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Full text: Charlottenburg-Wilmersdorf per Rad erkunden ... / Sperling, Jutta

Charlottenburg-Wilmersdorf

per Rad erkunden ...

Umweltamt
Charlottenburg-Wilmersdorf

Inhalt

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30
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Vorwort
Routenplan Radtour 1
Rundtour durch die Baustile der vergangenen Jahrhunderte
Routenplan Radtour 2
Durch Villengegend und Wald
Routenplan Radtour 3
Durch den nördlichsten Teil des Bezirkes
Impressum

Sehr geehrte Damen und Herren,
das Fahrrad hat den unschätzbaren Wert gesundheitsfördernde und umweltfreundliche Fortbewegung mit einem unbeschwerten Blick auf die Umgebung
zu verbinden. Pausen können spontan, ohne lästiges Einparken, eingelegt
werden, Sehenswürdigkeiten sofort angeschaut werden. CharlottenburgWilmersdorf verfügt mittlererweile über recht gute Radwegeverbindungen.
Drei Touren mit interessanten Plätzen, die zum Verweilen einladen, stellen
wir Ihnen in diesem Radführer vor.
Besonders freue ich mich als zuständige Stadträtin für Soziales, Gesundheit,
Umwelt und Verkehr mit den Radführer alle Bereiche verknüpfen zu können.
Die Touren haben eine Länge von 12 – 15 km und sind auch als längere Spazierwege geeignet. Radfahren ist gesund, hält fit und stärkt Herz und Kreislauf
und ist ein sehr umweltfreundliches Verkehrsmittel. Wer seine täglichen
Fahrten zum Einkauf oder zur Arbeit mit dem Fahrrad erledigt, trägt auch zum
Klimaschutz und der eigenen Gesundheit bei.

Bezirksstadträtin
Martina Schmiedhofer

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Nachfahren einer oder vielleicht
sogar aller Touren und würde mich über neue Anregungen freuen!

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Tour 1
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Zoologischer Garten
IHK
Renaissance-Theater
Ernst-Reuter-Platz
Müllverladestation
Kraftwerk Charlottenburg
Villa Kogge
Rathaus Charlottenburg
Schloss Charlottenburg
Kaskade am Dernburgplatz
Grünzug Gervinusstraße
Savignyplatz

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Rundtour durch die Baustile der
vergangenen Jahrhunderte
• Ernst Reuter Platz • Neubau der IHK
• Renaissance-Theater • Ernst-ReuterPlatz • ehemalige Müllverladestation
• Kraftwerksanlage • Villa Kogge • Schloss
Charlottenburg • Kaskade am Dernburgplatz • Grünzug Gervinusstraße
• Savignyplatz

Bezirksstädträtin Martina Schmiedhofer
auf Fahrradtour durch den Bezirk

Die Tour beginnt am Hardenbergplatz
und endet nicht weit von dort am
Savignyplatz. Sie führt vorbei an den
Höhepunkten der City-West. An vielen
Punkten lohnen sich längere Besichtigungen und grüne Oasen laden zum
Verweilen ein.
Östlich vom Hardenbergplatz liegt der
✱ Zoologische Garten zu dem auch das
Aquarium gehört. Der Zoologische
Garten wurde 1844 eröffnet und ist der

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größte in Deutschland. Im Zweiten
Weltkrieg wurde ein Großteil des Zoos
zerstört. Von insgesamt 3715 Tieren
überlebten nur 91.Heute kann man auf
ca. 35 Hektar über 1400 Tierarten mit
über 13.000 Exemplaren besichtigen.
Wir fahren jedoch westlich in Richtung
des Bahnhof Zoologischer Garten.
Er wurde von Ernst Dircksen entworfen,
in den Jahren 1878-82 gebaut und
zunächst für den Stadtbahnverkehr,
ab 1884 auch für den Fernverkehr geöffnet.Während der Teilung der Stadt war
er über lange Zeit der einzige Fernbahnhof West-Berlins.
Der Beschluss der Deutschen Bahn AG
unter Bahnchef Hartmut Mehdorn,mit
Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs
im Mai 2006 den Fernbahnhof Zoologischer Garten zu schließen, löste hef-

Tour 1
tige Proteste bei Geschäftsleuten, Das Gebäude des OberwaltungsgeBewohnern und beim Bezirksamt richtes, Hardenbergstr. 31 auf der rechCharlottenburg-Wilmersdorf aus.
ten Straßenseite, wurde 1905 bis 1907
als Königlich-Preußisches Oberverwal➜ Wir folgen der Hardenbergstraße in tungsgericht von Paul Kieschke und
Richtung Ernst Reuter Platz, vorbei am Eduard Fürstenau errichtet.
Oberwaltungsgericht, dem Neubau der Entstanden ist ein neobarocker BauIHK, der Universität der Künste und
komplex um mehrere Innenhöfe. Im
dem Renaissance -Theater.
Inneren gibt es reich ausgestattete
Sitzungssäle, die nach 1950 teilweise
neu ausgestattet wurden. 1953 zog das
neu eingerichtete Bundesverwaltungsgericht hier ein.
Die Wahl des Standortes Berlin wurde
als demonstratives Zeichen der Bundespräsenz in Berlin gewertet.
Im August 2002 zog das Bundesverwaltungsgericht nach Leipzig um; 2003
übertrug der Bund das Gebäude dem
Oberverwaltungsgericht
Land Berlin, das hier ab 01.10.2004 das
Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin
angesiedelt hat. Später soll das Brandenburger OVG hinzukommen.

IHK- Gebäude

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Renaissance-Theater

Der Erweiterungsbau der ✱ IHK, Ecke
Fasanenstraße, wurde 1998 fertiggestellt und beherbergt die Börse. Das
nach Ludwig Erhard , dem ehemaligen
Bundeswirtschaftsminister benannte
Gebäude wurde von dem Architekten
Nicholas Grimshaw entworfen.
Zugrunde lag die Idee,dem lebendigen,
sich täglich ändernden «Organismus»
Börse eine adäquate,organische Architekturhülle zu geben. Vorbild der
Konstruktion war ein Gürteltier,dessen

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Panzerform durch die hochschwingenden Stahlbinder übernommen wurde,
in die die eigentlichen Funktionsräume
hineingehängt sind.
Die Universität der Künste hat rund
4.600 Studierende. Wer die strengen
Aufnahmeprüfungen bewältigt hat,
den erwartet das größte Lehrangebot
an künstlerischen Fächern in Deutschland.Das Verhältnis zwischen Dozenten
und Studenten beträgt 1:10.
Das ✱ Renaissance-Theater an der Ecke
Knesebeckstraße wurde 1926 - 1927 von
Oskar Kaufmann errichtet. Es ist das
einzig vollständig erhaltene Art-DécoTheater Europas.
Der ✱ Ernst-Reuter-Platz entstand ursprünglich 1705, als hier die barocke
Straßenachse vom Berliner zum Charlottenburger Schloss abgeknickt wurde.
Weitere Straßen kamen hinzu, so dass
heute fünf Straßen hier einmünden.

Tour 1
Bis 1953 war der Platz unter dem Namen
«Am Knie» bekannt und wurde später
nach dem ersten West-Berliner Regierenden Bürgermeister Ernst Reuter
benannt. Er ist mit 180m Durchmesser
größter Rundplatz Berlins.
Die Gebäude Ernst-Reuter-Platz 2–10
stehen unter Denkmalschutz und werden teilweise von der Technischen
Universität genutzt.
➜ Wir fahren rechts um den ErnstReuter-Platz bis zur Marchstraße, in die
wir rechts einbiegen. Wir können dabei
rechterhand in der Ferne die Siegessäule erkennen. Der Marchstraße
folgen wir bis zur Gotzkowskybrücke,
queren vor der Brücke die Straße und
fahren dann weiter auf dem Uferwanderweg in Richtung Westen, der
von der Gotzkowskybrücke bis zur ehemaligen Müllverladestation an der
Spree entlang führt.

Das diesseitige Spreeufer ist die Bezirksgrenze. Die Spree selbst und das
gegenüberliegende Ufer gehören mit
dem Ortsteil Moabit zum Bezirk Mitte.
Hinter der Dovebrücke fließen Spree,
Landwehrkanal und Charlottenburger
Verbindungskanal zusammen und bilden eine besonders reizvolle Stadtlandschaft. Der Wanderweg, der auch mit
dem Fahrrad zu befahren ist, führt von
der Dovebrücke weiter an der Spree entlang bis nach Spandau.
Blick von der Spree auf Rathaus Charlottenburg

Die ✱ ehemalige Müllverladestation,
die 1936/37 von Paul Baumgarten gebaut wurde, ist heute ein Baudenkmal.
Seinerzeit galt die Anlage als vorbildlich, da die Müllfahrzeuge in ununterbrochener Reihenfolge in die Halle hineinfahren konnten, ihre Ladung durch

Kraftwerk Charlottenburg

Schütttrichter in einen darunter liegenden 600-Tonnen-Kahn entleerten,wenden und das Gelände ohne Gegenverkehr verlassen konnten.
Das Bauwerk ist ein Beispiel für das
Fortleben des Neuen Bauens in den
1930er Jahren, das der herrschenden
Bau-Ideologie der NS-Zeit widersprach.
Als Müllverladestation wurde das
Gebäude 1954 stillgelegt und zunächst
als Depot für Straßenreinigung genutzt.
Heute dient das Gebäude als Architekturbüro (Kleihus und Hensel).
➜ Von der Müllverladestation nehmen
wir links den Weg zur Dovestraße,
überqueren hinter der Dovebrücke die
Straße und biegen links in das Einsteinufer ein. Dort geht es gleich links
hinunter zum Uferweg nach Spandau,
in den wir links abbiegen und unter
der Brücke hindurch zur Kraftwerksanlage am Siemenssteg gelangen.

Tour 1
Die Gesamtanlage bildet ein einmaliges Ensemble an verschiedenen Baustilen und Epochen und steht unter
Denkmalschutz.
Die Maschinenhalle für das ✱ Kraftwerk
Charlottenburg wurde 1899/1900 von
Georg Klingenberg als roter Ziegelbau
mit weißen Putzfeldern zeitgleich mit
der Fußgängerbrücke Siemenssteg
errichtet und am 01.08.1900 eröffnet.
Die ursprünglichen Kegeldächer der
Ecktürme wurden entfernt. Es gab
mehrfach Erweiterungsbauten:
1925 Schalthaus im Stil der neuen Sachlichkeit, 1953 Abriss des alten und Bau
eines neuen Kesselhauses als vertikal
gegliederter Kubus. 1989 Rauchgasentschwefelungsanlagen, 1994 Rauchgasentstickungsanlagen mit dominantem Bauvolumen.
➜ An der Arcostraße verlassen wir den
Uferweg links, fahren diese entlang

Auf dem Siemenssteg

und biegen links nach Alt-Lietzow ein.
Dort geht es geradeaus vorbei an der
Rückseite des Rathauses bis zur Villa
Kogge.

links in die Warburgzeile und am Ende
rechts in die Otto-Suhr-Allee ein
und fahren weiter bis zum Schloss
Charlottenburg.

In Alt-Lietzow sehen wir auf der rech- Die Otto-Suhr-Allee ist die zweitälteste
ten Seite die ehemalige ✱ Villa Kogge, Straße Charlottenburgs. Sie war nach
die heute als Standesamt genutzt wird. der Schloßstraße die wichtigste
Verbindung zwischen Berlin und dem
Schloß Charlottenburg und ist heute
➜ Wir radeln um den Platz; in der
wesentliches Verbindungsstück im
Loschmidtstraße 6-10 befindet sich
Straßenzug zwischen Charlottenburg
links die Jugendverkehrschule für den
und Spandau.
Ortsteil Charlottenburg. Wir biegen

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Schloss Charlottenburg

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Wir passieren das ✱ Rathaus Charlottenburg. Es ist Sitz der Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg Wilmersdorf. Es wurde 1899-1905 von
Heinrich Reinhardt & Georg Süßenguth
als Rathaus für die Stadt Charlottenburg erbaut; 1911-16 Erweiterungsbau
(heute Stadtbibliothek) durch Heinrich
Seeling.Charlottenburg war damals die
reichste Stadt Preußens; entsprechend
prachtvoll, repräsentativ und teuer fiel
das Rathaus aus. Die schweren Kriegsschäden wurden in den Jahren 1947-52
beseitigt.
Das ✱ Schloss Charlottenburg, zu dem
wir nach dem queren des Luisenplatzes
gelangen, wurde 1695-99 nach Plänen
von Johann Arnold Nehring,für die spätere Königin Sophie Charlotte unter dem
Namen Lietzenburg im Stil des italienischen Barocks gebaut.Es ist neben dem
Zeughaus die bedeutendste erhaltene
Barockanlage, sowie die größte der

neun bestehenden Schlossanlagen
Berlins, es lohnt hier ein längerer
Besuch. Es beherbergt das Schlossmuseum mit Schauräumen und das
Museum für Vor- und Frühgeschichte.
Im Schlossgarten ist auf ausgewiesenen Wegen das Radfahren erlaubt.
➜ Vom Schloss Charlottenburg fahren
wir links in die Schloßstrasse bequem
auf einem Fahrradangebotsstreifen
zum Sophie-Charlotte-Platz.
Hier kreuzen wir die Regionalradrouten
RR2 nach Großglienicke und RR1 nach
Falkensee.
Der Sophie-Charlotte-Platz wurde 1892
benannt nach der Namensgeberin
von Charlottenburg, der preußischen
Königin Sophie Charlotte,der Gemahlin
von König Friedrich I. 1910 wurde der
Platz mit Rasen, Rabatten, Hecken und
Bäumen angelegt.

Tour 1

Kaskadenanlagen auf dem Dernburgplatz;
Grundrissplan Erwin Barth, 1912

Kaskaden auf dem Dernburgplatz

Lietzenseepark

➜ Den Kaiserdamm fahren wir ein kurzes Stück in Richtung Westen und biegen dann an der Ampel links in die
Wundtstraße ein und können dann bis
zum Ende des Lietzensees zur Kaskade
am Dernburgplatz fahren.

gespeist. Der Lietzenseepark geht
zurück auf den von General von Witzleben 1827 an seinem Landhaus angelegten Park.

starken Kriegszerstörungen wurde die
Parkanlage in den 1950er Jahren wiederhergestellt. Seit 1954 gibt es eine
Verbindung der beiden Parkteile für
Fußgänger unter der Lietzenseebrücke
Vor dem Parkwächterhaus wurde ein
großer Kinderspielplatz gebaut, an der
nördlichen Seeseite gibt es ein Café.
Am 21.07.2006 wurde die sanierte
✱ Große Kaskade an der Dernburgstraße der Öffentlichkeit übergeben.
Finanziert wurden die Arbeiten an der
Kaskade durch die Stiftung Denkmal-

Der Lietzensee setzt nach Norden die
Kette,der während der vorletzten Eiszeit
in der vorgeprägten Nebenrinne der
Havel entstandenen Grunewaldseen
fort. Er ist 6,6 ha groß, 3-4m tief, ohne
Zufluss, allein durch Grundwasser

1912 wurde die ✱ Kaskade am Dernburgplatz von Erwin Barth und Heinrich
Seeling gebaut. Sie ist heute ein Baudenkmal.
1919/20 gestaltete Erwin Barth den Park
an dem seit 1904 zweigeteilten See
erneut um, teils als Landschaftspark,
teils in regelmäßigen Strukturen. Nach

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Gervinusstraße in die wir wieder links
einbiegen.

Volkswiese am Lietzensee, Erwin Barth

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An der Windscheidstraße Ecke Gervinusstraße ist 2008 die neu angelegte
✱ Grünanlage Gervinusstraße eröffnet
worden. Der Hauptzugangsbereich ist
von einer rosenberankten doppelreihigen Stahlpergola umrahmt,an den sich
ein Senkgarten mit einer bunten
Staudenrabatte anschließt. Parkbänke
laden zum Verweilen ein.
Die Anlage hat verschiedene Ruhe- und
Aktivräume, mit Spiel- und Liegewiese
Spielräume für kleine Kinder und auch
für Jugendliche.

schutz Berlin,die Wiederherstellung der
Wassertechnik und die Bepflanzung
erfolgten durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Dabei wurde die
Technik umgerüstet,so dass Kosten sparend und ökologisch sinnvoll das Wasser
aus dem Lietzensee zur Kaskaden- ➜ Am Bahnhof Charlottenburg quebewässerung verwendet werden kann. ren wir an der Ampel die Lewishamstraße und folgen der Mommsen➜ Über die Rönnestraße, rechts in die
straße bis zur Knesebeckstraße.
Holtzendorfstraße gelangen wir zur
Diese biegen wir links ab und fahren

Tour 1
modernem Stil geometrisch neu.
Damals entstanden am Rand hölzerne,
mit Efeu berankte Lauben mit Sitznischen,und die zentralen Rasenflächen
wurden mit reichen Staudenrabatten
geschmückt.Außerdem schuf Barth die
bisher fehlenden Spielmöglichkeiten
für Kinder.
Martina Schmiedhofer und Herr Reichert
(Deutsche Bahn) eröffnen im Mai 2008 die
Grünanlage Gervinusstraße

bis zum Savignyplatz.
Der ✱ Savignyplatz verdankt seine
Entstehung dem Plan für die Stadterweiterung Berlins von James Hobrecht
aus dem Jahre 1861.
1887 erhielt er den Namen des Juristen
und preußischen Justizministers
Friedrich Karl von Savigny.1926 entwarf
Gartendirektor Erwin Barth den Platz in

Ute Lindner gewonnen hat.An der Stelle
des Durchgangs in den Park wurde ihre
als Hinterglasmalerei aufgebrachte
Personengruppe installiert, die ihren
Blick in einen imaginären Raum in

Am Savignyplatz

1987 wurde die Anlage nach Barths
Plänen aufwändig rekonstruiert und
der Platz unter Denkmalschutz gestellt.
Der von Barth konzipierte Spielplatz
wurde nicht erneuert.Aus Haltbarkeitsgründen sind die Lauben jetzt aus Stahl.
Am 22.06.2009 wurde das Eingangshäuschen der GASAG,das in Anlehnung
an die historischen Pläne von 1927 mit
neuer Funktion als Gasdruckregelanlage wieder aufgebaut wurde, eingeweiht. In Verbindung damit wurde ein
Wettbewerb «Kunst am Bau» veranstaltet, den die Berliner Künstlerin

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Savignyplatz , Zeichnung Erwin Barth

Richtung Park richtet. Bei Nacht verwandeln sich die Figuren durch die
Beleuchtung zu dunklen Silhouetten
vor einem leuchtend blauen Grund.
➜ Vom Savignyplatz gelangen wir
über die Kantstraße wieder zum
Ausgangspunkt zurück.

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Tour 1

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Tour 2
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S-Bahnhof Halensee
Friedhof Grunewald
»Zitrone»
Friedenthal-Park/Halensee
Villa Harteneck
Bahnhof Grunewald
Mahnmal auf der Gleisanlage 17
ehemalige Kiesgrube
Teufelssee
Ökowerk
Mommsenstadion
Funkturm
ICC
Rathenauplatz

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Durch Villengegenden und Wald
Der ✱ S-Bahnhof Halensee wurde 1877
eröffnet, damals noch unter dem
Namen Bahnhof «Grunewald», 1884 in
«Bahnhof Halensee» umbenannt und
1894 weiter östlich an die heutige Stelle
verlegt und umgebaut. 1960 wurde ein
Neubau im Pavillonstil errichtet. Bald
nach dem Mauerbau wurde der
Die Tour beginnt am S-Bahnhof Halen- Bahnhof stillgelegt. 1985 eröffnet Opel
see und endet am Rathenauplatz.
Hesse in dem Pavillon einen Autosalon.
1993 hat die Bahn beschlossen, den
Sie führt auf meist ruhigen Wegen
Bahnhof ohne Empfangshalle zu betreidurch den Ortsteil Wilmersdorf.
ben und das Gebäude abgerissen.
Viele Orte laden zum kurzen oder
Kurz vor der Maueröffnung wurde 1988
längeren Verweilen ein: der Garten der überlegt, das Bahngelände hier in
Villa Harteneck, das Mahnmal am
Halensee zu überbauen.
Gleis 17, die Kiesgrube im Grunewald,
Der Halenseegraben sollte mit einer Art
das Ökowerk.
Deckel versehen werden,auf dem dann
Aufgrund der Streckenführung eignet
1.400 Wohnungen entstehen sollten.
sich die Tour auch für Familien mit
1,5 Milliarden DM hat man damals für
Kindern.
eine solche Baumaßnahme kalkuliert.
• S-Bahnhof Halensee • Friedhof Grune–
wald • «Zitrone» • Friedenthal Park /
Halensee •Villa Harteneck • Bahnhof
Grunewald • Mahnmal auf der Gleisanlage 17 • ehemalige Kiesgrube • Teufelssee Ökowerk • Mommsenstadion •
Funkturm • ICC • Rathenauplatz
Villa Harteneck

20

Tour 2
West-Berlin konnte sich nicht in die
Fläche ausdehnen.Deshalb suchte man
solche Möglichkeiten, zusätzliche Baumöglichkeiten zu schaffen. Mit der
Wende wurden diese Pläne zu den
Akten gelegt.
➜ Wir überqueren den Kurfürstendamm,fahren links auf der Bornstedter
Straße weiter und können einen kurzen Halt am ✱ Friedhof Grunewald
(Bornstedter Str. 11-12) einlegen.
1892 wurde der Friedhof für die neugegründete Villenkolonie Grunewald auf
11.686 qm Fläche angelegt und wegen
seiner schon damals von Bahngleisen
umschlossenen Lage im Volksmund die
«Toteninsel» genannt.Die neugotische
Friedhofskapelle stammt aus dem Jahr
1897.
Hier sind unter anderem begraben:
Otto Lessing (Bildhauer, gest.1912),

Oskar Hertwig (Biologe, gest.1922), Carl
Paul Goerz (Optiker,Fabrikant,gest.1923)
Hermann Sudermann (Schriftsteller,
Dramatiker, gest.1928). Hans Delbrück
(Historiker, gest.1929), Bernhard
Dernburg (Bankier, Kolonialminister,
gest.1937), Hans Geiger (Physiker,
Erfinder des «Geigerzählers»,gest.1945)

damm 15. Es wurde 1994-96 von Hilde
Léon und Konrad Wohlhage auf einem
Grundstück direkt an dem meistbefahrenen Autobahnabschnitt Deutschlands errichtet,obwohl das Grundstück
als unbebaubar galt. Es ist ein 7geschossiges Haus auf dreieckigem
Grundriss. Über einem sogenannten
Luftgeschoss ragt das Gebäude 6m vor.
Es hat insgesamt 7500qm Bürofläche
mit variablen Grundrissen. Markant ist
die dynamisch geschwungene, verglaste Fassade über einem Natursteinsockel parallel zur Autobahn. Aus
Schallschutzgründen und zum Schutz
gegen Abgase verfügt dieses nach den
Prinzipien des ökologischen Bauens
errichtete Bürohaus über eine zweischa➜ Über den Trabener Steg können wir lige Außenhaut, deren Zwischenraum
über das Dach belüftet wird und so ein
die Autobahn überqueren.
natürliches Raumklima gewährleistet.
Von der Brücke aus sehen wir links das 1997 wurde der Bau mit dem Deutschen
Bürogebäude ✱ «Zitrone»,Kronprinzen- Architekturpreis ausgezeichnet.

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Rückbenennung der Straße nicht möglich war, wurde ersatzweise der Halenseepark nach Friedenthal benannt.
Die eingezäunte „Wiese“ ist ein Retentionsbodenfilter.

Bodenfilter am Halensee im Bau, 2006

➜ Der Trabenersteg bringt uns zum
✱ Friedenthal-Park.
Der Park wurde 1938 als Landschaftspark von Joseph Pertl gestaltet. Er hieß
zunächst Halenseepark. 1997 wurde er
nach dem preußischen Politiker und
Unternehmer Karl Rudolf Friedenthal
(15.09.1827 – 07.03.1890) benannt.
Wegen seiner jüdischen Herkunft war
im Jahr 1938 die nach ihm benannte
Friedenthalstraße in Schellendorffstraße umbenannt worden. Da eine

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Der ✱ Halensee als ein alteingesessener Badesee im Innenstadtbereich
wird durch die Straßenabwassereinleitungen u.a. von der Autobahn, insgesamt 67,8 ha Fläche, über die letzten
Jahrzehnte immer stärker belastet.
Aufgrund der schlechten Wasserwerte
darf der Halensee nicht mehr als Badesee benutzt werden.
Um die Gewässerqualität zu verbessern
wurde ein sogenannter Retentionsbodenfilter gebaut. Über ihn werden
die Straßenabwässer des größten der
drei Straßeneinzugsgebiete zur Reinigung geleitet.Das Ziel ist es,langfristig
wieder Badewasserqualität im Halensee zu erreichen.

Tour 2
Der Halensee gehört zur Kleinen Grunewaldseenkette und ist mit 55.887 qm
Oberfläche der größte dieser Seen.
Der Halensee wird durch Grundwasser
gespeist und hat keinen natürlichen
Zufluss. Er hat eine mittlere Tiefe von
ca. 3,21 m und ein Volumen von ca.
179.363 m3.
Der größte Teil der Uferzone ist in privater Hand. Lediglich im Norden und
Süden ist der See frei zugänglich. Ein
kurzer Uferwanderweg wird im nördlichen Bereich angelegt.

➜ Wir fahren geradeaus durch den
Park weiter über Trabenerstraße,
Erbacherstraße zur Koenigsallee an der
wir rechts abbiegen.

An der Douglasstraße7 legen wir einen
kurzen Halt ein. Hier sehen wir das
Garten- und Baudenkmal ✱ Villa
Harteneck.
Die Villa wurde 1911/12 von Architekt
An der Koenigsallee Ecke Erdener Straße Adolf Wollenberg streng klassizistisch
steht ein Gedenkstein für Walther erbaut; 1985 Rekonstruktion der histoRathenau, der hier ermordet wurde.
rischen Gartenanlage, die heute als
öffentlicher Park zugänglich ist.
➜ Wir folgen der Königsallee über die Die Villa wird gewerblich genutzt.
Königsalleebrücke von der aus man
Der Garten der Villa gehört zu den wenilinks den Herthasee und rechts den
gen, heute noch fast vollständig erhalKönigssee sehen kann, biegen in die
tenen Anlagen in der Villenkolonie
Douglasstraße ein.
Grunewald. Den ursprünglich dreiteiligen Garten gestaltete der Architekt
abhängig von der jeweiligen Nutzung.
Bahnhof Grunewald
An die Südfassade des Hauses, deren
Mittelteil an die offenen Arkaden antiker Architekturen erinnert,schließt sich
ein geometrisches, gestuftes Rasenparterre mit Fontänenbecken an; der
Villa gegenüber begrenzt eine steinerne Pergola die Rasenfläche.

23

Bahnhof Grunewald

24

Im Kontrast dazu steht der landschaft- Vernichtungslager, wo die meisten von
lich gestaltete Gartenteil mit altem ihnen ermordet wurden.
Wald- und Parkbaumbestand.
Auf Initiative der Bezirksverordneten➜ Nach der Besichtigung des Gartens versammlung Wilmersdorf wurde am
18. Oktober 1991 das ✱ Mahnmal von
folgen wir der Douglasstraße und
Karol Broniatowski enthüllt.
Auerbacherstraße rechts zum
Es zeigt in einem Betonblock Negativ✱ Bahnhof Grunewald, wo wir ebenabdrücke von menschlichen Gestalten
falls einen kurzen Halt einlegen.
und informiert daneben auf einer
Dieser Bahnhof wurde 1879 zunächst Bronzetafel über die Deportationen.
als Bahnhof Hundekehle eröffnet, 1884
wurde er umbenannt in «Bahnhof Diese Bronzetafel ist leider schwer lesGrunewald». Das Bahnhofsgebäude bar, aber der Künstler wollte es so: Das
wurde 1899 von Karl Cornelius gebaut Entziffern des Textes soll Mühe machen.
und steht ebenso unter Denkmalschutz Der Text lautet: «Zum Gedenken an die
wie der Tunnel. Seit dem 18. Oktober mehr als 50.000 Juden Berlins, die zwi1941 fuhren von hier und von den schen Oktober 1941 und Februar 1945 vorBahnhöfen Putlitzstraße und Lehrter wiegend vom Güterbahnhof Grunewald
Stadtbahnhof Deportationszüge nach aus durch den nationalsozialistischen
Lodz,Riga und Auschwitz und brachten Staat in seine Vernichtungslager deporinsgesamt mehr als 50.000 jüdische tiert und ermordet wurden. Mahnung
Berlinerinnen und Berliner in die an uns,jeder Mißachtung des Lebens und

Tour 2
der Würde des Menschen mutig und nach Lodz und Riga, seit Ende 1942 bis
Juni 1943 nach Auschwitz. Danach gab
ohne Zögern entgegenzutreten.»
es noch kleinere Transporte, zuletzt am
Auch die Deutsche Bahn AG hat sich für 02.02.1945 mit 11 Opfern nach Ravensdie Erinnerung an die Deportationen brück.Die Reichsbahn verlangte von der
von diesem Bahnhof engagiert. Am SS pro Person und gefahrenem Schie27.Januar 1998 wurde das Mahnmal auf nenkilometer 4 Pfennige, pro Kind
der Gleisanlage 17 von der Deutschen 2 Pfennige, nur die Hälfte wenn mehr
Bahn AG enthüllt.Es wurde von Nicolaus als 400 Menschen transportiert wurHirsch, Wolfgang Lorch und Andrea den. Für die ersten Transporte wurden
Wandel geschaffen. Es befindet sich an noch Personenzüge verwendet, später
den Gleisen, von denen die Deporta- Güterzüge.
tionszüge abgefahren sind. Es besteht
aus Metallplatten auf den ehemaligen ➜ Nach der Besichtigung der Gedenkstätte müssen wir kurz durch den
Verladebahnsteigen.
Tunnel schieben, um dann schräg links
Auf diesen Metallplatten sind die Daten, in den Schildhornweg fahren.
Bestimmungsorte und die Opferzahlen Wir folgen dem Weg, radeln an einer
der einzelnen Transporte eingraviert. ehemaligen ✱ Kiesgrube vorbei.
Wir kennen diese Daten aus den Transportlisten der Nationalsozialisten. Die ✱ Kiesgrube steht aufgrund ihrer
Die großen Transporte mit meist mehr Arten- und Biotopvielfalt unter Naturals 1000 Menschen gingen zunächst schutz. Sie darf betreten werden.

Ökowerk am Teufelssee

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das Naturschutzzentrum Ökowerk am
Teufelssee.
➜ Wir folgen dem Weg und legen
beim ✱ Ökowerk, das sich am südlichen Ende der Teufelsseechaussee
befindet, einen Stopp ein.
Führung im Ökowerk

Maschinenhaus des ehemaligen Wasserwerkes

Die besonders sensiblen Bereiche sind
umzäunt.Für Kinder ist der große Sandhügel im Zentrum ein Erlebnis.
➜ Kurz vorm Teufelssee biegen wir
rechts ab und kommen an der Badewiese vorbei.
Der ✱ Teufelssee ist ca. 2,4 ha groß, hat
eine maximale Tiefe von 5,93 m. Er ist
Teil eines Naturschutzgebietes,das sich
als «Teufelsfenn» am nördlichen Ufer
fortsetzt.Am nördlichen Ufer liegt auch

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Das ✱ Ökowerk wurde 1982 als Naturschutzzentrum im ehemaligen Wasserwerk Teufelssee gegründet.
Die Gesamtanlage steht unter Denkmalschutz. 1872/73 wurde das Wasserwerk zur Versorgung der westlichen
Vororte Berlins gebaut.Das Maschinenhaus ist im Originalzustand erhalten.
Das Wasserwerk ist das älteste erhaltene Werk in Berlin. Es wurde 1969
wegen technischer und hygienischer
Mängel stillgelegt.
1978 wurden die Heizkessel verschrottet. Im Ökowerk werden Seminare,
Exkursionen, Wandertage und Füh-

Tour 2
rungen angeboten.Auf dem 2,8 ha großen Gelände gibt es eine Bibliothek,ein
Labor, einen Biogarten, Teiche, ein
Wassermuseum in den alten Filterhallen und eine Veranstaltungshalle.
➜ Nach dem Besuch des Ökowerkes
fahren wir auf der Teufelsseechaussee,
der ersten Fahrradstraße im Bezirk,

erlaubt. Die Tour führt uns rechts weiter über Soldauer Allee, Lötzener Allee
zur Waldschulallee, in der das Baudenkmal ✱ Mommsenstadion liegt.
Das Stadion wurde 1930 gebaut (Architekt Fred Forbat) und benannt nach
einem ehemals hier befindlichen
Gymnasium.
Das Gelände ist ca. 35.000 m 2 groß,
1.805 Sitzplätze auf der Tribüne und
13.200 Stehplätze sind vorhanden.
Neben dem Fußballrasenplatz verfügt
das Mommsenstadion über sämtliche
leichathletischen Sportanlagen, eine
Kunststofflaufbahn und eine 3-StufenFlutlichtanlage.

Fahrradtour mit Frau Schmiedhofer 2007; im
Hintergrund der Funkturm

Mommsenstadion

Während der Fußballweltmeisterschaft
hier haben Fahrradfahrer Vorrang und vom 09.06.bis zum 09.07.2006 war hier
dürfen auch nebeneinander fahren.
das Trainingsstadion der deutschen
Autoverkehr ist nur als Anliegerverkehr Fußball-Nationalmannschaft.

➜ Am Ende der Waldschulallee biegen
wir links in die Eichkampstraße ein
und folgen der Straße bis zur Halenseestraße.

27

Bei einem kurzen Halt können wir den
150 m hohen ✱ Funkturm betrachten.
Das Bauwerk aus einem Stahlfachwerk
wurde 1924-26 gebaut und ist Pionier
in der Radiogeschichte. Von ihm aus
wurden die ersten regelmäßigen
Rundfunksendungen in den Äther
geschickt.

Funkturm und ICC

Rechts vom Messedamm befindet sich
das ✱ ICC.Auch das ICC ist ein typisches
Stück West-Berlin und ebenfalls in seiner Existenz bedroht.
1975 –79 von Ralf Schüler und Ursula
Schüler-Witte erbaut, ist das ICC ein
weltweit bekanntes, geschätztes und
gut ausgebuchtes Kongresszentrum.
Das ICC liegt quasi auf einer Verkehrsinsel zwischen Autobahn,Messedamm
und Kantstraße. Es hat sehr wesentlich
dazu beigetragen, dass Berlin weltweit
Kongressstadt Nr. 4 ist (hinter Barcelona, Wien, Singapur).
10 Mio. Menschen haben in 26 Jahren
über 15.000 Veranstaltungen besucht.
Allerdings ist die Zukunft des ICC unklar.
➜ Weiter geht es jetzt auf der
Halenseestraße Richtung Südost.
Am Ende der Halenseestraße, die wir
jetzt entlang fahren werden, befand

28

Tour 2
sich bis in die 30`er - Jahre des letzten
Jahrhunderts eine große Grünanlage,
der Lunapark. 1904 als «Terrassen am
Halensee» eröffnetes Vergnügungsgelände mit orientalischer Fantasiearchitektur, seit 1910 «Lunapark» mit
jährlich wechselnden Attraktionen wie
Wellenbad,Wasserrutschbahn,Gebirgsbahn, Wirbelschaukel, Teufelsscheibe,
Somalidorf usw.
Es war ein riesiger Vergnügungspark,
der sich vom Kurfürstendamm bis zum
See erstreckte. Sein Lärm war in ganz
Halensee zu hören. Zeitweise gab es an
jedem Abend zum Abschluss ein großes Feuerwerk.1934 durch die Nationalsozialisten als «Schandfleck des
Westens» geschlossen,abgerissen und
stattdessen Anlage einer Aufmarschstraße zum «Reichssportfeld». Heute
führt die Halenseestraße als Autobahnzubringer mitten durch das
Gelände. Der Eingang befand sich

unweit des heutigen Rathenauplatzes
an dem unsere Tour endet.
Der ✱ Rathenauplatz ist Stadtplatz mit
vier Straßeneinmündungen an der
Einfahrt zur Villenkolonie Grunewald.
Die Benennung nach dem im Jahr 1922
ermordeten Außenminister Walther
Rathenau erfolgte 1957 anlässlich seines 90. Geburtstages. Mittelinsel mit
Rasenfläche und der Skulptur «Beton
Cadillacs» (2 Beton-Cadillacs in Form
der nackten Maja») von Wolf Vostell,
eine der Großskulpturen des Skulpturenboulevards, geschaffen 1987 zur
750-Jahrfeier Berlins.Vostells Intention
war die Entlarvung des «24-stündige(n)
Tanz(es) der Autofahrer ums Goldene
Kalb». Gegen die Aufstellung der
Skulptur formierte sich ein starker
Bürgerprotest.Kein anderes Kunstwerk
war in der Nachkriegszeit in Berlin so
umstritten.

Rathenauplatz, «Beton-Cadillacs»

29

Saatwinkler Damm

Saatwinkler Damm

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Volksspark
Jungfernheide

Jakob-KaiserPlatz

30

Stadtr

ing

Tour 3
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11

Jakob-Kaiser Platz
Paul-Hertz-Siedlung
Gedenkstätte Plötzensee
ehemalige Speerplatte
Jungfernheide
Wasserturm
Wildgehege
Jungfernheideteich
Großsiedlung Siemensstadt
Goebelplatz
Christi-Sühne-Kirche

31

Durch den nördlichsten Teil des Bezirkes
• Jakob Kaiser Platz • Paul-Hertz-Siedlung
• Gedenkstätte Plötzensee • Speerplatte
• Jungfernheide • Wasserturm • Wildgehege • Jungfernheideteich • Großsiedlung Siemensstadt • Goebelplatz

Jungfernheidesee

Die Route führt hauptsächlich auf
Fahrradwegen und ruhigen Nebenstraßen, durch Kleingartenkolonien,
die Jungfernheide und endet wieder
am Jakob-Kaiser Platz.
Vor allem auf den Wegen durch die
Kleingartenkolonien ist Rücksicht auf
Fußgänger zu nehmen. Man kann die
Gedenkstätte besichtigen oder ein
Picknick in der Jungfernheide einplanen, die Tour ist auch für Familien mit
Kindern geeignet.

Damm Richtung Nord). Der Platz hieß
früher Siemens-Platz und ist heute nach
dem Widerstandskämpfer und CDUPolitiker Jakob Kaiser benannt.
➜ Wir fahren hier über einen Parkplatz
zum Klausingring, biegen rechts in die
Bernhard-Lichtenberg-Straße und links
in den Heckerdamm und gelangen so
zum Zentrum der ✱ Paul-HertzSiedlung.

Die ✱ Paul-Hertz-Siedlung wurde
1960-65 nach Plänen von den Architekten Ebert,Weber und Gaulke auf ehemaligem Kleingartenland am Heckerdamm für die GEWOBAG errichtet.
Paul Hertz war SPD Politiker und hat sich
in der Nachkriegszeit wesentlich für den
Startpunkt ist der U-Bahnausgang am Wiederaufbau Westberlins eingesetzt.
✱ Jakob Kaiser Platz (Kurt-Schumacher- Die Siedlung galt als ein Musterbeispiel

32

Tour 3
der damaligen Vorstellungen der
Stadtplaner von der «aufgelockerten
Stadt». Das heißt: Die Häuser stehen
nicht direkt an der Straße,sondern eher
versteckt im Grünen. In den Häusern
gibt es mehr als 2.600 Wohnungen.
Es sind überwiegend kleine Wohnungen
zwischen 1 und 3 Zimmern. Die durchschnittliche Wohnungsgröße beträgt
65 qm.
Die Straßen hier in der Paul-HertzSiedlung wurden nach Widerstandskämpfern benannt, weil sich in unmittelbarer Nähe die 1952 eingeweihte
Gedenkstätte Plötzensee befindet. Die
meisten der hier auf den Straßenschildern geehrten Widerstandskämpfer wurden in Plötzensee hingerichtet.
Die 1966 eingeweihte Grundschule
erhielt den Namen des Widerstandskämpfers Helmuth James von Moltke.
Anschließend an die Paul-Hertz-Sied-

lung beginnt das größte Kleingarten- Die Namen der Kolonien deuten teilgebiet des Bezirkes.
weise auf die ehemaligen Besitzer
Degenhof, Familie Degen oder auf frü➜ Die Route führt uns jetzt durch
here Nutzungen.
einen Teil dieses Gebietes. Radfahren
Heideschlösschen war ein Restaurant
ist dort erlaubt, auf Fußgänger ist
auf der Kolonie; Pferdemarkt war tatjedoch Rücksicht zu nehmen.
sächlich einen Pferdemarkt und auf der
Kolonie Olympia gab es eine RadrennZur Kleingartenregion Charlottenburg bahn, die hier um 1900 gebaut wurde,
Nord gehören 30 Kolonien mit über und zwar für die Olympischen Spiele,
2500 Parzellen.
die 1916 in Berlin geplant waren und
Jugendclub Heckerdamm

33

In den Gartenkolonien

wegen des Ersten Weltkrieges jedoch
ausfielen. Die Rennbahn wurde im
Zweiten Weltkrieg durch ein abgestürztes Flugzeug teilweise zerstört und in
den 50er Jahren abgetragen.
➜ Vom Heckerdamm biegen wir hinter
der Bushaltestelle rechts in den
Grenzweg ein. Die Orientierung ist
jetzt im Streckenverlauf etwas schwierig. An einer „Kreuzung“ biegen wir
links in eine asphaltierte Straße
(Kolonie Juliusruh). Durch eine
Schranke gelangen wir zum Sandweg

34

und Gradeweg der uns in einigen Windungen zum Friedrich-Olbricht-Damm
führt. Dort müssen wir links abbiegen
und an einer Schranke wieder in die
Kleingartenkolonie rechts einfahren.
Dieser Weg wird auch von PKWs befahren. Wir folgen ihm bis zum
Riedemannweg und dort biegen wir
gleich in den nächsten Weg rechts wieder in die Kolonie. Er bringt uns direkt
zur ‚ ✱ Gedenkstätte Plötzensee im
Hüttigweg, wo wir die Möglichkeit zu
einer Besichtigung nutzen können.
Das Strafgefängnis Plötzensee wurde
1868-79 als Gefängnis vor den Toren
Berlins erbaut. Auf 25 Hektar entstand
ein Gebäudekomplex mit vielen Freiflächen für 1.200 Gefangene.
Es ist eine der frühesten Berliner Gefängnisanlagen. Teile des Gebäudekomplexes wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört.Die gesamte Anlage steht

Tour 3
unter Denkmalschutz.1945 bestimmen
die Alliierten, dass Plötzensee künftig
als Jugendgefängnis fungieren soll.
1951 beschließt der Senat von Berlin, in
Plötzensee eine Gedenkstätte einzurichten. Mit der Gestaltung wird der
Architekt Bruno Grimmek betraut.
Teile des Hinrichtungsschuppens werden abgerissen, davor wird eine
Gedenkwand errichtet.
Der Grundstein für die ✱ Gedenkstätte
Plötzensee wird am 9. September 1951
gelegt;die feierliche Einweihung erfolgt
am 14. September 1952. Seither befindet sich hier ein Ort der Erinnerung und
des stillen Gedenkens an alle Opfer der
nationalsozialistischen Diktatur.
Nach der nationalsozialistischen
Machtübernahme verschärften sich
die Haftbedingungen im Gefängnis
Plötzensee. Ziele des Strafvollzuges
sind nun Vergeltung, Abschreckung

Fahrradtour mit Frau Schmiedhofer 2008; im
Hintergrund die Gedenkstätte Plötzensee

und Ausmerzung angeblich „Minderwertiger“.
Nach 1939 war auch eine große Gruppe
der Inhaftierten Ausländer, die als
Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt wurden. Die meisten Hinrichtungen gab es 1942 mit 535,1943 mit
1.180 und 1944 mit 534.Auch in den letzten Wochen des Krieges 1945 wurden
noch 132 Menschen hingerichtet, die
letzten am 15.April 1945.Insgesamt wurden 2.891 Menschen zwischen 1933 und

35

1945 hingerichtet. Am 25. April 1945
wurde Plötzensee durch die Rote Armee
befreit. Von den etwa 2.500, die hier
durch Fallbeil oder Strick hingerichteten Männer, Frauen und Jugendlichen
waren viele Widerstandskämpfer – u.a.
die am Umsturzversuch des 20.Juli 1944
Beteiligten.
Die ehemalige Hinrichtungsstätte wird
heute als Gedenk- und Dokumentationsraum genutzt,im letzteren gibt es
u.a.eine Ausstellung von Originalakten
des Volksgerichtshofes. Nach dem

ersten 1934 hier hingerichteten politischen Gefangenen,dem Kommunisten
Richard Hüttig, wurde die Zugangsstraße benannt.
➜ Nach der Besichtigung der Gedenkstätte fahren wir über Hüttigweg und
Emmy-Zehden-Weg zum FriedrichOlbricht-Damm, in den wir links einbiegen.
Entlang des Hohenzollernkanals
gelangen wir zum Gelände der ehemaligen ✱ Speerplatte

Jungfernheidesee

1878 hatte der bekannteste Berliner
Eisproduzent Carl Thater das Gelände
am Friedrich-Ollbricht-Damm hier hinter der Freifläche gekauft und seine
Eiswerke zur Produktion von Natureis
errichtet. Zur damaligen Zeit gab es ja
noch keine Kühlschränke. In den 30er
Jahren musste die Familie ihre Grundstücke an das Deutsche Reich verkau-

36

Tour 3
Heute befinden sich auf dem Gelände
Baumärkte, Gewerbehöfe und Bürobauten.

Jungfernheide, Naturtheater

fen, 1939 wurden die Eisteiche verfüllt.
Hier entstand die sogenannte
Speerplatte. 1940 ließ Albert Speer dort
eine riesige Betonplatte bauen,die dem
Fuhrpark der Organisation Todt als
Abstellfläche diente. Auch einige
Kasernen wurden errichtet.
Nach dem Krieg wurde das Gelände bis
auf das Kommandeursgebäude abgeräumt und seit 1955 als Kohlelager
genutzt. Seit dem Chrustschow-Ultimatum von 1958 wurde hier eine

➜ Entlang des Hohenzollernkanals
gelangen wir zur Kreuzung
Kurt-Schumacher-Damm, hier müssen
wir an der Fußgängerampel auf die
andere Fahrbahnseite wechseln, ein
kurzes Stück zurückradeln und in den
Senatsreserve von 200.000 Tonnen Park einbiegen. Durch zwei UnterKohlen gelagert.
führungen gelangen wir zum Eingang
Im Kommandeursgebäude wurde pro- ✱ Jungfernheide.
visorisch eine Grundschule für die
Kinder aus Charlottenburg-Nord unter- Die ✱ Jungfernheide als östlich von
gebracht, die so genannte Bunker- Spandau gelegenes Wald- und
schule. In der Schulverwaltung sprach Heidegebiet erhielt ihren Namen nach
man damals vom «Sibirien Charlotten- den ‘Jungfern’ des Spandauer Nonnenburgs», wenn von der Schule und dem klosters. Bis um 1800 befand sich hier
umliegenden Gelände die Rede war. ein kurfürstliches bzw. königliches
Mit dem 1965 eröffneten Neubau der Jagdrevier; ab 1824 wurde ein Teil der
Helmuth-James-von-Moltke-Schule Jungfernheide als Exerzier- und
hatte dieses Provisorium ein Ende. Schießplatz genutzt.

37

1904 kaufte die Stadt Charlottenburg
Teile der Jungfernheide für die Anlage
eines großen städtischen Parks. Der
Beginn der Bauarbeiten wurde wegen
der hohen Kosten immer wieder hinausgezögert.
1920 – 1926 wurde dann auf 112 ha der
Jungfernheidepark nach Plänen des
Charlottenburger Gartendirektors
Erwin Barth als angelegter Landschaftspark gestaltet (1.800 m lang,
800m breit).
Jungfernheide

Die Garten- und Hochbauverwaltung
führte die Arbeiten hauptsächlich mit
Arbeitslosen im Notstandsprogramm
durch. Am 27.05. 1923 wurde der Park
und die Badeanlagen zu den Spiel- und
Sportwochen im Bezirk eröffnet. Auch
schon damals konnten aus Geldmangel
nicht alle Pläne realisiert werden.
Erwin Barth war von 1912 bis 1926
Gartendirektor von Charlottenburg und
anschließend von Groß-Berlin.
Sein Credo lautete: «Wenn irgendwo
eine reiche Ausstattung der Plätze mit
verschwenderischer Blumenfülle, mit
Brunnen und dergleichen angebracht ist,
so ist es da, wo Leute wohnen, die sich
keine eigenen Gärten leisten können.»
Der Park und einzelne Baulichkeiten
wurden im Zweiten Weltkrieg sehr
beschädigt. Zwei Häuser am Eingang
wurden zerstört.Durch den Ausbau der
Autobahn wurden östliche Teile des
Parks und der Haupteingang zerstört.

Tour 3
➜ Vorbei am ✱ Wasserturm und an den
✱ Wildgehegen gelangen wir zum ✱
Jungfernheideteich.
Der 38m hohe ✱ Wasserturm ist ein
expressionistischer Klinkerbau. Er
wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und in den 80er Jahren wieder
restauriert. Früher befand sich darin
unten eine Gaststätte.
Die östlich vom Wasserturm gelegenen
✱ Wildgehege werden durch den Bezirk
erhalten,das Eine für Wildschweine,das
Andere für Dammwild. Das ehemalige
Wildschweingehege,ein etwa 3.500qm
großes eingezäuntes Areal südlich des
Wasserturmes, wurde zum Hundeauslaufgebiet erklärt.Außerhalb des Areals
besteht Leinenzwang für Hunde.
Der ✱ Jungfernheideteich hat eine
Größe von 63.702qm und ist damit nach
Grunewaldsee und Hundekehlesee der
drittgrößte See im Bezirk. Er hat ein

Wasserturm Jungfernheide

Volumen von ca.120.000qm,eine maximale Tiefe von 4m und eine mittlere
Tiefe von nur 1,84m.
Der Teich erhält im westlichen Teil
über den Nonnengrabenkanal ständig
frischen Zufluss aus dem Spandauer
Schifffahrtskanal und zusätzlich Grundwasser aus 2 Pumpen. Er gibt sein
Wasser an die tiefer gelegene Spree ab.
Das Becken wurde künstlich geschaffen, der westliche Teil dient als Freibad,

der für den östlichen Bereich gilt ein
Badeverbot, da hier die Wasserqualität
nicht immer der geforderten Norm entspricht. Erhalten ist ferner das Naturtheater, dass Platz für 2000 Zuschauer
hat (1923-25 von Barth nach dem antiken Vorbild in Ephesos).
Seit Mai 2004 bietet die Scampi & Steak
Company im «Kulturbiergarten Jungfernheide» an der Gustav-Böß-Bühne
sowohl den klassischen Biergarten mit

39

Jungfernheide und fahren nun durch
die ✱ Großsiedlung Siemensstadt.

Siemensstadt Plan

40

Sie ist seit Juli 2008 neben fünf anderen
Wohnsiedlungen in Berlin in das
UNESCO-Weltkulturerbe als typische
Vertreter des modernen Siedlungsbau
der zwanziger Jahre aufgenommen
worden.
Die ✱ Großsiedlung Siemensstadt
wurde 1929-31 unter der Gesamtplanung von Hans Scharoun errichtet.
Der Charlottenburger Teil gilt als beispielhaft für den fortschrittlichen
Wohnungsbau der 20er Jahre mit ihren
aufgelockerten, von Freiräumen und
Fassbier, Weisse mit Schuss oder Grünstreifen umgeben,meist fünfstökMilchkaffee,als auch Unterhaltung auf kigen Wohnzeilen. Mittelpunkt der
der Freilichtbühne von Klassik über Jazz Siedlung im Charlottenburger Teil ist
bis hin zu Tanz und Theater an.
der Goebelplatz. Die Straßen wurden
hier nach Technikern, Erfindern und
➜ Wir fahren um den See herum und
Physikern benannt, auf deren
verlassen hinter der Freilichtbühne die Entdeckungen der Erfolg der Firma

Tour 3
Siemens beruhte.Von 1956 bis 1961 entstand die Erweiterung der Siedlung
Siemensstadt hier im westlichen Teil
Charlottenburg-Nords mit annähernd
4.000 Wohnungen für 12.000 Menschen.
Die Großsiedlung Siemensstadt gehört
heute zu den bekanntesten Siedlungen

der Weimarer Republik. Trotz der
Namensgebung war der Siemenskonzern nicht an Planung und Finanzierung beteiligt, die Siedlung ist kein
Werkwohnungsbau.
Das Bestreben «Licht, Luft und Sonne»
für alle Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen, sollte die Siedlung im
damals noch wenig erprobten Zeilenbau errichtet werden.
Um eine optimale Besonnung der
Wohnungen zu erzielen, lagen die
Wohnblöcke in strenger Nord-SüdRichtung parallel zueinander, die
Schlafräume nach Osten, die Wohnzimmer nach Westen orientiert.
➜ Durch den Gesslerpfad gelangen wir
zum Goebelplatz.

Christi-Sühne-Kirche

Der ✱ Goebelplatz ist Mittelpunkt des
Charlottenburger Teils der Großsiedlung Siemensstadt. Die Häuser

Siemensstadt

Christi-Sühne-Kirche

ringsum stammen von bekannten
Architekten der Weimarer Republik
wie Walter Gropius,Otto Bartning,Hugo
Häring und Rudolf Henning.
Der Goebelplatz wurde 1930 benannt
nach dem Uhrmacher und Erfinder
Henry Goebel.
Er hieß eigentlich Johann Heinrich
Christoph Göbel, wurde 1818 in Springe
geboren und wanderte 1848 nach
Amerika aus. Er gilt als Erfinder der
Glühlampe,die Thomas Alva Edison seit
1879 technisch auswertete und industriell produzierte.
Von der nationalsozialistischen Propaganda
wurde die moderne
Architektur, wie die
Siedlung Siemensstadt mit ihrem
Zeilenbau und den flachen Dächern, abge-

lehnt, ihre Architekten verunglimpft,
mit Bauverbot belegt oder wie
Walter Gropius und Fred Forbat in die
Emigration getrieben.
Allerdings war der Umgang mit
Siemensstadt zunächst widersprüchlich: Erst wenige Jahre alt, verbot sich
ein sofortiger Abriss der Siedlung.
Auch bauliche Veränderungen wurden
nicht vorgenommen, man versuchte
lediglich mit schnell wachsenden Pyramidenpappeln die Bauten im Stadtbild
unsichtbar zu machen.
Die GSW hat gemeinsam mit dem
Landesdenkmalamt 2004 zum 75. Geburtstag der Siedlung Siemensstadt
zehn Wegweiser mit vielen Informationen zu den Gebäuden und ihren
Architekten aufgestellt. Man kann so
weitere interessante Informationen bei
einem Stadtspaziergang erhalten.
Wer sich noch mehr für das Weltkulturerbe – Siedlungsarchitektur der 20er-

Tour 3
Jahre – interessiert, sollte einen Abstecher nach Westen in die Goebelstraße machen.
➜ Der Toeplerstraße folgend gelangen
wir zur ✱ Christi-Sühne-Kirche.
Die ✱ Christi-Sühne-Kirche wurde
1962-64 von der evangelischen Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord nach
Plänen von Hans Rudolf Plarre neben
einem bereits 1958/59 von Werner
Harting errichteten Gemeindehaus
erbaut. 1964 wurde zwischen Kirche
und Gemeindehaus das Mahnmal zum
Gedenken an Schreckensorte der
menschlichen Geschichte von Florian
Breuer eingeweiht.
Gegenüber der Kirche befinden sich
eine Reihe von Bildungseinrichtungen
des Bezirks:Die Anna-Freud-Oberschule
am Halemweg 22 wurde 1977 gegrün-

Siedlungsbauten nach Plänen von Hugo Häring

det. Sie ist eine staatliche Fachschule ➜ Rückfahrt zum Jakob-Kaiser-Platz
für Sozialwesen mit gymnasialer Oberstufe. Im Gebäude der Anna-FreudOberschule befindet sich auch die
Stadtbibliothek Halemweg. Am Halemweg 24 wurde 1973 die PoelchauGesamtschule eröffnet. Sie ist Berlins
vierte Sportoberschule mit gymnasialer Oberstufe.

43

Handcolorierter Plan der Jungfernheide, Erwin Barth 1924

44

Impressum
Herausgeber
Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
Umweltamt
Fehrbelliner Platz 4
10707 Berlin
Inhaltliche Konzeption und Text
Umweltamt
Jutta Sperling
Bildmaterial
Bezirksamt, Alexander Hahn, Bettina Hahn, Wolfgang Lukowiak
Layout, Illustrationen und Gestaltung
Bettina Hahn
Druck und Herstellung
Medialis Offsetdruck GmbH, Berlin
Juni 2009

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Herausgeber: Umweltamt
Charlottenburg-Wilmersdorf
        
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