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Full text: Urbane Paradiese - unsere grünen Stadträume / Miller, Leif

Urbane Paradiese unsere grünen Stadträume
Broschüre zum Wettbewerb

gefördert durch:

Impressum
Herausgeber: 	
GRÜNE LIGA Berlin e. V.
Prenzlauer Allee 8
10405 Berlin
V.i.S.d.P.: 	
Leif Miller

mit freundlicher Unterstützung von:

Redaktion: 	
Anke Ortmann
Ines Fischer
Edda Brandes
Gestaltung: 	
www.cubusberlin.com
Abbildungen: 	
wenn nicht anders vermerkt: GRÜNE LIGA
Berlin
S. 62, 63 Bilder 1, 2, 3, 6, 7, 8, 9: Pixabay
S. 66: Bettine Maragnoli
S. 70, 71: Stadtverwaltung Andernach
S. 72, 73: Incredible Edible Todmorden
S. 74, 75: ANNALINDE gGmbH
S. 76, 77: Pixabay
S. 78, 79: farmgardentrust
S. 80, 81: ecomujer
S. 83, Bild 2 und 5: Lortnoc
S. 83, Bild 4: Pixabay
Karte S. 68 ff: © kartoxjm - fotolia.com
Druck:
dieUmweltDruckerei:
klimaneutral auf 100 % Recycling-Papier
mit 100 % erneuerbaren Energien
Stand: Februar 2016
Auflage: 1.650 Exemplare

Inhalt

24 	
	

Alter Bahnhof trifft Permakultur
Helsingforser Straße, Friedrichshain

26 	
	

Bunte Farbtupfer statt Tristesse
Hindenburgdamm, Steglitz

28 	
	

Gärtnern mit Göttern
Kopenhagener Straße, Reinickendorf

30 	
	

Über den Tellerrand wachsen
Lenaustraße, Neukölln

4	

Inhalt

6	

Vorwort

8	

Der Wettbewerb

32 	
	

Naturerlebnis für die Kleinsten
Marienburger Straße, Prenzlauer Berg

10	
	

Garten der Hoffnung - bustan-ul-amal
Alfred-Randt-Straße, Köpenick

34 	
	

Garten der Energie
Marienstraße, Mitte

12 	
	

Willkommens-Kultur-Garten
Askanierring, Spandau

36 	
	

Mauergarten – Multikulti ganz natürlich
Mauerpark Nähe Gleimstraße, Prenzlauer Berg

14 	
	

Vom tristen Hof zum Wohlfühlort
Bänschstraße, Friedrichshain

38 	
	

Ein Platz zum Essen
Nikolsburger Platz, Wilmersdorf

16 	
	

Dach der summenden Bienen
Chausseestraße, Mitte

40 	
	

Villa Kuriosum – Molche, Zirkusluft und Pflanzenheilkunde
Scheffelstraße, Lichtenberg

18 	
	

MenschenskinderGarten
Fürstenwalder Straße, Friedrichshain

42 	
	

Spaß an Selbstversorgung
Scheffelstraße, Lichtenberg

20 	
	

Mietergarten ROSI – Hochbeete soweit das Auge reicht
Gipsstraße/Rosenthaler Straße, Mitte

44 	
	

Schulgarten Max Pflanzen
Singerstraße, Mitte

22 	
	

Ein blühender Streifen inmitten der Straße
Heilbronner Straße, Schöneberg

46 	
	

Blühende Baumscheiben
Türkenstraße, Wedding

04	 INHALT

48 	
	

Spreeacker – ein Garten am Wasser
Wilhelmine-Gemberg-Weg, Mitte

68	
	

Über den Tellerrand geschaut
Ideen und Impulse aus anderen Städten

50 	
	

Halil-Tufany-Park – Pullis für Poller und Futter für Vögel
Winterfeldtstraße, Schöneberg

70	
	

Pflücken erlaubt statt Betreten verboten
Andernach

52 	
	

Lützowtopia – ein Garten für die Seele
Wolfsburger Weg, Mariendorf

72	
	

Jeden Tag ein Stückchen essbarer
Incredible Todmorden

54	
	

Tipps und Anregungen
Gärtnern mit Kindern

74	
	

Genuss aus Nachbars Garten
Annalinde in Leipzig

56	

Gut ausgerüstet

58	
	

Hurra, es wächst
Pflanzen für Ungeduldige

76	
	

Grünste Stadt der Welt
Das Ziel von Vancouver

60	

Das ganze Jahr zu tun

78	
	

»Abalimi Bezekhaya«
Microfarming in den Townships Südafrikas

62	
	

Giftpflanzen
nur schauen, nicht kauen

80	
	

Jeden Tag ein frisches Essen
»Comida excelente« auf Kuba

64	
	

Schatztruhe Garten
auf Erkundungstour

82	
	

Ideen auf kleinstem Raum
Kleine Gartenkunst für Kreative

66	
	
	

Und ab nach draußen
Naturerfahrungen mit Kindern
Adressen in Berlin

84	

Publikationen der GRÜNEN LIGA BERLIN

85	

Werden Sie Mitglied

87	

Alle Wettbewerbs-Preisträger auf einen Blick

HOF UND GARTEN

ÖFFENTLICHES GRÜN

STRASSENRAUM

TERASSE/DACHGARTEN
	

INHALT 	 05   

Vorwort

06	 VORWORT   

Unabhängig davon - ob bewusst oder unbewusst - leisten die Gärtner_innen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas und für die Gesundheit. Blätter verdunsten Wasser und kühlen so
die Stadtluft. Sie filtern den Staub, spenden Schatten und reduzieren
den Lärm.

Berlin ist eine der grünsten Metropolen Europas und wird auch genauso von vielen Besucher_innen wahrgenommen. Und trotzdem ist
Berlin dicht bebaut, von großen Straßen durchzogen, laut und oft auch
anstrengend. Viele Berliner_innen vermissen im Alltag Ruhe und Natur. So wird der Wunsch nach Erholung im Grünen, Naturerlebnisräumen insbesondere für Kinder und dem »eigenen« kleinen Garten
immer größer. Öffentliche Grünanlagen decken nur einen Bruchteil
dieser Sehnsüchte ab. Doch gibt es noch viele weitere Möglichkeiten:
begrünte Brachflächen, Hinterhöfe, Dachgärten und Baumscheiben.
Gärtnern schafft nicht nur Lebensraum für Menschen und eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, es schafft Kommunikation mit den
Nachbar_innen oder auch wildfremden Menschen, die gerade vorbeikommen und erfreut sind über so viel Grün. Gärtnern macht gute Laune, schmutzige Finger, gibt leckeren Salat und farbenfrohe Blumenwiesen voller Schmetterlinge. Es macht erfahrbar, dass die Möhre aus
der Erde kommt und Blumen erst wachsen müssen, bevor sie unseren
Küchentisch schmücken.

Aber Gärtnern in der Stadt und das damit verbundene zivilgesellschaftliche Engagement bewirkt noch viel mehr: die im letzten Herbst
von den Vereinten Nationen vereinbarten Sustainable Development
Goals - kurz SDGs - geben der ganzen Menschheit unter anderem
Handlungsempfehlungen für mehr Generationengerechtigkeit, Ressourcenschonung und Klimaschutz. Sie dient der nachhaltigen Flächennutzung, dem Erhalt der Artenvielfalt sowie der Verbesserung
der Luftqualität, der Gesundheit und der Ernährung.
Die breite Zielsetzung der SDGs macht deutlich, dass ihre Umsetzung
weit über die Entwicklungspolitik hinausgeht und sich durch alle Politikbereiche ziehen muss. Hier ist also die nationale Politik genauso
gefragt, wie das Engagement der Kommunen und jedes Einzelnen. Wir
müssen hier auch vor der eigenen Haustür beginnen. Nur so kann es
gelingen, die Welt ein Stück gerechter und lebenswerter zu machen.
Menschen, die sich für mehr Grün engagieren, wenn auch nur im Kleinen, bewirken etwas und blicken so ein Stück über ihren Tellerrand
hinaus. Ihnen und ihren Projekten widmet sich diese Broschüre und
wir wünschen uns mehr davon. Lassen Sie sich inspirieren!
Herzlichst
Ihre Karen Thormeyer
Geschäftsführerin GRÜNE LIGA Berlin
	

VORWORT 	 07   

Der Wettbewerb

08	 DER WETTBEWERB   

»Urbane Paradiese – unsere grünen Stadträume« lautete das Motto
des Begrünungswettbewerbes 2015 der GRÜNEN LIGA Berlin. Urbanes Gärtnern ist in Berlin mehr als nur ein Trend. Die vielgestaltigen
Gärten sind Orte der Erholung, der Begegnung und der Naturerfahrung. Dabei leistet jedes Grün einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas, zur Förderung der Biodiversität und für die
Gesundheit.
Die Berliner und Berlinerinnen haben dabei eine unglaubliche Kreativität entwickelt: von dschungelartigen Hinterhöfen, über multikulturelle Gärten bis hin zu blühenden Brachen. Mit dem Wettbewerb
würdigt die GRÜNE LIGA Berlin dieses Engagement, macht es sichtbar und setzt Anreize zur Nachahmung.
Die Berliner_innen waren dazu aufgerufen, ihre Gartenprojekte auf
Brachen und öffentlichen Grünflächen, Firmenarealen, Hinterhöfen,
Dachgärten oder im Straßenraum zu präsentieren. Teilnahmeberechtigt waren alle, die in den letzten drei Jahren mit Ihrer grünen Oase
ihren Kiez belebt und verschönert haben.
Insgesamt wurden 42 Bewerbungen in den Kategorien Hof und Garten, Dachgarten und Terrasse, öffentliches Grün und Straßenraum
eingereicht. Die 22 ausgezeichneten Projekte aus 12 Stadtbezirken
zeigen in beeindruckender Weise, wie die unterschiedlichen Initiativen mit viel Engagement und Hingabe Erholungs-, Erlebnis- und
Nutzgärten in einer so dicht besiedelten Stadt geschaffen haben.
In den Bewertungskriterien spielten die Neuanlage von Pflanzflächen,
ein überzeugendes Gesamtkonzept, die Vielfalt der Gestaltungsele-

mente sowie die Partizipation und Kommunikation aller Beteiligten
eine große Rolle. Zudem wurden Klimaanpassung, Artenvielfalt sowie der nachhaltige und ökologische Ansatz berücksichtigt.
Dank der Unterstützung von Sponsoren (Wohnungsbaugesellschaft
Mitte, Der Holländer Pflanzencenter, GARDENA, KOSMOS Verlag,
Neudorff GmbH, Yorck Kinogruppe, EcoCrowd) und der Förderung des
Projekts durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt gab es Preise im Gesamtwert von 5000,- Euro zu gewinnen.
Wir danken den Mitgliedern der Jury: Beate Profé und Christine
Kuhn, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt / Martina Kubisch, Wohnungsbaugesellschaft Mitte / Ines Fischer, GRÜNE
LIGA Berlin / Sabine Klingelhöfer, Neudorff GmbH / Susanne Drmota,
GARDENA Deutschland GmbH / Katharina Schütze, pep Berlin und
Petra Seiler, rbb Gartenzeit, für ihre engagierte und gewissenhafte
Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger aus der Vielzahl der
Einsendungen.
	

DER WETTBEWERB 	 09   

Garten der Hoffnung
Alfred-Randt-Straße // Köpenick

10	 PREISTRÄGER

Der »Garten der Hoffnung - bustan-ul-amal« ist ein von ehrenamtlichen Nachbar_innen und Interessierten ins Leben gerufener
und gemeinsam mit Flüchtlingen enstandener Garten auf dem
Gelände eines Übergangsheims in Köpenick. Der Name des
Gartens ist Programm, um der ungewissen Zukunft ein Zeichen
entgegenzusetzen, etwas zu produzieren und auch gleich Ergebnisse zu sehen, die Hoffnung geben. Die Gärtner_innen arbeiten
regelmäßig an den Beeten und Hochbeeten. Ziel ist die Schaffung eines integrativen und produktiven Ortes der Begegnung
und des kreativen Tätigseins sowie die Selbstversorgung mit aus
der ursprünglichen Heimat bekanntem Gemüse. Regelmäßige
Feste und andere Workshops wie Nähkurse tragen dazu bei. Der
Garten soll als Modellprojekt, übertragbar auf andere Unterkünfte
entwickelt werden.
Das Projekt, das noch ganz am Anfang steht, aber durch die Zusammenarbeit von Ehrenamtlichen und Flüchtlingen schon weit
gediehen ist, sollte viele Nachahmer_innen finden.

PREISTRÄGER

11

Willkommens-Kultur-Garten
Askanierring // Spandau

12	 PREISTRÄGER

Zweimal in der Woche ist der Garten für alle geöffnet und
nachdem man sich beim Pförtner angemeldet hat, auch zu (fast)
jeder anderen Zeit. Für die Bewohner_innen kann der Garten
der von der Arbeiterwohlfahrt geführten Flüchtlingsunterkunft
natürlich jederzeit genutzt werden. Die Idee der Initiator_innen
des rund 400 qm großen Willkommens-Kultur-Gartens war es,
einen Garten anzulegen, in dem sich Menschen verschiedener Herkunft, Religion und Kultur begegnen und gemeinsam
beschäftigen. Hier gärtnern Flüchtlinge, Nachbar_innen und
Mitarbeiter_innen zusammen auf zahlreichen Hügel- und Hochbeeten sowie am Boden. Man tauscht sich übers Gärtnern aus,
es werden Vorurteile abgebaut und Freundschaften geknüpft.
Die Vielfalt der Produkte ist groß: von Tomaten, Gurken,

Z­ ucchini, Pastinaken, Mangold, Rote Bete, Spinat, Bohnen
und Kürbis bis hin zu Erdbeeren und Kräutern. Mit dem selbst
gezogenen und geernteten Gemüse wird zusammen inmitten von
Blumenwiesen gekocht.
In Kooperation mit dem Umweltbüro Berlin wurde aus einer
brachliegenden Fläche ein ökologisch bewirtschafteter Garten,
der zur Selbstversorgung und Erholung genutzt wird. Gemeinsame Aktivitäten und Feste, wie etwa ein Erntedankfest, runden das
Konzept ab.
Auf die ökologische und nachhaltige Bewirtschaftung des Nutzgartens wird großer Wert gelegt: die Verwendung torffreier Erde
und samenfester Sorten, das Kompostieren aller verwertbaren
Abfälle sowie der Nachbau von Saatgut sind selbstverständlich.

PREISTRÄGER 13

Vom tristen Hof zum Wohlfühlort
Bänschstraße // Friedrichshain

14	 PREISTRÄGER

Durch die Initiative einer Mieterin ist in nur zwei Jahren aus
einem vernachlässigten Hinterhof eine grüne Oase entstanden.
Mit Zustimmung des Eigentümers und mit viel Engagement
und Liebe zum Detail ist der Hof ein vielseitiger Erholungsraum
für die Anwohner_innen geworden und bietet Nahrung und
Lebensraum für Insekten und Vögel. Die üppige Bepflanzung
sorgt zudem im Sommer für angenehme Kühle und schattige
Plätzchen.
Nach der Entrümpelung wurden verschiedene gärtnerische
Maßnahmen durchgeführt. In einigen Bereichen wurde der
alte, von Bauschutt dominierte Boden abgetragen und mit
Erde und organischem Material aufgefüllt. Als Beeteinfassung
dienen gesammelte Steine, Baumstämme und grobe Äste, so
dass durch stetes Auffüllen mit feinem Gestrüpp, Laub und Erde
schließlich schöne Hochbeete entstanden sind. In der fruchtbaren Erde konnten blühende Beete angelegt werden. Im ersten
Frühjahr wurden Blumenzwiebeln, Blausterne, Primeln und
Walderdbeeren gesetzt. Nach und nach wurde die Bepflanzung
ausgeweitet, verschiedene Fassadenbegrünungen ergänzen die
Beete und Kübel. Mittlerweile gedeiht hier eine bemerkenswerte Vielfalt an Pflanzen. Neben Hortensien, Farnen, Herbstanemonen, Haselwurz, Frauenmantel, Clematis,
Pfeifenwinde, wilder Wein und Trichterwinde gedeiht hier
unterschiedliches Obst wie Johannisbeeren, Stachelbeeren,
Himbeeren, Kiwi, Apfel- und Kirschbäumchen. Regentonnen
liefern das Gießwasser für die wuchernde Pracht.
PREISTRÄGER 15

Dach der summenden Bienen
Chausseestraße // Mitte

16	 PREISTRÄGER

Der entstandene, private Dachgarten in Mitte hat sich zu einer
­üppig bepflanzten Grünfläche entwickelt. Neben einer weitläufigen Rasenfläche, die im Sommer als Blumenwiese erblüht,
wurden üppige Stauden und Sträucher wie Rosen oder Hortensien in großen Kübeln angepflanzt. Zudem gibt es einen kleinen
Nutzgarten, in dem Salate und Kräuter geerntet werden.
Beim Gärtnern wird Wert auf einen ökologischen Anbau und eine
naturverträgliche Schädlingsbekämpfung gelegt. Darüber hinaus
beherbergt der Dachgarten zwei Bienenvölker, die direkt vor
»ihrer Tür« ein reichhaltiges Nahrungsangebot finden. Der 50 qm
große Dachgarten leistet, wie alle Gärten und Grünflächen, einen
Beitrag für das Stadtklima in Berlin. Die Vielfalt der Flora bietet
Vögeln und Insekten Nahrung und Lebensraum und fördert die
Biodiversität. Nachbar_innen und Freund_innen genießen den
Garten als Oase der Erholung über den Dächern der Stadt.

PREISTRÄGER

17

MenschenskinderGarten
Fürstenwalder Straße // Friedrichshain

18	 PREISTRÄGER

Im MenschenskinderGarten entstand mithilfe des EU-Programmes »Bildung im Quartier - interkulturelle Begegnungsorte«
aus einer knapp 1.400 qm großen Brachfläche ein bunter Garten
für Kinder. Im Laufe der Zeit wuchs eine große Gartengemeinschaft heran, die über 16 »Individualbeete« hinaus Gemeinschaftsflächen anlegte und den Garten weiter entwickelt.

Die Gartengemeinschaft ist gut vernetzt. Kooperationen gibt
es unter anderem mit dem jüdischen Verein Bambini e.V., der
tatkräftig den Bau der Kräuterspirale unterstützt hat und monatlich Shabbat im Garten feiert. Von den Bauernhöfen aus dem
Umland wird Mist zum Düngen zur Verfügung gestellt. Der Garten
wird als Bildungsort weiterentwickelt. Er wird zunehmend von
Kitas, Schulen und sozialpädagogischen Gruppen genutzt. Alle
Angebote sind öffentlich: Interessierte sind herzlich eingeladen
teilzuhaben.
Finanzielle Unterstützung leisteten die Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung und Umwelt, das Bezirksamt
Friedrichshain-Kreuzberg und weitere Förderer.
Der Verein BAUFACHFRAU Berlin half bei der Planung des Areals.

Das Augenmerk gilt hier vor allem den Kindern, denen Spielund Forschungsmöglichkeiten in und mit der Natur geboten
werden. Dabei sind phantasievolle Flächen und Räume gestaltet
worden: vom Erdbeerfeld mit »Gieß-Schlammweg« über ein
Stangenbohnentipi zum Verstecken bis hin zur herrlichen
Blumenwiese, duftend und summend durch die zahlreichen
Insekten, die dort Nahrung und Lebensraum finden.
Der Garten ist darüber hinaus ein vielfältiger Nutzgarten. Es
gibt Apfel- und Birnenbäume sowie Beerensträucher. Dabei
werden auch alte Sorten angebaut. In den Beeten gedeihen Tomaten, Kartoffeln, Kürbisse, Bohnen, Artischocken, Radieschen,
Möhren und vieles mehr.
PREISTRÄGER

19

Mietergarten ROSI – Hochbeete soweit das Auge reicht
Gipsstraße/Rosenthaler Straße // Mitte

20	 PREISTRÄGER

Früher sprachen alle vom »Hof«, heute trifft man sich »im
Garten«. Im Rahmen einer von der Wohnungsbaugesellschaft
Mitte (WBM) durchgeführten umfassenden Sanierungsmaßnahme entstand die Idee eines Mietergartens. Schnell fand sich
eine Gruppe von engagierten Mieter_innen zusammen, um
eine bislang ungenutzte Fläche von knapp 200 qm im Innenhof
umzugestalten. Die WBM stellte den Mieter_innen eine Gartenplanerin und weitere fachliche Betreuung zur Seite.
In Gemeinschaftsarbeit wurden bislang 17 Hochbeete gebaut,
die von Mieter_innen bepflanzt und gepflegt werden. Eine
Vielzahl an Obst- und Gemüsesorten wächst und gedeiht auf
dem zuvor ungenutzten Areal. Kräuter und Wildblumen werden
liebevoll gepflegt, viele der Hochbeete wurden durch phantasievolle Anbauten und künstlerische Elemente erweitert.

Die WBM ließ fünf Obstbäume pflanzen, so dass sich die Mieter_
innen auf die Ernte von verschiedenen Apfelsorten und Quitten
freuen können. Die Vielfalt der Begrünung bietet zudem viel
Nahrung und Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Tiere.
Zur Erleichterung der Gartenarbeit wurden zwei Wassertanks
angeschafft und ein Geräteschuppen gebaut. Selbstgeschreinerte
Gartenmöbel, Hängematten und Planschbecken laden zur vielseitigen Nutzung durch alle Mieter_innen ein. Über die regelmäßig
stattfindenden Gartentreffen hinaus findet ein reger Austausch
zwischen den Nachbar_innen statt - generationsübergreifend
und über unterschiedliche kulturelle Hintergründe hinweg.

PREISTRÄGER 21

Ein blühender Streifen inmitten der Straße
Heilbronner Straße // Schöneberg

22	 PREISTRÄGER

Der Mittelstreifen in der Heilbronner Straße war jahrelang eine
vernachlässigte und vermüllte Fläche. Was spontan mit der Säuberung durch zwei engagierte Anwohnerinnen begann, hat im
Laufe der Zeit eine gärtnerische Gemeinschaft wachsen lassen,
die mit Ausdauer und Kreativität einen grünen Treffpunkt für
viele Nachbar_innen geschaffen hat. Durch die Freilegung alter
Wege bei den Reinigungsarbeiten kamen wunderschöne und zum
Teil vollständig erhaltene Pflastersteinmosaikwege und Baumeinfassungen zu Tage.
Durch Spendengelder konnten zahlreiche Stauden für jede Jahreszeit gepflanzt, über 1.000 Blumenzwiebeln und zwei fehlende
Rotdorne gesetzt sowie ein Rasenmäher und eine Gartenbank
angeschafft werden. Mit viel Engagement werden zwischen den
Steinfugen Unkraut gezupft, Pflanzen und Bäume regelmäßig
gegossen, der Rasen gemäht und Neupflanzungen vorgenommen. Durch das nachhaltige Engagement und Eigeninitiative
der Anwohner_innen ist die öffentliche Fläche jetzt ein urbanes
Paradies, das stetig gepflegt und weiter entwickelt wird. Das
Projekt hat die Nachbar_innen enger zusammengebracht und es
sind neue Freundschaften entstanden.

PREISTRÄGER 23

Alter Bahnhof trifft Permakultur
Helsingforser Straße // Friedrichshain

24	 PREISTRÄGER

Auf einer gepachteten Teilfläche des ehemaligen Wriezener
Bahnhofs, jetzt öffentlicher Landschaftspark, ist ein urbanes
Gartenprojekt entstanden. Die zuständige Verwaltung hat einem
guten Dutzend engagierter Gärtner_innen durch einen Nutzungsvertrag über fünf Jahre, mit der Option auf Verlängerung,
das Gärtnern in der Stadt ermöglicht. Im Rahmen dieses gemein­
nützigen Projektes wurden hier die Prinzipien der Permakultur
auf ein urbanes Gartenprojekt übertragen.
Das Prinzip der Permakultur beruht darauf, natürliche Kreisläufe
zu schaffen, und so den Ressourceneinsatz zu minimieren. Die
in der Natur bestehenden symbiotischen Beziehungen werden
genutzt, um das Anbaupotential zu steigern - insbesondere in urbanen Ballungsräumen ist das eine sinnvolle Herangehensweise.
Das entwickelte permakulturelle Design soll in mehreren Etappen
umgesetzt werden.
Auf dem rund 1.300 qm großen einstigen Bahnhofsgelände wurden Stauden und Gehölze, vor allem Obst und Gemüse, gemeinschaftlich und generationsübergreifend sowie unter Berücksichtigung von Wertstoffketten und Naturkreisläufen angepflanzt.
Dabei wurden auch Flächen, wie sie die Natur im Wald bietet,
angelegt. Zudem leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur
Verbesserung des Stadtklimas.

PREISTRÄGER 25

Bunte Farbtupfer statt Tristesse
Hindenburgdamm // Steglitz

26	 PREISTRÄGER

Sie wollten der »Tristheit des Hindenburgdamms« etwas entgegensetzen und »die Menschen erheitern«. Mit dieser Motivation
haben Anwohner_innen und Mitarbeiter_innen des Vereins Computerbildung im Mai 2015 gemeinschaftlich Schaufel und Harke
in die Hand genommen. An der vielbefahrenen grauen Straße
ist auf immerhin fünf Quadratmetern ein blühender Farbtupfer
entstanden.
Der verdichtete Boden wurde aufgelockert und teilweise abgetragen. Dann wurden neue Blumenerde aufgebracht, und es wurden
blühende Pflanzen eingesetzt. Die Baumscheibe wird vom Verein
und den Anwohner_innen gepflegt. Sie erfreut Akteure und
Passanten gleichermaßen. Nicht zuletzt daraus ziehen die Gärtner_innen ihre Motivation, künftig weitere Baumscheiben sowie
den Mittelstreifen zu bepflanzen.
Vorsicht im öffentlichen Raum!
Beim Bepflanzen von Baumscheiben im
öffentlichen Straßenraum sind Regeln zu
beachten. Es dürfen beispielsweise keine
hohen Zäune gebaut, nicht tief gegraben
(Wurzelverletzung!), keine giftigen Pflanzen verwendet oder Boden aufgeschüttet
werden. Auch schwere Aufbauten wie
Sitzbänke oder Blumenkübel sind nicht
zulässig. Damit die Mühe nicht umsonst
ist, sollte vor der geplanten Begrünung
die Genehmigung beim Grünflächenamt
eingeholt werden.
PREISTRÄGER

27

Gärtnern mit Göttern
Kopenhagener Straße // Reinickendorf

28	 PREISTRÄGER

Nach einer gründlichen Entsiegelung ist im Innenhof der
Hindu-Gemeinde in Reinickendorf ein außergewöhnlicher und
von verschiedensten Einflüssen inspirierter Garten gestaltet
worden. Mitglieder, Gärtner_innen und Künstler_innen aus
aller Welt, die im Hindu-Tempel zu Gast sind, bringen sich ein
und gestalten den Garten mit.
Organische Formen schlängeln sich durch den Garten, überall
gibt es Überraschendes und Unerwartetes zu entdecken, und
fast alles ist möglich: neben den neu gepflanzten Obstgehölzen
liebevoll bepflanzte Blumenbeete mit Stiefmütterchen in der
Baumscheibe, ein Kräutergarten zwischen Bambus und Rosen
und eine Zimmerpalme auf dem Rasen. Das Element Wasser
spielt hier eine zentrale Rolle. Die Wasserstellen und Teiche

fügen sich harmonisch ein und werden in die unterschiedlichen
Zeremonien mit einbezogen. Sitzmöglichkeiten inmitten der Oase
der Erholung laden zum Verweilen ein und sind Kommunikationsraum der Vereinsmitglieder und Besucher_innen. Der Garten,
direkt an der S-Bahn gelegen, wird ökologisch bewirtschaftet und
leistet zudem einen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas.
In Zukunft soll das Projekt noch weiter ausgebaut, Wege neu
angelegt und eine Bühne gebaut werden. So schlummern hinter
dem Sichtschutz aus Bambusmatten im hinteren Teil des Gartens
noch stapelweise Steine und andere Materialien, aus denen
sicher noch überraschende Sachen entstehen werden.

PREISTRÄGER 29

Über den Tellerrand wachsen
Lenaustraße // Neukölln

30	 PREISTRÄGER

Die internationalen Bewohner_innen und Mitarbeiter_innen
des »Sharehaus Refugio Berlin« in Neukölln setzen sich mit
dem Projekt »Über den Tellerrand Wachsen« für die Integration
von geflüchteten Menschen in die Gesellschaft ein. Mit einem
Dachgarten auf dem Gebäude in der Lenaustraße bringen sie
Berliner_innen, Interessierte aus aller Welt und Geflüchtete zu
gemeinsamen Aktivitäten und Projekten zusammen und schaffen einen Ort der Begegnung.
Das 300 qm große Dach wurde bereits von dem ehemaligen Eigentümer des Hauses als Dachterrasse ausgebaut, jedoch nicht
mehr genutzt. Als die Gärtner_innen mit dem Projekt begannen,
fanden sie rund 20 vernachlässigte Blumenkübel vor. In einer
ersten gemeinsamen Aktion wurden viele der Kübel entfernt, da
sie eine zu große Belastung für das Dach darstellten. Auf dem
Dach gärtnern Flüchtlinge mit Anwohner_innen, egal welchen
Alters und mit welchem kulturellen Hintergrund. Durch das
Gärtnern und Bauen lernen alle voneinander, gestalten Neues
und knüpfen Freundschaften. Auf dem Dach befinden sich

gemütliche Sitzgelegenheiten, ein Kompost und das, was einen
Garten ausmacht: eine Vielzahl von Pflanzen. In Beeten und
Kübeln werden Gemüse, Kräuter und Stauden gezogen.
Ein Sandkasten, mehrere Sitzgelegenheiten und eine Erweiterung
der Anbaufläche sind in Planung. Architekturstudent_innen der
Technischen Universität Berlin entwerfen Pläne zur weiteren
Gestaltung. Ein wöchentlicher Gartentag soll alle Interessierten regelmäßig zusammenbringen und Vielfalt und Austausch
fördern.

PREISTRÄGER

31

Naturerlebnis für die Kleinsten
Marienburger Straße // Prenzlauer Berg

32	 PREISTRÄGER

Durch ehrenamtliches und ausdauerndes Engagement der Eltern
und Mitarbeiter_innen einer Kita im Prenzlauer Berg ist im
zweiten Hinterhof ein naturnaher Garten entstanden. Die Bestandsbäume wurden durch heimische Gehölze wie zum Beispiel
Vogelbeere und Hainbuchen-Hecken ergänzt. Außerdem wurden
Obststräucher gepflanzt und Gemüsebeete angelegt. Zweimal im
Jahr finden in der 850 qm großen grünen Oase gemeinschaftliche
Arbeitseinsätze statt, bunte Feste fördern die Begegnung und
stärken die Gemeinschaft.
Die Nutzung des Hofes ermöglicht den Kita-Kindern besondere
Naturerlebnisse, die über das Angebot eines normalen Spielplatzes hinausgehen und nur selten in der Stadt möglich sind.
Spielerisch lernen die Kinder hier Tier- und Pflanzenwelt sowie
jahreszeitliche Kreisläufe und ökologische Zusammenhänge
kennen.
Bei der Obst- und Gemüseernte, beim Spielen am naturnahen
Wasserlauf oder bei der Verteilung des Kompostes können schon
mal Wurm und Assel beäugt und vorsichtig erforscht werden. Das
Buddeln in der Erde, das Erleben der Jahreszeiten, die Vielfalt der
Blumen, Insekten und Vögel, die hier Lebensraum und Nahrung
finden und nicht zuletzt das Verspeisen der eigenen Ernte schaffen eine Beziehung zur Natur und fördern ihre Wertschätzung.

PREISTRÄGER 33

Garten der Energie
Marienstraße // Mitte

…
Du bist meine Heldin,
ihr seid meine Helden.
In dieser Saison,
die Helden hervorgebracht hat,
entstand auch Kunst.
Kunst unterscheidet nicht
zwischen arm und reich.
Pflanzen sind verschwiegene
Helden für die Menschen.
Kunst zeigt die Dankbarkeit
des Menschen.
Kunst liebt Helden.
Helden lieben Pflanzen.
Hier.
…
»Meine Pflanzen sind meine Helden«
von Qi Yafang

34	 PREISTRÄGER

In der Marienstraße - einer kleinen, schönen, aber baumlosen
Straße - hat die Künstlerin Qi Yafang vor ihrem Atelier den
»Garten der Energie« geschaffen, ein blühender Straßengarten
in großen Holzkübeln und Hochbeeten. Die Beete sind üppig mit
Gemüse, Stauden, Kletterpflanzen und Sträuchern bepflanzt.
Im öffentlichen Straßenraum gedeihen Kürbis, Tomaten, Mais
und Peperoni. Stabile Holzkonstruktionen sorgen dafür, dass die
großen Pflanzen und schweren Früchte gut wachsen und reifen
können. Poetische Notizen zwischen den Pflanzen laden zum
Nachdenken und Innehalten ein. Sogar ein Gedicht hat sie für
ihre Pflanzen geschrieben. Eine kleine Sitzgelegenheit schafft
Raum für Entspannung und Gespräche.
Diese kleine Oase bietet sowohl Erholungsraum für Menschen,
die hier ihre Mittagspause genießen, als auch Nahrungs- und
Lebensraum für Vögel und Insekten. Der »Garten der Energie«
ist ein kleines Paradies, das vielen eine Freude bereitet.
PREISTRÄGER 35

Mauergarten – Multikulti ganz natürlich
Mauerpark Nähe Gleimstraße // Prenzlauer Berg

36	 PREISTRÄGER

Der interkulturelle mauergarten e.V. ist eine Gemeinschaftsinitiative und versteht sich als offene Begegnungsstätte. Nach
einer positiven Aufnahme durch die Bürgerwerkstatt sowie nach
Absprache und in enger Kooperation mit der Grün Berlin GmbH
bewirtschaftet der Verein das rund 1.500 qm große Areal vorerst
als Zwischennutzer. Aufgrund der Bodenbelastung des ehemaligen Güterbahnhof-Geländes wird bisher ausschließlich in Kübeln
und Hochbeeten gepflanzt.
Inzwischen gibt es im Garten über 100 Hochbeete und bepflanzte
Kübel. Der Verein hat im Laufe der Zeit rund 60 Mitglieder und
100 Aktive gewonnen. Die Gärtner_innen bauen Gemüse, Kräuter,
Obst und Blumen an. Sie lernen von- und miteinander und
diskutieren über alle Themen rund ums Gärtnern, Nachhaltigkeit,
Ökologie und gesunde Ernährung. Durch Wassertanks wird die
ausreichende Bewässerung gesichert. Alle Gartenabfälle werden
kompostiert, außerdem wird Pferdemist vom benachbarten
Kinderbauernhof angeliefert. Seit Mai 2014 sind auch mehrere
Bienenvölker hier zu Hause. Es gibt überall gemütliche Sitzecken
mit selbstgezimmerten Bänken, Tischen oder Schaukelsitzen, in
denen gespielt, erzählt, beobachtet oder gechillt wird.
Auch in Sachen Umweltbildung ist der Mauergarten sehr aktiv. Es
werden Workshops, Feste und Gemeinschaftsaktionen, oft auch
mit anliegenden Kitas, angeboten und damit das Umweltbewusstsein vieler Interessierter gefördert.

PREISTRÄGER

37

Ein Platz zum Essen
Nikolsburger Platz // Wilmersdorf

38	 PREISTRÄGER

Das Projekt am Nikolsburger Platz hat sich etwas ganz Außergewöhnliches zum Ziel gesetzt: den großen, öffentlichen Platz mit
zahlreichen Passant_innen durch vielfältige Begrünung nachhaltig, attraktiv und lebendig zu gestalten. Seit Juni 2013 engagieren
sich Anwohner_innen mit Freude am Gärtnern ehrenamtlich
auf dem Platz, der bis dahin durch mangelnde Pflege ziemlich
verwahrlost war. Erste Blumen wurden gesät, bestehende Beete
aufgewertet und neue angelegt. Im Jahr 2014 wurde mit dem
Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf, das das Engagement der Bürger_innen umfassend unterstützt und zum Beispiel
frische Komposterde zur Verfügung stellt, ein Pflegevertrag
geschlossen. Unter dem Motto »Platz zum Essen« werden neben
Stauden und Blumen auch Gemüse und Kräuter gepflanzt. Viele
Insekten und Vögel finden hier Lebensraum und Nahrung.
Die Initiative, die mit einer Handvoll Engagierter startete, wächst
stetig, und das Projekt soll weitere Gärtner_innen finden: Auf
Stelltafeln und im Internet wird dazu eingeladen mitzumachen.
Auch Tourist_innen freuen sich an dem bunten Platz: nicht zuletzt
dank Erich Kästner, der in seinem Kinderbuch »Emil und die
Detektive« den Nikolsburger Platz beschrieb. Durch die Nähe zu
Schulen und Kindergärten können die Kinder den Platz regelmäßig besuchen und beobachten, wie das Gemüse wächst. Gelegentliches Naschen ist erlaubt.

PREISTRÄGER 39

Villa Kuriosum-Molche, Zirkusluft und Pflanzenheilkunde
Scheffelstraße // Lichtenberg

40	 PREISTRÄGER

In der »Villa Kuriosum« taucht man in einen Dschungel ein, in
dem sich die Eigenwilligkeit der Natur in ihrer Vielfalt, Wucherfreudigkeit und ihrem enormen Reichtum an Formen, Farben
und Strukturen erleben lässt.
Dank des Zusammenwirkens von vielfältigen Künstler_innen
und Handwerker_innen fließen hier Natur und Kunst ineinander. Die Kunstobjekte sind aus recycelten Materialien hergestellt. Hier ist jeder willkommen in den verträumten Sitzecken
zu entspannen, auf den Streuobstwiesen umherzustreifen und
die Vielfältigkeit der Flora und Fauna kennenzulernen. Veranstaltungen wie Zirkus, Flohmarkt, gemeinsames Kochen und
Workshops sind Alltag im Garten der Villa.
Es ist ein bunter Veranstaltungsort mit Veranstaltungsgebäude,
botanischem Garten und Kirschen, Äpfeln, Birnen und Mirabellen zur Selbstbedienung. Unterschiedlichste Biotope und Pflanzen sind hier auf rund 1.000 qm zu bestaunen: ein Steingarten,
feuchte Bereiche mit Farnen, verschiedene Teiche mit Sumpfpflanzen, ein Molchteich, ein Gewächshaus zur Anzucht von

Gemüse und Kräutern sowie Bereiche mit Giftpflanzen, Gräsern
und insektenfangenden Pflanzen.
Als Lernort genutzt, finden auch Führungen durch den Garten
statt: Dabei werden neben botanischen Kenntnissen auch Wissen
über Inhaltsstoffe von Pflanzen und deren Verwendung in der
Pflanzenheilkunde vermittelt. Das »Highlight« der Führungen
liegt darin, ausgesuchte Pflanzen im Detail zu erforschen und
mehr über ihre strukturelle Beschaffenheit zu lernen.
PREISTRÄGER

41

Spaß an Selbstversorgung
Scheffelstraße // Lichtenberg

42	 PREISTRÄGER

Frei nach dem Motto »klein aber fein« gärtnert eine Gruppe engagierter und neugieriger Anwohner_innen auf einer etwa 50
qm großen, vom Verein Fraibeuterinnen e.V. gepachteten Fläche
in Lichtenberg. Der Spaß am Naturerlebnis, an der Selbstversorgung, das Experimentieren und die Lust, die gärtnerischen Fähigkeiten zu erweitern sowie natürliche Kreisläufe verstehen zu
lernen und zu nutzen, stehen dabei im Vordergrund. Dabei wird
beispielsweise gelernt, wie ökologisch und vielfältig gegärtnert
wird und Sorten vermehrt werden.
Auf kleinstem Raum finden Beerensträucher, Stauden, Kräuter,
Gemüse und Blumen ihren Platz. Verschiedene biologische
Düngevarianten wie Kompost aus dem Thermokomposter oder
Brennesseljauche werden selbst produziert und auf dem Grundstück eingesetzt. Ein Naturzaun und eine Fassadenbegrünung
mit Hopfen und Knöterich rahmen das grüne Kleinod ein.
Verschiedene Aktionen wie Grillabende, Picknick und Flohmarkt
bringen die Nachbarschaft zusammen. Auch mit dem angrenzenden Gemeinschaftsgarten der »Villa Kuriosum« gibt es
gemeinsame Unternehmungen und Projekte. Die gemeinschaftlichen Aktivtäten in der kleinen Oase schaffen Erholung und
Naturerfahrung abseits von Konsum und Hektik des Alltags.

PREISTRÄGER 43

Schulgarten Max Pflanzen
Singerstraße // Mitte

44	 PREISTRÄGER

Der Max Pflanzen Schulgarten wurde von einer Gruppe junger
multikultureller Menschen in Zusammenarbeit mit und auf
dem Gelände des Max-Planck-Gymnasiums gegründet. Bevor
es richtig losging, wurde das 300 qm große Areal aufgeräumt
und die vorhandene Vegetation kartiert. Dabei wurde ein alter
Apfelbaumbestand wiederentdeckt. Nach einer Ideensammlung
für den ehemaligen Nutzgarten konnte die wachsende Gruppe
engagierter Gärtner_innen, bestehend aus Studierenden, interessierten Lehrer_innen, Eltern, Schülerschaft und Nachbar_innen,
endlich loslegen: Es wurden Wände vertikal begrünt, Hoch- und
bodennahe Beete errichtet sowie Gemüse und Blumen gepflanzt.
Ein kleiner Steingarten beherbergt unterschiedliche Kräuter. Ein
vernachlässigter Teich wurde erfolgreich renaturiert. Mit einem
eigenen Kompostsystem für die Herstellung fruchtbarer Erde
soll den Schüler_innen das Prinzip geschlossener ökologischer
Kreisläufe näher gebracht werden - ein Schritt zur Nutzung des
Gartens als Lernort.
Insbesondere das Thema Nachhaltigkeit als Zusammenspiel
ökologischer (gut für das Stadtklima), sozialer (bringt Menschen
einander näher) und ökonomischer (kostet nicht viel) Faktoren ist
den Initiator_innen des Projekts sehr wichtig. In Zukunft sollen
weitere Möglichkeiten des Gärtnerns ausprobiert werden, wie
etwa die Verwendung von Kletterpflanzen oder der »Anbau« von
Pilzen.

PREISTRÄGER 45

Blühende Baumscheiben
Türkenstraße // Wedding

46	 PREISTRÄGER

Die Säuberung, Bepflanzung und Neugestaltung einer Baumscheibe in der Türkenstraße ist ein gutes Beispiel dafür, wie das
Engagement einer einzigen Anwohnerin auch andere Menschen
zum Mitmachen motivieren kann.
Alles fing mit der Bepflanzung einer Baumscheibe an. Durch
Aufschüttung mit fruchtbarer Erde und vielfältige Bepflanzung
wurde hier ein blühender Farbtupfer im Asphaltgrau gesetzt.
Mittlerweile wurden viele weitere Anwohner_innen und
eine Kita für die Bepflanzungsidee begeistert. Zum Teil durch
Spenden organisiert, wurden sieben weitere Baumscheiben
bepflanzt und gepflegt.
Das Grünflächenamt war vorerst skeptisch, befürwortet aber
inzwischen die Begrünung. Die schonende Bepflanzung, der
reduzierte Kot- und Urineintrag und das regelmäßige Gießen
kommen offensichtlich nicht nur den Bäumen zugute. Biotope
für kleine Lebewesen wie Würmer, Schnecken oder Insekten
sind entstanden. BlühendenPflanzen, wie etwa Sonnenblumen,
bieten Insekten und Vögeln Nahrung. Auch die Lebensqualität
in der Straße ist gestiegen. Die Anwohner_innen tauschen
sich aus, Nachbar_innen verweilen und pflegen gemeinsam
die Flächen. Vier Kitas aus der Nachbarschaft sehen jetzt mehr
Grün, und die Bewohner_innen des anliegenden Alten-Stifts
spazieren immer häufiger durch die Straße.

PREISTRÄGER

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Spreeacker – ein Garten am Wasser
Wilhelmine-Gemberg-Weg // Mitte

48	 PREISTRÄGER

Hinter der Köpenicker Straße an der Spree ist durch das Engagement vieler Initiativen ein kreativer Ort entstanden. Über
eine öffentliche Ausschreibung der Bau- und Wohngenossenschaft Spreefeld Berlin haben sich am Ufer der Spree in Berlins
Mitte Projekte mit unterschiedlichen Konzepten zusammen
gefunden. 2014 wurde der Spreeacker Verein mit Genossenschaftsmitgliedern, Bewohner_innen, der Nachbarschaft und
anderen Engagierten gegründet. Ein wilder und sehr lebendiger
Garten ist hier entstanden.
Das rund 2.000 qm große Gelände ist gärtnerisch vielseitig
und ökologisch angelegt, die Berücksichtigung und Nutzung
natürlicher Kreisläufe ist selbstverständlich. Alle organischen
Abfälle werden kompostiert und das Regenwasser wird aufge-

fangen und genutzt. Die Arten- und Sortenvielfalt der heimischen
Stauden und des Obstes und Gemüses ist beeindruckend. Dachund Fassadenbegrünungen tragen zur Luftreinhaltung bei und
bieten Nahrung und Lebensraum für Tiere. Darüber hinaus wird
der Spreeacker als Bildungsort genutzt: ein offenes Lehr- und
Lernangebot mit Aktionen und Workshops wendet sich an alle
Interessierten.
Entscheidungen für die Nutzung und Gestaltung werden gemeinschaftlich und im Austausch mit der Genossenschaft getroffen.
Die Kommunikation zwischen der Spreefeld Genossenschaft Berlin, der jetzigen Eigentümerin der Fläche, und der zuständigen
Verwaltung, an die die Fläche verkauft werden soll, ist die große
Herausforderung: Ein langfristiger Pflegevertrag wird angestrebt.

PREISTRÄGER 49

Halil-Tufany-Park – Pullis für Poller und Futter für Vögel
Winterfeldtstraße // Schöneberg

50	 PREISTRÄGER

Innerhalb eines Jahres verwandelte sich ein von Unkraut überwucherter Raum zwischen parkenden Autos in der Winterfeldtstraße
durch Entmüllung, Bepflanzung und weitere Maßnahmen in eine
bunte Oase für Pflanzen und Tiere. Mit viel Liebe entstand der
Halil-Tufany-Park.
Auf der sechs Quadratmeter kleinen Fläche wurden Stauden,
Kräuter und Blumen gepflanzt, die begrenzenden Poller liebevoll bestrickt und ein wahres Paradies für Vögel und Insekten
geschaffen. Hier gibt es alles, was das Vogelherz höher schlagen
lässt: ein Vogelhaus, eine Trinkstelle, einen Pool und ein Sandbad.
Aber auch an Insekten wurde gedacht, und mehrere Insektenhotels wurden gebaut und angebracht. Steine und Tontöpfe bieten
Unterschlupf für kleine Tiere am Boden. Um Wasser zum Gießen
zu sammeln und nicht wertvolles Trinkwasser nutzen zu müssen,
wurde eine Regentonne aufgestellt.
Die farbenfrohe und liebevolle Gestaltung der Baumscheibe findet auch bei den Nachbar_innen und Passanten großen Anklang,
die bei der Pflege des Parks tatkräftig und mit Spenden anpacken.
So fördert die begrünte Baumscheibe nicht nur die Biodiversität,
sondern ist auch Bereicherung für den Straßenraum und Begegnungsstätte für die Nachbarschaft geworden.

PREISTRÄGER

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Lützowtopia – ein Garten für die Seele
Wolfsburger Weg // Mariendorf

52	 PREISTRÄGER

Seit 2009 bewirtschaftet die Gartengruppe der Tagesstätte Lützowtopia das zuvor verwilderte Grundstück in Mariendorf. Neben Blumen- und Staudenbeeten entstanden so in den letzten
Jahren ein großer Gemüsegarten, mehrere Hochbeete und eine
Kräuterspirale.
Menschen mit schweren chronischen Krankheiten und seelischer Behinderung gestalten, gärtnern, ernten und kochen
dort. Die Aktivitäten helfen ihnen, ihren Alltag zu strukturieren
und sich weiterzuentwickeln. Mit großen gemeinschaftlichen
Gemüsebeeten, Muster-Biotopen, dem Bau von Insekten- und
Vogelhäusern bringt Lützowtopia die Menschen zusammen.
Die Ernte wird zum überwiegenden Teil in den Kochgruppen
zubereitet und gemeinsam genossen, der Rest der Gartenernte
wird unter den Mitgliedern der Gartengruppe verteilt. Auch zur
benachbarten Kleingartenanlage gibt es gute Kontakte. Dort
sind die Gärtner_innen als Erntehelfer_innen tätig und mosten
das geerntete Obst für die eigene Verwendung.
Behindertengerecht und ökologisch vielfältig gestaltet, das
Stadtklima verbessernd und gesundheitsfördernd wurde mit dem
Garten der ZIK gGmbH ein großartiges Projekt geschaffen. Gärtnerisch beeindruckend, sozial verbindend und gut organisiert ist
Lützowtopia mehr als nur ein Garten. Er ist Erholungsraum und
Rückzugsort für mehr als 30 Menschen. Für die Betreuer_innen
ist es wunderbar mitzuerleben, wie sich diese Oase positiv auf die
Gesundheit dieser zum Teil schwer kranken und stark beeinträchtigten Menschen auswirkt.
PREISTRÄGER 53

Tipps und Anregungen
Gärtnern mit Kindern

54	 GÄRTNERN MIT KINDERN   

Abenteuerspielplatz Garten
Gärten sind für Kinder grüne Spielplätze, sei es als spannender
Erkundungsort, blühende Wohlfühloase oder Abenteuerland. Dabei
braucht es nicht viel, der Garten bietet Material und Raum für Ideen
und Spiele im Überfluss. Für Erwachsene als wertlos Betrachtetes
wird zum willkommenen Spielzeug. Herumliegende Äste, kleine Steine und buntes Laub bieten Material für kreative Spiele. Rasenflächen
und Wiesen können zu Ballspielen genutzt werden, zugewachsene
Orte zum Verstecken.

Sich ausdauernd um die eigenen Pflanzen zu kümmern, fällt Kindern
manchmal schwer, jedoch lernen sie dadurch Verantwortung zu übernehmen. Sie sind stolz, wenn das selbst eingepflanzte Grün dann
beachtliche Höhen erklommen hat und schließlich auf dem eigenen
Teller landet.
Also, raus in den Garten...

Außerdem gibt es immer etwas zu tun und zu entdecken. Auch die
Gartenarbeit wird zum Spiel. Schubkarrenwettrennen oder Wasserschlacht, meistens kommen die Kleinen von ganz allein auf kreative
Ideen. Haben Kinder erst mal Gefallen am Gärtnern gefunden,
suchen sie sich immer neue Herausforderungen.
Von der Natur lernen
Was krabbelt da auf dem Boden? Was wächst dort am Baum? Die
Kleinen sind neugierig auf ihre Umgebung. Sie beobachten, erforschen und lernen dabei spielerisch, dass zum Beispiel Erdbeeren
nicht an Bäumen und Kirschen nicht im Boden wachsen. Im Laufe
der Zeit entwickeln sie auch ein Bewusstsein, wo das Obst, Gemüse
und die Kräuter eigentlich herkommen, die täglich auf ihrem Teller
landen; Supermärkte zaubern diese nicht aus dem Hut.
Kreativ und selbstbewusst
Kleine Gärtner_innen freuen sich, wenn sie mitgestalten dürfen. Gerne suchen sie die Pflanzen mit aus und helfen beim Gießen, Aussäen
und Einpflanzen. Frei können sie sich ausleben, mit selbstgebastelten
Windrädern den Garten mitgestalten.
	

GÄRTNERN MIT KINDERN 	 55   

Gut ausgerüstet

56	 GÄRTNERN MIT KINDERN   

Beim Herumtollen im Garten ist vor allem robuste und wasserabweisende Kleidung gefragt. So können sich kleine Gärtner _innen wie es
ihnen beliebt durch den Garten bewegen. Auf allen Vieren zwischen den
Pflanzen, mit einer Gummihose und Regenstiefeln ausgestattet, kann
unbeschwert gegraben, gegossen und genascht werden.
Mit einer Gießkanne oder einem Rechen für Erwachsene kann ein Kind
nichts anfangen. Es lohnt sich, Gartengeräte in kindgerechtem Format zu
besorgen. Meistens sind diese Produkte farbenfroh gestaltet und robust.
Für die ganz Kleinen können anstelle von Harke und Spaten, Löffel und
Gabel aus der Küche benutzt werden.
Sicher durchs Grün
Aber auch bei kurzen und kleinen Gartengeräten, ob Kinderrechen oder
Küchengabel, müssen zuallererst Verhaltensregeln und Sicherheitsvorkehrungen erklärt werden. Einen Rechen legt man nicht mit den Zinken
nach oben auf die Wiese. Dann stolpert der nächste darüber und die
Freude am Gärtnern ist vorbei. Die Schaufel wird nach der Arbeit gesäubert, bevor sie in den Schuppen gestellt wird. Mit spitzen Gegenständen
wie Gartenschere oder Löwenzahnstecher wird nicht gerannt, die Schere
bleibt geschlossen, wenn sie gerade nicht benutzt wird.
Holzlacke, Dünge- und Frostschutzmittel sollten generell nicht in
Reichweite von Kindern aufbewahrt werden. Auch Motorgeräte sind für
Kinder unzugänglich zu lagern. Die Demonstration motorisierter Gartengeräte aus sicherer Entfernung gibt den Kindern zu verstehen, warum
hier mehr Sorgfalt geboten ist.

	

GÄRTNERN MIT KINDERN 	 57

Hurra, es wächst
Pflanzen für Ungeduldige

Gießen, Pflanzen und Unkraut jäten, das Beobachten und Erforschen
bereitet Kindern großen Spaß. Sie erfahren spielerisch, dass sie mit ihrer
Hingabe etwas bewirken. Mit den richtigen Pflanzen und ein paar Tricks
bleiben auch die Ungeduldigen mit Eifer bei der Sache.
Schnell von der Hand in den Mund
Schnell wachsende Pflanzen wie zum Beispiel Zucchini, Kapuzinerkresse,
Kürbis oder Tomaten eignen sich sehr gut zum Gärtnern mit Kindern.
Täglich kann das Wachstum beobachtet und mit Genugtuung betrachtet
werden, was aus dem kleinen Samen geworden ist. Selber angebaut
und geerntet, schmeckt dann auch plötzlich Gemüse, das bis dahin eher
kritisch beäugt wurde.
Küchenkräuter sind bei Kindern ebenfalls beliebt. Pflegeleicht gedeihen
sie fast überall und verzeihen Nachlässigkeiten. Sie sind meist sehr
geruchs- und geschmacksintensiv. Auf Schnupperkurs werden die unterschiedlichen Kräuter erforscht und gekostet. Kresse eignet sich wunderbar für die Ungeduldigen. Die Samen keimen auf feuchter Watte bereits
am nächsten Tag, vier bis fünf Tage nach dem Aussäen kann bereits
geerntet werden. Rosmarin oder Thymian sind genügsam und vertrocknen nicht so leicht, wenn das Gießen längere Zeit vergessen wurde.
58	 GÄRTNERN MIT KINDERN   

Bunte Vielfalt für alle
Begeisterung finden auch farbenfrohe Blütenpflanzen, die Bienen,
Schmetterlinge und Marienkäfer anlocken. Die großen Sonnenblumen sind sehr beliebt, ebenso die pflegeleichten Löwenmäulchen.
Die Schokoladen-Kosmee sieht nicht nur lecker aus, sie duftet auch
nach Schokolade und lockt damit tierische Nützlinge an. Mit samtigen Blättern und bunten Farben versprüht sie je nach Wetterlage
unterschiedliche Düfte. Für ein fühlbares Erlebnis eignet sich gut das
einjährige Hasenschwanzgras, wegen seiner watteähnlichen Samenund Blütenstände auch Samtgras oder Glanzgras genannt.
»Wenn Kinder gärtnern,
essen sie plötzlich auch Gemüse«
Ralf Thielebein-Pohl, Geschäftsführer
der Stiftung »Save Our Future«

Gartenkalender »Wenn es schnell wachsen soll«
Gemüse / Kräuter

Aussaat

Erntezeit

Zucchini

Vorzucht im Haus ab März, Auspflanzen im
Freien von Mai bis Juni bei Temperaturen
ab 12 Grad

Nach 6 bis 8 Wochen Ernte der Früchte, auch
die Blüten sind essbar

Radieschen

Aussaat im Freien je nach Sorte März bis
September

5 Wochen nach Aussaat, am späten
Nachmittag höchster Vitamingehalt

Möhre

Aussaat im Freien April bis Juni
(Sommerkarotte) bzw. Mai bis Juli

Juni (Sommerkarotte) bis Dezember
(Winterkarotte), 10 Wochen nach Aussaat

Kresse

Drinnen das ganze Jahr möglich

Wenige Tage nach dem Aussäen

Petersilie

Vorzucht im Haus ab Februar, Auspflanzen
im Freien April bis Juli

Mai bis Oktober, ab 4 Wochen nach Aussaat

Erbsen

Aussaat im Freien je nach Sorte März bis Juni

Juni bis September

Schnittlauch

Ab April Aussaat im Freien

Nach etwa 6 Wochen Ernte der Halme,
auch die Blüten sind essbar

Blumen

Aussaat

Blüte

Löwenmäulchen

Vorzucht ab Februar im Haus,
Auspflanzen im Mai

Mai bis Oktober

Schokoladen-Kosmee

Aussaat im Freien April bis Mai

Juli bis Oktober

Kapuzinerkresse

Vorzucht Mitte März im Haus,
Aussaat im Freien ab Ende März

bis Dezember, gesamte Pflanze essbar,
die Blüten zieren jeden Salat!

Duftwicke

Vorzucht im Haus ab März oder
Aussaat im Freien im April

Verblühtes regelmäßig entfernen, dann blüht
sie von Juni bis September

	

GÄRTNERN MIT KINDERN 	 59   

Das ganze Jahr zu tun

Im Wonnemonat Mai geht dann alles richtig los. Alles blüht, wächst
und summt. Damit der Garten im Sommer viele Schmetterlinge anlockt, kann eine Schmetterlingswiese angelegt werden. Spezielle
Samenmischungen enthalten Pflanzen, die vor allem Schmetterlinge
und Insekten anziehen. Die älteren Kinder legen mit den Eltern zusammen ein Blumenbeet an. Hierfür eignen sich Narzissen, Stiefmütterchen und Primeln. Im Gemüsebeet können Kräuter gesät werden.

Für Kinder bietet jede Jahreszeit neue
Möglichkeiten zum Erkunden, Beobachten und Gärtnern. Das ganze
Gartenjahr hindurch sind vielfältige Aktivitäten möglich.
Frühling
Mit den ersten, warmen Sonnenstrahlen sprießen die Frühjahrsblüher
hervor. Im Herbst eingepflanzte Blumenzwiebeln fangen an zu blühen.
Welche Blume treibt zuerst aus? Wann springen die ersten Knospen auf?
Der Garten wird zum spielerischen Lernort.
Mit einer Gartenschere für Kinder kriegt der Busch einen neuen Schliff.
Die meisten Sträucher vertragen einen Schnitt vor dem Austreiben sehr
gut und blühen dann umso mehr. Im April kann mit dem Säen begonnen
werden, all die schönen, farbenfrohen, geruchs- und geschmacksintensiven Pflanzen stoßen schon nach kurzer Zeit durchs Erdreich. Einige Kräuter, wie Petersilie, Brunnenkresse oder Schnittlauch gedeihen bereits bei
Temperaturen ab 12 Grad, die meisten Samen kommen jedoch erst nach
den Eisheiligen unter die Erde (mehr Informationen zur Aussaat auf S. 59
»Pflanzen für Ungeduldige«). Im Haus fängt die Vorzucht für die Pflanzen
an, die erst in den kommenden Wochen eingepflanzt werden können, wie
zum Beispiel Tomaten und Salat.

60	 GÄRTNERN MIT KINDERN   

Sommer
Sind die Frühjahrsblüher verwelkt, können ihre Blüten abgeschnitten
werden, jedoch auf keinen Fall die gelben Blätter. Diese braucht die
Zwiebel noch, um daraus Kraft fürs neue Jahr zu ziehen. Die Zwiebel
muss nicht ausgegraben werden - im Gegenteil, Blumenzwiebeln nutzen die Ruhezeit unter der Erde, indem sie Tochterzwiebeln bilden. Bis
spätestens Ende Juni kommen die im Haus vorgezüchteten Pflanzen
in die Erde. Die Blumensamen sind mittlerweile zu prächtigen Pflanzen herangewachsen. Kinder erfreuen sich daran und können daraus
Sträuße nach ihrem Geschmack zusammenstellen.
Oft muss gegossen werden, die kleinen Gärtner_innen lernen Verantwortung für ihre Pflanzen zu tragen.

Die Pflanzen werden gedüngt, welke Blüten abgeschnitten. Mit der
richtigen Pflege blüht der Garten bis in den späten Herbst hinein.
Langsam kann dann auch geerntet werden! Die Früchte und die essbaren Knollen, Blätter und Blüten werden genascht, die Kleinen entdecken so die Geschmacksvielfalt. Eltern und Kinder ernten zusammen,
danach werden Gemüse, Obst und Kräuter verwertet. Die Kräuter können auch geschützt zum Trocknen aufgehängt werden. Wie wäre es
mit dem Experiment, selber Marmelade herzustellen? Sie ist nicht nur
lange haltbar, es bereitet auch Freude, neue Geschmackrichtungen zu
auszuprobieren.
Herbst
Im Herbst ist viel zu tun. Ob Obst, Gemüse oder Salat - im Spätsommer
und Herbst gibt es von allem reichlich (Informationen zur Erntezeit
auf S. 59 , »Pflanzen für Ungeduldige«).
Verblühte Sonnenblumenköpfe sind ein beliebtes Vogelfutter. Sind
sie windgeschützt und für die Katze unerreichbar aufgehängt, können
sich die Vögel in Ruhe zum Naschen einfinden. Das Gemüsebeet sollte
umgegraben werden, Gründünger wie Lupine und Bienenweide (Phacelia) kann gesät oder Mist und Kompost aufgetragen werden.
Für den nächsten Frühling werden Blumenzwiebeln eingepflanzt.
Herunter gefallenes Laub wird zusammen gerecht. Allerdings nur auf
den Gehwegen, denn das Laub ist ein natürlicher Dünger für die Pflanzen und schützt den Boden im Winter. Außerdem sind Laubhaufen
willkommene Winterquartiere für Igel und andere Bodentiere. Töpfe
und Balkonkästen müssen winterfest gemacht werden. Mehrjährige
Pflanzen sind mit Laub zu bedecken, die Töpfe mit Vlies, Kokosmatten
oder Jutesäcken zu umwickeln. So können die Pflanzen den Winter gut
überstehen.

Winter
Im Schnee haben Kinder besonders viel Spaß. Neben Schneemannbau und zu gewinnenden Schneeballschlachten, sind bei genauerer
Betrachtung Tierspuren im Schnee zu sehen. Wer hat sich da durch
den Garten bewegt? Vielleicht lässt sich ja ein Unterschlupf entdecken. Nicht nur die Kinder, auch die Vögel sollen gut durch den Winter
kommen, sie brauchen regelmäßig Futter. Und wenn dann draußen
wirklich alles friert, kann im Haus weiter »gegärtnert« werden: Auf
der Fensterbank keimen Bohnen, Kresse und Senf. Auf Brot, in Dips
und im Salat schmecken sie besonders gut.
Wenn der Winter sehr trocken ist,
brauchen die Kübelpflanzen ab und zu
etwas Wasser. Es kann sonst passieren,
dass sie vertrocknen und im nächsten
Frühjahr nicht wieder austreiben.
	

GÄRTNERN MIT KINDERN 	 61

Giftpflanzen

Mehr als 50 giftige Pflanzenfamilien sind in Deutschland heimisch.
Sie wachsen auf öffentlichen Flächen gleichermaßen wie in privaten
Gärten. Vor allem kleine Kinder erfahren ihre Umgebung auch durch
den Geschmackssinn und stecken sich, ohne nachzudenken, Dinge in
den Mund. Bei ihnen können auch weniger giftige Pflanzen ernste
Symptome hervorrufen. Giftige Pflanzen gehören jedoch, auch wenn
der Garten für Kinder zugänglich ist, nicht grundsätzlich aus diesem
verbannt. Sie haben ihren berechtigten Platz im Ökosystem. So dient
beispielsweise die für Menschen giftige Eibe mit ihren rot leuchtenden Früchten als wichtige Futterquelle für Vögel im Winter.

nur schauen, nicht kauen

Herbstzeitlose 1

Seidelbast 2

Hier ist Vorsicht geboten
Auf diese Sträucher sollte jedoch verzichtet werden, denn sie gelten
als stark giftig: Pfaffenhütchen, Seidelbast, Stechpalme und Goldregen. Sie sind deshalb auch auf Kinderspielplätzen verboten.
Bei einigen Pflanzen kann bereits der Hautkontakt problematisch
werden. Dazu gehören der Eisenhut und die Herkulesstaude, sie
sollten nur mit Handschuhen angefasst werden. Fingerhut und
Herbstzeitlose mit ihren wunderschönen Blüten sind ebenfalls stark
giftig. Sie sollten erst einen Platz im Garten bekommen, wenn die
Kinder älter sind.

Eisenhut 3

Fingerhut 4
62	 GÄRTNERN MIT KINDERN   

Kindern sollte von klein auf deutlich gemacht werden, welche Pflanzen beziehungsweise welche Pflanzenteile essbar sind und welche
nicht. So können sie sich auch auf öffentlichen Plätzen vor giftigen
Pflanzen in Acht nehmen. Schnell können sie die Unterschiede
ausfindig machen und lernen bei anschaulicher Erklärung, dass nicht
alles, was lecker aussieht, genießbar ist.

Klare Regeln helfen
Allgemein sind Regeln festzulegen. Kleine Kinder spielen besser
unter Aufsicht im Garten. Empfehlenswert ist auch, dass Kinder nichts
aus dem Garten naschen, ohne vorher zu fragen. Nach dem Aufenthalt im Garten werden die Hände gewaschen. Ältere Kinder essen
meist nichts, was sie nicht kennen. Manchmal hilft der Geruchssinn
weiter: riecht eine Frucht bereits unangenehm, ist sie meist ungenießbar. Und schmeckt sie dann tatsächlich bitter und unangenehm,
spuckt sie das Kind zumeist aus.
Das Anpflanzen giftiger Pflanzen entscheiden die Eltern. Sie müssen
sich und ihrem Kind den richtigen Umgang mit Giftpflanzen zutrauen.
Sie wissen am besten, ab welchem Zeitpunkt die Kleinen die giftigen
und nicht giftigen Pflanzen unterscheiden können und wie weit sie
sich an die Regeln halten.
Ausführliche Informationen zu Giftpflanzen finden Sie hier:
www.giz-nord.de/cms/index.php/liste-giftiger-pflanzenarten.html

Ein selbst gestaltetes
Hinweisschild zu der jeweiligen
Pflanze gesteckt, erinnert nicht
nur die eigenen Kinder daran,
dass hier Vorsicht geboten
ist, sondern warnt auch
Kinder, die zu Besuch sind.

5 Pfaffenhütchen

6 Stechpalme

7 Herkulesstaude

8 Goldregen

9 Eibe
	

GÄRTNERN MIT KINDERN 	 63

Schatztruhe Garten
auf Erkundungstour

Ein Garten ist ein wahres Paradies für kleine Entdecker_innen. Überall kreucht und fleucht es, unter den Steinen verstecken sich Asseln
und Tausendfüßler, in den Beeten und auf der Wiese gibt es täglich
Neues zu erforschen. Dafür lohnt es sich, eine Lupe und ein kindgerechtes Bestimmungsbuch anzuschaffen. So ausgerüstet, kann die
Forschungstour losgehen.
Wie viele Punkte zählst Du?
Der Marienkäfer ist bei Kindern sehr beliebt. Er ist auch als Nützling im Garten gern gesehen, da er Blattläuse frisst. Schon mit dem
bloßen Auge kann man die Punkte auf seinem Rücken zählen. Diese
zeigen nicht das Alter des Marienkäfers an, wie viele glauben. Jeder
Marienkäfer wird je nach Art mit einer bestimmten Punktzahl geboren, viele Arten sind nach der Zahl der Punkte benannt. So gibt es
zum Beispiel Fünfpunkt-Marienkäfer oder den Siebenpunkt. Es gibt
insgesamt 27 Marienkäferarten, mit unterschiedlicher Punktzahl und
Farbe bestückt. Wie viele findet ihr bei euch im Garten?
Dem Regenwurm lauschen
Beim Einpflanzen und Graben in der Erde, im Laub und Kompost
entdeckt man oft Regenwürmer. Sie lockern den Boden auf, durchmischen die Bodenschichten und geben mit ihren Ausscheidungen
viele Nährstoffe an das Erdreich ab. 40 bis 60 heimische Arten gibt
es in Deutschland. Mit der Lupe können die Kinder Unterschiede an
ihnen feststellen und ihre Fortbewegungsart mithilfe von Chitinborsten beobachten. Als Erstes strecken sie sich lang aus, verankern ihre
Borsten im Boden und ziehen das Ende ihres Körpers hinterher. Setzt
man einen Regenwurm auf Pergamentpapier, hört man die Borsten
über das Papier streichen.

64	 GÄRTNERN MIT KINDERN   

Samenbällchen - ein Blumenbeet als Mitbringsel
Ein schönes Geschenk aus dem eigenen Garten sind selbstgemachte
Samenbällchen. Einfach 5 Teile Tonerde, 3 Teile Komposterde,
1 Teil Wasser und 1 Teil Sand zu einem »Teig« vermischen und
kleine Kugeln formen.
Dann eine kleine Mulde hineindrücken, in die die Samen gestreut
werden. Gut eignen sich beispielsweise Lavendel, Kornblume,
Tagetes oder Ringelblume. Da dies einheimische Pflanzen sind,
passen sie gut in unser Ökosystem. Die Mulde verschließen und die
Kugel formen. Schön verpackt sind sie ein tolles Mitbringsel.
Im Grünen ausgesetzt, ob Mittelstreifen oder Balkonkasten,
wächst und blüht es dort bald wie in einem
kleinen Garten.

Ohrenkneifer – Keine Angst, die kleinen Tierchen
krabbeln nicht in die Ohren oder zwicken ins
Ohrläppchen. Sie heißen so, weil sie vor tausenden
von Jahren getrocknet und zu Pulver verarbeitet als
Medizin gegen Ohrenkrankheiten verwendet wurden.
	

GÄRTNERN MIT KINDERN 	 65   

Und ab nach draußen
Naturerfahrung mit Kindern – Adressen in Berlin

66	 GÄRTNERN MIT KINDERN   

In Berlin gibt es auch für Kinder ohne eigenen Garten diverse
Möglichkeiten in der Natur aktiv zu sein. Von naturnahen Kinderbauernhöfen mit einer Vielzahl an Tieren und Pflanzen, über Kindertagesstätten mit kindgerechten Gärten oder Freiflächen bis hin
zu Freizeiteinrichtungen und grünen Spielplätzen. Einige dieser
spannenden und oft gar nicht so bekannten Orte und Projekte mit viel
Platz für Spaß und Spiel im Grünen stellen wir hier vor.
MenschenskinderGarten
In Friedrichshain-Kreuzberg in der Fürstenwalder Straße (siehe
S. 18) gärtnern jeden Freitag Schulen, Kitas, Anwohner_innen und
Interessierte im vielfältigen MenschenskinderGarten. Die grüne Oase
steht für kleine und große Gärtner_innen offen.
www.menschenskinder-berlin.eu/nachbarschaftsgarten
Freilandlabor Britz e.V.
Das ganze Jahr über können Kinder hier die Natur mit all ihren
Lebewesen und Facetten erkunden, basteln und spielen. Die Kindergruppe Tausendfüßer trifft sich einmal im Monat, um die Natur zu
erforschen. Einen ganzen Tag oder mehr in der freien Natur bieten
verschiedene Ferienworkshops.
www.freilandlabor-britz.de
Moabiter Ratschlag e.V., Schulgarten und OTTO-Spielplatz
Von März bis Dezember können hier 6- bis 12-jährige Kinder auf dem
großzügigen Gelände der Gartenarbeitsschule Tiergarten gärtnern.
Das Areal mit Teichen und Wiesen bietet eine Vielzahl an Freizeitbeschäftigungen rund um das Thema Natur.

Der grüne OTTO-Spielplatz heißt alle Kinder im Alter von 5 bis 14
Jahren zu Spiel, Spaß und Sport willkommen. Das vielfältige
Angebot zu verschiedenen Themenschwerpunkten lädt zum
Gärtnern, Lernen, Basteln und Bauen ein.
www.moabiter-ratschlag.de
Kitafreizeiteinrichtung Känguruh
Klein aber fein werden verschiedene Beete in dieser Kinderfreizeiteinrichtung in Friedrichshain-Kreuzberg angelegt. In der öffentlichen
Einrichtung sind alle Kinder nicht nur zum Gärtnern, sondern auch
zum Werken und Backen und vielen weiteren Aktivitäten willkommen.
www.kfe-kaenguruh.de/index.htm
Kinderbauernhöfe in Berlin und Umgebung
»Kurzurlaub auf dem Bauernhof« bieten die 23 naturnahen Kinderbauernhöfe in Berlin und Umgebung. Hier steht das Naturerlebnis im
Vordergrund. Vom Erkunden, Säen und Ernten, Tiere füttern und pflegen bis hin zum Stockbrot am Lagerfeuer bei schönen Sommerfesten.
www.ytti.de/kinderbauernhoefe-in-berlin-kinderbauernhofberlin-47084/
	

GÄRTNERN MIT KINDERN 	 67   

Über den Tellerrand geschaut
Ideen und Impulse aus anderen Städten

68	 ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT   

Es grünt so grün - überall und immer mehr
Deutschland und vor allem Berlin ist Vorreiter auf dem Gebiet des
Stadtgärtnerns. Aber nicht nur hier gibt es tolle Beispiele, wie mitten
in der Stadt durch Anwohner_innen und Initiativen Gemüse angebaut,
Landwirtschaft betrieben und blühende Gärten geschaffen werden.
Überall auf der Welt, ob in Europa, Afrika oder Nordamerika, werden
Gemeinschaftsgärten gegründet und urbane Landwirtschaft betrieben, um auf den zunehmenden Bedarf ökologischer und regionaler
Lebensmittel zu reagieren und den Klimawandel abzumildern. Der
lokale Anbau von Nahrungsmitteln trägt außerdem zur Verkehrsverminderung und zum Umweltschutz bei. Lange Transportwege, Kühlketten sowie aufwendige Verpackungen werden überflüssig.
Eine vielfältige Stadtbegrünung hat noch weitere positive Effekte.
Das Stadtklima wird verbessert und eine höhere Lebensqualität und
Attraktivität der Stadt steigert die Wohnqualität und zieht Tourist_innen an.

Die Menschen, die sich in den Projekten engagieren, leisten einen
großartigen und praxisnahen Beitrag zur Umweltbildung und bewussten Ernährung. Auch bei der Idee der „Essbaren Stadt“ geht es
um den Anbau von Nutz- und Gemüsepflanzen, die direkt von den
Bewohner_innen geerntet werden können. Zwei Städte, in denen das
wunderbar funktioniert, stellen wir vor.
In anderen Teilen der Erde geht es ganz schlicht um das Sattwerden. In
Kuba wird ein Schulgarten nachhaltig bewirtschaftet, der den Kindern
ein Mittagessen in der Schule ermöglicht, in Südafrika hilft ein Projekt
Familien aus den Townships ein Einkommen zu sichern, indem sie die
Produkte aus ihren Gärten verkaufen.
So unterschiedlich die klimatischen, gesellschaftlichen und politischen Voraussetzungen auf den jeweiligen Kontinenten und in den
Staaten sind, so verschieden und einzigartig sind auch die Projekte,
die auf den folgenden Seiten vorgestellt werden, und vielleicht zum
Nachmachen anregen.

	

ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT 	 69  

Pflücken erlaubt statt Betreten verboten
Andernach

»Wir möchten andere Städte
und Gemeinden motivieren,
Lebendigkeit und Natur in die
Stadt zurückzubringen.«
Lutz Kosack, Ökologe und Leiter des Projekts »Essbare Stadt Andernach«

70	 ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT   

Eine nachhaltige Grünpflege und der Anbau von Nutzpflanzen auf
ehemaligen Blumenbeeten machen Andernach zur »Essbaren Stadt«.
Die Natur wird zurück in die Stadt geholt und ein Bewusstsein für
gesunde Ernährung geschaffen. In der Stadt werden Gemüsesorten
wie Bohnen und Kohlrabi, Obst- und Beerensträucher, Küchenkräuter und Spaliergehölz sowie, ganz traditionell im Rheingebiet, Wein
angebaut. Jedes Jahr steht eine Nutzpflanze besonders im Fokus. So
wurden 2011 an der Mauer im Schlossgarten 100 Bohnensorten angebaut, und 2012 waren es 20 Zwiebelsorten; 2013 war das Jahr des
Kohls. Auch die Wochenmärkte schaffen Anreize für eine gesunde und
regionale Ernährung. Das Obst und Gemüse für die Märkte kommt aus
der Umgebung von Andernach.

Auch ist das Stadtbild attraktiver geworden. Die biologische Vielfalt
wird durch den Anbau von regionalen und seltenen Sorten unterstützt
und die Identifikation zur Heimat steigt, gerade wenn sich die Einwohner_innen an der Pflege beteiligen. So haben sich die Befürchtungen steigender Pflegekosten für die Grünflächen nicht bestätigt.
Die tatkräftige Mitarbeit der Andernacher Bürger_innen wirkt sich
kostensenkend auf die Grünflächenpflege aus, so dass auf die aufwendigen Wechselpflanzungen größtenteils verzichtet wird.

Das Konzept der Essbaren Stadt geht auch deshalb auf, weil nicht nur
die Innenstadt im Mittelpunkt steht sondern auch Synergieeffekte
geschaffen werden. Im Stadtteil Eich begeistert das Projekt »Lebenswelten« mit der Entwicklung einer 14 ha großen öffentlichen Permakulturanlage. Seltene Nutztierrassen, wie Schwäbisch-Hällische
Hausschweine oder die Schafsrasse »Coburger Fuchs« und zahlreiche
Hühner leben hinter der Stadtmauer im Stadtgraben. Um insbesondere die jungen Einwohner_innen der Stadt in das Projekt zu integrieren, wurde ein »fahrbarer Schulgarten« entwickelt, der je nach
Bedarf an betreffenden Schulen oder Kindergärten aufgestellt werden
kann.
www.wesentlich-gmbh.de/unsere-projekte/andernach
	

ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT 	 71   

Jeden Tag ein Stückchen essbarer
Incredible Todmorden

72	 ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT   

Einer der Pioniere der Essbaren Stadt ist Todmorden, eine Kleinstadt
mit etwa 15.000 Einwohner_innen im Nordwesten Englands. Die Idee
war geboren, als eine Gruppe von Bürger_innen keine behandelten
Lebensmittel mehr kaufen und sich selbst versorgen wollte. Sie ergriffen Eigeninitiative, um ein selbstbestimmtes Leben unabhängig
von der industriellen Lebensmittelindustrie zu führen.

bucht inzwischen rund 1.000 Besucher_innen im Jahr, deutlich mehr
als früher, die beherbergt und verköstigt werden. Auch als Lebensort
wird Todmorden immer beliebter, seit 2001 stieg die Einwohnerzahl
von circa 13.000 auf circa 17.000. Beschädigungen durch Vandalismus
sind in den letzten Jahren zurückgegangen und öffentliche Flächen
sind attraktiver geworden.

Stück für Stück wandelten sie jeden verfügbaren öffentlichen und privaten Raum in einen Garten um. Mittlerweile stehen überall in der
Stadt Hochbeete. So wird auch verhindert, dass das Gemüse in kontaminiertem Boden wächst. Auf dem Friedhof wird ebenso gegärtnert
wie vor der Polizeistation. In den Beeten gedeihen Obst, Gemüse,
Kräuter und Blumen - alles zur Selbstbedienung. Ziel der Stadt ist die
Selbstversorgung im Jahr 2018.
Verschiedene Themengärten, wie der Heilkräutergarten, und unterschiedliche Veranstaltungen zu den Themen Ernährung, Urban Gardening und urbane Landwirtschaft ziehen immer mehr Tourist_innen
an. Rund 60 Touren werden dazu im Jahr angeboten und die Stadt ver-

Zu Beginn des Projekts 2008 finanzierten die freiwilligen Stadtgärtner_innen ihre Begrünung selbst, mittlerweile zahlt sich ihr Engagement auch über Einnahmen aus. Viele Vereine haben sich in und um
Todmorden gebildet, wie etwa der Incredible Edible Todmorden Apothecary Garden, der sich zum Thema Umweltbildung engagiert.
Um das Projekt auch international bekannt zu machen, wurde die
Organisation Incredible Edible Network gegründet. So entstanden
Partnerprojekte unter anderem in Frankreich, Spanien, Australien,
Kanada und USA. Aus der staatlichen Lotterie gab es einen Zuschuss
von 10.000 Pfund. Selbst Prinz Charles ist Fan und Unterstützer dieser
Initiative.
www.incredible-edible-todmorden.co.uk
	

ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT 	 73   

Genuss aus Nachbars Garten
Annalinde in Leipzig

74	 ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT   

Seit 2011 entsteht in Leipzig-Plagwitz ein Nutzgarten, der gemeinsam
mit Nachbar_innen, Freund_innen und Interessierten von der brachliegenden Fläche zum offenen Garten umgestaltet wurde. Unweit des
Gemeinschaftsgartens liegt eine fast 150 Jahre alte Gärtnerei. Seit
einigen Jahren wird sie von der Annalinde gGmbH wiederbelebt, um
das kulturelle und ökologische Erbe zu bewahren. Auf drei Feldern
werden hier über 100 Sorten Gemüse angebaut, zwei Folientunnel
mit Fruchtgemüse bewirtschaftet und ein Glasgewächshaus zur Anzucht von Jungpflanzen genutzt.

Annalinde ist ein Ort des Austausches und des Lernens zu vielen
Fragen des lokalen und ökologischen Anbaus von Lebensmitteln, der
biologischen Vielfalt, des nachhaltigen Konsums und zu Fragen einer
zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Gemeinsam mit Schulen, Kindergärten und Nachbar_innen wird hier aber nicht nur produziert, es
wird auch gemeinsam gekocht und gegessen. Was übrig bleibt, wird
an die Gastronomie verkauft oder in Abokisten angeboten.

Nach dem Prinzip einer offenen Werkstatt kann zu Themen wie Recycling, Partizipation, Stadtbienen, Kompostieren oder nachhaltiger
Stadtentwicklung diskutiert und ausprobiert werden. Dafür werden
Gartenarbeitstage und Workshops mit unterschiedlichen Akteuren aus dem Stadtteil angeboten. Es gibt Kooperationen mit lokalen
Künstler_innen, die zum Beispiel Flyer für Annalinde gestalten, oder
Gastronomen, die Annalinde bei der Verwertung der Nahrungsmittel
unterstützen. An zwei Terminen im Jahr werden Drei-Gänge-Menüs in
der Gärtnerei in der benachbarten Wirtschaft angeboten, zubereitet
mit dem frisch geernteten oder gelagerten Gemüse aus dem Garten.
Ein Catering-Service liefert auf Wunsch diese regionalen und saisonalen Köstlichkeiten, vom Fingerfood bis zum Menü, auch nach Hause. Also, nicht ganz aus dem eigenen, aber zumindest »Aus Nachbars
Garten«.
www.annalinde-leipzig.de
	

ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT 	 75   

Grünste Stadt der Welt
Das Ziel von Vancouver

76	 ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT   

Vancouver hat sich das Ziel gesetzt, im Jahr 2020 die grünste Stadt
der Welt zu sein. Das Vorhaben »Greenest City 2020« wurde vom
Bürgermeister der Stadt im Jahr 2009 in das Leben gerufen. Auf seine
Initiative hin entwickelte das sogenannte »Action Team« ein Konzept
für eine grüne und nachhaltige Stadtentwicklung.

Genossenschaft verlinkt die Verbraucher_innen vor Ort mit den lokalen Produzent_innen und den Stadtgärtner_innen, Sie bringt vorrangig lokale Produkte auf die Märkte und fördert damit die nachhaltige Entwicklung einer lebendigen Agrarwirtschaft. Die Kooperative
schafft es beispielhaft alle Beteiligten an einen Tisch zu holen.

Dabei geht es nicht nur um Selbstversorgung und urbane Landwirtschaft. Die drei großen langfristigen Ziele heißen: bis 2050 keine
Kohle, keinen Müll und ein gesundes Ökosystem. Um das zu erreichen, sollen Transport und Verkehr sowie städtisches Bauen umweltfreundlicher werden, erneuerbare Energien besser genutzt und damit
das Stadtklima verbessert werden. Zur Stabilisierung des städtischen
Ökosystems sind als Ziele vereinbart: ein besseres Naturverständnis
und Leben mit der Natur, sauberes Trinkwasser und saubere Luft, sowie regionale Lebensmittel. Autofahrer_innen sollen künftig aufs Rad
umsteigen und die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Neue Gebäude
sollen energieeffizienter gebaut werden, bis 2020 ist die Neupflanzung von 150.000 Bäumen geplant.

Finanziert wird das vielfältige Projekt über einen Fond aus staatlichen
Mitteln über mehrere Millionen Kanadische Dollar. Wenn dieses Pilotprojekt funktioniert und Akzeptanz findet, wird es hoffentlich Nachahmer finden.
www.vancouver.ca/green-vancouver.aspx

Die Umsetzung all dieser Ziele kann nur gemeinsam gelingen. Verschiedene Firmen, lokale Obst- und Gemüseproduzenten und die
Bewohner_innen machen mit. Insgesamt 60 Angestellte der Stadt,
mehr als 120 Organisationen und mehrere tausend Bürger_innen
sind mit konkreten Aufgaben an der Umsetzung beteiligt.
Die ersten Schritte sind gemacht. Mittlerweile gibt es in Vancouver
eine Vielzahl von Urban Gardening- beziehungsweise Farming-Projekten in Parks, auf öffentlichen oder privaten Flächen, auf Schulgeländen oder neben Krankenhäusern. Eine bereits 2001 gegründete

	

ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT 	 77   

Abalimi Bezekhaya
Microfarming in den Townships Südafrikas

»Wenn du wirklich
jemandem helfen willst,
so schenke ihm keinen
Fisch, sondern eine Angel.«
78	 ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT   

Afrikanisches Sprichwort

Für die Ärmsten der Armen in den Townships engagiert sich seit über
30 Jahren die gemeinnützige Organisation Abalimi Bezekhaya Isenta Ye-Gadi Yabantu – The people’s garden center in Südafrika. Das
Projekt schult und unterstützt Menschen im Bereich Microfarming, um
aus der Armut herauszukommen.

Bei der Umsetzung auf lokaler Ebene unterstützt die Initiative »Harvest of Hope«, die unter dem Dach von Abalimi arbeitet. Sie vernetzt
Privat- und Gemeinschaftsgärten vor Ort und bietet den Gärtner_innen Setzlinge, Absatzmöglichkeiten durch den Verkauf des Gemüses
auf Märkten und dem Angebot von wöchentlichen Gemüsekisten, um
so ein geregeltes Einkommen zu sichern.

Der Ansatz von Abalimi ist ganz pragmatisch: Setzlinge und Saatgut
werden zur Verfügung gestellt und die Planung von Gemeinschaftsgärten unterstützt. Bei der Umsetzung werden die Projekte durch die
Vermittlung finanzieller Fördermittel, Spenden oder anderer Hilfen
unterstützt. Weiterbildungen zu den Themen Microfarming (Landwirtschaft auf kleinsten Flächen im urbanen oder suburbanen Raum),
Gartenbau, Ernährung und urbane Landwirtschaft vermitteln Wissen
und Erfahrungen aus anderen Projekten. Bei der weiteren Umsetzung
wird den Garten-Gruppen geholfen sich selbst zu organisieren, finanziell unabhängig zu werden und das Projekt langfristig als nachhaltiges Geschäftsmodell zu etablieren.
Darüber hinaus organisiert Abalimi Workshops und vernetzt die verschiedenen Farmen und Gartenprojekte miteinander. Das große Ziel
ist es, den Bewohner_innen der Townships in Kapstadt und anderen
südafrikanischen Städten eine Zukunft zu bieten. Bis 2015 unterstützte Abalimi bereits über 5.800 Kleinbauern.
Und weil neben Wissen, Erfahrung und Vernetzung auch Spaß wichtig
ist, wird jeden Monat von den Mitgliedern von Abalimi und Harvest of
Hope der »Veggie Champ« des Monats gewählt.

www.abalimi.org.za
www.harvestofhope.co.za

	
	

	

ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT 	 79   

Jeden Tag ein frisches Essen
»Comida excelente« auf Kuba

80	 ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT   

Die wissenschaftliche Leiterin des Projektes, Reina Maria Rodriguez
Garcia, ist Dozentin an der Pädagogischen Hochschule in Pinar del
Rio und hat das Projekt ins Leben gerufen. Gefördert wird es von der
Gemeinde, dem kubanischen Frauenverband und anderen Organisationen aus dem Stadtteil. Auch aus Deutschland gibt es Unterstützung
durch den Verein EcoMujer, ein Frauenumweltprojekt, das gemeinsam
mit Frauen aus Kuba, Lateinamerika und Deutschland für ein neues
Verständnis von Natur und Umwelt eintritt.

Das Schulgarten-Projekt »Comida excelente« (»Exzellentes Essen«)
ist ein Pilotprojekt der Gemeinde Consolación del Sur im Westen Kubas zur Verbesserung der Ernährung von Schüler_innen. Die Schule
liegt in einem Bezirk, in dem viele alleinerziehende und arbeitslose
Mütter mit geringem Einkommen leben. Vor dem Beginn des Schulgartenprojektes gab es an der Schule kein Mittagessen. Heute gibt es
täglich ein abwechslungsreiches und gesundes Essensangebot für
jedes der knapp 200 Kinder. Auch ein Kindergarten und eine Tabakfabrik in der Nachbarschaft profitieren mittlerweile vom Schulgarten.
Die Beete mit Kräutern, Heilpflanzen, Salaten und einheimischen
Obst- und Gemüsesorten bewirtschaften die 6- bis 12-jährigen Schüler_innen selbst.
Alles wird in Permakultur gezogen. Diese Art der Landwirtschaft hat
eine lange Tradition in Kuba. Als kleiner Inselstaat mit kargen und
nährstoffarmen Böden, bedient sich Kuba seit jeher dieser landwirtschaftlichen Methode zur Lösung der Probleme im Bereich der Nahrungsmittelsouveränität.

www.ecomujer.org
www.urbane-gaerten-muenchen.de/cms/uploads/2015/09/
Ecomujer_FlyerSchulgarten.pdf

Das allgemeine Ziel der Permakultur ist es, die
Lebensgrundlagen der Menschen dauerhaft zu sichern:
ökologisch, sozial und ökonomisch. Es bedeutet die naturnahe
und nachhaltige Gestaltung von Lebensräumen mit minimalem
Ressourceneinsatz und -verbrauch. Zugrunde liegt der Ansatz
des Aufbaus landwirtschaftlich produktiver Lebensräume,
die sich selbst erhalten.
	

ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT 	 81   

Ideen auf kleinstem Raum
Kleine Gartenkunst für Kreative

82	 ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT   

Für alle, die vom Gärtnern nicht genug kriegen können: Ob an Laternenmasten, tristen Hausfassaden oder U-Bahn-Eingängen - einfach
und schnell setzen Miniaturgärten kleine Farbtupfer ins Stadtgrau.

1

2

3

4

5

6

Milchtütengarten selbst gemacht
Milch- oder Saftpackung mit dem Cuttermesser oben aufschneiden,
am oberen Rand mit der Schere zwei Löcher bohren, Schnur oder Kabelbinder durchziehen, Tetrapack mit feuchter Erde befüllen, Pflanze
oder Samen einsetzen, nach Bedarf gießen.
Die bepflanzten Tetrapacks können mit der richtigen Pflanzenauswahl
im Freien mehrere Monate ohne Wasser durchhalten. Aber auch in der
eigenen Küche als Kräutergarten funktioniert das Modell. Am besten
eignen sich robuste und trockenresistente Kräuter wie Oregano oder
Thymian, Steingartenpflanzen, Sommerblumen und Zwiebelpflanzen.
Moosgraffiti – vom Wald an die Wand
Moos wächst normalerweise auf feuchtem Untergrund in schattiger Umgebung im Wald, auf Hausfassaden oder Grabsteinen. Man
kann aber auch selber mit Moos eine graue und langweilige Fassade
schmücken und dem Grün etwas auf die Sprünge helfen.
Moosgraffiti selber machen
Eine Handvoll Moos in den Mixer geben, zwei Tassen Buttermilch
oder Joghurt, einen halben Teelöffel Zucker und Wasser nach Bedarf
dazugeben und auf niedriger Stufe mixen. Die Mischung auf feuchte
Wände mit einem Pinsel auftragen und von Zeit zu Zeit kontrollieren,
dass das Graffito feucht bleibt. Gegebenenfalls mit Wasser besprühen.
Schon bald sollte das Graffito anfangen zu wurzeln und wachsen.

	

ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT 	 83   

Publikationen
GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Die GRÜNE LIGA Berlin e. V. veröffentlicht zu verschiedenen
Themen Informationsbroschüren. Hier eine Auswahl.
Per E-Mail: counter.berlin@grueneliga.de
oder telefonisch (Tel.: 030 443391-0) können Sie die
Broschüren bei uns anfragen.

Der Garten von nebenan
Leitfaden zur Begrünung im
öffentlichen Raum

Grüne Höfe für ein gutes Klima
Die Broschüre zum Wettbewerb

Kraut und Rüben im Kiez
Die Broschüre zum Wettbewerb

Schulhofdschungel
Ein Leitfaden zur naturnahen
Umgestaltung von Schulhöfen

Der Leitfaden gibt Interessierten Hilfestellungen und Tipps zur Begrünung
öffentlicher Flächen, wie Baumscheiben,
Hinterhöfe, Brachflächen, Fassaden oder
Dächer. Sie informiert über rechtliche
Rahmenbedingungen, Initiierung von
Gartengemeinschaften, Konzeption und
Gestaltung und geeignete Pflanzen.

In Anschluss an den gleichnamigen,
berlinweiten Wettbewerb im Jahr 2011
erschien die umfangreiche Broschüre.
Enthalten sind nicht nur die 23 Preiträger_innen, zusammengetragen wurden
zahlreiche Tipps und Anregungen rund um
das Thema Hofbegrünung. Ob Staudenbeet, Nistkasten oder Schattengarten,
Anleitungen zu diesen Möglichkeiten und
vielen mehr sind hier zu finden.

Die Broschüre zum Wettbewerb, der
2013 stattgefunden hat, stellt Obst- und
Gemüsegärten in den Fokus. 23 grüne und
klimafreundliche Projekte in Berlin werden vorgestellt. In weiteren Kapiteln wird
über ökologisches Gärtnern informiert:
Themen wie Mischkultur und Fruchtfolgen, kreative Weiterverwertung von
Materialien, Vertikalbegrünung und der
Garten als Lebensraum für Tiere.

Im Rahmen des Projekts »Schulhof­
dschungel« stellten Kinder und Jugendliche ihren begrünten Schulhof vor. Für die
vielfältigen, biodiversen Projekte wurde
eine Broschüre erstellt. Sie zeigt, was
Schüler_innen mit ihren Ideen bewirken,
wie viel Lebensraum für Tiere man mit
Engagement schaffen kann und was es
braucht, um seinen Schulhof in einen eigenen kleinen Dschungel zu verwandeln.

Gegen Porto

Gegen Porto

Gegen Porto

Gegen Porto

84	 PUBLIKATIONEN   

!
h
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s
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M
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a
w
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Wir
UMW ELTF EST IVAL
am Brandenburger Tor. Jedes Jahr
verwandeln wir im Frühsommer die
Straße des 17. Juni am Branden­burger Tor in eine autofreie Flaniermeile und präsentieren die ganze
Bandbreite des Umwelt- und
Naturschutzes, Diskussionsrunden,
Straßentheater und Livemusik.

Wir sind ein Berliner Umweltverband: wir haben die Zukunft im Blick, locken die
Menschen raus ins Grüne, feiern Feste, setzen uns für unseren Kiez ein, fordern
Transparenz bei politischen Entscheidungen ein und machen die Stadt zu unserem
Garten. Wir vernetzen, initiieren, informieren, organisieren, beraten, qualifizieren und
unterstützen! Hier ein paar Highlights unseres vielfältigen Engagements.

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KO NG RES S
Nachhaltigkeit muss erfahrbar und sichtb
ar
werden. Auf dem Kongress vernetzen wir
alljährlich bundesweit Initiativen.

ÖKOM AR KT
KO
AM LLW ITZ PLATZ
Jeden Donnerstag: Frisches vom
Biobauern, schönes Kunsthandwerk,
kulinarische Köstlichkeiten, Schickes
zum Anziehen und vieles mehr

UMWE LTW ISS EN

ENTDE CKUN GSTOU REN

Die Zeitung DER RABE RALF berichtet sechs
siert.
Mal im Jahr kritisch, sachlich und unzen
Abonnieren Sie den RABEN RALF für 25,00
Euro jährlich. In unserem Büro in der
rte
Prenzlauer Allee 8 gibt es eine gut sortie
Umweltbibliothek, wo kostenlos Bücher
ausgeliehen werden. Unser Newsletter
und
informiert Sie über Vereinsnachrichten
Veranstaltungstipps.

Im Frühjahr und Herbst geht es mit uns auf
Pilz- und Kräuterwanderungen.
Naturfreund_innen lernen, wie sie Eßbares
aus dem »Frischemarkt Natur« in der eigenen
Küche verwenden können.

UMW E LT B E R

AT U N G

und
r Hofbegrünung
Wir beraten zu
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zum urbanen Gä eminare bieten
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Auf einen Blick
Alle Preisträger alphabetisch
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Alfred-Randt-Straße // Treptow, S. 10

2	

Askanierring // Spandau, S. 12

3	

Bänschstraße // Friedrichshain, S. 14

4	

Chausseestraße // Mitte, S. 16

5	

Fürstenwalder Straße // Friedrichshain, S. 18

6	

Gipsstraße/Rosenthaler Straße // Mitte, S. 20

7	

Heilbronner Straße // Schöneberg, S. 22

8	

Helsingforser Straße // Friedrichshain, S. 24

9	

Hindenburgdamm // Zehlendorf, S. 26

Reinickendorf

Pankow

2

19
4

Spandau
13

7

18	 Singerstraße // Mitte, S. 44
19	 Türkenstraße // Wedding, S. 46
20	 Wilhelmine-Gemberg-Weg // Mitte, S. 48
21	 Winterfeldtstraße // Schöneberg, S. 50
22	 Wolfsburger Weg // Tempelhof, S. 52

18

Friedrichshain21 Kreuzberg

3

Marzahn-Hellersdorf

8

TempelhofSchöneberg
9

Zehlendorf

16 17

12

11

Wilmersdorf

14	 Mauerpark // Wedding, S. 36

17	 Scheffelstraße // Lichtenberg, S. 42

14

20

15

13	 Marienstraße // Mitte, S. 34

16	 Scheffelstraße // Lichtenberg, S. 40

6

5

11	 Lenaustraße // Neukölln, S. 30

15	 Nikolsburger Platz // Wilmersdorf, S. 38

Mitte

Charlottenburg

10	 Kopenhagener Straße // Reinickendorf, S. 28
12	 Marienburgerstraße // Prenzlauer Berg, S. 32

Lichtenberg

10

Steglitz

22

Neukölln

1

Treptow-Köpenick

www.grueneliga-berlin.de
        
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