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Full text: Jahresbericht ... Issue 2008

Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege

Jahresbericht
2008

Februar 2009
Herausgeber:
Bundesarbeitsgemeinschaft der
Freien Wohlfahrtspflege e. V.
Oranienburger Straße 13 – 14
10178 Berlin
Telefon: 030 / 240 89 - 0
www.bagfw.de

Bundesarbeitsgemeinschaft
der Freien Wohlfahrtspflege e. V.

Jahresbericht 2008
Berlin 2009

Inhaltsverzeichnis
Vorwort  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 9
Einführung  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 12
Politische Gespräche
Gespräch der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
mit Heinrich Alt, Bundes­agentur für Arbeit  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 12
Treffen der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege­
mit Frau Professor Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin
für Integration im Bundeskanzleramt und Beauftragte der
Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 17
Gespräch der Präsidenten und Vorsitzenden der Spitzenverbände
der Freien Wohlfahrtspflege mit Bundesministerin Frau Dr. von der Leyen
im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend . .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 23
Meinungsaustausch von Vertretern der Bundesarbeitsgemeinschaft
der Freien Wohlfahrtspflege mit Staatssekretär Detlef Scheele im
Bundesministerium für Arbeit und Soziales .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 26
Gespräch der Präsidenten und Vorsitzenden der Spitzenverbände der
Freien Wohlfahrtspflege mit der Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 30

Bericht der Geschäftsstelle, Berlin
Deutscher Sozialpreis  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 34
GlücksSpirale
Die Rentenlotterie, die Gutes tut .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 36
Transparenz der Pflegequalität
Nutzerorientierte Darstellung von Informationen zur Pflegequalität
als gemeinsames Ziel der Freien Wohlfahrtspflege  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 38
Europäisches Jahr des interkulturellen Dialogs 2008
Nationale Geschäftsstelle bei der BAGFW .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 43

Kampagnen und Projekte .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 45
Initiative „Erfahrung ist Zukunft“ – Erfahrungen und Potentiale Älterer nutzen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 45
Kampagne „Berufsfeld: Moderne Altenpflege“ – Mit moderner Altenpflege gewinnen! . .  .  .  . 46
Digitale Integration – Wege ins Netz 2008  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 47

5

Bericht der Abteilung Wohlfahrtsmarken, Köln
Wohlfahrtsmarken: Gutes tun. Mit Briefmarken helfen.
Bundesfinanzminister verleiht den Wohlfahrtsmarken ein Gütezeichen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 48

Bericht der EU-Vertretung, Brüssel
(einschließlich Europaausschuss)
Soziale Dienste in Europa weiterentwickeln .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 50
Engagement für ein soziales Europa: Neue Sozialagenda . .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 53
Besonders Benachteiligte aktiv einbeziehen . .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 55
Gemeinsame Einwanderungs- und Asylpolitik entwickeln .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 56
Europaausschuss . .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 57
Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 60
Netzwerkarbeit .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 61

Gremienarbeit
Bericht der Sozialkommission I .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 62
Ausschussberichte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 65
–– Fachausschuss „Altenhilfe“ .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 65
–– Fachausschuss „Behindertenpolitik“  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 67
–– Fachausschuss „Gesundheitswesen“ .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 70
–– Ausschuss „Qualitätsmanagement“ . .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 71

Bericht der Sozialkommission I .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 72
Ausschussberichte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 74
–– Fachausschuss „Arbeitsmarktpolitik und Grundsicherung“  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 74
–– Fachausschuss „Kinder, Jugend, Familie und Frauen“  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 76
–– Fachausschuss „Migration und Integration“  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 78
–– Fachausschuss „Zivildienst und Bürgerschaftliches Engagement“ .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 80
–– Arbeitsstab „Monitoring“  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 83

6

Bericht der Finanzkommision . .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 84
Ausschussberichte  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 86
–– Fachausschuss „Wohlfahrtsmarken“ .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 86
–– Fachausschuss „Gemeinnützigkeit und Steuern“ .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 88
–– Fachausschuss „Statistik“  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 90

Auflistungen
Stellungnahmen . .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 91
Pressemeldungen . .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 93
Politische Gespräche .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 97
Gremiensitzungen .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  .  . 97

7

Prälat Dr. Peter Neher,
Präsident der BAGFW 2007 – 2008

VORWORT
Im November 2008 fanden zum zehnten Mal der Kongress und die Fachmesse
unter dem Dach der ConSozial in Nürnberg statt. Die ConSozial hat sich in
den letzten zehn Jahren zu einem attraktiven deutschlandweiten Treffpunkt
und einer Zukunftsschmiede der Sozialwirtschaft entwickelt. Seit dem Jahre
2006 ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege ideeller
Träger der ConSozial. Ziel ist es dabei, den Erfolg der ConSozial auszubauen.
Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege auf Bundesebene sind gerne
bereit, dazu ihren Beitrag zu leisten. „Zwischen Wohlfahrt, Wettbewerb und
Werten: Wohin steuert die Sozialwirtschaft im 21. Jahrhundert?“ – diese Frage
stand im Zentrum einer Podiumsdiskussion der führenden Persönlichkeiten
aus den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege, die im Rahmen der
Jubiläums-ConSozial in Nürnberg stattfand. Gestellt wurde die Frage nicht nur
angesichts der nationalen, sondern auch mit Blick auf die europäischen Herausforderungen. Trotz aller Unterschiede waren sich die Diskussionsteilnehmer in
einem Punkt einig: Die Qualität der sozialen Dienstleistungen müsse stärker
berücksichtigt und honoriert werden, sowohl auf der nationalen als auch auf
der europäischen Ebene. Die Freie Wohlfahrtspflege befürwortet nachdrücklich
diesen Qualitätswettbewerb, nicht jedoch einen Preiswettbewerb nach unten.
Der Wettbewerb auf dem Sozialmarkt braucht Regulierung, damit er seinen
positiven Effekt im Sinne der Hilfebedürftigen entfalten kann. Das europäische
Binnenmarktrecht ist vor diesem Hintergrund ein wichtiges Instrument. Dabei
müssen die europäischen Rahmenbedingungen allerdings immer auch die
Besonderheiten und gewachsenen Strukturen der Mitgliedsstaaten beachten.
Aus diesem Grund kann das Binnenmarktrecht nicht 1:1 auf die Sozialwirtschaft
übertragen werden. Es bedarf an verschiedenen Stellen der Modifikation. In
Deutschland wird der Großteil der sozialen Dienstleistungen von freigemeinnützigen Organisationen erbracht. Die Wohlfahrtsverbände verstehen sich als

9

Teil der Zivilgesellschaft und beziehen ehrenamtlich tätige Mitarbeitende mit
ein. Vom Staat werden sie deshalb auch durch die Gemeinnützigkeitsregeln
unterstützt. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege finden es daher
bedauerlich, dass die Kommission in ihrem jüngst vorgestellten Zweijahresbericht zu den Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse die Ursache
für vorhandene Probleme vor allem auf nicht ausreichende Kenntnisse bei
der richtigen Auslegung des Gemeinschaftsrechts zurückführt. Damit schiebt
die Kommission die Verantwortung ausschließlich den Anwendern in den
Mitgliedstaaten zu. Hier macht es sich die Kommission zu einfach. Bereits auf
europäischer Ebene müssen die Spezifika sozialer Dienstleistungserbringung in
den Mitgliedstaaten berücksichtigt werden. Wir hätten deshalb Vorschläge der
Kommission erwartet, wie ihre Vorstellungen in eine praktische Konkordanz zu
bringen sind mit den Bedingungen des funktionierenden Marktes. Uns stimmt
zuversichtlich, dass der Europäische Rat und das Europäische Parlament dies
längst einfordern.
Die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist
mittlerweile in der öffentlichen Diskussion und über alle politischen Lager hinweg als eine zentrale Herausforderung von Staat und Gesellschaft anerkannt
worden. Staatliche wie gesellschaftliche Akteure sind mit der Veröffentlichung
des nationalen Integrationsplans im Sommer 2007 vielfältige Selbstverpflichtungen eingegangen. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege haben
sich aktiv an der Erarbeitung beteiligt. In über 60 Selbstverpflichtungen haben
sie ihre eigenen Beiträge beschrieben und den Zielhorizont einer von Vielfalt
geprägten Gesellschaft umrissen. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege begreifen Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe mit einer
besonderen Verantwortung aller öffentlichen Einrichtungen. Ziel einer umfassenden und nachhaltigen Integrationspolitik muss es sein, Zugewanderten
eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.
Integrationspolitik muss den in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund eindeutig signalisieren, dass sie willkommen sind.
„Rechtsextreme sehen nicht immer so aus, wie man sie sich vorstellt. Sie sind
auch nicht so dumpf, wie man sie gerne hätte,“ stellte „Die Zeit – Campus“
im Frühjahr 2008 fest. Rechtsextreme nutzen Formen zivilen Engagements
zur Verbreitung ihrer antidemokratischen Ideologie. Sie engagieren sich in
„Bürgerinitiativen“ gegen Moscheenbauten ebenso wie in der Elternarbeit von
Kindertageseinrichtungen oder Schulen. Rechtsextreme Organisationen bieten
Eine Dokumentation des BAGFWFachkongresses gegen pädagogische
und soziale Bestrebungen rechtsextremer Organisationen finden sie unter
www.bagfw.de | Publikationen

10

Jugendarbeit an und interessieren sich für die Übernahme von Beratungseinrichtungen und die Mitgliedschaft in der Freien Wohlfahrtspflege. Anlass
genug, die pädagogischen und sozialen Bestrebungen rechtsextremer Organisationen in einem Fachkongress zu thematisieren und kommunalpolitische
Gegenstrategien zu entwickeln. In Gegenwart des Chefs des Kanzleramts,
Herrn Bundesminister de Maizière, wurde in einem Fachkongress im Oktober
2008 in Berlin erörtert, wie Mitgliedschaften von „Rechtsextremen“ verhindert
und Unterwanderungen vermieden werden können. Ebenso wurde beraten,
welche Hilfen für junge Menschen notwendig sind, um aus der rechtsextremen
Szene aussteigen zu können.
Im Dezember 2008 empfing die Bundeskanzlerin die Präsidenten und Vor­
sit­zenden der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege zu einem weiteren
Meinungsaustausch. Thema des Gesprächs war die Situation der Familien in
Deutschland. Insbesondere wurde erörtert, wie die Wirkung der vielfältigen,
Familien unterstützenden Dienste und Leistungen verbessert werden kann.
Die Spitzenverbände sicherten zu, entsprechende Vorschläge zur effektiven
Ausgestaltung des Sozialgesetzbuchs (SGB) VIII zu erarbeiten und Lösungsmöglichkeiten für bestehende Schnittstellenprobleme zu den einzelnen Sozialgesetzbüchern zu unterbreiten.
Mit Beginn des Jahres 2009 hat nun Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, die Präsidentschaft übernommen. Ich wünsche ihr von Herzen für diese Aufgabe alles Gute und Gottes
Segen. Mein Dank gilt den Partnern in Politik, Verwaltung und Gesellschaft für
ihre Unterstützung und denen, die mitgeholfen haben, die sozialpolitischen
Konzepte der BAGFW zu erarbeiten und umzusetzen. Mein besonderer Dank
gilt den Mitarbeitenden der Freien Wohlfahrtspflege, den vielen ehrenamtlich
Engagierten, welche die Arbeit der Freien Wohlfahrtspflege mit großem persönlichen Einsatz unterstützt haben sowie dem Geschäftsführer Herrn Werner
Ballhausen und den Mitarbeitenden der BAGFW-Geschäftsstelle.

Prälat Dr. Peter Neher
Präsident der BAGFW

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Einführung
Die Federführung in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) lag im Jahr 2008 erneut beim Deutschen Caritasverband e.V.
(DCV). Präsident der BAGFW war der Präsident des DCV, Herr Prälat Dr. Peter
Neher.

Politische Gespräche

Gespräch der Bundesarbeitsgemeinschaft
der Freien Wohlfahrtspflege mit Heinrich Alt,
Bundes­agentur für Arbeit
Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts
Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, berichtete zu
den Ergebnissen der Arbeits- und Sozialministerkonferenz vom 9. Mai 2008:
Die Länder konnten sich nicht auf eine Verlängerung der Optionskommunen
verständigen. Allerdings beschlossen sie, bis 30. Juni 2008 folgende drei Modelle zu bewerten:
1.  Modelle, wie die ARGEn verfassungskonform gemacht werden können
2. Modell des kooperativen Jobcenters (des Bundesministeriums für Arbeit und
Soziales (BMAS) und der Bundesagentur für Arbeit (BA))
3. Bayerisches Modell, nach dem die Leistungsgewährung für die Passivleistungen bei der Kommune liegt, die in Bundesauftragsverwaltung handelt;
die BA ist weiterhin für den Integrationsteil zuständig.
Daneben ging Herr Alt noch auf den Vorschlag von Professor von Mutius1 für
ein so genanntes Zentrum für Arbeit (ZfA) ein. Die BA hatte insbesondere Bedenken gegen die Aussage, dass ein Bescheid mit zwei Unterschriften zulässig
sei. Ferner sei von Mutius mit seinem Vorschlag, das Zentrum für Arbeit als
Behörde einzuführen, dahingehend missverstanden worden. So beinhaltete
der Vorschlag nicht die Einführung einer neuen Behördenstruktur, sondern
allein die Ausgestaltung des ZfA als Behörde im personalvertretungsrechtlichen
Sinne. Die unterschiedlichen Personalvertretungen in den ARGEn seien ein
Problem gewesen, das die BA allerdings inzwischen angegangen sei, so dass
inzwischen in vier bis fünf Ländern einheitliche Personalvertretungen in den
ARGEn seien.
Bezüglich des Modells des kooperativen Jobcenters gestand Herr Alt ein, dass
es trotz der Nachbesserung vom 23. April noch nicht die Zustimmung aller
gefunden hätte. Als Schwachpunkt benannte er selbst die Leistungsgewährung
1

12

v on Mutius, Albert, Grundsicherung für Arbeitsuchende unter einem Dach – Zur Strukturierung der
SGB II-Verwaltung ohne Grundgesetzänderung, Rechts- und verwaltungswissenschaftliches Gutachten, Kiel, April 2008

BAGFW-Vorstandssitzung
mit der Präsidentin des
Zentralrats der Juden
in Deutschland
Charlotte Knobloch

mit der Gefahr der Komplexität und des Mehraufwandes. Dies solle durch
IT-Unterstützung geklärt werden. Es solle möglich sein, zwei Bescheide in
einem Kuvert zu versenden. Der zweite Schwachpunkt sei der Abschluss von
Eingliederungsvereinbarungen, bei denen ein Einvernehmen mit der Kommune
herzustellen sei. Die BA sei der Ansicht gewesen, dass das Einvernehmen nicht
in jedem Einzelfall herbeigeführt werden solle (Verwaltungsaufwand!), sondern
sie vielmehr die Vorstellung hatte, dass die Kommunen die Leistungen zur
Verfügung stellten und die BA sie abrufe.
Um das Modell des kooperativen Jobcenters einzuführen, seien Rechtsänderungen wohl nötig. Klar wäre auch, dass dies ein Rückschritt zum Modell der
ARGEn sei. Allerdings war das Rollenpapier zu den ARGEn auch noch nicht von
allen akzeptiert. Das hätte die für die BA unangenehme Folge gehabt, dass sie
zwar einerseits gegenüber dem Rechnungshof die Verantwortung trage, aber
andererseits ihre Durchsetzungsbefugnis gegenüber den ARGEn nicht klar sei.
Auch dies wäre bei der Neuorganisation zu verbessern.
Im Anschluss wurden kurz die Punkte der BAGFW benannt: Die BAGFW habe
Verständnis dafür, dass die Neuorganisation des SGB II Probleme bereite. Auch
die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege hätten hierzu unterschiedliche Positionen. Einigkeit bestehe allerdings dahingehend, dass das kooperative Jobcenter nicht die optimale Lösung sei. Problematisch sei der Fall, dass die
Kommune sich weigere zu kooperieren. Gut sei, dass für besondere Personengruppen ein einheitliches Fallmanagement angestrebt werde und dass in den
überarbeiteten Eckpunkten die Frage der Verfassungskonformität des Modells
mehr beleuchtet werde. Die Freie Wohlfahrtspflege hätte einerseits angeboten,
in dem Projektbeirat beziehungsweise in der Monitoringgruppe mitzuwirken.
Weiterhin wurde Herr Alt gebeten, den weiteren Zeitplan darzulegen.
Herr Alt unterstützte den Gedanken der Beteiligung der BAGFW in der Monitoringgruppe und bat die BAGFW, dieses Angebot Herrn Scholz in einem Brief
zu unterbreiten. Bezüglich des Zeitplans erklärte er, dass der Projektmantel und
auch das Personal zur Umsetzung des Modells bereit stünden, aber noch kein
13

Entwurf für einen Kooperationsvertrag vorliege. Die Details wolle man bewusst
mit den Kommunen gemeinsam erarbeiten. Die BA warte den Beschluss der
Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) am 30. Juni ab. Danach könne
das Projekt starten. Dann würden ab 1. Juli erste Folien zu Probe-KreisJobCentern verteilt werden und Pilotprojekte starten. Dies sei wichtig, da in der Fläche
der Umstellungsprozess zwei Jahre dauere. Herr Klose wies noch mal auf das
Problem der erforderlichen Rechtssicherheit für die Betroffenen hin, die bei der
Umsetzung des KreisJobCenters mit unterschiedlichen Rechtsansichten zum
Beispiel zum Schonvermögen etc. leben müssten. Herr Alt sah diese Probleme
und wies noch mal auf notwendige Rechtsänderungen im SGB II hin. So könne
man zum Beispiel Daten austauschen, oder die BA berechne für die Kommune
die Kosten der Unterkunft (KdU). Auch die Leistungsrechtler der BA wiesen
darauf hin, dass es hier viele rechtliche Schwierigkeiten gebe, aber Alt selbst
sehe, dass es in der Praxis funktionieren könne. Überdies sei selbst bei den
getrennten Trägern derzeit die Widerspruchsquote nicht höher als bei den ARGEn. Auch sei der Anstieg der Klageverfahren im SGB II in erster Linie auf den
Wechsel der Rechtswegzuständigkeit auf die Sozialgerichte und auf die höhere
Erledigungsquote der Träger zurückzuführen.
Umsetzung der JobPerspektive
Ein Vertreter der Freien Wohlfahrtspflege führte in das Thema ein und benannte neben der schleppenden Umsetzung knapp die vier Aspekte Definition der
Zielgruppen, bevorzugte Vermittlung in Arbeitsgelegenheiten statt in § 16 a –
Maßnahmen, Probleme bei der Kofinanzierung und schließlich die Schwierigkeit,
wie bei § 16 a SGB II sozialpädagogische Begleitung finanziert werden kann.
Herr Alt wies zunächst darauf hin, dass die ARGEn frei darin wären, welche
Instrumente sie nutzten, so lange sie die Zielvorgaben erreichten. Ein Anreiz
zur Anwendung des § 16 a sei jedoch über ein eigenes Budget gegeben, das
den EGT (betriebswirtschaftlich: Ergebnis gewöhnlicher Geschäftstätigkeit)
entlaste. So hätten schon jetzt zwei ARGEn ihr Budget erschöpft. Er war der
Ansicht, dass es genug Personen gebe, die für den § 16 a in Frage kämen,
da allein in Nordrhein-Westfalen sehr viele Menschen über drei Jahre lang
arbeitslos seien. Problematisch sei allerdings, dass die fünf Instrumente für den
zweiten Arbeitsmarkt nicht logisch voneinander abgrenzbar seien, so dass hier
die Anwendung für den Sachbearbeiter zum Teil schwierig sei. Zudem haben
einige ARGEn sich zum Ziel gesetzt, die Menschen nach § 16 a in Tariflohnbeschäftigungen zu vermitteln, die über 1.300 Euro liegen. Das erschwert die
Vermittlung. Grundsätzlich war er davon ausgegangen, dass die Leistungsfähigkeit da sei, um 25 Prozent bei einer Vollzeiterwerbstätigkeit zu erwirtschaften. Er habe insbesondere die schwerbehinderten Arbeitslosen für den § 16 a
SGB II im Blick, die ja auch über die Integrationsfachdienste zusätzlich betreut
werden. Die BA erkenne aber, dass es unbedingt notwendig sei, sich mehr um
die Stabilisierung „wackliger“ Integrationsverhältnisse zu kümmern, weil die
Statistik zeigt, dass 50 Prozent der Hilfebedürftigen innerhalb von einem Jahr
zurück in den Hilfebedarf kämen. Hier brauche es vermehrt Unterstützungsstrukturen, die der Stabilisierung der Beschäftigungsverhältnisse dienten. Diese
müssten ins SGB II neu aufgenommen werden.
14

Es wurde dargelegt, dass auch jetzt schon eine sozialpädagogische Begleitung
bei § 16 a SGB II möglich sei. So sei diese zum Beispiel über § 16 Absatz 3 SGB
III über eine Qualifizierungs-Arbeitsgelegenheit mit Aufwandsentschädigung
(AGH) finanzierbar. Möglich sei auch, die 200 Euro an Qualifizierungsanteil, die
der Arbeitgeber im Pool hätte, hierfür zu nutzen. Schließlich gebe es auch die
Möglichkeit, über § 37 (Anm.: er meint wohl § 37 SGB III) eine nachgehende
Betreuung zu gewährleisten. Es wurde angeregt, dass Vertreter der BA und
der Freien Wohlfahrtspflege sich auf Arbeitsebene zusammensetzen könnten,
damit man gemeinsam besprechen kann, welche Instrumente man nutzen
könne, um die sozialpädagogische Begleitung zu gewährleisten. Der Vorschlag
stieß bei den Vertretern der Bundesagentur für Arbeit auf Zustimmung.
Die Vertreter der Bundesagentur wiesen schließlich darauf hin, dass der
Integrationsfachdienst von vielen Arbeitgebern nicht eingesetzt werde. Herr
Brückers erklärte nochmals, dass der Eigenanteil von 25 Prozent bei den
Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege nicht finanzierbar sei. Herr Alt sah
ein, dass für unsere Einrichtungen die Kofinanzierung schwierig ist. Allerdings
könnten auch bei uns wegrationalisierte Arbeitsplätze von „guten Geistern“
des Betriebes auf diese Weise wieder besetzt werden. Abschließend verwies
Herr Alt auf die Prognose, dass bis Ende 2008 25.000 Menschen nach § 16 a
SGB II gefördert würden.
Die BA gab in den folgenden Tagen eine Praxishilfe zu den Zielgruppen im
§ 16 a SGB II heraus, die nicht verpflichtend war. Ein vorläufiges Exemplar wird
zur Verfügung gestellt.
Leistungen nach § 16 Absatz 2 Seite 1 SGB II
Nach einer Einführung wies Herr Alt darauf hin, dass bei den ARGEn zum Teil
70 Prozent der Maßnahmen solche nach § 16 Absatz 2 Seite 1 SGB II wären,
die gegen das Umgehungs- und Aufstockungsverbot verstießen. Zudem seien
eindeutig kommunale Leistungen über das SGB II finanziert worden. Allerdings
sei das Potenzial dieser Maßnahmen nicht zu verkennen, insbesondere, wenn
die regulären Arbeitsmarktinstrumente ausgereizt seien oder auf die Personen
nicht passten. Daher habe es einen Geschäftsführer-Brief ins Bundesministerium für Arbeit und Soziales gegeben, um einem Instrument den richtigen
Stellenwert zuzuweisen. Die Spitzenverbände betonten ihrerseits, dass 46.000
Jugendliche Leistungen nach § 16 Abs. 2 S. 1 SGB II bekommen hätten. Zwar
könnten einzelne dieser Maßnahmen über das SGB VIII gewährt werden, doch
seien das dort (auch) nur Kann-Leistungen.
Bezüglich der nachträglichen Hauptschulabschlüsse wies Herr Opitz darauf hin,
dass sie über BvBs abgewickelt werden können. Entgegen den Befürchtungen
der Freien Wohlfahrtspflege sei das Fachkonzept der BA so flexibel, dass es
auch Verlängerungs- und Wiederholungsmöglichkeiten für besonders benachteiligte Jugendliche zulässt. Prinzipiell seien die Maßnahmen, die jetzt über
§ 16 Absatz 2 Seite 1 SGB II liefen, über andere Regelinstrumente förderbar.
Wo es Förderlücken gibt, seien zum Beispiel Maßnahmekombinationen (etwa
aus Instrumenten der Aktivierung und nachgehenden Betreuung) möglich.
Alle laufenden Maßnahmen sollen grundsätzlich bleiben und nur auf andere
15

Fördergrundlagen gestellt werden. Lücken, die danach noch bleiben, würden
untersucht. Eine mögliche Lücke könnten die Kompetenzagenturen sein, die
Ende August ausliefen und Jugendliche „Drop outs“ beträfen. Möglicherweise
bleibe hier eine Finanzierung über § 16 Absatz 2 Seite 1 SGB II oder andere
Kofinanzierungslösungen möglich. Herr Alt wies darauf hin, dass es § 16
Absatz 2 Seite 1 SGB II erstmal weiterhin gibt und er im Notfall auch mit guter
Begründung angewandt werden könnte. Die BA hat die ARGEn gebeten, bis
21. Mai über Förderlücken zu berichten, die dann ausgewertet wurden.
Die BA signalisierte Interesse, dass die Freie Wohlfahrtspflege ihr Förderlücken
anzeigt, die gegebenenfalls bei ihr auftauchen. Gleichzeitig war sie bereit, ihre
Unterlagen zum Umstellen der Leistungsangebote herauszugeben. In der Diskussion machte Herr Niermann den Vorschlag, dass BA und BAGFW gemeinsam eine Infoveranstaltung machten, in der thematisiert wird, wie die Projekte
auf neue Finanzierungsgrundlagen gestellt werden können und wie die Umstellung insgesamt erfolgt. Der Vorschlag traf bei Herrn Alt auf Zustimmung.
Instrumentenstraffung
Nach einer Einführung ins Thema betonten die Vertreter der Bundesagentur,
dass es ihnen ein Anliegen sei, keine Förderlücken entstehen zu lassen, mehr
Transparenz für Betriebe und Sachbearbeiter zu schaffen und den Bürokratieabbau voran zu treiben. Dafür sei die Idee des Vermittlungsbudgets gut, mit
dem der Sachbearbeiter alle Leistungen finanzieren kann, die er im Einzelfall
braucht. Beim Eingliederungszuschuss soll nur noch nach Art und Schwere
des Falls entschieden werden. Mit der Reform solle kein Geld gespart werden.
Die Größe des Experimentiertopfs sei zu klein; am besten wären zehn Prozent.
Zum Zeitplan erklärte Herr Alt, dass der Gesetzentwurf am 19. Mai an den
Minister ginge. Im Herbst solle das Verfahren abgeschlossen sein. Ihm wäre als
Inkrafttretens-Zeitpunkt der 1. April 2009 lieber als der 1. Januar 2009.
Betreuungsaufgaben in Haushalten mit pflegebedürftigen Menschen
In einer Einführung wurde von den Wohlfahrtsverbänden dargestellt, dass
die BAGFW der Ansicht sei, dass vor allem Geringqualifizierte oder Menschen
mit Betreuungserfahrungen geeignet seien. Herr Alt erwiderte: Seine Motivation sei die Tatsache, dass es in den Haushalten 100.000 bis 150.000 illegal
beschäftigte Haushaltshilfen gebe. Es gehe hier ausdrücklich nicht um Pflege,
sondern ausschließlich um eine Haushalt unterstützende Funktion. Er hätte ein
Interesse daran, dass die Wohlfahrtsverbände dies organisierten. Die Tätigkeit
stärke auch die anschließenden Weitervermittlungsmöglichkeiten der Arbeitslosen. Herr Alt erläuterte nochmals, dass diese Idee seine persönliche sei, für die
er vor Ort sehr werbe, aber die er nicht durch Handlungsempfehlungen oder
Ähnliches durchsetze. Eine Finanzierung sei zum Beispiel über eine Arbeitsgelegenheit in der Entgeltvariante oder auch als Zusatzjob möglich. Gegebenenfalls
könne auch ein kleiner Eigenbeitrag von etwa 100 Euro vom Haushalt verlangt
werden. Das Kriterium der Zusätzlichkeit sei kein Problem. Er sei auch schon
mit einer Pastorin aus der Diakonie in Schleswig-Holstein und dem Deutschen
Gewerkschaftsbund (DGB) hierzu im Gespräch. Herr Brückers schlug vor, dass
16

die BA und die BAGFW gemeinsam ein Schreiben an die Wohlfahrtsverbände
vor Ort schicken sollten, in dem Leitlinien zur Organisation der Vermittlung von
Betreuungshilfen dargelegt würden. Herr Alt unterstützte den Vorschlag. Als
nächster Gesprächstermin wurde der Herbst 2008 in Aussicht genommen.

Treffen der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege­
mit Frau Professor Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin für
Integration im Bundeskanzleramt und Beauftragte der
Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
Nach der Begrüßung wies Staatsministerin Frau Prof. Dr. Böhmer auf die
wachsende Bedeutung des Integrationsplanes hin. Nach Verabschiedung des
Integrationsplanes im Jahr 2007 hatten in den letzten Monaten zahlreiche
Gespräche über die Bilanzierung der Selbstverpflichtungen stattgefunden.
Dies insbesondere mit den Bundesländern, kommunalen Spitzenverbänden,
Bundesministerien sowie Migrantenselbstorganisationen.
Eine herausgehobene Rolle im Bereich der Umsetzung des Nationalen Integrationsplanes spielten die Migrantenorganisationen. Mit ihnen ist der Kontakt
besonders eng, denn sie sind als Brückenbauer unverzichtbar. Das Motto, nicht
über, sondern mit den Migranten zu reden, hatte sich bewährt. Für viele ist
die Umsetzung der Selbstverpflichtungen inzwischen zum „Herzstück“ ihrer
Arbeit geworden. Zentrale Handlungsfelder sind die Elternarbeit, Bildung und
Sprachförderung, Integrationsprojekte für Frauen und Mädchen und die Verbesserung der Ausbildungsplatzsituation.
Frau Prof. Dr. Böhmer bedankte sich ausdrücklich bei den Verbänden der
BAGFW und hob deren besondere Bedeutung als wichtige Akteure im Rahmen
des Nationalen Integrationsplanes hervor. Von den 400 Selbstverpflichtungen
wurden 60 von den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege eingegangen.

Der BAGFW-Präsident
zur Kampagnener­
öffnung für Einbürgerungen mit der Inte­
grationsbeauftragten
Prof. Dr. Maria Böhmer

17

Der „Bericht zur
Umsetzung der Selbstverpflichtungen der
Wohlfahrtsverbände im
Rahmen des Nationalen
Integrationsplans“ ist
unter www.bagfw.de
abrufbar.

Die Vorlage eines Berichtes über die Umsetzung beziehungsweise die Schwierigkeiten der Umsetzung der Selbstverpflichtungen war für den 15. September
2008 vereinbart worden. Bei den verschiedenen Gesprächen und Besuchen
von Einrichtungen und Institutionen war die Rolle der Familie im Integrationsprozess immer mehr deutlich geworden. Die Staatsministerin sah deshalb
für die Zukunft besondere Schwerpunkte in der Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen sowie im Bereich der Elternarbeit.
Präsident Herr Dr. Neher bedankte sich für das Gespräch und knüpfte an die
Gespräche in den vergangenen zwei Jahren an. Er sah in den Jahren nach dem
1. Integrationsgipfel 2006 eine positive Entwicklung und erachtete deshalb
den Meinungsaustausch zwischen der Staatsministerin Frau Prof. Dr. Böhmer
und der BAGFW als ein zentrales Element zur Förderung der Integration und
der Gestaltung der Migrationspolitik. Die Bundesregierung hat zur Förderung
der Integration wichtige Weichen gestellt. Die BAGFW ist jedoch der Meinung,
dass dieser Prozess von einem Monitoring im Sinne einer Evaluation über die
Wirkung der einzelnen Maßnahmen stattfinden muss. Wichtig ist in diesem
Zusammenhang vor allem die Entwicklung von Indikatoren. Die Steuerung des
Bundes und der Länder in diesem Gesamtprozess wie auch das Ziel, die Integrationsanstrengungen zu messen, wird von der BAGFW begrüßt. Die BAGFW
wird diese Entwicklung deshalb im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen.
Tagung der BAGFW mit der Bundesbeauftragten zur Umsetzung der Selbstverpflichtungen des Nationalen Integrationsplanes
Im Rahmen der Umsetzung der Selbstverpflichtungen war für den 27. Juni
2008 ein Fachgespräch mit dem Titel „Kindertageseinrichtungen als Orte der
Integration“ geplant. Dieses Thema wurde vorgeschlagen, da die BAGFW in
diesem Arbeitsfeld eine hervorgehobene Rolle spielt. Die Themen des Fachgesprächs waren:
1. Wie erreichen Kindertageseinrichtungen Familien? Wie erreichen Familien
Kindertageseinrichtungen?
18

2.  Was können/sollen Kindertageseinrichtungen leisten?
3. Welche Rahmenbedingungen brauchen Kindertageseinrichtungen, um ihre
Aufgabe erfüllen zu können?
Als Teilnehmende des Fachgesprächs waren Vertreter und Vertreterinnen von
Kommunal-, Landes- und Bundespolitik, Verbänden, Migrantenorganisationen
und Wissenschaft vorgesehen.
Diese gemeinsame Fachveranstaltung der BAGFW und der Bundesbeauftragten griff die Aspekte, die Staatsministerin Frau Prof. Dr. Böhmer in ihrer Begrüßung erwähnt hatte, auf. Von Seiten der BAGFW war dieses Fachgespräch ein
wichtiger Schritt, auch für die interkulturelle Öffnung. Es ist zu begrüßen, dass
das Fachgespräch gemeinsam von den Fachbereichen Migration/Integration
sowie Kinder- und Jugendhilfe der Wohlfahrtsverbände vorbereitet wurde. Bei
der darauf folgenden Diskussion wurden folgende Punkte hervorgehoben:
–– Die Bedeutung der Sprachentwicklung in Kindertageseinrichtungen, wobei
der Aspekt des Sprachfeststellungstests kurz erwähnt wurde.
–– Die Bedeutung der Rolle der Eltern im Integrationsprozess. Hervorgehoben
wird die Elternarbeit, wobei besonders darauf geachtet wird, dass nicht nur
Mütter einzubeziehen sind.
–– Die Erzieherausbildung beziehungsweise -fortbildung, wobei in diesem
Zusammenhang auch die Frage der Kosten für die Träger, die aufgrund der
höheren Qualifizierung der Erzieher entstehen, erwähnt wurde. Hier sind
Länder und Kommunen besonders gefordert.
–– Die stärkere Einbindung der Migrantenselbstorganisationen.
In diesem Zusammenhang bekräftigte die Staatsministerin ihre Unterstützung
für die Zusammenarbeit der Kultusministerkonferenz (KMK) mit Migrantenorganisationen in der Elternarbeit. In einer gemeinsamen Erklärung hatten sich die
KMK und acht Migrantenorganisationen verpflichtet, die Zusammenarbeit von
Elternhäusern und Bildungseinrichtungen zu fördern, unter anderem durch mehr
Sprachlernangebote für Eltern mit Migrationshintergrund, Erziehungsvereinbarungen zwischen Kindertagesstätten beziehungsweise Schulen und Eltern sowie
durch „Elternakademien“ der Migrantenorganisationen. Darüber hinaus soll
die Zusammenarbeit durch Information und Sensibilisierung über die positiven
Wirkungen frühkindlicher Bildung in Kindertagesstätten sowie Mitwirkungsmöglichkeiten für Eltern in den Bildungseinrichtungen gefördert werden. Über die
weitere Arbeit zwischen BAGFW und der Bundesbeauftragten zu diesem Thema
sollte nach Auswertung des Gesprächs auf Fachebene befunden werden.
In Bezug auf den Integrationsplan und dessen Evaluation informierte Staatsministerin Frau Prof. Dr. Böhmer darüber, dass zukünftig die Entwicklung der
gesellschaftlichen Integration der Bevölkerung mit Migrationshintergrund und
die Erfolge der Integrationspolitik regelmäßig an Hand von wissenschaftlichen
Messgrößen (Indikatoren) überprüft werden sollen. Eine Konzeption zu einem
bundesweiten Integrationsmonitoring sollte in der darauf folgenden Woche im
Kabinett vorgelegt werden.
19

Das bundesweite Integrationsmonitoring basiert auf 100 Indikatoren zu 14
Themenfeldern: Rechtsstatus, frühkindliche Bildung und Sprachförderung,
Bildung, Ausbildung, Arbeitsmarktintegration, soziale Integration und Einkommen, gesellschaftliche Integration und Beteiligung, Wohnen, Gesundheit, Demographie, Mediennutzung, interkulturelle Öffnung der Verwaltung und der
Sozialen Dienste, Politik, Kriminalität, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Diese
Themen bilden die zentralen Handlungsfelder der Integrationspolitik ab.
Mit der Einführung eines bundesweiten Integrationsmonitorings setzt der Bund
eine seiner Selbstverpflichtungen des Nationalen Integrationsplans um.
In der Diskussion wurde von der BAGFW die besondere Vernetzung mit den Ländern hervorgehoben sowie die Abstimmung mit dem Bundesamt für Migration,
da dort im Rahmen des Integrationsprogramms auch an Integrationsindikatoren
gearbeitet wird. Als besonders problematisch wurde angesehen, ob Indikatoren,
die sich allein auf quantitative Größen beziehen, zum Stand der Integration aussagekräftig seien. Es wurde besonders auf die Bedeutung von weichen Indikatoren (Wertvorstellung, Befindlichkeit, Empfindungen) im Prozess der Integration
hingewiesen. Es wurde auch die Frage nach einer Zusammenarbeit zwischen
BAGFW und der Bundesbeauftragten in diesem Bereich gestellt, da sich die Verbände mit der Frage der Wirkung von Integrationsmaßnahmen befassten und
hier bereits einige Erfahrungen haben. Von Seiten der Bundesbeauftragten Frau
Prof. Dr. Böhmer wurde ein Austausch zu diesem Thema in Aussicht gestellt,
jedoch sollte dies kein formalisierter Austausch sein.
Monitoring zur Staatsangehörigkeit
Im April 2007 wurde vom BAGFW-Vorstand und der Bundesbeauftragten
ein Monitoring zur Staatsangehörigkeit vorgeschlagen. Ziel war, zu evaluieren, welche Gesetze, Regelungen und Befindlichkeiten der Zuwanderer dazu
führen, dass nicht mehr Menschen von der Option der Einbürgerung Gebrauch
machen. Angesichts des starken Rückgangs der Einbürgerung im Jahre 2007
(9,5 Prozent weniger als 2006) sollte das Monitoring ein Versuch sein, die
derzeitige Situation stagnierender Einbürgerungszahlen zu überwinden. Es
wurde eine Befragung bei den Beratungsstellen der BAGFW durchgeführt mit
folgenden Themen:
–– Gründe, die Ausländerinnen und Ausländer dazu bewegen, von der Möglichkeit der Einbürgerung Gebrauch zu machen.
–– Gründe für Ausländerinnen und Ausländer, von der Möglichkeit der Einbürgerung keinen Gebrauch zu machen.
–– Gründe für das Scheitern und Ablehnen von Einbürgerungsanträgen.
–– Gesetzliche Hemmnisse für Einbürgerung, insbesondere die gesetzlichen
Neuerungen durch die zweite Änderung des Zuwanderungsgesetzes.
–– Spezielle Probleme bei der Einbürgerung aus geschlechts-, alters- und herkunftslandsspezifischen Gründen.

20

Erste Ergebnisse aus dem Monitoring zur Staatsangehörigkeit zeigten, dass die
Regelung zur Vermeidung von Mehrstaatlichkeit das größte Einbürgerungshemmnis ist. Weitere wichtige Gründe gegen Einbürgerung waren die hohen
Kosten der Ausbürgerung, ein Gefühl der Unerwünschtheit und das langwierige Einbürgerungsverfahren.
Im Jahr 2008 wurde zum ersten Mal das Optionsmodell virulent. Nach dem
Optionsmodell muss, wer die deutsche Staatsangehörigkeit über das Geburtsortsprinzip erhalten hat, mit Beginn der Volljährigkeit, spätestens jedoch bis zur
Vollendung des 23. Lebensjahres erklären, ob er die deutsche oder eine andere
Staatsangehörigkeit behalten will.
In einer Anhörung des Innenausschusses vom Dezember 2007 sprach sich die
Mehrheit der Sachverständigen für eine Aufhebung des Optionszwangs aus.
Besonders wurde betont, dass dadurch zum einen ein sehr hoher administrativer Aufwand, zum anderen Unsicherheiten über den Status deutscher
„ius soli“(lateinisch: Recht des Bodens, Geburtsortprinzip) Staatsangehöriger
entstehen. Gerade jungen Menschen mit deutschem Pass wird dadurch signalisiert, dass sie in Deutschland nicht gewollt sind.
Bei der Diskussion gab es Übereinstimmung, dass nicht nur die Frage der Information, sondern auch die Befindlichkeit und manche örtliche Verwaltungspraxis
eine Rolle spielen. Zur Frage der Befindlichkeit wurde von Seiten der BAGFW auf
die besondere Bedeutung der Signale der Politik hingewiesen, beispielsweise
der Wahlkampf in Hessen Ende 2007 / Anfang 2008 sowie die besondere Rolle
der Medien. Es wurde vereinbart, nach der Auswertung und Bewertung des
Monitorings über das weitere Vorgehen zu beschließen. Die Frage, ob es eine
Kampagne beziehungsweise einen Wettbewerb auf kommunaler Ebene vor
dem Jahr 2009 geben kann, sollte zu einem späteren Zeitpunkt entschieden
werden. Die Bundesbeauftragte informierte über eine Broschüre, die in 2008
veröffentlicht wird. Diese sollte in kompakter Form aufbereitete Informationen
zu allen für die Einbürgerung relevanten Fragen enthalten. Frau Prof. Dr. Böhmer
bat die Verbände, diese Broschüre angesichts der besonderen Bedeutung für die
Integration über die Beratungsstellen zu verteilen.
Der BAGFW-Präsident
und der Chef des Bundeskanzleramts beim
BAGFW-Fachkongress

21

Präsident Herr Dr. Neher unterstrich die besondere Bedeutung der Einbürgerung, wobei er sich einen konstruktiveren Austausch zum Thema Einbürgerung
wünschte. Dabei sollte der Erfahrungsschatz und das Wissen der Verbände
stärker in die Politik einbezogen werden. Das Thema Staatsangehörigkeit sollte
weiterhin auf Arbeitsebene erörtert und Vorschläge für die weitere gemeinsame Zusammenarbeit eruiert werden.
Familienzusammenführung
Die Vertreter der Freien Wohlfahrtspflege erläuterten die Hauptkritikpunkte der
BAGFW-Verbände an dem Gesetz zur Umsetzung aufenthalts- und asylrechtlicher Richtlinien der Europäischen Union, das am 28. August 2007 in Kraft getreten ist. Die Neuregelung setzt die Ehe mit einem ausländischen Partner noch
stärker als bisher in den Verdacht der Scheinehe. Es handelt sich um einen
unverhältnismäßigen Eingriff in den grundgesetzlichen Schutz der Ehe gemäß
Artikel 6 GG. Diese neue Regelung kann weder Scheinehe noch Zwangsverheiratung verhindern. Die Verbände sahen die Wichtigkeit des Erlernens der
deutschen Sprache, jedoch gestaltet sich der Zeitpunkt des Spracherwerbs vor
der Einreise oftmals als sehr schwierig, da es in vielen Ländern entsprechende
Kursangebote nicht gibt.
Das Problem der Zwangsverheiratung betrifft auch Personen, die bereits in
Deutschland leben. Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege setzten sich
dafür ein, Zwangsverheiratung zu bekämpfen. Hier sollten die Opfer entsprechende Hilfestellung erhalten und keine weiteren ausländerrechtliche Sanktionen stattfinden. Frau Prof. Dr. Böhmer verteidigte die neue Regelung und
relativierte die Begründung, dass diese zur Zweckbekämpfung von Scheinehe
und Zwangsverheiratung diente. Sie sah aber in dieser Regelung das Erlernen
der deutschen Sprache vor der Einreise besonders für Frauen als Chance, ein
wichtiges Instrument zu erhalten, um sich in Deutschland gegen Isolierung
und Unterdrückung wehren zu können. Laut Frau Prof. Dr. Böhmer seien die
Erfahrungen, die in der Türkei gemacht wurden, positiv. In den Verwaltungsvorschriften wird die Möglichkeit gesehen, dass das Sprachniveau nach französischem Beispiel herabgesetzt wird. Der Rückgang der Anträge zur Familienzusammenführung besonders in Ländern wie Kosovo, Thailand und Südamerika
zeige, dass dies nicht nur ein Problem der Türkei allein sei. Es wurde vereinbart,
dass die Verbände Erfahrungen aus der Praxis zu diesem Thema an die Bundesbeauftragte weiterleiten. Frau Prof. Dr. Böhmer teilte mit, dass in Bezug auf
Zwangsverheiratung eine Studie in Bearbeitung sei.
Zum Abschluss des Gesprächs wies Frau Prof. Dr. Böhmer noch auf die
Bedeutung der Charta der Vielfalt hin. Sie regte an, darüber nachzudenken,
ob die Verbände der BAGFW diese unterzeichnen würden, wobei sie Verständnis dafür hatte, dass die konfessionellen Verbände bezüglich des Inhaltes
Schwierigkeiten haben könnten. Man könnte überlegen, ob es möglich sei, die
bestehende Charta der Vielfalt zu modifizieren.
Frau Prof. Dr. Böhmer und der BAGFW-Präsident Prälet Dr. Neher dankten für
den Austausch und die Zusammenarbeit und bekräftigten die Intention, diese
Gespräche jährlich weiterzuführen.
22

Die Bundesfamilienministerin Ursula von
der Leyen empfing
die Präsidenten und
Vorsitzenden der Freien
Wohlfahrtspflege
am 28. Mai 2008 im
BMFSFJ

Gespräch der Präsidenten und Vorsitzenden der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege mit Bundesministerin
Frau Dr. von der Leyen im Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend
Kinder- und Familienarmut
Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege begrüßten die Reformen in
der Familienpolitik. Zur Weiterentwicklung des Kinderzuschlags wurden zwei
Wünsche geäußert: Einführung eines Wahlrechts zwischen Kinderzuschlag und
Arbeitslosengeld II und Aufhebung der Höchsteinkommensgrenze.
Die Bundesministerin Frau Dr. von der Leyen betonte, dass die Weiterentwicklung des Kinderzuschlags im Koalitionsvertrag verankert sei und dass sie die
Forderungen der Wohlfahrtsverbände verstehe, denn die Bemühungen des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zielten
in dieselbe Richtung. Sie verwies auf die derzeit für die Weiterentwicklung
des Kinderzuschlags zur Verfügung stehende Summe von 200 Millionen Euro
(Netto/Bund).
Beim Thema Bekämpfung von Kinder- und Familienarmut benannte die Ministerin vorrangig die Gruppe der Alleinerziehenden, der Kinder mit Migrationshintergrund und der kinderreichen Familien, die von Armut betroffen
seien. Wichtig seien Sachleistungen (Ausbau der Kinderbetreuung), aber in
gleichem Maße auch Geldleistungen. Ihr Ziel sei eine wirksame Erhöhung des
Kindergeldes. Sobald der Existenzminimumsbericht vorliege, wollte sie eine
breite Debatte um ein gestaffeltes Kindergeld anstoßen. Dabei gehe es nicht
um die Alternative Sachleistung oder Geldleistung. Diese Position wurde von
den Verbänden geteilt, gleichzeitig aber auch auf die hohe Bedeutung von
Sachleistungen hingewiesen.

23

Der Armuts- und Reichtumsbericht wurde kurz diskutiert. Die Wohlfahrtsverbände wiesen auf die Bedeutung von Bildung in diesem Kontext hin. Die
Bundesministerin berichtete vom Ausbau der Kinderbetreuung. Auch das
Thema Schulessen wurde angesprochen, dabei vertrat sie die Position, dass ein
Mittagessen insbesondere für Ganztagsschulen notwendig sei, verwies aber
gleichzeitig auf die Länderzuständigkeit. Die Verbände drängten auf eine Festlegung der Zuständigkeiten, ansonsten wäre Stagnation zu befürchten.
Das Thema Leistungen für Kinder im SGB II und SGB XII wurde diskutiert.
Die Verbände unterstützten den Entschließungsantrag des Bundesrates zur
Einführung eines bedarfsgerechten Kinderregelsatzes. Die Bemessungen der
Leistungen nach Hartz IV werden dem besonderen Bedarf der Kinder und
Jugendlichen nicht hinreichend gerecht, die Leistungen seien neu zu bemessen. Eine Überprüfung des Verhältnisses von Einmalleistungen und Pauschalen
sei notwendig. Frau Dr. von der Leyen verwies darauf, dass mit Vorliegen der
Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008 eine Überprüfung der Regelsatzbemessung vorgenommen werde. Der Staatssekretär sprach die Frage
der Systematik an; die Forderung der Verbände würde einen Systemwechsel
bedeuten.
ZivilEngagement
Die Wohlfahrtsverbände regten eine stärkere Beteiligung der Verbände beim
Freiwilligendienst aller Generationen an. Es wurde gebeten, nach Wegen und
Möglichkeiten zu suchen, wie die Verbände mit ihren Gliederungen dazu
beitragen könnten, dass die angestrebte lokale und kommunale Verortung
gelingen und eine Nachhaltigkeit der bisher erreichten Ergebnisse sichergestellt
werden könne. Die Bundesministerin skizzierte kurz zentrale Punkte der Freiwilligendienste aller Generationen und betonte die Bedeutung eines regelmäßigen Austausches zwischen BMFSFJ und Wohlfahrtsverbänden. Der Staatssekretär informierte über die Aktivitäten des BMFSFJ bezüglich einer effektiven
lokalen und kommunalen Verankerung und berichtete über die unerwartet
hohe positive Rückmeldung. Von Seiten der Verbände wurde darum gebeten,
bestehende Strukturen mit einzubeziehen.
Auf den Hinweis der Verbände zur Bedeutung einer Wirkungsanalyse der
Jugendfreiwilligendienste erklärte die Ministerin, dass das BMFSFJ eine solche
durchführen werde. Das Thema Status von Freiwilligen wurde diskutiert. Es bestand Einigkeit, dass eine grundsätzliche Klärung notwendig sei. Der Staatssekretär erläuterte, dass man im Zuge der Fortentwicklung der Freiwilligendienste
aller Generationen rechtlich verbindliche Regelungen anstrebe. Er verwies aber
auch darauf, dass die jetzige Vielfalt Vorteile sowie Spielraum biete, was von
Seiten der Verbände bestätigt wurde.
Die Bundesministerin bat die Verbände um weitere Unterstützung bei den
Vorhaben im Bereich Zivildienst, was von den Verbänden zugesagt wurde.
Die Verbände begrüßten ausdrücklich die Reform des Gemeinnützigkeitsrechts. Sie baten zu prüfen, ob bei weiteren Gesetzesnovellierungen die bei
der Reform des Gemeinnützigkeitsrechts nicht aufgenommene Anrechnung

24

von Zeitspenden Berücksichtigung finden könne. Der Staatssekretär betonte,
dass das BMFSFJ sich hierfür eingesetzt hätte. Die weitere Entwicklung dieser
Angelegenheit wäre jedoch offen.
Nach Auffassung der Verbände war es notwendig, Regelungen dafür zu schaffen, dass die Organisationen von Freiwilligendiensten generell umsatzsteuerbefreit sind. Der Staatssekretär verwies darauf, dass aus europarechtlichen
Gründen das Bundesministerium der Finanzen (BMF) derzeit keine Möglichkeit
sehe, eine solche Steuerbefreiung im Umsatzsteuergesetz zu verankern, sowie
auf die neuen Möglichkeiten durch das Jugendfreiwilligendienstegesetz.
Von Seiten der Wohlfahrtsverbände wurde die Initiative ZivilEngagement
begrüßt sowie der Wunsch nach einem Austausch mit dem Beauftragten für
ZivilEngagement geäußert. Die Bundesministerin Frau Dr. von der Leyen erklärte, der Beauftragte stünde für einen Austausch sicherlich gerne zur Verfügung.
Er wurde vom BMFSFJ über diesen Wunsch informiert.
Ausbau Kinderbetreuung
Die Wohlfahrtsverbände begrüßten den Ausbau der Kinderbetreuung
ausdrücklich. Sie verwiesen jedoch auf die neuen Anforderungen für Erzieherinnen und Erzieher vor dem Hintergrund des verstärkten Bildungsaspektes.
Insbesondere sei in diesem Kontext ein guter Erzieher/in-Kind-Schlüssel wichtig, um Qualität zu gewährleisten. Auch die Qualifikations- und Gehaltsstruktur bei Erzieherinnen und Erziehern sei ein wichtiger Aspekt. Frau Dr. von der
Leyen bestätigte die hohe Bedeutung der Qualität von Kinderbetreuung sowie
der Gehälter und deren Erhöhung in mittelfristiger Perspektive. Jedoch seien
hier die Einflussmöglichkeiten des Bundes eher gering.
Die Bundesministerin verwies darauf, dass für den Ausbau der Kinderbetreuung Bundesmittel zur Verfügung stünden, sie müssten nun unbedingt von den
Ländern abgerufen werden. Wenn die Kommunen den Ausbau nicht vorantrieben, stünden sie mit Wirksamwerdung des Rechtsanspruchs vor einer schwierigen Situation. Sie bat die Wohlfahrtsverbände um Unterstützung bei diesem
Prozess, was von den Verbänden zugesagt wurde.
Verschiedenes
Von Seiten der Spitzenverbände wurde abschließend dem BMFSFJ gedankt,
dass die Mittel im Titel 684 04 trotz des Konsolidierungsdrucks in den letzten
Jahren konstant gehalten werden konnten, und gleichzeitig – insbesondere vor
dem Hintergrund der steigenden Personalkosten – die Bitte nach eine Anhebung des Etatansatzes ab 2010 ausgesprochen.

25

Meinungsaustausch von Vertretern der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege mit Staatssekretär
Detlef Scheele im Bundesministerium für Arbeit und Soziales
In der kurzen Begrüßung verwiesen die Vertreter der Freien Wohlfahrtsverbände auf die Stellungnahme der BAGFW vom 15. Mai 2008 zum Vorschlag
„Kooperatives Jobcenter“ (KJC, in der Fassung vom 23. April 2008) des BMAS
und formulierte die Hoffnung, dass die Vertreter des Bundesministeriums bei
diesem Gespräch den aktuellen Sachstand zur Diskussion stellten.
Der Staatssekretär des BMAS Herr Scheele berichtete von der ursprünglich
als solche gedachten Abschlusssitzung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe der
85. Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) am vergangenen Freitag. Es
wurden dort die Berichte der drei Unter-Arbeitsgruppen angehört, die von der
ASMK zur Prüfung der Modelle
1. Verfassungsrechtliche Verankerung der ARGEn
2.  Durchführung der Regelleistungen im Wege der Bundesauftragsverwaltung
3.  Kooperatives Jobcenter
eingesetzt worden waren (Teilnehmerkreis: BA, BMAS, Bundesländer, Deutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Landkreistag). Alle
Modelle wurden einem einheitlichen Bewertungsraster unterzogen. Es konnte
keine Einigung auf eines der Modelle erzielt werden. Bis zu einer Sonder-ASMK
im Juli sollte die Arbeit weitere drei Wochen fortgesetzt werden, wobei durch
die Verhandlungspartner der Gruppen 2 und 3 versucht wurde, beide Vorschläge in einem Modell zusammenzuführen.
Zum ersten Vorschlag „Verfassungsrechtliche Verankerung der ARGEn“
zeichnete sich aus Sicht von Herrn Scheele keine Mehrheitsfähigkeit ab, obwohl elf der 16 Bundesländer eine verfassungsrechtliche Verankerung der ARGEn zwischenzeitlich befürwortet hätten. Aus Sicht der Vertreter des Bundesministeriums Arbeit und Soziales war das Kernproblem dieses Vorschlags, dass
der Bund nicht mehr die Rechtsaufsicht beziehungsweise Steuerungsfunktion
besäße. Daher wurde der Vorschlag aus der Unterarbeitsgruppe 1 von allen
betroffenen Ressorts und dem Bundeskanzleramt abgelehnt.

Auf Nachfrage der Spitzenverbände, ob das Nein grundsätzlich alle Varianten
einer verfassungsrechtlichen Verankerung der ARGEn betreffe, erläuterte Herr
Scheele, dass zunächst nur der konkret ausgearbeitete Vorschlag abgelehnt
worden sei. Dennoch war es aus Sicht des BMAS nicht Ziel führend, dass
genau der Lösungsweg aufgeschrieben wurde, der nicht konsensfähig sein
konnte. Perspektivisch sah er keine Zustimmung des Bundeskanzleramts und
der betroffenen Bundesministerien zu Modellen, die ein Auseinanderfallen von
Finanzverantwortung und Aufgabenwahrnehmung beinhalteten. Dennoch
zeigte die schnelle Arbeit in den Unterarbeitsgruppen insgesamt ein konstruktives Verhandlungsklima.

26

Ein Vertreter des BMAS führte genauer aus, über welche verfassungsrechtlichen Lösungswege auf Vorschlag Schleswig-Holsteins diskutiert wurden.
Änderungen des Grundgesetzes wurden zum einen in Artikel 44 und zum anderen in Artikel 91a ff. diskutiert. Die ARGEn wären demnach als Landesbehörden ausgestaltet und die gesamte Aufsicht auf der Ebene der Länder gebündelt. Die Finanzierung der Verwaltungskosten sollte wie heute zu 80 Prozent
durch den Bund erfolgen. Die bisherige Kooperation vor Ort in den ARGEn
würde folglich durch eigenständige Landesbehörden als Haushalt aufstellende
Körperschaften abgelöst.
Auf Nachfrage, ob eine Grundgesetzänderung in allgemeiner Form vorstellbar
sein könnte, die dann einfachgesetzlich zu regeln sei und ob es nicht eine
Möglichkeit gäbe, die ARGEn verfassungsrechtlich abzusichern und gleichzeitig
verschiedene Verbesserungen zum heutigen Modell umzusetzen, äußerten sich
die Vertreter des BMAS sehr zurückhaltend. Ein Konsens sei an dieser Stelle
eher unwahrscheinlich. Es bliebe das Problem eines Mischkonstrukts und damit
zugleich die Basis von Konflikten bestehen. Konsequent zu Ende gedacht setze
eine neue ARGE-Konstruktion verfassungsrechtlich eine eigene Kammer in
Form eines eigenen Souveräns voraus. In der heutigen Ausgangslage zögerten
die Bundesländer, die 3,8 Milliarden schwere Finanzverwaltung zu übernehmen. Gleichzeitig sei für eine Finanzierung durch Haushaltsmittel des Bundes
keine Konstruktion mit unter anderem je nach Bundesland unterschiedlichen
Tarifen oder Arbeitszeiten verträglich. Aus Sicht des BMAS war der Vorschlag
aus Schleswig-Holstein nicht geeignet, weil er die Optionslösung für alle
Kommunen öffnen würde. Eine solche bedeute einen Flickenteppich und eine
Ungleichbehandlung der Betroffenen, was auch nach Meinung der Haushaltspolitiker aller Fraktionen im Deutschen Bundestag nicht aus Bundesgeld finanziert sein könne und dürfe. Schließlich müssten nicht nur alle aus Bundesgeld
finanzierten Leistungen gleich sein, sondern bundeseinheitliche Lebensverhältnisse seien auch ein ausgewiesenes Ziel des SGB II gewesen.
Als Zwischenfazit sahen Herr Scheele und Herr Dr. Schmachtenberg die
Einschätzung von Bundesminister Olaf Scholz bestätigt, dass eine breite
Beteiligung an der Konsensfindung über die zukünftige Trägerschaft in der
Grundsicherung ähnliche Grundsatzdiskussionen beinhalte, wie sie schon in
2003/2004 geführt wurden. Dennoch bestünde weiterhin die Hoffnung, dass
bis zur Sonder-ASMK Mitte Juli eine Einigung erzielt werden kann.
Auf den dritten Vorschlag „Kooperatives Jobcenter“ wurde nur kurz eingegangen, weil dieser schon intensiv in der Diskussion war und die jeweiligen
Positionen weitgehend bekannt waren. Nach diesem Vorschlag bliebe die Finanzierung geregelt wie bisher und es gäbe keine Finanzrisiken für Länder und
Kommunen. Das Problem des Modells bliebe die komplizierte und damit letztlich fehleranfällige und für die Betroffenen nachteilige Leistungsgewährung.
Der zweite Vorschlag aus Bayern „Durchführung der Regelleistungen im
Wege der Bundesauftragsverwaltung“ biete mit Blick auf die Leistungsgewährung gegenüber dem KJC Vorteile. Dagegen stünden aber eine Reihe finanztechnischer Schwierigkeiten und Probleme bei der gegenseitigen Abstimmung.
Zudem würden in diesem Modell Fördern und Fordern auseinander fallen.
27

Herr Scheele appellierte, dass der Vorschlag des KJC, ergänzt möglicherweise­
um Elemente aus dem Modell der Bundesauftragsverwaltung, nicht von
vornherein schlecht geredet werden dürfe, weil es am Ende der Verhandlungen unter Umständen als einziges Modell übrig bleiben könnte. Das KFC
wäre nicht vom Tisch. Auf die Nachfrage von Herrn Wörn, ob es nicht vor dem
Hintergrund der Vorteile bei der Leistungsgewährung im Modell der Bundes­
auftragsverwaltung für die Betroffenen möglich sei, den Nachteil des Auseinanderfallens von Fördern und Fordern durch entsprechende Vereinbarungen
zu minimieren, erläuterte Herr Dr. Schmachtenberg, dass an diesen Punkten
derzeit gearbeitet werde. Die Kommune müsse nicht nur die Anträge bearbeiten und die Leistung bewilligen, sondern gleichzeitig auch den Betroffenen zur
Arbeitsagentur schicken. Genauso müsse dann verbindlich geregelt werden,
dass von dort wieder ein Bescheid an die Kommune gehe. Weitere zu regelnde
Probleme beträfen mögliche Sanktionierungen oder auch Informationen aus
dem Fallmanagement. Insgesamt sei es aber gut möglich, die Schnittstellen zu
regeln.
Auf die Nachfrage, ob der Bund zugespitzt nur Finanzverantwortung übernähme, wenn alles einheitlich geregelt sei und was dies dann für die derzeitigen
Optionskommunen und das kommunale Handeln bedeute, wies Herr Scheele
darauf hin, dass den Optionskommunen in einem Brief von Bundesminister
Scholz die Existenz bis 2013 zugesichert wurde. In den aktuellen Verhandlungen wurde die Frage der Optionskommunen nur diskutiert, wenn sie – wie
beim Modell der Bundesauftragsverwaltung2 – von den angedachten Organisationsveränderungen betroffen seien. Es sei das politische Ziel des BMAS, die
bisherigen Optionskommunen bestehen zu lassen, allerdings bestünde keine
Einigkeit in den verschiedenen Ressorts der Bundesregierung, ob dies nach
der Föderalismusreform überhaupt verfassungsrechtlich möglich sei. Herr Dr.
Schmachtenberg betonte, dass es in verschiedenen Punkten wie den Kosten
der Unterkunft und den passiven Leistungen bestimmte einheitliche Leitplanken bräuchte, weil schließlich bei der gesamten Bevölkerung gleich viel Geld
des Bundes ankommen müsse.
Zu den aktiven Leistungen und der zukünftigen Ausstattung des Experimentiertitels erklärte Herr Scheele, dass das BMAS derzeit keine Einschränkung
der Leistungen vor Ort wolle, aber dass bestehende Regeln auch eingehalten werden müssten und dies teilweise nicht der Fall gewesen sei (Beispiel:
Aufsuchende Sozialarbeit wurde in den Kommunen teilweise ohne Qualitätsstandards angeboten über § 16 Absatz 2 Seite 1). Im Modell des KJC solle es
keine Vorschriften geben, wie das Fallmanagement konkret zu erfolgen habe.
Das KJC sei als eine Einrichtung der BA konzipiert, aber der Geschäftsführer
eines KJC könne vom Kooperationsausschuss gebunden werden. Insgesamt
sei in dem Modell des KJC ein relativ starker Spielraum für die Arbeit vor Ort
eingeräumt.

2

28

Laut GG gilt die Bundesauftragsverwaltung, wenn der Bund über 50 Prozent finanziert. Eine Bundesauftragsverwaltung für die passiven Leistungen benötigt eine zentrale Software und würde auch
für die Optionskommunen gelten.

Im Folgenden konzentrierte sich das Gespräch nochmals auf den Lösungsweg
einer Kombination aus KJC und dem Vorschlag einer Bundesauftragsverwaltung.
a) Modell KJC plus X
Bei der Suche nach einer tragfähigen Lösung zur zukünftigen Trägerschaft
in der Grundsicherung führten die Herren Scheele und Dr. Schmachtenberg
aus, dass eine getrennte Trägerschaft bis zu einer bestimmten Größe einer
Kommune (zirka 12.000 Bedarfsgemeinschaften) gut funktionieren könne.
Die Auswahl der Geschäftsführer fände im Eckpunktepapier zum Konzept KJC
(Fassung vom 23. April 2008) unter Beteiligung der Kommunen statt, wobei
die Letztentscheidung bei der BA liege. Im Rahmen einer Projektarbeit sollen
bis 2010 unter Beteiligung der Kommunen überörtliche Vorgaben erarbeitet
werden. Im BMAS wird hierzu eine Steuerungsgruppe eingerichtet. Herr Dr.
Schmachtenberg betonte nochmals den aus seiner Sicht wichtigen Punkt, dass
das Übernahmeangebot an das kommunale Personal, mit Vertrauensschutz
unter das Dach der BA zu wechseln, keinen Zwang bedeute. Notfalls müsse es
bei einem uneinheitlichen Personalkörper bleiben.
b) Modell Bundesauftragsverwaltung plus X
Nach dem Vorschlag einer Bundesauftragsverwaltung für die passiven
Leistungen würde das Personal der Kommunen zwischen 30 und 50 Prozent
des Aufgabenvolumens nach Weisung zu erledigen haben (Referenzmodelle:
Elterngeld, BAföG). Problematisch an dem Modell ist die mangelnde Transparenz. Auf Nachfrage von Herrn Sans, wie in diesem Modell die Qualität des
Personals und des Vermittlungsangebots im Vergleich zum Status Quo verbessert werden könne, verwies Herr Scheele auf das Ziel der Bundesregierung, die
beste Arbeitsvermittlung in Europa aufzubauen. Derzeit würden der Personalbestand und die Situation der Vermittlung genau analysiert. Einer der nächsten
Schritte müsste die Entfristung der Verträge sein. Zudem müsse über Mindestqualitätsstandards für den Beruf der Arbeitsvermittlerin beziehungsweise des
Arbeitsvermittlers nachgedacht werden. Bezüglich der passiven Leistungen
hätte der Bund im Modell der Bundesauftragsverwaltung keine Kontrolle über
das Handeln des kommunalen Personals.
Weitere Verhandlungsschritte und Absprachen
Herr Scheele äußerte die Hoffnung, dass die Arbeit erfolgreich auf der Arbeitsebene abgeschlossen werden könnte. Weil eine Umstellung der rund 340
ARGEn nach Einschätzungen des BMAS 18 bis 24 Monate dauert, muss spätestens im Herbst 2008 das Gesetzgebungsverfahren beginnen und die Umstellung – in welches Modell auch immer – spätestens am 1. April 2009 beginnen.
Dazu kommt die zu erwartende politische Blockade im Wahljahr spätestens ab
dem Frühjahr 2009. Die Vertreter der Wohlfahrtsverbände betonten nochmals
den Wunsch, dass im Sinne der Betroffenen eine sinnvolle Lösung gefunden
wird, die nicht nur eine Improvisationslösung ist. Wichtig sei den Verbänden,
dass ein vernünftiger dezentraler Handlungsspielraum auf kommunaler Ebene
gewährleistet sei.

29

Auf die Nachfrage, ob das BMAS eine Möglichkeit sieht, die Wohlfahrtsverbände und ihr Know-how in die Arbeit der Steuerungsgruppe einzubeziehen,
antwortete Herr Scheele, dass dies politisch nicht angedacht wäre, weil sonst
der Teilnehmerkreis stark erweitert und unter anderem auch die Sozialpartner
einbezogen werden müssten. Dennoch sei dem BMAS an einem Austausch mit
den Wohlfahrtsverbänden gelegen.
Es wurde vereinbart, dass alle drei bis vier Monate Gespräche dieser Art mit
den Wohlfahrtsverbänden stattfinden sollten. Die Initiative bezüglich der
Terminvereinbarung sollte von der BAGFW ausgehen. Insgesamt wurde durch
Herrn Scheele eine rechtzeitige Beteiligung der BAGFW an den einzelnen
politischen Schritten zugesagt.

Gespräch der Präsidenten und Vorsitzenden der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege mit der Bundeskanzlerin
Frau Dr. Angela Merkel
Die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel empfing am 4. Dezember 2008 die Präsidenten und Vorsitzenden der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege zur
Fortsetzung des regelmäßigen Gedanken- und Meinungsaustausches. Thema
des einstündigen Gesprächs war „Familien in Deutschland“. Insbesondere
sollte erörtert werden, wie die Wirkung der vielfältigen, Familien unterstützenden Dienste und Leistungen verbessert werden kann, so dass die angebotene Hilfe besser als derzeit zum angestrebten Erfolg führt.
Die Bundeskanzlerin hieß eingangs des Gesprächs die Präsidenten / Vorsitzenden der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege herzlich willkommen; sie
wies darauf hin, dass die Spitzenverbände gut vernetzt mit der Bundesregierung zusammenarbeiteten. Gleichwohl freue sie sich, den regelmäßigen Dialog
mit den Spitzenverbänden fortführen zu können. Sie dankte den Verbänden
für ihre Anstrengungen bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus, insbesondere in Ostdeutschland.
Einführend in das Thema des Gedanken- und Meinungsaustausches wies die
Bundeskanzlerin darauf hin, dass die Familienpolitik der letzten Jahre doch
„einiges bewirkt habe“; sie erinnerte an die Einführung des Elterngeldes, des
Kinderzuschlags, der Absetzung haushaltsnaher Dienstleistungen und an den
Bewusstseinswandel zur Bedeutung der Bildung in den ersten Lebensjahren.
Ihr sei bewusst, dass die Wohlfahrtsverbände sich an der einen oder anderen
Stelle sicher größere Schritte gewünscht hätten. In diesem Zusammenhang
erinnerte sie aber an die Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen im Hinblick auf den Bundeshaushalt und die Auswirkungen der
demografischen Entwicklung auch im Hinblick auf den Schuldenabbau durch
künftige Generationen. Die Richtung der Maßnahmen sei jedenfalls richtig,
nämlich die Aufstiegs- und Lebenschancen zu verbessern und zugleich dem
sich abzeichnenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Um hier noch einen

30

Die Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel em­
pfing die Präsidenten
und Vorsitzenden der
Freien Wohlfahrtspflege am 4. Dezember
2008 im Bundeskanzleramt

besonderen Akzent zu setzen, habe sie eine Bildungsreise im Sommer dieses
Jahres durchgeführt, ungeachtet der Kernkompetenzen der Länder. Auch
diese Reise habe weiteren Handlungsbedarf und Verbesserungsmöglichkeiten
aufgezeigt. Gleichwohl müsse bei der Lösung der Probleme immer auch im
Auge behalten werden, dass auch die Leistungsträger attraktive Rahmenbedingungen vorfinden, sonst würden sie nämlich das Land verlassen.
BAGFW-Präsident Dr. Neher bedankte sich für die Bereitschaft der Bundeskanzlerin, den Gedankenaustausch fortzusetzen und erläuterte zusammengefasst
die Kernaussagen seines Eingangsstatements. Er schloss mit dem Hinweis, dass
die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege gern ihre Expertise der Bundesregierung anbieten, wenn es darum geht, die soziale Bildungsspaltung zu
überwinden und die Hilfeinstrumente für benachteiligte Kinder und Jugendliche
zu verbessern.
Bundeskanzlerin Dr. Merkel erinnerte an die Ausgangslage im Vorfeld der
Föderalismusreform und wies darauf hin, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Bundeskompetenz auch im präventiven Bereich gestärkt werden
konnte. Ursächlich dafür seien die öffentlich gewordenen Verwahrlosungs- und
Misshandlungsfälle von Kindern. Sie habe große Sympathie für den Vorschlag
der Freien Wohlfahrtspflege, die Soll-Leistungen des SGB VIII in Rechtsansprüche zu überführen. Dieser „große Brocken“ sei derzeit aber nicht zu stemmen.
Wenn alle Soll-Vorschriften schon jetzt umgesetzt würden, wäre schon viel
getan. Auch räume sie gern ein, dass die Regelsätze für Kinder zu überprüfen
seien, insbesondere hinsichtlich der Altersstaffelung. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass der Abstand zwischen Familien mit mehreren Kindern mit und
ohne Unterstützung nicht zu groß werden darf.
Die Vertreter der BAGFW beschrieben, dass es in der Bundesrepublik hervorragende, auch von der Bundesregierung angestoßene und finanzierte
Modellprojekte zur Unterstützung benachteiligter Familien gäbe, jedoch der
Erkenntnisgewinn nachhaltig nicht gesichert werde. Auch würden wegen des

31

Ressortprinzips Schnittstellen etwa zwischen dem SGB II und dem SGB VIII
nicht angemessen berücksichtigt. Finanzarme Kommunen seien nicht in der
Lage, freiwillige Leistungen nach dem SGB VIII anzubieten. Dies sei allgemein
bekannt, gleichwohl werde es hingenommen trotz der Erkenntnis, dass frühzeitige und nachhaltige Hilfe im Ergebnis preiswerter sei als die lebenslange
Reparatur. Die Bundeskanzlerin bat die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, ihr mitzuteilen, welche der Soll-Vorschriften des SGB VIII aus Sicht
der Wohlfahrtsverbände am dringendsten in einen Rechtsanspruch überführt
werden sollten, um den Problemen begegnen zu können.
Die Gesprächspartner aus den Spitzenverbänden wiesen sodann auf die
drohenden dramatischen Personalprobleme im Bereich der Kinderbetreuung
ab 2012 hin. Um den Bedarf nach Ausbau der Kinderbetreuung decken zu
können, müsse die jetzige Ausbildungskapazität verdoppelt werden. Einen
Ansprechpartner für dieses drängende Problem gäbe es nicht. Die Bundeskanzlerin zeigte sich für dieses Problem sehr aufgeschlossen; sie wies ergänzend darauf hin, dass neben der Schaffung von Ausbildungskapazitäten auch
die Gehaltsstrukturen für den Erzieherberuf in den Blick genommen werden
müssten; ansonsten würde diese Berufssparte im Zuge des drohenden Fachkräftemangels keine Attraktivität mehr entfalten. Ein Ort für die Bearbeitung
dieser Fragen könne vielleicht die Ministerpräsidentenkonferenz sein; hier würde sie Zugangsmöglichkeiten für die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege prüfen. Als weiterer Gesprächspartner käme der Vorstandsvorsitzende
der Bundesagentur für Arbeit, Herr Weise, in Betracht.
Herr Dr. Seiters wies darauf hin, dass Hilfen für benachteiligte Familien nur
dann wirksam seien, wenn sie einfach, aus einer Hand, schnell und zielgenau
gewährt würden. Diese Voraussetzungen seien beim Kindergeld, nicht aber
beim Kinderzuschlag gegeben; auch die dringend benötigten Betreuungsleistungen durch die Krankenkassen erfolgten, wenn überhaupt, häufig viel
zu spät. Die Bundeskanzlerin erwiderte, dass gerade für die bildungsfernen
Schichten die bürokratischen Hürden teils unüberwindbar seien; hier verspreche sie sich von dem Ausbau der Familienzentren eine wertvolle Hilfe. Beim
Kinderzuschlag sei ein erster Schritt getan. Frau Merk ergänzte, dass die steuerlichen Hilfen nur für gut situierte Familien ihre Wirkung entfalteten. Ihre Sorge sei, dass durch diese Anreize die Einkommensschere größer werde. Deshalb
wäre sie für eine Prüfung dankbar, ob hier nicht falsche Anreize gesetzt würden. Die Bundeskanzlerin erwiderte, dass die erwähnten steuerlichen Anreize
auch dazu dienten, den Schwarzarbeitsmarkt zu bekämpfen, Arbeitsplätze zu
schaffen und in der Bundesrepublik Deutschland eine Dienstleistungskultur
zu etablieren. Deshalb werde „durch Steuern gesteuert“. Außerdem müsse
immer der Systemunterschied zwischen Freibeträgen und der Gewährung von
Leistungen wie zum Beispiel dem Kindergeld im Auge behalten werden.
Auf die Anregung von eines Vertreters der Freien Wohlfahrtspflege, eine Kampagne zur Wertschätzung sozialer Berufe gemeinsam mit der Bundesregierung
zu starten, erwiderte die Bundeskanzlerin, dass die gebotene Wertschätzung
eher durch Taten als durch Plakate erfolgen solle. Sie habe durch eine Bildungsreise den Mitarbeitenden in diesem Berufsfeld ihre Wertschätzung entgegen-

32

gebracht und dafür viel Dankbarkeit erfahren. Unabhängig davon habe sie
auch selbst bei diesen Bildungsreisen viel gelernt. Diese Erfahrung werde sie an
die Mitglieder der Bundesregierung weiterleiten und sie ermuntern, ebenso zu
verfahren.
Bei bestimmten Konstellationen komme es vor, beschrieben die Wohlfahrts­
verbände, dass sich Leistungen an Schnittstellen der Sozialgesetzbücher gegenseitig blockierten und damit das System ineffizient werde. Die Wohlfahrtsverbände seien gerne bereit, die Inneffizienzen und Blockaden zu benennen.
Dieses Angebot nahm die Bundeskanzlerin gerne an. Sie bat außerdem um die
Aufstellung eines Szenarios für die nächsten zehn bis zwölf Jahre im Bereich
Kinderbetreuung (Anzahl der erforderlichen Erzieherinnen und Erzieher /
Betreuungsschlüssel).
BAGFW-Präsident Dr. Neher dankte der Bundeskanzlerin für das konstruktive
Gespräch. Die Freie Wohlfahrtspflege freue sich darüber, dass die Bundeskanzlerin den Verbänden Zugangsmöglichkeiten zur Ministerpräsidentenkonferenz
zur Lösung der sich abzeichnenden Personalprobleme im Kitabereich eröffnen
wolle. Gern seien auch die Verbände bereit, die von der Bundeskanzlerin
angeregte Bedarfsabschätzung zu machen, den Vorschlag der Bundeskanzlerin
aufzugreifen und das SGB VIII zu prüfen, welche Soll-Vorschriften und freiwillige Leistungen bundesgesetzlich für das Wohl von benachteiligten Familien
festgeschrieben werden sollten und wie Schnittstellenprobleme zu den einzelnen Sozialgesetzbüchern gelöst werden könnten.
Abschließend dankte die Bundeskanzlerin für das Gespräch, das sehr konzentriert nur ein wichtiges Thema behandelt habe. Die zunehmende Sensibilität
der Ministerpräsidenten der Länder für dieses Thema stimme zuversichtlich.
Es lohne sich, an diesem Thema weiterzuarbeiten und deshalb freue sie sich
auf die Fortsetzung des Gedankenaustausches. Sie bat die Vorsitzenden und
Präsidenten der Spitzenverbände, ihren zahlreichen ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
für ihr wertvolles Engagement im Dienste der Gesellschaft im Namen der
Bundesregierung ausdrücklich zu danken.

33

Bundesfinanzminister
Peer Steinbrück mit
den Preisträgern 2008

Bericht der Geschäftsstelle, Berlin

Deutscher Sozialpreis
Ziel des Medienpreises ist die Förderung eines kritischen und sozial engagierten Journalismus. Mithilfe des Deutschen Sozialpreises soll die Öffentlichkeit sensibilisiert und Solidarität in unserer Gesellschaft gestärkt werden.
Damit wird die Bedeutung unterstrichen, die den Medien für die Erhaltung
und Schärfung sozialen Bewusstseins und gesellschaftlicher Verantwortung
zukommt.
Erfreulich war auch in diesem Jahr wieder die rege Teilnahme und die hohe
Qualität der eingereichten Arbeiten für den Deutschen Sozialpreis 2008. Mehr
als 450 Veröffentlichungen aus dem Jahr 2007 sind in der Geschäftsstelle der
BAGFW aus den unterschiedlichen Sparten eingegangen.
Nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden im September die für
die Endrunde nominierten Beiträge der Hauptjury präsentiert. Die Jury war zu
Gast beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), dem Gelände der Medienstadt
Babelsberg unweit der Filmkulissen für zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen des ehemaligen UFA-Geländes. Durch die Bereitstellung der technischen
Ausstattung unterstützte der RBB die Arbeit der Jury für eine sachgerechte
und professionelle Beurteilung der eingereichten Beiträge.
Auch das Engagement der Juroren spielt eine wesentliche Rolle für das Gelingen des Deutschen Sozialpreises. Die Jurymitglieder bringen ehrenamtlich
ihre Zeit und ihre fachlichen Kompetenzen ein und sind damit unverzichtbarer
Bestandteil des Medienpreises der BAGFW.
Für ihre herausragenden Arbeiten zur sozialen Lebenswirklichkeit in Deutschland wählte die unabhängige Jury folgende Beiträge für den Deutschen
Sozialpreis 2008 aus:

34

Sparte Print:
„Der Tod als Waffe“, Der Tagesspiegel, von Marion Mück-Raab und
Wolfgang Stuppert
Der tragische Fall beschreibt eine gnadenlose Abschiebepraxis, von der
Kinder betroffen sind, die in Deutschland aufgewachsen sind und denen
das Herkunfts­land ihrer Eltern fremd ist.
Sparte Hörfunk:
„Der Abstieg – Vom Facharbeiter zum Handlanger“, RBB/ DLR/ WDR,
von Reinhard Schneider
Feature zu den weitreichenden Folgen von Arbeitslosigkeit. Mit der Arbeit
verschwinden auch soziale Kontakte, strukturierende Alltagsgewohnheiten,
Selbstwertgefühl und Lebensperspektiven.
Sparte Fernsehen:
„Wenn Mutti säuft“, ARD/ WDR, von Ute Hilgefort
Der Film schildert die tagtäglichen Überforderungen und Belastungen für zwei
Mädchen mit ihren alkoholkranken Müttern. Während diese in Entziehungskuren und Selbsthilfegruppen Unterstützung finden können, bleiben die betroffenen Kinder mit ihrem Leid, ihren Sorgen und ihrer Scham meist allein.
Die zwölfköpfige Jury aus namhaften Journalisten aller Sparten und Vertretern
der Freien Wohlfahrtsverbände war sich einig: „Die ausgezeichneten Arbeiten
überzeugen durch ihre hohe gesellschaftliche Relevanz, ihre Eindringlichkeit
und Qualität in der Darstellung. Die Wirkung der Beiträge auf das gesellschaftliche Bewusstsein machen sie zu verdienten Gewinnern des Deutschen
Sozialpreises 2008.“
Der Festakt
Begleitet vom Beifall der 300 geladenen Gäste erhielten die vier Preisträger am
26. November in Berlin aus der Hand des Präsidenten der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), Prälat Dr. Peter Neher, den
Deutschen Sozialpreis 2008.
„Mit ihren ausgezeichneten Beiträgen haben die Autoren auf besondere Weise
bewegt, aufgerüttelt und auch unterhalten,“ würdigte der BAGFW-Präsident
die Arbeiten der Preisträger. „Vielleicht kann dieser Preis auch dazu beitragen,

Jurysitzung beim rbb Fernsehen in Potsdam-Babelsberg
35

einer Programmpolitik jenseits von reiner Quotenorientierung Raum zu geben.
Diese Beiträge gehören gesendet zu Zeiten, wo viele Menschen zuschauen und
zuhören, und nicht in den so genannten Randzeiten. Und deshalb wünsche ich
den Preisträgern mehr ,gute Sendeplätze’ und Raum für Ihre Themen.“
In seiner Gastrede unterstrich der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück den
Wert des Deutschen Sozialpreises und dankte den Preisträgern für ihr journalistisches Engagement: „Ich hoffe, dass durch diese seriöse, ernsthafte,
mitfühlende Form der Berichterstattung noch mehr Menschen dazu ermuntert
werden, sich für ihre Mitmenschen zu engagieren. Und dass sie deren Leben
auf diese Weise ein Stück lebenswerter machen können. Dann hätte der
Deutsche Sozialpreis seinen Wert geradezu verdoppelt. Und zwar genau für
die Menschen, um die es Ihnen und uns geht.“
Seit 37 Jahren verleihen die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege
jährlich diesen mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Medienpreis. Mit dem
Deutschen Sozialpreis werden Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet,
deren Beiträge sich in besonderem Maße mit der sozialen Lebenswirklichkeit
in Deutschland auseinander setzen. Die Ausschreibungsphase beginnt Mitte
Dezember und endet jeweils am 1. März des folgenden Jahres.
siehe auch www.bagfw.de | Deutscher Sozialpreis

GlücksSpirale
Die Rentenlotterie die Gutes tut
Zum 1. Januar 2008 ist der Glücksspielstaatsvertrag bundesweit in Kraft getreten. Kernziele des Glücksspielstaatsvertrages sind die Bekämpfung der Glücksspielsucht, die Kanalisierung des Glücksspielangebotes und die Gewährleistung
des Jugend- und Spielerschutzes.
Damit hat sich die Politik klar und eindeutig für die Fortsetzung des bewährten
Glücksspielmonopols ausgesprochen. Die neuen Anforderungen (z.B. Maßnahmen des Spielerschutzes) sind Grundlage der Geschäftspolitik der Lottogesellschaften geworden.
Vor diesem Hintergrund erhält auch die seit Jahren bewährte Zusammenarbeit
der Lottogesellschaften mit den drei bundesweiten Destinatären der GlücksSpirale, Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) und BAGFW, eine noch stärkere Bedeutung.
Der BAGFW-Maßnahmenplan baut deshalb auf die regionale Verankerung der
GlücksSpirale mit der Freien Wohlfahrtspflege sowie auf die weitere Stärkung
der Zusammenarbeit mit den Lottogesellschaften vor Ort.
Die geförderten Einrichtungen verpflichten sich, ihre Zuwendung in Form von
GlücksSpirale-Aufklebern und -Bautafeln „Gefördert durch …“ vor Ort sicht­
bar zu präsentieren. Im Antrag sind Ansprechpartner aus den Projekten für
Pressenachfragen zu benennen. Zur Unterstützung bei der Umsetzung der

36

Geförderte Projekte der
GlücksSpirale

regionalen Öffentlichkeitsarbeit erhalten alle Projekte mit dem Bewilligungsschreiben ein so genanntes Startpaket. Darin enthalten sind Werbematerialien,
Logos und Basis-Pressetexte. Für Rückfragen und für die persönliche Beratung
der Einrichtungen bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit wurden Koordinatoren aus
den verschiedenen Verbänden benannt.
Die Bedingungen für eine Förderung und die umfangreichen Hilfestellungen
dabei sind in dem Flyer „Hinweise zur Förderung durch die GlücksSpirale
– Umsetzung der regionalen Öffentlichkeitsarbeit“ gebündelt und bei den
zuständigen Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern der Verbände und im
Servicebereich GlücksSpirale auf der Internetseite der BAGFW abrufbar.
2008 konnte erstmals eine gemeinsame Sitzung von Koordinatoren und Ver­
tretern der GlücksSpirale durchgeführt werden. Neben dem Austausch zu
aktuellen Entwicklungen auf dem Glücksspiel-Markt verständigten sich die Teilnehmer über Möglichkeiten zur weiteren Optimierung der Zusammenarbeit.
Geplant ist eine regelmäßige jährliche interne Evaluierung, mit anschließendem
Erfahrungsaustausch mit den Lottogesellschaften.
Durch das Angebot „GlücksSpirale auf Lottoschein“ in vielen Bundesländern
entwickelten sich die Spieleinsätze der GlücksSpirale in 2008 deutlich positiv.
Damit konnte die Lotterie auch mehr finanzielle Mittel für die Förderung der
Arbeit der Freien Wohlfahrtspflege bereitstellen. Diese Mehreinsätze gingen
nach aktuellem Stand nicht zulasten von LOTTO und den Zusatzlotterien. Die
verbleibenden Lottogesellschaften prüfen die Einführung dieses Angebots.
Die GlücksSpirale strebt in 2009 wieder eine TV-Präsenz an, insbesondere
durch Schaltung des TV-Spots „GlücksSpirale unterstützt“ auf den öffent­lichrechtlichen Sendern. Daneben wird die Lotterie ihre ganzjährigen Schaltungen
i­n diversen Printmedien fortsetzen.
siehe auch www.bagfw.de | GlücksSpirale

37

Transparenz der Pflegequalität
Nutzerorientierte Darstellung von Informationen zur Pflegequalität als gemeinsames Ziel der Freien Wohlfahrtspflege
Die transparente Darstellung und Beurteilung der Qualität von Leistungen
der Einrichtungen des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesens anhand von
Qualitätsparametern wird sowohl als Marktinstrument als auch als Maßnahme
der Verbraucherorientierung zunehmend ausgeweitet und zur Normalität werden. Die Nutzer von Einrichtungen und Diensten haben einen Anspruch auf
transparente und leicht zugängliche Informationen nicht nur über angebotene
Leistungen und ihre Entgelte, sondern auch über deren Qualität. Der Qualitätsvergleich wird zunehmend ein Faktor im Wettbewerb sozialer Dienstleistungserbringer.
Qualitätsergebnisse, öffentlich dargestellt, werden damit direkter und schneller
von Bedeutung für die Existenz von Einrichtungen. Die Unterscheidbarkeit von
Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege mit ihren Alleinstellungsmerkmalen
wird künftig damit vermehrt auf dem Prüfstand stehen.
Die Zielsetzung, „Qualität“ neben „Personal“ und „Finanzen“ als dritte Steuerungsgröße des Unternehmensmanagements der Freien Wohlfahrtspflege zu
etablieren, wird damit umso dringlicher.
Den Schwerpunkt des Arbeitsbereiches Qualitätsmanagement (QM) bildete im
Jahr 2008 das Thema Pflegequalität. Die zu schließenden Vereinbarungen im
Rahmen des zum 1. Juli 2008 in Kraft getretenen Pflegeweiterentwicklungs­
gesetzes, vor allem mit dem Fokus auf die Veröffentlichung von Prüfergebnissen
zur Pflegequalität, stellte die in der BAGFW kooperierenden Spitzenverbände
vor eine große Herausforderung. Hier bot sich die Chance zu überprüfen, in­
wieweit die mit dem QM-Vorhaben verfolgte Zielsetzung erreicht worden ist.
Die BAGFW setzte im Jahr 2003 das QM-Projekt ein mit dem Ziel, eine
gemeinsame QM-Politik zu entwickeln und sich strategisch auf dieser Basis
zu bewegen. Hintergrund dafür war das Bestreben, die Politikfähigkeit der
Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und ihre Rolle als Mitgestalter
von Rechtsetzung zu stärken. Damit begann ein Arbeitsprozess, dem sich
die BAGFW-Ausschüsse Altenhilfe und Qualitätsmanagement sehr intensiv
widmeten.
Nach der Festlegung der Grundlagen zum integrierten Qualitätsmanagement
und zu den Grundanliegen wohlfahrtspflegerischer Qualität wurden für das
Arbeitsfeld „Pflege“ die gemeinsamen fachspezifischen Qualitätskriterien herausgearbeitet. Damit wurde die abgestimmte fachliche Qualitätsbasis gelegt.
In zwei ganztägigen Workshops zum Thema Ergebnis- und Lebensqualität in
der Pflege entwickelten die BAGFW-Ausschüsse Altenhilfe und Qualitätsmanagement eine Konzeption der Freien Wohlfahrtspflege zur Ergebnisqualität
und Transparenz der Pflegequalität. Ein wesentliches Ergebnis war die Initiative
der BAGFW zur Durchführung eines Projektvorhabens zur Entwicklung und

38

Konsentierung von Indikatoren zur Ergebnisqualität, welches vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und dem Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aufgegriffen wurde und welches am
Jahresende 2008 begonnen hat.
Verhandlungen zur Veröffentlichung von Prüfergebnissen zur
Pflegequalität (§ 115 1a Satz 6 SGB XI) und deren Bewertung
aus Sicht der Freien Wohlfahrtspflege
Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung wurden im Juli 2008 die Verhandlungen der Vereinbarungspartner aufgenommen.
Die Vereinigungen der Träger von Pflegeeinrichtungen, der Spitzenverband
der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) und die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe sowie die Bundesvereinigung der
kommunalen Spitzenverbände haben am 11. November 2008 die Kriterien und
die Bewertungssystematik zur Qualität der Pflegeheime nach § 115 Absatz 1a
Satz 6 SGB XI vereinbart.
Als im Januar 2008 die Vorbereitungen zu den Verhandlungen zum Pflegeweiterentwicklungsgesetz der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege
gemeinsam mit den Verbänden der privaten und kommunalen Leistungserbringer begannen, konnten die BAGFW-Verbände auf eine ausgereifte fachliche
Basis und konzeptionelle Überlegungen zurückgreifen.
Die erste Vereinbarung, die die Partner verhandelten und die zu einem ersten
Beschluss am 11. November 2008 führte, betraf die Veröffentlichung von
Prüfergebnissen zur Pflegequalität. Ziel des Gesetzgebers war eine öffentlich
zugängliche, unentgeltlich, an dem Informationsbedürfnis von Verbrauchern
orientierte Information zur Pflegequalität.
Bei der Entwicklung des Konzeptes durch die Freie Wohlfahrtspflege spielte
die Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner (stationär), aber auch der
zu Hause Gepflegten (ambulant) eine zentrale Rolle. Ziel war die Beurteilung
der Qualität anhand von Nutzer bezogenen Ergebnissen in den verschiedenen
Leistungsbereichen einer Pflegeeinrichtung mit Blick auf die Lebensqualität.
Neben den externen Einschätzungen der Prüfer sollte die Einschätzung der
Nutzer zur Qualität in den wesentlichen Leistungsbereichen von Pflegeeinrichtungen eine größere Rolle spielen.
Den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege war weiterhin wichtig, auch andere anerkannte Prüfergebnisse veröffentlichen zu können, wie es das Gesetz
vorsieht.
Vergleicht man das Konzept der Freien Wohlfahrtspflege von Anfang 2008 mit
dem Ergebnis vom 11. November 2008, dann ist festzustellen, dass die Freie
Wohlfahrtspflege ihre Konzeption in weiten Teilen durchsetzen konnte.
Das Konzept, welches der GKV-Spitzenverband in die Verhandlung eingebracht
hatte, setzte sich zusammen aus zirka 250 zu erhebenden Sachverhalten, die

39

sich zu einem Großteil auf somatisch-pflegerische Fragen sowie Kriterien aus
dem Bereich Dokumentation, Organisation und Verwaltung konzentrierten.
Demgegenüber bestand das Konzept der Freien Wohlfahrtspflege aus 55 Fragen, die sich zum Beispiel in der stationären Pflege aus den fünf wesentlichen
Lebensbereichen zusammensetzten, die im Interesse des Verbrauchers liegen:
–– Alltagsgestaltung und soziale Betreuung
–– Umgang mit gerontopsychiatrisch beeinträchtigten Bewohnerinnen und
Bewohnern
–– Pflege und medizinische Versorgung
–– Speise- und Getränkeversorgung
–– Hauswirtschaft und Hygiene
Ausgehend von diesen Zielsetzungen im Vorfeld kann hier folgendes Resümee
der Verhandlungsergebnisse aus der Perspektive der Freien Wohlfahrtspflege
gezogen werden:
1. Die Reduktion von zirka 250 Kriterien (Konzept GKV-Spitzenverband) auf
82 (ambulant 42 Kriterien) für die Bewohnerinnen und Bewohner wesentliche Kriterien. Damit stehen dem Nutzer die für ihn wesentlichen Qualitätsinformationen zur Verfügung; er muss sich nicht mit irrelevanten Daten aus
den Bereichen Organisation und Dokumentation belasten.
2. Differenzierte Erfassung, Bewertung und Darstellung der Prüfergebnisse in
den oben dargestellten Qualitätsbereichen, die für die wahrgenommene
Qualität des täglichen Lebens in einer stationären Einrichtung für die Bewohnerinnen und Bewohner zentral sind.
 er GKV-Spitzenverband sah vor, den Bereich Pflege mit 80 Prozent zu geD
wichten und als weitere Qualitätsbereiche die Organisation und Verwaltung
(mit zehn Prozent Gewichtung) sowie die Bewohnerbefragung (mit zehn
Prozent Gewichtung) darzustellen.
Abgeglichen mit dem Verhandlungsergebnis kann festgestellt werden, dass
die Freie Wohlfahrtspflege hier eine deutliche Verbraucherorientierung
erreicht hat.
Neben den Bereichsbewertungen gibt es eine Gesamtnote, die sich als arithmetisches Mittel aus allen bewerteten Einzelkriterien ergibt. Die Gesamtnote
wurde von der Freien Wohlfahrtspflege als unangemessene Simplifizierung
immer strikt abgelehnt, sie konnte sich hier jedoch nicht durchsetzen.
3. Das Ergebnis der Bewohnerbefragung wird auf der gleichen Ebene neben
den anderen Bewertungen dargestellt. Dieses bedeutsame Qualitätsergebnis
steht für sich allein, geht allerdings nicht in die Gesamtnote ein.
4. Strukturelle Merkmale einer Einrichtung können in der gebotenen Ausführ­
lichkeit dargestellt werden. Diese Informationen zu den Strukturdaten ein-

40

schließlich der Kosten der Einrichtung können über einen Link auf der ersten
Ebene abgerufen werden.
5. Damit auch die Einrichtung eine Chance hat, sich zu einzelnen Prüfergebnissen zu äußern, wurde eine Kommentierungsmöglichkeit verhandelt, in die
man sich über einen Link einklicken kann.
6. Die vereinbarte Bewertungssystematik basiert auf einer Kombination aus
Punkten und diesen zugeordneten Noten von sehr gut bis mangelhaft. Die
vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen
(MDS) favorisierte Bewertungssystematik mit Signalfarben und unangemessenen Kategorien wie „gefährliche Pflege“ (ab weniger als 50 Prozent der
Punkte) konnte verhindert werden.
Insgesamt war die Freie Wohlfahrtspflege sehr gut aufgestellt und hat sich im
Verhandlungsmarathon aufgrund der ausgezeichneten Vorarbeit durchsetzen
können. Der Freien Wohlfahrtspflege ist es gelungen, den Fokus beim Thema
Pflegequalität wieder stärker auf die betroffenen Menschen zu richten. Dabei
hat sie es auch geschafft, die Balance zu halten mit Blick auf die berechtigten
Interessen der Träger und Einrichtungen. Vor allem hat die im Rahmen des
QM-Projektes entwickelte gemeinsame fachliche und konzeptionelle Basis für
das Arbeitsfeld Pflege die Voraussetzungen für eine stringente und konsensuale Vertretungs- beziehungsweise Verhandlungsarbeit geschaffen.
Dieses alles geschah auf der Grundlage der gemeinsamen QM-Strategie der in
der BAGFW zusammenarbeitenden Verbände.
In den Verhandlungsprozess wurden immer wieder Vorlagen seitens der Freien
Wohlfahrtspflege eingebracht. Die für die Verbände mit der Verhandlung
Beauftragten waren zu jeder Zeit aufgrund eines im Hintergrund funktionierenden Abstimmungsmanagements verbindlich aussagefähig. Die umfangreichen Verhandlungssitzungen wurden mit Verbindlichkeit, Engagement und
Fachkompetenz in ausgezeichneter Kooperation bestritten. Die im QM-Projekt
der BAGFW entwickelten Inhalte und Arbeitsstrukturen haben sich bewährt.
Projekt Ergebnisindikatoren für Pflegequalität
Das Projektvorhaben „Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur
Beurteilung der Ergebnisqualität in der stationären Altenhilfe“ wurde vom
Ausschuss QM in Abstimmung mit dem Fachausschuss Altenhilfe entwickelt.
Damit wurde das Ziel verfolgt, Instrumente, die stark der subjektiven Qualitätsbeurteilung durch Prüfer (zum Beispiel des MDK) unterliegen, zu überwinden
und zunehmend durch objektive Indikatoren zur Feststellung von Qualität zu
­ersetzen. Über die Konsentierung von Indikatoren zur Feststellung im Sinne
von „Messung“ von Pflegequalität soll die Debatte um Pflegequalität versachlicht werden. Diese Ergebnisse sollen zukünftig in die öffentliche Qualitätsberichterstattung einfließen.
Nach Gesprächen mit dem BMFSFJ sowie BMG im Jahr 2007 wurde das
Projektvorhaben in die Regie der Ministerien genommen. Nach einer Ausschreibung auf europäischer Ebene konnte im letzten Quartal 2008 der
41

Zuschlag an zwei wissenschaftliche Institute vergeben werden, die gemeinsam
als Projektnehmer handeln. Auf der Träger- und Einrichtungsebene der Freien
Wohlfahrtspflege war ein enorm großes Interesse zu verzeichnen, sich als
Piloteinrichtung an diesem Projekt zu beteiligen und über die Entwicklung von
Ergebnisindikatoren an der Erarbeitung der Grundlagen für die Transparenz
von Pflegequalität mitzuwirken. Von den insgesamt 50 beteiligten Pflegeeinrichtungen kommen 30 aus der Freien Wohlfahrtspflege.
Veranstaltungen und Vorträge
Hauptstadtkongress
Vom 4. bis 6. Juni 2008 war die BAGFW als Programmpartner Gestalter beziehungsweise Mitgestalter des Pflegekongresses und an folgenden Veranstaltungen aktiv beteiligt:

Fotos: Thomas Räse

–– Qualitätssicherung in der Pflege: Selbstkontrolle versus Fremdkontrolle
–– Neuentwicklungen in der Arbeit mit Demenzkranken
–– Fit für die Zukunft – Synergien der pflegerischen Versorgung durch
regionale Netzwerke
–– Palliativversorgung und Palliativ-Care-Teams – aktuelle Beispiele aus
der Praxis
–– Qualität in der Altenpflege – alles nur eine Schande?
Die Referentin für Qualitätsmanagement hielt im Jahr 2008 folgende Vorträge
28. Mai 2008	Deutscher Verein – Ausschuss Internationales
Nationale Herausforderungen und Ziele der QM-Politik
der BAGFW, Berlin
4. Juli 2008	Sommertagung 2008 der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg, Qualitätsentwicklung – Kriterien,
Verfahren und Potenziale, Halle-Wittenberg
2. Oktober 2008	Arbeitskreis Sozialplanung, Organisation und Qualitäts­
sicherung, Vorstellung der QM-Politik der BAGFW, Berlin

42

11. Oktober 2008	Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bezirksverband Mittelrhein
„QM in Kindertageseinrichtungen“, Siegburg
15. Oktober 2008	FAMNA – Swedish Association for Non-profit Health
and Social Services, “Quality and Quality Management“
Vorstellung der QM-Politik der BAGFW, Göteborg
28. Oktober 2008	Bundesverband evangelische Behindertenhilfe
„Ermittlung von Indikatoren für Lebens- und Ergebnisqualität aus Sicht der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege“, Berlin
Internetseite mit integrierter Datenbank www.bagfw-qualität.de
Im Jahr 2008 wurde in Kooperation mit den Spitzenverbänden der Bereich Gesetze und Verträge erweitert um das Angebot Übersicht zu den Gesetzgebungsverfahren der Länder zum Heimrecht (siehe unter www.bagfw-qualitaet.de /
Gesetze und Verträge). Gemeinsam mit den Fachreferentinnen und -referenten
der Spitzenverbände auf Bundesebene gelingt es so, laufend einen aktuellen
Überblick über die Entwicklungen zu den Heimgesetzen in den Bundesländern
bereitzuhalten.
Auch die Datenbank der Fort- und Weiterbildungsangebote im Bereich Qualitätsmanagement – Qualitätsentwicklung der Spitzenverbände hat ein hohes
Aktualitätsniveau. Im Jahr 2008 wurden insgesamt 45 Fortbildungsangebote
mit dem Schwerpunkt Qualitätsentwicklung, Qualitätsmanagement der Fortbildungsakademien der Freien Wohlfahrtspflege dargestellt. Damit ist das hier
dargestellte Fortbildungsangebot zu dem Themenbereich Qualität/ Qualitätsmanagement das umfangreichste bundesweit.
Auf der Startseite des Internetauftrittes wurde aktuell Bericht erstattet über
Neuigkeiten und Entwicklungen im Bereich Qualität.

Europäisches Jahr des interkulturellen Dialogs 2008
Nationale Geschäftsstelle bei der BAGFW
Das Jahr 2008 wurde von der EU zum Europäischen Jahr des interkulturellen
Dialogs (EJID) erklärt. Ziel des Jahres war es, die Menschen in Europa für das
Thema kulturelle Vielfalt zu sensibilisieren, für ihre Vorteile zu werben und den
interkulturellen Dialog zu fördern und zu unterstützen. Die europäischen Bürgerinnen und Bürger und alle in der Europäischen Union lebenden Menschen
sollten beim Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten unterstützt werden, die
sie befähigen, mit einer offeneren und komplexeren Umwelt umzugehen. Zu
diesem Zwecke wurden im Rahmen des Europäischen Jahres Aktionen gefördert, die der Verwirklichung dieser Ziele dienten.
Die Gestaltung des Europäischen Jahres war in erster Linie Aufgabe der Mitgliedstaaten. Hier wiederum lag die Planung und Umsetzung in der Kompetenz der
nationalen Koordinierungsstellen, die von den Mitgliedstaaten benannt wurden.
43

In Deutschland wurde das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) als Koordinierungsstelle bestimmt. Wie schon im Europäischen
Jahr der Chancengleichheit für alle 2007 wurde es bei seinen Aufgaben von
einer nationalen Geschäftsstelle unterstützt, die bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege eingerichtet wurde.
Hauptaufgabe der nationalen Koordinierungsstelle war in der Phase der Vorbereitung und Planung die nationale Strategie und die nationalen Prioritäten für
das Jahr festzulegen, die Aktionen auf nationaler Ebene auszuwählen und den
Antrag auf Gewährung der Finanzhilfe bei der Europäischen Kommission zu
stellen. Die nationale Geschäftsstelle bei der BAGFW war erste Anlaufstelle für
alle Fragen im Zusammenhang mit dem Europäischen Jahr. Sie arbeitete eng
mit Projektträgern aus Zivilgesellschaft, Staat und Wirtschaft zusammen, beriet
über Möglichkeiten der Beteiligung am EJID und stellte Informations- und
Promotionsmaterial zu Verfügung.
Seit Beginn des Jahres 2008 war die
Geschäftsstelle dafür verantwortlich,
die Durchführung der ausgewählten
Aktionen im Sinne der Förderbedingungen zu überwachen und zu
koordinieren. Unter www.bagfw.
de (Rubrik „interkultureller Dialog“)
wurde eine Internetseite eingerichtet,
auf der sämtliche Informationen und
Dokumente zum Europäischen Jahr
Staatssekretär Gerd Hoofe mit den Botschaftern
abrufbar waren und auf der über
des Jahres
Aktivitäten in Deutschland informiert
wurde. Die Geschäftsstelle leistete kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und
war Ansprechpartnerin für Journalisten, Wissenschaftler, Projektträger und
andere Interessierte. In Zusammenarbeit mit einer PR-Agentur gestaltete sie
die nationale Kommunikationskampagne mit.
Eine weitere wichtige Aufgabe der Geschäftsstelle war die Vorbereitung und
Organisation der offiziellen Auftaktveranstaltung für das Europäische Jahr des
interkulturellen Dialogs in Deutschland. Diese fand am 18. und 19. Februar in
der Kalkscheune in Berlin statt. Neben einer öffentlichkeitswirksamen Eröffnung und Bekanntmachung der Ziele des EJID diente die Veranstaltung dazu,
die zentralen Botschaften des Europäischen Jahres zu kommunizieren und den
Startschuss für die Aktivitäten in Deutschland zu geben.
Mit über 400 Veranstaltungen im Rahmen der acht geförderten Projekte und
fast 100 nicht geförderten Aktionen wurden die Erwartungen an das Europäische Jahr in Deutschland mehr als erfüllt und es konnte an den Erfolg des Europäischen Jahres der Chancengleichheit für alle 2007 angeknüpft werden. ­Es
gelang, mit den Aktionen über 50.000 Menschen direkt zu erreichen und die
positiven Aspekte von Vielfalt erfahrbar zu machen. Besonders erfreulich war,
dass viele junge Menschen angesprochen und ihr Interesse und ihre Neugier
auf andere Kulturen geweckt werden konnte.
siehe auch www.bagfw.de | Interkultureller Dialog
44

KAMPAGNEN UND PROJEKTE

Initiative „Erfahrung ist Zukunft“
Erfahrungen und Potentiale Älterer nutzen
Der demografische Wandel verändert Deutschland. Wirtschaftlicher Erfolg,
­soziale Sicherheit, gute Gesundheitsversorgung und technischer Fortschritt führen dazu, dass die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland steigt. Das
ist eine positive Entwicklung. Die Menschen erleben ein aktives Alter, bleiben
länger gesund und haben mehr Möglichkeiten als frühere Generationen: Mehr
Möglichkeiten, zu arbeiten. Mehr Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten.
Die Veränderungen im Altersaufbau haben aber auch Folgen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind
seit längerem erkennbar. Sie sind ebenso wie die hohe Arbeitslosigkeit eine
Herausforderung, der sich Deutschland stellen und die gestaltet werden muss.
Dann birgt der demografische Wandel auch viele Chancen. Dazu will ­die
Initiative „Erfahrung ist Zukunft“ beitragen.
Vor einem Jahr wurde die Initiative gemeinsam mit der Bundesregierung, den
Initiatoren aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und der BAGFW
ins Leben gerufen. Die Perspektiven einer älter werdenden Gesellschaft auf den
Handlungsfeldern Beschäftigung, Existenzgründungen, Lebenslanges Lernen,
Gesundheitliche Prävention und beim freiwilligen Engagement sollten aufgezeigt
und bestehende und neue Aktivitäten gebündelt und vernetzt werden.
In der bisherigen Zusammenarbeit konnte ein umfangreiches Themenangebot
auf dem Internetportal der Initiative bereitgestellt werden. Neben konkreten
Serviceangeboten zu den unterschiedlichen Handlungsfeldern wurden LiveChats, telefonische Beratungen und Meinungsforen angeboten und stetig ausgeweitet. Über einen Angebotsfinder erhalten interessierte User beispielsweise
Hinweise zu Aktivitäten oder Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements
in ihrem unmittelbaren regionalen Umfeld. Den Wohlfahrtsverbände bietet sich
eine Plattform zur Generierung ehrenamtlichen Engagements und der Darstellung ihrer vielfältigen Angebote und Projekte.
Die Initiative „Erfahrung ist Zukunft“ führte regionale Workshops und Aktionstage durch und präsentierte sich auf Messen und Kongressen im gesamten
Bundesgebiet. Im Rahmen der ARD-Themenwoche „Mehr Zeit zu leben“

Diskussionsrunde „Mehr Zeit zu leben“ im Rahmen des Aktionstages
45

organisierte die Initative mit Unterstützung der Landesarbeitsgemeinschaft der
Freien Wohlfahrtspflege Bremen und dem Landessportbund Bremen e. V. einen
Aktionstag vor Ort. Die Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege nutzten die
Gelegenheit um sich an verschiedenen Diskussionsrunden mit Vertretern der
Politik zu beteiligen und ihre Aktivitäten und Projekte vorzustellen.
siehe auch www.erfahrung-ist-zukunft.de

Kampagne„Berufsfeld: Moderne Altenpflege“
Mit moderner Altenpflege gewinnen!
Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege sind Partner der Kampagne
„Berufsfeld: Moderne Altenpflege“. Am 9. September startete die Fachkampagne des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit einem
Besuch der Bundesministerin Ursula von der Leyen in einer Berufsfachschule für
Altenpflege (EJF Lazarus) in Berlin-Mitte. Zusammen mit den Kooperationspartnern stellte sie die Chancen und Möglichkeiten des Berufsfeldes den Medien
und der Öffentlichkeit vor und präsentierte die dazugehörigen Plakatmotive.
Zur Kampagne gehörte ein Kreativwettbewerb, in dem Pflegende ihre Perspektive auf den Berufsstand ausdrücken konnten. Die Einreichungen wurden einer
Jury präsentiert und sollen auf dem „Festival der Altenpflege“ im Frühjahr
2009 prämiert werden. Das Festival soll einerseits als Anerkennung für die
großartigen Leistungen, die in der Altenpflege vollbracht werden verstanden
werden und gleichzeitig Raum bieten für arbeitsrelevante Impulse und Entwicklungen jenseits üblicher Inhalte von Fachveranstaltungen.
„Die Pflegekräfte und Auszubildenden leisten großartige Arbeit. Das hohe
Engagement der Mitarbeitenden wird als selbstverständlich hingenommen. Die
Wertschätzung der Arbeit bleibt trotz der gesellschaftlichen Relevanz des Themas Altenpflege oftmals aus. Es ist richtig, dass den Pflegekräften im Rahmen
der Kampagne öffentlich gedankt wird“, unterstützt Rainer Brückers, Mitglied
des BAGFW-Vorstands, die Ziele der Kampagne. „Wir benötigen aber auch –
gerade mit Blick in die Zukunft - wirksame Arbeits - und Ausbildungsanreize.
Das Berufsfeld „Pflege“ muss attraktiver gestaltet werden, um mehr Schulabgänger zu gewinnen.“
www.die-moderne-altenpflege.de
Die Bundesministerin
im Gespräch mit Schülern der EJF Lazarus

46

Digitale Integration – Wege ins Netz 2008
Mit dem Wettbewerb „Wege ins Netz“ werden seit 2004 vorbildliche Beispiele
von Initiativen und Projekten prämiert, die die Bevölkerung zielgruppengerecht
und erfolgreich an das Internet heranführen. Die ausgezeichneten Projekte
sollen eine Signalwirkung für die Öffentlichkeit haben und andere Akteure zur
Nachahmung anregen. Damit trägt die Wettbewerbsreihe dazu bei, den Anteil
der Internetnutzerinnen und -nutzer weiter zu erhöhen.

Preisverleihung „Wege
ins Netz“ auf der IFA

Auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin zeichnet der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie,
Peter Hintze, die Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs aus.
Zu den Preisträgern des Wettbewerbs um die Schärfung von Medienkompetenz gehört auch eine Initiative der Freien Wohlfahrtspflege. Mit dem Seminarangebot „Was macht mein Kind im Internet?“ erreichte der Caritasverband der
Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V. den zweiten Platz in der Kategorie „Gesellschaft“. Die Seminarreihe richtet sich an interessierte Eltern und Erzieher und
bietet Informationen zum Medium Internet und den positiven und negativen
Aspekten der Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen.
Über 130 Projekte hatten sich in sechs Kategorien beworben: „Bildung & Kultur“, „Freizeit, Sport & Reisen“, „Audio & Video“, „Gesundheit & Ernährung“,
„Gesellschaft“ sowie „Erste Wege“, außerdem gibt es einen Sonderpreis für die
„Beste Community“. Eine unabhängige Fachjury hatte die Preisträger bestimmt.
Sie erhalten Preisgelder in Höhe von insgesamt 35.000 Euro sowie wertvolle
Sachpreise.
Weitere Details zu den Preisträgern und dem Wettbewerb im Internet unter
www.wegeinsnetz2008.de

47

BERICHT DER ABTEILUNG WOHLFAHRTSMARKEN, KÖLN

Wohlfahrtsmarken: Gutes tun. Mit Briefmarken helfen.
Bundesfinanzminister verleiht den Wohlfahrtsmarken
ein Gütezeichen
Am 11. Juni präsentierten Bundespräsident Professor Dr. Horst Köhler und
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
die Wohlfahrtsmarken 2008. Die
Erstdrucke der als „Himmelsstürmer“ angekündigten Marken mit den Abbildungen von Luftfahrzeugen landeten medienwirksam in einem Rettungshubschrauber vor Schloss Bellevue. Im Rahmen des Festaktes dankten Bundespräsident und Bundesfinanzminister den zahlreichen anwesenden Ehrenamtlichen
der Verbände für ihren engagierten Einsatz für das „Porto mit Herz“.
Minister Steinbrück forderte auf, durch den Kauf von Wohlfahrtsmarken in
den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu investieren und somit vielen Menschen ein besseres Leben zu ermöglichen. Aus dem „Geheim- oder Insidertipp
Wohlfahrtsmarke“ müsse ein Verkaufsschlager werden, um auch zukünftig die
unverzichtbare Arbeit der Wohlfahrtsverbände zu unterstützen.
Um diesem Anliegen gerecht zu werden und den Absatz aller Sondermarken
mit Zuschlag signifikant zu steigern, hat das Bundesministerium der Finanzen
als Herausgeber ein Gütezeichen für diese Marken eingeführt. Unter dem
Motto „Gutes tun. Mit Briefmarken helfen.“ und dem aus der Perforation
der Markenbögen entlehnten „Plus“-Zeichen setzt das BMF erstmals mit den
Weihnachtsmarken 2008 ein Zeichen für gute Taten.
Bei einem Pressetermin am 7. November 2008 präsentierte die Parlamentarische Staatssekretärin Nicolette Kressl das Gütezeichen der Öffentlichkeit.
BAGFW-Vizepräsident Dr. Ulrich Schneider begrüßte in seinem Statement die
Einführung des Gütezeichens als ausdrückliches Bekenntnis des Ministeriums
zu den Sonderpostwertzeichen mit dem „Plus“ für soziale Zwecke und dankte
im Namen all derer, denen das „Plus“ aus dem Verkauf der Marken zugute
kommt.
Stellvertretend für alle Projekte, die aus diesen Erlösen (mit-)finanziert wurden,
stellte Dr. Schneider die Internationale Malschule Jungbusch in Trägerschaft
des AWO-Kreisverbandes Mannheim vor. Seit fünf Jahren treffen sich dort
unter der Leitung der Künstlerin Christine Behrens bis zu zwanzig Kinder und
Jugend­liche zwischen zehn und neunzehn Jahren. Ein bunter Kulturenmix
macht die wöchentlichen Treffen besonders spannend: Die Jungen und Mädchen stammen aus insgesamt zehn Nationen. Die jungen Künstlerinnen und
Künstler setzen sich auf kreative Weise mit dem interkulturellen Dialog auseinander. Frau Behrens sieht ihre Aufgabe dabei nicht nur in der Vermittlung
von Kunst, Stilrichtungen und Maltechniken, sondern auch in der Stärkung des
Selbstbewusstseins sowie der Erfahrbarkeit von Integration, Toleranz und gegenseitiger Achtung. Die Internationale Malschule ist ein vorbildliches Beispiel

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dafür, wie interkultureller Dialog gelebt werden kann. Projekte wie dieses sind
ein guter Grund, Wohlfahrtsmarken zu kaufen!
Auf Dauer kann es nur gelingen, den Verkauf der Marken zu steigern, wenn
über die Verwendung des Erlöses informiert wird. Die Abteilung Wohlfahrtsmarken hat aus Anlass der Präsentation des Gütezeichens eine Broschüre mit
beispielhaften Projekten der sechs Spitzenverbände herausgegeben. Ob Helfer
des Caritas-Ortsvereins Pocking behinderten Kindern betreute Urlaubsreisen ermöglichen, Mitglieder des Martinsclub Bremen Menschen mit Behinderungen
darin unterstützen, ihren Alltag eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu gestalten, das Kultur-, Integrations- und Begegnungszentrum KIBUZ in Potsdam
jungen jüdischen Emigranten Raum für Aktivitäten und die Vermittlung der
hebräischen Sprache bietet oder seelisch behinderte Menschen auf dem Landschaftspflege- und Ziegenhof in Pfeiffhausen Hilfe finden bei der sozialen und
beruflichen Integration – die Projekte sind so vielfältig wie die Arbeitsfelder der
Freien Wohlfahrtspflege.
Es ist unser Anliegen zu vermitteln, wie einfach es ist, bürgerschaftliches Engagement zu zeigen und ein Zeichen zu setzen für Solidarität mit den Schwächeren und Benachteiligten unserer Gesellschaft. Alle diese Aspekte sind mit
dem neuen Gütezeichen auf den Punkt gebracht: „Gutes tun. Mit Briefmarken
helfen.“
siehe auch www.wohlfahrtsmarken.de

Peer Steinbrück und Professor Dr. Horst Köhler
präsentieren die Wohlfahrtsmarken 2008 vor
Schloss Bellevue

Der Bundespräsident mit den Ehrenamtlichen
des Deutschen Caritasverbandes und BAGFWPräsident Prälat Dr. Peter Neher (rechts)

49

BERICHT DER EU-VERTRETUNG, BRÜSSEL
(einschließlich Europaausschuss)

2008 war mit Blick auf die soziale Dimension Europas ein Jahr der Vorbereitung und der Konsolidierung. Vorbereitung insofern, als es darum ging, die
politischen Schritte zur weiteren Ratifizierung des „Vertrages von Lissabon“
einzuleiten. Gegenüber Irland gab der Europäische Rat im Dezember Erklärungen ab, die es der irischen Regierung ermöglichen sollen, bis zum Ende
der Amtszeit der derzeitigen Kommission (November 2009) den Vertrag zu
ratifizieren. Konsolidierung insoweit, als die Arbeiten im Hinblick auf die
Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse fortgeführt und eine neue
Sozialagenda vorgelegt wurde, die die Lissabonziele bis 2010 stützen soll.

Soziale Dienste in Europa weiterentwickeln
Die Diskussion über die Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse
wurde 2008 auf verschiedenen Ebenen weitergeführt:
–– Begleitdokument zum Binnenmarktpaket vom November 2007
(siehe Jahresbericht 2007)
–– Erster Zweijahresbericht zu den sozialen Diensten (vorgelegt im Rahmen
der neuen Sozialagenda im Juli 2008, basierend auf der Grundlage von
Ergebnissen einer Studie zu den Sozial- und Gesundheitsdienstleistungen,
die Anfang Juni veröffentlicht wurde; siehe auch Jahresbericht 2006)
–– Zweites Forum zu den Sozialdienstleistungen im Rahmen der französischen
Ratspräsidentschaft
–– Bericht des Sozialschutzausschusses zur Anwendung der Gemeinschafts­
regeln auf die sozialen Dienstleistungen vom Dezember 2008.
Binnenmarktpaket
Bereits im November 2007 veröffentlichte die Kommission eine neue strategische Mitteilung unter dem Titel „Dienstleistungen von allgemeinem Interesse
unter Einschluss der Sozialdienstleistungen: Europas neues Engagement“.
­Darin wird das Gemeinschaftsrecht erläutert und angekündigt, seine Anwendung in Form eines interaktiven Informationsdienstes klarzustellen. Angekündigt
wurde auch eine Strategie zur EU-weiten Sicherung der Qualität von Sozialdienstleistungen. Die Mitteilung ist als ergänzende Mitteilung eingeordnet in
ein Gesamtpaket zur Binnenmarktstrategie des 21. Jahrhunderts. Damit schafft
die Kommission Klarheit im Hinblick auf die zukünftige strategische Bewertung
der sozialen Dienste.
In ihrer Stellungnahme vom 24. April 2008 begrüßte die BAGFW, dass die Beschreibung von Sozialdienstleistungen weiter präzisiert wurde. Danach gehören
zu den Zielen und Grundsätzen auch die Anerkennung der Autonomie der

50

Dienstleistungserbringer und die wichtige Rolle von gemeinnützigen Einrichtungen. Zudem wird Bezug auf das Protokoll Nr. 26 des Vertrages von Lissabon
(Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union) genommen, das die
besondere Verantwortung der Mitgliedstaaten für die Erbringung von Diensten
von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse bekräftigt.
Im Weiteren setzte sich die BAGFW in der Stellungnahme mit Fragen der Kon­
solidierung des Rechtsrahmens, den Erwartungen an den interaktiven Informationsdienst und den Qualitätsrahmen sowie mit Fragen des Vergaberechts
auseinander und formulierte Erwartungen an den weiteren Diskussionsprozess.
Erster Zweijahresbericht zu den sozialen Diensten
Die Kommission hat am 2. Juli 2008 ihren ersten Zweijahresbericht über die
Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse vorgelegt. Der Bericht beruht
auf den Ergebnissen einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie zu den Sozialund Gesundheitsdienstleistungen, die – mit erheblicher Verspätung – Mitte Juni
veröffentlicht wurde.
Mit dem Zweijahresbericht soll aufgezeigt werden, was Sozialdienstleistungen
von allgemeinem Interesse sind, was sie tun und wie sie entwickelt sind. Anhand der Bereiche Langzeitpflege, Arbeitsmarkt für benachteiligte Personen und
Kinderbetreuung wird exemplarisch beschrieben, wie die Dienste funktionieren
und welche sozio-ökonomische Bedeutung ihnen zukommt. Die Kommission
setzt sich im Bericht ausführlich mit den Modernisierungsprozessen im Hinblick
auf Organisation und Management, veränderten Formen der Regulierung
und des guten Regierens sowie den Konsequenzen für die Anwendung des
Gemeinschaftsrechts auseinander. Sie beschreibt die Vielfalt der nationalen
Rahmenbedingungen für die Dienstleistungserbringung, die unter anderem auf
den unterschiedlichen Entwicklungen und Traditionen der Mitgliedstaaten und
ihrer Sozialsysteme beruht.
Die BAGFW hat in ihrer Stellungnahme vom Oktober 2008 den ausschließlich
deskriptiven Charakter des Berichts bedauert und Vorschläge für eine mögliche
Weiterentwicklung der soziale Dienste, die über die im Binnenmarktpaket
beschriebenen Strategien hinausgehen, vermisst. Die Zielsetzung, im Rahmen
des Dialogs das Wissen über die Situation der sozialen Dienste in den Mitgliedstaaten zu verbessern und die Kenntnis über die Rahmenbedingungen der
Anwendung des Gemeinschaftsrechts zu vertiefen, wurde begrüßt.
Allerdings teilt die BAGFW nicht die Auffassung der Kommission, dass Pro­
bleme vor allem auf nicht ausreichenden Kenntnissen bei der „richtigen“
Auslegung des Gemeinschaftsrechts beruhen. Denn Probleme wie zum Beispiel
nicht ausreichender Schutz der Gemeinnützigkeit oder Schwierigkeiten bei der
Berechnung der Mehrkosten aufgrund der Werteorientiertheit treten auch bei
richtiger Kenntnis des Gemeinschaftsrechts auf. Die BAGFW bemängelt insofern die Einschätzung der Kommission, dass die Schwierigkeiten nicht in den
Regeln als solche zu sehen sind, sondern sich allein auf die Unkenntnis über
ihre Anwendung in einem „neuen“ Feld beziehen. Die BAGFW erwartet auch,
dass die im Bericht beschriebene Vielfalt der nationalen Rahmenbedingungen

51

sich auch in einer grundsätzlichen Klarstellung der nationalen Kompetenzen
bei der Ausgestaltung des Gemeinnützigkeitsrechts im Rahmen der Anwendung und Auslegung der Gemeinschaftsregeln widerspiegeln.
Zweites Forum zu den Sozialen Diensten
Die Durchführung von Foren zu den Sozialdienstleistungen von allgemeinem
Interesse geht auf einen Vorschlag des Europäischen Parlaments zurück. Der
portugiesische Abgeordnete Joel Hasse Ferreira regte in seinem Bericht über
die Sozialdienstleistungen vom März 2007 die Einberufung eines Forums unter
der Schirmherrschaft des Europäschen Parlaments an, auf dem europäische
soziale Organisationen und Vertreter des Rates und der Kommission zusammentreffen und die Steuerung dieses Prozesses begleiten könnten. Das erste
Forum fand 2007 in Lissabon statt.
Mit dem Zweiten Forum, das Ende Oktober in Paris stattfand, wollte die
französische Präsidentschaft einen Beitrag zur Klärung der anzuwendenden
rechtlichen Grundlagen für soziale Dienste von allgemeinem Interesse leisten.
Es wurde daran erinnert, dass es noch keine Übereinstimmung zwischen den
Mitgliedstaaten über den rechtlichen Rahmen für Soziale Dienste von allgemeinem Interesse gibt.
Im Rahmen der thematischen Schwerpunkte „Modernisierung“ und „Rolle der
lokalen Behörden“ befassten sich vier Workshops mit den Themen „Soziale
Dienste und Verbraucher“, „Soziale Dienste und Beauftragung“, „Soziale
Dienste und Beihilfen“ sowie „Soziale Dienste und Partnerschaft“. Verbandsvertreter wirkten als Podiumsteilnehmer aktiv in zwei Arbeitsgruppen mit.
Das Ergebnis des Forums wurde von vielen als enttäuschend bewertet. Die
Kommission zog sich weitgehend auf die Position zurück, dass Unsicherheiten
bei der Anwendung des Gemeinschaftsrechts auf Unkenntnis der Gemeinschaftsregeln zurückzuführen seien, was durch die entsprechende Nutzung
des interaktiven Informationsdienstes behoben werden könne. Dies wurde
weitgehend als Stillstand angesehen.
Bei der Bewertung der unterschiedlichen Ansätze und Denkrichtungen (lokale
Orientierung versus Marktorientierung) gab es keine wesentlichen Fortschritte.
Das Konzept des Allgemeininteresses und damit eine politische Konzeption der
Dienste von allgemeinem Interesse ist aber wieder stärker in den Mittelpunkt
der Debatte gerückt worden. In einigen Beiträgen wurden auch größere Flexibilität und mehr Pragmatismus im Hinblick auf die Anwendung der Gemeinschaftsregeln und Forderungen nach europäischen Regelungen deutlich.
Das Forum soll zukünftig alle zwei Jahre durchgeführt werden.

52

Anwendung der Gemeinschaftsregeln
Der Sozialschutzausschuss hat einen Bericht zur Anwendung der Gemeinschaftsregeln auf Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse vorgelegt,
der Mitte Dezember vom Rat angenommen wurde. Grundlage des Berichts
waren die Antworten auf einen Fragebogen, in dem die Mitgliedstaaten und
andere Akteure erneut um Beurteilung und Einschätzung der Regeln des Wettbewerbsrechts, der staatlichen Beihilfen, der Betrauung und der öffentlichen
Auftragsvergabe nachgesucht wurden. Die BAGFW hat ausführlich Stellung
genommen. Ihre Antworten flossen in die Antwort der Bundesregierung
ein. Einige wichtige Anliegen der BAGFW finden sich im Bericht des Sozialschutzausschusses wieder, so zum Beispiel das Verhältnis des sozialrechtlichen
Dreiecksverhältnisses zur Frage der Konzessionierung und die besondere Rolle
der nicht-gewinnorientierten Dienstleistungserbringer, aber auch die Problematik der steuerlichen Regelungen im Gemeinnützigkeitsrecht im Hinblick auf die
Kompensation bei staatlichen Beihilfen.
Der Sozialschutzausschuss hat folgende Themen identifiziert, an denen weitergearbeitet werden soll, um die Grundlagen der sozialen Dienstleistungserbringung in den Mitgliedstaaten und den europäischen Rechtsrahmen miteinander
anzupassen: Klarstellung der Regeln für die öffentlich-rechtlichen Zusammenarbeit, Sichtung der Konsequenzen der rechtlichen Anerkennung gemeinnütziger Einrichtungen für die Anwendung des Gemeinschaftsrechts, Prüfung der
öffentlichen Auftragsvergabe und möglicher Alternativen.

Engagement für ein soziales Europa: Neue Sozialagenda
Um die soziale Dimension Europas voranzubringen, hat die Kommission im
Rahmen ihrer Binnenmarktstrategie vom November 2007 eine neue soziale
Agenda angekündigt. Die BAGFW begrüßt in ihrer Stellungnahme vom April
2008 die grundsätzliche Bedeutung der sozialen Dimension im Rahmen des
Binnenmarktes. Sie hält es aber für unzureichend, wenn diese soziale Dimension nur eine aus der Anpassung an neue Chancen der Beschäftigung abgeleitete Funktion erfüllt und weniger aus den Rechten der Bürger entwickelt wird.
Anfang Juli stellte die Kommission die neue Sozialagenda vor, die ein umfangreiches Paket von Initiativen umfasst und verschiedene politische Strategien der
EU zusammenführt im Hinblick auf die Themen:
–– Kinder und Jugend: Bildung, Migration und Mobilität, junge Freiwillige
–– In Menschen investieren, mehr und bessere Arbeitsplätze schaffen, neue
Kenntnisse und Fertigkeiten entwickeln
–– Länger und gesünder leben: Mitteilung und Richtlinie zu grenzüberschreitenden Gesundheitsdiensten
–– Bekämpfung der Armut und der sozialen Ausgrenzung: Bericht über die
Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse
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–– Instrumente stärken: Mitteilung zur Offenen Methode der Koordinierung
im Sozialbereich
–– Diskriminierungsbekämpfung und Gleichstellung der Geschlechter:
Mitteilung und Richtlinie zur Bekämpfung von Diskriminierungen
–– Internationale Agenda: Menschenwürdige Arbeit für alle.
Gesundheitsdienstleistungen
Am 2. Juli 2008 hat die EU-Kommission als Teil eines Regelungspakets für
eine erneuerte Sozialagenda die lange angekündigte „Patientenrechterichtlinie“ (vormals: Gesundheitsdienstleistungsrichtlinie) vorgelegt, mit der die
grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung in Europa erleichtert werden
soll. Bei Verabschiedung der EU-Dienstleistungsrichtlinie war die Gesundheitsversorgung aus deren Anwendungsbereich herausgenommen worden. Die
Kommission war daraufhin vom Parlament und vom Rat aufgefordert worden,
ein eigenständiges Instrument für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung zu unterbreiten.
Die wesentlichen Regelungsziele der Richtlinie sind:
–– Schaffung eines klaren Rahmens für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung. Hier geht es vor allem um Rechtssicherheit für Patienten,
Mitgliedstaaten und Gesundheitsdienstleister bei der Frage, welche Gesundheitsdienstleistungen in einem anderen Mitgliedstaat in Anspruch genommen werden können und welche Kosten im Heimatland erstattet werden
–– Qualität und Sicherheit in der Gesundheitsversorgung sollen unionsweit
gewährleistet werden
–– Die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitssystemen soll mit Blick auf
folgende Bereiche gefördert werden: besserer Zugang zu Spezialbehandlungen (Europäische Referenznetzwerke auf freiwilliger Basis); Technologiefolgenabschätzung im Gesundheitswesen; Maßnahmen auf dem Gebiet der
Gesundheitstelematik (eHealth).
–– Im Rahmen der Kooperation mit dem Deutschen Verein für öffentliche und
private Fürsorge haben die Verbände an der inhaltlichen Vorbereitung seiner
Stellungnahme mitgewirkt.
Nichtdiskriminierung
Der Vorschlag für eine Richtlinie, die für den Schutz vor Diskriminierung wegen
des Alters, einer Behinderung, der sexuellen Ausrichtung, der Religion oder der
Weltanschauung außerhalb des Arbeitsmarktes sorgt, gehört zu dem Regelungspaket der neuen Sozialagenda. Mit der neuen Richtlinie soll die Gleichbehandlung in den Bereichen Sozialschutz (einschließlich soziale Sicherheit und
Gesundheitsdienste), Bildung sowie Zugang zu und Versorgung mit Gütern

54

und Dienstleistungen, die von allen Bürgern erworben werden können, einschließlich Wohnraum erreicht werden. Mit dem Vorschlag werden aus Sicht
der Kommission einheitliche Rahmenbedingungen für die ganze EU geschaffen. Das Europäische Parlament hatte wiederholt einen solchen Querschnittsvorschlag gefordert, und die Staats- und Regierungschefs haben im Dezember
2007 an die Mitgliedstaaten appelliert, verstärkte Anstrengungen zur Bekämpfung von Diskriminierungen zu unternehmen.
Die Bundesregierung hat die Initiative vor allem aus rechtstechnischen Gründen
kritisch beurteilt. Die Umsetzung des derzeitigen EU-Rechts mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und Vertragsverletzungsverfahren laufen
noch; die UN-Konvention wurde unterschrieben. Insofern würde ein weiteres
Internationales Abkommen die Debatte verkomplizieren.
Die Verbände haben ihre Positionen in die Stellungnahme des Deutschen
Vereins eingebracht. Darin wird die Entwicklung begrüßt. Auch wenn das
deutsche AGG schon eine gute rechtliche Grundlage für die Gleichbehandlung
bietet, sei gerade angesichts der zunehmenden Mobilität ein europaweites
gemeinsames Schutzniveau anzustreben. Die Bundesregierung wird aufgefordert, sich im Rat der EU für das Ziel der Gleichbehandlung auch außerhalb von
Beschäftigung und Beruf einzusetzen.

Besonders Benachteiligte aktiv einbeziehen
Die Kommission hat im Oktober Empfehlungen zur aktiven Eingliederung der
aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzten Personen veröffentlicht. Die Empfehlungen gehen auf eine bereits 2007 begonnene Konsultation zurück, an der
sich die BAGFW beteiligt und unter anderem Elemente für eine sinnvolle
Einbeziehung arbeitsmarktsferner Personen in den Arbeitmarkt vorgeschlagen
hat. Gefordert wurde auch, über die berufliche Integration hinaus die soziale
Teilhabe zu ermöglichen.
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Vom Beschäftigungsrat wurden Mitte Dezember gemeinsame Grundsätze
angenommen. Danach benötigen Strategien zur aktiven Eingliederung
–– einen ganzheitlichen Ansatz, durch den die Achtung der Grundrechte,
Chancengleichheit und Geschlechtergleichstellung sowie der territoriale
Zusammenhalt gefördert wird,
–– eine enge Zusammenarbeit mit Sozialpartnern, Nichtregierungsorganisationen und Dienstleistungserbringern,
–– eine Verknüpfung von aktiven Maßnahmen der sozialen und beruflichen
Eingliederung mit dem Recht auf angemessene Einkommensunterstützung,
–– eine effiziente und individuell zugeschnittene Begleitung bei der Eingliederung und die nötige Unterstützung zum Verbleib auf dem Arbeitsmarkt,
–– die Sicherstellung des Zugangs zum Arbeitsmarkt und zu sozialen Diensten
für Personen mit besonders schwierigen Voraussetzungen,
–– die Aufklärung von benachteiligten Personen über ihre Rechte und verfügbare Hilfen.
Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, diese Grundsätze in ihren Strategien
zu berücksichtigen. Die Diskussionen zu dem Thema sind noch nicht abgeschlossen. Die zukünftige Einordnung der Strategie zur aktiven Eingliederung
in den Kontext der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und in die Diskussion über
die Fortführung der Lissabonstrategie nach 2010 beschäftigt die europäischen
Akteure. Eine Stellungnahme des Europäischen Parlaments ist in Vorbereitung.

Gemeinsame Einwanderungs- und Asylpolitik entwickeln
Der Europäische Rat hat den Europäischen Pakt zu Einwanderung und Asyl
angenommen. Darin wird die Verpflichtung der Europäischen Union und der
Mitgliedstaaten zum Ausdruck gebracht, eine gerechte, wirksame und kohärente Politik angesichts der Herausforderungen und Chancen der Migration zu
verfolgen. Der Pakt bildet für die Union und ihre Mitgliedstaaten den Sockel
für eine gemeinsame Einwanderungs- und Asylpolitik im Geiste der Solidarität
zwischen den Mitgliedstaaten und der Zusammenarbeit mit den Drittstaaten.
Die vollständige Durchführung des Pakts wird in einigen Bereichen möglicherweise eine Weiterentwicklung des Rechtsrahmens und besonders der vertraglichen Grundlagen erfordern. Zu deren Umsetzung sind konkrete Maßnahmen
erforderlich, die im Mai 2009 vorgeschlagen und unter schwedischer Präsidentschaft fertig gestellt werden sollen. Das Programm soll 2010 das Haager
Programm ablösen.

56

Europaausschuss
Der Europa-Ausschuss beriet aktuelle europäische Vorhaben und stimmte sich
im Hinblick auf weitere Strategien und Positionen ab. Er führte zu verschiedenen europäischen Anliegen Gespräche mit den zuständigen Vertretern der
Kommission und der Bundesregierung. Er koordinierte die Zusammenarbeit mit
anderen nationalen und europäischen Organisationen und Institutionen.
Transparenzinitiative
Die Kommission hat am 23. Juni 2008 das im Rahmen ihrer Transparenzinitiative (siehe Jahresbericht 2006) angekündigte Register der Interessenvertreter eröffnet. In dieses Online-Register können sich alle diejenigen eintragen, die sich
an der Politikgestaltung der EU beteiligen möchten. Die Interessenvertretungen
werden wegen ihrer unterschiedlichen Natur in verschiedene Kategorien und
Unterkategorien eingeteilt:
–– professionelle Berater und Anwaltskanzleien
–– Unternehmenslobbyisten und Wirtschaftsverbände
–– Nichtregierungsorganisationen und Denkfabriken
–– Andere Organisationen, wozu unter anderem Vertreter von Religionen,
Kirchen und Glaubensgemeinschaften gezählt werden.
Die Europäische Kommission möchte die Bürger darüber informieren, welche
allgemeinen oder besonderen Interessen den Entscheidungsfindungsprozess
der EU-Institutionen beeinflussen und welche Mittel für die Interessenvertretung bereitgestellt werden. Interessenvertreter, die sich in das Register eintragen, können so ihr Engagement für die Transparenz und die Rechtmäßigkeit
ihrer Tätigkeiten unter Beweis stellen. Bei der Registrierung erklären sie sich
bereit, einen Verhaltenscodex zu befolgen. Der Kodex enthält sieben Regeln,
die insgesamt recht allgemein gehalten sind.
Die BAGFW hat sich in das Register eingetragen, um die eigene Glaubwürdigkeit gegenüber den europäischen Institutionen zu verdeutlichen und um die
Akzeptanz und Wirksamkeit des freiwilligen Registers zu unterstützen
EU-Haushalt
Die Überprüfung des EU-Haushalts war Gegenstand einer Konsultation, die
im Frühjahr stattfand. Es sollte Klarheit darüber gewonnen werden, wie der
Haushalt gestaltet werden kann, um den EU-Politiken und den kommenden
Herausforderungen gerecht zu werden.
Im Konsultationsbeitrag vom 2. April 2008 hat sich die BAGFW dafür ausgesprochen, bei der weiteren Ausrichtung verstärkt den neuen Programmzyklus
der Lissabon-Strategie zu berücksichtigen und die dort genannten vorrangigen
Bereiche, insbesondere die soziale Dimension, im Blick zu haben. Aus Sicht der
BAGFW muss – neben den Zielen Wachstum und Beschäftigung – zusätzlich
57

darauf geachtet werden, dass Maßnahmen einer aktiven Integrationspolitik
nicht zu kurz kommen.
Ebenso müssen das Europäische Sozialmodell und seine Lösungsansätze durch
den Haushalt sichtbar werden. Damit könnte deutlich gemacht werden, welchen Beitrag Europa leistet, um den Herausforderungen zu begegnen. Darüber
hinaus böte es die Chance, das Verständnis bei den Bürgern zu stärken.
Eine Reform des EU-Haushalts sollte deshalb zum Ziel haben, den Bürgern zu
verdeutlichen, was die EU leistet, welche Ziele verfolgt werden, wofür das Geld
ausgegeben wird und welchen Betrag dies erfordert.
Migrations- und Asylpolitik
Fragen der Migrations- und Asylpolitik standen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Sitzung mit dem BAGFW Fachausschuss „Migration und Integration“.
Es bestand Einvernehmen, dass Austausch und Abstimmung über die europäischen Entwicklungen und eine gemeinsame Strategieentwicklung dringend erforderlich sind. Man kam überein, zukünftig mehr Zeit für europäische Themen
einzuräumen, sich dabei aber auf eher langfristige Themen zu beschränken,
die nicht von den „spezialisierten“ Netzwerken aufgegriffen werden.
Gespräche mit Vertretern der Kommission
Im Rahmen der Ausschuss-Sitzungen fanden Gespräche mit Vertretern der
Kommission statt.
Fragen des Wettbewerbs- und Beihilfenrechts und der praktischen Anwendung
der Beihilfenentscheidung wurden in der Februarsitzung mit dem zuständigen
Vertreter der Generaldirektion Wettbewerb erörtert. Herr Holzleitner stellte anhand einer Präsentation die grundlegenden Elemente des Binnenmarktpaketes
vom November 2007 vor. Er ging dabei insbesondere auf den interaktiven
Informationsdienst zur Klärung offener Fragen, die Entwicklung des Fall-Rechts
und die Altmark-Kriterien beziehungsweise das Beihilfepaket vom November
2005 ein.
Herr Holzleitner informierte auch, dass die Kommission das Beschwerdeverfahren AWO-Sano zum Abschluss gebracht hat.
Mit dem Vertreter des Generalsekretariats, Herrn Haag, wurden die Kommissionsstrategie zum Binnenmarktpaket und die Erneuerung der Sozialagenda
erörtert. Beide stehen im Kontext der „bürgernahen Agenda“, mit deren Hilfe
– nach dem Scheitern des Verfassungsvertrages – das europäische Projekt erneuert und die Vorteile Europas für die Bürger sichtbar gemacht werden sollen.
Im Hinblick auf die öffentlichen Dienste, die Dienste von allgemeinem Interesse
und die Kritik im Zusammenhang mit dem Binnenmarkt sei ein ehrlicher Dialog
notwendig, um Verbesserungen zu erreichen. Soziale Dienste müssen im Lichte
der Wettbewerbsvorschriften bewertet werden, da der Kommission keine
anderen Instrumente zur Verfügung stehen. Deshalb stellt die Kommission mit
ihren Instrumenten auf konkrete Lösungen für konkrete Probleme ab.

58

Das Thema wurde ebenfalls mit einer Vertreterin der Generaldirektion Beschäftigung, Frau Tomboy, beraten. Die Mitteilung zu den Sozialdienstleistungen
von allgemeinem Interesse zieht ihren Mehrwert daraus, dass sie die Besonderheiten der sozialen Dienste bestätigt und versucht, die Kenntnis der Träger
über die Gemeinschaftsregeln zu verbessern.
Herr Ahbe, Generalsekretariat, erläuterte die Ergebnisse einer Konsultation zur
sozialen Wirklichkeit, die 2007 stattfand und die Grundlage für das neue Sozialpaket werden sollen. Anlass für die Konsultation über die soziale Wirklichkeit
waren das Scheitern des Verfassungsvertrages, Verunsicherungen im Kontext
der Globalisierung, die Ziele der Bürgeragenda.
Zusammenarbeit mit der Bundesregierung
Der regelmäßige Austausch mit Vertretern des BMFSFJ aus Berlin und aus
Brüssel (Ständige Vertretung) und anderen Vertretern der Ministerien über
aktuelle europäische Entwicklungen und gemeinsam berührende Fragen ist ein
wichtiger Bestandteil der Europaarbeit.
In der Februar-Sitzung erläuterte der Vertreter des BMFSFJ in der Ständigen
Vertretung, Herr Barckhausen, Schwerpunkte des Aktionsplans 2008 der
Kommission und geplante Rechtssetzungsvorschläge. Ein Austausch fand zur
Vertiefung der Offenen Methode der Koordinierung und zur Frage der Qualität
von Dienstleistungen statt. Es bestand Übereinstimmung, dass Europäische
Mindeststandards abgelehnt werden.
Im April befasste sich der gemeinsame Austausch im Schwerpunkt mit der von
der Kommission angekündigten Sozialagenda und den darin unter anderem
geplanten Initiativen zur Antidiskriminierungsrichtlinie, zur Gesundheitsrichtlinie und zu Migration und Bildung.
Beratungsgegenstand mit Regierungsvertretern im November waren die
Arbeiten des Sozialschutzausschusses, die Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie und der Bericht zur Umsetzung der Beihilfenentscheidung nach Artikel 86
Absatz 2 EG-Vertrag.
Herr Simon, BMFSFJ, stellte den Bericht des Sozialschutzausschusses zur
Anwendung der Gemeinschaftsregeln auf die Sozialdienstleistungen von
allgemeinem Interesse vor. Die BAGFW hatte entsprechende Zuarbeit geleistet
(siehe oben).
Frau Manneck, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi),
erläuterte die Arbeiten zur Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie, insbesondere im Hinblick auf die Normenprüfung, den einheitlichen Ansprechpartner,
Verfahrensfragen und Fragen der Verwaltungszusammenarbeit. Sie bestätigt
die Sicht der Bundesregierung, dass soziale Dienste von der Anwendung der
Richtlinie ausgenommen seien.
Die Umsetzung der Beihilfenentscheidung war Gegenstand des Gesprächs
mit Frau Dr. Albin, BMWi. Der Bericht muss nach der Entscheidung bis zum
19. Dezember 2008 vorgelegt werden. Frau Dr. Albin stellte die Überlegungen

59

der Bundesregierung vor und kündigte nach Vorlage des Entwurfs eine Beteiligung der Verbände an. Die BAGFW hatte die Gelegenheit, einen Vorschlag
(bezogen auf die Steuerbegünstigungen im Gemeinnützigkeitsrecht) einzubringen, der im Endbericht berücksichtigt wurde.
Zusammenarbeit mit der BfS
Im Rahmen der Kooperation mit der Bank für Sozialwirtschaft (BfS) wurden
auch 2008 eine Vielzahl von Rechercheberichten und Memos erstellt, mit denen über aktuelle Entwicklungen informiert und Themenstellungen, insbesondere zu Urteilen des EuGH, vertiefend dargestellt wurden.

Europäischer Wirtschafts- und Sozialausschuss
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss hat beratende Funktion. Er
versteht sich als Brücke zwischen den EU-Institutionen und den Organisationen
der Zivilgesellschaft.
50 Jahre EWSA
Ende Mai 2008 beging der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss
(EWSA) sein 50jähriges Jubiläum. Neben Reden von hochrangigen Vertretern der anderen Europäischen Institutionen fand eine Diskussion mit jungen
Europäern über eine von ihnen erarbeitete Jugenderklärung statt. In dem
Dokument wurden Zielvorstellungen für die Zukunft der EU und die Projekte
des EWSA formuliert. Die jungen Menschen forderten die EU und den EWSA
auf, sich auf Themen wie Globalisierung, Bevölkerungsalterung, Klimawandel, nachhaltige Entwicklung und Gleichstellung zu konzentrieren. Sie riefen
auch dazu auf, die partizipative Demokratie in einer stärkeren Partnerschaft
zwischen allen Interessenträgern im Rahmen der europäischen Entscheidungsstrukturen zu vertiefen.
Mitarbeit in Studiengruppen
2008 beteiligte sich die BAGFW durch ihr Mitglied Gräfin zu Eulenburg an der
Vorbereitung verschiedener Stellungnahmen des EWSA zu folgenden Themen:
Dienstleistungen von allgemeinem Interesse und Globalisierung, Europäisches
Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung, Gemeinsames
Europäisches Asylsystem, Gründung eines europäischen Integrationsforums,
Zugang zu Langzeitpflege und deren nachhaltige Finanzierung, Naturkatastrophen, Schutz von Kindern im Internet.

60

Netzwerkarbeit
CEDAG
Die Arbeit von CEDAG, dem Europäischen Aktionskomitee freier Verbände,
musste 2008 finanziell konsolidiert und konzeptionell neu ausgerichtet werden. Die BAGFW hat sich generell bereit erklärt, ihren Beitrag zu leisten, um
die Arbeit auf eine finanziell tragfähige, unabhängige Grundlage zu stellen.
CEDAG arbeitet vernetzt in verschiedenen Organisationen und Initiativen mit:
Social Economy Europe, Platform of Social NGOs, EWSA Verbindungsgruppe,
Informelles Netz der Dienstleistungserbringer.
Stellungnahmen wurden zur Konsultation über die soziale Wirklichkeit, zur
aktiven Eingliederung arbeitsmarktferner Personen, zum Vertrag von Lissabon
und zum Verhaltenskodex für Interessenvertreter abgegeben, unter anderem
auf der Grundlage von Vorschlägen der BAGFW.
CEDAG war (Mit)Veranstalter verschiedener Konferenzen, die sich mit den
Themen Sozialwirtschaft, Ziviler Dialog und dem wirtschaftlichen Wert von
nicht-gewinnorientierten Organisationen befassten. Mitglieder von CEDAG
haben sich aktiv an Veranstaltungen beteiligt, zum Beispiel durch Organisation
einer Arbeitsgruppe im Rahmen der Jahrestagung der Social Platform.

61

GREMIENARBEIT
Der Vorstand hat im Jahr 2007 die Gremienarbeit innerhalb der BAGFW auf
eine neue Grundlage gestellt. Die bisherige projektorientierte Facharbeit in
Projektgruppen, Verhandlungsdelegationen oder Ad-hoc-Arbeitsgruppen wur­
de abgelöst durch neue Instrumente. Die zunehmenden Anforderungen an
den Vorstand als Steuerungsinstanz der BAGFW machten neue Strukturen und
Arbeitsweisen erforderlich. Es wurden Kommissionen gebildet, die die Aufgabe der Fachpolitik selbstständig bearbeiten. Mit der Struktur, nach der die
strategische Arbeit dem Vorstand obliegt, die fachliche Auseinandersetzung
aber in den neuen Kommissionen geführt wird, ist die Erwartung verbunden,
die Freie Wohlfahrtspflege zu stärken und die Zusammenarbeit der Verbände
zu unterstützen.
Es wurden drei Kommissionen gegründet, die in allen mit dem jeweiligen
Arbeitsgebiet zusammenhängenden Fragen die erforderliche einstimmige
Willensbildung zügig und zeitnah gewährleisten. Die Kommissionen bearbeiten die ihnen obliegenden Aufgaben mit Erledigungskompetenz. Folgende
Kommissionen wurden eingesetzt:
–– Finanzkommission, insbesondere zuständig für Finanzen, Recht, Ökonomie,
unternehmerische Belange, Steuern, Gemeinnützigkeit, Lotteriewesen
–– Kommission Sozialpolitik I, zuständig insbesondere für die Arbeitsfelder
Gesundheit, Rehabilitation, Pflege und Altenhilfe
–– Kommission Sozialpolitik II, zuständig insbesondere für die Arbeitsfelder
Familie, Jugend, Bildung, Integration, Armut, Arbeitsmarktpolitik, Sozialhilfe
Unterhalb der Kommissionen konstituierten sich Fachausschüsse, die den
Kommissionen inhaltlich fachlich zuarbeiten. Die Zusammenarbeit innerhalb
der Kommissionen wurde in einer Kommissionsordnung detailliert geregelt.

BERICHT DER Sozialkommission I

Im Zuge der Neuordnung der Gremienstruktur zum 1. Januar 2007 wurde
die Sozialkommission I neu eingerichtet. Thematisch befasst sie sich mit den
Arbeitsgebieten Altenhilfe inklusive Pflegeversicherung, Behindertenhilfe,
Gesundheitswesen. Zu ihrer Unterstützung richtete die Sozialkommission I
Fachausschüsse ein, die die oben genannten thematischen Schwerpunkte
bearbeiten. Der Arbeitsbereich Qualitätsmanagement arbeitet als Querschnittsausschuss mit struktureller Anbindung an die Sozialkommission I.
Den Schwerpunkt der Beratungen in der Sozialkommission I bildete die Reform
der Pflegeversicherung, die zum 1. Juli 2008 in Kraft trat. Für die Anhörung
im Deutschen Bundestag im Januar 2008 gab die BAGFW eine Stellungnahme
ab. Für die Anhörung und die darauf folgenden Debatten wurden zudem in
der Öffentlichkeit besonders diskutierte Themen, zum Beispiel die neuen

62

Sozialkommission I
Vorsitz: Herr Stenzig, DW der EKD (kommissarisch bis 15.02.2008)
Herr Nowoczyn, DRK (ab 15.02.2008)
Frau Diller-Murschall	AWO (bis Juni 2008)
Herr Eike	AWO
Herr Wittenius	AWO (ab Juni 2008)
Frau Wunderlich	
DCV

Frau Arenz	
Der Paritätische
Frau Schmidt	
DRK
Frau Weber	ZWST

Fachausschuss „Altenhilfe“
Vorsitz: Frau Frischhut, DCV
Herr Christen	AWO
Herr Bölicke	AWO
Frau Biedermann	
DCV (bis Aug. 2008)
Frau Reinschmidt	Der Paritätische
(bis Sept. 2008)
Frau Zentgraff	Der Paritätische
(ab Nov. 2008)

Frau Pawils	Der Paritätische (bis Nov. 2008)
Herr Elvers	
DRK
Herr Preiß	
DRK
Herr Carrier	
DW der EKD
Frau Stempfle	
DW der EKD
Herr Friedman	ZWST

Fachausschuss „Behindertenpolitik“
Vorsitz: Herr Dr. Fink, DCV
Frau Braksch	AWO
Frau Zinke	
Der Paritätische
Frau Haumann	
DRK

Frau Menzel	
DW der EKD
Frau Brinkmann	 DW der EKD (ab April 2008)
Herr Rivin	ZWST

Fachausschuss „Gesundheitswesen“
Herr Dr. Bartmann, DW der EKD
Frau Hoffmann-Krupatz	AWO
Herr Dr. Fink	
DCV
Herr Hiemenz	
DCV
Herr Lutz	
DCV
Herr Weber 	
Der Paritätische

Frau Schmidt	
DRK
Frau Hurrelberg	 DRK
Herr Dr. Steffens	 DW der EKD
Frau Weber	ZWST

Ausschuss „Qualitätsmanagement“
Vorsitz: Herr Wittenius, AWO
Herr Langer	
DCV
Frau Nawrath	Der Paritätische
(bis Juni 2008)
Herr Hesse	
Der Paritätische
			
(ab Aug. 2008)

Frau Szyja	
Der Paritätische
Herr Schade	
DRK
Frau Schmidt	
DRK
Frau Klede	DW der EKD (ab Aug. 2008)
Herr Schwarzer	 DW der EKD
Herr Richter	ZWST

63

Pflegestützpunkte und zusätzliche Leistungen für Demenzerkrankte, problematisiert, aber auch Fragen zur Zertifizierung, Anerkennung und Prüfungshäufigkeit. Das Gesetz sah eine Vielzahl von Neuerungen zur Schaffung von
Transparenz zur Qualität in der Pflege vor. So bildeten die Bemühungen der
Verbände um die Sicherung der Qualität und Verbesserung der Transparenz in
der Pflege einen Arbeitsschwerpunkt in 2008. Im Rahmen der Umsetzung des
Pflegeweiterentwicklungsgesetzes standen in einigen Bereichen gemeinsame
Beteiligungen der Verbände der Leistungserbringer an, die besonderen Abstimmungs- und Koordinierungsbedarf auslösten. Details zu diesem Arbeitsschwerpunkt sind dem Bericht des Fachausschusses Altenhilfe und dem Bereich
Qualitätsmanagement zu entnehmen.
Ein weiteres Augenmerk richtete die Sozialkommission I auf die Begleitung der
Arbeiten im Beirat zur Reform des Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Der Beirat legte
im Berichtsjahr den Zwischenbericht vor, der Abschlussbericht erschien im Januar 2009. Der Beirat war beauftragt worden, Vorschläge für eine zeitgemäße
Anpassung des Begriffs der Pflegebedürftigkeit zu formulieren. Der bisherige
Begriff der Pflegebedürftigkeit wurde als zu eng, zu verrichtungsbezogen
und zu somatisch orientiert kritisiert. Die Auswirkungen des im Januar 2009
vorgelegten Abschlussberichts des Beirates auf die weiteren Arbeiten in der
Pflegeversicherung und die zu erwartende weitere Novellierung des Pflegeversicherungsgesetzes wird die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege auch
zukünftig beschäftigen.
Neben der Weiterentwicklung der Pflegeversicherung und deren Umsetzung
befasste sich die Sozialkommission auch mit der Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe und den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Behindertenpolitik. So wurden zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe Positionierungen
der Spitzenverbände und der BAGFW für die politische Debatte vorbereitet.
Im Hinblick auf die Beschäftigung von behinderten Menschen in Werkstätten
für behinderte Menschen und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt wird auch
das Thema Teilhabe von behinderten Menschen als ständiger Arbeitsauftrag
wahrgenommen.
Die Sozialkommission führte zudem ein Gespräch mit Vertretern der Bertelsmann Stiftung, die ein Projekt zum Quartiersmanagement „SONG“ verantworten. Das Netzwerk SONG ist ein Zusammenschluss mehrerer Akteure in
der Sozialwirtschaft mit dem Ziel, die Herausforderungen und Chancen des
demografischen Wandels aktiv zu gestalten. Im Fokus des Netzwerks stehen
quartiersnahe und generationsübergreifende Wohn- und Versorgungsformen.
Diese Debatte ist für die Freie Wohlfahrtspflege und ihre Einrichtungen und
Dienste vor Ort von besonderer Bedeutung und wird weiter verfolgt.
Weitere Themenstellungen waren zum Beispiel die Vorbereitung einer Fachveranstaltung für Betreuungsvereine, die Mitarbeit beim Hauptstadtkongress
2009 sowie die Vorbereitung weiterer Aktivitäten für den Hauptstadtkongress
2010 und die Beteiligung der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege an
der Arbeitsgemeinschaft medizinische Rehabilitation, um nur einige Themenfelder zu benennen.

64

AUSSCHUSSBERICHTE

Fachausschuss „Altenhilfe“
Vorsitz: Frau Frischhut, DCV
Wesentliche Beratungsgegenstände des Fachausschusses
aus dem Jahr 2008
Die Beratungen im Fachausschuss (FA) Altenhilfe waren bestimmt durch die
Vielzahl von Themen, die sich aus dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz (PfWG),
das am 1. Juli 2008 in Kraft treten sollte, ergaben.
Das beherrschende Thema aus der Vielzahl der Neuerungen war sicherlich die
Vorgabe des Gesetzgebers zur Schaffung von Transparenz zur Qualität in der
Pflege. Dazu sollten in Verhandlungen mit den Kostenträgern Kriterien zur Veröffentlichung der Leistungen und der Qualität der stationären und ambulanten
Pflege entwickelt werden (§ 115 Absatz 1a SGB XI).
Mit Unterstützung der Arbeitsstelle Qualitätsmanagement in der Geschäfts­
stelle der BAGFW und in Abstimmung mit dem Ausschuss Qualitätsmanagement wurde in Arbeitsgruppen mit enger Sitzungsfolge ein eigenes Konzept
der Freien Wohlfahrtspflege zur Schaffung von Transparenz entwickelt und
zur Vorbereitung der Verhandlungen, die im Juli dann starteten, mit den
privat-­gewerblichen Leistungserbringern abgestimmt. In Abstimmung mit dem
FA Qualitätsmanagement wurde in stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen außerdem ein Pretest durchgeführt, damit das erprobte Konzept
schließlich in die Verhandlungen eingebracht werden konnte.
Mit In-Kraft-Treten des PfWG wurde dann das Thema Betreuungsassistenz
in der stationären Pflege (§ 87b SGB XI) virulent, da seitens der Politik eine
schnelle und unbürokratische Umsetzung in die Praxis gewünscht und gefordert wurde. Dazu wurden umfängliche Abfragen und Rückmeldungen erarbeitet und an die Ministerien weitergegeben.
Durch die regelmäßigen Termine der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege zur Begleitung und Umsetzung des PfWG beim BMG waren weiterhin
Abstimmungen notwendig zu Themen wie ortsübliche Vergütung (§ 72 SGB
XI), Unklarheiten beim Gesamtversorgungsvertrag (§ 72 SGB XI) und zu dem
Verhältnis der Tagespflege (§ 43 SGB XI) zur ambulanten Pflege-Sachleistung.
Die zweite Jahreshälfte war dann bestimmt von den Verhandlungen zum
§ 113 ff SGB XI. Der Gesetzgeber hatte für die Verhandlungen enge zeitliche
Fristen vorgesehen, die zur Vorbereitung der Verhandlungen einen dichten
Sitzungsrhythmus des FA, die Bildung einer Verhandlungsdelegation und von
Arbeitsgruppen zur Vorbereitung notwendig machten. Verhandelt wurden bis
zum Jahresende Kriterien zur Veröffentlichung der Leistungen und der Qualität
der stationären und ambulanten Pflege (nach § 115 Absatz 1a SGB XI), außer­
dem eine Geschäftsordnung für die Schiedsstelle zur Qualitätssicherung in der

65

Pflege (§ 113b SGB XI) sowie eine Verfahrensordnung für die Entwicklung
von Expertenstandards in der Pflege (§113a SGB XI). Durch die gute Vorbereitung der Verhandlungen und den großen Einsatz der Vertreter der Verbände
konnten hier wesentliche Vorstellungen der Freien Wohlfahrtspflege zum
Thema Transparenz verwirklicht werden. Dazu ist sicherlich zu zählen, dass die
Kriterien der Veröffentlichung sich nun an für Verbraucher wichtigen Themen
orientieren, dass für die Verbraucher sowie für die Einrichtungen und Dienste durch die Beschreibung der Kriterien klar definiert ist, welche Qualität zu
erbringen und darzustellen ist, und dass von den Verbänden veranlasste, von
unabhängigen Prüfinstitutionen durchgeführte Prüfungen/ Zertifizierungen bei
der Veröffentlichung einen gleichrangigen Platz neben den vom Medizinischen
Dienst der Pflegekassen durchgeführten Prüfungen nach § 115 Absatz 1a SGB
XI bekommen.
Parallel dazu liefen die Vorbereitungen der Verhandlungen zu Anforderungen
an Zertifizierungen, Prüfer und Prüfinstitutionen nach § 113 Absatz 1 Nr. 2
und 3 in Abstimmung mit dem Ausschuss Qualitätsmanagement und die Vorbereitungen zur Entwicklungen von Anforderungen an eine Pflegedokumentation nach § 113 Absatz 1 Nr. 1 sowie zu den gemeinsamen Maßstäben und
Grundsätzen zur Qualitätssicherung nach § 113 SGB XI. Die Verhandlungen
dazu müssen bis zum 31. März 2009 abgeschlossen sein und werden sicherlich
auch für das erste Quartal 2009 die Arbeit des FA bestimmen.
Neben den sehr zeitintensiven Verhandlungen, die jeweils innerhalb der
BAGFW vorbereitet und mit den privat-gewerblichen Verbänden abgestimmt
wurden, war die Begleitung der Umsetzung der spezialisierten ambulanten
Palliativversorgung (SAPV nach § 132d SGB V) und die Arbeit an den Verbesserungen der Gesetzgebung dazu ein Thema. So wurde die Notwendigkeit der
Erbringung von SAPV in Einrichtungen der Behindertenhilfe sowie als ärztliche
Leistung in stationären Hospizen an die Politik herangetragen. Die Erörterung
von Problemen bei der Förderung und Finanzierung der ambulanten Hospizdienste nach § 39a SGB XI waren ebenfalls ein Thema im FA. Dazu wurden
Lösungsvorschläge erarbeitet und ebenfalls an den Gesetzgeber transportiert.
Daneben wurden durch den FA auch die Arbeiten im Beirat zur Reform des
Pflegebedürftigkeitsbegriffs begleitet.

66

Fachausschuss „Behindertenpolitik“
Vorsitz: Herr Dr. Fink, DCV
Wesentliche Beratungsgegenstände des Fachausschusses aus
dem Jahr 2008
1.1 Weiterentwicklung Teilhabe am Arbeitsleben und Beschäftigung
1.2 Zusammenarbeit mit dem Ausschuss QM der BAGFW zur Qualitätspolitik
in der Behindertenhilfe
1.3 Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung und mögliche Auswirkungen für Menschen mit
Behinderung in Deutschland
1.4 Die Weiterentwicklung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eines neuen
Begutachtungsverfahrens
1.5 Bedarfsfeststellungsverfahren
1.6 Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe
1.7 Anfrage zur Finanzierung der Bundesvereinigung der Werkstatträte
Weiterentwicklung Teilhabe am Arbeitsleben und Beschäftigung
Die Mitglieder des Fachausschusses, Frau Zinke und Herr Dr. Fink, arbeiten in
einer Arbeitsgruppe des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge
e. V. mit, die sich mit dem Thema Weiterentwicklung der Teilhabe am Arbeitsleben befasst. Über diese Beteiligung wurden die anderen Mitglieder in die
Diskussion einbezogen. Eine kurze und kompakte Stellungnahme zum Gesetz
zur Einführung Unterstützter Beschäftigung der BAGFW wurde erarbeitet,
die auf die wesentlichen Problempunkte (Personenkreis, Leistungen, zeitliche
Befristung, ungesicherte Anschlussfinanzierung) eingegangen ist.
Der Fachausschuss stellt besonders in seiner Sitzung im Dezember fest, dass
dringend die Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit sehr schweren
Behinderungen ins Bewusstsein der Beteiligten gehoben werden muss. Es
wird gesehen, dass man in Politik und Verbänden sehr viel über die Menschen
spricht, die aufgrund ihrer Fähigkeiten zumindest eine Beschäftigung auf
dem allgemeinen Arbeitsmarkt erproben können, während die Gruppe der
Menschen mit sehr schweren Behinderungen aus dem Blick geraten sind. Dazu
wird der Fachausschuss im Jahr 2009 einen Schwerpunkt setzen.
Zusammenarbeit mit dem Ausschuss QM der BAGFW zur Qualitätspolitik in der Behindertenhilfe
Der gemeinsam mit dem Ausschuss QM geplante Workshop musste wegen
mehrerer Absagen von potentiellen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verschoben werden. Der Fachausschuss Behindertenpolitik hält es weiterhin für
sinnvoll, einen Workshop zu folgenden Fragen durchzuführen:
67

Welche gemeinsamen Qualitätsziele gibt es in den Wohlfahrtsverbänden?
Welche Qualitätskriterien werden verwendet? Wie können Ergebnisqualitätsindikatoren entwickelt werden? Könnte ein Forschungsprojekt initiiert werden?
Der Zeitpunkt war jedoch aufgrund hoher Anforderungen durch andere Themen (zum Beispiel Pflegebedürftigkeitsbegriff etc.) leider ungünstig. Es ist ein
neuer Termin im Frühjahr 2009 angesetzt.
Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung und mögliche Auswirkungen für Menschen mit
Behinderung in Deutschland
Zu diesem Thema wurden die Sitzungen des Fachausschusses vornehmlich zum
Austausch über die Diskussionen im eigenen Verband und über die politische
Entwicklung genutzt. Dabei wurde deutlich, dass die Verbände unterschiedliche Schlussfolgerungen aus der UN-Konvention für die gesellschaftliche
Stellung der Menschen mit Behinderung und die Praxis der Behindertenhilfe
ziehen und unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Der Fachausschuss hat
empfohlen, dass sich die Wohlfahrtsverbände besonders auf drei Fragenkomplexe konzentrieren:
1. Verlangt der Artikel 12 (Gleiche Anerkennung vor dem Recht) mit der Formulierung in Absatz 2 („Die Vertragsstaaten anerkennen, dass Menschen
mit Behinderung in allen Lebensbereichen gleichberechtigt mit anderen
Rechts- und Handlungsfähigkeit genießen.“), dass einschlägige Gesetze, die
die Geschäfts- und Handlungsfähigkeit betreffen, und das Betreuungsrecht
geändert werden müssen? Wie kann der Schutz, den Menschen mit Behinderung benötigen, gewährleistet werden, wenn zum Beispiel jeder (Kauf-)
Vertrag auch dann rechtsgültig ist, wenn keine „Einsichtsfähigkeit“ in die
Folgen dieser Handlung vorliegt?
2. Verlangt der Artikel 19 (Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung
in die Gemeinschaft), in dem unter anderem die Formulierung zu finden
ist: „… und nicht verpflichtet sind, in besonderen Wohnformen zu leben;“
und Artikel 27 (Arbeit und Beschäftigung), in dem unter anderem zu lesen
ist: „… dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt
durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld
frei gewählt oder angenommen wird“, dass Sondereinrichtungen möglichst
bald aufgelöst werden sollen?
3. Die dritte Frage betrifft das so genannte Monitoring. Die Wohlfahrtsverbände sollten sich zur gegebenen Zeit möglichst einig sein, wem die Aufgabe
übertragen wird, die Anlaufstelle für Angelegenheiten im Zusammenhang
mit der Durchführung des Übereinkommens zu sein (Artikel 33 Innerstaatliche Durchführung und Überwachung). Ins Spiel gebracht wird das
Deutsche Institut für Menschenrechte in Berlin.
In der Sitzung am Ende des Jahres wurde im Fachausschuss überlegt, ob hinsichtlich der erforderlichen Änderungen des Betreuungsrechts und hinsichtlich

68

der Auswirkungen auf das Persönliche Budget eine Klausurtagung mit einigen
Experten im ersten Halbjahr 2009 durchgeführt werden soll.
Die Weiterentwicklung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eines neuen Begutachtungsverfahrens
Dieses Thema betrifft sowohl den FA Altenhilfe als auch den FA Behindertenpolitik. Der FA Behindertenpolitik hat sich dabei auf die Auswirkungen auf die
Leistungen der Pflege nach SGB XII (Eingliederungshilfe) und auf alte Menschen mit Behinderung konzentriert. Als wichtigstes Ziel wurde gesehen, dass
die Eingliederungs- oder Teilhabeleistungen für Menschen mit Behinderung
(auch für schwerstbehinderte Menschen) erhalten bleiben und dass Personengruppen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ein Entwurf eines Positionspapiers des Deutscher Vereins für öffentliche und private Fürsorge zu der
Frage der Abgrenzung zwischen Leistungen nach SGB XI und Leistungen der
Eingliederungshilfe nach SGB XII wurde im Fachausschuss als ungenügend beurteilt. Herr Dr. Fink hat als Mitglied der Arbeitsgruppe im Deutschen Verein für
öffentliche und private Fürsorge interveniert. Auch andere Verbandsvertreter
haben schließlich dafür gesorgt, dass die Empfehlung des Deutschen Vereins
für öffentliche und private Fürsorge grundlegend geändert wurde. Anfang
2009 sollte eine gemeinsame Sitzung der beiden Fachausschüsse Altenhilfe
und Behindertenpolitik zu diesem Thema stattfinden.
Bedarfsfeststellungsverfahren
Der Fachausschuss hat Anmerkungen zu den „Vorläufigen Empfehlungen der
BAGüS (Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe)
zur Aufstellung und praktischen Anwendung des Gesamtplans nach § 58 SGB
XII im Rahmen der Einzelfallsteuerung in der Eingliederungshilfe nach SGB XII“
am 26. September 2008 abgegeben.
Ein Entwurf von Eckpunkten zum Bedarfsfeststellungs- und Hilfeplanverfahren
ist erarbeitet. Die dort niedergelegten Vorstellungen werden in eine Arbeitsgruppe des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge eingebracht, in der Herr Dr. Fink Mitglied ist.
Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe
Der Fachausschuss hat vereinbart, ein relativ kurzes, prägnantes Thesenpapier
zu diesem Thema im ersten Halbjahr 2009 zu erarbeiten. Arbeitsgrundlage waren die schon vorhandenen Positionspapiere der Verbände, die für die Sitzung
im Dezember von zwei Fachausschussmitgliedern zusammengeführt worden
waren. Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich der Fachausschuss mit dem so
genannten „Vorschlagspapier zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe
für Menschen mit Behinderungen“ der 85. Arbeits- und Sozialministerkonferenz vom 14. November 2008 beschäftigen muss. In der ersten Sitzung 2009
wird hauptsächlich dieses Thema bearbeitet werden.

69

Anfrage zur Finanzierung der Bundesvereinigung der Werkstatträte
Seit einiger Zeit gibt es Landesarbeitsgemeinschaften der Werkstatträte. In jeder
Werkstatt ist ein Werkstattrat als Mitbestimmungsgremium der Menschen mit
Behinderung vorgeschrieben. Diese Werkstatträte haben sich zu Landesarbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen. Nun gibt es auch einen Zusammenschluss auf Bundesebene. Bis heute ist ungeklärt, wer die Kosten für die Tätigkeit einer Bundesarbeitsgemeinschaft tragen soll. Alle Beteiligten sind dabei,
die erforderliche gesetzliche Regelung durchzusetzen, damit die Arbeit einer
Bundesarbeitsgemeinschaft in den Kostensätzen der Werkstätten unterzubringen ist. Diese Gesetzesänderungen sind aber nur mittelfristig zu erreichen. Der
Fachausschuss vereinbart, in den Wohlfahrtsverbänden folgenden Vorschlag zu
prüfen: Ein Projekt, gefördert durch die Aktion Mensch, wird zusammen mit der
schon bestehenden Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte vorbereitet.
Die notwendigen Eigenmittel von 20 Prozent könnten von den Wohlfahrtsverbänden übernommen werden.

Fachausschuss „Gesundheitswesen“
Vorsitz: Herr Dr. Bartmann, DW der EKD
Der Fachausschuss Gesundheitswesen begleitet die Gesundheitspolitik des
Bundes aus der Perspektive der Freien Wohlfahrtspflege. Im Mittelpunkt seiner
Beratungen stehen
–– die gesundheitliche Versorgung, Gesundheitsförderung, Prävention und
Rehabilitation sozial benachteiligter, chronisch kranker, pflegebedürftiger und
behinderter Menschen
–– die Schnittstellen zwischen dem Gesundheits- und Sozialwesen
–– die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen des
Gesundheitswesens.
Im Berichtszeitraum hat der Fachausschuss erneut zur Präventionspolitik Stellung
bezogen und die gescheiterten Anläufe für ein Präventionsgesetz ausgewertet.
Die Verzögerungen im politischen Prozess sollten seitens der Mitgliedsverbände
genutzt werden, um sich intensiver an der Gesundheits­förderung für sozial benachteiligte Personengruppen wie auch an anderen Vorhaben zu beteiligen, die
im Rahmen der §§ 20 ff. SGB V von den Krankenkassen gefördert werden. Dabei
kommt es wesentlich darauf an, Arbeitsbeziehungen zwischen den Akteuren der
Primärprävention und den in den Präventions-Settings (Kinder- und Jugendhilfe,
Altenhilfe, Hilfen für Arbeitslose etc.) tätigen Mitgliedseinrichtungen herzustellen. Auch auf Bundesebene erscheint ein nachhaltiges Engagement der BAGFW
im Bereich Präventionspolitik geboten. Ein regelmäßiger Informationsaustausch
bestand über die Umsetzung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung
(unter anderem Richtlinien und Empfehlungen der Krankenkassen); das Thema
geht im kommenden Jahr an den FA Altenhilfe über. Diskutiert wurde über die

70

Bündelung der rehabilitionspolitischen Anliegen und Interessen in der Form
einer Arbeitsgemeinschaft der Leistungserbringer im Sinne des SGB IX (§ 19
Absatz 6). Vorbereitet wird die Konstituierung einer gemeinnützigen Arbeitsgemeinschaft unter dem Dach der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege.
Verschiedene europäische gesundheitspolitische Initiativen (unter anderem
die so genannte Patientenrechterichtlinie) waren der Anlass für eine Auseinandersetzung mit den Aufgaben der verschiedenen Akteure auf EU-Ebene.
Für die gesundheitspolitische Arbeit der Freien Wohlfahrtspflege dürfte der
Sozialschutz-Ausschuss besonders wichtig sein, da seine Kompetenzen auf die
Gesundheitsversorgung und Langzeitpflege ausgedehnt wurden. Er evaluiert
also auch die Entwicklung der Kranken- und Pflegeversicherung in den Mit­
gliedstaaten. Die Beratungen werden 2009 gemeinsam mit dem Ausschuss
Europa fortgesetzt.
Der Fachausschuss Gesundheitswesen hat sich mit der gesundheitlichen Ver­
sorgung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus auseinandergesetzt und Schreiben an die Staatssekretäre in den zuständigen Bundesministerien vorbereitet
mit dem Ziel, dass dieses wichtige humanitäre Anliegen trotz der entgegen­
stehenden aufenthaltsrechtlichen und krankenversicherungsrechtlichen Bestimmungen politisch aufgegriffen wird. Beraten wurden auch Problemanzeigen,
die die Umsetzung der allgemeinen Versicherungspflicht und die gesundheitliche Versorgung von Grundsicherungs-Empfängern betreffen – Themen, die im
Berichtszeitraum auch Gegenstand des Sozialmonitorings der BAGFW waren.
Die Neuformierung der Unabhängigen Patientenberatung (Zentralisierung, Vernetzung) wurde im Fachausschuss unter dem Gesichtspunkt der Zugänglichkeit
für benachteiligte Personengruppen und der Kooperation mit den Beratungsstellen der Freien Wohlfahrtspflege erörtert.

Ausschuss „Qualitätsmanagement“
Vorsitz: Ullrich Wittenius, AWO
Die Berichterstattung über die Themen und Arbeitsinhalte des Ausschusses
finden Sie im Einführungsteil unter Arbeitsbereich Qualitätsmanagement
der BAGFW.

71

BERICHT DER SOZIALKOMMISSION II

Vorsitz: Herr Prof. Dr. Cremer, DCV
Die Kommission Sozialpolitik II wurde vom Vorstand im Zuge der Neuordnung
der Gremienstruktur zum 01. Januar 2007 neu eingerichtet und mit der Bearbeitung folgender Themenfelder betraut:
–– Kinder, Jugend, Familie und Frauen sowie Bildung
–– Arbeitsmarktpolitik und Grundsicherung, Armutsfragen
–– Migration und Integration
–– Zivildienst und Bürgerschaftliches Engagement
In Zuordnung dieser Themenfelder bearbeiten die Fachausschüsse von der
Sozialkommission formulierte Arbeitsaufträge. Einzelheiten zu den erörterten
Themen sind den Berichten der Fachausschüsse zu entnehmen.
In den Sitzungen der Sozialkommission II nahm die Erörterung der Fachausschussergebnisse in Form von Stellungnahmen, Positionspapieren oder
Gesprächsvorbereitungen in der Regel breiten Raum ein. Die Sozialkommission
diskutierte im Detail die Positionen der BAGFW-Verbände in Vorbereitung von
politischen Gesprächen. Dabei standen das Gespräch mit der Bundeskanzlerin
am 4. Dezember 2008 sowie der Meinungsaustausch mit Bundesministerin
Frau Dr. von der Leyen im Fokus. Daneben informierte sich die Sozialkommission regelmäßig über die Ergebnisse und weiteren Umsetzungsschritte der
Monitoringgespräche der Spitzenverbände mit der Bundesregierung und legte
die Positionen der Verbände für weitere Gespräche, zum Beispiel mit Heinrich
Alt, Mitglied des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit, fest.
Nicht nur zur Vorbereitung von politischen Gesprächen, sondern auch zur
Positionierung der Freien Wohlfahrtspflege in der Öffentlichkeit befasste sich
die Sozialkommission mit zahlreichen in den Fachausschüssen erarbeiteten
Papieren. Neben den Positionierungen zu aktuellen Themen der Erziehung,
Bildung und Betreuung von Kindern gab sie auch die „Rahmenempfehlungen
zur Qualität psychosozialer Beratungsangebote im Internet“ für die weitere
politische Arbeit frei. Besonderes Augenmerk richtete die Kommission zudem
auf die politische Diskussion zum Kinderregelsatz und zur Bekämpfung von
Benachteiligung und Armut von Kindern.
Ein wichtiges Arbeitsfeld bildete die Mitarbeit an integrationspolitischen
Themenfeldern. Das Gespräch mit der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung mit den Themen Monitoring zur Staatsangehörigkeit, Umsetzung
der Selbstverpflichtungen des Nationalen Integrationsplanes und Familienzusammenführung wurde in der Sozialkommission in Zusammenarbeit mit
dem zuständigen Fachausschuss vorbereitet. Die im Rahmen des Integrationsgipfels der Bundesregierung erarbeiteten Selbstverpflichtungserklärungen
der Spitzenverbände wurden – wie anlässlich des Integrationsgipfels im Jahre
2007 zugesagt – von den Verbänden evaluiert. Der Bericht zur Umsetzung

72

Sozialkommission II
Vorsitz: Herr Prof. Dr. Cremer, DCV
Frau Diller-Murschall	AWO (bis Juni 2008)
Frau Göller	AWO (bis Okt. 2008)
Herr Ritter-Engel	AWO (ab Okt. 2008)
Herr Dr. Becker	
DCV

Herr Niermann	
Der Paritätische
Herr Knoche	
DRK
Frau Wildt	
DW der EKD
Frau Weber	ZWST

Fachausschuss „Arbeitsmarktpolitik und Grundsicherung“
	
Vorsitz: Frau Dr. Schwengers, DCV
Herr Wörn	AWO
Frau Dr. Liessem	
DCV (ab Okt. 2008)
Herr Schleimer	
DCV (bis April 2008)
Frau Hofmann	
Der Paritätische
Herr Arweiler	
DRK
Frau Sabanovic	
DRK (bis Nov. 2008)

Herr Klose	
DW der EKD
Frau Gronbach 	
DW der EKD
Frau Schiffer-Werneburg	 DW der EKD	
Herr Schwarz	
DW Westfalen
Frau Altmann	ZWST

Fachausschuss „Kinder, Jugend, Familie und Frauen“
Vorsitz: Herr Fehrenbacher, DCV
Herr Ritter-Engel	AWO
Frau Theißen	AWO
Herr Günter	
DCV
Herr Struck	
Der Paritätische
Frau von zur Gathen	
Der Paritätische

Frau Dr. Skutta	
DRK
Herr Rollik	
DRK
Frau Beneke	
DW der EKD
Frau Heinkel	
DW der EKD
Frau Poleva	ZWST

Fachausschuss „Migration und Integration“
Vorsitz: Herr Alborino, DCV
Herr Barth	AWO
Herr Löhlein	
Der Paritätische
Herr Knoche	
DRK
Frau Oeser	
DRK

Herr Brandstäter	
DW der EKD
Frau Gutekunst	
DW der EKD
Frau Soll-Paschen	
DW der EKD
Frau Wegner	
DW der EKD
Herr Jek	ZWST

Fachausschuss „Zivildienst und Bürgerschaftliches Engagement“
Vorsitz: Herr Bergmann, DCV
Herr Pott	AWO (bis Juli 2008)
Frau Schneider	AWO
Frau Baeskow	AWO
Frau Herting	
DCV
Herr Fialka	
Der Paritätische
Herr Held	
DRK

Herr Dr. Mosemann	
DRK
Herr Hub	
DW der EKD
Frau Poleva	ZWST
Herr Schulze	
BAK Freiwilligendienste
Herr Seyfarth	AG der
Zivildienstschulen

Arbeitsstab „Monitoring“
Vorsitz: Herr Dr. Becker, DCV
Herr Wörn	AWO
Frau Dr. Schwengers	
DCV
Herr Rock	
Der Paritätische

	
Herr Schade	
DRK
Frau von Damaros	
DW der EKD
Frau Poleva	ZWST	

73

der Selbstverpflichtungen der Wohlfahrtsverbände im Rahmen des Nationalen
Integrationsplans (NIP) fand breites Interesse.
Die Sozialkommission erarbeitete darüber hinaus mehrere Stellungnahmen und
Positionen zu arbeitsmarktpolitischen Instrumenten, so zum Eckpunktepapier
zum „Kooperativen JobCenter“ des BMAS/BA und zu den Leistungen nach
§ 16 Absatz 2 Satz 1 SGB II. Die BAGFW beteiligte sich intensiv an den Beratungen zur Novellierung der Sozialgesetzbücher II und III.
Die Sozialkommission begleitete zudem die Vorbereitung und Durchführung
der von der BAGFW veranstalteten Fachtagung „Freie Wohlfahrtspflege gegen
pädagogische und soziale Bestrebungen rechtsextremer Organisationen“, die
im Oktober in Berlin stattfand. Die Ergebnisse dieser Fachtagung sind auf dem
BAGFW-Internetauftritt dokumentiert. Die BAGFW wird sich weiterhin kritisch
mit den pädagogischen und sozialen Bestrebungen rechtsextremer Organisationen auseinandersetzen und Gegenstrategien entwickeln.

AUSSCHUSSBERICHTE

Fachausschuss „Arbeitsmarktpolitik und Grundsicherung“
Vorsitz: Frau Dr. Schwengers, DCV
Der Fachausschuss „Arbeitsmarktpolitik und Grundsicherung“ hat die Aufgabe, gemeinsame Positionen im Bereich Arbeitsmarktpolitik und Existenzsicherung zu erarbeiten, Stellungnahmen zu formulieren und politische Gespräche
fachlich vorzubereiten. Die Arbeit des Fachausschusses war im Jahr 2008
insbesondere geprägt durch die Gesetzentwürfe zur Neuordnung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente im SGB II und SGB III, die Diskussion um Kinderarmut und die Vorschläge zur Neuorganisation des SGB II.
Anknüpfend an die Ende 2007 erarbeitete Position zur Einschränkung der so
genannten sonstigen weiteren Leistungen nach § 16 Absatz 2 Seite 1 SGB II
hat der Fachausschuss 2008 erneut Schreiben an Arbeitsmarktpolitiker und
Ministerien formuliert, um den Erhalt individuell angepasster Maßnahmen zur
Integration in Arbeit zu erhalten. Im Sommer 2008 organisierte der Fachausschuss eine gemeinsame Fachtagung von Vertretern der Wohlfahrtspflege
mit der Bundesagentur für Arbeit zu diesem Thema. Dieses Thema griff der
Fachausschuss auch in einer umfassenden Stellungnahme zum Gesetzentwurf
zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente auf, die Grundlage für die Anhörung der BAGFW im Bundestagsausschuss für Arbeit und
Soziales war. Die BAGFW konnte dank intensiver Lobbyarbeit auch durch die
Einzelverbände erreichen, dass noch im Gesetzgebungsverfahren einzelne von
ihr beabsichtigte Änderungen erfolgten. Das Gesetz trat zum 1. Januar 2009
in Kraft.
Vor dem Hintergrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungswidrigkeit der ARGEn im Dezember 2007 bereitete der Fachausschuss
eine Stellungnahme zu dem vom BMAS und der BA vorgelegten Eckpunkte74

papier eines so genannten „kooperativen Jobcenters“ vor. Die Ausführungen
waren auch Grundlage eines Gesprächs der BAGFW mit Staatssekretär Scheele
zu diesem Thema. Sowohl die erarbeiteten Positionen zur Neuausrichtung der
arbeitsmarktpolitischen Instrumente als auch zur Neuorganisation des SGB II
flossen unter anderem in politische Gespräche der BAGFW, zum Beispiel mit
dem Vorstandsmitglied der BA, Heinrich Alt, ein. Aus letzterem ergab sich auch
die oben genannte gemeinsame Fachtagung zum Thema „sonstige weitere
Leistungen.“ Die vom Fachausschuss Arbeitsmarktpolitik beobachteten Auswirkungen der Reformen und Vorhaben im Bereich der Arbeitsmarktpolitik auf
Menschen in Armut bildeten zudem die fachliche Grundlage für ein Sozialmonitoringgespräch zum Thema Arbeitsmarktpolitik.
Weiterhin hatte die BAGFW die Gelegenheit, sich in einer Expertenanhörung
des Bundestagsausschusses für Arbeit und Soziales auf Grundlage der vom
Fachausschuss erarbeiteten Positionen zum Thema Kinderregelsätze zu äußern.
In Zusammenarbeit mit dem Fachausschuss „Kinder, Jugend, Familie und
Frauen“ fertigte der Fachausschuss sowohl zum Ausbau des Kinderzuschlags
durch das Gesetz zur Änderung des Bundeskindergeldgesetzes im Frühjahr
2008 als auch zum Familienleistungsgesetz im Herbst 2008 Stellungnahmen an.
Im Kontext des Prozesses der Erstellung nationaler Strategieberichte 2006 bis
2008 nahm eine Vertreterin des Fachausschusses für die BAGFW die Mitarbeit
in der Unterarbeitsgruppe FORTEIL (Forum Teilhabe und soziale Integration)
beim BMAS wahr. Zudem brachte der Fachausschuss im Februar 2008 in
Zusammenarbeit mit dem Europaausschuss die Vorstellungen der BAGFW in
das Konsultationsverfahren der Europäischen Kommission zur Mitteilung zur
Einbeziehung der arbeitsmarktfernsten Menschen ein. Schließlich entsandte
der Fachausschuss auch eine Vertreterin in die Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur
Erarbeitung gemeinsamer Empfehlungen zu den Kosten der Unterkunft im
SGB II.
Europäischer Sozialfonds (ESF) 2008
Im Mittelpunkt stand im Jahr 2008 der Fortgang und teilweise Abschluss der
Verhandlungen mit dem BMAS über die Implementierung einer Programmlinie
„Förderung der Sozialwirtschaft und der sozialen Eingliederung.“
Der Teil Förderung der Sozialwirtschaft konnte zum Jahresende erfolgreich
abgeschlossen werden, eine Regiestelle bei der BAGFW wurde eingerichtet.
Der Teil Förderung der sozialen Eingliederung bedarf weiterer Gespräche mit
dem BMAS. Die Erwartung ist, dass es auch hier im Laufe des Jahres zu einem
positiven Abschluss kommt und Maßnahmen insbesondere für arbeitsmarktfernste Gruppen möglich werden.
Die BAGFW-Arbeitsgruppe Strukturfonds ist im vergangenen Jahr weitergeführt worden. Die Vernetzung der innerhalb der Wohlfahrtspflege mit der
Arbeit in Begleitauschüssen befassten Personen und die Anbindung an den
FA Arbeitsmarktpolitik und Grundsicherung haben sich bewährt. Neben drei
planmäßigen Terminen mit den Vertretern der Freien Wohlfahrtspflege in den
Begleitausschüssen der Länder und des Bundes (Erfahrungsaustausch und
75

gegenseitige Abstimmung) wurde wiederum ein Workshop mit Vertretern
der EU-Kommission in Brüssel durchgeführt.
Der Bundesbegleitausschuss zum ESF ebenso wie alle „bundesweiten gründerinnenagenturen“ (bgA) der Länder sind mittlerweile konstituiert. Die Freie
Wohlfahrtspflege ist in allen Ausschüssen vertreten. Das Niveau der Partnerschaft ist jedoch sehr unterschiedlich und in manchen Fällen auf Formalien
beschränkt. Es wird eine Aufgabe für 2009 sein, stärker auf die inhaltliche
Dimension des Partnerschaftsprinzips zu dringen, gerade bei der Umsetzung
des ESF-Bundesprogramms.

Fachausschuss „Kinder, Jugend, Familie und Frauen“
Vorsitz: Herr Fehrenbacher, DCV
Wesentliche Beratungsgegenstände
Die Arbeit des Fachausschusses Kinder, Jugend, Familie und Frauen (KJFF) der
BAGFW war im Berichtszeitraum geprägt von den kinder- und jugendpolitischen Themen im Kontext der Debatten um den Ausbau der Kindertagesbetreuung und den Kinderschutz.
Der Fachausschuss richtete bereits im Jahr 2007 eine Unterarbeitsgruppe
„Kita“ ein, die sich vor allem mit Themen der Qualität der öffentlich geförderten Kinderbetreuung in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege
beschäftigte.
Ein Schwerpunkt der fachpolitischen Tätigkeit bildete dabei die Umsetzung
des vom BMFSFJ entwickelten Aktionsprogramms Kindertagespflege. Dazu
fand eine Reihe von Gesprächen mit dem Ministerium statt, in denen unter
anderem auch Fragen der Einkommensbesteuerung, Sozialversicherung und
Geldleistungen für Tagespflegepersonen erörtert wurden.
Das Thema Qualität und Rahmenbedingungen der Kinderbetreuung in
Deutschland zog sich gleichsam wie ein roter Faden durch die Debatten und
Auseinandersetzungen über die im Kinderförderungsgesetz formulierten
Ansprüche einer qualitativ hochwertigen Kindertagesbetreuung, vor allem der
unter Dreijährigen.
Im Kontext der parlamentarischen Beratungen und Verabschiedung des Kinderförderungsgesetzes mit den entsprechenden Änderungen im SGB VIII stellte
die Positionierung zur staatlichen Förderung privat-gewerblicher Träger einen
weiteren Schwerpunkt der fachpolitischen Arbeit dar.
Die Festschreibung der staatlichen Förderung von Gewinn orientierten, privatgewerblichen Trägern wurde weitestgehend von den Verbänden kritisch gesehen, weil diese einmal auf dem Hintergrund der Föderalismusdebatte in der
Zuständigkeit der Länder liegt und deshalb nicht bundesgesetzlich zu regeln
ist. Zum anderen wiesen die Verbände deutlich auf die Gefahr einer sozialen
Segregation der Angebote hin.

76

Schlussendlich wurde der umstrittene § 74 a im SGB VIII insoweit entschärft,
als die explizite, im SGB VIII formulierte Förderung privat-gewerblicher Träger
von Kindertageseinrichtungen aus dem Gesetz genommen wurde.
Das Kinderförderungsgesetz wurde am 7. November 2008 vom Bundesrat
verabschiedet und tritt zum 1. Januar 2009 in Kraft.
Parallel zum Ausbau der Kinderbetreuung beschäftigte sich der Fachausschuss
intensiv mit dem Thema Verbesserung des Kinderschutzes in Deutschland, das
in zwei so genannten „Kinderschutzgipfeln“ (Dezember 2007, Juni 2008) von
der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der
Länder auf die politische Agenda gehoben wurde. Hintergrund dieser Gipfelgespräche bildeten dramatische Einzelfälle von Kindstötungen durch massive
Vernachlässigung und Gewaltanwendung.
Die Ergebnisse flossen Ende 2008 in einen Referentenentwurf des BMFSFJ zu
einem Bundeskinderschutzgesetz ein, der inzwischen im Januar 2009 vom
Kabinett verabschiedet wurde und neben rechtlichen Klarstellungen den verpflichtenden Regel-Hausbesuch durch den öffentlichen Träger der Jugendhilfe
(der Jugendämter) sowie die Lockerung der Schweigepflicht bei Verdacht auf
Kindeswohlgefährdung vorsieht.
Im Rahmen des Ausbaus präventiver Hilfen im Kontext Kinderschutz führte
der Fachausschuss ein Gespräch mit dem Nationalen Zentrum „Frühe Hilfen“,
das als bundesweite Koordinations- und fachwissenschaftliche Stelle die
Entwicklungen bündelt und konzeptionell voran treibt. Darüber hinaus ist die
BAGFW mit einer Vertreterin und einem Vertreter im Fachbeirat des Nationalen
Zentrums vertreten.
Ferner hat sich der Fachausschuss im Berichtszeitraum an der Vorbereitung
und Durchführung eines Fachkongresses der BAGFW im Oktober 2008 in
Berlin beteiligt, der das Thema „Rechtsextremismus“ unter dem Titel „Freie
Wohlfahrts­pflege gegen pädagogische und soziale Bestrebungen rechtsex­
tremer Organisationen“, beinhaltete.
Die Idee für diesen Kongress ist anlässlich eines Gespräches der General­se­
kretäre und Hauptgeschäftsführer der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege mit dem Chef des Bundeskanzleramts, Bundesminister Herrn Dr. de
Maizière, entstanden. Ziel ist eine längerfristige Auseinandersetzung mit dem
Fokus, welchen Beitrag die Verbände leisten können und zukünftig wollen,
um junge Menschen dem zunehmenden Einfluss rechtsextremer Organi­sa­
tionen zu entziehen.
Insoweit bildete der Fachkongress den Auftakt für eine weitere Debatte innerhalb der BAGFW, die mit entsprechenden Maßnahmen und gegebenenfalls
Veranstaltungen verbunden werden.
Schließlich beschäftigte sich der Fachausschuss mit den einschlägigen Bundesprogrammen und Aktionsplänen der Bundesregierung. Ein Schwerpunkt
dabei bildete das Aktionsprogramm zur Bekämpfung von Gewalt gegen
Frauen und die damit verbundene Frage einer verlässlicheren Finanzierung von
Frauenhäusern in Deutschland.
77

Bei den Beratungen der Programme und Aktionspläne ging es um den jeweiligen aktuellen Sachstand, die Umsetzung und ihre Fallstricke für die Träger
und um die Beteiligung beziehungsweise Nichtbeteiligung der Verbände der
Freien Wohlfahrtspflege.
Die Bewertung des Rahmens für die jugendpolitische Zusammenarbeit in Europa im Kontext der strategischen Neuausrichtung der Kinder- und Jugendpolitik
in Europa sowie die Arbeit im Bundesforum Familie und das „Verbundprojekt
wertebezogene Erziehung in Familien“ waren weitere Themen des Fachausschusses im Berichtszeitraum.
Last but not least führte der Fachausschuss in seiner zweitägigen Sitzung im
Oktober 2008 Gespräche mit den für den FA relevanten Vertreterinnen und
Vertretern der Abteilungen und Referate des Bundesministeriums für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend.
Mit Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. Wiesner und Frau Mütze fand ein Austausch über
die aktuellen kinder- und jugendpolitischen Schwerpunkte der Bundesregierung statt sowie über den Stand und die Entwicklungen der Förderung des
Kinder und Jugendplans (KJP), insbesondere bezogen auf das Programm
„Kinder- und Jugendhilfe der Freien Wohlfahrtspflege“.
Im Gespräch mit Frau Welskop-Deffaa, Leiterin der Abteilung Gleichstellung im
BMFSFJ, wurden der Stand der Planungen im Ministerium und Schnittstellen zu
den Bereichen Schwangerschaftsberatung, Bundesstiftung Mutter-Kind sowie
Frauenhäuser erörtert.

Fachausschuss „Migration und Integration“
Vorsitz: Herr Alborino, DCV
Migration und Integration waren auch im Jahr 2008 hochbrisante Themenkomplexe, die in der politischen und gesellschaftlichen Debatte kontrovers
diskutiert wurden. Es scheint sich außerdem der Trend der letzten Jahre zu
bestätigen, dass Migration und Integration und die damit zusammenhängenden Fragen und Probleme zunehmend von einer breiteren Öffentlichkeit
als gesellschaftliche und soziale Querschnittsthemen wahrgenommen werden.
Im Berichtsjahr 2008 standen vor allem die Umsetzung und Bilanzierung der
Selbstverpflichtungen des Nationalen Integrationsplans, die Europäisierung
der Migrations- und Integrationspolitik und die neuen Anforderungen an
Einbürgerungsbewerber in der Diskussion. Der Fachausschuss orientierte sich
schwerpunktmäßig an diesen Themen.
Mit dem Nationalen Integrationsplan hat die Bundesregierung das Thema
Integration auf die politische Agenda gesetzt und damit der Migrations- und
Gesellschaftspolitik wichtige neue Impulse gegeben. Mit dieser Initiative wurde
gleichzeitig anerkannt, dass in Deutschland immer noch ein umfassendes und
nachhaltiges Integrationskonzept fehlt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft der
Freien Wohlfahrtspflege beteiligte sich aktiv an der Entwicklung des Integrationsplans, immer wieder auch mit kritischen Worten. Zusätzlich wurden etwa
78

60 Selbstverpflichtungen abgegeben. Der Fachausschuss thematisierte in seinen Sitzungen Fragen zur Umsetzung der Selbstverpflichtungen und zu einer
Bilanzierung der Umsetzung. Im Sommer 2008 wurde ein Bilanzierungsbericht
erstellt. Dieser ist Bestandteil des Fortschrittsberichts der Bundesregierung und
liegt zudem mit bewertendem Vorwort auch als Publikation der BAGFW vor.
Da ein Schwerpunkt der Selbstverpflichtungen der BAGFW im Bereich der frühen Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund angesiedelt ist, wurde
zum Thema „Kindertageseinrichtungen als Orte der Integration“ ein Fachgespräch im Bundeskanzleramt durchgeführt. Das gemeinsam von den Fachausschüssen Migration und Integration, Kinder und Gesundheit sowie dem Büro
der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration organisierte
Fachgespräch fand im Juni 2008 statt. Ziel der Veranstaltung war, im Rahmen
des Integrationsplans weitere Prozesse im Feld der frühen Förderung und
Integration anzustoßen.
Auf den inhaltlichen Vorarbeiten des Nationalen Integrationsplans aufbauend
will das bundesweite Integrationsprogramm Rahmenbedingungen für eine effektive und nachhaltige Integrationsförderung entwickeln. Das Integrationsprogramm basiert auf dem Zuwanderungsgesetz (§45) und wird vom Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge koordiniert. Schwerpunktmäßig wurde im Jahr
2008 an den Handlungsfeldern „berufliche Bildung“, „Bildung“ und „Gesellschaftliche Integration“ weitergearbeitet. In allen Arbeitsgruppen sowie in der
Steuerungsgruppe sind Mitglieder des Fachausschusses vertreten.
Zum dritten Mal in Folge kamen im Frühjahr 2008 die Vorstände der Verbände der BAGFW mit der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und
Integration zu einem Meinungsaustausch über zentrale Fragen der Integration
zusammen. Diskutiert wurde über den Nationalen Integrationsplan, gesetzliche
Regelungen und praktische Konsequenzen im Bereich der Familienzusammenführung und über das Thema Einbürgerung.
Insbesondere Fragen im Zusammenhang mit Einbürgerung beschäftigten den
Fachausschuss im Jahr 2008. Um herauszufinden, welche Gesetze, Regelungen
und Befindlichkeiten der Zuwanderer dazu führen, dass nicht mehr Menschen
von der Option der Einbürgerung Gebrauch machen, wurde bei Migrationsdiensten der BAGFW eine Befragung durchgeführt. Nachdem die Befragung
nun ausgewertet wurde, werden derzeit auf dieser Grundlage Maßnahmen
entwickelt, die das Einbürgerungsverfahren langfristig erleichtern sollen.
Bearbeitet wurde weiterhin das Thema „Menschen in der aufenthaltsrechtlichen Illegalität“. Anfang 2009 soll dazu eine aktuelle Positionierung der
BAGFW abgestimmt werden.
Um das zunehmend gewichtigere Feld der Europäischen Migrationspolitik
stärker in den Fokus zu rücken, wurde im Februar 2008 eine Sitzung des
Fachausschusses in Brüssel abgehalten. Dabei ging es neben einer vertieften
Information insbesondere um einen Austausch mit den Partnerorganisationen
der Verbände auf europäischer Ebene. Es wurden Formen zukünftiger Zusammenarbeit abgestimmt und Schwerpunktthemen vereinbart.

79

Einige Themenkomplexe wie die Kooperation mit Migrantenselbstorganisationen, das Integrationsmonitoring der Bundesregierung, die Allgemeinen Verwaltungsvorschriften zum Aufenthaltsgesetz, das Bundesnetzwerk „Bildungs- und
Ausbildungspatenschaften“, das Forum für eine kultursensible Altenhilfe, der
Einbürgerungstest und das Optionsmodell wurden im Fachausschuss beraten,
jedoch gab es diesbezüglich keine gemeinsame Positionierung beziehungsweise kein gemeinsames Vorgehen.
Die Ad-hoc Arbeitsgruppe Migrationserstberatung (MEB) befasste sich zu
Beginn des Jahres intensiv mit der Umsetzung der Vorgaben des Bundesamts
für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zur regionalen Verteilung der Beratungsressourcen 2008 sowie den vom BAMF vorgegebenen Weiterleitungsverträgen,
bei denen ein erheblicher Nachbesserungsbedarf bestand. Im Sommer wurde
eine Auflistung alternativer Kriterien für die regionale Verteilung erarbeitet und
an das BAMF weitergeleitet. Im Juni folgte eine MEB-Arbeitstagung mit Vertreterinnen und Vertretern der Ligen auf Landesebene zu den Themen Regionale
Verteilung, Zusammenarbeit und Abstimmung von Positionen. Überraschend
änderte das BAMF im August den Namen des Bundesprogramms in „Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE)“.
Begleitend zu den Haushaltsverhandlungen 2009 gab es ein gemeinsames Anschreiben an die Haushälter der Fraktionen sowie Kontakte zu Parlamentariern
bezüglich einer Erhöhung des Haushaltstitels MBE 2009. Das Antragsverfahren
2009 erforderte intensive Abstimmungen innerhalb der BAGFW bezüglich des
Finanztableaus Länderverteilung und der Regionalen Verteilung. Im November
stellte das BAMF schließlich ein neues Verfahren zur „Erfolgskontrolle für die
MBE (Controlling)“ vor, das ab Juli 2009 die bisherige Statistik ersetzen soll.
Die Verbände sehen Schwierigkeiten insbesondere im Hinblick auf die Subsidiarität der Verbände sowie auf den Datenschutz und haben in einem Schreiben
an das BAMF Klärungsbedarf angemeldet.

Fachausschuss „Zivildienst und Bürgerschaftliches Engagement“
Vorsitz: Herr Bergmann, DCV
Wesentliche Beratungsgegenstände des Fachausschusses aus
dem Jahr 2008
Im zweiten Jahr der Neuordnung der Gremienstruktur der BAGFW hat sich
die Bearbeitung der Themen und Inhalte zu den Bereichen „Zivildienst“ und
„Bürgerschaftliches Engagement“ intensiviert und konsolidiert. Mit Rücksicht
auf die Unterschiedlichkeit der Themenbereiche hat sich das arbeitsteilige Vorgehen im Fachausschuss bewährt: die Zivildienstreferentinnen und -referenten
der Verbände kamen eigens zu zivildienstspezifischen Sitzungen zusammen,
während im gesamten Fachausschuss neben den Angelegenheiten des Bürgerschaftlichen Engagements insbesondere auch inhaltliche Schnittpunktthemen
im Übergang vom Pflichtdienst zu unterschiedlichen Formen von Freiwilligendiensten behandelt werden konnten. Um die in Fachfragen erforderliche
Kommunikation mit dem Bundesarbeitskreis Freiwilliges Soziales Jahr (BAK FSJ)
80

strukturiert zu gewährleisten, nimmt Martin Schulze als derzeitiger Sprecher
des BAK FSJ als ständiger Gast an den Sitzungen des Fachausschusses teil.
Zu Beginn des Jahres 2008 konnten die Verhandlungen mit dem Bund über die
Anpassung des Erstattungsbetrages für die Durchführung von fachlichen Einführungsveranstaltungen für Zivildienstleistende formell und mit einem guten
Ergebnis abgeschlossen werden. Demnach stieg der Erstattungsbetrag von vormals 36,84 auf nunmehr 39 Euro. Die Verbände lassen sich fortlaufend über
den jeweiligen Stand des Verbraucherindex des Statistischen Bundesamtes unterrichten. Dessen Höhe ist maßgeblich für den Beginn neuer Verhandlungen
mit dem Ziel einer Anpassung des Erstattungsbetrages.
Mit Wirkung zum 1. Juli 2008 konnte die bereits im Jahr 2007 durchgeführte
Personalbedarfsermittlung in den Zivildienst-Verwaltungsstellen der Verbände
zu einem Abschluss gebracht werden. Demzufolge wurde die so genannte
Schlüsselzahl im Vertrag zur Übernahme von Verwaltungsaufgaben (ÜVAVertrag) zwischen dem Bund und den Verbänden deutlich reduziert, was
eine bessere Bezuschussung der Verbände bedeutet. Trotz des erfolgreichen
Abschlusses der Personalbedarfsermittlung sind noch einige Detailfragen im
Zusammenhang mit der Untersuchung offen geblieben, die im Kontext einer
möglichen inhaltlichen Anpassung des ÜVA-Vertrags nochmals angesprochen
und geklärt werden müssen.
In regelmäßigen Gesprächen mit dem Bundesbeauftragten für den Zivildienst
haben sich die Mitglieder des Fachausschusses mit Überlegungen auseinander gesetzt, wie eine weitere Ausgestaltung des Zivildienstes als Lerndienst
erfolgen kann. Ende Juni 2008 hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Referentenentwurf eines Dritten Gesetzes zur
Änderung des Zivildienstgesetzes (3. ZDGÄndG) vorgelegt. Da die Verbände
die vorgesehenen Regelungen zur fachlichen Einführung und Begleitung
von Zivildienst-Dienstleistenden hinsichtlich des Grades der Verbindlichkeit
unterschiedlich bewerteten, konnte keine gemeinsame BAGFW-Stellungnahme
abgegeben werden. Im Gesetzentwurf, der Ende August 2008 vom Bundeskabinett verabschiedet wurde, sind im Vergleich zum Referentenentwurf
geringfügige Änderungen vorgenommen. Zur Vorbereitung auf eine Anhörung
des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages am 17. Dezember 2008 ist es allerdings gelungen, einen Verbände
übergreifenden Konsens zur bislang strittigen Frage der Verbindlichkeit zu
erzielen. Eine entsprechend abgestimmte Stellungnahme konnte der Fachausschussvorsitzende in der Anhörung vorbringen. Mit dem Abschluss der
parlamentarischen Beratungen zum 3. ZDGÄndG ist im ersten Halbjahr 2009
zu rechnen.
Der Fachausschuss hat sich im Bereich des Bürgerschaftlichen Engagements
insbesondere mit den Entwicklungen im Bereich der Freiwilligendienste befasst.
Ein besonderes Augenmerk galt dabei dem Modellprogramm „Generationsübergreifende Freiwilligendienste“, das zum 30. Juni 2008 endete, und dem
Übergang zum Nachfolgeprogramm „Freiwilligendienste aller Generationen“.
Der Fachausschuss wird auch künftig sehr aufmerksam beobachten, ob
und inwieweit es gelingt, die im Rahmen von Generationsübergreifenden
81

Freiwilligendiensten erreichten Erfolge und Ansätze unter Verantwortung der
Länder und Kommunen fortzuführen beziehungsweise auszuweiten.
Die Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements, die dazu erforderlichen
Rahmenbedingungen, die spezifischen Beiträge der Bundesregierung und das
Zusammenwirken mit den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege war unter
anderem Gegenstand eines Gesprächs zwischen der BAGFW und der zuständigen Bundesministerin Frau Dr. von der Leyen. Hierfür leistete der Fachausschuss die erforderliche inhaltliche Vorarbeit.
Einen weiteren ausführlichen Leitfaden erarbeitete der Fachausschuss zur
Vorbereitung eines Gespräches zwischen der BAGFW und dem Beauftragten
für ZivilEngagement, Dr. Fleisch. Hier erfolgte eine inhaltliche Zuspitzung auf
die Darlegung der Initiative ZivilEngagement des BMFSFJ und der Beteiligungsmöglichkeiten der Freien Wohlfahrtspflege.
Neben den Diskussionen und Entwicklungen zum Bürgerschaftlichen Engagement auf nationaler Ebene sind auch die europäischen Tendenzen und Aspekte
zunehmend von Bedeutung. Mit einer Entschließung des Europäischen Parlaments zu Freiwilligendiensten vom 22. April 2008 hat sich der Fachausschuss
im Berichtsjahr im Sinne einer ersten Bewertung befasst. Weitere inhaltliche
Auseinandersetzungen sind, nicht zuletzt mit Blick auf das vom Europäischen
Parlament für 2011 empfohlene Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit,
erforderlich.
Die Umsatzsteuerproblematik, die auch nach Inkrafttreten des novellierten
Jugendfreiwilligendienstegesetzes (JFDG) zu erheblichen Unklarheiten führt,
beschäftigte den Fachausschuss das ganze Berichtsjahr über. Eine zusätzliche
Brisanz hat die Thematik dadurch erfahren, als die jetzige Regelung des § 14c
Zivildienstgesetz mit der neuen Regelung des § 11 Absatz 2 JFDG nicht kompatibel ist. In diesen Fällen muss man weiterhin von einer Umsatzsteuerpflicht
ausgehen. Der Fachausschuss hat mehrfach die zeitnahe Lösung dieser Komplikation angemahnt, zuletzt auch im Zusammenhang mit der Anhörung zum
3. ZDGÄndG am 17. Dezember 2008 im zuständigen Bundestagsausschuss.

82

Arbeitsstab „Monitoring“
Vorsitz: Herr Dr. Becker, DCV
Der Arbeitsstab Monitoring bereitet die Gespräche der Vorsitzenden und
Haupt­geschäftsführer mit den Staatssekretären verschiedener Bundesmi­
nisterien zum­gemeinsamen Monitoring der Bundesregierung mit der Freien
Wohlfahrtspflege vor und nach. In diesem Monitoring werden in Absprache
mit der Bundesregierung die Auswirkungen sämtlicher Sozialreformen auf
Menschen in Armut thematisiert.
In Vorbereitung auf das erste Gespräch im Frühjahr 2008 analysierte und
identifizierte der Arbeitsstab Lücken und Probleme bei der seit 1. April 2007
bestehenden allgemeinen Krankenversicherungspflicht und erarbeitete hierzu
Lösungsmöglichkeiten. Thematisiert wurden die hohen Beitragsnachforderungen, denen sich insbesondere bislang nicht krankenversicherte, wohnungslose Menschen nach Einführung der Krankenversicherungspflicht ausgesetzt
sahen. Gleichzeitig droht privat versicherten Menschen, die ab 1. Januar
2009 Arbeitslosengeld II (ALG II) beziehen, dass die ARGE oder die Kommune
ihren Krankenkassenbeitrag aufgrund einer Gesetzeslücke nicht vollständig
übernimmt. Ein ähnliches Schicksal trifft junge mittellose Erwachsene, die noch
im Haushalt ihrer Eltern leben und nicht familienversichert sind. Auch ihre
Krankenkassenbeiträge übernimmt weder die ARGE oder die Kommune, noch
sind regelmäßig ihre Eltern hierzu verpflichtet. Kindern, deren Eltern mit den
Beitragszahlungen in Verzug kommen, droht ein nur eingeschränkter Krankenversicherungsschutz im Sinne einer Grundversorgung. Weiterhin ungeklärt
ist die Situation von Menschen im SGB II, die regelmäßig auf nicht verschreibungspflichtige Medikamente angewiesen sind, die sie aus ihrer Regelleistung
nicht finanzieren können. Der Arbeitsstab hat konkret dargelegt, was diese
Rechtslage für wohnungslose Menschen bedeutet. Schließlich wurde von der
BAGFW die verpflichtende Ausgabe von Lebensmittelgutscheinen an Schwangere gefordert, deren ALG II wegen einer Sanktion vollständig versagt wird.
Im zweiten Gespräch im Spätherbst 2008 untersuchten BAGFW und Bundesregierung gemeinsam die Auswirkungen der bisherigen Reformen auf den
Arbeitsmarkt auf Menschen in Armut. Diskutiert wurden hier die Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Beschäftigungszuschusses nach § 16a SGB II
und der so genannten KommunalKombis, die die Integration von Menschen
mit multiplen Vermittlungshemmnissen beziehungsweise Arbeitslose in strukturschwachen Regionen unterstützen soll. Auch die Integration von Jugendlichen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt wurde unter anderem unter dem
Blickwinkel der Kooperation mit der Jugendhilfe und diversen Schwierigkeiten
beim Zugang zu Arbeitsmarktinstrumenten des SGB II und SGB III thematisiert.
Die BAGFW sprach auch den Wegfall der Rechtsgrundlage für spezifische Instrumente zur Integration von auf dem Arbeitsmarkt benachteiligten Personengruppen (zum Beispiel arbeitsmarktferne Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund) sowie die geplanten Neuregelungen an. Die Bundesregierung
zeigte auf, dass sie zumindest einzelne dieser Probleme im Rahmen der zum
1. Januar 2009 in Kraft tretenden Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen
Instrumente lösen werde.
83

BERICHT DER FINANZKOMMISSION

Finanzkommission
Vorsitz: Dr. Ulrich Schneider, Der Paritätische
Im Jahr 2008 standen die Rahmenbedingungen für die Finanzierung der Arbeit
der Freien Wohlfahrtspflege im Mittelpunkt der Arbeit der Finanzkommission.
Die Fachausschüsse „Gemeinnützigkeit und Steuern“, „Wohlfahrtsmarken“
und „Statistik“, deren Arbeit im Anschluss dokumentiert wird, unterstützen
dabei die Finanzkommission in einer Vielzahl fachlicher Detailfragen. Da alle
Fachausschussvorsitzenden gleichzeitig Mitglied der Finanzkommission sind,
konnte die Verzahnung zwischen den Gremien auf ideale Art und Weise
sichergestellt werden.
Inhaltliche Schwerpunkte
Bei der Gewährung von Rückbürgschaften des Bundes und der neuen Länder
an die Bürgschaftsbank für Sozialwirtschaft konnte in 2008 ein Meilenstein
erreicht werden. Nachdem dazu eine Grundlage geschaffen wurde, haben
sich nun alle neuen Länder dazu bekannt, dieses Angebot durch die entsprechende Einstellung von Rückbürgschaften in ihre Haushalte zu ergänzen. Da
die entsprechende Vereinbarung zwischen Bund und Ländern in 2008 jedoch
noch nicht unterschrieben werden konnte, wird es auch in 2009 Aufgabe der
Finanzkommission sein, diesen Prozess mit großer Beharrlichkeit zu einem
guten Ende zu führen. Die Funktion der Bürgschaftsbank für die Stärkung der
Innovationskraft der Sozialwirtschaft insgesamt ist unbestritten, daher ist die
langfristige Sicherung dieser Institution dringend erforderlich.
Um einen gemeinsamen europäischen Zahlungsverkehrsraum zu schaffen, wurde im Jahr die „European Single Payments Area“ (SEPA) geschaffen. Konkret
bedeutet dies, dass in wenigen Jahren Bankleitzahl und Kontonummer durch
IBAN und BIC abgelöst und auch die Zahlungsverkehrsinstrumente „Überweisung“ und „Lastschrift“ auf diesen Standard umgestellt werden. Die Finanzkommission hat sich intensiv mit den Auswirkungen dieser Entwicklungen auf
die Dienste und Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege beschäftigt und
auch die Soziallotterien mit in ihre Aktivitäten einbezogen. Gemeinsam mit
Dachverbänden aus dem Profit- und Nonprofit-Bereich setzte sich die BAGFW
2008 für einen möglichst kostengünstigen und kundenfreundlichen Übergangsprozess ein; die Diskussionen in diesem Bereich werden auch im Jahr 2009
weitergehen.
Gleichsam als logische Konsequenz der Reform des Gemeinnützigkeits- und
Spendenrechts im Jahr 2007 befasste sich die Finanzkommission mit der Initiative „Zivilengagement“ der Bundesregierung. Mit dieser Initiative möchte die
Bundesregierung das Bürgerschaftliche Engagement in Deutschland stärken.
Intensiv beraten wurde auch die Bezuschussung der vielfältigen Aufgaben
der Freien Wohlfahrtspflege durch Bundes- und Lotteriemittel. Insbesondere
stand die stabile finanzielle Ausstattung des Titels 684 04 im Haushalt des
BMFSFJ auf der Agenda der Finanzkommission. In diesem Bereich fand ein
84

Finanzkommission
Vorsitz: Herr Dr. Schneider, Der Paritätische
Herr Niemeier	AWO
Herr Sandersfeld	AWO
Herr Roth	
DCV
Herr Helmert 	
Der Paritätische
Herr Hagelskamp	
Der Paritätische
Herr Knoche	
DRK

	Herr Dr. Hippmann	
DRK
	Herr Dr. Teske	
DW der EKD
	Herr Stimpfig	
DW der EKD
	Herr Dr. Reimann	ZWST
	Herr Krüger	
BFS
	 (als ständiger Gast)

Fachausschuss „Gemeinnützigkeit und Steuern“
Vorsitz: Herr Dr. Teske, DW der EKD
Herr Sandersfeld	AWO
Frau Dieckmann	AWO
Frau Bockstahler	
DCV
Frau Gutmann	
DCV
Herr Sans	
DCV

	 Frau Engler	
Der Paritätische
	Herr Hesse	
Der Paritätische
	Herr Gros	
DRK
	 Frau Dr. Wohlleber	
DW der EKD
	Herr Dr. Reimann	ZWST

Fachausschuss „Wohlfahrtsmarken“
Vorsitz: Herr Roth, DCV
Frau Gründler	AWO
Herr Kuleßa	AWO
Herr Spiegelhalter 	
DCV
Frau Fuchs	
DCV
Herr Müller	
Der Paritätische

	Herr Wisskirchen	
Der Paritätische
	 Frau Winkler	
DRK
	Herr Knoche	
DRK
	 Frau Rösiger	
DW der EKD
	 Frau Dr. Veigel	
DW der EKD
	Herr Dr. Reimann	ZWST	

Fachausschuss „Statistik“
Vorsitz: Herr Roth, DCV
Herr Sandersfeld	AWO
Frau Vogt-Wuchter	
DCV
Herr Dr. Martens	
Der Paritätische

	Herr Arweiler	
DRK
	Herr Dr. Schmitt	
DW der EKD
	 Frau Rubinstein	ZWST

intensiver Dialog über die weitere Ausgestaltung der Rahmenbedingungen für
die Bundesmittelförderung mit dem BMFSFJ statt. Es wurde dabei deutlich,
dass für die langfristige Sicherung der Arbeit der Spitzenverbände der Freien
Wohlfahrtspflege vor dem Hintergrund stetig steigender Kosten eine Erhöhung
der Bundesmittel erforderlich ist. Dies gilt es, auch in 2009 weiter mit den
Entscheidungsträgern beim BMFSFJ zu diskutieren.
Weiterhin nahm die Finanzkommission auch diejenigen Aufgaben wahr, die ihr
im Gefüge des Vereins Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
zukommen. Es ging insbesondere um die Begleitung der Budgeterstellung für
2009 und der Bewirtschaftung des Budgets 2008. Wie in jedem Jahr erörterte
die Finanzkommission die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfung des Jahresabschlusses 2007, der mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk
85

versehen wurde. Im Bereich der allgemeinen Finanzangelegenheiten hat die
Finanzkommission unter anderem mit der Vermögensverwaltungsrichtlinie der
BAGFW befasst und weitere Beiträge zur nachhaltigen Sicherung der Finanzierung der Arbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege
geleistet.

AUSSCHUSSBERICHTE

Fachausschuss „Wohlfahrtsmarken“
Vorsitz: Herr Roth, DCV
Nachdem in den vergangenen Jahren die Unsicherheiten im Zusammenhang
mit der zum 1. Januar 2008 wirksam werdenden Liberalisierung des Postmarktes die Arbeit des Fachausschusses begleiteten, waren die Rahmenbedingungen in 2008 weitestgehend stabil. Grundlegende Faktoren wie Anzahl der
Marken, Portostufen, Höhe der Zuschlagswerte, Produktion von selbstklebenden Marken, Erstausgabetage etc. standen nicht in der Diskussion. Das Bundesministerium der Finanzen und die Deutsche Post haben sich als engagierte
und zuverlässige Partner bestätigt. So konnten die Herausforderungen, die
sich durch die Herausgabe von drei Serien binnen 13 Monaten ergeben haben,
gemeinsam erfolgreich bewältigt werden.
Im Rahmen zweier Workshops hat der Fachausschuss über die strategische
Ausrichtung zukünftiger Markenkommunikation beraten. Als Ergebnis einer
intensiven Situationsanalyse steht fest, dass die Wohlfahrtsmarke ein Produkt
mit insgesamt hoher Akzeptanz ist, dem generell ein sehr positives Image
zugeschrieben wird. Hauptabnehmer sind nach wie vor die Sammler. Auch mit
den unterschiedlichsten Werbemaßnahmen ist es in den vergangenen Jahren
nicht gelungen, Nicht-Philatelisten für den Kauf der Marken in nennenswerter
Stückzahl zu gewinnen. Eine besondere Chance für den Vertrieb der Marken
bieten hingegen die vorhandenen, verbandsinternen Strukturen, die – so
das erklärte Primärziel – zukünftig deutlich stärker als bisher genutzt werden
sollen. Als Kernzielgruppe für künftige Werbemaßnahmen gelten Entscheidungsträger auf den unterschiedlichen Verbandsebenen. Dabei soll neben
dem Einsatz von Wohlfahrtsmarken als Fundraising-Instrument die Frankatur
der Dienstpost mit Wohlfahrtsmarken nachhaltiger beworben werden, um die
Marken stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen und die Position
der Verbände gegenüber der Post zu stärken.
Im Mittelpunkt der Aktivitäten zu Jahresbeginn stand die Vermarktung der
Ende Dezember 2007 erschienenen „Haustier“-Motive auf Messen und
Veranstaltungen, in Print- und Hörfunkmedien sowie im Internet. Gleichzeitig
startete die Kampagne zu den im Juni herausgegebenen Wohlfahrtsmarken
2008 zum Thema „Luftfahrzeuge“. Unter dem Titel „Himmelsstürmer“ wurde
ein umfangreiches Paket an Informationsmitteln und Verkaufshilfen für die
verbandlichen Gliederungen konzipiert und produziert. Entsprechend dem aus
dem Workshop hervorgegangenen Beschluss, die Vermarktung in die Verbän86

de hinein zu stärken, wurde bei verschiedenen Produkten mit breitgefächerten
Einsatzmöglichkeiten wie zum Beispiel den Plakaten die BAGFW-Logoleiste
durch das Logo des jeweiligen Verbandes ersetzt. Durch diese Individualisierung soll in den Einrichtungen die Identifizierung des Produktes mit den
eigenen Interessen gestärkt werden.
Alle Auswertungen für die Wohlfahrts- und Weihnachtsmarken-Serie 2007
müssen vor dem Hintergrund der mit knapp sechs Monaten ausgesprochen
kurzen Verkaufszeit gesehen werden. Insbesondere der Vergleich mit den
Ergebnissen der Vorserie, die mehr als 14 Monate angeboten wurde, gestaltet
sich schwierig. Insgesamt konnten 28,3 Millionen Marken mit einem rechnerischen Zuschlagserlös von 7,9 Millionen Euro abgesetzt werden. Faktisch entspricht dies einem Rückgang von rund 30 Prozent bezogen auf die Stückzahlen
und 33 Prozent bezüglich des Erlöses.
Die Deutsche Post hat über ihre Vertriebswege zirka 11,6 Millionen Marken
verkauft (minus 11,6 Prozent) und dafür rund 3,16 Millionen Euro (minus 12,0
Prozent) an die BAGFW überwiesen. Der Rückgang ist bei den Wohlfahrtsmarken mit 16,5 Prozent deutlich stärker als bei den Weihnachtsmarken (minus
2,1 Prozent). Hervorzuheben sind die Ergebnisse im Schalterverkauf: Durch
eine Steigerung von knapp drei Prozent bei den Weihnachtsmarken wird der
Rückgang bei den Wohlfahrtsmarken ausgeglichen, so dass das Endergebnis
für den Schalterbereich nahezu unverändert bleibt gegenüber der Vorserie.
Die Verbände haben insgesamt 16,7 Millionen Marken mit einem rechnerischen Erlös in Höhe von 4,7 Millionen Euro abgenommen. Auch hier sind
deutliche Unterschiede zwischen den Ergebnissen für die Wohlfahrts- und
die Weihnachtsmarken festzustellen. Während sich der Rückgang bei den
Wohlfahrtsmarken auf rund 40 Prozent beläuft, liegen die Absatzzahlen für
die Weihnachtsmarken zirka 4,9 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Im
Verbandsvertrieb zeigt sich ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Absatzzahlen und Laufzeit der Serie. Der vermeintliche Einbruch von 40 Prozent
gegenüber der Vorserie ist vor dem Hintergrund der Laufzeiten (14 Monate
gegenüber sechs Monaten) zu bewerten. Schon jetzt kann festgestellt werden,
dass die Zahlen für die Wohlfahrtsmarken-Serien 2007 und 2008 mit jeweils
sechs Monaten Laufzeit zusammen deutlich über den Werten für die Serie
2006 liegen.
Für das gute Ergebnis bei den Weihnachtsmarken bei der Post und den Ver­
bänden gibt es verschiedene Ursachen. Einerseits fand die besonders farbenfrohe und moderne Gestaltung der Motive große Zustimmung auch bei
Nicht-Philatelisten, andererseits hat sicher der späte Erscheinungstermin der
Wohlfahrtsmarken Ende Dezember dazu beigetragen. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Weihnachtsmarken seit vielen Jahren unter allen Zuschlagsmarken eine besondere Stellung innehaben.
Die Nachfrage nach selbstklebenden Marken im Zehner Markenheftchen sowie
in der Hunderter Markenbox bleibt stabil. Die Verbände haben bei der Deutschen Post über das verbindlich bestellte Kontingent von 50.200 Boxen hinaus
weitere 2.500 Stück bestellt, bis die Box bereits vor Ende der Serie nicht mehr
lieferbar war. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass zwischenzeitlich deutlich
87

mehr selbstklebende als nassklebende Marken nachgefragt werden. Dieser
Trend setzt sich für die noch nicht endgültig abgerechnete Serie 2008 fort.
Im Rahmen der Bestrebungen, zusätzliche Mittel zu gewinnen, hat der Fach­
aus­schuss die Zusammenarbeit mit der traditionsreichen Briefmarken­fach­
handlung Richard Borek intensiviert. In enger Abstimmung mit der BAGFW
entwickelt, produziert und bewirbt die Firma Borek Produkte mit Wohlfahrtsund Weihnachtsmarken, die unter anderem über die Aussendungen der
Deutschen Post Philatelie deren Abonnenten angeboten werden. Neben den
Erlösen aus den eingesetzten Marken erhält die BAGFW Lizenzgebühren für
jedes verkaufte Produkt.

Fachausschuss „Gemeinnützigkeit und Steuern“
Vorsitz: Dr. Teske, DW der EKD
Der Fachausschuss „Gemeinnützigkeit und Steuern“ tagte im Jahr 2008 zwei
Mal. In bewährter Art und Weise wurde eine Sitzung gemeinsam mit den Steuerberatern durchgeführt, die die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege
betraten. Zusätzlich fand ein intensiver Informationsaustausch über aktuelle
Entwicklungen im Steuerrecht zwischen den Mitgliedern per E-Mail statt. Ziel
der Arbeit des Fachausschusses war – wie im Vorjahr – die Unterstützung der
Finanzkommission in allen Fragen des Gemeinnützigkeits- und Steuerrechts,
insbesondere die Vorbereitung und Abstimmung von Stellungnahmen. Der
Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende stellten durch ihre gleichzeitige Mitgliedschaft in der Finanzkommission die inhaltliche Rückkopplung
zwischen beiden Gremien sicher.
Zu Jahresbeginn bestimmte die Erarbeitung einer Stellungnahme der BAGFW
zu einem Entwurf eines neuen Prüfstandards des Institutes der Wirtschaftsprüfer (IDW) die Arbeit des Fachausschusses. Der Fachausschuss begrüßte
das Ansinnen des IDW, die Rechnungslegung gemeinnütziger Organisationen
transparenter zu gestalten. Eine solche Gestaltung führt zum einen zu einer
besseren Vergleichbarkeit der finanziellen Rahmenbedingungen der einzelnen
Organisationen und macht zum anderen die Rechnungslegung verständlicher
für Spenderinnen und Spender, die sich eher selten mit solchen Unterlagen
befassen. Nicht zuletzt ist der Abgleich der IDW-Standards mit bestehenden
Systemen zur Verbesserung der Transparenz von Spendenorganisationen wie
beispielsweise dem DZI-Spendensiegel ein Anliegen der BAGFW, da auf diese
Art und Weise kostspielige Doppelarbeit im Verwaltungsbereich gemeinnütziger Organisationen vermieden werden kann. Als Konsequenz aus der Kritik
der BAGFW und weiterer Interessensgruppen an vielen Details der Ausgestaltung des neuen Prüfungsstandards hat das IDW mittlerweile eine komplette
Überarbeitung angekündigt, so dass dieses Thema den Fachausschuss auch im
Jahr 2009 beschäftigen wird.

88

Wie in den Vorjahren wurde auch das Gesetzgebungsverfahren zum Jahressteuergesetz vom Fachausschuss durch die Erarbeitung von Stellungnahmen
zum Referenten- und zum Regierungsentwurf begleitet. Besonders hervorzuheben ist die in der Folge europarechtlicher Entwicklungen von der Bundesregierung vorgeschlagene Änderung der Definition des Inlandsbezuges für die
Tätigkeit von gemeinnützigen Organisationen im Ausland. Die vorgeschlagene
neue gesetzliche Regelung, nach der die Förderung des Ansehens der Bundesrepublik Deutschland im Ausland ein entscheidendes Kriterium zum Erhalt der
Gemeinnützigkeit von Organisationen sein soll, deren Aufgabe beispielsweise
die Entwicklungszusammenarbeit ist, wurde von der BAGFW mit Nachdruck
abgelehnt. Im Rahmen der endgültigen Beschlussfassung durch den Deutschen
Bundestag wurde diesen Bedenken Rechnung getragen und die Formulierung
entsprechend angepasst.
Ein weiteres Thema des Fachausschusses war das Steuerbürokratieabbaugesetz. In der BAGFW-Stellungnahme wurde insbesondere auf die Möglichkeit
eingegangen, zukünftig elektronische Zuwendungsbestätigungen ausstellen zu
können. Diese Möglichkeit wurde im Ergebnis zwar begrüßt, aber gleichzeitig
wurde eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2011 gefordert, die es den Organisationen ermöglichen soll, ihre EDV-Systeme entsprechend anzupassen. Weiterhin
wurde darauf hingewiesen, dass die Regelungen zum vereinfachten Zuwendungsnachweis bis 200 Euro unbedingt zu erhalten seien. Abgelehnt wurde
schließlich die Forderung des Gesetzgebers, zukünftig alle Spenden an eine
zentrale Stelle der Finanzverwaltung zu melden, da dies mit einem unverhältnismäßigen Aufwand und damit einer deutlichen Steigerung der Verwaltungskosten für Spenden sammelnde Organisationen verbunden ist. Während dem
Petitum, den vereinfachten Zuwendungsnachweis zu erhalten, im verabschiedeten Gesetz Rechnung getragen wurde, hat die Übergangsfrist für die Einführung der elektronischen Zuwendungsbestätigung keine Berücksichtigung
gefunden. Das Wahlrecht des Spenders, eine elektronische Zuwendungsbestätigung zu erhalten, ist demnach seit dem 1.Januar 2009 gegeben.
Wie bereits im Vorjahr beschäftigen sich Mitglieder des Fachausschusses
2008 wieder intensiv mit der umsatzsteuerlichen Behandlung des Freiwilligen
Sozialen Jahres. Nachdem durch das neue Jugendfreiwilligendienstgesetz eine
weitgehende Freistellung des FSJ von der Umsatzsteuer erreicht werden konnte, galt es nun, die vertraglichen Details in einer Mustervereinbarung entsprechend zu formulieren. Nach langwierigen Verhandlungen mit verschiedenen
Bundesministerien besteht nun die Erwartung, dass die bis dahin noch offenen
Fragen im Sinne der Dienste und Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege
geregelt wurden.
Besonders erfreulich für die Arbeit des Fachausschusses im Jahr 2008 war
schließlich die Tatsache, dass die langjährige Forderung der BAGFW, die Entschädigungen für ehrenamtliche, rechtliche Betreuerinnen und Betreuer bei
der Aufwandspauschale von 500 Euro nach § 3 Nr. 26a zu berücksichtigen,
nunmehr von der Bundesregierung zumindest in einem BMF-Schreiben umgesetzt wurde. Auf diese Art und Weise trägt der Staat dieser wichtigen Form
bürgerschaftlichen Engagements zukünftig angemessen Rechnung.

89

Fachausschuss „Statistik“
Vorsitz: Herr Roth, DCV
Entsprechend des Auftrags des Vorstandes der BAGFW arbeitete der Fachausschuss im Jahr 2008 an der Erstellung der neuen Gesamtstatistik zum Stichtag
1. Januar 2008. Dazu wurde die Kategorisierung der Einrichtungen überarbeitet und nochmals von den Verbänden geprüft. Auf dieser Grundlage wurden
die Daten der einzelnen Verbände erhoben und zusammengeführt. Erste
Plausibilitätsprüfungen und Vergleiche der aktuellen Zahlen mit den vorherigen
Statistiken lieferten Aussagen über die Datenqualität. Nun folgt die Bewertung
und Erklärung der Statistik. Ziel ist es, die Gesamtstatistik zu Beginn des Jahres
2010 zu veröffentlichen.
Die Daten zur BAGFW-Gesamtstatistik werden in der Regel alle vier Jahre
zusammengetragen. Die letzte Gesamtstatistik wurde zum Stichtag 1. Januar
2004 erhoben und steht als Download auf der Internetseite www.bagfw.de
elektronisch zur Verfügung.

90

AUFLISTUNGEN

STELLUNGNAHMEN
15. Januar 2008 	Stellungnahme der BAGFW zum Gesetzentwurf eines
Pflegeweiterentwicklungsgesetzes
12. Februar 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Entwurf einer IDWStellungnahme zur Rechnungslegung: Besonderheiten der
Rechnungslegung Spenden sammelnder Organisationen
(IDW ERS HFA 21)
18. Februar 2008	Stellungnahme der BAGFW zu den bürgerschaftliches
Engagement betreffenden Teilen des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes
20. Februar 2008	Stellungnahme der BAGFW an die Europäische Kommission zur Einbeziehung der arbeitsmarktfernsten Personen
14. März 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Referentenentwurf eines
Gesetzes zur Änderung des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes vom 20. Februar 2008
19. März 2008	Rahmenempfehlungen zur Qualität psychosozialer Beratungsangebote im Internet
19. März 2008	Positionierungen der BAGFW zu aktuellen Themen der
Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern
26. März 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Referentenentwurf eines
Gesetzes zur Änderung des Bundeskindergeldgesetzes
vom 13. März 2008
2. April 2008	Beitrag der BAGFW zum Konsultationspapier im Hinblick
auf die Überprüfung des EU-Haushalts (2008/2009):
Den Haushalt reformieren, Europa verändern
9. Mai 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Konsultationspapier Überarbeitung der geltenden Rechtsvorschriften zu ermäßigten
Mehrwertsteuersätzen
15. Mai 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Eckpunktepapier „Das
Kooperative Jobcenter“ (BMAS/BA) vom 23. April 2008
16. Mai 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Referentenentwurf für ein
„Jahressteuergesetz 2009 (JStG 2009)“
22. Mai 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD zur Änderung des Bundeskindergeldgesetzes vom 22. April 2008
30. Mai 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Entwurf eines Gesetzes
zur Einführung Unterstützter Beschäftigung

91

2. Juni 2008	Stellungnahme der BAGFW zu dem Entwurf eines
Handbuchs für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der
Gemeinsamen Servicestelle für Rehabilitation
11. Juni 2008	Stellungnahme der BAGFW im Rahmen der Öffentlichen
Anhörung am 16. Juni 2008 zu den Kinderregelsätzen
12. Juni 2008	Stellungnahme der BAGFW im Rahmen der Öffentlichen
Anhörung am 23. Juni 2008 zum Thema Prävention
19. Juni 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Entwurf eines „Gesetzes
zur Modernisierung der gesetzlichen Unfallversicherung
(Unfallversicherungsmodernisierungsgesetz – UVMG)“
18. Juli 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Entwurf eines Gesetzes
über genetische Untersuchungen bei Menschen (Gendiagnostikgesetz – GenDG)
11. September 2008	Bericht zur Umsetzung der Selbstverpflichtungen der
Wohlfahrtsverbände im Rahmen des Nationalen Integrationsplans
2. Oktober 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Regierungsentwurf für
ein „Jahressteuergesetz 2009 (JStG 2009)“
7. Oktober 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Regierungsentwurf für
ein „Steuerbürokratieabbaugesetz“
27. Oktober 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Entwurf eines Gesetzes
zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente
20. November 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Gesetzentwurf der Bundesregierung „Entwurf eines Gesetzes zur Förderung von
Familien und haushaltsnahen Dienstleistungen (Familienleistungsgesetz – FamLeistG)“
8. Dezember 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Fragenkatalog zu der
öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend zum Thema „Änderung des
Zivildienstgesetzes“
12. Dezember 2008	Stellungnahme der BAGFW zum Entwurf eines Gesetzes
über genetische Untersuchungen bei Menschen
Europa
20. Februar 2008	

92

Stellungnahme der BAGFW zum Konsultationsverfahren der
Europäischen Kommission zur Mitteilung vom 17. Oktober
2007 „Modernisierung des Sozialschutzes im In­teresse
einer größeren sozialen Gerechtigkeit und eines stärkeren
wirtschaftlichen Zusammenhalts: die aktive Einbeziehung
der arbeitsmarktfernsten Menschen voranbringen“

2. April 2008	Beitrag der BAGFW zum Konsultationspapier im Hinblick
auf die Überprüfung des EU-Haushalts (2008/2009):
Den Haushalt reformieren, Europa verändern
24. April 2008	Positionen der BAGFW zur Kommissionsmitteilung
„Dienstleistungen von allgemeinem Interesse unter
Einschluss von Sozialdienstleistungen: Europas neues
Engagement“
8. Oktober 2008	

Stellungnahme der BAGFW zum Ersten Zweijahresbericht
über die Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse

PRESSEMELDUNGEN
16. Januar 2008	Neue Serie Wohlfahrtsmarken:
Haustiere – Freunde und Begleiter des Menschen
8. Februar 2008	Bewerbungen für den Deutschen Sozialpreis 2008 können
eingereicht werden
11. Februar 2008	Internationaler Runder Tisch für den Jugendschutz (YPRT)
– Experten sehen Eltern und Medienpädagogen in der
Verantwortung
13. Februar 2008	Bundesgesundheitsministerium, Wohlfahrtsverbände und
Verbraucherzentralen starten gemeinsame Initiative zur
Rückkehr in die Krankenversicherung
13. Februar 2008	Direktor der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland zum 65. Geburtstag geehrt
19. Februar 2008	MDK-Qualitätsprüfungen und -Prüfberichte unzureichend:
Sie treffen keine Aussagen zur tatsächlichen Qualität der
Pflege von pflegebedürftigen Menschen
26. Februar 2008	BAGFW-Jahresbericht 2007 liegt vor
5. März 2008	Mehr als 400 Bewerbungen für den Deutschen Sozialpreis
10. März 2008	Engagement macht stark – Aktionswoche des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
15. April 2008	Gemeinsame Kampagne mit dem Bundesfamilienministerium: Aktionstag „Erfahrung ist Zukunft“ in Bremen
23. April 2008	

10 Jahre ConSozial – Wertschöpfung durch Wertschätzung

24. April 2008	Wettbewerb Wege ins Netz 2008 – Mit Links ins Web!
5. Mai 2008	Gemeinsames Thesenpapier zum einheitlichen Euro­Zahlungsverkehrsraum (SEPA)
29. Mai 2008	Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit 2008
93

26. Juni 2008	„Kindertageseinrichtungen als Orte der Integration“ –
Gemeinsames Fachgespräch der BAGFW und der Integrationsbeauftragten
16. Juli 2008	Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege erarbeiten
Eckpunkte zur Veröffentlichung von Prüfergebnissen zur
Pflegequalität
23. Juli 2008	Interne Meldung: Gute Platzierungen für das Team der
BAGFW beim Berliner Firmenlauf
20. August 2008	Gemeinsame Pressemitteilung: Pflegebedürftige Menschen
müssen sich gezielt informieren können
20. August 2008	Vorankündigung: Kreativwettbewerb für Pflegekräfte und
Auszubildende in der Altenpflege
9. September 2008	Berufsfeld Moderne Altenpflege – Auftakt der gemeinsamen Fachkampagne mit dem BMFSFJ
15. September 2008	Gemeinsame Pressemeldung zur
Schiedsstelle Qualitätssicherung
29. September 2008	Deutscher Sozialpreis – Wohlfahrtsverbände zeichnen
herausragende journalistische Arbeiten aus
30. September 2008	Startsocial: Projekte der Wohlfahrtsverbände ausgezeichnet. Sonderpreis der Bundeskanzlerin für Diakonie Baden
10. Oktober 2008	Kampagnenstart: Integrationsbeauftragte und BAGFW
werben für Einbürgerungen
5. November 2008	Fachkongress ConSozial eröffnet: Zukunft –
Wertschöpfung durch Wertschätzung
27. November 2008	Deutscher Sozialpreis 2008 verliehen:
Auszeichnung für engagierten Journalismus
12. Dezember 2008	Freie Wohlfahrtspflege im Gespräch mit der
Bundeskanzlerin
15. Dezember 2008	Ausschreibung zum Deutschen Sozialpreis 2009
Medienpreis der Freien Wohlfahrtspflege
18. Dezember 2008	Pflegeversicherung – Qualität der ambulanten Pflege
wird transparent
18. Dezember 2008	Integrationsgipfel 2008
Broschüre zu den Selbstverpflichtungen der Freien
Wohlfahrtspflege

94

Dossier auf der Internetseite der BAGFW zum Thema Pflege
1. März 2008	„Was zählt, ist Lebens- und Ergebnisqualität“
– Artikel aus Altenheim 03/ 2008
11. Juli 2008	Eckpunkte der Freien Wohlfahrtspflege für die Veröffentlichung der Ergebnisse von Qualitätsprüfungen einschließlich Bewertungssystematik
14. Juli 2008	Newsletter Forum Sozialstation vom 14. Juli 2008
16. Juli 2008	Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege erarbeiten
Eckpunkte zur Veröffentlichung von Prüfergebnissen zur
Pflegequalität
12. September 2008	Gemeinsame Pressemeldung der Vertragspartner zu verbindlichen Expertenstandards zur Qualität in der Pflege
30. September 2008	Gemeinsame Pressemitteilung zur Pflegeversicherung –
Bundesschiedsstelle eingerichtet
12. November 2008	Gemeinsame Pressemitteilung zur Pflegeversicherung –
Qualität der Pflege in Heimen wird transparent
18. Dezember 2008	Gemeinsame Pressemeldung zur Pflegeversicherung –
Qualität der ambulanten Pflege wird transparent
Eine ausführliche Sammlung zu diesen und den bereits in den Vorjahren erschienenen
Positionen, Beschlüssen und Initiativen findet sich auf der Internetseite
www.bagfw.de | Publikationen

Meldungen auf der Startseite der Datenbank QM
Auf der Startseite des Internetauftrittes wird weiterhin aktuell Bericht erstattet
über Meldungen aus dem Bereich Qualität, dies waren in 2008 folgende Themen:
9. Januar 2008	AWO-Seniorenzentren schaffen Transparenz – AWO Saarland stellt die Qualitätsprofile der Pflegeheime ins Internet
15. Januar 2008	Qualität in der Altenpflege – ein Kommentar ermüdeter
Pflegewissenschaftler
30. Januar 2008	Erfahrungsberichte zertifizierter Einrichtungen
1. Februar 2008	Arbeitgeber-Ranking im Gesundheitswesen
29. Februar 2008	Spitzenverbände einig: Lebens- und Ergebnisqualität
entscheidend für Aussagekraft von Qualitätsprüfungen
11. März 2008	Leiten und lenken zu nachhaltigem Erfolg
13. März 2008	Hauswirtschaft – Gesicherte Qualität in der stationären
Pflege – Gemeinsam von Diakonie und Caritas erarbeitete
Handreichung

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27. März 2008	QM-Vergleich unter Einbeziehung integrierter
QM-Systeme
4. April 2008	„Alle reden von Qualität und Qualitätsmanagement –
aber meinen wir das Gleiche?“
30. Mai 2008	Ambulant betreute Wohngemeinschaften in den neuen
Heimgesetzen
4. Juni 2008	Qualitätsziele der Wohlfahrtsverbände zur Erreichung
ihrer spezifischen Dienstleistungsqualität
10. Juni 2008	Beiträge der BAGFW auf dem Deutschen Pflegekongress
im Rahmen des Hauptstadtkongresses 2008 in Berlin
26. Juni 2008	Vereinbarung zur externen Qualitätssicherung und zum
Qualitätsmanagement in der stationären und ambulanten
Rehabilitation und der stationären Vorsorge nach § 137d
Absatz 1, 2 und 4 SGB V
16. Juli 2008	Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege erarbeiten
Eckpunkte zur Veröffentlichung von Prüfergebnissen zur
Pflegequalität
11. September 2008	Qualitätspreis Berlin-Brandenburg 2008
15. September 2008	Verbindliche Expertenstandards zur Qualität in der Pflege
– der erste Schritt ist getan
7. November 2008	Häusliche Pflege Innovationspreis 2008
12. November 2008	Pflegeversicherung – Qualität der Pflege in Heimen wird
transparent
18. Dezember 2008	Pflegeversicherung – Qualität der ambulanten Pflege wird
transparent
Alle Stellungnahmen und Meldungen zum Thema Qualität sind auf der Internetseite
www.bagfw-qualitaet.de nachzulesen und archiviert

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POLITISCHE GESPRÄCHE
15. Mai 2008	Gespräch der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege mit Heinrich Alt, Bundesagentur für Arbeit, in Berlin
28. Mai 2008	Gespräch der Präsidenten / Vorsitzenden der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege mit Staatsministerin
Frau Prof. Dr. Böhmer, MdB, im Bundeskanzleramt
28. Mai 2008	Gespräch der Präsidenten / Vorsitzenden der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege mit Bundesministerin
Frau Dr. von der Leyen im BMFSFJ
24. Juni 2008	Gespräch von Vertretern der Bundesarbeitsgemeinschaft
der Freien Wohlfahrtspflege mit Staatssekretär Detlef
Scheele im BMAS
4. Dezember 2008	Gespräch der Präsidenten / Vorsitzenden der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege mit der Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel, MdB, im Bundeskanzleramt

GREMIENSITZUNGEN
Leitungsgremien
Mitgliederversammlung; Herr Prälat Dr. Neher
18. November 2008
Vorstand; Herr Prälat Dr. Neher
26. Februar 2008, 6. Mai 2008, 23. September 2008, 18. November 2008
Finanzkommission; Herr Dr. Schneider
20. Februar 2008, 22. April 2008, 9. September 2008, 30. Oktober 2008
Sozialkommission I;
Herr Stenzig, DW der EKD (kommissarisch bis 15. Februar 2008)
Herr Nowoczyn, DRK (ab 15. Februar 2008)
19. Februar 2008, 23. April 2008, 11. September 2008, 2. Dezember 2008
Sozialkommission II;
Herr Prof. Dr. Cremer, DCV
20. Februar 2008, 7. Mai 2008, 22. Oktober 2008

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Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V.
Oranienburger Straße 13 –14
10178 Berlin
info@bag-wohlfahrt.de

Tel 	030 / 240 89-0
Fax 030 / 240 89-133
www.bagfw.de
        
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