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Full text: Engagiert für Flüchtlinge

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Engagiert f
­Flüchtlinge: 

amtliche

für Ehren
Ein Ratgeber 

Engagiert für Flüchtlinge:
Ein Ratgeber für Ehrenamtliche
Ausgabe März 2016

INHALT
Vorwort 	

7

1	 WIE KANN ICH HELFEN?
Erste Orientierung – Erlernen der deutschen Sprache – ­
Behördengänge und Arztbesuche – Familien ­betreuen –
­Hausaufgaben – Freizeitangebote – Wohnungssuche – ­
Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze –
Fachwissen – Spenden – Organisation und ­Koordination
­ehrenamtlicher Hilfe	

11-19

2	 WAS IST IN DER FLÜCHTLINGSHILFE
	 ZU BEACHTEN?
Helferkreise – andere Lebensgewohnheiten –
gesundheitliche Vorsorgemöglichkeiten – Polizeiliches
­Führungszeugnis – Versicherungsschutz – die erste Begegnung –
Hilfe zur Selbsthilfe – Regeln – ­Gesprächsthemen – Grenzen
der Beratungsmöglichkeiten – Abschiede – dauerhafte
Integration	21-27

3	 WIE LÄUFT EIN ASYLVERFAHREN AB?
Wer ist Flüchtling?	
29
Ablauf: Von der Einreise bis zur Entscheidung	
31
Unterbringung	35
Zugang zum Arbeitsmarkt	
36
Ausweisdokumente, Aufenthaltstitel	
37
Leistungen nach dem AsylbLG	
38
Sprach- und Integrationskurse	
40
4	 WAS BEDEUTET ES, EHRENAMTLICH TÄTIG
	 ZU SEIN?	
Definition	43
Rechte und Pflichten	
45
Versicherung	46
Zusammenarbeit mit Hauptamt	
47
Eignung zum Ehrenamt	
50
5	 WO FINDE ICH WEITERE INFORMATIONEN?
Links und Lesetipps	
Wichtige Telefonnummern	

Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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60

VORWORT

Die weltweiten Fluchtbewegungen haben einen bisher nicht
vorstellbaren Umfang und eine nicht gekannte Dynamik angenommen. Krieg, Terror und politische Verfolgung, aber auch
die Suche nach besseren Lebensbedingungen bringen immer
mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.
Vor diesem Hintergrund hat die Hanns-Seidel-Stiftung Mitte
letzten Jahres verschiedene Projekte zum Themenschwerpunkt
„Migration, Flucht und Asyl“ konzipiert, die nun kontinuierlich umgesetzt und publiziert werden. Dazu zählen u.a. der
vorliegende Ratgeber für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit und das Glossar „Asyl – Flucht – Migration“.
Dass Deutschland 2015 die Unterbringung und Versorgung
von fast 1,1 Millionen Asylsuchenden zeitnah bewältigen
konnte, ist neben dem engagierten Handeln der Kommunen
vor allem der großen Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung zu
verdanken. Eigeninitiative und selbständiges Handeln sind die
Säulen unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsord6

Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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Ganz herzlich danken möchte ich allen Mitwirkenden an
dieser Broschüre:
Peter Bauch, ehem. wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag, Ursula Erb, Referentin der lagfa Bayern
(Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen) e.V. in
Augsburg und Gutachterin der bagfa (Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen), Michael Kleinhans, Jurist
und ehem. Abteilungspräsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Claudia Leitzmann, Mitarbeiterin des
Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e.V. in
Nürnberg, Gabriele Off-Nesselhauf, Bezirksrätin und system.
Coach, und Dr. Thomas Röbke, Vorstand des Landesnetzwerk
Bürgerschaftliches Engagement Bayern e.V. in Nürnberg.

nung. Der Staat baut auf die aktive Bürgergesellschaft, in deren
Mitte der eigenverantwortlich mitwirkende Bürger steht. Unser
Fokus in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit liegt daher nicht
primär auf kurzfristiger Hilfe, sondern auf einem langfristigen
Engagement, um den Integrationsprozess von Asylsuchenden
und Flüchtlingen mit Bleibeperspektive nachhaltig zu begleiten
und zu fördern.
Mit dieser Broschüre „Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber
für Ehrenamtliche“ will die Hanns-Seidel-Stiftung Ehrenamtlichen bei Fragen und Problemen praktische Unterstützung
bieten.

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Hanns-Seidel-Stiftung

Seitens der Hanns-Seidel-Stiftung haben Paula Bodensteiner,
Hubertus Klingsbögl, Dr. Susanne Schmid, Stefanie von
Winning und Dr. Bok-Suk Ziegler beratend mitgewirkt.
Mein besonderer Dank gilt Claudia Leitzmann und Susanne
Gumbmann für ihre engagierte redaktionelle Arbeit und dem
Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern e.V.
in Nürnberg.
Wir können die aktuellen Herausforderungen nur gemeinsam
bewältigen – in geteilter Verantwortung und Solidarität!
Ich wünsche Ihnen viel Kraft für Ihr ehrenamtliches Engagement und hoffe, dieser Leitfaden kann Ihnen eine hilfreiche
Orientierung bieten.
Prof. Ursula Männle
Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung
und Staatsministerin a.D.
Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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EINSATZBEREICHE FÜR EHRENAMTLICHE

WIE KANN ICH
HELFEN?
Ehrenamtliche Unterstützung für geflüchtete Menschen ist an vielen
Stellen wertvoll: Sei es bei der ersten Orientierung in der neuen Umgebung, bei Arzt- und Behördenbesuchen, beim Deutschlernen, in der
Kinderbetreuung, bei der Job- oder Wohnungssuche und bei der Freizeitgestaltung. Auch bei der Organisation der Hilfe oder bei der Annahme und Sortierung von Sachspenden sind helfende Hände gefragt.
Sie können nicht nur Ihre Zeit, sondern auch Ihr Wissen – und natürlich
auch Ihr Geld – spenden, um etwas für die Aufnahme und Integration
von geflüchteten Menschen zu tun.

Erste Orientierung bieten	
Nach der Ankunft in der ihnen zugewiesenen Unterkunft
müssen sich Asylsuchende zunächst orientieren: Welche
öffentlichen Verkehrsmittel gibt es? Wo sind die nächsten Haltestellen? Wo sind Einkaufsmöglichkeiten? Auch Arztpraxen,
Apotheken, Schulen und Kindergärten sind Orte, die Flüchtlinge schnell kennenlernen sollten. Sie können den Menschen
nicht nur den Weg dorthin zeigen, sondern sie auch bei ihrem
ersten Besuch zu den öffentlichen Einrichtungen, Arztpraxen
oder Läden begleiten.
Oft sind den Asylsuchenden die Grundregeln unseres Zusammenlebens, unsere Kultur oder auch für uns selbstverständliche
Alltagsgegenstände fremd. Hier können Sie schon Aufklärungsarbeit leisten, bevor die Menschen einen staatlichen
­Integrationskurs besuchen dürfen. Dass Frauen gleichberechtigt sind, dass wir in einer Demokratie leben, in der man frei
seine Meinung äußern und seine Religion ausüben darf – all
10

Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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EINSATZBEREICHE FÜR EHRENAMTLICHE

das sind Themen, die wichtig sind und über die Sie sich mit
den hier neu ankommenden Menschen austauschen können.
Auch bei vielen Alltagsdingen kann Ihre Erklärung weiterhelfen – beispielsweise beim Umgang mit Fahrrädern im Stadtverkehr, mit Haushaltsgeräten,
bei Fragen zur
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Beim Erlernen der deutschen Sprache helfen
Das Erlernen der deutschen Sprache ist eine der wichtigsten
Voraussetzungen dafür, dass sich die Menschen bei ihrem Aufenthalt in Deutschland zurechtfinden. Dazu können Sie einen
Beitrag leisten, indem Sie entweder einzelne Flüchtlinge oder
gemeinsam mit anderen Helfern eine Gruppe unterrichten. Es
ist von Vorteil, wenn der Unterricht von einer Person mit pädagogischer Vorbildung geleitet wird, aber es ist keine notwendige
Bedingung. Selbstverständlich können Sie auch als „Laie“ viel
dazu beitragen, die ersten Grundlagen der deutschen Sprache
zu vermitteln. Gerade diejenigen Menschen, deren Asylbewerbung noch läuft, sind auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen, da nur bereits anerkannte Flüchtlinge einen Anspruch
auf die zertifizierten Deutsch- und Integrationskurse haben.
12

Hanns-Seidel-Stiftung

DEUTSCHKURSE

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Bei Behördengängen und Arztbesuchen begleiten
Schriftwechsel und Kommunikation mit Behörden sind für
Asylbewerber meistens weder sprachlich noch inhaltlich
verständlich. Wenn Sie sich als Begleitung für einen Behördengang zur Verfügung stellen, geben Sie den Menschen ein Stück
Sicherheit und können Verständnisprobleme aus dem Weg
schaffen.
Sollte ein Asylbewerber ärztliche Hilfe benötigen, muss zuerst
ein Krankenschein – im Normalfall beim örtlichen Sozialamt
– beantragt und ein Termin bei einem Hausarzt vereinbart
werden. Dabei können Sie ihn unterstützen. Und wenn der
Asylsuchende damit einverstanden ist, können Sie ihm durch

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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EINSATZBEREICHE FÜR EHRENAMTLICHE

eine Begleitung bei Arztbesuchen und durch Hilfestellung bei
Medikation und Therapie in der Anfangszeit ebenfalls Rückhalt geben.

ACHTUNG!

Sehr wichtig ist die
Unterscheidung
­zwischen Begleitu
ng und sprachlich
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in recht­lichen Fra
gen andererseits
.
Jeder rechtliche
Rat kann schwerwiegende Folgen
für den Asylsuche
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haben und sollte
in der Regel nur
mit
fachlichen ­Kräften
bzw. Hauptamtlichen
erfolgen.

Familien betreuen – Patenschaften bieten
Bei Familien mit kleinen Kindern, Analphabeten, gesundheitlich Eingeschränkten und auch unbegleiteten minderjährigen
Flüchtlingen ist Ihre Hilfe besonders erforderlich. Je nach
Ihren Möglichkeiten und in Abstimmung mit Freiwilligenkoordinatoren und Fachkräften vor Ort können Sie über einen
längeren Zeitraum als fester Ansprechpartner oder „Pate“ zur
Verfügung stehen, regelmäßige Besuche abstatten und in vielfältiger Weise unterstützen: bei der Beantwortung von Fragen,
beim Erklären amtlicher Schreiben oder Vorgänge, bei der
Kinderbetreuung usw.
Gerade unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, deren Anzahl
stetig steigt, benötigen dauerhaft Bezugspersonen, um trauma14

Hanns-Seidel-Stiftung

tische Verluste aus der Flucht verarbeiten zu können und um
diese nicht durch die wechselnden Zuständigkeiten von Sozialbetreuern im Laufe des Asylverfahrens erneut zu durchleben.
In vielen Gemeinden werden deshalb Pflegeeltern für Minderjährige gesucht.

Bei den Hausaufgaben helfen
Kinder und Jugendliche unterliegen der allgemeinen Schulpflicht und lernen die deutsche Sprache in sogenannten Übergangsklassen. Häufig haben Flüchtlingskinder jedoch Probleme
damit, den Anforderungen der Schule gerecht zu werden. Auch
wurde in der Zeit vor ihrer Flucht häufig keine Schule besucht.
Sie können Asylbewerberfamilien mit schulpflichtigen Kindern
besuchen, um diesen bei den Hausaufgaben zu helfen und so
auch deren Deutschkenntnisse zu verbessern. Ebenso können
Sie als Ansprechpartner für Lehrer bzw. als Vermittler zwischen Lehrern und Familien dienen.

Freizeitangebote suchen
Erwachsene Flüchtlinge, vor allem junge Erwachsene, die
tagsüber nicht in der Schule oder anderen Institutionen betreut
werden, haben sehr viel Freizeit und sind meist dankbar für
Angebote zur Freizeitgestaltung. So ist es hilfreich, wenn Sie
über die örtlichen Sportvereine und deren Angebote, über
städtische und kirchliche Jugendgruppen und deren Freizeitprogramme informieren. Wenn Sie selbst in einem Sport- oder
Kulturverein Mitglied sind, können Sie die Asylbewerber zu
vorhandenen Kursen und Trainingsstunden einladen oder sich
vielleicht sogar dafür einsetzen, dass ein passendes neues Angebot entwickelt wird.
Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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EINSATZBEREICHE FÜR EHRENAMTLICHE

Natürlich können Sie auch eigene Unternehmungen organisieren und je nach Lage vor Ort beispielsweise Sport, gemeinsames Musizieren, Bastel- und Handarbeiten, Spielenach­
mittage und handwerkliche Tätigkeiten anbieten.

Die Wohnungssuche unterstützen
In der Regel leben Flüchtlinge so lange in Gemeinschafts­
unterkünften, bis ihr Asylverfahren entschieden ist. Bei
positivem Bescheid sind sie auszugsberechtigt und können
– zumindest theoretisch – in Privatwohnungen umziehen.
Solange sie keine Wohnung finden, dürfen sie in den Unterkünften wohnen bleiben. Damit belegen sie jedoch den Platz
für neue Asylsuchende. Auch ist eine eigene Wohnung für die
nachhaltige Integration wichtig. Die Wohnungssuche gestaltet
sich erfahrungsgemäß schwierig, allein auf Grund der geringen
Sprachkenntnisse und des meist sehr engen finanziellen Spielraums. Sie können eine große Hilfe bieten, wenn Sie bei der
Wohnungssuche und bei der Kommunikation mit potentiellen
Vermietern unterstützen und vermitteln.

Bei der Suche nach Praktikums-, Ausbildungs- und
Arbeitsplätzen in örtlichen Betrieben helfen
Sie können junge Menschen unterstützen, indem Sie sie bei
der Wahl einer geeigneten Arbeitsstelle beraten, sie über die
Abläufe in einem heimischen Betrieb informieren oder z.B.
mit ihnen ein Bewerbungsgespräch üben. Vielleicht kennen
Sie in Ihrem Umfeld in Frage kommende Arbeitgeber persönlich und können Ihre eigenen Netzwerke nutzen, um den
ersten Kontakt zwischen Firmenleitung und einem potentiellen
Auszubildenden herzustellen. Die Erfahrung zeigt: Wenn Sie
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jemanden persönlich „unter Ihre Fittiche“ nehmen, stehen die
Chancen am besten, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden. An
vielen Orten gibt es übrigens bereits Ausbildungs-, Bildungsoder Jobpaten, die sich dieser Aufgabe widmen und bei denen
Sie sich beraten lassen können.

Fachwissen zur Verfügung stellen
Dolmetscher und Übersetzer, insbesondere für Arabisch, aber
auch für die persische Sprache Farsi, sind natürlich immer
gefragt. Auch die Hilfe von Juristen, Pädagogen, Ärzten und
Menschen mit anderen relevanten Sprachkenntnissen, die ihr
Wissen und ihre Fähigkeiten kostenlos zur Verfügung stellen,
ist unverzichtbar. Wenn es um fachliche wie etwa rechtliche
Beratung geht, müssen ehrenamtlich Tätige damit rechnen,
dass sie ihre Kompetenzen
mit entsprechenden Dokumenten zu belegen haben.
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Spenden koordinieren
Der Bedarf an Kleidern, Haushaltsgegenständen und Möbeln
ist sehr groß, ebenso die Spendenbereitschaft bei entsprechenden Aufrufen. Eine große Herausforderung für die Einrichtungen der Wohlfahrtsverbände, Kirchen und Gemeinden
ist deshalb die Zwischenlagerung, Verwaltung und Verteilung
der gespendeten Gegenstände. Auch hier ist ehrenamtliche
Hilfe willkommen: Sie können z.B. in den Kleiderkammern
Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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EINSATZBEREICHE FÜR EHRENAMTLICHE

und beim Roten Kreuz bei der Sortierung der Kleidungsstücke
helfen, beim Abholen und Transport der Waren, bei der Vergabe an Flüchtlinge und beim Aussortieren unbrauchbarer Dinge.

SPENDEN

Eine Liste dieser Einrichtungen finden Sie beim Landes­
netzwerk Bürgerschaftliches Engagement unter www.lbebayern.de (Menüpunkt „Ehrenamt suchen“>Anlaufstellen).
Auch in Ihrer Kirchengemeinde und bei den Einrichtungen der
Wohlfahrtsverbände können Sie nachfragen, ob ehrenamtliche
Hilfe bei der Organisation gefragt ist.

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Bei der Organisation und Koordination ehrenamtlicher
Hilfe mitarbeiten
Nahezu überall in Bayern gibt es Infrastruktureinrichtungen für
das bürgerschaftliche Engagement, in denen freiwillige Helfer
willkommen sind. So können Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros, Familienzentren und Mehrgenerationenhäuser Ihre
Hilfe z.B. im Büro, bei der Organisation und Koordinierung
der ehrenamtlichen Hilfe, beim Aufbau von Datenbanken und
Internetplattformen, bei der Beantwortung von telefonischen
Anfragen und anderen Aufgaben brauchen.

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Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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TIPPS FÜR DIE FLÜCHTLINGSARBEIT

WAS IST IN DER FLÜCHTLINGSHILFE ZU BEACHTEN?
Wenn Sie sich schon an anderer Stelle ehrenamtlich engagieren, werden Sie sicher auch bei der Flüchtlingshilfe an vielen Stellen auf Ihre
Erfahrungen zurückgreifen können. Trotzdem ist es hilfreich, sich auf
die spezielle Situation und die Bedürfnisse der geflüchteten Menschen
einzustellen und Enttäuschungen vorzubauen. Damit Ihre Hilfe auch
wirklich ankommt.
HELFERKREISE
Bevor Sie auf eigene Faust tätig werden, erkundigen Sie sich,
ob bei Ihnen vor Ort bereits Helferkreise existieren: Bei den
Kirchengemeinden, der ortsansässigen Freiwilligenagentur, dem
Seniorenbüro, dem Bürgerzentrum oder dem Mehrgenerationenhaus können Sie sich informieren.

Gründung eines Helferkreises
Wenn Sie sich vor Ort keiner bestehenden Gruppe anschließen
können, suchen Sie sich Gleichgesinnte und gründen einen
eigenen Helferkreis. Mit Unterstützung an Ihrer Seite können Sie Ihre Grenzen leichter einhalten und brauchen nicht
das Gefühl zu haben, immer für alles allein zuständig zu sein.
Treffen Sie sich regelmäßig zum Austausch und zur Koordinierung Ihrer Zusammenarbeit! Pflegen Sie auch den Austausch
mit hauptamtlich Beteiligten! Sollte der Kreis keine feste
Trägerschaft und keinen hauptamtlichen Koordinator haben, so
empfiehlt es sich, für die Organisation der Treffen im Wechsel
zuständig zu sein. Es kann auch hilfreich sein, eine Supervision
für das Team in Anspruch zu nehmen.
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Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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TIPPS FÜR DIE FLÜCHTLINGSARBEIT

Überprüfen Sie auch regelmäßig für sich selbst, ob Sie noch
genau die Tätigkeit ausüben, die Sie gerne in dem Ihnen zur
Verfügung stehenden Zeitrahmen machen möchten. Gerade
beim Engagement im Flüchtlingsbereich überfordern sich viele
– dann ist es dringend geboten, etwas zu ändern, Mitstreiter zu
suchen und ggf. Aufgaben abzugeben.

Was muss ich bei der Mitarbeit in einem ­
Helferkreis beachten?
Wenn Sie in einem Helferkreis mitarbeiten, ist es sinnvoll, sich
folgende Fragen zu stellen:
q	 Habe ich mein persönliches Zeitbudget eindeutig
kommuniziert?

q	 Können Zusagen verlässlich eingehalten werden, auf die
­andere vertrauen?

q	 Kann ich regelmäßig an den Gruppentreffen teilnehmen?
q	 Wird darauf geachtet, dass keine Alleingänge in
schwierigen Betreuungsfällen unternommen werden?
q	 Gibt es eine Zusammenarbeit mit hauptamtlichen
Koordinatoren?

q	 Werden neue Ideen bzw. Projekte mit der Leitung bzw.
Gruppe abgesprochen? (z.B. notwendige Maßnahmen in
­Verbindung mit einer schwierigen Betreuungssituation)

q	 Werden Informationen und Neuigkeiten mit der Gruppe
bzw. dem Helferkreis ausgetauscht?

q	 Bestehen Fort- und Weiterbildungsangebote, die nicht nur
die eigene Kompetenz stärken, sondern auch einen Schutz
vor Überforderung bieten?
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Hanns-Seidel-Stiftung

EINE GUTE VORBEREITUNG IST DIE HALBE MIETE
Es empfiehlt sich, ein paar Dinge vorab zu klären, bevor Sie
sich Hals über Kopf in die Arbeit stürzen.

Informieren Sie sich über andere Lebensgewohnheiten!
Besuchen Sie Schulungen und Tagungen zum Thema „interkulturelle Kommunikation“ oder organisieren Sie für Ihren Helferkreis einen Workshop vor Ort. Missverständnisse entstehen
nicht nur durch fehlende Sprachkenntnisse, sondern in erster
Linie durch unterschiedliche Lebensgewohnheiten (Kultur,
Normen, Werte). Ein gutes Beispiel dafür ist die viel beschworene Pünktlichkeit der Deutschen, die im arabischen Raum in
diesem Maße nicht üblich ist.

Beachten Sie gesundheitliche Vorsorgemöglichkeiten!
Überprüfen Sie Ihr Impfbuch und frischen Sie überfällige
Impfungen auf. Zur Sicherheit können Sie sich auch bei Ihrem
Hausarzt informieren, ob Sie über einen ausreichenden Schutz
verfügen und welche weiteren Impfungen er Ihnen empfehlen
würde.
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Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

23

TIPPS FÜR DIE FLÜCHTLINGSARBEIT

Polizeiliches Führungszeugnis

SO KANN IHRE HILFE GUT ANKOMMEN

Bei der Kinderbetreuung steht immer der Jugendschutz im
Vordergrund. Neben der Frage der Aufsichtspflicht muss auch
der Schutz der Kinder vor Missbrauch gewährleistet sein. Sie
sollten sich deshalb darauf einstellen und nicht dadurch abgeschreckt fühlen, dass Sie eventuell nach einem (erweiterten)
polizeilichen Führungszeugnis gefragt werden, wenn Sie sich
in der Kinderbetreuung engagieren möchten. Dies kann beim
Einwohnermeldeamt für ehrenamtlich Tätige kostenfrei beantragt werden.

Der gute Wille ist da und Sie haben Sich auf Ihren Einsatz
vorbereitet. Jetzt gilt es nur noch, Stolpersteine zu vermeiden.

Überprüfen Sie Ihren Versicherungsschutz!
Fragen Sie nach, in welchem Rahmen Sie versichert sind,
wenn Sie über Kommune, Kirchengemeinde, Wohlfahrtsverband oder einen eingetragenen Verein aktiv sind. Sollten Sie
in einer nicht rechtlichen Form tätig sein, dann sind Sie für
Ihre ehrenamtlichen Aktivitäten über die Bayerische Ehrenamtsversicherung abgesichert. Dafür ist keine Anmeldung
erforderlich. Darüber hinaus empfiehlt es sich, sich bei Ihrem
privaten Versicherungsmakler zu informieren, ob Sie in einer
bestehenden Versicherung auch für ehrenamtliche Tätigkeiten
versichert sind.

Bereiten Sie sich auf die erste Begegnung vor!
Sollten Sie selbst keine „Brückensprache“ wie Englisch oder
Hocharabisch sprechen, so sorgen Sie dafür, dass beim Erstkontakt ein Übersetzer vor Ort ist, der Sie entsprechend
unterstützen kann. Sie sollten den Asylsuchenden u.a. darauf
hinweisen, dass Sie freiwillig und unentgeltlich in der Flüchtlingshilfe tätig sind und was ehrenamtliches Engagement in
Deutschland bedeutet.

Handeln Sie nach dem Grundsatz „Lerne, es selbst zu tun“!
Sie können dazu beitragen, die Flüchtlinge willkommen zu
heißen, und sie dabei unterstützen, sich in Deutschland schnell
orientieren und einleben zu können. Dazu gehört, ihnen erste
Deutschkenntnisse sowie Sitten und Gebräuche unseres Landes zu vermitteln. Ihr Grundsatz sollte dabei immer sein, den
Flüchtlingen möglichst schnell eine selbständige Orientierung
in unserer Gesellschaft zu ermöglichen: So ist es nicht nötig,
immer einen Fahrdienst in Ihrem Auto anzubieten – hilfreicher
ist es, zu vermitteln,
dass ein Bus tatsächlich
pünktlich um die Uhrzeit
Auch wenn es schwer
fällt:
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24

Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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TIPPS FÜR DIE FLÜCHTLINGSARBEIT

Stellen Sie Regeln auf, was Ihnen wichtig ist!

Von der Spontanhilfe zur dauerhaften Integration

Wenn Sie z.B. Deutschunterricht anbieten, können Sie fest­
legen, dass der Unterricht beispielsweise um 14 Uhr beginnt
und dass dann auch alle Beteiligten anwesend sein müssen.
Hilfreich ist es, das Wort „Respekt“ zu verwenden, das den
Flüchtlingen aus ihren Kulturkreisen geläufig ist.

Nach der dringend notwendigen „Ersten Hilfe“ für die geflüchteten Menschen kommt eine Herausforderung, für die ein
längerer Atem notwendig ist: die dauerhafte Integration der
anerkannten Flüchtlinge als Bürger in unserer Gesellschaft.
Wenn Sie zu einer gelingenden Integration beitragen und sich
auch gerne längerfristig betätigen möchten, ist es sinnvoll, sich
in einem der vielen Patenprojekte zu engagieren, die sich für
diese Aufgabe besonders bewährt haben. Ob als Familienpate,
als Schüler-, Job-, Sport- oder Bildungspate: In der unmittelbaren Begegnung und im direkten Austausch, am besten Eins
zu Eins, kann Integration am ehesten gelingen.

Achten Sie auf die Wahl Ihrer Gesprächsthemen!
Fragen zu „Familie“ und „Flucht“ sollten bei der Begegnung
mit Flüchtlingen, die gerade erst angekommen sind oder die
Sie neu kennenlernen, nicht von Ihnen selbst thematisiert werden. So kann es beispielsweise im Deutschunterricht fatal sein,
nach Familienmitgliedern zu fragen, ohne zu wissen, ob und
unter welchen Umständen diese leben.

Erkennen Sie die Grenzen Ihrer Beratungsmöglichkeiten!
Übernehmen Sie keine Beratung im Asylrecht und nicht bei
Menschen, die traumatisiert sind. Ziehen Sie in solchen Fällen
die Hilfe von entsprechenden Fachleuten hinzu!

Stellen Sie sich auf Abschiede ein!

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werden!

Erwarten Sie nicht, dass Sie mit den Flüchtlingen immer in
Verbindung stehen werden und alle in Deutschland bleiben
können. Manche werden wieder in ihre Heimat zurückgeschickt. Vergegenwärtigen Sie sich, dass alles was Sie vermittelt
haben, seien es Kenntnisse der deutschen Sprache, unserer Kultur und Sitten und vieles mehr, nie verloren sind. Ihre Tätigkeit
ist in jedem Fall sinnvoll und ein Gewinn für die geflüchteten
Menschen. Auch in ihren Heimatländern können sie dieses
neue Wissen brauchen und weitergeben.
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Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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INFORMATIONEN ZUM ASYLVERFAHREN

WIE LÄUFT EIN
­ASYLVERFAHREN AB?
Flüchtlinge, Asylbewerber, Geduldete: Für ehrenamtliche Helfer ist es
oft schwer nachvollziehbar, welchen Status die geflüchteten Menschen
haben, an welcher Stelle sie gerade innerhalb eines Asylverfahrens stehen, welche Bleibeperspektive sie haben und welche Konsequenzen das
z.B. für ihre Unterbringung oder für die Inanspruchnahme von Unterstützungsmaßnahmen hat. Um vor Überraschungen sicher zu sein, ist
es sinnvoll, sich einen Überblick zu verschaffen.
WER IST FLÜCHTLING?
Flüchtlinge im Sinne der Genfer Konvention und des Asyl­
gesetzes sind Menschen, die in ihrem Heimatland eine
drohende Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, poli­tischen Überzeugung oder Zugehörigkeit zu einer
bestimmten sozialen Gruppe befürchten müssen und deshalb
Schutz in Deutschland suchen. Als Verfolgung gilt dabei
ein schwer­wiegender Eingriff in Leib, Leben, Freiheit oder
sonstige grund­legende Menschenrechte. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, prüft das Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge (BAMF) in einem Asylverfahren. Liegen die
genannten Voraussetzungen vor, stellt es die Asylberechtigung
oder Flüchtlingsschutz fest. In ihren praktischen Auswirkungen sind beide Schutzformen gleichwertig (Näheres im
Abschnitt „Ausweisdokumente und Aufenthaltstitel“).
Außer diesem Personenkreis können auch Menschen in
Deutschland Schutz finden, denen in ihrem Heimatland aus
anderen Gründen Folter, Todesstrafe oder sonstige unmenschliche Behandlung droht. Auch eine ernsthafte Gefahr für
28

Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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Asylverfahren in Deutschland
(ohne Darstellung des Dublinverfahrens)
»Königsteiner Schlüssel«
Herkunftsland

ANKUNFT IN

DEUTSCHLAND

Meldung als Asylsuchender
zum Beispiel bei der Polizei
oder einer Aufnahme­
einrichtung.

LEISTUNGEN FÜR
ASYLSUCHENDE

Zugang zu grundlegender
Versorgung nach den
festgelegten Vorgaben
aus dem Asylbewerber­
leistungsgesetz.

Entscheider/in
BAMF

VERTEILUNG DER
ASYLSUCHENDEN

Leben und Gesundheit durch einen Krieg oder Bürgerkrieg ist
ein Grund für Schutz in Deutschland. Liegen diese Voraussetzungen vor, gewährt das BAMF im Rahmen des Asylverfahrens sogenannten subsidiären (nachrangigen) Schutz.
MITWIRKUNGS­
PFLICHTEN

Asylsuchende werden nach Asylsuchende haben die
einem Quotensystem auf
Pflicht im Asylverfahren
alle 16 Bundesländer verteilt. mitzuwirken und müssen
sich an geltendes Recht
halten.

AUFNAHME-­
EINRICHTUNG

Unterbringung in einer
­Aufnahmeeinrichtung
für Asylsuchende.

ANTRAGSTELLUNG

Die Antragstellung erfolgt
in der Regel bei einer der
­Außenstellen des Bundesamtes für Migration und
Flüchtlinge (BAMF).

Auswärtiges Amt
UNHCR

Asylsuchende/r

Dolmetscher/in

PERSÖNLICHE
­ANHÖRUNG

Asylsuchende werden
per­sönlich zu den Gründen,
­warum sie in Deutschland
Schutz suchen, durch das
Bundesamt befragt.

WEITERE
INFORMATIONEN

Zur Entscheidung über den
Antrag zieht das Bundesamt
auch weitere Informationsquellen heran.

INFORMATIONEN ZUM ASYLVERFAHREN

AMTLICHE
­ENTSCHEIDUNG

Das Bundesamt fällt seine
Entscheidung in Form eines
schriftlichen Bescheids,
der dem Asylsuchenden
­zugestellt wird.

Dies ist eine vereinfachte Darstellung. Nicht jede theoretisch denkbare Variante des Einzelfalls ist abgebildet. Quelle: UNHCR

Schließlich kann das BAMF auch ein Abschiebungsverbot
feststellen, solange durch die Abschiebung eine erhebliche
konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit bestünde, z.B.
durch eine im Heimatland nicht behandelbare lebensgefährliche Erkrankung.
Diese Schutzarten unterscheiden sich in ihrer praktischen
Bedeutung im Wesentlichen durch ihre aufenthaltsrechtlichen
Folgen und die Möglichkeiten des Familiennachzugs (Näheres
hierzu im Abschnitt „Ausweisdokumente und Aufenthaltstitel“
sowie im Schaubild des UNHCR zum Asylverfahren in diesem
Kapitel).
VON DER EINREISE BIS ZUR ENTSCHEIDUNG:
­ABLAUF DES ASYLVERFAHRENS
Der erste Schritt ist die Meldung als Asylsuchender unmittel­
bar bei oder gleich nach der Einreise bei der Grenzbehörde
oder Polizei. Auch eine Ausländerbehörde oder Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber kann die Meldung entgegennehmen.
Daran anschließend erfolgt die Verteilung auf die zuständige
Aufnahmeeinrichtung.
Diese wird unter anderem nach einem Quotensystem der
Bundesländer, dem sog. Königsteiner Schlüssel, bestimmt.
Bayern nimmt danach 15 % der nach Deutschland kommenden
Asylbewerber auf.

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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INFORMATIONEN ZUM ASYLVERFAHREN

ENTSCHEIDUNG DES BUNDESAMTS
FÜR MIGRATION UND FLÜCHTLINGE
POSITIVE
ENTSCHEIDUNGEN

NEGATIVE
ENTSCHEIDUNGEN

Aufenthaltserlaubnis für 3 Jahre
unbefristete Niederlassungs­
erlaubnis nach 3 Jahren

Aufenthaltserlaubnis für 3 Jahre
unbefristete Niederlassungs­
erlaubnis nach 3 Jahren

»Dublin-Verfahren«
In diesem Verfahren wird festgestellt, welcher europäische Staat
für die Prüfung des Asylantrags
zuständig ist. In der Regel ist immer
der Staat zuständig, der die Einreise
des /der Asylsuchenden auf sein
Staatsgebiet ermöglicht hat.
Möglichkeit der Klage

Flüchtlingsausweis
Der Asylsuchende muss sich in die zuständige Aufnahme­
einrichtung begeben und wird dort untergebracht. Spätestens
dort erhält er als Ausweisdokument den neu eingeführten
Ankunftsnachweis, auch Flüchtlingsausweis genannt.
(Näheres hierzu im Abschnitt „Ausweis­dokumente und Aufenthaltstitel“.)

Asylantrag
Anschließend muss er persönlich bei der zugeordneten Außenstelle des BAMF seinen Asylantrag stellen. Dabei wird er in
einer ihm verständlichen Sprache über den Ablauf des Verfahrens sowie seine Rechte und Pflichten informiert. Dort erhält
er auch die Aufenthaltsgestattung. Dies ist der Aufenthalts­
titel für die Dauer des Asylverfahrens.

Zuständigkeit Asylverfahren
Aufenthaltserlaubnis
in der Regel für 1 Jahr
nach 7 Jahren Chance auf unbe­
fristete Niederlassungserlaubnis

Möglichkeit der Klage
freiwillige Ausreise
Abschiebung
(Sonderfall Duldung)

Aufenthaltserlaubnis
mindestens 1 Jahr
nach 7 Jahren Chance auf unbe­
fristete Niederlassungserlaubnis

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge trifft pro Antrag jeweils eine der
­abgebildeten Entscheidungen. Quelle: UNHCR (Stand 2016)

Bevor sich das BAMF mit dem Inhalt des Asylantrags befasst,
prüft es, ob Deutschland für die Durchführung des Verfahrens
überhaupt zuständig ist. Nach dem Dubliner Übereinkommen
ist nämlich derjenige EU-Staat, über den der Antragsteller
zuerst nach Europa eingereist ist oder der ihm ein Visum
erteilt hat, für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig. Dies gilt ebenfalls bei einer Einreise über die nicht zur
EU gehörenden Staaten Norwegen, Island, die Schweiz und
Liechtenstein. Ist einer dieser Staaten zuständig, muss sich der
Antragsteller dorthin begeben, um sein Asylverfahren durchzuführen. Falls der Antragsteller mit dieser Entscheidung nicht
einverstanden ist, kann er beim Verwaltungsgericht Rechtsmittel einlegen.
Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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INFORMATIONEN ZUM ASYLVERFAHREN

Inhaltliche Prüfung
Ist kein anderer Staat zuständig, wird sein Asylantrag nun
inhaltlich geprüft. Zu diesem Zweck erfolgt in der Regel eine
persönliche Anhörung des Antragstellers zu den Gründen,
warum er in Deutschland Schutz sucht. Dies geschieht durch
einen Entscheider und immer mit Hilfe eines Dolmetschers.
Dabei muss der Antragsteller selbst die Tatsachen vortragen, die seine Furcht vor Verfolgung begründen und weitere
erforderliche Angaben, z.B. über den Reiseweg, machen. Die
Anhörung ist grundsätzlich nicht öffentlich. Der Antragsteller
kann sich aber auf eigene Kosten von einem Anwalt begleiten
lassen. Will er sich von einer anderen Vertrauensperson begleiten lassen, z.B. einem ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer, ist
dies mit Zustimmung des BAMF möglich. Er sollte dies daher
rechtzeitig dem BAMF mitteilen. Über die Anhörung wird
eine Niederschrift aufgenommen, die die wesentlichen Angaben des Antragstellers enthält und ihm durch den Dolmetscher
übersetzt wird.

UNTERBRINGUNG
Asylbewerber werden zunächst in der für sie zuständigen
Aufnahmeeinrichtung untergebracht. Diese wird von der
jeweiligen Bezirksregierung betrieben. Sie sind verpflichtet,
dort neuerdings längstens bis zu sechs Monaten zu wohnen.
Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten (Stand Februar
2016: Senegal, Ghana, Albanien, Kosovo, Montenegro, Serbien,
Mazedonien, Bosnien und Herzegowina sowie neuerdings auch
Algerien, Marokko und Tunesien) sind verpflichtet, bis zum
Abschluss des Verfahrens in Aufnahmeeinrichtungen zu bleiben. Grund hierfür ist, eine bessere Erreichbarkeit für Behörden und Gerichte während des Verfahrens sicher zu stellen und
damit den Verfahrensablauf zu beschleunigen.

Vorläufige Unterbringung

Entscheidung
Anschließend trifft das BAMF seine Entscheidung. Diese
stützt sich u.a. auf die im Verfahren gewonnenen Erkenntnisse.
Aber auch zahlreiche weitere Informationsquellen, z.B. über die
Situation im Heimatland, werden dabei berücksichtigt. Ebenso
wird die aktuelle Rechtsprechung deutscher und europäischer
Gerichte zu den einschlägigen asylrechtlichen Fragen beachtet.
Die Entscheidung ergeht in einem schriftlichen, mit einer
Begründung versehenen Bescheid, der dem Antragsteller zugestellt wird. Ist die Entscheidung positiv, erhält der Antragsteller
Asyl, Flüchtlingsschutz, subsidiären (nachrangigen) Schutz
oder ein Abschiebungsverbot. Wird der Asylantrag abgelehnt,
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kann der Antragsteller dagegen vor dem Verwaltungsgericht
klagen. Das Nähere hierzu ergibt sich aus der dem Bescheid
beigefügten Rechtsmittelbelehrung. Wichtig ist, die dort genannten Fristen zu beachten, die sehr kurz sein können.

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Nach der Erstunterbringung in einer Aufnahmeeinrichtung
werden die Asylbewerber nach einer landesinternen Verteilungsquote den Stadt- und Landkreisen zugewiesen. Diese sind
für die weitere, sog. vorläufige Unterbringung bis zum Abschluss des Asylverfahrens zuständig. Sie erfolgt in der Regel in
Gemeinschaftsunterkünften.

Anschlussunterbringung
Nach positivem Abschluss des Asylverfahrens dürfen Flüchtlinge die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen. Sie können dann
in eine selbst angemietete Wohnung umziehen. Dies gelingt
Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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INFORMATIONEN ZUM ASYLVERFAHREN

angesichts der schwierigen Situation auf dem Wohnungsmarkt
nicht immer. Dann sind die Kommunen im Rahmen der
sog. Anschlussunterbringung für die weitere Versorgung der
Flüchtlinge mit Wohnraum zuständig.
ZUGANG ZUM ARBEITSMARKT
So lange ein Asylbewerber verpflichtet ist, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, darf er keine Erwerbstätigkeit ausüben.
Diese Verpflichtung besteht neuerdings für längstens sechs
Monate. Für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten gilt
sie bis zum Abschluss des Asylverfahrens.
Für Antragsteller aus sicheren Herkunftsstaaten (nach Stand
Februar 2016 sind dies: Senegal, Ghana, Albanien, Kosovo,
Montenegro, Serbien, Mazedonien, Bosnien und Herzego­
wina sowie neuerdings auch Algerien, Marokko und Tunesien)
gibt es eine weitere besondere Regelung: Sofern sie nach dem
1.9.2015 ihren Asylantrag gestellt haben, gilt ein generelles
Beschäftigungsverbot während des Asylverfahrens und nach
Ablehnung des Asylantrags.
Ansonsten kann ein Asylbewerber ab drei Monaten nach Erhalt seiner Aufenthaltsgestattung – die bei der Asylantragstellung erteilt wird – mit Zustimmung der Ausländerbehörde und
der Bundesagentur für Arbeit eine Erwerbstätigkeit ausüben.
Eine derzeit (Stand Februar 2016) noch bei bestimmten Berufen durchgeführte Vorrangprüfung, ob für die beabsichtigte
Tätigkeit vorrangig ein Deutscher oder ein EU-Bürger zur
Verfügung steht, soll abgeschafft werden. Anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte dürfen ohne vorherige behördliche
Genehmigung ebenso wie Deutsche arbeiten.

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AUSWEISDOKUMENTE UND AUFENTHALTSTITEL
Das erste Dokument, das ein Asylbewerber künftig erhalten
soll, ist der Ankunftsnachweis, auch Flüchtlingsausweis
genannt.
Er soll gleich nach seiner Meldung als Asylsuchender und der
erkennungsdienstlichen Behandlung ausgestellt werden. Dieses
mit fälschungssicheren Elementen ausgestattete Dokument
wird grundsätzlich Voraussetzung für die Gewährung von
Leistungen und die Stellung eines Asylantrags sein. Dafür
werden die Fingerabdrücke, ein Foto und persönliche Angaben, z.B. auch zu beruflicher Qualifikation, Herkunftsstaat und
Impfschutz, zentral gespeichert. Die zuständigen Behörden
können dann auf diese Daten unmittelbar zugreifen. So sollen
mehrfache Registrierungen und Identitätsmissbrauch verhindert werden.

Aufenthaltsgestattung
Bei der Antragstellung wird schon jetzt (Stand Februar 2016)
ein weiteres Ausweisdokument, die Aufenthaltsgestattung,
ausgestellt. Sie dient als Aufenthaltstitel für die Dauer des
Asylverfahrens.

Aufenthalts-, Niederlassungserlaubnis
Wird ein Antragsteller als Flüchtling oder Asylberechtigter
anerkannt, erhält er eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre.
Der Nachzug von Ehepartnern und minderjährigen Kindern
bzw. von Eltern zu ihren anerkannten minderjährigen Kindern
ist in diesen Fällen derzeit (Stand Februar 2016) grundsätzlich
möglich. Danach wird ihm, sofern kein Widerruf der ­

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INFORMATIONEN ZUM ASYLVERFAHREN

Flüchtlingseigenschaft oder Asylberechtigung erfolgt, eine
Niederlassungserlaubnis erteilt, ein unbefristeter Aufenthaltstitel.
Wird lediglich subsidiärer (nachrangiger) Schutz (vgl. hierzu
im Abschnitt „Wer ist Flüchtling?“) gewährt, wird eine Aufenthaltserlaubnis für zunächst ein Jahr erteilt, die bei Fortbestehen der Gefahrenlage – z.B. eines Bürgerkrieges – verlängert
wird. Eine Niederlassungserlaubnis kann in diesen Fällen erst
nach sieben Jahren erteilt werden. Der Nachzug von Familien­
angehörigen ist eingeschränkt möglich und hängt von der
Erfüllung bestimmter Voraussetzungen ab, u.a. hinsichtlich
Lebensunterhalt und Wohnraum. Er kann neuerdings erst nach
zwei Jahren erfolgen.
Wurde ein Abschiebungsverbot festgestellt, soll eine Aufenthaltserlaubnis für mindestens ein Jahr erteilt werden. Dies
bedeutet, dass hier zunächst die Ausländerbehörde prüft, ob es
Gründe gibt, die dem entgegenstehen. Eine Niederlassungs­
erlaubnis kann nach sieben Jahren erteilt werden.
LEISTUNGEN NACH DEM
ASYLBEWERBERLEISTUNGSGESETZ (AsylbLG)
Das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) regelt die Höhe
und Form von Leistungen, die Asylbewerber erhalten. Es dient
der medizinischen Versorgung und der Sicherung des Grundbedarfs (sog. notwendiger Bedarf ). Dies ist der Bedarf an
Unterkunft, Heizung, Ernährung, Kleidung, Gesundheitspflege
und Verbrauchsgütern des Haushalts. Diese Leistungen werden
in den (Erst-)Aufnahmeeinrichtungen als Sachleistungen
erbracht.

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Zusätzlich erhalten Asylbewerber Leistungen zur Deckung
persönlicher Bedürfnisse des täglichen Lebens (sog. notwendiger persönlicher Bedarf, auch Taschengeld genannt). Diese
betragen z.B. derzeit (Stand Februar 2016) für einen alleinstehenden Erwachsenen 145 Euro. Für leistungsberechtigte
Kinder gibt es je nach Alter zwischen 85 und 93 Euro.
Seit der Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes im Oktober 2015 sollen diese bisherigen Bargeldzahlungen während
der Unterbringung in (Erst-)Aufnahmeeinrichtungen soweit
wie möglich durch Sachleistungen ersetzt werden.
Bei der sich anschließenden sog. vorläufigen Unterbringung
außerhalb der (Erst-)Aufnahmeeinrichtungen in den Stadtund Landkreisen soll der Grundbedarf vorrangig durch Geldleistungen statt durch Sachleistungen gedeckt werden. Dieser
„notwendige Bedarf“ beträgt z.B. für einen alleinstehenden
Erwachsenen monatlich 219 Euro.
Zusätzlich wird der Bedarf für Unterkunft, Heizung und Hausrat durch Geld- oder Sachleistungen gedeckt, bei Bewohnern
von Gemeinschaftsunterkünften immer durch Sachleistungen.
Die auch hier hinzukommenden Leistungen zur Deckung des
notwendigen persönlichen Bedarfs (sog. Taschengeld – siehe
oben) können – statt wie bisher generell in bar – neuerdings in
Gemeinschaftsunterkünften soweit möglich auch als Sachleistungen erbracht werden.
Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz werden auch die Kosten für eine erforderliche ärztliche oder zahnärztliche Behandlung sowie bei Schwangerschaft und Geburt übernommen.

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INFORMATIONEN ZUM ASYLVERFAHREN

SPRACH- UND INTEGRATIONSKURSE
Anerkannte Flüchtlinge und Asylberechtigte haben einen
Anspruch auf Teilnahme an einem Integrationskurs. Unter
bestimmten Voraussetzungen kann die Ausländerbehörde oder
das Jobcenter Ausländer mit schlechten Deutschkenntnissen
auch zur Teilnahme am Integrationskurs verpflichten.
Der Kurs besteht aus einem Sprachkurs von 600 Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten, der unter bestimmten Voraussetzungen auf 900 Unterrichtseinheiten verlängert werden kann.
Hinzu kommt ein Orientierungskurs mit 60 Unterrichtseinheiten. Der Sprachkurs vermittelt einen Wortschatz, der zum
Sprechen und Schreiben im Alltag benötigt wird. Der Orientierungskurs informiert über das Leben in Deutschland, die
Rechtsordnung, Kultur und die jüngere Geschichte.
Daneben können auch Asylantragsteller mit guter Bleibeperspektive bereits vor Entscheidung über ihren Asylantrag
am Integrationskurs teilnehmen. Diese Regelung gilt derzeit
(Stand Februar 2016) für Staatsangehörige des Iran, Irak, von
Syrien und Eritrea, sofern Plätze frei sind.

Die Teilnehmenden haben dadurch die Möglichkeit, landeskundliches Wissen zur Erstorientierung zusammen mit
einfachen Deutschkenntnissen zu erwerben.
Ansprechpartner für diese Kurse ist das Bayerische Staats­
ministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration.
Näheres hierzu unter www.stmas.bayern.de, Stichwort Asyl­
sozialpolitik.

HINWEIS

Asylverfahren
Die Bestimmungen zum
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www.bamf.de

Der Antrag auf Zulassung zum Integrationskurs muss bei der
Zentrale des BAMF in Nürnberg gestellt werden. Näheres
hierzu unter www.bamf.de, Stichwort Deutsch lernen.
Für Asylbewerber aus anderen Herkunftsländern, über deren
Asylantrag noch nicht entschieden ist, gilt Folgendes:
Sie können grundsätzlich an einem Deutsch-Sprachkurs im
Rahmen des vom BAMF in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Sozialministerium entwickelten Kurskonzepts „Erstorientierung und Deutsch lernen für Asylbewerber“ teilnehmen.

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DEFINITION EHRENAMT

WAS BEDEUTET ES, EHRENAMTLICH TÄTIG ZU SEIN?
Ehrenamtliches Engagement ist zwar unentgeltlich, aber nicht „umsonst“ zu haben. So gibt es z.B. Regeln, sei es zum Schutz der Ehrenamtlichen selbst oder auch zum Schutz derjenigen, die ehrenamtlich
unterstützt werden. Und wie bei jeder bezahlten Arbeit geht es auch
hier darum, die eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen und Grenzen der
Tätigkeit auszuloten.
DEFINITION
Die vom Bundestag im Jahr 2000 eingesetzte Enquete-Kommission zur Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements hat
fünf Merkmale für das Bürgerschaftliche Engagement definiert. Wie bei jeder Definition gibt es natürlich Grenzfälle.

Freiwillig
Ehrenamtliche sind in der Regel nicht weisungsgebunden wie
in der Erwerbsarbeit. Theoretisch kann man ein freiwilliges
Engagement z.B. jederzeit „kündigen“. In der Praxis geht das
natürlich nicht immer, z.B. bei Vorständen in Vereinen. Auch
an anderer Stelle gibt es zumindest eine Vereinbarung und eine
„freiwillige Selbstverpflichtung“ von Ehrenamtlichen.

Nicht auf materiellen Gewinn gerichtet
Das Bürgerschaftliche Engagement ist keine Leistung, für die
man eine Gegenleistung erwarten kann. Es ist keine Marktbeziehung, in der Waren und Dienstleistungen gegen Geld
getauscht werden. Bestimmte Aufwendungen, die mit
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DEFINITION EHRENAMT

dem Ehrenamt zusammenhängen, wie etwa Fahrtkosten oder
Verpflegung, können aber ersetzt werden. Dies kann auch über
eine pauschale Aufwandsentschädigung geschehen.

Gemeinwohlorientiert

RECHTE UND PFLICHTEN
Obwohl Sie freiwillig tätig sind, gilt es Regeln einzuhalten.
Umgekehrt haben Sie Rechte. Das gilt – zumindest im Idealfall
– für jedes Ehrenamt.

Bei einem ehrenamtlichen Engagement dürfen nicht nur die
eigenen privaten Interessen im Spiel sein. Es sollte immer auch
für andere und möglichst viele Menschen positive Wirkungen
haben. Auch der Staat ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Er
kann dies aber nur dann sein, wenn seine Bürger mehr als ihre
Pflicht tun.

Die aktuelle Flüchtlingssituation erfordert allerdings neue
Herangehensweisen und immer wieder Kompromisse. Vieles
entwickelt sich erst im Laufe der Zusammenarbeit. Sowohl
hauptberuflich wie auch ehrenamtlich Tätige müssen sich
zum Teil sehr spontan auf veränderte Situationen einstellen.
Nicht immer können sie sich an die sonst üblichen Regelungen
halten. Als Orientierung könnte dienen:

Öffentlich

Freiwillig Engagierte haben …

Die Pflege von Angehörigen oder das Großziehen von Kindern
sind zwar wichtige Aufgaben in unserem Gemeinwesen, aber
sie zählen nicht zum Bürgerschaftlichen Engagement, da sie
im privaten Umfeld der Familie stattfinden. Die Öffentlichkeit
ist gleichsam ein Raum zwischen Staat, privatem Unternehmertum und privatem Familienleben, der für jedes demokratische Gemeinwesen ganz wesentlich ist. Hier entsteht sozialer
Zusammenhalt jenseits von Verwandtschaftsbeziehungen.

In der Regel gemeinschaftlich ausgeübt
Das Bürgerschaftliche Engagement findet statt in Vereinen,
Kirchengemeinden, Bürgerinitiativen und Selbsthilfegruppen.
Es gibt zwar auch „einsame“ Ehrenämter. Aber die meisten
Ehrenamtlichen schätzen an ihrer Tätigkeit doch besonders,
dass sie mit anderen Menschen zusammenkommen und sich
gemeinsam engagieren.

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... DAS RECHT ...

...	auf eine Tätigkeit mit einer
­sinnvollen Aufgabenstellung
...	auf Versorgung mit notwendigen

­Informationen
...	auf die Berücksichtigung ihrer
Wünsche
...	auf eine Struktur, die Lernen und
­Wachsen fördert
...	auf Unterstützung und Hilfe
z.B. durch Supervision
...	auf Anerkennung ihrer Leistung,
auch bei einem kurzzeitigen

­Engagement
...	wenn möglich auf Unkosten­
erstattung
...	auf den Status eines unbezahlten
Mitarbeiters des ­Gesamtteams

... DIE PFLICHT ...

...	die eigenen Grenzen
zu kennen
...	Absprachen zu akzeptie
­
ren
...	sich auf jede Arbeit
­vorzubereiten
...	ihre Zeit sinnvoll
­einzusetzen
...	in der Supervision Pro­
bleme oder Unklarheiten
zu klären
...	konstruktives Feedback
zu geben
...	keine Trinkgelder oder
unangemessene Ge­
schenke anzunehmen
...	wie ein bezahltes TeamMitglied zu arbeiten

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DEFINITION EHRENAMT

VERSICHERUNG

ZUSAMMENARBEIT VON HAUPTAMT UND E
­ HRENAMT

Wenn Sie ehrenamtlich tätig sind, ist es wichtig, im Rahmen
ihrer Tätigkeit abgesichert zu sein. Vereine, Verbände, GmbHs,
Stiftungen etc. sind in der Pflicht, direkt für den Versicherungsschutz ihrer Ehrenamtlichen zu sorgen. Wer sich also z.B.
in der Kirche, in öffentlichen Einrichtungen, in der Wohlfahrtspflege oder im Sportverein engagiert, der ist normalerweise automatisch durch seinen Träger versichert.

Als ehrenamtlich engagierter Mensch kommen Sie bei Ihren
Einsätzen mit vielen hauptamtlich Beschäftigten zusammen,
z.B. in Asylberatungsstellen, Schulen, Kindergärten oder kommunalen Verwaltungen. Viele Kommunen haben mittlerweile
auch hauptamtliche Koordinationsstellen für die ehrenamtliche
Flüchtlingsarbeit eingerichtet, die von der Bayerischen Staatsregierung gefördert werden.

Kleine, rechtlich unselbständige Initiativen und Projekte, für
die kein anderer Versicherungsschutz greift, sind über die Bayerische Ehrenamtsversicherung der Staatsregierung abgesichert,
die mit der Bayerischen Versicherungskammer abgeschlossen
wurde. Der Versicherungsschutz ist allerdings nachrangig, das
heißt, dass er nur dann greift, wenn keine anderweitige Haftpflicht- oder Unfallversicherung besteht. Diese Haftpflichtund Unfallversicherung für ehrenamtlich Tätige ist antragsund beitragsfrei, die
Kosten trägt der
GUT VERSICHERT?
Freistaat Bayern.

In der Regel klappt die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und
Ehrenamt sehr gut. Hauptamtliche schätzen die menschliche
Zuwendung der Ehrenamtlichen, die nicht darüber nachdenken (müssen), wer z.B. für einen Asylbewerber gerade von
Amts wegen zuständig ist. So können Sie für ein gutes Klima
des Zusammenlebens sorgen, was Sozialpädagogen und Verwaltungsangestellte, die meist nicht am Ort wohnen oder am
Wochenende nicht greifbar sind, nicht mit der gleichen Überzeugungskraft leisten können. Umgekehrt schätzen Ehrenamtliche den fachlichen Rat und die Unterstützung der hauptamtlichen Kräfte, wenn sie Hintergrundinformationen brauchen,
an ihre fachlichen Grenzen stoßen oder sich kräftemäßig und
emotional überfordert fühlen. Im Idealfall arbeiten ehrenamtliches Engagement und Fachdienste also Hand in Hand.

Informationen zu der
Ehrenamtsversicheru
ng finden
Sie im Internet unter:
www.ehrenamtsversiche
rung.bayern.d

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e

Natürlich läuft es in der Hektik des Alltags nicht immer
reibungslos. So gelingt es Hauptamtlichen manchmal nicht,
den tage- oder stundenweise engagierten Ehrenamtlichen
alle wichtigen Informationen zukommen zu lassen. Vielleicht
werden Sie auch einmal übergangen, obwohl Sie sich für eine
Tätigkeit zur Verfügung gestellt haben. Lassen Sie sich dadurch
nicht entmutigen!

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DEFINITION EHRENAMT

Zuständigkeiten klären
5 TIPPS FÜR EINE
BEIT
GUTE ZUSAMMENAR
n
amtlichen aufnehme
•	 Kontakt zu Haupt
men ausloten
•	 Engagementrah
klären
ten
kei
dig
•	 Zustän
tausch suchen
Aus
en
ßig
mä
gel
•	 Re
hleute einschalten
•	 Rechtzeitig Fac

Kontakt zu Hauptamtlichen aufnehmen
Suchen Sie grundsätzlich den Kontakt zu hauptamtlichen
Mitarbeitern, die in vielen Kommunen über eine Koordinierungsstelle die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen
organisieren. Wer ansonsten für Ihre Tätigkeit die richtigen
Ansprechpartner sind, erfahren Sie z.B. bei der Heimleitung,
bei Mitarbeitern des Rathauses, des Trägerverbands, der Vereine, bei Helferkreisen oder bei den Kirchengemeinden.

Fragen Sie nach, für welche Tätigkeiten und Themen die
hauptamtlichen Kräfte zuständig sind und an welcher Stelle Sie
eigenverantwortlich handeln können. Zu einem guten Miteinander gehören gegenseitige Wertschätzung, Respekt und ein
partnerschaftlicher Umgang.

Regelmäßigen Austausch suchen
Versuchen Sie, sich an einem regelmäßigen Austausch zu beteiligen oder einen solchen anzuregen, wenn er nicht vorgesehen
ist. Es ist für beide Seiten hilfreich, wenn anstehende Aufgaben, Probleme und Erfolge gemeinsam besprochen werden.

Rechtzeitig Fachleute einschalten
Stellen Sie sich ein Netzwerk mit Kontaktadressen zu den
wichtigsten fachlichen Beratungsstellen zusammen, auf das Sie
im Ernstfall zurückgreifen können. Denken Sie auch daran,
bei Problemen die zuständigen Hauptamtlichen rechtzeitig zu
informieren.

Engagementrahmen ausloten
Erkundigen Sie sich, welche Unterstützung sich die Hauptamtlichen von Ihnen erhoffen, und überlegen Sie sich umgekehrt,
welche Hilfe Sie anbieten können, welche Tätigkeiten Sie gerne
übernehmen würden und wieviel Zeit Sie dafür aufwenden
möchten.

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DEFINITION EHRENAMT

PERSÖNLICHE EIGNUNG FÜR EHRENAMTLICHES
ARBEITEN
Grundsätzlich besitzt jeder Mensch auf seine ganz eigene
­Weise die Fähigkeit zu helfen. Um sich dabei nicht zu verausgaben und dauerhaft helfen zu können, gilt es, verantwortlich
mit den eigenen Ressourcen und Kräften umzugehen. Es
braucht auch den Mut, Grenzen zu setzen!
Deshalb ist es wichtig, sich vorher zu überlegen, wo und in
welcher Weise Sie sich einbringen möchten. Die Bearbeitung
folgender Checkliste hilft dabei, sich über den Inhalt, den
zeitlichen Rahmen und die Dauer eines Engagements klar zu
werden.
q	 Möchte ich mich für eine bestimmte Gruppe (z.B. Frauen,
Kinder, allein reisende Jugendliche) einsetzen?
q	 Welches Zeitbudget bin ich bereit einzubringen?

q	 Welche Fähigkeiten und Kompetenzen kann ich zur
Mitarbeit anbieten?
q	 Welche meiner wertvollen Erfahrungen ist für wen
nützlich?

q	 Brauche ich die Anerkennung der Öffentlichkeit oder
kann ich mit einem vermeintlich geringen Ansehen als
Flüchtlingshelfer leben?
q	 Wie und wo möchte ich mich einsetzen?

q	 (Er-)Kenne ich meine eigenen Grenzen? Weiß ich um die
Gefahr des sog. „Helfersyndroms“?
q	 Toleranz ist unabdingbar! Bin ich in meinen eigenen
Werten und Traditionen so weit gefestigt, dass sie eine
stabile Basis für ein gelingendes Miteinander bilden?

q	 Gibt es in meiner Kommune bereits Asyl- bzw. Flüchtlings­
helferkreise, denen ich mich evtl. anschließen kann?
q	 Sind von Seiten der Kommune Aktivitäten geplant
oder werden schon durchgeführt? Kann ich mich hier
anschließen und meine Fähigkeiten einbringen?
q	 Wer käme für eine Zusammenarbeit in Betracht?
Wo finde ich Gleichgesinnte?

q	 Bin ich bereit, mich in eine Gruppe bzw. einen Helferkreis
einzufügen?
q	 Kann ich außer meiner Arbeitskraft auch weitere Beiträge
leisten: Habe ich bereits wertvolle Verbindungen zu
anderen Helferkreisen oder Ehrenamtlichen? Ist es mir
möglich, ein stabiles Netzwerk zu knüpfen, das einer
fruchtbaren Zusammenarbeit und dem gegenseitigen
Erfahrungsaustausch über die eigenen Gemeindegrenzen
hinaus nutzt?
q	 Wie sieht es mit meinem Versicherungsschutz aus?
Wer haftet bei einem Schadensfall?

q	 Habe ich vielleicht Vorbehalte gegen bestimmte Religionen,
Aussehen und Geschlecht?
q	 Bin ich körperlich und geistig fit genug, um mich um
andere zu kümmern?
q	 Bin ich geimpft?
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WEITERE INFORMATIONEN

WO FINDE ICH WEITERE
INFORMATIONEN?
Fast in jeder Gemeinde mit Flüchtlingen und entsprechenden Helferkreisen wird über kurz oder lang auch ein kleiner Leitfaden mit den
wichtigsten Informationen und Adressen vor Ort zusammengestellt.
Hier haben wir vor allem übergeordnete Internetseiten aufgeführt, auf
denen Sie grundsätzliche Informationen zur aktuellen Situation der
Flüchtlinge und zu rechtlichen Bestimmungen sowie allgemein nützliche Tipps für Ihren ehrenamtlichen Einsatz in diesem Bereich finden.
INFORMATIONEN VOR ORT
Die Internetportale der bayerischen Städte, Gemeinden und
Landkreise bieten häufig bereits auf der Startseite Informa­
tio­­nen zur Flüchtlingssituation vor Ort. Sollten Sie dort nicht
fündig werden, suchen Sie unter den Stichworten „Flüchtlinge“, „Soziales“ oder „Sozialamt“.
z.B. www.ausgburg.de, www.muenchen.de, www.zorneding.de
BAYERN- UND BUNDESWEITE INFORMATIONEN
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bietet
zahlreiche Informationen zu seiner Arbeit, zu Migration
und Integration, zum Asylverfahren wie auch zu geförderten
Rückkehrer-Programmen. Hier finden Sie außerdem immer
die aktuellen Zahlen und Fakten zur Flüchtlingssituation in
Deutschland.
www.bamf.de
Bayerischer Flüchtlingsrat
www.fluechtlingsrat-bayern.de
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WEITERE INFORMATIONEN

Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE)
bietet auf seinen Internetseiten unter dem Menüpunkt „Migration und Teilhabe“>Engagement von und für Flüchtlinge eine
bundesweite Zusammenstellung von Portalen mit Hilfen für
Helferinnen und Helfer in der Flüchtlingsarbeit sowie zahlreiche weitere Informationen zum Engagement von und für
Flüchtlinge.
www.b-b-e.de
Seite des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen
(UNHCR). Unter dem Menüpunkt „Service“ finden sich z.B.
Bildungsmaterialien, Publikationen, Antworten auf grundlegende Fragen u.v.a.m.
www.unhcr.de
Informationen zu den Herkunftsländern und ihren jeweiligen
Beziehungen zu Deutschland stehen auf den Seiten des Auswärtigen Amts unter „Außen- und Europapolitik“>Länder­­in­for­mationen A-Z
www.auswaertiges-amt.de

INFORMATIONEN FÜR EHRENAMTLICHE	
Das Ehrenamtsportal wird vom Landesnetzwerk BE Bayern
und dem Bayerischen Sozialministerium gemeinsam betrieben und enthält zahlreiche Informationen zum Ehrenamt in
­Bayern. Unter dem Menüpunkt „Wo kann ich helfen“ finden
sich Adressen und Ansprechpartner vor Ort, unter dem Menüpunkt „Engagement in der Flüchtlingshilfe“ Links zu Broschüren und weiteren Informationen.
www.ehrenamt.bayern.de
Die Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen und
-zentren bietet unter anderem Fortbildungen für Ehrenamtliche z.B. für die Durchführung von Sprachkursen an.
www.lagfa-bayern.de
Sprachtafel „Lerne Deutsch!“ des bayerischen Integrations­
beauftragten mit einfachen Bildern (Piktogrammen ) und
dem deutschen Basis-Wortschatz zu den wichtigsten Themen,
zu finden unter:
www.integrationsbeauftragter.bayern.de
Impfungen: Die aktuellen Empfehlungen der ständigen Impfkommission sind zu finden unter:
www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/
Empfehlungen/Impfempfehlungen_node.html

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WEITERE INFORMATIONEN

INFORMATIONEN FÜR FLÜCHTLINGE	

INFORMATIONEN FÜR ARBEITGEBER	

Orientierungshilfe mit nützlichen Tipps und Informationen
für das Leben in Deutschland, zusammengestellt von Studierenden und Doktoranden in Zusammenarbeit mit Menschen
unterschiedlicher Herkunft. Die Broschüre steht in mehreren
Sprachen zum Download zur Verfügung, kann aber auch in
gedruckter Version bestellt werden.
www.refugeeguide.de

Landesnetzwerk des bundesweiten Förderprogramms
Integration durch Qualifizierung.
www.netzwerk-iq.de

In dem Film „Einig sein. Recht achten. Freiheit leben. So
funktioniert der deutsche Rechtsstaat“ des Bayerischen
­Jus­tizministeriums werden die Grundzüge des geltenden
Rechts in Deutschland in wenigen Minuten verständlich vermittelt. Verfügbare Sprachen sind Deutsch, Englisch, Arabisch,
Urdu, Paschtu und Dari.
www.justiz.bayern.de/service/fluechtlinge-asylbewerber/

Die Bundesanstalt für Arbeit bietet unter dem Menüpunkt
„Unternehmen“>Arbeitskräftebedarf>Internationales einen
Migrations-Check für Arbeitgeber.
Außerdem finden Sie unter „Unternehmen“>Arbeitskräfte­-­
­bedarf>Beschäftigung>Geflüchtete Menschen
Informationen für Arbeitnehmer zur Beschäftigung von
­geflüchteten Menschen.
www.arbeitsagentur.de

Kostenlose App „Ankommen“
Welche Schritte durch das Asylverfahren muss ich beachten?
Wann muss mein Kind in die Schule? Wie erhalte ich eine
­Arbeitserlaubnis? Was tun, wenn ich krank werde? Die Antworten auf diese und weitere, übergeordnete Fragen erhalten
Asylsuchende in Deutschland jetzt in der kostenlosen App
„Ankommen“. Die App ist ein Gemeinschaftsprojekt von
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Goethe-Institut,
Bundesagentur für Arbeit und Bayerischem Rundfunk.
www.ankommenapp.de/

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WEITERE INFORMATIONEN

WEITERFÜHRENDE INFORMATIONEN
DER HANNS-SEIDEL-STIFTUNG
Themenportal: Migration und Flucht der Hanns-Seidel-Stiftung mit Leitfäden für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit,
Veranstaltungen und Veröffentlichungen zu den Themen­
bereichen Flucht, Asyl, Migration und Entwicklungspolitik.
Zu finden ist auch ein Glossar von A wie Asyl bis Z wie
­Zuwanderung.
www.hss.de/themeneinstiege/migration-und-flucht.html
Leitfaden der Hanns-Seidel-Stiftung zu den Grundlagen der
Vereinspraxis.
www.hss.de/uploads/tx_ddceventsbrowser/
LF_Vereinspraxis.pdf
Erklärfilme zum Themenkomplex Demokratie und Menschenrechte der Auslandsabteilung der Hanns-Seidel-Stiftung (auf
Englisch).
www.civicsacademy.co.za/

LESETIPPS	
Wie viele Ausländer leben in Deutschland? Was ist eine
Aufenthaltserlaubnis? Wer sich näher mit den Themen
Migration und Integration in Deutschland befassen will,
findet Daten und Fakten sowie Antworten auf viele Fragen in
den folgenden Büchern:

Einwanderung und Asyl – die wichtigsten 101 Fragen
von Karl-Heinz Meier-Braun, C H Beck Verlag, München 2015

Das Buch führt anschaulich in die wichtigsten Daten, Fakten, Zusammenhänge und Entwicklungen zur Flüchtlingssituation ein und klärt grundsätzliche begriffliche Fragen wie „Was versteht man unter Migration?“, erläutert
aber auch die Hintergründe für und die Auswirkungen von aktuellen Diskussionen („Hat die „Sarrazin-Debatte Deutschland geschadet?“).

Migration und Integration in Deutschland
Begriffe – Fakten – Kontroversen
von Karl-Heinz Meier-Braun und Reinhold Weber (Hrsg.),
Bundeszentrale für politische Bildung, Band 1389, Bonn 2013

Die Herausgeber haben in diesem Band zahlreiche Beiträge bundesweit
anerkannter Experten zusammengestellt. Das Thema wird in mehreren Kapiteln beleuchtet, die sich den Grundlagen und der Geschichte, den einzelnen
Migrantengruppen, den Themen Wirtschaft und Recht, Gesellschaft und
Religion, Integrationspolitik und Teilhabe widmen sowie die gängigen Begriffe
und Kontroversen erklären.

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Hanns-Seidel-Stiftung

Engagiert für Flüchtlinge: Ein Ratgeber für Ehrenamtliche

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WICHTIGE
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Suchen Sie sich ihr eigenes Netzwerk und Unterstützung vor Ort!
Arzt
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Kirchengemeinde(n)
Asylsozialarbeiter
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Die Tafel
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Hanns-Seidel-Stiftung

IMPRESSUM
Herausgeber

Copyright 2016, Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
Lazarettstraße 33, 80636 München
Tel.: +49 (0)89/1258-0
E-Mail: info@hss.de
www.hss.de

Vorsitzende

Prof. Ursula Männle, Staatsministerin a.D.

Hauptgeschäftsführer

Dr. Peter Witterauf

Leiter PRÖ/Publikationen

Hubertus Klingsbögl

Verfasser

Ursula Erb, Michael Kleinhans,
Claudia Leitzmann, Gabriele Off-Nesselhauf,
Dr. Thomas Röbke

Redaktion

Claudia Leitzmann und Susanne Gumbmann,
LBE Bayern

Layout und Satz

Britta Holzamer und Sandra Kirchner,
eskade design, Heroldsberg

Druck

blueprint, München

Bildnachweis

UNHCR; The UN Refugee Agency
Ivor Prickett:Titel, Seite 20, 42, 52
Gordon Welters: Seite 6, 10, 28

Auflage

15.000 März 2016

Anmerkung der Redaktion
Die durchgehend männliche Form der Personenbezeichnung impliziert beide
Geschlechtervarianten und wird aus Gründen des Leseflusses verwendet.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung, Verbreitung sowie
Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil dieses Werkes darf in irgendeiner Form
(durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung der Hanns-Seidel-Stiftung e.V. reproduziert oder unter Verwendung
elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Davon
ausgenommen sind Teile, die als Creative Commons gekennzeichnet sind.
Das Copyright für diese Publikation liegt bei der Hanns-Seidel-Stiftung e.V.
Namentlich gekennzeichnete redaktionelle Beiträge geben nicht unbedingt die
Meinung des Herausgebers wieder.

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80636 München
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