich an der Menge des Abfalls orientierte ("pay as you throw", siehe Kasten
5). Im Jahre 2010 wurden 82 % an der Quelle getrennt, sodass nur 18 % Restmüll
deponiert werden mussten. Im selben Jahr wurde ein Zero Waste Research Centre
(Null-Abfall-Forschungszentrum) gegründet, um zu erforschen, wie diese Zahl weiter gesenkt werden könnte. Nachdem Kaffeekapseln und Wegwerfwindeln als häufige Bestandteile des Restmülls identifiziert wurden, forderte Cappanori Kaffeehersteller auf, biologisch abbaubare oder recycelbare Verpackung zu entwickeln, und
führte für die Eltern vor Ort ein subventioniertes Programm für waschbare Windeln
ein.
Außerdem wurden öffentliche Kantinen mit Kompostieranlagen ausgestattet,
und der Bevölkerung wurden kostenlose Komposter und Schulungen angeboten,
sowie der Anreiz einer Senkung ihrer Abfallgebühren um 10 %. Eine Biogasanlage
ist ebenfalls in Planung. 2011 wurde ein Wiederverwendungszentrum gegründet,
das Kleidung, Möbel, Elektrogeräte, Spielzeug und andere Gegenstände sammelt,
sie ggf. repariert und dann an Bedürftige zur Wiederverwendung weitergibt. Das
Zentrum bietet Schulungen in Upcycling-Fertigkeiten wie Nähen, Polstern und
Holzarbeiten an und hilft so, die Werte und Praktiken der Wiederverwendung zu
verbreiten. Der proaktive, ganzheitliche Ansatz der Stadt Cappanori hat dort die
gesamte Kultur von Abfall und Wiederverwendung verändert. Dies wird durch die
Tatsache widergespiegelt, dass die Abfallmenge pro Person zwischen 2004 und
2012 um 39 % zurückgegangen ist. Dieser kontinuierliche Rückgang ist ungebrochen. Außerdem summierten sich die Einsparungen an teuren Deponiegebühren
und die Einnahmen aus dem Verkauf recycelbarer Stoffe auf mehr als 2 Millionen
Euro im Jahre 2009. Diese Gelder wurden in Abfallminderungsinfrastruktur reinvestiert, und 50 Arbeitsplätze wurden vor Ort geschaffen.
Der Erfolg von Capannori zeigt auf, was möglich ist, um Abfall zu vermeiden, Wiederverwendung und Recycling zu steigern und die Abhängigkeit von schädlichen
Praktiken wie Deponierung und Müllverbrennung zu senken. Wenn jedoch rechtlich
verbindliche Politiken und Ziele für ganz Europa fehlen, wird es nur zu isolierten
Beispielen kommen – die häufig von einigen wenigen unermüdlichen und motivierten Führungspersönlichkeiten abhängig sind – die uns dasjenige Europa zeigen,
dass wir hätten werden können, wenn die EU und die nationalen Regierungen mehr
getan hätten, um diesen Wandel zu erleichtern. In ganz Europa bleiben hoher Konsum und hohes Abfallaufkommen die Norm, während die Kosten der Entsorgung
die Prioritäten der Abfallhierarchie nicht widerspiegeln. Um einen weiter verbreiteten kulturellen Wandel beim Thema Abfall zu erreichen, sind neue Politiken und
rechtliche Rahmen besonders auf europäischer Ebene erforderlich, u.a. Anreize
gegen die Müllverbrennung und Deponierung (siehe Handlungsempfehlungen 1.5,
2.2 und 2.5).

11

1.5 SUBVENTIONEN FÜR DEPONIERUNG UND MÜLLVERBRENNUNG
ABSCHAFFEN.
Um eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, die den Namen verdient, müssen Anreize
sowohl für Deponierung als auch für Müllverbrennung letztlich ganz abgeschafft
werden. Derzeit jedoch finanziert die EU weiterhin neue Müllverbrennungsanlagen
aus Mitteln des Struktur- und des Kohäsionsfonds. Ausgabenpläne für EU-Fonds
in mittel- und osteuropäischen Ländern zeigen, dass die Abfallhierarchie auf den
Kopf gestellt worden ist. Beispielsweise zeigen die Übersichten über die Planungen
der Tschechischen Republik die Absicht auf, lediglich 27 % der Finanzierung für die
Abfallbewirtschaftung für Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling
bereitzustellen, wobei die übrigen Mittel für mechanisch-biologische Behandlung,
Biogaserzeugung oder Müllverbrennung vorgesehen sind35. Dies stünde nicht nur im
Gegensatz zu EU-Verpflichtungen, es wäre auch nicht kosteneffizient – gemessen
an der Menge des behandelten Abfalls würde die Müllverbrennung die Tschechische
Republik fünfmal so viel kosten wie Abfallvermeidungs-, Wiederverwendungs- und
Recyclingaktivitäten36.
Es gibt mehrere Politikoptionen, die Europa helfen könnten, den Ausweg aus Deponierung und Müllverbrennung zu finden. Die erste besteht darin, die Steuern darauf
zu erhöhen, wie etwa die Deponiesteuer im Vereinigten Königreich37. Sie hat zwar
wirksam die Deponierung von Abfällen vermindert, jedoch mit der negativen Nebenwirkung der Ausgabensteigerung für neue Müllverbrennungsanlagen. Deshalb sollte
eine effektive Besteuerung sowohl Deponierung als auch Müllverbrennung betreffen
und höherrangige Aktivitäten der Abfallhierarchie aktiv fördern. Der Fahrplan für ein
ressourcenschonendes Europa schreibt das Ziel fest, bis 2020 die Verbrennung von
recycelbarem Abfall auf null zu bringen, aber es muss viel mehr getan werden, wenn
dieses Ziel erreicht werden soll. Die Schaffung von Abfallbewirtschaftungssystemen,
die auf Müllverbrennung verzichten, wie im Fall der Null-Abfall-Kommunen wie 	
Capannori (siehe Kästen 2 und 5), ist ein weiterer praktikabler Weg. Mit konsequenter und starker staatlicher Unterstützung können gut durchdachte Null-Abfall-	
Politiken sowohl Müllverbrennung als auch Deponierung obsolet machen. Siehe 	
auch Handlungsempfehlung 2.5.

1.6 LEASING UND ANDERE ALTERNATIVE GESCHÄFTSMODELLE FÖRDERN
Durch Leasing und andere alternative Geschäftsmodelle wird der Produktentwicklerin bzw. dem Produktentwickler die Verantwortung auferlegt, Produkte zu erschaffen, die während der Nutzungsphase langlebig, wiederverwendbar, leicht reparierbar
und aufrüstbar und am Ende ihrer Lebensdauer recycelbar oder natürlich abbaubar
sind. Leasingmodelle verwandeln Konsumentinnen und Konsumenten in Nutzerinnen
und Nutzer. Hersteller behalten die Eigentümerschaft und die Verantwortung für ein
Produkt während seiner Lebensdauer, und danach erhalten sie wieder Zugang zu
wiederverwendbaren Komponenten oder zu recycelbaren Materialien, die Primärrohstoffe ersetzen. Mit diesem Modell müssen Unternehmen nicht nur den Verkauf eines
Produkts betrachten, sondern auch seine Rücknahme; sie haben ein ökonomisches
Interesse daran, ihre Produkte langlebiger, leicht reparier- und aufrüstbar zu machen,
denn ihre Kosten sind geringer, wenn ein Produkt über die gesamte Leasingdauer
hält. Dies bedeutet, dass Firmen von Investitionen in Möglichkeiten, die Lebensdauer
ihrer Produkte zu verlängern, profitieren, während die Anreize, jährlich neue, kaum
"bessere" Produkte auf den Markt zu bringen, schwinden würden. Ökonomische Anreize für Leasing- oder ähnliche Geschäftsmodelle zu bieten können Hersteller dazu
veranlassen, nachhaltige Produkte zu entwickeln. Siehe Kasten 3.

12

KASTEN 3.

DAS LEASINGMODELL:
VON JEANS BIS HIN ZU
BOHRMASCHINEN
Mud Jeans, ein niederländisches Fair-Trade und Bio-Modelabel, hat für sein
2013 gestartetes Lease-eine-Jeans-Konzept beachtliche Aufmerksamkeit
erlangt. Anstatt eine Jeans zu kaufen, unterzeichnen Kundinnen und Kunden einen Leasingvertrag über 12 Monate und bezahlen 20 Euro als rückzahlbares Pfand sowie 5 Euro als monatliche Leasingrate. Nach 12 Monaten
können sie dann entweder die Jeans zurückgeben (der Stoff wird dann
wiederverwendet), sie gegen eine neue Jeans eintauschen oder sie länger
behalten (und auf die nächste einen Rabatt bekommen, wenn sie die erste
zurückbringen). Ein kostenloser Reparaturservice ist inbegriffen38. Derzeit machen mehr als 1.500 Menschen vom Angebot Gebrauch, Mud Jeans
zielt auf eine Million. Trotz dieses scheinbaren Erfolgs und der Erfüllung
der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft war es für das Unternehmen in den
ersten Jahren schwierig, kostendeckend zu arbeiten oder schwarze Zahlen
zu schreiben39. Solche Initiativen, sowie das Leasing-Geschäftsmodell im
Allgemeinen, sollten für EU-Finanzierung und andere Unterstützung förderungswürdig sein, sodass sie florieren und sich ausbreiten können.

KAUF

In ganz Europa entstehen "Leihbibliotheken für Kleidung", wobei SchweVERANTWORTUNG
den hier Pionierarbeit leistet. Zum Beispiel ist Klädoteket in Malmö ein von FÜR DIE BESEITIGUNG
VON PRODUKTEN
Studentinnen und Studenten gegründeter Verein, der eine "preisgünstige,
luxuriöse und klimaintelligente Möglichkeit, unsere gemeinsamen Ressourcen zu nutzen", anbietet. Das Ausleihen von Kleidungsstücken für drei WoLEASING
chen ist kostenlos; für zu spät zurückgebrachte oder beschädigte Teile fällt
eine Gebühr an40. Kleidung, die nur für kurze Zeit gebraucht wird, etwa
Umstandsmode, war ebenfalls ein Ideengeber für Kleidungsbibliotheken.
Im Vereinigten Königreich gibt es mehrere Bibliotheken für Umstandsmode, die von gemeinnützigen Organisationen oder von und für bestimmte
Gruppen etabliert wurden. Meist sind ein niedriger Mitgliedsbeitrag und
geringe Gebühren für die Miete von Kleidungsstücken zu zahlen41.
Auch Werkzeugbibliotheken entstehen in ganz Europa – die meisten Heimwerker- und Elektrowerkzeuge werden nur für sehr kurze Zeit benutzt,
meist nur ein paar Minuten pro Jahr – weswegen Leasing statt Kauf sehr
sinnvoll ist. R-Urban Wick Tool Library in East London ist eine der ersten,
die im Vereinigten Königreich etabliert wird. Es ist ein gemeinnütziges,
teilweise mobiles Projekt, das zeitlich begrenzt leerstehende Standorte
in der Stadt als Zwischennutzung in Anspruch nimmt. Eine monatliche
Spende von 7 £ ist für Mitglieder vorgesehen. Werkzeuge werden bereitgehalten, ausgeliehen und repariert werden, und Nutzerinnen und Nutzer
werden die Gelegenheit haben, untereinander Werkzeuge und Wissen
auszutauschen und überschüssige gebrauchte Werkzeuge aus der Baubranche wieder in Umlauf zu bringen. Die Werkzeugbibliothek bietet
außerdem Raum für Workshops. Instrumentheek vzw ist eine Leihbibliothek für Werkzeuge in Kortrijk, Flandern; der jährliche Beitrag beträgt 20
Euro. Mitglieder bekommen dafür Zugang zu etwa 100 Werkzeugen. Wer
dort ehrenamtlich aktiv ist darf Werkzeuge kostenlos ausleihen42. Ein Teil
des Erfolgs der Instrumentheek ist auf kommunale Zuschüsse zurückzuführen, eine Situation, die in Europa leider eine Ausnahme ist und nicht die
Regel43. Handeln seitens der EU, um solche Projekte lokaler Initiativen zu
erleichtern und zu finanzieren, würde helfen, für Leasing- und Sharing-Projekte in ganz Europa faire Bedingungen zu schaffen.
Solange jedoch Unternehmen ein Interesse daran haben, mehr und schneller zu verkaufen, wie im Fall der 23,4 Milliarden US-Dollar schweren weltweiten Elektrowerkzeugbranche, ist es unwahrscheinlich, dass Hersteller
Leasingprogramme für Werkzeug einführen44. Werkzeugbibliotheken sind
eine Möglichkeit, mit der Gemeinschaften versuchen, diesen Missstand zu
beheben. Sie sollten unterstützt werden. Es ist jedoch auch erforderlich,
einen wirtschaftlichen Rahmen zu schaffen, der Herstellern einen Anreiz
gibt, ihre Produkte zu verleasen anstatt sie zu verkaufen. Dann würden sie
langlebigere Produkte herstellen

REPARATUR

ENDE DER
LEASINGDAUER
VERANTWORTUNG
FÜR DIE BESEITIGUNG
VON PRODUKTEN

SLEIHE
AU
N

RÜCKGABE
VERANTWORTUNG
FÜR DIE BESEITIGUNG
VON PRODUKTEN

13

HANDLUNGSEMPFEHLUNG 2.

DER SPITZE DER AFALLHIERARCHIE
PRIORITÄT EINRÄUMEN
2.1 DIE SPITZE DER ABFALLHIERARCHIE FÖRDERN (SIEHE ABBILDUNG 1).
Derzeit belohnt die europäische Gesetzgebung Mitgliedstaaten, wenn ihre Politik
auf Recycling setzt statt auf Vermeidung und Wiederverwendung, die an der Spitze
der Abfallhierarchie stehen und weniger Energie und Materialien verbrauchen als
Recycling. Während die Abfallrahmenrichtlinie Mitgliedstaaten verpflichtet, seit
Ende 2013 über ein Abfallvermeidungsprogramm zu verfügen, brauchen die dort
beschriebenen Aktivitäten nicht verbindlich zu sein. Tatsächlich hatten bis Ende
2013 nur 18 Staaten ein Abfallvermeidungsprogramm erlassen. In vielen dieser
Programme fehlten quantitative Zielvorgaben und entsprechende Überwachungsprogramme. Die Mehrheit (60 %) der Politikinstrumente betrafen Information und
Bewusstseinsbildung, und Regulierungen oder ökonomische Instrumente kamen
weitaus seltener vor (17 % bzw. 16 %)45.
Es muss viel mehr getan werden, um die Lücke zwischen Zielen und Ergebnissen zu
schließen, u.a. verbindliche Politikinstrumente, die die Spitze der Abfallhierarchie
aktiv fördern und deren Umsetzung überwacht wird. Einige Beispiele: ökonomische oder politische Anreize für Reparaturcafés (siehe Kasten 9), Ausleihläden und
Leasingmodelle (siehe Kästen 1 und 3), Initiativen für Wiederverwendung (siehe
Kästen 1 und 6), Reduzierung von Verpackungen (siehe Kasten 4), lokale Kompostierungsinitiativen (siehe Kasten 7), Null-Abfall-Kommunen und verursacherbezogene Gebührensysteme ("pay as you throw", siehe Kästen 2 und 5).

2.2 DIE EU-ABFALLPOLITIK SOLLTE ABFALLVERMEIDUNGSPOLITIKEN, Z.B. VERURSACHERBEZOGENE GEBÜHRENSYSTEME, FÖRDERN.
Wer mehr Restmüll erzeugt, muss bei verursacherbezogenen Gebührensystemen auch mehr bezahlen. Verschiedene Abfallarten sind dabei
mit unterschiedlichen Gebühren belegt, um einen Anreiz für die Mülltrennung zu schaffen. Verursacherbezogene Gebührensysteme setzen
auf Anreize und belohnen Menschen, die weniger Abfall erzeugen. Es
ist nachgewiesen, dass sie in Regionen und Ortschaften in ganz Europa
erfolgreich Abfallmengen reduzieren (siehe Kasten 5). Wenn solche Gebührensysteme zur Norm werden sollen, muss die EU-Abfallpolitik ihre
Einführung auf breiterer Basis fördern.

KASTEN 4.

ABFALLVERMEIDUNG
DURCH REDUZIERUNG VON
VERPACKUNGEN
Ecoscience ist ein Programm zur Abfallreduzierung in der französischen
Provence, das mit Einzelhandelsunternehmen zusammenarbeitet, um
Verpackungen wiederzuverwenden und Plastiktüten zu vermeiden. Das
Programm wurde 2006 ins Leben gerufen, und heute beteiligen sich 80 Geschäfte, in denen etwa 50.000 Menschen einkaufen. Seit 2012 werden jedes
Jahr 260.000 Tüten überflüssig gemacht, und das Programm ist nun auf
andere Kommunen erweitert worden. Teil des Projekts ist ein System für die
Wiederverwendung von Glasflaschen, an dem vier Weinproduzenten beteiligt sind – die Wiederverwendung einer Weinflasche kostet 16 Cent (für
Logistik und Reinigung), verglichen mit 30 Cent für eine neue Flasche. Im
Jahre 2013 begann Ecoscience eine Kooperation mit einem Markt, auf dem
Lebensmittel verkauft werden, um die Deponierung von Pappe und Holz zu
vermeiden. Sämtlicher Holz- und Pappabfall (40 % des gesamten Abfalls
vom Markt) wird getrennt, und 500 kg werden jede Woche recycelt46.

14

KASTEN 5:

VERURSACHERBEZOGENE
GEBÜHRENSYSTEME
(PAY AS YOU THROW)
Die belgische Region Flandern ist ein gutes Beispiel für die Abfallminimierung
durch verursacherbezogene Gebührensysteme. In Flandern ist die Abfuhr
von Restmüll die teuerste Option, gefolgt von biologisch abbaubarem Haushaltsmüll (um die Eigenkompostierung zu fördern), während die niedrigsten
Gebühren auf Plastikflaschen, Getränkekartons und Metallverpackungen erhoben werden. Die Abfuhr von Papier und Pappe, Glasbehältern und Textilien
ist kostenlos, wenn diese Abfälle getrennt sind. Dieses System hat enorme
Auswirkungen auf die Erzeugung von Restmüll gehabt und dazu beigetragen,
dass die Region bereits 2009, sechs Jahre vor dem anvisierten Zeitpunkt 2015,
das Ziel von 150 kg Restmüllaufkommen pro Person pro Jahr erreichte. Heute
beträgt das Abfallaufkommen in 42 flämischen Kommunen unter 100 kg Restmüll pro Person und Jahr, und sechs liegen sogar unter 80 kg47. Die Vorteile
sind u.a. eine bedeutende Steigerung der Mengen an recyclingfähigen Materialien (sowie der Einnahmen aus ihrem Verkauf), eine Senkung der Primärrohstoffimporte, Kosteneinsparungen bei den Kommunen sowie Reduktionen bei
Treibhausgasemissionen, Luftverschmutzung (Stick- und Schwefeloxide) und
Bodenbelastungen (Schwermetallen) in Flandern48.
Argentona, Katalonien, eine Kommune, die bereits einige Jahre lang Null-Abfall-Politiken verfolgt hatte (u.a. haushaltsnahe Getrenntsammlung, auch von
Lebensmittelabfällen, Anreize zum Kompostieren, Sammlung und Wiederverwendung von Textilien etc.), führte 2009 ein verursacherbezogenes Gebührensystem ein und verdoppelte so die Recyclingraten (siehe Kasten 2). Die Belohnung bzw. Benachteiligung von Haushalten entsprechend ihrer Abfallmengen
begründete einen faireren und auf Anreizen basierenden Ansatz, mit dem der
Restmüll in Argentona um mindestens weitere 15 % gesenkt werden konnte.
Die Einnahmen aus dem verursacherbezogenen Gebührensystem tragen auch
zur Finanzierung der anderen Null-Abfall-Politiken in Argentona bei. (Siehe
Handlungsempfehlung 2.2)

15

2.3 FÖRDERUNG UND PRIORITÄT FÜR WIEDERVERWENDUNG UND
REPARATUR.
Nationale Aktivitäten zu Wiederverwendung und Reparatur benötigen Anerkennung
und Unterstützung aus den Mitgliedstaaten selbst; in Ermangelung europäischer
Gesetzgebung sind sie auf die unterschiedliche – und häufig begrenzte – Bereitschaft
der nationalen Regierungen dazu angewiesen. Dabei hat Wiederverwendung breiten
gesellschaftlichen Wert: Sie ist arbeitsintensiv, da sie mit Sammlung, Sortierung, Testen, Wiederaufarbeitung und Wiederverkauf einhergeht, und schafft folglich Arbeitsplätze. Einer Hochrechnung auf Grundlage einer vorsichtigen Schätzung zufolge würde eine Kombination aus intensiver Wiederverwendung und 70 % Recycling genügend
Beschäftigung schaffen, um ein Sechstel der gegenwärtig arbeitslosen Jugendlichen
in Europa in Arbeit zu bringen – das wären fast 900.000 Arbeitsplätze49. Außerdem bieten Sozialunternehmen, die häufig im Bereich Wiederverwendung arbeiten,
Umschulungs- oder Ausbildungsmöglichkeiten für Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt marginalisiert sind, etwa Langzeitarbeitslose oder Behinderte. Zudem werden
Gruppen mit niedrigem Einkommen Güter und Dienstleistungen zu erschwinglichen
Preisen angeboten, wie das Furniture Reuse Network und das London Reuse Network
im Vereinigten Königreich aufzeigen (siehe Kasten 6). Wiederverwendungsaktivitäten
helfen bei der Ressourcenschonung, schützen die Umwelt und erreichen Emissionsreduktionsziele. Wenn die Marke von 35 % Wiederverwendung bzw. Vorbereitung
zur Wiederverwendung bei Textilien in Europa bis 2030 erreicht wird, entspricht das
Schätzungen zufolge einer Ersparnis von mindestens 16 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent sowie der Vermeidung von mindestens 14 Millionen Litern Wasserverbrauch, was
dem Wasserverbrauch von knapp 30.000 Menschen für eine Woche gleichkommt50.
Trotz der bedeutenden Mengen wiederverwendbarer Produkte und Materialien im
Abfallstrom – beispielsweise hat ein Drittel des Abfallstroms in Irland Potenzial zur
Wiederverwendung – besteht ein Hindernis für Wiederverwendungsaktivitäten im
Fehlen eines Rechtsrahmens für die Einrichtung und Entwicklung von Wiederverwendungszentren, die Vorbereitung zur Wiederverwendung betreiben51. Die dennoch
existierenden Zentren haben oft Schwierigkeiten, Zugang zum Abfallstrom zu erlangen, um potenziell wiederverwendbare Waren und Materialien herauszusortieren. Ein
stärkerer politischer Handlungsrahmen für den Wiederverwendungssektor sollte die
folgenden Elemente beinhalten:
•	 Wiederverwendungsziele, insbesondere sektorspezifische Ziele für die Vorbereitung
zur Wiederverwendung (z.B. für Möbel, Textilien). Wo es zweckmäßig erscheint,
könnten diese auf Prozentsätzen aufbauen, um die unterschiedlichen Ausgangsszenarien in den verschiedenen Mitgliedstaaten zu berücksichtigen;
•	 verbesserter Zugang für anerkannte Wiederverwendungszentren und -netzwerke zu
den Abfällen, mit denen Betreiber von Abfallsammelsystemen, -zentren und -anlagen umgehen;
•	 verbesserte Abfallsammelinfrastruktur, sodass vorzeitiges Recycling oder Entsorgung potenziell wiederverwendbarer Produkte vermieden wird. Die Endnutzer von
Produkten müssen die Option erhalten, ihre wiederverwendbare Güter in dafür
vorgesehene Bereiche in Sammelstellen abzugeben, zu denen dann ausschließlich
das Personal von anerkannten Wiederverwendungszentren und -netzwerken Zugang
haben. Dies ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern, aktiv und bewusst zum Wiederverwendungssektor beizutragen, wodurch Einstellungen verändert werden;
•	 Organisationen des Sektors der sozialen Ökonomie sollen anerkannte Wiederverwendungszentren betreiben bzw. dafür Priorität erhalten; dies würde helfen, die
Ziele der EU2020-Strategie sowohl für die Inklusion als auch für die nachhaltige
Wirtschaft zu erreichen;
•	 die Förderung des breiten gesellschaftlichen Werts von Wiederverwendungsaktivitäten, die von sozialen Unternehmen durchgeführt werden, durch Sozialklauseln
im öffentlichen Beschaffungswesen wie in der neuen Richtlinie über die öffentliche
Auftragsvergabe52;
•	 andere politische Hebel, z.B. einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Wiederverwendungsaktivitäten. Gemäß der Richtlinie über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (2006/112/EG) können arbeitsintensive Dienstleistungen dem ermäßigten
Mehrwertsteuersatz unterliegen, was auf Wiederverwendungs- und Reparaturdienstleistugen anwendbar sein sollte53.

16
16

KASTEN 6.

WIEDERVERWENDUNG IN
EUROPA: SCHLAGLICHT AUF
GROSSBRITANNIEN
In der gesamten EU sind soziale Unternehmen in Wiederverwendungs-, Reparatur- und Recyclinginitiativen tätig, und viele sind Teil von EU-weiten Netzwerken wie der RREUSE-Plattform
mit Sitz in Belgien. Die Mitglieder von RREUSE repräsentieren 77.000 Arbeitskräfte sowie
60.000 Freiwillige/Auszubildende in 15 Mitgliedstaaten54. Der von ihnen geschaffene
soziale, ökonomische und umweltbezogene Nutzen wird in den folgenden Beispielen aus
Großbritannien deutlich.
The Furniture Re-use Network (FRN, Netzwerk für die Wiederverwendung von Möbeln)
wurde in den 1980er Jahren von Freiwilligen- und gemeinnützigen Organisationen im
Vereinigten Königreich gegründet, um Menschen mit geringem Einkommen zu helfen,
Zugang zu gespendeten Möbeln und Haushaltsgeräten zu erlangen. Heute unterstützt es
mehr als 300 gemeinnützige Organisationen für Wiederverwendung im ganzen Land bei
der Armutsbekämpfung und der Abfallvermeidung. Dem FRN zufolge bietet der Wiederverwendungssektor im Vereinigten Königreich etwa 4.000 Arbeitsplätze, unterstützt
20.000 Freiwillige, spart mehr als 380.000 Tonnen CO2 ein, vermeidet die Deponierung
von 110.000 Tonnen Abfall, führt 2,7 Millionen Stück Möbel und Elektrogeräte der Wiederverwendung zu und spart Haushalten mit geringem Einkommen jährlich etwa 340
Millionen £ für lebensnotwendige Güter55. Derzeit werden jedoch nur 17% der Möbel im
Vereinigten Königreich wiederverwendet. Würde der Rest ebenfalls wiederverwendet,
würde dies jährlich 130.000 Tonnen CO2 einsparen – dies entspricht dem CO2-Ausstoß von
40.000 Autos56.
Das London Re-use Network (London Wiederverwendungsnetzwerk), dessen Mitglieder
wohltätige und gemeinnützige Organisationen sowie soziale Unternehmen sind, bietet als
erstes Netzwerk im Vereinigten Königreich in der ganzen Stadt Wiederverwendungs- und
Reparaturdienstleistungen an57. Jedes Jahr wirft die Londoner Bevölkerung 65.000 Tonnen Abfall weg, was durch Müllverbrennung und Deponierung starke Umweltbelastungen
erzeugt sowie Kosten, die die Bürgerinnen und Bürger mit ihren Gebühren tragen müssen
– die Deponierung einer Tonne Abfall kostet etwa 120 £58. Das London Re-use Network
wurde 2010 gegründet, um einen Beitrag zur Lösung dieses Abfallproblems zu leisten,
und der London Waste and Recycling Board (Londoner Abfall- und Recyclingbehörde)
stellte dafür 8 Millionen £ zur Verfügung59. Das integrierte Netzwerk von Wiederverwendungs- und Reparatureinrichtungen betreibt gemeinsam eine Telefonhotline und ein
Internetportal. Es sammelt überschüssige Möbel, Haushaltsgeräte und Hausrat, überprüft
ihre Qualität und Sicherheit, arbeitet sie auf und gibt sie an neue Nutzerinnen und Nutzer
weiter. In den ersten beiden Jahre sammelte das Netzwerk 8.148 Tonnen Gegenstände,
41% mehr als das Ziel, und unterstützte Wiederverwendung und Recycling von 6.706 Tonnen, fast das Doppelte des gesetzten Ziels60. 60 Arbeitsplätze vor Ort wurden geschaffen,
sowie mehr als 450 Praktikumsplätze, und zahlreiche Familien mit geringem Einkommen
konnten bei der Wohnungseinrichtung Geld sparen. Dieser Erfolg zeigt, was mit ein wenig
staatlicher Unterstützung machbar ist. Wenn dies jedoch in ganz Europa kopiert und weiterentwickelt werden soll, ist stärkere und systematische staatliche Unterstützung seitens
der Mitgliedstaaten nötig sowie eine koordinierende Rolle der EU.

17

VERMEIDUNG
VERTEILUNG AN BEDÜRFTIGE
FUTTERMITTEL FÜR VIEH
ABBILDUNG 2.
KOMPOSTIERUNG & 100 %
ERNEUERBARE ENERGIE

BESEITIGUNG

DIE LEBENSMITTELABFALLHIERARCHIE
An der Spitze der Lebensmittelabfallhierarchie
steht die Vermeidung von Lebensmittelabfällen,
gefolgt von der Umverteilung genießbarer Lebensmittel an Bedürftige und gefährdete Gruppen. Lebensmittel, die nicht für den menschlichen
Verzehr geeignet sind, sollten als Viehfutter genutzt werden (wobei angemessene Gesundheitsund Sicherheitsmaßnahmen zum Tragen kommen
sollen). Erst danach folgen Verwendungen wie
Kompostierung und Energieerzeugung, insbesondere anaerobe Gärung, und schließlich, als letzte
Option, die Entsorgung.

2.4 EINEN HANDLUNGSRAHMEN FÜR
LEBENSMITTELABFÄLLE SCHAFFEN.
Lebensmittelabfälle sind in Europa ein großes Problem. Geschätzte 100 Millionen Tonnen Lebensmittel
werden jährlich zu Abfall61, während immer mehr
Europäerinnen und Europäer nicht in der Lage sind,
sich ausreichend Lebensmittel zu leisten. Dem Roten Kreuz zufolge ist die Zahl der Menschen, die auf
Nahrungsmittelverteilung, etwa Tafeln, angewiesen
waren, von 2009 bis 2012 um 75 % angestiegen, auf
3,6 Millionen Bürgerinnen und Bürger in 22 europäischen Ländern62. Trotz der großen Land-, Wasserund CO2-Fußabdrücke der landwirtschaftlichen
Produktion ist das Thema Lebensmittelabfälle nicht
Gegenstand der europäischen Abfallgesetzgebung.
Ein die Lebensmittelabfallhierarchie beachtender
Handlungsrahmen für Lebensmittelabfälle sollte
etabliert werden. Erste Priorität soll dabei die Abfallminderung haben, gefolgt von der Umverteilung
an Bedürftige (siehe Abbildung 2). Der Handlungsrahmen sollte Mindestziele für die getrennte Sammlung von organischen Abfällen, die Vermeidung
organischer Abfälle und Recycling aufweisen63.
Da zahlreiche Menschen in Europa hungern, während gleichzeitig enorme Mengen genießbarer Lebensmittel verschwendet, vernichtet und deponiert
werden, sind sowohl eine Senkung der Menge der
Lebensmittelabfälle als auch eine gerechtere Verteilung überschüssiger Lebensmittel erforderlich.
Politische Instrumente auf EU-Ebene sind nötig, um
Lebensmittelabfälle entlang der gesamten Lieferketten der großen Lebensmitteleinzelhändler und
-hersteller zu vermeiden, z.B:

18

•	 verbindliche Ziele zur Umverteilung eines steigenden Anteils der überschüssigen Lebensmittel,
z.B. an Freiwilligenorganisationen wie Tafeln und
ähnliche Anbieter von Nahrungsmittelhilfe;
•	 das „Mindesthaltbarkeitsdatum“ auf Lebensmittelverpackungen auslaufen lassen (denn es stiftet
Verwirrung und fördert das Wegwerfen genießbarer Lebensmittel, die gefahrlos konsumiert
werden können und noch verkauft werden dürfen)
und durch das „Verbrauchsdatum“ ersetzen64;
•	 strengere Regelungen für Marketingkonzepte, die
das Wegwerfen von Lebensmitteln fördern, z.B.
„zwei zum Preis von einem“, „drei für zwei“ etc.
für begrenzt haltbare Lebensmittel;
•	 Anreize schaffen für die Ernte von Feldfrüchten,
die von Einzelhandelsunternehmen wegen ihrer
ästhetischen Erscheinung nicht angenommen werden, und ihre Spende an gefährdete Gruppen und
wohltätige Organisationen65
Andere Bereiche, etwa Landwirtschaft und Gastronomie, sowie Haushalte, müssen ebenfalls betrachtet werden, und zahlreiche Politikoptionen sind zu
bedenken. Die Vorteile eines ambitionierten Handlungsrahmens für Lebensmittelabfälle sind enorm
– eine Senkung der Lebensmittelabfälle um 60%
bis 2030 könnte den Land-Fußabdruck Europas um
eine Fläche größer als Kroatien verkleinern, Einsparungen von mehr als 73 Milliarden Euro für die
Privathaushalte Europas erzielen, und Treibhausgasemissionen von mehr als 80 Millionen Tonnen CO2
vermeiden66.

KASTEN 7.

KOMPOSTIERUNG AUF
GEMEINDEEBENE
Die gemeinnützige Organisation Food for the Earth mit Sitz
in Sofia, Bulgarien, ist ein lokaler Verein, der Kompostierung
in der Nachbarschaft fördert. Sein Ziel ist, dass jedermann
Zugang zu einer Kompostierungsmöglichkeit hat. Mithilfe von
natürlichen Kompostierungstechniken wird aus Lebensmittelabfällen nährstoffreicher Boden für Gärten vor Ort67. Das
Umweltbewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu fördern ist
ein Schlüsselziel von Food for the Earth68. Solche Initiativen
erfreuen sich in Europa steigender Beliebtheit. Beispielsweise
wurde 2014 im Baskenland 700 weiteren Familien ein Programm vorgestellt, mit dem sie zu Hause oder gemeinschaftlich kompostieren konnten69. In Spanien gibt es ebenfalls ein
kommunales Netzwerk, "Composta en Red", in dem Kompostierung gefördert und umgesetzt, Informationen ausgetauscht
und Fortbildungen für interessierte Gemeinden angeboten
werden70. Im Vereinigten Königreich unterstützt und fördert
das Community Composting Network (CCN) lokale Gruppen,
Sozialunternehmen und Einzelpersonen, die aus Garten- und
Lebensmittelabfällen Kompost herstellen und vor Ort benutzen71. Diese reichen von kleinen Kompostierungsprojekten auf
Nachbarschaftsebene und in der Solidarischen Landwirtschaft
bis hin zu Beispielen wie dem Sozialunternehmen Fairfield, das
bei einem Lebensmittelgroßmarkt in Manchester vor Ort die
Kompostierung betreibt72.
Es bestehen jedoch immer noch große Herausforderungen und
negative Anreize, die der Verbreitung der Kompostierung auf
Gemeindeebene entgegenwirken. Schlechte Infrastrukturplanung und perverse Anreize bei öffentlichen Geldern, Zuschüssen und Abfallgebühren bedeuten, dass die Kompostierung mit
anderen Entsorgungsoptionen kostenmäßig nicht wettbewerbsfähig ist, obwohl sie eine höhere Stufe auf der Abfallhierarchie
inne hat als Verbrennung oder Deponierung, und trotz ihrer
positiven Effekte für erschöpfte Böden und CO2-Speicherung.
Es besteht eine klare Rolle für die EU zu gewährleisten, dass
solche Hindernisse abgebaut werden, u.a. Mindestziele für die
Getrenntsammlung organischer Abfälle (siehe Empfehlung 2.4).

19

2.5 ENERGIEEINSPARUNG AUS DER ABFALLMINDERUNG,
-WIEDERVERWENDUNG UND RECYCLING ANSTELLE DER
UMWELTVERSCHMUTZENDEN ENERGIEERZEUGUNG AUS
DER ABFALLVERBRENNUNG BELOHNEN
Derzeit bietet die EU Prämien für Erneuerbare Energie aus der
Verbrennung von Papier, jedoch keine Prämie für Papierrecycling.
Die EU hat die Verbrennung biogener Abfälle (d.h. Papier, Pappe,
Lebensmittelabfälle, Textilien etc.) als Form Erneuerbarer Energie
in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (2009/28/EG) aufgenommen. Das Ergebnis sind perverse Subventionen für die schädliche
Verbrennung, die mit der Verpflichtung der Abfallrahmenrichtlinie
auf die Abfallhierarchie und damit auf die Bevorzugung von Vermeidung, Wiederverwendung und Recycling vor der Verbrennung
in Konflikt stehen. Daher wird die Verbrennung von Flandern und
Frankreich bis hin nach Spanien und Italien jährlich mit zweistelligen Millionenbeträgen unter dem Deckmantel der "Erneuerbaren
Energie" subventioniert, was zu höheren Treibhausgasemissionen
führt als in der Entsorgungshierarchie höher eingestufte Alternativen73.
Der Einsatz von Abfall als Alternative zu fossilen Energieträgern
hat hohe Umwelt-, soziale und wirtschaftliche Kosten: Die Verbrennung von Abfall stößt mehr Treibhausgas pro Einheit produzierter Elektrizität aus als Kohle und erzeugt gefährliche Abfälle und
hochtoxische Emissionen. Gemeinschaften vor Ort leiden unter
Ernteverlusten, Atemwegs- und Hauterkrankungen sowie psychiatrischen Probleme und Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit.
Müllverbrennung erfordert enorme Geldbeträge für große Infrastrukturprojekte, während sie relativ wenige Arbeitsplätze schafft74.
Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Recycling bieten hingegen zahlreiche Vorteile: zusätzliche Energie (und die damit zusammenhängenden Emissionen) wird im Herstellungsprozess selbst
eingespart, denn recycelte Materialien benötigen im Allgemeinen
weniger Energie, wenn sie wieder in Produkte verwandelt werden75.
Recycling kann drei- bis fünfmal so viel Energie einsparen wie die
Abfallverbrennung erzeugt76. Studien zufolge spart Recycling bei
24 von 25 festen Abfallstoffen mehr Energie ein als durch die 	
Verbrennung gemischter fester Abfälle in einer Verbrennungsan-	
lage erzeugt wird77. Zum Beispiel:
•	 für jedes Kilogramm recyceltes Plastik werden 1,5 kg bis 2 kg
CO2-Äquivalent eingespart – wird es hingegen verbrannt, wird
etwa 1kg CO2-Äquivalent in die Atmosphäre emittiert78;

ENERGIEEINSPARUNG
BELOHNEN
ABFALLVERMEIDUNG
WIEDERVERWENDUNG
RECYCLING
VERBRENNUNG

FREISETZUNG
VON

1KG CO2

1KG
PLASTIK

•	 für jedes Kilogramm recyceltes Plastik könnten 5kWh Endenergie
eingespart werden, verglichen mit nur 2 kWh, die durch Verbrennung erzeugt werden79.
Alle Prämien und Anreize für die Abfallverbrennung, die eine
ernsthafte Marktverzerrung hervorrufen, die umwelt-, klima- und
gesundheitsschädlich ist, sollen abgeschafft werden. Die Energieeinsparungen aus der Abfallvermeidung, der Vorbereitung zur
Wiederverwendung und dem Recycling sollten Prämien erhalten
können – dies stimmt außerdem mit den Energieeinsparungszielen
der EU überein. Die einzige Art Erneuerbare Energie aus Abfall, die
unterstützt werden sollte, ist die Behandlung organischer Abfälle
in anaeroben Gärungs- oder in Kompostierungsanlagen, und dies
sollte nur dann der Fall sein, wenn sämtlichen höheren Ebenen der
Abfallhierarchie Priorität eingeräumt worden ist.
Eine weitere logische Konsequenz der Verpflichtung der EU auf die
Abfallhierarchie ist, dass sie den Verkauf von Emissionszertifikaten,
die auch als zertifizierte Emissionsreduktionen bezeichnet werden,
nicht erlauben soll, wenn sie von Anlagen wie Deponiegas- und
Abfallverbrennungsanlagen im Sinne des Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung für kommunale Abfälle erzeugt wurden80.
Solche Projekte befinden sich auf der untersten Stufe der Abfallhierarchie und erhöhen Treibhausgasemissionen im Vergleich mit den
Energieeinsparungen aus der Abfallminderung, Wiederverwendung
und Recycling.

20

1KG
PLASTIK

EINSPARUNG VON
1.5-2KG CO2

HANDLUNGSEMPFEHLUNG 3.

VORBEREITUNG ZUR WIEDERVERWENDUNG SOWIE LANGLEBIGE,
REPARIERBARE PRODUKTE FÖRDERN
Vorbereitung zur Wiederverwendung bezeichnet die Prüfung, Reinigung oder Reparatur von
Erzeugnissen oder Bestandteilen von Erzeugnissen, sodass sie wiederverwendet werden81.
Beispielsweise können Industriemaschinen, Kleidung, elektronische und elektrische Geräte
sowie Möbel repariert oder aufgearbeitet und dann wieder verkauft werden. Vorbereitung
zur Wiederverwendung steht in der Abfallhierarchie über dem Recycling und sollte ein unerlässlicher Teil unserer Volkswirtschaft sein: Sie schafft Arbeitsplätze für die Reparatur und
Aufarbeitung von Abfällen und senkt die Ressourcennutzung und CO2-Emissionen, mit dem
Potenzial, erhebliche Beträge einzusparen und nachhaltige wirtschaftliche Möglichkeiten zu
realisieren82.

KASTEN 8.

REPARATURCAFÉ
Allzu oft werfen Menschen in Europa defekte Gegenstände weg, ohne auch nur versucht
zu haben, sie zu reparieren, denn Wegwerfen ist einfacher und billiger. Dies ist einer der
Gründe für Reparaturcafés – Reparieren soll Spaß machen und zugänglich und mühelos
sein. Private Initiativen bieten dort im Ambiente eines Cafés anstatt dem einer Werkstatt
Reparaturen an. Sie bringen Menschen zusammen, die über die Werkzeuge, Fertigkeiten
und Zeit verfügen, die sie für einen guten Zweck vor Ort einsetzen möchten. Dies gilt
insbesondere für Menschen am Rand der Gesellschaft: ältere Menschen, Arbeitslose, Menschen im Ruhestand und Behinderte. So befriedigen Reparaturcafés sowohl Umwelt- als
auch soziale Bedürfnisse.
Die Idee wurde zum ersten Mal 2009 in Amsterdam umgesetzt, gewann jedoch bald an
Popularität und wurde bald zu einem wöchentlichen oder monatlichen Ereignis. Daraus
entstand ein landesweites Netzwerk mit einem gemeinsamen Namen und Logo. Mit finanzieller Förderung, u.a. eine Zuwendung über 3 Jahre vom niederländischen Ministerium für
Infrastruktur, wurden ein Handbuch für Reparaturcafés und ein Startpaket entwickelt. 2011
gab es in den Niederlanden 23 Reparaturcafés, 2012 waren es 50 und im Juni 2014 230.
Die greifbaren Umwelt- und sozialen Vorzüge von Reparaturcafés haben zu ihrer Verbreitung geführt. Heute gibt es in der ganzen Welt mehr als 500, darunter 130 in Belgien,
100 in Deutschland und weitere im Vereinigten Königreich, Frankreich, Kanada, den USA,
Brasilien und Australien.
Die meisten Gegenstände, die in Reparaturcafés repariert werden, sind relativ neue elektrische Haushaltsgeräte (d.h. ein oder zwei Jahre alt). Einerseits ist dies auf die billige Massenproduktion von Gütern schlechter Qualität zurückzuführen, andererseits handelt es sich
um eine Reaktion auf fachmännische Reparaturkosten, die die Kosten der ursprünglichen
Produkte übersteigen. Reparaturcafés bieten einen kostenlosen Service an, was für viele
Menschen die einzige Möglichkeit darstellt, diese Gegenstände weiter zu nutzen. Obgleich
keine Daten zur Gesamtumweltentlastung durch das Reparieren von Waren, die sonst
Abfall geworden wären, vorliegen, werden Schätzungen zufolge 70 % der Gegenstände,
die zu einem Reparaturcafé gebracht werden, repariert, während die Reparaturcafés als
Ereignis selbst den Zusammenhalt der Gemeinschaft fördern.
Trotz ihrer Breitenwirkung und vieler Vorteile steht der Erfolg der Reparaturcafés am
Scheideweg, denn es ist für die wenigen Teilzeitkräfte, die die Dynamik erhalten wollen,
schwierig, die Netzwerkinfrastruktur in Gang zu halten. Dies wirft ein Schlaglicht auf das
Problem, dass nationale und EU-Politiken und -Finanzierung diese lokalen Initiativen
nicht ausreichend unterstützen. Europäische Gesetzgebung und Finanzierung sollten die
Gründung und Verbreitung von Reparaturcafés und ähnlichen Initiativen erleichtern und
Gemeinschaften bei der Bereitstellung zukunftsfähiger Lösungen für unsere verschwenderische Konsumgesellschaft unterstützen83.
Siehe Handlungsempfehlungen 2.1, 2.3, 3.3 und 3.4.

21

3.1 ABFALLBERICHTERSTATTUNG VERBESSERN, INSBESONDERE
ÜBER DIE VORBEREITUNG ZUR WIEDERVERWENDUNG UND DIE
WIEDERVERWENDUNG
Der Rahmen für die Berichterstattung der Mitgliedstaaten über Abfall und
Recycling ist in vielerlei Hinsicht problematisch, u.a. uneindeutige Definitionen und vier verschiedene mögliche Berechnungsmethoden für die
Berichterstattung über Recyclingraten. Dies führt zur Vorlage von Daten
unterschiedlicher Qualität, die nicht vergleichbar sind84. Die EU-Abfallberichterstattung sowie die Überwachung und Auswertung von Berichten
muss im Allgemeinen verbessert und gestärkt werden85. Ein Thema, auf
das wir besonderes Augenmerk richten möchten, ist die Berichterstattung
über die Vorbereitung zur Wiederverwendung. Trotz ihrer Verpflichtung
auf die Abfallhierarchie bevorzugt die EU-Abfallgesetzgebung Recycling
gegenüber Abfallvermeidung und Vorbereitung zur Wiederverwendung.
Indem die Zielvorgaben für Vorbereitung zur Wiederverwendung und für
Recycling kombiniert werden, bleibt kein Anreiz zur Verbesserung der
Raten der Vorbereitung zur Wiederverwendung. Auch wenn Eurostat den
Mitgliedstaaten erlaubt, über Recycling und Vorbereitung zur Wiederverwendung separat zu berichten, nehmen nur sehr wenige diese Möglichkeit
wahr, eben aufgrund dieses fehlenden Anreizes. Dieser Fehler muss durch
klare und separate Zielvorgaben für Wiederverwendung, Vorbereitung zur
Wiederverwendung und Recycling korrigiert werden. Außerdem würde
dies helfen zu gewährleisten, dass Zentren für Wiederverwendung Zugang
zum Abfallstrom haben, und es würde Anreize für verbesserte getrennte
Abfallsammlung und -logistik bieten, um sicherzustellen, dass das Potenzial für Wiederverwendung erhalten bleibt.
Ferner ist darauf hinzuweisen, dass unzureichend präzisierte Recyclingziele möglicherweise unbeabsichtigt Abfallvermeidung und Wiederverwendung verdrängen, da Materialströme von der Wiederverwendung weg und
zum Recycling hin umgelenkt werden, um gewichtsbasierte Zielvorgaben
zu erreichen86. Dies ist ein weiterer Bereich, der Aufmerksamkeit und
Reform benötigt.

3.2 KRITERIEN UND UMSETZUNGSMASSNAHMEN FÜR
ÖKODESIGN SOLLTEN ÜBER DIE ENERGIEEFFIZIENZ VON
PRODUKTEN HINAUSGEHEN UND RESSOURCENEFFIZIENZ MIT
BERÜCKSICHTIGEN
Eine Novellierung der Ökodesign-Richtlinie87 wäre eine wichtige Möglichkeit, die Verknüpfungen zwischen Energie- und Ressourceneffizienz zu
stärken. Ökodesign-Anforderungen sollten nicht nur Energieeinsparungen
thematisieren, sondern auch die Erwartungen der Konsumentinnen und
Konsumenten zu Langlebigkeit (siehe Handlungsempfehlung 3.5) und
Reparierbarkeit von Produkten erfüllen, beispielsweise durch verbindliche
Vorschriften zu Mindestanforderungen für Produktgruppen. Dies hätte für
Konsumentinnen und Konsumenten sowie für die Umwelt klare Vorteile,
nämlich durch langlebigere Produkte und Abfallvermeidung. Das Grundprinzip hierfür ist bereits in der Richtlinie und ihren Anlagen enthalten.
Dort steht, dass die Verbesserung der Umweltleistung eines Produkts
insgesamt aus der Perspektive seines Lebenszyklus thematisiert werden
soll – d.h., es geht nicht ausschließlich um Energieeffizienz.

22

Fokus auf
Ressourceneffizienz ...

A+++

...Nicht
NUR auf
Energie
effizienz

Ferner sollte man auf den Informationsvorschriften der Ökodesign-Gesetzgebung aufbauen, um nachgeschalteten Anwendern und Recyclern zu ermöglichen, Instandhaltung,
Reparatur und Wiederverwendung, Wiederaufarbeitung oder Recycling von Schlüsselkomponenten oder der in Produkten enthaltenen Materialien zu maximieren. Die vollständige Einbindung der Ressourceneffizienz in die Ökodesign-Richtlinie würde durch die
Integration der vier Fußabdrücke (siehe Handlungsempfehlung 1.1) in Ökodesign-Anforderungen erleichtert. Dann könnte ein überarbeitetes Energieeffizienzkennzeichen auf
Grundlage einer angemessenen Revision der Energiekennzeichnungsrichtlinie Konsumentinnen und Konsumenten über die Material-, Wasser-, Land- und CO2-Fußabdrücke eines
Produkts informieren88.
Mit Blick auf die Integration von Ressourceneffizienz in elektrische und elektronische 	
Geräte sollte außerdem beachtet werden, dass eine wesentliche Überarbeitung und deutlich bessere Umsetzung der Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte erforderlich
sind. Der Wert dieser Abfälle sollte nicht unterschätzt werden: Berechnungen zufolge
hat etwa ein Viertel solcher Altgeräte, die im Vereinigten Königreich bei Sammelstellen
abgegeben werden, einen Wiederverwendungswert, der zusammengenommen mehr als
200 Millionen GBP brutto pro Jahr betragen könnte89. Aber wenn die Wiederverwendung
von Elektro- und Elektronik-Altgeräten diese Größenordnung erreichen soll, müssen die
perversen Anreize aus der aktuellen Richtlinie gestrichen werden90. Dies muss mit Bemühungen kombiniert werden, Sammlung und Reparatur von kurzlebigen elektronischen
Geräten zu steigern, um zu gewährleisten, dass die geplante Lebensdauer von Produkten
verlängert wird (siehe Handlungsempfehlung 3.5) und um größere Übereinstimmung mit
der Ökodesign-Richtlinie zu erreichen91.

3.3 KRITERIEN FÜR PRODUKTE ETABLIEREN, SODASS SIE SICHER ZERLEGT,
REPARIERT, WIEDERVERWENDET ODER RECYCELT WERDEN KÖNNEN UND
MIT INPUTS HERGESTELLT WERDEN, DIE NICHT NUR ROHSTOFFE, SONDERN
EINEN STEIGENDEN ANTEIL RECYCELTER MATERIALIEN ENTHALTEN
Regulierungen oder Anreize zur Vermeidung, dass Produkte zu Abfall werden – häufig
aufgrund von geplanter Obsoleszenz (siehe Abschnitt 3.5) – sollten auf EU-Ebene eingeführt werden. Hier sollte vorgeschrieben werden, dass das Design von Produkten die
Verlängerung ihrer Lebensdauer (einschließlich Wiederverwendung und Reparatur des
Produkts), ihre Wiederaufarbeitung, die Rückgewinnung von Komponenten zur Wiederverwendung und von Materialien zum Recycling sowie die Senkung des Stromverbrauchs
über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg fördert92.
Dies könnte teilweise durch eine ambitionierte Neugestaltung der Ökodesign-Richtlinie
und der Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte (siehe Handlungsempfehlung
3.2) sowie der Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher
Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (Gefahrstoff-Richtlinie) erreicht werden. Zielvorgaben sollten eingeführt werden, die den Einsatz seltener bzw. toxischer Stoffe bei der
Produktherstellung begrenzen bzw. den Anteil recycelter Stoffe erhöhen. Bemühungen
zur Entwicklung solcher Kriterien, die verschiedene Produktkategorien, Unterkategorien
und Materialien sowie Umsetzungsmaßnahmen berücksichtigen, sollten unverzüglich
eingeleitet werden

WIEDERVERWENDUNG

DEMONTAGE

REPARATUR

VERKAUFT

23

KASTEN 9.

IFIXIT: DEIN RECHT AUF
REPARATUR AUSÜBEN
Mit Standorten in Kalifornien und Stuttgart ist iFixit die weltweit wichtigste
Quelle für technische Informationen zur Unterstützung der Reparatur elektronischer Geräte. iFixit ist der Ansicht, dass Abfallvermeidung, Wiederverwendung und Reparatur dem Recycling vorzuziehen sind. iFixit erstellt kostenlose
Online-Reparaturanleitungen, verkauft Ersatzteile und ermutigt eine kollegial
zusammenarbeitende Gemeinschaft, Beiträge zu Reparatur-Handbüchern zu
leisten. Monatlich besuchen 3,5 Millionen Menschen, davon etwa 30 % aus Europa, die Website von iFixit. Im Jahr 2013 waren es mehr als 5 Millionen aus
dem Vereinigten Königreich und 2,5 Millionen aus Deutschland93. Da wir viel
zu viele unserer endlichen Ressourcen einsetzen, um kurzlebige elektronische
Geräte herzustellen, spart ihre Reparatur den Menschen Geld und hilft, durch
die Vermeidung von Elektroschrott die Umwelt zu schützen94. Reparaturinitiativen, z.B. Reparaturcafés (siehe Kasten 8), die häufig iFixit-Handbücher
verwenden, schaffen außerdem Arbeitsplätze und wirtschaftliche Aktivität
vor Ort. Auf einer grundsätzlicheren Ebene stellen sie die Prämisse in Frage,
auf der unsere Wegwerfwirtschaftsweise fundiert ist.
Dennoch: während einerseits iFixit und andere Organisationen Reparaturhandbücher in mehreren Sprachen online stellen, überfluten andererseits
immer mehr elektronische Geräte den Markt und werden mit konsumbasierten Werten beworben. Fast alle Mobiltelefone erfordern destruktiven Bergbau
für ihre Komponenten, ihr Design beinhaltet geplante Obsoleszenz (z.B. nicht
herausnehmbare Batterien), bauen auf billige Arbeitskräfte in der Herstellung
und landen schließlich auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen. iFixit
arbeitet mit dem niederländischen Hersteller Fairphone zusammen, um dieser
Situation abzuhelfen, legen jedem Fairphone ein Reparaturhandbuch bei und
fördern ein Netzwerk unabhängiger Reparaturzentren95. Der allgemeine Trend
ist jedoch nach wie vor überwiegend negativ.
Der übermäßige Konsum in Europa erschöpft Ressourcen, dabei sind Bewegungen für die Instandhaltung und Reparatur von Produkten, einschließlich
elektronischer Geräte, mit zunehmenden Schwierigkeiten konfrontiert. Die
Verschwendung von Ressourcen, Materialien und Energie schädigt unsere
Volkswirtschaft, Gesellschaft und Umwelt96. Die EU muss viel mehr tun, um
die Hindernisse zur Schaffung einer Kreislaufwirtschaft zu beseitigen, einer
Wirtschaftsweise, die gewährleistet, dass langlebige Produkte hergestellt
werden und ausgeschlachtet, repariert und wiederverwendet werden können.
Dies erfordert ökonomische Anreize für die Verlängerung der Nutzungsdauer von Industriegütern. Dazu gehört die Verpflichtung für Produktdesigner,
Zugang zu Handbüchern und anderen Informationen zur Störungsbehebung
zu gewähren sowie die Gewährleistung, dass Teile und Werkzeuge für die
Reparatur und Aufarbeitung von Produkten genauso frei und überall verfügbar sind wie die Produkte selbst. Siehe Handlungsempfehlungen 1.1, 1.6 und
3.2 bis 3.4
.

24

3.4 HERSTELLER VERPFLICHTEN, VOLLSTÄNDIGE UND DETAILLIERTE
REPARATURHANDBÜCHER BEREITZUSTELLEN
Die Lieferung von Reparaturhandbüchern zusammen mit den Produkten würde
Konsumentinnen und Konsumenten ermöglichen, ermöglichen, Reparaturen
entweder selbst vorzunehmen oder vornehmen zu lassen. Obwohl die Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte Alibianforderungen für das Teilen
von Informationen enthält, sind diese Regelungen in der Praxis nicht wirksam
und gewährleisten nicht, dass Hersteller und Händler verpflichtet sind, Reparaturhandbücher zu veröffentlichen97. Außerdem ist der Zugang zu Ersatzteilen
notwendig, sodass ein Produkt repariert werden kann, auch wenn es nicht mehr
hergestellt wird. Europa muss Schritte unternehmen, sodass Recycler und Reparierer Zugang zu denselben Handbüchern haben wie die Hersteller. Open-Source-Wartungshandbücher schaffen Transparenz bei Produkten und erlauben
Designern, Demontage98, Reparierbarkeit, Aufrüstbarkeit und Langlebigkeit
in ihr Design zu integrieren99. Eine weitere Möglichkeit, die ausgelotet werden
sollte, ist die bessere Nutzung und Ausweitung der Informationsanforderungen
in der Ökodesign-Richtlinie (siehe Handlungsempfehlung 3.2).
Die wachsenden Reparaturcafé- und iFixit-Bewegungen (siehe Kasten 9 bzw.
10) ermutigen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, die Notwendigkeit reparierbarer Produkte zu erkennen. Letztlich möchten diese Bewegungen jedoch nicht am Ende der Produktkette bleiben und Abfall reparieren, der
gar nicht erst hätte produziert werden sollen. Politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger sollten Rahmenbedingungen schaffen, die die
Herstellung langlebiger Produkte hoher Qualität ohne geplante Obsoleszenz
fördern (siehe z.B. Handlungsempfehlung 1.6, 3.2, 3.3 und 3.5

TURREPARA
CHER
Ü
B
HAND
FÜGUNG
ZUR VER
STELLEN

SHORT
KURZE
GUARANTEES
GARANTIEZEITEN

LANGE
LONG
GUARANTEES
GARANTIEZEITEN

3.5 DIE MINDESTLAUFZEIT VON PRODUKTGARANTIEN VERLÄNGERN
Gegenwärtig schreibt die EU-Gesetzgebung vor, dass Produkte eine zweijährige Garantie (in Deutschland entspricht dies der Gewährleistung) haben müssen. Während dieser
Zeit ist die Händlerin bzw. der Händler für die Behebung jeglicher Defekte haftbar. Das
Produkt muss kostenlos repariert oder ersetzt werden, oder der Preis muss zurückerstattet oder reduziert werden. Nach nur sechs Monaten dieser zwei Jahre findet jedoch eine
Beweislastumkehr statt. Dann muss die Konsumentin bzw. der Konsument beweisen, dass
das Produkt fehlerhaft oder nicht wie beworben ist, und dass der Defekt zum Kaufzeitpunkt bestand100. Das Ergebnis einer derart kurzen Mindestgarantiezeit und der Beweislastumkehr ist, dass viele Hersteller Produkte entwerfen und herstellen mit der Absicht,
dass sie nach zwei Jahren (oder sogar nach sechs Monaten) kaputtgehen oder nicht mehr
richtig funktionieren. Dies wird als geplante Obsoleszenz bezeichnet.
Wenn Hersteller zu deutlich längeren Garantiezeiten verpflichtet wären, würde dies
gewährleisten, dass sie viel langlebigere Waren produzieren würden. Außerdem wäre
dies eine erreichbare und kostengünstige politische Maßnahme. Beispielsweise sollte die
vorgeschriebene Garantiezeit für elektronische Geräte von zwei auf zehn Jahre verlängert
werden101. Dadurch würden die Hersteller langlebigere, reparierbare Produkte konstruieren und Konstruktionen fördern, die leicht instandgehalten werden können oder modulbasiert sind, wobei Komponenten ersetzt oder aufgerüstet werden können, ohne dass das
gesamte Gerät ersetzt werden muss (siehe Kasten 9). Diese einfache ordnungspolitische
Veränderung würde außerdem helfen, Einstellungen zu verändern und Innovationen zu
fördern, die die Nachhaltigkeit vorantreiben.
Neben der Verlängerung der Mindestgarantiezeit nach EU-Recht sollten komplementäre
Maßnahmen verfolgt werden, etwa die Einschränkung des Inverkehrbringens nicht-reparierbarer Produkte und die Verpflichtung für Hersteller, während der gesamten Lebensdauer eines Produkts Ersatzteile zu vernünftigen Preise zur Verfügung zu stellen (siehe
Handlungsempfehlung 3.4)102.

25

FAZIT
Die EU muss bei der Schaffung einer ressourceneffizienten Volkswirtschaft viel mehr tun, um die Lücke zwischen Worten und Taten zu
schließen. Das Kreislaufwirtschaftspaket fallenzulassen ist für Europa ein
gefährlicher Schritt in die falsche Richtung, der die Verpflichtung, und in
der Tat die Notwendigkeit, eine CO2-arme, ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft zu schaffen, in Frage stellt. Wenn Europa die Ressourcenund Abfallpolitik anpackt, muss es über eine enggefasste Vorstellung
von Abfallbewirtschaftung hinausgehen und den Wert von Ressourcen in
einer Welt mit knappen Ressourcen berücksichtigen. Dies bedeutet die
Anerkennung, dass wir zu viel konsumieren und unseren Planeten über
seine Grenzen der Tragfähigkeit für menschliches Leben hinausdrängen.
Angesichts dessen zeigen die Fallstudien in diesem Papier, wie Gemeinschaften in ganz Europa beginnen, den Wandel anzuführen: hin zu einem
Europa, das weniger konsumiert und besser konsumiert. Ohne Veränderungen in der EU-Gesetzgebung können diese Best Practices jedoch nur
marginal und örtlich begrenzt bleiben. Die EU muss die ihr zur Verfügung stehenden wirtschaftlichen und politischen Instrumente nutzen,
um solche lokalen, zukunftsfähigen Initiativen zu erleichtern und die
Volkswirtschaften in einer Art und Weise zu fördern, die außerdem klare
Vorteile für Soziales und Umwelt mit sich bringt.
.

26

27

FUSSNOTEN
1.	

Das Kreislaufwirtschaftspaket besteht aus der Überarbeitung von sechs Richtlinien zu
Abfall, Verpackung, Deponierung, Altfahrzeugen, Batterien und Akkumulatoren sowie
Elektronik-Altgeräte. Europäische Kommission, Kreislaufwirtschaftspaket, http://ec.europa.eu/
environment/circular-economy/

2.	

Europäische Kommission, Folgenabschätzung, ec.europa.eu/environment/waste/pdf/target_
review/ImpactAssessment.zip und Zusammenfassung http://eur-lex.europa.eu/legal-content/
DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:52014SC0208&from=EN

3.	

European Commission, Implementing EU Waste Legislation for Green Growth Final Report, GD
Umwelt, 29. November 2011, http://ec.europa.eu/environment/waste/studies/pdf/study%20
12%20FINAL%20REPORT.pdf

4.	

European Commission, Implementing EU Waste Legislation for Green Growth Final Report, GD
Umwelt, 29. November 2011, http://ec.europa.eu/environment/waste/studies/pdf/study%20
12%20FINAL%20REPORT.pdf

5.	

Euractiv, Circular Economy package to be ditched and re-tabled, http://www.euractiv.com/
sections/sustainable-dev/circular-economy-package-be-ditched-and-re-tabled-310866 und
Council of Ministers signals support for threatened Circular Economy package, http://www.
euractiv.com/sections/sustainable-dev/council-ministers-signals-support-threatened-circulareconomy-package, 16. Dezember 2014
Edie Newsroom, European Commission scraps Circular Economy Package, ‘more ambitious’
proposal awaits,16 December 2014, http://www.edie.net/news/5/Circular-Economy-PackageEuropean-Commission-2015-proposals/

6.	

	Eurostat, http://ec.europa.eu/eurostat/documents/2995521/5180394/8-25032014-AP-EN.PDF

7.	

FoEE, Gone to Waste: The valuable resources that European countries bury and burn, Oktober
2009, http://www.foe.co.uk/sites/default/files/downloads/gone_to_waste.pdf

8.	

Richtlinie 2008/98/EC über Abfälle (Abfallrahmenrichtlinie), http://eur-lex.europa.eu/legalcontent/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32008L0098&from=EN

9.	

Definition in der Abfallrahmenrichtlinie: „'Vorbereitung zur Wiederverwendung' [bezeichnet]
jedes Verwertungsverfahren der Prüfung, Reinigung oder Reparatur, bei dem Erzeugnisse
oder Bestandteile von Erzeugnissen, die zu Abfällen geworden sind, so vorbereitet
werden, dass sie ohne weitere Vorbehandlung wiederverwendet werden können". Artikel
3; Richtlinie 2008/98/EG über Abfälle, http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/
HTML/?uri=CELEX:32008L0098&from=EN

10.	 Im Jahre 2007 betrug der Material-Fußabdruck Europas 21 Tonnen, bzw. 8 Tonnen pro Kopf
mehr als in Europa gewonnen wurde. Europa, Australien (2007: 48 Tonnen pro Kopf) und
Nordamerika (29 Tonnen) sind die drei Gebiete der Welt mit dem höchsten Konsum. Tukker, A.;
Bulavskaya, T.; Giljum, S., et al., The Global Resource Footprint of Nations: carbon, water, land
and materials embodied in trade and final consumption. http://creea.eu/8-project/2-creeabooklet
11.	

Die Recyclingrate für Aluminium ist in Europa hoch, zwischen 62% für Getränkedosen und 95%
im Bau- und Transportsektor. In der EU27 machte das Aluminiumrecycling aus Schrott 2008
etwa 35 % des sichtbaren Konsums aus. Daten von der European Aluminium Association, 2010,
in Europäische Kommission, DG ENTR, Annex V to the Report of the Ad-hoc Working Group
on defining critical raw materials, 2010, http://ec.europa.eu/DocsRoom/documents/5662/
attachments/1/translations/en/renditions/pdf

12.	 Energiepreise stiegen um 190%, Lebensmittelpreise um 135% und Materialpreise um 135%.
McKinsey Global Institute, Resource Revolution: Meeting the world’s energy, materials, food,
and water needs, November 2011, S. 30, http://www.mckinsey.com/insights/energy_resources_
materials/resource_revolution
13.	 1Global footprint network, Earth Overshoot Day, http://www.footprintnetwork.org/de/index.
php/GFN/page/earth_overshoot_day/
14.	 WWF, Living Planet Report 2014, http://www.wwf.eu/media_centre/publications/living_planet_
report/
15.	 European Environment Agency, Resource Efficiency in Europe – Policies and approaches in 31
EEA member and cooperating countries, EEA Report No 5/2011, http://www.eea.europa.eu/
publications/resource-efficiency-in-europe
16.	 McKinsey Global Institute, Resource Revolution: Meeting the world’s energy, materials, food,
and water needs, November 2011, S. 30, http://www.mckinsey.com/insights/energy_resources_
materials/resource_revolution
17.	 European Environment Agency, Europe’s demand for resources reaching far beyond its
borders, 2011, http://www.eea.europa.eu/highlights/europe2019s-demand-for-resourcesreaching
18.	 1Friends of the Earth Europe, The Four Footprints: Increasing our resource efficiency, reducing
our social & environmental impacts, März 2014, http://www.foeeurope.org/sites/default/files/
foee-briefing-four-footprints.pdf http://www.bund.net/themen_und_projekte/nachhaltigkeit/
ressourcen_und_energie/fussabdruecke/
19.	 Phillip Oltermann, Berlin ‘borrowing shop’ promotes the benefits of sharing, The Guardian, 17.
März 2014, http://www.theguardian.com/world/2014/mar/17/berlin-borrowing-shop-benefitsshare-leila
20.	 Fortune, Meet the “collaborative” consumer, Mai 2012, http://fortune.com/2012/05/16/meetthe-collaborative-consumer/
21.	 Das Leila-Projekt, http://www.leila-berlin.de/index.php?id=17
22.	 Ecomodo, http://ecomodo.com/pages/info_about.aspx
23.	 Red Pepper, Both a borrower and a lender be, Januar 2011, http://www.redpepper.org.uk/botha-borrower-and-a-lender-be/

28

24.	 FoEE und CEO, The crusade against ‘red tape’: How the European Commission and big
business push for deregulation, Oktober 2014 http://www.foeeurope.org/sites/default/files/
news/crusade_against_red_tape_oct2014.pdf
25.	 FoEE, Pressemitteilung: European Commission appoints pro-industry Stoiber to oversee cutting
of EU laws, 18. Dezember 2014, http://www.foeeurope.org/European-Commission-appointspro-industry-Stoiber-oversee-cutting-EU-laws-181214
26.	 Friends of the Earth Europe, Briefing: Understanding the biofuel trade-offs between Indirect
land use change (ILUC), hunger and poverty, 2. Juli 2013, http://www.foeeurope.org/biofueltrade-offs-iluc-hunger-poverty-020713
27.	 Institute for European Environmental Policy (IEEP), "The European Semester: Assessing
Progress To Date: A report for the Greens/EFA Group in the European Parliament", Dezember
2013, http://www.greens-efa.eu/fileadmin/dam/Documents/Publications/GND/ENVIR__
POLICY_web.pdf, und IEEP, "How green is the European Semester process?" Präsentation, 29.
Januar 2014, Europäisches Parlament, http://www.ieep.eu/assets/1328/IEEP_Environment_in_
the_European_Semester_EP_29_Jan_2014.pdf
28.	 Zum Beispiel Ökosteuerreform, Energie-, Strom- und Transportinfrastruktur , Erneuerbare
Energie und Energieeffizienz, Energiemarktgestaltung und Fortschritt hin zu den
Emissionsreduktionszielen für Treibhausgase. IEEP ebd.
29.	 Oil Change International, Subsidizing Unburnable Carbon: Taxpayer support for fossil fuel
exploration in G7 nations. http://priceofoil.org/content/uploads/2014/08/G7_exploration_
subsidies.pdf Dies beruht auf Tabelle 1, S. 15 – die Spanne reicht von 1,43 Mrd. US$ bis 1,99 Mrd.
US$.
30.	 Wenn man die vielen Arten Steuerbefreiungen und Externalitäten aus Produktion und
Konsumtion dazurechnet und berücksichtigt, dass Daten fehlen oder unvollständig sind, wird
diese Zahl sehr viel höher. CAN Europe and CIDSE, Missing Pieces: Steps to phasing out dirty
fossil fuel subsidies in the EU, Dezember 2014, http://caneurope.org/resources/doc_view/2493missing-pieces-steps-to-phasing-out-dirty-fossil-fuel-subsidies-in-europe
31.	 Withana, S., ten Brink, P., Franckx, L., Hirschnitz-Garbers, M., Mayeres, I., Oosterhuis, F. und
Porsch, L. (2012). Study supporting the phasing out of environmentally harmful subsidies. A
report by the Institute for European Environmental Policy (IEEP), Institute for Environmental
Studies – Vrije Universiteit (IVM), Ecologic Institute and VITO for the European Commission –
DG Environment. Final Report. Brüssel. 2012. http://ec.europa.eu/environment/enveco/taxation/
pdf/report_phasing_out_env_harmful_subsidies.pdf
32.	 Withana et al., ebd.
33.	 Zero Waste Europe, Principles, http://www.zerowasteeurope.eu/about/principles-zw-europe/
34.	 Diese Fallstudie basiert auf Zero Waste Europe, The Story of Capannori—A Zero Waste
champion, September 2013, http://www.zerowasteeurope.eu/wp-content/uploads/2013/09/
ZWE-Best-practice-Capannori.pdf
35.	 CEE Bankwatch, FoEE, New Money, Old Ideas: How EU spending plans for central and eastern
Europe are selling short a greener future, Dezember 2014, http://bankwatch.org/sites/default/
files/newmoney-oldideas.pdf
36.	 Mit den 66 Mio. Euro, die die Tschechische Republik für Vermeidung, Trennung, Recycling oder
stoffliche Wiederverwendung von Abfällen verwendet wurden, können mehr als 3 Millionen
Tonnen hauptsächlich Siedlungsabfälle behandelt werden, während die 175 Millionen Euro für
materiell-biologische Behandlung und Verbrennung nur 1,4 Millionen Tonnen Abfälle behandeln.
Ebd.
37.	 HMRC (Her Majesty's Revenue and Customs (britische Steuerbehörde)), Landfill Tax Briefing,
März 2014, http://www.entrust.org.uk/assets/uploads/documents/Budget_2014_Landfill_Tax_
Briefing.pdf
38.	 Green Entrepreneurship, Leasing clothes from sustainable origin, November 2013, http://www.
greenentrepreneurship.com/leasing-clothes-sustainable-origin/
39.	 Zero Hedge, A Cash-Strapped Europe’s Latest Craze: Rented Clothes, March 2013, http://www.
zerohedge.com/news/2013-12-03/cash-strapped-europes-latest-craze-rented-clothes
40.	 Kladoteket, http://kladoteket.se/
41.	 Zum Beispiel North East Maternity & Nursing Clothes Library, http://www.netmums.com/
durham/local/view/pregnancy/pregnancy-birth-services/north-east-maternity-nursing-clotheslibrary-open-day, NCT Malvern Maternity Clothes Library www.nct.org.uk/branches/malvernhills/services-support/maternity-clothes-library und La Leche League Maternity Clothes Library
Oxford, http://www.llloxford.org.uk/index.php/maternity-clothes
42.	 Instrumentheek, http://www.instrumentheek.be/ und https://www.facebook.com/
instrumentheek/timeline
43.	 Wick Curiosity Show, Tool Lending Library, http://www.wickcuriosityshop.net/collection/toollibrary
44.	 The Guardian, Is it better to lease, hire or borrow than to buy?, September 2008, http://www.
theguardian.com/lifeandstyle/2008/sep/07/ethicalliving
45.	 European Environment Agency, Waste prevention in Europe – the status in 2013, EEA Report
No 9/2014, http://www.eea.europa.eu/highlights/waste-prevention-decoupling-wastegeneration
46.	 Ecoscience Provence, http://www.ecoscienceprovence.com/
47.	 Ovam, Inventarisatie huishoudelijke afvalstoffen, http://www.ovam.be/inventarisatiehuishoudelijke-afvalstoffen
48.	 Regions for Recycling EU, Good Practice, Flanders: PAYT, September 2014, http://www.
regions4recycling.eu/upload/public/Good-Practices/GP_OVAM_PAYT.pdf
49.	 Bezogen auf ca. 5,7 Millionen arbeitslosen Jugendlichen und 867.003 zusätzlichen
Arbeitsplätzen bis 2030. European Environment Bureau, Advancing Resource Efficiency In
Europe: Indicators and waste policy scenarios to deliver a resource efficient and sustainable
Europe, März 2014, http://www.eeb.org/EEB/?LinkServID=4E9BB68D-5056-B741DBCCE36ABD15F02FF

29

50.	 Diese Berechnung ist ausschließlich auf die Baumwoll- und Wollanteile bezogen, die 50%
des Materialstroms für die Wiederverwendung darstellen – diese Zahlen wären viel höher,
wenn die Auswirkungen der synthetischen Fasern in den wiederverwendeten Textilabfällen
berücksichtigt würden. European Environment Bureau, ebd.
51.	 Artikel 11 und Anhang IV (12) der EU-Abfallrahmenrichtlinie fordern die Unterstützung und
Einrichtung (akkreditierter) Wiederverwendungszentren, um die Wiederverwendung von
Produkten und die Vorbereitung zur Wiederverwendung zu steigern. In der Praxis sind die
Auswirkungen dieser Regelungen bei Weitem zu gering. Quelle: Rre-use, Approved Re-use
Centres and Networks–Principles, May 2014, http://www.rreuse.org/t3/fileadmin/editor-mount/
documents/300/RREUSE_approved_re-use_centre_principles_Final_3.pdf
52.	 RREUSE ebd.
53.	 European Environment Bureau, Advancing Resource Efficiency In Europe, ebd.
54.	 RREUSE, Our Network, http://www.rreuse.org/t3/public-area/about-rreuse/our-network/
55.	 Furniture Re-use Network, http://www.frn.org.uk/
56.	 London Re-use Network, Benefits of re-use, http://www.londonre-use.org/why-re-use/benefits/
57.	 London Re-use Network, http://www.londonre-use.org/
58.	 London Re-use Network, Benefits of re-use, ebd.
59.	 Greater London Authority, £8m to create UK’s first city-wide re-use and repair service, Juli
2010, https://www.london.gov.uk/media/mayor-press-releases/2010/07/8m-to-create-uk-sfirst-city-wide-re-use-and-repair-service
60.	 London Waste and Recycling Board, London re-use Network Update, September 2013, http://
www.lwarb.gov.uk/UserFiles/File/Board%20Papers/12%2009%202013%20-%2005%20%20%20
LRN%20Update.pdf
61.	 European Commission, Food Waste, http://ec.europa.eu/food/food/sustainability/index_en.htm
62.	 Red Cross, Think differently: Humanitarian impacts of the economic crisis in Europe, S. 25,
http://www.ifrc.org/PageFiles/134339/1260300-Economic%20crisis%20Report_EN_LR.pdf
63.	 Siehe zum Beispiel Zero Waste Europe, Europe and organic waste – EU biowaste law needed!,
September 2010, http://www.zerowasteeurope.eu/2010/09/europe-and-organic-waste-eubiowaste-law-needed/
64.	 Siehe zum Beispiel Best Before Project, http://bestbefore.org.uk/portal/?q=node/10
65.	 All-Party Parliamentary Inquiry into Hunger in the United Kingdom, Feeding Britain: A strategy
for zero hunger in England, Wales, Scotland and Northern Ireland, Dezember 2014, https://
foodpovertyinquiry.files.wordpress.com/2014/12/food-poverty-feeding-britain-final.pdf
66.	 European Environment Bureau, Advancing Resource Efficiency In Europe: Indicators and waste
policy scenarios to deliver a resource efficient and sustainable Europe, März 2014, http://www.
eeb.org/EEB/?LinkServID=4E9BB68D-5056-B741-DBCCE36ABD15F02F
67.	 Food for the Earth-Website, http://ourneighborhoodasp.blogspot.se/p/our-projects.html
68.	 European Commission, Best climate solutions in five countries honoured in World You Like
Challenge, Oktober 2013, http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/hedegaard/headlines/
news/2013-10-01_01_en.htm
69.	 Diaro Vasco, Más de 700 familias realizarán compost doméstico o comunitario, März
2014, http://www.diariovasco.com/v/20140330/bidasoa/familias-realizaran-compostdomestico-20140330.html
70.	 Zero Waste Europe, We love compost! International compost awareness week, Mai 2014, http://
www.zerowasteeurope.eu/2014/05/we-love-compost-international-compost-awareness-week/
and http://www.compostaenred.org/
71.	 Community Composting Network, http://www.communitycompost.org/index.php/about-us
72.	 Fairfield, http://www.fairfieldcompost.co.uk/about/history.html und Community Composting
Network, http://www.communitycompost.org/index.php/casestudies/68-fairfield-materialsmanagment
73.	 Global Alliance for Incineration Alternatives, When The EU Wastes The Climate: The EU Policy
of Subsidising Energy from Burning Waste is Worsening the Climate, Juni 2010, http://www.
no-burn.org/downloads/GAIA_When_EU_Waste_the_Climate.pdf
74.	 Global Alliance for Incineration Alternatives, IPCC misguiding the waste sector, GAIA warns, 13.
April 2014, http://www.no-burn.org/ipcc-misguiding-the-waste-sector-gaia-warns und http://
www.no-burn.org/downloads/GAIA%20Letter%20to%20IPCC%20WGIII%20on%20Mitigation_
final.pdf
75.	 WRAP, Environmental Benefits of Recycling, März 2010, http://www.wrap.org.uk/sites/files/
wrap/Environmental_benefits_of_recycling_2010_update.3b174d59.8816.pdf
76.	 Morris, J., 1996. Recycling versus incineration: an energy conservation analysis. Waste
Management, 3894(95). Quelle: ebd.
77.	 Global Alliance for Incineration Alternatives, IPCC misguiding the waste sector, GAIA warns,
ibid.
78.	 UNEP, 2010. Waste and climate change. Global trends and strategy framework. Quelle: ebd.
79.	 Schätzung bezogen auf WRAP 2008 LCA of Mixed Waste Plastic Recovery Options,
http://www.wrap.org.uk/downloads/LCA_of_Management_Options_for_Mixed_Waste_
Plastics.983a975a.5497.pdf
WRAP 2010 Life cycle assessment of example packaging systems for milk, http://www.wrap.
org.uk/sites/files/wrap/Final%20Report%20Retail%202010.pdf
80.	 Global Alliance for Incineration Alternatives, The European Union’s Double Standards on Waste
and Climate Policy, April 2012, http://www.no-burn.org/downloads/EU_s%20Double%20
Standards%20Briefing%20April%202012_1.pdf
81.	 " 'Vorbereitung zur Wiederverwendung' [bezeichnet] jedes Verwertungsverfahren der Prüfung,
Reinigung oder Reparatur, bei dem Erzeugnisse oder Bestandteile von Erzeugnissen, die
zu Abfällen geworden sind, so vorbereitet werden, dass sie ohne weitere Vorbehandlung
wiederverwendet werden können". Quelle: re-use, Approved Re-use Centres and Networks–
Principles, ibid.

30

82.	 Ein gemeinsamer Bericht von McKinsey & Company und der Ellen MacArthur Foundation
stellte fest, dass eine Steigerung der Wiederverwendung und Aufarbeitung von Mobiltelefonen
die Emissionen aus der Produktion um 3 Millionen Tonnen CO2 senken und 9,4 Milliarden
US-Dollar an zukunftsfähigen wirtschaftlichen Möglichkeiten generieren würde. The Ellen
MacArthur Foundation, McKinsey & Company, Towards the Circular Economy: Economic
and business rationale for an accelerated transition Bd. 1. Februar 2012. http:// www.
ellenmacarthurfoundation.org/business/reports/ce2012
83.	 Dieser Abschnitt beruht auf einem Interview von Joseph Zacune mit Martine Postma
am 26. Juli 2014.
84.	 Weitere Einzelheiten siehe: Eunomia et al., “Impact Assessment on Options Reviewing Targets in
the Waste Framework Directive, Landfill Directive and Packaging and Packaging Waste Directive”
Final Report,Report for the European Commission DG Environment, Februar 2014, S. vi und http://
ec.europa.eu/environment/waste/pdf/target_review/Targets%20Review%20final%20report.pdf
85.	 Siehe zum Beispiel die Handlungsempfehlungen des Eunomia report, ebd. S. xiv,
Handlungsempfehlungen 5-8.
86.	 European Environment Bureau, Advancing Resource Efficiency In Europe, ebd.
87.	 Die Ökodesign-Richtlinie (2009/125/EG) setzt spezifische Regeln für einzelne Produktgruppen
ein (Durchführungsmaßnahmen), die stufenweise Mindestleistungsstandards und Fristen für die
Umsetzung einführen, um verschwenderische Produkte aus dem Markt zu drängen. Quelle: Cool
Products, Key recommendations for more effective Ecodesign and energy labelling policies in the
EU, Briefing Paper, Oktober 2014, http://www.coolproducts.eu/resources/documents/2014-ALL/
Revision-Briefing-web-lr.pdf
88.	 Durch delegierte Rechtsakte stellt die Energiekennzeichnungsrichtlinie (2010/30/EU)
Konsumentinnen und Konsumenten kurz gefasste Informationen zur Energieeffizienz eines
Produkts zur Verfügung und erleichtert in dieser Weise Investitionen in effizientes Produktdesign
und -entwicklung. Quelle: Cool Products, ebd.
89.	 WRAP (Waste & Resources Action Programme), M·E·L Research. “Realising the Reuse Value of
Household WEEE” Oktober, 2011. http://www.wrap.org.uk/sites/files/wrap/WRAP%20WEEE%20
HWRC%20summary %20report.pdf
90.	 Die Richtlinie über Elektro- und Elektronik-Altgeräte enthält folgende perverse Anreize:
1) Mengenzielvorgaben, die die Erfüllung der Vorschriften in Richtung der Sammlung der
größtmöglichen Menge Elektronikschrott steuern, anstatt den größtmöglichen Wert aus der darin
enthaltenen Ressourcen zu erzielen; 2) die Wiederverwendung von ganzen Geräten bzw. Teilen,
was gemäß der Abfallhierarchie gegenüber dem Recycling vorzuziehen ist, nicht zu messen. Im
Ergebnis ist es für Recycler sinnvoller, Elektronikschrott in großen Mengen zu schreddern, was
minderwertiges Rezyklat mit wenig Wert als Ressource für industrielle Prozesse schafft; selbst
wenn ein Gerät funktioniert oder repariert werden könnte, wird es durch diesen Prozess irreparabel
beschädigt. Außerdem gibt es keinen Anreiz für Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten, das
Produktdesign dahingehend zu verbessern, dass die Reparierbarkeit oder die Wiedergewinnung
von Materialien am Ende der Erstbenutzung erleichtert wird.
Siehe z.B. Materials Recycling World, Our WEEE legislation serves nobody, 15. September 2014
http://www.mrw.co.uk/our-weee-legislation-serves-nobody/8668629.article
91.	 Für weitere Einzelheiten zu diesem Bereich siehe z.B. European Environment Bureau, The
WEEE forward, September 2014, http://www.eera-recyclers.com/sites/default/files/SA-EEBTheWEEEforward-18092014.pdf
92.	 Dies beruht teilweise auf StEP, ReDesign, http://www.step-initiative.org/index.php/Redesign.html
93.	 Die Daten basieren auf E-Mail-Korrespondenz mit Matthias Huisken, iFixit Deutschland, 6. August
2014
94.	 Siehe iFixit-Website, http://ifixit.org/ and https://www.ifixit.com/Info/background
95.	 Fairphone-Website, https://www.fairphone.com/
96.	 Rre-use, Investigation into the repairability of Domestic Washing Machines, Dishwashers and
Fridges, http://www.rre-use.org/t3/fileadmin/editor-mount/documents/200/Rre-use_Case_
Studies_on_reparability_-_Final.pdf
97.	 Bund, Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums, März 2013, http://www.bund.net/
fileadmin/bundnet/pdfs/technischer_umweltschutz/140425_bund_technischer_umweltschutz_
elektrogesetz_stellungnahme.pdf
98.	 Eine Untersuchung der Fraunhofergesellschaft vom August 2013 zum aktuellen Design
von Tablets kam zu folgendem Schluss: "Kenntnisse des Demontageprozesses im Vorfeld
[einer Reparatur] würden wahrscheinlich eine schnellere und weniger stark beschädigende
Demontage unterstützen." Fraunhofer IZM, Disassembly analysis of slates: Design for
repair and recycling evaluation, August 2013, http://publica.fraunhofer.de/starweb/servlet.
starweb?path=epub0.web&search=N-255111
99.	 Royal Society for the Arts. The Great Recovery: Investigating the Role of Design in the Circular
Economy, Juni 2013 http://www.greatrecovery.org.uk/downloadreport/
100.	Europa, Guarantees: repairs, replacements, refunds, http://europa.eu/youreurope/citizens/
shopping/shopping-abroad/guarantees/index_de.htm
101.	 Amis de la Terre (FoE France), L’obsolescence programmée, symbole de la société du
gaspillage: Le cas des produits électriques et électroniques, September 2010, http://www.
amisdelaterre.org/IMG/pdf/rapport_op_bdef_2_.pdf
102.	 Amis de la Terre, ebd.

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Die Erde braucht Freundinnen
und Freunde
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland engagiert sich seit vielen Jahren für
einen umweltbewussten Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Früher ging es um
Mülltrennung und das Wiederaufarbeiten von Abfallstoffen. Heute ist es unser alltägliches
Konsumverhalten und unsere Lebensweise, die den weltweiten Ressourcenverbrauch am
stärksten beeinflusst.
Mit Broschüren wie dieser und unzähligen Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern,
mit Studien, mit Ratgebern für Verbrauer und Aktionen für alle Altersklassen wollen wir
Alternativen aufzeigen und das Bewusstsein schaffen, dass ein anderer Weg möglich ist.
Unterstützen Sie unsere Arbeit für einen nachhaltigen Wandel im Umgang mit unseren Ressourcen und
werden Sie BUNDmitglied

ganz einfach auf – www.bund.net/mitgliedwerden

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