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Full text: Wohnungseinbruch: Polizeiliche Ermittlungspraxis und justizielle Entscheidungen im Erkenntnisverfahren / Dreißigacker, Arne

KRIMINOLOGISCHES
FORSCHUNGSINSTITUT
NIEDERSACHSEN E.V.

Forschungsbericht Nr. 130

Forschungsbericht Nr. 102

Wohnungseinbruch: Polizeiliche Ermittlungspraxis und justizielle Entscheidungen
im Erkenntnisverfahren
Ergebnisse einer Aktenanalyse
in fünf Großstädten

Arne Dreißigacker, Gina Rosa Wollinger, Katharina Blauert,
Anuschka Schmitt, Tillmann Bartsch, Dirk Baier
2016

___________________________________________________________________________

FORSCHUNGSBERICHT Nr. 130
___________________________________________________________________________

Wohnungseinbruch: Polizeiliche Ermittlungspraxis und justizielle Entscheidungen im
Erkenntnisverfahren
Ergebnisse einer Aktenanalyse
in fünf Großstädten

Arne Dreißigacker, Gina Rosa Wollinger, Katharina Blauert,
Anuschka Schmitt, Tillmann Bartsch, Dirk Baier

2016

Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN)
Lützerodestraße 9, 30161 Hannover
Tel. (05 11) 3 48 36-0, Fax (05 11) 3 48 36-10
E-Mail: kfn@kfn.de

Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung................................................................................................. 5

2

Forschungsstand ................................................................................... 15

3

Methode ................................................................................................. 21

3.1

Vorgehen................................................................................................................... 21

3.2

Stichprobenbeschreibung ....................................................................................... 23

4

Ermittlung von Tatverdächtigen ......................................................... 25

4.1

Polizeiliche Ermittlungen ........................................................................................ 25

4.1.1
4.1.2
4.1.3
4.1.4
4.1.5
4.1.6
4.1.7

Kenntnisnahme der Tat .............................................................................................. 25
Ermittelnde Polizeieinheiten...................................................................................... 25
Tatmerkmale .............................................................................................................. 27
Spuren ........................................................................................................................ 41
Zeugenbefragungen ................................................................................................... 45
Zusammenhänge zu anderen Wohnungseinbrüchen ................................................. 46
Maßnahmen nach der StPO ....................................................................................... 47

4.2

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen ................................................................... 48

4.2.1
4.2.2
4.2.3
4.2.4

Erster Eingang der Akte ............................................................................................ 49
Rückverfügung .......................................................................................................... 50
Ermittlungsmaßnahmen auf Betreiben der Staatsanwaltschaft ................................. 50
Information der Verletzten über ihre Befugnisse (§ 406h StPO) .............................. 51

4.3

Ermittelte Tatverdächtige ....................................................................................... 51

4.3.1
4.3.2
4.3.3
4.3.4
4.3.5
4.3.6
4.3.7
4.3.8

Soziodemografische Daten ........................................................................................ 52
Zur Überzählung der Tatverdächtigen ....................................................................... 57
Begründung des Tatverdachts ................................................................................... 60
Anwaltliche Vertretung und Verhalten während der Vernehmung ........................... 61
Vorahndungen ........................................................................................................... 64
Abhängigkeiten und Süchte ....................................................................................... 66
Untersuchungshaft ..................................................................................................... 66
Weitere Maßnahmen nach der StPO gegen tatverdächtige Personen ........................ 69

3

4.4

Weiterer Verlauf: Ausfilterungsprozess während des Strafverfahrens ............. 70

4.4.1
4.4.2
4.4.3
4.4.4

Tatverdacht ................................................................................................................ 70
Entscheidung der Staatsanwaltschaft ......................................................................... 70
Entscheidung des Gerichts......................................................................................... 71
Verurteilungsquote .................................................................................................... 72

4.5

Einflussfaktoren für einen Ermittlungserfolg ....................................................... 74

5

Entscheidungen von Staatsanwaltschaften und Gerichten .............. 79

5.1

Staatsanwaltschaftliche Entscheidungen ............................................................... 79

5.1.1
5.1.2

Einstellung des Verfahrens ........................................................................................ 79
Fortführung des Verfahrens ....................................................................................... 81

5.2

Gerichtliche Entscheidungen .................................................................................. 81

5.2.1
5.2.2
5.2.3
5.2.4

Beweismittel .............................................................................................................. 83
Schuldfähigkeit und Sucht ......................................................................................... 84
Dauer des Verfahrens ................................................................................................ 85
Sanktionen ................................................................................................................. 86

5.3

Einflussfaktoren für eine Verfahrensfortführung und Verurteilung ................. 93

6

Verurteilte Täter/innen ........................................................................ 99

6.1

Tätergruppen ........................................................................................................... 99

6.2

Regionale Unterschiede ......................................................................................... 100

7

Zusammenfassung zentraler Ergebnisse .......................................... 105

7.1

Resümee .................................................................................................................. 113

Literaturverzeichnis ........................................................................................ 116

4

1

Einleitung

Der Wohnungseinbruchdiebstahl, im Folgenden kurz als Wohnungseinbruch oder auch nur
Einbruch bezeichnet, ist ein Delikt, das in den letzten Jahren vermehrt öffentliche Aufmerksamkeit erfährt. Dies hat seinen Grund darin, dass er zu den wenigen Delikten in Deutschland
gehört, zu denen in der Polizeilichen Kriminalstatistik steigende Fallzahlen berichtet werden.
Wurden im Jahr 2006 deutschlandweit noch 106.107 Wohnungseinbrüche in der Kriminalstatistik ausgewiesen, waren es im Jahr 2014 bereits 152.123 Fälle. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass es in der Vergangenheit mehrfach Jahre gab, in denen die Fallzahlen noch deutlich
höher lagen, so z.B. im Jahr 1993 mit 227.090 Wohnungseinbrüchen. Nicht zu verkennen ist
jedoch, dass die Entwicklung in den letzten Jahren besonders dynamisch und im Vergleich zu
anderen Delikten besonders untypisch ist. Dies illustriert Abbildung 1.
Abbildung 1: Entwicklung der Häufigkeitszahl verschiedener Delikte (2006 = 100; Polizeiliche Kriminalstatistik)

160
150

Wohnungseinbruchdiebstahl

140

vorsätzliche leichte
Körperverletzung

130

Betrug
120
110

Rauschgiftkriminalität
insgesamt

100

Diebstahl insgesamt

90

Gewaltkriminalität

80
Sachbeschädigung
70
2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Für sieben relativ verbreitete Delikte zeigt Abbildung 1 die Entwicklung der vergangenen
Jahre, wobei das Jahr 2006 zum Ausgangspunkt genommen wird. Dargestellt wird die Häufigkeitszahl, d.h. die an 100.000 Personen der Bevölkerung relativierte Anzahl an Wohnungseinbrüchen.1 Hiernach ist der Wohnungseinbruch in acht Jahren um 46,3 % gestiegen.2 Der
zweithöchste Anstieg ist für die Rauschgiftkriminalität insgesamt zu beobachten, die im Ver-

1

2

Dadurch werden Veränderungen in der Bevölkerungsanzahl berücksichtigt. Bei steigender Bevölkerungszahl wäre bspw. zu erwarten, dass es ein steigendes Fallzahlaufkommen gibt. Allerdings ist die Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre nicht von einem Anstieg gekennzeichnet: Lebten im Jahr 2006 noch
82,3 Millionen Menschen in Deutschland, waren es im Jahr 2014 – nach den zwischenzeitlich fortgeschrieben Daten des Zensus (vgl. Fußnote 2) – nur rund 81,1 Millionen (Quelle: Statistisches Bundesamt).
Die Berechnung der Häufigkeitszahlen erfolgt ab dem Jahr 2013 auf Basis der fortgeschriebenen Daten des
Zensus 2011. Dies hat zur Folge, dass die Häufigkeitszahlen vorher nur eingeschränkt vergleichbar sind,
was in der Abbildung durch eine Lücke kenntlich gemacht wird.

5

gleich lediglich um 10,6 % zugenommen hat. Die Häufigkeitszahlen der vorsätzlichen leichten Körperverletzung und des Betrugs sind leicht um 6,2 % bzw. 3,6 % gestiegen; für die restlichen Delikte, insbesondere auch den Diebstahl insgesamt, ist ein mehr oder weniger stark
ausgeprägter Rückgang der Häufigkeitszahlen festzustellen. Besonders ausgeprägt sind die
Rückgänge bei der Gewaltkriminalität und der Sachbeschädigung: Diese Delikte haben im
Bezugszeitraum um 14,3 % bzw. 19,4 % abgenommen.
Neben der untypischen Entwicklung lassen sich der Polizeilichen Kriminalstatistik noch mindestens zwei weitere Merkmale des Wohnungseinbruchs entnehmen, die ihn für eine kriminologische Untersuchung relevant erscheinen lassen. Erstens handelt es sich um ein Delikt mit
weit unterdurchschnittlicher Aufklärungsquote. Bundesweit wurden im Jahr 2014 nur 15,9 %
aller Einbrüche aufgeklärt (Aufklärungsquote für alle Delikte: 54,9 %), d.h., es wurde gemäß
den Richtlinien für die Führung der Polizeilichen Kriminalstatistik3 mindestens ein/e Tatverdächtige/r namentlich ermittelt. Dieser Tatverdacht muss sich im weiteren Verlauf der Strafverfolgung allerdings nicht als gerechtfertigt erweisen (s.u.). Im Durchschnitt der Jahre 2013
bis 2014 lag die Aufklärungsquote bei 15,7 % (Abbildung 2).4 Zweitens gibt es zwischen den
Bundesländern erhebliche Unterschiede hinsichtlich der polizeilich erfassten Fallzahlen des
Wohnungseinbruchs sowie hinsichtlich der Aufklärungsquote.
Abbildung 2: Mittlere Häufigkeitszahl und Aufklärungsquote der Jahre 2013 bis 2014 nach Bundesländern (PKS)
600

45

29,6

20
7,8

7,8

6,9

15

Aufklärungsquote

14,5

15,0

11,4

200

30
25

14,8

12,5

300

16,1

21,1

25,5

35

20,0

25,9

28,0

31,9

40

400
15,7

Häufigkeitszahl

500

10

100
5
187,0 49,9

58,1

92,5

95,4 115,1 116,8 146,2 163,1 180,5 195,2 230,8 267,9 306,7 349,0 414,1 533,0

Häufigkeitszahl (2013-2014)

3
4

6

Bremen

Hamburg

Berlin

Nordrhein-Westfalen

Schleswig-Holstein

Saarland

Niedersachsen

Hessen

Brandenburg

Rheinland-Pfalz

Baden-Württemberg

Sachsen-Anhalt

Mecklenburg-Vorpommern

Sachsen

Bayern

Thüringen

0
Bund

0

Aufklärungsquote (2013-2014)

In der Fassung vom 01.01.2010, BKA Wiesbaden, S. 6
Gerade im Vergleich der Bundesländer erscheint es notwendig, einen Durchschnittswert für zwei Jahre zu
bilden, unabhängig davon, ob es um die Häufigkeitszahl oder die Aufklärungsquote geht, damit Ausreißerwerte eines einzelnen Jahres nicht überbewertet werden. Um der veränderten Datengrundlage für die Berechnung der Häufigkeitszahl seit dem Jahr 2013 Rechnung zu tragen, wurden frühere Jahre für die Berechnung des Durchschnittswertes nicht mit hinzugezogen.

Die regionale Variabilität der Häufigkeitszahl und der Aufklärungsquote ist ebenfalls in Abbildung 2 dargestellt. Demnach kamen in Thüringen in den Jahren 2013 bis 2014 auf 100.000
Einwohner gerade einmal 49,9 Einbrüche. In Bayern lag die Häufigkeitszahl nur unwesentlich
höher. Demgegenüber waren in den Stadtstaaten die höchsten Häufigkeitszahlen festzustellen.
Bremen sticht dabei mit einer Häufigkeitszahl von 533,0 besonders hervor; d.h., hier sind bezogen auf 100.000 Einwohner/innen 10-mal mehr Fälle registriert worden als in Thüringen. In
Thüringen wurden zugleich besonders viele Einbrüche aufgeklärt, nämlich 31,9 % der in den
Jahren 2013 bis 2014 erfolgten Einbruchstaten. Die geringste Quote ist für Berlin festzustellen, wo nur zu 6,9 % der Einbrüche mindestens ein/e Tatverdächtige/r ermittelt werden konnte. Bei Betrachtung dieser Zahlen fällt auf, dass grundsätzlich in Bundesländern mit geringer
Häufigkeitszahl viele Einbrüche aufgeklärt werden, in Bundesländern mit hoher Häufigkeitszahl dagegen wenige. Die Korrelation zwischen beiden Zahlen beträgt r = -.74, was einer hohen negativen Korrelation entspricht. Eine Erklärung könnte lauten, dass Polizeidienststellen
in Gebieten mit geringer Belastung mehr Kapazitäten für die intensivere Ermittlung haben,
was sich dann eher in einem Ermittlungserfolg niederschlägt. Andere Erklärungen sind freilich ebenfalls denkbar, so z.B. dass eine hohe Entdeckungswahrscheinlichkeit für Täter/innen
abschreckend wirkt.

525,2

Abbildung 3: Fälle pro 10.000 Haushalte sowie pro 100.000 Einwohner nach Bundesländern für das Jahr 2013 (Statistisches Bundesamt5, PKS)

37,4

10,4

10,7

210,7

202,4

179,4

163,3

106,9

114,5

95,0

54,5

20

51,0

40

89,4

60

146,8

399,2

500

400

313,0

80

268,4

342,7

100

185,7

Fälle pro 10.000 Haushalte

120

300

200

100
16,9

18,4

22,4

22,5

31,0

32,3

36,8

41,1

42,5

53,7

59,8

64,5

71,8

97,4

Fälle pro 10.000 Haushalte 2013

Bremen

Hamburg

Nordrhein-Westfalen

Berlin

Schleswig-Holstein

Saarland

Niedersachsen

Hessen

Brandenburg

Rheinland-Pfalz

Baden-Württemberg

Sachsen-Anhalt

Mecklenburg-Vorpommern

Sachsen

Thüringen

Bayern

0
Bund

0

5

600

Fälle pro 100.000 Einwohner

140

Fälle pro 100.000 Einwohner 2013

Statistisches Bundesamt (Hg.) 2014: Mikrozensus – Haushalte und Familien 2013. S. 41.

7

Eingewendet werden kann, dass die Häufigkeitszahlen des Wohnungseinbruchdiebstahls weniger aussagekräftig sind als bspw. bei Körperverletzungsdelikten, da beim Wohnungseinbruch ganze Haushalte betroffen sind, die mehr als nur ein Mitglied und damit gleichzeitig
mehrere Betroffene haben können. Insbesondere für den regionalen Vergleich ist daher zu
überprüfen, ob sich die gefundenen Unterschiede auch zeigen, wenn die unterschiedliche Anzahl der Haushalte berücksichtigt wird. Die Ergebnisse einer solchen Berechnung nach Haushalten werden in Abbildung 3 ausgewiesen. Sie zeigt, dass die Reihenfolge der belasteten
Bundesländer sich nur geringfügig verändert, wenn die registrierten Fallzahlen an der Anzahl
der Haushalte statt an der Bevölkerungszahl relativiert werden.
Sowohl die ansteigenden Häufigkeitszahlen im Bereich des Wohnungseinbruchs, die immer
auch bedeuten, dass es ansteigende Zahlen von Opfern bzw. Betroffenen gibt, als auch die
niedrigen Aufklärungsquoten und die regionalen Disparitäten haben das Kriminologische
Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) dazu bewogen, im Jahr 2012 ein Forschungsprojekt
zum Wohnungseinbruch zu initiieren. Bevor die Forschungsfragen und die methodische Herangehensweise dieses Projekts vorgestellt werden, ist zu erläutern, wie die regionalen Unterschiede im Projekt repräsentiert werden sollten. Möglich wäre gewesen, die Bundesländer
zum Ausgangspunkt eines Regionalvergleichs zu nehmen und bspw. Untersuchungen in Thüringen und Bremen durchzuführen. Ganze Bundesländer aufzunehmen, wäre allerdings problematisch gewesen, wenn ein Ziel darin besteht, die divergierenden Aufklärungsquoten zu
erklären und hierbei auch die Arbeit der Polizei in den Fokus zu nehmen. Die Polizeidienststellen eines Bundeslandes dürften bei Wohnungseinbrüchen im Einzelnen recht verschieden
vorgehen; d.h., die Varianz innerhalb eines Bundeslandes ist wahrscheinlich recht groß. Dies
hätte es schwierig gemacht, verlässliche Aussagen bzgl. der Arbeit der Polizei zu treffen. Statt
ganze Bundesländer in die Untersuchung aufzunehmen, erschien es vielversprechender, einzelne Städte einzubeziehen. Diese Strategie wurde auch deshalb verfolgt, weil bereits im November 2011 der Oberbürgermeister der Stadt Bremerhaven, Melf Grantz, mit der Bitte an
das KFN herantrat, das in seiner Stadt aufgrund stetig gestiegener Fallzahlen äußerst relevante
Phänomen Wohnungseinbruch wissenschaftlich zu untersuchen. Damit war in Bezug auf
Bremerhaven der Zugang zur Analyse des Wohnungseinbruchs und damit der Zugang u.a. zu
Polizei, Staatsanwaltschaft usw. wesentlich erleichtert. Um eine Studie durchzuführen, die
nützliche Erkenntnisse zu diesem Delikt erbringt, mussten anschließend weitere Städte gewonnen werden, die sich von Bremerhaven unterscheiden. Nach Kontaktaufnahme mit verschiedenen Städten bzw. den jeweils zuständigen Landesjustiz- und Landesinnenministerien
war es möglich, die Städte Berlin, Hannover, München und Stuttgart einzubeziehen.
Aufgrund der Befunde der Polizeilichen Kriminalstatistik, nach denen in den ostdeutschen
Bundesländern überdurchschnittlich hohe Aufklärungsquoten bestehen – alle fünf ostdeutschen Bundesländer finden sich unter den sechs Bundesländern mit den höchsten Aufklärungsquoten (vgl. Abbildung 2) –, wurde ebenfalls versucht, eine ostdeutsche Stadt in die
Studie aufzunehmen. Von den vier angefragten Städten (Magdeburg, Leipzig, Dresden und
Rostock) erklärte sich aber keine bereit, am Projekt teilzunehmen; andere ostdeutsche Städte
kamen aufgrund zu geringer Fallzahlen des Wohnungseinbruchs nicht für eine Kooperation in
Frage.

8

Die Unterschiedlichkeit der fünf einbezogenen Städte lässt sich einerseits mit Blick auf strukturelle Daten verdeutlichen.6 So variiert die Einwohnerzahl zwischen 113.000 (Bremerhaven)
und 3,5 Millionen (Berlin). Das Durchschnittseinkommen, ein für den Wohnungseinbruch
nicht irrelevanter Indikator, insofern er auf das Vorhandensein attraktiver Ziele für Einbrecher/innen hinweist, schwankt zwischen 16.600 Euro (Berlin) und 25.000 Euro (München). In
vergleichbarer Weise interessant ist der Anteil an Gebäuden mit nur einer Wohneinheit, der
gewissermaßen den Anteil an Einfamilienhäusern repräsentiert: Dieser Anteil ist am höchsten
in Bremerhaven, am niedrigsten in Stuttgart.
Die Unterschiede zwischen den Städten lassen sich andererseits – und für das hier untersuchte
Thema wichtiger – hinsichtlich des Wohnungseinbruchs verdeutlichen. Abbildung 4 belegt
diesbezüglich zweierlei: Erstens sind die Häufigkeitszahlen sehr verschieden. Im Jahr 2014
hatte Bremerhaven mit 456,6 die höchste Häufigkeitszahl – hier kamen auf 100.000 Einwohner rund 457 Wohnungseinbrüche. In München lag diese Zahl hingegen bei nur 101,3. Zweitens ergeben sich unterschiedliche Entwicklungen: In Bremerhaven und Berlin stiegen die
Einbruchzahlen stärker als in den anderen Städten.7 Allerdings sind auch relativ gleichbleibende Häufigkeitszahlen festzustellen und in der getroffenen Städteauswahl repräsentiert.
Abbildung 4: Entwicklung der Häufigkeitszahl des Wohnungseinbruchs nach Städten (Polizeiliche Kriminalstatistik)

900
800
700
600

Bremerhaven

500

Berlin

400

Hannover

300

München

200

Stuttgart

100
0
2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Die Städte unterscheiden sich zugleich hinsichtlich der im Zeitraum 2010 bis 2014 erzielten
Aufklärungsquoten, die von 8,2 % bis 24,3 % reichen. Daneben lässt sich mit den Daten der
Strafverfolgungsstatistik näherungsweise errechnen, wie viele Verurteilte es pro 100 Tatver-

6

7

Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2010 (Quelle: www.regionalstatistik.de [Statistische Ämter des Bundes und der Länder], Stichtag 31.12.2010).
Der zuletzt festzustellende, relativ starke Rückgang der Häufigkeitszahl in Bremerhaven liegt zum einen in
den vergleichsweise niedrigen Fallzahlen im ersten Halbjahr 2014 begründet. Zum anderen lag der Schwerpunkt der Wohnungseinbrüche am Jahresende, wobei ein Großteil der im November und Dezember registrierten Fälle aufgrund von laufenden polizeilichen Ermittlungen erst in das PKS-Berichtsjahr 2015 einfließt. Ob dieses niedrigere Niveau im Jahr 2014 auch künftig gehalten wird, bleibt daher abzuwarten.

9

dächtige gibt.8 Dabei kann mit Ausnahme von Berlin nicht auf stadtbezogene Zahlen zurückgegriffen werden, weil die Strafverfolgungsstatistik nur Daten zu Bundesländern enthält. Für
Hannover wurden daher die Zahlen Niedersachsens, für München die Zahlen Bayerns usw.
herangezogen, mit der Annahme, dass diese in etwa auch die Verhältnisse in den ausgewählten Städten widerspiegeln. Dabei ergibt sich für denselben Zeitraum eine Spanne von 12,4 %
bis 26,4 %, wobei tendenziell in Gebieten mit höheren Aufklärungsquoten weniger Tatverdächtige verurteilt werden und vice versa. Die Aufklärungs- und Verurteilungsquote zusammen betrachtet führen zu dem Schluss, dass es zwischen den Städten letztlich doch keine allzu
großen Unterschiede gibt, wenn die schließlich erzielten (Verurteilungs-)Erfolge in den Blick
genommen werden: In allen Städten werden pro 100 Fälle von Wohnungseinbrüchen zwischen zwei und fünf Personen wegen eines Einbruchs verurteilt. Unabhängig davon, dass sich
die Städte diesbezüglich ähnlich sind, deutet diese Betrachtung auf Folgendes hin: In
Deutschland scheint das Risiko, wegen eines Wohnungseinbruchs verurteilt zu werden, ausgesprochen niedrig zu sein. Es dürfte nicht viele schwerwiegende Delikte geben, bei denen
das Verhältnis von Fallzahlen zu Verurteilten derart niedrig liegt. Dies unterstreicht einmal
mehr, dass es notwendig ist, ein eigens diesem Delikt gewidmetes Forschungsprojekt durchzuführen.
Aus den vorgestellten Auswertungen der Kriminalstatistiken ergeben sich bereits verschiedene Forschungsfragen, denen sich das Forschungsprojekt des KFN widmen sollte, wobei bei
jeder dieser Forschungsfragen vermutet wurde, dass gerade der Städte-Vergleich Antworten
zutage fördern kann. Dieser Bericht konzentriert sich auf ein Modul dieses aus insgesamt drei
Teilen bestehenden Projekts: Berichtet werden die Ergebnisse einer Aktenanalyse, die in identischer Weise in allen fünf Städten durchgeführt wurde. Dabei wird nachfolgend der inhaltliche Schwerpunkt neben der Beantwortung phänomenologischer Fragestellungen zu Tatzeit,
Tatort, Modus Operandi u.a. auf die polizeiliche und staatsanwaltschaftliche Ermittlungsarbeit, die staatsanwaltschaftliche und gerichtliche Entscheidungspraxis sowie die ermittelten
Tatverdächtigen und verurteilten Täter/innen gelegt.
Im Kern lassen sich drei zentrale Forschungsfragen identifizieren:
Eine erste zentrale Fragestellung lautet: Warum ergeben sich in den Aufklärungserfolgen der
Polizei derart große regionale Unterschiede? Ausgewählte Einzelfragen sind hier: Wie ist die
Ermittlungsarbeit der Polizei bei Fällen des Wohnungseinbruchs organisiert? Wie ist die Polizei bei den Ermittlungen wegen Einbruchs vorgegangen und welche Maßnahmen zur Spurensicherung wurden ergriffen? Gibt es unterschiedliche Tatstrukturen und Zusammensetzungen
der Tatverdächtigen? Wodurch unterscheiden sich die polizeilich aufgeklärten Fälle des
Wohnungseinbruchs von den nicht aufgeklärten im Hinblick auf verschiedene Tatmerkmale
und eingesetzte Ermittlungsmethoden?

8

10

Während die Polizeiliche Kriminalstatistik auf registrierten Fällen basiert, werden in der Strafverfolgungsstatistik von deutschen Gerichten rechtskräftig abgeurteilte und verurteilte Personen erfasst. Daher ist eine
Gegenüberstellung nur sehr eingeschränkt möglich (vgl. dazu: Dreißigacker et al. 2015a, S. 307).

Die zweite zentrale Fragestellung betrifft die Tätigkeit und die Entscheidungspraxen der
Staatsanwaltschaften und der Gerichte: Wie erklären sich die Vielzahl der Einstellungen von
als aufgeklärt geltenden Fällen und die geringe Verurteilungsquote? Auch hier lassen sich
verschiedene weitere Unterfragen formulieren: Nach welchen Vorschriften und wie häufig
sind Verfahrenseinstellungen erfolgt? Wodurch zeichnen sich die Fälle aus, in denen die
Staatsanwaltschaft Anklage erhoben bzw. Untersuchungshaft beantragt hat? Durch welche
besonderen Merkmale sind die Fälle gekennzeichnet, in denen eine Verurteilung erfolgte?
Neben der Arbeit der Polizei und Staatsanwaltschaften bzw. Gerichte ergibt sich drittens Forschungsbedarf zu den Tatverdächtigen und verurteilten Tätern/innen: Wer sind die Täter/innen bzw. Tatverdächtigen des Wohnungseinbruchs? Wie lassen sich diese soziodemografisch charakterisieren? Gibt es dominante und möglicherweise regional unterschiedlich häufig auftretende Tätergruppen?
Neben der Aktenanalyse enthält das Forschungsprojekt noch weitere Module. Wollinger et al.
stellten bereits Ergebnisse des ersten Moduls, einer Betroffenenbefragung, vor.9 Das dritte
Element des Forschungsprojekts, Interviews mit Experten, befindet sich derzeit noch in der
Durchführungsphase. Dabei sollen in jeder Stadt jeweils ein Expertengespräch mit Vertretern/innen der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Gerichte erfolgen. Verschiedene Forschungsfragen lassen sich nur dann klären, wenn man ergänzend zu den erhobenen Daten der
Aktenanalyse und der Betroffenenbefragung erfahrene Praktiker/innen hinzuzieht. Dies erscheint unverzichtbar, wenn es darum geht, die Rahmenbedingungen zu erfassen, unter denen
in Berlin, Bremerhaven, Hannover, München und Stuttgart die Ermittlungsarbeit der Polizei
und die staatsanwaltschaftliche bzw. gerichtliche Entscheidungspraxis stattfinden. In die Gespräche sollen jeweils ca. drei erfahrene Polizeibeamte/innen bzw. ca. zwei Staatsanwälte/innen und eine/e Richter/in einbezogen werden. Mit diesem Personenkreis sollen zudem die
erarbeiteten Forschungsbefunde erörtert werden. Das Ziel besteht darin, die Sicht der Praxis
in die Forschung einzubeziehen.
Die Unterschiedlichkeit der fünf Städte, die in die Studie einbezogen wurden, soll – wie erwähnt – dabei helfen, Erkenntnisse bzgl. der verschiedenen Forschungsfragen zu generieren.
Ein Städtevergleich beinhaltet zugleich immer das Risiko, dass er als Ranking gelesen wird.
Eine solche Lesart beschäftigt sich mit der Frage, wo eine Stadt besser oder schlechter als
andere Städte abschneidet. In dieser Weise möchten wir die Befunde, die in diesem Bericht
präsentiert werden, nicht interpretiert wissen. Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschieden, die Städtevergleiche wie bereits im Forschungsbericht zur Betroffenenbefragung10
in anonymisierter Form zu präsentieren. Aus unserer Sicht reicht es aus, zu wissen, dass es
bezüglich der Angaben der Betroffenen bzw. der Ergebnisse der Aktenanalyse Unterschiede
zwischen den Städten gibt, wie diese ausfallen und ob diese möglicherweise mit Unterschie-

9

10

Wollinger et al. 2014b. Eine Zusammenstellung zentraler Ergebnisse findet sich auch bei: Wollinger et al.
2014a. Weitere darüberhinausgehende Ergebnisse, etwa zur Erfahrung von Betroffenen mit der Polizei oder
zur Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen auf Grundlage dieser Befragung, finden sich bei: Baier et al.
2015 und Dreißigacker et al. 2015b.
Wollinger et al. 2014b

11

den in anderen Bereichen korrelieren. Es ist dabei ohne Bedeutung, welche konkrete Stadt
welches Ergebnis aufweist. Im gesamten Bericht wird daher nur von Stadt 1, Stadt 2, Stadt 3,
Stadt 4 und Stadt 5 gesprochen. Stadt 1 ist dabei bei jeder Auswertung dieselbe Stadt, ebenso
Stadt 2 usw. Die Zuweisung der Städte zu diesen Platzhaltern erfolgte zufällig; ihr liegt insofern kein irgendwie geartetes Prinzip zugrunde. Von Seiten des KFN wird in der öffentlichen
Darstellung der Projektergebnisse die Anonymität der Städte gewahrt bleiben. Wir werden
allerdings einem ausgewählten Kreis an Ansprechpersonen in jeder Stadt mitteilen, welche
Bezeichnung sie erhalten hat. Dies ermöglicht, dass jede Stadt selbst Stärken und Schwächen
einschätzen und Handlungsbedarfe identifizieren kann. Dies muss nicht durch öffentlichen
Druck von außen geschehen. Die Differenzierung zwischen den Städten wird in den meisten
der nachfolgend durchgeführten Auswertungen vorgenommen.
Das Projekt hätte ohne die Unterstützung verschiedener Personen, Gremien oder Ministerien
nicht durchgeführt werden können. An dieser Stelle sprechen wir allen involvierten Akteuren
daher nochmals unseren Dank für die Unterstützung aus. Zuerst danken wir dabei der Stadt
Bremerhaven dafür, unsere Neugier für das Phänomen des Wohnungseinbruchs geweckt zu
haben. Der Stadt Bremerhaven gilt dabei ebenso wie der Stadt Berlin sowie dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) unser Dank für die finanzielle Förderung des Projekts. Hierdurch war es möglich, teilweise Sach- und Personalkosten zur
Durchführung der unterschiedlichen Projektmodule zu decken. Gleichwohl hat das KFN
durch Eigenmittel den größeren Teil der Projektkosten selbst getragen. Dies war nur möglich
aufgrund der institutionellen Förderung durch das Land Niedersachsen, speziell durch das
Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dem wir an dieser Stelle ebenfalls
danken möchten. Da der Kreis weiterer Personen, denen wir unseren Dank aussprechen
möchten, recht groß ist, haben wir uns dazu entschieden, diese in der nachfolgenden Übersicht namentlich auszuweisen (ergänzt um Informationen zur Tätigkeit). All diese Personen
können gewiss sein, dass wir um ihren Beitrag zum Gelingen des Projekts wissen und ihnen
hierfür sehr verbunden sind. Darüber hinaus gilt unser Dank auch den vielen namentlich ungenannten Helferinnen und Helfern, die vor allem bei der Suche, der Versendung bzw. dem
Transport der Akten beteiligt waren, sowie den Studentinnen und Studenten des Aktenanalyseteams in Hannover und Bremerhaven.
Versicherungswirtschaft:

Dr. Andreas Grote (Gesamtverband der Deutschen Versicherung e.V., Berlin)

Stadt Bremerhaven:

Melf Grantz (Oberbürgermeister Bremerhaven)
Harry Götze (Direktor der Ortspolizeibehörde Bremerhaven)
Jörn Müller (Polizeidirektor und Amtsleiter, Ortspolizeibehörde Bremerhaven)
Jörg Seedorf (Kriminaldirektor und Amtsleiter, Ortspolizeibehörde Bremerhaven)
Jan Müller (Kriminaloberrat und stellv. Amtsleiter, Ortspolizeibehörde Bremerhaven)
Susanne Viehweger (Kriminalhauptkommissarin, Ortspolizeibehörde Bremerhaven)
Fred Koellner (Polizeihauptkommissar, Ortspolizeibehörde Bremerhaven)
Jürgen Weinert (Kriminalhauptkommissar und stellv. Leiter des Technischen Erkennungsdienstes, Ortspolizeibehörde Bremerhaven)
Prof. Dr. Kirsten Graalmann-Scheerer (Generalstaatsanwältin, Staatsanwaltschaft
Bremen)
Janhenning Kuhn (Leitender Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Bremen)
Oliver Constien (Staatsanwalt und Leiter der Zweigstelle Bremerhaven, Staatsanwaltschaft Bremen)

12

Stadt Berlin:

Thomas Heilmann (Senator für Justiz und Verbraucherschutz, Berlin)
Frank Henkel (Senator für Inneres und Sport, Berlin)
Dieter Glietsch (damaliger Polizeipräsident, Polizei Berlin)
Stephan Harnau (Erster Kriminalhauptkommissar, Polizei Berlin)
Regina Vaupel (Kriminalhauptkommissarin, Polizei Berlin)
Andreas Behm (Leitender Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Berlin)
Michael Stork (Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Berlin)
Sebastian Büchner (Staatsanwalt, Staatsanwaltschaft Berlin)

Stadt Hannover:

Uwe Schünemann (damaliger Minister für Inneres und Sport Niedersachsen)
Axel Brockmann (damaliger Polizeipräsident, Polizeidirektion Hannover)
Jens Radke (Kriminalhauptkommissar, Polizeidirektion Hannover)
Michael Nickel (Polizeioberkommissar, Polizeidirektion Hannover)
Michael Fritsch (Kriminalhauptkommissar, Polizeidirektion Hannover)
Dr. Jörg Fröhlich (Leitender Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Hannover)
Ulrich Gropp (Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Hannover)
Christiane Gottwald (Staatsanwaltschaft Hannover)

Stadt München:

Harald Pickert (Leitender Kriminaldirektor, Polizeipräsidium München)
Josef Klarner (Kriminaloberrat, Polizeipräsidium München)
Jörg Kirchgäßner (Kriminalhauptkommissar, Polizeipräsidium München)
Markus Gögelein (Kriminalhauptkommissar, Polizeipräsidium München)
Manfred Nötzel (Leitender Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft München)
Hans Kornprobst (Oberstaatsanwalt und Hauptabteilungsleiter, Staatsanwaltschaft
München)
Eveline Juttner (Rechtspflegeamtsrätin, Staatsanwaltschaft München)

Stadt Stuttgart:

Thomas Züfle (damaliger Polizeipräsident, Polizeipräsidium Stuttgart)
Andreas Stolz (Polizeidirektor, Polizeipräsidium Stuttgart)
Christof Glos (Erster Kriminalhauptkommissar, Polizeipräsidium Stuttgart)
Erich Drexler (Kriminalhauptkommissar, Polizeipräsidium Stuttgart)
Siegfried Mahler (Leitender Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Stuttgart)
Dr. Hansjörg Götz (Oberstaatsanwalt und ständiger Vertreter des Behördenleiters,
Staatsanwaltschaft Stuttgart)

13

14

2

Forschungsstand

In der Forschung11 zum Wohnungseinbruch und zu den Tätern/innen dieses Delikts12 findet
sich eine Vielzahl von Studien mit verschiedenen methodischen Zugängen: Analysen der Polizeilichen Kriminalstatistik zielen zumeist auf die explorative Erschließung des Phänomens
und zeichnen die Entwicklung des Delikts im Hellfeld über größere Zeiträume nach.13
Kersting und Kiefert14 werten darüber hinaus die jahreszeitlichen Veränderungen in der Zusammensetzung der Tatverdächtigen in der PKS aus.15 Der regionale Vergleich ist mit PKSDaten ebenfalls möglich, Unterschiede können aber lediglich beschrieben und nicht erklärt
werden. Hinzu kommt, dass Tatverdächtige „erst mit einer rechtskräftigen Verurteilung mit
(rechtlicher) Gewissheit zu Tätern werden“16. Der PKS können jedoch nur Daten zu Tatverdächtigen entnommen werden. Somit können diese Studien zu den oben dargestellten Hauptfragestellungen kaum Antworten geben.
Neben den PKS-Analysen findet sich die Methode der Täterinterviews17, mit der vor allem
Erkenntnisse über den sozialen Hintergrund, die Tatmotivation, die Objektwahl und das Vorgehen von verurteilten Tätern/innen erlangt werden. Auch wenn diese Studien wertvolle Informationen zu Wohnungseinbrechern/innen geben, limitieren die geringe Anzahl und die
Selbstrekrutierung der interviewten Täter/innen auf freiwilliger Basis18 die Aussagekraft dieser Studien und lassen zudem keinen regionalen Vergleich zu. Eine Methode, die eher geeignet erscheint, die obigen Forschungsfragen zu beantworten, ist die Analyse von Ermittlungsund Strafverfahrensakten.19 Deshalb wird auf diese im Folgenden detaillierter eingegangen.
In den älteren Studien zum Strafverfahren, die Hermann20 überblicksartig darstellt, wird zwar
der Wohnungseinbruch hin und wieder in verschiedenen Kontexten thematisiert – dazu zählen

11

12

13

14
15

16
17

18

19

20

Die Darstellung des Forschungsstandes beschränkt sich auf den deutschsprachigen Raum, da insbesondere
Forschungen, die sich mit dem Strafverfahren beschäftigen, nur schwer mit denen anderer Länder vergleichbar sind (vgl. Hermann 2009, S. 645).
Eine Darstellung des Forschungsstandes zu den Opfern des Wohnungseinbruchs findet sich bei Wollinger et
al. 2014b sowie überblicksartig bei Bartsch et al. 2014.
PKS-Analysen wurden durchgeführt bei: Bundeskriminalamt (Hg.) 1982, Kohl 1997, Ittemann 2003, Meyr
2006, Dierks und Krug 2012, Polizeipräsidium Köln (Hg.) 2012, Kersting und Kiefert 2012; 2013a und
Klob 2013.
Kersting und Kiefert 2012; Kersting und Kiefert 2013b
Die Hypothese, dass das „hohe Fallaufkommen beim Wohnungseinbruch während der dunklen Jahreszeit
(Winterhalbjahr) [..] auf das Auftreten professioneller Täter zurückzuführen [ist]“, finden die Autoren weder bestätigt noch widerlegt (Kersting und Kiefert 2012, S. 26).
Klob 2013, S. 169.
Auf die Methode der Täterbefragungen griffen folgende Studien zurück: Rehm und Servay 1989, Krainz
1988; 1990, Struth et al. 1991, Deusinger 1993, Müller-Monning 2003, Feltes 2004 und Kitzberger 2012.
Möglicherweise sind bestimmte Tätergruppen besonders häufig im Gefängnis anzutreffen, wovon sich dann
wiederum vermutlich auch nur einige zu einem Interview bereiterklären. Vgl. dazu Bartsch et al. 2014, S.
486.
Aktenanalysen wurden eingesetzt bei: Dölling 1987, Albrecht 1994, Wernitznig 2002, Schlembach 2008,
Kawelovski 2012b und aktuell auch bei Willing et al. 2015.
Hermann 2009.

15

die Arbeiten von Dölling21 und Albrecht22 – aber keine dieser Untersuchungen beschäftigt
sich ausschließlich mit diesem Delikt.
Die Ergebnisse der Studie von Dölling zum Ermittlungsverfahren und der Wahrscheinlichkeit
der Tataufklärung bzw. Verurteilung der Täter/innen beruhen auf der Grundlage einer Zufallsstichprobe von 1.414 Fallakten verschiedener Delikte aus den Städten Hannover, Göttingen und Kassel und lassen sich bezogen auf Einbruchdelikte23 wie folgt zusammenfassen:
Zum Zeitpunkt des Abschlusses des Ermittlungsverfahrens ist der Verfahrensausgang beim
Einbruchdiebstahl im Wesentlichen abhängig vom Vorhandensein eines namentlich bekannten Tatverdächtigen, von der Beweissituation (abhängig vom Aussageverhalten des Verdächtigen und Beweismitteln), der strafrechtlichen Vorbelastung des Beschuldigten und vom etwaigen Bestehen eines Zusammenhangs der vorliegenden Tat mit anderen Delikten.24 Etwa
die Hälfte aller insgesamt aufgeklärten Fälle wurde innerhalb des ersten Tages nach Bekanntwerden der Tat aufgeklärt, 70 % konnten innerhalb der ersten Woche geklärt werden. Je
länger die Ermittlungen andauerten, umso geringer wurde die Aufklärungswahrscheinlichkeit.
Wesentliche Informationen und Beweise zur Aufdeckung der Fälle stammten aus der Anfangsphase der Ermittlungen.25 Dabei gab es in 46,1 % der aufgeklärten Fälle entweder bereits vor Beginn der eigentlichen Ermittlungsarbeit einen konkreten Tatverdacht oder ein/e
Tatverdächtige/r wurde zufällig ermittelt. Tatspuren, Zusammenhänge mit der Beuteveräußerung und Angaben zum Tatfahrzeug spielten eine untergeordnete Rolle bei der Ermittlung des
Tatverdächtigen.26 Das Augenmerk der Staatsanwaltschaft und der Gerichte lag auf der Beweislage – insbesondere auf dem Aussageverhalten des Beschuldigten. Die Staatsanwaltschaft
erhob in 31,4 % der Verfahren Anklage und stellte 63,3 % der Verfahren aufgrund eines nicht
hinreichenden Tatverdachts ein.27 Tatverdächtige, die bei einer Vernehmung nicht geständig
waren, wurden lediglich zu 36,0 % verurteilt, geständigen Tatverdächtige hingegen zu
87,8 %.28
In der Untersuchung von Albrecht werden die relevanten Faktoren für die Strafzumessung
gesucht. Die Stichprobe setzt sich zusammen aus 1.283 Akten aufgrund verschiedener Delikte
rechtskräftig Verurteilter aus den Landgerichtsbezirken Stuttgart, Mannheim, Heilbronn,
Karlsruhe und Freiburg der Jahre 1979-1981. Hinsichtlich des Einbruchdiebstahls29 wird geschlussfolgert, dass im Wesentlichen „die Anzahl der der Verurteilung zugrundeliegenden

21
22
23

24
25
26
27
28
29

16

Dölling 1987.
Albrecht 1994.
Darunter fallen nicht nur Wohnungseinbruchdiebstähle, sondern alle Taten nach § 243 I Nr. 1 und 2 StGB
alter Fassung, d.h. neben Wohnungseinbrüchen u.a. auch Diebstähle aus Geschäftsräumen, aus Schaufenstern und Automaten (siehe Dölling 1987, S. 81).
Dölling 1987, S. 159f.
Ebd., S. 190.
Ebd., S. 182f.
Ebd., S. 183.
Ebd., S. 189.
Darunter fallen neben Wohnungseinbrüchen u.a. auch Einbrüche in Dienst- und Geschäftsräume (siehe
Albrecht 1994, S. 234).

Delikte des Einbruchdiebstahls, die Schadenshöhe sowie die einschlägige Vorstrafenbelastung [...] die Variation im Strafmaß erklären.“30 Ob die Tat geplant wurde oder anschließend
eine Wiedergutmachung durch die Täter/innen erfolgte, war für die Varianzerklärung eher
zweitrangig. Unabhängig davon, ob die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde oder
nicht, lag ein Anteil von 93 % der verhängten Strafen im Bereich von bis zu 2 Jahren Haft;
die durchschnittliche Strafe betrug 11 Monate.31
Wernitznig32 führte eine Analyse von 168 Akten vollendeter und rechtskräftig abgeschlossener Wohnungseinbrüche mit männlichen jugendlichen Tatverdächtigen aus den Städten München, Nürnberg, Würzburg und Augsburg der Jahre 1991 bis 1994 durch. Forschungsziel war,
den „Prozess strafrechtlicher Sozialkontrolle“33 zu erfassen, um etwaige Unterschiede zwischen deutschen und nichtdeutschen Tatverdächtigen herauszuarbeiten. Im Ergebnis konnte
keine Ungleichbehandlung in der polizeilichen Ermittlung, der staatsanwaltschaftlichen Entscheidung sowie im gerichtlichen Verfahren festgestellt werden, die auf die Herkunft der Tatverdächtigen bzw. Täter/innen zurückzuführen waren.34 Dennoch wurde ein „abweichender
Sprachgebrauch“ bei der Begründung strafschärfender Umstände festgestellt, der jedoch aufgrund der geringen Fallzahlen statistisch nicht bedeutsam erschien.35
In der österreichischen Studie von Schlembach36 wurde der Fokus auf die Täter/innen des
Wohnungseinbruchs beschränkt und ein anderer methodischer Zugang gewählt. Eine Stichprobe von 120 Strafvollzugsakten aus elf Justizanstalten Österreichs von verurteilten Tätern/innen des Wohnungseinbruchs wurde im Zusammenhang mit Experteninterviews inhaltsanalytisch ausgewertet. Das Forschungsziel bestand u.a. darin, verschiedene Täterklassen und
entsprechende Präventionsmöglichkeiten zu entwickeln.37 Im Ergebnis werden vier Klassen
unterschieden („Täter aus dem Ausland“, „Täter mit Suchtmittelhintergrund“, „Gelegenheitstäter“ und „Österreichische Profis“) und zusammen mit den geführten Täterinterviews beschrieben.38
Eine aktuelle quantitative Aktenanalyse speziell zum Delikt Wohnungseinbruchdiebstahl, die
sowohl nach der Anhebung des gesetzlichen Strafrahmens für Wohnungseinbruch im Jahr
199839 als auch nach dem erneuten Anstieg der Fallzahlen seit dem Jahr 2006 erfolgte, wurde

30
31
32
33
34
35
36
37
38
39

Albrecht 1994, S. 334.
Ebd., S. 279.
Wernitznig 2002.
Ebd., S. 25.
Ebd., S. 252f.
Ebd., S. 146f.
Schlembach 2008.
Ebd., S. 17f.
Ebd., S. 95ff.
So wurde im Jahr 1998 im Rahmen des Sechsten Strafrechtsreformgesetzes (Gesetz vom 26.01.1998,
BGBl. I Nr. 6 S. 164) der Wohnungseinbruchsdiebstahl von einem Regelbeispiel zu einem Qualifikationstatbestand hochgestuft. Damit verbunden war eine Anhebung des gesetzlichen Mindestmaßes der Freiheitsstrafe von drei auf sechs Monate; vgl. dazu BT-Drs. 13/8587, 43.

17

von Kawelovski durchgeführt.40 Ziel dieser Studie war es, „durch neue Erkenntnisse Verbesserungsmöglichkeiten zur Verfolgung der ‚Brüche‘ zu gewinnen“41. Der Untersuchung lagen
Akten der Staatanwaltschaft Duisburg zu polizeilich aufgeklärten Wohnungseinbrüchen des
PKS-Jahres 2009 zugrunde. Die Einbrüche ereigneten sich in den Städten Oberhausen und
Mühlheim an der Ruhr sowie im rechtsrheinischen Teil des Landkreises Wesel. Die Stichprobe umfasste 303 Akten (93 % der Grundgesamtheit aus 2009 und dem Erhebungsraum).42 Die
Analyse kam hinsichtlich des untersuchten Hellfeldausschnitts zu folgenden Ergebnissen:
Den 303 Fällen waren 234 Tatverdächtige zuzuordnen. Ein Anteil von 11 % hatte drei oder
mehr Wohnungseinbrüche im Untersuchungszeitraum begangen und wurde als Intensivtäter/innen definiert. 64 % der Tatverdächtigen stammten aus der Tatortgemeinde, 14 % aus
einer benachbarten. Bei einem Viertel der Fälle konnten zwei oder mehr Tatverdächtige ermittelt werden; überwiegend wurde von Einzeltätern/innen ausgegangen. 87 % der Tatverdächtigen waren männlich. Der Altersdurchschnitt lag bei 27 Jahren. 34 % waren zwischen 14
und 20 Jahren alt, 66 % erwachsen. Der Nichtdeutschenanteil betrug 37 %, hiervon 60 % Osteuropäer.43 Kawelovski äußert die Vermutung, dass im Dunkelfeld vor allem Banden aus dem
Ausland für eine Vielzahl von Wohnungseinbrüche verantwortlich seien. Näher begründet
wird diese Annahme jedoch nicht.44 In 61 % der Fälle waren sich Täter/innen und Opfer
fremd. In den Fällen, in denen eine Täter-Opfer-Beziehung bestand, handelte es sich um Verwandte (16 %), ehemalige Partner/innen (14 %), Bekannte (52 %) und Nachbarn/innen
(10 %).45 Ein großer Anteil von 85 % der Tatverdächtigen war bereits vor der Tat polizeilich
oder gerichtlich in Erscheinung getreten, davon 38 % wegen Einbruchdelikten. Bei den Serientätern/innen waren zwei Drittel (64 %) mit dieser Deliktsart aufgefallen. Bei 32 % ergab
sich aus der Akte ein aktueller oder vorheriger Konsum von Betäubungsmitteln (BtM).46 Hinsichtlich der polizeilichen Ermittlungsarbeit stellt Kawelovski fest, dass Tatspuren wenig zum
Ermittlungserfolg beitragen; bspw. wurden über daktyloskopische Spuren lediglich in 2 % der
aufgeklärten Fälle Tatverdächtige ermittelt und weitere 2 % über DNA-Spuren.47 Die Staatsanwaltschaft erhob in 17 % der aufgeklärten Fälle Anklage und stellte 51 % nach § 170 II
StPO wegen eines nicht hinreichenden Tatverdachts ein.48 Als relevante Beweise für eine Anklage werden vor allem Zeugenaussagen, Geständnisse und die Zuordnung sichergestellten

40
41

42
43
44
45
46
47
48

18

Kawelovski 2012b; siehe dazu auch Kawelovski 2012a.
Kawelovski 2012b, S. 6. Neben der Aktenanalyse wurde auch eine Befragung von 300 Betroffenen des
Wohnungseinbruchs durchgeführt.
Ebd., S. 22f.
Kawelovski 2012b, S. 38-45.
Ebd., S. 41. Kritisch zur These ausländischer Einbrecherbanden: Dreißigacker et al. 2015a.
Ebd., S. 42.
Ebd., S. 44f.
Ebd., S. 81 und S. 88.
Ein Anteil von 9 % der Einstellungen erfolgte nach § 154 StPO, 2 % nach § 153 StPO und 21 % werden als
„Verfahrenserledigungen ‚auf dem kalten Weg‘“ beschrieben, wobei die Akten insbesondere bei Gemeinschaftstaten wegen zu schwacher Beweise für eine Tatbeteiligung „schlichtweg weggelegt“ wurden
(Kawelovski 2012b, S. 121).

Stehlguts zu verschiedenen Tatorten genannt.49 Letztendlich endeten nur 2 % aller polizeilich
registrierten Fälle mit mindestens einer Verurteilung. Die durchschnittliche Freiheitsstrafe mit
oder ohne Bewährung lag bei 3,9 Monaten.50
Der bisherige Forschungsstand lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die verfügbaren Ergebnisse über das Ermittlungs- und Strafverfahren bezüglich des Wohnungseinbruchs sind regional begrenzt und die Erkenntnisse zu den Tätern/innen sind aufgrund der geringen Aufklärungsquote nach wie vor sehr gering. Das letztgenannte Problem lässt sich auch mit den unterschiedlichen, auf das Hellfeld bezogenen Forschungsmethoden nicht lösen. Ein systematischer Vergleich von Fällen des Wohnungseinbruchs könnte jedoch zusätzliche Erkenntnisse
erbringen, was bspw. polizeilich aufgeklärte von nicht aufgeklärten Fällen oder aufgeklärte
Fälle mit und ohne Verurteilung mindestens eines/einer Täters/in voneinander unterscheidet.
Ein regionaler Vergleich der Arbeit der Ermittlungs- und Strafverfolgungsbehörden zum
Wohnungseinbruch lässt zusätzlich Rückschlüsse auf möglicherweise unterschiedlich auftretende Tätergruppen erwarten, die eine unterschiedliche Ausrichtung der Ermittlungsarbeit
notwendig machen.51

49
50
51

Kawelovski 2012b, S. 120f.
Ebd., S. 126f.
Eine weitere aktuell in Nordrhein-Westfalen durchgeführte umfangreiche Aktenanalyse zum Wohnungseinbruch, die vor allem auf weiterführende Erkenntnisse zu den Tätern/innen abzielt, stellen Kersting und Willing (2014) vor; die Veröffentlichung des abschließenden Forschungsberichts ist Ende 2016 geplant. Erste
Ergebnisse finden sich bei Willing et al. 2015.

19

20

3

Methode

Die Aktenanalyse eignet sich insbesondere dazu, das Ermittlungs- und Strafverfahren nachzuzeichnen und diesbezüglich Vergleiche zwischen verschiedenen Regionen zu ziehen. Zum
einen bieten die Akten dafür aufgrund ihrer Standardisierung gute Voraussetzungen, zumal
sie unabhängig von wissenschaftlichen Forschungsfragen angelegt wurden und damit frei von
Verzerrungen „reaktiver Meßverfahren“52 sind. Zum anderen enthalten sie Informationen zu
Taten, Tatverdächtigen, Tätern/innen und Geschädigten, die über die entsprechenden Daten in
amtlichen Kriminalstatistiken weit hinausreichen und bspw. eine Differenzierung zwischen
Tatverdächtigen und verurteilten Tätern/innen ermöglichen. Die für dieses Forschungsvorhaben infrage kommenden Strafverfahrensakten bestehen selbst wiederum aus mehreren
Schriftstücken. Ein für die Analyse (insbesondere nach § 170 II StPO eingestellter Verfahren)
wichtiger Teil ist z.B. die Strafermittlungsakte, die von der Polizei nach Anzeige bzw. Kenntniserlangung einer Straftat angelegt und am Ende der Ermittlung an die Staatsanwaltschaft
verfügt wird. Bei der Analyse von Akten geht es um die quantitative Erhebung und Auswertung formell erfasster Informationen über Taten, Tatverdächtige bzw. Täter/innen und die
offizielle Arbeit der Ermittlungs- und Justizbehörden. Bei der Bewertung der Ergebnisse ist
zu beachten, dass inoffizielle bzw. nicht dokumentierte Maßnahmen, nicht in den Akten niedergelegte Entscheidungskriterien u.ä. systematisch außen vor bleiben. Auch wenn behördliche Akten damit lediglich einen selektiven Zugang zur Wirklichkeit zulassen,53 bieten sie
dennoch gute Möglichkeiten, sowohl die Arbeit von Ermittlungs- und Justizbehörden als auch
das Hellfeld des Wohnungseinbruchdiebstahls zu erforschen.

3.1 Vorgehen
Den Ausgangspunkt für die Stichprobenziehung bildete die fallbezogene polizeiliche Registriernummer von Wohnungseinbrüchen, die in die PKS eingegangen sind. Damit wurde im
Gegensatz zur Auswahl über Justizaktenzeichen54 sichergestellt, dass alle angezeigten Fälle
des Wohnungseinbruchsdiebstahls im entsprechenden Zeitraum die gleiche Wahrscheinlichkeit haben, gezogen zu werden.
Zunächst musste aber geklärt werden, welche Anzahl von Fallakten erforderlich ist, um empirisch gesicherte Erkenntnisse gewinnen zu können. Den Ausgangspunkt bildeten hierzu einerseits die auf Grundlage der Polizeilichen Kriminalstatistik und Strafverfolgungsstatistik berechneten Quoten der aufgeklärten Fälle sowie der verurteilten Personen. Andererseits war zu
beachten, dass man für statistisch ausreichend abgesicherte Befunde mindestens 30, möglichst
aber 50 Fälle des zu erklärenden Phänomens benötigt – hier also (für die Untersuchung der
polizeilichen Ermittlungsarbeit) pro Stadt mindestens 30 bis 50 polizeilich aufgeklärte Fälle
52
53
54

Dölling 1984, S. 269.
Barton 1980, S. 213.
In Strafverfahrensakten werden bspw. zum Teil ganze Fallserien zusammengefasst und unter einem Justizaktenzeichen geführt.

21

des Wohnungseinbruchsdiebstahls und anschließend (für die Untersuchung der Entscheidungspraxen von Staatsanwaltschaften und Gerichten) pro Stadt mindestens 30 bis 50 wegen
solcher Taten verurteilte Personen.
Im Ergebnis war damit zur Klärung der dargestellten Forschungsfragen eine Aktenanalyse
erforderlich, die sich mit zwei Gegenständen (Ermittlungspraxis einerseits, staatsanwaltschaftliche und gerichtliche Entscheidungen sowie – hieraus resultierend – Verurteilte andererseits) befasst und damit jeweils unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Stichprobenziehung notwendig machte. Die erste zentrale Forschungsfrage betrifft die Ermittlungsarbeit der
Polizei und zielt auf eine Erklärung für die in den fünf Städten sehr unterschiedliche polizeiliche Aufklärungsquote. Um in Berlin mindestens 30 bis 50 polizeilich aufgeklärte Fälle erreichen zu können, musste man dort angesichts einer in den letzten Jahren zwischen sechs und
elf Prozent liegenden Aufklärungsquote mindestens 500 angezeigte Fälle des Wohnungseinbruchs in die Analyse einbeziehen. Im Interesse möglichst aktueller Erkenntnisse sollte sich
dieser Teil der Aktenanalyse auf eine Zufallsauswahl von jeweils 500 Fällen der Wohnungseinbrüche in Bremerhaven, Berlin, München, Stuttgart und Hannover aus dem Jahr 2010 beziehen (Zufallsstichprobe). Eine Ziehung von Akten aus den Jahren nach 2010 kam hingegen
nicht in Betracht, weil zumindest in einem nicht unerheblichen Teil dieser Fälle das Strafverfahren zum damaligen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen gewesen sein dürfte.
Die zweite und dritte zentrale Forschungsfrage der Aktenanalyse betrifft jeweils die justizielle
Bearbeitung bzw. die Täter/innen des Wohnungseinbruchs.55 Um diese Fragen beantworten
zu können, wurde auch hier eine Zahl von 30 bis 50 einschlägigen Fällen angestrebt, in denen
eine Verurteilung erfolgt ist.
Damit für die Analyse der justiziellen Entscheidungen 30 bis 50 Fälle des Wohnungseinbruchdiebstahls mit Verurteilung erreicht werden, mussten in Hannover und München sämtliche Fälle mit Tatverdächtige des Jahres 2010 einbezogen und anschließend aus 2009 noch so
viele von der Polizei als aufgeklärt eingestufte Fälle zusätzlich berücksichtigt werden, bis die
Gesamtzahl von ca. 300 Fällen mit Tatverdächtigen erreicht war. Um die gleiche Zahl mit
Verurteilten in Berlin zu erlangen, reichte es angesichts einer dort höheren Anzahl Tatverdächtiger und einer relativ hohen Verurteilungsquote aus, ausschließlich Fälle des Jahres 2010
zu berücksichtigen. In den zwei übrigen Städten wurden in den vergangenen Jahren jeweils
weniger Tatverdächtige des Wohnungseinbruchs registriert. Um auch dort 30 bis 50 Fälle mit
Verurteilungen zu erfassen, waren daher für Bremerhaven und Stuttgart jeweils auch Fälle mit
Tatverdächtigen des Wohnungseinbruchs aus weiter zurückliegenden Jahren (vor 2009/2010)
einzubeziehen, maximal bis zum Jahr 2005. Die in der Zufallsstichprobe enthaltenen Fälle mit
ermittelten Tatverdächtigen wurden also für alle Städte mit weiteren bewusst hinzugezogenen
Fällen, die als aufgeklärt gelten (bewusste Stichprobe), aufgestockt.
Die nach diesen Maßstäben bestimmten Aktenzeichen von Polizei und Justiz wurden an die
zuständigen Staatsanwaltschaften mit dem Antrag auf Akteneinsicht gesendet. Nach Genehmigung und Übersendung der 700 bis 800 Ermittlungs- und Strafverfahrensakten je Stadt
55

22

Siehe Abschnitt 1, S. 11f.

wurden diese an eingehend geschulte wissenschaftliche Hilfskräfte (Studenten/innen der
Rechtswissenschaften ab dem 5. Fachsemester der Leibniz Universität Hannover) herausgegeben.56 Sie erfassten die Daten in standardisierten Analysebogen57, die anschließend von
geschulten Kodierern/innen digitalisiert wurden. Um die Einheitlichkeit beim Ausfüllen über
einen längeren Zeitraum hinweg sicher zu stellen, wurden Koordinatoren/innen eingesetzt, die
entsprechende Rückfragen sammelten und nach Rücksprache mit den Projektverantwortlichen
einheitlich beantworteten sowie regelmäßige stichprobenweise Kontrollen durchführten.

3.2 Stichprobenbeschreibung
Insgesamt wurden die Akten von 3.668 Fällen ausgewertet (Gesamtstichprobe). Davon gelten
1.606 Fälle gemäß den Richtlinien für die Führung der Polizeilichen Kriminalstatistik als aufgeklärt (43,8 %), wovon wiederum 377 Fälle zu mindestens einer rechtskräftigen Verurteilung bzw. einem rechtskräftigen Strafbefehl führten.
Tabelle 1: Zufallsstichprobe, bewusste Stichprobe und Gesamtstichprobe der Aktenanalyse in fünf Städten

Gesamtstichprobe

Bewusste
ZufallsStichprobe stichprobe

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

zufällige Ziehung

n
500

%
100

n
500

%
100

n
500

%
100

n
500

%
100

n
500

%
100

n
2500

%
100

erhaltene Fallakten

484

96,8

485

97,0

495

99,0

479

95,8

480

96,0

2423

96,9

analysierbare Fälle

484

96,8

477

95,4

495

99,0

479

95,8

468

93,6

2403

96,1

bewusste Hinzuziehung

359

100

358

100

300

100

277

100

362

100

1656

100

erhaltene Fallakten

313

87,2

237

66,2

280

93,3

254

91,7

295

81,5

1379

83,3

analysierbare Fälle

306

85,2

227

63,4

274

91,3

237

85,6

221

61,0

1265

76,4

analysierbare Fälle insg.

790

100

704

100

769

100

716

100

689

100

3668

100

aufgeklärte Fälle

345

43,7

294

41,8

387

50,3

298

41,6

282

40,9

1606

43,8

Fälle mit mindestens
einer/m rechtskräftigen
Verurteilung/Strafbefehl

84

10,6

71

10,1

53

6,9

95

13,3

74

10,7

377

10,3

Bei der Zufallsstichprobe wurden in jeder teilnehmenden Stadt über 90,0 % der angeforderten
Fallakten zur Verfügung gestellt, die anschließend auch auswertbar waren (Tabelle 1). Ein
solch großer Anteil konnte bei der bewussten Stichprobe aufgeklärter Fälle nicht erreicht
werden. Ursache dafür war zum einen, dass anteilmäßig mehr Fälle aufgrund neu aufgenommener bzw. noch laufender Verfahren nicht verfügbar waren oder an andere Staatsanwaltschaften abgegeben wurden. Zum anderen waren die zu der bewussten Stichprobe gehörenden
Fallakten vergleichsweise häufiger unvollständig und daher seltener auswertbar. Auch der

56

57

Die Akten aus Bremerhaven wurden nicht zur Analyse ans KFN versandt. Daher musste vor Ort ein weiteres Analyseteam rekrutiert und geschult werden (Studenten/innen der Rechtswissenschaften der Universität
Bremen), die die Analyse in Räumlichkeiten der Ortspolizeibehörde Bremerhaven durchführten.
Der Analysebogen ist weitestgehend chronologisch aufgebaut, d.h., er vollzieht die einzelnen, in den Akten
dokumentierten Verfahrensschritte von Polizei, Staatsanwaltschaft und ggf. Gericht nach und umfasst insgesamt, d.h. mit allen optionalen Beiblättern, 57 Seiten.

23

Versuch einer Neuanforderung entsprechender Akten blieb leider erfolglos. 58 Dennoch konnten in jeder Stadt wenigstens 53 Fallakten analysiert werden, in denen mindestens ein/e Täter/in rechtskräftig verurteilt wurde bzw. einen Strafbefehl erhalten hatte, womit für statistisch
abgesicherte Befunde genügend Fälle vorhanden sind.
Die Zufallsstichprobe dient im Folgenden vor allem den Fragen zur polizeilichen Ermittlungsarbeit sowie zur Bearbeitung durch die Staatsanwaltschaft als Basis. Die mit Fällen der
bewussten Stichprobe angereicherte Gesamtstichprobe wird insbesondere bei der differenzierten Beschreibung der Tatverdächtigen bzw. Täter/innen und bei den Analysen staatsanwaltschaftlicher und gerichtlicher Entscheidungen herangezogen. Um die notwendige Klarheit zu
schaffen, wird am Anfang jedes Abschnitts die jeweils zugrunde gelegte Stichprobe benannt.
Zusätzlich zu der Unterscheidung zwischen Zufalls- und Gesamtstichprobe bewegt sich die
Auswertung entweder auf Fall- oder Personenebene. Dies hat den Hintergrund, dass in einigen Fällen kein/e oder nur ein/e Tatverdächtige/r ermittelt wird, in anderen Fällen hingegen
zwei oder mehr. Die gegen bestimmte Tatverdächtige gerichteten Strafverfahren verlaufen
auch bei gleicher Tat häufig unterschiedlich (ein/e Tatverdächtige/r kann angeklagt und verurteilt werden, ein anderer nicht o.ä.). Wenn über die Tatverdächtigen, Beschuldigten, Angeklagten, Verurteilten und das Strafverfahren berichtet wird, beziehen sich die Angaben auf die
Personenebene, Angaben zu Fallmerkmalen und zum Vorgehen der Polizei bei der Ermittlung
der Tatverdächtigen entsprechend auf die Fallebene. Eine Verbindung beider Ebenen wird
hergestellt, indem z.B. von Fällen mit mindestens einem Tatverdächtigen gesprochen oder die
Anzahl der Fälle, die hinter der Anzahl der Tatverdächtigen steht, angegeben wird.
Alle prozentualen Angaben beziehen sich auf gültige Fälle, d.h. unter Abzug fehlender Werte.
Sobald sich dadurch die Fallzahl deutlich reduziert oder sich die Ergebnisse auf Teilgruppen
beziehen, wird die Basis der Prozentuierung entsprechend ausgewiesen. Wenn sich signifikante Unterschiede zwischen den Städten ergeben haben, werden diese ebenfalls berichtet.

58

24

Es kam häufiger vor, dass lediglich die Handakte der Staatsanwaltschaft versendet wurde, die nur einen
kleinen Auszug des Gesamtverfahrens beinhaltete (häufig fehlte die für diese Untersuchung wichtige Strafermittlungsakte) und somit gar nicht oder nur sehr eingeschränkt auswertbar war. Die Entscheidung über
die Einbeziehung wurde im Einzelfall und konsensuell durch das Projektteam getroffen.

4

Ermittlung von Tatverdächtigen

In diesem Abschnitt steht die erste zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt: Warum ergeben
sich in den Aufklärungserfolgen der Polizei derart große regionale Unterschiede? Um Anhaltspunkte dafür zu finden, werden auf Basis der Zufallsstichprobe (Fallebene) die Ergebnisse des Städtevergleichs zur polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsarbeit sowie
stadtspezifische Besonderheiten bei den ermittelten Tatverdächtigen dargestellt. Bevor abschließend nach relevanten Einflussfaktoren für die Ermittlung eines Tatverdächtigen gesucht
wird, sollen der Ausfilterungsprozess von der polizeilichen Registrierung bis hin zum Abschluss des Strafverfahrens nachgezeichnet und der Anteil der Fälle, die mit einer rechtskräftigen Verurteilung enden, berechnet werden.

4.1 Polizeiliche Ermittlungen
Im Folgenden werden verschiedene Aspekte polizeilicher Ermittlungen dargestellt. Da es
hierbei um die durchschnittliche Praxis der Polizeiarbeit in den untersuchten Städten geht,
wird die Zufallsstichprobe von 2.403 Fällen des Wohnungseinbruchdiebstahls aus dem PKSJahr 2010 herangezogen.

4.1.1 Kenntnisnahme der Tat
In fast allen Fällen (99,2 %; N=2.322) erlangte die Polizei durch eine Anzeige Kenntnis von
dem Einbruch. In 18 Fällen (0,8 %) bemerkte sie selbst die Tat. Zu den anzeigenden Personen
gehörten meistens Mitglieder des betroffenen Haushalts (74,9 %; N=2.246). Nachbarn/-innen
zeigten zu 14,6 % an. In 4,5 % der Fälle waren es Familienangehörige, die nicht zum Haushalt gehörten. Selten wurde die Polizei durch Alarmanlagen (0,5 %), Passanten/-innen (0,3 %)
oder sonstige Personen (5,2 %) über den Einbruch informiert.
In wenigen Fällen wurde die Polizei während der Tat informiert (3,9 %; N=2.209). Meist erfolgte die Mitteilung unmittelbar nach dem Bemerken des Einbruchs (77,1 %). 7,4 % der Anzeigenden meldete die Tat innerhalb von einer bis drei Stunden nach dem Entdecken der Tat.
Größere Abstände von vier bis zwölf Stunden (2,4 %), 13-24 Stunden (3,9 %) oder mehr als
einem Tag (5,2 %) kamen seltener vor.
In fast allen Fällen (98,4 %; N=2.369) war die Polizei mindestens einmal am Tatort. Meistens
(84,0 %; N=2.288) erschien sie einmal in der betroffenen Wohnung; in 14,4 % der Fälle auch
zweimal. Selten (1,5 %) suchte sie dreimal den Tatort auf.

4.1.2 Ermittelnde Polizeieinheiten
In den meisten Fällen (66,6; N=2.320) erfolgte der sogenannte erste Angriff, d.h. die erste
Anfahrt und die Sicherung des Tatorts, durch die Schutzpolizei. Dabei zeigen sich signifikante Stadtunterschiede, die neben noch vorzustellenden Unterschieden bzgl. der beteiligten Einheiten auf eine divergierende organisatorische Vorgehensweise der Polizeien der Städte

25

schließen lassen.59 Während in einer Stadt mit 99,1 % fast immer die Schutzpolizei zuerst den
Tatort aufsuchte, war es in einer anderen Stadt mehrheitlich die Kriminalpolizei (69,4 %).
In der Mehrzahl der Einbruchsfälle (66,2 %; N=1.82560) ermittelten sowohl die Schutz- als
auch die Kriminalpolizei. In 19,2 % der Fälle war es ausschließlich die Schutzpolizei, in den
übrigen 14,6 % war es alleinig die Kriminalpolizei, die den Einbruch untersuchte.
Während in einer Stadt fast alle Fälle (82,6 %) sowohl von der Schutz- als auch von der Kriminalpolizei bearbeitet wurden, war in einer anderen Stadt diese Rate mit 54,1 % niedriger.
Auffällig sind die Unterschiede des Weiteren in Hinblick auf eine ausschließliche Ermittlung
durch die Schutzpolizei: In einer Stadt kam dies nur zweimal (0,5 %) vor, in einer anderen mit
38,6 % weit häufiger. Die Spannbreite der Rate an Fällen, in der ausschließlich die Kriminalpolizei ermittelte, reicht von 15,0 % bis zu 41,3 %.
Meist war die Polizei innerhalb von zehn Minuten (43,8 %; N=1.106) bzw. innerhalb von
einer Stunde (46,7 %) nach Kenntnisnahme von der Tat am Tatort. Innerhalb von ein bis zwei
Stunden erschien sie in 6,0 % der Fälle. Selten wurden deutlich spätere Anfahrtszeiten von
zwei bis fünf Stunden (1,9 %), fünf bis 24 Stunden (1,5 %) oder mehr als 24 Stunden (0,2 %)
verzeichnet.
Signifikante Unterschiede zeigen sich auch hier auf der Stadtebene, wobei die Fallzahl in einigen Städten sehr gering ist, da diese Information in den Akten nicht immer enthalten war.
Die Spannbreite der Fälle, in denen die Polizei in weniger als zehn Minuten am Tatort war,
reicht von 7,9 % (N=38) bis 90,5 % (N=444).
In drei Viertel (74,0 %, N=2.386) der Fälle waren der Kriminaldauerdienst, die Spurensicherung oder die Kriminaltechnik mindestens einmal am Tatort, wobei auch hier die Unterschiede zwischen den Städten signifikant ausfielen und zwischen 51,9 % und 90,4 % lagen.
Abbildung 5: Ermittelnde Polizeieinheit nach Tatstadium (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

80
70
60
50
40
30
20
10
0

70,5
58,8

27,5
14,4

15,1

13,7

Vollendung

Versuch

Nur Schutzpolizei

59
60

26

Nur Kriminalpolizei

Schutz- und Kriminalpolizei

Um die Anonymisierung der Städte aufrechtzuerhalten, werden hier lediglich die Spannbreiten berichtet.
Diese Angaben liegen zu einer Stadt, in der es keine klassische Zweiteilung in Schutz- und Kriminalpolizei
gab, nicht vor.

Bedeutsame Unterschiede lassen sich ebenfalls in Bezug auf die eingesetzte Polizeieinheit
und das Tatstadium (Vollendung/Versuch) nachweisen (Abbildung 5): 70,5 % (N=1.106) der
vollendeten Taten wurden von beiden Einheiten bearbeitet. In weiteren 14,4 % der vollendeten Einbrüche war ausschließlich die Schutzpolizei tätig. Bei den Versuchen war diese Rate
deutlich größer: 27,5 % (N=695) dieser Taten wurden allein von der Schutzpolizei bearbeitet;
58,8 % von beiden zusammen. Ähnlich ist dieser Unterschied in Bezug auf den Einsatz spezieller Polizeieinheiten: In 79,8 % (N=1.458) der vollendeten Taten gegenüber 64,1 % (N=899)
der versuchten Taten waren entweder der Kriminaldauerdienst, die Spurensicherung oder die
Kriminaltechnik am Tatort.

4.1.3 Tatmerkmale
Bereits bei Wollinger et al.61 wurden Ergebnisse zur Phänomenologie des Wohnungseinbruchs vorgestellt. Diese basieren auf einer anderen Datenquelle (retrospektiv erhobenen Angaben von Betroffenen des Wohnungseinbruchs) und können daher von aktenkundig gewordenen Informationen zur Tat abweichen. Ohne in diesem Rahmen einen Vergleich vorzunehmen, haben wir uns dazu entschieden, auch die Ergebnisse zu den polizeilich festgehaltenen
Tatmerkmalen des Wohnungseinbruchdiebstahls auf Grundlage der Aktenanalyse zu dokumentieren, insbesondere weil bestimmte Tatmerkmale bei der Bestimmung relevanter Faktoren für die Ermittlung eines/einer Tatverdächtigen bzw. eines/einer später verurteilten Täters/in einbezogen werden sollen und weil die Information zu den Tatumständen das Gesamtbild der regional vergleichenden Ergebnisse bereichern können.
Tatstadium
Von den untersuchten Einbrüchen wurden 61,5 % von der Polizei als vollendete und 38,5 %
als versuchte Taten eingestuft. Zwischen den einzelnen Städten ergaben sich dabei keine signifikanten Unterschiede.62
Die Polizei leitete die Annahme des Versuchs aus verschiedenen Gründen ab. Häufig wurden
lediglich Einbruchspuren an Fenstern oder Türen (84,6 %; N=892) gefunden.63 Dass in der
Wohnung nichts entwendet wurde, war ein weiterer häufige in den Akten genannter Grund
(59,2 %). Zeugenaussagen (27,6%) und Spuren in der Wohnung (6,2%) wurden seltener aufgeführt.
In der Hälfte der Versuchsfälle scheiterten die Einbrüche daran, dass die Täter/innen nicht in
die Wohnung gelangten (54,9 %; N=896). In 17,0 % der Fälle kamen die Täter/innen zwar in
die Wohnung, wurden allerdings vom Diebstahl abgehalten. Bei 26,0 % sind die Gründe des
Scheiterns unklar und in weiteren 2,1 % der Fälle wurden sonstige Gründe den Akten entnommen, wie beispielsweise die Vermutung, dass die Täter/innen kein Stehlgut fanden.

61
62

63

Wollinger et al. 2014b
Signifikante Unterschiede zwischen den Städten, die sich im Folgenden ergeben (z.B. beim Modus Operandi), sind somit nicht auf unterschiedlich hohe Anteile der versuchten Einbrüche zurückzuführen.
Mehrfachantworten waren möglich.

27

Das Scheitern des Versuchs eines Eindringens in die Wohnung lag zu 52,8 % (N=477) an der
Sicherung der Tür. In 31,4 % der Fälle wurden die Täter/innen noch außerhalb der Wohnung
gestört. Die Sicherung der Fenster stellte in 24,3 % der Fälle das entscheidende Hindernis dar.
Die Unterschiede zwischen den Städten erwiesen sich als signifikant. In Stadt 1, 3 und 4
scheiterte die Tat überwiegend an der Sicherung der Tür, während in Stadt 5 die Sicherung
der Fenster ebenso ausschlaggebend war. In Stadt 2 wurden die Täter/innen am häufigsten
noch außerhalb der Wohnung gestört und brachen daraufhin die Tat ab (Abbildung 6).

65,2

52,8

31,4

28,0

Stadt 4

18,5

Stadt 3

24,3

42,0

42,0
31,0

19,6

20

14,3

30

21,0

25,0

40

40,0

34,3

50

47,5

60

55,0

70

60,0

Abbildung 6: Gründe des Scheiterns (in %; Mehrfachangaben möglich; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

10
0
Stadt 1

Stadt 2
Sicherung der Tür

Sicherung der Fenster

Stadt 5

Gesamt

Störung während der Tat

Wenn die Täter/innen in die Wohnung gelangten, aber nichts entwendeten, blieben die Gründe dafür in über der Hälfte dieser Fälle ungeklärt (53,7 %, N=162). In den restlichen Fällen
waren es zumeist Personen außerhalb (37,3 %) und innerhalb (36,0 %) der Wohnung, die den
Diebstahl verhinderten. Bei den sonstigen Gründen (30,7 %) wurde häufig erfasst, dass die
Täter/innen kein geeignetes Stehlgut fanden; Alarmanlagen und Hunde spielten mit jeweils
5,3 % dieser Fälle eine eher geringe Rolle bei der Verhinderung des Diebstahls.
Anwesenheit während der Tat
Bei 13,0 % der analysierten Einbrüche war zum Zeitpunkt der Tat jemand innerhalb der
Wohnung anwesend. Dabei handelte es sich vor allem um Haushaltsmitglieder (96,4 %;
N=309). In den restlichen Fällen waren (auch) andere Personen anwesend (5,5%).64
Von den Anwesenden bemerkten etwa die Hälfte die Täter/innen während der Tat (52,6 %,
N=312). In einem Freitextfeld konnte bei der Aktenanalyse der weitere Verlauf des Geschehens angegeben werden, wenn es zu einem Kontakt zwischen den Anwesenden und Tätern/innen gekommen war. Hiervon wurde 124-mal Gebrauch gemacht. Mit einem Anteil von
65,3 % wurde erfasst, dass der/die Täter/in floh, als er auf das Haushaltsmitglied traf. Seltener
kam es zu einer (kurzen) verbalen Interaktion zwischen den Beteiligten (17,7 %). Hinweise
auf Gewalttätigkeiten gegenüber den Betroffenen fanden sich nicht in den Akten. Dies dürfte
(auch) darauf zurückzuführen sein, dass bei einer Gewaltanwendung zur Erzwin-

64

28

Mehrfachangaben waren möglich.

gung/Duldung der Wegnahme ein (versuchtes) Raub- oder Erpressungsdelikt – und damit
eine Straftat, die in unserer Stichprobe nicht enthalten ist – vorliegt.
Tatzeit
In 62,8 % der Fälle (N=2.319), lässt sich der genaue Tag bestimmen, an welchem eingebrochen wurde. Bei weiteren 17,8 % ließ sich die Zeitspanne auf zwei Tage eingrenzen, bei
11,9 % auf drei Tage bis eine Woche. In den restlichen 7,5 % aller Fälle war dieser Zeitraum
länger als eine Woche.
Monat
Die untersuchten Wohnungseinbrüche wurden am häufigsten im letzten Quartal des Jahres
begangen (Abbildung 7, N=2.396).65 Dabei war der Dezember mit 14,7 % am meisten betroffen, wobei die Fallzahlen in den Monaten davor stetig ansteigen. Im Frühjahr und Sommer
ereigneten sich seltener Taten, wobei der Mai mit 8,9 % eine Ausnahme darstellt.
Abbildung 7: Fallbelastung nach Monaten (in %)
14,7

15
10,7
8,9

10
7,4

6,7

6,0

6,3

März

Apr.

7,5

7,4

Juli

Aug.

8,8

9,3

Sep.

Okt.

6,3

5

0
Jan.

Feb.

Mai

Juni

Nov.

Dez.

Abbildung 8: Fallbelastung nach Monaten und Städten (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

8,5

9,0
7,9

8,3

2,4
4,3
4,9

5

3,8
3,8

8,4
6,9
7,8
8,2
8,0
5,9
6,9
6,1
5,2
8,2

10,9

11,6
11,8
5,5
7,3
7,5
8,3
9,3
7,1
9,5
6,1
7,9
8,1

6,7
5,0
4,8
5,5

7,7
6,2
5,8
5,4
8,7
7,9
8,1

10

11,2
9,8
8,7
9,8
10,8

15

10,1
8,4
8,4
8,8
12,6
8,2
9,2
12,2

20

13,5
12,2

17,6

21,4

25

0
Jan. -

Dez.

Stadt 1

65

Jan. -

Dez.

Stadt 2

Jan. -

Dez.

Stadt 3

Jan. -

Dez.

Stadt 4

Jan. -

Dez.

Stadt 5

Umfasst der in der Akte genannte Tatzeitraum zwei oder mehr Monate, wurde der erstgenannte Monat
gewählt.

29

Die Verteilung über das Jahr variiert mit Ausnahme der Monate Januar, Februar, Mai und
November signifikant zwischen den Städten. Insbesondere in Stadt 5 liegt der zeitliche
Schwerpunkt registrierter Wohnungseinbrüche am deutlichsten in der dunklen Jahreszeit
(Abbildung 8).
Wochentag
Weiter lassen sich Unterschiede in Bezug auf die Verteilung auf die Wochentage konstatieren
(Abbildung 9, N=2.396). So stiegen die relativen Fallzahlen zum Ende der Woche hin an. Der
Freitag war mit 17,6 % am stärksten belastet. Dabei ist allerdings zu beachten, dass bei Tatzeiträumen, d.h., wenn der Tatzeitpunkt nicht auf einen Tag festgelegt werden konnte, das
Anfangsdatum herangezogen wurde. Waren die Geschädigten über das Wochenende verreist
und entdeckten die Tat erst am Sonntag, wurde der Freitag als Tattag erfasst. Er dürfte daher
überrepräsentiert sein.
Abbildung 9: Fallbelastung nach Wochentagen (in %)

20

17,6
16,1

15

13,4

14,0

14,9

14,4

9,6

10

5

0
Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Samstag

Sonntag

Feiertage und Schulferien
In 5,7 % der Fälle (N= 2.227) wurde an einem Feiertag eingebrochen. In 27,3 % (N=2.283)
fiel der Einbruch in die Schulferien.66 Dabei ergaben sich signifikante Unterschiede zwischen
den Städten. Während der Anteil der Taten innerhalb von Schulferien in den Städten 1, 2 und
3 am höchsten ausfiel, lag der Anteil der Einbrüche an Feiertagen in den Städten 4 und 5 am
höchsten (Abbildung 10).

66

30

Im Vergleich dazu lagen die Anteile der Feiertage im Jahr 2010 je nach Bundesland zwischen 2,5 % und
3,6 % und der Anteil der Schulferientage bei durchschnittlich 25,1 %. Fälle mit mehrtägigen Tatzeiträumen
wurden auch dazu gezählt, wenn ein Feiertag bzw. Ferientag in diesen Tatzeitraum fiel.

Abbildung 10: Anteil der Taten an Feiertagen oder innerhalb von Schulferien (in %; fett: Unterschiede signifikant bei
p<.05)

35

30,5

28,7

30

28,5

27,3

26,4

25

21,9

20
15
8,6

10

5,4

3,3

5

4,9

6,5

5,7

0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Feiertag zur Tatzeit

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Schulferien zur Tatzeit

Die Auswertungen zeigen weiterhin, dass in 21,1 % der Fälle (N=2.157) zum Tatzeitpunkt
sämtliche Haushaltsmitglieder verreist, d.h. mindestens über zwei Nächte nicht zu Hause waren. Dabei ergeben sich signifikante Unterschiede zwischen den Städten. Während in den
Städten 1 und 3 jeweils nur bei 18,9 % bzw. 18,6 % der Haushalte alle Mitglieder verreist
waren, waren es in Stadt 4 über ein Viertel (25,2 %) (Abbildung 11).
Abbildung 11: Sämtliche Haushaltsmitglieder während der Tat verreist (Angaben in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

30
25,2

25
20

23,5
21,1

18,9

19,4

18,6

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

15
10
5
0
Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Tageshälfte
In 86,0 % der Fälle (N=1.254) wurde tagsüber (von 6:00 bis 21:00 Uhr) eingebrochen. 14,0 %
der Einbrüche geschahen in der Nachttageshälfte.67 Dabei unterscheiden sich die Städte eben-

67

Beachtet werden muss hierbei, dass nur etwa die Hälfte der Fälle (52,2 %, N=2.403) einer Tageshälfte zugeordnet werden konnte. In der PKS werden Tageswohnungseinbrüche nur dann separat ausgewiesen
(Schlüsselzahl: 436*00), wenn die Tageshälfte eindeutig bestimmt werden kann und zwischen 6:00 Uhr und
21:00 Uhr liegt. Alle anderen Fälle werden zusammen mit den Tageswohnungseinbrüchen unter Wohnungseinbruch (Schlüsselzahl 435*00) gefasst (Richtlinien für die Führung der Polizeilichen Kriminalstatistik i.d.F. vom 01.01.2014, S.14).

31

falls signifikant: Während in Stadt 1 und 5 über 90 % der Einbrüche am Tage erfolgten, war
der Anteil der Nachteinbrüche mit 22,6 % in Stadt 2 am größten (Abbildung 12).
Abbildung 12: Tatzeit nach Tageshälfte (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

100

8,6

11,4

18,3

88,6

81,7

Stadt 3

Stadt 4

22,6

9,8

14,0

90,2

86,0

Stadt 5

Gesamt

80
60
91,4

40

77,4

20
0
Stadt 1

Stadt 2

6-21 Uhr

21-6 Uhr

Tatort
Bei den Tatorten handelte es sich am häufigsten um Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit
mehr als zwei Parteien (67,0 %, N=2.321). Mit 27,2 % waren auch Einfamilienhäuser häufiger betroffen. Eher selten wurde in Zweifamilienhäuser (3,2 %) oder sonstige Wohnungen
(2,6%) eingebrochen (Abbildung 13). Zwischen den Städten gibt es signifikante Unterschiede: In Stadt 1 wurde mit 80,7 % am häufigsten in Mehrfamilienhäuser eingebrochen. Im Vergleich dazu war die Anzahl an Einbrüchen in Mehrfamilienhäusern in Stadt 2 (54,1 %) eher
gering. Demgegenüber wurde in Stadt 1 nur zu 17,0 % in Einfamilienhäusern eingebrochen,
in Stadt 2 immerhin zu 38,0 %.68 Zu den sonstigen Wohnungen zählen insbesondere Wohnheime für Waisen, Senioren oder Jugendliche sowie bewohnte Räume in vorwiegend geschäftlich genutzten Gebäuden; die Stadtunterschiede bei dieser Wohnform sind statistisch
nicht relevant.
Abbildung 13: Betroffene Wohnung nach Art des Gebäudes (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

100
80,7

80

67,0

63,3

54,1

60
38,0

40
20

71,1

64,3

29,8
0,4

4,1

3,7

1,9

27,8

24,3

17,0
3,1

2,9

2,3

2,3

27,2
6,9

2,0

3,2

2,6

0
Stadt 1

Stadt 2

Einfamilienhaus

68

32

Stadt 3

Zweifamilienhaus

Stadt 4
Mehrfamilienhaus

Stadt 5

Gesamt

sonstige Wohnung

Diese Unterschiede hängen möglicherweise zum Teil mit der unterschiedlichen Wohngebäudestruktur in
den Städten zusammen.

Stockwerk
Bei Einfamilienhäusern wurde vorwiegend im Erdgeschoss bzw. Hochparterre eingebrochen
(84,7 %; N=602); deutlich seltener im Tiefparterre (9,3 %) oder in anderen Stockwerken
(6,0 %).
In Mehrfamilienhäusern wurde ebenfalls am häufigsten im Erdgeschoss bzw. Hochparterre
(37,4 %; N=1.565) eingebrochen. Daneben waren aber auch Wohnungen im ersten Obergeschoss (19,0 %), im zweiten und dritten Obergeschoss (26,5 %) sowie im vierten oder höheren Obergeschoss (15,5 %) betroffen. Einbrüche im Tiefparterre fanden hingegen selten statt
(1,5 %), was auch daran liegen kann, dass es bei Mehrfamilienhäusern vergleichsweise selten
solche Wohnungen gibt.
Bei den Mehrfamilienhäusern gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Städten (Abbildung 14). Insbesondere die unterschiedlichen Anteile bei den betroffenen Wohnungen im
Tiefparterre und im vierten oder höheren Obergeschoss dürften zum Teil auch mit der unterschiedlichen Gebäudestruktur zusammenhängen. In Stadt 5 wurde häufig im Erdgeschoss
bzw. Hochparterre (52,8 %), eingebrochen; in Stadt 1 dagegen nur zu 28,3 %. Bezogen auf
den Anteil an Einbrüchen im zweiten und dritten Obergeschoss gibt es zwischen den Städten 3 (36,8 %) und 5 (18,5 %) große Unterschiede.

52,8

Abbildung 14: Betroffenes Stockwerk bei Mehrfamilienhäusern (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

15,5

26,5

37,4
19,0
1,5

2,3

9,9

16,5
18,5

19,0
23,0
17,5
1,5

0,9

0,3

3,5

10

15,3

19,6

21,6
22,0
10,6

20

27,4

30,0
18,8

30

21,4

29,5

40

36,8

42,3

50

39,0

60

0
Stadt 1

Stadt 2

Tiefparterre

Stadt 3

EG/Hochparterre

Stadt 4
1. OG

2.-3.OG

Stadt 5

Gesamt

4. OG oder höher

Haushaltsgröße und -zusammensetzung
Überwiegend waren Ein-Personen-Haushalte betroffen (45,3 %; N=1.500), zu einem Viertel
auch (Ehe-)Paare ohne Kinder (24,1 %) bzw. mit Kindern (18,3 %). Alleinerziehende mit
Kind (5,5 %) und sonstige Mehrpersonenhaushalte (6,8 %) waren kaum vertreten. Dabei zeigen sich signifikante Stadtunterschiede in der Art, dass Ein-Personen-Haushalte in Stadt 4
(40,4 %) und Stadt 5 (38,8 %) weniger belastet sind und Ehepaare/Paare ohne Kinder (27,5 %
bzw. 28,0 %) häufiger einen Einbruch erleben als in den anderen Städten (Abbildung 15).
Auch wenn nur ein/e Geschädigte/r in der Akte aufgeführt wurde, ist nicht auszuschließen,
dass weitere Personen im selben Haushalt lebten. Daher wurden nur solche Haushalte gezählt,
in denen sich aus der Akte Hinweise für die entsprechende Form des Allein- oder Zusammen33

lebens fanden, womit sich die Anzahl der fehlenden Werte stark erhöhte. Vor diesem Hintergrund sind diese Ergebnisse mit entsprechenden Unsicherheiten verbunden.

5,6
6,5

5,5
6,8

17,9
4,9
9,3

4,4
5,9

24,1
18,3

28,0
21,1

27,5

22,4
16,8

22,9
14,1
8,3
5,7

10

14,3

20

5,6
5,6

30

24,3

40

38,8

40,4

50

45,3

50,5

49,0

60

50,2

Abbildung 15: Form des Zusammenlebens im betroffenen Haushalt (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Ein-Personen-Haushalt

Ehepaar/Paar ohne Kinder

Ehepaar/Paar mit Kind(ern)

Alleinerziehend mit Kind(ern)

Gesamt

sonstiger Mehrpersonenhaushalt

Wohneigentum
Bei etwa jedem dritten betroffenen Haushalt (30,6 %; N=883) bestand Wohneigentum an dem
betroffenen Objekt. Auch hier gibt es signifikante Stadtunterschiede (Abbildung 16): Insbesondere Stadt 1 fällt mit seinem geringen Anteil an Wohneigentum auf (13,8 %), wohingegen
in Stadt 4 und 5 bei über einem Drittel der geschädigten Haushalte Eigentum bestand. Bei
diesen Ergebnissen ist allerdings zu beachten, dass in der Mehrzahl der Fälle keine Informationen zu den Eigentumsverhältnissen vorlagen.
Abbildung 16: Geschädigte Haushalte mit Wohneigentum (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
37,4

40

36,8

33,0

35

30,6

30,1

30
25
20
15

13,8

10
5
0
Stadt 1

34

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Modus Operandi
Einbruchstelle
In Bezug auf die Einbruchstellen waren Türen (51,8 %; N=1.663) nur geringfügig häufiger
betroffen als Fenster (48,8 %). Hierbei gibt es zwischen den Städten signifikante Unterschiede: Während in Stadt 1 immerhin 63,9 % der Einbrecher durch die Tür kamen, waren es in
Stadt 5 nur 37,3 %. Dagegen gelangten in Stadt 5 in 64,0 % der Fälle die Täter/innen durch
das Fenster in die Wohnung; in Stadt 1 waren es nur 36,7 % (Abbildung 17).
Abbildung 17: Einbruchstelle (in %; Fälle mit Eindringen; Mehrfachangaben möglich; fett: Unterschiede signifikant
bei p<.05).

70

63,9

60

54,5
40,7

36,7

51,8

51,1 49,5

45,8

50
40

64,0

59,6

48,8

37,3

30
20
10
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3
durch eine Tür

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

durch ein Fenster

Diese Unterschiede dürften zum Teil wiederum mit der unterschiedlichen Wohngebäudestruktur der Städte zusammenhängen. In der Tat verschwinden die Stadtunterschiede unter
Kontrolle der Gebäudeart weitgehend: In Ein- bzw. Zweifamilienhäusern drangen die Täter/innen mehrheitlich durch Fenster ein (86,4 % bzw. 81,8 %), vermutlich weil die Eingangstüren häufiger straßenzugewandt liegen und damit für den/die Täter/in ein höheres Entdeckungsrisiko besteht als beim Aufbrechen einer Tür im Hausflur eines Mehrfamilienhauses.
In sonstige Wohnungen und Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gelangten die Täter/innen
vornehmlich durch die Tür ins Innere (70,3% bzw. 67,9 %). Lediglich bei Mehrfamilienhäusern bleiben die Stadtunterschiede hinsichtlich der Einbruchstelle signifikant: In Stadt 5 drangen die Täter/innen ebenfalls bei Mehrfamilienhäusern überwiegend und damit signifikant
häufiger über die Fenster ein (52,3 %) als in den anderen Städten (Stadt 1: 26,3 %, Stadt 2:
33,9 %, Stadt 3: 18,8 % und Stadt 4: 35,0 %).
Wurde durch die Tür eingebrochen, war den Akten zu 96,1 % (N=840) zu entnehmen, dass
die Eingangstür betroffen war. Seltener verschafften sich die Täter/innen Zugang durch Nebeneingangstüren (1,2 %), Kellertüren (1,7 %) oder sonstige Türen (1,2 %).
Bei Einbruch durch das Fenster waren am häufigsten Fenstertüren (48,6 %; N=801) und normale Wohnungsfenster (46,9 %) betroffen, Kellerfenster (4,1 %), Kellerschächte (0,2 %),
Dachfenster (0,6 %) und sonstige Fenster (1,0 %) dagegen nur zu einem geringen Anteil.
Hierbei unterscheiden sich die Städte erneut signifikant (Abbildung 18). Wenn Täter/innen
durch die Fenster eindrangen, geschah dies in Stadt 4 vorwiegend durch Fenstertüren

35

(63,2 %) und in Stadt 2 eher durch (normale) Wohnungsfenster (54,4 %). Ein vergleichsweise
hoher Anteil an betroffenen Kellerfenstern fand sich in Stadt 3 (8,0 %).
Abbildung 18: Einbruchstelle nach Fensterart (in %; Fälle mit Eindringen durch Fenster; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

48,8

39,4

42,0
63,2

5,6
2,4

49,8

8,0
2,4

48,6

4,1

2,6
48,8

54,4

50,0

46,3

46,9

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Kellerfenster

Fenstertür

34,8

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

(normales) Wohnungsfenster

Art des Eindringens
Gelangten die Täter/innen durch die Tür in die Wohnung, wurde diese in den meisten Fällen
aufgehebelt (56,0 %; N=756). Bei den sonstigen Arten des Eindringens durch die Tür
(14,6 %) wurden häufig das Aufbrechen mit roher körperlicher Gewalt erfasst sowie die Nutzung vorhandener Öffnungen (Briefschlitz, Katzenklappe, Türfenster) zur Entriegelung der
Tür von innen. Weitere Methoden zur Überwindung der Tür waren mit etwa gleichen Anteilen die Nutzung von (falschen) Schlüsseln (6,9 %), das Drücken der Schlossfalle, sog.
Schnapper (6,6 %), das Abbrechen des Schlosszylinders (5,7 %) sowie der Türblattdurchbruch (5,3 %). Bei einem Anteil von immerhin 6,7 % geschah das Eindringen ohne erkennbare Spuren.
Die Methode des Aufhebelns wurde ebenfalls in Bezug auf Fenster und Fenstertüren häufig
festgestellt (67,0 %; N=730). In vielen Fällen wurden außerdem gekippte Fenster als Einstiegstelle genutzt (15,1 %) oder das Glas des Fensters wurde eingeschlagen, um dieses sodann zu
entriegeln (13,0 %). Auch hier gab es noch weitere Methoden, die jeweils nur zu einem kleineren Prozentsatz zum Einsatz kamen (Abbildung 19).
In Tabelle 2 sind signifikante Unterschiede zwischen den Städten bei bestimmten Eindringarten zu erkennen. In Stadt 1 kam das Drücken der Schlossfalle vergleichsweise häufig vor
(12,7 %). In Stadt 2 wurden hingegen häufig genannt: der Türblattdurchbruch (10,6 %), das
Ausnutzen gekippter Fenster/ Fenstertüren (23,6 %) sowie das Einschlagen von Scheiben zur
anschließenden Entriegelung (21,7 %) bzw. zur Schaffung einer Einstiegsöffnung (7,5 %). In
Stadt 3 wurde relativ häufig aufgehebelt (Türen: 70,2 %, Fenster: 68,3 %), in Stadt 4 wurden
mehrfach falsche Schlüssel genutzt (12,3 %) oder ohne erkennbare Spuren die Tür geöffnet
(12,3 %) und in Stadt 5 trat das Abbrechen des Schlosszylinders mit 8,5 % häufiger auf als in
den anderen Städten.

36

Abbildung 19: Art des Eindringens (in %; Fälle mit Eindringen durch Türen bzw. Fenster)

Aufhebeln

56,0

bei Türen

Sonstiges

14,6

Mit falschem Schlüssel

6,9

Ohne erkennbare Spuren

6,7

Falle/Schnapper drücken

6,6

Zylinder abbrechen

5,7

Türblattdurchbruch

5,3

Zylinder (heraus)ziehen, (an)bohren

4,6

Glas einschlagen und entriegeln

1,5

Glas einschlagen und durchsteigen

1,2

Zylinder picken, Schlagschlüsseltechnik

,8

Aufhebeln

67,0

bei Fenstern/Fenstertüren

Fenster/Fenstertür war gekippt

15,1

Glas einschlagen und entriegeln

13,0

Sonstiges

3,8

Glas einschlagen und durchsteigen

3,3

Einsteigen ins offene Fenster

2,3

Einsteigen in die offene Fenstertür

1,6

Ohne erkennbare Spuren

1,5

Rollläden zerstören

1,1

Rahmen durchbohren

,4

Glas schneiden

,0

Tabelle 2: Art des Eindringens nach Eindringstelle (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

bei Fenstern/ Fenstertüren

bei Türen

Art des Eindringens

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Zylinder abbrechen

3,2

8,1

7,4

2,2

8,5

5,7

Aufhebeln

49,7

52,0

70,2

46,4

58,5

56,0

Türblattdurchbruch

4,2

10,6

3,2

6,5

3,4

5,3

Falle/Schnapper drücken (z.B.
mittels Karte)

12,7

1,6

1,6

10,9

5,1

6,6

Mit falschem Schlüssel

6,3

4,1

3,2

12,3

10,2

6,9

Ohne erkennbare Spuren

4,2

6,5

2,7

16,7

5,9

6,7

Fenster/Fenstertür war gekippt

16,4

23,6

14,6

12,1

9,5

15,1

Aufhebeln

64,7

52,2

68,3

68,1

79,4

67,0

Glas einschlagen, durchgreifen,
entriegeln

13,8

21,7

13,8

11,3

5,8

13,0

Glas einschlagen, Einstiegsöffnung schaffen und Durchstieg

1,7

7,5

2,4

1,4

2,6

3,3

37

Einbruchwerkzeug
In den meisten Fällen blieb unklar, welches Einbruchwerkzeug zum Einsatz kam (77,6 %;
N=2.278). In 9,4 % der Fälle wurde kein Werkzeug verwendet; entweder wurden „günstige
Gelegenheiten“ (z.B. offene Fenster) wahrgenommen, körperliche Gewalt eingesetzt oder
entwendete bzw. „falsche“ Schlüssel genutzt. In den wenigen Fällen, in denen ein Einbruchswerkzeug identifiziert werden konnte (N=298), waren Schraubendreher das am häufigsten
eingesetzte Werkzeug (42,6 %) (Abbildung 20). Hinter den ebenfalls häufig erfassten sonstigen Werkzeugen stehen insbesondere weitere Hebelwerkzeuge (Metallstangen, Holzbeitel,
Messer), Drähte und Sperrhaken sowie verschiedene Gegenstände, die in den Gärten gefunden wurden (z.B. Steine, Blumenkübel, Besenstiele, Leitern, Holzpflöcke u.ä.).
Abbildung 20: Einbruchwerkzeug (in %; Fälle mit identifiziertem Werkzeug; Mehrfachangaben möglich)

Schraubendreher

42,6

Sonstiges

37,6

Nageleisen bzw. Kuhfuß

7,0

Brechstange

4,4

Plastikscheibe (z.B. EC-Karte)

3,7

Akkubohrmaschine

3,0

Hammer

3,0

Rollgabelschlüssel

2,3

Dietrich

1,3

Stemmeisen

1,3

Meißel

1,0

Einbruchschaden
Art und Wert des Stehlguts
Zu den häufigsten Dingen, die bei den analysierten vollendeten Wohnungseinbrüchen
(N=1.417) entwendet wurden, zählen insbesondere Schmuck und Uhren (57,5 %), Bargeld
(48,6 %), elektronische Kleingeräte wie Fotoapparate und Mobiltelefone (31,0 %), EDVHardware (28,9 %) sowie Unterhaltungselektronik wie Fernseher, Musikanlagen und Spielekonsolen (16,7 %) (Abbildung 21). Daneben wurden verschiedene weitere Dinge entwendet,
die sich in den Haushalten fanden.69

69

38

Zu den häufig genannten, freitextlich erfassten Stehlgütern zählen: Taschen und Geldbörsen, Kosmetikartikel (z.B. Parfüm), Schlüssel, CDs und DVDs.

Abbildung 21: Häufigste Stehlgüter (in %; Mehrfachangaben möglich)

Schmuck/Uhren

57,5

Bargeld

48,6

elektronische Kleingeräte (z.B. Handy)

31,0

PC/ Laptop/ EDV-Zubehör

28,9

Fernseher/ Musikanlage/ Spielekonsolen

16,7

Ausweispapiere/ EC-/ Kreditkarte

11,7

Kleidung

10,0

Münzen

8,0

Tresor/ Geldkassette

3,7

Alkohol, Zigaretten

3,5

Schlüssel für Kraftfahrzeug

2,8

Antiquitäten/Kunstgegenstände

2,6

Nahrungsmittel

1,8

Waffen/ Munition

1,6

Wertpapiere

1,2

Der durchschnittlich von den Betroffenen angegebene Wert des Stehlguts betrug 5.987 Euro.
Der gegenüber Extremwerten robuste und daher im Vergleich zum Mittelwert aussagekräftigere Median des angegebenen Werts belief sich auf 1.754 Euro (N=1.027). D.h., in der Hälfte
der Fälle lag der Schaden aufgrund der entwendeten Werte unter 1.754 Euro, in der andern
Hälfte darüber.70 Zwischen den Städten gibt es keine signifikanten Unterschiede.71 In Abbildung 22 ist zu erkennen, dass die Schadensklasse 501 bis 2.000 Euro am häufigsten vertreten
war (27,9 %).72 Besonders hohe Verluste über 10.000 Euro musste jeder siebte Haushalt hinnehmen (14,4 %).
Weiterer Schaden
Neben dem Wert des Stehlguts gab es auch weitere Schäden, die zum Beispiel durch Zerstörungen an der Einbruchstelle oder innerhalb der Wohnung entstanden sind. Der Mittelwert

70

71

72

Soweit in den Akten vorhanden, wurden die gestohlenen Werte den Schadensauflistungen der Geschädigten
entnommen. Geschätzte Werte der Schäden innerhalb der ersten polizeilichen Berichte blieben unberücksichtigt.
Willing et al. (2015, S. 577f.) weisen auf Unterschiede des Stehlgutwertes zwischen aufgeklärten und nicht
aufgeklärten Fällen hin. Dies lässt sich in dieser Untersuchung nicht bestätigen. Zwar lag der durchschnittliche Wert des Stehlguts bei allen aufgeklärten Fällen der Zufallsstichprobe mit 7.125 Euro über dem
Durchschnittswert bei nicht aufgeklärten Fällen (5.763 Euro), dieser Unterschied ist allerdings nicht signifikant und die Medianwerte liegen dicht beieinander (1.730 Euro vs. 1756 Euro). Darüber hinaus lassen sich
auch keine signifikanten Unterschiede innerhalb der teilnehmenden Städte ausmachen.
Der Mittelwert und Median des Stehlgutwertes liegen unter denen der Opferbefragung (vgl. Wollinger et al.
2014b, S. 37).

39

liegt hier bei 1.050 Euro (N=1.044); der Median bei 274 Euro. Zwischen den unterschiedlichen, nach Tatstadien gruppierten Einbrüchen ergeben sich dabei signifikante Unterschiede
(Abbildung 22). Bei den vollendeten Fällen kam es zu höheren weiteren Schäden (Median:
400 Euro) als bei den versuchten Einbrüchen (Median: 200 Euro).
Abbildung 22: Wert des Stehlguts bzw. Höhe des weiteren Schadens (in %)

73,1
77,3

100

1,3
0,3
0,8

1,3
0,0
0,8

8,4
2,6
0,8

7,7
9,1
10,9

14,4

19,5

12,0

20

7,1

19,1

40

27,9

60

24,9
14,9
9,2

56,5

80

0
unter 50 50 bis 501 bis 2.001 5.001 über unter 50 50 bis 501 bis 2.001 5.001 über
Euro
500
2.000
bis
bis 10.000 Euro
500
2.000
bis
bis 10.000
Euro
Euro 5.000 10.000 Euro
Euro
Euro 5.000 10.000 Euro
Euro
Euro
Euro
Euro
Wert Stehlgut
vollendeter Einbruch

versuchter Einbruch: ohne Eindringen

Höhe weiterer Schaden
versuchter Einbruch: mit Eindringen

Zustand der Wohnung
In 46,9 % der Fälle, bei denen die Täter/innen in die Wohnung eindringen konnten (N=1.600),
wurde in persönlichen Sachen gewühlt (Tabelle 3). In 39,5 % wurden partielle Verwüstungen
vorgefunden; weitere 10,5 % der Geschädigten fanden die Wohnung größtenteils verwüstet
vor. Beschmutzungen oder Beschädigungen von Gegenständen oder Kleidung innerhalb der
Wohnung wurden nur in wenigen Fällen erfasst (3,3 % bzw. 5,8 %).73 Demgegenüber blieben
aber auch 41,5 % der Wohnungen in einem ähnlichen Zustand wie vor der Tat. Bis auf die
Beschmutzung von Gegenständen und Kleidung ergeben sich auch hier signifikante Stadtunterschiede. In Stadt 2 fanden sich anteilig mehr Fälle, in denen die Wohnung zumindest partiell verwüstet wurde. In Stadt 4 blieb hingegen über die Hälfte der Wohnungen (53,5 %) in
einem ähnlichen Zustand wie vor der Tat. Die wenigsten Verwüstungen, dafür aber mehr
durchwühlte persönliche Sachen fanden sich in Stadt 5. Dies spricht für unterschiedliche Vorgehensweisen der Täter/innen in den Städten.

73

40

Mehrfachangaben waren möglich.

Tabelle 3: Zustand der Wohnung nach der Tat (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

persönliche Sachen durchwühlt

46,5

44,5

45,7

37,7

59,7

46,9

partiell verwüstet

40,1

45,8

43,7

36,1

31,6

39,5

größtenteils verwüstet

9,0

24,1

8,6

8,1

3,8

10,5

Gegenstände bzw. Kleidung zerstört

4,8

8,4

7,8

5,5

2,5

5,8

Gegenstände bzw. Kleidung beschmutzt

3,2

4,3

1,9

4,8

2,2

3,3

ähnlicher Zustand wie vor dem Einbruch

47,4

28,8

35,4

53,5

42,8

41,5

4.1.4 Spuren
In neun von zehn Fällen (88,6 %; N=2.402) wurde von der Polizei nach Spuren gesucht.74 Es
zeigen sich allerdings signifikante Stadtunterschiede (Abbildung 23). Mit 76,1 % (N=473)
wurde in Stadt 2 am seltensten nach Spuren gesucht, während Stadt 3 mit 97,6 % (N=495) die
höchste Rate aufweist.

88,6

83,3

91,7

92,7

90,3

94,6

82,8

97,8

97,6

97,4

88,5

73,7

80

76,1

83,5
62,0

93,2

100

91,2

120

94,4

Abbildung 23: Spurensuche nach Tatstadium (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

60
40
20
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Vollendungen

Stadt 4
Versuche

Stadt 5

Gesamt

Fälle insg.

Bezogen auf das Tatstadium lässt sich feststellen, dass signifikant häufiger bei vollendeten
Taten nach Spuren gesucht wurde (91,7 %; N=1.466), bei Versuchsfällen fand nur in 83,3 %
(N=906) der Fälle eine Spurensuche statt. Diese Unterschiede zeigen sich aber nicht in allen
Städten (Abbildung 23). Bei einer stadtspezifischen Betrachtung fällt auf, dass nur in den
Städten 2 und 4 signifikante Unterschiede in Bezug auf Spurensuche und Tatstadium bestehen.
In 60,8 % (N=2.127) der Fälle, in denen die Polizei nach Spuren suchte, wurden Spuren gefunden. Signifikante Unterschiede ergeben sich hierbei nach dem Untersuchungsort (Abbildung 24). Während in Stadt 2 bei nur 26,4 % der Taten, in denen die Polizei nach Spuren
suchte, auch welche gefunden wurden, liegt dieser Wert in den anderen Städten bei über 50,0
%.

74

Als erfolgte Spurensuche wurde erfasst, wenn sich in der Akte ein Spurensicherungsprotokoll oder mindestens der Hinweis, dass keine Spuren gefunden wurden, befand.

41

60,8

49,1

67,1

62,0

56,5

64,8

39,9

61,5

78,0

87,8
61,5

74,2
26,4

27,1

40

23,8

60

71,5

80

56,4

100

80,7

Abbildung 24: Anteil der Fälle mit gefundenen Spuren nach erfolgter Spurensuche (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

20
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Vollendungen

Stadt 4
Versuche

Stadt 5

Gesamt

Fälle insg.

Weiter zeigt sich ein signifikanter Unterschied nach Tatstadium in der Art, dass bei vollendeten Taten, in denen die Spurensuche erfolgte, mit 67,1 % (N=1.344) eher Spuren gefunden
wurden als bei versuchten (49,1 %; N=755). Diese Divergenz ist jedoch nicht in allen Städten
gegeben. In Stadt 2 und 5 ergeben sich keine signifikanten Unterschiede der Spurenfunde
nach dem Tatstadium.
Auch der Zustand der Wohnung nach der Tat steht in einem Zusammenhang mit dem Auffinden von Spuren. In den Fällen, in denen Täter/innen in die Wohnung eindringen konnten und
die Wohnung partiell verwüsteten und/oder persönliche Sachen durchwühlten, konnten signifikant häufiger Spuren gefunden werden. Negativ wirkte es sich hingegen aus, wenn die
Wohnung in einem ähnlichen Zustand verblieb wie vor der Tat oder wenn sie größtenteils
verwüstet wurde. Beschmutzungen und Zerstörungen wirkten sich diesbezüglich nicht signifikant aus.
Wenn die Polizei Spuren gefunden hatte, wurden diese in den meisten Fällen (94,2 %;
N=1.291) auch gesichert. Gründe dafür, Spuren nicht zu sichern, lagen meist darin, dass diese
als offensichtlich nicht auswertbar angesehen wurden. Die Spannbreite zwischen den Städten
reicht von 0,6 % bis zu 15,3 % der Fälle, in denen trotz Auffindens von Spuren keine Sicherung stattfand.
In fast der Hälfte der Fälle (48,2 %; N=1.125), in denen Spuren gesichert wurden, war mindestens ein Fingerabdruck unter den Spuren.75 In 26,4 % der Fälle mit Spuren wurden Werkzeugspuren gesichert. Schuhabdrücke fanden sich zu 26,1 %. Zu einem fast gleich großen
Anteil fanden sich DNA-Spuren (25,7 %). Textilfasern wurden kaum gesichert (2,0 %), weshalb sie im Folgenden nicht näher betrachtet werden.
Zwischen den Städten zeigen sich in Bezug auf die Spurensicherung signifikante Unterschiede (Abbildung 25). Über die Hälfte der gesicherten Spuren waren in Stadt 1 und 3 Fingerabdrücke. Unterschiede lassen sich auch in Bezug auf DNA-Spuren nachweisen: In Stadt 4
machten sie 59,1 % der gesicherten Spuren aus, wohingegen in Stadt 3 nur eine Rate von

75

42

In 91 Fällen wurde laut Akte zwar eine Spur gesichert, es ist jedoch unklar, um welche es sich handelt.
Diese Fälle können in der hier folgenden spurenspezifischen Auswertung nicht berücksichtigt werden.

7,8 % erreicht wurde. Werkzeug- bzw. Hebelspuren wurden v.a. in Stadt 5 und 1 erhoben,
während dies in Stadt 2 und 3 selten der Fall war.

52,0
26,3

5,3

2,4

24,7

36,7

25,7

10,2

31,0

7,8

20,7

26,1

42,7

27,4

24,0

11,3

20

29,8

51,8
24,9

40

34,1

60

59,1

70,5

80

31,9

100

82,2

Abbildung 25: Gesicherte Spuren (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

0
Fingerabdruckspur
Stadt 1

Schuhabdruckspur
Stadt 2

Stadt 3

DNA-Spur
Stadt 4

Stadt 5

Werkzeugspur
Gesamt

Nicht jede gesicherte Spur ist jedoch auch auswertbar (Abbildung 26).76 In 56,1 % (N=570)
der Fälle, in denen mindestens ein Fingerabdruck gesichert wurde, konnte mindestens ein
Fingerabdruck auch ausgewertet werden. Ähnlich hoch ist die Rate der auswertbaren Schuhabdrücke (53,6 %, N=284). Bezüglich der DNA-Spuren ist mit 40,6 % (N=276) ebenfalls ein
hoher Anteil nicht auswertbarer Spuren gegeben. Dies könnte daran liegen, dass die Einschätzung, ob einem Spurenträger (z.B. Zigarettenstummel) auswertbare DNA-Spuren anhaften,
sehr viel schwieriger am Tatort getroffen werden kann, als dies bei Finger- oder Schuhabdruckspuren der Fall ist. Dadurch wird hier mehr gesichert, was sich später als unbrauchbar
herausstellt. Fast die Hälfte der erhobenen Werkzeugspuren stellen sich ebenfalls als nicht
auswertbar heraus, wobei hier in vielen Fällen (25,5 %, N=157) keine Informationen in der
Akte enthalten waren.
Abbildung 26: Anteil auswertbarer Spuren an gesicherten Spuren (in %)

60

56,1

53,9
46,7

50
40

30,6

27,1

30

25,5
19,0

20
10

43,9

40,6

37,7

12,7
6,1

0
Fingerabdruckspur

Schuhabdruckspur
ja

nein

DNA-Spur

Werkzeugspur

unklar

Die Akten wurden weiter auf das Ergebnis der auswertbaren Spuren hin untersucht. Dabei
war von Interesse, ob Tatverdächtige durch die Spur ermittelt oder ein zuvor bereits bestehen76

So kann z.B. ein Fingerabdruck nur so rudimentär oder undeutlich vorhanden sein, dass weitere Auswertungen ausscheiden.

43

der Tatverdacht dadurch erhärtet werden konnte (Abbildung 27). In nur 5,9 % (N=288) der
Fälle, in denen mindestens ein Fingerabdruck ausgewertet werden konnte, führte dies zur Ermittlung eines Tatverdächtigen. Höher ist die Rate in Bezug auf DNA-Spuren, hier traf dies in
16,5 % (N=115) der Fälle zu, in denen auswertbare DNA-Spuren gefunden wurden. Ein
Schuhabdruck führte nur in einem Fall und Werkzeugspuren in keinem Fall zur Ermittlung
eines Tatverdächtigen. Insgesamt wurde in 24 von 100 registrierten Fällen mindestens eine
auswertbare Spur gesichert, allerdings führten Spuren nur in rund drei von 100 Fällen zur Ermittlung einer/s Tatverdächtigen bzw. zur Erhärtung eines bestehenden Tatverdachts.77
Abbildung 27: Ergebnis der Spurenauswertung am Anteil der auswertbaren Spuren (in %)

120
100,0

96,5

91,0

100

79,1

80
60
40
20

16,5
5,9

3,1

2,8

4,3

Schuhabdruckspur

DNA-Spur

0,7

0,0

0,0

0
Fingerabdruckspur

Tatverdächtige/r ermittelt

Tatverdacht erhärtet

Werkzeugspur
kein Erfolg

In Bezug auf die Dauer der Auswertung der Spuren lässt sich feststellen, dass 6,0 % (N=315)
der gesicherten Fingerabdrücke innerhalb von einem Tag ausgewertet werden konnten.78 Innerhalb von 14 Tagen lag in 24,1 % der Fälle der Polizei ein Ergebnis vor. 38,3 % der Auswertungen der Fingerabdrücke gingen der Polizei in 15 bis 31 Tagen zu. Eine größere Zeitspanne von 32 bis 100 Tagen ist in 26,3 % der Fälle zu konstatieren. Längere Zeiträume von
mehr als 100 Tagen waren selten (5,4 %). Die Städte unterscheiden sich teilweise signifikant
voneinander. Die Spannbreite der mittleren Dauer reicht von 6,3 bis 57,6 Tagen (Tabelle 4).
Wie erwartet, ist die zeitliche Spanne bei DNA-Spuren größer: In einem Viertel (25,0 %;
N=105) der Fälle, in denen mindestens eine DNA-Spur gesichert wurde, lag das Ergebnis der
Polizei innerhalb eines Monats vor. Die Hälfte (52,9 %) wurde innerhalb von einem Monat
bis zu einem halben Jahr ausgewertet. 9,6 % umfassten eine Zeitspanne von einem halben
Jahr bis zu einem Jahr. Zeiten über einem Jahr trafen auf 12,5 % der Fälle zu. Auch hier las-

77

78

44

Ein ähnliches Ergebnis findet Kawelovski (2012b, S. 82 und S. 88). Berücksichtigt werden muss, dass der
Anteil an fehlenden Angaben zum Auswertungsergebnis gesicherter und auswertbarer Spuren insbesondere
bei Werkzeugspuren (25,0 %), DNA-Spuren (10,9 %) und Fingerabdruckspuren (10,0 %) vergleichsweise
hoch ist (Schuhabdruckspuren: 6,5 %) und dass auswertbare Spuren auch zukünftig noch Hinweise über
Tatzusammenhänge und Tatverdächtige liefern können.
Erfasst wurden das Datum des Spureneingangs beim Labor und das Datum, an dem das Ergebnis bei der
Polizei einging. Die Ergebnisse beziehen sich auf diejenigen Fälle, zu denen Datumsangaben vorlagen.
Wurden mehrere Spuren einer Kategorie in einem Fall erhoben, wurde die längste Zeitspanne gewählt.

sen sich Mittelwertunterschiede zwischen den Städten festmachen. Die Angaben reichen von
42,5 bis 310,1 Tagen (Tabelle 4)79.
Tabelle 4: Mittlere Dauer der Spurenauswertung (in Tagen; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

57,6

6,3

19,2

31,3

27,9

34,1

Fingerabdruckspur
(N=315)

Mittelwert
Median

45,5

0,0

16,0

17,5

17,5

21,0

DNA-Spur
(N=105)

Mittelwert

218,7

104,2

310,1

42,5

59,5

136,0

Median

140,0

60,0

342,0

32,0

53,5

66,0

Foto- oder Videoaufnahmen vom Tatgeschehen waren in den wenigsten Fällen vorhanden
(1,6 %, N=2.395), ließen dann aber häufig (51,7 %) mindestens eine/n Täter/in erkennen und
führten in fünf der 29 Fälle (17,2 %) mit entsprechendem Foto- oder Videomaterial vom Tatgeschehen zur Ermittlung eines Tatverdächtigen.

4.1.5 Zeugenbefragungen
In fast allen Fällen (91,9 %; N=2.248) wurden Zeugen vernommen. Es zeigen sich jedoch
signifikante Unterschiede zwischen den Städten (Abbildung 28). So wurde in Stadt 2 in nur
61,2 % der Fälle mindestens ein Zeuge vernommen, wohingegen dies in den anderen Städten
fast immer der Fall war.
Abbildung 28: Fälle mit Zeugenbefragung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

120
100

97,8

99,0

98,5

97,8

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

91,9

80
61,2

60
40
20
0
Stadt 1

Stadt 2

Gesamt

Die meisten Personen, die als Zeugen/innen vernommen wurden, waren Haushaltsmitglieder
(64,3 %; N=3.251). Über die Hälfte (56,1 %; N=3.276) aller befragten Zeugen konnte jedoch
keine sachdienlichen Hinweise geben, weil sie keinerlei Angaben zum Tatgeschehen machen
konnten. 28,0 % gaben an, etwas gehört zu haben bzw. etwas oder jemand Verdächtiges oder
den Vorgang der Tat selbst gesehen zu haben. 9,5 % äußerten einen Tatverdacht. 5,8 % der
Zeugen konnten eine/n Tatverdächtige/n namentlich nennen oder machten nähere Angaben zu

79

Die Aussagekraft der nach Städten differenzierten Spurenauswertungsdauer ist aufgrund der geringen Fallzahlen eingeschränkt.

45

einem/r Tatverdächtigen. Hinter den 1.437 Zeugen/innen, die in irgendeiner Form Hinweise
zum Tatgeschehen bzw. zum/r Tatverdächtigen geben konnten, stehen 987 Fälle, d.h., in rund
41 von 100 Fällen konnten durch Zeugen/innen Hinweise zur Tat gesammelt werden.
Lediglich in acht von 100 Fällen lieferten Zeugenaussagen wichtige Informationen zur
Ermittlung des/der Tatverdächtigen.

4.1.6 Zusammenhänge zu anderen Wohnungseinbrüchen
In einem Fünftel der Fälle (21,5 %, N=2.372) ergaben sich für die Polizei Hinweise für einen
Zusammenhang zu anderen Wohnungseinbrüchen, wobei sich dieser Anteil zwischen den
Städten signifikant unterscheidet: In Stadt 2 ging die Polizei lediglich in 11,0 % der Fälle von
solchen Zusammenhängen aus, während die Polizei in Stadt 4 in 27,1 % der Fälle entsprechende Hinweise als gegeben ansah (Abbildung 29).
Abbildung 29: Hinweise für Zusammenhänge zu anderen Einbrüchen (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

30

27,1
24,5

24,2

25

21,5

20,9

20
15

11,0

10
5
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Bezogen auf alle Fälle (N=2.372) bestanden solche Hinweise am häufigsten darin, dass der
Tatort in räumlicher Nähe zu anderen Tatorten lag (15,9 %), sich Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Begehungsweise zeigten (12,5 %) oder um die Tatzeit herum weitere Einbrüche erfolgten (11,0 %). Seltener wurden Zusammenhänge über eine bestimmte Spur (2,4 %), ein
gemeinsam aufgefundenes bzw. ein spezielles Stehlgut (2,0 %) oder andere Gründe (1,2 %)
hergestellt.80 Mit Ausnahme der Hinweise über das Stehlgut und andere Gründe unterscheiden
sich die Begründungen für einen Zusammenhang signifikant zwischen den Städten (Tabelle
5) In Stadt 2 waren die Anteile der gefundenen Zusammenhänge über alle Gründe hinweg am
niedrigsten. In Stadt 3 wurden Zusammenhänge mit andere Taten vergleichsweise häufig über
die Begehungsweise begründet (17,9 %), in Stadt 4 über den Tatort (20,6 %) und die Tatzeit
(14,0 %) und in Stadt 5 fanden sich relativ häufig Hinweise über bestimmte Spuren (4,3 %).

80

46

Mehrfachnennungen waren möglich. Zu den anderen Gründen zählen vor allem Zeugenaussagen, Geständnisse von Tatverdächtigen, Einbrüche in der Vergangenheit bei dem-/derselben Geschädigten und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Geschädigten (z.B. verwandtschaftliche Beziehung).

Tabelle 5: Hinweise für einen Zusammenhang zu anderen Einbrüchen (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Hinweise für einen Zusammenhang durch …

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Begehungsweise

11,9

5,3

17,9

17,8

9,3

12,5

Stehlgut

2,9

1,7

1,9

2,0

1,9

1,5

bestimmte Spur

1,3

1,1

3,7

1,7

4,3

2,4

Tatort

15,9

8,5

16,6

20,6

18,0

15,9

Tatzeit

9,8

6,1

11,5

14,0

13,6

11,0

anderer Grund

1,3

0,4

1,2

1,7

1,3

1,2

Der Vergleich zwischen Fällen mit und ohne hergestellten Zusammenhang zu anderen Einbrüchen zeigt, dass lediglich in 10,4 % der Fälle ohne Zusammenhang ein/e Tatverdächtige/r
ermittelt wurde, während dieser Anteil bei Fällen, in denen ein solcher Zusammenhang erklärt
wurde, dreimal so groß ist (34,2 %). Ob die so ermittelten Tatverdächtigen auch verurteilt
wurden, wird später dargestellt.

4.1.7 Maßnahmen nach der StPO
Die Akten wurden weiter daraufhin untersucht, inwiefern unterschiedliche Ermittlungs- bzw.
Zwangsmaßnahmen nach Vorschriften der StPO durchgeführt wurden, die zur Ermittlung
eines/r Tatverdächtigen oder zur Erhärtung eines bereits bestehenden Tatverdachts dienen
können. Quantitativ von Bedeutung waren diesbezüglich insbesondere die Erhebung von
Verkehrsdaten in Form der Funkzellenabfrage nach § 100g StPO81, die Anordnung einer molekulargenetischen Untersuchung an Spurenmaterial gemäß § 81e I, II StPO82, die Sicherstellung oder Beschlagnahme von Gegenständen, die als Beweismittel in Betracht kommen (§ 94
StPO), die Durchsuchung bei anderen Personen als dem Tatverdächtigen (§ 103 StPO) sowie
der Fingerabdruckabgleich.
In 83,5 % (N=2.403) der Fälle wurden seitens der Polizei überhaupt keine Maßnahmen angeregt, beantragt oder durchgeführt, wobei dieser Anteil bei vollendeten Taten signifikant kleiner ist als bei Versuchen (78,5 % vs. 91,4 %) und zwischen den Städten signifikant variiert.83
In den restlichen Fällen zeigt sich, dass häufig (46,8 %; N=310) eine Sicherstellung bzw. Beschlagnahme von Gegenständen und ein Fingerabdruckabgleich (41,7 %; N=326) durchgeführt wurden (Abbildung 30).84 In 21,6 % (N=287) der Fälle handelt es sich um eine moleku-

81

82

83
84

Verkehrsdaten sind nach § 3 Nr. 30 TKG Daten, die von einem Telekommunikationsdienstanbieter erhoben, verarbeitet oder genutzt werden. Dazu zählen z.B.: personenbezogene Teilnehmerkennungen und
Standortdaten (Kartennummer oder Gerätenummer eines Mobilfunkteilnehmers, dynamische IP-Adressen
eines internetfähigen Gerätes) sowie Datum, Uhrzeit und Endpunkte der Verbindungen (vgl. § 96 I TKG).
Ähnlich dem Fingerabdruckabgleich geht es hierbei um die Feststellung, ob einem Spurenträger anhaftendes genetisches Material (Haare, Speichel, Hautpartikel u.a.) von der/dem Verletzten oder von dem/der Beschuldigten stammt.
Stadt 1: 86,4 %, Stadt 2: 86,8 %, Stadt 3: 69,3 %, Stadt 4: 83,3 % und Stadt 5: 92,3 %
Dieser Anteil variiert ebenfalls signifikant zwischen den Städten und reicht von 17,0 % (Stadt 1) bis 72,1 %
(Stadt2) Eine nach Städten differenzierte Angabe bei den anderen Maßnahmen ist aufgrund geringer Fallzahlen in verschiedenen Städten nicht sinnvoll.

47

largenetische Untersuchung und in 11,8 % um eine Funkzellenabfrage. Eine Durchsuchung
bei einer anderen Person als dem Tatverdächtigen (3,6 %; N=277) kam hingegen selten vor.
Abbildung 30: Durchgeführte Maßnahmen in Fällen mit mindestens einer angeregten oder beantragten Maßnahme
(in %)

Sicherstellung/Beschlagnahme

46,8

Fingerabdruckabgleich

41,7

Molekulargenetische Untersuchung

21,6

Funkzellenabfrage
Durchsuchung bei anderen Personen
als dem Tatverdächtigen

11,8
3,6

In Bezug auf den Erfolg der durchgeführten Maßnahmen wurden die Akten dahingehend analysiert, ob durch die Maßnahme Tatverdächtige ermittelt oder ein bereits bestehender Tatverdacht erhärtet werden konnte. Eine Sicherstellung bzw. Beschlagnahme führte in 19 Fällen
zur Ermittlung eines Tatverdächtigen bzw. Erhärtung eines Tatverdachts. In elf Fällen führte
eine molekulargenetische Untersuchung, in zehn Fällen ein Fingerabdruckabgleich und in vier
Fällen eine Funkzellenabfrage zu einem solchen Ermittlungserfolg. D.h., in Bezug auf 100
polizeilich registrierte Fälle gelang es lediglich in einem Fall einen Tatverdächtigen über eine
Sicherstellung/Beschlagnahme zu ermitteln oder den Tatverdacht zu erhärten. Noch kleiner ist
dieser Anteil bei den übrigen Maßnahmen.
Neben diesen Maßnahmen hat die Polizei die Möglichkeit, eine Sachfahndung durchzuführen,
sofern es sich um einen vollendeten Einbruch handelt. In drei Viertel der vollendeten Fälle
(75,1 %; N=1.451) fanden sich keine Hinweise auf eine Fahndung nach dem Stehlgut. Bei
10,2 % wurden eindeutig identifizierbare Gegenstände in eine polizeiliche Diebstahldatei aufgenommen. Das Aufsuchen eines Hehlers (4,5 %) wurde ebenso wie die Durchsuchung bei
einem Tatverdächtigen (2,8 %) seltener erfasst. Es wurde jedoch in nur 38 Fällen (12,3 %;
N=310), in denen laut Akten nach dem Stehlgut gesucht wurde, dieses oder Teile davon gefunden.

4.2 Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen
Im Folgenden werden Ergebnisse zu verschiedenen Aspekten der staatsanwaltschaftlichen,
fallbezogenen Ermittlungen nach der Übersendung der Akte durch die Polizei dargestellt.
Dabei wird ebenfalls auf die Falldaten der Zufallsstichprobe von Wohnungseinbrüchen aus
dem PKS-Jahr 2010 zurückgegriffen.

48

4.2.1 Erster Eingang der Akte
Vom Tag der Erstellung des ersten polizeilichen Berichts zum registrierten Wohnungseinbruch bis zum erstmaligen Eingang der Strafverfahrensakte bei der Staatsanwaltschaft vergingen durchschnittlich 63,1 Tage (N=2.297). Der Median liegt bei 49,0 Tagen. Das bedeutet,
dass die Hälfte der Fälle erstmals nach 49 Tagen oder weniger an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet wurde, bei der anderen Hälfte dauerte es länger als 49 Tage.
Dabei zeigt sich ein signifikanter Unterschied nach Tatstadium. Handelte es sich um einen
vollendeten Einbruch, dauerte es im Mittel 70,3 Tage (N=2.268) bis zum ersten Eingang bei
der Staatsanwaltschaft. Bei den versuchten Einbrüchen gingen die Fälle durchschnittlich
schon nach 50,3 Tagen bei der Staatsanwaltschaft ein.
Auch im Städtevergleich ergeben sich Unterschiede (Abbildung 31): Während in den Städten 2 (Mittelwert 56,1) und 3 (Mittelwert 51,0) der Mittelwert relativ niedrig ausfiel, lag er in
den Städten 5 (Mittelwert 77,4) und 4 (Mittelwert 70,2) signifikant höher. Stadt 1 liegt mit
einem Mittel von 61,9 dazwischen.
Abbildung 31: Dauer zwischen der Erstellung des ersten Berichts und dem erstmaligen Eingang des Falles bei der
Staatsanwaltschaft (Mittelwert in Tagen; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

77,4
70,2
63,1

61,9
56,1

Stadt 1

Stadt 2

51,0

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Bei der erstmaligen Weiterleitung der Akte an die Staatsanwaltschaft lag der Grund überwiegend darin, dass die Polizei die Ermittlungen als abgeschlossen erachtete (94,8 %; N=2.362).
Selten erfolgte die Aktenübergabe aufgrund der Anregung strafprozessualer (Zwangs-)Maßnahmen seitens der Polizei (3,7 %; ohne Haftbefehlsanregungen). Sonstige Gründe für den
erstmaligen Eingang des Falls bei der Staatsanwaltschaft (1,4 %) waren z.B. die Abgabe eines
Zwischenberichts, das Erfragen weiterer Ermittlungsmöglichkeiten sowie der Erlass eines
Haftbefehls als besonders eingriffsintensive Zwangsmaßnahme.
Es zeigen sich dabei signifikante Städteunterschiede: In Stadt 3 wurden etwas häufiger
(6,7 %) strafprozessuale (Zwangs-)Maßnahmen von der Polizei angeregt als in den übrigen
Untersuchungsorten. Zudem entfällt ein großer Teil der sonstigen Gründe auf diese Stadt.
Häufig handelte es sich hierbei um Rückfragen der Polizei bei der Staatsanwaltschaft.

49

4.2.2 Rückverfügung
Nur in 139 Fällen (5,8 %; N=2.399) hat die Staatsanwaltschaft die Akte an die Polizei rückverfügt. Kam es zu einer solchen Rückverfügung, erfolgte dies in der Hälfte der Fälle mit der
Aufforderung, weitere zusätzliche Ermittlungsmaßnahmen durchzuführen (54,0 %). Bei rund
jedem fünften Fall (19,4 %) wurde aufgrund der Anordnung einer polizeilich angeregten
(Zwangs-)Maßnahme rückverfügt. Im Übrigen erfolgte die Rückverfügung häufig auf Anfrage der Polizei, die in der Zwischenzeit neue Erkenntnisse erlangt hatte, indem sie z.B. einen
Tatverdächtigen ermittelt hatte (26,6 %).
Hinsichtlich des Aufkommens von Rückverfügungen bestehen signifikante Unterschiede zwischen den Städten: Bei Stadt 1 (4,1 %), Stadt 4 (3,8 %) und Stadt 5 (1,3 %) wurde fast nie
rückverfügt, wohingegen dies in Stadt 2 (6,5 %) und Stadt 3 (13,0 %) häufiger vorkam.
30 Fälle (1,3 %; N=2.397) wurden insgesamt ein zweites Mal von der Staatsanwaltschaft
rückverfügt. Dabei wurden in 27 Fällen weitere Ermittlungsmaßnahmen (auf Betreiben der
Staatsanwaltschaft) durchgeführt.

4.2.3 Ermittlungsmaßnahmen auf Betreiben der Staatsanwaltschaft
Auf Betreiben der Staatsanwaltschaft wurden in insgesamt 75 Fällen (3,7 %; N=2.403) weitere Ermittlungsmaßnahmen von der Polizei durchgeführt. Dabei wurden meist Tatverdächtige
(erneut) verhört (27,3 %, N=88)85 bzw. Zeugen erneut (19,3 %) oder erstmals vernommen
(12,5 %). Weiterhin erfolgten Durchsuchungen und Beschlagnahmen beim Tatverdächtigen.
Es zeigen sich signifikante Städteunterschiede hinsichtlich des Aufkommens von Maßnahmen, die auf Betreiben der Staatsanwaltschaft von der Polizei durchgeführt wurden: Besonders fällt Stadt 3 auf, in der die Staatsanwaltschaft weitaus häufiger die Durchführung mindestens einer Ermittlungsmaßnahme anordnete (8,9 %). In Stadt 5 kam dies hingegen nur in
einem einzigen Fall vor (Abbildung 32).
Abbildung 32 Häufigkeit der Durchführung von Ermittlungsmaßnahmen auf Betreiben der Staatsanwaltschaft (in
%; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

10

8,9

8
6
4,4
3,7

4
2

2,7
1,9
0,2

0
Stadt 1

85

50

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

In den 75 hier maßgeblichen Fällen wurden auf Betreiben der Staatsanwaltschaft insgesamt 88 Maßnahmen
durchgeführt. Wiederholt wurde also mehr als eine Maßnahme angeordnet.

Selbst führte die Staatsanwaltschaft nur sehr selten (0,6 %; N=2.403) Ermittlungen durch.
Dazu zählten u.a. die Vernehmung von Beschuldigten oder Zeugen oder das Einholen von
Sachverständigengutachten.

4.2.4 Information der Verletzten über ihre Befugnisse (§ 406h StPO)
In 65,6% (N=2.054) der Fälle wurde mindestens ein Haushaltsmitglied gemäß § 406h StPO
über die ihm/ihr als Verletztem/er zustehenden Befugnisse nach §§ 406d bis g StPO und sonstige Befugnisse i.S.d. § 406h 1 Nr. 1-5 StPO informiert.86 Zwischen den einzelnen Städten
ergeben sich dabei signifikante Unterschiede (Abbildung 33). Während in Stadt 1 95,1% der
Haushalte über Ihre Befugnisse aufgeklärt wurden, waren es in Stadt 2 nur 21,4%. Dies ist
insofern erstaunlich, da die Information nach § 406h StPO bereits im hier maßgeblichen Erhebungsjahr 2010 verpflichtend vorgeschrieben war, sofern nicht die Voraussetzung einer
bestimmten Befugnis im Einzelfall offensichtlich nicht vorlag (§ 406h S. 2 StPO).87
Abbildung 33: Mindestens ein Haushaltsmitglied über Befugnisse informiert (in %; fett: Unterschiede signifikant bei
p<.05)

100

95,1
78,6

80

87,1

82,1
66,1

65,6

60
21,4

20

34,4

33,9

40
17,9

12,9

4,9

0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Information gegeben

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Keine Information gegeben

4.3 Ermittelte Tatverdächtige
Um ein möglichst differenziertes Bild von den ermittelten Tatverdächtigen zu erlangen, wird
im Folgenden auf die Gesamtstichprobe (Personenebene) mit 2.471 Tatverdächtigen aus
3.668 analysierten Fällen zurückgegriffen (Tabelle 6).

86

87

Die Befugnisse bestehen u.a. in dem Recht, eine Mitteilung über den Abschluss des Verfahrens zu erhalten
(§ 406d I StPO), dem Recht, nach Maßgabe der §§ 403 bis 406c StPO und des § 81 JGG einen aus der
Straftat erwachsenen vermögensrechtlichen Anspruch im Strafverfahren geltend zu machen (§ 406h S. 1 Nr.
2 StPO), oder der Möglichkeit, Unterstützung und Hilfe durch Opferhilfeeinrichtungen erhalten zu können,
etwa in Form einer Beratung oder einer psychosozialen Prozessbegleitung (§ 406h S. 1 Nr. 5 StPO).
Auch wenn hier anzumerken ist, dass die Dokumentation der Information über Befugnisse der Verletzten in
den Akten in manchen Städten mehr und in anderen Städten weniger formalisiert erfolgte und daher das Ergebnis möglicherweise verzerrt ist, bleibt die Frage, wie ohne eine Dokumentation der Nachweis geführt
werden soll, dass die gesetzliche Verpflichtung erfüllt wurde.

51

Da aus datenschutzrechtlichen Gründen keine eindeutig identifizierenden Daten wie Name
und Geburtsdatum der Tatverdächtigen88 erfasst wurden, sind eine Identifizierung von Mehrfachtatverdächtigen im Datensatz und damit eine Echtpersonenzählung nicht möglich. Wird
eine Person mehrerer Fälle verdächtigt, gehen die an die Person gebunden Daten wie z.B.
Alter und Nationalität auch mehrfach in diese Auswertung ein. Da davon auszugehen ist, dass
viele Tatverdächtige mehrfach registriert wurden und es zur Überzählung bei der Auswertung
sozialer Merkmale kommt, soll im Abschnitt 4.3.2 der Versuch unternommen werden, mit
bestimmten Variablen den Datensatz von Dubletten zu bereinigen. Auch wenn auf diese Weise keine eindeutige Identifizierung erreicht werden kann, ist die Richtung der Veränderung im
Vergleich zum Gesamtdatensatz dennoch aufschlussreich. Im Abschnitt 4.3.1 ist die Anzahl
der Tatverdächtigen nicht mit der Anzahl natürlicher Personen gleichzusetzen.89
Tabelle 6: Anzahl der Tatverdächtigen in der Gesamtstichprobe
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Fälle insgesamt

790

704

769

716

689

3668

Fälle mit mindestens einem Tatverdächtigen

345

294

387

282

298

1606

ermittelte Tatverdächtige

464

454

600

480

473

2471

4.3.1 Soziodemografische Daten
Das Durchschnittsalter aller Tatverdächtigen liegt bei 28 Jahren (N=2.387), der robustere
Median bei 25 Jahren (Tabelle 7). Knapp drei Viertel der Tatverdächtigen waren zur Zeit der
Ermittlung unter 35 Jahre alt, wobei die 21- bis 34-Jährigen mit einem Anteil von 37,7 % am
stärksten vertreten waren. Zwischen den Städten zeigen sich signifikante Unterschiede. In
Stadt 2 werden im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt häufiger jüngere Personen verdächtigt,
in Stadt 5 hingegen ältere.
Tabelle 7: Alter zur Tatzeit (in Jahren; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

N

451

440

591

461

444

2387

Mittelwert

26,7

25,7

28,2

26,1

34,2

28,1

Median

22,0

21,0

26,0

23,0

34,0

25,0

88

89

52

Als Tatverdächtige werden hier polizeilich mindestens namentlich erfasste Personen bezeichnet, gegen die
sich laut Akte nach dem polizeilichen Ermittlungsergebnis aufgrund zureichender tatsächlicher Anhaltspunkte der Anfangsverdacht des Wohnungseinbruchs gerichtet hat; vgl. dazu auch die Richtlinien für die
Führung der Polizeilichen Kriminalstatistik i.d.F. vom 01.01.2010, BKA Wiesbaden, S.6f. Punkt 2.1.2
(„Aufgeklärter Fall“) und Punkt 2.2 („Tatverdächtig“).
Ebenso gut kann es pro Tat mehrere Tatverdächtige geben, womit auf Personenebene hinzugezogene Falldaten wie z.B. Schadenshöhe oder Tatort ebenfalls mehrfach in eine entsprechende Auswertung eingehen
können.

Abbildung 34: Tatverdächtige nach Altersklassen (in %)
37,7

40
35
30
25
20
15
10
5
0

20,9
16,9

16,6
5,9

1,2

<14

0,8

14 < 18

18 < 21

21 < 35

35 < 50

50 < 65

>65

Immerhin jede/r fünfte Tatverdächtige (20,9 %) ist zwischen 35 und 49 Jahre alt, jede/r 15.
(6,7 %) 50 Jahre und älter (Abbildung 34).
Ein Anteil von 16,3 % (N=2.349) aller Tatverdächtigen ist weiblich (Tabelle 8). In Stadt 2 ist
dieser Anteil unterdurchschnittlich, in Stadt 5 überdurchschnittlich, wobei sich die Stadtunterschiede als signifikant erweisen.
Tabelle 8: Tatverdächtige nach Geschlecht (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

weiblich

11,7

8,9

15,0

17,7

28,3

16,3

männlich

88,3

91,1

85,0

82,3

71,7

83,7

Über die Hälfte der Tatverdächtigen wurde in Deutschland geboren (56,7 %, N=2.406) und
besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit (52,4 %, N=2.362)90, wobei sich signifikante Stadtunterschiede finden. So ist der Anteil der Tatverdächtigen mit deutscher Nationalität in Stadt
2 mit 75,3 % am größten und in Stadt 5 mit 26,2 % am niedrigsten (Tabelle 9). Differenziert
nach den unterschiedlichen nichtdeutschen Staatszugehörigkeiten haben insgesamt betrachtet
türkische Personen den größten Anteil gefolgt von Serben und Rumänen. Vergleicht man die
Verteilung mit der des Geburtslandes, so fällt auf, dass viele der tatverdächtigen türkischen
Staatsangehörigen in Deutschland geboren wurden, also der zweiten bis dritten Migrantengeneration angehören (Abbildung 35).
Tabelle 9: Tatverdächtige nach Geburtsland und Staatsangehörigkeit (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Deutsch

59,7

75,3

58,7

41,3

26,2

52,4

Andere

40,3

24,7

41,3

58,7

73,8

47,6

Deutschland

64,4

80,9

63,1

48,3

26,4

56,7

Anderes

35,6

19,1

36,9

51,7

73,6

43,3

Staatsangehörigkeit

Geburtsland

90

Tatverdächtige, die neben der deutschen eine weitere Staatsangehörigkeit hatten, wurden zu den Personen
mit anderer Staatsangehörigkeit gezählt.

53

Etwa ein Fünftel der Tatverdächtigen (19,0 %, N=2.377) hatte zur Zeit der Ermittlung keinen
festen Wohnsitz, zwei Drittel (67,2 %) lebten hingegen in der Stadt, in der der Wohnungseinbruch erfolgte. Die restlichen Tatverdächtigen (13,8 %) hatten ihren Wohnsitz außerhalb der
Stadt des Tatortes. Deutliche Unterschiede zeigen sich im Stadtvergleich: Während in Stadt 2
90,4 % der Tatverdächtigen auch dort wohnten und bei lediglich 2,5 % kein fester Wohnsitz
ermittelt wurde, wohnten nur 31,5 % der Tatverdächtigen von Stadt 5 in dieser Stadt und zwei
Fünftel (41,4 %) hatten keinen festen Wohnsitz (Tabelle 10).
Abbildung 35: Nichtdeutsche Tatverdächtige nach häufigsten Staatszugehörigkeiten und Geburtsländern (in %)

Türkei

7,1

Serbien
Rumänien

20,0

13,9

15,9

15,4

14,3

Kroatien

2,9

Polen

7,3

5,1

4,4

Kosovo

3,2

2,8

Irak

3,1

2,6

Georgien

2,3

Griechenland

2,5

1,3

1,8

Italien

2,4

1,6

Libanon

2,3

1,6

Russland

3,0

1,2

Mazedonien

1,2

1,2

Bosnien-Herzegowina

1,3

1,2

Afghanistan

0,8

1,2

Ungarn

0,7

1,2

Geburtsland (N=1.033)

Staatsangehörigkeit (N=1.126)

Tabelle 10: Tatverdächtige nach Wohnsitz (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

Wohnsitz in der Stadt des Tatorts
Wohnsitz außerhalb der Stadt des Tatorts
Ohne festen Wohnsitz

91

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

82,8

90,4

71,7

60,2

31,5

67,2

4,1

7,1

16,9

12,0

27,2

13,8

13,1

2,5

11,4

27,8

41,4

19,0

Informationen zum Familienstand, zur beruflichen Tätigkeit, dem Schulabschluss und der
höchsten abgeschlossenen Ausbildung bzw. dem Studienabschluss liegen nur bei verhältnismäßig wenigen Tatverdächtigen vor. Die folgenden Ergebnisse sind daher mit Vorsicht zu
interpretieren. Etwa zwei Drittel (72,8 %, N=1.775) der Tatverdächtigen waren ledig und ein

91

54

Dazu zählen Wohnsitze in anderen Gemeinden, Kreisen, Bundesländern oder im Ausland.

Fünftel (19,4 %) verheiratet (Tabelle 11). Über die Hälfte der Tatverdächtigen (57,7 %,
N=1.473) ging zum Zeitpunkt der Ermittlung keiner geregelten Arbeit nach, ein Fünftel
(19,1 %) war berufstätig und ein weiteres Fünftel befand sich entweder in der schulischen
oder beruflichen Ausbildung (19,8 %). Fast die Hälfte hatte zu dieser Zeit keinen schulischen
Abschluss (46,0 %, N=807) oder lediglich einen Hauptschulabschluss (29,9 %); über die
Hälfte (55,0 %, N=983) verfügte auch nicht über eine abgeschlossene Ausbildung. Daneben
zeigen sich im Stadtvergleich signifikante Unterschiede. So ist bspw. der Anteil der verheirateten Tatverdächtigen in Stadt 2 am kleinsten und der Anteil der Tatverdächtigen, die sich
noch in der schulischen oder beruflichen Ausbildung befanden, mit 31,4 % deutlich höher als
in Stadt 5 (9,0 %). In Stadt 1 ist der Anteil Tatverdächtiger ohne einen Schulabschluss oder
mit Hauptschulabschluss (89,6 %) am höchsten, in Stadt 5 der Anteil derjenigen Tatverdächtigen mit Berufsausbildung (69,3 %).
Tabelle 11: Tatverdächtige nach Familienstand, beruflicher Tätigkeit und Bildung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

Familienstand
N=1.775

Berufliche
Tätigkeit
N=1.473

Schulbildung
N=807

Höchste abgeschlossene
Ausbildung
N=983

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Ledig

79,1

87,2

79,4

78,3

38,3

72,8

Verheiratet

14,2

9,3

16,7

14,9

44,0

19,4

Geschieden

6,4

3,5

3,2

5,9

17,4

7,3

Verwitwet

0,3

0,0

0,7

0,9

0,3

0,5

Berufstätig

17,1

12,1

19,3

27,9

14,7

19,1

Arbeitslos

65,9

51,1

46,6

50,0

73,7

57,7

Hausfrau/-mann

1,0

0,9

0,0

0,7

0,0

0,5

Rentner/in

1,4

0,9

2,0

0,5

0,6

1,0

In Ausbildung

4,9

6,3

9,6

10,4

1,3

6,7

Sonstiges

0,0

3,6

3,2

0,7

1,9

1,7

Schüler/in

9,8

25,1

19,3

9,7

7,7

13,2

Ohne Abschluss

59,7

42,3

63,0

45,9

25,6

46,0

Hauptschulabschluss

29,9

44,1

24,1

36,1

12,5

29,9

Realschulabschluss

9,7

8,1

8,3

12,6

5,6

9,5

Abitur

0,0

2,7

2,8

5,4

56,3

13,9

Anderer Abschluss

0,7

2,7

1,9

0,0

0,0

0,7

Berufsausbildung

28,7

23,0

29,8

37,3

69,3

40,1

Fachhochschulstudium

0,0

0,0

0,0

1,4

0,4

0,5

Hochschulabschluss

1,5

1,8

0,0

3,1

0,0

1,4

Andere abgeschlossene
Ausbildung

5,0

4,4

4,0

2,4

0,4

3,0

Ohne abgeschlossene
Ausbildung

64,9

70,8

66,2

55,8

29,8

55,0

Bei zwei Fünftel (42,6 %, N=2.278) aller Tatverdächtigen gab es ein Beziehung zu mindestens einem Mitglied des geschädigten Haushalts, wobei dieser Anteil in Stadt 2 mit 53,4 %
doppelt so hoch ist wie in Stadt 5 mit 26,3 % (Abbildung 36). Differenziert nach der Art der
55

Beziehung zeigte sich, dass ein hoher Anteil der Tatverdächtigen mit Beziehung aus dem Bekannten- oder Freundeskreis kam (43,6 %, N=970). Ein Viertel (26,9 %) bestand aus (Ex-)
Partnern oder Familienangehörigen/Verwandten, ein weiteres Viertel war bekannt vom Sehen
oder aus der Nachbarschaft (23,4 %). Zu den verbleibenden 6,1 % mit sonstigen Beziehungen
zählen insbesondere (ehemalige) Mitbewohner/innen, Wohngruppenmitglieder und (Unter-,
Ver-, Vor-)Mieter/innen (Tabelle 12). In allen Städten kannten sich die Geschädigten und die
Tatverdächtigen am häufigsten aus dem gemeinsamen Bekannten- oder Freundeskreis; Stadtunterschiede nach der Art der Täter-Opfer-Beziehung sind nicht signifikant.
Abbildung 36: Tatverdächtige mit Beziehung zu mindestens einer Person des geschädigten Haushalts (in %; fett:
Unterschiede signifikant bei p<.05)

60
50

53,4

49,6

44,0

42,6

40,7

40
26,3

30
20
10
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Tabelle 12: Tatverdächtige mit Beziehung zu mindestens einer Person des geschädigten Haushalts nach Art der Beziehung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Bekannt vom Sehen oder aus der Nachbarschaft

21,6

23,9

21,4

24,0

28,3

23,4

Jemand aus dem Bekannten- oder Freundeskreis

46,4

40,5

49,3

40,2

39,8

43,6

(Ex)Partner, Familienangehörige oder
Verwandte

28,4

30,7

20,1

29,3

26,5

26,9

Sonstiges

3,6

4,9

9,2

6,6

5,3

6,1

Zusammen mit den signifikanten Unterschieden beim Wohnsitz, dem Familienstand, der
schulischen und beruflichen Bildung sowie dem Beschäftigungsstatus wird der Eindruck verstärkt, dass in den Städten unterschiedliche Tätergruppen mit entsprechend unterschiedlichen
Einbruchstattypen vorliegen könnten. Bspw. wurden in Stadt 2 zumeist junge, unverheiratete,
männliche Tatverdächtige deutscher Herkunft, ohne schulischen und beruflichen Abschluss
verdächtigt, die offiziell in derselben Stadt wohnten und häufig eine Beziehung zu einem
Mitglied des geschädigten Haushalts hatten. Demgegenüber verdächtigte die Polizei in Stadt 5
vergleichsweise ältere, verheiratete oder geschiedene Männer nichtdeutscher Herkunft mit
Berufsausbildung, ohne festen Wohnsitz in der Stadt des Tatortes und ohne Beziehung zu den
Betroffenen. Eine weitere Erklärung für diese Unterschiede wäre eine unterschiedliche Ausrichtung der polizeilichen Ermittlungen, die sich auch in einer unterschiedlichen Begründung
des Tatverdachts zeigen könnte.
56

4.3.2 Zur Überzählung der Tatverdächtigen
Bei der Aktenanalyse wurden die Daten zu den Tatverdächtigen fallbezogen erhoben. Sofern
eine relevante Zahl von Mehrfachtatverdächtigen existierte, wäre es bei der von uns vorgenommenen Zufallsauswahl sehr wahrscheinlich, dass auch in unserer Stichprobe mehrere
identische Personen mit mehreren Tatverdächtigungen enthalten sind. In diesem Fall wäre die
Auswertung personenbezogener Daten der Tatverdächtigen durch eine Überzählung beeinträchtigt. Da die Daten zu den Tatverdächtigen teilweise anonymisiert (insbesondere ohne
Erfassung der Namen) erhoben wurden, stellt sich die Frage, wie eine Zuordnung von mehreren Fällen zu einem Tatverdächtigen rückwirkend vorgenommen werden kann. Das Ziel einer
solchen Dubletten-Identifizierung besteht darin, zumindest näherungsweise eine Echtpersonenzählung zu erreichen und die Richtung der Veränderung bei der deskriptiven Auswertung
insbesondere soziodemografischer Daten einschätzen zu können.
Vorgehen bei der Dubletten-Identifizierung
Gute Anhaltspunkte für eine Personenidentität geben die erfassten soziodemographischen
Daten der Tatverdächtigen. Einen hohen Identifizierungswert haben sowohl das Geburtsjahr
als auch die Straße und Hausnummer, in der der Tatverdächtige wohnhaft war. Zur Erhöhung
der Trefferwahrscheinlichkeit wurde die Variable des Geburtslands hinzugezogen. 92 Über den
automatisierten Vergleich dieser Variablen wurden – unterschieden nach Untersuchungsort –
mehrfach vorkommende Tatverdächtige identifiziert. Die Angaben zur Staatsangehörigkeit
wurden in Fällen, in denen nach dem automatisierten Vergleich Unklarheiten bestanden, mit
hinzugezogen, um Zweifel an der Personenidentitäten zu erhärten oder auszuschließen.
Bei den Tatverdächtigen ohne bekannten Wohnsitz mussten zusätzliche Variablen einbezogen
werden, um den Ausfall des Indikators Wohnanschrift zu kompensieren. In Frage kamen dafür verschiedene Datumsangaben des strafrechtlichen Verfahrens sowie das justizielle Aktenzeichen. Stimmten diese Variablen neben dem Geburtsjahr und der Herkunft überein, wurde
dies ebenfalls als Übereinstimmung der Person gewertet.
In einem dritten Schritt wurden alle identifizierten Dubletten durch drei Kodierer konsensuell
validiert und strittige Zuordnungen aufgelöst.
Restriktionen der Dubletten-Identifizierung
Insbesondere wenn die Anschrift des Tatverdächtigen unbekannt war, unterlag eine Tatverdächtigenzuordnung zu mehreren Fällen erheblichen Einschränkungen. Der Versuch, diese
fehlende Variable mit Verfahrensdaten und übereinstimmenden Aktenzeichen zu kompensieren, konnte nur bei den Tatverdächtigen Erfolg haben, die gleichzeitig für mehrere Einbruchsfälle in einem gebündelten Verfahren verantwortlich gemacht wurden. Tatverdächtige, die
ohne bekannten Wohnsitz in mehreren einzelnen Verfahren in Erscheinung traten, konnten so
nicht als ein und dieselbe Person identifiziert werden und führen weiterhin zu einer Überzählung. Des Weiteren konnten bei diesem Vorgehen Personen, die in mehreren der untersuchten

92

Sie wurden derjenigen zur Staatsangehörigkeit vorgezogen, weil sie weniger fehlende Werte aufwies.

57

Städte in Erscheinung traten, nicht als solche erkannt werden. Wie viele mehrfacherfasste
Personen letztendlich unerkannt blieben, ist ungewiss. Deshalb ist lediglich von einer mehr
oder weniger guten Annäherung an eine Echtpersonenzählung auszugehen. Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Auswertungsergebnisse zu werten.
Ergebnisse der Dubletten-Identifizierung
Jeder dritte Tatverdächtige im Gesamtdatensatz (30,6 %) wurde mindestens ein weiteres Mal
erfasst. Dabei ergaben sich erhebliche Stadtunterschiede (Abbildung 37), die entweder auf
einen unterschiedlichen Anteil an Mehrfachtätern/innen oder ein unterschiedliches Vorgehen
der Polizei beim Begründen des Tatverdachts hinweisen.
Abbildung 37: Anteil an mehrfach erfassten Tatverdächtigen (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

60

55,8

50
40
32,0

30

30,6
25,2

22,6
16,5

20
10
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Da unter den Mehrfachtatverdächtigen vor allem über 30-jährige Personen zu finden sind,
reduzieren sich das Durchschnittsalter von 28,1 auf 27,2 Jahre und der Altersmedian von 25,0
auf 23,0 Jahre. Die gefundenen Stadtunterschiede bleiben signifikant, verringern sich allerdings deutlich. Dies ist auch hinsichtlich des Geschlechterverhältnisses festzustellen. Im Gesamtdatensatz sind nunmehr 14,0 % statt 16,3 % der Tatverdächtigen weiblich, wobei die
Varianz zwischen den Städten von 10,2 % in Stadt 1 bis 20,0 % in Stadt 5 reicht (Abbildung
38)
Abbildung 38: Weibliche Tatverdächtige vor und nach der Dubletten-Bereinigung (in %)
28,3

30
25

20,0

20
15

15,0 16,0
11,7

10,2

10

8,9

17,7

16,3

16,0

14,0

10,4

5
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3
vorher

58

Stadt 4
nachher

Stadt 5

Gesamt

Zudem verändert sich auch der Anteil der nicht in Deutschland geborenen Tatverdächtigen
von 43,3 % vor der Dubletten-Filterung auf 32,1 % danach. Die signifikanten Stadtunterschiede bleiben mit 19,4 % Migrantenanteil in Stadt 2 und 46,6 % in Stadt 5 erhalten, die
Spannweite verringert sich aber deutlich (Abbildung 39). Stärkste Gruppe unter den Tatverdächtigen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit sind mit 26,5 % weiterhin die türkischen
Staatsangehörigen (vorher: 20,0 %), gefolgt von 10,4 % serbischen Staatsangehörigen (vorher: 15,9 %). Drittstärkste Gruppe sind allerdings nicht mehr die rumänischen, sondern die
polnischen Staatsangehörigen mit einem Anteil von 6,8 % (vorher 4,4 %).93
Abbildung 39: Nicht in Deutschland geborene Tatverdächtige vor und nach der Dubletten-Bereinigung (in %)

80
70
60
50
40
30
20
10
0

73,6

51,7
35,6

46,6

36,9

31,6

43,3

40,1

32,1

29,5
19,1 19,4

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

vorher

Stadt 5

Gesamt

nachher

Ähnlich zu den verkleinerten Stadtunterschieden bei der Altersverteilung verhält es sich mit
dem Familienstatus und dem Wohnsitz der Tatverdächtigen. Z.B. findet sich der größte Anteil
an Verheirateten und Geschiedenen nach wie vor in Stadt 5 (31,3 %), er weicht allerdings
weniger stark von Stadt 2 mit dem kleinsten Anteil (12,5 %) ab (Tabelle 13).
Tabelle 13: Familienstatus vor und nach der Dubletten-Bereinigung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

Vorher

Nachher

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Ledig

79,1

87,2

79,4

78,3

38,3

72,8

Verheiratet

14,2

9,3

16,7

14,9

44,0

19,4

Geschieden

6,4

3,5

3,2

5,9

17,4

7,3

Verwitwet

0,3

0,0

0,7

0,9

0,3

0,5

Ledig

79,9

87,5

81,0

79,3

68,2

80,1

Verheiratet

14,7

8,9

13,7

12,5

18,2

13,1

Geschieden

5,0

3,6

4,3

7,0

13,1

6,2

Verwitwet

0,4

0,0

0,9

1,2

0,6

0,6

Auch der Anteil an Tatverdächtigen ohne festen Wohnsitz ist in Stadt 5 weiterhin am größten
(16,8 %) und in Stadt 2 mit 2,7 % am kleinsten (Tabelle 14). Der Anteil der Tatverdächtigen
mit Wohnsitz in derselben Stadt des Tatortes ist in Stadt 5 (63,0 %) am kleinsten und in
93

Die größten Verschiebungen gibt es bei den Anteilen rumänischer (von 14,3 % auf 3,9 %) und kroatischer
Staatsangehöriger (von 7,3 % auf 4,0 %).

59

Stadt 2 (87,4 %) am größten. Entsprechend finden sich auch die anteilmäßig meisten Hinweise auf „reisende Täter/innen“ in Stadt 5 (10,1 %) und die wenigsten in Stadt 2 (0,5 %).
Tabelle 14: Wohnsitz vor und nach der Dubletten-Bereinigung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

Vorher

Nachher

Wohnsitz in der Stadt des
Tatorts
Wohnsitz außerhalb der
Stadt des Tatorts
Ohne festen Wohnsitz
Wohnsitz in der Stadt des
Tatorts
Wohnsitz außerhalb der
Stadt des Tatorts
Ohne festen Wohnsitz

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

82,8

90,4

71,7

60,2

31,5

67,2

4,1

7,1

16,9

12,0

27,2

13,8

13,1

2,5

11,4

27,8

41,4

19,0

83,7

89,3

72,5

73,0

64,9

77,7

5,3

8,0

16,5

13,5

18,3

11,9

10,9

2,7

11,0

13,5

16,8

10,4

Auch wenn sich die Stadtunterschiede hinsichtlich der Zusammensetzung der Tatverdächtigen
nach der Filterung von Mehrfachtätern/innen nivelliert haben, bleiben sie signifikant bestehen. Dies kann als Hinweis auf unterschiedliche Zusammensetzungen der Tatverdächtigen
zwischen den Städten gedeutet werden, die einerseits in einer unterschiedlichen Ausrichtung
der polizeilichen Ermittlungsarbeit begründet sein könnten sowie andererseits im unterschiedlichen Vorkommen bestimmter Tätergruppen. Da die Ergebnisse der Tendenz nach erhalten
bleiben und die Dubletten-Bereinigung verschiedenen Restriktionen unterliegt, beruhen die
folgenden Auswertungen wieder auf allen erfassten Tatverdächtigen.

4.3.3 Begründung des Tatverdachts
Insgesamt betrachtet basierte der Tatverdacht aus Sicht der Polizei am häufigsten auf Zeugenaussagen (47,2 %, N=2.395), auf Zusammenhängen mit anderen Einbrüchen (26,1 %), auf
dem „Ertappen auf frischer Tat“ bzw. dem Ergreifen in Tatortnähe (15,9 %) und auf Spuren
(14,8 %, Tabelle 15).94 Auch hierbei ergaben sich deutliche Stadtunterschiede: Während zur
Begründung des Tatverdachts in Stadt 2 Zeugenaussagen mit einem Anteil von 60,2 % eine
bedeutende Rolle spielten, wurden in Stadt 5 vor allem Zusammenhänge zu anderen Einbrüchen hergestellt (48,6 %) und damit eine Vielzahl von Fällen einem oder einer Gruppe von
Tatverdächtigen zugeschrieben. In Stadt 2 dürfte der hohe Anteil an Tatverdächtigen, die eine
Beziehung zum/zur Geschädigten hatten, mit der vermehrten Begründung des Tatverdachts
über Zeugenaussagen zusammenhängen.
Damit korrespondierend ging die Polizei in Stadt 5 bei gut einem Drittel (34,9 %) der Tatverdächtigen davon aus, dass es sich um „reisende Täter/innen“ handelte, während dies in Stadt 2
kaum vorkam (0,9 %).95

94

95

60

Sonstige Gründe für einen Tatverdacht finden sich in 4,1 % der Fälle (Mehrfachangaben waren möglich).
Zu der Kategorie Sonstiges zählen vor allem Geständnisse des/der Tatverdächtigen sowie Erkenntnisse aus
Verkehrsdatenerhebungen und Verkehrskontrollen.
Gesamt: 12,8 % (N=2.447); Stadt 1: 5,2 %; Stadt 3: 3,0 %; Stadt 4: 21,3 %.

Tabelle 15: Grundlage des Tatverdachts (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Zeugenaussage

54,5

60,2

44,8

48,2

28,5

47,2

Aussage eines/einer Mittäters/in

2,4

4,5

3,6

2,5

2,5

3,1

Aussage eines anderen TV

2,4

6,6

7,6

4,5

1,4

4,7

Spuren

12,3

12,4

17,3

20,2

10,7

14,8

Zusammenhang mit anderem Einbruch

19,8

5,2

32,8

22,7

48,6

26,1

Überwachungskamera

2,9

0,2

2,2

0,6

0,7

1,4

Stehlgut

9,2

6,6

7,6

11,5

3,2

7,7

Hehler

0,7

0,2

0,3

0,0

0,0

0,3

Selbstanzeige

0,9

0,9

1,2

1,7

0,5

1,0

Ergreifen in Tatortnähe

13,8

16,5

5,6

10,4

6,2

10,2

Ertappen auf frischer Tat

9,5

8,8

2,9

7,4

0,7

5,7

Sonstiges

2,6

1,8

2,2

4,7

10,0

4,1

4.3.4 Anwaltliche Vertretung und Verhalten während der Vernehmung
Bei 86,4 % (N=2.443) der Tatverdächtigen versuchte die Polizei u.a., Kontakt zu der tatverdächtigen Person aufzunehmen (Tabelle 16). Hierbei ergeben sich signifikante Stadtunterschiede: In Stadt 2 versuchte die Polizei, mit 98,2 % der Tatverdächtigen in Kontakt zu treten.
In Stadt 5 unternahm die Polizei lediglich bei etwas mehr als der Hälfte (56,5 %) der Tatverdächtigen einen solchen Versuch.96 Dies dürfte mit dem höheren Anteil an Mehrfachtatverdächtigen und mit dem höheren Anteil an Verdächtigen ohne festen Wohnsitz bzw. mit
Wohnsitz im Ausland zusammenhängen, bei denen eine postalische Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung oder das Aufsuchen an der Meldeanschrift ausgeschlossen oder zumindest
erheblich erschwert ist.
Tabelle 16: Polizeilicher Kontakt und anwaltliche Vertretung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

91,7

98,2

88,6

97,1

56,5

86,4

davon ist die Polizei mit dem TV in Kontakt getreten

81,4

77,7

83,5

94,7

91,9

85,4

davon waren während der polizeilichen
Ermittlung anwaltlich vertreten

22,7

18,2

20,3

34,9

29,6

25,2

davon Wahlverteidiger

72,9

55,0

96,7

59,0

38,6

63,8

davon Pflichtverteidiger

27,1

46,7

8,2

42,4

61,4

37,7

Polizei versuchte, mit dem TV Kontakt
aufzunehmen

96

Wenn es genügend tatsächliche Hinweise gibt, die den Tatverdacht begründen, und die Meldeanschrift der
tatverdächtigen Person bekannt ist, geschieht dies in aller Regel über eine postalisch zugestellte terminliche
Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung auf einer Polizeidienststelle. In anderen Fällen sind weitere Ermittlungen notwendig, wozu u.a. die Aufenthaltsermittlung, das Aufsuchen und Befragen des Tatverdächtigen zählen.

61

Erfolgreich waren 85,4 % (N=2.056) dieser Versuche.97 In Stadt 2 gelang es bei drei Viertel
der Tatverdächtigen (77,7 %), in Stadt 4 hingegen bei fast allen tatverdächtigen Personen
(94,7 %).
Ein Viertel (25,2 %, N=1.708) der Tatverdächtigen, mit denen die Polizei in Kontakt getreten
ist, wurde während des Ermittlungsverfahrens anwaltlich vertreten. Davon nahmen etwa zwei
Drittel (63,8 %, N=387) einen Wahlverteidiger in Anspruch, einem Drittel (37,7 %) wurde ein
Pflichtverteidiger beigeordnet. Setzt man die anwaltliche Vertretung während des Ermittlungsverfahrens in Verbindung mit dem Ausgang des Strafverfahrens, d.h., mit der Frage, ob
der/die Tatverdächtige am Ende rechtskräftig verurteilt wurde oder nicht, dann zeigt sich folgendes Ergebnis: Diejenigen Tatverdächtigen, die während der polizeilichen Ermittlung anwaltlich vertreten waren, wurden signifikant häufiger rechtskräftig verurteilt bzw. erhielten
einen rechtskräftigen Strafbefehl als Tatverdächtige ohne Anwalt (38,0 % vs. 23,5 %). Dies
weist darauf hin, dass der Tatverdacht bei Tatverdächtigen mit anwaltlicher Vertretung häufig
begründeter war und deshalb eine anwaltliche Vertretung eher erforderlich erschien. Unterscheidet man nach Art der Verteidigung, wird außerdem erkennbar, dass anwaltlich vertretene
Tatverdächtige mit einem Pflichtverteidiger signifikant häufiger verurteilt wurden als Tatverdächtige mit einem Wahlverteidiger (53,4 % vs. 33,8 %). Dies dürfte vor allem daran liegen,
dass tatverdächtige Personen, bei denen die Untersuchungshaft vollzogen wurde und entsprechend ein dringender Tatverdacht (§ 112 I StPO) vorlag, signifikant häufiger durch eine/n
Pflichtverteidiger/in vertreten wurden.98
Bei 62,6 % (N=2.462) der Tatverdächtigen wurde mindestens eine Beschuldigtenvernehmung
durchgeführt (Abbildung 40).
Abbildung 40: Tatverdächtige nach Anzahl durchgeführter Beschuldigtenvernehmungen (in %; fett: Unterschiede
signifikant bei p<.05)

100
80
30,0

60

15,8

11,0

15,1

9,8
9,7

40
20

46,2

53,5

Stadt 1

Stadt 2

47,2

54,0

Stadt 3

Stadt 4

36,9

47,5

0
eine Vernehmung

97

98

62

Stadt 5

Gesamt

zwei Vernehmungen und mehr

D.h., es gab einen persönlichen Kontakt zwischen Polizei und der tatverdächtigen Person oder die Vorladung konnte postalisch zugestellt werden.
Nach dem am 01.01.2010 in Kraft getretenen Gesetz zur Änderung des Untersuchungshaftrechts (Gesetz
vom 29.07.2009, BGBl. I, S. 2274) muss jedem Tatverdächtigen ab dem ersten Tag der Vollstreckung der
Untersuchungshaft ein Pflichtverteidiger beigeordnet werden (§ 140 I Nr. 4 StPO), vorher war dies erst
nach Ablauf von drei Monaten in Untersuchungshaft verpflichtend der Fall.

Stadt 5 sticht erneut heraus, insofern hier bei über der Hälfte der Tatverdächtigen keine Vernehmung durchgeführt wurde (53,4 %), während in Stadt 4 lediglich 16,0 % nicht vernommen
wurden. Häufigster Grund für das Ausbleiben der Vernehmung war das Nichterscheinen der
tatverdächtigen Person nach einer polizeilichen Vorladung (46,9 %, N=859).99
Bei 40,2 % der Tatverdächtigen, die nicht vernommen wurden, hatte die Polizei keinen aktenkundigen Versuch einer Vernehmung unternommen. Die Spanne reicht hier von 8,1 % in
Stadt 2 bis 85,3 % in Stadt 5 und sie korreliert ebenfalls mit dem Anteil Verdächtiger ohne
festen Wohnsitz und mit dem Anteil der Begründung des Tatverdachts über Zusammenhänge
zu anderen Taten, d.h. der Zuschreibung mehrerer Fälle auf einen Tatverdächtigen oder eine
Gruppe Tatverdächtiger (Tabelle 17).
Tabelle 17: Gründe für das Ausbleiben einer Beschuldigtenvernehmung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei
p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

auf Vorladung nicht erschienen

60,4

83,2

51,0

39,7

10,7

46,9

Polizei hat nicht versucht, TV zu vernehmen

33,1

8,1

28,8

20,5

85,3

40,2

Sonstiges

6,5

8,7

20,2

39,7

4,0

12,9

Abbildung 41: Tatverdächtige mit Geständnis bei Beschuldigtenvernehmung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei
p<.05)
37,2

40

32,7

30

26,6 25,5

26,0

24,4

19,9

20

17,7

16,1
10,1

11,9

9,9

10
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Geständnis bei Beschuldigtenvernehmung

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Geständnis weiterer Einbrüche

Die Tatverdächtigen, die zu einer ersten Beschuldigtenvernehmung erschienen, machten zu
27,8 % (N=1.533) von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Weitere 43,3 % bestritten die komplette Tat. Lediglich 17,6 % der Tatverdächtigen legten ein Geständnis und 11,3 % ein Teilgeständnis ab. Bei denen, die zumindest zu einer weiteren Beschuldigtenvernehmung erschienen, sank der Anteil der Schweigenden und Abstreitenden, während der Anteil der Geständnisse auf 37,0 % (N=384) stieg. Gründe für die Änderung des Einlassungsverhaltens im Laufe

99

Der Vorladung zur Vernehmung des Beschuldigten durch die Polizei nach § 163 a I StPO muss nicht Folge
geleistet werden und wird bei Fernbleiben dahingehend gewertet, dass der Beschuldigte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch macht.

63

des Ermittlungsverfahrens könnten insbesondere neue Ermittlungsergebnisse oder widersprüchliche Aussagen sein, mit denen die Tatverdächtigen bei den weiteren Vernehmungen
konfrontiert wurden. Insgesamt betrachtet wurde bei einem Viertel aller Tatverdächtigen mit
mindestens einer Vernehmung ein Geständnis abgelegt (24,4 %, N=1.537). Ein Anteil von
17,7 % (N=1.456) der Tatverdächtigen mit Beschuldigtenvernehmung gestand dazu noch weitere Einbrüche, wobei diese Geständnisquote in den Städten 1, 2 und 3 eher gering und in den
Städten 4 und 5 höher ausfällt (Abbildung 41).
Drei Viertel der Verfahren von Tatverdächtigen, die im Zuge der Beschuldigtenvernehmungen ein Geständnis ablegten, wurden fortgeführt (75,8 %, N=360),100 zwei Drittel führten zu
einer rechtskräftigen Verurteilung bzw. einem rechtskräftigen Strafbefehl (68,6 %). Im Falle
einer Pflichtverteidigung wurde bei den geständigen Personen signifikant häufiger eine Einstellung (zumeist nach § 154 I StPO bei unwesentlichen Nebenstraftaten) erzielt (40,0 %) als
bei geständigen Personen mit Wahlverteidigung (7,0 %) oder ohne Verteidigung (24,7 %).

4.3.5 Vorahndungen
Angaben dazu, ob tatverdächtige Personen bereits strafrechtlich vorgeahndet waren oder
nicht, konnten nur bei zwei Drittel der Tatverdächtigen aus den Akten entnommen werden.
Der Großteil dieser Tatverdächtigen ist bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten, d.h. in
Deutschland oder in einem anderen Staat strafrechtlich vorgeahndet (71,5 %, N=1.675). Die
in Abbildung 42 zu erkennenden Stadtunterschiede sind signifikant.
Abbildung 42: Anteil Tatverdächtiger mit Vorahndung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

79,7
73,4
66,3

Stadt 1

Stadt 2

73,3

71,4

Stadt 5

Gesamt

63,7

Stadt 3

Stadt 4

Hinsichtlich der Delikte, wegen derer die Tatverdächtigen vorgeahndet waren, zeigt sich eine
große Bandbreite. Knapp ein Drittel der vorgeahndeten Tatverdächtigen ist mindestens schon
einmal wegen Wohnungseinbruchs sanktioniert worden (30,9 %, N=1.040). Knapp drei Viertel der strafrechtlich vorbelasteten Tatverdächtigen traten wegen anderer Diebstahls- bzw.
Unterschlagungsdelikte in Erscheinung. Zu den bei 53,1 % erfassten sonstigen Delikten zählen Beleidigung, Bedrohung, Nötigung, Erschleichen von Leistungen, Urkundenfälschung
und Verstöße gegen das Asylverfahrensgesetz (Abbildung 43).

100

64

Im Übrigen wurden die Verfahren zumeist nach § 154 I StPO als unwesentliche Nebenstraftat eingestellt.

Abbildung 43: Vorgeahndete Tatverdächtige nach Deliktgruppen (in %; Mehrfachnennungen möglich)

Diebstahls-/Unterschlagungsdelikte (ohne WED)

71,8

Sonstige Delikte

53,1

Vorsätzl. Körperverletzungsdelikte

33,1

Wohnungseinbruch

30,9

Straßenverkehrsdelikte

26,3

Verstöße gegen BtMG

22,0

Sachbeschädigung

17,9

Raub/Erpressung

16,5

Betrug

14,0

Hehlerei

11,0

Hausfriedensbruch

6,7

Sexualdelikte

3,3

Vorsätzl. Straftaten gegen das Leben

1,3

0

20

40

60

80

Ein Drittel (31,8 %) der vorgeahndeten Tatverdächtigen stand zur Zeit der Ermittlungen zum
analysierten Wohnungseinbruch unter Bewährung. Über die Hälfte (52,4 %, N=985) der bereits sanktionierten Tatverdächtigen erhielt in der Vergangenheit bereits eine Jugend- oder
Freiheitsstrafe ohne Bewährung (Abbildung 44).
Abbildung 44: Vorgeahndete Tatverdächtige nach schwerster bislang verhängter Sanktion (in %)

Jugend-/Freiheitsstrafe ohne Bewährung

52,4

Freiheitsstrafe mit Bewährung

15,9

Zuchtmittel

10,5

Geldstrafe

8,6

Jugendstrafe mit Bewährung

5,0

Erziehungsmaßregel

4,5

Sonstige

2,7

Maßregel

0,4

0

10

20

30

40

50

60

65

4.3.6 Abhängigkeiten und Süchte
Bei gut einem Fünftel (21,9 %, N=2.471) aller erfassten Tatverdächtigen finden sich Hinweise auf stoffliche oder nichtstoffliche Süchte bzw. Abhängigkeiten.101 Die Anteile dieser
Gruppe von Tatverdächtigen reichen von 9,9 % in Stadt 5 bis zu 29,5 % in Stadt 2 und unterscheiden sich damit signifikant (Abbildung 45). Eine besondere Rolle spielen dabei die vergleichsweise häufig bestehenden BtM-Abhängigkeiten und Alkoholsüchte. Signifikante
Stadtunterschiede zeigen sich aber lediglich bei den BtM- und Medikamentenabhängigen
(Tabelle 18).
Abbildung 45: Tatverdächtige mit Hinweis auf stoffliche oder nichtstoffliche Sucht/Abhängigkeit (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

35
29,5

30
25

27,7

22,0

21,9
19,4

20
15

9,9

10
5
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Tabelle 18: Hinweise auf stoffliche und nichtstoffliche Sucht/Abhängigkeit nach Art der Sucht/Abhängigkeit (in %;
fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Spielsucht

1,9

0,9

1,0

0,6

0,6

1,0

BtM-Abhängigkeit

16,8

25,8

22,0

15,4

7,4

17,6

Alkoholsucht

4,7

6,4

6,3

5,8

3,0

5,3

Medikamentenabhängigkeit

0,4

1,1

1,8

1,5

0,0

1,0

4.3.7 Untersuchungshaft
Bei 11,9 % der Tatverdächtigen (N=2.462) wurde gemäß §§ 112 ff. StPO die Untersuchungshaft (im Folgenden: U-Haft) angeordnet und bei 11,6 % auch vollstreckt. Dabei zeigen sich
signifikante Städteunterschiede: Während in den Städten 2 und 3 vergleichsweise selten UHaft angeordnet wurde (6,5 % bzw. 4,8 %), erließen die Gerichte in Stadt 4 bei jeder vierten
tatverdächtigen Person (25,4 %) einen Haftbefehl (Abbildung 46).

101

66

Dazu wurden Tatverdächtige gezählt, bei denen sich Hinweise auf Spielsucht, BtM-Abhängigkeit, Alkoholsucht oder Medikamentenabhängigkeit in entsprechenden polizeilichen Ermittlungsergebnissen, Aussagen
zu Tatmotiven und gerichtlichen Feststellungen innerhalb des Hauptverfahrens fanden.

Abbildung 46: Tatverdächtige, bei denen die Untersuchungshaft angeordnet wurde (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

30
25,4

25
20
15

13,0

10

6,5

11,2

11,9

Stadt 5

Gesamt

4,8

5
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Meist hatte die Polizei den Erlass eines Haftbefehls bei der Staatsanwaltschaft angeregt
(62,0 %; N=368). Hier gibt es abermals auffallende, signifikante Stadtunterschiede: In den
Städten 1, 3 und 5 erfolgte in den meisten Fällen die Anregung eines Haftbefehls durch die
Polizei (81,2 %, 61,9 % bzw. 75,4 %). In Stadt 4 und Stadt 2 war dies mit 54,7 % und 41,9 %
seltener der Fall. Bei der weit überwiegenden Mehrheit der Tatverdächtigen, bei denen die
Polizei einen Haftbefehl anregte, beantragte die Staatsanwaltschaft auch den Erlass eines
Haftbefehls (84,5 %), wobei sich ebenfalls signifikante Stadtunterschiede zeigen. In Stadt 3
wurden nur 50 % der polizeilich angeregten Haftbefehle von der Staatsanwaltschaft beantragt,
in Stadt 4 hingegen 95,3 % (Stadt 2: 80,8 %; Stadt 1: 89,1 %; Stadt 5: 90,7 %). Lediglich bei
4,5 % (N=267) der Tatverdächtigen, bei denen die Staatsanwaltschaft bei Gericht einen Haftbefehl beantragte, wurde dessen Erlass abgelehnt.
Im Durchschnitt vergingen weniger als zwei Tage von der Beantragung eines Haftbefehls bis
zu dessen Erlass (M=1,6; N=251). Meist erging der Haftbefehl bereits am Tag des Antrags
(66,9 %). In den Städten 2 und 4 geschah dies am schnellsten (im Durchschnitt am gleichen
oder dem darauffolgenden Tag), in den anderen Städten dauerte es mit durchschnittlich zwei
bis drei Tagen nur etwas länger. Von der Anordnung bis zur Vollstreckung dauerte es bei
73,3 % der Haftbefehle maximal zwei Tage. Der Anteil der Fälle, in denen zwischen Anordnung und Vollstreckung mehr als zwei Tage vergingen, war in Stadt 3 und 4 am größten
(40,9 % bzw. 37,9 %) und in Stadt 2 mit 7,4 % am kleinsten (Stadt 1: 19,2 %; Stadt 5:
14,9 %).
In 2,0 % (N=251) wurde der Haftbefehl zwar erlassen, konnte aber nicht vollstreckt werden,
da der Tatverdächtige nicht auffindbar war.
Wenn die U-Haft angeordnet wurde, zählten die Fluchtgefahr (84,2 %; N=279) sowie die
Wiederholungsgefahr (24,7 %) zu den häufigsten Haftgründen (Abbildung 47). Verdunklungsgefahr kam sehr selten vor (1,8 %). In Stadt 2 überwog die Wiederholungsgefahr
(76,9 %) gegenüber der Fluchtgefahr (34,6 %). Bei Stadt 4 und 5 lag hingegen ein deutlicher
Schwerpunkt auf der Fluchtgefahr als Begründung der U-Haft (89,9 % bzw. 100,0 %).

67

Abbildung 47: Haftgründe (in %; Mehrfachnennungen möglich; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

84,2

89,9

1,8

24,7
0,0

3,8

12,6
0,8

1,8

3,8

20

34,6

40

7,7

34,6

60

41,1

80

76,9

76,9

83,9

100

100,0

120

0
Stadt 1

Stadt 2
Fluchtgefahr

Stadt 3

Stadt 4

Wiederholungsgefahr

Stadt 5

Gesamt

Verdunklungsgefahr

Wie in Abbildung 48 zu sehen, dauerte die U-Haft durchschnittlich rund viereinhalb Monate
an (M=135,3 Tage, N=236). Dies entspricht auch etwa dem Median von rund vier Monaten
(119,0 Tage). Differenziert nach Städten fallen die Städte 4 und 5 mit signifikant längeren
Haftzeiten (M=165,1 bzw. 151,2 Tage) und Stadt 1 mit einer kurzen Dauer von gut zwei Monaten auf (M=65,5 Tage).
Abbildung 48: Durchschnittliche Dauer der U-Haft (in Tagen; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

180

165,1
151,2

160

135,3

140
110,2

120

118,4

100
80

65,5

60
40
20
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Bei Tatverdächtigen ohne deutsche Staatsangehörigkeit wurde signifikant häufiger die U-Haft
angeordnet (16,6 %) als bei denen mit deutscher Nationalität (8,1 %). Noch deutlichere Unterschiede zeigen sich bezüglich des festgestellten Wohnsitzes: Bei Tatverdächtigen mit einem ermittelten Wohnsitz wurde lediglich zu 7,2 % ein Haftbefehl erlassen, während dies bei
Tatverdächtigen ohne (ermittelten) festen Wohnsitz bei einem Anteil von 30,4 % geschah.
Wird beim Vergleich der Staatsangehörigkeit die Wohnsitzfeststellung kontrolliert, dann verschwindet der signifikante Unterschied zwischen Tatverdächtigen mit und ohne deutsche
Staatsangehörigkeit, denn bei nichtdeutschen Tatverdächtigen ist auch der Anteil größer, bei
dem die Polizei keinen festen Wohnsitz ermitteln konnte. Es ist also nicht die Nationalität
dafür entscheidend, ob die U-Haft angeordnet wird. Maßgeblich ist vielmehr, ob die beschul68

digte Person einen festen Wohnsitz hat oder nicht. Daneben wird bei arbeitslosen Tatverdächtigen sowie bei Tatverdächtigen mit Hinweisen auf stoffliche und nichtstoffliche Süchte und
Abhängigkeiten signifikant häufiger die U-Haft angeordnet als bei Tatverdächtigen mit anderen Beschäftigungsstatus bzw. ohne Suchthinweise (23,8 % vs. 8,3 % bzw. 21,0 % vs. 9,3 %).
Diese Unterschiede bleiben auch unter Kontrolle der ermittelten Wohnsituation erhalten.
Etwa drei Viertel (73,9 %, N=261) der Tatverdächtigen, die in U-Haft kamen, wurden am
Ende des Strafverfahrens rechtskräftig verurteilt bzw. erhielten einen rechtskräftigen Strafbefehl. Bei einem Anteil von 16,5 % stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein102, bei
3,8 % (N=211) das Gericht103. 5,2 % der Tatverdächtigen mit vollzogener U-Haft wurden im
Hauptverfahren freigesprochen.

4.3.8 Weitere Maßnahmen nach der StPO gegen tatverdächtige Personen
Neben der U-Haft kamen weitere strafprozessuale Maßnahmen gegen konkrete tatverdächtige
Personen zur Anwendung. Bei einem Viertel der Tatverdächtigen (25,6 %; N=2462) wurde
eine Durchsuchung (§ 102 StPO) durchgeführt und etwa jede achte tatverdächtige Person
(12,1 %) wurde erkennungsdienstlich behandelt, d.h., es wurden Lichtbilder und Fingerabdrücke aufgenommen (§ 81b StPO). Seltener kam es zur Wahllichtbildvorlage (8,1 %).
Gegenüberstellungen nach § 58 II StPO (1,0 %), längerfristige Observationen (§ 163f StPO;
0,9 %), Maßnahmen bei Mobilfunkendgeräten (§ 100i StPO; 0,6 %) sowie Ausschreibungen
zur polizeilichen Beobachtung (§ 163e StPO; 0,2 %) spielten hingegen kaum eine Rolle.
Statistisch relevante Stadtunterschiede lassen sich bei allen häufiger durchgeführten Maßnahmen erkennen.104 So reicht etwa die Spanne bei Durchsuchungen von 18,3 % in Stadt 2
bis 41,5 % in Stadt 1 (Tabelle 19). Der größte Anteil der erkennungsdienstlich behandelten
Tatverdächtigen findet sich in Stadt 4 (27,7), Wahllichtbildvorlagen wurden am häufigsten in
Stadt 2 (10,5) durchgeführt.
Tabelle 19: Weitere häufiger durchgeführte Maßnahmen gegen tatverdächtige Personen (in %; fett: Unterschiede
signifikant bei p<.05)
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Durchsuchung des/beim TV

41,5

18,3

21,7

27,1

20,6

25,6

Erkennungsdienstliche Behandlung

16,8

9,6

4,8

27,7

3,4

12,1

Wahllichtbildvorlage

8,4

10,5

9,0

8,5

3,8

8,1

102
103
104

Davon 65,1 % nach § 170 II StPO, 27,9 % nach § 154 I StPO und 7,0 % nach § 154 f StPO (N=43).
Davon 75,0 % nach 154 II StPO und jeweils 12,5 % nach § 153 II StPO und § 47 I 2 JGG (N=8).
Bei den übrigen Maßnahmen unterbleibt eine Differenzierung nach Städten aufgrund der geringen Fallzahl.

69

4.4 Weiterer Verlauf: Ausfilterungsprozess während des Strafverfahrens
Bevor im Kapitel 5 die staatsanwaltschaftlichen und gerichtlichen Entscheidungen auf Basis
aller polizeilich aufgeklärten Fälle der Gesamtstichprobe differenziert betrachtet werden, wird
ein sogenanntes „Trichtermodell“105, d.h. der Ausfilterungsprozess auf dem Weg von den
polizeilich registrierten Fällen bis zu den Verurteilungen überführter Täter/innen, am Beispiel
des Wohnungseinbruchs dargestellt. Dazu werden noch einmal die Daten der Zufallsstichprobe (N=2.403) zugrunde gelegt, was den Vorteil hat, dass alle Fälle aus dem PKS-Jahr 2010
stammen und die genaue Anzahl der polizeilich registrierten Fälle bekannt ist. Somit kann
diese in Beziehung zur Anzahl der Fälle mit mindestens einer Verurteilung gesetzt und eine
Verurteilungsquote errechnet werden. Eine Differenzierung nach Städten bei der detaillierten
Darstellung des Verlaufs des Ermittlungsverfahrens ist aufgrund der geringen Fallzahlen nicht
sinnvoll. Daher wird an einigen Stellen lediglich die Spannbreite berichtet.106

4.4.1 Tatverdacht
Bei einem Anteil von 15,3 % (N=2.403) der analysierten Fälle wurde nach dem polizeilichen
Ermittlungsergebnis mindestens ein/e Tatverdächtige/r namentlich bekannt. Diese Fälle gelten
nach den PKS-Richtlinien107 als aufgeklärt, unabhängig davon, wie das Strafverfahren weiterging, ob also die als tatverdächtig ermittelte Person im weiteren Verfahren angeklagt und verurteilt wurde oder ob das Verfahren zur Einstellung gelangte. Die Aufklärungsquote unterscheidet sich signifikant zwischen den Städten und reicht von 9,9 % bis 24,8 %. Insgesamt
wurden in den 368 aufgeklärten Verfahren 619 Tatverdächtige108 von der Polizei ermittelt
(vgl. auch Abbildung 49), also pro aufgeklärtem Fall durchschnittlich 1,7 Tatverdächtige.
Nachfolgend wird aufgezeigt, wie viele dieser als tatverdächtig ermittelten Personen (Personenebene) schließlich angeklagt bzw. verurteilt wurden und bei wie vielen das Verfahren mit
einer Einstellung endete.

4.4.2 Entscheidung der Staatsanwaltschaft
Spätestens nachdem die Polizei ihre Ermittlungen für abgeschlossen hält, wird die Akte erstmals der Staatsanwaltschaft übergeben, die im Anschluss die Rechts- und Beweislage bewertet und auf dieser Basis (ggf. nach Durchführung weiterer Ermittlungen) eine abschließende
Entscheidung (Einstellung oder Fortführung des Strafverfahrens) trifft.
In 93,8 % (N=600) der Verfahren folgte die Staatsanwaltschaft der Einschätzung der Polizei
und bewertete das Geschehen ebenfalls als Wohnungseinbruchdiebstahl (§ 244 I Nr. 3

105
106
107

108

70

Schwind 2013, S. 60f.
Die folgenden Ergebnisse zum Trichtermodell wurden bereits veröffentlicht: Dreißigacker et al. 2015a.
Richtlinien für die Führung der Polizeilichen Kriminalstatistik i.d.F. vom 01.01.2010, BKA Wiesbaden,
S.6.
Sofern eine Person in mehreren Fällen als tatverdächtig ermittelt wurde, wurde sie hier mehrfach gezählt.

StGB).109 In 1,7 % sah sie hingegen keinen und in 4,5 % einen anderen Straftatbestand als
verwirklicht an.110
Einstellung des Verfahrens
Bei 80,1 % (N=587) der Tatverdächtigen führte das Verfahren zu einer Einstellung.111 In
81,9 % (N=469) wurde aufgrund eines fehlenden genügenden Anlasses zur Erhebung der öffentlichen Klage (§ 170 II StPO) eingestellt. In 12,8 % sah die Staatsanwaltschaft von einer
Verfolgung ab, weil es sich bei der Tat um eine unwesentliche Nebenstraftat nach § 154 I
StPO handelte. 2,7 % der Einstellungen erfolgten wegen Geringfügigkeit (§ 153 I StPO),
1,7 % wegen der längeren Abwesenheit des Beschuldigten (§ 154f StPO) sowie 0,9 % wegen
durchgeführter oder bereits eingeleiteter erzieherischer Maßnahmen (§ 45 II JGG). Wenn
nach § 170 II StPO eingestellt wurde, dann geschah dies fast immer aus tatsächlichen Gründen (95,5 %, N=380) und nur zu 4,5 % aus rechtlichen Gründen.
Fortführung des Verfahrens
Bei 19,3 % (N=587) der Tatverdächtigen wurde das Verfahren fortgeführt. 112 Dabei erhob die
Staatsanwaltschaft in 94,7 % (N=113) der Fälle Anklage und beantragte die Eröffnung des
Hauptverfahrens. In 5,3 % stellte die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehlsantrag (§ 407
StPO) und strebte damit eine Sanktionierung ohne Hauptverfahren an.

4.4.3 Entscheidung des Gerichts
Die Gerichte haben alle beantragten Strafbefehle erlassen. Da die Angeklagten entweder keinen Einspruch einlegten oder aber eingelegte Einsprüche zurücknahmen, erlangten die Strafbefehle sämtlich Rechtskraft, so dass die Strafverfahren erheblich abgekürzt wurden. Die Anklagen der Staatsanwaltschaft wurden in 97,1 % (N=103) der Fälle (sämtlich unverändert) zur
Hauptverhandlung zugelassen. Nur in drei Fällen geschah dies nicht: Ein Verfahren führte zur
Einstellung, weil die Tat als unwesentliche Nebenstraftat eingestuft wurde (§ 154 II StPO). In
einem weiteren Fall wurde die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt, weil der Angeschuldigte aus tatsächlichen Gründen nicht hinreichend verdächtig war, und im dritten Fall
verstarb der Angeschuldigte vor der Eröffnung.
82,8 % (N=99) der erstinstanzlichen Verfahren endeten mit einer Verurteilung; 7,1 % führten
zu einem Freispruch und 10,1 % zu einer Einstellung. Eingestellt wurde nach § 153 II StPO
wegen Geringfügigkeit (40,0 %, N=10), gemäß § 153a II StPO bei Erfüllung von Auflagen

109

110

111
112

Die angegebenen Prozentwerte beziehen sich auf alle „gültigen“ Fälle, d.h. abzüglich der Fälle, in denen
entsprechende Informationen in der Akte fehlten.
Darunter fallen vor allem Hausfriedensbruch (§ 123 StGB), Diebstahl (§ 242 StGB), besonders schwerer
Fall des Diebstahls (§§ 242, 243 StGB) und Sachbeschädigung (§ 303 StGB).
Die Stadtunterschiede sind signifikant und liegen zwischen 64,3 % bis 90,6 %.
Die Stadtunterschiede sind signifikant und liegen zwischen 8,7 % bis 35,7 %. Die neben Einstellungen und
Weiterleitungen an das Gericht verbleibenden 0,6 % der Verfahren befanden sich zur Zeit der Aktenanalyse
noch in der Ermittlungsphase. In einem Fall wurde die Strafverfolgung gem. § 154a I StPO auf schwere
Brandstiftung (§ 306a StGB) beschränkt.

71

und Weisungen (20,0 %), nach § 154 II StPO, weil die Tat als unwesentliche Nebenstraftat
eingestuft wurde (20,0 %), sowie gemäß § 47 I 1 Nr.2 JGG wegen bereits durchgeführter oder
eingeleiteter erzieherischer Maßnahmen (20,0 %).
Nach der erstinstanzlichen Verurteilung wurde in 7,3 % (N=82) Berufung durch den Angeklagten eingelegt. Dieses Rechtsmittel war in zwei Fällen erfolgreich und endete mit einem
Freispruch durch das Berufungsgericht. In einem Fall wurde das ursprünglich wegen Wohnungseinbruchdiebstahls ergangene Urteil aufgehoben und der Angeklagte stattdessen wegen
besonders schweren Fall des Diebstahls (§§ 242, 243 StGB) verurteilt. Alle anderen Berufungen wurden als unzulässig oder als unbegründet verworfen.
Insgesamt ergingen 82,4 % (N=80) aller rechtskräftig gewordenen Urteile (auch) wegen
Wohnungseinbruchdiebstahls113; in den restlichen 17,6 % kam es vor allem wegen Hausfriedensbruchs, Diebstahls, besonders schweren Fall des Diebstahls und Sachbeschädigung zur
Verurteilung der Angeklagten.

4.4.4 Verurteilungsquote
Zusammengenommen wurden 86 der ursprünglich 619 Tatverdächtigen rechtskräftig verurteilt oder mittels Strafbefehl (der nach § 410 III StPO einer Verurteilung gleichsteht) sanktioniert. Hinter diesen Verurteilungen stehen tatsächlich jedoch nur 80 Personen bzw. 62 der
polizeilich registrierten Fälle des Wohnungseinbruchdiebstahls. Die Personenzahl ist kleiner,
da sechs Täter/innen für jeweils zwei Fälle in eigenständigen Strafverfahren sanktioniert wurden. Die Fallzahl ist kleiner, weil in 17 Fällen zwei bis vier Täter/innen für ein und dieselbe
gemeinschaftlich verübte Tat zur Verantwortung gezogen wurden.
Im Ergebnis zeigt sich somit Folgendes: Bezogen auf die 368 aufgeklärten Fälle entsprechen
62 Fälle mit mindestens einer Verurteilung einer Quote von 16,9 %. Im Hinblick auf die
2.403 analysierten Fälle ergibt sich eine Verurteilungsquote von 2,6 %. 114 Auch wenn der
Vergleich dieser Verurteilungsquote zwischen den teilnehmenden Städten aufgrund der geringen Fallzahl am Ende des Trichters mit großer Vorsicht zu interpretieren ist, kann er als
Hinweis dafür gelten, dass sich die signifikanten Unterschiede bei den Aufklärungsquoten
weitgehend einebnen. Denn die Verurteilungsquote, d.h. der Anteil der polizeilich registrierten Fälle des Wohnungseinbruchdiebstahls mit mindestens einer rechtskräftigen Verurteilung/Strafbefehl, unterscheidet sich zwischen den Städten nicht mehr signifikant und reicht
von 1,5 % bis 3,6 %.115

113

114

115

72

Bei der Strafverfolgungsstatistik wird im Falle der Verurteilung von Personen, „die in Tateinheit (§ 52
StGB) oder Tatmehrheit (§ 53 StGB) mehrere Strafvorschriften verletzt haben“, nur „der Straftatbestand
statistisch erfasst, der nach dem Gesetz mit der schwersten Strafe bedroht ist“ (Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 10, Reihe 3, 2013, S. 13). Hier wurden hingegen auch Urteile berücksichtigt, bei denen
der Wohnungseinbruch nicht als schwerstes Delikt in eine Gesamtstrafe einging.
Damit wird auch das Ergebnis der Ruhrgebiets-Untersuchung von Kawelovski 2012b, S. 137 untermauert.
Er ermittelte eine Verurteilungsquote von 2% (siehe Abschnitt 2, S. 19).
Die im Vorfeld der Aktenanalyse auf Basis der Kriminalstatistiken berechneten Verurteilungsquoten (vgl.
Bartsch et al. 2014, S. 485) sind den durch die Aktenanalyse ermittelten weitgehend ähnlich. Zumindest
beim Wohnungseinbruchdiebstahl scheint daher diese Berechnung recht zuverlässig zu sein.

Freispruch durch
Berufungsgericht
(N=2)

Fälle mit mindestens
einer Verurteilung/
Strafbefehl
(N=62)

bei unwesentlichen
Nebenstraftaten
(§ 154 II StPO)
(N=2)

Freispruch
(N=7)

Verurteilung
(N=82)

rechtskräftige Verurteilungen/ Strafbefehle
(N=86)

bei unwesentlichen
Nebenstraftaten
(§ 154 I StPO)
(N=60)

wegen Geringfügigkeit
(§ 153 II StPO)
(N=4)

Anklageerhebung
(§ 170 I StPO)
(N=107)

wegen Geringfügigkeit
(§ 153 I StPO)
(N=13)

Ermittlungen noch
nicht abgeschlossen
(N=3)

Eröffnung des
Hauptverfahrens
(N=100)

Strafbefehlsantrag
(§ 407 StPO)
(N=6)

wegen Fehlens eines
genügenden Anlasses
(§ 170 II StPO)
(N=384)

Beschränkung der
Strafverfolgung
(N=1)

gemäß PKSRichtlinien nicht
aufgeklärt
(N= 2.035)

rechtskräftiger
Strafbefehl
(N=6)

Fortführung des
Verfahrens
(N= 113)

ermittelte Tatverdächtige (N=619)

gemäß PKSRichtlinien aufgeklärt
(N= 368)

analysierte Fälle
(N= 2.403)

zur Durchführung
erzieh. Maßnahmen
(§ 45 II JGG)
(N=4)

bei Erfüllung von
Aufl. u. Weisungen
(§ 153a II StPO)
(N=2)

Einstellung
(N=10)

zur Durchführung
erzieh. Maßnahmen
(§ 47 JGG)
(N=2)

Einstellung/ Ablehnung der Eröffnung/
Sonstiges
(N=3)

wegen längerer
Abwesenheit
(§ 154 f StPO)
(N=8)

Einstellung
(N=470)

fehlende Angabe in
der Akte
(N=1)

fehlende Angabe in
der Akte
(N=4)

fehlende Angabe in
der Akte
(N=1)

fehlende Angabe in
der Akte
(N=32)

Personenebene

Fallebene

Abbildung 49: Trichtermodell beim Wohnungseinbruchdiebstahl (Zufallsstichprobe)

73

4.5 Einflussfaktoren für einen Ermittlungserfolg
In 15,5 % der Fälle der Zufallsstichprobe (N=2.403) wurde mindestens ein/e Tatverdächtige/r
ermittelt. In diesen Fällen wurde meistens (58,3 %; N=367) ein/e einzige/r Tatverdächtige/r
gefunden. In einem Viertel der Fälle (24,0 %) waren es zwei Tatverdächtige und zu 12,5 %
handelte es sich um drei Personen. Selten wurden vier (2,5 %), fünf (1,6 %) oder sechs
(1,1 %) Tatverdächtige pro Fall ermittelt.
Die Spannbreite der Anteile der Fälle mit polizeilich ermittelten Tatverdächtigen in den einzelnen Städten reicht von 9,9 % bis 24,8 % (N=2.403). Signifikante Unterschiede zeigen sich
auch in Bezug auf das Tatstadium: So wurden 17,2 % (N=2.373) der vollendeten Taten aufgeklärt, wobei dies für nur 12,4 % der Versuche gilt.
Für die Identifizierung von fallspezifischen Faktoren, die einen polizeilichen Ermittlungserfolg, d.h. die Ermittlung mindestens eines/einer Tatverdächtigen für den registrierten Fall,
begünstigen bzw. erschweren, werden nun auf Basis der Zufallsstichprobe (N=2.403) binärlogistische Regressionen berechnet (Tabelle 20). Die binär codierte abhängige Variable polizeiliche Aufklärung unterscheidet in den Modellen 0 bis 2 zwischen Fällen, in denen mindestens ein/e Tatverdächtige/r gefunden werden konnte, und Fällen, in denen kein/e Tatverdächtige/r ermittelt wurde.
Unter Modell 0 finden sich die Effektkoeffizienten von bivariaten Regressionen. Der Vergleich mit den entsprechenden Effektkoeffizienten in Modell 2 macht es möglich, zu erkennen, welche Effekte sich als unabhängig erweisen und welche unter der Kontrolle der anderen
Variablen verschwinden.116 Positiv, d.h. den Ermittlungserfolg fördernd, wirkten sich in diesem Schritt (Modell 0) die meisten Variablen aus. Lediglich die Aufnahme von Faser- und
Werkzeug- und Sonstigen Spuren,117 die Anwesenheit des Kriminaldauerdienstes oder der
Spurensicherung am Tatort, die Durchführung einer Sachfahndung sowie die Erhebung von
Verkehrsdaten blieben ohne statistisch relevanten Einfluss. Wenn Geschädigte während der
Tat anwesend waren, die Täter/innen aber dennoch nicht bemerkt wurden, wirkte es sich negativ auf den Ermittlungserfolg aus. Bereits in Modell 0 ist ein regionaler Effekt zu erkennen,
insofern in den Städten 2 und 3 im Vergleich zu Stadt 1 die Chance höher ausfiel, dass die
Polizei einen Tatverdächtigen ermittelte.
Im Modell 1 gehen mehrere Variablen gleichzeitig in die Berechnung ein. In diesem soll insbesondere untersucht werden, ob es allgemein etwas brachte, wenn Betroffene während der
Tat anwesend waren, Spuren gefunden wurden, es Anzeichen für einen Zusammenhang mit
anderen Einbrüchen gab und häufiger bestimmte Zwangs- bzw. Ermittlungsmaßnahmen nach
der StPO118 durchgeführt wurden. Die Ergebnisse dieser Analyse sind Tabelle 20 zu entneh-

116

117

118

74

Zeigt sich ein signifikanter Effekt einer Variable in Modell 0 aber nicht mehr im Modell 2, ist dennoch
davon auszugehen, dass die Variable im Zusammenspiel mit anderen durchaus einen Einfluss auf die abhängige Variable entfalten kann.
Unter sonstigen Spuren fallen vor allem zurückgelassene Gegenstände, Handschuhspuren, Ohrabdrücke
oder Lackspuren.
Siehe dazu Abschnitt 4.1.7.

men119: Die Chance der Ermittlung eines Tatverdächtigen erhöhte sich um etwa das Achtfache, wenn Zeugen vernommen wurden, und um das Fünffache, wenn es Videoaufzeichnungen
einer Überwachungskamera gab. Daneben wirkte es sich begünstigend für die Ermittlung von
Tatverdächtigen aus, wenn Zusammenhänge zu anderen Einbrüchen hergestellt werden konnten. Spurenfunde, das Tatstadium und die Gebäudeart hatten keinen statistisch relevanten
Einfluss, ebenso wenig Durchführung einer Sachfahndung und die Präsenz der Spurensicherung bzw. des KDD am Tatort. Der regionale Effekt, dass in den Städten 2 und 3 die Chance
eine tatverdächtige Person zu ermitteln signifikant höher ausfiel als in Stadt 1, bestätigt sich
auch im Modell 1 und erweist sich als unabhängig von den anderen Einflussgrößen innerhalb
des Modells, kann also mit diesen nicht erklärt werden.
Differenziertere Ergebnisse finden sich nach der Einführung weiterer Variablen im Modell 2.
Bei den Spuren zeigt sich ein einziger signifikanter Effekt bei den DNA-Spuren. Der bivariate
Effekt der Fingerabdruckspuren im Modell 0 verschwindet. D.h., wenn lediglich Fingerabdruckspuren gefunden wurden, erhöhte sich die Chance eines Ermittlungserfolges nicht signifikant. Dennoch können diese zusammen mit anderen Spuren einen Beitrag zur Aufklärung
leisten. Wenn ein Zusammenhang der Tat mit anderen Einbrüchen über die Begehungsweise
der Täter/innen, das Stehlgut, bestimmte Spuren oder andere Gründe120 erkannt wurde, wirkte
es sich positiv auf den Ermittlungserfolg aus. Wurde dieser Zusammenhang allein über Tatorte oder Tatzeiten hergestellt, hatte es hingegen keinen relevanten Einfluss auf die Ermittlung
eines Tatverdächtigen.
Hinsichtlich der durchgeführten Ermittlungsmaßnahmen der Polizei ist erkennbar, dass hauptsächlich Sicherstellungen/Beschlagnahmen nach § 94 StPO und Durchsuchungen bei anderen
Personen als dem späteren Tatverdächtigen nach § 103 StPO signifikant häufiger zum Ermittlungserfolg führten. Die signifikanten bivariaten Effekte der molekulargenetischen Untersuchung an Spurenmaterial (§ 81e I , II) sowie des Fingerabdruckabgleichs sind im Modell 2
nicht mehr erkennbar, führten also allenfalls zusammen mit anderen Maßnahmen oder Umständen häufiger zum Tatverdächtigen als in den Fällen, in denen diese Maßnahmen nicht
durchgeführt wurden.

119

120

Bei den berichteten signifikanten Effektkoeffizienten (Exp(β)) in Modell 1 und 2 handelt es sich um partielle, d.h. eigenständige, Effekte. Diese kommen unter gleichzeitigem Einbezug aller aufgeführten Variablen
zustande und sind von den anderen Effektgrößen unabhängig. Nach Urban und Mayerl (2011, S. 341f.) lassen sie sich als Erhöhung (Exp(β)>1) bzw. Verringerung (Exp(β)<1) der Chance zur Ermittlung eines
Tatverdächtigen nach einem Wohnungseinbruch interpretieren.
Hinter „andere Gründe für den Zusammenhang“ verbergen sich insbesondere Aussagen von Zeugen sowie
(verwandtschaftliche) Beziehungen zwischen Betroffenen verschiedener Fälle.

75

Tabelle 20: Binär-logistische Regression zur Ermittlung mindestens eines/einer (später verurteilten) Tatverdächtigen
Abhängige Variable:
Ermittlung eines/r Tatverdächtigen (Modell 0 – 2)
Ermittlung eines/r später verurteilten Täters/in (Modell 3)

Modell 0

Modell 1

Modell 2

Modell 3

Stadt 1

Referenz

Referenz

Referenz

Referenz

Stadt 2

1.641 *

5.264 ***

5.710 ***

2.857

Stadt 3

3.003 ***

3.279 ***

3.371 ***

.597

Stadt 4

1.452

1.308

1.174

.911

Stadt 5

1.387

1.131

1.590

.519

Vollendung (Referenz: Versuch)
Mehrfamilienhaus

1.477 **
Referenz

.995

.891

.795

Referenz

Referenz

Referenz

Einfamilienhaus

1.040

.944

.943

.804

Zweifamilienhaus

.684

.679

.648

.708

1.551

1.027

1.402

Sonstige Wohnung
Anwesenheit von Betroffenen
(Referenz: Abwesenheit während der Tat)
mit Bemerken der Tat
ohne Bemerken der Tat
Spuren gefunden
(Referenz: keine Spuren gefunden)
Fingerabdruckspuren

.978
2.051 ***

1.602

.555 *

1.835

.335 **
1.276

1.602 ***

1.375

4.159 ***

Schuhspuren

1.218

1.132

1.993

DNA-Spuren

2.386 ***

3.085 ***

4.502 **

Faserspuren

.575

.342

Werkzeugspuren

.826

.772

.636

1.218

.877

.826

Sonstige Spuren
Zeuge(n) vernommen
(Referenz: keine Zeugen vernommen)
Videoaufzeichnung einer Überwachungskamera
(Referenz: keine Videoaufzeichnung)
Spurensicherung oder KDD am Tatort
(Referenz: Spurensicherung/KDD nicht am Tatort)
Anzeichen für Zusammenhang zu anderen Einbrüchen
(Referenz: kein Zusammenhang)
Begehungsweise (Modus Operandi)
Stehlgut

3.216 ***

8.038 ***

9.274 ***

2.170

3.535 ***

5.269 ***

5.690 ***

6.070 **

.811

.779

.808

.506

5.891 ***
4.578 ***

4.468 ***

1.228

15.591 ***

6.536 ***

6.791 **

bestimmte Spur

2.817 ***

2.488 *

Tatort

2.921 ***

1.464

1.449

Tatzeit

3.120 ***

1.105

1.602

anderer Grund
Sachfahndung durchgeführt
(Referenz: keine Sachfahndung)
Maßnahmen der StPO zur Ermittlung
(Referenz: keine Maßnahmen)
Erhebung von Verkehrsdaten

7.545 ***

molekulargenetische Untersuchung

2.708 ***

Sicherstellung/Beschlagnahme

3.528 ***

1.934 *

3.793 **

13.046 ***

7.945 *

6.232

Durchsuchung bei anderen Personen als dem TV
Fingerabdruckabgleich

1.092

10.075 ***

.613

1.106

5.057 *

1.116

.949

.617

1.105

1.655

.491

1.997 ***
1.488

2.446 ***

1.618

.846

N

1897

1897

1893

Nagelkerkes R²

.242

.297

.270

Signifikanzniveau: * p<.05, ** p<.01, *** p<.001

76

Die dargestellten Variablen mit signifikanten Effektkoeffizienten beeinflussten den polizeilichen Ermittlungserfolg, d.h. die Ermittlung mindestens eines Tatverdächtigen, unabhängig
davon, ob sich der Tatverdacht im Verlauf des weiteren Strafverfahrens bestätigte und der
Fall mit einer Verurteilung endete oder nicht.
Im Modell 3 wird daher die abhängige Variable verändert. Es werden nicht mehr Fälle mit
oder ohne Tatverdächtige verglichen, sondern es wird danach unterschieden, ob die Polizei
mindestens eine tatverdächtige Person ermittelte, die später auch als Täter/in verurteilt wurde121 oder nicht. Die unabhängigen Variablen bleiben bestehen.122 Der Vergleich der Modelle
2 und 3 macht es im Anschluss möglich, Einflussgrößen zu identifizieren, die einerseits effektiv hinsichtlich der statistischen Aufklärung gemäß PKS-Richtlinien waren und andererseits
auch bei der beweiskräftigen Überführung der Täter/innen eine eigenständige Rolle spielten.
Die Ergebnisse sind vor dem Hintergrund folgender Limitationen zu betrachten: Fälle, in denen möglicherweise zwar genügend beweiskräftiges Material für die Verurteilung mindestens
eines/r Tatverdächtigen vorgelegen haben mag, deren Verfahren dann aber gleichwohl nach
Maßgabe der vom Gesetzgeber vorgegebenen Wertungen (z.B.: §§ 153, 153a 154 StPO) von
Staatsanwaltschaft oder Gericht eingestellt wurden (Einstellungen aus Opportunitätsgründen),
wurden zur Vergleichsgruppe der Fälle gezählt, in denen es zu keiner/m Verurteilung/Strafbefehl kam. Daneben bleibt bei den Fällen, in denen mindestens ein/e Tatverdächtige/r angeklagt wurde, unberücksichtigt, welche Beweise das Gericht letztendlich zur Urteilsfindung heranzog. So könnten bspw. Zeugen, die im Ermittlungsverfahren ausgesagt haben,
im Hauptverfahren nicht gehört worden und damit irrelevant geblieben sein.
Mit diesem Hinweis zeigt sich, dass Finger- und DNA-Spuren unabhängig von anderen Spuren die Chance dafür erhöhten, mindestens eine/n später verurteilte/n Tatverdächtige/n beweiskräftig zu ermitteln. Die hergestellten Zusammenhänge zu anderen Einbrüchen wirkten
sich nur eigenständig aus, wenn sie über das Stehlgut123 oder andere Gründe124 aufgezeigt
wurden. Wurde der Zusammenhang hingegen allein durch Gemeinsamkeiten bei der Begehungsweise oder bestimmte Spuren hergestellt, erhöhte dies zwar die Chance zur Ermittlung
einer vorläufig tatverdächtigen Person, aber eben nicht die Chance zur Ermittlung eines/einer
später verurteilten Täters/in.
Bei den Ermittlungsmaßnahmen der StPO spielte allein die Sicherstellungen/ Beschlagnahmen nach § 94 StPO eine eigenständige Rolle bei der Erhöhung der Chance, die – später verurteilten – Täter/innen zu ermitteln. Daneben wirkte es sich durchgehend positiv aus, wenn
Videoaufzeichnungen einer Überwachungskamera vorhanden waren.
121

122

123

124

Zu den Fällen mit Verurteilten zählen solche, in denen in Folge des Wohnungseinbruchs mindestens eine
Person ermittelt werden konnte, die daraufhin rechtskräftig verurteilt wurde oder einen rechtskräftigen
Strafbefehl erhielt.
Aufgrund fehlender Varianz konnten die Variablen Sonstige Wohnung, Anwesenheit von Betroffenen ohne
Bemerken der Tat und Faserspuren nicht in das Modell 3 aufgenommen werden.
Darunter fallen Zusammenhänge aufgrund von Gemeinsamkeiten bei der Art der entwendeten Gegenstände
als auch aufgrund von zusammen aufgefundenem Stehlgut verschiedener Taten.
Dazu zählen insbesondere Zeugenaussagen, Beziehungen zwischen verschiedenen Geschädigten bzw. zu
den Tätern/innen

77

Der in den Modell 0, 1 und 2 erkennbare regionale Unterschied ist im Modell 3 statistisch
nicht mehr bedeutsam. Während die Chance der polizeilichen Aufklärung in den Städten 2
und 3 noch signifikant höher ausfiel als in Stadt 1, unterscheiden sich die Städte hinsichtlich
der Ermittlung eines/r später verurteilten Täters/in nicht. Der relativ große, aber statistisch
nicht relevante Effekt von Stadt 2 deutet zumindest darauf hin, dass hier unabhängig von den
anderen Modellvariablen tendenziell mehr Fälle mit mindestens einer rechtskräftigen Verurteilung endeten als in anderen Städten. Die polizeiliche Aufklärungsquote von Stadt 3 scheint
hingegen weniger auf hinreichend beweiskräftigen Ermittlungsergebnissen beruht zu haben.
Alles in allem ist zu erkennen, dass sich der Polizei beim Wohnungseinbruch nur wenige Einflussmöglichkeiten bieten, die Quote der Tatverdächtigen und später verurteilten Täter/innen
selbst zu erhöhen. Sie ist bei diesem kontaktarmen Delikt weitgehend von der Spurenlage,
dem Vorhandensein von relevanten Zeugen, Videoaufzeichnungen, mehr oder weniger zufälligen Stehlgutfunden u.ä. abhängig. Dennoch könnte insbesondere die Suche nach und Auswertung von DNA-Spuren intensiviert werden. Zum einen zeigten sich zwischen den Städten
signifikante Unterschiede hinsichtlich des Anteils gesicherter DNA-Spuren125 und zum anderen ging von dieser Spurenart der größte eigenständige Einfluss für die Ermittlung eines/einer
später verurteilten Täters/in aus. Demgegenüber war das Begründen eines Tatverdachts über
die bloße Herstellung von Zusammenhängen zwischen verschiedenen Fällen zwar teilweise
geeignet, die polizeiliche Aufklärungsquote zu steigern, zu einer Erhöhung der Verurteilungsquote führte ein solches Vorgehen – wenn nicht andere Indizien/Beweise hinzukamen – aber
nicht. Auch hinsichtlich durchgeführter Zeugenvernehmungen zeigen sich eigenständige Effekte in den Modellen 0 bis 2 aber nicht im Modell 3. Auch hier waren Zeugenaussagen allein
entscheidend für die Ermittlung von Tatverdächtigen, führten aber allenfalls zusammen mit
anderen Indizien/Beweisen zur Verurteilung mindestens eines/einer Täters/in.

125

78

Siehe Abbildung 25, S. 43.

5

Entscheidungen von Staatsanwaltschaften und Gerichten

Die zweite zentrale Fragestellung betrifft die Entscheidungspraxen von Staatsanwaltschaften
und Gerichten: Wie erklären sich die Vielzahl der Einstellungen von als aufgeklärt geltenden
Fällen und die geringe Verurteilungsquote? Dazu wird im Folgenden der Verlauf des Strafverfahrens nach Abgabe der Polizei an die Staatsanwaltschaft bis zur Beendigung durch nämliche Behörde oder durch ein Gericht regional vergleichend dargestellt. Zur anschließenden
Identifizierung von Faktoren, die dafür ausschlaggebend sind, dass ein eingeleitetes Strafverfahren auch mit einer Verurteilung eines/einer Täters/in endet, werden Strafverfahren von
Personen mit einer rechtskräftigen Verurteilung/einem rechtskräftigen Strafbefehl und solche
mit einem anderen Ausgang mit Hilfe multivariater Regressionsmodelle verglichen.

5.1 Staatsanwaltschaftliche Entscheidungen
Um für die folgende Analyse des Strafverfahrens genügend Fälle auswerten zu können, werden die Strafverfahrensdaten der Gesamtstichprobe (Personenebene) genutzt. Auch wenn die
Berechnung einer stadtspezifischen Verurteilungsquote auf Basis aller polizeilich registrierten
Fälle aufgrund der Stichprobenziehung nicht möglich ist, können die Entscheidungspraxen
der Staatsanwaltschaften und Gerichte der einzelnen Städte miteinander verglichen werden.
Da das Fallaufkommen und die Aufklärungsquote in den teilnehmenden Städten sehr unterschiedlich waren, mussten – wie bereits unter Punkt 3.1 dargestellt – neben Fällen aus dem
PKS-Jahr 2010 in der Regel auch Fälle vorausgehender Jahre hinzugenommen werden.126

5.1.1 Einstellung des Verfahrens
Nachdem die Polizei einen als aufgeklärt geltenden Fall an die Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen abgegeben hat, befindet diese über die Fortführung oder die Einstellung der Verfahren gegen die Tatverdächtigen. Über zwei Drittel (69,3 %, N=2.303) der Verfahren wurden von der Staatsanwaltschaft eingestellt.127 Dabei ergeben sich signifikante Unterschiede zwischen den Städten. Während in Stadt 3 vier Fünftel (80,4 %) der Verfahren eingestellt wurden, waren es in Stadt 4 nur knapp drei Fünftel (57,7 %, Abbildung 50).
Bei den Einstellungsgründen dominierten die Einstellungen wegen Fehlens eines genügenden
Anlasses zur Erhebung der öffentlichen Klage (§ 170 II StPO) mit einem Anteil von 74,9 %
(N=1.592). Auch hierbei zeigen sich deutliche Stadtunterschiede. In Stadt 2 war der Anteil
der Verfahren gegen Tatverdächtige, die nach § 170 II StPO eingestellt wurden, mit 58,7 %
am geringsten und in Stadt 4 mit 80,4 % am größten. Gleichzeitig wurden in Stadt 2 anteilmäßig mehr Verfahren eingestellt, weil es sich nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft bei

126

127

In einer Stadt reichten die Fälle des PKS-Jahres 2010 bereits aus, in einer anderen Stadt mussten dafür Fälle
der PKS-Jahre 2010 bis 2005 einbezogen werden. Unter der Annahme, dass sich insbesondere bei letzterer
in diesem Zeitraum keine gravierenden Veränderungen in der Praxis der Staatsanwaltschaft und Gerichte
ergeben haben, ist der Vergleich dennoch vertretbar.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Dölling 1987, S. 183 (siehe Abschnitt 2).

79

der Tat um eine unwesentliche Nebenstraftat nach § 154 I StPO handelte (26,9 %). Die Einstellung wegen Geringfügigkeit nach § 153 I StPO spielte ebenfalls in Stadt 2 die größte Rolle
(8,1 %), die vorläufige Einstellung wegen der längeren Abwesenheit des Beschuldigten
(§ 154 f StPO) mit 3,2 % in Stadt 3 (Abbildung 51).
Abbildung 50: Entscheidung der Staatsanwaltschaft nach Abschluss der polizeilichen Ermittlung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

19,5

32,5

32,4

67,5

65,9

Stadt 1

Stadt 2

28,2

30,0

70,9

69,3

Stadt 5

Gesamt

41,6

80,4
57,7

Stadt 3

Einstellung

Stadt 4

Fortführung des Verfahrens

Abbildung 51: Verfahrenseinstellungen der Staatsanwaltschaft nach häufigen Einstellungsgründen (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

100
90
80
70
60

72,7

58,7
79,4

80,4

79,8

74,9

0,0

1,8

50
40
30
20

0,4
3,1

10

22,1

0

1,7

Stadt 1

26,9

3,2

1,2

8,1

13,4
3,8

15,2
0,4

19,2
1,0

18,7
3,1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

§ 153 I StPO

§ 154 I StPO

§ 154f StPO

§ 170 II StPO

Wenn nach § 170 II StPO eingestellt wurde, geschah dies weit überwiegend aus tatsächlichen
Gründen (93,0 %, N=1.190), weil die Beschuldigten nicht hinreichend verdächtig waren.
7,0 % der Einstellungen nach § 170 II StPO erfolgten aus rechtlichen Gründen: Davon war in
26,4 % der Fälle der in Betracht kommende Straftatbestand (N=72) objektiv oder subjektiv
nicht erfüllt, in 4,2 % lag ein Rechtfertigungsgrund vor, in 40,3 % gab es einen Schuldausschließungsgrund – etwa die noch nicht gegebene Strafmündigkeit (§ 19 StGB) – und in
25,0 % führte ein nicht behebbares Verfahrenshindernis zur Einstellung.

80

5.1.2 Fortführung des Verfahrens
Kaum Unterschiede gab es bei der Art der Fortführung des Verfahrens: In 93,6 % (N=692)
wurde durch die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, 3,6 % führten zu einem Strafbefehlsantrag, 2,6 % zur Beantragung eines vereinfachten Jugendverfahrens (§§ 76 ff. JGG) und in einem Verfahren (0,1 %) kam es zur Antragstellung im beschleunigten Verfahren (§§ 417 ff.
StPO). Die Unterschiede zwischen den Städten sind zwar signifikant, aber relativ gering. In
jeder Stadt liefen über 90,0 % der Verfahren auf eine Anklageerhebung hinaus. Daneben versuchte die Staatsanwaltschaft in Stadt 2 mit 7,5 % der Fälle am häufigsten, das Verfahren mit
einem Strafbefehl zu beenden. In Stadt 4 stellte die Staatsanwaltschaft hingegen vermehrt
Anträge auf ein vereinfachtes Jugendverfahren (7,7 %).

5.2 Gerichtliche Entscheidungen
Im Folgenden sollen Umstände und Ergebnisse der gerichtlichen Entscheidungen näher beleuchtet werden. Dafür wird die Gesamtstichprobe auf Personenebene herangezogen. Die folgenden Angaben beziehen sich zunächst auf 692 (30,0 %, N=2.303) ermittelte Tatverdächtige, bei denen die Staatsanwaltschaft die Entscheidung traf, das Verfahren fortzusetzen. Dabei
erhob sie in der Mehrheit von 93,6 % (N=692) Anklage nach § 170 I StPO. Ein Strafbefehlsantrag wurde in 3,6 % der Fälle gestellt und im Übrigen beantragte die Staatsanwaltschaft die
Durchführung eines vereinfachten Jugendverfahrens (2,6 %) bzw. eines beschleunigten Verfahrens (0,1 %).
In allen Städten führten über 90,0 % der Anklageerhebungen zur Eröffnung des Hauptverfahrens durch das Gericht.128 Dabei variierte die gerichtliche Entscheidung über dessen Ausgang.
Signifikant wurde der Unterschied aber lediglich hinsichtlich der Einstellungen: In Stadt 2
stellte das Gericht in knapp einem Viertel aller Hauptverfahren das Verfahren ein und ein
vergleichsweise geringer Anteil von 75,2 % führte zu einer Verurteilung. Hingegen endeten in
Stadt 4 lediglich 8,2 % der Hauptverfahren mit einer Einstellung und 85,4 % mit einer Verurteilung (Abbildung 52).
Dabei sind die Gründe für eine gerichtliche Einstellung nach Eröffnung des Hauptverfahrens
zu beachten. Ein Großteil dieser Einstellungen wurde damit begründet, dass es sich bei der
Tat um eine unwesentliche Nebenstraftat (§ 154 II StPO) handele (45,2 %; N=73). Wegen
Geringfügigkeit (§ 153 II StPO) erfolgten 13,7 % der Einstellungen und bei Erfüllung von
Auflagen und Weisungen (§ 153a II StPO) 11,0 %. Im Übrigen wurde nach § 47 I 1 JGG
(23,3 %)129 und nach § 47 I 2 JGG (6,8 %) eingestellt.

128

129

Eingerechnet sind die Anträge im beschleunigten Verfahren oder vereinfachten Jugendverfahren. Die übrigen Anklagen, die nicht zur Eröffnung eines Hauptverfahrens führten, wurden insbesondere zur Durchführung/Einleitung erzieherischer Maßnahmen (§ 47 I 1 Nr. 2 i.V.m. § 45 II JGG) oder als unwesentliche Nebenstraftat (§ 154 II StPO) eingestellt.
Davon wurden wiederum 12,5 % mit Geringfügigkeit (§ 47 I 1 Nr. 1 JGG i.V.m. § 153 StPO), 81,3 % mit
der Durchführung/Einleitung erzieherischer Maßnahmen (§ 47 I 1 Nr. 2 i.V.m. § 45 II JGG) und 6,3 % mit

81

Strafbefehle spielten im Rahmen des Hauptverfahrens allgemein kaum eine Rolle; in Stadt 2
endete mit 1,0 % der größte Anteil mit einem Strafbefehl. Auf einen Freispruch liefen in
Stadt 3 (8,9 %) und 5 (7,9 %) relativ viele Verfahren hinaus. Zwischen 75,2 % (Stadt 2) und
85,4 % (Stadt 4) der eröffneten Hauptverfahren führten zu einer Verurteilung. Lediglich in
zwei Fällen wurde das Urteil in der Berufungsinstanz aufgehoben und der Angeklagte freigesprochen.
Abbildung 52: Erstinstanzliche Entscheidung des Gerichts im Hauptverfahren (in %; fett: Unterschiede signifikant
bei p<.05)

100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

8,1
6,5
0,8

84,6

Stadt 1

23,8

13,9

0,0
1,0

8,9
0,0

75,2

77,2

Stadt 2

Stadt 3

Verurteilung

Strafbefehl

8,2
6,3
0,0

10,5

12,2

7,9
0,0

6,0
0,3

85,4

81,6

81,4

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Freispruch

Einstellung

Hinter der Anzahl an Verurteilungen und Strafbefehlen stehen, wie bereits dargestellt, in der
Regel weniger Einbruchsfälle. Unter Berücksichtigung von Gemeinschaftstätern/innen und
bezogen auf die Anzahl der aufgeklärten Fälle der Gesamtstichprobe endeten 23,5 % mit
mindestens einer rechtskräftigen Verurteilung bzw. mit einem rechtskräftigen Strafbefehl.
Diese Quote variiert signifikant zwischen 13,7 % in Stadt 3 und 31,9 % in Stadt 4 (Abbildung
53).
Abbildung 53: Verurteilungsquote auf Basis polizeilich aufgeklärter Fälle (in %; fett: Unterschiede signifikant bei
p<.05)

35
30
25
20
15
10
5
0

31,9
24,3

26,2

24,1

23,5

13,7

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

der Entbehrlichkeit einer Entscheidung durch Urteil angesichts eines Geständnisses und der gleichzeitigen
Anordnung von Maßnahmen (§ 47 I 1 Nr. 3 i.V.m. § 45 III 1 JGG) begründet.

82

Zu bedenken ist allerdings, dass den aufgeklärten Fällen unterschiedlich viele registrierte Fälle zugrunde liegen. Anhand der Zufallsstichprobe konnte bereits gezeigt werden, dass sich die
Verurteilungsquoten auf Basis registrierter Fälle nicht signifikant divergieren (1,5 % bis
3,6 %), während es bei den Aufklärungsquoten bedeutsame Unterschiede gibt (9,9 % bis
24,8 %). Daneben ergab sich im Vergleich zweier Regressionsmodelle, dass die Chance der
Ermittlung eines Tatverdächtigen insbesondere in Stadt 3 signifikant höher ausfiel als in der
Referenzstadt 1. Regionale Unterschiede hinsichtlich der Ermittlung später verurteilter Täter/innen gab es unter Kontrolle der anderen unabhängigen Variablen hingegen nicht.130

5.2.1 Beweismittel
Bei den rechtskräftig verurteilten Personen131 stützte das Gericht nach den Urteilsgründen
seine Entscheidung überwiegend auf die geständige Einlassung des Angeklagten (84,1 %,
N=473). Auch Zeugenaussagen waren häufig entscheidungserheblich (24,9 %). Seltener kam
es auf Spuren (10,6 %)132 oder Sachverständigengutachten (7,0 %)133 an (Abbildung 54). Zu
den sonstigen relevanten Beweismitteln (7,2 %) zählten vor allem Einlassungen von Mitangeklagten. Eine ähnliche Reihenfolge findet sich in allen Städten wieder, wobei es folgende signifikante Unterschiede gibt: So war der Anteil der geständigen Einlassungen von Angeklagten
als entscheidungserhebliches Beweismittel in Stadt 2 am geringsten (70,7 %) und in Stadt 4
mit 92,2 % am größten. Zeugenaussagen spielten hingegen in Stadt 2 die größte Rolle
(38,7 %) und in Stadt 3 die geringste (13,0 %). Stadt 3 fällt daneben mit einem sehr geringen
Anteil entscheidungserheblicher Spuren auf (1,3 %), in Stadt 5 ist dieser am größten (16,5 %).
Sachverständigengutachten waren vermehrt in Stadt 4 (10,9 %) und Stadt 2 (9,3 %) entscheidungserheblich.

84,1
7,2

10,6
24,9
7,0

2,2

16,5
23,1
6,6

84,6

92,2
3,1

11,7
19,5
10,9

6,5

1,3
13,0
0,0

17,3

9,3

13,3

9,8

32,4
5,9

8,8

40
20

38,7

80
60

88,3

100

70,7

80,4

Abbildung 54: Entscheidungserhebliche Beweismittel bei rechtskräftig verurteilten Personen (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Spuren

Zeugenaussagen

Sachverständigengutachten

Geständige Einlassung des Angeklagten

Sonstiges

130
131

132
133

Siehe dazu auch Abschnitt 4.5 und 5.3.
Dazu wurden auch Personen gezählt, die einen rechtskräftigen Strafbefehl erhielten (vgl. auch § 410 III
StPO).
Darunter fallen vor allem Fingerabdruckspuren (56,0 %) und DNA-Spuren (42,0 %).
Dabei handelt es sich hauptsächlich um rechtsmedizinische (45,5 %), psychologische/psychiatrische
(27,3 %) und chemische Gutachten (24,2 %).

83

5.2.2 Schuldfähigkeit und Sucht
Ein gerichtlich festgestelltes Tatmotiv konnte nur in zwei Drittel der Fälle (62,8 %) verurteilter Täter/innen (N=506) den Urteilsgründen entnommen werden. In jedem zweiten dieser Fälle waren zumindest auch finanzielle Gründe/Schulden handlungsleitend (54,7 %). In etwa
jedem dritten Fall wurde eine Betäubungsmittelabhängigkeit (30,8 %) als Motiv festgestellt.
Jugendtypische Gründe (etwa Gruppenzwang, Langeweile) waren bei jedem zehnten Fall ausschlaggebend (10,4 %). Alkoholsucht und Rache an der/dem Geschädigten spielten nur selten
eine Rolle (5,7 % bzw. 7,2 %). Fast nie wurde als Grund für die Tat eine Spielsucht oder Medikamentenabhängigkeit angegeben (1,9 % bzw. 1,6 %). Sonstige Gründe (16,7 %) waren
insbesondere die Aufforderung durch eine dritte Person und psychische Probleme.
Bei jeder zehnten rechtskräftig verurteilten Person wurde eine verminderte Schuldfähigkeit
(§ 21 StGB) festgestellt (11,0 %; N=483). In den Städten 1 und 2 wurde diese Feststellung
vergleichsweise häufig getroffen (21,6 % bzw. 17,1 %), während in Stadt 5 alle Verurteilten
für vollumfänglich schuldfähig erachtet wurden (Abbildung 55). Die Feststellung der verminderten Schuldfähigkeit basiert zumeist darauf, dass der Angeklagte bei der Tat unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand (97,9 %; N=47) und/oder die Tat ganz allgemein durch
eine Sucht motiviert war (88,7 %; N=53).
Abbildung 55: Verminderte Schuldfähigkeit bei rechtskräftig verurteilten Personen (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

25

21,6

20

17,1

15
11,0

10

7,7

8,9

5
0,0

0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Bei gut einem Fünftel der rechtskräftig verurteilten Personen stellte das Gericht einen Einfluss
von Drogen oder Alkohol während der Tatbegehung fest (21,1 %; N=506). Differenziert nach
Städten zeigen sich erneut signifikante Unterschiede: In Stadt 3 beging etwa ein Drittel
(31,6 %) der verurteilten Täter/innen die Tat unter Drogen- oder Alkoholeinfluss; in Stadt 5
war dieser Anteil mit 9,3 % am geringsten (Abbildung 56).

84

Abbildung 56: Alkohol-/Drogeneinfluss während der Tat bei rechtskräftig verurteilten Personen (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

35
30

31,6
26,2

25

21,9

20

21,1

17,4

15
9,3

10
5
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Bei knapp einem Drittel der rechtskräftig verurteilten Personen hat das Gericht daneben eine
stoffliche oder nichtstoffliche Sucht/Abhängigkeit festgestellt (32,7 %; N=477). Überwiegend
handelte es sich dabei um BtM-Abhängigkeiten (85,3 %), gefolgt von Alkoholsucht (26,3 %).
Spielsucht und Medikamentenabhängigkeit spielten eine untergeordnete Rolle (3,2 % bzw.
5,1 %). Im Stadtvergleich fällt Stadt 2 mit einem relativ hohen Anteil abhängiger Täter/innen
(51,3 %) und Stadt 5 mit einem signifikant niedrigerem Anteil von 16,5 % auf (Abbildung
57).
Abbildung 57: Gerichtlich festgestellte Sucht/Abhängigkeit bei rechtskräftig verurteilten Personen (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

60

51,3

50
40

42,7
32,7

32,7
27,6

30

16,5

20
10
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

5.2.3 Dauer des Verfahrens
Anzahl der Hauptverhandlungstage
Die durchschnittliche Dauer der Hauptverhandlungen betrug 1,5 Tage (N=580), wobei die
Mehrheit nicht länger als einen Tag (77,1 %) in Anspruch nahm. Jede achte Hauptverhandlung fand an zwei Tagen statt (12,8 %); maximal wurde an 13 Tagen verhandelt. Hierbei
ergaben sich signifikante Stadtunterschiede: In Stadt 3 ist der Anteil an Hauptverhandlungen,
die zwei und mehr Tage in Anspruch nahmen (11,9 %), am kleinsten und in Stadt 5 (29,2 %)
am größten (Stadt 1: 27,4 %, Stadt 2: 18,6 %, Stadt 4: 23,7 %).

85

Dauer vom Eingang der Anklageschrift bei Gericht bis zur Entscheidungsverkündung
Im Mittel dauerte es vom Eingang der Anklageschrift bei Gericht (Beginn des Zwischenverfahrens) bis zur Verkündung der erstinstanzlichen Entscheidung ungefähr vier Monate
(M=17,0 Wochen; N=546). Die Hälfte der gerichtlichen Verfahren dauerte nicht länger als
rund drei Monate (Median=12,8 Wochen). Hinsichtlich der mittleren Verfahrensdauer in erster Instanz unterscheidet sich Stadt 2 signifikant von den anderen Städten mit einer überdurchschnittlichen Dauer von sechs Monaten (M=24,0 Wochen).
Überwiegend haben die Verfahren zwischen einem und sechs Monaten gedauert, wobei es
signifikante Stadtunterschiede gibt. Besonders Stadt 5 fällt auf, da hier der überwiegende Teil
der Verfahren zwischen zwei und vier Monaten (58,8 %) und nur etwa jedes zehnte länger als
sechs Monate dauerte. In Stadt 2 dauerte hingegen knapp ein Drittel der Verfahren länger als
ein halbes Jahr (Abbildung 58).
Abbildung 58: Dauer bis zur erstinstanzlichen Entscheidungsverkündung (in %; fett: Unterschiede signifikant bei
p<.05)
58,8

70

19,4
10,4
5,5

4,0

8,8

10,8
2,0

2,9

16,7

17,8
6,2
4,1

22,3

31,5
35,6
4,8

6,2
1,0

7,2

10,6

27,7
23,4
20,2

17,0
1,1

10

3,7

20

3,7

18,7

30

15,0
19,6

40

23,7
29,9
32,0

39,3

50

38,3

60

0
Stadt 1
< 1 Monat

Stadt 2
1 < 2 Monate

Stadt 3
2 < 4 Monate

Stadt 4
4 < 6 Monate

Stadt 5
6 < 12 Monate

Gesamt
> 12 Monate

Dauer bis Rechtskraft bei Rechtsmittelverfahren
In 11,6 % (N=588) der erstinstanzlich abgeschlossenen Verfahren wurde ein Rechtsmittel
(Berufung oder Revision) eingelegt und dieses bis zum Abschluss des Rechtsmittelverfahrens
verfolgt. In Stadt 2 geschah dies mit 6,1 % relativ selten und in Stadt 4 mit 14,6 % am häufigsten (Stadt 1: 14,5 %, Stadt 3: 9,9 %, Stadt 5: 10,5 %). In den Fällen, in denen Rechtsmittel
eingelegt und das Berufungs- bzw. Revisionsverfahren bis zum Abschluss durchgeführt wurde, verlängerte sich das Verfahren um durchschnittlich 10,2 Monate (Median=8,8 Monate;
N=62).

5.2.4 Sanktionen
Bei 30,0 % der Tatverdächtigen wurde das Verfahren durch die Staatsanwaltschaft fortgesetzt.
Neben der Stellung eines Antrags im beschleunigten Verfahren und von 18 Anträgen im vereinfachten Jugendverfahren (2,6 %) erhob die Staatanwaltschaft überwiegend Anklage
(93,6 %). Bei weiteren 3,6 % wurden Strafbefehlsanträge gestellt (Abbildung 59).

86

rechtskräftiger Strafbefehl
(N=22)

rechtskräftige Verurteilung nach Jugendstrafrecht (N=198)

Rücknahme der Klage
nach Einspruch
(§ 411 III 1. Alt. 2 StPO)
(N=1)

rechtskräftige Verurteilung nach Erwachsenenstraf-recht (N=286)

Verurteilung
(N=486)

Eröffnung des
Hauptverfahrens
(N=598)

Freispruch durch Berufungsgericht
(N=2)

Strafbefehl
(N=2)

rechtskräftiger Strafbefehl
(N=20)

Einstellung
(N=73)

wegen Geringfügigkeit
(§ 153 II StPO)
(N=10)

bei unwesentlichen
Nebenstraftaten
(§ 154 II StPO)
(N=33)

wegen Geringfügigkeit
(§ 153 II StPO)
(N=3)

Einstellung
(N=35)

Freispruch
(N=36)

bei unwesentlichen
Nebenstraftaten
(§ 154 II StPO)
(N=14)

Anklageerhebung (§ 170 I StPO) (N=648)
Antrag beschleunig. Verfahren (§§ 417 ff. StPO) (N=1)
Antrag vereinfacht. Jugendverfahren (§§ 76 ff. JGG) (N=18)
Strafbefehlsantrag (§ 407 StPO) (N=25)

Fortführung des Verfahrens durch die
Staatsanwaltschaft
(N=692)

bei Erfüllung von Aufl.
u. Weisungen
(§ 153a II StPO)
(N=8)

zur Durchführung
erzieh. Maßnahmen
(§ 47 JGG)
(N=16)
bei längerer Abwesenheit d. Ang.
(§ 205 StPO)
(N=2)

zur Durchführung
erzieh. Maßnahmen
(§ 47 JGG)
(N=22)

fehlende Angabe
(N=1)

fehlende Angabe
(N=29)

Ablehnung der Eröffnung
(N=9)

Abbildung 59: Gerichtliche Entscheidung (Gesamtstichprobe; Personenebene)

87

Strafbefehle
Die Staatsanwaltschaft beantragte bei 25 Tatverdächtigen zum Ende des Ermittlungsverfahrens einen Strafbefehl (3,6 % der fortgeführten Verfahren). Zumeist handelte es sich bei den
zugrundeliegenden Taten um vollendete Wohnungseinbrüche (68,0 %; N=25); jeder dritte
Strafbefehl erging wegen einer versuchten Tat (32,0 %). Zwei weitere Strafbefehle wurden
erst in der Hauptverhandlung erlassen. Hierbei handelte es sich jeweils um vollendete Wohnungseinbrüche.
Zwei Drittel (68,0 %; N=25) der Strafbefehlsanträge waren auf eine Geldstrafe und ein Drittel
(32,0 %) auf eine Freiheitsstrafe gerichtet. Durch das Gericht wurden sämtliche Strafbefehle
erlassen (§ 408 III 1 StPO), knapp ein Viertel (24,0 %) mit Abänderung (§ 408 III 2 StPO)
hinsichtlich der rechtlichen Beurteilung oder der beantragten Rechtsfolge.
Ein Anteil von 28,0 % (N=7) der Angeklagten mit Strafbefehl erhob daraufhin Einspruch. In
einem Fall wurde die Klage nach § 411 III 1. Alt. 1 StPO zurückgenommen. Bei vier weiteren
wurde ein Termin zur Hauptverhandlung anberaumt, in der die Verfahren in drei Fällen wegen Geringfügigkeit (§ 153 II StPO) und in einem Fall bei Erfüllung von Auflagen und Weisungen (§ 153a II StPO) eingestellt wurden. Die anderen zwei Angeklagten, die zunächst Einspruch erhoben hatten, nahmen diesen wieder zurück.
Bei den 22 rechtskräftig gewordenen Strafbefehlen variieren die Geldstrafen – jeweils bezogen auf (Einzel-)Strafen für den hier analysierten Wohnungseinbruch – zwischen 40 und 100
Tagessätzen von 8,00 bis 25,00 € (zusammen 320,00 bis 1500,00 €) und bei den Freiheitsstrafen – wiederum bezogen auf nämliche (Einzel-)Strafen – zwischen 4 und 12 Monaten.134
Sanktionen nach Erwachsenenstrafrecht
Ein Anteil von 59,1% (N=484) der rechtskräftig verurteilten Täter/innen wurde nach Erwachsenen-, der Rest nach Jugendstrafrecht verurteilt. Hierbei gab es signifikante Stadtunterschiede. Der Anteil von nach Erwachsenenstrafrecht Verurteilten war in Stadt 5 mit 74,2 % am
größten und in Stadt 3 mit 47,4 % am niedrigsten (Abbildung 60).135
Die Freiheitsstrafe (§§ 38 f. StGB) spielte bei den nach Erwachsenenstrafrecht verurteilten
Tätern/innen eine dominante Rolle und wurde bei 55,2 % ohne Bewährung und weiteren
134

135

88

Der gesetzliche Strafrahmen für den Wohnungseinbruchdiebstahl nach § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB beträgt
sechs Monate bis zu zehn Jahre. Eine Geldstrafe oder eine unter dem in vorgenannter Norm vorgegebenen
Mindestmaß liegende Freiheitsstrafe kann beispielsweise verhängt werden in Fällen eines versuchten Wohnungseinbruchdiebstahls oder einer verminderten Schuldfähigkeit, vgl. §§ 23 Abs. 2 StGB bzw. 21 StGB
i.V.m. § 49 Abs. 1 Nr. 3 und ggf. § 47 Abs. 2 StGB. Durch das 44. Strafrechtsänderungsgesetz vom
01.11.2011 (BGBl. I S. 2130) wurde mit § 244 Abs. 3 StGB überdies eine Regelung für minder schwere
Fälle des Wohnungseinbruchdiebstahls eingeführt. Sie sieht Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf
Jahren vor. Da der Großteil der hier analysierten Gerichtsverfahren im Zeitpunkt der Einführung dieses
minder schweren Falls bereits abgeschlossen war, kann § 244 Abs. 3 StGB (über § 2 Abs. 3 StGB) nur noch
in wenigen Fällen unserer Stichprobe Bedeutung erlangt haben.
Auf Heranwachsende (18<21 Jahre), die sowohl nach allgemeinem als auch nach Jugendstrafrecht verurteilt
werden können (vgl. §§ 105 f. JGG), fand in der Mehrzahl Jugendstrafrecht Anwendung (93,3 %; N=89). In
Stadt 5 wurden mit 36,4 % (4 von 11) relativ viele Heranwachsende nach allgemeinem Strafrecht sanktioniert.

38,5 % mit Bewährung am häufigsten verhängt. Insgesamt wurden in 94 von 1.606 aufgeklärten Fällen des Wohnungseinbruchs 158 Personen nach allgemeinem Strafrecht mit einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung sanktioniert.136 Geldstrafen gemäß § 40 StGB (4,2 %), Maßregeln
der Besserung und Sicherung nach §§ 63 ff. StGB (2,4 %) und Verwarnungen mit Strafvorbehalt gemäß § 59 StGB (0,7%) wurden hingegen eher selten verhängt (Abbildung 61)137.
Abbildung 60: Rechtskräftig verurteilte Täter/innen nach Erwachsenen- und Jugendstrafrecht (in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05).

80
70
60
50
40
30
20
10
0

74,2
59,2

57,3
47,4

42,7

40,8

52,6

59,1

56,3
43,7

40,9
25,8

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Verurteilungen nach Erwachsenenstrafrecht

Stadt 5

Gesamt

Verurteilungen nach Jugendstrafrecht

Abbildung 61: Verhängte Sanktionen (in %; Mehrfachangaben möglich)
55,2
38,5

34,9

137

17,7

Maßregeln der Besserung
und Sicherung

Erziehungsmaßregeln

Verwarnung mit
Strafvorbehalt

Zuchtmittel

Maßregeln der Besserung
und Sicherung

0,0

Jugendstrafe mit
Bewährung/ Aussetzung
der Verhängung

0,7

Jugendstrafe
ohne Bewährung

2,4

Geldstrafe

Freiheitsstrafe
mit Bewährung

4,2

Erwachsenenstrafrecht (N=286)

136

34,8

16,2

Freiheitsstrafe
ohne Bewährung

60
50
40
30
20
10
0

Jugendstrafrecht (N=198)

Hierbei sind Verurteilungen (auch) wegen Wohnungseinbruchs bei einmaliger und ausschließlicher Verletzung des Wohnungseinbruchtatbestandes sowie bei Tateinheit und Tatmehrheit (§ 52 bzw. § 53 StGB) zusammengefasst.
Siehe Fußnote 136.

89

Zur Beantwortung der Frage, wie hoch die Freiheitsstrafe für einen Wohnungseinbruch ausfiel, wurden zunächst – ohne Differenzierung nach versuchten und vollendeten Taten – die
Strafen bei einmaliger und ausschließlicher138 Verletzung des Wohnungseinbruchtatbestandes
(§ 244 I Nr. 3 StGB), die Strafen bei tateinheitlicher Verletzung weiterer Strafgesetze
(§ 52 StGB) und die Einzelstrafen für Wohnungseinbruch bei Tatmehrheit (§§ 53, 54 StGB)
addiert und ein Gesamtmittelwert gebildet. Dieser liegt bei 13,5 Monaten (N=148) mit einer
Spannweite von drei bis 40 Monaten. Die durchschnittliche Höhe der Freiheitsstrafen mit
Bewährung fällt dabei erwartungsgemäß signifikant geringer aus als die Höhe der Freiheitsstrafen ohne Bewährung (10,3 vs. 15,2 Monate; Tabelle 21).139
Tabelle 21: Dauer der Freiheitsstrafen mit und ohne Bewährung (in Monaten; nur Freiheitsstrafen, die (auch) wegen
Wohnungseinbruchs verhängt wurden)
Mittelwert

Minimum

Maximum

12,6

5

21

12,3

10

15

16,1

4

40

Zusammen

15,2

4

40

Strafen bei einmaliger und ausschließlicher Verletzung
des § 244 I Nr. 3 StGB

9,9

4

20

Strafen bei Tateinheit (§ 52 StGB)

11,0

7

18

Einzelstrafen für WED bei Tatmehrheit (§§ 53, 54 StGB)

10,6

3

18

Zusammen

10,3

3

20

Strafen bei einmaliger und ausschließlicher Verletzung
des § 244 I Nr. 3 StGB

11,2

4

21

11,7

7

18

14,6

3

40

13,5

3

40

Strafen bei einmaliger und ausschließlicher Verletzung
des § 244 I Nr. 3 StGB

Freiheitsstrafen ohne
Strafen bei Tateinheit (§ 52 StGB)
Bewährung
(N=96)
Einzelstrafen für WED bei Tatmehrheit (§§ 53, 54 StGB)

Freiheitsstrafen mit
Bewährung
(N=52)

Freiheitsstrafen insgeStrafen bei Tateinheit (§ 52 StGB)
samt
(N=148)
Einzelstrafen für WED bei Tatmehrheit (§§ 53, 54 StGB)
Zusammen

Im Stadtvergleich zeigen sich signifikante Unterschiede bei den Einzelstrafen für Wohnungseinbruch im Fall der Tatmehrheit (§§ 53,54 StGB). Diese reichen von durchschnittlich 8,5
Monaten in Stadt 3 bis 18,8 Monaten in Stadt 4 (Abbildung 62). Der Anteil der Freiheitsstrafen, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde, liegt bei 23,8 % (N=319) und unterscheidet sich nicht signifikant zwischen den Städten.

138

139

90

Darunter fallen auch Fälle, in denen – wie regelmäßig beim Wohnungseinbruchdiebstahl – der Sache nach
zwar weitere Straftatbestände (wie etwa § 123 StGB) verletzt sind, diese aber durch § 244 Abs. 1 Nr. 3
StGB verdrängt werden.
Die durchschnittliche Höhe der Freiheitsstrafe bei einmaliger und ausschließlicher Verletzung des § 244 I
Nr. 3 StGB – unabhängig davon, ob sie zur Bewährung ausgesetzt wurde oder nicht – liegt bei 11,2 Monaten. Ein ähnliches Ergebnis zeigt sich auch bei Albrecht für den Einbruchdiebstahl (1994, S. 279), der zum
Zeitpunkt seiner Untersuchung allerdings noch in § 243 Abs. 1 Nr. 1 StGB geregelt und nicht vollständig
inhaltsgleich mit dem heutigen § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB war sowie einen anderen Strafrahmen vorsah.

Abbildung 62: Dauer der Einzelstrafen für Wohnungseinbruch bei Tatmehrheit (§§ 53,54 StGB) (in Monaten; fett:
Unterschiede signifikant bei p<.05)

20
18
16
14
12
10
8
6
4
2
0

18,8
13,9

14,6

Stadt 5

Gesamt

12,1
9,3

Stadt 1

Stadt 2

8,5

Stadt 3

Stadt 4

Differenziert nach dem Tatstadium und bezogen auf den berechneten Gesamtmittelwert ergibt
sich ebenso erwartungsgemäß, dass die Höhe der Freiheitsstrafe bei vollendeten Delikten mit
durchschnittlich 14,0 Monaten signifikant größer ausfällt als die Höhe der Freiheitsstrafe bei
Taten, die im Versuchsstadium stecken geblieben sind (8,9 Monate). Dies zeigt sich ebenfalls
bei den Einzelstrafen für einen Wohnungseinbruch bei Tatmehrheit (§§ 53,54 StGB; 15,2 vs.
9,0 Monate; Tabelle 22).140

Freiheitsstrafen insg. (N=148)

Tabelle 22: Dauer der Freiheitsstrafen bei versuchten und vollendeten Taten (in Monaten; nur Freiheitsstrafen, die
(auch) wegen Wohnungseinbruchs verhängt wurden)

Vollendung
(N=133)

Versuch
(N=15)

Mittelwert

Minimum

Maximum

Strafen bei einmaliger und ausschließlicher Verletzung
des § 244 I Nr. 3 StGB

11,4

4

21

Strafen bei Tateinheit (§ 52 StGB)

13,0

7

18

Einzelstrafen für WED bei Tatmehrheit (§§ 53, 54 StGB)

15,2

5

40

Zusammen

14,0

4

40

Strafen bei einmaliger und ausschließlicher Verletzung
des § 244 I Nr. 3 StGB

7,0

6

8

Strafen bei Tateinheit (§ 52 StGB)

10,0

8

12

Einzelstrafen für WED bei Tatmehrheit (§§ 53, 54 StGB)

9,0

3

16

Zusammen

8,9

3

16

Sanktionen nach Jugendstrafrecht
Ein Anteil von 40,9 % der rechtskräftig verurteilten Täter/innen wurde nach Jugendstrafrecht
verurteilt. Am häufigsten wurde die Jugendstrafe (§§ 17 f. JGG) verhängt: 16,2 % der jungen
Täter/innen erhielten diese ohne Bewährung, bei weiteren 34,9 % wurde die Vollstreckung
der Strafe (§ 21 JGG) bzw. deren Verhängung (§ 27 JGG) zur Bewährung ausgesetzt. Darauf
folgen die Zuchtmittel (§§ 13 JGG) mit 34,8 % und die Erziehungsmaßregeln (§§ 9 ff. JGG)
mit 17,7 % (Abbildung 61).

140

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist die geringe Fallzahl insbesondere bei den Versuchen zu berücksichtigen. Eine weitere Differenzierung ist damit nicht sinnvoll möglich.

91

Die Dauer der Jugendstrafe ohne Bewährung betrug durchschnittlich 25,9 Monate (N=29) und
mit Bewährung 15,3 Monate (N=68). Die durchschnittliche Dauer für Jugendstrafen mit Bewährung unterscheidet sich signifikant zwischen den Städten und fiel in Stadt 4 am längsten
aus (22,1 Monate) und in Stadt 3 am kürzesten (10,9 Monate). Die Stadtunterschiede hinsichtlich der Jugendstrafen ohne Bewährung erwiesen sich als nicht signifikant, was in der geringen Fallzahl begründet sein dürfte. Der größte Unterschied hinsichtlich der Dauer von Jugendstrafen mit und ohne Bewährung fand sich in Stadt 2 (Abbildung 63).
Ein Vergleich der durchschnittlichen Dauer der Jugendstrafen mit der Dauer der nach Erwachsenenstrafrecht verhängten Freiheitsstrafen erscheint nicht sinnvoll. Dies gilt zum einen,
weil Jugend- und Freiheitsstrafen nach grundsätzlich unterschiedlichen gesetzlichen Maßstäben und Kriterien bemessen werden. Zum anderen ist es bei der Jugendstrafe häufig nicht
möglich, genau zu sagen, wie hoch die Einzelstrafe für den Wohnungseinbruch ausgefallen
ist. Denn in den nicht seltenen Fällen von Verurteilungen wegen mehrere Taten setzt das Gericht nach dem in § 31 JGG normierten Einheitsprinzip auch bei mehreren Straftaten eines
Jugendlichen die Rechtsfolgen der Tat regelhaft nur einheitlich fest, ohne die Einzelstrafen für
den Wohnungseinbruch auszuweisen.
Abbildung 63: Dauer der Jugendstrafe (in Monaten; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

35

31,8

29,8

30

25,9

25

22,1

20,5

20
15

22,0

17,5
11,5

13,6

13,5

15,3

10,9

10
5
0
Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

Dauer Jugendstrafe ohne Bewährung
Dauer Jugendstrafe mit Bewährung/ Aussetzung der Verhängung

Bei fast allen der mit Erziehungsmaßregeln sanktionierten Tätern/innen wurden Weisungen
erteilt (97,1 %); bei 11,4 % erfolgte eine Anordnung, Hilfe zur Erziehung im Sinne des § 12
JGG in Anspruch zu nehmen. Wie in Abbildung 64 zu sehen, war das am häufigsten verhängte Zuchtmittel der Jugendarrest (76,8 %). Ein Viertel erhielt Auflagen (24,6 %) und bei etwa
jedem achten wurde eine Verwarnung ausgesprochen (13,0 %). Der Jugendarrest setzt sich
zusammen aus zwei Dritteln Dauerarrest (65,1 %), knapp einem Viertel Freizeitarrest
(23,3 %) und gut einem Zehntel Kurzarrest (11,6 %).

92

Abbildung 64: Zusammensetzung der verhängten Zuchtmittel (in %; Mehrfachangaben möglich)

90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

76,8
65,1

24,6

23,3
13,0

Jugendarrest
(§ 16 JGG)

Erteilung von
Auflagen
(§15 JGG)

Verwarnung
(§ 14 JGG)

Zuchtmittel (§§ 13 JGG)

11,6

Dauerarrest

Freizeitarrest

Kurzarrest

Jugendarrest (§ 16 JGG)

5.3 Einflussfaktoren für eine Verfahrensfortführung und Verurteilung
Um mögliche Einflussgrößen zu erkennen, die für die Fortführung des Strafverfahrens durch
die Staatsanwaltschaft und letztendlich die Verurteilung einer zunächst wegen Wohnungseinbruchs verdächtigen Person statistisch relevant sind, werden nun auf Grundlage des Gesamtdatensatzes (Personenebene) binär-logistische Regressionsmodelle berechnet (Tabelle 23). Im
Unterschied zu den Regressionsmodellen in Abschnitt 4.5 werden an dieser Stelle keine Fälle
miteinander verglichen, sondern Verfahrensdaten zu konkreten tatverdächtigen Personen.
Fallmerkmale polizeilich aufgeklärter Fälle wie das Tatstadium können entsprechend der Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen mehrfach in die Auswertung eingehen. Als abhängige
Variable dient den Modellen 0 bis 2 die binär codierte Variable Fortführung des Verfahrens,
in der zwischen tatverdächtigen Personen unterschieden wird, deren Verfahren durch Anklageerhebung oder Beantragung eines Strafbefehls fortgeführt wurde oder nicht. Anschließend
wird im Modell 3 unter Beibehaltung der unabhängigen Variablen die abhängige Variable
gewechselt. Mit der Variable Verurteilung wird dann zwischen tatverdächtigen Personen mit
und ohne rechtskräftige Verurteilung in Folge des untersuchten Wohnungseinbruchs unterschieden.141 Im Vergleich der Modelle 2 und 3 soll gezeigt werden, ob eigenständige Faktoren
erkennbar werden, die zwar für die Staatsanwaltschaft zur Fortführung des Verfahrens entscheidend waren, aber hinsichtlich der gerichtlichen Entscheidung zur Verurteilung keine
Bedeutung erlangten.
Hierbei sind erneut folgende Punkte bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen:
Zur Vergleichsgruppe der Verfahren, die nicht mit einer/m rechtskräftigen Verurteilung/Strafbefehl endeten, zählen u.a. Verfahren, die etwa gemäß der §§ 153, 153a 154 StPO
von Staatsanwaltschaft oder Gericht eingestellt wurden, auch wenn möglicherweise genügend
beweiskräftiges Material für eine Verurteilung vorgelegen haben mag. Daneben bleibt bei den
141

Personen, die einen rechtskräftigen Strafbefehl erhielten, werden zu den Verurteilten gezählt.

93

durch die Staatsanwaltschaft fortgeführten Verfahren unberücksichtigt, welche noch im Ermittlungsverfahren gesammelten Indizien/Beweise letztendlich durch das Gericht zur Urteilsfindung heranzogen wurden.
Das Modell 0 ist – wie bereits unter Abschnitt 4.5 – kein Vorhersagemodell im eigentlichen
Sinne. Hier werden lediglich bivariate Zusammenhänge aufgeführt, um im Modell 2 erkennen
zu können, welche der in diesem Schritt identifizierten Prädiktoren unabhängige Effekte aufweisen. Zu den positiv wirkenden Einflussgrößen, die die Chance erhöhten, dass das Verfahren gegen die tatverdächtige Person fortgeführt wurde, zählen in diesem Schritt Hinweise auf
die verschiedenen Süchte und Abhängigkeiten, Aussagen eines/einer Mittäters/in oder anderer
Tatverdächtiger, Fingerabdruck- und DNA-Spuren, Selbstanzeigen der Täter/innen, Ergreifen
in Tatortnähe, Ertappen auf frischer Tat, aufgefundenes Stehlgut, Beschuldigtenvernehmungen mit Geständnis, vollendete Taten und Hinweise auf gemeinschaftliche Tatbegehung. Hingegen wirkte es sich negativ aus, wenn Zeugenaussagen den Tatverdacht begründeten oder
ein/e (Ex-)Partner/in oder ein Familienmitglied verdächtigt wurde. Ebenfalls signifikant negativ wirkte es sich aus, wenn die Tatverdächtigen über Zusammenhänge mit anderen Einbrüchen hinsichtlich der Begehungsweise, des Tatorts, der Tatzeit oder sonstige Hinweise ermittelt wurden und wenn eine durchgeführte Vernehmung ohne Geständnis blieb. Stadtunterschiede sind ebenfalls zu erkennen, insofern die Chance der Fortführung des Verfahrens
durch die Staatsanwaltschaft im Vergleich zu Stadt 1 in Stadt 3 signifikant niedriger und in
Stadt 4 signifikant höher ausfiel.
Das multivariate Modell 1 dient im nächsten Schritt dem Test, ob sich u.a. Hinweise auf
Sucht/Abhängigkeit, die Ermittlung von Tatverdächtigen aufgrund von Spuren bzw. über Zusammenhänge mit anderen Einbrüchen sowie die Durchführung einer Beschuldigtenvernehmung im Allgemeinen als bedeutsame Prädiktoren zeigen. Im Modell 2 werden diese Variablen anschließend durch differenzierende Variablen – bspw. verschiedene Süchte/Abhängigkeiten oder Spurenarten – ersetzt, um genauere Aussagen treffen zu können.142
Im Modell 1 sind unter Kontrolle der anderen Einflussgrößen ebenfalls signifikante Stadtunterschiede zu erkennen. Im Vergleich zu Stadt 1 war in den Städten 2 und 3 die Chance der
Fortführung des Verfahrens gegen die tatverdächtige Person kleiner, während sie in Stadt 4
und 5 signifikant größer ausfiel. Dies ist insofern interessant, als dass in den Städten 2 und 3
die Chance zur fallbezogenen polizeilichen Ermittlung mindestens eines Tatverdächtigen signifikant höher ausfiel.143 Die Chance der Verfahrensfortführung erhöhte sich ebenfalls durch
Hinweise auf Süchte/Abhängigkeiten, durch die Ermittlung des Tatverdächtigen über Mittäteraussagen, Spuren, das Ergreifen in Tatortnähe bzw. auf frischer Tat oder durch Ermittlung

142

143

94

Die berichteten signifikanten Effektkoeffizienten (Exp(β)) in Modell 1 und 2 sind unabhängige Effekte,
die sich als Chance der Verurteilung eines namentlich ermittelten Tatverdächtigen nach einem Wohnungseinbruch interpretieren lassen. Beispielsweise zeigt sich im Modell 1, dass – verglichen mit Tatverdächtigen, die anders ermittelt wurden – die Chance der Verurteilung um das Dreifache höher ausfiel, wenn der
Tatverdacht über gesicherte Tatortspuren begründet wurde.
Siehe Abschnitt 4.5. Damit in Zusammenhang steht möglicherweise die durchschnittliche Anzahl an ermittelten Tatverdächtigen pro aufgeklärtem Fall, die in Stadt 1 (1,3) kleiner ausfiel als in den anderen Städten
(Stadt 2: 1,5; Stadt 3 und 4: 1,6; Stadt 5: 1,7).

über das Stehlgut sowie durch die Durchführung mindestens einer Beschuldigtenvernehmung
oder das Vorhandensein von Hinweisen auf eine gemeinschaftliche Tatbegehung.
Daneben ist erkennbar, dass der Tatverdacht bei einem vollendeten Einbruch signifikant häufiger zur Fortführung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft führte als bei einem Versuch. Hingegen verringerte sich die Chance der Fortführung, wenn es zwischen Tatverdächtigen und Geschädigten eine Beziehung gab und wenn sich der Tatverdacht allein über den
Zusammenhang mit einem anderen Einbruch begründete. Keinen eigenständigen statistisch
relevanten Einfluss auf die Entscheidung zur Fortführung des Verfahrens hatten die Aussagen
von Zeugen und anderen Tatverdächtigen sowie die Ermittlung eines Tatverdächtigen über
Hehler und Sonstiges. Die positiven Effektkoeffizienten der Variablen Ermittlung über Überwachungskameras und Täter/in hat sich der Polizei gestellt sind zwar recht groß, überspringen allerdings die Signifikanzschwelle einer fünfprozentigen Irrtumswahrscheinlichkeit. Dies
dürfte u.a. mit der sehr geringen Fallzahl solcher Konstellationen zusammenhängen.
Im Modell 2 wird das bisherige Ergebnis von Modell 1 im Großen und Ganzen bestätigt. Lediglich die Unterschiede von Stadt 4 und 5 zur Referenzstadt 1 verschwinden. Dies könnte
zum einen mit dem Fallverlust durch fehlende Werte bei den neu eingeführten Variablen und
zum anderen mit deren zusätzlicher Erklärungskraft zusammenhängen.144 Die stärksten signifikanten Prädiktoren, d.h. die Variablen mit dem größten positiven Einfluss auf die unabhängige Variable Fortführung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft, sind die Vernehmung
mit Geständnis, das Ertappen auf frischer Tat sowie die Ermittlung über Mittäteraussagen
und das Stehlgut. Bezüglich der Hinweise auf stoffliche und nichtstoffliche Süchte und Abhängigkeiten ergab sich, dass allein Hinweise auf BtM-Abhängigkeit bei den Tatverdächtigen
die Chance einer Fortführung des Verfahrens erhöhten, während sich bei Hinweisen auf andere Süchte und Abhängigkeiten keine eigenständigen Effekt ergaben. Dies ist insofern plausibel, da Täter/innen mit bestimmten BtM-Abhängigkeiten einem vergleichsweise großen und
akuten Beschaffungsdruck ausgesetzt sind und daher spontaner und unvorsichtiger agieren.
Die Täter/innen dieser Gruppe dürften auch entsprechend leichter beweiskräftig zu ermittelt
sein als andere.

144

Bspw. lösen sich die im ersten Modell berechneten signifikanten Effekte von Stadt 4 und 5 mit der Einführung der Variable Vernehmung mit Geständnis im Modell 2 auf. Dies ist erwartungskonform, da sich im
Vergleich mit Stadt 1 zeigte, dass in beiden Städten ein signifikant größerer Anteil der durchgeführten Vernehmungen mit einem Geständnis endete (siehe Abbildung 41, S. 63).

95

Tabelle 23: Binär-logistische Regression zur Vorhersage der Anklage/Verurteilung der tatverdächtigen Person
Abhängige Variable:
Fortführung des Verfahrens durch die StA (Modell 0-2)
Rechtskräftige Verurteilung/Strafbefehl (Modell 3)

Modell 0

Modell 1

Modell 2

Modell 3

Stadt 1

Referenz

Referenz

Referenz

Referenz

Stadt 2
Stadt 3
Stadt 4
Stadt 5
Vollendete Tat (Referenz: Versuche)

.995
.502 ***
1.482 **

.680 *
.498 ***

.536 **
.521 **

.421 ***
.445 ***

1.397 *

1.158

1.020

.817

1.646 **

1.338

1.255

1.314 *

1.465 **

1.448 *

1.468 *

Hinweis auf Sucht/Abhängigkeit (Referenz: kein Hinweis)

2.930 ***

Spielsucht

2.785 *

1.117

1.133

BtM-Abhängigkeit

2.939 ***

2.769 ***

2.751 ***

Alkoholsucht

2.506 ***

1.383

1.298

Medikamentenabhängigkeit

3.944 **

.697

.652

1.023

.898

Täter-Opfer-Beziehung (Referenz: keine Beziehung)
vom Sehen oder aus der Nachbarschaft

.682 **
1.158

aus Bekannten- oder Freundeskreis

.811

.662 *

.622 *

(Ex-)Partner/in oder Familienmitglied

.565 ***

.655

.553 *

Sonstige Bekanntschaft

.593

.645

.327 *

Tatverdächtige/r ermittelt durch:
Zeugenaussagen

.744 **

1.252

1.444 *

1.184

Mittäteraussagen

3.831 ***

7.053 ***

5.789 ***

3.792 ***

Aussagen eines anderen Tatverdächtigen

1.615 *

1.534

1.609

Spuren
Fingerabdruckspur
Schuhabdruckspur

.911

2.669 ***
2.382 ***

3.329 ***

.812

DNA-Spur

1.898 ***

Sonstige-Spur

1.830

.938

3.337 ***
1.876

2.400 **

2.525 **

4.751

3.181

.974

1.074

Täter/in hat sich der Polizei gestellt

2.134

1.870

Ergreifen in Tatortnähe

3.279 ***

2.731 ***

2.828 ***

1.790 **

Ertappen auf frischer Tat

3.884 ***

3.426 ***

4.106 ***

3.914 ***

Zusammenhang mit anderem Einbruch

.482 ***

Begehungsweise

.379 ***

.512 *

.426 **

Tatort

.460 ***

.251 **

.390

Tatzeit

.527 ***

3.153 *

2.929

Art des Stehlguts

.642

1.213

1.005

.779

1.180

Überwachungskamera

Sonstiges

1.628

1.878

1.321

1.745

Stehlgut

2.605 ***

3.257 ***

4.334 ***

4.080 ***

Hehler

1.145

.408

.205

.409

.959

.624

.331 **

.389 **

11.413 ***

13.068 ***

15.445 ***

.814 *

1.596 **

1.326

1.367 *

1.425 **

1.645 **

N

2025

1980

1980

Nagelkerkes R²

.303

.407

.431

Sonstiges
Durchführung einer Beschuldigtenvernehmung
(Referenz: keine Vernehmung)
mit Geständnis
ohne Geständnis
Hinweise auf gemeinschaftliche Tatbegehung
(Referenz: Alleintäter/in)

Signifikanzniveau: * p<.05, ** p<.01, *** p<.001

96

.362 *

2.840 ***

1.263 *

Bei den Tatortspuren zeigen sich wie bereits im Modell 0 Fingerabdruckspuren und DNASpuren förderlich für die staatsanwaltschaftliche Entscheidung der Fortführung des Verfahrens. Und auch wenn die durchgeführte Beschuldigtenvernehmung ohne Geständnis blieb,
entschied sich die Staatsanwaltschaft signifikant häufiger zur Fortführung des Verfahrens, als
wenn keine Vernehmung durchgeführt wurde. Während sich ein über die Tatzeit hergestellter
Zusammenhang zu anderen Einbrüchen positiv auf diese Entscheidung auswirkte, verringerten sich die Chancen einer Fortführung, wenn die Polizei die Tatverdächtigen allein über ähnliche Begehungsweisen oder räumliche Nähe zu anderen Tatorten ermittelte.145
Ebenfalls negativ wirkte es sich aus, wenn der/die Tatverdächtige allein über Sonstiges ermittelt wurde. Darunter fallen vor allem Verkehrskontrollen, Verkehrsdatenerhebung, Telekommunikationsüberwachung sowie das Geständnis der untersuchten Tat innerhalb eines anderen
Strafverfahrens.
Das Modell 3 mit der abhängigen Variable rechtskräftige Verurteilung/Strafbefehl unterscheidet sich nur relativ gering vom Modell 2 mit der abhängigen Variable Fortführung des
Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft. Dies ist insofern erwartungskonform, als dass die
Mehrheit (76,4 %; N=662) der Verfahren gegen Tatverdächtige des Wohnungseinbruchs, die
von der Staatsanwaltschaft fortgeführt werden, auch mit einer rechtskräftigen Verurteilung
bzw. einem rechtskräftigen Strafbefehl endeten.
Zu den erkennbaren Unterschieden gehören insbesondere das Verschwinden der signifikanten
Effekte der Zeugenaussagen sowie der Vernehmungen ohne Geständnis unter gleichzeitiger
Vergrößerung des Effektkoeffizienten der Vernehmung mit Geständnis. Auch Zusammenhänge zu anderen Einbrüchen, die allein über eine zeitliche Nähe hergestellt wurden, sind
nicht mehr signifikant.
Die regionalen Unterschiede bleiben erhalten, wonach in den Städten 2 und 3 ebenfalls die
Chance der Verurteilung einer von der Polizei als tatverdächtig ermittelten Person unabhängig
von allen anderen Modellvariablen signifikant geringer ausfiel als in Stadt 1. Beachtet werden
muss, dass die durchschnittliche Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen pro aufgeklärtem
Fall in Stadt 2 und 3 höher ausfiel als in Stadt 1.146 Daneben liegt eine mögliche Erklärung in
den regionalen Unterschieden bei staatsanwaltschaftlichen und gerichtlichen Entscheidungen
sowie bei den Einstellungsgründen. In Stadt 3 wurden signifikant mehr Fälle bereits durch die
Staatsanwaltschaft eingestellt als in Stadt 1 (80,4 % vs. 67,5 %) – meist nach § 170 II StPO –
und in Stadt 2 wurden signifikant mehr Fälle gerichtlich eingestellt als in Stadt 1 (23,8 % vs.
8,1 %) – meist nach § 154 II StPO als unwesentliche Nebenstraftat. D.h., die signifikant geringere Chance einer Verurteilung in Stadt 3 kann u.a. auf die Einstellungen durch die Staatsanwaltschaft bei nicht hinreichendem Tatverdacht zurückgeführt werden, während die signifi-

145

146

Die Herstellung eines Zusammenhangs zu anderen Einbrüchen über die Begehungsweise erwies sich auf
Fallebene u.a. hinsichtlich der polizeilichen Ermittlung mindestens eines Tatverdächtigen noch als Chance
erhöhend (siehe Abschnitt 4.5).
Siehe Fußnote 143.

97

kant geringere Chance einer Verurteilung in Stadt 2 auch mit den gerichtlichen Einstellungen
aus anderen Gründen zusammenhängt.147
Der stabile Effekt der Variable Hinweis auf BtM-Abhängigkeit deutet darauf hin, dass Verfahren gegen betäubungsmittelabhängige Tatverdächtige bereits von der Staatsanwaltschaft
signifikant häufiger fortgeführt wurden und entsprechend signifikant häufiger mit einer Verurteilung endeten als Verfahren gegen Tatverdächtige ohne Hinweis auf Sucht/Abhängigkeit.

147

98

Siehe Abschnitte 5.1.1 und 5.2.

6

Verurteilte Täter/innen

Nachdem bereits unter Abschnitt 4.3 der Frage nach den Tatverdächtigen nachgegangen wurde, sollen an dieser Stelle zur Beantwortung der dritten zentralen Forschungsfrage die Täter/innen des Wohnungseinbruchs charakterisiert werden.
Weil sich gezeigt hat, dass eine Vielzahl der Verfahren gegen Tatverdächtige des Wohnungseinbruchs insbesondere aus Mangel an Beweisen eingestellt wurde, werden nur diejenigen
polizeilich ermittelten Personen als Täter/innen bezeichnet, die in Folge des Wohnungseinbruchs einen rechtskräftigen Strafbefehl erhielten oder rechtkräftig verurteilt wurden. Anhand
der Akten lässt sich diese Gruppe (N=506) folgendermaßen beschreiben148: Das durchschnittliche Alter der Verurteilten betrug zum Zeitpunkt der Tat 26,3 Jahre und variierte zwischen 14
und 61 Jahren (50,0 % waren jünger als 23 Jahre, die andere Hälfte älter). Die Mehrzahl ist
männlich (89,9 %) und wurde in Deutschland geboren (56,6 %). Die Hälfte der Verurteilten
hat die deutsche (49,6 %), die andere Hälfte eine andere Staatsangehörigkeit (50,4 %).149 Dabei treten neben Staatenlosen und ungeklärten Staatsangehörigkeiten 38 verschiedene Nationalitäten auf. Relativ häufig fanden sich türkische, serbische, rumänische und kroatische
Staatsangehörige. Ein Anteil von 79,1 % der verurteilten Personen war zum Zeitpunkt der
Ermittlung bereits vorgeahndet, davon knapp ein Drittel (30,6 %) wegen Wohnungseinbruchdiebstahls.

6.1 Tätergruppen
Um das Vorkommen verschiedener Tätergruppen einzuschätzen, wurden die Verurteilten entsprechend zugeteilt. Zu den Tätern/innen mit osteuropäischer Herkunft können 31,3 % der
Verurteilten gezählt werden.150 Ein Anteil von 44,3 % beging den Einbruch zusammen mit
mindestens einer weiteren dafür verurteilten Person. Hinweise für stoffliche und nichtstoffliche Süchte/Abhängigkeiten fanden sich bei über einem Drittel (38,5 %).151
In Tabelle 24 werden die verurteilten Personen verteilt über die Merkmale Staatsangehörigkeit, Alleintäter/innen/Gemeinschaftstäter/innen und Suchthinweise gleichzeitig dargestellt.
Mit 92 verurteilten Personen findet sich die größte Anzahl bei abhängigen Alleintätern/innen
mit ausschließlich deutscher Staatsangehörigkeit. Gleichzeitig sind aber auch alle anderen
148

149

150

151

Der Frage, wer die verurteilten Täter sind, wurde bereits von Dreißigacker et al. 2015a unter Rückgriff auf
die Verurteilten innerhalb der Zufallsstichprobe nachgegangen. Die folgende Auswertung bezieht sich auf
alle in der Gesamtstichprobe enthaltenen Verurteilten. Die einzelnen absoluten bzw. relativen Werte weichen daher voneinander ab, führen aber der Tendenz nach zum gleichen Ergebnis.
Personen, die neben der deutschen noch eine weitere Staatsangehörigkeit besaßen, wurden den Personen
mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit zugerechnet.
Dazu zählen rumänische, serbische, bulgarische, bosnische, mazedonische, albanische, kroatische, russische, ungarische, moldawische, georgische, weißrussisch, ukrainische, litauische und polnische Personen.
Dazu wurden Personen gezählt, bei denen sich entweder Hinweise auf Spielsucht, BtM-Abhängigkeit, Alkoholsucht oder Medikamentenabhängigkeit in entsprechenden polizeilichen Ermittlungsergebnissen fanden oder Aussagen der Täter zu Tatmotiven und gerichtlichen Feststellungen innerhalb des Hauptverfahrens
gemacht wurden.

99

Gruppen mit mindestens einer Person besetzt. Eine Dominanz eines bestimmten Tätertyps
lässt sich nicht feststellen.
Tabelle 24: Verurteilte Personen nach Gruppenzugehörigkeit (Gesamtprozentanteile)

Hinweis auf stoffliche
oder nichtstoffliche
Süchte/Abhängigkeiten

Ja
Nein

ausschließlich deutsche
Staatsangehörigkeit
GemeinAlleintäter/
schaftstäter/
innen
innen
92
42

osteuropäische Staatangehörigkeit
GemeinAlleintäter/
schaftstäter/
innen
innen
18
6

andere
Staatsangehörigkeit152
GemeinAlleintäter/
schaftstäter/
innen
innen
28
4

18,9 %

8,6 %

3,7 %

1,2 %

5,7 %

0,8 %

52

56

45

72

33

40

10,7 %

11,5 %

9,2 %

14,8 %

6,8 %

8,2 %

In der weiteren Auswertung zeigte sich darüber hinaus eine weitere relevante Differenzierungsmöglichkeit: die Täter-Opfer-Beziehung.153 Bei knapp einem Drittel der Verurteilten
existierte eine Beziehung zu mindestens einem Mitglied des geschädigten Haushalts (32,4 %):
9,6 % kannten sich vom Sehen oder aus der Nachbarschaft, 14,9 % waren über den Bekannten- oder Freundeskreis bekannt und in 6,7 % handelte es sich um (Ex-)Partner, Familienangehörige oder Verwandte. Zu den erfassten sonstigen Beziehungen (1,2 %) zählen Beziehungen zu Mitbewohnern/innen und Hausangestellten. Würde diese Differenzierung in Tabelle
24 zusätzlich berücksichtigt, untermauerte dies die Folgerung, dass es keinen dominanten
Tätertyp unter den Verurteilten gibt.

6.2 Regionale Unterschiede
Zwischen den Städten zeigen sich signifikante Unterschiede. Ein erster Unterschied findet
sich bei den Gemeinschaftstaten (Abbildung 65).
Abbildung 65: Anteil der Fälle mit mehreren rechtskräftig verurteilten Personen (in %; nur Fälle mit mindestens
einer Verurteilung/Strafbefehl; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

60

53,2

52,6

50
40

37,4

42,3

44,3

Stadt 5

Gesamt

33,7

30
20
10
0
Stadt 1

152
153

100

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Keine deutsche und keine osteuropäische Staatsangehörigkeit.
Siehe dazu auch Kawelovski, 2012: 42f.

So wurde in Stadt 2 nur in einem Drittel der Fälle, die mit Verurteilung bzw. Strafbefehl endeten, mehr als eine Person sanktioniert (33,7 %), während in Stadt 3 und 4 in über der Hälfte
dieser Fälle (53,2 % bzw. 52,6 %) mehrere Personen verurteilt wurden.
Weitere signifikante Stadtunterschiede gibt es hinsichtlich des Geschlechts, des Durchschnittsalters, des Geburtslandes bzw. der Staatsangehörigkeit, der Hinweise auf das Vorliegen einer Sucht, des Wohnsitzes der Täter/innen sowie der gemeinschaftlich begangenen Taten (Tabelle 25).

ohne Dubletten (N=403)

Verurteilte der Gesamtstichprobe (N=506)

Tabelle 25: Tätermerkmale im Städtevergleich ohne und mit Dublettenidentifizierung (bis auf Alter in %; fett: Unterschiede signifikant bei p<.05)

Geschlecht: weiblich
Durchschnittsalter zur
Tatzeit (in Jahren)
anderes Geburtsland als
Deutschland
andere Staatsangehörigkeit als deutsch
Hinweis auf osteuropäischen Migrationshintergrund
Hinweis auf stoffliche
und nicht-stoffliche
Süchte und Abhängigkeiten
weitere Verurteilte im
Fall
ohne festen oder bekannten Wohnsitz
Tatort in Stadt des
Wohnsitzes
Täter-Opfer-Beziehung
Geschlecht: weiblich
Durchschnittsalter zur
Tatzeit (in Jahren)
anderes Geburtsland als
Deutschland
andere Staatsangehörigkeit als deutsch
Hinweis auf osteuropäischen Migrationshintergrund
Hinweis auf stoffliche
und nicht-stoffliche
Süchte und Abhängigkeiten
Weitere Verurteilte im
Fall
ohne festen oder bekannten Wohnsitz
Tatort in Stadt des
Wohnsitzes
Täter-Opfer-Beziehung

Stadt 1

Stadt 2

Stadt 3

Stadt 4

Stadt 5

Gesamt

4,0

2,4

11,1

12,1

18,8

9,9

25,30

26,67

24,17

25,95

29,19

26,24

40,6

19,8

31,6

52,2

64,9

43,3

48,6

30,2

40,5

57,0

70,3

50,4

28,0

8,1

20,3

40,4

52,1

31,3

46,7

52,3

48,1

32,1

18,6

38,5

38,5

34,1

53,2

53,7

42,7

45,0

17,1

3,6

8,9

38,9

36,8

23,0

77,1

86,7

75,9

53,9

44,2

66,0

29,2

29,3

34,2

33,3

35,4

32,4

4,5

2,5

10,9

8,8

17,9

8,5

25,69

26,32

24,68

26,47

26,86

26,01

36,3

17,5

31,4

39,8

52,2

35,2

45,1

28,7

40,0

45,7

57,8

43,1

26,1

8,8

18,6

26,9

35,8

23,1

45,7

51,2

51,4

30,9

25,4

40,9

40,0

36,7

50,0

50,0

40,3

43,5

16,7

3,9

8,6

25,3

24,6

15,9

76,7

85,7

75,7

65,5

58,5

72,8

33,0

31,4

34,3

45,7

50,7

39,0

101

Nach der Annäherung an eine Echtpersonenzählung durch die Filterung identifizierter Dubletten154 bleiben die Stadtunterschiede beim Geschlecht, dem Geburtsland bzw. der Staatszugehörigkeit sowie dem Wohnsitz der Täter/innen und den Hinweisen auf Süchte/Abhängigkeiten
bestehen. Zusätzlich werden die Unterschiede hinsichtlich der Täter-Opfer-Beziehung statistisch relevant.
Im Einzelnen fällt auf, dass Täter/innen mit Hinweis auf stoffliche und nicht-stoffliche Süchte/Abhängigkeiten in den Städten 1, 2 und 3 häufiger vorkommen als in den Städten 4 und 5,
wohingegen in letzteren der Anteil der Täter/innen mit Migrationshintergrund (anderes Geburtsland, andere Staatszugehörigkeit) mit über 50,0 % am größten ist. In Stadt 2 spielen
Frauen unter den Verurteilten nur eine sehr geringe Rolle, ebenso wie Täter/innen mit osteuropäischem Migrationshintergrund und Täter/innen ohne festen oder polizeilich bekannten
Wohnsitz. Diese Gruppen sind hingegen in Stadt 5 viel stärker vertreten. Während in Stadt 2
über 80,0 % der verurteilten Täter/innen selbst in der Stadt wohnten, in der sie die Tat verübten, kam ein großer Teil der Täter/innen in Stadt 5 von außerhalb. Diese Unterschiede bleiben
auch nach der Dubletten-Filterung signifikant.
Die Zahl der verurteilten Personen erlaubt im Stadtvergleich keine umfangreiche Differenzierung bei der gleichzeitigen Betrachtung verschiedener Personenmerkmale, daher werden für
diesen Vergleich lediglich Verurteilte mit deutscher bzw. mit anderer Staatsangehörigkeit
sowie Verurteilte mit und ohne Suchthinweise unterschieden (Tabelle 26). Dabei werden noch
einmal regionalspezifische Besonderheiten in der Zusammensetzung der Täter/innen deutlich.
Während in Stadt 1 alle Zellen relativ gleichmäßig besetzt sind und in Stadt 2 und 3 die
Gruppe der deutschen Täter/innen mit Suchthintergrund mit zwei Fünftel aller Verurteilten
am größten ist, dominieren in den Städten 4 und 5 Täter/innen mit einer anderen Staatsangehörigkeit ohne Suchthintergrund.
Tabelle 26: Verteilung verurteilter Personen nach Gruppenzugehörigkeit (in %)
Stadt 1 (N=105)
Stadt 2 (N=86)
Stadt 3 (N=79)
Stadt 4 (N=135)
Stadt 5 (N=91)
StaatsangeStaatsangeStaatsangeStaatsangeStaatsangehörigkeit
hörigkeit
hörigkeit
hörigkeit
hörigkeit
Deutsch Andere Deutsch Andere Deutsch Andere Deutsch Andere Deutsch Andere
Hinweis auf stoffliche und nicht- Nein
stoffliche Süchte
und AbhängigkeiJa
ten

24,8

28,6

26,7

20,9

20,3

31,6

21,5

45,9

16,5

63,7

26,7

20,0

43,0

9,3

39,2

8,9

21,5

11,1

13,2

6,6

Zu beachten ist weiterhin, dass sich die dargestellten Ergebnisse auf eine Stichprobe von
1.606 polizeilich aufgeklärten Wohnungseinbrüchen der Städte Berlin, Bremerhaven, Hannover, Stuttgart und München beziehen und die Zahl der Fälle, in denen die Polizei keinen Tatverdächtigen ermitteln konnte, ungleich größer ist. Wir wissen also vom größten Teil der Fälle weiterhin nicht, wer die Täter/innen sind. Zudem wird die Mehrheit der Verfahren gegen

154

102

Siehe dazu Abschnitt 4.3.2.

als tatverdächtig ermittelte Personen eingestellt. Bezogen auf die Zufallsstichprobe konnte
unter Punkt 4.4.4 gezeigt werden, dass es lediglich in 2,6 von 100 Fällen zur Verurteilung
einer oder mehrerer Personen kommt – es liegen demnach nur zu einem sehr kleinen Ausschnitt aller Wohnungseinbruchstäter/innen empirisch fundierte Erkenntnisse vor. Diese weisen darauf hin, dass es allenfalls regional betrachtet stärker auftretende Tätergruppen gibt oder
dass die polizeiliche Ermittlungsarbeit regional unterschiedlich auf bestimmte Täter/innen
ausgerichtet ist bzw. bei diesen erfolgreicher verläuft.

103

104

7

Zusammenfassung zentraler Ergebnisse

Die Lage beim Wohnungseinbruch in Deutschland lässt sich wie folgt charakterisieren: Unter
Bezugnahme auf Erkenntnisse aus amtlichen Kriminalstatistiken gilt erstens, dass es sich
beim Wohnungseinbruch um ein besonderes Delikt handelt, da die Fallzahlen im Vergleich zu
anderen Delikten in den letzten Jahren stark zunehmen, die Aufklärungs- und Verurteilungsquoten sehr gering ausfallen und zugleich deutliche regionale Unterschiede bzgl. all dieser
Kennzahlen bestehen. Unter Bezugnahme auf den Forschungsstand lässt sich zweitens ein
Mangel umfassender empirischer Studien konstatieren. Die vorhandenen Betroffenenbefragungen beziehen sich entweder nur auf geringe Fallzahlen oder sie beschränken sich auf eine
Region. Verfügbare Aktenanalysen thematisieren den Wohnungseinbruchdiebstahl meist im
Vergleich mit anderen Delikten, sind ebenfalls zumeist regionalbezogen und liegen schon
viele Jahre zurück.
Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat sich vor diesem Hintergrund dazu
entschlossen, ein Forschungsprojekt zum Wohnungseinbruch zu initiieren, das durch Einbezug verschiedener Großstädte die angesprochenen regionalen Unterschiede zu erklären versucht und das durch Anwendung verschiedener Methoden umfangreiche Erkenntnisse zu Betroffenen, Täter/innen und Arbeit von Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten zu erarbeiten beansprucht. Neben einer Befragung von Betroffenen wurden im Rahmen des Projekts
Analysen von Straf- und Ermittlungsakten durchgeführt, wobei systematisch aufgeklärte und
nichtaufgeklärte Fälle verglichen wurden. Zusätzlich erfolgen Expertengespräche, in denen
die Ergebnisse zur Diskussion gestellt werden. Zur Teilnahme am Projekt haben sich nach
Absagen verschiedener ostdeutscher Großstädte letztlich Berlin, Bremerhaven, Hannover,
München und Stuttgart bereit erklärt.
Befunde der Auswertungen der Betroffenenbefragungen in diesen fünf Großstädten wurden
bereits vorgestellt.155 Daneben entstanden weiterführende Auswertungen zu den Erfahrungen
der Betroffenen mit der Polizei156 und zur Effektivität von präventiven Maßnahmen und Verhaltensweisen der Betroffenen.157
Ein Schwerpunkt der Auswertungen wurde auf den Vergleich der fünf Städte gelegt. Im
Rahmen der einzelnen Auswertungen wurde auf deren Benennung verzichtet. Instruktiv ist
bereits, die Spannbreite der Häufigkeitsauswertungen darzustellen; ob bei einer Auswertung
eine bestimmte Stadt besser oder schlechter abschneidet, ist nicht relevant. Für die Städte
selbst ist es dagegen durchaus von Bedeutung, zu erfahren, welche Werte sich für sie ergeben.
Deshalb erhalten die Verantwortlichen in den Städten die Information, unter welcher Stadtbezeichnung sie im Bericht geführt werden.
Die Zahl der Akten setzt sich in den einzelnen Städten aus einer zufälligen Stichprobe von
jeweils 500 Fällen des Wohnungseinbruchdiebstahls aus dem PKS-Jahr 2010 und einer be155
156
157

Wollinger et al. 2014a; 2014b sowie Wollinger 2015
Baier et al. 2015
Dreißigacker et al. 2015b

105

wussten Hinzuziehung weiterer 300 bis 400 Akten polizeilich aufgeklärter Fälle zusammen.
Diese bewusste Ziehung hat den Hintergrund, dass insbesondere für die statistische Auswertung staatsanwaltschaftlicher und gerichtlicher Entscheidungen zu Wohnungseinbrüchen ausreichend Fälle zur Verfügung stehen sollten. Um die dafür benötigte Fallzahl zu erreichen,
musste in den meisten Städten auf aufgeklärte Fälle aus PKS-Jahre vor 2010 zurückgegriffen
werden. Insgesamt wurden von den 4.156 angeforderten Akten 3.802 Akten der Untersuchung
zur Verfügung gestellt, wovon 3.668 analysiert werden konnten. Der Anteil der analysierten
Akten aufgeklärter Fälle beträgt 43,8 %; ein Anteil von 10,3 % aller analysierten Akten endete mit mindestens einer/m rechtskräftigen Verurteilung/Strafbefehl. Je nach Fragestellung
wurde für die Auswertung auf den Datensatz der Zufallsstichprobe oder der Gesamtstichprobe
zurückgegriffen.
Zu Beginn des Berichts wurden drei zentrale Forschungsfragen formuliert, anhand derer die
Ergebnisse der Auswertungen strukturiert wurden. An dieser Stelle sollen diese sowie die
hierzu jeweils gebildeten Unterfragen noch einmal aufgegriffen und die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst werden.
1.

Warum ergeben sich in den Aufklärungserfolgen der Polizei derart große regionale Unterschiede?

1.1

Polizeiliche Organisation
Im Stadtvergleich lassen sich größere organisationale Unterschiede bezüglich der Ermittlungsarbeit bei Wohnungseinbruchsdelikten finden, die auch teilweise mit der Größe der Stadtgebiete zusammenhängen können. Während der sogenannte „erste Angriff“
in einer Stadt fast ausschließlich von der Schutzpolizei durchgeführt wurde, war in einer
anderen Stadt mehrheitlich die Kriminalpolizei dafür zuständig. Der Anteil der Fälle,
die ausschließlich von der Kriminalpolizei bearbeitet wurden, variiert zwischen 15,0 %
und 41,3 %. Zusammenhänge zwischen organisationalen Unterschieden und Aufklärungs- bzw. Verurteilungsquote ließen sich allerdings nicht finden.

1.2

Ermittlungsmaßnahmen
Die Anteile der Fälle, in denen eine Spurensuche erfolgte, unterscheiden sich ebenfalls
signifikant zwischen den Städten. Diese reichten von 76,1 % bis 97,6 %. Zwischen
26,4 % und 78,0 % liegt der Anteil an Fällen, in denen anschließend Spuren gefunden
und gesichert wurden. Generell führten Spuren aber nur in rund 3 von 100 Fällen zur
Ermittlung eines/r Tatverdächtigen bzw. zur Erhärtung eines bestehenden Tatverdachts.
Zu den Spuren, die am häufigsten zur Ermittlung bzw. Erhärtung eines Tatverdachts
führten, zählen Fingerabdruck- und DNA-Spuren. Deren Anteil an gesicherten Spuren
variiert ebenfalls signifikant zwischen den Städten.
Hinsichtlich durchgeführter Zeugenbefragungen ergeben sich ähnlich große Stadtunterschiede. Der Anteil an Fällen, in denen Zeugen befragt wurden, reicht von 61,2 % bis
99,0 %. Auch wenn etwa zwei Fünftel der Zeugen Hinweise zur Tat geben konnten,
führten deren Aussagen lediglich in acht von 100 Fällen zur Ermittlung von Tatverdäch-

106

tigen. Wie Spuren können auch Zeugenaussagen entscheidend bei der Ermittlung von
Tatverdächtigen sein und müssen sorgfältig aufgenommen werden. Die Polizei hat jedoch weder Einfluss auf die Spurenlage noch auf die Zahl relevanter Zeugen.
Weitere Stadtunterschiede lassen sich bei den Anteilen der Fälle zeigen, in denen Zusammenhänge zu anderen Wohnungseinbrüchen durch die Polizei hergestellt wurden.
Die Spannbreite reicht hierbei von 11,0 % bis 27,1 %. Begründet wurden diese Tatzusammenhänge insbesondere mit der räumlichen und zeitlichen Nähe weiterer Wohnungseinbruchstaten sowie mit einer ähnlichen Begehungsweise. Dieses Vorgehen beruht häufig auf dem kriminalistischen Gespür der ermittelnden Polizeibeamten und steht
im Zusammenhang mit der Ermittlung von Tatverdächtigen bzw. mit höheren polizeilichen Aufklärungsquoten. Wenn allerdings keine weiteren Indizien/Beweise hinzutraten,
bot der auf Hinweise für einen Tatzusammenhang gestützte Verdacht in der Regel keinen genügenden Anlass für eine Anklage.
Ansatzpunkte zur Durchführung bestimmter Ermittlungs-/Zwangsmaßnahmen158 nach
der StPO boten sich nur in knapp einem Fünftel der Fälle, wobei dieser Anteil signifikant zwischen den Städten variiert und von 7,7 % bis 30,7 % reicht. Zu den relativ häufig durchgeführten Maßnahmen zählten insoweit insbesondere Sicherstellungen/Beschlagnahmen, Fingerabdruckabgleiche und molekulargenetische Untersuchungen.
Funkzellenabfragen und Durchsuchungen bei anderen Personen als den Tatverdächtigen
erfolgten seltener. Bezogen auf 100 polizeilich registrierte Fälle zeigt sich, dass solche
Maßnahmen einen weiteren kleinen Beitrag zur Aufklärung leisteten. Zusammengenommen führten diese in rund zwei von 100 Fällen zur Ermittlung eines/r Tatverdächtigen bzw. zur Erhärtung eines bereits bestehenden Tatverdachts.
1.3

Unterschiede zwischen aufgeklärten und nicht aufgeklärten Fällen
Bivariat zeigt sich, dass die polizeiliche Aufklärung eines Falls im Zusammenhang steht
mit: vollendeten Taten, dem Auffinden und Sichern von Fingerabdruck- und DNASpuren, der Vernehmung von Zeugen sowie mit vorhandenen Videoaufzeichnungen
von Überwachungskameras. Daneben finden sich unter den aufgeklärten Fällen häufiger
Fälle mit Betroffenen, die bei der Tat anwesend waren und diese bemerkten. Hinsichtlich durchgeführter Maßnahmen nach der StPO159 zur Ermittlung von Tatverdächtigen
zeigen sich positive Zusammenhänge zu molekulargenetischen Untersuchungen, Sicherstellungen/Beschlagnahmen, Durchsuchungen bei anderen Personen als dem Tatverdächtigen und Fingerabdruckabgleichen. Auch die Herstellung von Zusammenhängen zu anderen Einbrüchen z.B. über die Begehungsweise, das Stehlgut, Tatort und -zeit
ist bivariat mit höheren polizeilichen Aufklärungsquoten verbunden.
In weiteren Auswertungsschritten wurden mit multivariaten Regressionsmodellen Faktoren gesucht, die einen eigenständigen Beitrag dazu leisten, mindestens eine tatver-

158

159

Siehe zu den hier gemeinten Maßnahmen Abschnitt 4.1.7 und zu weiteren Maßnahmen die Abschnitte 4.3.7
und 4.3.8.
Siehe Fußnote 158.

107

dächtige Person zu ermitteln, die anschließend auch rechtskräftig verurteilt wird bzw.
einen Strafbefehl erhält. Dabei erweisen sich die Sicherung von Fingerabdruck- und
DNA-Spuren, Videoaufzeichnungen von Überwachungskameras, über das Stehlgut und
andere Gründe (Zeugenaussagen oder Beziehungen zwischen Betroffenen) hergestellte
Zusammenhänge zu anderen Einbrüchen sowie Sicherstellungen/Beschlagnahmen (§ 94
StPO) als statistisch relevant, sowohl die polizeiliche Aufklärung des Falls als auch dessen Abschluss mit mindestens einer/m rechtskräftigen Verurteilung/Strafbefehl unabhängig von anderen Variablen positiv zu beeinflussen.160
Zeugenvernehmungen, Tatzusammenhänge, die lediglich über die Begehungsweise oder
bestimmte Spuren hergestellt wurden, sowie Durchsuchungen bei anderen Personen als
dem später Tatverdächtigen (§ 103 StPO) leisteten zwar einen eigenständigen Beitrag
zur Erhöhung der Aufklärungsquote, konnten aber nicht unabhängig von anderen Faktoren die Beendigung des Falls mit mindestens einer/m Verurteilung/Strafbefehl befördern. Darüber hinaus ergaben sich auch regionale Unterschiede hinsichtlich der polizeilichen Aufklärungsquote, die auf weitere, allerdings nicht in den Modellen enthaltene
Einflussfaktoren hinweisen, aber statistisch nicht mehr relevant sind, wenn es um die
Quote der mit mindestens einer/m Verurteilung/Strafbefehl abgeschlossenen Fälle
geht.161
1.4

Tatmerkmale und Zusammensetzung der Tatverdächtigen
Zusätzlich haben sich folgende Befunde zur Tat und den polizeilich ermittelten Tatverdächtigen ergeben, die für unterschiedliche Aufklärungsquoten relevant sein könnten.
Der Anteil an betroffenen Mehrfamilienhäusern in der Zufallsstichprobe reicht von
54,1 % bis 80,7 % und der von Einfamilienhäusern von 17,0 % bis 38,0 %. Entsprechend unterscheiden sich die Einbruchstellen: Durch eine Tür gelangten die Täter/innen
bei 37,3 % bis 63,9 % der Fälle ins Innere, durch ein Fenster bei 36,7 % bis 64,0 %.
Aber auch unter Kontrolle der Einbruchstelle variieren die Anteil verschiedener Arten
des Eindringens zwischen den Städten. Auch wenn das Aufhebeln bei Türen in allen
Städten dominierte, war bspw. in zwei Städten das Öffnen der Tür mittels Karte
(Fall/Schnapper drücken) verbreiteter, in einer anderen das Öffnen mittels Türblattdurchbruch. Bezüglich der Fenster wurden in einer Stadt häufiger gekippte Fenster zum
Eindringen genutzt oder das Glas zum Öffnen eingeschlagen als in anderen Städten. Ein
weiteres Tatmerkmal, das in Gesamtschau für regional unterschiedlich agierende Tä-

160

161

108

Einschränkend zu beachten ist bei der Interpretation, dass Fälle, in denen möglicherweise zwar genügend
beweiskräftiges Material für die Verurteilung mindestens eines/r Tatverdächtigen vorgelegen haben mag,
deren Verfahren dann aber gleichwohl nach Maßgabe der vom Gesetzgeber vorgegebenen Wertungen (z.B.:
§§ 153, 153a 154 StPO) von Staatsanwaltschaft oder Gericht eingestellt wurden (Einstellungen aus Opportunitätsgründen), zur Vergleichsgruppe der Fälle gezählt werden, in denen es zu keiner/m rechtskräftigen
Verurteilung/Strafbefehl kam. Daneben bleibt bei den Fällen, in denen mindestens ein/e Tatverdächtige/r
angeklagt wurde, unberücksichtigt, welche Beweise das Gericht letztendlich zur Urteilsfindung heranzog.
Siehe Fußnote 160.

ter/innen spricht, ist der Zustand der Wohnung nach der Tat. Die Anteile der Fälle, in
denen die Wohnung größtenteils verwüstet wurde, reichen von 3,8 % bis 24,1 %.
Ein Vergleich der als tatverdächtig ermittelten Personen zwischen den Städten ergab
ebenfalls signifikante Unterschiede hinsichtlich der Herkunft, des Wohnsitzes, des Familienstandes, der beruflichen Tätigkeit, des Bildungsgrades sowie bei der Beziehung
zu mindestens einem Mitglied des geschädigten Haushalts. In einer Stadt wurden bspw.
vorwiegend junge, unverheiratete, männliche Tatverdächtige deutscher Herkunft, ohne
schulischen und beruflichen Abschluss verdächtigt, die offiziell in derselben Stadt
wohnten und häufig eine Beziehung zu einem Mitglied des geschädigten Haushalts hatten. In einer anderen waren es vergleichsweise ältere, verheiratete oder geschiedene
Männer nichtdeutscher Herkunft mit Berufsausbildung, ohne festen Wohnsitz in der
Stadt des Tatortes und ohne Beziehung zu den Betroffenen. Der Anteil an Tatverdächtigen, bei denen sich Hinweise auf BtM-Abhängigkeit ergaben, variiert ebenfalls signifikant zwischen 7,4 und 25,8 %.
Der Anteil an ermittelten Tatverdächtigen, die bei ihrer Ermittlung in Deutschland oder
einem anderen Staat bereits strafrechtlich vorgeahndet waren, unterscheidet sich zwischen den Städten und reicht von 63,7 % bis 79,7 %. Etwa ein Drittel der vorgeahndeten
Personen wurde bereits mindestens einmal wegen Wohnungseinbruchdiebstahls sanktioniert. Die Mehrheit (71,8 %) fiel in der Vergangenheit mit anderen Diebstahls- bzw.
Unterschlagungsdelikten auf. Ein Drittel der Vorgeahndeten stand während der Ermittlung zum analysierten Wohnungseinbruch unter Bewährung und gut die Hälfte hatte bis
dahin schon mindestens einmal eine Jugend- oder Freiheitsstrafe ohne Bewährung erhalten.
Insgesamt wurde bei rund jedem zehnten Tatverdächtigen die Untersuchungshaft angeordnet und meist auch vollzogen. Die Städte unterscheiden sich dabei mit Anteilen von
4,8 % bis 25,4 % signifikant. Darüber hinaus steht die Anordnung der Untersuchungshaft in Zusammenhang mit fehlenden festen Wohnsitzen und Suchthinweisen bei den
Tatverdächtigen. Entsprechend zählen zu den wichtigsten Gründen für eine Untersuchungshaft die Fluchtgefahr sowie die Wiederholungsgefahr. Auch hierbei ergaben sich
Unterschiede zwischen den teilnehmenden Städten, die den unterschiedlichen Zusammensetzungen der Tatverdächtigen entsprechen. Der Anteil der mit Fluchtgefahr begründeten Untersuchungshaftbefehle lag zwischen 34,6 % und 100,0 % und war in der
Stadt am größten, in der der Anteil an Tatverdächtigen ohne (ermittelten) festen Wohnsitz am höchsten ausfiel. Mit Wiederholungsgefahr wurden zwischen 3,8 % und 76,9 %
begründet, wobei der höchste Wert in der Stadt mit dem höchsten Anteil an Tatverdächtigen mit Suchthinweisen festzustellen war. Die weit überwiegende Mehrheit der Tatverdächtigen in Untersuchungshaft wurde am Ende des Strafverfahrens auch rechtskräftig verurteilt oder erhielt einen Strafbefehl (73,9 %).

Zusammen mit dem Ergebnis, dass sich die Verurteilungsquoten trotz signifikant unterschiedlicher polizeilicher Aufklärungsquoten statistisch gesehen nicht mehr unterscheiden, kann zumindest ein Teil der regionalen Unterschiede bei der häufig als Erfolgsmaß
109

der Polizei dargestellten Aufklärungsquote auf unterschiedliche Usancen bei der Begründung eines Tatverdachts zurückgeführt werden. Hinweise darauf, dass organisationale Unterschiede der Polizeien – etwa die unterschiedliche Einbeziehung von Kriminaldienststellen – ein erklärender Faktor für regional unterschiedliche Aufklärungsquoten sein könnten, ließen sich hingegen nicht finden.
Allgemein wird erkennbar, dass die tatsächliche Aufklärung eines Wohnungseinbruchs,
d.h. die Ermittlung eines/einer später rechtskräftig verurteilten Täters/in, von vielen
Merkmalen (Spurenlage, Zeugenaussagen, Stehlgutfunde etc.) abhängt, die von Seiten
der Polizei nur schwer beeinflusst werden können.
2.

Wie erklären sich die Vielzahl der Einstellungen von als aufgeklärt geltenden Fällen und die geringe Verurteilungsquote?

2.1

Gründe für Verfahrenseinstellungen
Die Staatsanwaltschaft stellte über zwei Drittel der Strafverfahren gegenüber polizeilich
ermittelten Tatverdächtigen ein, wobei es signifikante Stadtunterschiede mit Anteilen
zwischen 57,7 % und 80,4 % gibt. Die Mehrzahl der Einstellungen erfolgte nach
§ 170 II StPO, d.h. aufgrund des Fehlens eines genügenden Anlasses zur Erhebung öffentlicher Klage. Dieser Anlass fehlte wiederum zu 93,0 % aus tatsachlichen Gründen,
da die von der Polizei als tatverdächtig ermittelte Person nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nicht hinreichend verdächtig war, mithin kein genügender Anlass für eine
Anklageerhebung bestand.162 Auch bei den Einstellungsgründen gibt es regionale Unterschiede, die sich als statistisch relevant herausstellten. Der Anteil der Einstellungen
nach § 170 II StPO variiert zwischen 58,7 % und 80,4 %. Am zweithäufigsten wurden
Strafverfahren nach § 154 I StPO, d.h. bei unwesentlichen Nebenstraftaten, eingestellt
(13,4 % bis 26,9 %). Eine Stadt fiel daneben mit einem signifikant höheren Anteil an
Einstellungen wegen Geringfügigkeit gemäß § 153 I StPO auf (0,4 % bis 8,1 %).
Bei etwa einem Drittel (30,0 %) der Tatverdächtigen führte die Staatsanwaltschaft das
Verfahren fort und erhob in den meisten Fällen Anklage (93,3 %), woraufhin das Gericht mehrheitlich (90,0 %) das Hauptverfahren eröffnete. Bei 12,2 % der Angeklagten
stellte das Gericht das Verfahren im weiteren Verlauf ein, bei weiteren 6,0 % erfolgte
ein Freispruch. Die Anteile der gerichtlichen Einstellungen im Hauptverfahren variierten signifikant zwischen 8,1 % und 23,8 %. Hauptgrund für eine gerichtliche Einstellung des Hauptverfahrens war, dass es sich bei der Tat um eine unwesentliche Nebenstraftat (§ 154 II StPO) handelte (45,2 %). Daneben wurden etliche Hauptverfahren wegen bereits eingeleiteter oder durchgeführter erzieherischer Maßnahmen (§ 47 I 1 Nr. 2
JGG i.V.m. § 45 II JGG) eingestellt.

162

110

Die Quote tatsächlich aufgeklärter Fälle ist folglich weitaus geringer als die Quote aufgeklärter Fälle nach
der PKS. Der Begriff Aufklärungsquote erscheint daher irreführend und wäre treffender mit Tatverdächtigenermittlungsquote o.ä. benannt.

2.2

Unterschiede zwischen staatsanwaltschaftlich eingestellten und fortgeführten Verfahren
Die Berechnung bivariater Regressionen zeigt, dass folgende Variablen in einem positiven Zusammenhang zur staatsanwaltschaftlichen Entscheidung stehen, das Verfahren
gegen einen polizeilich ermittelten Tatverdächtigen fortzuführen: Vollendung der Tat,
Suchthinweise (Spielsucht, BtM-Abhängigkeit, Alkoholsucht, Medikamentenabhängigkeit), die Ermittlung des Tatverdächtigen über Mittäteraussagen, Aussagen anderer Tatverdächtiger, Fingerabdruck- und DNA-Spuren, Ergreifen in Tatortnähe, Ertappen auf
frischer Tat oder Stehlgutfunde sowie die Durchführung einer Beschuldigtenvernehmung mit Geständnis und Hinweise auf gemeinschaftliche Tatbegehung.
In der multivariaten Analyse wurden bestimmte Faktoren erkennbar, die einen unabhängigen Einfluss auf diese Entscheidung ausübten, d.h., sie konnten allein die Chance
der Fortführung erhöhen oder verringern. Positiv wirkte es sich aus, wenn es eine vollendete Tat war, es Hinweise auf BtM-Abhängigkeit gab, die Ermittlung der Tatverdächtigen über Zeugen- und Mittäteraussagen, Fingerabdruck- und DNA-Spuren, Stehlgutfunde, das Ergreifen in Tatortnähe oder auf frischer Tat sowie über tatzeitliche Zusammenhänge zu anderen Einbrüchen erfolgte. Ebenso beeinflussten sowohl die Durchführung einer Beschuldigtenvernehmung, insbesondere in Zusammenhang mit einem Geständnis, als auch Hinweise auf gemeinschaftliche Tatbegehung die Entscheidung der
Verfahrensfortführung positiv. Negativ wirkte es sich hier erneut aus, wenn der Tatverdacht allein auf Zusammenhängen mit anderen Einbrüchen über ähnliche Begehungsweisen und Tatortnähe beruhte.163

2.3

Besonderheiten von Verfahren mit rechtskräftiger Verurteilung bzw. Strafbefehl
In der weiteren Analyse wurde deutlich, dass der Großteil der Einstellungen bereits von
der Staatsanwaltschaft veranlasst wurde. Rund drei Viertel der fortgeführten Verfahren
endeten dann auch mit einer Verurteilung bzw. einem Strafbefehl. Insgesamt erfolgte
die Verurteilung bei etwa drei Fünftel der Täter/innen nach Erwachsenenstrafrecht und
bei zwei Fünftel nach Jugendstrafrecht. Die Unterschiede zwischen den Städten sind
deutlich und reichen von 57,3 % bis 74,2 % (Erwachsenenstrafrecht) bzw. 25,8 % bis
59,2 % (Jugendstrafrecht). Die Freiheitsstrafe mit und ohne Bewährung bildete die am
häufigsten verhängte Sanktion im Erwachsenenstrafrecht. Die Dauer betrug bei einmaliger und ausschließlicher Verletzung des § 244 I Nr. 3 StGB durchschnittlich 11,2 Monate bzw. als Einzelstrafe für Wohnungseinbruch bei Tatmehrheit (§§ 53, 54 StGB)
14,6 Monate. Bei nämlichen Einzelstrafen zeigen sich signifikante Stadtunterschiede
mit einer Spannbreite von 8,5 bis 18,8 Monate. Die Jugendstrafe ohne und mit Bewährung wurde als häufigste Sanktionsform nach Jugendstrafrecht mit einer durchschnittli-

163

Dabei ist zu beachten, dass Verfahren, die gemäß der §§ 153, 153a 154 StPO von Staatsanwaltschaft oder
Gericht eingestellt wurden, zur Vergleichsgruppe der Verfahren, die nicht mit einer/m rechtskräftigen Verurteilung/Strafbefehl endeten, zählen, auch wenn möglicherweise genügend beweiskräftiges Material für
eine Verurteilung vorgelegen haben mag. Bei den durch die Staatsanwaltschaft fortgeführten Verfahren
bleibt unberücksichtigt, welche noch im Ermittlungsverfahren gesammelten Indizien/Beweise letztendlich
durch das Gericht zur Urteilsfindung heranzogen wurden.

111

chen Dauer von 25,9 Monaten ohne Bewährung bzw. 15,3 Monaten mit Bewährung bei
Aussetzung der Vollstreckung oder Verhängung ausgesprochen. Letztere unterscheidet
sich signifikant zwischen den Städten (10,9 Monate bis 22,1 Monate). Strafbefehle
spielten eine untergeordnete Rolle bei der Sanktionierung eines Wohnungseinbruchs.
Lediglich 4 von 100 Tätern/innen wurden auf diese Weise bestraft.
Die relevanten Faktoren für die Beendigung von Strafverfahren mit einer Verurteilung
bzw. einem Strafbefehl entsprechen weitgehend und erwartungskonform den Faktoren
für die staatsanwaltschaftliche Entscheidung, das Verfahren fortzuführen. Divergenzen
zeigen sich insbesondere bei der Bedeutung von Zeugenaussagen. Eine eigenständige
Bedeutung erlangten hingegen erneut Hinweise auf BtM-Abhängigkeit, Mittäteraussagen, Fingerabdruck- und DNA-Spuren, Ergreifen in Tatortnähe oder auf „frischer Tat“,
Stehlgutfunde, Geständnisse und Hinweise auf gemeinschaftliche Tatbegehung. Negativ
wirkte es sich vor allem aus, wenn es zwischen Tatverdächtigen und Betroffenen Beziehungen gab, die über flüchtige Bekanntschaft aus der Nachbarschaft hinausgingen und
wenn die Tatverdächtigen allein über Zusammenhänge mit anderen Einbrüchen hinsichtlich der Begehungsweise ermittelt wurden.

Es lässt sich zusammenfassen, dass ein Großteil der Strafverfahren, die die Polizei gegen Tatverdächtige des Wohnungseinbruchs einleitete, bereits von der Staatsanwaltschaft eingestellt wurde, da für sie der Tatverdacht meist aus tatsächlichen Gründen
nicht hinreichend begründet war. Neben der geringen Quote der Fälle, in denen überhaupt tatverdächtige Personen ermittelt wurden, ist dies ein weiterer Grund für die geringe Verurteilungsquote auf Basis aller registrierten Fälle. Die signifikanten Unterschiede der Verurteilungsquote auf Basis der Fälle, in denen Tatverdächtige ermittelt
wurden (13,7 % bis 31,9 %), sind vor allem eine Folge der unterschiedlichen Anteile
staatsanwaltschaftlich eingestellter Verfahren (57,7 % bis 80,4 %). Dabei muss jedoch
beachtet werden, dass auch die verschiedenen Einstellungsgründe zwischen den Städten
variieren. Die differierenden Anteile an Einstellungen aufgrund eines fehlenden genügenden Anlasses nach § 170 II StPO hängen wie bereits beschrieben zumindest teilweise mit verschiedenen Usancen bei der Ermittlung von Tatverdächtigen zusammen. Vor
allem Versuche der Polizei, Tatverdächtige allein über Zusammenhänge mit anderen
Einbrüchen bspw. über typische Begehungsweisen oder räumliche Nähe zu anderen
Tatorten zu ermitteln, erhöhten zwar die offizielle Aufklärungsquote. In der Regel führten solche Fälle aber nicht zu einer Anklage oder gar Verurteilung.
3.

Wer sind die Täter/innen des Wohnungseinbruchs?
Alle Ergebnisse, die im Rahmen einer Aktenanalyse zu den Tätern/innen des Wohnungseinbruchs gefunden werden können, beziehen sich immer auf Täter/innen im Hellfeld. Da sich aber zeigte, dass es nur in 2,6 % der analysierten polizeilich registrierten
Fälle zu einer rechtskräftigen Verurteilung/einem rechtskräftigen Strafbefehl kam, ist
davon auszugehen, dass dies nur ein sehr kleiner Ausschnitt ist und über den Großteil
der Täter/innen weiterhin keine empirischen Ergebnisse vorliegen.

112

3.1

Soziodemografische Merkmale
Die in Folge eines Wohnungseinbruchs rechtskräftig verurteilten Personen sind überwiegend männlich (89,9 %), durchschnittlich 26,3 Jahre alt, meist in Deutschland geboren (56,6 %) und zum Zeitpunkt der Tat häufig bereits vorgeahndet (79,1 %). Zu den
am häufigsten vorkommenden nichtdeutschen Staatsangehörigkeiten zählen die türkische, die serbische, die rumänische und die kroatische Staatsangehörigkeit. Über zwei
Fünftel (44,3 %) der verurteilten Täter/innen begingen die Tat gemeinschaftlich mit
mindestens einer weiteren dafür verurteilten Person. Bei einem Drittel (38,5 %) fanden
sich Hinweise auf einen Suchthintergrund. Zusätzlich zeigt sich, dass viele der verurteilten Personen jemanden aus dem geschädigten Haushalt zumindest vom Sehen (32,4 %)
kannten.

3.2

Regionale Unterschiede
Die Suche nach bestimmten Tätergruppen (bspw. drogenabhängige Alleintäter/innen
oder osteuropäische Gemeinschaftstäter/innen) brachte zunächst das Ergebnis, dass keine dominanten Gruppen erkennbar und die Verurteilten heterogen zusammengesetzt
sind. Allerdings zeigte der regionale Vergleich zwischen verschiedenen Tätermerkmalen stadtspezifische Besonderheiten. Zwei Städte fallen bspw. mit einem relativ hohen
Anteil an verurteilten Personen mit Suchthintergrund auf. In einer anderen Stadt finden
sich vermehrt verurteilte Gemeinschaftstäter/innen und Personen ohne festen oder bekannten Wohnsitz und in einer weiteren wurden vergleichsweise ältere und deutlich
mehr nichtdeutsche Personen verurteilt.
Da u.a. hinsichtlich der Vorgehensweisen und des Zustands der Wohnung nach der Tat
ebenfalls signifikante Stadtunterschiede auftreten, kann davon ausgegangen werden,
dass es regionale Besonderheiten bei den Täter/innen gibt. Aufgrund der geringen Verurteilungsquote bleibt aber letztendlich unklar, wie stark die beobachteten regionalspezifischen Zusammensetzungen der verurteilten Täter/innen den Zusammensetzungen aller Täter/innen in den Regionen entsprechen bzw. welchen Einfluss mögliche unterschiedliche Ausrichtungen der polizeilichen Ermittlungsarbeit dabei haben.

7.1 Resümee
Wie dargestellt, hängt eine beweiskräftige Ermittlung von Tatverdächtigen und deren Verurteilung von vielen Umständen ab, die von den Strafverfolgungsbehörden kaum zu beeinflussen sind. Dies wird zuletzt auch darin deutlich, dass sich der Unterschied der Verurteilungsquoten auf Basis der polizeilich registrierten Fälle statistisch gesehen als nicht bedeutsam
erwies, obwohl sich u.a. die polizeiliche Organisation und Ermittlungspraxis beim Wohnungseinbruch der Städte zum Teil deutlich voneinander unterscheiden.
Neben Fingerabdruckspuren hatten insbesondere DNA-Spuren im Vergleich die größte Erfolgsaussicht bei der Ermittlung und Überführung von Tatverdächtigen. Vor dem Hintergrund, dass allerdings nur ein sehr geringer Anteil sowohl der aufgenommenen Spuren als
auch der Zeugenaussagen zur Ermittlung mindestens eines Tatverdächtigen führte bzw. einen
113

bestehenden Tatverdacht erhärtete, erscheint eine häufig im Zusammenhang mit steigenden
Wohnungseinbruchsfällen geforderte Erhöhung der Polizeistärke zur entscheidenden Verbesserung der Aufklärungs- und Verurteilungsquote kaum geeignet. Daneben erwies sich insbesondere die Ermittlungspraxis der Herstellung von Zusammenhängen zu anderen Wohnungseinbrüchen aufgrund ähnlicher Begehungsweisen als ungeeignet, eine Person hinreichend zu
verdächtigen, wenn nicht andere Verdachtsmomente hinzukommen. Dieses Vorgehen steht
zwar in einem positiven Zusammenhang zur Ermittlung von Tatverdächtigen und erklärt zumindest einen Teil der regional unterschiedlichen Aufklärungsquoten, hilft aber bei der Überführung der Täter/innen kaum.
Zusammengenommen bestätigen die Ergebnisse die eingangs geschilderte Vermutung, dass in
Deutschland das Risiko, wegen eines Wohnungseinbruchs verurteilt zu werden, ausgesprochen niedrig ist.164 Gleichzeitig verdeutlichen sie auch, dass das Problem der zunehmenden
Wohnungseinbruchzahlen und die damit in Zusammenhang stehenden geringen Aufklärungsund Verurteilungsquoten nicht allein mit Veränderungen auf polizeilicher, staatsanwaltschaftlicher und/oder gerichtlicher Ebene zu lösen ist. Vielmehr scheinen präventive Maßnahmen
erfolgsversprechender zu sein. Einerseits könnten diese angesichts der Hinweise auf regionalspezifische Besonderheiten bei den beobachteten Täter/innen und hinsichtlich der Förderung
sozialer Kohäsion in den Nachbarschaften im sozialpolitischen Bereich getroffen werden.
Andererseits zeigen sich auch präventive Maßnahmen im Bereich des technischen Einbruchschutzes als geeignet, einen Beitrag zur Bekämpfung des Phänomens zu leisten.165
Die Auswertungen zur Aktenanalyse sind mit diesem Bericht noch nicht abgeschlossen. Weitere Ergebnisse z.B. zu Verfahrensverlauf, Ermittlungsmaßnahmen, Tatverdächtigen und verurteilten Tätern/innen werden folgen.

164
165

114

Siehe Abschnitt 1, S. 10.
Zur präventiven Wirkung von technischer Einbruchssicherung und einer präventiv orientierten Nachbarschaft siehe Dreißigacker et al. 2015b.

115

Literaturverzeichnis
Albrecht, Hans-Jörg (1994): Strafzumessung bei schwerer Kriminalität. Eine vergleichende
theoretische und empirische Studie zur Herstellung und Darstellung des Strafmaßes.
Berlin: Duncker & Humblot.
Baier, Dirk; Wollinger, Gina R.; Dreißigacker, Arne; Bartsch, Tillmann (2015): Erfahrungen
von Betroffenen des Wohnungseinbruchs mit der Polizei. Ergebnisse einer Befragung in
fünf Städten. In: Kriminalistik 69 (3), S. 139–144.
Barton, Stephan (1980): Staatsanwaltliche Entscheidungskriterien. Die Konstruktion von Realität durch Akten. In: MschrKrim 63 (4), S. 206–216.
Bartsch, Tillmann; Dreißigacker, Arne; Blauert, Katharina; Baier, Dirk (2014): Phänomen
Wohnungseinbruch - Taten, Täter, Opfer. In: Kriminalistik 68 (8-9), S. 483–490.
Bundeskriminalamt (Hg.) (1982): Einbrüche in Wohnungen. Eine Pilotstudie. 2. Aufl. Wiesbaden.
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