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Stadtnatur

Full text: Naturbarometer Berlin ... Issue 2015 Stadtnatur

Lebensräume

Berlins Biologische Vielfalt

Naturbarometer Berlin 2015
Stadtnatur: Berlins Biologische Vielfalt

Inhalt
Vorwort	3
1. Der Sinn: Warum ist Biologische Vielfalt wichtig?	

4

Natürliche Prozesse brauchen Biologische Vielfalt	

7

Vielfältiger Nutzen für den Menschen	

7

Die Bedeutung von Biologischer Vielfalt in der Stadt	

12

2. Der Status: Wie steht es um die Biologische Vielfalt in Berlin?	

14

	 Mensch – Wirtschaft – Natur	

17

Herausforderungen für Berlin	

18

Problemlagen in Berlin	

20

Vergleich mit anderen Städten	

22

3. Die Umsetzung: Was tut Berlin, um seine Biologische Vielfalt zu schützen?	

24

Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt	

24

Berliner Landschafts- und Artenschutzprogramm	

27

Naturschutz. Vielfalt, die es zu schützen lohnt	

30

Artenschutz. Schützen, was uns glücklich macht	

36

Biotopschutz. Schützen im Verbund	

47

Stadtgrün. Berlins Natur erleben	

56

Umweltbildung. Für einen bewussten Umgang mit der Natur	

68

Gemeinsame Verantwortung. Jeder kann helfen	

75

4. Die Zukunft: Wie geht es weiter mit dem Schutz der Biologischen Vielfalt in Berlin?	

84

Umsetzung. Leitgedanken und Fragestellungen	

86

Kontext. Was wird noch getan?	

87

Aufgaben. Was muss konkret getan werden?	

89

Nachwort	90
Literaturliste	94
Anhang	96
Impressum	99

2

Naturbarometer | Vorwort

Vorwort

Wer sich in Berlin umsieht, der sieht viel Wasser und viel
Grün: Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen.
Tatsächlich ist Berlin die artenreichste Stadt nördlich der
Alpen. Aber Berlin ist auch eine wachsende Stadt. In den
nächsten Jahren werden immer mehr Menschen hierher
kommen, um hier zu leben. Es muss uns gelingen, den zunehmenden Bedarf an Wohnungen mit dem Erhalt des städtischen Grüns in Einklang zu bringen. Denn Stadtnatur ist
wichtig für die Erholung und für das Miteinander der Menschen in Berlin. Wir haben eine Verantwortung für die Biologische Vielfalt in unserer Stadt. Wir Menschen sind ein Teil
von ihr. Mit dem Naturbarometer Berlin möchten wir Ihnen
zeigen, was es zu bewahren, zu fördern, zu entwickeln oder
zu verändern gilt, damit Berlin weiter so lebenswert bleibt
wie heute.
Andreas Geisel
Senator für Stadtentwicklung und Umwelt

3

1.	Der Sinn:
Warum ist Biologische Vielfalt wichtig?
Biologische Vielfalt ist wichtig für die Lebensqualität der
Menschen: Sie sorgt für ein reichhaltiges Nahrungsangebot,
für sauberes Wasser, für ein gutes Klima und für fruchtbare
Böden. Der Mensch selbst ist Teil der Natur und daher auch
auf sie angewiesen. Doch um den Reichtum an Pflanzenund Tierarten auf diesem Planeten ist es schlecht bestellt.
Täglich sterben – je nach Schätzung – bis zu 150 zumeist
unerforschte Arten aus (Dirzo et al. 2014). Hauptursache:
menschlicher Einfluss.
Der Mensch muss sich als Teil der Natur verstehen, nicht als
ihr Gegenspieler.
In Berlin leben rund 3,5 Millionen Menschen, nicht nur miteinander, sondern auch mit zahlreichen Tieren und Pflanzen. Sie teilen sich die urbanen Lebensräume in der Stadt
und auch Natur und Landschaft am Stadtrand und in der
Nachbarschaft. Nicht nur deswegen ist es wichtig für Berlin
und für die hier lebenden Menschen, Verantwortung für den
Schutz der Biologischen Vielfalt zu übernehmen. Denn ohne
die umfangreichen Leistungen, die die Natur uns Menschen
ganz kostenlos zur Verfügung stellt, wäre ein Leben, wie wir
es heute kennen, gar nicht möglich.
Berlin hat sich nachdrücklich dem Ziel verpflichtet, die Biologische Vielfalt unter den Bedingungen einer dynamischen
Großstadt u. a. zur Verbesserung urbaner Lebensqualität zu
fördern. Die Erhaltung der Biologischen Vielfalt im urbanen
Kontext gehört zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung.
Der Zusammenhang von Biologischer Vielfalt und urbaner
Lebensqualität ist umfassend und weitreichend. Doch genau das wird von vielen Menschen nicht immer bewusst
wahrgenommen. Viele Vorteile, die die Tier- und Pflanzenwelt liefert, sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen. So
stellen sich die Bürgerinnen und Bürger oft Fragen wie:
Was ist Biologische Vielfalt?
Wofür ist Biologische Vielfalt wichtig?
Wie nutzt Biologische Vielfalt den Menschen?

4

Naturbarometer | 1. Der Sinn

Biologische Vielfalt

Biologische Vielfalt beschreibt die Vielfalt des Lebens.
Dazu gehören nicht nur die vielen Tiere und Pflanzen auf
diesem Planeten, sondern auch die Vielfalt innerhalb der

einzelnen Arten und die Fülle an Lebensgemeinschaften
und -räumen. So kann man Biologische Vielfalt in drei Dimensionen aufteilen:

•	 VIELFALT DER ÖKOSYSTEME UND LEBENSRÄUME
•	 VIELFALT AN PFLANZEN- UND TIERARTEN
•	 GENETISCHE VIELFALT INNERHALB DER ARTEN

1,8 Mio.

Arten sind weltweit

bekannt und
beschrieben.

100 Mio. 20.000 40.000 3,64 Mrd.

Arten könnte es

geschätzt

auf der Erde geben.

Arten

sterben
jedes Jahr aus,

bevor sie überhaupt
entdeckt werden.

Arten sind bisher auf

Gefährdung hin
untersucht
ihre

worden.

Menschen
leben in Städten
und teilen sich diese
mit noch mehr Tieren
und Pflanzen.

DER MENSCH IST TEIL DIESER VIELFALT, NUTZER UND AUCH NUTZNIESSER.
Quelle: Geändert nach pro Natura (2010)

5

Ökosytemleistungen
BASISLEISTUNGEN

Versorgungsleistungen

Regulierungsleistungen

Kulturelle
Leistungen

•	 Nährstoffkreislauf
•	Bodenbildung

•	Nahrung
•	Trinkwasser

•	Klimaregulierung
•	Hochwasserregulierung

•	Ästhetik
•	Spiritualität

•	 Bildung von Biomasse

•	 Holz und Fasern
•	 Brennstoffe

•	Krankheitsregulierung
•	Wasserreinigung

•	Bildung
•	Erholung

•	 Schadstoffregulierung

•	Heimat

... als Grundlage für Wirtschaft und menschliches Wohlergehen
Sicherheit
•	 Gesicherter Zugang
zu Ressourcen
•	 Vorbeugen von
Katastrophen

Materielle
Grundversorgung
•	 Angemessene Lebensgrundlagen
•	 Ausreichende Versorgung
mit Nahrung und
Nährstoffen

Gesundheit

Gute soziale
Beziehungen

•	Lebenskraft
•	 Wohlbefinden

•	 Sozialer Zusammenhalt
•	 Gegenseitiger Respekt

•	 Zugang zu sauberer Luft
und sauberem Wasser

•	 Fähigkeit, anderen
zu helfen

•	Erholungsraum

•	Unterkunft
•	 Zugang zu Gütern
•	Lebensraum

Entscheidungsfreiheit und Handlungsfreiheit als Möglichkeit,
ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Quelle: Geändert nach Naturkapital Deutschland (2012)

6

Naturbarometer | 1. Der Sinn

Natürliche Prozesse brauchen Biologische Vielfalt

Vielfältiger Nutzen für den Menschen

Ohne die Vielfalt an Pflanzen und Tieren würden die Ökosysteme, in denen wir Menschen leben und auf die wir angewiesen sind, nicht funktionieren. Störungen in diesen
Systemen haben negative Auswirkungen auf das menschliche Leben. Denn Ökosysteme können Sauerstoff, Nahrung
und Wasser liefern, die Grundlage zur Erstellung von Medikamenten bieten, als Vorbild für technische Innovationen
dienen oder den Rahmen für Freizeit und Erholung bilden.

Biologische Vielfalt macht glücklich

Biologische Vielfalt: Ohne geht’s nicht.
Nicht nur für die heute lebenden Menschen ist die Erhaltung
der Natur und Umwelt wichtig und nützlich, sondern auch
für die kommenden Generationen. Eine gesellschaftliche
Entwicklung kann nur dann dauerhaft und somit auch
nachhaltig sein, wenn sie die Bedürfnisse der Gegenwart
befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen
ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Dies ist
ohne eine intakte Umwelt und eine artenreiche Tier- und
Pflanzenwelt nicht möglich. Biologische Vielfalt ist eine wesentliche Basis nachhaltiger Entwicklung. Sie versorgt den
Menschen mit umfassenden Gütern und Leistungen, reguliert auf natürliche Weise das Klima, schützt vor Bodenerosionen und mindert die Gefahr von Naturkatastrophen. Sie
bietet aber auch den Rahmen für kulturelle Leistungen, für
Erholung, Bildung oder sogar Spiritualität.

Spaziergänge durch den Großen Tiergarten und dabei die
Nachtigallen singen hören; auf dem Alten Luisenstädtischen
Friedhof an der Kreuzberger Bergmannstraße das Blütenmeer der Frühjahrsblüher bestaunen; die Stille am Faulen
See in Weißensee genießen; oder einfach nur mit einem Kaffee in der Hand an der Spree sitzen – das alles gehört zum
Lebensgefühl in Berlin dazu und macht schlicht und einfach
glücklich.
Für 30 Prozent der Deutschen gehören Natur und Umwelt
zu einem guten Leben dazu (BMUB/UBA 2015).
Die positive Wirkung von Natur auf das Glücksgefühl bei
Menschen ist in diversen Studien belegt.
„Bereits fünf Minuten körperliche Aktivität im
Grünen verbessern Stimmung und Selbstwertgefühl deutlich. […] Besonders vorteilhaft wirkt
sich das Grün der Natur aus, wenn auch Gewässer vorhanden sind.“ (Barton/Pretty 2010)
Dabei ist auch die Vielfalt der Natur ein wichtiger Faktor. So
haben artenreiche Parkanlagen – einer Studie der Universität Zürich zufolge – einen deutlich positiveren Einfluss auf
das Wohlbefinden als monotones Grün.

7

Die wichtigsten Einflussfaktoren
auf ein positiv wahrgenommenes Wohnumfeld

14 %
Ärztliche
Versorgungsmöglichkeiten

36 %
Sonstige

12 %

9%

Öffentliche
Verkehrsanbindung

9%

Nähe zu Natur und öffentlichen Grünflächen

Freunde, Bekannte
in der Nähe

10 %

Gute Luftqualität

10 %
Minimaler
Verkehrslärm

Quelle: UBA (2006)

Biologische Vielfalt macht gesünder
Bewegung ist gesundheitsfördernd, das überrascht sicher wenig. Es ist aber auch wissenschaftlich belegt, dass allein schon
das bloße „Draußensein“ und das Erleben von Natur positiv
auf seelische, körperliche und soziale Gesundheit wirken.
„Naturerfahrungen verleiten zu mehr körperlicher Aktivität, erhöhen die Konzentrationsfähigkeit und positive Gefühle. Natur stärkt das
Immunsystem, reguliert den Stoffwechsel,

8

senkt den Blutzuckerspiegel und unterstützt die
Heilung. Im Gegenzug reduziert sie Frustrationen, Ärger und Stress.“ (Abraham et al. 2010)
Die Biologische Vielfalt leistet einen enormen Beitrag zur
medizinischen Versorgung der Weltbevölkerung. Pflanzliche Wirkstoffe sind für die moderne Medizin unentbehrlich.
So basieren viele der am häufigsten verwendeten Arzneimittel auf Substanzen, die aus Naturprodukten gewonnen
wurden. Mit jeder Pflanze, die ausstirbt, verschwindet somit
ein potenzielles Heilmittel.

Naturbarometer | 1. Der Sinn

Biologische Vielfalt macht satt

Biologische Vielfalt kühlt

Es liegt auf der Hand, dass die Lebensmittel und Getränke,
die tagtäglich konsumiert werden, aus der Natur kommen.
Im Supermarkt kann man sich zwischen verschiedenen Apfelsorten entscheiden, eine Vielfalt an verschiedenem Gemüse finden oder an der Käsetheke aus einem großen Sortiment auswählen. Doch Biologische Vielfalt hat noch weit
mehr mit Ernährung zu tun als die bloße Sicherstellung eines reichhaltigen Angebots auf dem Wochenmarkt oder im
Supermarktregal.

Die Biologische Vielfalt und das Klima sind eng miteinander
verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Der voranschreitende Klimawandel stellt eine Bedrohung für die Vielfalt des Lebens dar. Dadurch sind auch die Menschen und
ihre natürlichen Grundlagen in zunehmendem Maße betroffen. Arten und Lebensräume spielen in vielen klimarelevanten Prozessen eine wichtige Rolle, sie binden Kohlendioxid und andere Treibhausgase, unterstützen den
Wasserkreislauf oder schaffen dringend benötigten Schatten. Moore und Wälder speichern CO2 und wirken somit dem
Klimawandel entgegen.

Biologische Vielfalt und Ernährungssicherung müssen zusammen betrachtet werden.
Insbesondere aus globaler Sicht ist eine gemeinsame Betrachtung von Ernährungssicherung und Biologischer Vielfalt wichtig. Große Monokulturen, wie z. B. Soja- oder Ölpalmenplantagen, die zur Herstellung von Nahrungsmitteln
gepflanzt wurden, beeinträchtigen die Biologische Vielfalt
und haben weitreichende Folgen für Klima, Wasser, Böden
und naturnahe Wälder. Höhere Erträge pro Fläche gehen
mit einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Krankheiten,
Schädlingen oder extremen Wetterverläufen einher.
Hochleistungssorten fördern das Aussterben von alten Sorten und verringern die genetische Vielfalt.
Eine weitere Gefahr für die Biologische Vielfalt stellen sogenannte Hybride dar – Kreuzungen zwischen verschiedenen
Gattungen, Arten, Unterarten, Rassen oder Zuchtlinien.
Diese Pflanzen haben den Nachteil, dass sie kein von sich
aus vermehrungsfähiges Saatgut erzeugen. Das führt zum
einen zur Abhängigkeit der Landwirte von den Rechteinhabern der Pflanzen. Auch steigt die Anfälligkeit der Sorten für
Schädlinge oder Umweltveränderungen. Das Rückeinkreuzen von alten, resistenten Sorten wird dadurch erschwert
bzw. verhindert. Zum anderen sterben „alte“ Sorten aus,
die durch die Zuchtsorten ersetzt wurden.

Biologische Vielfalt und das Klima beeinflussen sich gegenseitig.
Veränderungen der Vielfalt von Lebensräumen, Ökosystemen, Tier- und Pflanzenarten haben somit direkte Folgen
für das Klima. Zugleich hat aber auch der Klimawandel
selbst Auswirkungen auf die Natur. So siedeln sich neue Arten an, ursprüngliche sterben aus, Lebensräume verschieben sich geografisch – was wiederum einen direkten Einfluss
auf Jahresrhythmus, Verhalten, Fortpflanzung, Konkurrenzfähigkeit und Nahrungsbeziehungen der Arten und ihrer Lebensgemeinschaften haben kann.
Am Schöneberger Südgelände, einst ein Rangierbahnhof,
zeigt sich das wärmer werdende Klima in Berlin durch einen
exotischen Gast: die Gottesanbeterin, eine Heuschrecke aus
südlichen Gefilden.

9

Biologische Vielfalt ist innovativ

Biologische Vielfalt ist wertvoll

Der Lotusblüte und ihrem ausgeklügelten Perleffekt ist es
heute zu verdanken, dass es schmutzabweisende Fassadenfarben und selbstreinigende Nanolacke gibt. Durch die Natur hat der Mensch gelernt zu fliegen oder zu tauchen. Mit
der Bionik hat sich eine ganz eigene Wissenschaftsdisziplin
etabliert, die sich mit der Übertragung von Problemlösungen von der Natur auf die Technik beschäftigt. Die Biologische Vielfalt dient hier als Vorbild für technische Entwicklungen.

Die Natur ist Basis für das wirtschaftliche Leben. Nahrungsmittelproduktion, Pharmaindustrie, Holzwirtschaft und
Tourismus sind von einer intakten Umwelt abhängig. Die
Vielfalt an Natur kann mehr als der Mensch (Poster-Serie
der Senatsverwaltung, 2014a). Wer sollte die vielen kleinen
und großen Dienstleistungen übernehmen, die die Natur
tagein tagaus ganz natürlich durchführt?

„Die Biolumineszenz eines Glühwürmchens hat
mit 58 %–60 % Lichtausbeute eine wesentlich höhere Effizienz als jede technische Lichtquelle,
ein Mehrfaches mehr als jede Leuchtstoffröhre.“
(Lötsch 2001)
Darüber hinaus leistet die Biologische Vielfalt auch als Rohstofflieferant für die Industrie einen wichtigen Beitrag zum
Wohlstand. Verschiedene Holzarten, Rattan, Gummi, Fette,
Öle, Wachse, Harze, pflanzliche Farbstoffe und Fasern werden aus lebenden Organismen gewonnen. Rapsöl z. B. ist
gleich ein Multitalent, es dient als Schmiermittel, Grundlage
zur Seifenherstellung, als Lampenöl oder als Biokraftstoff.

10

Wer übernimmt die Schädlingsbekämpfung, wenn es keine
Spatzen mehr gibt?
Wer spendet Schatten, produziert Sauerstoff und bietet
gleichzeitig Lebensraum für Tiere, wenn es keine Bäume
mehr gibt?
Wer bestäubt Pflanzen und sammelt Nektar, wenn es keine
Bienen mehr gibt?
Es zeigt sich schnell: Ohne Tier- und Pflanzenarten müssten
all diese Dienstleistungen vom Menschen bzw. durch technische Lösungen erbracht werden und das kann durchaus teuer sein. Beispielsweise werden mehr als 90 Prozent aller Getreideschädlinge durch ihre natürlichen Feinde in Schach
gehalten. Der Ersatz dieser biologischen Leistung durch Pestizide würde weltweit über 50 Mrd. Dollar pro Jahr kosten.

Naturbarometer | 1. Der Sinn

Biologische Vielfalt ist Teil unseres
kulturellen Erbes

Biologische Vielfalt im Bewusstsein
der Deutschen

Wie wertvoll Biologische Vielfalt auch in kultureller Perspektive ist, zeigt u. a. ein Blick in die Märchenwelt. „Mäh“
und „Mau“ gehören zu den ersten Silben, die deutsche Kinder sprechen. Aus Kinderbüchern sind Tiere nicht wegzudenken, sie verkörpern gute oder böse Lebewesen; die einen
sind schlau wie ein Fuchs oder andere fleißig wie die Bienen.
In der Fabelwelt tauchen Tiere genauso auf wie in Quartettspielen, als Stofftiere oder bei Holzspielzeug. Mythen, Märchen und Volkslieder handeln von Tieren und Pflanzenarten. Der Bezug zu Volksliedern, Kinderbüchern oder Märchen
ist maßgeblich durch den Kontakt zu Tieren und Pflanzen
geprägt. Biologische Vielfalt ist Teil des kulturellen Erbes
der Menschheit.

Biologische Vielfalt ist wichtig und zugleich gefährdet. Und
das wissen die Deutschen auch. Eine Umfrage des Bundesministerium für Umwelt (BMU) im Jahr 2008 zeigt, dass das
Problembewusstsein der Bevölkerung in puncto „Verlust
der Biologischen Vielfalt“ relativ hoch ist.
92 % der Deutschen sehen die Erhaltung natürlicher Lebensräume nicht nur als wichtig für die Natur, sondern auch
als „lebenswichtig für den Menschen“ an.
Zudem befürchten 62 % der Deutschen, dass sich der Verlust an Biologischer Vielfalt direkt auf ihr Leben und das ihrer Familien auswirkt.
Die hier vorgestellten Argumente für den Schutz der Biologischen Vielfalt finden bei den Deutschen dabei großen Anklang. In der Umfrage des BMU von 2008 wurden die Personen gefragt, wie wirkungsvoll sie mit bestimmten
Argumenten in ihrem Bekanntenkreis für die Erhaltung der
Biologischen Vielfalt werben könnten. Größte Zustimmung
fanden dabei die Aussagen zur Generationengerechtigkeit
und Gesundheitsvorsorge.

11

Die Bedeutung von Biologischer Vielfalt
in der Stadt
Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Städten, in
Deutschland sogar rund drei Viertel. Viele der rund 3,5 Millionen Berlinerinnen und Berliner lernen Natur daher als
urbanes Grün kennen und betrachten sie aus einer städtischen Perspektive heraus. Grünflächen in der Stadt werden
nach menschlichen Maßstäben und Vorstellungen angelegt
und gepflegt. Sie haben meist nur wenig damit zu tun, was
passiert, wenn die Natur sich selbst überlassen wird und
ihre Dynamik entfalten kann.
So werden die Weichen zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt in den Städten gestellt. Hier treffen sich die Entscheider,
hier wohnt die Mehrheit der Menschen, die erreicht werden
müssen, hier leben die Verbraucherinnen und Verbraucher,
die durch ihr Konsumverhalten etwas verändern können
und hier nützt die Natur dem Menschen auch direkt:
„„ als Beitrag zur Gesundheit, für ein erfülltes Leben mit
der Natur und ein inspirierendes Umfeld,
„„ als Raum für Begegnung und Austausch mit anderen
und als Erholungsraum beim Flanieren oder Radfahren,
„„ als Anlass, selbst Verantwortung zu übernehmen, sich
für Nachhaltigkeit einzusetzen, durch urbanes Gärtnern individuelle Lebensmittel zu erzeugen oder durch
Kompost zur Kreislaufwirtschaft beizutragen.

Städte übernehmen eine relevante Rolle beim Schutz der
Biologischen Vielfalt: Kommunikation mit den Menschen,
Selbstverpflichtungen von politischen Verantwortungsträgern, Zielvereinbarungen und Maßnahmenpläne mit Indikatoren sowie die Kontrolle der durchgeführten Maßnahmen.
Berlin ist sich dieser wichtigen Rolle bewusst und geht aktiv
an diese Herausforderung heran. Eine große Verantwortung liegt bei den zwölf Berliner Bezirken. Mit ihnen gemeinsam und den Partnern aus Wohnungsbau, Wirtschaft,
Wissenschaft und Stadtgesellschaft gilt es, die Biologische
Vielfalt zu erhalten und nachhaltig zu nutzen.

12

Naturbarometer | 1. Der Sinn

13

2.	Der Status: Wie steht es um die Biologische
Vielfalt in Berlin?
Viele Menschen sind erstaunt über die große Artenvielfalt
der Millionenstadt Berlin. Die Menge an Arten, Sorten, Rassen und Lebensräumen hängt direkt damit zusammen, dass
Berlin eine sehr grüne Metropole ist. Mit rund 892 km² Gesamtfläche ist Berlin so groß wie die deutschen Städte München, Stuttgart und Frankfurt am Main zusammen. 18,3
Prozent der Stadt sind mit Wald bedeckt, knapp sieben Prozent der Fläche werden von Gewässern, Seen sowie Spree
und Havel eingenommen. Es gibt zahlreiche Grünflächen
wie den Großen Tiergarten oder das Tempelhofer Feld.
Insgesamt umfassen Berlins Freiräume 44 Prozent der Landesfläche.
Interessant ist, dass die Lebensräume von Relikten landwirtschaftlicher Nutzungsformen, naturnahen alten Laubmischwäldern und Parkanlagen über Still- und Fließgewässerbiotopen bis hin zu brach gefallenen Standorten auf
alten Industrieanlagen und Güterbahngeländen reichen.
Berlin ist die artenreichste Hauptstadt Europas.
Die spannende und sehr reichhaltige Natur Berlins verfügt
über rund 20.600 unterschiedliche, in der freien Wildbahn
vorkommende Tier- und Pflanzenarten. Die größte Gruppe
ist die der Insekten. Doch es leben auch 1.000–1.500 StadtFüchse in Berlin, 40 Biberfamilien und 30.000 Mauersegler.
Straßenbäume spenden Schatten, Parks und Wälder sorgen
für saubere Luft und schaffen Räume für Naturerfahrungen, Vögel und Fledermäuse halten Insekten in Schach,
Kleingärten und Gewässer bereichern die Freizeit.
Berlin ist grün. Wald, Seen, Flüsse, Grünflächen, aber auch
Brachflächen bieten umfassende Lebensräume für Tiere
und Pflanzen.
Berlin hat ca. 440.000 Straßenbäume und auch 270 Schulgärten, in allen Bezirken finden sich Kinderbauernhöfe, wo
man auch Esel bestaunen kann. Und es gibt auch „echte“
Landwirtschaft in Berlin mit Ackerbau und Viehzucht.

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Trotz der bestehenden Vielfalt an Natur und Lebensräumen
ist das Leben in Berlin für Tiere und Pflanzen kein Zuckerschlecken. Viele Arten stehen kurz vor dem Aussterben oder
sind gefährdet, im Schnitt rund die Hälfte der untersuchten
Artengruppen. Etliche Arten können nur noch durch Pflegemaßnahmen oder spezielle Artenschutzmaßnahmen erhalten werden. Viele naturnahe Lebensräume werden durch
unterschiedliche menschliche Tätigkeiten beeinträchtigt.
Hinzu kommen die stadttypischen Ursachen:
„„ Dichte Bebauung, die kaum Lebensräume beinhaltet.
„„ Dichtes Verkehrsnetz, mit Zerschneidung von Lebensräumen und Gefahren durch den Fahrzeugverkehr.
„„ Absenkung des Grundwasserspiegels.
„„ Modernisierung und Wärmedämmung von Gebäuden.
„„ Glasfassaden als tödliche Fallen für Vögel.
„„ Beleuchtung als Falle für Insekten.
„„ Flächen mit naturferner Gestaltung und intensiver Pflege.
„„ „Gut gemeintes“ Verhalten besorgter Bürgerinnen und
Bürger, wie das Füttern von Enten.
„„ Intensive Erholungsnutzung mit vielen Störungen der
Tiere.

Die Gesetzgeber haben verschiedene Schutzbestimmungen
für verschiedene Arten erlassen. Der legale Schutz ist nur
eine Seite. Es hängt an allen, inwieweit der Tier- und Pflanzenwelt in Berlin Raum zugebilligt wird und die Stadt auch
weiterhin eine aus Sicht der Biologischen Vielfalt vielfältig
lebendige Metropole bleibt.

Naturbarometer | 2. Der Status

44 % Grün- und Wasserflächen
18,3 % Wald

4,4 % Landwirtschaft

7 % Parkanlagen

3,5 % Kleingärten

6,7 % Gewässer

3,4 % Brachland

20.600

Tier- und
Pflanzenarten

2.179 Farne und Blütenpflanzen

561 Spinnen

405 Moose | ~ 2.000 Pilze | ~ 1.000 Flechten

180 Brutvögel

17.000 Insekten insgesamt

153 Schnecken und Muscheln

815 Kurzflügelkäfer
288 Laufkäfer
54 Heuschrecken und Grillen
53 Libellen

59 Wild lebende Säugetiere
38 Fische und Rundmäuler
13 Amphibien
5 Reptilien

3,5 Mio. Menschen
Anzahl der Einwohnerinnen und Einwohner pro Hektar
Wohnsiedlungsfläche im statistischen Gebiet

Quelle: Senatsverwaltung

15

16

Naturbarometer | 2. Der Status

Mensch – Wirtschaft – Natur

Der Mensch ist die Hauptursache dafür, dass sich die Erde in
den letzten 3.000 Jahren umfassend und nachhaltig verändert hat. Landwirtschaft und Industrialisierung führten in
weiten Kreisen zu einem Raubbau an der Umwelt und zogen
einschneidende und unumkehrbare Veränderungen nach
sich. So ist die Hauptbedrohung für die Biologische Vielfalt –
weltweit und auch in Berlin – der Mensch mit seinen Bedürfnissen und seinem alltäglichen Verhalten. Er macht sich die
Natur zu eigen und nimmt dabei nicht immer Rücksicht auf
Tiere und Pflanzen und deren Lebensraum.

Dabei geht es um globale Konflikte wie:
„„ Abnahme der genetischen Vielfalt als Folge der Nahrungsproduktion durch Monokulturen und gentechnisch veränderte Pflanzen.

Doch auch in einer deutschen Großstadt wie Berlin treffen
die Bedürfnisse von Mensch und Natur oft aufeinander und
führen zu Konflikten. So entstehen schon einmal Streitigkeiten vor Gericht, die sich um Feldlerchen oder Kammmolche drehen, weil bei Bauprojekten die Interessen von Natur
und Mensch kollidieren:
„„ Die Sanierung von Gebäuden kann Winterquartiere von
Fledermäusen oder die Lebensräume von Gebäudebrütern zerstören.
„„ Großveranstaltungen am falschen Ort oder zur falschen
Zeit können einen negativen Einfluss auf die Tier- und
Pflanzenwelt haben.
„„ Der Bau von neuen Straßen oder Hochspannungsmasten kann Schutzgebiete beeinträchtigen.

„„ Rodung von Wäldern zur Anpflanzung von Soja- oder
Palmölpflanzen oder zur Gewinnung von Rohstoffen
mit sozialen und ökologischen Folgewirkungen.

„„ Gebiete werden aufgeschüttet oder trockengelegt und
die darin lebenden Tiere und Pflanzen verschwinden.

„„ Wilderei von Tieren als Trophäe oder als Statussymbol.

Hier helfen klare Regelungen und Informationen darüber,
wie man Tiere und Pflanzen oft einfach und effektiv schützen kann.

„„ Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten aufgrund der
globalen Intensivierung der Land- und Meeresnutzung
und der Nutzung natürlicher Süßwasserreserven.

17

Herausforderungen für Berlin

Biologische Vielfalt hat einerseits eine hohe Bedeutung für
die urbane Lebensqualität, andererseits ist sie besonders in
der Stadt einer hohen Gefährdung ausgesetzt. Dadurch ergeben sich zentrale Fragestellungen:
Wie kann Biologische Vielfalt auch in einer Metropole erhalten werden?
Wie kann die Bevölkerung an den positiven Wirkungen Biologischer Vielfalt teilhaben?
Wie kann gesellschaftliches Engagement für die Biologische
Vielfalt gefördert werden?

Für die Menschen in Berlin zeichnen sich drei Trends ab, die
in den kommenden Jahren als Herausforderungen angegangen werden müssen:
„„ Bevölkerungswachstum: Die Anzahl an Menschen, die
in Berlin leben, steigt.
„„ Demografischer Wandel: Die Menschen in Berlin werden
im Durchschnitt älter sein.
„„ Klimawandel: Berlin muss seine Verantwortung für den
Klimaschutz wahrnehmen.

Berlin muss sich insbesondere auf die Veränderungen durch
den Klimawandel einstellen und wissen, wo und wie Grün-,
Frei- und Siedlungsflächen besonders empfindlich reagieren können. Es gilt sicherzustellen, dass Bäume, Parks, Wälder und sonstige Landschaftsbestandteile angesichts der
Zunahme von sommerlicher Trockenheit, Starkregenereignissen und eventuell veränderten Grundwasserständen
auch künftig positiv wirken können. Zur Verringerung des
innerstädtischen Wärmeinseleffektes wird es auch darauf
ankommen, die Wirkung durch Verdunstungskühle in der
dicht bebauten Innenstadt zu erhöhen.

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Stadtgrün, mit seinen klimatischen Entlastungsfunktionen,
als Garant für mehr urbane Lebensqualität.
Es ist davon auszugehen, dass sich das Verhalten der Berlinerinnen und Berliner in den kommenden Jahren ändern
und eine weitere Herausforderung für die Stadtentwicklung
darstellen wird. So geht in Großstädten der Trend hin zum
Selbermachen, zum urban-ländlichen Lebensstil und zu einer veränderten Mobilität. Diese neuen Muster stellen Anforderungen auch an das Grün in der Stadt.
Natur wird in Berlin wieder zum Trend.
So spürt man in Berlin die „Rückbesinnung“ auf die Natur.
Gärtnern, Kochen oder Imkern wird zum Trend, Bio- und
Slowfood ersetzen immer öfter das schnelle Fertiggericht.
Was viele Jahre ein „höher, schneller, weiter“ war, verschiebt sich etwas in Richtung Entschleunigung, Abschalten
und Besinnung auf das Wesentliche.
Fokus auf die Innenentwicklung setzen.
Um die Zersiedlung des Umlandes zu vermeiden, verfolgt
Berlin verstärkt das Ziel der Innenentwicklung. Da, wo
schon Straßen, U-Bahn- oder S-Bahnanschlüsse vorhanden
sind, soll weiter verdichtet werden. Die schon vorhandene
Nähe zur städtischen Infrastruktur wie Kindergärten, Einkaufsmöglichkeiten oder Schulen soll dabei verstärkt werden.
Die Herausforderungen, denen sich Berlin im Rahmen der
beschriebenen Entwicklungen stellen wird, sind die gleichzeitige Erhaltung der Biologischen Vielfalt und der Lebensqualität, die Durchführung von rechtssicheren Verfahren
zum Schutz der Natur und der beschleunigte Bau von Wohnungen. Dafür sind planerisches Vordenken und eine gemeinsame Erarbeitung von Lösungen notwendig.

Naturbarometer | 2. Der Status

Bevölkerungswachstum

Demografischer Wandel

Bis 2030 wächst die Bevölkerung in Berlin
geschätzt auf 3,828 Mio. Einwohner.

Bis 2030 wächst der Anteil der über 80jährigen Berlinerinnen und Berliner um 80,7 %.

267.497

4
3,75

148.046

3,5
3,25

2000

1
6
9
10
14
17

%
%
%
%
%
%

05

10

11

15

20

25

2013

30

2030

Wohnungsbau

Flächenversiegelung

Inanspruchnahme von Baufläche.

Ein Drittel der gesamten Stadtfläche
ist versiegelt.

Parlament und Regierung
Verkehr, Technische Infrastruktur
Gemeinbedarf
Dienstleistungen
Großflächiger Einzelhandel
Gewerbe

43 %

Wohnen

11 %

22 %

bebaute
versiegelte
Fläche

unbebaute
versiegelte
Fläche

(Gebäude
aller Art)

(Straßen usw.)

Klimawandel
Die Zahl der „Hitzetage“ (mit einer Tageshöchsttemperatur über 30° C) nimmt in Berlin stetig zu:
35,77

39,9

34,55

20,01 20,74 21,47
6,08

5,6

Dahlem

Tegel

5,83

Tempelhof

2001–2010

Dahlem

Tegel

Tempelhof

2046–2055

Dahlem

Tegel

Tempelhof

2090–2099

Großstädte erreichen 1 bis 3 °C höhere Temperaturen als ländliche Gebiete – nachts sogar bis zu 12 °C.
Quelle: Geändert nach Senatsverwaltung (2013a)/Senatsverwaltung 2016

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Problemlagen in Berlin

Berlins Einfluss auf die hier lebenden Tiere und Pflanzen ist
groß. Um festzustellen, wo naturschutzrechtlicher Regulierungsbedarf, Unterschutzstellungen oder Anpassungen der
Artenschutzprogramme notwendig werden, sind Rote Listen unverzichtbare Hilfsmittel.
ROTE LISTE
Die „Rote Liste gefährdeter Arten“ oder auch nur „Rote
Liste“ geht zurück auf ein Verzeichnis der Weltnaturschutzunion „International Union of Conservation of
Nature and Natural Resources“ (IUCN) mit weltweit bedrohten Tierarten aus dem Jahr 1966. Seit der ersten
Publikation wurde diese mehrfach erweitert, zum Beispiel um Pflanzen oder Biotope.
Seit 1982 gibt das Land Berlin – damals noch beschränkt
auf den Westteil der Stadt – eigene „Rote Listen des Landes Berlin“ heraus, die eine Auswahl von Artengruppen
beinhalten. Aus ihnen geht hervor, welche Tier- und
Pflanzenarten in Berlin insgesamt anzutreffen sind und
welche gefährdet oder gar ausgestorben sind. Neufassungen wurden 1991 und 2005 erstellt. An der Fortschreibung wird aktuell gearbeitet.

Was leisten Rote Listen?
„„ Sie sind ein wichtiger Indikator für den Zustand der Biologischen Vielfalt.
„„ Sie sind ein anerkanntes Bewertungsinstrument im Naturschutz.
„„ Sie sind eine breit nutzbare Datenbasis für die Planung.
„„ Sie dienen als Informationsgrundlage für die Öffentlichkeit über die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt und deren Veränderung.

Rote Listen als Indikator für Biologische Vielfalt.
Die Roten Listen der gefährdeten Arten in Berlin dienen als
eine Grundlage, um Prioritäten zu setzen, und sind Baustein und Fundament für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Anhand der Angaben kann festgestellt werden, ob

20

gesetzte Ziele erreicht wurden. Sie setzen aber auch ein Zeichen dafür, was Berlin für seine bedrohten Arten tut.
42 Prozent aller Arten, die in den Roten Listen aufgeführt
sind, gelten als bedroht.
Die Roten Listen umfassen 7.087 der geschätzt rund 20.600
in Berlin lebenden Arten. Großgruppen wie Gefäßpflanzen,
Wirbeltiere und Moose können dabei komplett abgebildet
werden, andere dagegen nur zum Teil oder fehlen sogar
vollständig. So werden beispielsweise ca. 4.000 Insektenarten aufgeführt, die Gesamtzahl der Insektenarten Berlins
wird aber auf 17.000 geschätzt (Saure/Kielhorn 2005).
Verlust der Artenkenntnis: Ohne Ehrenamt geht es nicht.
Die Erstellung von Roten Listen ist nicht ohne den ehrenamtlichen Naturschutz denkbar. Partnerschaften mit der
Stiftung Naturschutz Berlin, den Hochschulen und die Zusammenarbeit mit privaten Fachleuten sichern die Zusammenstellung und Aktualisierung der Daten zur Erstellung
der Roten Listen. Für einige Artengruppen der wirbellosen
Tiere gibt es in Berlin leider keine Expertinnen und Experten
mehr. Bei der Überarbeitung der Roten Liste kann das bei
den betroffenen Artengruppen zu einem ernsten Problem
werden.
AUSGESTORBEN, VERSCHOLLEN, GEFÄHRDET
In Berlin sind einige Tier- und Pflanzenarten besonders
schutzbedürftig und werden in den Roten Listen als gefährdet eingestuft. Reptilien gehören zu den am stärksten gefährdeten Tiergruppen, da sie sehr empfindlich
auf biotische und abiotische Veränderungen ihrer Umwelt reagieren. So sind u. a. Blindschleiche, Ringelnatter,
Wald- und Zauneidechse durch Überbauung oder intensive Flächennutzung stark gefährdet.
Doch nicht nur Pflanzen und Tiere, auch Biotope sind stark
gefährdet. Diese Lebensräume, in denen Tier- und Pflanzenarten eine Lebensgemeinschaft bilden, sind für die Erhaltung der Biologischen Vielfalt enorm wichtig. Acht
Prozent der Biotopfläche in Berlin sind in einer deutschlandweiten Gefährdung eingestuft.

Naturbarometer | 2. Der Status

Berlins gefährdete Arten im Überblick

GEFÄHRDUNGSSITUATION 2005
AUSGESTORBEN/
VERSCHOLLEN

13 

%

Quelle: Saure/Kielhorn (2005)

GEFÄHRDET

29

NICHT GEFÄHRDET

58

%

%

n = 5.724

SITUATION IN BERLIN NACHGEWIESENER ARTENGRUPPEN

FARNE UND BLÜTENPFLANZEN n = 1.393
15 %

33 %

52 %

SÄUGETIERE n = 59
7%

Quelle: Klawitter et al. (2005)

37 %

56 %

BRUTVÖGEL n = 165
19 %

Quelle: Witt/Steiof (2013)

26 %

55 %

INSEKTEN n = 2.488
10 %

Quelle: Saure/Kielhorn (2005)

27 %

63 %

MOOSE n = 405
28 %

Quelle: Prasse et al. (2001)

Quelle: Klawitter (2005)

43 %

29 %
21

Vergleich mit anderen Städten

Ein Vergleich mit anderen Großstädten in Deutschland in
Bezug auf den Zustand der Biologischen Vielfalt ist schwer
zu treffen. Die Gegenüberstellung von Zahlen, Flächenanteilen oder Bilanzen kann daher keine unmittelbare Wertung sein, sondern soll vielmehr einen Eindruck vermitteln,
wie Berlin im Vergleich zu anderen Städten aufgestellt und
ausgestattet ist. So zeigt ein Blick auf die Flächenbilanzen,
dass Berlin bei Grünflächen, Wald, Wasser und auch Mooren
im Vergleich zu Städten wie München, Hamburg, Frankfurt
am Main oder Köln eine besondere Naturausstattung aufweist (Statistisches Bundesamt 2013). Dieser Vergleich
kann allerdings nur auf Basis der Zahlen des Statistischen
Bundesamtes vorgenommen werden, da hier die Flächenkategorien auf einheitlichen Definitionen basieren. Zahlen,
die von den einzelnen Städten veröffentlicht werden, können sowohl zu denen des Statistischen Bundesamtes variieren als auch im Vergleich zu Angaben anderer Städte, wenn
Überschneidungen bei den einzelnen Kategorien oder kaufmännische Rundungen auftreten.

Berlin ist urban und natürlich.
Im Bereich Landwirtschaft ist Berlin mehr Stadt als andere
Großstädte. Selbst London hat mit 7,6 Prozent mehr klassische, traditionelle Landwirtschaft als Berlin. Deutsche
Großstädte kommen immerhin zum Teil auf über 20 Prozent, Berlin hingegen liegt bei knapp fünf Prozent.
Wenig Landwirtschaft, viel Stadtnatur.
Bei der Unterschutzstellung von Natur- und Landschaftsgebieten rangiert der Ballungsraum Berlin hinter anderen
deutschen Großstädten. Aber auch der hohe Anteil urbaner
Freiflächen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Berlin
sozusagen als typische Berliner Mischung für den städtischen Wald, offene Sonderstandorte und die Oberflächengewässer eine große Verantwortung besitzt.
Berlin ist die deutsche Stadt mit den Quartieren, die am
stärksten verdichtet sind – 3.809 Berlinerinnen und Berliner
leben statistisch auf einem Quadratkilometer.
Während Köln und auch Frankfurt am Main über 40 Prozent
ihrer Fläche als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen haben, ist Berlin bei 13 Prozent, hat aber mittelfristig die Zielmarke 20 Prozent anvisiert. Ähnlich ist das Bild bei den Naturschutzgebieten. Hamburg und Köln weisen über acht
Prozent ihrer Fläche als Naturschutzgebiete aus, während
Berlin in dieser Flächenkategorie derzeit gut zwei Prozent
aufweist.

22

Naturbarometer | 2. Der Status

Flächennutzung im Vergleich

30 %

15 %

24 %

2%

DEUTSCHLAND

52 %

35.734.061 ha

FRANKFURT A.M.

1%

2%

24.831 ha

15 %
58 %
5%

16 %

1%
6%

2%

8%

25 %

1%

MÜNCHEN

HAMBURG

1%

31.074 ha

75.522 ha

60 %

76 %
1%

4%

17 %

18 %

16 %

1%

BERLIN

89.168 ha

KÖLN

40.501 ha

70 %

SIEDLUNG- & VERKEHR

5%

7%

61 %

FRIEDHÖFE

LANDWIRTSCHAFT

WÄLDER

FLÜSSE & GEWÄSSER

Quelle: Statistisches Bundesamt (2013)

23

3. 	Die Umsetzung: Was tut Berlin, um seine
Biologische Vielfalt zu schützen?
Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt
38 Ziele sind in vier Themenfelder aufgeteilt: „Arten und Lebensräume“, „Genetische Vielfalt“, „Urbane Vielfalt“ und
„Gesellschaft“. Dabei bestehen zwischen einzelnen Zielen
und auch zwischen den Themenfeldern inhaltliche Verbindungen. Zu den in der Strategie festgesetzten Zielen wurde
ein ausführlicher Dialog mit Wissenschaft und Wirtschaft,
Verbänden und Vereinen, Politik und Verwaltung und weiteren Akteuren geführt.

Effiziente Stadtentwicklung braucht Leitplanken, in denen
Entscheidungen getroffen, Ziele gesteckt und überprüft
sowie Maßnahmen angestoßen werden. Berlin hat für die
Erhaltung und Förderung von Biologischer Vielfalt eine
Strategie entwickelt.
Am 13. März 2012 hat der Senat von Berlin die „Berliner
Strategie zur Biologischen Vielfalt“ beschlossen. Sie bezieht
sich auf die Nationale Strategie des Bundes, greift aber viel
stärker als andere bekannte Strategien die Besonderheiten
der urbanen Lebensräume auf.

Berlin setzt mit seiner Strategie auf klare Zielvorgaben,
Kommunikation und umsetzbare Maßnahmen. Um feststellen zu können, ob und inwieweit die Ziele erreicht sind, werden bei der Weiterentwicklung der Strategie geeignete Indikatoren erarbeitet. Ihre Anwendung erlaubt die Bestätigung
des „richtigen Weges“ ebenso wie notwendige Kurskorrekturen. Noch konnten allerdings nicht für alle 38 Ziele Indikatoren erstellt und angewendet werden. Seit Beschluss der
Strategie in 2012 und auch schon zuvor hat Berlin diverse
Maßnahmen zur Erreichung der Ziele durchgeführt und erfolgreiche Projekte aufgelegt.

Die Berliner Strategie zeigt, wie Biologische Vielfalt in einer
Metropole erhalten und gefördert werden kann – zum Wohle der hier lebenden Menschen. Dabei geht es darum, Natur
zu erhalten, aber auch an neue Bedingungen wie Klimawandel, sich ändernde Ansprüche oder demografische Entwicklungen anzupassen. Nur so kann sichergestellt werden,
dass die wesentlichen Ökosystemleistungen den Berlinerinnen und Berlinern dauerhaft zugutekommen und die Natur
erhalten wird.

Meilensteine: Biologische Vielfalt in Berlin (ab 2001)

2007

2004

Florenschutzprogramm

Aktualisierung des
Landschafts- und
Artenschutzprogramms
(LaPro)

2001

2001

FSC und NaturlandZertifizierung aller
Forstflächen

24

2002

2003

2004

Aktualisierung: Rote Liste
Erster Langer Tag
der StadtNatur

2005

2005

Bekanntmachung
Natura-2000-Gebiete
Gesamtliste Flora und
Fauna und Rote Liste

2006

2007

2008

2009

2009
Beginn der
Arbeiten zur
Strategie

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

NATIONALE NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE
UND NATIONALE BIODIVERSITÄTSSTRATEGIE
Auf deutscher Ebene werden zwei Ansätze verfolgt: Der
eine ist die 2002 erstmalig beschlossene Nationale
Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“. Sie enthält ein eigenständiges Kapitel zur Biodiversität. Der Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ ist einer der 21 Schlüsselindikatoren und soll
Auskunft über die Entwicklung der Biologischen Vielfalt
geben.
Der Wert des Indikators für Artenvielfalt und Landschaftsqualität lag im letzten Fortschrittsbericht der
Bundesregierung bei nur 67 Prozent des Zielwerts. Somit wurde der für 2015 angestrebte Wert nicht erreicht.
Für den Bund, die Länder und auch auf kommunaler
Ebene sind daher erhebliche zusätzliche Anstrengungen
notwendig.
Am 07. November 2007 verabschiedete die Bundesregierung als zweiten Ansatz eine eigene Strategie zur Biologischen Vielfalt, die weiter geht als die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Die Strategie beinhaltet konkrete
Ziele und Maßnahmen, um die Erhaltung der Biologischen Vielfalt in Deutschland zu realisieren und dabei
den Fortschritt der Umsetzung messbar zu machen.

2012

2010

BESCHLUSSFASSUNG IM SENAT

Erarbeitung:
Erster Entwurf der Strategie

2010

Die Konzeption und bisherige Umsetzung der Strategie zur
Biologischen Vielfalt wäre nicht denkbar gewesen ohne die
Beteiligung von Expertinnen und Experten aus den für Naturschutz- und Umweltfragen zuständigen Verwaltungen,
der Wissenschaft und der Fachöffentlichkeit. Insbesondere
zu nennen sind die Verfasserinnen und Verfasser der ersten
sehr umfangreichen Entwürfe aus 2009 und die seinerzeit
durchgeführte intensive Beratung in den Arbeitsgremien
der Senatsverwaltung. Nach dem Beschluss durch den Senat wurden öffentliche Veranstaltungen zu den einzelnen
Themen durchgeführt. An diesen Werkstattgesprächen
nahmen zahlreiche Akteurinnen und Akteure der Stadtgesellschaft und der Verwaltungen teil. Es wurden gemeinsam
die einzelnen Ziele der Strategie und mögliche Maßnahmen
erörtert sowie Alternativen der Umsetzung und Fragen der
Zielerreichung besprochen. Die Maßnahmen sollen in einem Handbuch zusammengefasst werden. Die Veranstaltungen haben den Dialog belebt und dazu geführt, dass
neue Netzwerke entstanden und alte wiederbelebt worden
sind. Die Infografik auf der nächsten Seite gibt einen Einblick in die Komplexität der Beteiligung. Der Beschluss des
Senates zur Biologischen Vielfalt Berlin kann als Startschuss
zu einem Prozess angesehen werden, der mit dem hier vorgelegten Naturbarometer einen ersten Zwischenbericht erhält, aber noch nicht abgeschlossen ist.

2011

2011

Abstimmung innerhalb
der Senatsverwaltung
Weitere Abstimmungen mit
Behörden, Expertinnen und
Experten und Interessengruppen

2014

Mischwaldprogramm

Aktualisierung LaPro

Stadtbaumkampagne

Instandhaltung FledermausWinterquartiere

2012

2013

2013

„Dialog Biologische Vielfalt“
Konsultation mit gesellschaftlichen Gruppen, der Wissenschaft und der Wirtschaft

2014

2015

2015

Berichterstattung
zur Strategie

Neues Naturschutzgesetz Berlin

25

Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt

Handlungsfelder und Ziele

ARTEN UND LEBENSRÄUME
•	 Arten und ihre Lebensräume
•	Biotopverbund
•	Wald
•	Landwirtschaft
•	 Gewässer und ihre Ufer
•	 Grundwasser und Moorschutz

GENETISCHE VIELFALT
•	 Regionale Vielfalt
•	Gentechnik
•	 Gebietseigene Pflanzen

URBANE VIELFALT
•	 Urbane Arten
•	 Grüne wilde Stadt
•	 Urban Gardening
•	Kleingärten
•	 Private Freiflächen

GESELLSCHAFT
•	Umweltbildung
•	 Gesellschaftliches Engagement/Ehrenamt
•	 Öffentliche Beschaffung
•	Recht
•	Wissenschaft
•	Wirtschaft
•	 Globale Verantwortung

Quelle: Sentasverwaltung (2012)

Arbeitstreffen zur Strategie

01 02 03 04 05 06 07
08 09 10 11 12 13 14

= 10

= 10

= 10

ÜBER 70 VORTRAGENDE

100 STUNDEN

15 16 17 18 19 20
19 TREFFEN IN 4 JAHREN

= 20

ETWA 2.000 TEILNEHMENDE
Quelle: Sentasverwaltung (unveröffentlicht)

26

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Berliner Landschafts- und Artenschutzprogramm

Ein strategisches Planungsinstrument zum Schutz von Natur und Landschaft und auch für die Weiterentwicklung in
Berlin ist das Landschaftsprogramm einschließlich Artenschutzprogramm (kurz: LaPro). Das LaPro ist ein Instrument für die tägliche Arbeit in Planung und Verwaltung.
Darin werden die gesamtstädtischen, ökologischen Anforderungen in den Planungsprozess mit einbezogen. Denn:
Berlin kann nur zukunftsorientiert wachsen, wenn die natürlichen Gegebenheiten und Umwelterfordernisse beachtet werden.
Durch das LaPro werden Naturschutzbelange und Landschaftspflege verstärkt in der Bauleitplanung berücksichtigt.
Mit dem LaPro sollen in Berlin ganz gezielt die natürlichen
Lebensgrundlagen für Menschen, wild lebende Tiere und
Pflanzen bei der Stadtentwicklung berücksichtigt werden.
Es gibt Antworten auf grundsätzliche Fragen wie:
„„ Welche Erholungsangebote braucht Berlin?
„„ Wie kann man die Artenvielfalt in der Stadt stärken?
„„ Wie und wo lässt sich der Naturhaushalt nachhaltig
zum Besseren beeinflussen?

LANDSCHAFTS- UND ARTENSCHUTZPROGRAMM
Das Landschaftsprogramm und Artenschutzprogramm
wurde bereits 1994 verabschiedet und 2004 mit der gesamtstädtischen Ausgleichskonzeption ergänzt.
Seit über 30 Jahren verfügt Berlin über ein behördenverbindliches Programm, das wichtige Beiträge zur vorsorgenden Umweltplanung enthält. Es beinhaltet Vorgaben, Ziele und Anforderungen, die bei allen weitreichenden räumlichen Planungen und Abwägungsverfahren einzubeziehen sind.
Derzeit ist eine umfassende Fortschreibung in der Abstimmung.
Das LaPro besteht aus vier Programmplänen und der
Gesamtstädtischen Ausgleichskonzeption (GAK) sowie
einem Bericht, der die Ziele und Inhalte erläutert. Die
Themen der vier Pläne lauten:
1	Naturhaushalt/Umweltschutz,
2	 Biotop- und Artenschutz,
3	Landschaftsbild,
4	 Erholung und Freiraumnutzung.

Für alle Behörden des Landes, die sich mit Gebietsentwicklungen, städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerben oder ähnlichen Aufgaben befassen, ist es deshalb
verbindlich. So liefert es allen Berliner Planungsämtern eine
verlässliche Basis, z. B. für die verbindliche Bauleitplanung,
und bringt damit Bebauungspläne und übergeordnete grüne Ziele für die ganze Stadt in Einklang.

27

Berlin profitiert vom LaPro durch neue Parks, attraktive
Landschaften und artenreiche Naturräume.

Aktualisierung des LaPro reagiert auf neue Entwicklungen
und Herausforderungen.

Die konkreten Erfolge des LaPro sind vielfältig:

Die Zeit ist nicht stehengeblieben. Die Welt, die Stadt, die
Gesellschaft, das Fachwissen und die Rahmenbedingungen
haben sich allesamt weiterentwickelt. Der Klimawandel,
steigende Einwohnerzahlen, der Rückgang der Vielfalt von
Tier- und Pflanzenarten, die soziale Durchmischung, der
demografische Wandel, Trends wie das urbane Gärtnern
oder das gestiegene Gesundheitsbewusstsein stellen die
Planung vor neue Herausforderungen. Aber auch rechtliche
Änderungen im Naturschutzgesetz, im europäischen
Naturschutz mit Fauna-Flora-Habitat und Vogelschutzrichtlinie oder in der europäischen Wasserrahmenrichtlinie
machen eine Aktualisierung unverzichtbar.

„„ Ausweisung neuer Natur- und Landschaftsschutzgebiete
in Berlin, die zum Teil auch zum europäischen Natura2000-Netz von Schutzgebieten zählen.
„„ Gründung und Stabilisierung von Röhrichten an Gewässern durch Rundholz-Palisaden, die den Wellenschlag
mindern.
„„ Verstärkte Berücksichtigung des Biotop- und Artenschutzes bei der Planung der Nachnutzung von offenen
Flächen wie aktuell dem Flughafen Tegel.
„„ Realisierung von 13 der 16 neuen Parks, die im Landschaftsprogramm 1994 vorgesehen waren.
„„ Sanierung von Stadtplätzen, Aufwertung von Freiflächen, Verbesserung oder Neuschaffung von Erholungsangeboten.

Das sind nur einige Beispiele. Die Berlinerinnen und Berliner
profitieren durch das LaPro sehr konkret. So werden auf
Grundlage des LaPro Landschafts- und Naturräume stimmig, umwelt- und zukunftsgerecht gestaltet. Eine stabile
Artenvielfalt schafft hier ein lebenswertes Umfeld, in dem
Natur und Mensch ihren Platz haben.

28

Wie es das Gesetz fordert, wurden Ziele und Maßnahmen
im LaPro auf den neuesten Stand gebracht und die Bestandsdaten flächendeckend angepasst. Auch reagiert die
derzeit in Aktualisierung befindliche Fassung auf zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen mit veränderten
Schwerpunkten.
Die gültige Fassung und weitere Informationen finden Sie
auf der Internetseite der Senatsverwaltung:
www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/landschaftsplanung/lapro/

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

29

Naturschutz. Vielfalt, die es zu schützen lohnt

Schutzgebiete sind das Rückgrat des Naturschutzes. In den
unter Schutz gestellten, ausgewählten Landschaftsbereichen gibt der Naturschutz eindeutig vor, was geht und was
nicht geht. Verbote werden kontrolliert, Eingriffe kompensiert und Managementmaßnahmen durchgeführt. Ein kontinuierliches Monitoring sichert die Prozesse und deren
Fortschritt ab bzw. ermöglicht ein korrigierendes Eingreifen. Die öffentlichen Mittel des Naturschutzes und auch das
Geld von privaten Stiftungen fließen vor allem in Schutzgebiete. Rote Liste-Arten und die in diesen Gebieten vorkommenden Lebensraumtypen zeigen, dass diese Schwerpunktsetzung berechtigt ist.
Die Artenvielfalt in Schutzgebieten ist nachweislich besonders hoch.
Das Naturschutzrecht kennt verschiedene Kategorien von
Schutzgebieten und -objekten. Zu diesen zählen Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Naturdenkmale
(einzelne Bäume und Findlinge, aber auch kleine Flächen
wie Dünenrelikte), geschützte Landschaftsbestandteile (z. B.
Baumgruppen, Bestände von Ufervegetation oder Hecken)
und Naturparke, wie der länderübergreifende Naturpark
Barnim.
Angaben, wo sich zusätzlich zu der Webseite der Senatsverwaltung weitere Informationen zur Situation von Natur und
Landschaft in Berlin gemäß § 6 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) sowie § 6 des Berliner Naturschutzgesetzes (NatSchG Bln) befinden, sind im Anhang ausgeführt.
Inhalte, die sich aus der Berichterstattung gemäß der Vogelschutz- sowie der FFH-Richtlinie aus Berlin ergeben, sind
nicht ausreichend aussagefähig für die Lage im Land Berlin.
Dies hängt mit der Systematik der Berichterstattung zusammen, die sich auf den Zusammenhang mit den
sogenannten Biogeografischen Regionen bezieht. Deshalb
wird hier auf diese Angaben verzichtet.

Natura 2000 in Berlin
Eine besondere Bedeutung unter den Naturschutzgebieten
kommt den zum europäischen Netz Natura 2000 gehörenden FFH- und Vogelschutzgebieten zu. FFH steht für FaunaFlora-Habitat und beschreibt damit Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Es soll den Fortbestand von Lebensraumtypen
und Arten, die für die jeweiligen europäischen Regionen
charakteristisch sind, dauerhaft sichern und die Biologische
Vielfalt in Europa bewahren.
Berlin hat 15 FFH- und 5 Vogelschutzgebiete mit über 6.000
ha Fläche. Das entspricht 7 Prozent der Landesfläche.
Es reicht dabei nicht, ein Gebiet als „Schutzgebiet“ zu melden, denn der Zustand von Natura-2000-Gebieten darf sich
per Definition nicht verschlechtern. Aufgabe ist es, den Artenbestand und die Lebensräume zu sichern oder zu verbessern und spezielle Pflege- und Entwicklungskonzepte zu
erarbeiten. Sollten anderweitige Planungen, Vorhaben oder
Projekte ein Natura-2000-Gebiet betreffen, müssen diese
auf ihre Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen der Gebiete überprüft werden.
Geschützt werden im Rahmen von Natura 2000 sogenannte
Lebensraumtypen und Arten nach FFH-Richtlinie oder Vogelschutzrichtlinie. In den Berliner Natura-2000-Gebieten
sind 25 verschiedene Lebensraumtypen vertreten, für 18
Tierarten sind besondere Schutzgebiete ausgewiesen bzw.
18 Tierarten sind streng zu schützen. Außerdem sind 34 Vogelarten nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie besonders zu schützen und 40 weitere besondere Pflanzenund Tierarten sind in den Natura-2000-Gebieten vertreten.
Diesen Arten gilt die besondere Aufmerksamkeit der Naturschutzbehörden.
Der Abschluss der Pläne für die FFH-Gebiete in Berlin soll bis
Ende 2017 erfolgen.
Bei den besonders geschützten Biotopen handelt es sich
beispielsweise um Röhrichte, die an den Ufern von Havel
und Spree betreut werden und deren Zustand sich gut entwickelt hat. Eine Auflistung der Schutzgegenstände findet
sich auf der Internetseite der Senatsverwaltung.
www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/natura2000

30

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Natura-2000-Gebiete in Berlin

Natura-2000-Gebiete

31

Naturschutzgebiete
Besonders schutzwürdige Gebiete werden als Naturschutzgebiete ausgewiesen, um die seltenen und gefährdeten Biotope eines Naturraums zu erhalten. Alle Handlungen, die
diese Gebiete oder auch Teile davon zerstören, beschädigen
oder verändern können bzw. dem Schutzzweck entgegenstehen, sind dort verboten. Naturschutzgebiete können aus
wissenschaftlichen, kulturgeschichtlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen, wegen ihrer Seltenheit, Vielfalt, ihrer besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit ausgewiesen werden. Insbesondere
gefährdete Tier- und Pflanzenarten finden hier Rückzugsräume für eine weitgehend ungestörte Entwicklung.
Zurzeit gibt es in Berlin 40 Naturschutzgebiete auf einer
Fläche von ca. 2.061 Hektar. Das entspricht 2,3 Prozent der
Landesfläche.
WAS IST EIN NATURSCHUTZGEBIET?
§ 23 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) im Wortlaut:
(1)	Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von
Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen erforderlich ist
1.	 zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung
von Lebensstätten, Biotopen oder Lebensgemeinschaften bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten,
2. 	 aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder
landeskundlichen Gründen oder
3. 	 wegen ihrer Seltenheit, besonderen Eigenart oder
hervorragenden Schönheit.

Ausflugstipps, Karten und Rahmendaten finden Sie auf der
Internetseite der Senatsverwaltung:
http://stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/schutzgebiete/de/nsg/index.shtml

32

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Naturschutzgebiete in Berlin

Naturschutzgebiete

Entwicklung der Naturschutzgebiete
1.419 ha

1995

292 ha
1990

1.451 ha
2000

1.712 ha

2.070 ha

2005

2014

1.953 ha
2010

Quelle: Senatsverwaltung

33

Landschaftsschutzgebiete
Für eine Großstadt wie Berlin ist es wichtig, auch großflächige Gebiete zu schützen, die vorrangig für die Erhaltung
eines intakten Naturhaushaltes, aufgrund ihres besonderen
Landschaftsbildes oder für die Erholung des Menschen als
Schutzgebiete ausgewiesen werden. In Berlin sind nahezu
alle größeren Erholungslandschaften und der Erholungswald als Landschaftsschutzgebiet gesichert. Aktuell sind
damit rund 13 Prozent der Landesfläche geschützt, in Zukunft sollen es 20 Prozent werden. Als ein weiteres großflächiges Landschaftsschutzgebiet ist zurzeit die Treptow-Köpenicker Wald- und Seenlandschaft im Unterschutzstellungsverfahren.
WAS IST EIN LANDSCHAFTSSCHUTZGEBIET?
§ 26 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) im Wortlaut:
(1)	 Landschaftsschutzgebiete sind rechtsverbindlich
festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer
Schutz von Natur und Landschaft erforderlich ist
1. 	 zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung
der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts oder der Regenerationsfähigkeit und
nachhaltigen Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
einschließlich des Schutzes von Lebensstätten und
Lebensräumen bestimmter wild lebender Tier- und
Pflanzenarten,
2. 	 wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit oder der
besonderen kulturhistorischen Bedeutung der Landschaft oder
3.	 wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung.

34

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Landschaftsschutzgebiete in Berlin

Landschaftsschutzgebiete

Entwicklung der Landschaftsschutzgebiete
9.747 ha

11.964 ha

1995

9.199 ha
1990

9.986 ha
2000

2014

11.751 ha
2005

11.934 ha
2010

Quelle: Senatsverwaltung

35

Artenschutz.
Schützen, was uns glücklich macht
Naturdenkmale
Einzelne Landschaftselemente wie Bäume oder Findlinge
können einen Schutzstatus als Naturdenkmal erhalten.
Aufgrund von Seltenheit, naturgeschichtlicher oder landestypischer Aspekte oder besonderer Schönheit stehen in
Berlin zahlreiche Bäume und Findlinge als Naturdenkmale
unter Schutz.
Die meisten als Naturdenkmal ausgewiesenen Bäume in
Berlin sind weit älter als die hier lebenden Menschen.
Ziel bei der Ausweisung ist es, die Besonderheiten in Natur
und Landschaft langfristig zu erhalten. Naturdenkmale sind
Zeugen der Geschichte der Stadt und sowohl historisch als
auch kulturell bedeutsam. Aber sie bieten nicht nur Schönheit und Anmut für das menschliche Auge, sondern sind
zum Teil selbst Lebensraum für viele andere Organismen.
Naturdenkmale als Zeichen der Schönheit und Genialität
der Natur.
Auch Hecken, Baumreihen, prägende Mittelstreifen von Alleen oder Pfuhle können als naturschutzfachlich wertvolle
Flächen auf Grundlage des Berliner Naturschutzgesetzes
als Geschützter Landschaftsbestandteil, Flächenhaftes Naturdenkmal oder Naturdenkmal gesichert werden. Diese
Landschaftselemente dienen in erster Linie der Gliederung
und Belebung des Orts- oder Landschaftsbildes.
Berlin hat über 600 Baum-Naturdenkmale.
Gemeinsam mit dem BUND Berlin wurde 2013 ein Projekt
ins Leben gerufen, das sich den Berliner Baum-Naturdenkmalen widmet. Dabei geht es nicht darum, eine möglichst
große Anzahl an Bäumen als Denkmal auszuweisen, sondern vielmehr um die Herausstellung von besonderen Objekten der Berliner Natur. Damit diese herausragenden Einzelgeschöpfe nicht in Vergessenheit geraten, hat das Projekt
„Naturdenkmale in Berlin“ zum Ziel, die Bedeutung und
Zukunft der Berliner Baum-Naturdenkmale zu verbessern
und ihr Potenzial für die Öffentlichkeit – im Sinne: Ein
Baummethusalem sagt mehr als tausend Worte – besser
auszuschöpfen.

36

Die Unterschutzstellung von Landschaftsgebieten, einzelnen Objekten oder kleineren Flächen ist ein wichtiges Instrument zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt, doch das
Instrumentarium, die Maßnahmen und Projekte zum Schutz
von Tier- und Pflanzenarten gehen weit darüber hinaus und
müssen es auch. Denn die Artenvielfalt in Berlin ist gefährdet, was häufig am schlechten Zustand der Lebensräume
liegt. Berlin hat sich daher zur Aufgabe gemacht, Tier- und
Pflanzenarten und vor allem auch seine stadttypischen Arten zu erhalten und ihre Bestände langfristig zu sichern.
Die Maßnahmen, die in Berlin – auch im Rahmen der Strategie zur Biologischen Vielfalt – angestoßen, umgesetzt oder
geplant wurden, sind so vielfältig wie die zu schützenden
Tier- und Pflanzenarten: Die Beweidung als nachhaltige
Pflege von extensivem Grünland, der jährlich stattfindende
„Lange Tag der StadtNatur“, das Florenschutzprogramm,
die Stadtbaumkampagne, Moorschutz durch Renaturierung
oder die Instandhaltung von Fledermausquartieren gehören dazu.
Ein Blick auf die Artenvielfalt in Berlin zeigt, dass schon viel
getan wurde in den letzten Jahren und viele seltene und
auch gefährdete Arten in Berlin einen Lebensraum haben.
Die Ergebnisse der Roten Listen zeigen aber auch, dass noch
viel getan werden muss, um gerade auch die weniger bekannten Arten, wie Insekten, Algen, Brandpilze, Schnecken
oder Spinnen, die für ein funktionierendes Ökosystem notwendig sind, nicht aus dem Auge zu verlieren.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Berlins Vielfalt überrascht, bleibt aber gefährdet.
Viele Menschen sind erstaunt, dass es so viel Natur in der
Millionenstadt Berlin gibt. Wenn sie dann noch hören, dass
seltene und gefährdete Arten wie Wanderfalke, Seeadler,
Kranich, Biber und Fischotter dazu gehören, wird aus dem
Staunen schnell Ungläubigkeit. Und doch haben in den letzten Jahrzehnten Tierarten Berlin wiederbesiedelt, deren
Vorkommen man nicht unbedingt mit Großstädten in Verbindung bringt.
Seeadler über Berlins Wald- und Seenlandschaft – Stadtwälder auf innerstädtischen Brachen.
Das hat verschiedene Ursachen. Die reichhaltige Naturausstattung Berlins erlaubt selbst die Ansiedlung von anspruchsvollen Tierarten. So befinden sich im Raum Müggelsee-Gosener Wiesen zwei der nur noch wenigen Brutkolonien der Trauerseeschwalbe in Deutschland. Das Gebiet
wurde als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen und unter Naturschutz gestellt. Mit einem Artenhilfsprogramm wird das
Überleben dieses in Deutschland vom Aussterben bedrohten Vogels gesichert. Ein anderer seltener Bewohner ist der
Fischotter, der in den naturnahen Gewässern des Stadtrandes sein Zuhause hat. Berlins Arten profitieren vom Umland. Gleichzeitig ist Berlin für bestimmte Arten so etwas
wie ein Nadelöhr, für andere wiederum ein Eingangstor.
Straßentauben fördern die Rückkehr von Habicht und Wanderfalken.
Viele der Rückkehrer profitieren vom Nahrungsangebot der
Großstadt: Die große Straßentaubenpopulation ermöglicht
Habichten und Wanderfalken die Besiedlung des Stadtgebietes. Möglich wurde dies nur, weil diese Vogelarten seit
den 1970er-Jahren nicht mehr intensiv verfolgt werden. So
konnten sie ihre Scheu vor dem Menschen ablegen und den
städtischen Lebensraum wieder nutzen.

Stadtrandes ab. Doch diesen erfreulichen Meldungen stehen
auch etliche Vogelarten gegenüber, deren Lebensräume
mehr und mehr verschwinden. Besonders auf vegetationsarmen Flächen, auf feuchten Wiesen, in Feuchtgebieten, auf
landwirtschaftlichen Flächen und bei Gebäudebrütern nehmen die Bestände von vielen Vogelarten ab, so z. B. von
Haubenlerche, Kiebitz, Schleiereule, Dohle oder Saatkrähe.
Biber finden Ihren Weg zurück in die Stadt.
Immer mehr Wildtiere finden ihren Weg in die Stadt und
verlagern ihren Lebensraum nach Berlin. Biber z. B. haben
seit 20 Jahren zuerst von Hennigsdorf ausgehend die Berliner Oberhavel und den Tegeler See besiedelt, mittlerweile
wandern sie wieder von Südosten und Südwesten ein. Hier
wird sich der Artenschutz in den nächsten Jahren auf die
gefahrlose Durchquerung der Innenstadt konzentrieren. Bei
den Amphibien verfügt Berlin über einige größere Populationen des stark gefährdeten Kammmolches und der vom
Aussterben bedrohten Rotbauchunke. Letztere ist aber nur
noch am Nordostrand der Stadt zu finden. Es gelten neun
von 13 in Berlin vorkommende Amphibienarten in der Roten
Liste als gefährdet.
Klimawandel macht sich durch die Etablierung von wärmeliebenden Arten bemerkbar.
In der Tierwelt Berlins machen sich bereits die Folgen des
Klimawandels bemerkbar: Feuerlibelle und Italienische
Schönschrecke, eine Heuschreckenart, sind zwei südliche
Arten, die sich innerhalb der letzten Jahre in der Stadt etabliert haben.

Verfolgungsstopp stärkt die Ausbreitung von Falke, Habicht
und Seeadler.
Der gleiche Mechanismus wirkt auch beim Seeadler: Die
Einstellung der intensiven Verfolgung führt zur allmählichen Bestandsausdehnung in Deutschland, auch in
verwaisten Gebieten. In Berlin decken drei Seeadlerpaare
mit ihren Revieren die großen seenartigen Gewässer des

37

Berlin ist und bleibt die Hauptstadt der Fledermäuse
Vielleicht denken viele bei „Hauptstadt der Fledermäuse“
zuerst an Gotham City. Fakt ist aber: Zumindest in Europa
steht diese Bezeichnung für Berlin. Für die in Berlin lebenden Menschen sind Fledermäuse im Alltag eher unscheinbar. Überraschend kann ihre Existenz sein, wenn sich mal
eine ins Schlafzimmer verfliegt oder bei Sanierungsarbeiten
ein Quartier entdeckt wird.
Berlin beherbergt mehr Fledermäuse als jede andere mitteleuropäische Großstadt.
Die Spandauer-Zitadelle war bereits in den 1930er-Jahren
eines der bedeutendsten Fledermaus-Winterquartiere
Norddeutschlands. Dort wurde 1987 das erste bundesweite
Artenhilfsprogramm für Fledermäuse begonnen. Mit den
seitdem gemachten Erfahrungen setzt die Senatsverwaltung schwerpunktmäßig auf die Sicherung und die Entwicklung von Winterquartieren.
Die Spandauer Zitadelle ist für über 10.000 Fledermäuse eines der wichtigsten Winterquartiere Mitteleuropas.
Zurzeit sind 43 Fledermaus Winterquartiere im Stadtgebiet
bekannt, 21 davon wurden seit 1989 in Zusammenarbeit
mit den Berliner Wasserbetrieben, den Berliner Forsten und
den Bezirksämtern neu eingerichtet. In diesen zumeist Kellern und Bunkern ist ein steigender Fledermausbestand
feststellbar.

ERFOLGSGESCHICHTE IM WASSERWERK TEGEL
In den vergangenen zehn Jahren siedelten sich in einem
außer Betrieb genommenen Sandfilter im Wasserwerk
Tegel über 1.400 Fledermäuse an. Der außerordentlich
hohe Anteil der europaweit besonders geschützten Art
Großes Mausohr führte zur Meldung dieses Gebietes als
FFH-Gebiet.

38

Bei den Fledermäusen überwiegen Halbwissen, Mythos und
Aberglaube. Sie sind Spezialisten mit ganz besonderen Fähigkeiten und machen sich auch dadurch nützlich, dass sie jeden
Sommer zehntausende Mücken vertilgen. Biotechnologie
und Medizin haben sich das Wissen um die Fledermaus zu
Nutze gemacht und doch finden Fledermäuse eher wenig Beachtung.
Eine einzige Fledermaus kann bis zu 1.000 Mücken pro
Stunde vertilgen.
Wenn an lauen Sommerabenden Fledermäuse vor dem Balkon ihren einmaligen Zackenflug vorführen, dann hat sich
die Frage „Was haben wir eigentlich davon?“ erübrigt. Es
macht einfach Spaß den Tieren in der Dämmerung zuzuschauen und sich zu freuen, dass sie uns begleiten. Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus und Großer Abendsegler
sind die am häufigsten in bebautem Gebiet lebenden Arten.
Wie auch alle anderen Fledermausarten stehen sie auf der
Roten Liste der gefährdeten Arten. Berlin trägt Verantwortung für diese Lebewesen, die Felsen und Höhlen gegen Verstecke an Bauwerken in der Stadt ausgetauscht haben.
Bauen für Fledermäuse
Die Senatsverwaltung hat im Jahr 2015 finanzielle Mittel
für 15 bestehende Fledermausquartiere bereitgestellt
und damit die Versteckmöglichkeiten für die Tiere verbessert sowie die klimatische Situation optimiert. Durch
diese Maßnahmen soll sich die Anzahl der Individuen
und Arten erhöhen und seltene Arten, wie die Bechsteinfledermaus, sollen sich etablieren können.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Artenhilfsprogramm Fledermäuse
(Besondere Winterquartiere 2015)

WASSERWERK TEGEL

FORT HAHNEBERG

ZITADELLE SPANDAU

WASSERWERK
FRIEDRICHSHAGEN

BERLIN BEHERBERGT
MEHR

FLEDERMÄUSE

ALS JEDE ANDERE

MITTELEUROPÄISCHE GROSSSTADT.

17  FLEDERMAUSARTEN

WURDEN BISHER IN BERLIN NACHGEWIESEN.

DIE KLEINSTE FLEDERMAUS – DIE ZWERGFLEDERMAUS – IST

DAUMENGROSS

UND WIEGT ZWISCHEN 3 UND 8 GRAMM.

39

Der Habicht als Berliner Erfolgsgeschichte
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) wählte den Habicht zum Vogel des Jahres 2015. In Berlin besiedelt er heute
fast das gesamte Stadtgebiet. Doch das war nicht immer so.
Berlin weist mit fast 100 Brutpaaren eine der höchsten
Siedlungsdichten weltweit auf.
Private Kleintierzüchter sahen den Greifvogel als Gefahr für
ihre Hühner und Tauben und Jäger als Konkurrent bei der
Jagd nach Hasen und Fasanen. Der Jagdvogel wurde zum
Gejagten. So war der Habicht in den 1970er-Jahren fast völlig aus dem Stadtgebiet Berlins verschwunden. Der beherzte Schutz der letzten Paare durch Vogelkundler und die Wirkung der EU-Vogelschutzrichtlinie schufen die Wende. Ab
Mitte der 1980er waren die ersten Ansiedlungen außerhalb
der Stadtwälder zu verzeichnen. Mittlerweile findet man
Horste mitten in Berlin: Im Tiergarten, im Volkspark Rehberge oder auf dem Friedhof Weißensee. Der Greifvogel
fühlt sich wieder wohl in Berlin.
Auf 100 km2 findet man in Berlin rund elf Paare.
Die Siedlungsdichte des Habichts in Berlin ist dreimal höher
als in den meisten großen Landschaftsausschnitten in
Deutschland. Das mag auch an dem guten Nahrungsangebot an Stadttauben, Krähen und Möwen liegen.

40

BRUTVÖGEL IN BERLIN
Seit den ersten Aufzeichnungen wurden 185 Arten, davon 165 als Brutvögel, nachgewiesen. Davon sind 32 Arten mittlerweile ausgestorben, 17 vom Aussterben bedroht, sechs stark gefährdet und 17 gefährdet. Weitere
zwei Arten sind extrem selten und elf mussten in die
Vorwarnliste aufgenommen werden. Somit sind 52 Prozent der Berliner Brutvögel in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Im Vergleich zu 2003 mussten 19 Arten
mit Bestandsabnahmen hochgestuft oder neu in die
Rote Liste aufgenommen werden, elf Arten konnten
dank ihrer Bestandszunahme in Berlin herabgestuft
oder aus der Roten Liste entlassen werden.
Zu den Verlierern gehören die inzwischen in Berlin ausgestorbenen Arten Rebhuhn und Raubwürger sowie die
in Berlin vom Aussterben bedrohten Arten Flussregenpfeifer, Haubenlerche, Dohle, Saatkrähe, Uferschwalbe
und Wiesenschafstelze.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Wilde Tiere in Berlin
Eine Stadt – und besonders eine Metropole wie Berlin – ist
ein künstlicher Lebensraum, primär für die Bedürfnisse der
hier lebenden Menschen geplant. Durch die fortschreitende
Besiedlung werden den Tieren vielfach angestammte, ursprüngliche Lebensräume genommen. Die Folge dieser Vernichtung
natürlicher
Verstecke,
Nistplätze
und
Nahrungsquellen, ist das Vordringen anpassungsfähiger
Tiere in den menschlichen Lebensraum, in die Stadt.
Tiere verlieren die Scheu und fühlen sich heimisch in der Stadt.
Da immer mehr wilde Tiere auch in der Stadt leben, ist es
wichtig zu lernen, wie man mit ihnen umzugehen hat.
Durch den reichen Waldbestand und große Landwirtschaftsflächen im Umland kommt es in Berlin immer öfter zum
Auftreten von Wildtieren in der Nähe des Menschen. Wildschweine bis hin zum Alexanderplatz und auf dem Ku’damm,
Füchse auf Spielplätzen oder Waschbären im Haus – man
kennt die Zeitungsmeldungen über Begegnungen dieser
wilden Art. Die „Ausflüge“ wilder Tiere in die Stadt sind mit
dem reichhaltigen Nahrungsangebot in Gärten, Parkanlagen oder auch Mülleimern und Komposthaufen zu erklären.

WILDTIERTELEFON:
EINE NUMMER FÜR WILDE FELLE UND FEDERN
Seit dem 07. April 2014 hat die Senatsverwaltung zusammen mit dem NABU Berlin eine zentrale Servicenummer eingeführt.
Wie schützt man sich vor einem „Automarder“? Wie verhält man sich, wenn man im Garten einem Wildschwein
begegnet? Und wie geht man mit Untermietern wie
Waschbären um? Was geschieht mit einem jungen Mauersegler, der aus seinem Nest gefallen ist?
Antworten hierzu, aber auch allgemeine Hinweise und
Informationen erhalten Berliner Bürgerinnen und Bürger
über das Wildtiertelefon.
Das Wildtiertelefon erreichen Sie an Wochentagen von
09.00 –17.00 Uhr unter
(030) 54 71 28 91

Milde Winter und reichhaltige Nahrungsangebote fördern
die Wildtiere in der Stadt.
Die Tiere folgen bei der Suche nach Nahrung ihrem Instinkt.
Sie haben gelernt, dass ihnen in der Stadt wenig Gefahr
droht und daher die Scheu vor dem Menschen weitgehend
verloren. Tiere zu füttern, ist daher alles andere als hilfreich. Zum einen ist diese Nahrung zu einseitig, zum anderen macht es die Tiere handzahm und gefährlich.

41

Wildtiere in Berlin

125.000
SPATZEN

30.000

MAUERSEGLER

WILDSCHWEINE

STADT-FÜCHSE

2.000 –5.000

1.000 –1.500

WASCHBÄREN

800 –1.000

DACHSREVIERE 40

BIBERFAMILIEN 40
Quelle: Senatsverwaltung (unveröffentlicht)

Biber und deren Bestandsentwicklung (Reviere)
1996
Quelle: Geändert nach Lührte/Krauss (2014)

42

2001

2007

2014

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Berliner Exotik, auf die geachtet werden muss
Natürlich geht es in der Artenwelt Berlins nicht nur wild zu.
Es gibt auch eine ganze Reihe an Tieren und Pflanzen, die
importiert und als exotische Haustiere gehalten bzw. zur
Zierde in den eigenen Garten gepflanzt werden. Doch gerade die Überführung von Tier- und Pflanzenarten aus deren
ursprünglichen Lebensräumen bedarf einer gewissen Regulierung zum Schutz dieser Arten. Denn wer macht sich beim
Kauf eines gefiederten Zimmergenossens schon Gedanken
darüber, dass jährlich rund 1,5 Mio. wild gefangene Vögel
legal und illegal in die Europäische Union importiert werden? Oder dass für Schneeglöckchen- oder AlpenveilchenZwiebeln in der Türkei ganze Lebensräume vernichtet werden?
Der internationale Handel ist nach der Lebensraumzerstörung eine der Hauptgefährdungen für den Bestand wild lebender Tiere und Pflanzen.
Daher gelten rechtliche Bestimmungen für den Besitz von
bestimmten Tierarten, wie z. B. Greifvögel, Papageien, Reptilien oder auch Vogelspinnen. Und auch die Errichtung, die
Erweiterung und der Betrieb von Tiergehegen müssen genehmigt werden. Denn: Jeder, der ein Tier hält, steht in der
Verantwortung für das Tier als Mitgeschöpf, dessen Leben
und Wohlbefinden zu schützen.

Vor dem Erwerb eines Tieres sollten deshalb folgende Punkte beachtet werden:

„„ Wie groß wird das Tier, wenn es ausgewachsen ist (besonders problematisch bei Rotwangen-Schmuckschildkröten, Grünen Leguanen und Riesenschlangen)?
„„ Wie groß ist der Käfig, die Voliere oder wie viel Platz ist
vorhanden, um ein Gehege zu errichten? Und ist diese
Unterbringung immer noch groß genug, wenn das Tier
ausgewachsen ist?
„„ Wie viel Zeit wird für Pflege, Füttern und Sauberhalten
benötigt und steht Ihnen diese Zeit regelmäßig zur Verfügung? Wie ist der Tagesrhythmus des Tiers und können Sie sich darauf einstellen (z. B. Licht und Temperatur) bzw. sind Sie bereit, die dafür ggf. höheren
Stromkosten zu tragen?
ERFOLGREICHER SCHUTZ
Die Berliner Senatsverwaltung arbeitet zum Schutz von
exotischen und gefährdeten Arten eng mit Naturschutzorganisationen wie dem WWF zusammen. Dieser gemeinsamen Arbeit ist es z. B. zu verdanken, dass durch
gezielte Kontrollen und Vollzugsmaßnahmen die illegale
Verwendung des Tropenholzes Ramin für Malerpinsel
wirksam unterbunden werden konnte. Dieser Rechtsbruch wurde dabei nicht nur aufgedeckt, sondern führte
auch dazu, dass der Hersteller heute nur noch Holz mit
dem Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) für seine Produkte verwendet.

„„ Ist die Haltung des Tiers in Deutschland legal?
„„ Ist der Kauf möglicherweise an bestimmte EU-Bescheinigungen oder sonstige Bedingungen gebunden?
„„ Liegen ausreichende Informationen zur art- und verhaltensgerechten Haltung zu dieser Tierart vor? Handelt es
sich beispielsweise um eine Art, die als Paar oder sogar
in der Gruppe zusammen gehalten werden sollte?
„„ Handelt es sich um eine Art, die für Anfängerinnen und
Anfänger geeignet oder eher ungeeignet ist?
„„ Können ggf. Hinweise und Tipps von Fachverbänden erworben werden?

43

WILDTIERE BITTE NICHT FÜTTERN!
RISIKEN

VORSICHTSMASSNAHMEN

•	Unkontrollierte Vermehrung

•	Essensreste unerreichbar entsorgen

•	Stoffwechselerkrankungen, Organschäden
	 und Infektionsrisiken der Tiere

•	Picknickreste beseitigen und Grillplätze
	 sauber halten

•	Erhöhte Aggressivität

•	Keine Speisereste in den Kompost

•	Vermehrte Beißunfälle

•	Gärten und Komposthaufen unzugänglich
	machen

•	Zerstörung von Gärten, Grünflächen
	 und Friedhöfen
•	Ruhestörung und Geruchsbelästigung
•	Häufigere Wildunfälle

•	Mülltonnen erst kurz vor dem Leeren
	rausstellen
•	Keine Gartenabfälle in der Umgebung abladen
•	Haustiernahrung unerreichbar aufstellen

WILDTIERE IN BERLIN:
Vorkommen von Feldhasen und Wildkaninchen

Feldhasen
im typischen Lebensraum
Quelle: Geändert nach Köhler (2011)

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Feldhasen
im urbanen Lebensraum

Wildkaninchen

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Biologische Vielfalt in Berlins zoologischen Gärten

Das Berliner Florenschutzkonzept

Zoos können eine sehr wichtige Rolle bei der Erhaltung der
Biologischen Vielfalt einnehmen. Tiere und Pflanzen, die in
ihrer natürlichen Umgebung vom Aussterben bedroht sind,
können in Zoos und in botanischen Gärten geschützt leben,
sich vermehren und gleichzeitig den Besuchern ein oft einzigartiges Naturerlebnis und das Wissen um die Tiere ermöglichen.

Mit über 2.179 registrierten Farn- und Blütenpflanzen weist
Berlin eine ausgesprochen große Florenvielfalt auf. Etwa
1.400 dieser Pflanzen haben sich in der Stadt etabliert, darunter so seltene wie das Sumpf-Herzblatt oder das Mäuseschwänzchen. Doch bereits 15 Prozent aller Pflanzenarten
gelten nach der Roten Liste aus dem Jahr 2001 als ausgestorben bzw. verschollen und weitere 14 Prozent sind vom
Aussterben bedroht (Prasse/Ristow/Klemm et al. 2001).
Viele der besonders gefährdeten Arten konnten nach 1990
nur noch an ein oder zwei Fundorten nachgewiesen werden.
Ohne besondere Schutzmaßnahmen könnten diese Pflanzen in naher Zukunft für immer aus der Berliner Landschaft
verschwinden.

Um diese besondere Rolle und auch den Schutz der Biologischen Vielfalt zu stärken, hat die Europäische Union schon
im Jahr 1999 eine Richtlinie erlassen, die Vorschriften für
die Betriebserlaubnis und Überwachung von Zoos beschreibt. Die Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden, sollen so weit verbessert werden, bis sie optimal sind.
Die Rolle der Zoos im Bereich der Bildung der Besucher, der
wissenschaftlichen Forschung und der Erhaltung der Arten
soll damit gestärkt werden.
Weitere Informationen zu den Zoos in Berlin erhalten Sie
auf der Internetseite der Senatsverwaltung:
www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/artenschutz/de/handel/zoohaltung.shtml

Die heikle Lage bedarf der Schwerpunktsetzung bei den
Pflanzenarten.
Um den Rückgang der pflanzlichen Vielfalt zu stoppen, entstand das Berliner Florenschutzkonzept. Darin werden 230
Zielarten benannt, die eine hohe oder sogar sehr hohe Schutzpriorität erhalten. Um einen umfassenden Florenschutz sicherzustellen, werden drei wesentliche Punkte verfolgt:
1.	 Auswahl von Pflanzenarten mit sehr hoher und hoher
Schutzpriorität nach festgelegten Kriterien, die die Bedeutsamkeit der Arten für Berlin, aber auch die Gefährdung auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen berücksichtigen.
2.	 Definition und Festlegung von Gebieten, die als „Hotspots“ des Florenschutzes gelten.
3.	 Erarbeitung von Artenhilfsprogrammen für prioritäre
Zielarten aus möglichst vielen unterschiedlichen Lebensraumtypen, um größtmögliche Effekte zu erzielen.

Die Zielarten decken so ein breites Spektrum an
europäischen Fauna-Flora-Habitat-Lebensräumen und
gesetzlich geschützten Biotopen ab. So wird gewährleistet,
dass durch Schutz- und Pflegemaßnahmen nicht nur die
Zielarten selber, sondern auch andere gefährdete Arten und
Lebensräume gefördert werden.

45

Damit das Projekt langfristig verfolgt wird, wurde eine Koordinierungsstelle bei der Stiftung Naturschutz Berlin in Kooperation mit dem Landesbeauftragten für Naturschutz
und Landschaftspflege sowie dem Botanischen Verein von
Berlin und Brandenburg installiert. Die Finanzierung wird
durch die Senatsverwaltung gesichert. Wesentliche Tätigkeitsschwerpunkte der Koordinierungstelle sind:
„„ Entwurf und Umsetzung konkreter Schutzmaßnahmen.
„„ Pflege der eigens entwickelten Datenbank für die kartierten Zielarten.
„„ Intensive Öffentlichkeitsarbeit zur Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung.

Auch Ehrenamtliche können beim Florenschutz mitwirken.
Sollten Bürgerinnen oder Bürger gefährdete Pflanzenarten
finden, freut sich die Stiftung Naturschutz Berlin über eine
entsprechende Nachricht. Auch kann man Patenschaften
übernehmen, sich an Pflegeeinsätzen beteiligen oder sich
als Multiplikator engagieren.
Vom Florenschutz zum Faunenschutz.
Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem Florenschutzkonzept hat die Stiftung Naturschutz Berlin zusammen mit
der Zwillenberg-Tietz-Stiftung von der Senatsverwaltung
den Auftrag bekommen, ein Faunenschutzprogramm aufzulegen, das mit der Erfassung der Amphibien in 2015 die
Arbeit aufgenommen hat.

46

DER BERLINER FLORENATLAS
Der Berliner Florenatlas ist das Ergebnis einer über 20
Jahre langen Erfassung aller wild wachsenden Farn- und
Blütenpflanzen in Berlin. Die gesammelten Daten tragen
unmittelbar zu Schutz und Erhaltung der Pflanzenarten
und ihrer genetischen Vielfalt bei. Über 150 ehrenamtlich tätige Personen waren bei der Datenerfassung beteiligt.
Insgesamt wurden im Berliner Florenatlas 2.445 Arten,
Unterarten und Hybriden aufgenommen, von denen
1.441 Sippen in Berlin etabliert sind. Der Florenatlas
zeigt die Verbreitung fast aller in Berlin wild wachsender
Gefäßpflanzen in rund 1.900 Rasterkarten. Die Karten
geben außerdem Informationen über die Gefährdung,
Herkunft und zum ersten bzw. letzten Auftreten der jeweiligen Pflanzen in Berlin an.
Durch eine umfangreiche Auswertung von historischen
Daten und die Berücksichtigung mehrerer Zeitabschnitte kann aus den Karten auch der Rückgang von Arten
abgelesen werden.
Ein kurzer Blick in den Florenatlas zeigt, dass die Wiesen-Küchenschelle vor 1900 auf Trockenrasen in Berlin
noch mehrere Vorkommen auswies, mittlerweile jedoch
nur noch an einer Stelle in den Baumbergen vorkommt.
Auch zeigen die Karten einen deutlichen Rückgang des
Steifblättrigen Knabenkrauts, eine Art feuchter Wiesen.
Beim Mäuseschwänzchen zeichnet sich die Entwicklung
ab, dass diese Art nicht mehr auf staufeuchten Äckern,
sondern auf feuchten Brachflächen vorkommt.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Biotopschutz. Schützen im Verbund

Die Ausweisung von Schutzgebieten hat den Rückgang
zahlreicher Tier- und Pflanzenarten nicht aufgehalten. So
übersteigt der Verlust der für die Arten spezifischen Flächen
bei weitem den neuer Schutzgebiete. Die Landschaftsveränderung und der Rückgang von z. B. offenen oder nährstoffarmen Standorten schreiten auch in Berlin weiter voran.
Täglich werden in Deutschland rund 73 Hektar als Siedlungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen (BMUB 2014).

Zielarten im Fokus des Biotopverbunds.
Mit einem Zielartenkonzept rücken 34 gefährdete Arten in
Berlin in den Fokus, die stärker von verknüpften Lebensräumen abhängig sind als andere Arten. Im neuen LaPro wird
eine Grundstruktur des Biotopverbundes ausgewiesen, die
sich konkret auf die tatsächlichen und potenziellen Lebensräume dieser Zielarten bezieht und diese schützt.

In Berlin sind 18 besonders schutzwürdige Lebensräume,
etwa Moore, Eichen-Buchenwälder und Feldhecken, pauschal – so heißt es juristisch – unter gesetzlichen Schutz gestellt. Eine besondere Schutzausweisung dieser Flächen ist
nicht erforderlich, das Gesetz schützt diese Biotope unmittelbar.
Die geeignete Verbindung von Lebensräumen für nichtflugfähige Arten ist zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt besonders wichtig. Straßen, Schienen oder Siedlungen trennen und isolieren ehemals große, zusammenhängende
Lebensgemeinschaften. Dies führt zu einer Verinselung und
zu einer genetischen Veränderung der Arten. Um die Verbindung dieser Lebensräume zu sichern, verfolgt Berlin die
Umsetzung eines Biotopverbundsystems als Teil des Artenschutzprogramms im Zusammenhang mit dem Landschaftsprogramm (LaPro). Die Maßnahmen zum Schutz,
zur Pflege bzw. Einrichtung von Biotopen sind dabei so unterschiedlich wie die Lebensräume selbst.
15 Prozent der Landesfläche sind als Biotopverbund ausgewiesen und im LaPro kartografisch dargestellt.
Das Ziel des Biotopverbundes im Naturschutzgesetz Berlin
wird derzeit im LaPro umgesetzt und ist dadurch behördenverbindlich für das Land Berlin. Die Flächensicherung z. B.
am Grünen Band zum Barnim wurde seit 2013 mit 1 Mio.
Euro abgesichert. So ist in diesem Bereich die Grünverbindung für Natur und Mensch im Kontext mit dem Mauergedenken bereits dauerhaft sichergestellt. Was also der Wegeverbindung für den Menschen dient, kommt auch den
Tieren zugute.

47

Landschaftspfleger: Beweidungsprojekte mit Wasserbüffeln

WASSERBÜFFEL STATT LANDSCHAFTSPFLEGER

Eine besondere Art der Landschaftspflege wird auf Grünlandflächen und in Naturschutzgebieten durchgeführt. Diese werden vereinzelt mit verschiedenen Nutztierarten und
alten Rassen beweidet. Eine Potenzialanalyse soll diesen
Ansatz weiter entwickeln, um den positiven ökologischen
Effekt auch mit einer verstärkten Erlebbarkeit der Weidetiere durch Kinder und Jugendliche zu kombinieren.
Erfolgreiches Beweidungsprojekt in Rudow-Altglienicke.
So wurde der Landschaftspark Rudow-Altglienicke 2009 als
naturschutzrechtliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme
für den Bau des 23. Bauabschnitts der A 113 eröffnet. Als
Teil der Maßnahme wurde ein Beweidungsprojekt auf den
Wiesenflächen rund um die Pfuhle gestartet. Die Feuchtwiesen des Landschaftsparks Rudow-Altglienicke wurden ab
April 2014 nicht mehr gemäht, sondern von einer kleinen
Herde Wasserbüffel beweidet. Die sieben Wasserbüffel verbringen den Winter auf einem Hof in Brandenburg, um dann
von Frühjahr bis Herbst zehn Hektar zu beweiden.
Zusätzlich wird hochwertiges Fleisch nach Bioland-Standard produziert.
Dies ist nicht das einzige Beweidungsprojekt im Land Berlin.
Weiden statt Mähen hat sich auch an anderer Stelle bewährt, z. B. in Kooperation mit der Stiftung Preußische
Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg auf der
Pfaueninsel, im Tegeler-Fließ oder auf den Tiefwerder
Wiesen in einer Kooperation zwischen Bezirk und dem
Landschaftspflegeverband Spandau.

48

Der Wasserbüffel zeichnet sich durch seine Genügsamkeit, Robustheit und Friedfertigkeit aus. Schon vor etwa
125.000 Jahren lebte diese Art in Mitteleuropa, sie starb
dann hier aus, um vor 800 Jahren als Haustier nach Südeuropa zurückzukehren. Viele Gebiete in Deutschland, die
auf Grund ihrer Vernässung kostenaufwändig gemäht
werden mussten, werden heute von Büffeln beweidet.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Beweidung in Berlin
Tegeler Fließtal

		 33	ha (Pferde)

Einsatzgebiete von
Wasserbüffeln

		 334	ha (Schafe)
		 66	ha (Wasserbüffel)
		 181	ha (Ziegen)

1.148 ha

Tiefwerder Wiesen

Gesamtfläche

		 717	ha (Rinder)
Anteile genutzer Fläche von
Weidetieren aller Projekte 2015

Pfaueninsel

Rudow

= 10
Schafe

Beweidung in Schutzgebieten (Auswahl), Tierbestand

= 10
Ziegen

= 10
Rinder

SCHÖNEBERGER SÜDGELÄNDE

2 ha

1,5 ha

2004–2005

EHEMALIGES FLUGFELD
JOHANNISTHAL

2 ha

2005–2012

15 ha

2 ha

2012–2013

15 ha

2007–2012

2013–2015

3

15 ha

2012–204

2014–2015

MURELLENSCHLUCHT/
SCHANZENWALD
7 ha

7 ha

2009–2012

7 ha

2012–2013

2014–2015

DAHLEMER FELD

2
10 ha

7 ha

10 ha

10 ha

2011–2012

2012–2014

2014–2015

Quelle: Senatsverwaltung

49

50

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

CO2-Speicher:
Kompensationszahlungen zur Moorrenaturierung

Sie können mithelfen: Schon der Verzicht auf torfhaltige
Blumenerde ist praktizierter Naturschutz.

Moore werden gern mit Kriminalgeschichten und einer
leicht düsteren Atmosphäre in Verbindung gebracht, sie
sind aber als funktionierende Ökosysteme und zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt wichtig. In natürlichem Zustand speichern Moore CO2 und tragen somit zum Klimaschutz bei. Je stärker der Wasserstand durch Trockenheit
oder Entwässerung abgesenkt wird, desto mehr Torf wird
zersetzt und CO2 freigesetzt. Aber nicht nur das: Moore beherbergen aufgrund ihres sehr spezifischen Lebensraums
Tier- und Pflanzenarten, die sich an diese besonderen nährstoffarmen Bedingungen angepasst haben.

Die Senatsverwaltung legt aktuell durch verschiedene Maßnahmen einen Schwerpunkt in der Naturschutzarbeit auf
den Moorschutz:

Moorschutz als eine vergleichsweise effiziente und günstige
Klimaschutzmaßnahme.

„„ Realisierung eines Moorschutzprojekts durch die Berliner Forsten im Natura-2000-Gebiet Teufelsseemoor,
das auch im Rahmen der Umweltbildung erlebbar ist.

Gefährdet sind Moore vor allem durch Grundwasserabsenkungen. Dadurch trocknen die oberen Torfkörper aus, vererden und setzen Nährstoffe und klimaschädliche Gase frei.
Um die wichtigen Funktionen von Mooren für das Klima und
die dortige Artenvielfalt zu sichern, hat sich die Berliner
Landesregierung entschlossen, Kompensationszahlungen
für Flugreisen vorzunehmen, die von der Stiftung Naturschutz Berlin verwaltet und in klimawirksame Projekte investiert werden. Das Geld fließt u. a. in die Renaturierung
von Mooren. Diese dient dem Klimaschutz durch die nachhaltige Bindung von CO2 und zugleich dem Umweltschutz
durch die Erhaltung der Biologischen Vielfalt der Tier- und
Pflanzenwelt.

„„ Untersuchungen zu Flora und Fauna, aber auch zum
Wasserstand, die Auskunft über den Zustand und die
Entwicklung der Moore geben.
„„ Unterstützung von Forschungsarbeiten der HumboldtUniversität zu Berlin, die eine Wissensbasis für künftige
Moorschutzprojekte schaffen.

Weiter Informationen erhalten Sie auf der Seite der Humboldt-Universität zu Berlin:
www.berlinermoore.hu-berlin.de

Zwischen 35.000 und 50.000 Euro kommen jährlich durch
Kompensationszahlungen der Renaturierung von Mooren
zugute.
Mit dem Geld wurden bereits die Kleine Pelzlaake in Köpenick vom Gehölz befreit und geeignete Lebensbedingungen
für Torfmoose geschaffen. Die positive Artenentwicklung
und die Ansiedlung vieler moortypischer Pflanzen sprechen
für den Erfolg dieser Maßnahme. 2015 werden die Arbeiten
an einem zweiten Projekt abgeschlossen, einem Teil der
Krummen Laake.

51

Uferschutz: Das Röhrichtschutzprogramm
Berlins Landschaftsbild ist geprägt von vielen Seen und
Flüssen und dadurch auch durch das Röhricht am Ufer. Röhrichte sind dabei Schilf, Rohrkolbenarten und die Gemeine
Teichbinse, prägend sind ferner die Schwimmblattpflanzenbestände aus Teichrose, Seerose oder der gefährdeten
Krebsschere. Die empfindlichen Röhrichte sind dabei besonderen Gefahren ausgesetzt, bei denen mehrere Faktoren
zusammenspielen. Die Gewässer dienen nämlich nicht nur
der Erholung, sondern werden ebenso wirtschaftlich genutzt, beispielsweise durch Binnenschifffahrt, zur Entnahme von Kühlwasser oder zur Trinkwassergewinnung.
Dramatischer Rückgang der Röhrichtbestände in den
1960ern.
Nährstoffanreicherung der Gewässer, Wellenschlag von
Motorbooten, im Schilf ankernde Boote, illegales Freischneiden, Badenutzung, Verbiss durch Bisam und Wasservögel, Grundwasserabsenkung oder auch Uferverbau führten in der Vergangenheit zu einem starken Rückgang des
Röhrichts. Zwischen 1953 und 1990 büßte es fast zwei Drittel seines Bestands ein. Aus diesem Anlass wurde das Röhrichtschutzprogramm für Berlin beschlossen, durch das das
Röhricht von 1990 bis 2010 wieder um 23 Prozent wachsen
konnte.
Der Bestand an Schwimmblattpflanzen lag 2010 um 19 Prozent höher als noch 1953.

52

RÖHRICHTSCHUTZPROGRAMM
1986 beschloss das Abgeordnetenhaus in Berlin (West)
Sofortmaßnahmen im Rahmen des Röhrichtschutzprogramms. Ziel und Inhalt dieses Programms sind
„„ Untersuchungen über die Ursachen des Röhrichtrückgangs,
„„ Dokumentation über die Entwicklung der Röhrichtbestände,
„„ Festlegung von Maßnahmen zur Sicherung vorhandener Röhrichte und zu dessen Wiederansiedlung.

Zum Schutz des Röhrichts wurden bereits rund 23 km
Ufer durch Holzpalisaden geschützt und 19 ha Neuanpflanzungen vorgenommen.
Die Eigentümerinnen und Eigentümer oder Nutzerinnen
und Nutzer von Grundstücken mit Röhrichtbeständen
sind durch das neue Gesetz zur Erhaltung und Pflege des
Röhrichts verpflichtet. Dies gilt gleichermaßen für Flächen im öffentlichen wie auch im privaten Besitz.
Die Entwicklung der Röhrichtbestände wird mit Hilfe
eines Röhricht-Monitorings durch Luftbildauswertungen
an 210 km Uferlänge außerhalb der Innenstadt erfasst
und in einer Datenbank dokumentiert. Die Aufnahmen
reichen bis 1928 zurück. Damit verfügt Berlin über eine
flächendeckende kartografische Dokumentation seines
Röhrichtbestandes in einem Zeitraum von über 80 Jahren, was in Europa wohl einzigartig sein dürfte.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Röhricht

Röhricht bietet Schutz, Nahrung und Lebensraum für viele Lebewesen
VÖGEL

FISCHE

BIBER

SPINNEN

ENTEN

INSEKTEN

Bestandsentwicklung von Röhricht und Schwimmblattpflanzen

113,87 %

119,34 %

100 %
100 %

88,28 %
78,48 %

58,67 %
50 %

36,81 %

42,18 %

40,80 %

1995

2000

44,45 %

45,44 %

2005

2010

0%

1953

1990

SCHWIMMBLATTPFLANZEN

RÖHRICHT

Quelle: Krauß/Lührte (2013)

53

54

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Gutes Trinkwasser: Das Mischwaldprogramm
Der Berliner Wald ist ein Vielkönner: Er liefert Holz, sorgt für
sauberes Trinkwasser, schafft saubere Luft, dient als Erholungsgebiet, ist für viele auch Inspirationsquelle und insbesondere für viele Schülerinnen und Schüler der erste Kontakt
zur „unberührten“ Natur. Und davon hat Berlin mit dem
Grunewald, dem Köpenicker Forst, dem Spandauer Forst,
dem Plänterwald und dem Bucher Forst einiges zu bieten.
Ohne Wald wäre Berlin ärmer.
Auch spielt der Wald eine wichtige Rolle bei der Bewältigung
des prognostizierten Klimawandels. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, streben die Berliner Forsten schon
seit Jahrzenten einen Umbau kieferndominierter Waldbestände in Mischwälder an. Innerhalb von 50 Jahren sollen
die Kiefernbestände auf 15.000 ha Fläche, also im Schnitt
300 ha pro Jahr, in einen Mischwald mit einheimischen
Bäumen wie Eiche, Linde oder Birke umgewandelt werden.
Die Berliner Wälder werden seit Jahren naturgemäß bewirtschaftet – zertifiziert nach FSC- (Forest Stewardship Council)
und Naturlandstandard.
Ein positiver Effekt des Waldumbaus ist ein verbesserter
Wasserhaushalt. So ist der Wasserhaushalt unter Laubbäumen ausgeglichener als unter Nadelbäumen. Damit trägt
die praktizierte naturgemäße Waldbewirtschaftung in Berlin zur Anpassung an den Klimawandel bei und kommt auch
den Menschen in Berlin zugute. Denn Berlin gewinnt sein
Trinkwasser aus stadtnahen Gebieten, deshalb ist es umso
wichtiger, dass diese Wasserbestände bewahrt werden.

55

Stadtgrün. Berlins Natur erleben

Die Natur in Berlin umgibt die Menschen in der Stadt jeden
Tag auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Straßenbäume verleihen den Stadtteilen ihren eigenen Charakter oder
bilden so prächtige Alleen wie den Kurfürstendamm, die
Puschkinallee oder Unter den Eichen. Öffentliche Grünflächen laden zum Flanieren ein, Kleingärten erzeugen ein urbanes „Landgefühl“, Friedhöfe dienen als Orte der Ruhe,
Erholung und Begegnung. Und all diese Grünflächen tragen
einen wichtigen Teil dazu bei, dass die Artenvielfalt in Berlin
erhalten bleibt und die Menschen die Grünflächen nutzen
und genießen können.
Für 2,2 Mio. Menschen in Berlin liegt die nächste Grünfläche
nur 500 m von der eigenen Wohnung entfernt – und ist damit bequem zu Fuß zu erreichen.
Die öffentlichen Parkanlagen, Friedhöfe, Schulhöfe oder
auch Außenanlagen öffentlicher Gebäude sollen so naturverträglich wie möglich gepflegt werden, um Spielräume für
die Natur zu fördern. Die Pflege und Unterhaltung der öffentlichen Grünflächen steht im Spannungsfeld zwischen
hohen Anforderungen auf der einen und begrenzten Finanzmitteln auf der anderen Seite. Um dies im Hinblick auf
die Erhaltung und die Förderung der Biologischen Vielfalt zu
kompensieren, ist es erforderlich, Modellprojekte zu entwickeln wie
„„ das Projekt der 20 grünen Hauptwege®,
„„ die Stadtbaumkampagne,
„„ die Arbeiten zur Internationalen Gartenausstellung
(IGA) Berlin 2017.

56

Parkanlagen und Naherholungsgebiete werden in Berlin
durch das Berliner Freiraumsystem zu einem stadtplanerischen Konzept verbunden.
„„ Der „Innere Parkring“ vernetzt Grünflächen, Kleingärten und Friedhöfe um die dicht bebaute Innenstadt.
Neue Parkanlagen wie der Mauerpark und der NaturPark Schöneberger Südgelände ergänzen die historischen Anlagen.
„„ Der „Äußere Parkring“ verbindet die vier großen Naherholungsgebiete am Müggelsee, Wannsee, Tegeler See
und auf dem Barnim, die großen wald- und gewässergeprägten Erholungsgebiete Spandauer und Tegeler
Forst, Grunewald und Wannsee, Müggelsee und Müggelberge sowie die Großsiedlungen der 1970er- und
1980er-Jahre.
„„ Der Nord-Süd- und Ost-West-Grünzug bilden das „Grüne Achsenkreuz“, welches sich an der Spree, den Kanälen und Bahnlinien orientiert. In dessen Zentrum befindet sich der Große Tiergarten.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Grünflächen und Wald in Berlin

BERLINER FREIRAUMSYSTEM
INNERER
UND ÄUSSERER
PARKRING
GRÜNES
ACHSENKREUZ

01

04
03

05

VIER GROSSE
NAHERHOLUNGSGEBIETE

06

09
07

02

08

10

11

Zuwachs der Grünflächen 2000–2015 (Gesamt 604 ha*)
01
02
03
04
05
06

Spektegrünzug
85 ha

07

Natur-Park Schöneberger Südgelände
18 ha

Spreebogenpark

Park am Gleisdreieck
31,5 ha

Tempelhofer Feld

08

350 ha

6 ha

Zellengefängnispark
6 ha

Park am Nordbahnhof
5,5 ha

Mauerpark
8 ha

Quelle: Senatsverwaltung

09
10
11

Parkanlage Anhalter Personenbahnhof
4 ha

Landschaftspark Johannisthal/Adlershof
26 ha

Landschaftspark Rudow-Altglienicke
64 ha

* kleinere Anlagen unter 2,5 ha werden hier nicht aufgeführt

57

Unterwegs: 20 grüne Hauptwege®
Um die vielen öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen erleben zu können und auch über die Bezirksgrenzen hinaus
Wohngebiete durch Naherholungsgebiete zu verbinden, hat
Berlin das Projekt 20 grüne Hauptwege® in Kooperation mit
dem BUND Berlin und FUSS Berlin ins Leben gerufen. Das
Projekt wird seit 2004 vorangetrieben. Besonders in der Anfangsphase halfen zudem über 100 Ehrenamtliche mit, die
Wege optimal zu erkunden. Seit 2010 hat der Berliner Wanderverband die Betreuung der Wege übernommen.
Die Wege aneinandergelegt, ergeben die Strecke Berlin Warschau.
Insgesamt laden rund 565 km zum Flanieren durch das
Grün ein und werden auf vielfältige Weise genutzt – und das
weitestgehend frei von Autoverkehr. Und gleichzeitig hat
die Vernetzung der Grünflächen auch noch eine ausgleichende Wirkung auf das Stadtklima.
Die Grundlage der 20 grünen Hauptwege® bildet das Freiraumsystem des Landschaftsprogramms.
Viele Lücken in dem grünen Wegenetz konnten in den letzten Jahren geschossen werden, insbesondere am Spreeweg,
dem Lübarser Weg, dem Nord-Süd-Weg, im Lindenberger
Korridor, dem Kaulsdorfer Weg, dem Havelseenweg, dem
Teltower Dörferweg, dem Teltowkanalweg, auf dem inneren Parkring und dem Tiergartenring.
Mehr Informationen zu den 20 grünen Hauptwegen® finden
Sie auf der Internetseite der Senatsverwaltung:
www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/berlin_move/de/
hauptwege

58

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Schema der 20 grünen Hauptwege®

20 grüne Hauptwege®

Etappen der 20 grünen Hauptwege®

1994

Festlegung von übergeordneten Grünverbindungen
im LaPro
1994

2004

Projekt „Ein Plan für
20 grüne Hauptwege®“

2004

2005

2005

2006

Kooperationsvereinbarung auf
Gegenseitigkeit

2006

Die erste digitale
Wanderkarte

2007

2007

2008

Die erste analoge
Wanderkarte

2008

Flyer „Flanieren
entlang der Stadtspree“

2009

2010 bis 2012

Markierung der Wege
Übernahme der Pflegepatenschaft

2010

2011

2012

2009

Faltblatt
„Grünes Band Berlin“

Quelle: Senatsverwaltung

59

Urbane Wildnis: Wilde Natur für Stadtmenschen
Auf den ersten Blick ist der Begriff „urbane Wildnis“ paradox: Kann man städtische Grünflächen als „wild“ bezeichnen? Braucht Wildnis nicht große zusammenhängende Flächen, natürliche Prozesse, ungestörte Lebensräume und
gerade keine menschlichen Eingriffe durch Infrastruktur
oder Besiedlung? Ist Wildnis in der Stadt nicht eher verwildert? Hier soll urbane Wildnis daher als die Stadtnatur mit
wildlebenden Tieren und Pflanzen im englischsprachigen
Sinn verstanden werden. Flächen, die möglichst sich selbst
überlassen werden, damit sie ihre Eigendynamik entwickeln
können, die der Umweltpädagogik dienen sollen und ausschließlich naturnah angelegt werden. Natur pur.
Das Potenzial für Wildnis in der Stadt ist groß.
Urbane Grünflächen, die sich für Wildnis besonders eignen,
sind Wälder, Flussufer und Auenbereiche, Feuchtgebiete
und andere Relikte der ursprünglichen Naturlandschaft.
Auch auf Stadtbrachen findet immer wieder – manchmal
unbemerkt – spontane Naturentwicklung statt.
Das Projekt „Wild Cities“ der Deutschen Umwelthilfe bringt
Wildnis und Stadt zusammen.
Im Dezember 2012 und Januar 2013 organisierte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) unter der Beteiligung Berliner
Fachleute einen nationalen Workshop mit Expertinnen und
Experten aus deutschen Städten und einen internationalen
Workshop mit Vertreterinnen und Vertretern deutscher und
internationaler Kommunen und Institutionen. Es wurden
konkrete Projekte zu Wildnis in Städten vorgestellt und
über Methoden, Herangehensweisen und Herausforderungen diskutiert. Spandau hat sich als Praxispartner bereit
erklärt, an der weiteren Umsetzung mitzuwirken.
Das Schöneberger Südgelände als Beispiel für urbane Wildnis.
Auf dem Natur-Park Schöneberger Südgelände, ein 18 ha
großes, ehemaliges Güterbahnhofsgelände, das 1952 aufgegeben wurde, zeigt sich in Berlin, wie urbane Wildnis geschützt und der Bevölkerung über kleine Stege und Wege
zugänglich gemacht werden kann. Überwucherte Bahngleise sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. 2000 wurde
das Gebiet für den Besucherverkehr geöffnet und ist seit-

60

dem ein beliebtes Naherholungsgebiet, das von der Grün
Berlin GmbH betreut wird. Große Bereiche des Natur-Parks
entwickeln sich weiterhin natürlich, während andere intensiver gepflegt werden, um ein breites Mosaik an Lebensräumen zu erhalten.
Eigenart und Schönheit treffen auf historische und kulturelle Werte.
Wenn auch nicht mehr ganz so unberührt wie einst, ist das
Schöneberger Südgelände ein faszinierender Ort, der urbane Wildnis erlebbar macht.
HISTORISCHER EINFLUSS
AUF DIE BERLINER STADTWILDNIS
Die politische Situation in Berlin zwischen 1945 und
1989 hatte einen starken Einfluss auf die Naturentwicklung in der Stadt. Viele im Krieg zerstörte Flächen wurden nicht bebaut, sondern für die Zeit nach der Wiedervereinigung von Ost und West und der zu erwartenden
Funktion als Hauptstadt vorgehalten. Die Bahngleise
wurden von den Alliierten der Reichsbahn – die ihren Sitz
in Ostberlin hatte – zugeschlagen, was den Bahnverkehr
in Westberlin stark reduzierte und zu vielen stillgelegten
Gleisanlagen führte. Diese Baulücken und Gleisanlagen
eroberte sich die Natur zurück und entwickelte sie zu urbanen Wildnisflächen mitten in der Stadt. Viele dieser
Flächen sind bereits wieder in Nutzung oder werden derzeit beplant.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Artenschutz durch Nachnutzung: Das Tempelhofer Feld
Das Tempelhofer Feld erzählt einen Teil bewegter und bewegender Berliner Geschichte des 20. Jahrhunderts. Bis
2008 diente das Gelände als Flughafen. 2010 wurde das
Tempelhofer Feld mit einer Größe von ca. 350 ha für die
Bevölkerung geöffnet und schafft seitdem einen gelungenen
Spagat zwischen Erholung und Naturschutz. Durch einen
Volksentscheid im Mai 2014 wurde das Tempelhofer-FeldGesetz erlassen, durch welches die Erhaltung der Fläche als
Naturrefugium, Freizeitstätte und Erholungsgebiet gesichert wird.
Luxus der Weite inmitten der Stadt.
Die riesige Fläche lädt zu vielfältigen Aktivitäten ein: Sport,
Spazieren gehen, Grillen, die Sonne im Gras genießen, Drachen steigen lassen, dem urbanen Gärtnern nachgehen
u. v. m. Das Tempelhofer Feld soll ein Ort der Begegnung
sein. Gleichzeitig wirkt sich die Weite des Wiesenmeeres
mitten in der Stadt positiv auf das Stadtklima und die ansässigen Tiere und Pflanzen aus.
Ein Viertel aller in Berlin vorhandenen Feldlerchen brüten
auf dem Tempelhofer Feld.
Die unversiegelten Flächen des Tempelhofer Feldes als Grünland sind hauptsächlich geprägt durch wertvolle Trockenrasen, Heide- und Grasnelkenbestände oder Glatthaferwiesen.
Die Offenheit der Flächen, die durch den Wind schnell austrocknen, zusammen mit der Pflege durch eine angepasste
Mahd, stellt die Lebensgrundlage für seltene Pflanzen und
Tiere. Mit 195 Revieren war die Feldlerche 2012 die dominierende Vogelart. Ihr Bestand konnte im Vergleich zu den beiden Vorjahren um etwa 20 Prozent zulegen.

BETEILIGUNG ZUM TEMPELHOFER-FELD-GESETZ
Der ehemalige Flughafen Tempelhof und das Tempelhofer Feld besitzen als Ort der wechselvollen Berliner
Geschichte über Deutschland hinaus große Bekanntheit.
Mit dem Volksentscheid 2014 trat das TempelhoferFeld-Gesetz in Kraft. Die im Gesetz verankerten Ziele zur
Erhaltung des Tempelhofer Feldes werden gemeinsam
mit den Bürgerinnen und Bürgern anhand eines Entwicklungs- und Pflegeplans konkretisiert. Auch sollen
Leitlinien und konkrete Maßnahmenkonzepte für das
Feld erarbeitet werden.
Die partizipative Erarbeitung des Entwicklungs- und
Pflegeplans erfolgt seit Herbst 2015 in einem
mehrstufigen Beteiligungsprozess. In Informations- und
Diskussionsrunden, im Online-Dialogforum sowie in
aufbauenden thematischen Werkstätten wurden mehr
als 800 Vorschläge zur Gestaltung und Nutzung des
Tempelhofer Feldes zusammengestellt, weiterentwickelt
und z. T. schon verortet.
Ziel der Beteiligung ist es, den einzigartigen Charakter
des Tempelhofer Feldes, aber auch die Vielfalt und Offenheit der Nutzung durch alle zu wahren und weiterzuentwickeln.
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.tempelhofer-feld.berlin.de

Geschützte Artenvielfalt und Erholung für den Menschen an
einem Ort.
Seltene und gefährdete Arten wie Neuntöter, Feldlerche,
Brachpieper oder Steinschmätzer bewohnen diese Wiesenlandschaft. Auch für Bienen, Wespen, Laufkäfer und Spinnen bieten die Freiflächen mit ihren Biotopstrukturen viele
Nist- und Nahrungsmöglichkeiten. Auf dem Tempelhofer
Feld konnte über ein Drittel der in Berlin vorkommenden
Bienen- und Wespenarten nachgewiesen werden.

61

Internationale Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017
Ein ganz besonderer „grüner Ort“ wird mit der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017 in Berlin geschaffen. Ab April 2017 findet in Marzahn-Hellersdorf die IGA
Berlin 2017 statt. Inmitten einer der größten Plattenbausiedlungen Europas dreht sich dann alles um grüne Stadträume und Kultur. Die IGA Berlin 2017 stellt die Zukunft von
urbanem Grün in den Fokus. Dabei geht es um erneuerbare
Energien, um städtische Naturräume und um visionäre,
aber auch dauerhaft schöne Landschaften.
IGA Berlin 2017: Raus ins Grüne – rein in die Stadt.
Die IGA Berlin 2017 bietet die große Chance, den Gästen vor
Ort die verschiedenen Facetten der Biologischen Vielfalt
nahe zu bringen, zu erläutern und praktische Umsetzungsmöglichkeiten darzustellen. So lässt sich Biologische Vielfalt als ein Motto der IGA Berlin 2017 unter dem Leitthema
„Natur erleben“ anschaulich einbringen. Dabei wird das
Thema nicht isoliert in einer eigenen Ausstellung präsentiert, sondern auf dem ganzen Gelände verteilt und damit in
die gesamte Gartenschau integriert. Den Besucherinnen
und Besuchern soll vermittelt werden, welche Dienstleistungen die Natur den Menschen bringt – sogenannte Ökosystemleistungen – und welcher Beitrag persönlich geleistet
werden kann, um die Biologische Vielfalt zu fördern.
Der Stadtrand und die besondere Bedeutung von „grünen
Räumen“.
Die Vorbereitungen für die IGA Berlin 2017 sind im vollen
Gange. Im November 2014 starteten die Bauarbeiten auf
dem Kienberg und in den angrenzenden Bereichen. Naturund Umweltschutzbelange werden selbstverständlich in der
Bauausführung integriert. Die ökologische Baubegleitung
wirkt am Bauablauf mit und unterstützt sie fachlich, beispielsweise bei der Berücksichtigung des vorsorgenden Biotop- und Artenschutzes. Aktuell werden Schutzvorkehrungen für Lurche und Vögel getroffen. Kartierungen über
Pflanzen und Tiere auf dem zukünftigen Gelände geben
wichtige Erkenntnisse für die Vorbereitung der Ausstellung.

62

WAS IST EINE IGA?
Alle zehn Jahre findet in Deutschland eine Internationale
Gartenausstellung (IGA) statt. Die IGA zeigt aktuelle Gartenkunst und Landschaftsarchitektur aus den verschiedensten Regionen der Welt und hat sich als Impulsgeber
für die städtebauliche, ökologische, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung ihrer Austragungsorte etabliert.
Entscheidend sind neben den örtlichen Gegebenheiten
und der internationalen Ausrichtung der Bewerberstadt
die Originalität und Kreativität des Konzeptes. Themengärten und Blumenhallen sind „Evergreens“ und Publikumsmagneten jeder Internationalen Gartenausstellung. Darüber hinaus ist jede IGA ein Unikat, die mit der
Gestaltung der Flächen, den Themenschwerpunkten und
Zielsetzungen und zahlreichen kulturellen Veranstaltungen individuelle Akzente im internationalen Vergleich setzen möchte.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

63

Stadtbäume: Eine gemeinsame Aufgabe
Nicht nur zur Sommerzeit – Bäume schmücken Berlin 365
Tage im Jahr. Berlins Straßen sind von rund 440.000
Bäumen gesäumt. An jedem Kilometer Stadtstraße stehen
im Durchschnitt 82 Bäume. Sie tragen dazu bei, dass Berlin
als eine der grünsten Großstädte der Welt wahrgenommen
wird. Laubbäume, die Waldkiefer sowie die Türkische Baumhasel stehen in Berlin unter dem Schutz der Baumschutzverordnung, sofern sie einen Stammumfang von 50 bzw. 80
cm aufweisen. Diese Bäume dürfen daher weder beseitigt,
beschädigt noch gefährdet werden. Gefällte Bäume sollen
nachgepflanzt werden. Stadtbäume haben für Berlin ganz
generell einen hohen Wert, auch wenn sie nicht explizit unter Schutz gestellt sind.
Rund 40 Prozent der Straßenbäume in Berlin galten 2010
als geschädigt.
In den vergangenen Jahren mussten allerdings viele der
Berliner Straßenbäume aufgrund von Krankheiten, Überalterung, Schädlingsbefall oder Verletzungen an Rinde und
Wurzelwerk gefällt werden. Insgesamt rund 1.200 Euro werden benötigt, damit ein neuer Berliner Straßenbaum gepflanzt werden kann und die besonders intensive Pflege
erhält, die er in den ersten Jahren benötigt. Der Senat rief
2012 die Kampagne „Stadtbäume für Berlin“ ins Leben. Ihr
Ziel: Bis zu 10.000 neue Stadtbäume für Berlin bis 2017.
Bis zum Herbst 2015 konnten mit Hilfe der Berlinerinnen
und Berliner bereits 5.000 neue Bäume gepflanzt werden.
Die Berlinerinnen und Berliner wurden und werden durch
die Kampagne dazu ermuntert, für das Pflanzen eines
Baumes zu spenden. Sobald 500,- Euro zusammengekommen sind, gibt der Senat den Rest dazu. Spenderinnen und
Spender können „ihren“ Baum durch ein Schild
personalisieren lassen. Vielleicht steht ja schon jetzt einer
dieser Bäume vor Ihrer Haustür – halten Sie Ausschau!
Mehr zur Kampagne finden Sie auf der Internetseite der Senatsverwaltung:
www.berlin.de/stadtbaum

64

BÄUME AUS DER FERNE IN BERLIN:
DER GÖTTERBAUM
Berlin ist nicht nur bei Touristinnen und Touristen ein
beliebtes Reiseziel. Auch bei den Pflanzenarten haben
sich viele – sogenannte Neophyten, also Pflanzen aus
anderen Regionen der Welt – als „blinde Passagiere“ mit
Warentransporten, durch den Gartenbau oder mit dem
Verkehr niedergelassen. Insgesamt wurden über 1.000
Arten in Berlin registriert und 271 davon konnten sich
dauerhaft etablieren.
Ein typischer Neophyt ist der aus China stammende Götterbaum, der als Zierbaum um 1780 eingeführt wurde
und sich vor allem in der Innenstadt ausgebreitet hat.
Gerade als junge Pflanze ist der Baum in Berlin häufig
anzutreffen und mit seinen gefiederten, großen Blattwedeln durchaus dekorativ. Der Götterbaum ist resistent gegen Salz und Trockenheit und toleriert die Luftverschmutzung. Ausgewachsen kann er eine Höhe von
bis zu 30 Metern erreichen und mit seiner Blütenpracht
ein großes Angebot an Nektar bieten.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

STECKBRIEF
EINER CA. 80 – 100 JAHRE ALTEN

BUCHE
KLIMASCHUTZ

WOHNRAUM

Ein Baum produziert im Jahr Sauerstoff für rund 25 Menschen und entlastet an einem Sonnentag die Atmosphäre
um 18 kg CO2.

Bis zu 300 Insektenarten und viele weitere Tiere und Pflanzen können in einem Baum leben. Er ist Herberge für Biologische Vielfalt.

BODENSCHÜTZER

WASSERSPEICHER

Die Wurzeln der Bäume durchlüften den Boden und geben
ihm Halt, gleichzeitig verarbeiten Tiere wie Regenwürmer
oder Springschwänze das Laub der Bäume zu neuem Boden.

An einem Tag verdunstet ein Baum bis zu 400 Liter Wasser, das kühlt ab und wirkt erfrischend. Gleichzeitig speichert ein Baum Niederschlag im Boden und führt ihn durch
die Verdunstung wieder dem Wasserkreislauf zu.

SCHUTZWALL
Das Blattwerk eines Baumes schützt eine Fläche, die 10–
15-mal so groß ist wie der Baum selbst.

STAUBFILTER

WOHLFÜHLKLIMA
Bäume verschönern das Stadtbild, lassen den Jahreszeitenwechsel erleben und können auch mal zu erhöhten Immobilienpreisen führen.

Ein Baum filtert an einem Tag 2 kg Staub aus der Luft.
Quelle: Geändert nach BUND (2014)

Berliner Stadtbäume – Verteilung in Prozent
LINDE 35,4 %

155.315

AHORN 19,9 %

87.253

EICHE 8,8 %

38.514
25.470
21.460

PLATANE 5,8 %
KASTANIE 4,9 %

15.165

BIRKE 3,5 %

12.726

ROBINIE 2,9 %

83.833

SONSTIGE 18,8 %

Quelle: Senatsverwaltung (2013b)

65

Kleingärten und urbanes Gärtnern in Berlin
Kleingärten sind wichtig für das Landschaftsbild Berlins und
Teil des Grünflächensystems der Stadt. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und tragen
somit direkt zur Biologischen Vielfalt Berlins bei. Während
die Kleingärten früher der Nahrungssicherung der Bevölkerung dienten, gelten sie heute vor allem als Erholungsort.
Das bedeutet jedoch nicht, dass gar kein Obst und Gemüse
mehr angebaut wird, ganz im Gegenteil. Dies ist für viele
zur Freizeitbeschäftigung geworden. In Kleingärten wird im
Vergleich zum kommerziellen Gartenbau in der Region das
Vielfache an Obst- und Gemüsesorten gezogen. Aus Sicht
der genetischen Vielfalt ist interessant, dass hier viele alte
Kultursorten erhalten werden, die wirtschaftlich an Bedeutung verloren haben.
In Deutschland trägt jeder Kleingarten mit durchschnittlich
100 kg Gemüse und 70 kg Obst pro Jahr zur Ernährung bei.
Kleingärten oder Mietergärten sind in der Stadt eher der
traditionelle Weg, selbst Gemüse anzubauen. Spätestens
mit den Prinzessinnengärten in Kreuzberg ist in Berlin auch
das urbane Gärtnern bekannt geworden. Der Trend, innerstädtische Brachflächen zu begrünen und zu „beackern“, ist
für viele Berlinerinnen und Berliner ein Ausgleich zu Hektik
und Stress im Alltag. Auch schafft das gemeinsame Anbauen und die Pflege von urbanen oder interkulturellen Gärten
ein ganz neues Gemeinschaftsgefühl. Beim gemeinsamen
Gärtnern können neue Kontakte geknüpft und Interessen
ausgetauscht werden.
Berlin verfügt über 73.030 Kleingärten in 915 Kleingartenanlagen und hat 100 Initiativen des urbanen Gärtnerns.
Mitten in der Stadt und selbstorganisiert wird auf ehemaligen Brachen selbst Gemüse angepflanzt. Verkehrsinseln,
Mittelstreifen und nicht versiegeltes Erdreich rund um
Stadtbäume werden eigenständig begrünt, verlassene Industriegrundstücke zu Nutzgärten umfunktioniert und in
Kisten oder alten Autoreifen Beete angelegt.

66

Der Nutzen von Kleingärten und der verschiedenen Formen
von städtischem Gärtnern ist dabei so vielfältig wie die Gärten selbst:
„„ Sie sind Orte, an denen Natur erlebt werden kann.
„„ Sie reichern das Landschaftsbild durch Biotope und Erholungsorte an.
„„ Sie sind Gestaltungselement einer sich entwickelnden
Stadt.
„„ Sie ermöglichen die regionale Erzeugung von Lebensmitteln.
„„ Sie sind ökologischer Ausgleichsraum für Klima, Boden,
Wasser und Luft.
„„ Sie fördern die Kompostwirtschaft.
„„ Sie erbringen Ökosystemleistungen.
„„ Sie dienen als Experimentierfeld.

OBSTANBAU IM KLEINGARTEN
Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer kennen sie
wohl alle: Schädlinge! Die mühsam gezogenen Früchte
können nicht geerntet werden, da sie von Pflanzenschädlingen befallen oder gefressen wurden. Durch den
Aufbau eines ausgewogenen, vielfältigen Gartens kann
man dem vorbeugend entgegenwirken. Und auch für
akute Gegenmaßnahmen stehen eine Reihe umweltfreundlicher Methoden zur Verfügung.
Alles über den erfolgreichen Obstanbau im Garten, von
der Pflanzung über die Pflege hin zu Pflanzenschutzmaßnahmen, finden Sie in der Broschüre auf der Internetseite der Senatsverwaltung:
www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/obst/

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

67

Umweltbildung.
Für einen bewussten Umgang mit der Natur
Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur und mit
Ressourcen wird immer wichtiger. Eine Orientierung am
Leitbild der nachhaltigen Entwicklung ist dabei zwingend
notwendig. Es geht nicht nur um Ökologie, sondern um das
Zusammenwirken der ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimension des Handelns, sowohl auf individueller
Ebene eines jeden Einzelnen als auch auf gesellschaftlicher
und wirtschaftlicher Ebene von Unternehmen und Regierungen. Berlin sieht sich in der Verantwortung, Menschen
Umweltbildung zu ermöglichen und näherzubringen und
dabei einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen.
Umweltbildung schafft einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Ressourcen.
Es geht um die Schärfung des Bewusstseins aller Altersklassen für die Umwelt. So wird die Natur gemeinsam geschützt
und es kann gleichzeitig von ihr profitiert werden. Umweltbildung leistet vielfältige Beiträge und findet nicht nur in
der Schule statt. Sie hilft z. B. beim Umgang mit dem demografischen Wandel oder der Integration von Berlinerinnen
und Berlinern mit Migrationshintergrund, sie unterstützt
den Trend des Selbermachens und schafft ein Verständnis
für eine ausgewogene, urbane Natur. Umweltbildung hat
einen hohen Stellenwert auch aus Sicht des interkulturellen
Austausches.
Umweltbildung leistet vielfältige Beiträge für Groß und
Klein.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene können durch ein umfassendes Angebot in Berlin Natur erfahren und vom Stadttrubel „einfach mal abschalten“. Rund 1.600 Grundschulklassen der insgesamt 6.000 besuchen jährlich eine
Veranstaltung der Umweltbildungseinrichtungen. Diese
Zahl zeigt das Potenzial in Berlin und soll weiter ausgebaut
werden.

68

Grüne Lernorte: Netzwerk Umweltbildung Berlin
Kinder, Jugendliche und Erwachsene können in Waldflächen, Grün- und Parkanlagen und an einem weitläufigen
Wassernetz die vielfältige Stadtnatur Berlins erleben. Das
Netzwerk Umweltbildung Berlin hilft dabei, der Natur auf
die Spur zu kommen. Da gibt es unter anderem ein Bauernhofensemble in Malchow, den großzügig gestalteten Britzer
Garten, ein altes Wasserwerk am Teufelssee oder rustikale
Blockhütten in Spandau und Zehlendorf.
Das Netzwerk Umweltbildung Berlin macht durch Bildungsund Erlebnisprogramme Natur erlebbar.
Das Netzwerk bietet nicht nur ein umfassendes Bildungsund Erlebnisprogramm, sondern ist auch engagiert in der
Landschafts- und Waldpflege, im Quartiersmanagement,
im Naturschutz und im Vermitteln bewussten Umgangs mit
den natürlichen Ressourcen.
Jedes Jahr nutzen weit über 100.000 Menschen die vielfältigen Programme.
Die dezentral gelegenen Einrichtungen des Netzwerkes Umweltbildung Berlin sind gut erreichbar. Verteilt über den gesamten Stadtraum, bieten sie Naturerlebnisse und Umweltbildung. Die Arbeit all dieser Einrichtungen dient dem Ziel,
Stadt und Natur miteinander zu verbinden, der gestaltenden Kraft von Flora und Fauna in urbanen Bereichen mehr
Raum zu geben und vielfältige Erlebnisräume zu schaffen.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Grüne Lernorte des Netzwerks Umweltbildung Berlin

	

	

WALDSCHULEN

NATURSCHUTZSTATIONEN

1	 WALDMUSEUM MIT WALDSCHULE GRUNEWALD

8	 NATURSCHUTZ BERLIN-MALCHOW

2 	 WALDSCHULE BOGENSEE

9	 FREILANDLABOR MARZAHN

3	 WALDSCHULE BUCHER FORST

10	 FREILANDLABOR BRITZ

4	 WALDSCHULE TEUFELSSEE

11	 NATURSCHUTZZENTRUM ÖKOWERK BERLIN

5	 WALDSCHULE PLÄNTERWALD

2

6	 WALDSCHULE ZEHLENDORF
3

7	 WALDSCHULE SPANDAU

7

11

8

9
1
5

10

4

6

ENTWICKLUNG DER TEILNEHMERZAHLEN
120.000
AUSSTELLUNGSBESUCHER

100.000

VERANSTALTUNGEN
(GEZÄHLT)

80.000
60.000

GROSSVERANSTALTUNGEN
(GESCHÄTZT)

40.000

FORT- UND AUSBILDUNG

20.000

KITAS, SCHULEN UND
ALTERSGEMISCHTE
GRUPPEN

0

2005

2006

2007

2008

2010

2014

Quelle: Senatsverwaltung

69

Waldschulen. Mehr als Lernen.

Waldspielplätze ermöglichen spielend Naturerfahrung.

Auch wenn es im Namen steht – mit herkömmlicher Schule
haben sie wenig zu tun: Die Waldschulen in Berlin dienen als
grüne Orte des Lernens, die vor allem Schülerinnen und
Schülern aus Grundschulen die Möglichkeit geben, ohne die
Enge des Klassenzimmers ihren Wald kennen und schätzen
zu lernen. Der Wald spricht alle Sinne an. So werden Emotionen und Herz, Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Tasten
ganz anders als im Stadttrubel erfahrbar.

Waldspielplätze stellen zusätzlich eine Gelegenheit dar, um
die Kreativität anzuregen und Spaß im Freien zu haben.
Berlin stellt zurzeit zwölf Waldspielplätze zur Verfügung
und kümmert sich um ihre Pflege. Durch die Holzbauweise
laden sie zum Spielen, Toben, Klettern und Verweilen ein.
Die vorhandenen Spielgeräte sind auf die Bedürfnisse von
Kindern abgestimmt und bieten ein schönes Ausflugsziel
für Familien, die dem Stadtlärm entfliehen und die Natur
genießen wollen. Zum Beispiel hält der Waldspielplatz
„Däumlingsweg“ in Köpenick eine Kletter- und Schaukelkombination, eine Wippe, ein Waldxylophon und verschiedene kleinere Attraktionen bereit. Hier können Kinder unterschiedlicher Altersgruppen mitten in der Natur neue
Entdeckungen machen.

Als Ergänzung zum normalen Schulalltag vermitteln die
Waldschulen auf anschaulichem Wege und mit waldpädagogischen Ansätzen Wissen, das es im Klassenzimmer nur
in der Theorie gibt. Ganz bewusst können Pflanzen und Tiere erlebt, unterschiedliche Witterungsbedingungen, Jahreszeiten, Naturgeräusche oder Stille erfahren werden. Diese
Erkenntnisse sollen die Basis für ein positives umweltbezogenes und soziales Verhalten bilden. Die Waldschulen können also auch als eine Art Lebensschule für Heranwachsende verstanden werden.
30.000 Kinder und Erwachsene besuchen jährlich Berlins
Waldschulen.
In Berlin sorgen sieben Waldschulen, das Lehrkabinett der
Berliner Forsten, die Rucksack-Waldschulen „Eichhörnchen“
und „Mistkäfer“ und verschiedene Kooperationspartner für
ein abwechslungsreiches, spannendes und zielgruppenspezifisches Angebot. Dabei wird das Ziel verfolgt, jedem Berliner Großstadtkind im Laufe seiner Grundschulzeit einen
Besuch im Lebensraum Wald zu ermöglichen. Dieses Ziel ist
noch nicht erreicht, aber der Weg ist der richtige: Jedes Jahr
nehmen rund 30.000 Kinder und Erwachsene das umfangreiche Angebot der Waldschulen wahr.
GRÜNE LERNORTE
In Berlin gibt es noch viel mehr „Grüne Lernorte“ mit
ähnlichen Zielen und Grundsätzen, die in der Verantwortung anderer Träger sind. Alle diese Einrichtungen verknüpfen schulische, außerschulische und familiäre Umweltbildung. Eine Gesamtübersicht liefert die
Internetseite der Stiftung Naturschutz Berlin „Grüne
Lernorte in Berlin“.

70

Eine Übersicht der Waldspielplätze Berlins finden Sie auf der
Internetseite der Senatsverwaltung:
www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten/freizeit/waldspielplaetze

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Kinder im Zentrum der Berliner Aufmerksamkeit:
Naturerfahrungsräume

NATURERFAHRUNGSRÄUME IN GROSSSTÄDTEN
AM BEISPIEL BERLIN

Vor allem in den Großstädten sind oft nur noch wenige
Möglichkeiten gegeben, um als Kind draußen in der Natur
ohne Beobachtung, ohne viele Regeln oder das Eingreifen
der Erwachsenen zu spielen. Um dem entgegenzuwirken,
wurde in den 1990er-Jahren das Konzept der Naturerfahrungsräume entwickelt. Diese bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich ohne Geräte frei zu entfalten und
dafür die natürliche Umgebung, beispielsweise Hügel, Sand,
Wasser, Bäume und Stöcker, kreativ in ihr Spiel mit einzubeziehen.

Das Projekt wird durch das Bundesamt für Naturschutz
mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie der Senatsverwaltung und des Bezirks Pankow gefördert. Im Rahmen
des Projektes werden drei Pilot-Naturerfahrungsräume
in Marzahn, Spandau und Pankow eingerichtet, betrieben und wissenschaftlich begleitet. Es geht darum, beispielhaft für andere Städte und Kommunen aufzuzeigen, wie man solche Freiräume einrichtet, unterhält
und vor allem, wie man Kindern wieder dazu verhelfen
kann, sich draußen freier – auch freier von den Ängsten
der Eltern – zu entwickeln. Naturerfahrungsräume sind
im Berliner Naturschutzgesetz verankert und gelten im
Sinne der Verkehrssicherungspflicht nicht als Kinderspielplätze.

71

Freiwillige Arbeit für die Natur

Natürlich engagiert mit der Umwelt als Perspektive.

Was mache ich nach der Schule? Diese Frage stellen sich
wohl alle Schülerinnen und Schüler, wenn sie auf ihren
Schulabschluss zugehen. Das Freiwillige Ökologische Jahr
(FÖJ) bietet hierfür jungen Menschen eine Möglichkeit, sich
nach Ende der Schulzeit auf das Berufsleben vorzubereiten.
Die Arbeit kann sowohl als berufliche Orientierung als auch
zur Vermittlung von wichtigen Fähigkeiten dienen, die im
Job relevant sein werden, beispielsweise Verantwortungsbewusstsein, Problemlösungsfähigkeit und Selbstbewusstsein.

Beim ÖBFD liegt das Mindestalter für Bewerbungen bei 27,
damit richtet er sich vorwiegend an Menschen, die nach einem Studium den Einstieg in ihre Berufsfelder suchen, eine
Praxisphase zwischen Bachelor und Master einlegen möchten
oder sich beruflich umorientieren bzw. mal eine Auszeit vom
Berufsalltag planen. Natürlich sind auch Menschen im Ruhestand, die sich noch aktiv im Natur- und Umweltschutz einbringen wollen, mögliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Ehrenamt – Gelebte Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Seit Anfang der 1990er-Jahre bietet das Programm des FÖJ
die Gelegenheit, ein Jahr freiwillig im Natur-, Umwelt- oder
Landschaftsschutz zu arbeiten und spannende Erfahrungen
zu sammeln. Heute können rund 300 Menschen pro Jahr an
einem FÖJ in Berlin teilnehmen. Sie pflegen die Grünflächen
Berlins, bauen Nistgelegenheiten, gestalten pädagogische
Waldschultage, erstellen Broschüren für die Öffentlichkeitsarbeit, bearbeiten Proben im Labor und vieles mehr. Dadurch sind die Freiwilligen in Berlin maßgeblich an der Erhaltung der grünen Stadt Berlin beteiligt.

In Berlin sind drei Träger für die Durchführung des FÖJ verantwortlich, auf deren Internetseiten Sie alle Informationen
zum FÖJ finden:
„„ die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB):
www.stiftung-naturschutz.de
„„ die Vereinigung Junger Freiwilliger (VJF): www.vjf.de
„„ das Jugendwerk Aufbau Ost (JAO): www.jao-berlin.de
Und auch der Ökologische Bundesfreiwilligendienst (ÖBFD),
als Ersatz des im Zuge des Erlöschens der Wehrpflicht weggefallenen Zivildienstes, erfreut sich in Berlin des Zuspruchs
und ergänzt damit das FÖJ.

72

Die Stiftung Naturschutz Berlin ist Anlaufstelle für mögliche
Einsatzstellen bzw. Bewerberinnen und Bewerber. Praktischer Naturschutz, Öko-Landwirtschaft oder Umweltbildung – es gibt viele Bereiche, in denen sich Freiwillige in
Berlin engagieren können.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Freiwilliges Ökologisches Jahr in Berlin

DIE SECHS TÄTIGKEITSFELDER

UMWELTPÄDAGOGIK

UMWELTINFORMATION
UND -BERATUNG

LANDSCHAFTS- UND
BIOTOP-PFLEGE

UMWELTVERWALTUNG
UND RECHERCHE

TIERPFLEGE UND
ÖKOLOGISCHER
LANDBAU

ENTWICKLUNG DER TEILNEHMERPLÄTZE SEIT BEGINN DES FÖJ

157
80

182

250

229

192

250

ANALYTIK

300

287

113

30
1993/94

1995/96

1997/98

1999/2000

2001/02

2003/04

2005/06

2007/08

2009/10

2011/12

2013/14

ANZAHL DER TEILNEHMENDEN NACH TRÄGERN IN DEN PROJEKTJAHREN 2012/2013
170

STIFTUNG NATURSCHUTZ BERLIN
65

JUGENDWERK AUFBAU OST

65

VEREINIGUNG JUNGER FREIWILLIGER

GELEISTETE EINSATZSTUNDEN IN DEN PROJEKTJAHREN 2000–2012
2011/12

453.667,9 h

2007/08

306.218,8 h
395.116,3 h

2003/04
2000/01

239.225,0 h

FREIWILLIGE SEIT BEGINN DES FÖJ (KUMULIERTE ZAHLEN)
170
30

1995/96

1993/94

377

1997/98

691

1999/2000

1.405
1.031

2001/02

2003/04

2.338
1.843

2005/06

2007/08

3.375
2.838

2009/10

2011/12

3.975

2013/14

Quelle: Senatsverwaltung (2014b)

73

Unbekanntes entdecken: Langer Tag der StadtNatur

Alles im Blick: Der Umweltkalender Berlin

Der Lange Tag der StadtNatur geht 2016 in die zehnte Runde und wird wieder, wie in den Jahren zuvor, zahlreiche naturbegeisterte Besucherinnen und Besucher anlocken.

Projekte für die Natur, in der Natur und rund um das Thema
Natur hat Berlin eine ganze Reihe. Ob Vogelwanderung, Fotoworkshop, Wildnistraining oder Energieberatung – in Berlin gibt es mehrere hundert Akteure, die spannende Veranstaltungen rund um die Themen Umwelt und Natur
anbieten. Doch wie soll man sich im „Dschungel“ der Veranstaltungen zurechtfinden?

26 Stunden – 1 Ticket – 500 Veranstaltungen – 150 Orte in
Berlin.
Das Event wird seit 2007 maßgeblich von der Stiftung Naturschutz Berlin durchgeführt und konnte sich binnen zwei
Jahren zu einer festen Größe im Berliner Veranstaltungskalender entwickeln. Weil das Projekt praktische Umweltbildung leistet und die öffentliche Wahrnehmung für den Umwelt- und Naturschutz in der Stadt stärkt, unterstützt die
Senatsverwaltung dieses Vorhaben auch finanziell.
Jährlich kommen über 20.000 Gäste zum Langen Tag der
StadtNatur.
Der Lange Tag zeigt Berlin von einer ganz anderen Seite, als
viele es aus dem Alltag kennen. Die Gäste können unbekannte Orte erkunden, bekommen den Blick auf Verborgenes und die Möglichkeit, die Schönheit der Biologischen
Vielfalt in der Stadt zu bewundern. Mitmachaktionen und
nicht alltägliche Führungen machen das Erleben von Flora
und Fauna in Berlin zu einem einzigartigen Ereignis. Darüber hinaus gibt der Tag aktiven Vereinen, Bürgerinitiativen
und Fachgruppen eine Plattform, um ihre Aktivitäten darzustellen und die Besucherinnen und Besucher für ihre Arbeit zu begeistern.
Freiwilliges Engagement macht es möglich.
Alle Akteure sind im Langen Tag der StadtNatur ehrenamtlich eingebunden. Ohne diese freiwillige, unentgeltliche Arbeit würde diese Veranstaltung nicht realisierbar sein.
Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite des
Langen Tags der StadtNatur:
www.langertagderstadtnatur.de

74

Dafür gibt es seit 2010 eine Lösung: den Umweltkalender.
Der Umweltkalender ist Bindeglied zwischen Akteuren und
interessierter Öffentlichkeit. Er wurde in Zusammenarbeit
mit der Stiftung Naturschutz Berlin ins Leben gerufen.
Grundsätzlich können alle Berliner Anbieter, zum Beispiel
Vereine, Verbände, Behörden, Firmen sowie Privatpersonen,
ihre Veranstaltungen mit Umwelt- und Naturthemen im
Umweltkalender eintragen. Gebündelt werden sie so auf einer Webseite übersichtlich und rund um die Uhr der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Mehr Information finden Sie auf der Internetseite des Umweltkalenders:
www.umweltkalender-berlin.de

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Gemeinsame Verantwortung. Jeder kann helfen

Tausende Tier- und Pflanzenarten finden sich im urbanen
Leben in Berlin. Diese Biologische Vielfalt sollte gewahrt und
kontinuierlich verbessert werden. Dieser Aufgabe kann die
öffentliche Hand allerdings nicht alleine gerecht werden –
auch die Bewohnerinnen und Bewohner Berlins sowie angesiedelte Unternehmen und Forschungsinstitutionen haben
vielfältige Möglichkeiten, zum Schutz der Biologischen Vielfalt beizutragen.

Um diese Einschätzung mit der Lebenswirklichkeit zu verknüpfen, stellt sich die Frage: Was kann jeder Einzelne für
Natur und Biologische Vielfalt tun? Die Antworten sind im
Kern einfach, fast banal:
„„ „Raus gehen“ ins Grüne mit Kindern und Freunden und
sich Zeit nehmen, die Natur wirken zu lassen. Naturerfahrungen lassen sich auch in Verbindung mit der „Wiederentdeckung der Arbeitsfreude“ im Freien und in der
Gemeinschaft erleben.
„„ Rücksicht nehmen auf geschützte Landschaftsräume
oder geschützte Lebewesen und bei Naturschutzvorhaben selbst aktiv werden. Oder die aktive Beteiligung bei
Stadtentwicklungsvorhaben auch als Mitwirkung bei
Ideen und der Wissensbeschaffung im Sinne der Citizen
Science.
„„ Die Natur bei der Sanierung, dem Ausbau oder der Renovierung von Gebäuden beachten und beim Anlegen,
Umgestalten und Pflegen von Gärten oder Freiflächen
auf heimische und auch wild lebende Arten achten, wie
durch das Verzichten auf Herbizide, Auftausalze oder
Torf. Und dabei die Lebensräume für wild lebende Arten
im privaten oder im beruflichen Umfeld gestalten.
„„ Den eigenen Lebensstil – wie Kleidung, Kosmetik oder
auch Lebensmitteleinkäufe – an der Natur ausrichten
und z. B. regionales Obst und Gemüse bevorzugen, am
besten auch saisonales, auch in öffentlichen Einrichtungen oder Unternehmen.

75

Tiere als Nachbarn – Biotope an Gebäuden

Türme

Turmfalke, Dohle, Eule ...

Dachstühle

Schleiereule, Fledermaus, Steinmarder, Taube,
Wespen, Hornissen, Käfer ...

Außenwände

Mauersegler, Schwalben, solitäre Bienen, Fledermäuse, Mauerfarne, Zimbelkraut, Moose, Flechten ...

Fassaden

Efeu, Wilder Wein, Blauregen ...
Feldsperling, Spinnen, Zaunkönig ...

Keller

Fledermäuse, Erdkröte, Laufkäfer, Spinnen, Asseln ...

Quelle: Senatsverwaltung

76

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Bürgerschaftliche Verantwortung
Menschen schützen Tiere: Artenschutz an Gebäuden
Die Menschen in Berlin teilen sich nicht nur die Stadt insgesamt mit zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, sondern
auch ihr eigenes Zuhause, den Balkon oder den Garten. Je
mehr neue Gebäude gebaut, Flächen versiegelt und Gebäude saniert werden, desto wichtiger ist es, Lebensraum für
die Tier- und Pflanzenwelt zu erhalten oder zu schaffen.
Denn häufig nisten Tiere in kleinen Nischen, in Schornsteinen oder Dachüberständen direkt an oder in den Häusern.
Als Kulturfolger haben sich Tierarten die Stadt als Lebensraum erobert.
Städtische Gebäude sind für Vögel- und Fledermausarten
nichts anderes als eine „Felslandschaft“ mit Spalten, Simsen, Ritzen und Höhlungen. Beim Abriss, Bau oder der Renovierung eines Gebäudes gerät das allerdings oft in Vergessenheit. So verlieren immer mehr dieser „Untermieter“ aus
dem Tierreich ihre Quartiere. Anfang des Jahrhunderts brüteten 83 Prozent der 126 Brutpaare der Dohle an Gebäuden
und nur 17 Prozent an Bäumen (Scharon/Otto 2014).

Mehr Informationen zum Artenschutz an Gebäuden finden
Sie auf der Internetseite der Senatsverwaltung:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/artenschutz/download/freiland/tiere_als_nachbarn.pdf
www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/artenschutz/de/freiland/artenschutz_an_gebaeuden.shtml

ARTENSCHUTZ AN GEBÄUDEN
Beim Abriss, Bau oder der Renovierung eines Gebäudes
sollte auf gebäudebewohnende Tiere geachtet werden.
Fortpflanzungs- oder Ruhestätten von Vögeln oder Fledermäusen dürfen nicht entfernt bzw. verschlossen werden, wenn sie von ihren Bewohnern genutzt werden.
Es empfiehlt sich, eine Expertin bzw. einen Experten zu
Rate zu ziehen, um Nester ausfindig zu machen und das
Verfahren einer Baumaßnahme frühzeitig zu besprechen.

Selbst die Dohle gerät in Wohnungsnot. Der Bestand sank
von 2000/01 bis 2011/12 um ca. 65 Prozent auf nur noch 43
Brutpaare.
Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an älteren oder beschädigten Gebäuden in Verbindung mit den heute üblichen
Bautechniken und Wärmeschutzmaßnahmen, dem Ausbau
von Dachböden zu z. B. hochwertigem Wohnraum führen
dazu, dass an den meisten Gebäuden die Unterschlupfmöglichkeiten für die Tiere – auch in Form von Fassadenbegrünungen – beseitigt werden.
Schon in der Planung von Bau- oder Sanierungsvorhaben
den Artenschutz mit einbeziehen.
Überlegungen zum Artenschutz sollten schon frühzeitig in
die Planung von Renovierungs-, Dämmungs-, Umbau- oder
Neubauvorhaben einbezogen werden. So können einfach
und kreativ Maßnahmen zum Schutz für Vogel- und Fledermausarten oder andere integriert werden. Dies gilt gerade
für die Arten, die wie der Mauersegler gar keine Chancen
haben, anderswo als am Gebäude ihre Nester zu bauen.

77

Glas und Licht als besondere Gefahrenquelle
Gebäude dienen Vögeln nicht nur als Lebensraum, sie könne auch eine große Gefahrenquelle darstellen. Glas und
Licht sind zwei typisch städtische Faktoren, die sich erheblich auf die Biologische Vielfalt auswirken können.
Glas ist der menschlich bedingte Faktor, der die meisten Vögel tötet – mehr als Straßenverkehr oder Jagd.
Vogelaugen unterscheiden sich stark von denen des Menschen. Vögel können zum Teil einen Winkel von über 180
Grad pro Auge abdecken, was ihnen einen Rundumblick
ermöglicht. Allerdings wird dadurch auch ihre räumliche
Wahrnehmung eingeschränkt, was einen entscheidenden
Nachteil beim Erkennen von Gefahren birgt. Eine besondere
Schwierigkeit stellen Glas und Licht dar.
„„ Transparenz: Vögel erkennen häufig nicht, dass sich
eine Glasscheibe zwischen ihnen und ihrem angepeilten
Ziel befindet.
„„ Reflektionen: Ein weiterer Grund für Anflüge ist, dass
sich Bäume oder andere für sie interessante Ziele im
Glas spiegeln. Vögel können nicht immer zwischen
Spiegelung und realer Landschaft unterscheiden.
„„ Lichtquellen: Zugvögel werden nachts von Licht angezogen und werden dadurch desorientiert und von ihrem
Kurs abgebracht. Dies geschieht vor allem bei herausragenden oder alleinstehenden Gebäuden und Skybeamern.

Um die Zahl der verunfallten Vögel vorausschauend zu senken, gibt es eine ganze Reihe praktischer und technischer
Möglichkeiten. Dazu gehören unter anderem Markierungen
auf verglasten Flächen und die Vermeidung unnötiger Lichtquellen, besonders über Nacht.
Greifvogelsilhouetten sind wirkungslos. Vögel sehen in dem
Aufkleber ein Hindernis und fliegen wenige Zentimeter daneben gegen das Glas.
Lichtquellen sind besonders für in der Dämmerung und
nachts fliegende Insekten eine Gefahrenquelle. Durch das
städtische Licht können viele Insekten aus nahe gelegenen

78

Grünflächen oder von Gewässern angezogen werden. Sie
umkreisen dann solange das Licht, bis sie sterben. Mit
Lichtquellen im Berliner Grün muss daher sorgsam umgegangen werden.
Weitere Informationen erhalten Sie auf der Internetseite
der Senatsverwaltung:
www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/naturschutz/artenschutz/de/freiland/vogelschutz_glas_und_
licht.shtml

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

79

Bürgerwissenschaft zur Biologischen Vielfalt

THEMATISCHER FOKUS ...
... der Projekte von „Bürger schaffen Wissen“
2 3
4

1. Biologische Vielfalt

51 %

2. Verteiltes Rechnen

4%

Botanisch
Zoologisch

3. Partizipative
5

1

... der Projekte zur Biologischen Vielfalt

6

Sonstiges

Gesundheitsforschung 6 %

4. Kunst, Kultur & Bildung

10 %

5. Geschichtswissenschaft

12 %

6. Umwelt-Monitoring

International
National
Regional/Lokal

17 %

Quelle: buergerschaffenwissen.de

SICHTUNGEN: IGEL UND WILDSCHWEINE
Berlin – Stand 2014
Wildschweinsichtungen

Igelsichtungen

Quelle: portal-beee.de

ANZAHL DER IGELMELDUNGEN
April bis September 2015 – Werte kumuliert

4

April
Quelle: portal-beee.de

80

21
Mai

39
Juni

56
Juli

63

August

68

September

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Wissen schaffen: Citizen Science in Berlin
Natur- und Artenschutz ist auch von der Beteiligung der
Menschen abhängig. Die Bürgerwissenschaft – auch Citizen
Science genannt – erlebt in Deutschland seit einiger Zeit einen regelrechten Boom. Interessierte und aktive Bürgerinnen und Bürger können sich ehrenamtlich in Wissenschaftsprojekten engagieren und der Forschung oder bei
der Sammlung und Auswertung von wissenschaftlichen Daten helfen.
Aktive Beteiligung an und Mitgestaltung von Forschungsprozessen.
Dabei wird der Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gefördert und verbessert, vor allem aber können
Berlinerinnen und Berliner ihr Wissen in die Forschungsarbeit einbringen, ihre eigene Neugier stillen und sich selbst
fortbilden. Auf der Online-Plattform „Bürger schaffen Wissen“ hat über die Hälfte der 51 aufgeführten Projekte einen
Fokus auf Biologische Vielfalt. Die meisten Projekte setzen
einen thematischen Schwerpunkt auf die zoologische Vielfalt und haben einen regionalen bzw. lokalen Bezug.
Über die Hälfte der Forschungsprojekte bezieht sich auf Biologische Vielfalt.

TAGFALTER-MONITORING
Das methodische und regelmäßige Zählen von tagaktiven Schmetterlingen (Tagfalter-Monitoring) hat in Europa Tradition. Bereits seit 1976 wird in Großbritannien
eine Falterzählung durchgeführt. Seit 2005 werden auch
in Deutschland jedes Jahr in der Zeit von April bis September Tagfalter erfasst.
Das Besondere daran ist, dass die Zählungen von Bürgerinnen und Bürgern in ihrer Freizeit durchgeführt und
die Daten wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.
In Berlin sind einige Zählerinnen und Zähler für das Tagfalter-Monitoring unterwegs und haben im Jahr 2014
zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen aus Brandenburg 27.010 Falter gezählt, die zu 127 unterschiedlichen Arten gehören. Die Zahlen sind erfreulich und halten sich seit 2009 stabil. Es zeigt sich, dass in Brandenburg
in Sachen Tagfalter-Zählen mehr Freiwillige aktiv sind.
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.tagfalter-monitoring.de

Auch in Berlin sind die Forschungsprojekte zur Biologischen
Vielfalt vielfältig: Es gibt Beobachtungen von Wildschweinen, Igeln, Mücken und Füchsen oder man kann sich am
Tagfalter-Monitoring beteiligen. Über Online-Portale können die Sichtungen von Wildschweinen, Schmetterlingen,
Igeln oder Füchsen den Forschern gemeldet werden.

81

Unternehmerische Verantwortung
Unternehmen tragen durch ihr Handeln eine Mitverantwortung für die Umwelt und Gesellschaft, in der sie tätig sind,
und damit auch für die Erhaltung der Biologischen Vielfalt.
Ohne funktionierende Ökosysteme kann keine Branche arbeiten.
Die Übernahme von Verantwortung zahlt sich für die Unternehmen aus:
„„ Kosteneinsparpotenziale können genutzt werden.
„„ Absatzmärkte lassen sich erschließen oder sichern.
„„ Unternehmenskultur und Innovation werden gefördert.

Beiträge, die Berliner Unternehmen bei der Erhaltung der
Biologischen Vielfalt leisten können, sind vielseitig: So können auf betriebseigenen Geländen und Gebäuden Maßnahmen getroffen werden, um die Artenvielfalt zu sichern. Unternehmen können Projekte zur Erforschung und Erhaltung
von Biologischer Vielfalt fördern oder sich selbst nach Umweltstandards zertifizieren lassen. Und auch auf globaler
Ebene lässt sich Verantwortung durch gezielte Investitionen, Berücksichtigung von Umweltstandards oder bei der
Beschaffung übernehmen.
Berlin unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung von
Maßnahmen zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt mit
umfangreichen Vorschlägen zum Handeln und kann dabei
auf erste Erfolgsgeschichten blicken. Die Stiftung Naturschutz Berlin zeichnet mit dem jährlichen Berliner Naturschutzpreis auch Berliner Unternehmen aus, die sich in besonderem Maße für den Umwelt- und Naturschutz
einsetzen.
Mehr Informationen erhalten Sie in der Broschüre „Berliner
Unternehmen fördern Biologische Vielfalt“ der Senatsverwaltung.

82

UNTERNEHMEN: QUARTIERE FÜR TIERE.
Die Stadt ist für viele Tiere Ersatz-Lebensraum geworden und bietet vielseitige Möglichkeiten für Nist- oder
Überwinterungsplätze. Etliche, vor allem kleine und unscheinbare Tiere benötigen entsprechende Quartiere,
die in der Stadt aber manchmal schwer zu finden sind.
Neben Fassadenbegrünung und Dachvegetation – die
nicht nur Tier- und Pflanzenarten als Zuhause dienen,
sondern ganz nebenbei noch eine reduzierte Aufheizung
der Gebäude bewirken – können durch wenig aufwändige Maßnahmen neue Lebensräume geschaffen werden.
Anhäufungen von Holzstücken und Steinen oder Laubhaufen, Baumstämme oder sogenannte „Insektenhotels“ schaffen auf einfache Weise Lebensräume für
nützliche und ansprechende Vögel, Fledermäuse, Eidechsen, Insekten oder Käfer.
Auch eine Langgraswiese, ein Gemüsegarten für die Betriebskantine oder ein Teich auf dem Unternehmensgelände werten die Lebensraumqualität für Flora und Fauna und für die Belegschaft auf.

Naturbarometer Berlin 2015 | 3. Die Umsetzung

Staatliche Verantwortung
Die öffentliche Hand hat mit ihrem großen Beschaffungsvolumen die Möglichkeit, mit ihrer Einkaufspolitik die Nachfrage für nachhaltigere Produkte und Dienstleistungen zu
erhöhen, z. B. durch Kaufentscheidungen für Güter und
Dienstleistungen, die innovativ, ressourcenschonend und
sozial verträglich hergestellt wurden. Berlin kann und muss
daher eine Vorbildfunktion in ihrer Beschaffungspraxis
übernehmen, die auch den Kriterien des Natur- und Artenschutzes entspricht. So werden Steuergelder verantwortungsbewusst eingesetzt und die Biologische Vielfalt auch
über die Grenzen des Landes Berlin hinaus gefördert.
Was Berlin von seinen Einwohnerinnen und Einwohnern sowie auch von den Unternehmen verlangt, gilt selbstverständlich auch als Maßstab für die öffentliche Hand.
Um die Dringlichkeit des Schutzes der Biologischen Vielfalt
weiter zu untermauern, wird es nicht ausreichen, Informationen zu geben, Schutzgebiete auszuweisen und einzelne
Projekte zu starten. Gesetzliche Regelungen und Selbstverpflichtungen müssen künftig die Ziele zum Schutz und zur
Erhaltung der Biologischen Vielfalt konsequent berücksichtigen.

83

4. 	Die Zukunft: Wie geht es weiter mit dem
Schutz der Biologischen Vielfalt in Berlin?
Das Naturbarometer Berlin 2015 zeigt, wie wichtig Biologische Vielfalt für die Menschen ist. Bei der Berliner Strategie
zur Biologischen Vielfalt geht es im Kern um die Sicherung
menschlicher Bedürfnisse, die durch Ökosystemleistungen
erfüllt werden. Es geht um Wohlfühlen und Gesundheit, um
Verantwortung für die kommenden Generationen, um die
Erhaltung von Kulturlandschaften und erst in zweiter Linie
um einzelne Tier- und Pflanzenarten, auch wenn bestimmte
von diesen eine ganz besondere Bedeutung besitzen.
Um die Biologische Vielfalt ist es nicht gut bestellt. Immer
mehr Arten sterben aus, die genetische Vielfalt innerhalb
der Arten nimmt ab und Lebensräume werden rar. Berlin
hat sich mit der Strategie zur Biologischen Vielfalt gegen
diesen Trend gestellt und kann bereits auf umfangreiche
Maßnahmen und Instrumente zurückgreifen, die in der Zukunft systematisch weiter auszubauen und deren Wirkung
zu bewerten sind.
Die Erhaltung der Biologischen Vielfalt ist somit kein Projekt
mit definiertem Anfang und Ende. Es ist eine immer wiederkehrende Aufgabe, die an aktuelle Gegebenheiten und zukünftige Herausforderungen anzupassen ist.

Die Maßnahmen und Vorhaben, um die Biologisch Vielfalt in
Berlin zu schützen, weiterzuentwickeln und zu erleben, sind
vielfältig. Am Beispiel des Florenschutzprogramms der Stiftung Naturschutz Berlin wird dies, wie die Infografik zeigt,
über die ganze Stadt verteilt 11-mal deutlich. An diesen
Standorten werden Maßnahmen umgesetzt, die ausgewählten Pflanzenarten das Überleben sichern. Weitergehende Informationen zum Florenschutz sind auf den Internetseiten der Senatsverwaltung und der Stiftung
Naturschutz Berlin zu finden.
Ein weiteres Beispiel sind Naturerfahrungsräume, die sich
dem Erlebnischarakter der Kinder und Jugendlichen widmen. Sie sind gewissermaßen das Pendat der Waldschulen
im städtisch geprägten Umfeld. Der älteste Naturerfahrungsraum wurde im Gleisdreick von Grün Berlin eingerichtet.
Im Großen Tiergarten, der größten Parkanlage im Herzen
der Stadt Berlin, werden Parkdenkmal, Naturschutz, Erholung und Wasserwirtschaft miteinander verknüpft. In der
Planung wird deutlich, dass in historischen Parkanlagen
Denkmalpflege, Nutzung und Naturschutz in Einklang zu
bringen sind.
Die Themenfülle der Projekte insgesamt ist sehr breit und
reicht von Planungsvorhaben über Öffentlichkeitsarbeit bis
hin zur Kontrolle des Erfolges oder des Misserfolges durch
die Bestandsaufnahme insbesondere von Tieren und Pflanzen. Die Partner sind ebenso vielfältig wie es die Themen
sind, dies wird im kleinen Tortendiagramm auf der folgenden Seite veranschaulicht.

84

Naturbarometer Berlin 2015 | 4. Die Zukunft

Vorhaben zur Biologischen Vielfalt (Auszug)

4

THEMEN

5 6

1	Planung

2	 Stiftung Naturschutz
	Berlin
3	 Berliner Forsten

4	Finanzierung

2

5	Monitoring

1

6	Administration

2

1	Naturschutzbehörde

3

3	Management

3

6

4

2	Kommunikation

1

PARTNER

5

4	Landesbeauftragte
5	 Grün Berlin
6	Bezirksämter

Exemplarische Maßnahmen zur Biologischen Vielfalt

2

1

2

3

1

3

GROSSER TIERGARTEN
4
11
10

9

4
5
8
7

Maßnahmen zur Förderung von Zielarten des Florenschutzes

Naturerfahrungsräume
mit Pilotcharakter

1 Baumberge

7 Rudow-Altglienicke

2 Rosentreterbecken

8 Lichterfelde

1 Kienberg

3 Biesenhorster Sand

9 Strandbad Wannsee

2 Moorwiese Buch

4 Wuhlheide

10 Lieper Bucht

3 Spieroweg in Spandau

5 Püttberge

11 Windmühlenberg Gatow

4 Gleisdreieck

6

Großer Tiergarten
Beispiel eines
Parkpflegewerkes:
„Denkmalpflege
und Naturschutz“

6 Pelzlaake

Quelle: Geändert nach Stiftung Naturschutz Berlin/Senatsverwaltung

85

Umsetzung.
Leitgedanken und Fragestellungen
Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden. Die Geschichte gibt sinnvolle Hinweise, was auch in Zukunft wichtig sein wird und was besser funktioniert als anderes. Der
schlichte Blick auf die Datenlage zur Gefährdung von Tieren
und Pflanzen ist dabei allerdings nicht ausreichend. Daten
sagen nicht alles. Vielmehr müssen eine breite Betrachtung
und mögliche Wechselbeziehungen beachtet werden, um
effektiv Maßnahmen abzuleiten.
Der Blick zurück lohnt sich. Aus der Geschichte lernen.
Das systematische Erarbeiten von Lösungsansätzen ist wichtig, darf aber nicht den Blick darauf versperren, dass mehrere
Lösungswege möglich sind. Kooperationen und Allianzen von
Verwaltung und mit Dritten sind daher notwendig, um verschiedene Disziplinen, Meinungen und Ansätze zusammenzubringen.
Gezielte Kommunikation.
Informationen zum Thema Biologische Vielfalt mit
praktischen Hinweisen zum Schutz von Natur und Arten
sind wichtig, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und
mitzunehmen. Die Kommunikation muss dabei aber
zielgruppenorientiert erfolgen. Was können Unternehmen
beitragen? Was Schulen oder Kitas? Werden Gemeinschaften
wie die türkischstämmige, vietnamesische oder arabische
erreicht? Wie kann jede Einzelne und jeder Einzelne helfen?
Welche Aufgaben kommen auf die Verbände zu, welche
Netzwerke und welche Partnerschaften sind zu beachten?
Dabei geht es nicht nur um das reine Informieren, sondern
vor allem auch darum, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dialogveranstaltungen und die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sind ein wesentlicher Grundstein für
einen erfolgreichen Natur- und Artenschutz.

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Naturbarometer Berlin 2015 | 4. Die Zukunft

Kontext. Was wird noch getan?

Berührungspunkte

„Produktive Landschaft“.

Die Strategie zur Biologischen Vielfalt weist aufgrund ihrer
großen inhaltlichen Bandbreite zahlreiche Berührungspunkte zu anderen strategischen und planerischen Instrumenten auf. Hier gilt es, weiter mit Kooperationspartnern
zu arbeiten, um Synergien zu nutzen und gemeinsam den
Natur- und Artenschutz voranzubringen. Hierzu gehören
neben dem Landschaftsprogramm oder den unterschiedlichen Konzepten zum Naturschutz (wie auch den Artenhilfsprogrammen) weitere Instrumente:

Im Flächennutzungsplan (FNP) werden sowohl große zusammenhängende Grün- und Waldflächen als auch übergeordnete Grünverbindungen dargestellt. Mit dieser stadtweiten Netzstruktur bietet der Flächennutzungsplan als
behördenverbindliches Planungsinstrument eine ganz wesentliche Voraussetzung zur Sicherung der Biologischen
Vielfalt und urbanen Lebensqualität in Berlin. Dabei werden
nicht nur bestehende Qualitäten dargestellt, sondern auch
zahlreiche Ansätze für zukünftige Freiflächenentwicklungen dargestellt, wie z. B. bei der Nachnutzung des Flughafens Tegel oder aber auch bei der Zugänglichkeit der Berliner Gewässer.

Das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE)
ist ein Förderprogramm für innovative Maßnahmen, Projekte und Initiativen, die zu einem klimaneutralen und umweltfreundlichen Berlin beitragen. Ziel des Programmes ist
es, nachhaltig und gewinnbringend die Verringerung der
CO2-Emissionen im gewerblichen und öffentlichen Bereich
zu unterstützen, um Wirtschaftswachstum und Ressourcenschonung in Einklang zu bringen. Durch eine umweltentlastende Infrastruktur soll der ökologische Strukturwandel beschleunigt und die Lebens- und Umweltqualität
Berlins verbessert werden.
Die BerlinStrategie | Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030
(StEK 2030) wurde unter der Federführung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt gemeinsam mit
weiteren Ressorts des Senats erarbeitet. Sie soll als Leitbild
für gesamtstädtische Entwicklungsstrategien für Berlin wirken. Mit der BerlinStrategie setzt das Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030 auf die Stärken der Stadt und stellt sich
den künftigen Herausforderungen. Unter dem Ziel „Wo
Stadt und Grün gemeinsam wachsen“ wird auch das Thema
Biologische Vielfalt aufgegriffen, mit der Vision 2030 „von
Natur aus städtisch“.
Mit der „Strategie Stadtlandschaft – natürlich urban produktiv“ wurde ein Leitbild für eine zukünftige Stadt entwickelt, in der grüne Räume wichtige Beiträge zur Lösung
drängender gesellschaftlicher Herausforderungen liefern.
Die Grün- und Freiräume klima- und sozialgerecht weiterzuentwickeln, ist trotz finanzieller Engpässe ein Kernthema
jeder zukunftsfähigen Stadtentwicklung, um so die
Lebensqualität in der Stadt langfristig zu sichern. Zugleich
integriert die Strategie Stadtlandschaft übergeordnete
Trends, die unser Heute und Morgen bestimmen. Die drei
Leitbildthemen sind „Schöne Stadt“, „Urbane Natur“ und

Der Stadtentwicklungsplan Klima (StEP Klima) ist ein zentraler Baustein, um Berlin im Klimawandel zukunftsfähig
aufzustellen. Die Kernfrage lautet: Wie kann Berlin seine
Stadträume und seine Infrastrukturen gegenüber den negativen Auswirkungen des Klimawandels nachhaltig widerstandsfähig machen? Der StEP Klima widmet sich den
räumlichen und stadtplanerischen Aspekten des Klimas in
Berlin. Er rückt dabei die Anpassung an den Klimawandel in
den Mittelpunkt, ergänzt aber auch die Anstrengungen im
Klimaschutz.
Aufgabe des Stadtentwicklungsplans Wohnen 2025 (StEP
Wohnen) ist es, die notwendigen Wohnbauflächen für die
wachsende Bevölkerung darzustellen. Dabei zielt der StEP
Wohnen 2025 mit seinem Vorrang der Innenentwicklung,
der Auswahl der großen Wohnungsneubaustandorte und
der Leitlinie 7 auf eine Stadtentwicklung im ökologischen
Gleichgewicht ab. Mit der Entwicklung der Wohnungsbaustandorte ist zugleich eine qualitätsvolle Entwicklung des
Wohnumfeldes und der Freiraumstrukturen verbunden. Das
gilt auch für die mögliche Inanspruchnahme der im StEP
Wohnen als nachrangig bezeichneten Wohnungsbaustandorte, die weitgehend in der äußeren Stadt liegen. Ziel ist
eine angemessene Wohnungsversorgung unter bestmöglicher Beachtung der klimatischen und ökologischen Erfordernisse.

87

Ausblick
Wie ein Barometer den Luftdruck misst und die Tendenzen
der Wetterentwicklung ableiten lässt, so soll das Naturbarometer Berlin 2015 dazu dienen, zu zeigen, wie es um die Natur
und die Biologische Vielfalt in Berlin gestellt ist. Im Vergleich
mit den zahlreichen vertiefenden Informationen in Gutachten, Broschüren, auf Veranstaltungen, den Webseiten des
Hauses und in Folgeberichten wird in Zukunft besser nachvollziehbar, welche Schwerpunkte gesetzt wurden, was konkret geschehen ist und welche Entwicklung zu verzeichnen ist.
Zukünftige Prioritäten und Meilensteine in den genannten
Themenbereichen sind:
„„ Die Erhaltung sowie Schaffung eines günstigen Erhaltungszustands für wasserabhängige Ökosysteme, für
die Wälder, für Trocken- und Halbtrockenlebensräume
und die wertgebenden Lebensraumtypen und Lebensräume der Arten nach den europäischen Richtlinien
Fauna-Flora-Habitat und Vogelschutz. Die Planungen
für die europarechtlichen Flächen sollen bis 2017 abgeschlossen werden.
„„ Die wachsende Bevölkerung in Berlin kann ohne den
Neubau von Wohnungen und damit einhergehend die
Versiegelung von Flächen nicht befriedigt werden. Auch
bei Fortsetzung der Innenentwicklung in der Stadt ist
ein Verlust von Freiräumen nicht grundsätzlich vermeidbar. Daher soll neben dem Erhalt von Grünflächen,
Naturschutzflächen und Wald die „gute Pflege von
Grün“ zum Standard und der Ausgleich für Verluste angemessen berücksichtigt werden. Ein Handbuch „gute
Pflege“ wird in Zusammenarbeit mit den Bezirken bis
2017 vorgelegt werden.
„„ Gentechnisch veränderte Organismen bei Zier- und
Nutzpflanzen sollen auf Flächen des Landes und der Bezirke grundsätzlich nicht zum Einsatz kommen. Hierzu
wird bis 2017 eine Handreichung erarbeitet, die bei der
Verpachtung von Flächen oder Zielvereinbarungen mit
den landeseigenen Wohnbaugesellschaften berücksichtigt werden soll.
„„ Die Aktualisierung des Landschaftsprogrammes wird in
2016 abgeschlossen und nachfolgend durch die regelmäßige Fortschreibung anlog zu der des Flächennutzungsplanes Berlin erfolgen.

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„„ Die Überarbeitung der Roten Listen der gefährdeten
Tier- und Pflanzenarten Berlins wird unter fachlicher
Anleitung durch den Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege in 2017 abgeschlossen
und vorgelegt.
„„ Das Florenschutzprogramm – auch mit so öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie „die Pflanze des Monats“
bei der Stiftung Naturschutz Berlin – wird in 2016 fortführt und durch ein Faunenschutzprogramm ergänzt.
„„ Evaluation und Fortführung des Mischwaldprogramms
des Berliner Waldes und der Stadtbaumkampagne in
2016.
„„ Weitere Förderung der Umweltbildungsprojekte und
der Waldpädagogik im Lande auf dem berlineigenen
hohen Niveau in 2016.
„„ Seit Jahren sind in Berlin 19 unterschiedliche Arten und
Rassen von Weidetieren im Einsatz. Die Erstellung einer
gesamtstädtischen Konzeption für die Beweidung mit
Schafen, Rindern und Ziegen hat zum Ziel, die Potenziale in den Grünräumen auch unter Berücksichtigung
der Erlebbarkeit dieser Tiere zu erhöhen. Der Abschluss
der Studie ist für 2016 geplant.
„„ Fortführung des Wegesystems der 20 grünen Hauptwege® auch mit der Beseitigung von Lücken – also Unterbrechungen der Wegeführungen – sowie der weiteren
Umsetzung der Arbeiten zum Grünen Band zum Barnim
in 2016.
„„ Das Projekt zur Etablierung der Naturerfahrungsräume
in Berlin soll bis 2017 abgeschlossen sein. Hier sind zusammen mit den Partnern konkrete Erfahrungen zu
erwarten, die dazu beitragen sollen, die Chancen dieser
Freiräume für Kinder und Jugendliche besser zu erkennen und zu kommunizieren und gleichzeitig Risiken abzuschätzen und abzubauen.
„„ Last but not least wird in 2016 das Handbuch der Maßnahmen zur Erreichung der 38 Ziele differenziert als
Leitfaden für künftige Handlungserfordernisse vorgelegt und daran gekoppelt die Erarbeitung der Indikatoren abgeschlossen werden.

Naturbarometer Berlin 2015 | 4. Die Zukunft

Aufgaben. Was muss konkret getan werden?

Doch es zeichnen sich auch noch offene Fragen und Herausforderungen ab:
„„ Wie soll mit den sogenannten „Aliens“, den invasiven
Arten von anderen Kontinenten, die sich wie die Wollhandkrabbe in den Gewässern entwickeln und heimische Arten verdrängen, umgegangen werden?
„„ Wie können Naturkreisläufe und wilde Natur – Stichwort „robuste“ Arten – besser bei Planung und Pflege
berücksichtigt werden?
„„ Wie wird damit umgegangen, wenn sich bei Baumaßnahmen besonders geschützte Tiere – wie die Zauneidechse – oder Lebensraumtypen – wie Sandtrockenrasen – finden? Wie ist mit der Herausforderung umzugehen, dass sich europäisch besonders geschützte
Käferarten – wie der Eremit oder der Heldbock – in alten
Bäumen in Parkanlagen befinden und die Standsicherheit der Bäume an Wegen oder auf Liegewiesen in Frage
steht?
„„ Wie ist mit den sich wandelnden Ansprüchen an die Erholung in Grünanlagen oder Wäldern umzugehen?
„„ Wie wirken sich geänderte Verhaltensformen und Ansprüche auf das Grün aus?
„„ Wie werden die Verwaltungen der Nachfrage nach informellem Grün, nach urbanem Gärtnern oder neuen
„Gesundheitsparks“ gerecht?
„„ Welche Rolle spielen die Produktion und die Verarbeitung von Lebensmitteln in Berlin bei der Sicherung der
Biologischen Vielfalt auch bei der Erhaltung von alten
Kultursorten und Nutztierrassen?
„„ Wie können verstärkt Grünanteile auf Grundstücken,
einschließlich Fassaden- und Dachbegrünung, der Bepflanzung von Parkplätzen, der Begrünung von Sportflächen oder zusätzlichen Wasserflächen im Sinne der
Grünen Infrastruktur, gegen Hitzestress in der Stadt
und Verlust von Biologischer Vielfalt beitragen?

Eine große Verantwortung bei der Umsetzung der Strategie
liegt bei den zwölf Berliner Bezirken. Mit ihnen gemeinsam
und den Partnern aus Wohnungsbau, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft muss die Strategie nicht nur
umgesetzt, sondern auch weiterentwickelt werden.
Feste Zielgrößen zur kontinuierlichen Fortschrittsbewertung.
Diese Weiterentwicklung gilt auch für die formulierten Ziele
der Strategie. Im Zuge dessen müssen Fristen und Schwellenwerte abgestimmt sowie Akteure identifiziert werden,
die für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich sind
oder unterstützend tätig werden können. Um feststellen zu
können, ob und inwieweit die gefassten Ziele schon erreicht
sind, werden bei der Weiterentwicklung auch geeignete Indikatoren erarbeitet werden. Ihre Anwendung erlaubt die
Bestätigung des richtigen Weges ebenso wie ggf. notwendige Kurskorrekturen.
Grundlagen schaffen und die Datenbasis aktuell halten.
Wichtiger Indikator für den Stand der Biologischen Vielfalt
ist die Fortschreibung der Roten Listen. Hier steht Berlin vor
einer großen Herausforderung, um die Datenbasis zu erhalten bzw. aufgrund verstärkter Anforderungen auszubauen.
Die Erarbeitung der Roten Listen nach der aktuellen Methode verursacht einen zusätzlichen Aufwand, gleichzeitig gibt
es immer weniger Expertinnen und Experten, die bei der Erstellung helfen können. Hier gilt es, die Weiterführung auch
durch Aufwandsentschädigungen zu unterstützen und eine
Anerkennungskultur für die freiwillige Arbeit zu schaffen.
Regelmäßig Berichterstattung über den Fortschritt.
Die Strategie zur Biologischen Vielfalt hat sich nicht nur
zum Ziel gesetzt, die Natur und Artenvielfalt zu schützen,
sondern auch, über den Fortschritt dieses Schutzes zu berichten. Neben der Konkretisierung von Zielen, Kennzahlen
und Indikatoren ist eine zukünftige Aufgabe auch die Kommunikation über Zielerreichung und Nachsteuerung.

89

Nachwort
Die Arbeit am Naturbarometer Berlin 2015 und Antworten
zu den damit einhergehenden Fragen wäre(n) ohne Mitwirkung zahlreicher Personen mit unterschiedlichen Verantwortlichkeiten nicht möglich. Zu nennen sind in ganz besonderer Weise die Partner aus Vereinen und Verbänden
des Naturschutzes, den Berufsverbänden, der Wirtschaft,
den Hochschulen sowie engagierte Einzelpersonen aus Berlin und Brandenburg, der Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege, der Naturschutzbeirat, Vertreterinnen und Vertreter der Fachressorts für Bildung, für
Gesundheit, für Verbraucherschutz sowie aus den Bezirksämtern und den Berliner Forsten.
Und selbstverständlich darf nicht vergessen werden, dass
es einzelne Personen aus Forschung, Wissenschaft, Verbänden, Politik und Verwaltung und auch Gruppen waren, die
mit den Anfängen von Naturschutz, Forstwesen oder Landschaftspflege in Berlin die Grundlagen dafür gelegt haben,
dass so viel über Berlin bekannt ist und dass es heute so gut
um die Stadtnatur und die grüne Infrastruktur bestellt ist.
Berlin stellt sich den Herausforderungen als Metropolregion
und als Stadt mit weiten Wäldern, großartigen Wasserlandschaften und historischen sowie modernen Grünanlagen.
Mit dem Beschluss zur Biologischen Vielfalt hat sich der Senat vier komplexe Themen vorgenommen:
„„ die Arten und Lebensräume,
„„ das genetische Erbe der Tier- und Pflanzenarten,
„„ die urbane Vielfalt und
„„ die gesellschaftlichen Herausforderungen zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt.

Mit Augenmaß für die Handlungsfelder in der wachsenden
Stadt – und überhaupt realistischerweise – ist davon auszugehen, dass die biologische Verlustrate nicht plötzlich zum
Erliegen gebracht werden kann. Dies, obwohl sich Berlin,
schon bevor es die Stadtökologie der Prägung von Herbert
Sukopp überhaupt gab, mit bedeutenden Planern, Gestaltern und Vordenkern wie Lenné, Humboldt und Hobrecht
einen Namen als grüne Stadt machen konnte. Der Senat hat
sich entschieden, seinen Beitrag zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt zielgerichtet zu leisten und die Abstimmung

90

in die Hände des amtlichen Naturschutzes zu geben. Hier
wurde die Strategie insbesondere mit Naturschutzverbänden, Bildungseinrichtungen, Stiftungen, Berufsvertretungen, der Wirtschaft, den Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, den beiden zoologischen Gärten, dem
Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung sowie dem
Museum für Naturkunde, den Gärtnerinnen und Gärtnern
in der Stadt und anderen gesellschaftlichen Kräften erörtert
und weiter entwickelt.
Aus diesem Prozess bei der Obersten Naturschutzbehörde
Berlin, an dem bislang nahezu 2.000 Einzelpersonen beteiligt waren, wurden die Ziele des Senatsbeschlusses auf die
Maßnahmenebene heruntergebrochen. Dies alles war und
ist ein dynamischer Prozess und daher nicht zeitlich abzuschließen oder mit einem Bericht zu beenden. So wurden
und werden Projekte weiter vorangetrieben und andere entstehen erst. Die, die seit 2012 umgesetzt wurden, werden
evaluiert und mit Indikatoren so bewertet, dass zu messen
ist, inwieweit die Ziele erreicht wurden. Ein Nachsteuern und
die Entwicklung weiterer Vorhaben, die der Erhaltung der
Biologischen Vielfalt, der Stadtnatur und der Umweltbildung
dienen, sind ausdrücklich gewünscht. Allianzen und Partnerschaften, die mit der Wirtschaft, mit Bildungseinrichtungen,
dem Verband der Gartenfreunde oder den urbanen Gärtnerinnen und Gärtnern entstanden sind und entstehen, sind
Impulsgeber und Multiplikatoren für weitere Vereinbarungen, Maßnahmen und Umsetzungsmodelle.
Allen Vorhaben ist gemeinsam, dass es schon in der Vorbereitungsphase mehrere Partner gab. Hervorzuheben sind
neben der engen Abstimmung in der Abteilung für Stadtplanung und Freiraumentwicklung und mit den Berliner Forsten vor allem die Stiftung Naturschutz Berlin, der Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege mit seiner
Geschäftsstelle, die Grün Berlin GmbH und die Bezirksämter. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind zumeist mehrschichtig, so spielen bei sehr vielen Vorhaben neben der
Planung und Umsetzung die Kommunikation und das „Networking“ eine wesentliche Rolle. Von den zahlreichen Vorhaben sollen hier folgende genannt werden.
„„ Die Aktualisierung des Landschaftsprogramms mit Biotopverbund, Artenschutz, Erholung- und Freiraumnutzung, Naturhaushalt, Landschaftsbild sowie der gesamtstädtischen Ausgleichskonzeption für die Eingriffe
in die Berliner Natur, denen mehrere hundert Hektar

Naturbarometer Berlin 2015 | Nachwort

neue Parklandschaften zu verdanken sind. Die Bedeutung des Landschaftsprogrammes liegt darin, dass es
als behördenverbindliches Gegenstück zum Flächennutzungsplan wirksam wird und darstellt, wie sich das Land
Berlin die „grüne Seite“ der Stadtentwicklung vorstellt.
„„ Naturerfahrungsräume, die im Naturschutzgesetz verankert wurden und in 2015 zu einem vom Bundesamt
für Naturschutz geförderten Projekt der Stiftung Naturschutz Berlin, der Bezirke Pankow und Spandau, der
Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017
und der Senatsverwaltung umgesetzt werden.
„„ Die Umsetzung der Europäischen Natura-2000-Kulisse
in Berlin mit Schutzgebietsverordnungen, mit Vereinbarungen zur Pflege und zum Unterhalt durch Maßnahmenpläne auf 7,1 Prozent der Landesfläche.
„„ Die laufende Überarbeitung der Roten Listen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Berlins mit vielen Expertinnen und Experten unter Federführung des Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege.
„„ Die Beweidung als nachhaltige Pflege von extensivem
Grünland: Mit Wasserbüffeln werden Projekte in
Spandau und Reinickendorf in Partnerschaft mit dem
Landschaftsförderverein und einem Beweidungsbetrieb
durchgeführt, weitere Vorhaben finden sich in Herzberge mit der Agrargenossenschaft, in Johannisthal oder in
anderen Naturschutzgebieten auch mit der Naturschutzstation Malchow mit alten Schafrassen, Ziegen
oder Galloways, ferner auch die Waldweide in Hobrechtsfelde auf den Flächen der Berliner Forsten zusammen mit dem Naturpark Barnim, dem Land Brandenburg und der Forstverwaltung oder die mit Hilfe von
Reitpferden gestaltete halboffene „Lichterfelder Weidelandschaft“. Sie alle sind wichtige Zentren der Biologischen Vielfalt in Berlin.
„„ Der jährlich stattfindende „Lange Tag der StadtNatur“
für alle Facetten des Naturschutzes und des Umgangs
mit Grün, Wasser und Umweltbildung in der Stadt mit
etwa 500 Partnern als Werkstattschau, was möglich ist.
„„ Das Florenschutzprogramm mit der „Pflanze des Monates“ und intensiver Öffentlichkeitsarbeit zu den Fragen
des Schutzes gefährdeter oder bemerkenswerter Pflan-

zen an ganz besonderen Standorten in Berlin: Es handelt sich um Vorkommen, die selbst im Nachbarland
Brandenburg in Fachkreisen Begeisterung hervorrufen.
„„ Die 20 grünen Hauptwege® sind als eigene Marke zu einem landesweiten Netzwerk für Flaneurinnen und Flaneure in der Stadt geworden. Mit Wegeführungen zum
Beispiel an der Spree „locken“ die Hauptwege viele
Menschen zu Spaziergängen und geben ihnen sozusagen einen Leitfaden an die Hand. Die 20 grünen Hauptwege® geben Anlass dafür, Barrieren zu entschärfen,
„Brücken zu bauen“ und somit die Wegeverbindungen
zu optimieren.
„„ Durch die Stadtbaumkampagne in Verbindung mit dem
privaten Engagement für die Neupflanzung von Straßenbäumen, die als ein Referenzprojekt aus der Strategie Stadtlandschaft erwachsen ist, konnten in der 7.
Pflanzperiode für 590.000 EURO gut 5.000 neue Bäume
gepflanzt werden.
„„ Die Berliner Forstverwaltung hat vor drei Jahrzehnten
mit dem Umbau kieferndominierter Bestände zu Mischwäldern begonnen und sich auch der natürlichen Verjüngung bedient. Mit dem Mischwaldprogramm, das
ebenfalls in der Strategie Stadtlandschaft verankert ist,
wird der Umbau der Monokulturen mit 3 Mio. Euro verstärkt. 1.300.000 Eichen, Buchen, Linden, Ulmen und
Hainbuchen wurden bereits neu gepflanzt.
„„ Das Grüne Band zum Barnim, als Stück für Stück neu
angelegter Grünzug auf dem ehemaligen Mauerstreifen
in Pankow, führt zum länderübergreifenden Naturpark
Barnim und ist mittlerweile eine wichtige Freiraumverbindung, die auch den geschichtlichen Aspekt der innerdeutschen Teilung beleuchtet.
„„ Die Sicherung der Offenlandschaften auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof und die Planung bezüglich
der Folgenutzung auf dem Flughafen Tegel mit dem Begriff Tegeler Stadtheide machen ferner deutlich, dass
sich Berlin auch seiner ökologisch wichtigen Freiflächen
auf trocken sandigen Böden sehr bewusst ist und diese
im Einklang mit der Stadtnatur weiterentwickelt.

91

„„ Der Bestand von Flaggschiffarten des Naturschutzes,
wie Biber, Fledermausarten, Zauneidechse, Stadtfuchs,
Trauerseeschwalbe, Seeadler, Wanderfalke, Habicht und
den stadttypischen Vogelarten Mauersegler, Nachtigall,
Spatz oder Feldlerche, die als Vogel der offenen Agrarlandschaften mittlerweile eher auf ehemaligen Flughäfen vorkommt, hat sich in den vergangenen Jahren sehr
gut entwickelt. Und auch der erste Nachweis von Jungtieren beim Fischotter bestätigt den positiven Trend in
Berlin. Der Aufbau eines Faunenschutzprojektes mit der
Stiftung Naturschutz Berlin in Form von Verbreitungskarten und Informationen zu gefährdeten Tierarten
startet in 2015. Dennoch ist auch in Berlin nicht zu
vernachlässigen, dass der Rückgang von Arten
weitergeht.
„„ Die derzeit durchgeführte Instandsetzung und Optimierung von Fledermaus Winterquartieren ist ein Beitrag in
Kooperation mit den Eigentümerinnen und Eigentümern
von den Berliner Wasserbetrieben, den Bezirken bis hin
zu Privaten, um den Bestand der 17 verschiedenen Fledermausarten in Berlin zu sichern.
„„ Die Befassung mit der urbanen Wildnis, die sich schon
als EXPO-2000-Außenfläche mit dem Natur-Park „Schöneberger Südgelände“ in Berlin einen Namen gemacht
hat, ist ein Weg, um Stadtnatur stärker im Bewusstsein
der Menschen zu verankern und die Dynamik der Natur
in die Stadt zu holen.
„„ In den Mooren Berlins wird, durch die Stiftung Naturschutz Berlin als Kümmerer, mit der Renaturierung des
Krumme-Laake-Moorkomplexes im Südosten des Landes die Klimaabgabe für Dienstflüge der Senatsverwaltungen in konkrete Maßnahmen umgesetzt.
„„ Bezüglich des Internationalen Handelsartenschutzes
wird Berlin weiterhin dafür sorgen, dass der Handel mit
geschützten Hölzern oder Produkten geschützter Tiere
und Pflanzen behördlich begleitet wird.
„„ Seit Anfang der 2000er-Jahre wurden im Zuge des Umweltentlastungsprogramms, das ein Volumen von 39
Mio. Euro hat, auch Renaturierungen durch EU-Mittel
gefördert. Zu nennen sind beispielsweise die unter Federführung der Bezirke oder der Berliner Forsten durchgeführten Projekte zu ehemaligen Rieselfeldern, zum

92

Lietzengraben, Teufelsseemoor, Wuhlheide, Havelhöhenweg, Landschaftspark Herzberge, Fort Hahneberg
oder Schmöckwitz.
„„ „Grüne Orte“ der Internationalen Gartenausstellung
(IGA) Berlin 2017 mit dezentralen Bühnen und Routen,
ebenfalls mit zahlreichen Partnern für das städtische
Grün und für die Umweltbildung.
„„ Sowie informelle Netzwerke zur Umweltbildung, wie
Waldschulen, das Freiwillige Ökologische Jahr, Bundesfreiwilligendienste und städtisches Gärtnern in Mietergärten, Kleingärten, interkulturellen Gärten, urbanen
Gärten, privaten Gärten, Gartenarbeitsschulen, mit Kinderbauernhöfen und anderen Einrichtungen.

Das Naturbarometer Berlin 2015 ist die erste Zusammenschau der Obersten Naturschutzbehörde Berlin zum Stand
der Biologischen Vielfalt und zum gesamten Themenkomplex des Natur- und Artenschutzes in Berlin. Es wird der Versuch unternommen, besondere Fragen des Natur- und Artenschutzes und der Stadtnatur schlaglichtartig zu
beleuchten und Hinweise für eine eigene Recherche zu geben. Andere Fragen dagegen werden nur angerissen und es
kann sein, dass nicht alle, die sich im Prozess zu Wort gemeldet haben, zum Zuge gekommen sind. Dies kann im Einzelfall bedeuten, dass Sie nicht das erfahren, was Ihnen bedeutsam erscheint. Bitte schauen Sie sich daher auf den
Webseiten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und
Umwelt um oder wenden Sie sich an die dort genannten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner.
Dr. Michael Gödde
Oberste Naturschutzbehörde Berlin

Naturbarometer Berlin 2015 | Nachwort

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Anhang
Broschüren, Flyer, Poster
Auswahl von Veröffentlichungen der Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung und Umwelt zu Berlins Biologischer Vielfalt
„„ Landschaftsprogramm Artenschutzprogramm – 1994 –
unveränderter Nachdruck 2000
„„ Landschaftsprogramm Artenschutzprogramm – Ergänzung 2004
„„ Rote Listen der gefährdeten Pflanzen und Tiere von
Berlin (Herausgeber: Landesbeauftragter für Naturschutz und Landschaftspflege und Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung) | 2005 CD-ROM
„„ Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt – Begründung, Themenfelder und Ziele | Juni 2012
„„ Stadtgrün in Berlin – urban Green Spaces in Berlin |
August 2012
„„ Drei Poster und eine Postkarte mit Samentüte – Mehr
als Mensch kann – Biene, Spatz, Baum | 2013
„„ Pflanzen für Berlin – Verwendung gebietseigener Herkünfte | Februar 2013
„„ Vögel und Fledermäuse. Lebensstätten an Gebäuden –
Hinweise zur Gebäudesanierung | 2014
„„ Berliner Unternehmen fördern Biologische Vielfalt –
Vorschläge zum Handeln – ein Leitfaden | März 2014 –
als pdf Englisch verfügbar
„„ Umweltbildung für Berlins biologische Vielfalt – nachhaltig und zielgruppenorientiert. Dokumentation der
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„„ Landschaftsprogramm
Neuauflage | 2016

mit

Artenschutzprogramm,

„„ Karte „20 grüne Hauptwege“ mit BUND und Fuss e. V.

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„„ Umweltprüfungen – Berliner Leitfaden für die Stadtund Landschaftsplanung
„„ Strategie Stadtlandschaft Berlin – natürlich urban produktiv
„„ Grünes Band Berlin – von der Innenstadt zum Barnim
auf den Spuren der Berliner Mauer
„„ Flanieren entlang der Stadtspree – Einer von 20 grünen
Hauptwegen lädt ein
„„ Berliner Barnim – Eine Landschaft mit Aussicht
„„ Gesamtstädtische Ausgleichskonzeption – grüne Kompensationsflächen für die Stadt
„„ Grüne Innenstadt. BFF – Biotopflächenfaktor
„„ Europaweiter Naturschutz – Natura 2000 in Berlin
„„ Jagdrecht in Berlin
„„ „Natürlich Berlin“ – Darstellung der Natura-2000- und
der Naturschutzgebiete unter den Gesichtspunkten der
Naherholung. Senatsverwaltung (Hrsg.), Verlag Natur
und Text, Rangsdorf, 2. Aufl. 2009, 256 Seiten und Kartenbeilage.
„„ Faltblattserie Wildtiere in der Stadt und Schutzgebiete
(Kurzinfos über Berliner Schutzgebiete)
„„ Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet Fort Hahneberg
und Umgebung
„„ Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet Baumberge
„„ Natur-Park Schöneberger Südgelände (dtsch.) sowie
Nature Park (engl.)
„„ Sandgrube im Jagen 86 des Grunewaldes
„„ Naturschutzgebiet Murellenschlucht und Schanzenwald

Naturbarometer Berlin 2015 | Anhang

„„ Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet Fließwiese Ruhleben
„„ Naturschutz- und Natura-2000-Gebiet Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ
„„ Naturschutzgebiet Karower Teiche
„„ Naturschutzgebiet Bogenseekette und Lietzengraben
„„ Naturschutzgebiet Fauler See

Ausführliche Information und weitere Publikationen zu den
Berliner Forsten wie zum Beispiel „Auf Försters Wegen“ und
„Die Berliner und ihr Wald – 100 Jahre Forstverwaltung“, zu
Themen wie Wohnen, Wasser, Boden, Luft oder Klima sowie
das zusammen mit der Senatsverwaltung Gesundheit und
Soziales und dem Pflanzenschutzamt Berlin veröffentlichte
Faltblatt „Der Eichenprozessionsspinner“, aus den Bezirksämtern, den Verbänden sowie die Broschüre vom Fischereiamt „Fische in Berlin“ finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten und zudem auf:
www.stadtentwicklung.berlin.de

„„ Naturschutzgebiet Malchower Aue
„„ Naturschutzgebiet Falkenberger Rieselfelder
„„ Naturschutzgebiet Gosener Wiesen und Seddinsee
„„ Landschaftspark ehemaliges Flugfeld Johannistal/
Adlershof
„„ Wildtiere in der Stadt: Der Fuchs
„„ Wildtiere in der Stadt: Das Wildkaninchen
„„ Wildtiere in der Stadt: Der Waschbär
„„ Wildtiere in der Stadt: Der Steinmarder
„„ Wildtiere in der Stadt: Das Wildschwein
„„ Wildtiere in der Stadt: „Füttern. Nein Danke“ – Füttern
gefährdet die Gesundheit der Wildtiere

97

Daten gemäß § 6 BNatSchG/§ 6 NatSchGBln

FIS-Broker (Angaben zu Links)

Informationen zu Arten

„„ Informationen zu Biotoptypen

„„ Datenbank / Karten „Florenschutzprogramm“:
Die Daten werden von der Koordinierungsstelle Florenschutz erhoben und verwaltet. Eine Veröffentlichung
ist aus Schutzgründen als Rasterkarte Messtischblattviertel geplant. Behörden und Planungsträger erhalten
Auskünfte auf Anfrage. Näheres unter:
http://www.stiftung-naturschutz.de/unsere-projekte/
florenschutz/

Grundlegende Info zur Biotoptypenkartierung Berlin
unter:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/
naturschutz/biotopschutz/de/biotopkartierung/index.
shtml
und
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/i508.htm
Zur Karte:
Karte der Biotoptypen Berlins
http://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.
jsp?loginkey=showMap&mapId=k_fb_berlinbtk@senstadt
Karte der gesetzlich geschützten Biotope Berlins
http://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.
jsp?loginkey=showMap&mapId=k_fb_p26@senstadt
Karte der Lebensraumtypen gemäß FFH-Richtlinie
http://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.
jsp?loginkey=showMap&mapId=k_fb_ffh@senstadt

„„ Informationen zu Schutzgebieten (NSG, LSG) allgemein:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/
naturschutz/schutzgebiete/index.shtml
und dort folgende Internetseiten
„„ Karte Schutzgebiete nach Naturschutzrecht:
http://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.jsp?loginkey=zo
omToMapById&mapId=nsg_lsg@senstadt&Id=NSG23&minvalue=200&maxvalue=900
„„ Informationen zu Natura 2000
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/
naturschutz/natura2000/index.shtml

98

Bericht der Koordinierungsstelle Florenschutz 2013
(Die Erstellung des Berichtes für 2015 erfolgt z. Z.):
http://www.stiftung-naturschutz.de/fileadmin/img/
pdf/Florenschutz/Kurzexpose-KoordinierungsstelleFlorenschutz2.pdf
„„ Gesamtregister der Pflanzen- und Tierarten in den Berliner Roten Listen:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/
naturschutz/artenschutz/de/rote_listen/artenregister.shtml
„„ Artenhilfsprogramme Fledermaus, Biber, Fischotter,
Trauerseeschwalbe:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/
naturschutz/artenschutz/download/freiland/artenhilfsmassnahmen.pdf

Informationen zum Management von Schutzgebieten
„„ Über Internetpräsentation ist die Übersicht vorhandener FFH-Managementplanung (Stand 2014) abrufbar:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/natur_gruen/
naturschutz/natura2000/de/management/index.shtml

Naturbarometer Berlin 2015 | Impressum

Impressum
Naturbarometer Berlin 2015
Herausgeber
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Kommunikation
Württembergische Straße 6
10707 Berlin
www.stadtentwicklung.berlin.de
Konzeption, Inhalt und Redaktion
imug Beratungsgesellschaft
für sozial-ökologische Innovationen mbH
Dr. Annika Schudak, Mitarbeit Hannes Podzun
Koordination und Projektleitung
Dr. Michael Gödde in Zusammenarbeit
mit Ellen Küchmeister
(Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt)
Besonderer Dank gilt
Dr. Sarah Kiefer, Prof. Dr. Ingo Kowarik, Elisabeth Kühn,
Justus Meißner, Dr. Sylvia Ortmann, Dr. Christoph Saure,
Irma Stopka, Gabriele Pütz und David Ziegler.
Konzeption Infografiken
Dr. Michael Gödde in Zusammenarbeit mit
Dr. Annika Schudak und Hauke Nadzeika
(imug Beratungsgesellschaft
für sozial-ökologische Innovationen mbH)
Visualisierung
imug Beratungsgesellschaft
für sozial-ökologische Innovationen mbH
Hauke Nadzeika
Druck
MEDIALIS Offsetdruck GmbH
Fotos
S. 3 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt;
S. 13 Laubner; S. 16, 29, 48, 50, 54, 63, 67, 75, 79 Schubert;
S. 67 Schudak; S. 71 Stamm
Berlin, Februar 2016
Papier: 100 % Altpapier,
FSC® zertifiziert und mit dem EU Ecolabel ausgezeichnet

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