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Full text: Befragung zu Sicherheit und Kriminalität / Dreißigacker, Arne

KRIMINOLOGISCHES
FORSCHUNGSINSTITUT
NIEDERSACHSEN E.V.

Forschungsbericht Nr. 129

Forschungsbericht Nr. 102

Befragung zu Sicherheit und Kriminalität
Kernbefunde der Dunkelfeldstudie 2015 des
Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein

Arne Dreißigacker
2016

___________________________________________________________________________

FORSCHUNGSBERICHT Nr. 129
___________________________________________________________________________

Befragung zu Sicherheit und Kriminalität
Kernbefunde der Dunkelfeldstudie 2015 des
Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein

Arne Dreißigacker
2016

Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN)
Lützerodestraße 9, 30161 Hannover
Tel.:
Fax:
E-Mail:

(0511) 3 48 36-0,
(0511) 3 48 36-10
kfn@kfn.de

Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein
Landeskriminalamt, Dezernat 11
Mühlenweg 166, 24116 Kiel
Tel.:
E-Mail:

(0431) 160-4003 Marco Jäger,
(0431) 160-4361 Sarina Fricke
kiel.lka111@polizei.landsh.de

Inhaltsverzeichnis
1

Erhebung .................................................................................................................... 3

1.1

Ausgangssituation ........................................................................................................ 3

1.2

Befragung .................................................................................................................... 3

1.3

Stichprobenbeschreibung............................................................................................. 4

2

Leben in Schleswig-Holstein ..................................................................................... 7

2.1

Wohndauer................................................................................................................... 7

2.2

Nachbarschaftsqualität................................................................................................. 7

2.3

Nachbarschaftsintensität .............................................................................................. 9

3

Kriminalitätsfurcht ................................................................................................. 13

3.1

Raumbezogenes Sicherheitsgefühl ............................................................................ 13

3.2

Allgemeines Unsicherheitsgefühl (affektive Dimension) ......................................... 15

3.3

Persönliche Risikoeinschätzung (kognitive Dimension) ........................................... 17

3.4

Schutz- und Vermeidungsverhalten (konative Dimension)....................................... 19

4

Kriminalitätsbelastung im Jahr 2014 .................................................................... 23

4.1

Opferwerdung ............................................................................................................ 23

4.2

Anzeigeverhalten ....................................................................................................... 26

4.2.1

Anzeige-/Nichtanzeigegründe ................................................................................... 27

4.3

Auswirkungen der Viktimisierung ............................................................................ 28

5

Bewertung der Polizei ............................................................................................. 31

5.1

Vertrauen in die Polizei ............................................................................................. 31

5.2

Zugeschriebene Eigenschaften der Polizei ................................................................ 31

5.3

Beurteilung konkreter Polizeiarbeit ........................................................................... 32

5.4

Polizeikontakt ............................................................................................................ 33

6

Fazit........................................................................................................................... 39

Anhang ................................................................................................................................... 41

1

2

1

Erhebung

1.1 Ausgangssituation
Bisher wurden allein mittels der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) das Ausmaß und die
Entwicklung der Kriminalität in Schleswig-Holstein dargestellt. Die PKS wird nach einheitlichen Standards seit Jahrzehnten bundesweit durchgeführt und ist damit unverzichtbar. Jedoch
bildet sie nur das Hellfeld der Kriminalität ab, da in der PKS nur Strafraten erfasst werden,
die entweder von Bürgern/innen angezeigt oder von der Polizei selbst wahrgenommen wurden. Straftaten, die der Polizei nicht bekannt sind, werden in der PKS demnach nicht erfasst.
Sie bilden das Dunkelfeld der Kriminalität.
Über weitere Faktoren, die für die Beurteilung der Sicherheitslage von Bedeutung sind, beispielsweise das Ausmaß und die Ausprägung von Kriminalitätsfurcht, die Verbreitung von
Schutzverhalten, das Vorkommen von Viktimisierung fördernden und verhindernden Gegebenheiten sowie die Wahrnehmung und Bewertung der Polizeiarbeit durch die Bürger/innen
liegen nur vereinzelt und nicht systematisch erhobene Daten vor. Für eine strategische Planung können solche Informationen nur teilweise und häufig nur regional begrenzt Berücksichtigung finden.

1.2 Befragung
Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein hat daher im Frühjahr 2015 eine Befragung zur
Sicherheit und Kriminalität durchgeführt und folgt damit dem Beispiel des Landeskriminalamts Niedersachsen, das bereits im Jahr 2013 eine solche, die PKS ergänzende, Dunkelfeldstudie durchführte1 und diese nun mit zweijährigem Abstand wiederholt.2 Damit eine größtmögliche Vergleichbarkeit der Ergebnisse zwischen den beiden Bundesländern gewährleistet
ist, wurde der dazu verwendete Fragebogen in beiden Bundesländern in identischer Weise
eingesetzt.
In Anlehnung an das Vorgehen in Niedersachsen wurde eine repräsentative Stichprobe von
25.000 Personen ab 16 Jahren, die in Schleswig-Holstein ihren Hauptwohnsitz haben, aus den
Einwohnermelderegistern gezogen, angeschrieben und gebeten, anonym Fragen zu ihren Erfahrungen mit Kriminalität im Jahr 2014 (Opferwerdung) zu beantworten. Neben personenbezogenen Daten wie Alter und Geschlecht sollten die Befragten Angaben zu ihrer Furcht vor
Kriminalität, ihrem Verhalten zum Schutz vor Straftaten sowie zu ihrer Wahrnehmung der
Polizei machen. Ein weiterer zusätzlicher Schwerpunkt lag bei den Fragen zur privaten Nutzung des Internets und gegebenenfalls zu den dabei gemachten Erfahrungen im Bereich der
computerbezogenen Kriminalität (Cybercrime). Der Fragebogen bestand aus insgesamt 20
Seiten mit 54 Fragen.
Von den 25.000 angeschriebenen Personen nahmen 13.070 Personen an der Befragung teil.
Dies ergibt eine sehr gute Teilnahmequote von 52,3 %.

1

2

Landeskriminalamt Niedersachsen (Hg.) (2013): Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen. Bericht zu
Kernbefunden der Studie. Hannover.
Landeskriminalamt Niedersachsen (Hg.) (2016): Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen 2015. Bericht zu Kernbefunden der Studie. Hannover.

3

1.3 Stichprobenbeschreibung
Die meisten der 13.070 Teilnehmer/innen beantworteten die Fragen zu ihrer Person, wenige
machten diesbezüglich keine Angaben (Tabelle 1).
Tabelle 1: Angaben zur Stichprobe und Wohnbevölkerung Schleswig-Holsteins ab 16 Jahren im Jahr 2013
Merkmale

Anzahl

Stichprobe
Prozent
(ungewichtet)

Schleswig-Holstein
Prozent
(gewichtet)

Wohnbevölkerung ab 16 Jahren

3

Anzahl

Prozent

2.413.356

100,0

Geschlecht:
männlich

6.894

46,8

48,2

1.165.152

48,3

weiblich

6.068

53,2

51,8

1.248.204

51,7

keine Angabe

108

Alter:
16 bis 20 Jahre

625

4,8

6,3

153.112

6,3

21 bis 29 Jahre

1.046

8,1

11,4

274.728

11,4

30 bis 39 Jahre

1.312

10,2

12,7

307.434

12,7

40 bis 49 Jahre

2.173

16,8

18,7

450.358

18,7

50 bis 59 Jahre

2.613

20,2

17,6

424.383

17,6

60 bis 69 Jahre

2.250

17,4

13,6

328.411

13,6

70 bis 79 Jahre

2.153

16,7

13,6

326.595

13,5

80 Jahre und älter

754

5,8

6,2

148.335

6,1

keine Angabe

144

113.588

4,7

Wohnort in:
Dithmarschen

551

4,2

4,7

Flensburg

683

5,3

3,0

73.182

3,0

Herzogtum-Lauenburg

849

6,5

6,6

160.359

6,6

1.004

7,7

8,8

211.336

8,8

Lübeck

869

6,7

7,7

185.356

7,7

Neumünster

578

4,5

2,8

66.056

2,7

Nordfriesland

715

5,5

5,8

138.791

5,8

Kiel

Ostholstein

909

7,0

7,1

172.262

7,1

1.314

10,1

10,7

256.392

10,6

579

4,5

4,5

108.779

4,5

1.216

9,4

9,4

227.652

9,4

903

7,0

6,8

165.664

6,9

1.181

9,1

9,3

223.863

9,3

Steinburg

555

4,3

4,6

111.165

4,6

Stormarn

1.066

8,2

8,2

198.911

8,2

Pinneberg
Plön
Rendsburg-Eckernförde
Schleswig-Flensburg
Segeberg

keine Angabe

3

4

98

Quelle: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein: Die Bevölkerung in Schleswig-Holstein nach Alter und
Geschlecht 2013, Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011

Das Durchschnittsalter aller Befragten lag bei 53 Jahren und die Altersspanne zwischen 16
und 100 Jahren. 53,2 % der Befragten waren Frauen, damit antworteten sie etwas häufiger als
Männer (46,8 %). Personen mit einem Alter von unter 50 und über 79 Jahren sind unter den
Befragten leicht unterrepräsentiert. Dementsprechend nahmen Personen im Alter von 50 bis
79 häufiger an der Befragung teil. Ein Anteil von 10,3 % der Befragten hat einen Migrationshintergrund, d. h., sie selbst oder mindestens ein Elternteil wurde nicht in Deutschland geboren.
Die Wohnorte wurden in Landkreise und kreisfreie Städte unterteilt. Wie Tabelle 1 zeigt, sind
die Landkreise und kreisfreien Städte in der Stichprobe entsprechend ihrer Wohnbevölkerung
vertreten. Lediglich die Anteile von Flensburg und Neumünster weichen in der ungewichteten
Stichprobe vom Anteil in der Bevölkerung Schleswig-Holsteins ab. In diesen Städten wurde
eine größere Stichprobe gezogen, um einen Städtevergleich in einer gesonderten Auswertung
zu ermöglichen.
Auch deshalb wurden die Angaben der Befragten mit statistischen Standardverfahren gewichtet, sodass die Ergebnisse der Untersuchung für die Bevölkerung über 16 Jahre SchleswigHolsteins und jedes Landkreises bzw. jeder kreisfreien Stadt repräsentativ nach den Kriterien
Alter und Geschlecht sind. Die Prozentangaben bei der folgenden Darstellung der Ergebnisse
beziehen sich auf die jeweils gültigen Fälle, d. h. abzüglich der Fälle mit fehlenden Angaben.
Da die Zahl dieser gültigen Fälle variieren kann, wird sie immer mit ausgewiesen. Sollte die
Anzahl der fehlenden Fälle auffällig hoch ausfallen, wird an entsprechender Stelle gesondert
darauf hingewiesen.

5

6

2

Leben in Schleswig-Holstein

Ausgehend von der Hypothese, dass die Wohnsituation und die Merkmale der Nachbarschaft
eine wichtige Rolle sowohl für die Kriminalitätsfurcht als auch für das Viktimisierungsrisiko
spielen, wurden die Wohndauer in der aktuellen Nachbarschaft, deren Qualität unter den Aspekten der wahrgenommenen Ordnung und Sauberkeit sowie der baulich-räumlichen Attraktivität und Gestaltung als auch die Intensität der gelebten Nachbarschaft erfragt.

2.1 Wohndauer
Hinsichtlich der Wohndauer in der aktuellen Nachbarschaft zeigt sich eine relativ große Verbundenheit der Menschen in Schleswig-Holstein mit ihrer Nachbarschaft (Abbildung 1). Die
überwiegende Mehrheit der Befragten (59,6 %) lebt mindestens seit 10 Jahren in ihrer gegenwärtigen Nachbarschaft. 12,3 % geben an, schon immer in dieser gelebt zu haben.
Abbildung 1: Wohndauer in der Nachbarschaft (in Prozent)
70

59,6

60
50
40
30
20

17,3

12,2

10,9

10
0
unter 2 Jahre

2 bis unter 6 Jahre

6 bis unter 10 Jahre

10 Jahre und länger

Wohndauer in der Nachbarschaft (N=12.890)

2.2 Nachbarschaftsqualität
Die überwiegende Mehrheit der Befragten ist mit der Ordnung und Sauberkeit in ihrer Nachbarschaft zufrieden, was auch ein Grund für die überwiegend hohe Wohndauer in der gleichen
Nachbarschaft sein mag. Nur ein kleiner Anteil stimmt den Aussagen eher/völlig zu, dass viele Schmierereien an den Hauswänden (5,1 %) und viele Beschädigungen oder Zerstörungen in
der Nachbarschaft (5,9 %) zu finden sind (Tabelle 2). Dass (eher) viel Abfall und Müll herumliegt, meinen 15,4 %. Der Zustand der Wohnhäuser wird ebenfalls von der Mehrheit als
(eher) gut eingeschätzt (92,6 %). Kritisch wird teilweise die Attraktivität der Straßen, Wege
und Plätze sowie die Gestaltung der Häuser gesehen: Knapp ein Drittel empfindet diese in
ihrer Nachbarschaft (eher) unattraktiv (32,0 %) und die Häuser nicht schön gestaltet
(30,0 %).4 Aus den Einzelaspekten zur Bewertung der Nachbarschaftsqualität wurden für die
weitere Auswertung zwei Mittelwertindizes5 gebildet, die zum einen die subjektive Qualität
hinsichtlich der Ordnung und Sauberkeit und zum anderen die subjektive Qualität hinsichtlich
der baulich-räumlichen Attraktivität und Gestaltung messen.
4

5

Die Befragten konnten ihre Antworten auf einer vierstufigen Skala von 1 „Stimmt gar nicht“ bis 4 „Stimmt völlig“ abgeben.
Da die Einzelaspekte für den Index der Ordnung und Sauberkeit negativ formuliert sind, musste die Polung entsprechend
angepasst werden, damit ein hoher Mittelwert einer hohen subjektiven Qualität entspricht (1 „Stimmt völlig“ bis 4
„Stimmt gar nicht“). Die errechneten Mittelwerte der Einzelaspekte beider Indizes wurden anschließend wie folgt kategorisiert: „gering“ (1,000-1,749), „eher gering“ (1,750-2,499), „eher hoch“ (2,500-3,249) und „hoch“ (3,250-4,000).

7

Tabelle 2: Einzelaspekte der Nachbarschaftsqualitäten (in Prozent)
Stimmt gar
nicht

Wie sehr trifft Folgendes auf Ihre Nachbarschaft zu?

Ordnung und
Sauberkeit im
Wohnumfeld

Baulich-räumliche
Attraktivität und
Gestaltung

Viele Schmierereien an Hauswänden (N=12.585)
Viele Beschädigungen und Zerstörungen (N=12.583)
Viel herumliegender Abfall und
Müll (N=12.627)
Attraktive Straßen, Wege, Plätze
(N=12.447)
Schön gestaltete Häuser
(N=12.579)
Wohnhäuser sind gut erhalten
(N=12.705)

Stimmt eher
nicht

Stimmt eher

Stimmt
völlig

75,4

19,5

3,4

1,7

68,7

25,4

4,6

1,3

46,3

38,3

11,0

4,4

6,2

25,8

52,8

15,2

5,8

24,2

49,7

20,3

1,5

6,0

51,2

41,4

Die Qualität ihrer Nachbarschaft beurteilen lediglich 5,6 % der Menschen in SchleswigHolstein als (eher) gering (Abbildung 2). Dies bedeutet, dass diese wenigen in ihrem Wohnumfeld viele Schmierereien an den Hauswänden, Beschädigungen und Verschmutzungen
bemerken. Ganze 94,5 % empfinden hingegen eine (eher) hohe Nachbarschaftsqualität aufgrund selten wahrgenommener Beschädigungen und Verschmutzungen im öffentlichen
Raum.
Ebenfalls gut, aber weniger deutlich, beurteilen die Befragten die Qualität ihrer Nachbarschaft
bezüglich der baulich-räumlichen Attraktivität und Gestaltung: 80,7 % bewerten die baulichräumliche Qualität ihrer Nachbarschaft als (eher) hoch, während knapp ein Fünftel (19,2 %)
in einem weniger attraktiv bewerteten Umfeld lebt.
Abbildung 2: Zwei Dimensionen der Nachbarschaftsqualität (Mittelwertindizes; in Prozent)
90
77,9

80
70
60
50

43,4
37,3

40
30
16,6

20
10

1,6

4,0

gering

eher gering

16,1
3,1

0
eher hoch

Nachbarschaftsqualität: Ordnung
und Sauberkeit im Wohnumfeld
(N=12.416, Cronbachs α=0,70)

hoch

gering

eher gering

eher hoch

hoch

Nachbarschaftsqualität: baulich-räumliche Attraktivität
und Gestaltung
(N=12.287, Cronbachs α=0,66)

Betrachtet man die Nachbarschaftsqualität abhängig vom Geschlecht, zeigt sich, dass Frauen
ihre Nachbarschaft positiver sehen als Männer, wobei die Unterschiede hinsichtlich der
Wahrnehmung von Abfall und Müll auf den Straßen und der Bewertung des Zustands und der
Gestaltung der Häuser nicht signifikant sind (Tabelle 3).

8

Differenziert nach Altersgruppen fallen relativ große Anteile bei der Einschätzung einer (eher) geringen Nachbarschaftsqualität bei den 21- bis 34-Jährigen auf. Diese sind einerseits
verursacht durch signifikant häufiger wahrgenommene Schmierereien, Beschädigungen, Müll
und Abfall und andererseits durch eine kritischere Einschätzung des Zustands der Wohnhäuser. Deutlich positiver bewerten die Nachbarschaftsqualität bezüglich der Ordnung und Sauberkeit im Wohnumfeld die Altersgruppen der 35- bis 79-Jährigen. Die baulich-räumliche
Attraktivität und Gestaltung wird von den 35- bis 49-Jährigen am unkritischsten gesehen.
Tabelle 3: Geringe Nachbarschaftsqualität nach Alter und Geschlecht (in Prozent; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)
Gesamt

(eher) geringe Nachbarschaftsqualität bzgl. Ordnung und Sauberkeit im Wohnumfeld
(N=12.416)
Wie sehr trifft Folgendes auf
Ihre Nachbarschaft zu?
viele Schmierereien
(N=12.585)
viele Beschädigungen und
Zerstörungen (N=12.583)
viel Müll und Abfall
(N=12.627)
(eher) geringe Nachbarschaftsqualität bzgl. baulich-räumliche
Attraktivität und Gestaltung
(N=12.287)
Wie sehr trifft Folgendes auf
Ihre Nachbarschaft zu?
attraktive Straßen, Wege und
Plätze (N=12.447)
schön gestaltete Häuser
(N=12.579)
Wohnhäuser sind gut erhalten
(N=12.705)

5,5

Geschlecht

Alter in Jahren

weibl.

männl.

16-20

21-34

35-49

50-64

65-79

ab 80

5,0

6,1

4,9

9,0

4,8

4,8

4,5

5,9

Anteile der Antworten „stimme eher/völlig zu“
5,1

4,7

5,7

3,7

8,7

4,4

4,0

4,3

6,9

5,9

5,4

6,5

6,1

7,8

5,5

5,2

5,0

7,8

15,4

15,3

15,6

16,1

20,4

14,0

13,6

15,1

14,4

19,3

18,5

20,1

22,0

23,0

15,4

19,6

19,6

18,6

Anteile der Antworten „stimme eher/gar nicht zu“
32,0

30,8

33,3

32,3

33,6

28,7

32,9

34,4

30,2

30,0

29,4

30,5

33,8

30,6

25,0

30,2

32,4

36,6

7,4

7,2

7,6

8,2

12,3

6,6

6,7

5,0

5,8

2.3 Nachbarschaftsintensität
Neben ordnungs- und raumbezogenen Aspekten bewertet die übergroße Mehrheit der Befragten ihre Nachbarschaft auch unter sozialen Gesichtspunkten positiv: Dass sich die Nachbarn
(eher) kümmern, wenn etwas nicht in Ordnung ist, berichten drei Viertel (74,4 %) der Befragten (Tabelle 4). Man kann sich auf Nachbarn verlassen, wenn es darauf ankommt, meinen
83,3 %. Ein großer Anteil kennt die Nachbarn beim Namen (84,7 %), hat zu ihnen Kontakt,
indem z. B. auf der Straße oder vor der Haustür miteinander geplaudert wird (86,6 %), und
über drei Viertel (76,5 %) stimmt der Aussage eher/völlig zu: Wenn ich in meiner Straße
Menschen begegne, weiß ich, ob sie in meiner Nachbarschaft wohnen oder nicht. Engere
Kontakte zu Nachbarn, bei denen man sich gegenseitig besucht, werden nicht ganz so häufig
(47,8 %) angegeben.6

6

Die Antworten konnten auf einer vierstufigen Skala von 1 „stimmt gar nicht“ bis 4 „stimmt völlig“ abgegeben werden.

9

Der mit den Einzelaspekten errechnete Mittelwertindex7 bestätigt dieses Bild: 83,2 % geben
eine (eher) hohe Nachbarschaftsintensität an, die durch Interesse an den Nachbarn, gegenseitiges Verständnis und Hilfe gekennzeichnet ist (Abbildung 3). Demgegenüber verspürt etwa
jede/r Sechste (16,8 %) eine (eher) geringe Nachbarschaftsintensität.8
Tabelle 4: Einzelaspekte der Nachbarschaftsintensität (in Prozent)
Wie sehr trifft Folgendes auf Ihre Nachbarschaft zu?
Nachbarn kümmern sich
(N=12.274)
Nachbarn und ich besuchen uns
(N=12.590)
Kann mich auf Nachbarn verlassen
(N=12.549)
Erkenne, ob Menschen hier wohnen
(N=12.700)
Kontakt zu Nachbarn
(N=12.774)
Kenne Nachbarn beim Namen
(N=12.760)

Stimmt eher
nicht

Stimmt eher

Stimmt völlig

5,3

20,2

54,5

19,9

25,0

27,3

31,1

16,7

4,2

12,5

46,9

36,4

5,3

18,1

44,5

32,0

3,4

10,0

40,1

46,5

3,6

11,7

34,7

50,0

Stimmt gar nicht

Abbildung 3: Nachbarschaftsintensität (Mittelwertindex; in Prozent)
50

43,9
39,3

40
30
20
10

13,2
3,6

0
gering

eher gering

eher hoch

hoch

Nachbarschaftsintensität (N=11.910, Cronbachs α=0,84)

Die Nachbarschaftsintensität liegt allgemein auf einem hohen Niveau, sinkt aber signifikant
mit steigender Wohnortgröße: Während nur etwa jede/r Zehnte (11,5 %) aus einer Gemeinde
unter 20.000 Einwohner/innen eine (eher) geringe Nachbarschaftsintensität angibt, gibt dies in
Gemeinden zwischen 20.000 und 100.000 Einwohner/innen schon jede/r Fünfte (21,5 %) an
und in Gemeinden mit 100.000 und mehr Einwohner/innen wächst dieser Anteil auf 28,5 %
(Abbildung 4).

7

8

10

Der Mittelwertindex zur Nachbarschaftsintensität wurde wie folgt kategorisiert: „gering“ (1,000-1,749), „eher gering“
(1,750-2,499), „eher hoch“ (2,500-3,249) und „hoch“ (3,250-4,000).
Die Fallzahl reduzierte sich bei der Berechnung des Mittelwertindexes aufgrund von fehlenden Angaben um 8,8 %.

Abbildung 4: Nachbarschaftsintensität nach Wohngemeindegröße (in Prozent)
60
48,1 48,0

50

47,2

41,4
40
30,4
30

23,5

21,3
16,6

20
10
2,1

4,9

7,2

9,4

0
gering

eher gering

eher hoch

hoch

Nachbarschaftsintensität
unter 20.000 EW
(N=6.920)

20.000 bis unter 100.000 EW
(N=2.716)

100.000 und mehr EW
(N=1.572)

11

12

3

Kriminalitätsfurcht

3.1 Raumbezogenes Sicherheitsgefühl
In ihrer Nachbarschaft fühlen sich die Befragten allgemein (eher) sicher (95,1%) und auch
nachts allein in der Wohnung bzw. dem Haus fühlt sich die überwiegende Mehrheit (88,6 %)
ebenfalls (eher) sicher. Begegnet ihnen, wenn sie nachts alleine in ihrer Nachbarschaft unterwegs sind, jedoch eine fremde Person, sinkt ihr raumbezogenes Sicherheitsgefühl. Ein Anteil
von 41,4 % fühlt sich dann eher oder sogar sehr unsicher (Tabelle 5).9
Diese Einzelaspekte wurden wiederum zu einem Mittelwertindex zusammengefasst, der die
subjektive Sicherheit in Bezug zur Wohnung und deren Umgebung misst.10 Ein Anteil von
88,8 % der befragten Personen in Schleswig-Holstein bekundet ein (eher) hohes raumbezogenes Sicherheitsgefühl (Abbildung 5). Nur ungefähr jede/r Zehnte (11,2 %) hat hingegen ein
(eher) gering ausgeprägtes raumbezogenes Sicherheitsgefühl.
Tabelle 5: Einzelaspekte des raumbezogenen Sicherheitsgefühls (in Prozent)
Wie sicher fühlen Sie sich …

sehr unsicher

eher unsicher

eher sicher

sehr sicher

0,5

4,5

55,9

39,2

1,6

9,8

52,6

36,0

2,1

15,0

58,6

24,4

7,7

33,7

47,6

11,0

in Ihrer Nachbarschaft?
(N=12.763)
nachts allein in Ihrer Wohnung?
(N=12.735)
nachts allein in Ihrer Nachbarschaft?
(N=12.610)
nachts allein in Ihrer Nachbarschaft,
wenn Sie einer fremden Person begegnen? (N=12.656)

Abbildung 5: Raumbezogenes Sicherheitsgefühl (Mittelwertindex; in Prozent)
60
48,4

50

40,4
40
30
20
9,9
10
1,3
0
gering

eher gering

eher hoch

hoch

Raumbezogenes Sicherheitsgefühl (N=12.473, Cronbachs α=0,86)

Im Vergleich der Einzelaspekte des raumbezogenen Sicherheitsgefühls zeigt sich, dass die
Befragten sich insbesondere in Situationen nachts allein und außerhalb der Wohnung (eher)
unsicher fühlen. Deutlich verstärkt wird dieses Unsicherheitsgefühl, wenn es zur Begegnung
9
10

Die Antworten reichen auf einer vierstufigen Skala von 1 „sehr unsicher“ bis 4 „sehr sicher“.
Die errechneten Mittelwerte der Einzelaspekte des raumbezogenen Sicherheitsgefühls wurden wie folgt kategorisiert:
„gering“ (1,000-1,749), „eher gering“ (1,750-2,499), „eher hoch“ (2,500-3,249) und „hoch“ (3,250-4,000).

13

mit einer unbekannten Personen kommt. Dann fühlen sich über zwei Fünftel (41,4 %) der
Befragten sehr/eher unsicher (Abbildung 6).
Abbildung 6: Einzelaspekte des raumbezogenen Sicherheitsgefühls (Anteile der Antworten „sehr/eher unsicher“ in
Prozent)
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0

41,4

17,1
11,4
5,0

in der Nachbarschaft

nachts allein in der
Wohnung

nachts allein in der
Nachbarschaft

nachts allein in der
Nachbarschaft bei
Begegnung mit fremder
Person

Raumbezogene Furcht (sehr/eher unsicher)

Das raumbezogene Sicherheitsgefühl ist jedoch nicht nur tageszeit- und situationsabhängig,
vielmehr wird es auch stark vom Alter und Geschlecht der Befragten beeinflusst (Tabelle 6).
Tabelle 6: Geringes raumbezogenes Sicherheitsgefühl nach Alter und Geschlecht (in Prozent; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)
Gesamt

(eher) geringes raumbezogenes
Sicherheitsgefühl (N=12.473)

11,2

Geschlecht

Alter in Jahren

weibl.

männl.

16-20

21-34

35-49

50-64

65-79

ab 80

16,1

6,1

14,7

14,1

9,4

9,8

10,1

15,6

Anteil der Antworten „sehr/eher unsicher“

Wie sicher fühlen Sie sich ...
in Ihrer Nachbarschaft?
(N=12.763)
nachts alleine in Ihrer Wohnung? (N=12.735)
nachts alleine in Ihrer Nachbarschaft? (N=12.610)

5,0

5,5

4,4

4,4

7,2

4,6

4,5

3,8

6,1

11,4

16,7

5,8

15,5

13,8

9,4

9,2

11,7

16,3

17,1

24,0

9,9

21,4

21,4

14,5

15,1

16,0

22,5

nachts alleine in Ihrer Nachbarschaft, wenn Sie einer
fremden Person begegnen
(N=12.656)

41,4

56,4

25,7

46,7

43,1

36,6

38,2

44,4

56,1

Sowohl bei den jüngeren Befragten unter 35 als auch bei den über 80-Jährigen ist das raumbezogene Sicherheitsgefühl deutlich geringer als bei den Befragten mittleren Alters (Tabelle
6). Bis auf das allgemeine Sicherheitsgefühl in der Nachbarschaft zeigt sich dieses Bild in
allen weiteren erfragten Situationen. Lediglich bei der nächtlichen Begegnung mit Fremden
weisen auch die 65- bis 79-Jährigen größere Unsicherheiten auf.
Schwächere soziale Bindungen innerhalb der Nachbarschaft sowie ein anderer Lebensstil jüngerer Menschen, bspw. häufigere Aktivitäten außerhalb der Wohnung, können ursächlich für
ein niedrigeres raumbezogenes Sicherheitsgefühl der Jüngeren sein. Da Opfererfahrungen mit
einem niedrigeren raumbezogenen Sicherheitsgefühl einhergehen (vgl. Abbildung 14), wirkt
14

sich auch die höhere Viktimisierungsrate jüngerer Menschen (vgl. Tabelle 13) entsprechend
aus. Bei den hochaltrigen Befragten kommen ein zurückgezogeneres Leben, körperliche Beeinträchtigungen sowie ein höherer Frauenanteil als mögliche Gründe in Betracht.
Abbildung 7: Raumbezogenes Unsicherheitsgefühl nach Alter und Geschlecht (in Prozent)
30
25,5
25
19,8

19,0

20
13,9

15

14,4

13,7

9,7

8,5

10

5,7

4,9

4,8

5,6

5
0
16-20

21-34

35-49

50-64

65-79

ab 80

Alter in Jahren
Raumbezogenes Unsicherheitsgefühl bei Frauen (N=6.317)
Raumbezogenes Unsicherheitsgefühl bei Männern (N=6.061)

Im Geschlechtervergleich zeigen sich besonders deutliche Unterschiede. Der Anteil der Frauen, die sich in ihrer Nachbarschaft (eher) unsicher fühlen, ist mit 16,1 % mehr als doppelt so
groß wie bei den Männern (6,1 %). Zieht man die Altersverteilung hinzu, werden weitere Unterschiede deutlich (Abbildung 7): Über ein Viertel (25,5 %) der jungen Frauen unter 21 Jahren fühlt sich in ihrer Nachbarschaft (eher) unsicher. Frauen ab 35 Jahren weisen dagegen
eine deutlich geringere Quote auf, die ab 80 Jahren erneut ansteigt. Ein ganz anderes Bild
herrscht bei den Männern, bei diesen fühlen sich lediglich 4,8 % der unter 21-Jährigen in der
Nachbarschaft unsicher. Die höchsten Anteile sind hier bei den 21- bis 34-Jährigen (8,5 %)
und bei den über 80-Jährigen (9,7 %) festzustellen.
Bestimmte Situationen in der vertrauten näheren Umgebung entfalten für das raumbezogene
Sicherheitsgefühl der Frauen eine weitaus größere Wirkung als für Männer. Zwar fühlen sich
Frauen allgemein in ihrer Nachbarschaft ähnlich sicher wie Männer, jedoch zeigen sich große
Unterschiede, wenn es dunkel ist und sie sich allein außerhalb der Wohnung befinden. Daneben ist der Umstand, dass ein Sechstel (16,6 %) der Frauen sich nachts in ihrer eigenen Wohnung nicht sicher fühlt, ein bemerkenswertes Ergebnis. Schlüsselt man diesen Befund nach
den Altersgruppen auf, so zeigen die jungen Frauen unter 21 Jahren auch hier das höchste
Furchtniveau mit 26,2 %, gefolgt von jenen im Alter von 21 bis 34 Jahren sowie jenen mit
über 80 Jahren (jeweils 19,8 %).

3.2 Allgemeines Unsicherheitsgefühl (affektive Dimension)
Die häufigsten Befürchtungen, Opfer einer Straftat zu werden, beziehen sich auf Delikte, bei
denen unter Abwesenheit das Eigentum entwendet oder beschädigt wird. So befürchtet knapp
ein Sechstel der Befragten (16,3 %) häufig oder immer, dass in die eigene Wohnung bzw. das
Haus eingebrochen wird (Tabelle 7). Jede/r Zehnte fürchtet, dass ihm/ihr etwas gestohlen

15

(11,1 %) oder beschädigt wird (10,3 %). Eher selten tritt die Befürchtung auf, geschlagen und
verletzt (2,8 %) sowie sexuell bedrängt zu werden (1,6 %).11
Tabelle 7: Einzelaspekte des allgemeinen Unsicherheitsgefühls (in Prozent)
Wie oft haben Sie die Befürchtung, dass ...

Nie

Selten

Manchmal

Häufig

Immer

17,3

41,5

30,1

9,1

2,0

51,4

36,3

9,5

2,2

0,6

ich überfallen und beraubt werde (N=12.684)

40,3

39,6

15,6

3,6

0,9

ich sexuell bedrängt werde
(N=12.615)

70,5

22,5

5,3

1,2

0,4

mein Eigentum beschädigt wird (N=12.697)

22,5

39,0

28,4

8,1

2,2

in meine Wohnung eingebrochen wird
(N=12.808)

19,6

33,5

30,6

11,7

4,6

mir etwas gestohlen wird
(N=12.710)
ich geschlagen und verletzt werde
(N=12.671)

Mit diesen Items wurde ebenfalls ein Mittelwertindex gebildet, der für ein allgemeines Unsicherheitsgefühl steht und in Abbildung 8 dargestellt ist.12
Abbildung 8: Allgemeines Unsicherheitsgefühl (Mittelwertindex; in Prozent)
60
50

48,1
42,0

40
30
20
8,7

10

1,2
0
gering

eher gering

eher hoch

hoch

Allgemeines Unsicherheitsgefühl (affektive Dimension, N=12.452, Cronbachs α=0,86)

Eine (eher) hohe Besorgnis, Opfer einer Straftat zu werden, weist knapp ein Zehntel (9,9 %)
der Befragten auf. Allgemein haben Frauen ein deutlich höheres Furchtniveau im Vergleich
zu Männern (Tabelle 8). 21- bis 34-Jährige weisen im Vergleich der Altersgruppen die größte
Besorgnis auf, während diese bei Hochaltrigen am geringsten ausgeprägt ist. Ein deutlicher
Niveauunterschied zwischen eigentumsbezogenen Delikten und Gewaltdelikten ist festzustellen, wenn man eine Differenzierung der einzelnen Deliktsgruppen vornimmt. Eigentumsbezogene Delikte werden häufiger befürchtet. Die Sorge vor sexuellen Übergriffen ist verhältnismäßig gering ausgeprägt und vor allem eine Befürchtung junger Frauen.

11
12

16

Die Antworten der Befragten reichen auf einer fünfstufigen Skala von 1 „Nie“ bis 5 „Immer“.
Der berechnete Mittelwertindex zum allgemeinen Unsicherheitsgefühl wird zur weiteren Auswertung wie folgt kategorisiert: „gering“ (1,000-1,999), „eher gering“ (2,000-2,999), „eher hoch“ (3,000-3,999) und „hoch“ (4,000-5,000).

Tabelle 8: Hohes allgemeines Unsicherheitsgefühl nach Alter und Geschlecht (in Prozent; fett: Gruppenunterschiede
signifikant bei p<.05)
Gesamt

(eher) hohes allgemeines Unsicherheitsgefühl (affektive Dimension, N=12.452)
Wie oft haben Sie die Befürchtung, dass …
mir etwas gestohlen wird
(N=12.710)
ich geschlagen werde
(N=12.671)
ich überfallen und beraubt
werde (N=12.684)
ich sexuell bedrängt werde
(N=12.615)
mein Eigentum beschädigt
wird (N=12.697)
in meine Wohnung eingebrochen wird (N=12.808)

9,9

Geschlecht

Alter in Jahren

weibl.

männl.

16-20

21-34

35-49

50-64

65-79

ab 80

12,2

7,5

9,7

11,8

11,0

10,3

7,2

6,6

Anteil der Antworten „häufig/immer“
11,1

11,6

10,6

11,2

13,7

12,0

10,8

8,6

8,5

2,8

2,8

2,8

3,9

4,5

2,7

2,3

1,3

3,7

4,6

5,2

4,0

4,5

6,6

4,5

3,7

3,2

6,8

1,6

2,8

0,4

3,7

3,1

1,7

0,9

0,6

0,3

10,2

10,2

10,3

11,2

13,7

10,9

10,4

6,4

7,7

16,3

17,3

15,3

9,7

15,7

18,4

17,3

15,2

15,9

3.3 Persönliche Risikoeinschätzung (kognitive Dimension)
Wenn es um die Einschätzung des persönlichen Risikos geht, in den nächsten zwölf Monaten
Opfer einer bestimmten Straftat zu werden, dann schätzen die Befragten das Risiko der Beschädigung des Eigentums (23,1 %), des Einbruchs in die Wohnung bzw. das Haus (20,4 %)
sowie des Diebstahls des Eigentums (18,4 %) am höchsten ein. Hingegen halten nur relativ
wenige Befragte für (eher) wahrscheinlich, dass sie im nächsten Jahr Opfer eines Raubes (6,9
%), einer Körperverletzung (4,9 %) oder einer sexuellen Bedrängung (3,1 %) werden (Tabelle
9).13
Tabelle 9: Einzelaspekte der persönlichen Risikoeinschätzung (in Prozent)
Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass
Ihnen persönlich in den nächsten zwölf Monaten tatsächlich Folgendes passiert?
Dass …
mir etwas gestohlen wird
(N=12.652)
dass ich geschlagen und verletzt werde
(N=12.631)
ich überfallen und beraubt werde
(N=12.627)
ich sexuell bedrängt werde
(N=12.611)
mein Eigentum beschädigt wird
(N=12.621)
in meine Wohnung eingebrochen wird
(N=12.659)

13

Sehr unwahrscheinlich

Eher unwahrscheinlich

Eher wahrscheinlich

Sehr wahrscheinlich

22,0

59,6

15,8

2,6

43,0

52,1

4,1

0,8

38,1

55,0

6,1

0,8

60,4

36,5

2,4

0,7

19,5

57,4

20,2

2,9

20,9

58,7

17,5

2,9

Die Befragten konnten ihre Antworten auf einer vierstufigen Antwortskala abgeben, die von 1 „Sehr unwahrscheinlich“
bis 4 „Sehr wahrscheinlich“ reicht.

17

Der Mittelwertindex aus diesen Einzelaspekten bildet die persönliche Einschätzung des Viktimisierungsrisikos ab14, das von der überwiegenden Mehrheit (90,5 %) der schleswigholsteinischen Bevölkerung (eher) gering eingeschätzt wird (Abbildung 9). Nur etwa jede/r
Zehnte (9,6 %) hält dies für eher/sehr wahrscheinlich.
Abbildung 9: Persönliche Risikoeinschätzung (Mittelwertindex; in Prozent)
60
49,5
50
41,0
40
30
20
8,7

10

0,9
0
gering

eher gering

eher hoch

hoch

Persönliche Risikoeinschätzung (kognitive Dimension, N=12.428, Cronbachs α=0,86)

Differenziert nach dem Geschlecht der Befragten, sind signifikante Unterschiede hinsichtlich
des Ausmaßes der kognitiven Kriminalitätsfurcht festzustellen: Frauen schätzen das persönliche Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, höher ein als Männer (Tabelle 10). Hinsichtlich
der Altersklassen gibt es hingegen keine signifikanten Unterschiede.
Betrachtet man sich allerdings die Einzelaspekte der Mittelwertskala, dann zeigt sich, dass die
höhere kognitive Kriminalitätsfurcht der Frauen vor allem mit der höheren Furcht vor sexuellen Übergriffen zusammenhängt. Männer hingegen schätzen das Risiko einer Körperverletzung ohne sexuellen Hintergrund sowie einer Beschädigung ihres Eigentums signifikant höher ein als Frauen. Auch hinsichtlich des Alters, zeigen sich bei den Einzelaspekten signifikante Unterschiede: Mit Ausnahme der Delikte Raub und Wohnungseinbruchdiebstahl schätzen junge Menschen unter 35 Jahren das Viktimisierungsrisiko höher ein als ältere Menschen.
Hinsichtlich des Wohnungseinbruchs ist ihre Risikoeinschätzung hingegen geringer als bei
Menschen mittleren Alters, was mit dem vergleichsweise geringeren Besitzstand in der Wohnung zusammenhängen mag.

14

18

Die errechneten Mittelwerte aus den Einzelaspekten der persönlichen Risikoeinschätzung wurden wie folgt kategorisiert:
„gering“ (1,000-1,749), „eher gering“ (1,750-2,499), „eher hoch“ (2,500-3,249) und „hoch“ (3,250-4,000).

Tabelle 10: Hohe persönliche Risikoeinschätzung nach Alter und Geschlecht (in Prozent; fett: Gruppenunterschiede
signifikant bei p<.05)
Gesamt
(eher) hohe persönliche Risikoeinschätzung (kognitive Dimension, N=12.428)

9,5

Geschlecht
männl.

16-20

21-34

35-49

50-64

65-79

ab 80

11,1

7,8

10,0

10,7

9,0

9,5

8,9

9,4

Für wie wahrscheinlich halten
Sie es, dass Ihnen persönlich in
den nächsten zwölf Monaten
tatsächlich Folgendes passiert?
Dass...
mir etwas gestohlen wird
(N=12.652)
dass ich geschlagen und verletzt werde (N=12.631)
ich überfallen und beraubt
werde (N=12.627)
ich sexuell bedrängt werde
(N=12.611)
mein Eigentum beschädigt
wird (N=12.621)
in meine Wohnung eingebrochen wird (N=12.659)

Alter in Jahren

weibl.

Anteil der Antworten „sehr/eher wahrscheinlich“

18,5

19,0

17,9

25,3

22,3

17,9

17,5

15,4

15,8

4,9

4,2

5,7

9,8

6,3

4,3

3,9

4,3

4,6

6,9

7,3

6,5

7,8

7,6

6,0

6,1

7,0

10,1

3,1

5,0

1,0

6,2

5,3

2,4

2,3

2,1

2,4

23,0

21,5

24,7

25,8

29,2

22,4

22,8

19,0

17,9

20,3

20,6

20,2

12,0

18,1

21,7

21,7

21,7

19,9

3.4 Schutz- und Vermeidungsverhalten (konative Dimension)
Über die Hälfte der Befragten (53,0 %) vermeidet es, hohe Geldbeträge mitzunehmen
(Tabelle 11). Etwa ein Drittel (31,3 %) meidet bestimmte Straßen, Plätze oder Parks, ein Viertel (24,7 %) nutzt in den Abendstunden keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr und immerhin
rund jede/r Siebte vermeidet häufig/immer bei Dunkelheit das Haus zu verlassen.15 Mit diesen
Items wurde zur weiteren Auswertung der Mittelwertindex zum Vermeidungsverhalten gebildet.16
Neben dem Verhalten, bestimmte Situationen zu vermeiden, versuchen sich die Befragten
auch aktiv vor einer Viktimisierung zu schützen. Dazu zählt: die Wohnung bei Abwesenheit
belebt erscheinen zu lassen (53,2 %), Fremden bei Dunkelheit auszuweichen (32,3 %) und die
Wohnung mit zusätzlichen technischen Sicherungen auszustatten (21,4 %). Eine Schutzbewaffnung, d. h. Reizgas, Messer o. ä., wird lediglich von einem sehr kleinem Anteil (4,4 %)
regelmäßig mitgeführt. Ein ebenfalls hoher Anteil von 57,1 % gibt an, das Virenschutzprogramm häufig/immer zu aktualisieren. Mit Ausnahme des Items zur Aktualisierung des Virenschutzprogramms, das eine eigene Dimension abzubilden scheint, wurden alle anderen in
die Bildung des Mittelwertindexes zum Schutzverhalten miteinbezogen.17

15

16

17

Die Befragten konnten für die Einzelaspekte des Schutz- und Vermeidungsverhaltens ihre Antworten auf einer fünfstufigen Skala von 1 „Nie“ bis 5 „Immer“ geben.
Der Mittelwertindex wurde dafür vierstufig kategorisiert: „gering“ (1,000-1,999), „eher gering“ (2,000-2,999), „eher
hoch“ (3,000-3,999) und „hoch“ (4,000-5,000).
Der Mittelwertindex für die persönlichen Risikoeinschätzung wurde ebenfalls vierstufig kategorisiert: „gering“ (1,0001,999), „eher gering“ (2,000-2,999), „eher hoch“ (3,000-3,999) und „hoch“ (4,000-5,000).

19

Tabelle 11: Einzelaspekte des Schutz- und Vermeidungsverhaltens (in Prozent)

Schutzverhalten

Vermeidungsverhalten

Um sich im Alltag vor Kriminalität zu schützen, ergreifen Menschen oft bestimmte Maßnahmen. Bitte geben Sie an, wie oft Sie folgende Vorsichtsmaßnahmen treffen. Ich …

Nie

Selten

Manchmal

Häufig

Immer

vermeide es, das Haus bei Dunkelheit
zu verlassen (N=12.699)

47,7

23,5

15,3

9,3

4,3

vermeide es, bestimmte Straßen, Plätze
oder Parks zu benutzen (12.592)

20,1

25,0

23,6

17,5

13,7

vermeide es, abends öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen (N=12.373)

39,1

23,8

12,4

12,1

12,6

vermeide es, viel Geld bei mir zu tragen (N=12.680)

17,3

16,2

13,5

22,9

30,1

weiche Fremden, denen ich im Dunkeln begegne, nach Möglichkeit aus
(N=12.579)

11,8

25,0

30,9

18,7

13,6

sorge dafür, dass meine Wohnung auch
in Abwesenheit nicht unbewohnt wirkt
(N=12.645)

14,3

15,3

17,2

23,5

29,7

trage Reizgas, ein Messer oder eine
andere Waffe bei mir, um mich verteidigen zu können (N=12.684)

87,9

4,9

2,9

2,0

2,4

sichere meine Wohnung in meiner
Abwesenheit besonders, indem ich z.
B. zusätzliche Riegel vorlege oder eine
Alarmanlage einschalte (N=12.594)

61,3

10,6

6,7

7,8

13,5

aktualisiere mein Virenschutzprogramm (N=11.869)

22,4

8,4

12,1

18,5

38,6

Das Bestreben, sich durch ihr Verhalten vor Straftaten zu schützen, ist bei vielen Bürgern/innen vorhanden. Bei über einem Drittel der Befragten (36,8 %) zeigte sich ein (eher)
hohes Vermeidungsverhalten und bei etwa einem Viertel (26,9 %) ein (eher) hohes Schutzverhalten (Abbildung 10).
Abbildung 10: Schutz- und Vermeidungsverhalten (Mittelwertindizes; in Prozent)
50

46,3

45
37,2

40
35
30

26,7

26,0
23,1

25

22,4

20
13,7

15
10

4,5

5
0
gering

eher gering

eher hoch

Vermeidungsverhalten
(N=12.194, Cronbachs α=0,75)

20

hoch

gering

eher gering

eher hoch

Schutzverhalten
(N=12.363, Cronbachs α=0,47)

hoch

Differenziert nach Geschlecht zeigt sich, dass Frauen weit häufiger ein Vermeidungs- als auch
ein Schutzverhalten praktizieren. Dies spiegelt sich auch in fast allen Einzelaspekten der gebildeten Mittelwertindizes wider. Lediglich beim regelmäßigen Mitführen von Schutzbewaffnung sowie bei der technischen Sicherung der Wohnung unterscheiden sich Frauen und Männer nicht signifikant voneinander (Tabelle 12). Letzteres ist aufgrund von häufig gemeinsam
geführten Haushalten nicht überraschend.
Eine weitere Ausnahme, bei der Männer aktiver sind, ist das Aktualisieren des Virenschutzprogramms: Etwa die Hälfte der Frauen (51,3 %) gegenüber zwei Dritteln der Männer
(63,1 %) führt diese Aktualisierung häufig oder immer durch.18
Bezüglich des Alters ist ein zunehmendes Schutz- und Vermeidungsverhalten mit zunehmendem Alter zu erkennen. Jüngere Menschen sind hinsichtlich ihres alltäglichen Verhaltens weniger vorsichtig als ältere. Auch hierbei sind Ausnahmen bei den einzelnen Aspekten zu erkennen. Diejenigen, die regelmäßig eine Schutzbewaffnung bei sich tragen, sind vor allem
unter den 16- bis 35-Jährigen zu finden.
Bezogen auf die Verwendung von Virenschutzprogrammen zeigt sich, dass Menschen im
mittleren Alter (21 bis 64 Jahre) häufiger die Aktualisierung durchführen als Digital Natives
und Menschen im Rentenalter.

18

Der Anteil der Befragten, die zur Aktualisierung des Virenprogramms keine Auskunft gaben, lag vergleichsweise hoch
bei 9,2 %.

21

Tabelle 12: Schutz- und Vermeidungsverhalten Alter und Geschlecht (in Prozent; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)
Gesamt

(eher) hohes Vermeidungsverhalten (N=12.194)
Ich vermeide es, …
das Haus bei Dunkelheit zu
verlassen (N=12.699)
bestimmte Straßen, Plätze oder Parks zu benutzen
(12.592)
abends öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen
(N=12.373)
viel Geld bei mir zu tragen
(N=12.680)
(eher) hohes Schutzverhalten
(N=12.363)

36,8

Geschlecht
weibl.

männl.

16-20

21-34

35-49

50-64

65-79

ab 80

52,1

21,0

30,9

32,6

35,6

35,6

40,7

57,1

Anteil der Antworten „häufig/immer“
13,6

19,8

7,1

11,0

8,2

8,5

11,2

19,6

45,5

31,3

44,8

17,0

27,3

29,0

29,4

29,1

34,6

49,5

24,7

35,2

13,8

17,6

19,3

24,9

23,9

27,5

44,5

53,0

61,8

43,7

46,0

50,4

55,3

54,4

51,5

56,7

27,0

32,6

21,1

20,9

18,5

21,0

26,4

40,5

45,7

Ich …

Anteil der Antworten „häufig/immer“

weiche Fremden, denen ich
im Dunkeln begegne, nach
Möglichkeit aus (N=12.579)

32,3

46,8

17,1

42,6

32,0

26,3

28,4

35,5

55,0

sorge dafür, dass meine Wohnung auch in Abwesenheit
nicht unbewohnt wirkt
(N=12.645)

53,2

58,8

47,3

39,5

33,1

48,6

58,2

71,1

67,8

trage Reizgas, ein Messer oder eine andere Waffe bei mir,
um mich verteidigen zu können (N=12.684)

4,4

4,7

4,0

6,4

7,1

4,0

3,2

3,5

3,5

sichere meine Wohnung in
meiner Abwesenheit besonders, indem ich z. B. zusätzliche Riegel vorlege oder eine
Alarmanlage einschalte
(N=12.594)

21,4

21,8

21,0

11,3

12,8

18,7

21,0

33,3

32,8

45,6

18,8

Ich …
aktualisiere mein Virenschutzprogramm (N=11.869)

22

Alter in Jahren

Anteil der Antworten „häufig/immer“
57,1

51,3

63,1

49,7

60,2

65,6

62,3

4

Kriminalitätsbelastung im Jahr 2014

4.1 Opferwerdung
Ein Drittel (32,1 %; N=12.913) der Befragten gab an, im Jahr 2014 Opfer mindestens einer
Straftat geworden zu sein. Zwei Drittel (67,9 %) verneinten dies. Ein Anteil von 57,2 % derjenigen Befragten, die angaben, im Jahr 2014 Opfer einer Straftat geworden zu sein, war von
einer einzelnen Straftat betroffen. Von einer mehrfachen Viktimisierung berichteten hingegen
42,8 %.
In der folgenden Tabelle 13 sind die Prävalenzraten für das Jahr 2014 ersichtlich, d. h. die
Anteile der Befragten, die angaben, mindestens einmal von den entsprechenden Delikten betroffen gewesen zu sein. Diese Raten reichen von 0,1 % (sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung durch (Ex)Partner) bis 16,7 % (computerbezogene Kriminalität) oder anders ausgedrückt: in Schleswig-Holstein wurde 2014 eine von 1.000 Personen ab 16 Jahren Opfer
eines sexuellen Missbrauchs bzw. einer Vergewaltigung durch einen (ehemaligen) Partner,
dagegen haben 167 von 1.000 Personen eine Straftat erlebt, die im Zusammenhang mit Computern stand.
Grundsätzlich gilt:


Raub, Körperverletzungen oder Sexualdelikte finden relativ selten statt. Dagegen sind
eigentumsbezogene Delikte (Diebstahl oder Sachbeschädigung), Betrug, Drohungen
oder auch die bereits erwähnte computerbezogene Kriminalität merklich weiter verbreitet.



Von einer Viktimisierung berichten deutlich mehr Männer als Frauen (35,9 % vs.
28,6 %). Signifikant höher sind die Prävalenzraten von Frauen lediglich bei Sexualdelikten, beim Diebstahl von persönlichen Gegenständen und bei Körperverletzung
durch (Ex-)Partner.



Betrachtet man die verschiedenen Altersgruppen, zeigt sich eine deutlich seltenere
Viktimisierungserfahrung älterer Menschen im Vergleich zu jüngeren. Zwischen 16
und 21 Jahren ist fast jede/r Zweite Opfer einer Straftat geworden (47,1 %), während
bei hochaltrige Personen jenseits der 80 Jahre der Anteil nur 13,8 % beträgt. Dieser
Befund tritt deliktsbezogen besonders deutlich bei Drohungen und beim Fahrraddiebstahl auf.
Nur beim Wohnungseinbruchdiebstahl und bei Betrugsdelikten ohne Internetnutzung
sind die Prävalenzraten älterer Menschen auf dem Niveau derer jüngerer Menschen.
Begründen lässt sich die relativ hohe Betroffenheit von Wohnungseinbrüchen bei älteren Menschen damit, dass Wohnungen und Häuser älterer Menschen für Täter/innen
attraktive Angriffsobjekte darstellen, bezogen auf das Diebesgut und die Risiken.
Ebenso kann im Hinblick auf die Betrugsdelikte davon ausgegangen werden, dass die
eingeschränkte physische und psychische Leistungsfähigkeit betagter Menschen von
einigen Tätergruppen gezielt ausgenutzt wird.

23

Tabelle 13: Opferwerdung im Jahr 2014 nach Alter und Geschlecht (in Prozent; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)
Gesamt

Geschlecht

Alter in Jahren

weibl.

männl.

16- 20

21-34

35-49

50-64

65-79

ab 80

Opferwerdung 2014 (N=12.913)

32,1

28,6

35,9

47,1

43,8

36,6

29,1

20,8

13,8

Diebstahl INSGESAMT (N=10.957)

15,5

15,2

15,8

39,5

20,9

14,6

12,9

10,4

11,6

KFZ-Diebstahl (N=11.054)

0,4

0,2

0,5

0,0

0,5

0,5

0,3

0,3

0,2

KFZ-Aufbruch (N=11.034)

2,1

1,7

2,5

0,7

2,2

2,8

2,4

1,3

0,2

Fahrrad-Diebstahl (N=11.831)

6,4

6,3

6,5

13,6

8,9

6,6

5,8

3,0

2,5

Diebstahl von pers. Gegenständen
(N=12.788)

3,0

3,4

2,6

8,2

4,9

1,8

2,0

2,4

3,1

Diebstahl allgemein (N=12.609)

2,7

2,5

2,9

4,6

4,0

3,1

2,4

1,3

0,6

1,3

1,2

1,4

1,1

1,3

1,4

1,0

1,4

1,2

2,1

1,7

2,5

3,4

2,3

2,0

1,9

1,9

1,8

16,7

14,8

18,6

19,1

18,1

18,5

15,1

13,0

12,5

9,8

8,8

10,8

12,8

9,6

10,9

9,3

7,8

7,0

5,9

5,1

6,6

3,7

8,3

6,8

4,7

3,7

4,3

Phishing (N=9.645)

1,9

1,7

2,2

0,7

1,3

2,6

2,0

2,2

0,6

Betrug im Internet (N=9.668)

3,3

2,5

4,1

4,2

3,3

3,7

3,3

2,1

1,9

Betrug ohne Internetnutzung
(N=11.874)

4,3

3,8

4,8

3,5

5,6

4,9

3,5

3,6

4,4

Körperverletzungsdelikte INSGESAMT (N=12.694)

2,0

1,5

2,5

6,6

4,1

1,5

1,2

0,5

0,6

leichte KV ohne Waffe (N=12.714)

1,3

0,8

1,9

5,3

2,8

0,7

0,8

0,4

0,6

leichte KV mit Waffe (N=12.759)

0,4

0,3

0,5

1,5

0,6

0,2

0,4

0,1

0,3

schwere KV ohne Waffe
(N=12.750)

0,4

0,2

0,5

0,7

0,5

0,4

0,4

0,1

0,4

schwere KV mit Waffe (N=12.773)

0,2

0,1

0,2

0,7

0,3

0,2

0,1

0,1

0,1

(Ex-)Partner beging KV (N=12.697)

0,5

0,7

0,3

0,7

1,3

0,5

0,3

0,1

0,0

Sachbeschädigung INSGESAMT
(N=11.197)

11,1

9,6

12,6

15,6

15,4

11,5

10,4

7,4

8,1

KFZ-Beschädigung (N=11.215)

8,5

7,2

9,9

7,2

12,3

9,1

8,4

6,0

4,5

Sachbeschädigung allgemein
(N=12.738)

3,9

3,4

4,5

6,5

5,2

4,2

3,8

2,1

2,6

Drohung INSGESAMT (N=12.760)

4,5

3,1

6,0

13,5

9,2

4,3

2,5

1,1

1,0

Sexualdelikte INSGESAMT
(N=12.626)

1,6

2,9

0,3

5,9

3,9

1,1

0,7

0,2

0,1

1,5

2,7

0,3

5,9

3,7

1,0

0,7

0,2

0,1

0,2

0,4

0,0

1,0

0,4

0,2

0,2

0,0

0,0

0,1

0,2

0,0

0,1

0,2

0,2

0,1

0,0

0,0

0,5

0,4

0,6

2,0

1,0

0,2

0,3

0,1

0,1

Wohnungseinbruchdiebstahl
(N=12.779)
Versuchter Wohnungseinbruchdiebstahl (N=12.738)
Computerbezogene Kriminalität
INSGESAMT (N=9.470)
Datenverlust durch Viren pp.
(N=10.845)
Missbrauch persönlicher Daten
(N=9.668)

Sexuell bedrängt (N=12.765)
Sexuell missbraucht oder vergewaltigt (N=12.752)
Sexuell missbraucht oder vergewaltigt durch (Ex)Partner (N=12.671)
Raub (N=12.753)

24

Abbildung 11: Prävalenzraten und Anzeigequoten im Jahr 2014 nach Delikten (in Prozent)
Prävalenzrate | Anzeigequote
Diebstahl INSGESAMT

15,5

51,1

KFZ-Diebstahl

0,4

KFZ-Aufbruch

2,1

Fahrrad-Diebstahl

96,9
76,1

6,4

51,8

Diebstahl von pers. Gegenständen

3,0

41,5

Diebstahl allgemein

2,7

41,0

Wohnungseinbruchdiebstahl

1,3

Versuchter Wohnungseinbruchdiebstahl

2,1

Computerbezogene Kriminalität INSGESAMT
Datenverlust durch Viren pp.
Missbrauch persönlicher Daten

16,7

83,8
32,5
10,6

9,8

5,8

5,9

Phishing

1,9

Betrug im Internet

3,3

Betrug ohne Internetnutzung

4,3

16,0
14,0
22,1
29,4

Körperverletzungsdelikte INSGESAMT

2,0

25,6

Leichte KV ohne Waffe

1,3

25,4

Leichte KV mit Waffe

0,4

Schwere KV ohne Waffe

0,4

Schwere KV mit Waffe

0,2

(Ex-)Partner beging KV

0,5

Sachbeschädigung INSGESAMT
KFZ-Beschädigung

60,4
11,6
31,6

8,5
3,9

Drohung INSGESAMT

4,5

Drohung ohne Waffe

57,1

11,1

Sachbeschädigung allgemein

Drohung mit Waffe

34,4

33,6
32,5
11,9

1,3
3,5

17,5
11,3

(Ex-)Partner hat gedroht

0,8

Sexualdelikte INSGESAMT

1,6

7,9

Sexuell bedrängt

1,5

7,3

Sexuell missbraucht

0,2

Sexuell missbraucht durch (Ex-)Partner

0,1

Raub

0,5

11,8

23,6
15,2
35,2

25

4.2 Anzeigeverhalten
Sofern die Befragten von einem Delikt betroffen waren, gaben sie detailliert an, wie oft dies
im Jahr 2014 vorkam und wie häufig diese Taten bei der Polizei angezeigt wurden. Die damit
errechnete Anzeigequote, stellt das polizeilich bekannte Hellfeld der Kriminalität dar und
variiert zwischen den Delikten relativ stark (Abbildung 11). Besonders häufig wurden Diebstähle von oder aus KFZ (96,9 %) sowie vollendete Wohnungseinbrüche (83,8 %) angezeigt,
während eher niedrige Anzeigequoten bei Datenverlust durch Viren pp. (5,8 %) und bei sexueller Bedrängung (7,3 %) festzustellen sind.
Das Ausmaß der tatsächlich geschehenen Kriminalität in den von der Dunkelfeldbefragung
abgebildeten Deliktsbereichen kann durch eine Hochrechnung geschätzt werden, welche auf
den Anzeigequoten aus der Dunkelfeldstudie sowie den Fallzahlen in der PKS beruht (Tabelle
14).
Tabelle 14: Anzeigequoten und auf Basis der PKS hochgerechnete Fallzahlen 2014
Anzahl der angezeigten Delikte
(PKS)

Hochrechnung
auf SchleswigHolstein (auf 100
Fälle gerundet)

51,1

77.994

138.900

KFZ-Diebstahl (N=28)

96,9

1.863

1.900

KFZ-Aufbruch (N=195)

76,1

8.016

10.500

Fahrrad-Diebstahl (N=602)

51,8

15.066

29.100

Diebstahl von persönlichen Gegenständen (N=311)

41,5

2.577

6.200

Diebstahl allgemein (N=247)

41,0

35.943

87.700

Wohnungseinbruchdiebstahl (N=106)

83,8

4.444

5.300

Versuchter Wohnungseinbruchdiebstahl (N=167)

32,5

3.085

9.500

10,6

5.373

50.700

5,8

34

600

Missbrauch persönlicher Daten/Phishing (N=586)

15,4

88

600

Betrug im Internet (N=260)

Delikte

Diebstahl INSGESAMT (N=1.336)

Computerbezogene Kriminalität INSGESAMT (N=1.412)
Datenverlust durch Viren pp. (N=847)

Anzeigequote in
Prozent (Dunkelfeldstudie) 19

22,2

5.251

23.700

Betrug ohne Internetnutzung (N=372)

29,4

11.299

38.400

Körperverletzung INSGESAMT (N=138)

29,2

17.600

60.300

leichte KV ohne Waffe (N=119)

27,8

13.976

50.300

leichte KV mit Waffe und schwere KV mit und ohne
Waffe (N=37)

34,4

3.624

10.500

31,6

21.755

68.800

Sachbeschädigung INSGESAMT (N=953)
KFZ-Beschädigung (N=738)

33,6

8.483

25.200

Sachbeschädigung allgemein (N=347)

32,5

13.272

40.800

12,3

2.829

23.000

8,1

593

7.300

35,2

1.489

4.200

Drohung INSGESAMT (N=376)
Sexualdelikte INSGESAMT (N=150)
Raub (N=39)

19

26

Dargestellt werden nur Anzeigequoten von Delikten/Deliktsgruppen, die zumindest annähernd eine Entsprechung in der
PKS finden bzw. mit denen vergleichbare Deliktsgruppen gebildet werden können (siehe Anhang). Aufgrund dieser z. T.
angepassten Zusammenfassung können die Anzeigequoten für die Hochrechnung von denen, die bereits in Abbildung 11
ausgewiesen wurden, abweichen. Zur Schwierigkeit der Vergleichbarkeit mit der PKS siehe auch Fußnote 20.

Die hochgerechneten Fallzahlen fallen bei niedrigen Anzeigequoten und einer hohen Anzahl
an angezeigten Delikten in der PKS umso höher aus. Beispielsweise werden laut Dunkelfeldbefragung nur etwa die Hälfte (51,8 %) der Fahrraddiebstähle angezeigt. Wenn man davon
ausgeht, dass alle angezeigten Fahrraddiebstähle entsprechend kategorisiert in die PKS eingehen, dann finden sich auch nur die Hälfte der bemerkten Fahrraddiebstähle in der offiziellen
Statistik (im Jahr 2014: 15.285), d. h., es fanden in Schleswig-Holstein etwa doppelt so viele
Fahrraddiebstähle statt (rund 29.500) als polizeilich registriert wurden.
Da eine solche Hochrechnung verschiedenen Restriktionen unterliegt, ist deren Ergebnis lediglich als eine ansatzweise Annäherung an die tatsächliche Deliktszahlen zu interpretieren.20
Deren Grenzen treten bspw. bei der Deliktsgruppe Datenverlust durch Viren pp. besonders
deutlich hervor, insofern die hochgerechnete Fallzahl kleiner ausfällt als die Zahl der in der
Stichprobe angegebenen Delikte. Die tatsächliche Zahl der Datenverluste durch Viren dürfte
bedeutend höher liegen. Als mögliche Ursachen für diese Unterschätzung kommen u. a. die
Zuordnung der erfragten Delikte zu den in der PKS erfassten Delikten oder das Antwortverhalten der Befragten in Betracht.21
4.2.1

Anzeige-/Nichtanzeigegründe

Für alle abgefragten Delikte sind vor allem der Wunsch danach, dass der/die Täter/in gefasst
werden möge, sowie die Hoffnung, eine Strafanzeige könne eine erneute Tat verhindern,
wichtige Gründe für eine Anzeige (Tabelle 15). Daneben spielen insbesondere bei Eigentumsdelikten der benötigte Versicherungsnachweis und die erhoffte Wiedererlangung der
entwendeten Sachen eine bedeutende Rolle bei dieser Entscheidung.
Tabelle 15: Anzeigegründe nach Delikten (in Prozent; Mehrfachnennung möglich)
Ich benötige
Täter(in) sollte Damit so etwas
einen Nachweis
gefasst und
nicht noch
für die Versibestraft werden einmal passiert
cherung

Es ist meine
Pflicht als
Staatsbürger

Ich wollte die
gestohlenen
Sachen zurück

Um Schadensersatz vom
Täter zu erlangen

Diebstahl INSGESAMT

65,5

46,7

48,6

44,8

55,6

22,8

Computerbezogene Kriminalität
INSGESAMT

49,5

40,8

17,2

27,1

10,9

20,2

Betrug ohne Internetnutzung

57,4

50,6

22,8

32,1

24,4

33,7

Körperverletzung INSGESAMT

78,2

90,5

4,1

40,3

0,0

25,4

Sachbeschädigung INSGESAMT

61,0

47,0

42,9

32,2

9,4

43,8

Drohung INSGESAMT

79,7

74,1

0,0

40,2

0,0

4,2

Sexualdelikte INSGESAMT

87,9

72,3

0,0

0,0

0,0

0,0

Gesamt

63,1

48,1

40,0

38,9

36,5

26,9

Farbskala von dunkelrot (stärkste Zustimmung) über gelb nach dunkelgrün (schwächste Zustimmung)

20

21

Eine Schwierigkeit besteht z. B. darin, dass die innerhalb der PKS nach Schlüsselzahlen erfassten Delikte/Deliktsbereiche
zum Teil nicht eins zu eins mit den in der Dunkelfeldstudie erfragten Delikten/Deliktsbereichen übereinstimmen. In diesem Fall mussten anhand der PKS-Daten neue Kategorien gebildet werden, die möglichst genau dem berichteten Geschehen der Bürgerinnen und Bürger entsprechen (siehe Anhang). Bspw. musste aus dem Deliktsbereich Betrug die Fälle
des „Erschleichens von Leistungen“ (dem sogenannten „Schwarzfahren“) abgezogen werden, da die Befragten nicht Opfer eines solchen Deliktes werden können. Hinzu kommt, dass es sich bei den Befunden aus der Dunkelfeldstudie um
subjektive Einschätzungen der Befragten handelt, die im Gegensatz zu den Fällen in der PKS keiner rechtlichen Prüfung
unterliegen.
Zu einem alternativen Verfahren und zu den Problemen von Hochrechnungen siehe auch Baier, Dirk (2015): Sicherheit
und Kriminalität in Niedersachsen. Ergebnisse einer Repräsentativbefragung. Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. Hannover (Forschungsbericht Nr. 127), S.63f.

27

Gründe für eine Nichtanzeige der Tat sind vor allem eine als gering eingeschätzte Tatschwere,
die Erwartung eines ausbleibenden Ermittlungserfolges der Polizei sowie die eigenständige
Klärung der Angelegenheit (Tabelle 16). Die Einschätzung, dass die Polizei die Tat sowieso
nicht hätte klären können, wird insbesondere von den Betroffenen des Diebstahls und der
Sachbeschädigungen getroffen.
Überraschend ist diese Einschätzung allerdings bei Delikten, bei denen es insbesondere zu
einem Kontakt zwischen Täter und Opfer kommt und bei denen die Aufklärungsquote angezeigter Delikte relativ hoch ausfällt.22
Tabelle 16: Häufigste Nichtanzeigegründe (in Prozent; Mehrfachnennung möglich)
hielt
es für
meine
Privatsache

zu viel
Mühe,
die
Polizei
einzuschalten

wusste
nicht,
dass es
eine
Straftat
war

hatte
Angst,
die
Polizei
glaubt
mir nicht

hatte
Angst
vor dem
Täter

war
nicht
versichert

11,2

5,0

14,9

1,7

2,0

0,5

3,0

20,6

4,9

8,9

5,9

8,8

1,3

0,0

0,3

12,0

13,7

16,4

14,9

2,5

4,7

0,0

2,7

0,0

43,4

36,3

34,0

47,6

15,0

10,9

3,2

17,2

14,2

0,0

Sachbeschädigung
INSGESAMT

32,0

41,1

10,4

10,4

4,1

11,3

2,0

1,4

0,5

0,5

Drohung
INSGESAMT

43,4

21,3

37,9

26,4

18,5

9,7

6,3

6,7

15,3

0,0

Sexualdelikte
INSGESAMT

35,7

23,2

46,8

34,9

24,4

7,0

9,0

22,4

19,2

2,0

Gesamt

26,6

25,0

18,2

11,9

9,0

8,7

5,4

3,1

2,5

0,9

Tat war
nicht so
schwerwiegend

Polizei
hätte den
Fall nicht
aufgeklärt

habe die
wollte
Angelemeine
genheit
Ruhe u.
selbst
vergessen
geregelt

Diebstahl
INSGESAMT

32,6

34,4

6,7

Computerbezogene
Kriminalität
INSGESAMT

18,8

17,8

Betrug ohne Internetnutzung

11,2

Körperverletzung
INSGESAMT

Farbskala von dunkelrot (stärkste Zustimmung) über gelb nach dunkelgrün (schwächste Zustimmung)

4.3 Auswirkungen der Viktimisierung
Die Belastungen, die die Opfer einer Straftat auch über einen länger anhaltenden Zeitraum
empfinden, hängen u. a. von der Art des erlebten Deliktes ab und können in verschiedene Arten unterteilt werden. Bei der Befragung wurde dabei neben der Differenzierung verschiedener Deliktsgruppen zwischen den Dimensionen der finanziellen, der gesundheitlichen und der
emotionalen Belastung unterschieden. Im Ergebnis zeigt sich, dass der Schwerpunkt anhaltender Belastungen bei allen Deliktsgruppen im emotionalen Bereich liegt. Etwa jedes fünfte
Opfer mindestens einer Straftat im Jahr 2014 (19,5 %) fühlt sich anhaltend emotional (sehr)
belastet (Abbildung 12).
Selbst computerbezogene Delikte, bei denen es in der Regel keinen direkten Täterkontakt
gibt, belasten die Betroffenen häufiger emotional (9,3 %) als finanziell (5,4 %). Der finanzielle Verlust kann demnach schneller verkraftet werden, als das Viktimisierungserlebnis. Der
Anteil anhaltend finanziell (sehr) belasteter Opfer ist unter den Betroffenen eines Betrugs
22

28

Bspw. liegt die offizielle Aufklärungsquote bei Körperverletzung in Schleswig-Holstein (PKS-Deliktschlüssel: 220000)
im Jahr 2014 bei 90,4 %

ohne Internetnutzung am größten (31,4 %), was möglicherweise mit vergleichsweise großen
finanziellen Schäden zusammenhängen mag. Erstaunlich ist, dass auch bei den Dimensionen
der gesundheitlichen und emotionalen Belastung der Anteil der (sehr) belasteten Opfer eines
Betrugs ohne Internetnutzung relativ groß ist. Dies könnte damit erklärt werden, dass besonders hohe finanzielle Verluste, die möglicherweise nicht so schnell kompensiert werden können, bspw. durch die Ausbildung von (existenziellen) Ängsten und Schlafstörungen, auch
indirekt körperliche Beeinträchtigungen zur Folge haben. Erwartungskonform sind hingegen
viele Opfer von Sexualdelikten (32,3 %) und Drohungen (24,2 %) häufig anhaltend emotional
(sehr) belastet.

35

32,3

31,4

32,2

Abbildung 12: Belastungsarten nach Deliktsgruppen (nur Befragte, die 2014 Opfer einer Straftat geworden sind;
Anteil der Ausprägungen „belastend“ und „sehr belastend“ in Prozent)

19,5

19,5

25

19,8

24,2

30

13,2
9,3

1,4

2,9
0,3

4,3

7,9

8,4
10,2

13,0

11,1

10,5
2,7
1,9

5

1,0

10

5,4

15

9,8

20

0
Finanziell (sehr) belastend
Gesamt
Diebstahl
Betrug ohne Internetnutzung
Sachbeschädigung
Sexualdelikte

Gesundheitlich (sehr) belastend

Emotional (sehr) belastend

Computerbezogene Kriminalität
Körperverletzung
Drohung

Personen, die im Jahr 2014 mehrfach Opfer einer oder verschiedener Straftaten wurden, sind
signifikant häufiger gesundheitlich und emotional (sehr) belastet. Jedes vierte Mehrfachopfer
(25,9 %; N=983) ist anhaltend emotional (sehr) belastet, während dies nur etwa jede achte
einfachbetroffene Person (12,2 %; N=863) berichtet (Abbildung 13).
Die Auswirkungen einer Viktimisierung auf die empfundene Sicherheit und die Furcht vor
Kriminalität wurden bereits mehrfach in verschiedenen Opferstudien aufgezeigt und können
auch mit dieser Studie grundsätzlich bestätigt werden. Der Anteil derjenigen, die ein (eher)
geringes raumbezogenes Sicherheitsgefühl haben (Abbildung 14), ist bei den Opfern etwa
doppelt so groß wie bei Nicht-Opfern (16,8 %; N=4.023 bzw. 8,5 %; N=8.400). Noch größere
Unterschiede zwischen Opfern und Nicht-Opfern finden sich bei der allgemeinen Kriminalitätsfurcht und der persönlichen Risikoeinschätzung.

29

Abbildung 13: Anhaltende Belastung nach Einfach- vs. Mehrfachviktimisierung im Jahr 2014 (nur Befragte, die 2014
Opfer mindestens einer Straftat geworden sind; Anteil der Ausprägungen „belastend“ und „sehr belastend“ in Prozent; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)
30

25,9

25
20
15
8,7

10

12,2

10,9
6,1

5

2,2

0
Finanziell (sehr) belastend

Gesundheitlich (sehr) belastend

Einfachviktimisierung

Emotional (sehr) belastend

Mehrfachviktimisierung

Hinsichtlich des Schutz- und Vermeidungsverhaltens sind die Unterschiede zwar kleiner, aber
ebenfalls signifikant. Mit Ausnahme der Meidung öffentlicher Verkehrsmittel in den Abendstunden, tendieren Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind, signifikant häufiger zu
präventiven Verhaltensweisen. Sie vermeiden es häufiger bei Dunkelheit das Haus zu verlassen, bestimmte Straßen, Plätze oder Parks aufzusuchen, viel Geld bei sich zu tragen und weichen in der Dunkelheit Fremden nach Möglichkeit aus. Darüber hinaus sorgen sie häufiger
dafür, dass die Wohnung bzw. das Haus trotz Abwesenheit belebt erscheint, nutzen häufiger
zusätzliche technische Einbruchsicherungen, tragen häufiger Reizgas, Messer oder andere
Waffen zum Schutz bei sich und aktualisieren häufiger ihr Virenschutzprogramm.
Abbildung 14: Zusammenhang von Viktimisierung und Kriminalitätsfurcht bzw. Schutz- und Vermeidungsverhalten
(in Prozent; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)
45
38,7

40

35,9

35
30

26,0

25
20

21,8
17,3

16,8

16,9

15
10

8,5

6,5

6,0

5
0
(eher) geringes
raumbezogenes
Sicherheitsgefühl

(eher) hohe allgemeine
Kriminalitätsfurcht

(eher) hohe
persönliche
Risikoeinschätzung
Opfer

30

Nicht-Opfer

(eher) hohes Vermei- (eher) hohes Schutzdungsverhalten
verhalten

5

Bewertung der Polizei

5.1 Vertrauen in die Polizei
Die meisten Befragten vertrauen der Polizei. Ein Anteil von 87,5 % geht davon aus, dass die
Polizei die Bürger/innen gerecht behandelt und 90,6 %, dass sie die Rechte der Bevölkerung
wahrt sowie sich selber an die Gesetze hält. Nur etwa jede/r zehnte Befragte verneint dies
(Tabelle 17). Über ein Fünftel (21,6 %) gibt hingegen an, sich an die Polizei zu wenden,
würde (eher) nichts bringen. Bei dieser Einschätzung wird von den Befragten vermutlich eine
negative Erwartungshaltung hinsichtlich der polizeilichen Möglichkeiten bei der Tataufklärung miteinbezogen, die aus eigenen Erfahrungen oder aus einem medial vermittelten Bild
resultieren könnte.
Man könne dem Rechtstaat (eher) nicht vertrauen, meint rund ein Viertel der Antwortenden
(26,2 %). Diese Einschätzung bezieht sich nicht direkt auf die Polizei, sondern spiegelt vielmehr eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Gesamtheit der Verwaltungs- und Strafverfolgungsbehörden wider.
Tabelle 17: Vertrauen in die Polizei als rechtsstaatliche Institution (in Prozent)
Wie ist Ihre Meinung über die Polizeiarbeit im
Allgemeinen?

Stimme gar
nicht zu

Stimme eher
nicht zu

Stimme eher
zu

Stimme völlig
zu

Bei uns wird man von der Polizei gerecht behandelt (N=12.222)

1,5

11,0

66,2

21,3

Im Umgang mit der Polizei kann man sich bei
uns darauf verlassen, dass Gesetze eingehalten und Rechte gewahrt bleiben (N= 12.267)

1,2

8,1

60,3

30,3

Es bringt nichts, sich bei Problemen an die
Polizei zu wenden, weil die sowieso nicht
helfen wird (N=12.233)

36,2

42,2

18,3

3,3

Für mich ist klar, dass man sich bei uns auf
den Rechtsstaat verlassen kann (N=12.278)

5,4

20,8

54,1

19,7

5.2 Zugeschriebene Eigenschaften der Polizei
In einer weiteren Frage sollte die Polizei anhand verschiedener vorgegebener Eigenschaften
bewertet werden (Tabelle 18). Mit Ausnahme der Flexibilität und der Interessiertheit der Polizei äußert sich lediglich etwa ein Zehntel kritisch. Ein Viertel der Befragten (25,8 %) gab
hingegen an, dass die Polizei (eher) unflexibel sei und über ein Fünftel (21,5 %) findet, die
Polizei sei (eher) desinteressiert.23 Hinsichtlich der Flexibilität muss beachtet werden, dass
diese rechtlich oftmals nicht gegeben ist und daher gegenüber den Bürger/innen nur selten
zum Ausdruck gebracht werden kann. Die größte Zustimmung (95,2 %) erhält die Polizei für
ihr gepflegtes Erscheinungsbild.
Bildet man aus den Antworten zu jedem Adjektiv einen Mittelwert und setzt diesen in Beziehung zu anderen Variablen wie Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund, Wohnortgröße sowie der Frage nach einem Kontakt zur Polizei oder einer Viktimisierung im Jahr 2014, ergeben sich folgende signifikante Unterschiede: Männer, jüngere Befragte und Menschen, die im
23

Bei der Einschätzung von Flexibilität und Interessiertheit gab es jedoch vergleichsweise viele fehlende Angaben (8,0 %
bzw. 7,3 %), was darauf hinweist, dass sich viele nicht dazu in der Lage sehen, dies einzuschätzen.

31

Jahr 2014 einen Kontakt zur Polizei hatten oder Opfer einer Straftat wurden, vergaben deutlich schlechtere Werte. Hinsichtlich des Migrationshintergrundes und der Wohnortgröße ergeben sich hingegen keine wesentlichen Unterschiede.
Tabelle 18: Zugeschriebene Eigenschaften der Polizei (in Prozent)
Wie denken Sie über die Polizei im Allgemeinen?

Trifft gar nicht
zu

Trifft eher
nicht zu

Trifft eher zu

Trifft völlig zu

ist bürgerfreundlich (N=12.437)

1,1

8,6

59,4

30,9

ist höflich (N=12.447)

1,4

10,1

57,1

31,5

ist vertrauenswürdig (N=12.398)

1,5

8,3

54,6

35,6

hat ein gepflegtes Erscheinungsbild
(N=12.468)

1,1

3,6

48,2

47,0

ist flexibel (N=12.016)

2,4

23,4

53,3

20,9

ist interessiert (N=12.113)

2,3

19,2

55,5

23,0

ist professionell (N=12.146)

1,7

10,8

58,5

28,9

Die Polizei ...

5.3 Beurteilung konkreter Polizeiarbeit
Wurde von den Befragten die Arbeit der Polizei im Allgemeinen bewertet,24 beurteilte die
überwiegende Mehrheit die Arbeit der Polizei über alle Aspekte (eher) gut (Tabelle 19). Jeweils ein Fünftel bemängelt (eher) die Arbeit in der Verbrechensbekämpfung (19,5 %), die
Ungleichbehandlung von Deutschen und Ausländern (21,6 %) sowie von armen und reichen
Menschen (22,3 %). Anzumerken ist hierbei, dass der Anteil der Befragten, die dies mit ihrer
Antwort ganz entschieden kritisieren, sehr klein ist.
Die Polizei beruft sich bei der Erfüllung ihrer Aufgaben auf das Gewaltmonopol und setzt
Zwangsmittel in gerechtfertigter Weise und ohne Brutalität ein, meint ein hoher Anteil von
87,2 % der Befragten. Dass sie Verbrechensopfern helfend zur Seite steht, findet mit 87,1 %
ebenfalls die überwiegende Mehrheit.
Tabelle 19: Beurteilung der konkreten Polizeiarbeit im Allgemeinen (in Prozent)
Wie ist Ihre Meinung über die Polizeiarbeit im
Allgemeinen?
Die Polizei ...
arbeitet gut in der Verbrechensbekämpfung
(N=11.974)
behandelt Deutsche und Ausländer gleich
(N=11.801)
behandelt einen gleich, unabhängig davon, ob
man reich oder arm ist (N=11.856)
setzt Gewalt nur dann ein, wenn es rechtlich
gerechtfertigt ist (N=11.828)
hilft jemandem wirklich, wenn er/sie Opfer
eines Verbrechens geworden ist (N=11.853)

24

32

Stimme gar
nicht zu

Stimme eher
nicht zu

Stimme eher
zu

Stimme völlig
zu

2,2

17,3

66,8

13,7

3,2

18,4

60,6

17,7

3,1

19,2

56,4

21,3

2,0

10,8

60,4

26,8

1,4

11,4

58,7

28,4

Durchschnittlich 9,2 % aller Befragten gaben bei den Einzelaspekten dieser Frage keine Antwort.

5.4 Polizeikontakt
Für das Jahr 2014 gaben 33,8 % (N=12.484) an, einen Kontakt mit der Polizei gehabt zu haben. Bei einem großen Anteil von 79,1 % (N=3.694) fand der Kontakt persönlich oder telefonisch (17,4 %) statt.25 Eine Kontaktaufnahme per Internet spielte hingegen so gut wie keine
Rolle (0,7 %); diese Form hat eine noch geringere Bedeutung als die klassische Kontaktaufnahme per Brief (2,9 %).
Mit dem Kontakt zur Polizei sind insgesamt zwei Drittel der Antwortenden (sehr) zufrieden
(62,3 %). Eher zufrieden sind weitere 19,2 % und eher unzufrieden 11,1 % (Tabelle 20).
(Sehr) unzufrieden mit dem Kontakt zu sein, geben 7,4 % an. Signifikant unzufriedener zeigen sich hierbei jene Personen, die im Jahr 2014 Opfer einer Straftat geworden sind. Während
lediglich 55,2 % der Opfer (sehr) zufrieden und immerhin 9,7 % (sehr) unzufrieden sind, fällt
das Ergebnis bei den Nichtopfern besser aus. Hier äußern sich 70,2 % (sehr) zufrieden und
nur 5,2 % (sehr) unzufrieden zum letzten Polizeikontakt im Jahr 2014. Ausbleibender Ermittlungserfolg sowie ein nicht den Erwartungen der Betroffenen entsprechendes konkretes Verhalten von Polizeibeamten/innen könnten Erklärungen für die schlechtere Beurteilung sein.
Die überwiegende Mehrheit der Opfer von Straftaten gibt jedoch schlussendlich an, mit dem
Polizeikontakt (eher/sehr) zufrieden zu sein. Bei der Differenzierung nach Personen mit und
ohne Migrationshintergrund, die Kontakt zur Polizei hatten, sind keine statistisch relevanten
Unterschiede erkennbar.
Tabelle 20: Gesamtzufriedenheit mit dem Polizeikontakt (in Prozent; nur Personen, die im Jahr 2014 Kontakt mit der
Polizei hatten; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)
Wie zufrieden waren Sie mit der
Polizei beim letzten Kontakt im
Jahr 2014?

Sehr
zufrieden

Zufrieden

Eher
zufrieden

Eher
unzufrieden

Unzufrieden

Sehr
unzufrieden

Personen, die 2014 Kontakt mit
der Polizei hatten insgesamt
(N=4.181)

24,9

37,4

19,2

11,1

4,2

3,2

19,7

35,5

22,8

12,5

5,2

4,2

Nichtopfer (N=1.982)

30,6

39,6

15,3

9,4

3,1

2,1

Personen mit Migrationshintergrund (N=3.730)
Personen ohne Migrationshintergrund (N=391)

24,0

38,9

19,7

10,5

4,9

2,0

25,0

37,3

19,1

11,1

4,1

3,3

Davon:
Opfer mindestens einer Straftat
(N=2.194)

Wenn man die Zufriedenheit mit dem Polizeikontakt auf einzelne Aspekte aufgliedert, zeigt
sich ein heterogenes Bild (Tabelle 21). Über 80,0 % stimmen den Aussagen eher bzw. völlig
zu, dass die Polizei hilfsbereit, fachlich kompetent, freundlich und engagiert war und lediglich
9,0 % bzw. 8,2 % empfanden sich (eher) ungerecht behandelt bzw. mit Vorurteilen der Polizei
konfrontiert. Kritischer schätzen die Befragten folgende Aspekte ein: Knapp ein Viertel (24,0
%) stimmte eher/völlig zu, dass die Polizei überlastet war, 28,3 %, dass die Polizei zu wenig
getan hat und über die Hälfte (55,5 %) stimmen der Aussage, dass sie von der Polizei auf dem
Laufenden gehalten wurden, gar nicht/eher zu (Abbildung 15).
25

Ein Anteil von 12,5 % derjenigen, die im Jahr 2014 einen Kontakt angaben, ließ die Frage nach der Art des Kontaktes
unbeantwortet.

33

Tabelle 21: Konkrete Bewertung der Polizei (in Prozent; nur Personen, die im Jahr 2014 Kontakt mit der Polizei
hatten)
Wie sehr treffen folgende Aussagen auf Ihren
letzten Kontakt zu?

Stimme gar
nicht zu

Stimme eher
nicht zu

Stimme
eher zu

Stimme
völlig zu

Die Polizei ...
war hilfsbereit (N=3.920)

3,2

10,2

35,3

51,3

war fachlich kompetent (N=3.724)

3,4

9,7

37,4

49,4

war freundlich (N=4.058)

2,7

7,6

29,9

59,9

war engagiert (N=3.803)

3,2

16,1

39,4

41,2

hat mich auf dem Laufenden gehalten (N=3.204)

30,1

25,4

24,8

19,7

hat zu wenig getan (N=3.339)

39,3

32,4

17,6

10,7

hat mich ungerecht behandelt (N=3.806)

72,4

18,6

5,4

3,6

war überlastet (N=3.340)

45,2

30,8

15,0

9,0

hatte mir gegenüber Vorurteile (N=3.583)

76,4

15,4

4,9

3,2

Abbildung 15: Konkrete Bewertung der Polizei (in Prozent; nur Personen, die im Jahr 2014 Kontakt mit der Polizei
hatten)
60

55,5

50
40
28,3

30
20

24,0
19,3
13,3

13,2

10,2

10

9,0

8,2

0
Polizei war Polizei war Polizei war Polizei war
Polizei
Polizei hat Polizei hat Polizei war Polizei hatte
hilfsbereit kompetent freundlich engagiert hielt mich zu wenig
mich
überlastet
mir
auf dem
getan
ungerecht
gegenüber
Laufenden
behandelt
Vorurteile
Anteil der Ausprägungen
"stimme gar nicht/eher nicht zu"

Anteil der Ausprägungen
"stimme eher/völlig zu"

Werden die Anteile der kritischen Stimmen von Opfern und Nicht-Opfern, Einfachviktimisierten und Mehrfachviktimisierten sowie von Befragten mit und ohne Migrationshintergrund
gegenübergestellt, zeigt sich, dass Opfer und insbesondere mehrfach viktimisierte Opfer die
Polizei signifikant kritischer sehen als Nicht-Opfer (Abbildung 16) bzw. einfach viktimisierte
Opfer (Abbildung 17). So stimmten bspw. über zwei Fünftel (40,7 %) der Mehrfachviktimisierten der Aussage zu, die Polizei habe zu wenig getan und fast zwei Drittel (62,0 %) empfanden sich (eher) nicht ausreichend von der Polizei über den Stand der Ermittlungen informiert.

34

60,2

Abbildung 16: Konkrete Bewertung der Polizei nach Opfer/Nicht-Opfer (in Prozent; nur Personen, die im Jahr 2014
Kontakt mit der Polizei hatten; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)

49,7

70

20,5

23,8

10

9,9
6,2

10,5
7,3

14,2

11,2
9,2

20

15,5
10,5

30

15,1
11,3

40

28,9

35,1

50

18,3

60

0
Polizei war Polizei war Polizei war Polizei war
Polizei
Polizei hat Polizei hat Polizei war Polizei hatte
hilfsbereit kompetent freundlich engagiert hielt mich zu wenig
mich
überlastet
mir
auf dem
getan
ungerecht
gegenüber
Laufenden
behandelt
Vorurteile
Anteil der Ausprägungen
"stimme gar nicht/eher nicht zu"
Opfer

Anteil der Ausprägungen
"stimme eher/völlig zu"
Nicht-Opfer

62,0
57,3

Abbildung 17: Konkrete Bewertung der Polizei nach Einfach-/Mehrfachviktimisierung (in Prozent; nur Personen, die
im Jahr 2014 Kontakt mit der Polizei hatten; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)

12,2
6,6

10

26,9

12,3
8,0

12,4
9,3

20

18,7
10,9

30

18,0
11,1

40

27,0
19,3

50

34,2

40,7

60

21,1

70

0
Polizei war Polizei war Polizei war Polizei war
Polizei
Polizei hat Polizei hat Polizei war Polizei hatte
hilfsbereit kompetent freundlich engagiert hielt mich zu wenig
mich
überlastet
mir
auf dem
getan
ungerecht
gegenüber
Laufenden
behandelt
Vorurteile
Anteil der Ausprägungen
"stimme gar nicht/eher nicht zu"
Mehrfach Viktimisierte

Anteil der Ausprägungen
"stimme eher/völlig zu"
Einfach Viktimisierte

Der einzige signifikante Unterschied bei der Bewertungen der Polizei durch Befragte mit und
ohne Migrationshintergrund findet sich bei der Aussage: „Die Polizei hatte mir gegenüber
Vorurteile“, der 11,0 % der Befragten mit Migrationshintergrund gegenüber 7,8 % der Befragten ohne Migrationshintergrund eher oder völlig zustimmten (Abbildung 18). Dieser signifikante Unterschied verschwindet aber unter Kontrolle des Opferstatus, da Befragte mit
Migrationshintergrund auch signifikant häufiger unter den Opfern zu finden sind als Befragte
ohne Migrationshintergrund (35,8 % vs. 31,6 %). Im Gegensatz zum Opferstatus spielt dem-

35

nach der Migrationshintergrund hinsichtlich der wahrgenommenen Vorurteile der Polizei keine statistisch relevante Rolle.
Abbildung 18: Konkrete Bewertung der Polizei nach Migrationshintergrund/kein Migrationshintergrund (in Prozent;
nur Personen, die im Jahr 2014 Kontakt mit der Polizei hatten; fett: Gruppenunterschiede signifikant bei p<.05)
58,4
55,2

70
60

10

11,0
7,8

24,5
23,9
11,1
8,8

12,0
9,9

13,8
12,8

20

14,2
13,1

30

19,9
19,2

40

27,6
28,3

50

0
Polizei war Polizei war Polizei war Polizei war
Polizei
Polizei hat Polizei hat Polizei war Polizei hatte
hilfsbereit kompetent freundlich engagiert hielt mich zu wenig
mich
überlastet
mir
auf dem
getan
ungerecht
gegenüber
Laufenden
behandelt
Vorurteile
Anteil der Ausprägungen
"stimme gar nicht/eher nicht zu"
Migrationshintergrund

Anteil der Ausprägungen
"stimme eher/völlig zu"
Kein Migrationshintergrund

Getrennt nach Deliktsgruppen zeigt sich allgemein ein positives Bild der Polizei. Über drei
Viertel der Betroffenen aller Deliktsgruppen nehmen die Polizei als hilfsbereit, fachlich kompetent und freundlich wahr (Abbildung 19). Über zwei Drittel stimmen der Aussage zu, die
Polizei war engagiert. Den negativ formulierten Aussagen wird hingegen weit weniger zugestimmt, wobei es hier größere Unterschiede zwischen den Betroffenen der einzelnen Deliktsgruppen gibt. So fühlt sich insbesondere jeweils rund ein Fünftel der Opfer einer Körperverletzung bzw. einer Drohung von der Polizei ungerecht behandelt (21,3 % bzw. 19,7 %) und
mit Vorurteilen der Polizei konfrontiert (23,7 % bzw. 20,2 %). Als überlastet wird die Polizei
vor allem von den Opfern eines Betrugs ohne Internetnutzung (40,9 %), einer Sachbeschädigung (38,5 %) und einer Drohung (39,0 %) wahrgenommen. Ein Großteil der Opfer über alle
Deliktsgruppen hinweg bemängelt zudem die unzureichende Information über den Fortgang
der Ermittlungen und des Verfahrens. Dies trifft besonders für Opfer von Drohungen (69,3 %)
und Sexualdelikten (71,1 %) zu. Dass die Polizei in ihrem Fall zu wenig getan hat, meinen
36,3 % (computerbezogene Kriminalität) bis 47,7 % (Sexualdelikte), was durchaus eine Folge
mangelnder Information sein könnte.

36

Abbildung 19: Bewertung der Polizei nach Deliktsgruppen (Anteil der Ausprägungen „stimme eher/völlig zu“ in Prozent; nur Personen, die im Jahr 2014 Kontakt mit der Polizei hatten
und Opfer einer Straftat wurden)

89,0

73,3
74,7
75,0
73,4
73,8
72,3
68,4

82,8
82,4

81,1

88,5
88,0
88,5

84,9
79,8
78,7
77,8
83,1
75,7
81,7

82,0
78,4
86,4

80

75,7

90

84,5
82,7
83,0

100

70

11,2

9,9

20,2

23,7

26,3

40,9
32,9
38,5
39,0

19,7

10,2
11,6
15,9

20

11,8

10,8
12,1
14,5

21,3

30

30,8
32,5

40

10,4

40,0
38,6
33,6
36,3
39,7
30,7
28,3

50

39,4
36,3
44,1
45,9
38,9
43,4
47,7

60

10
0
war hilfsbereit

war fachlich
kompetent

war freundlich

war engagiert

hielt mich
auf dem
Laufenden

hat zu
wenig getan

hat mich ungerecht
behandelt

war
überlastet

hatte mir gegenüber
Vorurteile

Die Polizei ...
(Anteil der Ausprägungen "stimme eher/völlig zu" in Prozent)

Diebstahl

Computerbezogene Kriminalität

Betrug ohne Internetnutzung

Körperverletzung

Sachbeschädigung

Drohung

Sexualdelikte

38

6

Fazit

Bei der Befragung zur Sicherheit und Kriminalität von 25.000 Einwohnern/innen SchleswigHolsteins wurde eine hohe Rücklaufquote von 52,3 % erreicht. Damit ist es möglich, auch
über selten vorkommende Delikte statistisch abgesicherte Aussagen zu treffen. Die zentralen
Ergebnisse dieser ersten Auswertung sollen im Folgenden kurz zusammengefasst werden:
 Die Menschen in Schleswig-Holstein zeigen sich allgemein sehr zufrieden mit ihrem
Wohnumfeld. Die Nachbarschaftsqualität bezüglich der wahrgenommenen Ordnung und
Sauberkeit und hinsichtlich der baulich-räumlichen Attraktivität und Gestaltung wird von
der Mehrheit der Befragten als (eher) hoch eingeschätzt. Die Nachbarschaften sind dazu
bei den meisten durch gegenseitiges Interesse, Verständnis und Hilfeleistungen unter den
Bewohnern gekennzeichnet. Dieses positive Bild spiegelt sich auch in einer langjährigen
Verbundenheit mit der Nachbarschaft wider: Rund drei Fünftel der Befragten leben schon
10 Jahre und länger dort.
 Das raumbezogene Sicherheitsgefühl ist bei der überwiegenden Mehrheit als (eher) hoch
zu bezeichnen. Allerdings schwächt sich diese gefühlte Sicherheit in Situationen, in denen
man allein bei Dunkelheit in der Nachbarschaft unterwegs ist und in denen es zur nächtlichen Begegnung mit einer fremden Person kommt, deutlich ab. Insbesondere viele junge
und hochaltrige Frauen fühlen sich unter solchen Umständen (eher) unsicher.
 Ein (eher) hohes allgemeines Unsicherheitsgefühl (affektive Dimension) ist lediglich bei
einem Zehntel der Befragten festzustellen, wobei auch hier Frauen häufiger befürchten,
Opfer einer Straftat zu werden als Männer. Dieser Unterschied zeigt sich vor allem bei der
Befürchtung von Raub-, Sexual- und Wohnungseinbruchdelikten. Das persönliche Risiko,
in den nächsten 12 Monaten Opfer einer Straftat zu werden (kognitive Dimension), schätzt
ebenfalls nur rund ein Zehntel als (eher) hoch ein und wiederum zeigen sich ähnlich signifikante Unterschiede im Geschlechtervergleich. Dementsprechend versuchen sich deutlich
mehr Frauen als Männer durch ihr Verhalten vor Straftaten zu schützen bzw. diese zu vermeiden (konative Dimension).
 Immerhin rund ein Drittel der Befragten gab an, dass sie im Jahr 2014 Opfer einer oder
mehrerer Straftaten geworden sind, wobei schwerere Delikte wie Raub, Körperverletzung
oder Sexualdelikte deutlich seltener berichtet werden und Eigentumsdelikte, Betrug oder
computerbezogene Kriminalität sehr viel verbreiteter sind. Unter den Opfern fast aller erfragten Delikte finden sich vor allem jüngere und männliche Personen. Ausnahmen bilden
die Sexualdelikte. Hier liegen die Prävalenzraten bei jungen Frauen signifikant höher als
bei Männern. Ältere Menschen sind hingegen häufiger von Wohnungseinbrüchen und Betrugsdelikten ohne Internetnutzung betroffen.
 Die Anzeigequote variiert sehr stark zwischen den Delikten und reicht von 5,8 % (Datenverlust durch Viren pp.) bis zu 96,9 % (KFZ-Diebstahl). Zu den Gründen, die für eine Anzeige sprechen, zählen vor allem die Bestrafung der Täter/innen, der Wunsch, dass dies
nicht noch einmal passiert, sowie bei Eigentumsdelikten die Hoffnung, entwendetes Eigentum zurückzuerlangen. Eine als gering empfundene Tatschwere, die Erwartung, dass die
Polizei die Tat nicht hätte aufklären können und die eigenständige Regelung der Angelegenheit sind die häufigsten Gründe, die für die Befragten gegen eine Anzeige sprechen.
39

 Die erlebte Viktimisierung empfinden die Betroffenen aller Deliktsgruppen stärker emotional als finanziell und gesundheitlich (sehr) belastend. Das Gefühl, Opfer einer Straftat
geworden zu sein, wiegt selbst bei Eigentumsdelikten wie Diebstahl, Sachbeschädigung
und Betrug schwerer als der finanzielle Verlust. Eine Mehrfachviktimisierung wirkt sich
zusätzlich negativ auf die empfundene emotionale und gesundheitliche Belastung aus. Opfer von Straftaten haben deutlich häufiger ein (eher) geringes raumbezogenes Sicherheitsgefühl, eine (eher) hohe allgemeine Kriminalitätsfurcht und schätzen das Risiko, auch in
naher Zukunft Opfer einer Straftat zu werden, signifikant höher ein.
 Das Vertrauen in die Polizei ist in der Bevölkerung Schleswig-Holsteins als hoch einzuschätzen. Die überwiegende Mehrheit sieht allgemein eine professionelle, bürgerfreundliche und höfliche Polizei mit einem gepflegten Erscheinungsbild, die sich selbst an die Gesetze hält und die Rechte der Bürger/innen wahrt. Häufiger kritisiert wird die Polizei in ihrem konkreten Handeln vor allem von den Opfern einer oder mehrerer Straftaten. Auch
wenn die Mehrheit dieser Gruppe ein ebenso positives Bild von der Polizei hat, zeigt sich
ein größerer Anteil (eher/sehr) unzufrieden als bei den Nicht-Opfern. Es wird von Opfern
signifikant häufiger der Aussage zugestimmt, die Polizei hat zu wenig getan, und die als
unzureichend empfundene Information über den Fortgang der Ermittlungen bzw. des Verfahrens bemängelt.

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Anhang
Tabelle 22: Vergleichsdelikte PKS
Items (Vergleichsdelikte)

PKS-Schlüssel

Bezeichnung

A Mir wurde ein Kraftfahrzeug gestohlen

***1 + ***2

B Mir wurde ein Kraftfahrzeug aufgebrochen

450

Diebstahl insgesamt von Kraftwagen / Mopeds und * - Aufbau
Krafträdern ohne unbefugter Ingebrauchnahme
Diebstahl unter erschwerenden Umständen an/aus HG 4
Kfz
Sachbeschädigung an Kfz
HG 6

C Mir wurde ein Kraftfahrzeug mutwillig beschä- 6741.
digt
D Mir wurde ein Fahrrad gestohlen
***3
E Mein Computer wurde z. B. durch Viren, Trojaner oder Würmer dermaßen infiziert, dass
dadurch Datenverluste oder finanzielle Schäden
entstanden
F Meine persönlichen Daten wurden bei Nutzung
des Internets missbraucht (z. B. Identitätsdiebstahl, Kreditkartendaten, Missbrauch eines Benutzer-, Spiele- oder Mailkontos – nicht beim
Onlinebanking
G Mein Onlinebanking wurde angegriffen
H Ich wurde bei Nutzung des Internets betrogen
und erlitt dadurch einen finanziellen Schaden
I Ich wurde nicht bei Nutzung des Internets,
sondern auf einem anderen Wege betrogen und
erlitt dadurch einen finanziellen Schaden
J Mir wurden Dinge gestohlen, die ich unmittelbar bei mir trug (z. B. Geldbörse, Handtasche,
Schal o. ä.)
K Mir wurde etwas anderes gestohlen (außer
KFZ, Fahrrad oder Dinge, die ich unmittelbar
bei mir trug), nämlich …

L
M
N
O
P

Q
R

T

S
U

V
W

Diebstahl insgesamt von Fahrrädern

Pfad

* - Aufbau

6742 + TM Inter- Datenveränderung, Computersabotage
net „Ja“

HG 6

543010 + TM
Internet „Ja“

Fälschung beweiserheblicher Daten

HG 5

51 ohne 515 +
TM Internet „Ja“
51 ohne 515 +
TM Internet
„Nein/ unbekannt“
*90*

Betrug ohne Erschleichen von Leistungen

HG 5

Betrug ohne Erschleichen von Leistungen

HG 5

Taschendiebstahl insgesamt

* - Aufbau

Diebstahl gesamt ohne Diebstahl insgesamt von
Kraftwagen / Mopeds und Krafträdern / Fahrrädern, Taschendiebstahl insgesamt und Ladendiebstahl insgesamt, WED inkl. TWE und Diebstahl
unter erschwerenden Umständen an/aus Kfz
WED inkl. TWE

* - Aufbau

WED inkl. TWE

* - Aufbau

Sachbeschädigung

HG 6

Raub, räuberische Erpressung und räuberischer
Angriff auf Kraftfahrer
Bedrohung

HG 2

Gefährliche Körperverletzung

HG 2

(Leichte) Körperverletzung

HG 2

Sonstige sexuelle Nötigung

HG 1

Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Sexueller
Missbrauch von Schutzbefohlenen, von Jugendlichen und von Widerstandsunfähigen

HG 1

* … ohne: ***1 /
***2 / ***3 /
*90* / *26* /
435* (inkl. 436*)
/ 450*
Jemand ist in meine Wohnung eingebrochen
435* (inkl. 436*)
+ Vollendet
Jemand hat versucht, in meine Wohnung einzu- 435* (inkl. 436*)
brechen
+ Versuch
Mein Eigentum (über KFZ hinaus) wurde ab67401 + 67431
sichtlich beschädigt oder zerstört
Jemand hat mir mit Gewalt oder unter Andro21
hung von Gewalt etwas weggenommen
Es wurde gedroht, mir Schmerzen oder körper- 2323
liche Schäden zuzufügen … mit einer Waffe (z.
B. Messer, Flasche, Schlagring, Stock) oder
von mehreren Personen /
… von einer Person ohne Waffe
Ich wurde angegriffen und dabei leicht verletzt 22201 + 22202 +
… mit einer Waffe (z. B. Messer, Flasche,
22211 + 22212
Schlagring, Stock) oder von mehreren Personen
/
Ich wurde angegriffen und dabei so schwer
verletzt, dass ich zum Arzt gehen musste … mit
einer Waffe (z. B. Messer, Flasche, Schlagring,
Stock) oder von mehreren Personen /
Ich wurde angegriffen und dabei leicht verletzt 224
… von einer Person ohne Waffe /
Ich wurde angegriffen und dabei so schwer
verletzt, dass ich zum Arzt gehen musste …
von einer Person ohne Waffe
Ich wurde gegen meinen Willen sexuell be112
drängt (z. B. begrabscht)
Jemand hat mich sexuell missbraucht oder
111 + 113 + 133
vergewaltigt
+ 134

* - Aufbau

HG 2

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Anmerkungen: Items E / G: Die Abgrenzung zum Computerbetrug (PKS-Schlüssel: 51750)
und Ausspähen von Daten (PKS-Schlüssel: 678010), sog. Phishing im Onlinebanking, ist hier
nicht eindeutig. In der vorangegangenen Antwort (Item E) ist demnach bereits ein Schaden
eingetreten. Dieser wird in den Antworten (Items E / G) aber nicht eindeutig ausgeklammert.
Items R / T / U: Der PKS-Schlüssel „222“ beinhaltet auch die Beteiligung an einer Schlägerei
sowie die Verstümmelung weiblicher Genitalien. Daher die o.g. Selektion. Zu bedenken ist
weiterhin, dass eine Verletzung, die einen Arztbesuch erforderlich macht, nicht bereits den
Tatbestand der schweren Körperverletzung gem. § 226 StGB erfüllt.

42

43
        
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