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Full text: IJAB-Journal (Rights reserved) Issue 2020,1 (Rights reserved)

1/20 IJAB journal 1 / 2020 14. Jahrgang Juli 2020 // In t e r na t io nale J u g e n d a r b eit // I nt e r na t io nale J u g e n d p o lit ik // J u g e n dinf o r ma t i o n Im Fokus: Fachkräfte­qualifizierung für die Internationale Jugendarbeit Warum mehr Qualifizierung nötig ist // 04 Internationale Fachprogramme // 06 Digitales Lernen // 12 Internationale Jugendarbeit trotz Corona // 20 Marie-Luise Dreber, Direktorin von IJAB // Editorial Liebe Leserinnen und Leser, das erste Halbjahr 2020 wird niemand von uns vergessen. Keine andere Pandemie hat die Welt seit den Tagen der Spanischen Grippe vor einem Jahrhundert so in Aufruhr versetzt, wie das Corona-Virus. Die Wirkung auf den internationalen Jugend- und Fachkräfte­ austausch war und ist unübersehbar: Ein Großteil der grenzüberschreitenden Programme musste abgesagt werden; Zeithorizonte für eine Rückkehr zur Normalität bleiben ungewiss. Die Folgen der Coronakrise sind keineswegs nur gesundheitlicher Natur. Wir beobachten politische und gesellschaftliche Veränderungen und Verwerfungen sowie Auswirkungen in unserem Privatleben, unserer Alltagskultur und unseren sozialen Beziehungen. Die Ereignisse der letzten Monate bestärken uns in der Gewissheit, dass in unserer globalisierten Welt alles mit allem verwoben ist, dass niemand ein Problem im nationalen Alleingang bewältigen kann und dass es viel mehr Menschen braucht, die internationalen Austausch, Kooperation und Kommunikation nicht nur als Bereicherung, sondern als Schlüssel für die Bewältigung aktueller Aufgaben empfinden. Internationale Jugendarbeit und jugendpolitische Zusammenarbeit sind daher so wichtig, wie lange nicht mehr. Eine zentrale Rolle fällt dabei den Fachkräften zu. Doch welche Hürden sind abzubauen, um mehr Fachkräfte in allen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe für den internationalen Austausch zu gewinnen? Welche Unterstützung und Qualifizierung ist erforderlich? Welche Ressourcen sind notwendig? Fachkräfte in der Kinder- und Jugend­ hilfe sind so vielfältig, wie ihre Aufgaben. Unser Schwerpunktthema beleuchtet, was internationale Fachprogramme zur Qualifizierung beitragen können, welche Beratung Fachkräfte erhalten und wie das breitgefächerte Angebot der Europäischen Union aussieht. Eine offene Frage ist zudem, wieviel Begleitung Fachkräfte benötigen, wenn sie erste Schritte hin zu einem internationalen Austausch gehen. Das IJAB-Projekt „Learning by Doing“ nähert sich dieser Frage an. Ob Fachkräfte erfolgreich die Chancen der Internationalisierung ihrer Arbeit nutzen können, hängt auch davon ab, ob ihre Organisationen am selben Strang ziehen. Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinderund Jugendbildung (BKJ) befindet sich derzeit in einem Internationalisierungsprozess, den wir beispielhaft vorstellen. vehemente Zunahme digitaler Formate feiern einige als Durchbruch der Digitalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe, andere betrachten es als temporäre Ausnahme. Wir sind daher der Frage nachgegangen, welche Tools für welche Aktivität geeignet sind, mit welchen Erleichterungen und Einschränkungen unserer Arbeit wir zu rechnen haben und wie wir zukünftig unser Arbeitsfeld mit digitalen Formaten bereichern können. IJAB sieht sich als Fachstelle in einer besonderen Verantwortung für das Arbeitsfeld Internationale Jugendarbeit. Wir haben die Träger daher gefragt: Was wird in der Krise gebraucht? Je nachdem, wie die Träger aufgestellt sind, fällt die Antwort unterschiedlich aus. Der Ruf nach flexibleren Förderstrukturen, die sich der neuen Realität anpassen, ist jedoch unüberhörbar. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern stehen wir seitdem im Dialog mit der Politik und dem Bundesjugendministerium. Auch darüber berichten wir. Ich wünsche Ihnen eine inspirierende Lektüre! Ihre Eine eigene Rubrik schaut auf die Entwicklungen der letzten Monate. Die immer aktuell IJAB Newsletter Infos, Termine, Ausschreibungen Jetzt abonnieren unter 2 IJAB journal 1/20 www.ijab.de Bitte senden Sie Adressänderungen und Mitteilungen an die Redaktion an ijabjournal@ijab.de Inhalt Impressum Herausgeber: IJAB – Fachstelle für Internationale Jugend­­­arbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. Godesberger Allee 142-148 D-53175 Bonn Tel.: +49 (0)228-95 06-0 Fax: +49 (0)228-95 06-199 E-Mail: ijabjournal@ijab.de Internet: www.ijab.de Verantwortlich: Marie-Luise Dreber Redaktion: Stephanie Bindzus, Christian Herrmann Gestaltung: blickpunkt x, Köln Fotos: Cover: Ch. Herrmann / IJAB; S. 2: O. Volke / IJAB; S. 5: Ch. Herrmann / IJAB (o.); D. Ausserhofer (u.); S. 7: Ch. Herrmann / IJAB (o.), O. Volke / IJAB (u.); S. 8: neonbrand / unsplash; S. 9: Endrille / Adobe Stock (l.), IJAB (r.); S. 10: Ch. Herrmann / IJAB; S. 11: you-x-ventures / un­splash (o.), BKJ (u.); S. 12 u. S. 13 (o.): Bocheinski; S. 13: privat (u.); S. 14: jugend.beteiligen.jetzt; S. 15: IJAB; S. 16: privat; S. 17: priscilla-dupreez / unsplash; S. 18: ben-dutton / unsplash; S. 19: JUGEND für Europa; S. 21: Alexandra Koch / Pixabay (o.), O. Volke / IJAB (u.); S. 22: Juraj Varga / Pixabay; S. 23: Sebastian Voortman / Pexels; S. 24: privat (o.), Arek Socha / Pixabay (u.); S. 26: IJAB; S. 28: S. Kleideiter; S. 29 / 30 (o.): O. Volke / IJAB; (Polaroid) levit / AdobeStock; S. 30 (u.): IJAB Druck: DCM Druck-Center-Meckenheim GmbH 2�������� Editorial 3�������� Impressum Im Fokus: Fachkräftequalifizierung für die Internationale Jugendarbeit 4�������� Mehr Kompetenz für internationalen Austausch in der Kinder- und Jugendhilfe Marie-Luise Dreber 6�������� Internationaler Fachaustausch: Starker Baustein der Qualifizierung in der Kinder- und Jugendhilfe Christina Gerlach 8�������� Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Andrea Bruns und Elena Neu 10 �������� Initiative Welt-Öffner: Internationale Strategien für die Kulturelle Bildung Christina Lorenz 12�������� Digitales Lernen – kann Lernen digital sein? Dr. Martin Ebner 14�������� Lessons learnt: Wie digitale Fachkräfte­qualifizierung mit „MOOCs“ gelingt Ulrike Werner 16�������� Mit Herzblut: Ausbildung für die Mobilitätsberatung Interview mit Karl Luster-Haggeney 18�������� Bühne frei für SALTO! Kristiina Pernits und Gisele Evrard Markovic Internationale Jugendarbeit trotz(t) Corona 20�������� Die Krise bietet auch Chancen Christian Herrmann 22�������� Interkulturelles Lernen im Online-Modus Evaldas Rupkus Weiterentwicklung Internationaler Jugendarbeit Juli 2020 25�������� „Mehr-Wert“ – Die Internationale Jugend­arbeit im Spiegel von Zahlen, Daten­sätzen und deren Interpretationen Sandra Kleideiter Forum 29��������� Ein Stück IJAB-Geschichte: Dirk Hänisch und Ilona Jauch wechseln in den Ruhestand 30��������� Personalia 31��������� Termine und Veranstaltungen IJAB journal 1/20 3 Im Fokus: Fachkräftequalifizierung für die Internationale Jugendarbeit Im Fokus // Fachkräftequalifizierung x für die Internationale Jugendarbeit xx Mehr jungen Menschen eine Austauscherfahrung ermöglichen, Fachkräfte international schulen, Organisationen für transnationale Zusammenarbeit öffnen – wie kann das gehen? Ein Schlüssel zur Antwort liegt in der Qualifizierung von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe. Warum Qualifizierung so wichtig ist, welches Potenzial sie bietet, welche Angebote es gibt und welche Ressourcen notwendig sind, beleuchtet unser Fokusthema. Mehr Kompetenz für internationalen Austausch in der Kinder- und Jugendhilfe „Weltweit wächst eine junge Generation heran, die weitgehend kosmopolitisch denkt und fühlt. Sie steht für einen grundlegenden Wertewandel, der vielschichtig und vielseitig ist.“1 Marie-Luise Dreber W as in diesem Satz von Lena Papsabbas als Ergebnis einer 2017 erschienenen Trendstudie des Zukunftsinstituts beschrieben wird, nehmen wir auch zunehmend im Alltag wahr: Die „Generation Global“ wächst in einer hochvernetzten Welt auf, ist im Digitalen zu Hause. Sie strebt nach einem achtsamen Umgang mit Umwelt und Mitmenschen. Reisen und offene Grenzen sind für sie eine Selbstverständlichkeit. Als Weltbürgerinnen und Weltbürger wissen sie, dass sie überall auf der Welt Neues lernen können. Wie aber reagiert die Kinder- und Jugendhilfe darauf? Klar, nicht alle jungen Menschen hängen kosmopolitischen, transnationalen Ideen an. Fachkräfte erleben in ihren Einrichtungen zum Teil Kinder und Jugendliche, die ihren Stadtteil noch nicht verlassen haben und für ihr Leben keine Perspektiven außerhalb des ihnen Bekannten sehen. Dennoch, die Globalisierung schreitet kontinuierlich voran und prägt den Lebensalltag junger Menschen. Auch ein Auslandsaufenthalt, um neue Sprachen zu lernen oder Gleichaltrige aus anderen Ländern kennenzulernen, wird immer selbstverständlicher. Der Kontakt zu Jugendlichen anderer Kulturen wird insbesondere in den Städten von jungen Menschen als Bereicherung gesehen. Sie sind heute weltoffener und toleranter als frühere Generationen2. Daher ist es notwendiger denn je, jungen Menschen Orientierung in einer globalen Welt zu geben und sie dazu zu befähigen, diese mitzugestalten. Mehr internationale Erfahrung tut Not Dem gegenüber stehen noch viel zu wenige Fachkräfte und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die mit dem transnationalen Austausch in ihrer Arbeit vertraut sind oder internationale Begegnungsformate für junge Menschen anbieten. Dafür gibt es vielfältige Gründe: unzureichende zeitliche Ressourcen, fehlende Fremdsprachenkenntnisse, Angst vor Überforderung, fehlende Unterstützung des Trägers etc. Hier ist ein grundlegender Wandel in der Kinder- und Jugendhilfe notwendig, um den heutigen Herausforderungen junger Menschen gerecht zu werden. Im Leitbild des Kinder- und Jugendplans des Bundes wurde 2016 festgelegt, dass die Träger in allen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe jungen Menschen und Fachkräften adäquate Angebote unterbreiten sollen, Europäisierungs- und Globalisierungsprozesse zu erfahren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Internationale Erfahrungen 1 S. Artikel zur Studie „Die neue Achtsamkeit“; https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/lebensstile/generation-global-die-neuen-kosmopoliten/ 2 S. Shell-Studie 2019 4 IJAB journal 1/20 Eine gute Qualifizierung von Fachkräften stärkt die Internationale Jugendarbeit Zusammenarbeit bereichern. Darin liegt die Chance, gerade jetzt eine Fachkräfteinitiative für mehr internationalen Austausch zu starten. Eine solche Initiative sollte: und Konzepte sollen Eingang finden in die Weiterentwicklung der nationalen Arbeit. Im Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ zur Umsetzung europäischer Jugendpolitik in Deutschland ab 2019 wird beschrieben, wie der Austausch von Fachkräften zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Praxis vor Ort dienen kann und damit einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Kinderund Jugendhilfe leistet. Dabei müssen die Träger und die dort handelnden Fachkräfte mitgenommen und unterstützt werden, grenzüberschreitende Lernerfahrungen zu machen, um die eigene Arbeit weiterzuentwickeln, zu reflektieren und Jugendliche dazu zu motivieren, selbst an transnationalem Austausch teilzunehmen. Dies kann nur gelingen, wenn Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe gut qualifiziert sind und über eigene Mobilitätserfahrungen verfügen. Die Jugendstrategie der Bundesregierung formuliert deshalb 2019 einen deutlichen Handlungsbedarf, „den Fachkräfteaustausch bzw. die Mobilität der Fachkräfte zu fördern und eine Anerkennungskultur für mobile Fachkräfte zu entwickeln“. Dabei wird eine „Offensive zur Fachkräftequalifizierung in der Internationalen Jugendarbeit“3 als eine herausragende Maßnahme zur Umsetzung der Jugendstrategie genannt. Zwar ist in den letzten Jahren z. B. auch auf den Kinder- und Jugendhilfetagen eine Öffnung hin zum europäischen Austausch zu beobachten, doch noch zu häufig wird in der Fachdiskussion die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland gegenüber anderen Ländern als etwas Besonderes dargestellt. Dabei wird übersehen, dass die Fachkräfte der Kinderund Jugendhilfe wichtige Impulse aus der Jugendarbeit in anderen Ländern erhalten 3 können. Auch können sie die Bedeutung von transnationaler Zusammenarbeit jungen Menschen nur vermitteln, wenn sie selbst bereit sind, ihre Arbeit im internationalen Kontext zu reflektieren. Nachhaltige Wirkung Dass sich der Austausch lohnt, zeigen regelmäßig die Erfahrungsberichte von Fachkräften, die an europäischen und internationalen Programmen teilgenommen haben. Besonders eindrücklich vermittelte mir dies ein Jugendamtsleiter einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen. Als er mich kürzlich in der Geschäftsstelle besuchte und schilderte, wie stark ihn ein rund 30 Jahre zurückliegender Fachkräfteaustausch mit Japan geprägt, und welche Bedeutung der internationale Austausch als Impulsgeber seitdem in seinem beruflichen Kontext eingenommen hatte. Ich könnte weitere Beispiele nennen, z. B. die Anregungen, die derzeit aus Estland zum Thema Smart Youth Work kommen oder der Einfluss von Finnland auf die Partizipation junger Menschen in Deutschland oder die Impulse aus Großbritannien zum CaseManagement. Das Lernen von anderen Ländern in den unterschiedlichen Bereichen der Kinderund Jugendhilfe wirkt sich nicht nur positiv auf die Fachkräfte, sondern auch auf ihre Institutionen aus. Oftmals entwickelt sich dadurch eine größere Öffnung für eine europäische oder internationale Dimension in der Arbeit auch mit jungen Menschen. Jetzt Fachkräfte fördern Mit der aktuellen Covid-19-Pandemie hat sich in der Kinder- und Jugendhilfe die Digitalisierung beschleunigt. Neue virtuelle Bildungs- und Qualifizierungsformate sind entstanden, die auch das Instrumentarium für die internationale >>Begeisterung für europäisches und internationales Engagement vermitteln, >>alle Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe voraussetzungsfrei ansprechen, >>Entwicklungsräume für neue hybride Formate (virtuell und analog) eröffnen, >>in aller Breite über Formate und Angebote europäischer und internationaler Maßnahmen informieren, >>neue Denkansätze und Impulse für die pädagogische Arbeit auf allen Ebenen geben, >>Fachkräfte zur Durchführung eigener transnationaler Maßnahmen befähigen und bei der Umsetzung unterstützen, >>junge Menschen befähigen, globale Zusammenhänge zu verstehen und mitzugestalten, >>Fachkräfte in die Lage versetzen, internationale Impulse für die eigene Arbeit zu nutzen, >>eine internationale Öffnung von Organisationen befördern und >>eine internationale Dimension in allen Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe verankern. Um dies zu erreichen, braucht es die Bereitschaft aller Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe, sich europäisch und international zu öffnen, Fachkräfte zu qualifizieren und sich transnational zu vernetzen. Und es braucht die Bereitschaft der Bundesregierung, die Jugendstrategie auch im Handlungsfeld „Europa und die Welt“ ernsthaft umzusetzen und hierfür die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Auf die Unterstützung durch IJAB als Fachstelle können dabei alle Beteiligten setzen. Kontakt: Marie-Luise Dreber IJAB, Direktorin dreber@ijab.de S. Jugendstrategie der Bundesregierung 2019, S. 148 und 152 IJAB journal 1/20 5 Im Fokus: Fachkräftequalifizierung für die Internationale Jugendarbeit Internationaler Fachaustausch: Starker Baustein der Qualifizierung in der Kinder- und Jugendhilfe In der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe bewähren sich bereits seit vielen Jahren bi- und multilaterale Austauschformate. Die Vorteile der internationalen Programme sind vielfältig und reichen weit über den oft zitierten „Blick über den Tellerrand“ hinaus. Fachlich fundiert und strukturiert aufgebaut, können sie Wirkung erzielen auf individueller, fachlich-struktureller und politischer Ebene. Christina Gerlach E tabliert sind Fachkräfteaustausche in festen Gruppen mit Partnerländern wie China, Japan und der Türkei im Rahmen der bilateralen jugendpolitischen Kooperationen. Aber auch Formate des Voneinander-Lernens in mehrjährigen bi- und multilateralen Projekten sind weit verbreitet. Allen gemein ist, dass grenzüberschreitende Lernsettings als spezifischer Ansatz der Qualifizierung verstanden und eingesetzt werden. Oft wird in diesem Zusammenhang der Begriff des „Peer-Learnings“ verwendet, das wechselseitige Lernen der Teilnehmenden voneinander. Peer-LearningFormate (und damit auch Konferenzen, Study Visits, Hospitationen etc.) beschreiben hier einen systematischen und gemeinsamen Lernprozess zwischen Akteur(inn)en im Jugendbereich in einer international zusammengesetzten Gruppe. Worin aber liegt der besondere Mehrwert grenzüberschreitender Fachprogramme? Grenzüberschreitende Lernsettings bieten die Möglichkeit, an authentischen Orten und in interkulturellen Settings zu lernen. Innerhalb der internationalen Gruppe können die Teilnehmenden miteinander in den fachlichen Dialog treten. Sie können sich innerhalb und außerhalb des Programms begegnen und austauschen und aus diesem Austausch neue Perspektiven und Impulse für ihre Arbeit gewinnen. So ergeben sich aus der Konfrontation mit anderen strukturellen, gesetzlichen und finanziellen Rahmen- 6 IJAB journal 1/20 bedingungen neue Blickwinkel auch auf die eigene Arbeit. Sie regen dazu an, eigene Handlungsweisen zu überprüfen. Beispielsweise kommt in Partnerländern, die meist über keine derart ausdifferenzierten Strukturen in der Jugendhilfe verfügen wie Deutschland, oft ein stark sozialraumorientierter Ansatz zum Tragen. Nicht immer ist das hierzulande auch aufgrund von Förderlogiken ohne Weiteres der Fall. Für deutsche Fachkräfte kann das Erfahren eines solchen Beispiels ein hohes Anregungspotenzial haben und dazu führen, neue Wege zu suchen, um weitere Zielgruppen in die eigene Arbeit mit jungen Menschen einzubeziehen. Fachkräfte sind heute mit einer Arbeitspraxis konfrontiert, in der internationale und europäische Diskurse eine zunehmende Rolle spielen; für die Internationale Jugendarbeit schlagen sich diese Diskurse auch in den Förderinstrumenten nieder und müssen von den Fachkräften entsprechend bedient werden. Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe müssen auf allen Ebenen über interkulturelle Kompetenzen verfügen. Diese werden – nicht nur, aber eben auch – in internationalen Lernsettings erworben. Nicht zuletzt betrifft diese Entwicklung auch die Jugendlichen selbst, mit denen diese Fachkräfte arbeiten: Ihre Lebenswirklichkeit ist zunehmend geprägt von grenzüberschreitenden Einflüssen. Wurde in diesem Zusammenhang bereits vielfach auf den Einfluss der Globalisierung hingewiesen, ist zusätzlich auch die virtuelle grenzüberschreitende Kommunikation Jugendlicher von Bedeutung. Wirkung auf Strukturen und jugendpolitische Grundlagen Grenzüberschreitende Peer-LearningFormate richten sich an unterschiedliche Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendhilfe (manchmal auch darüber hinaus) und können auf personaler, fachlich-struktureller und politischer Ebene Wirkung entfalten. Von den Lern­ erfahrungen aus diesen Formaten profitieren sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Fachkräfte, Praktiker/-innen und Entscheidungsträger/-innen von freien und öffentlichen Trägern sowie Vertreter/-innen von Politik, Wissenschaft und Verwaltung aus allen Ebenen. Fachkräfte der Internationalen Jugendarbeit sind in der Regel auch als Lernende mit Formaten des grenzüberschreitenden Peer-Learnings vertraut; nicht nur für sie, sondern auch für andere Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe bieten grenzüberschreitende Lernsettings jedoch einen besonderen Mehrwert. Neben der individuellen Fortbildung der Fachkräfte können PeerLearning-Formate auch auf struktureller und/oder politischer Ebene wirken und z. B. einen Beitrag leisten für die Internationalisierung von Strukturen und Organisationen sowie deren interkultureller Öffnung. Entscheidend dafür ist, dass die gewonnenen Erfahrungen erfolgreich in Internationale Fachkräfteprogramme helfen dabei, die eigene Arbeit weiterzuentwickeln, zu reflektieren und Jugendliche zum Austausch zu motivieren die entsprechenden Arbeitsbereiche und Strukturen transferiert werden können. Grenzüberschreitende Fachprogramme eignen sich damit nicht nur für die Qualifizierung von Fachkräften, sondern können wichtige Impulse für die nationalen Arbeitsstrukturen setzen: Neben internationalen Impulsen für die Angebote der Kinder- und Jugendhilfe geht es auch um die Weiterentwicklung von Strukturen und jugendpolitischen Grundlagen. Qualitätskriterien Um die Potenziale grenzüberschreitender Fachprogramme möglichst umfangreich zu erschließen, müssen verschiedene Kriterien Beachtung finden, die zugleich auch das Qualifizierungsangebot selbst beschreiben: Bei grenzüberschreitenden Fachprogrammen handelt es sich um einen gemeinsamen Lernund Bildungsprozess in der Gruppe. Die Zusammensetzung der Gruppe sowie die Arbeit an einer gemeinsamen Problemoder Fragestellung mit den internationalen Partnern begünstigen im Idealfall eine lernfördernde Gruppendynamik, die zur Gewinnung neuer Perspektiven, Anregungen und Impulsen für das jeweilige Arbeits- und Handlungsfeld führt. Vor- und Nachbereitung der Teilnehmenden sind in grenzüberschreitenden Fachprogrammen daher ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg: Sind in der Vorbereitungsphase gruppendynamische Elemente und Wissen über den fachlichen Schwerpunkt sowie die Kooperationspartner gefragt, geht es in der Nachbereitungsphase darum, mit den Teilnehmenden den Transfer der Ergebnisse und die Umsetzung der gewonnen Erkenntnisse in die eigene Arbeitspraxis sicherzustellen. Nicht nur das Fachprogramm selbst, sondern auch die entsprechende Vor- und Nachbereitung bilden damit das grenzüberschreitende Qualifizierungsangebot und sind Teil eines systematischen Analyse- und Reflexionsprozesses. Dieser sollte neben Praxis und Strukturen auch jugendpolitische Rahmungen einbeziehen. hilfe dar. Gegenstand solcher Angebote können ganz unterschiedliche Themen und Handlungsfelder der Kinder- und Jugendhilfe sein. Neben den Angeboten selbst kann der Austausch in der Gruppe sowie mit den internationalen Partnern auch Strukturen und jugendpolitische Entwicklungen in den Blick nehmen und eignet sich als Qualifizierungsformat damit auch für Akteurinnen und Akteure aller Ebenen der Kinder- und Jugendhilfe. Kontakt: Christina Gerlach IJAB, Leiterin des Geschäftsbereichs Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit gerlach@ijab.de Grenzüberschreitende Lernsettings im Rahmen von Peer-Learning-Formaten stellen also eine sinnvolle Erweiterung des nationalen Qualifizierungsangebots für Fachkräfte der Kinder- und Jugend- IJAB journal 1/20 7 Im Fokus: Fachkräftequalifizierung für die Internationale Jugendarbeit Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Das Qualifizierungsprogramm „Learning by doing“ macht seit Februar 2020 Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe fit für Internationale Jugendarbeit. Über zwei Jahre werden Einsteiger/-innen in Theorie und Praxis bis zum eigenen Austauschprojekt begleitet. Andrea Bruns und Elena Neu E igentlich klingt zunächst alles ganz einfach: Junge Menschen aus unterschiedlichen Nationen kommen zusammen, lernen sich kennen und bauen so Vorurteile ab und Kompetenzen auf. Dass es dann doch mehr braucht, als nur ein Bahn- oder Flugticket, damit Internationale Jugendarbeit erfolgreich ist, weiß jede Fachkraft, die schon einmal eine Maßnahme Internationaler Jugendarbeit auf die Beine gestellt und begleitet hat. Was vom Prinzip her einfach klingt, ist ein ausgefeiltes, mit vielfältigen Fachund Förderstrukturen hinterlegtes Feld pädagogischer Praxis, welches von den Organisierenden Know-how, Ausdauer und auch eine Prise Leidenschaft verlangt. Was für Erfahrene selbstverständlich ist, kann eine/-n „Anfänger/-in“ vor große Herausforderungen stellen und im schlimmsten Falle eine gute Idee schon im Keim ersticken. Hier kommt das Qualifizierungsprogramm „Learning by doing“ ins Spiel. 8 IJAB journal 1/20 2/18 Mehr Internationale Jugendarbeit auf lokaler Ebene Aus der Perspektive des Arbeitsfeldes der Internationalen Jugendarbeit ist es wünschenswert, dass möglichst alle jungen Menschen die Gelegenheit haben, von einer Maßnahme Internationaler Jugendarbeit zu profitieren. Gerade in Städten, Gemeinden und Landkreisen ist dafür jedoch zunächst eine Vergrößerung des Angebotes erforderlich. Dass es in Kommunen bislang vergleichsweise wenige Angebote Internationaler Jugendarbeit gibt, hat vielschichtige Gründe. Eine Ursache ist, dass Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe in Kommunen zu wenig über die Internationale Jugendarbeit als Praxis, mit ihren unterschiedlichen Formaten, Potenzialen und Förderstrukturen wissen. Ein weiterer Grund für das Ausbleiben von Angeboten kann sein, dass Kommunen Internationaler Jugendarbeit zwar grundsätzlich offen gegenüberstehen, die Fachkräfte sich jedoch gegebenen- falls unsicher fühlen, da ihnen entsprechende Erfahrungen fehlen. Darüber hinaus erfordert die anspruchsvolle Beantragung von Fördergeldern häufig den Einsatz von Eigenmitteln, die nicht immer zur Verfügung stehen. An diesen drei ausgewählten Ursachen setzt das Qualifizierungsprogramm „Learning by doing“ an. Das zweijährige Projekt richtet sich an Fachkräfte der kommunalen Ebene, die noch keine oder nur wenig Erfahrung mit der Internationalen Jugendarbeit haben. Ziel ist es, die Internationale Jugendarbeit vor Ort zu stärken und die Zahl der Angebote zu erhöhen. Mit Theorie, Praxis und Begleitung ans Ziel Um das zu erreichen werden 22 Fachkräfte aus zehn Bundesländern mit einem Gesamtumfang von elf Tagen qualifiziert. Dazu braucht es zunächst die Vermittlung von theoretischen Grundlagen: Welche Formate Internationaler Jugendarbeit gibt es, worin unterscheiden sie sich und welches Format passt zu meiner Zielgruppe, zu mir, zu meinen Partnern im Ausland? Welche Fördermittelgeber kommen in Frage und welche Methoden eigenen sich für die Internationale Jugendarbeit? Das Besondere bei Learning by doing ist eben die Verknüpfung dieser Theorie mit persönlicher Erfahrung und konkreter eigener Anwendung aus einem Guss. Während eines fünftägigen „Competence Building Seminar“ in Griechenland werden die theoretischen Inhalte mit Praxiselementen in Jugendeinrichtungen verbunden. Auf diese Weise werden nicht nur Wissen und Methoden vermittelt, sondern auch eine persönliche interkulturelle Lernerfahrung ermöglicht. Dadurch können die Teilnehmenden das erworbene Wissen direkt in einen Praxisbezug setzen und im Anschluss an einem eigenen Projekt anwenden. Dabei bietet das Qualifizierungsprogramm zudem einen weiteren Vorteil für die Teilnehmenden: Die Durchführung einer eigenen Maßnahme Internationaler Jugendarbeit wird mit einer Pauschale von 1.000 € bezuschusst. Diese Teilförderung soll ein erster finanzieller Anschub sein und den Neulingen den Einstieg erleichtern. Bei der konkreten Planung und den Vorbereitungen für die Maßnahme werden die Teilnehmenden individuell von IJAB begleitet. Im Tandem Richtung Nachhaltigkeit Die Frage nach einer nachhaltigen Stärkung Internationaler Jugendarbeit spielte bei der Konzeption des Qualifizierungsprogramms eine wichtige Rolle. Im Idealfall wirkt das Projekt über seine Laufzeit hinaus und legt den Grundstein für viele zukünftige Maßnahmen Internationaler Jugendarbeit in den teilnehmenden Kommunen sowie für deren langfristige Verankerung – beispielweise durch die Inanspruchnahme von weiterführenden Angeboten im Rahmen der Initiative „Kommune goes International“. Bekanntheitsgrad der Wirkungen und Potenziale Internationaler Jugendarbeit zu erreichen. Das Konzept wurde angenommen, 16 Personen nehmen in acht Tandems teil. Selbstverständlich ist aber auch für die sechs individuellen Fachkräfte die Teilnahme am Programm ohne Nachteile möglich. Um den Rückhalt in der Kommune zu sichern, richtet sich das Qualifizierungsprogramm insbesondere an öffentliche Träger. Erfahrungen aus der Initiative „Kommune goes International” haben gezeigt, dass die Rolle einzelner Fachkräfte entscheidend dafür sein kann, ob Internationale Jugendarbeit auf der lokalen Ebene Fuß fasst und auch fortbesteht. Vorhaben, die auf mehrere Schultern verteilt sind, bieten mehr Möglichkeiten, Aufgaben zu verteilen und Herausforderungen gemeinsam zu stemmen. Um zu überprüfen, inwiefern die angestrebten Veränderungen bei den Teilnehmenden und in den Kommunen erreicht werden und ob sich der Ansatz für eine Verbreiterung eignet, soll ein besonderes Augenmerk auf die Auswertung des Programms gelegt werden. Vor diesem Hintergrund gab es für haupt- und ehrenamtliche Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe interessierter Kommunen die Möglichkeit, sich im Tandem auf die Teilnahme am Qualifizierungsprogramm zu bewerben. Mindestens eine der Fachkräfte sollte dabei hauptamtlich bei einem öffentlichen Träger der Kinder- und Jungendhilfe tätig sein. Bei der Auswahl der Teilnehmenden war eine Kombination aus Teilnehmenden von je einem öffentlichen und einem freien Träger besonders erwünscht. Auf diese Weise soll die erfolgreiche Planung und Durchführung der eigenen Maßnahme Internationaler Jugendarbeit im Rahmen des Qualifizierungsprogramms sichergestellt werden. Es erhöht aber auch die Möglichkeiten, das Erlernte in die eigenen Strukturen weiterzutragen und einen breiteren Das Qualifizierungsprogramm „Learning by doing” wird mit Mitteln der RobertBosch-Stiftung gefördert. Durchgeführt wird das Projekt von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V., gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Reihenfolge der Veranstaltungen im Rahmen von Learning by doing angepasst. Nach der Auftaktveranstaltung Anfang des Jahres fand im Juni 2020 ein Online-Meeting zu Möglichkeiten digitaler Internationaler Jugendarbeit statt. Ein Follow-up-Seminar mit Schulungsinhalten ist für November in Deutschland vorgesehen, das „Competence Building Seminar“ in Griechenland soll Anfang 2021 nachgeholt werden. Kontakt: Andrea Bruns IJAB, Referentin für Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit bruns@ijab.de Elena Neu IJAB, Referentin für Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit neu@ijab.de IJAB journal 1/20 9 Im Fokus: Fachkräftequalifizierung für die Internationale Jugendarbeit Initiative Welt-Öffner: Internationale Strategien für die Kulturelle Bildung Wie können Fachkräfte und Organisationen eine europäische und internationale Dimension alltäglich mitdenken und nachhaltig in ihre Arbeit integrieren? Die BKJ setzt mit ihrer „Initiative Welt-Öffner“ auf eine dauerhaft verankerte Internationalisierung von Jugend- und Kultureinrichtungen statt auf einzelne Begegnungsprojekte. Christina Lorenz E uropa, internationale Kooperationen und globale Entwicklungen bestimmen immer mehr unser tägliches Leben und Arbeiten und bringen neue Herausforderungen für lokale, regionale, landes- und bundesweite gesellschaftliche Strukturen mit sich. Eine Erweiterung der Angebote und des strukturellen Denkens und Handelns im Bereich der Kulturellen Bildung um grenzüberschreitende, europäische, internationale und globale Dimensionen sind langfristig also unvermeidbar, um mehr Kinder und Jugendliche zu erreichen und ihnen zeitgemäße Lernerfahrungen zu ermöglichen. Dazu sollten Jugend- und Kultureinrichtungen statt einer Konzentration auf vereinzelte Begegnungsprojekte eher Strategien entwickeln, wie Internationalisierungsprozesse in ihrer jeweiligen Organisation implementiert und nachhaltig in ihren Strukturen umgesetzt werden können. Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. (BKJ) hat die Initiative Welt-Öffner gestartet. Diese basiert auf den Erkenntnissen des 2016 und 2017 von IJAB durchgeführten Pilotprojektes „Modellentwicklung zur Etablierung einer internationalen Leitkultur bei Trägern der Kinder- und Jugendhilfe“. Ziel der Initiative ist es, zwölf Mitgliedsorganisationen der BKJ auf Landes- und Bundesebene aktiv bei selbst definierten und auf die individuelle Situation angepassten Entwicklungsschritten hin zu einer Internationalisierung ihrer organisatorischen Strukturen und ihrer Angebote zu unterstützen. Jede Organisation wird dabei für die Dauer von zwei Jahren fachkundig begleitet. Mit acht eintägigen Coachings wird die jeweilige Organisation bei ihrer Internationalisierung unterstützt. Von der BKJ koordiniert und durch die Robert Bosch Stiftung aufgrund der Erkenntnisse aus der ebenfalls von ihr geförderten Zugangsstudie finanziert, widmet sich die Initiative seit Januar 2020 den Fragen von europäischen und internationalen Anforderungen an Fachkräfte und Organisationsstrukturen. Ein weiteres Ziel ist, exemplarisch für das gesamte Feld der Jugendarbeit und Jugendbildung Vorgehensweisen zur Internationalisierung von Einrichtungen und Strukturen der Kulturellen Bildung aufzuzeigen. Alle am Coaching aktiv beteiligten Organisationen sammeln während des zweijährigen Prozesses darüber hinaus Ideen und Erkenntnisse, wie auch ihre lokalen und regionalen Untergliederungen, Einrichtungen, Organisationen und Strukturen vor Ort in einer nächsten Phase der Internationalisierung des eigenen Arbeitsfeldes aktiv mit einbezogen werden können. Start und Ablauf der CoachingProzesse Um sich für die Teilnahme an der Initiative Welt-Öffner zu bewerben, mussten die Organisationen ihre Motivation, ihre Ziele und bereits vorhandene Erfahrun- Mit der „Initiative WeltÖffner“ soll die Internationalisierung von Jugend- und Kultureinrichtungen dauerhaft verankert werden 10 IJAB journal 1/20 2/18 Das Coaching der teilnehmenden Organisationen ist ein Kern der Initiative gen im internationalen Bereich in Form einer Interessenbekundung ausformulieren. Nach dieser Bewerbungsphase nehmen nun sieben Bundesverbände und fünf Landesverbände aus den Reihen der direkten BKJ-Mitgliedsorganisationen an der Initiative teil. Die BKJ als Dachverband wird selbst als 13. Organisation einen gecoachten Internationalisierungsprozess im Rahmen ihrer Organisationsentwicklung beginnen. Für die Durchführung der Coachings wurden aus 28 Bewerbungen sieben Coaches ausgewählt, die auch über Erfahrungen in der Organisationsentwicklung und im Bereich der Internationalen Jugendarbeit verfügen. Bei einem Matching-Treffen im Januar 2020 wurden die teilnehmenden Organisationen erstmals mit den Coaches zusammengebracht. Im Fokus standen das gegenseitige Kennenlernen, die Klärung von Fragen zu Inhalten und Methoden sowie Erwartungen, Ziele und Grenzen des Coachings. In Vorgesprächen mit den Coaches ging es außerdem um mögliche erste Schritte in Richtung einer Internationalisierung der eigenen Organisation und darum, was im Vorfeld des Coachings zu bedenken, zu klären und zu erledigen ist. Im Januar 2021 wird ein Zwischentreffen zum Erfahrungsaustausch mit allen Beteiligten stattfinden. Eine Auswertung und Bilanz der Coaching-Prozesse ist für den Herbst 2021 angedacht. Wie läuft der Coaching-Prozess ab? Im Rahmen von acht eintägigen Coachings zwischen Januar 2020 und Dezember 2021 erarbeiten die Träger- strukturen mit den Coaches eine an den jeweiligen Bedarfen orientierte und an ihre spezifischen Strukturen angepasste Strategie, die zu einer stärkeren europäischen oder internationalen Ausrichtung der Organisation führt. Die Coaches begleiten die Organisationen bei der Analyse des Ist-Standes, bei der Definition ihrer Ziele, bei der Erarbeitung einer langfristigen Strategie zur Umsetzung und bei der Implementierung von ersten vereinbarten Schritten. Dabei bleibt es den Trägern selbst überlassen, wie sie aus ihrer inneren Logik und strukturellen Verfasstheit heraus die Begriffe „Europäisierung“ oder „Internationalisierung“ mit Leben füllen möchten. Weder die Coaches noch die BKJ machen hier Vorgaben, sondern unterstützen lediglich die Erreichung selbstgesteckter Ziele und die Durchführung dazu erforderlicher inhaltlicher, organisatorischer und struktureller Schritte. Auch bleibt es natürlich den jeweiligen Gremien der Organisationen überlassen (Vorstände und Mitgliederversammlungen), letztlich darüber zu entscheiden, wie die Internationalisierung verankert und konkret umgesetzt wird. Die aktuelle Situation Aufgrund der derzeitigen Corona-Pandemie finden alle Coachings seit dem 10. März 2020 in digitaler Form statt. Die Folgen für den Verlauf der individuellen Internationalisierungsprozesse sind noch nicht abschätzbar. Dies gilt z. B. für angestrebte internationale Partnerschaften, Austauschformate oder die Teilnahme an internationalen Konferenzen, Tagungen und Fortbildungen. Und auch die längerfristigen Auswirkungen auf die individuelle Situation der meist freiberuflich aktiven Coaches müssen natürlich in den Blick genommen werden. Sollte es notwendig werden, besteht die Möglichkeit, auch über die Laufzeit der Initiative bis Ende 2021 hinaus, die letzten Coaching-Sitzungen durchzuführen. Aufgrund der flexiblen Projektfinanzierung kann hier die so wichtige Qualität der komplexen einzelnen Organisationsentwicklungs-Prozesse im Vordergrund stehen. Alle Beteiligten sind sehr motiviert in diese Prozesse eingestiegen und sehr gespannt, welche nachhaltigen Fortschritte für die internationale Dimension der Kulturellen Bildung dadurch erzielt werden können. Weitere Informationen zur Initiative Welt-Öffner sowie die Liste der teilnehmen Organisationen finden Sie unter: https://www.bkj.de/internationales/ initiative-welt-oeffner/ Kontakt: Christina Lorenz, Leitung der Initiative Welt-Öffner Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) lorenz@bkj.de IJAB journal 1/20 11 Digitales Lernen – kann Lernen digital sein? Gerade in diesen Tagen der COVID-19-Krise erfahren Schüler/-innen und Studierende aber auch Lehrkräfte eine Digitalisierung der Lehre von unvorhersehbarem Ausmaß. Mehr oder weniger über Nacht wurden Bildungseinrichtungen gezwungen, die analoge, traditionelle Präsenzlehre einzustellen und auf „digitale Formate“ umzusteigen. Was für die formale Bildung gilt, gilt in diesem Fall auch für die non-formale Bildung sowie für Fort- und Weiterbildungen von Fachkräften der Jugendarbeit. Gelingen kann der digitale Umstieg nur mit einer Herangehensweise, die digitale und analoge Komponenten einbezieht. Martin Ebner F ür die meisten Beteiligten ist die Digitalisierung ein neuer und anstrengender Schritt, hatte man über viele Jahre hinweg teilweise erfolgreich die zunehmende Digitalisierung und ihren Einfluss auf Bildung schlichtweg wegdiskutiert. Doch schon früh wurde auf die Bedeutung von Technologien, eben auch zum Zwecke des Lehrens und Lernens, hingewiesen1. Auch das Forschungsgebiet der Bildungsinformatik zeigt durch zahlreiche Arbeiten rund um den Einsatz von informatischen Systemen und Werkzeugen die Notwendigkeit der Digitalisierung2. Unbestritten scheint, dass die Welt sich zunehmend digitaler Technologien bedient, diese in unseren Alltag sich fast selbstverständlich mehr integrieren, doch vor den Mauern der Bildungsinstitutionen machten sie bis dato halt. Warum? Das liegt daran, dass die Komplexität von Lehr- und Lernprozessen sehr hoch ist und so der bloße Einsatz von Tablets im Unterricht zu keiner Lernsteigerung führt, wenn aus didaktischer Sicht diese nicht integriert werden oder aus informatischer Sicht keine entsprechenden Inhalte vorhanden sind. Oftmals scheitert es schon daran, dass die 1 S. Ebner, M. (2013) E-Learning – Alles nur Technologie?, merz – Zeitschrift für Medien­pädagogik, 57. Jahrgang, Nr. 5, S. 39-44 2 Ebner, M., Leitner, P., Taraghi, B., Grandl, M. (2018) Die Rolle der Bildungsinformatik für die Hochschule der Zukunft. In: Hochschule der Zukunft. Dittler, U. & Kreidl, C. (Hrsg). S. 117-128, ISBN 978-3-65820402-0 12 IJAB journal 1/20 vorhandene Infrastruktur nicht reicht, um mehrere Geräte gleichzeitig in ein WLAN-Netz zu schalten. Kurzum, wir können genau jetzt in dieser COVID19-Krise beobachten, woran es scheitert – es wird sichtbar, dass die Themenfelder Medieninformatik, Mediendidaktik und Medienkompetenz bei weitem nicht ausreichend vorhanden sind, um einen entsprechenden Unterricht flächendeckend anzubieten. Dies stellt auch den grundsätzlichen Leitsatz dieses kurzen Artikels dar: Um gute digitale Lehre umsetzen zu können, ist immer eine ganzheitliche Betrachtung aller Komponenten notwendig – die beste Infrastruktur nützt nichts, wenn man nicht weiß, wie man didaktisch gut den Unterricht damit gestalten kann oder wenn jemand noch so kompetent digitale Werkzeuge einsetzen kann, ist dies nur möglich, wenn auch die Infrastruktur passt. Das ist be- Quasi über Nacht hielt die Digitalisierung Einzug in die Bildungsinstitutionen – sowohl bei der formalen als auch bei der non-formalen Bildung gibt es diesbezüglich noch einiges zu tun liebig austauschbar und führt dazu, dass eine zunehmende Verwendung digitaler Technologien einfach Zeit braucht, um alle Einflussfaktoren entsprechend zu bedienen. Digital ersetzt nicht analog Eines der Hauptargumente gegen die Digitalisierung des Unterrichts ist, dass Technologien niemals die traditionelle, „analoge“ Lehre werden ersetzen können, da der Kontakt mit Lernenden sehr wesentlich im Lernprozess sei. Und ja, das stimmt. Gerade jetzt sehen wir wie wichtig es ist, dass Lernende in Gruppen gemeinsam mit Lehrpersonen Dinge erarbeiten. Aber, ich behaupte gerne unentwegt an dieser Stelle, dass es uns Expert(inn)en niemals darum ging, etwas zu ersetzen. Wir woll(t)en digitale Technologien immer dazu verwenden, um den bisherigen Unterricht bestmöglich zu unterstützen, neue innovative Formate einzuführen oder schlicht und einfach zu helfen, Lernprobleme einfacher oder anschaulicher darzustellen. Es geht also primär um die Unterstützung durch Technologien genau dort, wo sie Vorteile bieten, die mit herkömmlichen Medien nicht abdeckbar sind. Daher stellt sich die Frage, wo liegen denn die Vorteile digitaler Technologien. Dazu kann man primär drei Bereiche erwähnen: 1. Flexibilität: Mit digitalen Technologien ist es leichter möglich, flexibler zu werden und zwar in Hinblick auf den Lernort und auf die Lernzeit. Gerade inmitten der COVID-19-Krise zeigt sich genau dies: Es ist nicht möglich, den Präsenzunterricht zu besuchen. Mit digitalen Technologien können wir uns trotzdem weiterhin austauschen und miteinander kommunizieren. Sobald die Notwendigkeit von zeitlichen Unterschieden oder räumlichen Trennungen vorliegt, scheinen Technologien unterstützen zu können. 2. Kollaboration: Digitale Technologien ermöglichen über Geräte hinweg Zusammenarbeit – in vielfältigster Form. So können Texte gemeinsam geschrieben werden, Whiteboards gemeinsam erstellt und in Gruppenchats schnell gemeinsam Gedanken, Dokumente, Videos getauscht werden. Eine Möglichkeit, die uns vor 20 Jahren einfach nicht zur Verfügung stand. 3. Anschaulichkeit: Digitale Technologien haben den Vorteil, dass man durch entsprechende multimediale Umsetzungen Lernprobleme vielleicht anschaulicher darstellen kann. Durch Videos oder Visualisierungen ist es heute möglich, Zusammenhänge zu visualisieren. Haben wir vor vielen Jahren versucht, textuell Abläufe zu beschreiben, kann dies durchaus heute durch eine kurze Videosequenz verständlicher gemacht werden. Zukunft von digitalen Lehren Wenn man nun konsequent weiterdenkt und vor allem hinnimmt, dass digitale Technologien integraler Bestandteil auch im Bereich der Bildung sind, scheint klar, dass jeder neue Technologiesprung in irgendeiner Weise Berücksichtigung finden wird. So sehen wir heute z. B., dass virtuelle Realitäten vermehrt Einsatz finden. In Folge werden dafür auch Beispiele in den Unterricht Einzug finden. Wichtig erscheint aber zu betonen, dass vorrangig die optimale Ergänzung steht und daher sich zukünftig hybride Formen und hybride didaktische Konzepte durchsetzen werden. Es geht schlichtweg um den optimalen Mix zwischen Präsenzunterricht und Online-Sequenzen. Didaktische Innovationen wie Flipped Classroom und Inverse Blended Learning beschreiben heute die Wege, Für Jugendliche gehört der Einsatz digitaler Arbeitsmittel längst zum Alltag die wir in einigen Jahren vermehrt beobachten werden können. Wir werden dort Videokonferenzen einsetzen, wo es die Distanz oder die Zeit erfordert und Videos erstellen, wo ein reiner Frontalunterricht wenig Sinn bietet. Umgekehrt werden wir vor Ort den Diskurs forcieren und gemeinsam aktiv Lernprobleme lösen. Es geht also nicht darum, dass wir digitale Technologien zwanghaft in die Lehre bringen, sondern dass Digitalisierung als völlig normal am Bildungssektor angesehen wird und selbstverständlich zum Einsatz kommt. Kontakt: Dr. Martin Ebner TU Graz, Lehr- und Lerntechnologien martin.ebner@tugraz.at IJAB journal 1/20 13 Im Fokus: Fachkräftequalifizierung für die Internationale Jugendarbeit Lessons learnt: Wie digitale Fachkräfte­ qualifizierung mit „MOOCs“ gelingt „Massive Open Online Course“ – kurz MOOC – bedeutet frei übersetzt „riesiger offener Onlinekurs“. Auch vor COVID-19 hat dieser digitale Ansatz bereits Einzug in die non-formale Bildung gehalten. Hinter dem sperrigen Begriff verbirgt sich die Idee, Qualifizierungsangebote niedrigschwellig für eine große Anzahl von Interessierten zu öffnen und damit Bildung stärker zu demokratisieren und zu globalisieren. IJAB legt jetzt die Auswertung eines Pilot-MOOCs zur Internationalen Jugendarbeit vor. Ulrike Werner D as MOOC-Konzept stammt aus Kanada und den USA und wurde ab 2013 in Deutschland langsam bekannter. Zentrale Anlaufstelle der Kurse ist ein virtueller Raum auf einer Lernplattform im Internet. Gegliedert in Wochen bzw. Module finden sich typischerweise kurze Lernvideos, Links und Materialien sowie ein Forum zum Austausch unter den Teilnehmenden und mit den Lehrenden. Zusätzlich kann es ein Quiz zur Zusammenfassung und Überprüfung des Gelernten, ein begleitendes Arbeitsheft und praktische Aufgaben geben. Die Teilnehmendenzahlen sind in der Regel hoch, da auf Zulassungsbeschränkungen verzichtet wird und die Kurse kostenlos angeboten werden. Ergänzendes Qualifizierungsformat Inzwischen werden MOOCs immer häufiger in der non-formalen Bildung genutzt und sind für Qualifizierungen von Fachkräften eine interessante Ergänzung bestehender Formate. Für Einsteiger/- innen in die Internationale Jugendarbeit hat IJAB im letzten Jahr den sechswöchigen Pilot-MOOC „Internationale Begegnungen organisieren“ durchgeführt und durch eine Befragung ausgewertet. Vorausgegangen waren mehrjährige, trägerübergreifende Überlegungen und Diskussionen. Aktuell steht der MOOC als Selbstlernangebot zur Verfügung und wird auf Grundlage der Rückmeldungen weiterentwickelt. Über 200 Teilnehmende haben sich mittlerweile für diesen MOOC eingeschrieben. Die meisten Anmeldungen kamen aus Deutschland, viele aber auch aus Russland und der Ukraine, andere aus Tschechien, Algerien, Griechenland, Schweiz, Österreich, Nord-Mazedonien, Kirgistan, Belarus, Israel und Brasilien. Diese – für einen deutschsprachigen MOOC – überraschende Tatsache macht den großen Vorteil deutlich: die Unabhängigkeit von Ort und Zeit. In der abschließenden Befragung bewerteten die Teilnehmenden dann auch als positiv, dass verschiedene Lernorte möglich waren, zeitlich flexibel im eigenen Tempo und ohne Zeitdruck gelernt werden konnte. Als positiv wurde auch hervorgehoben, dass der Lehrstoff „portionsweise“ dargeboten wurde und dadurch die Auseinandersetzung mit dem Stoff intensiver war. Außerdem sei man so angehalten gewesen, kontinuierlich einen „weiteren Teil abzuarbeiten“. Die Klickzahlen der Videos, die absolvierten Quizaufgaben und die Beiträge im Forum zeigten, dass gezielt die Elemente genutzt wurden, die den eigenen Interessen, Bedarfen und Lernstilen entsprechen – ein weiterer Vorteil des Online-Lernens. Die Teilnahme kann individuell nach den eigenen Wünschen und dem eigenen Wissensstand gestaltet werden: inhaltlich durch die Auswahl der entsprechenden Themen und vertiefenden Materialien. Aber auch metho- Mit Kuh illustriert, klingt ein MOOC zwar wie ein Rind, hat aber ansonsten rein gar nichts damit zu tun 14 IJAB journal 1/20 Screenshot des PilotMOOCs „Internationale Begegnungen organisieren“ – Ulrike Werner und Kerstin Giebel (IJAB) führen durch den Online-Kurs disch durch eine Nutzung der Videos, der Texte, des interaktiven Austauschs oder der spielerischen Quizaufgaben. Je nach Lerntyp können die Schwerpunkte verschieden gesetzt werden. Trotzdem gab es klare Favoriten in der Einschätzung der verschiedenen MOOCElemente: Die Links und die Materialliste waren für 96,16% der Befragten „hilfreich“ oder „ganz besonders hilfreich“, die Videos für 76,93%, das Arbeitsheft für 60% und die Quizfragen für 57,69%. Als weniger hilfreich wurden die Aufgaben und das Forum angesehen. Bezüglich der verschiedenen Lernstile waren auch andere Rückmeldungen interessant. Wichtige Aspekte wurden in den Videos durch schriftliche Einblendungen hervorgehoben. Dies wurde von mehreren Befragten als sehr positiv benannt, einige hätten sogar gerne noch mehr Einblendungen gehabt. Andere wünschen sich Skripte als Alternative zu den Videos. Außerdem wird geschätzt, dass es möglich ist, selbständig zu arbeiten, bei Bedürfnis aber auch Kontakt aufzunehmen. Die spielerischen Elemente der MOOCs passen sehr gut zum non-formalen Charakter der Internationalen Jugendarbeit. Jedes Modul wird mit einem Quiz abgeschlossen, das mit verschiedenen Aufgaben und „Spielen“ die wichtigsten Aspekte wiederholt. Bei einem erfolgreichen Abschluss wird ein „Badge“, ein buntes virtuelles Abzeichen verliehen. Die Befragung bestätigte, dass die Quizaufgaben „die Menge an Informationen gut aufgelockert“ haben. Ein genereller Kritikpunkt am Format MOOC bezieht sich auf den oft hohen „Drop-out“ und die geringe Absolvent(inn)enrate. Nach Erwerb aller Abzeichen kann auch bei diesem MOOC ein Kurs-Zertifikat heruntergeladen werden. Dies wird nur von einem Teil der Lernenden in Anspruch genommen. Vielen Teilnehmenden geht es allerdings in erster Linie darum, gezielt Wissen zu erwerben. Daher bestätigt diese Beobachtung eher die oben beschriebene individuelle Nutzung, als dass sie negativ zu bewerten wäre. Einen eigenen MOOC gestalten Das klingt alles ganz positiv, aber welche Herausforderungen stellen sich bei der Umsetzung eines eigenen MOOCs? Wichtig ist eine gute Konzeption. Der didaktische Aufbau sollte klar und gut nachvollziehbar sein und sich auf die wichtigsten Kernaspekte konzentrieren. Hier unterscheiden sich MOOCs im Grunde genommen kaum von PräsenzQualifizierungen. Anders ist nur, dass die Themen in den Videos besonders prägnant und kurz vermittelt werden sollten. Außerdem müssen zusätzliche Elemente Fachkräftequalifizierung bei IJAB wie die Quizaufgaben mitbedacht und entwickelt werden. Für viele herausfordernder, da normalerweise nicht zu den alltäglichen Aufgaben gehörend, dürfte der zweite entscheidende Aspekt sein: die technische Umsetzung. Dies umfasst die Produktion der Videos aber auch das Einstellen der verschiedenen Inhalte auf der gewählten Lernplattform. Hier empfiehlt es sich, externe Unterstützung von erfahrenen Fachleuten in Anspruch zu nehmen. Eine besondere Herausforderung ist das Schaffen einer guten Interaktion im Forum. Das Peer-Learning, der Austausch der Teilnehmenden untereinander, das Weitergeben guter Tipps oder auch das Teilen und Überwinden von Befürchtungen sind ein wichtiger Bestandteil von Qualifizierungen. In einem virtuellen Kurs kann dies nur ungleich schwerer ermöglicht werden. Daher kann die Begleitung durch die MOOC-Verantwortlichen gar nicht intensiv genug sein: als Ansprechpartner/-in bei Unklarheiten, aber auch zum Initiieren und Aufrechterhalten von Diskussionen im Forum. Dafür sollten von Anfang an entsprechende Ressourcen eingeplant werden. Kontakt: Ulrike Werner IJAB, Referentin Qualifizierung und Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit werner@ijab.de IJAB bietet Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe Qualifizierungsmöglichkeiten zu Themen der Internationalen Jugendarbeit an. Die Palette reicht von internationalen Fachkräfteprogrammen über Seminare, Trainings, Coachings bis hin zu Onlineangeboten wie MOOCs. Aktuelle Ausschreibungen und Termine finden Sie auf www.ijab.de und im IJAB-Newsletter. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an info@ijab.de IJAB journal 1/20 15 Im Fokus: Fachkräftequalifizierung für die Internationale Jugendarbeit Mit Herzblut: Ausbildung für die Mobilitätsberatung INTERVIEW MIT KARL LUSTER-HAGGENEY Als Eurodesk-Partner in Hamm haben er und seine Kollegin Sabine Breforth jahrelang Jugendliche über mögliche Wege ins Ausland beraten, nun baut er die Mobilitätsberatung in Werne auf: Wir haben Karl Luster-Haggeney um Einblick in den Alltag einer Eurodesk-Dezentrale gebeten und wollten mehr über seinen Weg in die Mobilitätsberatung erfahren. IJAB: Herr Luster-Haggeney, wie wird man denn ein Eurodesk-Servicebüro? Karl Luster-Haggeney, Jugendhilfe Werne/ Jugendzentrum JuWel Sozialpädagoge Offene Kinder- und Jugendarbeit cultures-communication@hotmail.de Luster-Haggeney: Ich denke, da geht jede Einrichtung ihren eigenen Weg. In unserem Fall war es so, dass wir schon viele Jahre Spaß an allem Interkulturellem wie auch an internationalen Begegnungen hatten. Wir hatten Austauschpartner in Europa, dem Nahen Osten, den USA und China und haben jedes Jahr mindestens ein oder zwei Jugendbegegnungen durchgeführt. Die Leiterin des Nachbarjugendzentrums hatte Kontakt zu einer Eurodesk-Mitarbeiterin und irgendwann war klar, dass wir für unsere Stadt Hamm ein EurodeskServicebüro mit Standorten in unseren beiden Jugendzentren einrichten wollten. So würden wir noch viel mehr Jugendliche informieren und dabei unterstützen können, angesichts der Vielfalt möglicher internationaler Erfahrungen das „richtige“ Format finden zu können. Da es in Nordrhein-Westfalen zu diesem Zeitpunkt erst vier Beratungsstellen gab und unser Einzugsbereich noch nicht abgedeckt war, durften wir diese Lücke schließen. Nach einer EurodeskBerater(innen)ausbildung eröffneten wir dann mit drei Berater(inne)n das Service­ büro. IJAB: Das war in Hamm. Mittlerweile sind Sie daran, in Werne die Mobilitätsberatung aufzubauen. Die Mobilitäts­ lots(inn)enschulung wurde aufgrund der derzeitigen Situation erstmals virtuell durchgeführt. Wie lief die Qualifizierung ab und was war Ihr Eindruck? 16 IJAB journal 1/20 1/18 Luster-Haggeney: Wir haben uns in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Werne überlegt, wie wir trotz der Corona-Situation mit unserer Arbeit einen Mehrwert für die Jugendlichen in Werne schaffen könnten. Ihnen – nach Corona – vor Ort über ein Netzwerk von Mobilitätslots(inn)en qualifiziert zu Auslandserfahrungen verhelfen zu können war ein Punkt und so fragten wir bei Eurodesk nach einer entsprechenden Onlineschulung. Robert Helm-Pleuger vom IJAB-Eurodeskteam Deutschland sagte spontan zu, für uns als Pilotprojekt eine Onlineschulung zu entwickeln. Bereits vier Tage später ging es los. Wir trafen uns über Zoom und nach etwas zähem Beginn wurde die Schulung Stück für Stück interaktiver und machte uns am Ende viel Spaß. Mein Eindruck war, dass disziplinierter gearbeitet und gelernt werden kann, weil man sich zwangsläufig auf das jeweils Gesagte konzentriert. Und wenn man parallel Pizza backen oder an einem Holzregal bauen kann, stört das niemanden, solange man nicht vergisst, nach eigenen Wortbeiträgen das Mikro wieder abzustellen. Was mir gefehlt hat, ist der persönliche Kontakt und hier vor allem das gemeinsam Pause machen. IJAB: Sie haben ja bereits viel Beratungserfahrung gesammelt. Wie sieht der Alltag eines Eurodesk-Servicebüros normalerweise aus? Luster-Haggeney: Auch hier setzt jedes Servicebüro eigene Schwerpunkte. In Hamm gab es vier. Zum einen war Ein Auslandsaufenthalt ist für Jugendliche eine prägende Erfahrung. Da lohnt es sich, für die Beratung auch mal „Extrameilen“ zu gehen es die Beratung junger Menschen und – meistens mindestens genauso wichtig – ihrer besorgten Eltern. Zum anderen erhielten wir Anfragen von Schulen und Jobcentern, die Informationsveranstaltungen für die Zeit nach dem Schulabschluss ausrichteten und ihren Schüler(inne)n den Wert einer internationalen Erfahrung vermitteln wollten. Dabei haben uns nach Möglichkeit ehemalige Teilnehmer/-innen unserer Jugendbegegnungen unterstützt, besonders solche, die inzwischen selbst einen Freiwilligendienst im Ausland oder einen Au-pair-Dienst gemacht hatten und entsprechend lebendig berichten konnten. Seltener waren wir auf Ausbildungsmessen mit einem Stand vertreten. Jeder Außenauftritt hatte in der Regel eine gesteigerte Nachfrage nach Einzelberatung zur Folge. Schließlich haben wir versucht, ein Netzwerk von Eurodesk-Mobilitätslots(inn)en und -Infopunkten in unserer Stadt aufzubauen. Dazu hat Eurodesk in unserem Jugendzentrum eine Mobilitätslots(inn)enschulung durchgeführt. Leider fehlten uns im Anschluss daran die Kapazitäten, mit den ausgebildeten Mobilitätslots(inn)en in regelmäßigem Kontakt zu bleiben und das Beratungsangebot für unsere Stadt weiterzuentwickeln. Dies war auch über all die Jahre eine ständige Herausforderung, dass wir eine uns ausfüllende Haupttätigkeit als Sozialarbeiter/-innen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit internationalem Schwerpunkt hatten und zusätzlich gern als „gutes“ Servicebüro dem vorhandenen Informations- und Beratungsbedarf der Jugendlichen, Eltern und Institutionen gerecht werden wollten. Das Verständnis für diese im Arbeitsalltag nicht selten belastende Situation beim Eurodesk-Team in Bonn und die gewährte Freiheit bei der konkreten Ausgestaltung unserer Arbeit war in all den Jahren wohltuend. Es ging immer um die Sache, an der mit Kreativität und viel Spaß gearbeitet werden durfte. Nicht einmal ging es darum, ein Konzept ohne Rücksicht auf Verluste abzuarbeiten. Das war aus meiner Sicht entscheidend dafür, dass unsere Arbeit tatsächlich nachhaltig wirksam war und wir über die Jahre viele Jugendliche erleben konnten, die aufgrund ihrer Erfahrungen im Ausland persönlich gewachsen sind und nicht selten gänzlich neue Perspektiven für ihr weiteres Leben entwickelt und verwirklicht haben. Genau das war immer wieder eine sehr schöne Erfahrung und hat uns oft motiviert, trotz begrenzter Kapazitäten Extrameilen zu gehen. IJAB: Mit der Corona-Pandemie erleben wir seit einigen Monaten eine Ausnahmesituation. Naturgemäß ist davon auch die Beratung zu Auslandsaufenthalten betroffen. Vor welchen Herausforderungen stehen die Mobilitätsberater/-innen derzeit? terschiedlichem Ausmaß betreffen. Gerade werden sie schrittweise gelockert bzw. sogar aufgehoben, so dass ich hier im Moment keine Schwierigkeiten sehe. Eine konkrete Beratung auch online durchzuführen wäre für uns in Werne und wohl auch für die meisten Jugendlichen und Eltern inzwischen kein Problem. Wie erfolgreich wir auf diesem Wege nicht nur informieren, sondern auch motivieren können, kann ich noch nicht sagen. Gar nicht abschätzen kann ich, für wieviele Jugendliche und vor allem Eltern ein längerer Auslandsaufenthalt und damit gegebenenfalls auch eine Beratung überhaupt in Frage kommt, weil niemandem klar ist, wie sich die Situation entwickelt. Solange es keine wirksame Behandlung oder Impfung gegen das Virus gibt, werden wir als Mobilitätslots(inn)en wohl nicht viel zu beraten haben. Danach dann im Bereich der Motivation vermutlich umso mehr. IJAB: Dafür wünschen wir Ihnen natürlich viel Erfolg und danken für das Gespräch! Das Gespräch führte Stephanie Bindzus Luster-Haggeney: Die Größe der Herausforderung hängt von den aktuell gültigen Einschränkungen ab, die die verschiedenen Formen der Beratung (Einzelberatung, Vortrag, Messe) in un- IJAB journal 1/20 17 Im Fokus:xx Bühne frei für SALTO! Wie werden die Erfahrungen, die Prozesse und die Ergebnisse des Lernens im Rahmen von Jugend­ arbeit anerkannt? Wie kann diese Dimension der eigenen Arbeit gestärkt werden? Kristiina Pernits und Gisele Evrard Markovic stellen die vielfältigen Angebote des SALTO Resource Centre for Training and Cooperation vor. Kristiina Pernits und Gisele Evrard Markovic S ALTO-YOUTH ist ein europäisches Netzwerk bestehend aus sieben Ressourcenzentren, die bei bestimmten Nationalen Agenturen der EU-Jugendprogramme Erasmus+ und Europäisches Solidaritätskorps angesiedelt sind. Sie unterstützen alle Nationalen Agenturen, die Europäische Kommission und andere Akteure, die bei der Entwicklung und Umsetzung von Aktivitäten, Projekten und Strategien im Jugendbereich eine Rolle spielen. „SALTO Training and Cooperation“ ist bei JUGEND für Europa, der deutschen Nationalen Agentur für die Jugendprogramme der EU, angesiedelt. In ganz Europa fördern wir die Qualitätsent- 18 IJAB journal 1/20 wicklung bei der Umsetzung von Trainingsstrategien und -Aktivitäten im Jugendbereich sowie die Anerkennung des nicht-formalen und informellen Lernens in der Jugendarbeit. Anerkennung des Lernens in der Jugendarbeit Im Rahmen der EU-Jugendprogramme erfolgt diese Anerkennung meistens über den Youthpass – ein Verfahren mit Zertifikat zur Identifizierung und Dokumentation von Lernerfahrungen im Rahmen von Projekten. Das YouthpassVerfahren stellt Reflexionsfähigkeit und die „Lernen zu lernen“-Kompetenz in den Mittelpunkt – das sind Kompetenzen, die lebenslanges Lernen und die Entwicklung weiterer Fähigkeiten begünstigen. SALTO Training und Kooperation übernimmt im Auftrag der Europäischen Kommission die Entwicklung und Umsetzung des Youthpass und unterstützt seine Nutzer/-innen. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit besteht in der allgemeinen Bewusstseinsbildung über das Lernen in der Jugendarbeit und in der pädagogischen Unterstützung von Personen und Organisationen, die in der Jugendarbeit tätig sind, um diesen Wert zu stärken und zu schützen. Durch die Überarbeitung der YouthpassStrategie, die voraussichtlich im Laufe dieses Jahres abgeschlossen wird, soll die persönliche Bewusstseinsbildung in Die Europäische Trainingsstrategie Unter der Koordination von SALTO Training und Kooperation stellt die ETS ein strategisches Rahmenwerk für Innovation, Qualität und Anerkennung dar, umgesetzt durch einen koordinierten Ansatz zur Aus- und Weiterbildung von Jugendarbeiter(inne)n. Mithilfe der Strategie sollen Systeme gefördert werden, die sich auf den Kompetenzerwerb der Beteiligten konzentrieren. So sollen Synergien geschaffen und Anknüpfungspunkte sowie koordinierte Unterstützungsmechanismen zwischen den verschiedenen Bereichen der Strategie gewährleistet werden. Bezug auf die eigenen Lernerfahrungen noch weiter gestärkt werden. Darüber hinaus halten wir es für notwendig, Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Initiativen in diesem Bereich zu erörtern. Auf der Youthpass-Website werden interessante Trainings-Angebote zur Anerkennung von Lernerfahrungen in der Jugendarbeit im weiteren Sinne vorgestellt. Für alle, die gerne mehr darüber erfahren möchten, sind auch unsere Handbücher und anderen Veröffentlichungen von Interesse: Dort wird nicht nur der Youthpass erklärt, sondern auch reflektiert, was und wie Jugendliche in der Jugendarbeit lernen und wie ein Umfeld geschaffen werden kann, das dieses Lernen begünstigt. YOCOMO: Schwerpunkt auf Kompetenzen YOCOMO wurde 2016 im Rahmen der Europäischen Trainingsstrategie (ETS) ins Leben gerufen und besteht aus einem Kompetenzmodell für Fachkräfte der Internationalen Jugendarbeit, einer Reihe aufenthaltsgebundener und Online-Trainingskurse für Jugendarbeiter/innen sowie aus einem Online-Tool zur Selbsteinschätzung. Das ETS-Kompetenzmodell für Fachkräfte der Internationalen Jugendarbeit Dieses Modell richtet sich an Jugend­ arbeiter/-innen, die Teil von internatio­ nalen Lernmobilitätsprojekten waren, Lehrkräfte, Trainer/-innen, die internationale Mobilitätsprojekte organisieren, sowie Organisationen und Institutionen, die Trainingsstrategien für Fachkräfte der Jugendarbeit entwickeln. Es umfasst vier Dimensionen: Haltungen, Wissen, Fertigkeiten und Verhalten, und hat acht Kompetenzbereiche. Das Modell wird gegenwärtig erweitert, um zusätzliche Dimensionen einzuschließen hinsichtlich Solidarität, zivilgesellschaftlichem Engagement Jugendlicher und der digitalen Dimension der Kompetenzen von Jugendarbeiter/-innen. Das Kompetenzmodell zum Erleben – Präsenztrainings und Konsolidierungsseminare Die YOCOMO-Pilottrainings wurden zwischen 2018 und 2020 umgesetzt. Sie werden basierend auf dem Kompetenzmodell für Fachkräfte der Jugendarbeit evaluiert, um Schwerpunkte, Strukturen und Inhalte anzupassen. Jeder dieser Kurse widmet sich einem speziellen Thema rund um das Kompetenzmodell: dem kompetenzbasierten Ansatz, Haltungen und Verhalten sowie der systemischen Kompetenzentwicklung. ihrem eigenen Tempo absolvieren können. Die Teilnehmer/-innen lernen mithilfe von animierten Videos, Video-Interviews und weiteren Materialien. Der erste Kurs, der seit Anfang März 2020 angeboten wird, behandelt den kompetenzbasierten Ansatz. Zwei weitere Themengebiete werden zurzeit entwickelt. Das YOCOMO Online-Tool zur Selbsteinschätzung Ebenfalls basierend auf dem ETSKompetenzmodell für Fachkräfte der Jugendarbeit bietet dieses Instrument Fachkräften die Möglichkeit zu reflektieren, welche Kompetenzen sie bereits beherrschen und welche sie noch benötigen oder gerne erwerben beziehungsweise weiter ausbauen würden. Als dieser Artikel verfasst wurde, stand das Selbsteinschätzungs-Tool nach meh­reren Beratungsrunden und Testläufen kurz vor der Fertigstellung. Interesse geweckt? Vielleicht selbst einen Akrobatik-Akt wagen? >>SALTO Resource Centre for Training and Cooperation: https://www.salto-youth.net/­rc/ training-and-cooperation/ >>Youthpass: https://www.youthpass.eu/en/ >>ETS-Kompetenzmodell für Fachkräfte der Internationalen Jugendarbeit: https://bit.ly/3gkfcnb Kontakt: SALTO Resource Centre for Training and Cooperation, JUGEND für Europa Ansprechpartnerin für den Youthpass: Kristiina Pernits kristiina@salto-youth.net Ansprechpartnerin für die Europäische Trainingsstrategie und YOCOMO: Gisele Evrard Markovic gisele@salto-youth.net YOCOMO digital – Online-Weiter­ bildung für Fachkräfte in der Jugendarbeit Das YOCOMO-Angebot beinhaltet auch Online-Kurse, die die Nutzer/-innen in IJAB journal 1/20 19 Im Fokus:xx Internationale Jugendarbeit Internationale Jugendarbeit trotz(t) Corona Reise- und Kontaktbeschränkungen haben die Internationale Jugendarbeit einer Zerreißprobe ausgesetzt. Ihr Ziel, jungen Menschen ein Aufwachsen als Europäer/-innen und Weltbürger/-innen zu ermöglichen, wird jedoch durch die Einschränkungen nur noch dringlicher. Dafür müssen neue Wege erkundet werden, denn ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht. Zugleich muss der Erhalt der Trägerstrukturen gewährleistet werden – denn ohne Träger gibt es keinen Austausch. Die Krise bietet auch Chancen Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die Träger der Internationalen Jugendarbeit? Welche Unterstützung brauchen sie und was kann IJAB dazu beitragen? Christian Herrmann I nternationale Jugendarbeit beruht auf zwei Kernpunkten: Junge Menschen begegnen sich und sind dabei international mobil. Beide Aspekte sind durch die Corona-Pandemie hart betroffen. Gesundheitsrisiken, social distancing, Quarantänemaßnahmen und Reisebeschränkungen erschweren den internationalen Austausch, wie er jahrzehntelang selbstverständlich war und einen wichtigen Beitrag zum Aufwachsen junger Menschen als Europäer/-innen und Weltbürger/-innen geleistet hat. Wie lange die Pandemie andauern wird, ist ungewiss. Zwar wurden einzelne Beschränkungen in EU-Europa inzwischen gelockert, aber wichtige Partnerländer befinden sich bereits in einer zweiten Corona-Welle und der globale Süden steuert erst auf den Höhepunkt der Fallzahlen zu. IJAB, als Fachorganisation, deren Mitglieder die Träger Internationaler Jugendarbeit sind, steht dabei in einer besonderen Verantwortung. IJAB begann daher frühzeitig, alle für das Arbeitsfeld relevanten Informationen – seien es Rei- 20 IJAB journal 1/20 sewarnungen, Förderinformationen oder Stellungnahmen von Verbänden und Institutionen – zusammenzutragen und verfügbar zu machen. IJAB hat zudem bereits im April mithilfe eines OnlineFragebogens ein Lagebild des Arbeitsfeldes erstellt. Während eines Online-Forums wurden die Ergebnisse präsentiert und von einer großen Teilnehmerzahl diskutiert. „Wir wollten herausfinden, welche Unterstützungsbedarfe es gibt, an welchen Informationen es mangelt und welche politische Forderungen gegebenenfalls erhoben werden müssen“, sagte der IJAB-Vorsitzende Rolf Witte eingangs der Veranstaltung. Die überwiegende Anzahl der befragten Träger gab an, Maßnahmen abgesagt oder verschoben zu haben. Jedoch liefen Angebote im Bereich der Freiwilligendienste, im individuellen Schüleraustausch oder Au-pair teilweise weiter. An dieser Stelle wurde deutlich: Das Spektrum der Träger in der Internationalen Jugendarbeit ist vielfältig und entsprechend unterschiedlich sind die Bedarfe. In der Diskussion wurde auch auf dies hingewiesen: Die Befragung fand in einem Zeitfenster statt, in dem sich die Lage täglich zuspitzte. Es bedarf eines längeren Beobachtungszeitraums und auch der Wiederholung von Befragungen, um die Situation in all ihrer Differenziertheit richtig einschätzen zu können und den sich verändernden Bedingungen anzupassen. Diesem Wunsch kommt IJAB mit einer erneuten Befragung im Juli 2020 nach. Die Ergebnisse werden mit den Trägern und dem Bundesjugendministerium im September 2020 diskutiert werden. Gemeinnützige Organisationen in Bedrängnis Trotz turbulenter Zeiten: Die Unterstützung durch die Fördergeber fiel in der Befragung mehrheitlich positiv aus. Auch in der Diskussion wurde deutlich, dass sich viele Träger in ihren Nöten verstanden fühlen und den Fördergebern ein hohes Maß an Flexibilität und Kreativität attestieren. Es wurde jedoch auch klar, dass Träger unterschiedlich betroffen sind. Denjenigen, deren Förderung in Teilen aus struktureller Unterstüt- zung besteht, fällt es leichter, Ausfälle zu verkraften als denjenigen, die auf die Förderung von Einzelmaßnahmen angewiesen sind. Sie wünschten sich, dass Mittel auch für Personal- und Administrationskosten eingesetzt werden können oder bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau Unterstützung beantragt werden kann. „Unsere Gemeinnützigkeit wird uns gerade zum Verhängnis“, stellte ein Teilnehmer fest, „uns steht kein Rettungsschirm offen“. Entsprechend hielt die Mehrheit der Befragten das Engagement der öffentlichen Hand noch nicht für ausreichend. Diese Lage bessert sich gegenwärtig. Bund und Länder haben mit unterschiedlichen Hilfspaketen beispielsweise auf die kritische Situation von Jugendbildungsstätten und Jugendherbergen reagiert. Bundesregierung und Bundestag benennen die Träger des internationalen Jugendaustauschs ausdrücklich als mögliche Empfänger von nicht rückzahlbaren Zuschüssen. 25 Millionen Euro sollen ihnen zur Verfügung gestellt werden. Wie sich dies in der Praxis bewährt, wird sich zeigen müssen. IJAB und seine Mitgliedsorganisationen beobachten die Entwicklung und betreiben aktive Politikberatung. Die internationalen Kontakte halten Sorgen bereiten vielen Trägern die internationalen Partner im Austausch. Die Mehrheit der Befragten hält den Kontakt zu ihnen aufrecht. Daher wissen sie genau: Vielen Partnern steht das Wasser aufgrund fehlender Mittel bis zum Hals. Es ist ungewiss, wie lange die Partnerstrukturen noch bestehen können. „Wir dürfen jetzt nicht nationalstaatlich denken“, forderte eine Teilnehmerin des Online-Forums, „wir müssen internationale Partnerschaften und Netzwerke stützen“. In Staaten, die eine aktive Jugendpolitik betreiben, sind die Träger des internationalen Austauschs in geringerem Umfang von den Folgen der Coronakrise betroffen. Hart trifft es diejenigen, in denen eine strukturelle Förderung der Jugendarbeit fehlt oder nur unzureichend vorhanden ist. IJAB macht diese Situation mit einer Interviewserie auf ijab.de transparent. In ihr kommen deutsche und internationale Partner zu Wort und beschreiben Auch wenn an Normalität noch nicht zu denken ist – die freigesetzte Kreativität und Solidarität erleichtert einen optimistischeren Blick in die Zukunft die Folgen der Pandemie für ihre internationalen Beziehungen. In der neuen Livestream-Serie „At home around the world“ spricht IJAB regelmäßig live auf Facebook mit Repräsentant(inn)en von Partnerinstitutionen über die Situation in ihrem Heimatland – aber auch über die Perspektiven für die Zeit nach der Pandemie. Auch die von IJAB durchgeführten Fachprogramme und Fachausschüsse mussten abgesagt werden. Die Kontakte mit den internationalen Partnern bestehen jedoch fort und werden auf ijab.de regelmäßig gespiegelt. Für die Teilnehmer/-innen des abgesagten Studienprogramms mit Japan wurde ein Online-Seminar angeboten und ein Reader mit Informationen zu Jugend und Medien in Japan – dem Inhalt des Studienprogramms – erstellt. Kreative Momente Normalität im Jugend- und Fachkräfteaustausch wird es wohl erst dann wieder geben, wenn ein Impfstoff oder ein Medikament gegen das Coronavirus gefunden ist. Bis dahin werden wir mit Einschränkungen leben müssen. Das zwingt alle Beteiligten, Dinge zu überdenken – beispielsweise die Vergabe von Fördermitteln. Der IJAB-Vorsitzende Rolf Witte sagte während des Online-Forums im Mai: „Wir haben ein System, in dem Köpfe und Kilometer gezählt werden – also eine Mobilitätsförderung, die für bestimmte, definierte Formate Fördermittel vergibt“. Was aber, wenn sich Begegnung nicht mehr mit Teilnehmenden und Reisekilometern berechnen lässt und was, wenn wir angesichts der bestehenden Situation über andere Formen der Begegnung nachdenken müssen? Viele Träger haben auf den Ausbruch der Pandemie mit digitalen Mitteln reagiert oder den Wunsch geäußert, dies tun zu wollen. Dies bietet nicht nur eine große Chance für den Durchbruch der Digitalisierung in der Jugendarbeit, es setzt vor allem Kreativität für die Entwicklung neuer Formen der Begegnung und Kommunikation frei, die auch über die Zeit der Pandemie hinaus Bestand haben könnten. IJAB stellt solche kreativen Momente – beispielsweise virtuelle Workcamps – auf ijab.de vor und praktiziert sie auch selbst. Die Konferenz MOVE IT, die IJAB gemeinsam mit JUGEND für Europa und weiteren europäischen Partnern veranstaltete, erreichte mit ihren Livestreams und -Foren Hunderte von Teilnehmer(inne)n und zeigte: Auch Großveranstaltungen sind online möglich und erfolgreich. Viele Organisationen würden selbst gerne mehr digitale Möglichkeiten nutzen – allein, es mangelt ihnen an Erfahrung und Know-how. Sie wünschen sich von IJAB Unterstützung bei der Zuordnung und Anwendung geeigneter Tools und gelungene Praxisbeispiele, deren Adaption erfolgversprechend erscheint. Daran arbeitet IJAB. Kontakt: Christian Herrmann Referent für Öffentlichkeitsarbeit herrmann@ijab.de IJAB journal 1/20 21 Internationale Jugendarbeit trotz(t) Corona Interkulturelles Lernen im Online-Modus Digitale Mobilität – ein Widerspruch in sich, wenn man Mobilität als „Bewegung des Körpers im Raum“ definiert. Wenn wir aber darunter die Digitalisierung der Lernmobilität verstehen, dann bietet sie einige Chancen für die Internationale Jugendarbeit. Besonders in der heutigen Situation. Evaldas Rupkus ist Ideen, Fragen und Angeboten für die digitale Umstellung unserer Arbeit nachgegangen. Evaldas Rupkus I nternationale Jugendarbeit ist besonders betroffen durch die Schließung der Grenzen und Kontaktverbote. Workcamps werden abgesagt, Freiwillige oder Austauschschüler/-innen kommen vorzeitig zurück, Jugendbegegnungen sind verschoben. Viele von uns haben Existenzängste, jahrzehntelang funktionierende Geschäftsmodelle stehen vor dem Aus. Man fragt sich gar, ob eine Rückkehr zur „Normalität“ noch möglich ist. Der Zukunftsforscher Matthias Horx beantwortet diese Frage mit einem klaren „Nein“. Der Gründer des Zukunftsinstituts meint, dass nach einer solchen „Tiefenkrise“ die Zukunft ihre Richtung ändere. Diesen Punkt sollten wir auch für die Internationale Jugendarbeit aufgreifen. Auch wir müssen uns anpassen, Existierendes überdenken, gegebenenfalls Nichtfunktionierendes aufgeben und neu anfangen. Zurück zum Kernziel Bevor wir anfangen, an die digitalen Alternativen zu denken, sollten wir uns auf den Kern der Sache besinnen. Warum wollen junge Leute z. B. ein Austauschjahr machen? Welche Werte vermittelt Internationale Jugendarbeit? Was macht uns aus? Wir werden merken, dass die heute vorhandene Technologie uns nur bedingt unterstützen kann. Interkulturelles Lernen, eine Fremdsprache beherrschen, die eigene Persönlichkeit durch Erfahrung und Kontakt zu anderen Kulturen weiterentwickeln, eine zweite Familie finden und ein Stück des Gastlandes für den Rest des Lebens mitnehmen – das war mein Austauschjahr als Schüler. Wir bemerken jedoch, nur weniges davon ist im virtuellen Raum möglich. Und das ist gut so. Die Internationale Jugendarbeit bietet viel mehr als eine App zum Sprachenlernen oder ein interkultureller Chat. Bitte auch digital, aber nicht 1:1 Diese Zeit fordert uns auf und zeigt, dass digitales Arbeiten kein „Nice to have“, sondern ein „Muss ist. Sie führt zum Ende der Ausreden, warum man keine digitalen Werkzeuge verwenden sollte. Jetzt fragt man eher: Digitalisierung ja, aber wie? Um diese Frage zu beantworten ist es hilfreich, immer zuerst unser Ziel und unsere Motivation in den Blick zu nehmen. Denn es stehen viele digitale Werkzeuge zur Auswahl, daher sollten wir immer vom Ziel und nicht vom Tool denken. Wenn wir uns im Klaren sind, was wir brauchen, werden wir fündig. Vielen ist klargeworden, dass nicht alles in die Online-Umgebung übertragbar ist. Analoge Formate lassen sich nicht 1:1 in die digitale Welt übertragen 22 IJAB journal 1/20 2/18 1/18 Wir können aber bestimmt mehr, als wir denken. Es gibt jede Menge Tools, die zum kollaborativen Arbeiten genutzt werden können. Besonders in der Planung, Koordinierung und dem Austausch mit internationalen Partnern kann man neben Mails, Telefon- und Videokonferenzen auch anders auf kürzeren Wegen kommunizieren und gemeinsam online arbeiten. Ein Vorbereitungstreffen für einen Fachkräfteaustausch zum Beispiel könnte auch ganz virtuell ablaufen. Warum also nicht darauf umstellen? Mehr als eine Videoschalte E-Learning ist jetzt in aller Munde, man kann sich kaum noch gegen die Fülle von Web-Seminaren, MOOCs und dergleichen wehren. Man sieht das Fernlernen plötzlich als das Allheilmittel und das Symbol der Digitalisierung schlechthin. Lernen allein am Rechner ist aber anders als inmitten einer physisch anwesenden Seminargruppe. Hier ist Kreativität gefragt. Eine Online-Session muss nicht mit einer PowerPoint-Präsentation (bitte dann zumindest Prezi) beginnen und einer nicht enden wollenden Frage-Antwort-Runde abschließen. Wie wäre es denn mit einem Check-in (z. B. Was war dein erstes Geräusch des Tages?) zum Start, Energizer (endlich mal aufstehen!) und visuellem Feedback (die berühmten Fünf-Finger- oder Daumen-hoch/runterEvaluationsmethoden)? Doch Digitalisierung macht nicht beim interaktiven E-Learning Halt. Kolleg(inn)en vom Erasmus+ Virtual Exchange haben etliche Moderator(inn)en ausgebildet und virtuellen Austausch mit schon über 20.000 jungen Leuten aus Europa, Nordafrika und Nahost durchgeführt. Man trifft sich online in einer überschaubaren internationalen Gruppe, wo zu einem Thema, wie Bekämpfung der Hassrede, Diskriminierung, Frieden oder Sicherheit diskutiert wird. Darüber hinaus findet Gruppenarbeit statt: Alle haben Zugang zu einem geschlossenen sozialen Netz, wo man sich zwischen den Terminen auch allgemein austauschen kann. Noch mehr Struktur und Lerneffekt verspricht das IOOC – Interactive Open Online Course, wo zu den virtuellen Gruppentreffen auch ein Expert(inn)en-Input zu einem bestimmten Thema gegeben wird. Man kann diese Formate einfach in das eigene Angebot übernehmen oder auch ein für die Organisation zugeschnittenes TEP (Transnational Virtual Exchange Project) erstellen. Das Projektkonsortium „Erasmus+ Virtual Exchange“ bietet Fortbildungen und Tools, viele auch in nächster Zeit und kostenfrei. Die Situation der Zielgruppe im Fokus Bei der Umstellung auf digitale Ansätze sollten wir als Erstes an die Teilnehmenden denken. Besonders Familien mit Kindern, die nicht regelmäßig zur Schule gehen können, sind schnell überfordert. Aber auch ein Jugendlicher aus einer großen Familie mit wenig privatem Raum wird Schwierigkeiten haben, in Ruhe einem Online-Angebot zu folgen. Nicht selten kommt es vor, dass es an digitalen Geräten mangelt, wenn gleichzeitig auch Kinder einen Rechner für den Fernunterricht brauchen. Da lohnt es sich zu überprüfen, ob das geplante Tool auch leicht von einem Smartphone zu bedienen ist. Bei der inhaltlichen Gestaltung sollte man sehr genau auf die Zeit achten und sich fragen, welche Angebote auch ohne gleichzeitige Online-Anwesenheit funktionieren. Wenn wir mit Teilnehmenden aus anderen Ländern arbeiten, sollten wir uns auf noch verschärftere Situationen einstellen. Haben die Teilnehmenden überhaupt genug Strom für die Geräte und eine stabile Internetverbindung? Was geht ohne Video, um Daten zu sparen und Netze nicht zu überlasten? Häufig unterschätzt man auch die Unterschiede in digitaler Kompetenz. Kolleg(inn)en sollten hier von uns unterstützt werden oder sich gar fortbilden lassen. Wirtschaftliche Krisen hatten immer Folgen für Jugendarbeit und junge Menschen Mittelfristig haben wir zwei größere Herausforderungen vor uns. Zum einen können wir davon ausgehen, dass eine wirtschaftliche Krise bevorsteht. Reichere Länder können sich erlauben, viele Mittel zur Unterstützung ihrer Wirtschaft auszugeben. Das Geld wird aber erfahrungsgemäß irgendwann zurückgefordert, um die leere Staatskasse wieder zu füllen – sprich Sparmaßnahmen. Diese haben nach der letzten Krise auch direkt die Jugendarbeit betroffen, besonders im Osten und Süden Europas. In manchen EU-Ländern war Erasmus+ die einzige Finanzierungsmöglichkeit, weil alle nationalen und lokalen Programme gestrichen wurden. Das bedeutet, vielen unserer Partner wird möglicherweise noch längere Zeit wenig öffentliche Finanzierung zur Verfügung stehen. Internationaler Austausch braucht mindestens zwei IJAB journal 1/20 23 Internationale Jugendarbeit trotz(t) Corona Akteure, heißt: ohne unsere Partner kein Austausch. Daher sollten wir den Kontakt zu ihnen halten und herausfinden, wie wir sie unterstützen können. Wenn wir mehr wagen wollen, sollten wir unsere Interessen gemeinsam vertreten und Entscheidungsträger/-innen an die Wirkung und Notwendigkeit der (Internationalen) Jugendarbeit erinnern, ihnen Beweise liefern und vielleicht für EU-weite Finanzierungsmaßnahmen werben. Zum anderen haben die natürlichen Zyklen der Wirtschaft bei einer Rezession in der Vergangenheit die vulnerablen Gruppen besonders hart getroffen. Dazu zählte eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Diese Auswirkungen sollten wir nicht mehr als Überraschung hinnehmen, sondern uns und unsere Angebote entsprechend darauf vorbereiten. Digitale Mobilität entdecken Der Mobilitätsexperte Stefan Carsten geht davon aus, dass viele erst recht mobil sein werden und Reisen noch zunehmen, wenn die Grenzen wieder geöffnet sind. Das bedeutet für die Internationale Jugendarbeit, dass auch wir mittelfristig mit einer Zunahme des Interesses an unseren Angeboten rechnen können. Blended Mobilities, die virtuellen mit physischem Austausch ausgewogen und sinnvoll verbinden. Viele glauben zudem, dass die aus der Situation gezwungene Digitalisierung uns langfristig noch weitere Richtungen aufzeigen wird. Dazu gehören Themen wie: Virtuelle Realität, die vermehrt sowohl zum Lernen als auch zum Reisen (manchmal in die Vergangenheit) genutzt wird; Online-Volunteering, ein virtueller Freiwilligendienst, den aus der aktuellen Not heraus auch jetzt schon Freiwillige aus ihren Homeoffices in verschiedenen Einsatzländern leisten; Kontakt: Evaldas Rupkus rupkus@gmail.com Mitarbeit: Sabrina Apitz Eine Langversion des Artikels finden Sie auf www.ijab.de Wie geht es den internationalen Partnern im Jugend- und Fachkräfteaustausch? Welche Auswirkungen hat die Coronakrise in ihren Ländern? Mit der neuen Livestream-Serie „At home around the world“ geht IJAB diesen Fragen nach. Um mit internationalen Partnern im Jugend- und Fachkräfteaustausch in Kontakt zu bleiben und etwas über die Situation der Jugendarbeit in deren Länder zu erfahren, streamt IJAB live über Facebook Interviews und lädt anschließend zum Dialog ein. So wollen wir einen direkten Einblick in die Situation vor Ort und einen Raum für Austausch geben. Neben Interview und Gespräch vermitteln eingespielte Fotos und kurze Handyfilme einen visuellen Eindruck. Gezeigt werden Lieblingsorte, Orte, an denen sich Jugendliche aufhalten, sowie Einblicke in das Leben vor Ort. Darüber hinaus bereichern kurze Stadtführungen über Google-Streetview, virtuelle Rundgänge in Museen oder an anderen öffentlichen Orten das Format. Alle Folgen sind auch im Nachgang abrufbar. >>Mehr Informationen finden Sie auf ijab.de und auf facebook.com/IJABev/. 24 IJAB journal 1/20 Weiterentwicklung Weiterentwicklung Internationaler Jugendarbeit Internationaler Jugendarbeit Die Corona-Pandemie hat gerade bei der Digitalisierung schnelle Veränderungen in der Internationalen Jugendarbeit erfordert. Diese ad-hoc-Entwicklungen werden sich auch mittel- und langfristig in der Praxis niederschlagen. Darüber hinaus war in der ersten Jahreshälfte 2020 vor allem die Trägerkonferenz interessant. Die beschäftigte sich dieses Mal vor allem mit der datenbasierten Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes. „Mehr-Wert“ – Die Internationale Jugend­arbeit im Spiegel von Zahlen, Daten­sätzen und deren Interpretationen Sandra Kleideiter K ennen Sie noch den „Zauberwürfel“? Dieser Würfel, den man als Drehpuzzle bezeichnen kann, bestehend aus vielen Einzelsteinen in sechs verschiedenen Farben. Das Ziel ist dabei, dass jede Seite des Würfels eine einheitliche, aber von Seite zu Seite andere Farbe hat. Vermutlich treibt er noch heute sehr viele an den Rand der Verzweiflung. Die Internationale Jugendarbeit ist zwar kein Zauberwürfel und die Forschungen und Datenerhebungen dazu auch nicht. Dennoch gruppieren sich derzeit einzelne Studien, Statistiken und sen um die Internationale Datenanaly­ Jugendarbeit herum, die sich abbilden lassen in vielen kleinen Einzelsteinen, in je einer Farbe. Versucht man nun diese einzelnen Steine wie in einem Zauberwürfel gleichzeitig darzustellen, dann ist dies grundsätzlich möglich. In diesem Zustand hat der Zauberwürfel, stehend als Metapher für die Internationale Jugendarbeit, scheinbar seine „perfekte Optik“: jede farbige Seite, also jede Studie / Statistik / Datenanalyse steht dann für sich. Oder besteht die Zauberkunst darin, die einzelnen Farbsteine in Beziehung zueinander zu setzen, um sie noch besser interpretieren und einen MehrWert für die Internationale Jugendarbeit generieren zu können? In diesem Fall wäre der Zauberwürfel bunt. In dem folgendem Artikel wird der „bunte“ Ansatz verfolgt und der Versuch unternommen, die einzelnen aktuellen Erhebungen in der Internationalen Jugendarbeit zwar erkennbar zu lassen, aber die aus den Ergebnissen heraus ableitbaren Themen und Fragestellungen in den Vordergrund zu stellen. Damit diese dann in den stetigen Diskurs um die Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit einfließen. Dazu können nicht alle Erkenntnisse aus den jeweiligen Studien und Datenanalysen hier Berücksichtigung finden. Die folgenden Themen und Fragestellungen sind Ergebnisse aus der Vorbereitung auf die Zentrale Trägerkonferenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) zur Fortentwicklung der europäischen und internationalen Jugendpolitik und Jugendarbeit, die aufgrund der aktuellen Entwicklungen nicht wie geplant am 24. und 25. März 2020 in Köln stattfinden konnte. Stattdessen sind Teilbereiche dieser Konferenz am 24. März 2020 über ein Videochat-Tool durch IJAB umgesetzt worden. Die Diskussionsergebnisse dieser online-Veranstaltungen finden hier ebenfalls Erwähnung. Von welchen Forschungen reden wir? Das BMFSFJ ermöglicht und begleitet seit vielen Jahren Forschungsvorhaben, Modellprojekte und andere Monitoringsformen und Entwicklungsformate im Bereich der Internationalen Jugendarbeit. Forderungen und Ideen zu wissensbasierten Erhebungen dieses Arbeitsfeldes sind u. a. in den oben erwähnten und regelmäßig stattfindenden Trägerkonferenzen des BMFSFJ entstanden, gesichtet, diskutiert und weiterentwickelt worden. So entstanden in den letzten Jahren die Studie „Warum nicht? Studie zum internationalen Jugendaustausch: Zugänge und Barrieren“ (2016-2018) oder auch „Zugangsstudie“ genannt, der „Modellbericht, Datenreport 2017, Internationale Jugendarbeit“ mit der Datenanalyse zur „Panelstudie internationale Jugendbegegnungen. Datenanalyse 2017 + 2018“ und der Analyse der „Internationalen Jugendarbeit im Spiegel der Kinder- und Jugendhilfestatistik IJAB journal 1/20 25 Weiterentwicklung Internationaler Jugendarbeit IJA 2.685 IJA 141.659 95.705 6.637.386 Anzahl der Projekte und Veranstaltungen (N = 98.390) TN an Projekten und Veranstaltungen (N = 6.779.045) Abbildungen 1 und 2: Empirische Befunde aus der Kinder- und Jugendarbeitsstatistik zum Berichtsjahr 2017 (in Anlehnung an die Präsentation von Pothmann am 24.03.2020) 2017“, sowie die Auswertung der Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Zugangsstudie+“ (2018-2020). Diese Arbeiten und Analysen haben als Gemeinsamkeit das Ziel: >>eine „empirische Grundlage zur Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes Internationale Jugendarbeit zu schaffen“1, >>dabei einerseits die Praxis der Internationalen Jugendarbeit zukunftsweisend weiterzuentwickeln, >>wie auch einen Beitrag zur Politikgestaltung zu leisten, also einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung des Arbeitsfeldes auf unterschiedlichen Ebenen, >>durch die Sichtbarkeit der Datenlage die Sichtbarkeit der Internationalen Jugendarbeit zu erhöhen >>und durch die Sichtbarkeit auch die Anerkennung des Arbeitsfeldes zu erhöhen. Jede Studie und Analyse hatte dabei eigene spezielle Motive, Ziele und Fragestellungen. Sei es die Ansicht des Datenreports, bislang fehle zur Internationalen Jugendarbeit in Deutsch­ land eine verlässliche Datengrundlage2, das langfristige Ziel der Panelstudie, dauerhaft einen Datensatz zu generieren, der als möglichst repräsentativ und aussagekräftig gelten könne3, oder die Ausgangsthese der Zugangsstudie, dass das angestrebte jugendpolitische Ziel, potenziell allen jungen Menschen eine Teilnahme an internationalen Maßnahmen zu ermöglichen, nicht zufriedenstellend umgesetzt werde4. Von welchen Zahlen reden wir? Laut Zugangsstudie haben 57 % der 14- bis 27-Jährigen in Deutschland bereits mindestens eine Auslandserfahrung im Kontext formaler Bildung gemacht (z. B. Auslandsfahrt mit der Schulklasse, Schüleraustausch). 42 % hätten ein Angebot der non-formalen Bildung (z. B. Jugendfreizeit im Ausland, internationale Jugendbegegnung, internationaler Freiwilligendienst) wahrgenommen. 31 % haben nach Borgstedt beide Grundformen genutzt5. Die Studie identifiziert mit dem engeren Blick auf Formate des organisierten Jugendaustauschs 26 % erreichte junge Menschen. Es gäbe weitere 37 %, die potenziell Interesse an einem Format des internationalen Jugendaustauschs hätten und zwar in allen Lebenswelten5. Die Kinderund Jugendarbeitsstatistik6 weist für das Berichtsjahr 2017 „2.685 Angebote der Internationalen Jugendarbeit aus, was einem Anteil von knapp 3 % an allen Veranstaltungen und Projekten entspricht“7 (s. Abb. 1). Schaut man auf die 10- bis unter 27-Jährigen, so ergebe sich im sel- 4 Vgl. Becker und Thimmel 2019, S. 20. 5  Vgl. Becker 2019, S. 198, vgl. Borgstedt 2019, S. 36, S. 47. 1 Poli und Hänisch 2020, S. 5. 2 Vgl. ebd. 6  Gemeint ist hier die Erhebung zu den öffentlich geförderten Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit als Teil II der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik (vgl. Volberg + Pothmann 2020, S. 13). 3 Vgl. Ilg 2020 7  Ebd. S. 14. 26 IJAB journal 1/20 ben Jahr eine Anzahl von 141.659 Teilnehmenden (s. Abb. 2). Angesichts dieser Zahlen und weiterer Ergebnisse der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik seit den 1980erJahren spricht Poli von einem „Trend der ‚Ent-Internationalisierung‘ der Jugend­ arbeit“8. Daraus ergeben sich folgende Fragen: 1. Was sind die Gründe? Geben hier die vorliegenden Studien und Analysen bereits ausreichend belegbare Antworten? Oder brauchen wir weitere Erhebungen und Befragungen, evtl. auch in ganz anderen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe? 2. Wie kann man dem Trend ent­gegensteuern? Brauchen wir mehr Angebote im Bereich der Internationalen Jugendarbeit? Wollen wir mehr Jugendliche, die an Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit teilnehmen? Haben wir dafür genügend Personal und ausreichend Geld? Fehlt es also an Finanzierung? „So müssen in Erasmus+ JUGEND IN AKTION derzeit ca. 50 Prozent der förderfähigen Projekte abgelehnt werden, weil das Budget nicht ausreicht“, schreiben Wicke und Siebel von JUGEND für Europa (JfE) im Jahr 20199. Trifft dies auf andere Bereiche z. B. der KJP-Förderung des Bundes 8  Poli 2019, S. 40 9 Wicke + Siebel 2019, S. 42. auch zu? Oder werden hier Gelder nicht abgerufen und / oder in andere Förderbereiche umgewidmet, was im Kontext von Rahmenvereinbarungen im gewissen Umfang durchaus möglich ist? Fehlt es an Strukturen? An (finanziellen und personellen) Strukturen insgesamt im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit? Welche Rolle spielen die Schulen und welche die Kommunen? Brauchen wir zusätzlich mehr Internationale Jugendarbeit auf kommunaler Ebene? „Laut amtlicher Statistik findet der größte Teil (34 Prozent) Internationaler Jugendarbeit im Rahmen der Jugendverbandsarbeit statt und wird hier auch als selbstverständlicher Teil der (Fach-)Praxis gelebt“10. Warum ist das so? Die Panelstudie hat ergeben, dass 21 % aller Mitarbeitenden in der Internationalen Jugendarbeit an keiner für diesen Bereich spezifische Aus- und Fortbildung teilnahmen11. Die von der Bundesregierung in ihrer nationalen Jugendstrategie vorgesehene Fachkräfteoffensive basiert auf einer solchen Bedarfserkennung an mehr Qualifizierungsmaßnahmen12. 3. Wie kann man das große Potenzial der Interessierten nutzen? Wie sie in der Ansprache erreichen und für Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit gewinnen? Braucht es neue Formate in der Internationalen Jugendarbeit? Braucht es andere, passgenauere Angebote für die interessierten Jugendlichen, wie es eine Forderung aus der Zugangsstudie ist13? Müssen die „politisch dominierten Angebotsformate durch jugendarbeiterische und jugendpädagogische Formvariationen“ ergänzt werden14? Braucht es dazu neue Förderbedingungen oder werden die bestehenden Möglichkeiten der unterschiedlichen Fördertöpfe dabei nicht ausgeschöpft? Sind „Quereinsteiger*innenformate“15 nötig? Und wenn ja, wie sehen diese aus? Brauchen wir einen anderen „Benachteiligungsdiskurs“, wenn es darum geht, alle Jugendliche erreichen zu wollen? Bedarf an „mehr“, an „anderes“, an „Sichtbarkeit“ Die Internationale Jugendarbeit ist Teil der Kinder- und Jugendhilfe. Sie ist ein eigenständiges, institutionalisiertes und professionelles Lernfeld junger Menschen mit eigenen Grundverständnissen, (Förder-)Strukturen, Konzepten und methodischen Ansätzen. Eine zentrale Forderung der Zugangsstudie ist, das Internationale solle von der Jugendarbeit aus gedacht und konzeptionell begründet werden16. Um Internationalisierung als Kernaufgabe der Entwicklung der deutschen Kinder- und Jugendhilfe zu identifizieren, können verschiedene Diskurse und (politische) Initiativen wie „die Mobilitätsstrategie der Bundesregierung“, die Entwicklungen einer eigenständigen Jugendpolitik, die Umsetzung der EU-Jugendstrategie, die „Eckpunkte Internationale Jugendpolitik des BMFSFJ“ und das reformierte Leitbild des „Kinder- und Jugendplan des Bundes“ herangezogen werden. Sie unterstützen das Postulat, die Internationalisierung als Querschnittsaufgabe zu verstehen, die alle Bereiche der Kinderund Jugendhilfe betreffe17. In der Praxis treffen also etablierte Träger der Internationalen Jugendarbeit auf andere Arbeitsbereiche, die nicht originär in diesem Arbeitsfeld tätig sind, wie z. B. die offene Jugendarbeit. Geht man diesen Weg, weil man sich darüber auch eine höhere Teilnahme von jungen Menschen aus unterschiedlichen Kontexten an internationalen Maßnahmen erhofft, so bedeutet dies auch, ein Umdenken von finanziellen Verteilungssystemen anzu- stoßen. Dabei geht es zum einem um eine Stärkung der Jugendarbeit. Zurecht weist u. a. auch Schwarz darauf hin, „dort wo Jugendarbeit in seinen Kernaufgaben nicht angemessen finanziert und personell ausgestattet ist, wird auch Internationale Jugendarbeit nicht stattfinden können“18. Die Erweiterung der Akteurinnen und Akteure internationaler Begegnungsmaßnahmen verursacht auch, dass das zur Verfügung stehende Geld für die Internationale Jugendarbeit anders verteilt werden muss. Und es braucht ein gemeinsames Verständnis von Internationaler Jugendarbeit. In diesem Kontext weist der Datenreport auf das Phänomen der sogenannten „Quasi-Angebote“ der Internationalen Jugendarbeit hin. Hier tauchen in der Statistik Angebote von eintägiger Dauer auf, die fast ausschließlich im Inland stattfinden und dabei seien die größte Gruppe der ausländischen Teilnehmenden „häufig junge Menschen aus sogenannten ‚Fluchtländern‘“19. Der Datenreport identifiziert einen Anteil von 15  % der Internationalen Jugendarbeits-Angebote als solche „Quasi-Angebote“. Hier wäre die Beobachtung dieses Phänomens auf einer qualitativen Ebene spannend, in wie fern diese Maßnahmen dem Selbstverständnis von Internationaler Jugendarbeit mit ihren Zielen, Methoden und Themen entsprechen und ob von einer Definitionsverschiebung in der Praxis bereits gesprochen werden kann. Grundsätzlich sollten wir aufpassen, dass die Forderung, die politisch dominanten Angebotsformen mit jugendpädagogisch-gerechten Formaten zu ergänzen, nicht erneut und ähnlich wie bei der Breitenbachstudie als Nebenfolge eine politisch nicht reflektierte Lesart der Internationalen Jugendarbeit nach sich zieht. Somit würde die von Müller als „die (neue?) ‚Entdeckung‘ der politischen Dimension“20 titulierte „ParadigmenWende“ ein Ende finden, bevor sie in der Praxis richtig implementiert werden konnte. 10 Poli 2019, S. 40. 11 Ilg 2020, S. 23. 15 Ebd. 12 Vgl. BMFSFJ 2019. 16 Vgl. u. a. Thimmel 2019, S. 190; vgl. auch Schwarz 2019, S. 56 f. 18 Schwarz 2019, S. 56. 13 Thimmel 2019, S. 192 14 Ebd. 17 Vgl. Kleideiter 2017, S. 58. 20 Werner 2019, S. 46 f. 19 Volberg + Pothmann 2020, S. 43. IJAB journal 1/20 27 Weiterentwicklung Internationaler Jugendarbeit Was nun? Brauchen wir ein Mehr auf vielen Ebenen? Mehr Träger / Akteure, mehr Jugendliche, mehr Formate, mehr Geld? Brauchen wir mehr Sichtbarkeit? Mehr Wertschätzung des Arbeitsfeldes? Bekommen wir das eine durch das jeweils andere? Und brauchen wir noch mehr Forschung? Oder ist es an der Zeit, mit den vorliegenden Erkenntnissen Strategien zu entwickeln, Ziele zu definieren, Maßnahmen zu entwickeln und diese in der Praxis und auf anderen Ebenen für die Praxis der Internationalen Jugendarbeit umzusetzen? Die Formate der zentralen Trägerkonferenz des BMFSFJ zur Fortentwicklung der europäischen und internationalen Jugendpolitik und Jugendarbeit oder die KJP–Unterarbeitsgruppe „Internationale Jugendarbeit“ sowie die Prozesse zur Umsetzung der nationalen Jugendstrategie der Bundesregierung und der europäischen Jugendstrategie bieten u. a. hier die Chance, diese Fragen aufzugreifen, Handlungserfordernisse herauszuarbeiten und durch konkrete Maßnahmen auch Antworten zu geben. Kontakt: Sandra Kleideiter, plan BeE – Beratung und Expertise kleideiter@planbee.eu www.planbee.eu Literatur Becker, Helle: Aus der Praxis für die Praxis – Die Ergebnisse der Studie in der Diskussion. In: Becker, Helle / Thimmel, Andreas (Hrsg.): Die Zugangsstudie zum internationalen Jugendaustausch. Zugänge und Barrieren. Frankfurt / M. 2019, S. 194-2014. Becker, Helle / Thimmel, Andreas (Hrsg.): Die Zugangsstudie zum internationalen Jugendaustausch. Zugänge und Barrieren. Frankfurt / M. 2019 Becker, Helle / Thimmel, Andreas: Die „Zugangsstudie“ als kritischer Forschungsimpuls für Theorie und Praxis in der Internationalen Jugendarbeit (IJA) in Deutschland. Zur Relevanz einer strukturellen Inblicknahme Internationaler Jugendbildung. In: IJAB e. V. (Hrsg.): Forum Jugend­ arbeit International 2016-2018. IJA – Zugänge, Barrieren und Motive. Bonn 2019, S. 20-41. Borgstedt, Silke: Warum nicht? Wer macht mit und wer (noch) nicht? Ergebnisse der Repräsentativbefragung. In: Becker, Helle / Thimmel, Andreas (Hrsg.): Die Zugangsstudie zum internationalen Jugendaustausch. Zugänge und Barrieren. Frankfurt / M. 2019, S. 31-67. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): In gemeinsamer Verantwortung: Politik für, mit und von Jugend. Die Jugendstrategie der Bundesregierung. Berlin 2019. IJAB e. V. (Hrsg.): Modellbericht Datenreport 2017 Internationale Jugendarbeit. Bonn 2020. Ilg, Wolfgang (2020): Panelstudie internationale Jugendbegegnungen: Datenanalyse 2017 + 2018. Online verfügbar unter: www.panelstudie.de Kleideiter, Sandra: „… in einer Welt, die aus den Fugen geraten scheint“ – IJA als Multiplikatorin der Demokratie? In: transfer e.V. (Hrsg.): IJA im Kontext aktueller politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen. Schriftenreihe IJA. Ausgabe 2017, S. 53-64. Müller, Werner: Stellenwert und historische Einordnung der Zugangsstudie für die IJA. In: IJAB e. V. (Hrsg.): Forum Jugendarbeit International 2016-2018. IJA – Zugänge, Barrieren und Motive. Bonn 2019, S. 42-51. Poli, Daniel: Die Zugangsstudie als Ausgangspunkt zur Neujustierung der IJA. Erste Gedanken zur weiteren fachlichen Diskussion. In: Forschung und Praxis im Dialog – Internationale Jugendarbeit (FPD) transfer e.V. (Hrsg.): Die Zugangsstudie. Ergebnisse des Forschungsprojektes. Köln 2019., S. 40-41. Online verfügbar unter: https://zugangsstudie.de/wp-content/uploads/2019/08/Brosch%c3%bcre_Die-Zugangsstudie_Ergebnisse-des-Forschungsprojektes_Stand-August-2019.pdf Poli, Daniel / Hänisch, Dirk: Editorial. In: IJAB e. V. (Hrsg.): Modellbericht Datenreport 2017 Internationale Jugendarbeit. Bonn 2020, S. 5-6. Schwarz, Michael: Die Zugangsstudie im Diskurs mit Jugendarbeit und Jugendpolitik. In: IJAB e. V. (Hrsg.): Forum Jugendarbeit International 2016-2018. IJA – Zugänge, Barrieren und Motive. Bonn 2019, S. 52-63. Thimmel, Andreas: Zugangsstudie zur IJA. Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen. In: Becker, Helle / Thimmel, Andreas (Hrsg.): Die Zugangsstudie zum internationalen Jugendaustausch. Zugänge und Barrieren. Frankfurt /M. 2019, S. 177-193. Volberg, Sebastian / Pothmann, Jens: Die IJA im Spiegel der Kinder- und Jugendhilfestatistik 2017. In: IJAB e. V. (Hrsg.): Modellbericht Daten­ report 2017 Internationale Jugendarbeit. Bonn 2020, S. 12-45. Wicke, Hans-Georg / Siebel, Claudius: Auf dem Weg zu mehr europäischer und internationaler Jugendarbeit. In: Forschung und Praxis im Dialog – Internationale Jugendarbeit (FPD) transfer e.V. (Hrsg.): Die Zugangsstudie. Ergebnisse des Forschungsprojektes. Köln 2019., S. 42-43. 28 IJAB journal 1/20 Ein Stück IJAB-Geschichte: Dirk Hänisch und Ilona Jauch wechseln in den Ruhestand Mit Dr. Dirk Hänisch und Ilona Jauch verabschiedet IJAB nach Reinhard Schwalbach nun zwei weitere Menschen in den Ruhestand, die die Fachstelle über viele Jahre mit ihrem Fachwissen, ihrem Engagement und ihrer Persönlichkeit geprägt haben. Wir sagen: Danke! 27 Jahre lang war Dr. Dirk Hänisch für Dokumentation, Archiv, die Fachbibliothek, vor allem aber für die wissenschaftlichen Publikationen von IJAB zuständig gewesen. Auch das IJAB journal gestaltete er als Redakteur maßgeblich mit. Ende März 2020 hieß es dann Abschied nehmen und unseren Kollegen in den Ruhestand ziehen lassen. Dirk Hänisch kann man mit Fug und Recht als das Gedächtnis der Fachstelle bezeichnen. Er war Ansprechpartner, wenn für Jubiläen die Historie von IJAB dargestellt und reflektiert werden sollte. Dirk Hänisch dokumentierte jedoch nicht nur die Vergangenheit. Mit den Jahresberichten von IJAB hielt er auch die jeweils aktuellen Leistungen der Fachstelle fest. In die 27 Jahre seiner Arbeit fallen herausragende Publikationen. Dazu gehört der gemeinsam mit dem Forscher-Praktiker-Dialog herausgegebene „Reader: Internationale Jugendarbeit wirkt“, in dem erstmalig eine Zusammenfassung aller Studien und Veröffentlichungen vorgelegt wurde, die sich seit der Nachkriegszeit mit den Wirkungen des internationalen Jugendaustausches beschäftigten. Und mit dem „Datenreport Internationale Jugendarbeit“ stellte er gemeinsam mit Daniel Poli Anfang 2020 die Internationale Jugendarbeit auf zahlen- und datenbasierte Füße. Eine besondere Herzensangelegenheit war ihm die Herausgabe der Fachbuchreihe „Forum Jugendarbeit International“. 13 Ausgaben sind seit 1996 entstanden, in denen Themen des internationalen Jugendaustausches und der jugendpolitischen Zusammenarbeit von Expert(inn)en erörtert werden. Dr. Dirk Hänisch war lange für Dokumentation, Archiv, die Fachbibliothek und die wissenschaftlichen Publikationen zuständig Zu Dirk Hänischs Verdiensten gehört es auch, internationalen Partnern im Jugend- und Fachkräfteaustausch das komplexe System der deutschen Kinderund Jugendhilfe nahegebracht zu haben. Die Webseite kinder-jugendhilfe.info sowie das in Fachkreisen bekannte und geschätzte „Grüne Buch“, das er zusammen mit Stefan Becsky erstellte, waren hierfür Meilensteine. Die regelmäßige Nachfrage nach dem „Infosystem“ zeigt dessen Stellenwert und hat dazu beigetragen, dass eine grundsätzliche Aktualisierung und Überarbeitung des Werks in Kürze erfolgen wird. Dirk Hänisch zeichnete sich nicht nur durch großen Sachverstand und Fachwissen aus. Die Kolleg(inn)en erlebten ihn als absolut verlässlichen, liebenswerten, hilfsbereiten und humorvollen Zeitgenossen, der auch den sinnlichen Seiten des Lebens nicht abgeneigt war. Eine knusprige Gänsekeule und ein gutes Glas Rotwein wusste er mehr als andere zu schätzen – was ihn zu einem gefürchteten Kritiker der Bonner Kantinenlandschaft machte. Dirk Hänisch ist kaum zu ersetzen. Wir sind daher sehr froh, mit Susanne Klinzing eine kompetente Nachfolgerin gefunden zu haben und freuen uns sehr, dass Dirk Hänisch auch in Zukunft freiberuflich seine Erfahrung und sein Wissen mit uns teilen wird – und wir so auch beruflich weiter mit ihm verbunden bleiben. → IJAB journal 1/20 29 Forum Ilona Jauch ist am 30. April 2020 nach 30 Jahren Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand gegangen. Mit ihr geht auch ein Stück IJAB-Geschichte: Als Sachbearbeiterin und Assistenz der Geschäftsbereichsleitung im Geschäftsbereich „Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit“ hat sie die Gründung der Jugendwerke und Koordinierungsstellen im deutsch-polnischen, deutschtschechischen, deutsch-russischen und zuletzt im deutsch-griechischen Jugendaustausch begleitet. Sie betreute die Einladungen der Bundesregierung an amerikanische und russische Kinder und Jugendliche, die von den Terroranschlägen in New York und Beslan betroffen waren. Die begleitenden Jugendevents zu den G7- und G20-Gipfeln 2015 und 2017 gehören ebenfalls zu den Ereignissen, die Ilona Jauch selbst als Höhepunkte ihrer Arbeit bezeichnete. 12 Jahre lang engagierte sie sich zudem im Betriebsrat von IJAB und vertrat die Interessen der Beschäftigten. Ilona Jauchs Verhältnis zu den Menschen ging weit über eine technische Beziehung als Sachbearbeiterin und Assistenz der Geschäftsbereichsleitung hinaus. Viele Projekte und Veranstaltungen machte sie zu einer Herzensangelegenheit, viele Menschen zu Freundinnen und Freunden, denen sie mit Empathie und menschlicher Wärme Ilona Jauch war als Sachbearbeiterin und Assistenz der Geschäftsbereichsleitung im Geschäftsbereich „Inter­nationale jugendpolitische Zusammenarbeit“ tätig begegnete. Sie spürte, wenn der Druck in einem Projekt zu groß wurde, fand dafür die richtigen Worte und brachte Ruhe in die Arbeit. Wer mit Ilona Jauch zusammenarbeitete, der erlebte eine Kollegin, auf die man sich blind verlassen konnte. Zahlen, Fristen und Abrechnungen hatte sie immer im Blick und verschaffte so den Kolleginnen und Kollegen die nötige Freiheit. Sie erkannte jedoch nicht nur organisatorische Herausforderungen, sondern auch inhaltliche Lücken und half sie zu füllen. Zuletzt durften dies die Beteiligten im Austausch mit Nordafrika erleben. Der Abschied von Dirk Hänisch und Ilona Jauch fiel in die Zeit der CoronaPandemie. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten daher leider keine Gelegenheit, sich persönlich von ihnen zu verabschieden und ihnen zu danken. Wir wollen dies daher stellvertretend für alle öffentlich tun. Es fällt uns schwer, die beiden gehen zu lassen. Nach allem, was sie für IJAB getan haben, wünschen wir ihnen aber natürlich auch einen entspannten Ruhestand und einen glücklichen neuen Lebensabschnitt. Bei beiden würden wir uns allerdings auch nicht wundern, wenn sie sich für einen „Un­ ruhestand“ entschieden. Neue Gesichter 30 1 2 3 4 5 6 IJAB journal 1/20 1. Johanna Kuchem hat am 01.01.2020 eine Vertretung als Koordinatorin im Projekt Eurodesk übernommen. 2. Als Projektkoordinatorin für die Jugendkampagne ist seit dem 01. Februar 2020 Leonie Kaiser in Vertretung zuständig. 3. Eurodesk-Projektkoordinatorin ist seit dem 27. April 2020 auch Natascha Schmitt. Sie unterstützt zudem die Jugendkampagne als Referentin für Aktionsformate. 4. Anke Müller hat am 01. Mai 2020 als Sachbearbeiterin und Assistenz im Geschäftsbereich „Internationale Jugendpolitische Zusammenarbeit“ begonnen. 5. Caroline Schmidt-Gross unterstützt seit dem 01. Juni 2020 als wissenschaftliche Referentin die CoronaSonderseite des Fachkräfteportals der Kinder- und Jugendhilfe. 6. Seit dem 22. Juni 2020 verstärkt Dr. Kathrin Klein-Zimmer als wissenschaftliche Referentin das Youth Wiki. Termine Termine und Veranstaltungen September 2020, online Seminar „Jugend und Medien in Japan“ Veranstalter: IJAB www.ijab.de/japan September 2020, online Jugendkampagne – Kick-Off Veranstalter: IJAB www.ijab.de 11. bis 13. September 2020, Berlin und online Bundesjugendkonferenz 2020 Veranstalter: BMFSFJ in Kooperation mit jugendgerecht.de – Arbeitsstelle Eigenständige Jugendpolitik (AGJ), Servicestelle Jugendstrategie (Stiftung SPI) sowie jugend.beteiligen.jetzt (IJAB, DKJS, DBJR) https://barcamptools.eu/BJK2020/ 15. bis 17. September 2020, online Konferenz „IMECE.Lab for Youth Exchange between Germany and Turkey“ Veranstalter: IJAB, JUGEND für Europa, Deutsch-Türkische Jugendbrücke, Türkische Nationalagentur www.ijab.de/tuerkei 16. September 2020, online 2. Forum: „Auswirkungen von Corona auf die europäische und internationale Jugendarbeit“ Veranstalter: IJAB www.ijab.de 21. September 2020, online Virtuelle Konferenz zum Bundeskongress Kinder- und Jugendarbeit mit Beiträgen von IJAB zur Internationalen Jugendarbeit Veranstalter: Forschungsverbund DJI/TU Dortmund und Bayerischer Jugendring in Kooperation mit der Stadt Nürnberg https://bundeskongress-kja.de/ 29. September 2020, Kelkheim (Taunus) Netzwerktreffen „Kommune goes International“ Veranstalter: IJAB in Kooperation mit dem Amt für Jugend und Integration des Magistrats der Stadt Kelkheim (Taunus) www.ijab.de/projekte/kommune-goesinternational 01. bis 04. Oktober 2020, Düsseldorf Methodenwerkstatt Sprachanimation im deutsch-griechischen Jugendaustausch Veranstalter: IJAB und Generalsekretariat für Berufliche Bildung, Berufliche Orientierung und Lebenslanges Lernen www.ijab.de/griechenland 08. bis 09. Oktober 2020, Hannover Eurodesk-Förderworkshop Veranstalter: Eurodesk Deutschland (IJAB) und das Niedersächsische Landessozialamt www.fobionline.jh.niedersachsen.de/detail. php?urlID=2586 12. bis 14. Oktober 2020, Leipzig Deutsch-griechische Trägerkonferenz Veranstalter: BMFSFJ in Kooperation mit IJAB www.ijab.de/griechenland 16. bis 18. Oktober 2020, Berlin Europäische Jugendagenda, Thema „Nachhaltiger Verbraucherschutz“ Veranstalter: IJAB www.ijab.de 20 Juli bis Dezember 20 November 2020 Aktionswoche #internationalheart Veranstalter: IJAB www.internationalheart.de November 2020, online Mobilitätslotsen-Weiterbildung (6 Termine à 2 Stunden) Veranstalter: Eurodesk Deutschland (IJAB) www.rausvonzuhaus.de/Weiterbildungen 02. bis 11. November 2020, Griechenland Fachprogramm Erinnerungs- und Gedenkstättenarbeit im deutschgriechischen Jugendaustausch Veranstalter: IJAB und Griechischer Nationaler Jugendring www.ijab.de/griechenland 01. bis 14. November 2020, Köln, Berlin, u. a. Deutsch-japanisches Studienprogramm: „Das mediale Umfeld junger Menschen“ Veranstalter: IJAB www.ijab.de/japan 30. November bis 4. Dezember 2020, online Deutsch-türkischer Fachtag „Ehrenamt und non formale Bildung“ Veranstalter: IJAB www.ijab.de/tuerkei 16. Dezember 2020, Bonn IJAB-Mitgliederversammlung, Bonn Veranstalter: IJAB www.ijab.de en Besuch uf sa Sie un E .IJAB.D WWW IJAB journal 1/20 31 IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. ist auf den Gebieten der Internationalen Jugendarbeit, Jugendpolitik und Jugendinformation tätig. Die Fachstelle arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der Europäischen Kommission, ihrer Mitgliedsorganisationen und anderer zentraler Träger der Jugendarbeit. Bei IJAB ist JUGEND für Europa, die Nationale Agentur für die EU-Programme Erasmus+ JUGEND IN AKTION und Europäisches Solidaritätskorps, angesiedelt.
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