Path:
Periodical volume

Full text: Jahresbericht Issue 2013

Jahresbericht2013

Inhalt
Politik
	

	

RADVERKEHR IM FOKUS | Eine Frage des Bewusstseins

	

ADFC-FAHRRADKLIMA-TEST 2012 | Ausgezeichnete Fahrradstädte und Aufsteiger	

06

	

VELO-CITY-KONFERENZ IN WIEN | Treffen der Fahrradexperten	

08

	

3. NATIONALER RADVERKEHRSKONGRESS | Gemeinsam für mehr Radverkehr	

10

04	

Verband
	

BEIGETRETEN | Der ADFC ist seit 2013 Mitglied bei ...	

11

	

ADFC FÜR ALLE | Im Interesse aller Radfahrer 	

12

	

ADFC IN ZAHLEN	

14

	

DER ADFC AUF DER EUROBIKE | „Unsere Stimme macht die Welt zur Radwelt“	

15

	

ADFC-JUGEND-FAHRRAD-FESTIVAL | Junge Fahrrad-Fans unterwegs	

16

	

MIT DEM RAD ZUR ARBEIT | Für Fitness, Umwelt und den Geldbeutel	

18

Verkehr und Recht
	

NEUE BUSSGELDBESTIMMUNGEN | Bessere Bedingungen für Radfahrer	

19

	

FAHRRADBELEUCHTUNG | Ende der Dynamopflicht	

20

	

DISKUSSION UM ALKOHOLGRENZWERTE | Rad fahren mit weniger Promille	

21

Verbraucherschutz und Technik
	

DIN-AUSSCHÜSSE UND STIFTUNG WARENTEST | Mitarbeit in Gremien	

22

	

PEDELECS | E-Mobilität in der Diskussion	

23

	

ÜBERLEBENSTECHNIK | In kleinen Schritten voran	

24

	

HELMPFLICHT-DEBATTE | Mitverschulden nicht sachgerecht	

26

	

ADFC-TECHTALK AUF DER EUROBIKE | Forum für Experten	

27

Tourismus
	

FAHRRADTOURISMUS | ADFC als Partner rund ums Radreisen	

28

	

NEUER KATALOG FÜR RADREISEN | ADFC sorgt für „Radurlaub“	

30

	

BETT+BIKE-VERZEICHNIS | Sportlich und breit aufgestellt	

31

	

„DEUTSCHLAND PER RAD ENTDECKEN“ | In Vorbereitung für das Jubiläum	

32

Medien
	

PRESSESCHAU 2013 | Von Radrowdys und Helmträgern – Ein Jahr der Kontroversen	

34

	

RADWELT – DAS ADFC-MAGAZIN | 80.000er-Marke geschafft	

36

	

TEMPO-30-KAMPAGNE | Sicherheit zur Regel machen	

37

Finanzen
	

HAUSHALT | Stabile Mitgliedsbeiträge garantieren politische Arbeit	

38

ADFC-Jahresbericht 2013

03

>>> Politik

RADVERKEHR IM FOKUS

Eine Frage des Bewusstseins

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel während ihres Eurobike-Besuchs mit dem ADFC Bundesvorsitzenden Ulrich Syberg, Siegfried Neuberger
vom Zweirad Industrie Verband und Albert Herresthal vom Verbund Service und Fahrrad (v. r. n. l.)

Wann hat die Interessenvertretung fürs Radfahren den wohl größtmöglichen Erfolg erreicht? Bei
der Eröffnungsfeier der Velo-city in Wien gab Philippe Crist vom OECD International Transport
Forum eine Antwort: „Radfahren muss so normal werden, dass es komplett aus dem Bewusstsein
verschwindet, weil es einfach alle tun.“
Von diesem Bewusstseinszustand ist man in Deutschland noch weit entfernt – aber das Radfahren
ist 2013 wieder einmal stärker als zuvor in die öffentliche Wahrnehmung gerückt.
Anfang Februar präsentierten der ADFC und das Bundesverkehrsministerium die Ergebnisse des
Fahrradklima-Tests, der ADFC-Umfrage zur Zufriedenheit der Radfahrer. Knapp 80.000 Teilnehmer
bewerteten die Fahrradfreundlichkeit vor Ort – 332 Städte erreichten die für die Wertung notwendige Mindestteilnehmerzahl. Die Ergebnisse fanden in den Medien großen und lang anhaltenden
Widerhall. „Der Fahrradklima-Test ist ein gutes Instrument, um die Radverkehrsförderung vor Ort
voranzubringen. Deshalb ist eine Wiederholung in regelmäßigen Abständen wünschenswert“, sagte
Ludger Koopmann, der für Verkehrspolitik zuständige stellvertretende ADFC-Bundesvorsitzende.
Während der ADFC-Fahrradklima-Test noch mit Mitteln des ersten Nationalen Radverkehrsplans
(NRVP) gefördert wurde, stand der Nationale Radverkehrskongress mit über 700 Teilnehmern im
Mai schon unter dem Motto des NRVP 2020 „Den Radverkehr gemeinsam weiterentwickeln“. Eine
Forderung ist bereits erfüllt: Als die erste Radverkehrsbeauftragte des Bundesverkehrsministers
stellte sich Birgitta Worringen vor. „Ein wichtiges Signal für die Anerkennung des Fahrrads als
gleichberechtigtes Verkehrsmittel, auch in der Bundespolitik“, sagte Burkhard Stork, Bundesgeschäftsführer des ADFC.

04

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Politik

Der ADFC stellte Birgitta Worringen auf seinem

hafen. Sie sagte: „Deutschland ist auch eine

Empfang im Vorfeld der Velo-city in Wien vor. Auf

Fahrradnation“ und nannte den ADFC „einen

der weltweit größten Radverkehrs-Konferenz

wichtigen Partner bei der Umsetzung des Natio-

zeigte sich, dass auch Radverkehrspolitik nicht

nalen Radverkehrsplans 2020“. Der ADFC-Bun-

mehr nur in nationalen Grenzen gedacht wer-

desvorsitzende Ulrich Syberg bedankte sich bei

den kann. Siim Kallas, Vizepräsident der EU-

der Bundeskanzlerin auf der Messe dafür, „dass

Kommission, sagte zur Bedeutung des Verkehrs-

sie den Radverkehr zur Chefsache gemacht“

mittels Fahrrad für die Städte Europas in der

habe. Merkel lud den ADFC zu weiteren Ge-

Podiumsdiskussion: „Wir müssen stark in die

sprächen ein.

Infrastruktur investieren, um das Fahrrad als
sichere und attraktive Alternative zum Auto zu

Bei den politischen Parteien herrscht jedoch

etablieren.“ Ulrich Syberg bekam viel Applaus

weiterhin Nachholbedarf in Sachen Radverkehr.

für seinen Vorschlag, einen europäischen Rad-

In den Programmen zur Bundestagswahl kam

verkehrskoordinator einzusetzen, um die Radpo-

das Fahrrad trotz seiner Allgegenwärtigkeit im

litik in der EU besser aufeinander abzustimmen.

Alltag kaum vor. Dass über 30 Millionen Menschen mehrfach in der Woche Rad fahren, war

Mediale Aufmerksamkeit

im Bundestagswahljahr nicht angekommen.
Auch nicht, dass der Radtourismus inzwischen
10 Prozent der gesamten Binnenumsätze

Die Sicherheit für Radfahrer und ihre Rolle im

absichert – 10 Milliarden Euro jedes Jahr. Das

Straßenverkehr wurden in den Medien breit dis-

Fahrrad ist zudem derzeit das Verkehrsmittel

kutiert – auch ein Zeichen dafür, dass Radfahrer

mit den größten Zuwachsraten. Die Argumente

dort eine stärkere Rolle spielen. Das Oberlan-

hatte der ADFC in seinen „Politischen Forderun-

desgericht Schleswig hatte entschieden, dass

gen zur Bundestagswahl“ formuliert.

Radfahrer ohne Helm beim Zusammenstoß mit
einem Auto eine Mitschuld tragen, wenn der

Und Radfahren leistet einen Beitrag zur Ener-

Helm bei einem Sturz Kopfverletzungen verhin-

giewende. „Ohne die Verkehrswende hin zu

dert oder gemindert hätte. Der ADFC kritisierte

einer tatsächlich nachhaltigen Mobilitätskultur

das Urteil als „Helmpflicht durch die Hintertür“,

kann auch die Energiewende nicht richtig funk-

die Presse nahm die Argumente des ADFC

tionieren“, sagt Ludger Koopmann. Zu dieser

auf und sich des Themas sachlich an. Ebenso

neuen Kultur der lebenswerten Stadt gehört

differenziert berichteten die Medien über den

Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit, mehr

Vorwurf zu Rüpelradlern zu Anfang des Jahres.

Radverkehr und ein besseres Miteinander auf

Auch bei der Änderung der Beleuchtungsvor-

den Straßen.

schriften war der ADFC ein gefragter Gesprächspartner, als es darum ging, die Unstimmigkeiten

Die Erkenntnis in Politik und Gesellschaft zu

der neuen Vorschriften zu deuten.

verankern, dass das Fahrrad die Antworten auf
drängende Probleme bietet, bleibt auch wei-

Endlich Chefsache

terhin die wichtigste Aufgabe des ADFC. Denn
bis Radfahren tatsächlich so normal geworden
ist, dass es aus dem allgemeinen Bewusstsein

Mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel eröffnete

verschwindet, müssen wir noch viel tun und

in diesem Jahr zum ersten Mal eine deutsche

darüber sprechen.

Regierungschefin die Eurobike in Friedrichs-

ADFC-Jahresbericht 2013

05

>>> Politik

ADFC-FAHRRADKLIMA-TEST 2012

Ausgezeichnete Fahrradstädte
und Aufsteiger

Alle ausgezeichneten Städte und Kommunen des ADFC-Fahrradklima-Tests 2012 bei der Präsentation im Bundesverkehrsministerium in Berlin.

Überwiegend heiter, vereinzelt bleibt es wolkig – so lassen sich die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests 2012 zusammenfassen. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau
und Stadtentwicklung (BMVBS) präsentierte der ADFC die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests am
1. Februar 2013 in Berlin. Die Fahrradstadt Münster ist erneut Gesamtsieger.
Traditionelle Fahrradstädte erreichen weiterhin gute Platzierungen, aber gerade die Städte, die
Radverkehr seit einigen Jahren konsequent und mit Konzept fördern, haben in der Rangliste große
Sprünge nach vorne gemacht. Dazu gehören etwa Karlsruhe, das „Fahrradstadt Nummer 1 in
Süddeutschland“ werden will, Frankfurt am Main mit seinem Radfahrbüro und München mit seiner
„Radlhauptstadt“-Kampagne. „Das Engagement der Städte wird von Radfahrern positiv wahrgenommen. Es lohnt sich also, etwas für den Radverkehr zu tun“, sagte Ulrich Syberg, Bundesvorsitzender
des ADFC.
Im Vergleich zu früheren Befragungen schneiden die Städte insgesamt schlechter ab – das liegt
offenbar an den gestiegenen Ansprüchen. Die Umfrage zur Zufriedenheit von Radfahrern war die

06

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Politik

fünfte Erhebung dieser Art und die erste seit

überprüfen, ob sich ihr Engagement gelohnt hat.

INFO:

2005. Mit Unterstützung des Bundesverkehrsmi-

Auch dem ADFC vor Ort helfen die Ergebnisse:

Alle Ergebnisse sind

nisteriums aus Mitteln des Nationalen Radver-

Denn wo die Politik der Meinung ist, alles sei in

auf www.adfc.de/

kehrsplans und in Zusammenarbeit mit dem

bester Ordnung, kann man auf Grundlage von

fahrradklima-test/

infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft

schlechten Ergebnissen auf Verbesserungen

fahrradklima-test-2012

hatte der ADFC-Bundesverband Radfahrer

drängen.

einzusehen.

anhand von 27 Fragen um ihr Urteil gebeten.
Die Fachhandelsgruppe ZEG warb mit Flyern

Nach dem Erfolg des Fahrradklima-Tests 2012

und Plakaten in ihren Filialen für die Teilnahme.

hofft der ADFC, dass es bis zur nächsten Um-

Des Weiteren sorgte eine Postkartenaktion in

frage nicht wieder sieben Jahre dauert. Alleine

Gaststätten für Aufmerksamkeit.

kann der ADFC eine so aufwändige Untersuchung aber nicht stemmen. „Wir hoffen, dass

Das Ergebnis: Mehr als 79.000 Fragebögen

uns das Bundesverkehrsministerium und die

gingen in die Auswertung ein. Das sind mehr

Fahrradbranche auch zukünftig die nötige

als drei Mal so viel wie beim letzten Fahrrad-

Unterstützung geben“, sagt Koopmann. Erst

klimatest 2005. Die meisten Teilnehmer beant-

eine kontinuierliche Abfolge kann positive und

worteten die Fragen im Internet, etwa 5.000

negative Entwicklungen sichtbar machen und

nutzten den Fragebogen in der Radwelt oder an

gibt den Verantwortlichen wertvolle Rückmel-

Aktionsständen regionaler ADFC-Gliederungen.

dung darüber, wie ihre Maßnahmen beim Rad

332 Städte haben die für die Wertung notwen-

fahrenden Volk ankommen, und wo ihm der

dige Mindestanzahl an eingeschickten Frage-

Schuh drückt.

bögen erreicht, darunter alle 80 Städte mit über
100.000 Einwohnern.

Kontinuität erwünscht
Und das mediale Echo zeigt Langzeitwirkung:
Der Kölner Stadtanzeiger beispielsweise berichtete Ende September über Bergisch-Gladbach:
„Bergisch-Gladbach hat miserable Noten vom
ADFC für seine Fahrradtauglichkeit bekommen.
Das soll sich künftig ändern: Die Stadt plant ein
Radwegenetz und zusätzliche Einrichtungen.“
Ein Ziel war es, mit dem neuen FahrradklimaTest längerfristige Entwicklungen sichtbar zu
machen: „Wichtig war uns und dem Bundesverkehrsministerium, dass wir die Ergebnisse mit

„Das Engagement der Städte wird von Radfahrern positiv wahrgenommen“,

dem letzten Klimatest vergleichen können“, sagt

sagte Ulrich Syberg, Bundesvorsitzender des ADFC bei der Präsentation

Projektleiter Thomas Böhmer. So können Städte

der Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests.

ADFC-Jahresbericht 2013

07

>>> Politik

VELO-CITY-KONFERENZ IN WIEN

Treffen der Fahrradexperten

Die Wiener stiegen aufs Rad, zum Beispiel beim Vienna Bicycle Corso auf der Wiener Reichsbrücke.

Auf der weltweit größten Radverkehrskonferenz,

sagte, dass der Bund mit dem Nationalen

der Velo-city vom 11. bis 14. Juni in Wien,

Radverkehrsplan zur Weiterentwicklung des

brachte sich der ADFC-Bundesverband vielfältig

Radverkehrs beitragen und ihn gemeinsam mit

ein: Auf seinem Ausstellungsstand stellte sich

dem ADFC voranbringen möchte. „Je besser die

der ADFC den rund 1.400 internationalen Teil-

Bedingungen, umso mehr fahren die Menschen

nehmern vor und präsentierte zusätzlich unter

Fahrrad“, so Worringen.

der Überschrift „German Cycling Expertise“
sechs Firmen der Fahrradindustrie als Vertreter
Deutschlands in Sachen Fahrrad-Kompetenz.
Die kooperierenden Unternehmen waren die
Firma Bohle (Schwalbe-Reifen), Bosch, Orion
Bausysteme, Ortlieb, der Shimano-Importeur
Paul Lange sowie Riese und Müller.
Zu Beginn der Konferenz stellte der ADFC im
Rahmen eines Empfangs auf seinem Stand
die Radverkehrsbeauftragte des Bundesverkehrsministers, Birgitta Worringen, vor. Sie

08

ADFC-Jahresbericht 2013

Der ADFC-Stand auf der Velo-city.

>>> Politik

Auch im Konferenzprogramm war das Knowhow des ADFC gefragt: So leitete z. B. Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork die Einheit „Let
the People Ride: Public Bike Sharing Schemes“. Tourismusreferent Wolfgang Richter und
Raimund Jennert, stellvertretender Bundesvorsitzender, informierten gemeinsam mit Mandy
Schwalbe-Rosenow (Büro Radschlag) über die
„Classification of ADFC Premium Cycle Routes:
The Story of Qualification Process“. ADFCRechtsreferent Roland Huhn referierte unter
dem Titel „Inspiring Young People to Cycle“ über
das adfc-jugend-fahrrad-festival.
Maria Vassilakou, stellvertretende Bürgermeis-

ECF-Präsident Manfred Neun, ADFC-Bundesvorsitzender Ulrich Syberg,

terin von Wien, bekannte in der Eröffnungs-

Birgitta Worringen, Radverkehrsbeauftragte im BMVBS, und Orion Bausysteme-

veranstaltung, dass ihr das Fahrrad sehr am

Geschäftsführer Jörg Suckow (v. l. n. r.).

Herzen liege, und wies darauf hin, dass „2050
rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten

seinen Vorschlag, einen europäischen Rad-

INFO:

leben. Das stellt die Städte vor enorme logis-

verkehrskoordinator einzusetzen, um in den EU-

www.adfc.de/news

tische Herausforderungen. Das Fahrrad kann

Mitgliedsstaaten die Radverkehrspolitik besser

und http://velo-

entscheidend dazu beitragen, die Luftqualität zu

aufeinander abzustimmen.

city2013.com

verbessern, den Lärm zu mindern und vor allem
eine hohe Lebensqualität zu schaffen.“ Philippe

Für die Konferenz stellte die Hauptstadt Wien

Crist vom OECD International Transport Forum

gern ihr repräsentatives Rathaus zur Verfügung.

brachte es auf den Punkt: „Radfahren muss

Zahlreiche Veranstaltungen waren zudem auf

so normal werden, dass es komplett aus dem

den Rathaus-Vorplatz und die ganze Stadt

Bewusstsein verschwindet, weil es einfach

verteilt und motivierten die Wiener Bevölkerung,

alle tun.“

mitzumachen und rauf aufs Rad zu steigen.

Mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zur Verkehrspolitik in der EU endete die
viertägige Konferenz. Siim Kallas, Vizepräsident
der EU-Kommission, sagte: „Wir müssen stark
in die Infrastruktur investieren, um das Fahrrad
als sichere und attraktive Alternative zum Auto
zu etablieren.“ Für eine bessere Infrastruktur
und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in den
Städten setzt sich der deutsche EU-Parlamentarier Michael Cramer ein. Der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg erntete viel Applaus für

ADFC-Jahresbericht 2013

09

>>> Politik

3. NATIONALER RADVERKEHRSKONGRESS

Gemeinsam für mehr Radverkehr
kommunizieren“, im Handlungsfeld Tourismus
stellte der stellvertretende Bundesvorsitzende Raimund Jennert die aktuellen Studien
des ADFC – die „ADFC-Radreiseanalyse und
Radverkehrsanalyse“ – vor. Darüber hinaus
beteiligten sich eine Reihe von Referenten des
ADFC-Bundesverbands an den Diskussionen,
und nicht zuletzt nutzten die Bundesvorstandsmitglieder Ulrich Syberg, Ludger Koopmann und
Raimund Jennert den Kongress für weiterführende Gespräche.

„Erhebliches Potenzial“
Ideen waren auf dem Nationalen Radverkehrskongress in Münster gefragt.

Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer
führte in seiner Eröffnungsrede aus, Radfah-

Der 3. Nationale Radverkehrskongress stand

ren sei die Antwort auf viele gesellschaftliche

unter dem Motto „Den Radverkehr gemeinsam

Herausforderungen. Bei einem Radverkehrs-

weiterentwickeln“. Über 700 Teilnehmer trafen

anteil von zehn Prozent an allen Wegen gebe

sich dazu am 13. und 14. Mai in Münster und

es aber noch ein erhebliches Potenzial. Auch

diskutierten in acht Foren Beiträge zu den Hand-

die Entwicklung von Elektrorädern trage dazu

lungsfeldern des Nationalen Radverkehrsplans

bei: „Pedelecs haben viel zum guten Image der

2020, der 2012 unter dem gleichen Motto ver-

Elektromobilität beigetragen“, sagte Ramsauer.

abschiedet worden war.

Die Rollenkonflikte, die Verkehrsteilnehmer
untereinander austrügen, könne man nur mit

INFO:

Der ADFC-Bundesverband beteiligte sich viel-

Vernunft und einem besseren Miteinander auflö-

Die Beiträge vom

fältig: Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork

sen. Es müsse um mehr Rücksicht im Straßen-

NRVK lassen sich

moderierte das Forum 4 „Radfahren erfolgreich

verkehr geworben werden – allerdings „nicht
mit erhobenem Zeigefinger“.

auf www.nationalerradverkehrskongress.

Im Rahmen des Kongresses stellte sich Birgitta

de herunterladen.

Worringen als erste Radverkehrsbeauftrage
des Bundesverkehrsministers vor. Im feierlichen
Rahmen wurde zudem der Deutsche Fahrradpreis 2013 verliehen. Ausgezeichnet wurde die
Stadt Soest für einen innovativen Schutzstreifen
in der Mitte einer Fahrbahn. In der Kategorie
Tourismus konnte sich das Projekt „Fahrradkon-

10

ADFC-Jahresbericht 2013

Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer, ADFC-

zert im Rahmen der Musikfestspiele Potsdam

Bundesvorsitzender Ulrich Syberg, NRWs Verkehrs-

Sanssouci“ durchsetzen. Fahrradfreundlichste

minister Michael Groschek und Münsters Oberbürger-

Persönlichkeit des Jahres ist die Schauspielerin

meister Markus Lewe auf dem Kongress (v. l. n. r.).

Michaela May.

>>> Verband

BEIGETRETEN

Der ADFC ist seit 2013 Mitglied …
Der ADFC ist gefragter Kompetenzträger und Impulsgeber. Dies spiegelt sich auch in der Mitarbeit
in Verbänden und Arbeitskreisen wider, denen der ADFC 2013 beigetreten ist.

... bei der Allianz pro Schiene
Der ADFC ist im März als 19. Mitglied der Allianz pro Schiene beigetreten. In dem politischen
Verkehrsbündnis arbeiten Organisationen aus der Zivilgesellschaft – Umweltverbände, Verbraucherschützer, Automobilclubs und Gewerkschaften – für einen modernen, umweltfreundlichen Schienenverkehr zusammen.
An der Schnittstelle zwischen Bahn und Fahrrad gibt es einigen politischen Handlungsbedarf. Aus
Perspektive des Fahrradfahrers sind viele Bahnhöfe mangelhaft ausgestattet. „Als Teil der Allianz pro
Schiene wollen wir dafür sorgen, dass die Bahnbranche und die öffentliche Hand diese multimodalen Schnittstellen schärfer in den Blick nimmt“, sagt ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork.
>>> www.allianz-pro-schiene.de

... beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat DVR
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hat über 200 Mitgliedsorganisationen. Dazu gehören unter
anderem die für Verkehr zuständigen Ministerien von Bund und Ländern sowie Verkehrsverbände.
Die Aufgabe des 1969 gegründeten Vereins ist die Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung
der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Seit Oktober 2007 verfolgt der DVR die Strategie „Vision
Zero“ – mit dem Ziel eines Straßenverkehrs ohne Todesopfer.
>>> www.dvr.de

... beim Netzwerk Shared Space
Ein gleichberechtigtes Miteinander aller Teilnehmer im Verkehr mit einem stadtverträglichen Tempo
und individueller Gestaltung der Straßen und Plätze – dafür steht das Konzept des Shared Space.
Um es bekannter zu machen, haben im März 2013 der ökologische Verkehrsclub VCD, die Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung SRL, der Fachverband Fußverkehr FUSS e. V. und
der ADFC das „Netzwerk Shared Space“ gegründet. Auf dessen Internetportal werden Interessierten
Einsatzbereiche aufgezeigt und aktuelle Projekte vorgestellt. Zudem gibt es Hinweise zur rechtlichen Situation und Infos zur Umsetzung von Modellprojekten.
>>> www.netzwerk-sharedspace.de

... beim BikeBrainpool
Der BikeBrainpool ist ein Kreis engagierter und namhafter Vertreter der Fahrradbranche, die über
Wettbewerbs- und Verbandsgrenzen hinweg am gemeinsamen Ziel arbeiten, das Fahrradfahren
zu fördern. Der ADFC-Bundesverband gehört dem Kreis offiziell seit Oktober 2013 an. Der BikeBrainpool gilt zum einen als Ideenschmiede, um Konzepte für die Zukunft des Fahrradfahrens zu
entwickeln. Zum anderen bietet er die Plattform, um Netzwerke und strategische Allianzen zwischen
Branche und Gesellschaft aufzubauen.
>>> www.bikebrainpool.de

ADFC-Jahresbericht 2013

11

>>> Verband

ADFC FÜR ALLE

Im Interesse aller Radfahrer

Über 70 Millionen Fahrräder gibt es in Deutsch-

stellte die Bundehauptversammlung 2012 die

land und die Zahl derjenigen, die täglich aufs

Weichen, um den Verband für neue Zielgruppen

Rad steigen, wächst beständig. Radfahren ist

attraktiver zu machen. Der Beschluss stellt klar,

ein Massenphänomen und wird offenbar immer

dass der ADFC für alle da ist: für Jung und Alt,

beliebter. Der ADFC möchte die Interessen

für Menschen, die aus Überzeugung Rad fahren

aller Radfahrer vertreten – egal, ob sie erst vor

genauso, wie für diejenigen, für die Radfahren

Kurzem aufgestiegen sind oder schon lange

einfach praktisch ist oder eine angenehme Frei-

überzeugt in die Pedale treten. Die Zahl der

zeitbeschäftigung. „Wenn wir auch die Gelegen-

Mitglieder – über 140.000 – spiegelt die Zahl

heitsnutzer von den Vorteilen des ADFC über-

der tatsächlichen Fahrradnutzer noch nicht

zeugen, können wir den Verein deutlich vergrö-

annähernd wider. Es ist also großes Potenzial

ßern und noch viel schlagkräftiger werden“, sagt

für weiteres Wachstum vorhanden.

Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork.

Burkhard Stork

Ein Potenzial, das der ADFC nutzen will: Mit

Die politische Arbeit des ADFC zu unterstützen,

ADFC-Bundesge-

dem Beschluss „ADFC: Gemeinsam. Für alle.“

soll sich für die Mitglieder deshalb noch mehr

schäftsführer

auszahlen als bisher: Nicht nur durch bessere
Bedingungen für Radfahrer auf den Straßen,
sondern auch darüber hinaus durch Serviceleis-

12

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Verband

tungen rund ums Radfahren und moderne Mobilität. So bietet der ADFC seinen Mitgliedern seit
Kurzem gemeinsam mit Partnern ein Vorteilsprogramm, das zum Alltag mit dem Verkehrsmittel Fahrrad passt und ihn ergänzt.

Vorteilsprogramm für Mitglieder
Im neu gestalteten Mitgliederbereich auf
www.adfc.de finden ADFC-Mitglieder alle Infos
zum neuen Vorteilsprogramm. Dort werden die
Vorteile einer Mitgliedschaft erläutert und direkt
zu den Kooperationsangeboten verlinkt. Mit
dabei ist Entega, einer der führenden Ökostromanbieter in Deutschland. ADFC-Mitgliedern gewährt Entega attraktive Rabatte auf den Arbeits-

Der ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork und ENTEGA-Geschäftsführer

und Grundpreis. Auch beim Ausleihen von Fahr-

Frank Dinter.

rädern, zum Beispiel beim nächsten Städtetrip,
lässt sich in Kürze mit der ADFC-Mitgliedschaft

Nicht zuletzt dienen auch neue Formen der Mit-

bares Geld sparen: nextbike, einer der führen-

gliedschaft dem Ziel, den ADFC weit zu öffnen

den Betreiber von öffentlichen Fahrrad-Verleih-

und für jedermann attraktiv zu machen: Mit der

systemen, reduziert für alle ADFC-Mitglieder

vergünstigten Jugendmitgliedschaft für alle un-

die Leihgebühr für seine Räder um 50 Prozent.

ter 18 und ermäßigte Beiträge für junge Erwach-

Auch Europas größter Autovermieter Europcar

sene bis 27 Jahre unterstreicht der ADFC den

wird ADFC-Mitgliedern ebenfalls Vergünstigun-

Anspruch, Radfahrer jeden Alters für den ADFC

gen anbieten, und schon bald werden ADFC-

begeistern zu wollen.

Mitglieder bei DB Rent, einer Tochter der Deutschen Bahn, von Rabatten für Call a bike und
Flinkster profitieren können.

ADFC Intern:
Zum ADFC-Mitgliederbereich gelangen Sie,

Das Motto „ADFC für alle“ soll auch inhaltlich

indem Sie im Eingabefeld auf www.adfc.de

mehr gelten: In der verbandsinternen Debatte

– links unten unter der Menüleiste – die

über das Verkehrspolitische Programm hatten

Postleitzahl Ihres Wohnortes und Ihre acht-

alle Mitglieder die Möglichkeit, sich über den

stellige Mitgliedsnummer eingeben. Die Mit-

Mitgliederbereich auf www.adfc.de mit Kom-

gliedsnummer finden Sie auf Ihrem ADFC-

mentaren zu beteiligen, die in die weitere Aus-

Mitgliedsausweis und auf der Rechnung

formulierung mit einflossen.

zum Jahresbeitrag.

ADFC-Jahresbericht 2013

13

ADFC in Zahlen

140.481

Mitglieder bilden

eine solide Basis für die Lobbyarbeit des
ADFC – Tendenz steigend.

314 Mal um die Erde

sind die 223.730 Menschen im Jahr 2012
zusammengerechnet auf den 17.879
Tages- und Mehrtagestouren gefahren.

Das ADFC-Magazin Radwelt ist mit einer
IVW-geprüften Auflage von

80.650

Stück das größte Trekkingradmagazin in
Deutschland.

4,3

Fahrräder besitzt jeder Radwelt-

Leser im Schnitt, davon haben 84 % ein
Trekking- oder Cityrad. Es folgen Reiseräder (26 %), Mountainbikes (25 %) und
Rennräder (23 %).

Etwa

190.000

Leser lesen

5.400

fahrradfreundliche Gastbe-

triebe in Deutschland sind in der OnlineDatenbank www.bettundbike.de zu finden.

37

Unternehmen der Fahrradbranche

952

bilden den ADFC-Förderkreis.
Fahrradhändler und andere Unternehmen
unterstützen den ADFC auf regionaler
Ebene als Fördermitglied.

81.332

Menschen nahmen

an der Umfrage zum Fahrradklima-Test

regelmäßig die Radwelt, davon der über-

2012 teil und bewerteten die Fahrrad-

wiegende Teil eine Stunde und länger.

freundlichkeit ihrer Stadt oder Kommune.
334 Städte erreichten die erforderliche

6.658.307

Mal wurden

die Internetseiten des ADFC in den vergangenen zwölf Monaten aufgerufen

Über

3.000

(Mitte Oktober 3.091)

Mindestanzahl für die Wertung.

377.110 geprüfte Tourenkilometer
bietet das ADFC-Tourenportal in 21 Län-

dern, davon der Großteil in Deutschland.

Insgesamt

4.619.855

Internetnutzer sind Fans des ADFC auf

Kilogramm CO2 haben die Teilnehmer der

Facebook – die meisten von ihnen schau-

Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ im Som-

en abends gegen 21:00 Uhr vorbei.

mer 2013 eingespart.

In

über tausend

Fällen leisteten die Rechtsexperten des
ADFC in den vergangenen Monaten eine
Rechtsberatung für Mitglieder.

48

ADFC-Qualitätsradrouten mit

einer Länge von insgesamt 15.790

Die

neun Ausgaben von

„Deutschland per Rad entdecken“
haben eine Gesamtauflage von

3.550.000 Exemplaren.
Mit mehr als

2.800.000 verkauf-

ten Exemplaren sind die Radtourenkarten
des ADFC die erfolgreichsten Fahrradkar-

Kilometern hat der ADFC zertifiziert. 2013

ten überhaupt. In 27 Ausgaben decken sie

kamen elf hinzu.

ganz Deutschland ab.

>>> Verband

DER ADFC AUF DER EUROBIKE

„Unsere Stimme macht die Welt zur Radwelt“
Der Leitspruch des Messestands vom ADFC
und vom Europäischen Radfahrerverband ECF
zeigt, warum Fahrrad-Lobbyverbände und
Fahrradindustrie noch enger zusammenarbeiten
sollten: Je besser die Bedingungen für Radfahrer, umso mehr Menschen fahren Fahrrad.
Und je mehr Menschen Fahrrad fahren, desto
vernehmbarer wird wiederum die Stimme der
Radfahrer.
Der ADFC-Bundesverband und der ECF präsentierten sich auf der Eurobike neben 1.280
Ausstellern aus 54 Ländern. Allein während
der Fachbesuchertage vom 27. bis 30 August

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (2.v.l.) mit Burkhard Stork (li.),

zählte die Leitmesse der Fahrradbranche über

Martin Hahn, MdL (2.v.re.) und Gudrun Zühlke (re.).

45.000 Besucher aus Fahrradindustrie, -handel,
Verbänden und Journalisten.

auftrage des Bundesverkehrsministers, Birgitta
Worringen, der Bundestagsabgeordnete Gero

Der Standort im Foyer West bringt eine direkte

Storjohann (CDU) und der Landesverkehrsmi-

Nachbarschaft zum Bundesverkehrsministerium

nister von Baden-Württemberg, Winfried Her-

und anderen Verbänden mit sich, wie dem Ver-

mann (Die Grünen), auf seinem gemeinsamen

bund Service und Fahrrad oder der Deutschen

Rundgang mit der Landesvorsitzenden vom

Initiative Mountainbike. Dem Bundesvorstand,

ADFC Baden-Württemberg, Dr. Gudrun Zühlke.

Geschäftsführung und Referenten diente der
Stand als Treffpunkt für Gespräche mit Politik,

Mit zukunftsweisendem Stadtmobiliar, wie einer

Fahrradindustrie und Presse. Zu den Gästen

Fahrrad-Reparatur-Station und einem elektro-

gehörten unter anderem die Radverkehrsbe-

nischen Fahrrad-Zähler, zeigte der ADFC konkrete Lösungen auf, um Städte und Kommunen
noch fahrradfreundlicher zu machen. Eine per
Fahrrad betriebene Saftpumpe animierte viele
Besucher – passend zur Obsternte am Bodensee – sich ein Glas Apfelsaft zu „ertreten“.
Am Publikumstag, dem 30. August, übernahm
der ADFC-Bodenseekreis in bewährter Weise
die Standbetreuung und informierte die Besucher über verkehrspolitische Positionen und
touristische Produkte des ADFC.

Christoph Schleidt

Der Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann (CDU)

Referent Marketing

und Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork.

und Koordinator Kommunikation

ADFC-Jahresbericht 2013

15

>>> Verband

ADFC-JUGEND-FAHRRAD-FESTIVAL

Junge Fahrrad-Fans unterwegs
Zum Abschluss des zweiten adfc-jugend-fahr-

bereit – mit dem Ziel, die Jugendarbeit im ADFC

rad-festivals haben rund 100 Jugendliche Politik

in der Fläche zu stärken und langfristig auf allen

und Verwaltung aufgefordert, sich stärker für

Ebenen zu verankern.

den Radverkehr zu engagieren.
Das zweite Jugendtreffen des ADFC fand vom
2. bis 4. August in Fulda statt. Die 100 Kinder

Fahrradfreundliche Schulen
auszeichnen

und Jugendlichen im Alter von acht bis 18
Jahren waren zuvor in Gruppen aus Heidelberg,

Bei der Abschlusskundgebung forderten die Kin-

Sabine Kluth

Bremen, dem Main-Taunus-Kreis, Waiblingen

der und Jugendlichen neben einem guten Mit-

Stellvertretende

und Dortmund in mehrtägigen Radreisen zum

einander im Straßenverkehr und guten Wegen

ADFC-Bundesvorsit-

Treffen gefahren. Während des Treffens gab es

für Radfahrer auch, Schulen fahrradfreundlicher

zende

ein vielseitiges Workshop-Angebot rund ums

zu gestalten. Sabine Kluth, stellvertretende

Radfahren.

ADFC-Bundesvorsitzende, ist von den unterschiedlichen Situationen an den Schulen immer

Ziel des jugend-fahrrad-festivals ist es, die

wieder überrascht. „Hier muss der Bund durch

INFO:

Jugendgruppen im ADFC zu vernetzen und

gezielte Förderung für mehr Kontinuität sorgen,

www.adfc.de/jufafe und

alle zwei Jahre ein bundesweites Treffen zu

zum Beispiel durch ein Zertifizierungsprogramm

www.adfc.de/10028

organisieren. Für die Gruppen soll das Festival

für Schulen“, sagt Kluth.

ein attraktives Highlight sein. Der Arbeitskreis
Jugend tauscht sich über die Planung des Festivals und weitere Aktivitäten aus und stellt seine
Arbeitsmaterialien für andere Gliederungen

Radfahren fördert bei Kindern die geistige
und körperliche Entwicklung und ist dazu
gesund. Damit sie dafür einen guten Rahmen haben, setzt sich der ADFC für ihre
Verkehrssicherheit ein. Kinder und Jugendliche sollen Spaß daran haben, mehr Fahrrad zu fahren. Radfahren heißt für sie:

>	 Geschwindigkeit erleben, mit Lust 		
	 und Laune
>	 Selbstvertrauen + Selbstsicherheit
	 erfahren
> Räume erschließen, Reviere erweitern: 		
	 Parks, Schulhöfe, Gehwege
>

spielerisch motorische Fähigkeiten 		
	 trainieren und erlernen

16

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Verband

MIT DEM RAD ZUR ARBEIT

Für Fitness, Umwelt und den Geldbeutel
Traten zum bundesweiten
Auftakt der Aktion MdRzA
kräftig in die Pedale:
Michael Wagner (GEOMAR),
Heinz-Jürgen Heidemann
(ADFC Schleswig-Holstein),
Jürgen Graalmann
(Vorstandsvorsitzender
AOK-Bundesverband)
und Dr. Dieter Paffrath
(Vorstand AOK Nordwest)
auf dem Tandem sowie
Landesverkehrsminister
Reinhard Meyer, Mojib Latif
(GEOMAR) und ADFCBundesvorsitzender
Ulrich Syberg (v. l. n. r.).

Mit dem Leitspruch „Pedale statt PS“ startete

Der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg

Ende Mai die bundesweite Mitmachaktion „Mit

sagte zum Auftakt, die eindrucksvollen Zahlen

dem Rad zur Arbeit“ in Kiel. Den offiziellen

von 2012 alleine seien schon Grund genug

Startschuss gab es vom Schleswig-Holsteiner

für die Aktion, aber wer möglichst oft das Auto

Verkehrsminister Reinhard Meyer am Ozeanfor-

stehen lässt, und möglichst häufig mit dem Rad

schungszentrum Geomar. Der Verkehrsminister,

zur Arbeit fährt, gewinnt an Fitness dazu, stärkt

die Mitarbeiter von Geomar, Vertreter von ADFC

sein Immunsystem und schont den eigenen

und AOK sowie zahlreiche Gäste machten sich

Geldbeutel und Umwelt. Wie viel CO2 jeder

am Kieler Ostufer auf die traditionelle Auftakt-

Teilnehmer der Umwelt durch die Radfahrten

runde.

erspart hatte, konnte man auf der Internetseite
ermitteln oder sich die App fürs Smartphone

Bei der bundesweiten Kampagne ist es das Ziel,

herunterladen.

im Zeitraum ab Anfang Juni bis Ende August an
mindestens zwanzig Tagen mit dem Fahrrad zur

Auch in diesem Jahr haben zahlreiche Firmen

Arbeit zu fahren – oder den Arbeitsweg kombi-

die Gesundheitsaktion unterstützt und spendier-

Wilhelm Hörmann

niert mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzu-

ten viele Sachpreise als Gewinnchance für die

Verkehrsreferent

legen.

erfolgreichen Teilnehmer: Darunter das Faltradmodell Birdy-JobRad mit Straßenausstattung

Seit 2001 veranstalten der ADFC und die Ge-

von Riese und Müller, Städtereisen von Der-

sundheitskasse AOK gemeinsam die Kampag-

Tour, Tourenplaner-Software von MagicMaps,

ne. Die Teilnehmerzahlen waren Mitte Oktober

Beleuchtungs-Sets von Sigma oder die Office-

noch nicht ausgezählt, es wird aber eine ähnlich

Bags von Ortlieb. Der Fahrradtaschenspezialist

INFO:

hohe Beteiligung wie 2012 erwartet. Im vergan-

Ortlieb unterstützte die Gesundheitsaktion auch

www.mit-dem-rad-zur-

genen Jahr hatten bundesweit 174.000 Teilneh-

in diesem Jahr wieder mit einer Sonderauflage

arbeit.de und www.adfc.

mer mitgemacht.

der Office-Bag QL3 mit dem Logo der Gesund-

de/gesundheit

18

ADFC-Jahresbericht 2013

heitsaktion.

>>> Verkehr und Recht

NEUE BUSSGELDBESTIMMUNGEN

Bessere Bedingungen für Radfahrer
Wenn über vermeintlich rücksichtslose und regeluntreue Radfahrer gewettert wird, dann meist
zum Start der Hauptsaison. In diesem Jahr begann die Rüpelradler-Debatte jedoch schon vor dem
Frühlingsbeginn: Bereits im Februar widersprach der ADFC der Behauptung vom Verkehrsgerichtstag, dass „kaum ein Radfahrer“ mit vorgeschriebener Beleuchtung fahre, sich um die Fahrtrichtung
oder um Ampeln kümmere. Die stellvertretende Bundesvorsitzende Sabine Kluth entkräftete in der
Abschlussdiskussion „Tatort: Fahrradsattel“ derartige Vorurteile gegen Radfahrer. Der Präsident des
Verkehrsgerichtstags, Kay Nehm, relativierte bereits in der abschließenden Pressekonferenz die
Aussagen und stand dem Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork kurz darauf für ein moderiertes
Streitgespräch zur Verfügung, das die Süddeutsche Zeitung ganzseitig abdruckte. Damit hatte sich
das Thema für das weitere Jahr weitgehend beruhigt.

Rechte für Radfahrer gestärkt
Am 1. April traten Änderungen im Bußgeldkatalog in Kraft. Auch eine alte ADFC-Forderung wurde
dabei aufgegriffen: die Aufnahme von Verstößen gegen das Halte- und Parkverbot auf Radwegen
ohne Benutzungspflicht. „Die ergänzten Tatbestandsnummern erleichtern die Verkehrsüberwachung“,
sagt Ludger Koopmann, stellvertretender ADFC-Bundesvorsitzender. Gleichzeitig sind auch typische
Verstöße von Autofahrern zu Lasten von Radfahrern teurer geworden, wie unaufmerksames Rechtsabbiegen. Falschparken auf Radwegen kostet nach dem neuen Bußgeldkatalog nun mindestens
20 Euro. Auch der Regelsatz des Verwarnungsgelds für Radfahrer ist von 10 auf 15 Euro gestiegen.
Das ist kaum mehr als ein Inflationsausgleich seit der letzten Erhöhung im Jahr 1989.
Ludger Koopmann

In den Anhörungen beim Bundesverkehrsministerium zur Reform der Verkehrssünderdatei drang

Stellvertretender ADFC-

der ADFC darauf, Verkehrsverstöße von Radfahrern nicht höher als mit der Mindestpunktzahl zu

Bundesvorsitzender

bewerten. 2014 soll die Eintragungsgrenze für Bußgelder auf 60 Euro heraufgesetzt werden. Dann
wird nur noch die „qualifizierte“ Missachtung einer roten Ampel (ab 100 Euro Bußgeld) durch Radfahrer in das neue Fahreignungsregister eingetragen. Radfahrer ganz herauszunehmen war mit
ihrer Stellung als Fahrzeugführer nicht zu vereinbaren.
INFO:
www.adfc.de/bussgeld
katalog

ADFC-Jahresbericht 2013

19

>>> Verkehr und Recht

FAHRRADBELEUCHTUNG

Ende der Dynamopflicht

Fahrradbeleuchtung ist seit August 2013 auch mit Batterien und Akkus als Energiequelle an herkömmlichen Fahrrädern erlaubt.

Plötzlich (aber nicht ganz unerwartet) kam im

fassung der Beleuchtungsvorschriften in

August 2013 das Ende der Dynamopflicht. Was

Deutschland erstellen. Sie sollte im Frühjahr

zuvor geschah: Im Oktober 2012 hatte der ADFC

2013 vorliegen und als Grundlage für einen

die Arbeit am Jahresthema Fahrradbeleuchtung

Gesetzesvorschlag dienen.

fortgesetzt und auf dem Technik-Workshop seine Nutzerbefragung zu Batterie- und Dynamo-

Überraschend nutzte der Bundesrat Ende Juni

licht vorgestellt. Fachleute aus Industrie, Prüf-

eine anstehende Änderung der Straßenver-

instituten und Verbänden, auch aus dem Aus-

kehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), um einen

land, erfuhren mehr über die unterschiedlichen

eigenen Vorschlag zur Abschaffung der Dyna-

Beleuchtungsvorschriften in Europa, über Fahr-

mopflicht einzubringen. Industrie und Verbände

radunfälle bei Dunkelheit und über die Bedeu-

wurden übergangen, auch die beinahe fertige

tung der Beleuchtung für das Unfallgeschehen.

und 45.000 Euro teure BASt-Studie wurde nicht
zu Rate gezogen. Der ADFC-Bundesverband

Auf dieser Grundlage hatte der ADFC-Bundes-

kritisierte zahlreiche Mängel der Vorlage und

verband gemeinsam mit dem Europäischen

trug dazu bei, dass sie zurückgezogen wurde.

Radfahrerverband ECF und dem niederländi-

Beinahe wäre der Bundesrat der Anregung ge-

Roland Huhn

schen Fietsersbond im Auftrag der EU-Verbrau-

folgt, seine Pläne zurückzustellen und stattdes-

ADFC-Rechtsreferent

cherschutzorganisation ANEC die Anforderun-

sen das Bundesverkehrsministerium zu einer

gen an die Beleuchtung und deren Stärke sowie

baldigen Reform aufzufordern. Doch am Tag vor

an Reflektoren an Fahrrädern untersucht.

der Abstimmung brachte das Land Hamburg
einen nachgebesserten Gesetzesvorschlag ein,

20

ADFC-Jahresbericht 2013

Zur selben Zeit ließ die Bundesanstalt für Stra-

der Batterien mit 6 Volt oder Akkus statt des

ßenwesen (BASt) im Auftrag des Bundesver-

Dynamos erlaubt. Er wurde beschlossen und

kehrsministeriums eine Expertenstudie zur Neu-

trat am 1. August in Kraft.

>>>

>>> Verkehr und Recht

Ankündigung zur Nachbesserung

INFO:
Dokumentation des

Die Neufassung des § 67 Abs. 1 StVZO lässt es zu, die Beleuchtung von Pedelecs aus dem

Beleuchtungswork-

Antriebsakku zu versorgen. Sie enthält aber Unstimmigkeiten bei der Batteriespannung (Batterie-

shops: www.adfc.de/

rücklichter arbeiten meist mit 3 Volt) und lässt offen, ob Ansteckleuchten zulässig sind – obwohl

workshops

gerade diese Art der Beleuchtung erlaubt werden sollte. Das Bundesverkehrsministerium hat die
Kritikpunkte eingeräumt und für den Herbst eine Klarstellung angekündigt. 2014 soll dann eine

ANEC-Studie (auf Eng-

umfassende Änderung der Vorschriften zur Fahrradbeleuchtung folgen. Seit dem Ende der Dyna-

lisch): www.anec.org/

mopflicht macht der ADFC verstärkt auf das vorgeschriebene Prüfzeichen aufmerksam – mit Erfolg:

attachments/ANEC-R&T

Immer mehr Fahrradhändler nehmen nicht genehmigte Batterieleuchten mit zweifelhafter Wirkung

-2012-TRAF-002.pdf

aus dem Programm.

DISKUSSION UM ALKOHOLGRENZWERTE

Rad fahren mit weniger Promille
Wie viel Alkohol soll für Radfahrer erlaubt sein?
Die Innenministerkonferenz der Länder hatte
im Mai dieses Jahres gefordert, den Grenzwert
für strafbares Radfahren unter Alkoholeinfluss
zu senken Der ADFC hat in der Debatte seine
Position vertreten, dass Radfahrer bereits ab 1,1
Promille Blutalkohol ein Bußgeld zahlen sollten.
Der Grenzwert für strafbares Radfahren unter
Alkohol soll aber bei 1,6 Promille bleiben. Nun
hat ein Düsseldorfer Rechtsmediziner den Forschungsauftrag erhalten, die Verkehrstüchtigkeit von alkoholisierten Radfahrern neu zu untersuchen. Der Verkehrsgerichtstag hat angekündigt, die Ergebnisse dieser Studie unter der
Überschrift „Radfahrer und Alkohol“ im Januar
2015 zur Diskussion zu stellen. Der ADFC und

Der ADFC setzt sich für ein Bußgeld ab 1,1 Promille ein. Der Grenzwert für strafbares Rad

andere Verbände hatten das Thema angeregt.

fahren soll bei 1,6 Promille bleiben.

Was soll ein neuer Alkoholgrenzwert bringen?

„Ein Grund für den Rückgang mag die öffentliche Debatte um einen neuen Alkoholgrenzwert

Das Ziel sind weniger Alkoholfahrten und damit

sein“, sagt Roland Huhn, ADFC-Rechtsreferent,

weniger verletzte und getötete Radfahrer. Auf

„aber auch die häufigere Berichterstattung über

dem Weg dorthin gibt es erste Erfolge: 2012

Fahrradunfälle unter Alkoholeinfluss, über Füh-

INFO:

sind etwa 3.700 Radfahrer unter Alkoholeinfluss

rerscheinentzug und sogar Radfahrverbote dürf-

www.adfc.de/verkehr--

verunglückt – rund 700 weniger als noch 2009.

te einen Einfluss gehabt haben.“ Ein neuer Buß-

recht/sicher-unterwegs

Der Anteil von Fahrradunfällen unter Alkohol

geldtatbestand mit 1,1 Promille werde diesen

ging auf unter 5 Prozent zurück.

positiven Trend weiter verstärken, sagt Huhn.

ADFC-Jahresbericht 2013

21

>>> Verbraucherschutz und Technik

DIN-AUSSCHÜSSE UND STIFTUNG WARENTEST

Mitarbeit in Gremien

Das Fahrrad komfortabel und sicher abstellen funktioniert am besten mit vom ADFC geprüften Anlagen.
Die technische Richtlinie gilt als Vorlage für die kommende DIN-Norm für Fahrradabstellanlagen.
INFO:

Die Fachkompetenz des ADFC im Verbraucherschutz ist gefragt: Die Stiftung Warentest hat wie in

www.adfc.de/pedelecs

vorhergehenden Jahren ADFC-Experten in ihre Beiräte berufen, um Tests von Schlössern, Beleuch-

www.adfc.de/abstellan

tung und Pedelecs vorzubereiten. Stephan Behrendt unterstützte die Stiftung Warentest beim Prüf-

lagen

programm für Fahrradschlösser: „Vom ADFC vorgeschlagene Prüfkriterien konnten leider nur in Teilen übernommen werden, da sie sonst den zeitlichen und finanziellen Rahmen des Tests gesprengt
hätten“, sagt der Leiter des ADFC-Fachausschusses Technik.
Auch in der Standardisierung engagiert sich der ADFC für praxisgerechte Anforderungen auf einem
hohen Sicherheitsniveau und arbeitet in mehreren Gremien des Deutschen Instituts für Normung
(DIN) mit. Im Arbeitskreis Fahrräder geht die Überarbeitung der Prüfnorm für Pedelecs voran. Im
Herbst 2013 hat die Arbeit an einer Sicherheitsnorm für Lastenräder begonnen. Und auch die vom
ADFC initiierte und auf seiner technischen Richtlinie beruhende DIN-Norm für Fahrradparksysteme
macht Fortschritte: 2014 soll sie als Entwurf veröffentlicht werden. Dr. Gereon Broil, stellvertretender
Bundesvorsitzender, erwartet von dieser DIN-Norm eine erhöhte Akzeptanz seitens der Bauherren.
„Wir setzen darauf, dass Fahrradabstellanlagen nach DIN-Norm künftig generell für Bauvorhaben
ausgeschrieben werden. Felgenkiller werden dann keine Chance mehr haben.“

Gereon Broil
Stellvertretender ADFCBundesvorsitzender

22

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Verbraucherschutz und Technik

PEDELECS

E-Mobilität in der Diskussion
Pedelecs sind weiter
ein wichtiges Thema in
der Presse. Der ADFC
hat sich 2013 vielfältig
für die motorunterstützten Fahrräder eingesetzt.

Pedelecs bleiben ein Ganzjahresthema in der

Rahmenbrüche bei Pedelecs kommen in der

Presse, mit dem Pedelec-Test der Stiftung Wa-

Praxis, ebenso wie bei Fahrrädern ohne Hilfs-

rentest Mitte des Jahres erreichte das Thema

motor, durchaus vor. Sie lassen sich vermeiden,

ihren Höhepunkt. Die Ergebnisse offenbarten

wenn die Hersteller ihre Produkte anhand reali-

auch Rahmen- und Lenkerbrüche oder zu

tätsnaher Kriterien entwickeln und vor dem Ver-

schwache Bremsen. Es folgte eine kontroverse

kauf mit Prüfverfahren auf dem Stand der Tech-

Debatte, einige der Ergebnisse sind mittlerweile

nik testen. „Diese Sorgfalt kostet natürlich Geld,

relativiert worden.

aber wenn Kunden durch Meldungen über Qualitätsprobleme abgeschreckt werden, wird das
auf Dauer vermutlich noch teurer“, sagt Huhn.

Der ADFC wies darauf hin, dass das Fahrrad
als hochwertiges Alltagsverkehrsmittel ernst genommen werden muss, sowohl von der Politik

Neue Gesetze

als auch von der Fahrradindustrie. „Pedelecs
sind ideal, um mehr Menschen aufs Fahrrad

Auch auf politischer Ebene hat sich der ADFC

zu bringen, auch für längere Strecken. Dazu

für Pedelecs stark gemacht: Gemeinsam mit

müssen die Modelle aber auch sehr zuverlässig

dem Europäischen Radfahrerverband ECF hat

sein, sonst kann der Ruf dieses Verkehrsmittels

der ADFC bei der Europäischen Kommission

leiden und Kunden vom Kauf abhalten“, sagte

erreicht, dass die Grenze für Pedelecs in einer

ADFC-Verkehrsreferent Roland Huhn.

neuen EU-Verordnung bei einer Leistung von
250 Watt und einer Motorunterstützung bis 25
km/h verbleibt. Händlerverbände hatten sich zuvor für eine stärkere Motorisierung von Elektrofahrrädern eingesetzt, die ohne Betriebserlaubnis auskommen.

>>>

ADFC-Jahresbericht 2013

23

>>> Verbraucherschutz und Technik

INFO:

„Der ADFC sieht einen Bedarf für schnellere und stärkere Elektroräder. Sie passen wegen ihrer

www.adfc.de/pedelecs

Leistung und Höchstgeschwindigkeit aber nicht mehr zum Radverkehr“, sagt Gereon Broil, stellvertretender ADFC-Bundesvorsitzender.
Seit Juni 2013 stellt der neue § 1 Abs. 3 Straßenverkehrsgesetz klar, dass Fahrräder mit elektrischer
Unterstützung bis 250 Watt und 25 km/h auch im rechtlichen Sinne Fahrräder sind. Das gilt auch für
Modelle mit Anfahr- oder Schiebehilfe, die bis 6 km/h ohne Mittreten wirkt.
Weiter offen ist die Frage der Helmpflicht für schnelle Pedelecs. Sie gelten mit einer Motorunterstützung bis 45 km/h zwar als Kleinkrafträder, doch die Helmpflicht setzt erst bei einer bauartbedingten
Höchstgeschwindigkeit (bbH) über 20 km/h ein. Deshalb ist der Motorantrieb von schnellen Pedelecs bei einer Möglichkeit, ohne Mittreten zu fahren, meist auf 20 km/h begrenzt. Das Bundesverkehrsministerium sieht im Gegensatz zum ADFC als bbH das erhöhte Tempo an, das mit elektrischer Tretunterstützung erreicht wird, und geht deshalb von einer Helmpflicht aus, wobei das Tragen eines
Fahrradhelms ausreichen soll.

ÜBERLEBENSTECHNIK

In kleinen Schritten voran
INFO:

Der ADFC setzt sich weiter dafür ein, dass die

www.adfc.de/ueberle

fortgeschrittene Sicherheitstechnik in Kraftfahr-

benstechnik

zeugen nicht nur den Insassen zugutekommt,
sondern auch Radfahrern und Fußgängern.

Pressemitteilung zur
Kooperation mit dem

Es gibt zwar mittlerweile einige Techniken und

Taxiverband BZP:

Assistenzsysteme wie den Außenairbag als

Der Aufkleber macht in Taxis auf die Gefahren durch

www.adfc.de/9790

Fußgängerschutz im Volvo V40 oder Radarsen-

unachtsam geöffnete Autotüren aufmerksam.

soren, die während des Türöffnens auf herannahende Radfahrer aufmerksam machen kön-

Außerdem konnte die Berufsgenossenschaft

nen. Aber bis sich solche Systeme allgemein

Verkehr für das Thema Abbiegeunfälle mit Lkw

verbreiten, bleibt der ADFC nicht untätig. Zum

gewonnen werden. Die Berufsgenossenschaft

Schutz der Radfahrer vor Türöffnerunfällen hat

hat bei einem Münchener Rechtsmediziner eine

der ADFC-Bundesverband gemeinsam mit dem

Studie in Auftrag gegeben, die im November

bundesweiten Taxiverband BZP einen Warnauf-

2013 auf einem Kongress in Hamburg mit Be-

kleber herausgebracht. 100.000 Stück wurden

teiligung des ADFC vorgestellt wird. Auch dort

an Taxifahrer verteilt, um sie im Sichtfeld der

werden die Lkw-Produzenten voraussichtlich

Fahrgäste anzubringen.

noch keine anwendungsreife Sicherheitstechnik präsentieren. Hier wird weiterer Druck des

Trotz vielversprechender Entwicklungsarbeiten

ADFC und weiterer Verbände auf den Gesetz-

haben die Lkw-Hersteller noch immer keinen

geber und auf die Industrie erforderlich sein,

Abbiegeassistenten gegen schwere Rechtsab-

damit die Ankündigungen beim Runden Tisch

biegeunfälle auf den Markt gebracht. Der ADFC

2012 im Bundesverkehrsministerium für ein

unterstützt im Projekt ABALID II eine Berliner

Warnsystem gegen Lkw-Abbiegeunfälle umge-

Forschungseinrichtung bei der Entwicklung

setzt werden.

einer lasergestützten Radfahrererkennung.

24

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Verbraucherschutz und Technik

Während es Sicherheitstechnik zur Erkennung von
Fußgängern bereits in Pkw gibt, macht der ADFC weiterhin Druck, Abbiegeassistenten für Lkw einzusetzen.

ADFC-Jahresbericht 2013

00

>>> Verbraucherschutz und Technik

HELMPFLICHT-DEBATTE

Mitverschulden nicht sachgerecht
Der ADFC kritisiert ein Urteil des Schleswig-

radverkehr ein solches Mitverschulden eines

Holsteinischen Oberlandesgerichts, nach dem

Radfahrers ohne Helm annimmt“, sagt Ro-

Radfahrer ohne Helm beim Zusammenstoß mit

land Huhn, Rechtsreferent des ADFC. Andere

einem Auto eine Mitschuld tragen, wenn der

Gerichte konnten für Kinder und Erwachsene

Helm bei einem Sturz Kopfverletzungen verhin-

keine allgemeine Überzeugung feststellen, dass

dert oder gemindert hätte. Dies gelte laut dem

ein Fahrradhelm notwendig sei. Das wird auch

Urteil vom 5. Juni (7 U 11/12) auch dann, wenn

durch die Helmtragequoten deutlich, die jährlich

der Unfallgegner den Unfall allein verursacht hat.

von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt)
innerorts durch Zählungen ermittelt werden. Die
Tragequote liegt dort bundesweit für alle Radfahrer bei 10 bis 11 Prozent.
Der ADFC vertritt die Auffassung, dass die positiven Gesundheitseffekte des Radfahrens die
Gesundheitsgefährdung durch Verletzungen
bei weitem ausgleicht. Zudem kann das Tragen
eines Helmes Unfälle nicht verhindern. „Helme
können schützen, aber ihr Effekt wird oft überschätzt“, sagt Roland Huhn. Es müsse dem
einzelnen Radfahrer selbst überlassen bleiben,
ob er einen Helm tragen möchte oder nicht.

Grundsatzurteil 2014 erwartet
„Helmpflicht durch die Fahrertür“? Das Grundsatzurteil, ob Fahren ohne Helm

Im konkreten Fall war eine Radfahrerin neben

zu einem Mitverschulden bei Unfällen führt, erwartet der ADFC in der zweiten

einem parkenden Auto vorbeigefahren. Deren

Jahreshälfte 2014.

Halterin öffnete unmittelbar vor der Radfahrerin
Das Gericht begründete, es bestehe zwar keine

die Tür, sodass die Radfahrerin gegen die

Helmpflicht, Fahrradfahrer seien jedoch im Stra-

Tür fuhr und stürzte. Sie wollte vor Gericht fest-

ßenverkehr einem besonderen Verletzungsrisi-

stellen lassen, dass für alle durch den Unfall

ko ausgesetzt und würden von Kraftfahrern oft-

verursachten Schäden die Halterin des Autos

mals nur als störende Hindernisse im frei flie-

sowie ihre Versicherung zu zahlen habe. Das

ßenden Verkehr empfunden. Außerdem könne

Gericht sprach dem Unfallopfer aber nun einen

„nach dem heutigen Erkenntnisstand grund-

Mitverschuldensanteil von 20 Prozent zu. Die

sätzlich davon ausgegangen werden, dass ein

verletzte Radfahrerin ist nach dem Urteil des

verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen

OLG Schleswig-Holstein ADFC-Mitglied gewor-

INFO:

Schadens beim Radfahren einen Helm tragen

den und hat gegen das Urteil Revision beim

ADFC-Position zu

wird“, so das Gericht weiter.

Bundesgerichtshof eingelegt. Der ADFC wird sie
dabei nach Kräften unterstützen und erwartet

Fahrradhelmen
www.adfc.de/helme

Der ADFC kritisiert das Urteil als nicht sachge-

ein Grundsatzurteil des BGH in der zweiten Jah-

recht. „Es ist das erste Mal, dass eines der 24

reshälfte 2014 (VI ZR 281/13).

Oberlandesgerichte in Deutschland im Alltags-

26

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Verbraucherschutz und Technik

ADFC-TECHTALK AUF DER EUROBIKE

Forum für Experten
Zum zweiten Mal diskutierte der ADFC in seiner Veranstaltungsreihe auf der Eurobike mit Branchenvertretern über Verbraucherschutzthemen. Themen der Veranstaltungen jeweils zu Beginn des
Messetages waren die Rolle des Lastenrads im Verkehr der Zukunft, die Aussagekraft von Produkttests vor dem Hintergrund des Pedelec-Tests der Stiftung Warentest sowie Rückrufaktionen.
Der Waren- und Personentransport per Fahrrad finde zunehmend Zuspruch, gerade im urbanen
Umfeld, so der Tenor über die zukünftige Rolle von Lastenrädern. Die Diskutanten – Wasilis von
Rauch (VCD), Tobias Schindler (Riese und Müller), Andreas Gehlen (Zwei plus zwei GmbH) sowie
André Gläser (Velotech.de) – stimmten überein, dass Lastenräder im Verkehrsmix eine wichtige
Rolle spielen werden. Firmen stellten aus wirtschaftlichen Gründen auf Transporträder um, und die
Motorisierung der Lastenräder führe zu breiteren Einsatzmöglichkeiten. Zum Thema Normierung
von Lastenrädern war sich das von Dr. Randy Rzewnicki vom ECF moderierte Podium uneins, ob
diese sinnvoll oder als Entwicklungsbremse zu bewerten sei.
Bei der von René Filippek vom ADFC-Bundesverband geleiteten Gesprächsrunde zur Aussagekraft
von Produkttests waren sich die Vertreter von führenden Prüfinstituten in Deutschland, Ernst Brust
(Velotech.de), Marcus Schröder (EFBE) und Dirk Zedler (Zedler-Prüftechnik), einig darüber, dass
die Fahrradindustrie Nachholbedarf bei der „gesetzeskonformen Bestückung“ habe. Uneinigkeit
herrschte aber darüber, welches Prüfprogramm das aussagekräftigste ist und wie der Prüfartikel in
Test-Ausgabe 6/2013 zu bewerten sei.
ADFC-Rechtsreferent Roland Huhn und der Geschäftsführer der Derby Cycle AG, Mathias Seidler,
kamen am dritten TechTalk-Tag unter der Podiumsleitung von Markus Fritsch vom Branchenportal
Velobiz.de überein, dass es Produktrückrufe in jedem fertigenden Gewerbe gebe. Probleme machten laut Mathias Seidler größtenteils nachträglich modifizierte Fahrräder. Verliefen Rückrufe aber
korrekt, seien sie kein „PR-Desaster“, sondern ein Zeichen von Seriosität und Service.

DIENSTWAGENPRIVILEG

Steuerliche Gleichstellung für Fahrräder
Auch für Fahrräder gilt seit Dezember 2012 das sogenannte Dienstwagenprivileg: Arbeitnehmer,

INFO:

deren Arbeitgeber ihnen ein Dienstfahrrad stellt, können damit die private Nutzung pauschal

www.adfc.de/8762

mit monatlich 1 Prozent des Listenpreises versteuern. Der ADFC hatte sich zusammen mit anderen Verbänden und Unternehmen aus der Fahrradbranche für die steuerliche Gleichstellung
eingesetzt. Die neue Regelung gilt laut Erlass der Finanzminister der Bundesländer auch für
Pedelecs, deren Motor den Fahrer bis 25 km/h unterstützt.

ADFC-Jahresbericht 2013

27

>>> Tourismus

FAHRRADTOURISMUS

ADFC als Partner rund ums Radreisen

Der Radtourismus ist weiter auf der Erfolgsspur.

Allein in diesem Jahr hat der ADFC 13 neue

Das ist die zentrale Botschaft der ADFC-Radrei-

Strecken in Deutschland, Österreich sowie grenz-

seanalyse 2013, die der ADFC im März auf der

überschreitend in Dänemark, den Niederlanden

Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin

und Belgien klassifiziert. Zuvor haben geschulte

vorstellte. Immer mehr Menschen steigen im

ADFC-Routeninspektoren die Radfernwege Kilo-

Urlaub aufs Rad – am liebsten auf dem Elbe-

meter für Kilometer nach einem festgelegten

radweg, der zum neunten Mal in Folge in der

Bewertungskatalog geprüft und bewertet. „Die

Rangfolge der beliebtesten Radfernwege ganz

Auszeichnung als Qualitätsradroute hat sich mitt-

oben steht. Der Mainradweg sowie der Weser-

lerweile bei den Betreibern von Radfernwegen

Radweg landen in diesem Jahr auf den folgen-

etabliert“, sagt Dr. Wolfgang Richter, Tourismus-

den Plätzen. Beliebteste Reiseregion ist wieder

referent beim ADFC-Bundesverband. „Die Aus-

Bayern, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern

zeichnung setzen die Routenbetreiber nicht

und Brandenburg.

nur als Werbemittel ein, sondern es dient auch

Raimund Jennert

Ein weiteres Ergebnis: Jahr für Jahr werden mehr

intern als Instrument eines Qualitätsmanage-

Stellvertretender

Radreisen gebucht. „Der Radtourismus wächst

ments der Strecken.“

ADFC-Bundesvorsit-

weiter und die Kunden erwarten hohe Qualität,

zender

sowohl was die Radrouten als auch was die Un-

Davon profitieren vor allem die Radreisenden,

terkünfte betrifft“, sagte Raimund Jennert, stell-

die sich über bessere Routen freuen können.

vertretender ADFC-Bundesvorsitzender, auf der

Doch die Klassifizierung zahlt sich auch weiter

Pressekonferenz zur Radreiseanalyse.

für die Tourismusorganisationen aus: Der ADFC
bewirbt die ADFC-Qualitätsradrouten über den

INFO:

ADFC-Qualitätsradrouten
Das beste Beispiel für den steigenden Quali-

deckerKarte, die Ende dieses Jahres neu aufge-

tätsanspruch im Tourismus: 48 Radfernwege

legt wird, werden alle ADFC-Qualitätsradrouten

können mit dem Titel „ADFC-Qualitätsradroute“

zu finden sein.

werben.

28

ADFC-Jahresbericht 2013

cken“, in der ADFC-App „Sternerouten“ sowie
im ADFC-Tourenportal. Auch in der ADFC-Ent-

www.adfc.de/sterne
routen

Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entde-

>>> Tourismus

Neue ADFC-Qualitätsradrouten 2013

ADFC-RadReiseRegionen

(Höchstwertung: 5 Sterne)

Aischtal-Radweg 	

H H H H	

Historische Stadtkerne Route 2	

H H H H	

Radrunde Allgäu	

HHHH

Regnitz-Radweg	

HHHH

Rhönradweg	

HHHH

RuhrtalRadweg	

HHHH

Saar-Radweg	

HHHH

Tour de Fries	

HHHH

Grünroute	

HHH

Historische Stadtkerne Route 1	

HHH

Romantische Straße	

HHH

Seenland-Route	

HHH

Töddenland-Radweg 	

HHH

Das Konzept der ADFC-Qualitätsradrouten hat
der ADFC in diesem Jahr auf ganze Regionen
übertragen und entsprechend angepasst. Die
neue Zertifizierung bedient die Bedürfnisse
von „Regio-Radlern“, die eine Region erkunden
möchten, ohne dabei die Unterkunft zu wechseln. Zertifiziert wird eine Region nur, wenn sie

Wolfgang Richter

die Tester vom ADFC mit abwechslungsreichen

Tourismusreferent

Routen- und Themenangeboten und einem hohen Qualitätsstandard überzeugen kann. Als
erste ADFC-RadReiseRegionen sind die beiden

INFO:

Modellregionen Prignitz und Naturpark Lahn-

www.adfc.de/radreise

Dill-Bergland ausgezeichnet worden.

region

Informieren statt stornieren
Infolge des Hochwassers an zahlreichen Flüssen in Deutschland initiierte der ADFC in die-

Kriterien für ADFC-RadReiseRegionen
(Auszug)

sem Sommer die Aktion „Informieren statt stornieren“, um die Tourismuswirtschaft vor Ort zu
unterstützen. „Viele Radregionen und Radfern-

>	mindestens 10 Routen, die die gesamte 	

wege waren schon bald nach der Flut wieder

	 Region erschließen

befahrbar. Und den betroffenen Gastbetrieben

>	einheitliche Wegweisung
>	gute Wegequalität
>	Informations- und Mietradangebot in
	 jedem Übernachtungsort

>	flächendeckendes Netz von Fahrrad-

hilft man am besten, indem man bei ihnen
Urlaub macht“, sagt Gabi Bangel, Tourismusreferentin beim ADFC-Bundesverband. Diesem
Motto schloss sich schließlich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Rede auf der
Fahrradmesse Eurobike an.

	 werkstätten

>	gute Anbindung an öffentliche Verkehrs	 mittel mit Fahrradmitnahme

>	umfangreiches Informationsmaterial zur 	
	 Tourenplanung

Die ADFC-App „Sternerouten“
für Android-Smartphones
und iPhones stellt alle ADFCQualitätsradrouten vor.

>	großes Angebot an Gastbetrieben
>	jährliche Kontrolle der Wege

ADFC-Jahresbericht 2013

29

>>> Tourismus

NEUER KATALOG FÜR RADREISEN

ADFC sorgt für „Radurlaub“
Der Katalog an sich ist nicht neu: In den vergan-

nun gibt der ADFC den Katalog in Eigenregie

genen Jahren ist er als Gemeinschaftskatalog

heraus. Er erscheint unter dem neuen Namen

„Radreisen“ in Kooperation mit dem Radreise-

„Radurlaub“ erstmals am 30. November 2013

veranstalter Rückenwind erschienen. In ihm

in der Radwelt-Ausgabe 6.2013. Die Angebote

können Reiseveranstalter ihre Radreiseangebo-

lassen sich ebenfalls über ein Internetportal

te bewerben. Die Kooperation lief 2013 aus, und

abrufen, das dann an den Start geht.
Der Katalog Radurlaub 2014 ist 48 Seiten stark.
Neben einem umfangreichen Magazinteil mit
Tipps für eine entspannte Radreise enthält er
Reiseangebote von verschiedenen Radreiseveranstaltern für Touren in Deutschland, Österreich,
der Schweiz, Italien und in viele weitere europäische und außereuropäische Länder. Zudem
gibt es eine Gastregion.
Der Katalog soll sich unter der Regie des ADFC
wandeln: Zunächst hat er eine neue Optik erhalten. Sie präsentiert dem Leser die Reiseangebote übersichtlicher, und auch die Beschreibungen der Leistungsangebote sind stärker
vereinheitlicht, damit der Leser sie einfacher
vergleichen kann, um sie für den Leser vergleichbarer zu machen. Ziel ist es, den Katalog
Schritt für Schritt zu einem Magalog, also zu
einer Mischung zwischen Magazin und Katalog,
auszubauen.

ADFC-ENTDECKERKARTE

Alle Routen auf einen Blick
Die ADFC-EntdeckerKarte erscheint Ende 2013 in einer neuen Ausgabe mit einer Auflage von
200.000 Stück. Auf der Kartenseite sind alle Routen der ADFC-Broschüre „Deutschland per Rad
entdecken“ und die zwölf Routen des Radnetz Deutschland (D-Routen) aufgeführt sowie die 49
ADFC-Qualitätsradrouten extra gekennzeichnet. Auf der Kartenrückseite finden die Leser Informationen zur Radurlaubsplanung mit Reisezielen sowie zur Orientierung und zum Übernachten auf der
Tour. Dazu informiert der ADFC über die Möglichkeiten der Fahrradmitnahme in der Bahn und Radurlaub mit Kindern. Die ADFC-EntdeckerKarte wird mit Mitteln aus dem Nationalen Radverkehrsplan
gefördert.

30

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Tourismus

BETT+BIKE-VERZEICHNIS

Sportlich und breit aufgestellt
Das neue Bett+Bike-Verzeichnis erscheint An-

Fahrradfreundliche Kriterien

fang 2014. Die 16. Ausgabe führt alle 5.400 fahrradfreundlichen Gastbetriebe in Deutschland auf,

Hotels, Pensionen, Campingplätze oder Jugend-

und damit so viele wie im vorherigen Verzeichnis.

herbergen müssen sieben Kriterien erfüllen, um
vom ADFC als fahrradfreundlicher Bett+Bike-

Besonders gekennzeichnet sind die fahrrad-

Gastbetrieb zertifiziert werden zu können: Rad-

freundlichen Betriebe mit der Zusatzqualifikation

fahrer sind hier auch für nur eine Nacht willkom-

Sport. 2013 ist Bett+Bike Sport in der Pilotregi-

men, das Fahrrad wird sicher untergebracht,

on Sauerland mit über 20 Betrieben gestartet.

für nasse Kleidung und Ausrüstung gibt es eine

Die Partnerbetriebe der Bike Arena Sauerland

Möglichkeit zum Trocknen. Werkzeug für klei-

melden nach der ersten Hauptsaison, dass das

nere Reparaturen ist vorhanden, für größere ist

Qualitätssiegel von Gästen gut angenommen

der Weg zur nächsten Werkstatt bekannt. Dazu

wurde. Andere Regionen haben bereits Interes-

gibt es Infos zu Ausflugszielen oder Radwander-

se bekundet.

karten als Übersicht, und morgens ein kräftiges
Frühstück.

Alle Gastbetriebe mit der Zusatzqualifikation
Sport lassen sich über die erweiterte Suche auf

Für das Zertifikat Bett+Bike-Sport müssen

www.bettundbike.de finden, indem man das

Gastbetriebe zusätzliche Kriterien erfüllen, wie

Häkchen in der Box „Sport“ aktiviert. Auch die

Spezialwerkzeug oder eine Wasch- und Tro-

INFO:

App „Sternerouten“, die alle knapp 50 Qualitäts-

ckenmöglichkeit bereitstellen.

www.bettundbike.de

radrouten aufzeigt, listet die Bett+Bike-Betriebe

www.afdc-tourenportal.de

auf, ebenso sind sie als „Point of Interest“ im
ADFC-Tourenportal, www.adfc-tourenportal.de,
aufgeführt.
In der Online-Datenbank www.bettundbike.de
sind auch alle Bett+Bike-Betriebe aus Österreich, Luxemburg und der Schweiz aufgeführt.
Die Marke gilt seit diesem Jahr für ganz Österreich, nachdem das Projekt in Niederösterreich
erfolgreich angelaufen war.

ADFC-Jahresbericht 2013

31

>>> Tourismus

DEUTSCHLAND PER RAD ENTDECKEN

In Vorbereitung für das Jubiläum
„Deutschland per Rad entdecken“, der Radur-

entdecken“ über die Broschüre hinaus längst

laubsplaner des ADFC, erscheint Anfang 2015

etabliert. Eine Umfrage zur aktuellen Ausgabe

in der 10. Ausgabe. Die Jubiläumsausgabe wird

hat ergeben, dass sie die Erwartungen von 87

es erstmals auch als E-Book-Variante geben. Im

Prozent der Leser erfüllt hat, und 92 Prozent

September 2013 fiel der Startschuss für die Ak-

haben sie zur Vorbereitung ihres Radurlaubs

quise. „Die Realisierung des Projektes hängt im-

genutzt und empfehlen sie weiter.

mer vom Interesse und der finanziellen Situation
der Tourismusorganisationen ab und natürlich

Der Kooperationspartner Deutsche Zentrale für

von der Qualität der Routen. Auf die achtet auch

Tourismus (DZT) hat im Oktober den vierspra-

der Fachbeirat“, sagt Gabi Bangel, Projektleitern

chigen Pocket Guide mit dem Angebot von 70

von „Deutschland per Rad entdecken“. Deshalb

Radfernwegen aus „Deutschland per Rad ent-

sei es wichtig, schon jetzt in den Regionen für

decken“ veröffentlicht, um vor allem im Ausland

das Projekt zu werben.

das Radreiseland Deutschland zu bewerben
– auch auf der 29-sprachigen Website der DZT

Der Aufwand lohnt sich: Das ausgewählte Rou-

auf www.germany.travel. Hier wird weltweit auch

tenangebot von „Deutschland per Rad entde-

das Bett+Bike-Angebot präsentiert.

cken“ wird in dem Wirrwarr der insgesamt 300
deutschen Radfernwege von der Presse sehr
gerne aufgegriffen. „Deutschland per Rad entdecken“ ist zudem ein wichtiges Medium, um für
den Aufbau des Radnetzes Deutschland zu werben, die Angebote der ADFC-Qualitätsradrouten
und der neuen ADFC-RadReiseRegionen zu
präsentieren sowie neuen Routen ein Podium
zu geben.
Mit der über 90-seitigen Broschüre, dem Internetauftritt auf www.adfc.de/reisenplus sowie
den begleitenden Marketing- und Vertriebsaktivitäten hat sich die Marke „Deutschland per Rad

Gabi Bangel
Tourismusreferentin
und Projektleiterin
Deutschland per Rad

INFO:

entdecken

Die aktuelle Broschüre
„Deutschland per Rad entdecken“ 2013/14 ist auf
www.adfc.de/dpr-bestellen gegen eine Versandkostenpauschale von 5 Euro (inkl. MwSt.) per Überweisung nach
Erhalt der Broschüre erhältlich. Sie liegt bei vielen Fahrradhändlern zur kostenfreien Mitnahme aus.

32

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Tourismus

Mit dem Radurlaubsplaner Deutschland per Rad entdecken
fällt die Radreise-Vorbereitung leicht – und Sie haben mehr
Zeit für Pausen.

ADFC-Jahresbericht 2013

00

>>> Medien / Marketing

PRESSESCHAU 2013

Von Radrowdys und Helmträgern –
Ein Jahr der Kontroversen

Die Veröffentlichung des ADFC-Fahrradklima-Tests im Februar brachte viel mediale Aufmerksamkeit mit sich, die bis Ende des Jahres anhielt.

Ein turbulentes Fahrradjahr geht für die ADFC-

Das Jahr 2013 hatte schon lebhaft begonnen:

Pressestelle zu Ende. Das umstrittene Helmur-

Ende Januar nannte Kay Nehm, Präsident des

teil aus Schleswig-Holstein und die daraus resul-

Deutschen Verkehrsgerichtstags, die „offensicht-

tierende Diskussion um eine Helmpflicht ist das

liche behördliche Duldung lebensgefährlicher

allüberspannende Thema des Jahres. Die Ur-

Verhaltensweisen“ vieler Radfahrer einen Skan-

teilsverkündung im Juni 2013 trat eine Medien-

dal. „Kaum ein Radler fährt mit vorgeschrie-

welle los, die bis heute nicht richtig verebbt ist.

bener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert

Ob Süddeutsche Zeitung, Kontraste, Deutsch-

sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln“, sagte

landfunk oder stern tv – alle berichteten, meist

er. Kaum hatte er es ausgesprochen, klingelte

begleitet von sehr hitzig geführten Debatten in

beim ADFC das Telefon sturm, und die Medi-

der Leser-, Hörer- oder Zuschauerschaft über

en wollten wissen, wie der ADFC zu diesen

den Sinn und Unsinn einer Helmpflicht. Ob im

Äußerungen steht. Bei dem Thema machte sich

Kreisverband, in der Bundesgeschäftsstelle

bemerkbar, dass viele Journalisten inzwischen

oder im Bundesvorstand: Der ADFC war gefrag-

selbst Rad fahren und „Radrowdy-Aburteilungen“

Bettina Cibulski

ter Interviewpartner. Bei aller Emotionalität war

nicht mehr kommentarlos übernehmen, son-

ADFC-Presse-

die Berichterstattung meist sachlich und ausge-

dern sie nutzen, um differenziert ein Bild vom

sprecherin

wogen – Helmgegner wie -befürworter kamen

Alltag des Radfahrens zu zeichnen. Großartiger

angemessen zu Wort.

Schlusspunkt dieser Debatte war ein ganzseitiges Streitgespräch von Kay Nehm und ADFC-

34

ADFC-Jahresbericht 2013

>>> Medien / Marketing

Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork in der
Süddeutschen Zeitung, in dem deutlich wurde:
Beide Kontrahenten wollen letztlich das Gleiche
– die Bedingungen für Radfahrer in Deutschland
verbessern.

Alkohol und Fahrradbeleuchtung
Zwischenzeitlich sorgte – und sorgt weiter – der
Fahrradklimatest seit der Veröffentlichung im
Februar für viele positive Schlagzeilen.
Im Mai eröffnete der niedersächsische Innen-

cherin Bettina Cibulski genauso gründlich wie

minister Boris Pistorius die nächste Diskussion.

die weiterhin zahlreichen Anfragen zu Pedelecs

Er forderte, die Promillegrenze für Radfahrer

und E-Bikes. Und auch das Spektrum der an-

herunterzusetzen. Er brachte damit ein Thema

fragenden Medien war 2013 so breit wie immer:

wieder auf die Tagesordnung, das der ADFC

Von FAZ über ARD Brisant bis zur TV-Illustrier-

INFO:

bereits 2012 angestoßen hatte. So kamen

ten „Auf einen Blick“ – alle wurden und werden

Pressebereich des

hier zwei Aspekte zusammen: Der ADFC hatte

gleichermaßen gut bedient.

ADFC-Bundesverbands:

selbst ein Thema auf die Agenda gesetzt, und
er war daher auch bestens auf die Nachfragen
vorbereitet – sicher ein Modell für die Zukunft

www.adfc.de/presse

Immer gut informiert...

der ADFC-Pressearbeit: Themen, die in der Luft
liegen, aktiv auf die politische Tagesordnung zu

Auf www.adfc.de/news informiert der

setzen.

ADFC regelmäßig über aktuelle Themen
rund ums Fahrrad.

Die Novelle der Beleuchtungsvorschriften für
Fahrräder betrifft alle Radfahrer – entsprechend

Die News veröffentlicht der ADFC Bundes-

groß ist das Interesse. Den ADFC erreichten

verband auch auf seinem Facebook-Auftritt,

aufgrund der Widersprüchlichkeit des Beschlus-

www.facebook.com/allgemeinerdeutscher

ses viele Nachfragen, was denn nun gelte. Dank

fahrradclub.

der guten Vorarbeit des ADFC-Rechtsreferenten
Roland Huhn konnte die Pressestelle viele Miss-

Termine wie Fahrradmessen, Sternfahrten,

verständnisse aufklären und so wenigstens ein

ADFC-Veranstaltungen oder fahrradfreie

bisschen Licht ins Verordnungsdunkel bringen.

Tage veröffentlicht der ADFC auf
www.adfc.de/termine.

Neben allen Kontroversen lief die alltägliche
Pressearbeit weiter. Saisonale Nachfragen zu
Fahrradcheck, Fahrradkauf, Urlaub, Sicherheit
und Technik beantwortete ADFC-Pressespre-

ADFC-Jahresbericht 2013

35

>>> Medien / Marketing

RADWELT – DAS ADFC-MAGAZIN

80.000er-Marke geschafft
Bekannter bunter Grund: Für viele Mitglieder ist

tainbikes, Rennrädern (25 bzw. 23 Prozent) und

das ADFC-Magazin Radwelt ein wichtiges Ser-

Falträdern (15 Prozent). 13 Prozent der Leser

viceelement, um dem ADFC beizutreten und da-

besitzen ein Pedelec.

beizubleiben. Sechs Mal im Jahr bekommen sie
ihr Mitgliedermagazin direkt in den Briefkasten

Mit ihren Fahrrädern sind Radwelt-Leser viel

geliefert – mit Reisegeschichten, mit Informati-

unterwegs: In der Freizeit nutzen es 87 Prozent,

onen zu radverkehrspolitischen Themen sowie

für alltägliche Erledigungen 80 Prozent. Mit dem

aus dem Verband und mit Wissenswertem zur

Rad kommen 62 Prozent der Leser zur Arbeit/

Fahrradtechnik.

Ausbildung. Und um sich vom Job zu erholen,
fahren 69 Prozent mit dem Fahrrad in den Ur-

Mit ihren Themen versucht die Radwelt nicht

laub. Da kommt natürlich einiges an Kilometern

nur Trends aufzuspüren, sondern auch zu set-

zusammen: 63 Prozent der Befragten sind auf

zen: Mit dem Artikel zur Familienmobilität 2010

über 4.000 Kilometern im Jahr mit dem Rad un-

Alexandra Kirsch

ist das offenbar gelungen. Lastenräder und Fa-

terwegs, 13 Prozent davon fahren sogar mehr

Radwelt-Chefredak-

milientransporträder gelten als der urbane Trend

als 8.000 Kilometer im Jahr.

teurin

schlechthin. Durch die Elektromotoren wird der

INFO:

Lastentransport per Rad geradezu beflügelt –

Für ihre Themen und deren Gewichtung be-

ein Thema in einer der nächsten Ausgaben.

kommt die Radwelt viel Lob von den Lesern.
34 Prozent lesen das Mitgliedermagazin eine

www.adfc.de/radwelt

Ein paar Fakten zu den Radwelt-Lesern: An

Stunde, und mehr als die Hälfte der Leser be-

der Leserbefragung 2013 haben 1.863 Leser

schäftigt sich zwei Stunden und länger mit

und Leserinnen teilgenommen. Radwelt-Leser

der Radwelt. Aktuell liegt die Druckauflage bei

haben durchschnittlich 4,3 Fahrräder im Haus-

80.650 Exemplaren im 2. Quartal 2013, damit

halt, meist Trekking- und Cityräder (84 Prozent),

bleibt das ADFC-Magazin das auflagenstärkste

gefolgt von Reiserädern (26 Prozent), Moun-

Trekkingradmagazin in Deutschland.

Allgemeiner
Deutscher
Fahrrad-Club

aug .sep 4.13
Allgemeiner
Deutscher
Fahrrad-Club

aug .sep 4.13

www.adfc.de

EUR OB IKE -VO

LEITMESSE RSCHAU
MIT KANZLER
IN

d a s a d f cmag

azin

www.adfc.de

d a s a d f cmag

MIA SAN RA
FAHRRADK DL
IN MÜNCHEAMPAGNE
N

azin

EIN BLI CK
BEEINFLUS DAS
ST
BREMSWIRK DIE
UNG

ZUM WAT ZMA
BIT TE WENDENNN
!

MOBILE FAMILIE
BIT TE WENDEN N
!

REIFEN PROF
IL
VON PROFIS
RADR EIS
NO RD IRL E IN

PRÄCHTIG AN D
GRÜN

Schicksalsberg

Rad und
Racker

MT B AM WA
TZMANN

Schicksalsberg
S01_Titel_RW_M

FA MI LIE NP
ACKU NG

TB_4_12_lay3a.in

dd 1

31.07.13

14:08

S01_Titel_RW_4_

13_Kindertitel_la

y2a.indd 1

Rad und
Racker
31.07.13

36

ADFC-Jahresbericht 2013

13:56

>>> Medien / Marketing

TEMPO-30-KAMPAGNE

Sicherheit zur Regel machen
Das europäische Bürgerbegehren „30km/h –
macht die Straßen lebenswert!“ setzt sich für
die Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in europäischen Städten ein. Mitte November 2012 ist es mit dem Ziel gestartet, innerhalb
eines Jahres eine Million Unterschriften aus
sieben oder mehr Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu sammeln.
Das Vorhaben wird leider scheitern. Mitte Oktober
2013 lag der Stand inklusive per Hand ausgefüllter Listen bei schätzungsweise 40.000 Unterschriften, davon etwa 20.000 aus Deutschland.
Wäre das Ziel erreicht worden, hätte sich die

Gelebte Praxis

Europäische Kommission mit den Argumenten
für Tempo 30 in Städten befassen müssen.

In vielen Städten – wie etwa München, Berlin
und Bremen – sind bereits über 70 Prozent aller

Neben vielen anderen Verbänden setzt sich auch

Straßen als Tempo-30-Zonen ausgewiesen.

der ADFC für die Kampagne ein. Konkrete Un-

Die Vorteile sind eindeutig: Die verringerte Ge-

terstützung lieferte der Bundesverband mit der

schwindigkeit verbessert die Bedingungen für

Internetseite www.adfc.de/tempo30, Newsletter-

Radfahrer und Fußgänger, macht den Verkehr

Meldungen, Pressearbeit und Artikeln in der

flüssiger, vermindert Lärm und verringert die

Radwelt. Hinzu kam die Produktion eines Tem-

Unfallgefahr. Aus diesen Gründen setzt sich

po-30-Flyers aus eigenen Mitteln, der über den

zum Beispiel das Europäische Parlament für

ADFC-Shop sowie auf Messen verteilt wurde.

Tempo 30 ein. Alle Argumente für Tempo 30 als
Regelgeschwindigkeit hat der Fachausschuss

Tempo 30 als Regel, Tempo 50
bleibt möglich

Radverkehr in einem Positionspapier zusammengestellt.

INFO:
www.adfc.de/tempo30

Doch es lässt sich schwer vermitteln, dass die
Die ADFC-Bundeshauptversammlung hat sich

reduzierte Höchstgeschwindigkeit in der Praxis

2012 für Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit

kaum Auswirkungen auf die tatsächliche Reise-

ausgesprochen. Ausnahmen für stark befahrene

geschwindigkeit hat. Das zeigen unter anderem

Hauptstraßen sollen allerdings auch weiterhin

die Kommentare bei den News auf www.adfc.de

möglich sein. Die neue Regelung würde die

oder auf Facebook. Erfahrungen zeigen aller-

Beweislast einfach nur umkehren – statt der

dings, dass Tempo 30 nach der Einführung von

reduzierten Geschwindigkeit müsste ein schnel-

den Bürgern schnell akzeptiert wird.

http://de.30kmh.eu

leres Tempo auf Straßen genehmigt werden.
Tempo 30 ist zurzeit nur in abgeschlossenen

Es bleibt jedoch zu hoffen, dass – zumindest

Wohngebieten zulässig und darf sich nicht auf

vorerst in Deutschland – über die bestehende

Hauptstraßen erstrecken.

die bestehende Praxis der Kommunen und
ihren Einfluss auf die Bundespolitik, Tempo 30
auch unabhängig von der Kampagne flächendeckend eingeführt wird.

ADFC-Jahresbericht 2013

37

>>> Finanzen

HAUSHALT

Stabile Mitgliedsbeiträge
garantieren politische Arbeit
Der Haushalt des ADFC-Bundesverbands

Mitgliederwachstum

schließt 2012 mit einem leichten Plus von rund
17.000 Euro ab. Auch das Haushaltsvolumen

Der ADFC wächst weiterhin beständig. 140.481

liegt über dem Plan. Es ist zwar mit 4,9 Millio-

Mitglieder unterstützen den ADFC im Oktober

nen Euro geringer als im Vorjahr mit 5,2 Millio-

2013 bei der Arbeit für den Radverkehr. In den

nen Euro. „Das liegt vor allem daran, dass in

vergangenen zwölf Monaten sind es 4.143 Mit-

diesem Jahr weniger Projekte in den Haushalt

glieder mehr geworden, eine Steigerung von

mit einfließen“, sagt Birgit Kloppenburg, stell-

rund drei Prozent. Die Grafik verdeutlicht auch

Birgit Kloppenburg

vertretende ADFC-Bundesvorsitzende. Das

die Beständigkeit über die Jahre: Seit Ende

Stellvertretende

gewichtigste Beispiel ist das Projekt „Deutsch-

2008 hat der ADFC über 20.000 Mitglieder

ADFC-Bundesvor-

land per Rad entdecken“: Es wurde 2011 abge-

hinzugewonnen.

sitzende

rechnet – der Radurlaubsplaner war auch im
Folgejahr noch aktuell.

Mitglieder

Mai 	13

Nov 	12

Mai 	12

Nov 	11

Nov 	08

unabhängig von Fördermitteln.

Mai 	11

tet. Damit bleibt die politische Arbeit des ADFC

Nov 	10

ner Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen bestrei-

Mai 	10

dass der ADFC weiterhin über zwei Drittel sei-

145000
140000
135000
130000
125000
120000
115000
110000
105000
Nov 	09

analog zum Mitgliedswachstum gestiegen, so-

Mai 	09

Die Beitragseinnahmen sind in diesem Jahr

Maren Mattner
Kaufmännische Bundes-

Ausgaben

geschäftsführerin

Einnahmen

Gemeinkosten
11,2 %

Gemeinkosten 0,4 %
Verbraucher /
Industrie / Handel 1,8 %
Tourismus 0,3 %
Verkehr 0,1 %
Marketing 0,6 %

Aktive Gliederung 1,0 %

Jugendarbeit 0,1 %
Projekte
12,4 %

Radwelt
6,9 %

Politik 2,5 %

Beiträge und
Spenden
76,5 %

38

ADFC-Jahresbericht 2013

Verbraucher /
Industrie / Handel 1,6 %
Tourismus 1,4 %
Verkehr 1,9 %
Marketing 3,5 %

Projekte
11,6 %

Beiträge und
Spenden
38,8 %

Radwelt
13,1 %
Aktive/Gliederung 7 %
Mitgliederservice 7,9 %

Impressum
Herausgeber:
Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V.
(Bundesverband)
Postadresse:
Postfach 10 77 47, 28077 Bremen
Tel.: 0421/34 62 90
Fax: 0421/346 29 50
E-Mail: kontakt@adfc.de
Internet: www.adfc.de
Redaktion:
Carsten Schabacher, Norgand Schwarzlose
Gestaltung:
Atelier Grunwald, Bremen
Bildnachweise:
Alle Bilder ADFC, außer Seite 11, Seite 13: Fotolia; Seite 4: Messe Friedrichshafen;
Seite 15: pd-f.de/Koga; Seite 16: ADFC/BZP; Seite 27: Süddeutsche Zeitung;
Seite 29: EBI Tempo 30; Seite 35: AOK, Seite 36: Allianz pro Schiene, DVR,
Netzwerk Shared Space, Bike Brain Pool
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.