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Full text: Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen / Baier, Dirk

KRIMINOLOGISCHES
FORSCHUNGSINSTITUT
NIEDERSACHSEN E.V.

Forschungsbericht Nr. 127

Forschungsbericht Nr. 1

Sicherheit und Kriminalität
in Niedersachsen
Ergebnisse einer Repräsentativbefragung

Dirk Baier
2015
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FORSCHUNGSBERICHT Nr. 127
__________________________________________________

Sicherheit und Kriminalität
in Niedersachsen
Ergebnisse einer Repräsentativbefragung

Dirk Baier

2015

Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN)
Lützerodestraße 9, 30161 Hannover
Tel. (05 11) 3 48 36-0, Fax (05 11) 3 48 36-10
E-Mail: kfn@kfn.de

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4

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ................................................................................................................................. 7
1.1. Ausgangslage und Forschungsfragen ................................................................................. 7
1.2. Kriminalität in Niedersachsen – Ausgewählte Befunde aus dem Hellfeld ...................... 12
1.3. Danksagung ...................................................................................................................... 17

2. Methode und Stichprobe ...................................................................................................... 19
2.1. Methode ............................................................................................................................ 19
2.2. Rücklauf und Stichprobenbeschreibung ........................................................................... 22
Exkurs: Niedersachsenweite Schülerbefragung 2013 ............................................................. 28

3. Kriminalitätswahrnehmungen und Kriminalitätsfurcht .................................................. 33
3.1. Einschätzung der Kriminalitätsentwicklung ..................................................................... 33
3.2. Kriminalitätsfurcht............................................................................................................ 36
3.2.1. Personale Kriminalitätsfurcht..................................................................................... 37
3.2.2. Vermeidungsverhalten (konative Kriminalitätsfurcht) .............................................. 39
3.2.3. Unsicherheitsgefühl.................................................................................................... 41
Exkurs: Erfahrungen mit der Polizei ....................................................................................... 43

4. Viktimisierungserfahrungen ................................................................................................ 47
4.1. Gewaltdelikte .................................................................................................................... 47
4.2. Eigentumsdelike ............................................................................................................... 52
4.3. Verkehrsdelikte ................................................................................................................. 58
4.4. Zusammenfassende Darstellung ....................................................................................... 60

5

5. Täterschaften ......................................................................................................................... 69
5.1. Verbreitung ....................................................................................................................... 69
5.2. Einflussfaktoren ................................................................................................................ 73
5.2.1. Viktimisierungen ........................................................................................................ 74
5.2.2. Erfahrungen in Elternhaus und Schule ....................................................................... 75
5.2.3. Persönlichkeit ............................................................................................................. 79
5.2.4. Persönliche Einstellungen .......................................................................................... 81
5.2.5. Freizeitverhalten ......................................................................................................... 85
5.2.6. Merkmale der Nachbarschaft und zusammenfassendes Modell ................................ 89

6. Linke und ausländerfeindliche Orientierungen ................................................................. 93
6.1. Linke Orientierungen ........................................................................................................ 93
6.2. Ausländerfeindliche Orientierungen ................................................................................. 96

7. Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse ................................................................... 101

Literaturverzeichnis ................................................................................................................ 109

6

1. Einleitung
1.1. Ausgangslage und Forschungsfragen
Es gibt verschiedene Wege, um Erkenntnisse zum Ausmaß der Kriminalität zu erarbeiten. Ein
erster Weg ist, die jährlich von der Polizei veröffentlichten Kriminalstatistiken heranzuziehen.
Vorteil der Polizeilichen Kriminalstatistik ist, dass sie seit vielen Jahrzehnten vorliegt und
damit auch langfristige Veränderungen abbilden kann. Ein Nachteil ist, dass die in ihr ausgewiesenen Zahlen von verschiedenen Faktoren abhängen. Dies hat zur Folge, dass es sich nicht
um eine objektive Darstellung der Kriminalität handelt. Die in der Kriminalstatistik ausgewiesen Zahlen sind vielmehr auch ein Resultat der Anzeigebereitschaft der Bevölkerung, der
Aufklärungsquote der Polizei oder von Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Ein anderer Nachteil ist, dass die Polizeiliche Kriminalstatistik nur wenige Differenzierungen
zu den erfassten Opfern und Tätern zulässt. So sind nur einige ausgewählte demografische
Variablen wie das Alter, das Geschlecht und die Nationalität bekannt; weitere Angaben zum
Hintergrund der Opfer und Täter fehlen jedoch.
Der zweite zentrale Weg der Forschung zum Ausmaß der Kriminalität sind Dunkelfeldstudien. Hierbei handelt es sich um den Einsatz von Methoden der empirischen Sozialforschung,
mit dem Ziel, der Polizei nicht bekannte sowie bekannte Fälle (und deren Opfer bzw. Täter)
kriminellen Verhaltens zu untersuchen. Die am meisten genutzte Methode ist die Befragung.
Dabei wird eine Zufallsauswahl der Bevölkerung zu ihren Opfer-, z.T. auch Täterschaften
befragt. Da die zentrale Informationsquelle die befragten Personen sind, bezieht sich Dunkelfeldforschung vor allem auf jene Kriminalitätsformen, zu denen es Personen gibt, die Opfer
bzw. Täter geworden sind bzw. sich als solche einstufen und sich nach einem erlebten Übergriff zu diesem äußern können. Neben dem Anliegen, das tatsächliche Kriminalitäts-Ausmaß
in Bezug auf die untersuchbaren Delikte zu bestimmen, hat Dunkelfeldforschung u.a. folgende Anliegen: die Untersuchung von Einstellungen und Wahrnehmungen zum Thema Kriminalität (z.B. Kriminalitätsfurcht, Unsicherheitsgefühl), die Untersuchung der Einflussfaktoren
von Opfer- und Täterschaften sowie die Untersuchung der Folgen von Opferschaften. Außerhalb Deutschlands hat diese Art der Untersuchung der Kriminalität längere Tradition. So wird
bspw. seit 1973 in den USA der National Crime Victimization Survey, seit 1982 in Großbritannien der British Crime Survey oder seit 2006 in Schweden ein Crime Survey – jeweils in
regelmäßigen Abständen – durchgeführt.
Auch der Weg der Dunkelfeldstudien besitzt Nachteile (vgl. u.a. Prätor 2015). Bislang ist
bspw. noch nicht geklärt, welche Befragungsmethode die verlässlichsten Ergebnisse liefert,
die persönliche, postalische, telefonische oder Online-Befragung. Ein Nachteil ist darüber
hinaus im Antwortverhalten der Befragten zu sehen, die Ereignisse vergessen, sie verschweigen oder sich bspw. in Bezug auf den Zeitpunkt verschätzen können. Das Antwortverhalten
ist zudem von verschiedenen weiteren Faktoren abhängig, so u.a. von der Präsentation der
Fragen, der Länge des Fragebogens oder der Verständlichkeit der Fragen. Gerade die Verständlichkeit ist ein zentraler Punkt, wenn es um die Beschreibung von Delikten geht, die in
der Befragung erhoben werden sollen. Es können weder die Gesetzestexte noch eine Liste mit
Beispielen im Fragebogen präsentiert werden; stattdessen muss eine Umschreibung eines De7

likts gefunden werden, die wenig Raum dafür lässt, andere Delikte oder Verhaltensweisen
darunter zu subsumieren. Der größte Nachteil dürfte jedoch darin bestehen, dass viele Personen nicht bereit sind, an Befragungen teilzunehmen. Es gibt gute Gründe, gerade im Bereich
der Kriminalitätsforschung davon auszugehen, dass die Nicht-Beteiligung an einer Befragung
ein nicht zufälliges Ereignis ist; d.h. es beteiligen sich ganz besondere Bevölkerungsgruppen
nicht daran, so z.B. besonders kriminalitätsbelastete Personen oder Personen, die aufgrund
erlebter Übergriffe psychisch oder physisch nicht in der Lage sind, an einer Befragung teilzunehmen. Darüber, wie ein solcher „Undercoverage“ von relevanten Bevölkerungsgruppen die
Ergebnisse von Dunkelfeldbefragungen beeinflusst, ist sowohl international als auch national
wenig bekannt (vgl. u.a. Guzy 2015).
Nicht nur international, sondern auch in Deutschland wird seit einigen Jahrzehnten Dunkelfeldforschung durchgeführt, allerdings nicht in der Form von kontinuierlich wiederholten
Surveys. Vielmehr gab es in unregelmäßigen Abständen in methodisch unterschiedlicher
Weise Befragungen. Bereits in den 1970er Jahren erfolgten durch Schwind et al. (1975) und
Stephan (1976) Befragungen in Göttingen und Stuttgart. Ebenfalls in den 1970er Jahren hat
Schwind seine Dunkelfeldbefragungen in Bochum begonnen, die bis 1998 insgesamt dreimal
wiederholt wurden (Schwind et al. 2001). In späteren Jahren kamen weitere Viktimisierungsbefragungen in anderen Städten hinzu (u.a. Ludwig/Kräupl 2005, Plate et al. 1985). Daneben
hat es in der Vergangenheit mehrfach Befragungen gegeben, die Repräsentativtität für die
Bundesrepublik (bzw. die alten Bundesländer) beanspruchen: Eine erste Studie stellt der International Crime Survey von 1988 dar, in deren Rahmen in Deutschland 5.000 Personen zu
ihren Opfererfahrungen befragt wurden (Kury 1992). Eine weitere, auch die ostdeutschen
Bundesländer umfassende Viktimisierungsstudie stammt von Boers (1996). Erwähnenswert
ist darüber hinaus eine Opferbefragung, die in den Jahren 1997 und 1998 unter mehr als
23.000 Befragten durchgeführt wurde (Heinz et al. 1998). Aktuell liegt eine Befragung aus
dem Jahr 2012 vor, bei der deutschlandweit telefonisch über 35.000 Personen zu ihren Opfererfahrungen befragt wurden (Birkel et al. 2014). Zudem gibt es aus einigen Bundesländern
Ergebnisse aus Dunkelfeldbefragungen (für Niedersachsen: Gluba 2015; für Sachsen: Liebl
2014; für Nordrhein-Westfalen: Landeskriminalamt NRW 2015)
Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) hat ebenfalls umfangreiche
Erfahrungen mit der Durchführung von Dunkelfeldbefragungen, einerseits mit Blick auf Erwachsene, andererseits mit Blick auf Jugendliche. Die erste großangelegte, deutschlandweit
repräsentative Erwachsenenbefragung am KFN erfolgte im Jahr 1992 mit 15.000 16- bis
60jährigen Personen (vgl. Bilsky et al. 1992). Diese Befragung wurde in Teilen wiederholt:
Im Jahr 2005 gab es einen Survey unter 40- bis 85jährigen (Görgen 2009), im Jahr 2011 eine
Befragung unter 16- bis 40jährigen (Stadler et al. 2012, Hellmann 2014). Der Schwerpunkt
dieser Befragungen lag im Bereich der Viktimisierung mit sexueller Gewalt (vgl. Wetzels
1997), wobei auch andere Viktimisierungserfahrungen erhoben wurden. Im Jahr 2007 wurde
zudem in der Stadt Stade eine Erwachsenenbefragung durchgeführt (Baier et al. 2009). Ein
Teil der Erwachsenen wurde postalisch erreicht, ein weiterer Teil per Schneeballsystem. Von
den 3.000 postalisch versendeten Fragebögen wurden 698 zurückgeschickt. Diese Stichprobe
bildet die Grundgesamtheit hinsichtlich ihrer demographischen Struktur (Alters- und Geschlechtsverteilung) zugleich recht gut ab, womit sich der Weg der postalischen Befragung als
durchaus gangbar erwiesen hat. Die Auswertungen dieser Befragung aber ebenso vieler ande8

rer der erwähnten Befragungen belegen, dass von den Befragten deutlich mehr Übergriffserfahrungen berichtet werden als in der Polizeilichen Kriminalstatistik registriert sind.
Besonders häufig werden Erfahrungen mit Sachbeschädigungen und Diebstahl berichtet.
In Bezug auf Jugendliche reicht die Tradition der KFN-Dunkelfeldbefragungen zurück bis ins
Jahr 1998. In neun bundesdeutschen Städten wurden über 16.000 Jugendliche meist der neunten Jahrgangsstufe zu ihren Opfererfahrungen, zu Täterschaften und zu möglichen Einflussfaktoren der Täterschaften befragt (Wetzels et al. 2001). Da die Befragungen im Schulkontext
während der Schulzeit durchgeführt werden, werden sie auch kurz als „Schülerbefragungen“
bezeichnet. In verschiedenen Städten und Landkreisen erfolgten nach 1998 weitere Befragungen. Da diese z.T. in denselben Gebieten stattfanden, lassen sich mit den Studien auch Aussagen zur Entwicklung des Dunkelfelds treffen (vgl. u.a. Baier 2008). In den letzten Jahren
wurden vom KFN zudem Schülerbefragungen durchgeführt, die für einzelne Bundesländer
repräsentativ waren (vgl. Baier et al. 2010 für Sachsen-Anhalt, Baier/Pfeiffer 2011 für Berlin,
Baier/Rabold 2012 für Saarland). In den Jahren 2007 und 2008 erfolgte zudem eine deutschlandweit repräsentative Befragung von fast 45.000 Jugendlichen (vgl. Baier et al. 2009a). Einige zentrale Befunde dieser Jugendstudien lassen sich stichpunktartig wie folgt zusammenfassen (vgl. auch Baier 2011):
- Der Anteil an Opfern und Tätern ist deutlich größer als die Polizeiliche Kriminalstatistik für diese Altersgruppe ausweist.
- Entscheidend für die Diskrepanz ist das Anzeigeverhalten. Nur ein kleiner Teil der
Gewalterfahrungen wird zur Anzeige gebracht, wobei es zwischen den einzelnen Delikten deutliche Unterschiede gibt: Sexuelle Gewalt wird bspw. deutlich seltener zur
Anzeige gebracht als Raubtaten. Das Anzeigeverhalten hat sich in den zurückliegenden Jahren erhöht, so dass ein größerer Anteil des Dunkelfelds ins Hellfeld gelangt.
Das Anzeigeverhalten ist in ländlichen und süddeutschen Gebieten geringer ausgeprägt als in städtischen und norddeutschen Gebieten.
- Der Anteil an Jugendlichen, die sich delinquent verhalten, sinkt. Die Jugend wird also
friedlicher, sowohl mit Blick auf Eigentums- als auch mit Blick auf Gewaltdelikte
(vgl. ausführlich Baier et al. 2013).
- Das Ausmaß an Opfererfahrungen und Täterschaften unterscheidet sich zwischen verschiedenen Gruppen an Jugendlichen. Jungen, Jugendliche mit geringerer Bildung und
Jugendliche mit Migrationshintergrund weisen höhere Belastungen auf.
- Darüber hinaus lassen sich mit Dunkelfeldbefragungen weitere Einflussfaktoren des
kriminellen Verhaltens identifizieren. Die Auswertungen hierzu belegen, dass dieses
Verhalten multifaktoriell bedingt ist. Gleichwohl stellen der Kontakt mit delinquenten
Freunden, der Alkohol- und Drogenkonsum, das Schulschwänzen, das elterliche Erziehungsverhalten (insbesondere elterliche Gewalt) sowie verschiedene Persönlichkeitseigenschaften (u.a. Selbstkontrolle) Faktoren mit herausgehobener Bedeutsamkeit
dar.
Dank der Finanzierung durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur
kann das KFN seit 2013 im zweijährigen Abstand eine niedersachsenweit repräsentative
Schülerbefragung durchführen, in die mindestens 10.000 Jugendliche der neunten Jahrgangsstufe einbezogen werden. Diese erfolgte bislang zwei Mal, und zwar 2013 und 2015. Die Daten der Befragung des Jahres 2013 werden nachfolgend bei verschiedenen Auswertungen ver9

gleichend dargestellt. Insofern damit eine immer wieder aktualisierte Datengrundlage zu niedersächsischen Jugendlichen vorliegt, zu älteren Altersgruppen aber nicht, gab es die Überlegung, eine vergleichbare Datengrundlage für Erwachsene zu schaffen, also eine Art „Schülerbefragung für Erwachsene“. Zwar gibt es für Niedersachsen seit 2013 eine vom hiesigen Landeskriminalamt betreute Dunkelfeldbefragung (Gluba 2015). Diese konzentriert sich aber
weitestgehend auf die Abfrage von Opferschaften; Täterschaften sowie wichtige Einflussfaktoren von Opfer- wie Täterschaften werden im Rahmen dieser Befragung nicht erhoben. Eine
Befragung mit einem solch umfangreichen Fragekatalog existiert bislang in Deutschland weder für die gesamte Bundesrepublik noch für einzelne Bundesländer oder Städte.
Die anvisierte „Schülerbefragung für Erwachsene“ in Niedersachsen sollte sich damit zum
Einen Forschungsfragen widmen, die auch im Rahmen der niedersachsenweiten Befragung
von Jugendlichen untersucht werden. Zum Anderen wurden weitere, speziell für die Erwachsenenpopulation relevante Forschungsfragen formuliert. Im Einzelnen zielte die hier vorgestellte Untersuchung auf folgende Forschungsfragen ab:
1. Wie häufig werden niedersächsische Erwachsene Opfer von Straftaten? Berücksichtigt werden soll hierbei eine Spannbreite an Straftaten, die Eigentums- ebenso wie
Gewalttaten umfassen. Um den Vergleich mit der Polizeilichen Kriminalstatistik zu
ermöglichen, sollen diese Straftaten in möglichst kompatibler Weise erfasst werden
und sich auf ein Kalenderjahr beziehen. Von Interesse ist dabei auch, ob Personen
mehr als ein Mal innerhalb dieses Zeitraums viktimisiert worden sind.
2. Welche Personengruppen sind häufiger, welche weniger häufig vom Erleben von
Straftaten betroffen? Die Befragten sollen hinsichtlich des Alters, des Geschlechts und
der Herkunft differenziert werden. Bei der Herkunft soll zugleich nicht nur zwischen
Personen deutscher und nichtdeutscher Staatsangehörigkeit unterschieden werden,
sondern hier sollen für die größten Migrantengruppen Auswertungen stattfinden. Zudem besteht die Möglichkeit regionaler Differenzierungen entlang der vier statistischen Regionen Niedersachsens und entlang der Einwohnergröße des Wohnorts der
Befragten. Weitere Differenzierung bspw. hinsichtlich des Bildungsniveaus oder des
sozialen Status werden durch die Befragung ebenfalls ermöglicht.
3. Wie häufig kommt es zur Anzeige erlebter Straftaten? Befunde zur Anzeigebereitschaft erlauben es, die Größe des Dunkelfeldes abzuschätzen. Dies soll für alle erfassten Straftaten geschehen. Zudem kann bspw. untersucht werden, ob sich die Anzeigebereitschaft regional unterscheidet und damit ein Grund für regional differierende
Kriminalitätsraten darstellt.
4. Welche Folgen hat das Erleben von Straftaten? Mit den Folgen sind einerseits die materiellen bzw. physischen Folgen gemeint, also das konkrete Schadensbild nach Erleben einer Tat. Andererseits zählen auch die psychischen Folgen hierzu, bspw. die
selbst eingestufte Belastungen.
5. Welche Erfahrungen haben die Erwachsenen mit Verkehrsdelikten? Die bisherige
Dunkelfeldforschung konzentriert sich weitestgehend auf Delikte gegen Personen, die
auch in der Polizeilichen Kriminalstatistik registriert werden. Seit 1963 werden Verkehrsdelikte nicht mehr in der Kriminalstatistik erfasst. Die Dunkelfeldforschung hat
diese Delikte daher bislang weitestgehend ignoriert (für eine Ausnahme vgl. z.B.
Hautzinger et al. 2011, S. 85ff). Anliegen der Untersuchung in Niedersachsen war es
daher, diese Delikte wieder stärker in den Fokus der Dunkelfelduntersuchung zu rü10

cken, aus der Überlegung heraus, dass es sich um häufiger vorkommende Delikte handelt, die durchaus folgenreich für die Betroffenen sein können. Konzentriert werden
sollte sich auf drei Bereiche: die Unfallflucht nach fahrlässiger Beschädigung eines
Fahrzeugs, die fahrlässige Körperverletzung durch andere Verkehrsteilnehmer und das
Drängeln, Ausbremsen, Schneiden oder Ähnliches.
6. Welche subjektive Wahrnehmung der Kriminalität findet sich unter niedersächsischen
Erwachsenen? Angesprochen sind damit nicht die tatsächlichen Erfahrungen, sondern
die Eindrücke und Gefühle, die die Menschen mit Blick auf das Thema Kriminalität
aufweisen. Diese subjektive Seite der Kriminalität erfährt immer stärkere Aufmerksamkeit in der Kriminalpolitik wie auch der alltäglichen Polizeiarbeit. Folgende subjektive Einschätzungen sollte sich gewidmet werden: der wahrgenommenen Kriminalitätsentwicklung, der Kriminalitätsfurcht und dem Sicherheitsgefühl.
7. Welche Einstellungen zur Polizei und welche Erfahrungen mit der Polizei haben die
Erwachsenen? Die Polizei ist der zentrale Akteur im Kriminalitätsbereich. Es ist für
die Arbeit der Beamten nicht unerheblich, welche Einstellungen ihnen entgegen gebracht werden, insofern sich Einstellungen in einem konkreten Verhalten niederschlagen können. Aus diesem Grund wurden verschiedene Einstellungsbereiche erfasst.
Von Interesse sollte aber ebenso sein, welche konkreten Kontakte man mit der Polizei
hatte und wie diese bewertet werden.
8. Wie häufig sind niedersächsische Erwachsene Täter von Straftaten? Die Befragung
sollte sich im Gegensatz zu den meisten Dunkelfeldstudien nicht nur den Opfer-, sondern auch den Täterschaften widmen. Aus diesem Grund wurden die Befragten gebeten, anzugeben, ob sie in den zurückliegenden zwölf Monaten Straftaten begangen haben, wobei nach insgesamt elf Straftaten gefragt wurde. Dadurch wird es bspw. möglich, die Verteilung des kriminellen Verhaltens über den Lebenslauf zu betrachten.
9. Welche Faktoren haben Einfluss auf die Ausführung von Straftaten? Die Studie sollte
nicht dabei stehen bleiben, die Häufigkeit des Ausübens kriminellen Verhaltens zu erfassen. Sie beansprucht auch, mögliche Einflussfaktoren zu untersuchen. Da es sich
um eine nur zu einem Zeitpunkt durchgeführte Befragung handelt, kann hier nicht von
der Identifikation von Ursachen gesprochen werden. Die Untersuchung von Zusammenhängen erlaubt die Studie aber durchaus. Entsprechend den Befunden aus Jugenduntersuchungen wurde eine große Anzahl möglicher Einflussfaktoren einbezogen, so
bspw. das elterliche Erziehungsverhalten, Persönlichkeitsmerkmale oder das Freizeitverhalten der Befragten.
10. Welche politischen Orientierungen finden sich in der niedersächsischen Erwachsenenbevölkerung? In den Schülerbefragungen der Vergangenheit wurde von Beginn an
erhoben, inwieweit die Jugendlichen rechtsextreme Orientierungen aufweisen (vgl.
u.a. Wetzels et al. 2001, S. 111ff). Daneben wurde kürzlich vom KFN auch eine Skala
konstruiert, mit der linke Orientierungen erfasst werden können (Baier/Pfeiffer 2011,
S. 156ff). Diese beiden Pole politischer Orientierungen sollten auch in der Erwachsenenbefragungen erhoben werden, weshalb eine Skala zur Messung von ausländerfeindlichen Einstellungen und linken Orientierungen zum Einsatz kam.
11. In welchen Bereichen unterscheiden sich niedersächsische Jugendliche und Erwachsene, in welchen Bereichen ähneln sie sich? Hinsichtlich einer Vielzahl an untersuchten Merkmalen ist es möglich, die Stichprobe der niedersachsenweiten Erwachsenenbefragung mit den Jugendlichen der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 zu
11

vergleichen. Werden die Jugendlichen also bspw. häufiger Opfer von kriminellen
Übergriffen? Sind sie häufiger Täter? Und sind sie in Bereichen wie dem Alkoholund Drogenkonsum oder dem Schulschwänzen auffälliger als ältere Generationen?
12. Lässt sich die Rücklaufquote postalischer Befragungen durch finanzielle Anreize erhöhen? Der Einsatz postalischer Befragungen zur Untersuchung verschiedener Themen, insbesondere aber auch des Themas Kriminalität, ist umstritten (vgl. Reuband
2001). Die Befragung sollte daher genutzt werden, Ergebnisse zu der Frage zu ermitteln, wie sich der Rücklauf beeinflussen lässt. Eine hohe Rücklaufquote ist ein Qualitätsmerkmal einer Befragung, wobei diese nicht ausschließt, dass systematisch bestimmte Bevölkerungsgruppen nicht erreicht werden. Im Rahmen der Untersuchung
wurde daher getestet, ob die Beigabe eines Anreizes den Rücklauf erhöht. Die Hauptstichprobe von 10.000 Personen wurde unter Einsatz eines 5-Euro-Anreizes befragt.
Eine kleinere Zusatzstichprobe von 400 Personen erhielt keinen Anreiz. Darüber hinaus wurden zwei weitere Stichproben befragt (eine mit einem Kurzfragebogen, eine
unter Auslassung der Fragen zur Täterschaft), deren Ergebnisse hier allerdings nicht
berichtet werden. Stattdessen wird sich auf die Frage konzentriert, welchen Einfluss
die Beigabe eines 5-Euro-Anreizes auf die Rücklaufquote und auf die Ergebnisse hat.
Die nachfolgenden Abschnitte des Berichts werden die Befunde zu diesen Forschungsfragen
präsentieren. Eine Zusammenfassung der Befunde findet sich in Abschnitt 7. Bevor die Befunde vorgestellt werden, sollen an dieser Stelle noch einige Auswertungen zur Polizeilichen
Kriminalstatistik berichtet werden. Die Befunde der Befragung können in Teilen mit der Kriminalstatistik verglichen werden.

1.2. Kriminalität in Niedersachsen – Ausgewählte Befunde aus dem Hellfeld
Die Kriminalität in Niedersachsen hat sich seit 1993 dem Trend nach positiv entwickelt, d.h.
die Kriminalität insgesamt geht zurück. Bei diesem Rückgang handelt es sich aber nicht um
eine kontinuierliche Entwicklung. Wie Abbildung 1 zeigt, ist die Anzahl der von der Polizei
registrierten Straftaten von 650.151 im Jahr 1993 zunächst bis auf 547.902 Straftaten im Jahr
1999 gesunken. Danach ist ein Anstieg bis 2002 und ein nahezu unverändertes Niveau bis
2007 zu konstatieren. Bis 2013 ist die Anzahl an Straftaten dann auf den niedrigsten Wert im
betrachteten Zeitraum (545.704 Straftaten) gesunken. Im Jahr 2014 ist ein leichter Anstieg auf
552.730 Straftaten festzustellen. Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Häufigkeitszahl.
Diese Zahl wird deshalb herangezogen, weil die Betrachtung absoluter Zahlen nicht berücksichtigt, dass sich die Bevölkerungsgröße verändert. Eine Zunahme von Straftaten kann bspw.
allein darauf zurückzuführen sein, dass mehr Menschen in Niedersachsen leben. Die Häufigkeitszahl gibt an, wie viel Straftaten pro 100.000 Einwohner registriert wurden. Im Jahr 1993
lag diese Zahl bei 8.580, 2014 nur noch bei 7.095; seit 2011 ist sie weitestgehend konstant. Zu
beachten ist allerdings, dass die Häufigkeitszahl vom Wissen über die Bevölkerungszahl abhängt. Bis 2012 wurde die Bevölkerungszahl auf Basis eines früheren Mikrozensus fortgeschrieben. Seit 2013 können die exakteren Zahlen des Mikrozensus 2011 berücksichtigt werden. Dieser hat ergeben, dass die Bevölkerungszahl geringer ausfällt als bislang angenommen.
Da die Häufigkeitszahlen der Jahre vor 2013 mit den Häufigkeitszahlen ab 2013 nicht kompa-

12

tibel sind (weil die Bevölkerungszahl auf unterschiedliche Weise berechnet wurde), findet
sich in der Abbildung eine Lücke zwischen den Jahren 2012 und 2013.

660000

10000,0

640000

9000,0

620000

8000,0

6000,0

580000

5000,0
560000

4000,0

540000

Häufigkeitszahl

7000,0

600000

3000,0

absolute Anzahl

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

1999

0,0
1998

480000
1997

1000,0
1996

500000
1995

2000,0

1994

520000

1993

absolute Anzahl

Abbildung 1: Entwicklung der Anzahl an Straftaten und der Häufigkeitszahl seit 1993 in Niedersachsen
(alle Straftaten insgesamt; Polizeiliche Kriminalstatistik)

Häufigkeitszahl

Die Entwicklung der Anzahl ausgewählter Straftaten in den zurückliegenden zehn Jahren ist
in Tabelle 1 dargestellt. In der ersten Zeile finden sich noch einmal die Ergebnisse zu allen
Straftaten. Diese sind seit 2005 um 8,1 % gesunken. Wird der höchste Wert des Zehn-JahresZeitraums zum Vergleich herangezogen (2007: 607.075 Straftaten), beträgt der Rückgang
sogar 9,0 %. Für die verschiedenen betrachteten Formen des Diebstahls zeigen sich seit 2005
fast durchweg starke Rückgänge. Der Diebstahl insgesamt hat um 22,6 % abgenommen, der
Fahrraddiebstahl um 33,1 %. Da das Jahr 2005 meist das Jahr mit der höchsten Anzahl an
Diebstählen markiert, sind die zwei abgebildeten anteilsmäßigen Veränderungen identisch.
Eine Ausnahme bildet der Wohnungseinbruchdiebstahl. Im Zeitraum 2005 bis 2014 hat sich
die Anzahl entsprechender Straftaten um 35,3 % erhöht. Gleichwohl scheint seit 2013 eine
Umkehr dieses Trends stattzufinden: Von 2013 auf 2014 fällt die Anzahl an Wohnungseinbrüchen um 6,9 %.
Rückläufige Zahlen ergeben sich daneben für Betrugsdelikte, wobei zu beachten ist, dass das
Jahr 2010 mit 109.425 Straftaten einen Ausreißer bildet. Im Vergleich zu dieser Zahl lag die
Anzahl an Straftaten 2014 18,0 % niedriger. Wird die Entwicklung seit 2011 betrachtet, ist
eine sukzessive Zunahme der Betrugsdelikte festzustellen. Für das Schwarzfahren, das ein
Betrugsdelikt darstellt, ergeben sich vergleichbare Entwicklungen. Seit 2011 kommt es zu
einem kontinuierlichen Anstieg.
Für Sachbeschädigungen ist demgegenüber ein seit 2007 stattfindender, kontinuierlicher
Rückgang der Anzahl an Straftaten zu beobachten. 2014 wurden ein Viertel weniger Straftaten in diesem Bereich polizeilich registriert. Für die aufgeführten Gewalttaten ergeben sich
ebenfalls rückläufige Entwicklungen, die meist aber erst nach 2006 einsetzen. Die vorsätzlichen, leichten Körperverletzungen fallen von 2012 bis 2014 um 4,3 %. Die schweren bzw.
gefährlichen Körperverletzungen sind von 2007 bis 2014 um 24,7 % zurückgegangen, die
13

Vergewaltigungen seit 2010 um 6,0 %. Nur für den Raub lassen sich weitestgehend über den
gesamten Zeitraum hinweg Rückgänge feststellen. Im Jahr 2014 liegt die Anzahl registrierter
Raubtaten ein Viertel niedriger als noch 2005. Gleichzeitig ist für die vorsätzlichen, leichten
Körperverletzungen, die Raubtaten und die Vergewaltigungen im Vergleich der Jahre 2013
und 2014 ein leichter Anstieg vorhanden. Es bleibt abzuwarten, ob dies eine Trendumkehr
darstellt oder vielmehr als Konsolidierung der Zahlen zu interpretieren ist.
Tabelle 1: Entwicklung der Anzahl ausgewählter Straftaten seit 2005 (Polizeiliche Kriminalstatistik)
2005
bis
2014

höchste
Anzahl
bis
2014

601557 603597 607075 589967 590233 582547 552257 557219 545704 552730

-8,1

-9,0

Diebstahl insgesamt 269936 260219 252308 235300 227235 213591 213283 214507 206367 208973

-22,6

-22,6

Fahrraddiebstahl

58580

56974

55910

53564

50212

41738

41476

40782

36668

39170

-33,1

-33,1

Ladendiebstahl

37726

34188

32256

32622

32504

31460

29504

27882

26527

27406

-27,4

-27,4

Wohnungseinbruchdiebstahl

10831

10555

10932

10280

11279

11844

11811

14598

15743

14654

35,3

-6,9

2005
alle Delikte

Diebstahl

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

KFZ-Diebstahl

4311

3553

3315

3147

3420

3560

3021

3158

3000

2763

-35,9

-35,9

Betrug insgesamt

91817

92416

92211

87509

93755

109425

80401

85708

88120

89737

-2,3

-18,0

Schwarzfahren

23391

22760

23276

21643

20829

21668

14204

15882

16766

17966

-23,2

-23,2

65177

70542

73254

72992

71518

62868

62363

61182

55846

55491

-14,9

-24,2

30308

32423

33634

35383

36930

37184

37253

39077

37193

37380

23,3

-4,3

14938

15798

16500

16399

16424

14974

14766

14340

13339

12423

-16,8

-24,7

Raub

4990

4762

4756

4355

4381

4209

3871

3952

3725

3768

-24,5

-24,5

Vergewaltigung

918

839

803

805

932

1001

954

995

932

941

2,5

-6,0

Betrug
Sachbeschädigung

Gewalt

vorsätzliche, leichte
Körperverletzung
schwere bzw.
gefährliche Körperverletzung

fett: höchste Anzahl des Zehn-Jahres-Zeitraums

Mit der niedersachsenweiten Erwachsenenbefragung, deren Ergebnisse in diesem Bericht
vorgestellt werden, lassen sich keine Erkenntnisse zur Entwicklung der Kriminalität erarbeiten. Die Befragung wurde im Jahr 2014 erstmalig durchgeführt, Vergleichszahlen aus früheren Jahren fehlen damit. Was die Befragung ermöglicht, ist ein Vergleich der Zahlen des polizeilichen Hell- und des über die Befragung ermittelten Dunkelfelds für das Jahr 2013. Anhand
der Befragungsdaten erfolgt im vierten Abschnitt des Berichts ein auf verschiedene Delikte
bezogener Vergleich von Hell- und Dunkelfeld. In der nachfolgenden Abbildung 2 wird darüber hinaus eine Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik vorgestellt, die die Fallzahlen
zu ausgewählten Straftaten ins Verhältnis zur Bevölkerungsanzahl setzt. Dadurch lassen sich
Prävalenzzahlen ermitteln (Fälle pro 100 Einwohner), die sich partiell mit den Prävalenzzahlen der Befragung kontrastieren lassen. Die Darstellung beschränkt sich dabei auf Straftaten,
die von einzelnen Personen erlebt werden können – Ladendiebstahl oder Schwarzfahren gehören bspw. nicht zu diesem Delikttyp der Straftaten gegen Personen. Zugleich können einzelne
der ausgewählten Straftaten auch nicht nur von Personen, sondern bspw. von Organisationen
erfahren werden, wie z.B. der Betrug. Nicht berücksichtigt wird zudem bei Betrachtung der
Fallzahlen, dass Personen mehrfach Delikte erleben. Die Prävalenzzahlen stellen insofern eine
Überschätzung dar. Sie illustrieren dennoch anschaulich, welches Risiko die Bevölkerung
Niedersachsens hat, ein polizeilich bekannt gewordenes Delikt zu erleben. Auf 100 Personen
in Niedersachsen kommen demnach 1,13 Betrugsdelikte. Dies ist die höchste Prävalenzrate
14

der betrachteten Delikte. Sachbeschädigungen und vorsätzliche, leichte Körperverletzungen
sowie Fahrraddiebstähle erlebt jeweils ca. einer von 200 Niedersachsen pro Jahr. Beim Wohnungseinbruchdiebstahl finden sich zwei Prävalenzraten in Abbildung 2. Die erste Rate von
0,2 % bezieht sich auf die Gesamtbevölkerung Niedersachsens von 7,8 Millionen Einwohnern; die zweite Rate bezieht sich auf die Anzahl von 3,8 Millionen Haushalten. Da Wohnungseinbrüche einen Haushalt und in diesem Haushalt z.T. mehrere Personen betreffen, ist
die Prävalenzrate von 0,41 % eine angemessenere Schätzung. Raubtaten, KFZ-Diebstähle und
Vergewaltigungen sind sehr selten vorkommende Delikte: Auf eintausend Niedersachsen
kommen zwischen einer und fünf solcher Taten.
Abbildung 2: Prävalenzraten ausgewählter Straftaten im Jahr 2013 (dunkel: bezogen auf Haushalte)
1,2

1,13

1,0
0,72

0,8
0,6

0,48

0,47

0,41

0,4
0,05

0,04

0,01

KFZ-Diebstahl

Vergewaltigung

0,20

Raub

0,17

0,2

schwere bzw. gefährliche
Körperverletzung

Wohnungseinbruchdiebstahl

Fahrraddiebstahl

vorsätzliche, leichte
Körperverletzung

Sachbeschädigung

Betrug

0,0

Kriminalität ist allerdings nicht gleichmäßig über die verschiedenen Lebensalter hinweg verteilt. Unabhängig davon, ob Opfer oder Tatverdächtige betrachtet werden, ergibt sich, dass
Jugendliche (14- bis unter 18jährige) und Heranwachsende (18- bis unter 21jährige) stärker
von Kriminalität betroffen sind als jüngere und ältere Altersgruppen. Diese Verteilung ist
auch bekannt als Alters-Kriminalitäts-Kurve. Werden bspw. die Tatverdächtigenzahlen betrachtet, so ergibt sich für Niedersachsen für das Jahr 2014 folgendes Bild: Von 100 unter
14jährigen wurden 0,7 % wegen irgendeines Delikts polizeilich registriert. Bei den Jugendlichen steigt dieser Anteil auf 6,0 %, bei den Heranwachsenden sogar auf 8,1 %. Von 100 ab
30jährigen werden hingegen nur noch 2,1 % wegen des Verdachts des Begehens irgendeines
Delikts polizeilich registriert. Diese Alters-Kriminalitäts-Kurve ist zugleich nicht für alle Delikte identisch: Bei Betrugsdelikten sind erwachsene Personen ebenfalls recht häufig belastet,
bei Raubtaten hingegen sind vor allem die jüngeren Altersgruppen auffällig.
Wird die Entwicklung der Kriminalität der verschiedenen Altersgruppen betrachtet, ergeben
sich vor allem für die jüngeren Altersgruppen ausgesprochen positive Trends. In Abbildung 3
ist die Entwicklung der Tatverdächtigenbelastungszahl (Anzahl Tatverdächtige pro 100.000
Personen einer Altersgruppe) seit 2005 dargestellt, wobei das Jahr 2005 auf 100 gesetzt wurde
und nur die seit dem stattfinden relativen Veränderungen präsentiert werden. Für die beiden
Gruppen der ab 30jährigen wie der 25- bis 30jährigen ergeben sich leichte Anstiege der Belastungszahlen; diese Altersgruppen sind also etwas krimineller geworden (Anstiege zwischen
15

2005 und 2014 um jeweils ca. 8 %). Bei den anderen Altersgruppen zeigen sich hingegen
Rückgänge. So ist die Belastungszahl bei den unter 14jährigen um 45 % gesunken, bei den
14- bis unter 18jährigen um 33 % und bei den 18- bis unter 21jährigen um 20 %.
Abbildung 3: Entwicklung der Tatverdächtigenbelastungszahl für alle Straftaten insgesamt nach Altersgruppe (2005 = 100; Polizeiliche Kriminalstatistik)
120,0

100,0
ab 30
25 bis unter 30
21 bis unter 25

80,0

18 bis unter 21
14 bis unter 18
unter 14

60,0

40,0
2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Kriminalität variiert nicht nur mit dem Alter, sondern u.a. auch mit dem Geschlecht (vgl. u.a.
Baier 2014) oder der Herkunft (vgl. u.a. Baier 2015). So sind Männer meist häufiger Täter
verschiedener Delikte; hinsichtlich der Opferschaften existiert hingegen keine deutliche Dominanz der Männer. Personen mit nichtdeutscher Herkunft sind belasteter als einheimische
Deutsche. Besonders beim Gewaltverhalten sind dabei Unterschiede festzustellen. Auf eine
weitere Differenzierung soll an dieser Stelle noch etwas ausführlicher eingegangen werden.
Abbildung 4 zeigt, dass Kriminalität auch regional unterschiedlich verteilt ist. Anhand der
Häufigkeitszahlen für das Jahr 2012 (Fälle je 100.000 Einwohner) erweist sich die statistische
Region Hannover als am belastetsten. In der statistischen Region Lüneburg ist hingegen die
niedrigste Häufigkeitszahl festzustellen. Diese liegt immerhin 20 % niedriger als die Häufigkeitszahl in der Region Hannover. Diese Unterschiede können einerseits tatsächliche Unterschiede des Kriminalitätsaufkommens markieren. Insofern die Region Hannover eher großstädtisch geprägt ist, könnte Kriminalität hier häufiger vorkommen. Andererseits ist bei diesen
Zahlen ebenso wie bei allen anderen berichteten Zahlen zu beachten, dass es sich nur um polizeilich registrierte Fälle (bzw. Tatverdächtige oder Opfer) handelt. Diese stellen nur einen
Ausschnitt der Kriminalität dar. In der statistischen Region Hannover könnte bspw. die Anzeigebereitschaft höher ausfallen oder die Polizei könnte hier stärker proaktiv agieren, so dass
mehr Kriminalität aus dem Dunkelfeld ins Hellfeld kommt. Unterschiede zwischen Regionen,
Altersgruppen, Geschlechtern usw. lassen sich daher in verlässlicherer Weise nur mittels
Dunkelfeldbefragungen untersuchen.

16

Abbildung 4: Häufigkeitszahl alle Straftaten nach Regierungsbezirk im Jahr 2012 (Polizeiliche Kriminalstatistik)

Niedersachsen gesamt

7041,4

Hannover

7872,9

Weser-Ems

6863,6

Braunschweig

6860,9

Lüneburg

6279,6
0,0

1000,0 2000,0 3000,0 4000,0 5000,0 6000,0 7000,0 8000,0 9000,0

1.3. Danksagung
Das Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse in diesem Bericht vorgestellt werden, hätte nicht
realisiert werden können, wenn es nicht von verschiedenen Seiten unterstützt worden wäre.
Für die Initiative, Dunkelfeldforschung in Niedersachsen durchzuführen, ist zunächst dem
Landeskriminalamt Niedersachsen und hier der Kriminologischen Forschungsstelle unter Leitung von Hartmut Pfeiffer zu danken. Es war zunächst die Absicht, bzgl. dieser Forschung mit
dem KFN zusammen zu arbeiten, das ebenfalls erste Ideen zur Durchführung einer landesweiten Befragung hatte. Bezüglich des konkreten Vorgehens konnte allerdings keine Einigkeit
erzielt werden, weshalb die Kriminologische Forschungsstelle des Landeskriminalamts Niedersachsens eine eigene Dunkelfeldforschung im Frühjahr 2013 durchführte, deren Ergebnisse im vierten Abschnitt des Berichts zum Vergleich herangezogen werden. Zudem erfolgte
eine Wiederholung dieser Befragung im Frühjahr 2015. Wünschenswert wäre, wenn diese
Forschung in Zukunft weiter geführt würde, da damit erstmals für ein Bundesland Trendanalysen zum Dunkelfeld möglich wären.
Zu danken ist daneben Prof. Dr. Christian Pfeiffer, der durch die Bereitstellung von Haushaltmitteln des KFN die Forschung möglich gemacht und der sich auch mit verschiedenen
Ideen bzgl. der zu untersuchenden Inhalte in die Forschung eingebracht hat. Renate Waldhof,
der Geschäftsführerin des KFN, möchte ich dafür danken, dass sie stets unkompliziert die
finanzielle Abrechnung der verschiedenen Kosten des Projekts ermöglichte.
Um die Stichprobe zu befragender Personen zu ziehen, wurde einerseits mit dem Landesamt
für Statistik Niedersachsen, konkret mit Kathleen Driefert und Lars Rohrschneider, sowie mit
dem GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften zusammengearbeitet. Andererseits wurden die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der ausgewählten Gemeinden um Unter17

stützung derart gebeten, dass ihre Einwohnermeldeämter eine Zufallsauswahl von Personen
vornehmen und die Adressdaten ans KFN schicken. Die meisten kontaktierten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gaben hierfür ihre Erlaubnis. All den in den Vorgang der Stichprobenziehung involvierten Menschen möchte ich meinen Dank aussprechen.
Ein weiterer Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des KFN sowie den hier tätigen Hilfskräften. All diese Personen waren daran beteiligt, die über 10.000 Briefe zu verpacken und u.a. die 5-Euro-Anreize an das Anschreiben zu heften. Eberhard Mecklenburg koordinierte diese Verpackungs-Aktion, wofür ich ihm danken möchte. Er war es auch, der dankenswerter Weise die Erfassung der Daten in der EDV, die durch Hilfskräfte erfolgte, verantwortete.
Vier weiteren Personen möchte ich an dieser Stelle ebenfalls noch meinen Dank aussprechen:
Lars Wiedemann übernahm die Korrespondenz mit den Einwohnermeldeämtern und bereitete
die Adressliste, die die Grundlage des Versands der Fragebögen darstellte, vor. Fynn Kunkel
betreute die Kontrolle der zurückgesendeten Fragebögen und bereitete diese für die Datenerfassung vor. Daniel Thomas beseitigte Fehler und Inkonsistenzen aus dem Datensatz und legte damit die Grundlage für die Datenauswertungen. Karoline Ellrich schließlich brachte zahlreiche Ideen bzgl. der inhaltlichen Gestaltung des Fragebogens ein. Zudem hat sie den Forschungsbericht kritisch gelesen und verschiedene Vorschläge zu seiner Verbesserung gemacht.
Zuletzt möchte ich ausdrücklich all jenen Personen danken, die den Fragebogen ausgefüllt
und ans KFN zurückgeschickt haben. Nur aufgrund der hohen Teilnahmebereitschaft der Befragten lassen sich verlässliche Erkenntnisse zu den hier untersuchten Themen erarbeiten.
Danken möchte ich auch all jenen Befragten, mit denen ich zahlreiche angenehme wie auch
kontroverse Diskussionen am Telefon führen durfte.

18

2. Methode und Stichprobe
2.1. Methode
Es existieren verschiedene methodische Herangehensweisen, um eine repräsentative Dunkelfeldstudie durchzuführen. In der Vergangenheit wurde wiederholt auf telefonische Befragungen zurückgegriffen (Birkel et al. 2014, Rieckmann/Kraus 2015). Diese Befragungsform hat
verschiedene Nachteile, so u.a. eine eher geringe Rücklaufquote, eine eingeschränkte Fragebogenlänge sowie höhere Kosten. Zudem ist die Regionalisierung schwierig, gerade dann,
wenn ausschließlich Mobilfunknutzer einbezogen werden sollen. Eine solche Regionalisierung ist aber notwendig, wenn man eine für Niedersachsen repräsentative Befragung durchführen möchte. Dasselbe Problem ergibt sich bei Online-Befragungen. Zusätzlich haben Online-Befragungen den Nachteil, dass Personen, die kein Internet nutzen, von vornherein ausgeschlossen werden. Eine weitere Alternative ist die Methode der persönlichen face-to-faceBefragungen durch geschulte Interviewer, in der bspw. nach einem bestimmten Verfahren
Personen bzw. Haushalte ausgewählt werden (vgl. für ein Beispiel Hellmann 2014). Die Kosten sind bei dieser Befragungsmethode aber besonders hoch. Vor diesem Hintergrund erschien der Einsatz einer postalischen Befragung sinnvoll. Nicht nur, dass die Regionalisierung
hier einfacher herzustellen ist; auch der eher geringe finanzielle Aufwand (Druck und Versand der Fragebögen) sowie die Sensibilität des Themas sprechen für diese Methode. Postalische Befragungen gelten allerdings „im Vergleich zu face-to-face und telefonischen Befragungen als Mittel der zweiten Wahl. Nicht nur, dass man ihnen niedrige Ausschöpfungsquoten unterstellt. Man vermutet auch erhebliche Verzerrungen in der sozialen Zusammensetzung“ (Reuband 2001, S. 307). Wie Reuband (2001, 2015) auf Basis verschiedener Studien
belegt, sind diese Vorbehalte gegen postalische Befragungen unzutreffend. Mittels unterschiedlicher Maßnahmen lassen sich über diesen Weg hochwertige Stichproben erreichen.
Eine der wichtigsten Maßnahmen in diesem Zusammenhang ist der Einsatz von Anreizen.
Entsprechend der Meta-Analyse von Edwards et al. (2002) sind es vor allem Geldanreize, die
die Rücklaufquote und damit auch die Stichprobenqualität erhöhen. Weitere sinnvolle Maßnahmen sind u.a. der Einsatz eines eher kurzen, interessanten Fragebogens sowie der Einsatz
von Erinnerungsaktionen (Edwards et al. 2002, Reuband 2001).
Das Ziel, in Niedersachsen eine repräsentative postalische Befragung unter Erwachsenen 1
durchzuführen, ließe sich einerseits dadurch erreichen, dass die Stichprobenteilnehmer aus
einer sogenannten Urliste per Zufall bestimmt werden. Hierzu würde allerdings eine niedersachsenweite Liste aller ab 16jährigen Personen inkl. deren Adressen benötigt. Ein solches
Register existiert aber in Niedersachsen nicht. Für die Auswahl der Untersuchungsteilnehmer
muss deshalb andererseits ein zweifach gestuftes Ziehungsverfahren zum Einsatz gebracht

1

Es wurde entschieden, als erwachsen die ab 16jährige Wohnbevölkerung einzustufen. Personen ab diesem
Alter besitzen in Niedersachsen bspw. das Kommunalwahlrecht. Es ist davon auszugehen, dass Personen ab
diesem Alter selbstständig entscheiden können, ob sie an einer Dunkelfeldbefragung teilnehmen möchten oder
nicht. Bei jüngeren Personen wäre es in jedem Fall notwendig gewesen, die Erlaubnis der Eltern zur Befragungsteilnahme einzuholen.

19

werden, wie dies auch in anderen Umfragen der Fall ist (z.B. ALLBUS2). In einem ersten
Schritt werden dabei per Zufall Gemeinden ausgewählt; in einem zweiten Schritt erfolgt die
Zufallsauswahl der zu befragenden Personen in diesen Gemeinden. Der erste Schritt, die
Auswahl der Gemeinden, erfolgte durch das GESIS Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Dabei wurde die Aufteilung von Niedersachsen in vier statistische Regionen berücksichtigt
(Braunschweig, Hannover, Lüneburg, Weser-Ems). Innerhalb der statistischen Regionen wurden Gemeinden entsprechend der Verteilung in der Grundgesamtheit aller Gemeinden zufällig
ausgewählt. Insgesamt wurden auf diesem Weg 73 Gemeinden (von 420 niedersächsischen
(Samt-)Gemeinden) bestimmt. Die Einwohnermeldeämter dieser Gemeinden wurden mit der
Bitte angeschrieben, eine Zufallsziehung von dort gemeldeten Einwohnern durchzuführen und
die Adressdaten zu übermitteln; die anvisierte Stichprobengröße lag zwischen 140 und 700
Personen je nach Größe der Gemeinde. Fünf Gemeinden waren nicht bereit, eine Stichprobe
zu ziehen und die Adressdaten zu übermitteln. Für diese wurden Nachrückergemeinden mit
vergleichbaren Eigenschaften (Einwohnerzahl, Lage in statistischer Region) bestimmt. Für die
Befragung lagen letztlich 10.000 Adressen vor.
Um eine möglichst hohe Rücklaufquote zu diesen 10.000 ausgewählten Personen zu erzielen,
wurde sich an der Total-Design bzw. Tailored-Design-Method von Dilman (2000) orientiert.
Diese schlägt folgende Vorgehensweise vor:
1. Die Befragungsteilnehmer erhalten zunächst ein Ankündigungsschreiben über die anstehende Befragung. Dieses Schreiben ist personalisiert. Vorgeschlagen wird, dass das
Schreiben von einer vertrauenswürdigen Organisation versendet wird, bestenfalls einer
Universität. Da das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen kein universitäres Forschungsinstitut ist, war der Vermerk eines entsprechenden Absenders nicht
möglich. Aufgrund der existierenden Kooperationsvereinbarung mit der Universität
Göttingen konnte im Anschreiben aber darauf Bezug genommen werden. Empfohlen
wird darüber hinaus, die Anschreiben persönlich zu unterschreiben. Methodenexperimente konnten allerdings belegen, dass dies nicht notwendig ist (Reuband 2001,
McKenzie-McHarg et al. 2005), weshalb in der niedersachsenweiten Erwachsenenbefragung darauf verzichtet wurde. Der Versand des Ankündigungsschreibens erfolgte
am 20.1.2014.
2. Etwa eine Woche nach dem Versenden des Ankündigungsschreibens sollte der Fragebogen verschickt werden. Tatsächlich wurde dieser am 3.2.2014 versendet. Neben
dem Fragebogen erhielt der Brief a) ein einseitiges Schreiben, b) einen an das Institut
adressierten, frankierten Rückumschlag und c) einen 5-Euro-Schein als Anreiz (s.u.).
In der Dilman-Methode wird vorgeschlagen, dass der Fragebogen einen überschaubaren Umfang hat, einfach zu verstehen ist und ein ansprechendes Design aufweist. Dies
wurde versucht, umzusetzen. Der Fragebogen war 20 Seiten lang, die Fragen waren
deutlich entlang von inhaltlichen Themenblöcken gegliedert, die erste Seite enthielt
ein Abbild der Umrisse Niedersachsens. Das einseitige Schreiben war erneut personalisiert und enthielt eine kurze Erinnerung an das Ankündigungsschreiben; zudem wurde auf die Wichtigkeit des Projekts sowie auf die Vertraulichkeit und Anonymisierung
hingewiesen. In Bezug auf den Rückumschlag wird von Dilman (2000) empfohlen,
2

ALLBUS ist die Abkürzung für Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften. Es handelt sich
um eine deutschlandweit repräsentative Befragung zu unterschiedlichen sozialwissenschaftlich relevanten Themen, die im Zwei-Jahres-Abstand durchgeführt wird. Die Stichprobengröße beträgt jeweils ca. 3.000 Personen.

20

echte Briefmarken statt des Aufdrucks „Gebühr bezahlt Empfänger“ zu nutzen. Auch
diesbezüglich konnten Studien belegen, dass der damit einhergehende Mehraufwand
nicht notwendig im Sinne der Erhöhung des Rücklaufs ist (Reuband 2001, Lavelle et
al. 2008), weshalb darauf verzichtet wurde. Die Dilman-Methode schlägt darüber hinaus vor, dass dem Brief mit dem Fragebogen eine weitere Postkarte beigelegt wird, die
der Befragte separat zurückschicken soll. Die Postkarte ist mit der Adresse des Befragten im Absender-Teil versehen. Der Befragte bekundet mit dem Versand der Postkarte
sein Interesse daran, Informationen zu Auswertungen der Befragung zu erhalten; die
Forscher erhalten daneben einen Überblick, welche Befragten bereits geantwortet haben und müssen bei Erinnerungsaktionen diese Personen nicht noch einmal anschreiben. In der niedersachsenweiten Befragung wurde auf die Verwendung einer solchen
Postkarte jedoch aus zwei Gründen verzichtet: Erstens könnte vom Befragten irrtümlich doch davon ausgegangen werden, dass Fragebogen und Postkarte miteinander
verbunden werden, was De-Anonymisierungsängste auslösen könnte. Zweitens enthielt der Brief bereits vier Posten (Fragebogen, Anschreiben, Rückumschlag, 5-EuroNote); ein weiteres Dokument hätte die Komplexität der Befragung weiter erhöht, was
für manche Befragungsteilnehmer möglicherweise abschreckend gewirkt hätte.
3. Wiederum ca. eine Woche nach Versenden des Fragebogens soll entsprechend Dilman
(2000) eine Dankes-Postkarte an alle Personen der Stichprobe versendet werden. Diese Dankes-Karte ist zugleich eine Erinnerung für jene Befragten, die bis dato nicht geantwortet haben. Wiederum ein bis zwei Wochen später soll eine zweite Erinnerung
erfolgen. Dabei wird vorgeschlagen, dass diese zweite Erinnerung zugleich noch einmal alle Befragungsmaterialien (inkl. Anreize) enthält. Dies ist aber nur dann möglich,
wenn bekannt ist, welche Personen bis zur Versendung der zweiten Erinnerung bereits
geantwortet haben. An alle Befragten noch einmal alle Materialien zu verschicken,
würde einerseits sehr hohe Kosten verursachen; andererseits wäre dies eine Fehlerquelle, weil Personen, die bereits geantwortet haben, sich aufgefordert fühlen könnten,
den Fragebogen ein zweites Mal auszufüllen. Dann würden für einen Teil der Befragten zwei ausgefüllte Fragebögen in die Auswertungen eingehen. Es wurde deshalb nur
ein einseitiges Erinnerungs- bzw. Dankesschreiben versendet. Verschickt wurde dieses
am 19.2.2014.
Um die Befragten zur Teilnahme zu motivieren, wurde, wie erwähnt, mit einem finanziellen
Anreiz von 5 Euro gearbeitet. Dieser Anreiz war dem Brief, in dem auch der Fragebogen zugestellt wurde, beigelegt. Insofern handelt es sich um einen unkonditionalen Anreiz: Die Befragten erhielten die 5 Euro also auch dann, wenn sie sich nicht an der Befragung beteiligten.
Die bisherige Forschung unterstreicht, dass derartige finanzielle Anreize sehr wirksam sind,
d.h. die Rücklaufquote deutlich erhöhen (Edwards et al. 2002). Andere Anreize wie z.B. der
Einsatz von Lotterielosen sind dagegen wirkungslos (Harris et al. 2008). Wichtig hinsichtlich
der Wirkung ist, den Anreiz unkonditional zu verteilen; wird er nur in Aussicht gestellt und
erst dann ausgezahlt, wenn der Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt wird, steigert dies die
Rücklaufquote kaum (Church 1993). Auch die Höhe scheint eher keine Rolle zu spielen: Die
Rücklaufquote bei Einsatz von 10 Euro fällt nicht höher aus als bei Einsatz von 5 Euro
(Fick/Diehl 2013).

21

In Deutschland wurde der Einsatz eines monetären Anreizes bereits im Rahmen einer kriminologischen Studie getestet und dessen Wirkung bestätigt, weshalb davon ausgegangen werden konnte, dass er sich auch im Rahmen einer niedersachsenweiten Dunkelfeldbefragung
bewährt. Hierbei handelt es sich um die Studie von Mehlkop und Becker (2007). Die Autoren
haben in einer Vorstudie die Rücklaufquote bei einer Gruppe von 99 Personen untersucht, die
ein Geldgeschenk (5 Euro) erhielten und bei einer Gruppe, der das Geld vorenthalten wurde
(100 Personen). Während in der ersten Gruppe 51,5 % der Stichprobenteilnehmer antworteten, waren es in der zweiten Gruppe nur 28,0 %, d.h. die Rücklaufquote hat sich durch das
Geldgeschenk fast verdoppelt. Diese Steigerung der Rücklaufquote konnte bei Männern wie
bei Frauen beobachtet werden. Da die Autoren auf Erinnerungsschreiben verzichteten, folgern
sie, dass im günstigsten Falle für eine schriftliche Befragung eine Rücklaufquote von 75 %
erwartet werden könnte. In der Hauptbefragung, in der neben dem 5-Euro-Anreiz mit einer
zusätzlichen Erinnerungsaktion gearbeitet wurde, wurde letztlich eine Rücklaufquote von
64,9 % erzielt (Mehlkop 2011, S. 152). Anzunehmen ist, dass der 5-Euro-Anreiz insbesondere
jene Personen zur Teilnahme motiviert, die selbst wenig Erfahrungen mit Kriminalität (z.B.
Opfererfahrungen) besitzen. Diese Personen dürften ein geringeres Interesse an der Befragung
aufweisen als bspw. Kriminalitätsopfer, die ihre Erlebnisse gern mitteilen möchten. Eine Entschädigung dafür zu erhalten, einen Fragebogen auszufüllen, der in Teilen nicht auf die eigene
Lebenssituation passt, dürfte also gerade für die Nicht-Opfer motivierend sein. Deren Teilnahme an der Befragung ist aber ebenso wichtig wie die Teilnahme der Opfer, da nur bei
gleichhäufiger Teilnahme beider Gruppen verlässliche Prävalenzdaten ermittelt werden können.
Da der Einsatz des 5-Euro-Anreizes folgenreich für eventuelle Wiederholungsbefragungen ist,
in der diese Anreize erneut eingesetzt werden müssten, sollte das geplante Projekt gleichfalls
dazu genutzt werden, den Nutzen dieses Anreizes erneut auf den Prüfstand zu stellen. In einer
Zusatzstichprobe von 400 Personen sollte daher auf die Vergabe des Anreizes verzichtet werden. Im Vergleich mit der Hauptbefragung kann damit empirisch aufgezeigt werden, ob sich
die Rücklaufquote wie die Stichprobenzusammensetzung der Zusatzstichprobe unterscheiden.
Sollte sich entgegen den bisher national wie international erarbeiteten Befunden zeigen, dass
in Niedersachsen die Vergabe eines Anreizes keine Auswirkungen auf den Rücklauf hat,
könnte bei zukünftigen Befragungen darauf verzichtet werden.

2.2. Rücklauf und Stichprobenbeschreibung
An die 10.000 Personen der Hauptstichprobe wie an die 400 Personen der Zusatzstichprobe,
in der auf den Anreiz von 5 Euro verzichtet wurde, wurde am 3.2.2014 der Fragebogen verschickt. Die ersten ausgefüllten Fragebögen gingen am 5.2.2014 ein. Der weitere Rücklauf
differenziert nach Kalenderwochen ist am Beispiel der Hauptstichprobe in Abbildung 5 dargestellt. Bereits in der ersten Woche kamen 708 bzw. 12,1 % aller letztlich zurückgesendeten
Fragebögen im Institut an. Etwas über die Hälfte der Fragebögen (51,0 %) ging in der zweiten
Woche ein. Der Rücklauf in Woche drei und vier ist ähnlich hoch, wohl auch deshalb, weil
zum Ende der dritten Woche das Erinnerungsschreiben verschickt wurde (19.2.2014). In den
darauf folgenden Wochen geht der Rücklauf deutlich zurück. Insgesamt kamen im Laufe der
ersten vier Wochen 91,0 % der ausgefüllten Fragebögen an.
22

Abbildung 5: Rücklauf der Hauptstichprobe
3500

80,0
2994

70,0

3000

60,0

2000

40,0

in %

50,0

51,0

Anzahl

2500

1500
30,0
930
20,0
306

3.2. bis
7.2.

10.2. bis 17.2. bis 24.2. bis
14.2.
21.2.
28.2.

3.3. bis
7.3.

Anzahl Fragebögen

74

1,3

0

42

0,7

10,0
104

1,8

5,2

12,1

500

708
15,9

708

12,1

1000

0,0

10.3. bis 17.3. bis 24.3. bis
14.3.
21.3.
6.5.
in %

Von den 10.000 Personen der Hauptstichprobe standen 620 nicht für eine Befragung zur Verfügung, im Wesentlichen deshalb, weil sie bereits verzogen waren und insofern die Adressdaten der Einwohnermeldeämter nicht mehr aktuell waren. Bei einem Umzug handelt es sich um
ein Ereignis, das weitestgehend unabhängig von verschiedenen Merkmalen (wie z.B. dem
Geschlecht) ist, weshalb die Ausfälle als stichprobenneutral gewertet werden. Weitere Personen waren zum Zeitpunkt der Befragung verstorben, hatten eine Erkrankung, die eine Teilnahme nicht möglich machte u.a.m.; auch diese werden als stichprobeneutrale Ausfälle eingestuft. Letztlich umfasst die Hauptstichprobe damit 9.380 potenziell befragbare Personen, von
denen sich 5.866 an der Befragung beteiligten, was einer Rücklaufquote von 62,5 % entspricht (Tabelle 2). Diese fällt, was die Ergebnisse bisheriger Studien bestätigt, doppelt so
hoch aus wie die Rücklaufquote der Befragung, die ohne den Anreiz von 5 Euro durchgeführt
wurde (31,0 %).
Tabelle 2: Rücklauf nach Stichprobe

Bruttostichprobe
stichprobenneutrale Ausfälle (z.B. verzogen, verstorben, erkrankt)

Hauptstichprobe Zusatzstichprobe
(mit 5 Euro
ohne 5 Euro
Anreiz)
Anreiz
10.000
400
620

22

bereinigte Bruttostichprobe

9.380

378

Anzahl Befragte

5.866

117

Rücklaufquote in %

62,5

31,0

Die Adressdaten wurden von den Einwohnermeldeämtern zur Verfügung gestellt. Zusätzlich
wurden die Einwohnermeldeämter gebeten, das Geschlecht, das Alter und die Staatsangehörigkeit zu übermitteln, um die Qualität der realisierten Stichprobe einschätzen zu können.
Hinsichtlich der Variablen Geschlecht und Alter wurde dieser Bitte von allen Einwohnermel23

deämtern nachgekommen, hinsichtlich der Staatsangehörigkeit nicht. Hier wurden u.a. datenschutzrechtliche Bedenken geäußert. Aus diesem Grund kann nachfolgend nur ein Vergleich
der Geschlechts- und Alterszusammensetzung erfolgen. Tabelle 3 präsentiert die Ergebnisse
des Vergleichs. In der Hauptstichprobe hatten 49,5 % der für die Befragung ausgewählten
9.380 Personen ein männliches Geschlecht; bei den letztlich erreichten Personen sind es mit
48,1 % etwas weniger. In der Zusatzstichprobe ohne Anreiz verhält es sich umgekehrt, d.h.
hier ist der Anteil männlicher Personen unter den Teilnehmern höher als unter den ausgewählten Personen. In den Stichproben weichen die Anteile aber nur gering voneinander ab, so dass
davon ausgegangen werden kann, dass die befragten Personen hinsichtlich der Geschlechtszusammensetzung den ausgewählten Personen entsprechen. Dies ist hinsichtlich des Alters nicht
in beiden Stichproben der Fall. In der Hauptstichprobe sind die Anteile der verschiedenen
Altersgruppen noch recht ähnlich. In der Zusatzstichprobe ohne Anreiz ergeben sich aber z.T.
erhebliche Differenzen: Die 21- bis 30jährigen haben sich hier deutlich seltener an der Befragung beteiligt (14,8 zu 6,0 %); die 51- bis 60jährigen wie auch die 61- bis 70jährigen haben
sich dagegen häufiger beteiligt. Die älteste Altersgruppe der ab 81jährigen wurde dagegen
wiederum deutlich schlechter erreicht. Es kann damit gefolgert werden, dass Befragungen
ohne Anreize bei jüngeren und bei alten Personen zu einem geringeren Rücklauf führen.
Tabelle 3: Vergleich der Geschlechts- und Alterszusammensetzung von Brutto- und Nettostichprobe
Hauptstichprobe (mit 5 Euro Anreiz)
Zusatzstichprobe ohne 5 Euro Anreiz
ausgewählte Personen befragte Personen ausgewählte Personen befragte Personen
N

9.380

5.866

378

117

Männlich (in %)

49,5

48,1

48,1

48,7

16 bis 20 (in %)

6,8

6,4

6,9

6,0

21 bis 30 (in %)

13,3

11,4

14,8

6,0

31 bis 40 (in %)

13,1

12,5

13,5

13,7

41 bis 50 (in %)

19,7

20,1

17,2

17,1

51 bis 60 (in %)

17,6

19,2

15,6

23,1

61 bis 70 (in %)

12,5

14,9

13,8

19,7

71 bis 80 (in %)

11,7

12,0

14,0

13,7

ab 81 (in %)

5,1

3,5

4,2

0,9

Grundsätzlich angestrebt wurde eine für die Bevölkerung Niedersachsens repräsentative Befragung. Aufgrund des zufälligen Auswahlverfahrens ist dies auch gewährleistet. Inwieweit
die Stichproben mit der Verteilung zentraler demografischer Merkmale Niedersachsens übereinstimmen, kann mit einem Vergleich mit den Daten des Mikrozensus 2011 (und dessen
Fortschreibung zum 31.12.2013) eingeschätzt werden. In Tabelle 4 sind noch einmal die Geschlechts- und Altersverteilung dargestellt. In Niedersachsen haben 48,7 % der ab 16jährigen
Einwohner ein männliches Geschlecht. An der Hauptbefragung haben sich etwas weniger
Männer beteiligt. Beim Alter zeigt sich, dass auch in der Hauptstichprobe weniger 21- bis
30jährige und ab 81jährige vertreten sind, als dies für Niedersachsen insgesamt der Fall ist.
Die Abweichungen in der Zusatzstichprobe ohne Einsatz des Anreizes sind aber deutlich höher. Ebenfalls aufgeführt ist die Verteilung über die statistischen Regionen Niedersachsens.
Hier weist die Hauptstichprobe größere Abweichung zu Niedersachsen auf. Dies ist aber kein
Resultat einer differenziellen Teilnahmebereitschaft, sondern ein Resultat der Stichprobenziehung. Diese war so angelegt, dass aus allen vier Regionen jeweils ein Viertel der Befragten
24

kommen. Die Differenzen zu diesem 25-%-Anteil fallen dann eher gering aus. In der Region
Weser-Ems lag die Teilnahmebereitschaft etwas höher, in den anderen drei Regionen etwas
niedriger. In der Zusatzstichprobe, in der kein Anreiz zum Einsatz kam, die aber nach demselben Verfahren wie die Hauptstichprobe bestimmt wurde, sind die Abweichungen zum 25%-Anteil weit größer. Insofern bildet diese Stichprobe auch die regionale Verteilung schlechter ab als die Hauptstichprobe. Zusammenfassend kann damit gefolgert werden, dass die
Hauptstichprobe Niedersachsen gut repräsentiert, und vor allem deutlich besser, als dies für
die Zusatzstichprobe ohne Anreize gilt.3
Tabelle 4: Vergleich der Stichproben mit Niedersachsen (Quelle: Mikrozensus 2011; Fortschreibung zum
31.12.2013)
Niedersachsen
Hauptstichprobe
Zusatzstichprobe
(ab 16jährige
(mit 5 Euro Anreiz)
ohne 5 Euro Anreiz
Bevölkerung)
in %
in %
Differenz
in %
Differenz
N
Geschlecht

Altersgruppe

stat. Region

6.654.414

5.866

-

117

-

männlich

48,7

48,1

-0,6

48,7

0,0

16 bis 20

6,5

6,4

-0,1

6,0

-0,5

21 bis 30

13,4

11,4

-2,0

6,0

-7,4

31 bis 40

13,1

12,5

-0,6

13,7

0,6

41 bis 50

19,1

20,1

1,0

17,1

-2,0

51 bis 60

17,3

19,2

1,9

23,1

5,8

61 bis 70

12,9

14,9

2,0

19,7

6,8

71 bis 80

12,1

12,0

-0,1

13,7

1,6

ab 81

5,7

3,5

-2,2

0,9

-4,8

Braunschweig

20,5

24,9

4,4

21,4

0,9

Hannover

27,1

24,7

-2,4

19,7

-7,4

Lüneburg

21,3

24,6

3,3

28,2

6,9

Weser-Ems

31,1

25,8

-5,3

30,8

-0,3

Um auf Basis der Hauptstichprobe Aussagen über Niedersachsen treffen zu können, ist es
notwendig, die durch die Stichprobenziehung bedingte Gleichverteilung der statistischen Regionen an die tatsächlichen Verhältnisse anzupassen. Dies wird durch eine Designgewichtung
ermöglicht. Das Designgewicht ergibt sich aus dem Quotienten des Anteils einer Region an
allen Einwohnern Niedersachsens zum Anteil in der Stichprobe. Ein Befragter aus der Region
Braunschweig würde dementsprechend ein Gewicht von 0,82 erhalten (20,5 / 24,9). Werden
die Designgewichte für alle Regionen berechnet und bei der Datenauswertung berücksichtigt,
entspricht die Verteilung der Regionen in der Stichprobe der Verteilung in Niedersachsen.
Zusätzlich zur Designgewichtung wird auch eine Anpassungsgewichtung vorgenommen. Diese gleicht die eher geringen Diskrepanzen zwischen der Hauptstichprobe und der niedersächsischen Bevölkerung hinsichtlich der Merkmale Geschlecht und Alter aus. Dabei wurden beide Merkmale kombiniert berücksichtigt, d.h. es wurden die Diskrepanzen zwischen der Stichprobe und Niedersachsen in Bezug auf männliche 16- bis 20jährige, weibliche 16- bis
20jährige, männliche 21- bis 30jährige usw. berechnet. Durch diese Anpassungsgewichtung
entspricht die Alters- und Geschlechtsverteilung in der Hauptstichprobe der Verteilung in
3

Die Zusatzstichprobe wird 4 und 5 dieses Berichts noch einmal zum Vergleich mit der Hauptstichprobe herangezogen. Ansonsten beziehen sich alle Auswertungen dieses Berichts auf die Hauptstichprobe.

25

Niedersachsen. Problematisch ist dabei allerdings, dass nicht zu allen Befragten Angaben zum
Alter und zum Geschlecht vorliegen. Insgesamt 155 Befragte haben entweder nicht ihr Alter
oder ihr Geschlecht (oder beides) angegeben. Die Gewichtung der Daten, die sowohl das Design- als auch das Anpassungsgewicht beinhaltet4, kann daher nur für 5.711 Befragte vorgenommen werden. Allen nachfolgend vorgestellten Auswertungen, die auf gewichteten Daten
beruhen, liegt damit eine auf diese Fallzahl reduzierte Stichprobe zugrunde.
Die gewichtete Hauptstichprobe kann wie folgt beschrieben werden5:
- Geschlecht: 51,8 % der Befragten sind weiblich, 48,2 % männlich.
- Alter: Das Durchschnittsalter beträgt 49,8 Jahre (Minimum: 16 Jahre, Maximum: 97
Jahre).
- Stadt-Land: 42,5 % der Befragten leben in einer eher ländlichen Region (unter 20.000
Einwohner), 42,8 % in einer städtischen Region (unter 100.000 Einwohner), 14,7 % in
einer großstädtischen Region (ab 100.000 Einwohner).
- Herkunft: 86,0 % der Befragten haben eine deutsche Herkunft, 14,0 % haben einen
Migrationshintergrund. 6 Zur Bestimmung des Migrationshintergrunds wurde erfragt,
wo die Befragten geboren wurden, welche Staatsangehörigkeit sie haben und ob mindestens eines der leiblichen Elternteile einen Migrationshintergrund aufweist.7 Wenn
bei einer der insgesamt drei Fragen Hinweise auf eine andere als die deutsche Herkunft zu finden waren, wurde ein Befragter als Migrant eingestuft.8 Der Migrantenanteil in der Stichprobe liegt mit 14,0 % etwas niedriger als der Migrantenanteil in Niedersachsen, der in der öffentlichen Statistik ausgewiesen wird (Zensus 2011: 16,7 %).
Die größte Migrantengruppe wird durch Befragte aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion gestellt (5,3 %), wobei diese etwas häufiger in der Stichprobe vertreten sind
als in Niedersachsen insgesamt (37,6 % aller Migranten in der Stichprobe, 27,4 % aller Migranten in Niedersachsen; vgl. Rohrschneider/Zufall 2014). Die zweitgrößte
Gruppe bilden polnische Befragte (2,1 % aller Befragten bzw. 15,2 % aller Migranten
der Stichprobe; in Niedersachsen: 15,6 % aller Migranten); die drittgrößte Gruppe bilden nord- bzw. westeuropäische Migranten9 (1,4 % aller Befragten bzw. 10,4 % aller

4

Die Berücksichtigung beider Gewichtungen wird technisch durch die Multiplikation von Design- und Anpassungsgewicht ermöglicht.
5
In anderen Veröffentlichungen zur Stichprobe (Baier 2015, Ellrich/Baier 2015) werden leicht abweichende
Zahlen berichtet, was darauf zurückzuführen ist, dass dort ungewichtete Auswertungen vorgestellt werden.
6
In der Zusatzstichprobe, in der auf den Einsatz des finanziellen Anreizes verzichtet wurde, haben nur 9,4 % der
Befragten einen Migrationshintergrund. Anreize scheinen dementsprechend Personen mit Migrationshintergrund
stärker zur Teilnahme zu motivieren.
7
Der genaue Wortlaut im Fragebogen bzgl. der Eltern lautete: „Hat mindestens eines Ihrer leiblichen Elternteile
einen Migrationshintergrund, d.h. er oder sie wurde nicht in Deutschland geboren bzw. hat eine andere als die
deutsche Staatsangehörigkeit?“
8
Um die konkrete Herkunft eines Befragten zu bestimmen, wurde zuerst die Antwort zur eigenen Staatsangehörigkeit herangezogen. War diese türkisch, so wurde ein Befragter als türkisch eingestuft usw. Wenn keine Antwort zur eigenen Staatsangehörigkeit vorlag bzw. wenn hier eine deutsche Staatsangehörigkeit berichtet wurde,
wurde die Antwort zum Geburtsland hinsichtlich der Identifikation eines eventuellen Migrationshintergrunds
herangezogen. Wenn auch hier keine Antwort vorlag bzw. Deutschland berichtet wurde, wurde schließlich die
Antwort zum Migrationshintergrund der Eltern berücksichtigt.
9
Zu dieser Gruppe wurden Befragte aus folgenden Ländern zusammengefasst (Aufzählung erfolgt absteigend
entsprechend der Häufigkeit des Vorkommens): Niederlande, Großbritannien, Österreich, Schweden, Frankreich,
Schweiz, Dänemark, Norwegen, Schottland, Finnland, Belgien.

26

-

-

-

Migranten in der Stichprobe10), die viertgrößte Gruppe türkische Befragte (1,4 % aller
Befragten bzw. 9,7 % der Migranten der Stichprobe; in Niedersachsen: 14,5 % aller
Migranten).
Bildungsabschluss: 31,8 % der Befragten haben einen niedrigen Bildungsabschluss
(keinen bzw. Hauptschul-Abschluss), 33,0 % einen mittleren, d.h. RealschulAbschluss und 35,2 % einen hohen Abschluss (Fachabitur bzw. Abitur).11
Sozialhilfebezug: 7,0 % der Befragten berichten davon, dass sie selbst bzw. eine andere Person im Haushalt Sozialhilfe, Sozialgeld oder Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV) erhalten.
Erwerbsstatus: Etwas mehr als ein Drittel der Befragten (36,8 %) ist Vollzeit erwerbstätig, weitere 10,9 % Teilzeit erwerbstätig. 26,5 % gaben an, in Rente bzw. Vorruhestand zu sein, 7,1 % sind Schüler bzw. Studenten. Bei 4,1 % handelt es sich um geringfügig beschäftigte Befragte, bei 4,0 % um Hausfrauen bzw. –männer. 3,2 % befinden sich aktuell in einer beruflichen Ausbildung/Lehre, 2,6 % sind arbeitslos. 4,7 %
berichteten einen sonstigen Status. Die Arbeitslosenquote liegt deutlich niedriger als
die offizielle Quote für Niedersachsen, die 2014 bei 6,5 % lag.

Aus den Angaben zum Sozialhilfebezug und zur Arbeitslosigkeit wurde eine weitere Variable
berechnet, die angibt, ob ein Befragtenhaushalt abhängig von staatlichen Transferleistungen
ist. Dies ist dann der Fall, wenn ein Haushaltsmitglied Sozialhilfe usw. erhält oder wenn der
Befragte aktuell arbeitslos ist. Von allen Befragten sind 8,0 % in dieser Form abhängig von
staatlichen Transferleistungen.
In Tabelle 5 sind die verschiedenen sozio-demografischen Indikatoren für die einzelnen ethnischen Gruppen dargestellt. Zu beachten ist, dass bei den Befragten mit türkischem und nord/westeuropäischem Hintergrund weniger als 100 Befragte für die Auswertungen zur Verfügung stehen, die Angaben also einer größeren Unsicherheit unterliegen. Der Anteil männlicher Befragter unterscheidet sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Für die anderen
Merkmale ist dies hingegen durchweg der Fall. Das geringste Durchschnittsalter weisen türkische Befragte auf, das älteste deutsche Befragte. Türkische Befragte sind am häufigsten in
großstädtischen Regionen wohnhaft wie sie auch am häufigsten berichten, einen niedrigen
Bildungsabschluss zu haben. Der Unterschied zu den deutschen Befragten fällt hier allerdings
gering aus, was zu der Vermutung Anlass gibt, dass sich bei den türkischen Migranten bzw.
bei den Migranten allgemein eher höher gebildete Befragte an einer postalischen Befragung
beteiligen.

10

Der Anteil nord- bzw. westeuropäischer Personen mit Migrationshintergrund wird bei Rohrschneider und
Zufall (2014) nicht ausgewiesen, weshalb zu dieser Gruppe kein Vergleich mit Niedersachsen erfolgen kann.
11
In der Stichprobe ohne finanzielle Anreize haben sich mehr Befragte mit hoher Bildung an der Befragung
beteiligt (niedrig: 30,7 %, mittel: 31,6 %, hoch: 37,7 %).

27

Tabelle 5: Sozio-demografische Zusammensetzung nach ethnischer Gruppe (in %)
Anteil
Anteil wohn- Anteil nied- abhängig
Anteil dt.
Anteil
DurchAnteil
haft in großriger Bil- von staatliStaatsmännliche schnittsin Dt.
städtischer
dungschen
angehörigBefragte
alter
geboren
Region
abschluss
Transferkeit
leistungen
deutsch
48,3
50.84
13,6
33,3
6,7
ehem. SU

48,0

42.73

14,7

17,0

14,0

10,0

91,6

Polen

50,4

47.63

28,1

24,3

14,8

28,1

89,2

Nord-/Westeuropa

49,4

48.13

9,8

19,7

10,8

57,3

59,8

Türkei

48,7

40.40

33,8

39,2

24,7

30,8

61,8

andere

46,8

41.37

26,3

23,8

19,4

50,0

75,1

fett: Unterschiede signifikant bei p < .05

Der Anteil an Befragten, die abhängig von staatlichen Transferleistungen sind, fällt mit
24,7 % ebenfalls am höchsten bei den türkischen Befragten aus; bei Deutschen beträgt die
Quote nur 6,7 %. Die beiden zusätzlich in Tabelle 5 abgebildeten Indikatoren lassen sich nur
für die Migrantengruppen bestimmen, da deutsche Befragte alle in Deutschland geboren sind
und alle eine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Migranten aus Ländern der ehemaligen
Sowjetunion sind am seltensten in Deutschland geboren (10,0 %), verfügen gleichzeitig aber
am häufigsten über die deutsche Staatsangehörigkeit (91,6 %). Erklärung hierfür ist, dass ein
Großteil der Personen dieser Gruppe Aussiedler sind, die in den 1990er Jahren nach Deutschland einwanderten, insofern sie sich auf ihre deutsche Herkunft beziehen konnten, die zugleich den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit ermöglichte. Mehr als die Hälfte der
nord-/westeuropäischen Befragten sind in Deutschland geboren (57,3 %); diese Befragten
verfügen am seltensten von allen Migrantengruppen über die deutsche Staatsangehörigkeit
(61,8 %).

Exkurs: Niedersachsenweite Schülerbefragung 2013
Die durchgeführte niedersachsenweite Erwachsenenbefragung beansprucht Repräsentativität
für die ab 16jährige Wohnbevölkerung. Wie die Auswertungen zur Polizeilichen Kriminalstatistik gezeigt haben, ist aber auch die jüngere Bevölkerung der Jugendlichen häufig Opfer
bzw. Täter krimineller Verhaltensweisen. Für diese Altersgruppe gibt es in Deutschland bereits seit einiger Zeit Dunkelfeldforschung. Hervorzuheben ist hier eine in den Jahren 2007
und 2008 durchgeführte, deutschlandweit repräsentative Befragung (vgl. Baier et al. 2009a,
Baier et al. 2010a). In Niedersachsen führt das Kriminologische Forschungsinstitut ebenfalls
repräsentative Schülerbefragungen durch. Zunächst waren diese auf einzelne Städte oder
Landkreise beschränkt. Seit 2013 erfolgt im Zwei-Jahres-Abstand aber eine für das gesamte
Bundesland repräsentative Befragung der Schüler der neunten Jahrgangsstufe. Jugendliche
dieser Jahrgangsstufe stehen deshalb im Mittelpunkt, weil sich zu dieser Altersgruppe recht
ökonomisch eine Studie mit hoher Befragtenanzahl durchführen lässt, insofern weitestgehend
alle Jugendlichen der zugehörigen Kohorte die Schule besuchen. Nach der neunten Klasse
verlässt ein nicht unwesentlicher Anteil die Schule und müsste über andere Wege kontaktiert
und befragt werden. Bei den nachfolgenden Auswertungen werden parallel zu den Ergebnissen der Erwachsenenbefragung auch Ergebnisse der Schülerbefragung 2013 vorgestellt.
28

Anvisiert war bei der Schülerbefragung 2013, ca. 10.000 Schüler der neunten Jahrgangsstufe
zu erreichen (Grundgesamtheit Schuljahr 2012/2013: 90.852 Schüler). Dabei sollten alle
Schulformen mit Ausnahme der Förderschulen mit einem anderen Schwerpunkt als dem
Schwerpunkt Lernen (z.B. geistige oder körperliche Behinderung) berücksichtigt werden. Um
10.000 Schüler zu befragen, ist eine Stichprobe von ca. 460 Schulklassen nötig. Da aus früheren Befragungen bekannt war, dass etwa drei von zehn angesprochenen Klassen nicht an der
Befragung teilnehmen, wurde die Anzahl an einzubeziehenden Klassen aufgestockt.
Die Befragung selbst wurde im Klassenverband durch einen geschulten Testleiter und meist
in Gegenwart einer Lehrkraft oder einer anderen erwachsenen Aufsichtsperson durchgeführt.
Die Eltern der Schüler wurden über ein einseitiges Informationsschreiben, dass einige Tage
vor der Befragung verteilt wurde, über die anstehende Befragung informiert und mussten der
Befragung ihres Kindes zustimmen. In der Klasse stellten sich zu Beginn der Befragung die
Testleiter den Schülern kurz vor und teilten die Fragebögen aus. Danach lasen die Testleiter
die erste Seite des Fragebogens vor, auf der sich u.a. Hinweise zur Anonymität und zur Freiwilligkeit der Befragung befanden. Im Folgenden wurde der Fragebogen bis zur Seite 6 (d.h.
bis zu den ersten sensiblen Fragen zum Thema Viktimisierung) gemeinsam bearbeitet, d.h. die
Testleiter lasen die Fragen und die entsprechenden Antworten vor und gaben gegebenenfalls
weitere Anweisungen oder Erläuterungen. Ab Seite 6 konnten die Schüler für sich allein den
insgesamt 34 Seiten umfassenden Fragebogen ausfüllen. Von diesem Vorgehen wurden nur in
den Förderschulen abgewichen, insofern hier alle Seiten des 21-seitigen Fragebogens auf Folie aufgelegt und vorgelesen wurden, um es auch leseschwachen Schülern zu ermöglichen, der
Befragung zu folgen. Im Durchschnitt dauerte die Befragungen 92 Minuten. Am Ende der
Befragung wurden die Fragebögen eingesammelt und in einem Briefumschlag verschlossen
und versiegelt. Die Befragungen erfolgten im Zeitraum vom 7.1.2013 bis zum 5.5.2013.
Insgesamt wurden 639 Klassen in die Stichprobe einbezogen (vgl. Tabelle 6). Für jede Schulform konnte entsprechend des Anteils in der Grundgesamtheit ausgehend von den 639 Klassen berechnet werden, wie viele Klassen in der Stichprobe vertreten sein mussten. Auf diesem
Weg ergibt sich dann bspw. die Anzahl von 45 Förderschul- oder 61 Hauptschulklassen. Dass
die Zufallsziehung von Klassen geschichtet nach Schulformen erfolgt, ist deshalb notwendig,
weil die durchschnittliche Klassengröße deutlich zwischen den Schulformen variiert: In Förderschulklassen werden durchschnittlich 11 Schüler, in Gymnasialklassen hingegen 26 Schüler unterrichtet. Würde die Zufallsziehung von Klassen ungeschichtet erfolgen, hätte ein Förderschüler damit eine etwa zweimal so hohe Wahrscheinlichkeit, in die Stichprobe gezogen
zu werden, weil es bezogen auf die insgesamt wenigen Förderschüler anteilsmäßig zu viele
Förderschulklassen gibt.
Innerhalb der insgesamt sieben verschiedenen Schulformen erfolgte eine Zufallsziehung von
Schulklassen. Die Informationen über die Klassen- und Schüleranzahl wurden vom Landesamt für Statistik Niedersachsen geliefert. Einbezogen in die Zufallsziehung wurden sowohl
Schulen in öffentlicher als auch Schulen in freier Trägerschaft.
Tabelle 6 zeigt, dass von den insgesamt 639 ausgewählten Klassen 154 und damit 24,1 %
nicht teilgenommen haben, 485 Klassen wurden befragt. Im Bereich der Oberschulen wie der
29

Förderschulen haben anteilsmäßig die meisten Klassen nicht teilgenommen (32,5 bzw.
31,1 %), an Gesamtschulen und Integrierten Haupt- und Realschulen ist die Rate nichtteilnehmender Klassen dagegen am geringsten (14,7 bzw. 18,4 %). In den 639 ausgewählten
Klassen wurden im Schuljahr 2012/2013 14.764 Schüler unterrichtet. Letztlich erreicht wurden 9.512 Jugendliche. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 64,4 %. Entsprechend der
höheren Ausfallquote an Klassen fällt die Rücklaufquote in Bezug auf die Ober- und Förderschulen geringer aus. Für die Gesamt- sowie Integrierten Haupt- und Realschulen sind demgegenüber die höchsten Rücklaufquoten festzustellen.
Von den in den 485 teilnehmenden Klassen unterrichteten Schülern (11.263) hat eine nicht
unwesentliche Anzahl nicht an der Befragung teilgenommen (1.751 Schüler bzw. 15,5 %).
Der wichtigste Grund für die Nicht-Teilnahme ist die Krankheit: 770 Schüler waren am Befragungstag krank. Da Krankheiten mehr oder weniger alle Schüler treffen können, ist nicht
davon auszugehen, dass es sich um einen selektiven Ausfall handelt; die Repräsentativität der
Studie sollte insofern nicht beeinträchtigt sein. Bei weiteren 378 Schülern verweigerten die
Eltern die Teilnahme, 231 Schüler verweigerten sie aus eigenem Antrieb. Bei neun Schülern
wurde explizit durch die anwesenden Lehrkräfte vermutet, dass ein Schüler am Befragungstag
schwänzt und deshalb nicht teilnehmen kann, bei 288 weiteren Schülern wurden weitere
Gründe genannt (z.B. Schüleraustausch, Schulveranstaltungen, Nachschreiben von Klassenarbeiten) bzw. die Testleiter erhielten von den Lehrkräften keine detaillierten Informationen
bzgl. des Grunds der Nicht-Anwesenheit („nicht rekonstruierbar“). Zusätzlich gibt es ein kleine Gruppe von 75 Schülern, die zwar an der Befragung teilgenommen haben, deren Angaben
aber als unglaubwürdig einzustufen waren („nicht verwertbar“).
Tabelle 6: Rücklaufstatistik nach Schulform
FörderHauptschule
schule
Lernen
Anzahl Schüler
2.899
6.842
Niedersachsen insgesamt
Anzahl ausgewählter
45
61
Klassen
Anzahl ausgewählter
473
1.188
Schüler
Anzahl teilgenommener
31
45
Klassen
Anzahl Schüler in diesen
332
929
Klassen
Anzahl teilgenommener
247
716
Schüler
Rücklaufquote in %
52,2
60,3
Grund Nicht-Teilnahme: Elternverweigerung
Grund Nicht-Teilnahme: eigene
Verweigerung
Grund Nicht-Teilnahme:
Krankheit
Grund Nicht-Teilnahme: Schulschwänzen
Grund Nicht-Teilnahme: nicht
verwertbar
Grund Nicht-Teilnahme: anderer/nicht rekonstruierbar

30

HauptReal- Gesamt- Ober- Gymnaund RealGesamt
schule schule schule
sium
schule
14.075

14.135

11.552

10.520

30.829

90.852

103

89

75

80

186

639

2.304

2.298

1.919

1.750

4.832

14.764

84

69

64

54

138

485

1.865

1.766

1.655

1.185

3.531

11.263

1.612

1.513

1.371

1.033

3.020

9.512

70,0

65,8

71,4

59,0

62,5

64,4

17

38

56

66

31

31

139

378

28

31

37

19

44

25

47

231

22

89

106

133

120

78

222

770

3

4

1

0

0

1

0

9

5

15

20

8

16

5

6

75

10

36

33

27

73

12

97

288

Die letztlich realisierte Stichprobe entspricht hinsichtlich der Schulformzusammensetzung
recht gut den Verhältnissen in der Grundgesamtheit (Niedersachsen). So wurden im Schuljahr
2012/2013 7,5 % aller Schüler an Hauptschulen unterrichtet; in der Stichprobe beträgt der
Hauptschüleranteil ebenfalls 7,5 % (Tabelle 7). Die größte relative Abweichung findet sich
für Förderschüler: In der Grundgesamtheit gibt es 1,2mal mehr Förderschüler als in der Stichprobe (3,2 zu 2,6 %). Um die Differenzen auszugleichen und repräsentative Aussagen für die
niedersächsischen Schüler der neunten Jahrgangsstufe zu ermöglichen, wird auf die Option
der Datengewichtung zurückgegriffen. Dies bedeutet, dass bspw. jede Antwort, die ein Förderschüler abgegeben hat, in den Auswertungen 1,2mal berücksichtigt wird. Werden die Gewichtungsfaktoren in die Auswertungen integriert, wird exakt die Schulformverteilung der
Grundgesamtheit abgebildet.
Tabelle 7: Vergleich der Schulformzusammensetzung (in %)
Anteil Niedersachsen
Anteil Stichprobe
Förderschule Lernen
3,2
2,6
Hauptschule
7,5
7,5
Haupt- und Realschule
15,5
16,9
Realschule
15,6
15,9
Gesamtschule
12,7
14,4
Oberschule
11,6
10,9
Gymnasium
33,9
31,7

Gewichtungsfaktor
1,22882
1,00048
0,91416
0,97812
0,88218
1,06623
1,06878

Die gesamte Stichprobe betrachtet zeigt sich, dass die Hälfte der Befragten männlich ist
(50,7 %) und dass das Durchschnittsalter der Befragten 14,9 Jahre beträgt. Der Anteil an Jugendlichen, die in Familien aufwachsen, die abhängig von sozialstaatlichen Transferleistungen sind, liegt bei 10,8 %. Die Abhängigkeit von staatlichen Leistungen wurde über die Frage
nach der Arbeitslosigkeit von Mutter und Vater bzw. dem Sozialhilfe-/Arbeitslosengeld-IIBezug abgebildet. Wenn mindestens ein Elternteil arbeitslos ist bzw. wenn die Familie Sozialhilfe-/Arbeitslosengeld II bezieht, wird von der Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen gesprochen. Nicht mit beiden Elternteilen zusammen leben 30,3 % der Jugendlichen.
Die am häufigsten vorkommenden Familienkonstellationen neben dem Zusammenleben mit
den leiblichen Eltern ist das Zusammenleben mit Mutter und Stiefvater (10,3 %) und das Zusammenleben mit der Mutter allein (10,9 %).
Etwa ein Viertel der Neuntklässler (24,3 %) weist einen Migrationshintergrund auf. Um die
Herkunft zu bestimmen, wurden die Schüler gebeten, anzugeben, wo sie bzw. die leiblichen
Eltern geboren sind und welche Staatsangehörigkeit sie bzw. die Eltern besitzen. Für die Zuordnung zu einer Gruppe war dabei zuerst die Staatsangehörigkeit der Mutter entscheidend.
War diese bspw. türkisch, so wurde der Jugendliche als türkisch klassifiziert, war sie italienisch als italienisch usw. Lagen bzgl. der Staatsangehörigkeit der Mutter keine Angaben vor
oder war diese deutsch, wurde die Zuordnung nach der Staatsangehörigkeit des Vaters bzw.
des Jugendlichen selbst vorgenommen. Bei Jugendlichen, die weder zur eigenen Staatsangehörigkeit noch zur Staatsangehörigkeit der Eltern eine Angabe machten oder die überall
„deutsch“ angaben, wurde geprüft, ob die Mutter in einem anderen Land geboren wurde.
Wenn dem so war, wurde die entsprechende Herkunft zugeordnet; genauso wurde in Bezug
auf das Geburtsland des Vaters sowie das Geburtsland des Befragten vorgegangen. Letztlich
zählen damit nur jene Jugendlichen als deutsch, die alle entsprechenden Fragen mit „deutsch“
31

oder „Deutschland“ beantworteten. Sobald eine nicht-deutsche Herkunft berichtet wurde oder
ein nicht-deutsches Geburtsland, zählt der Jugendliche als Schüler mit Migrationshintergrund,
wobei für die konkrete Zuordnung i.d.R. die Mutter den Ausschlag gab.
Die größte Migrantengruppe wird durch Jugendliche aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion gestellt (7,1 %), die zweitgrößte Migrantengruppe durch türkische Befragte (4,5 %). Als
weitere größere Migrantengruppen sind polnische Jugendliche (2,8 %) und Jugendliche aus
Ländern des ehemaligen Jugoslawien bzw. aus Albanien zu nennen (2,0 %). Weitere 8,1 %
der Befragten stammen aus anderen Ländern der Welt.

32

3. Kriminalitätswahrnehmungen und Kriminalitätsfurcht
3.1. Einschätzung der Kriminalitätsentwicklung
Der erste Teil des Fragebogens der Erwachsenbefragung war den Wahrnehmungen und Emotionen bzgl. des Themas Kriminalität gewidmet. Zunächst sollten die Befragten einschätzen,
wie sich verschiedene Straftaten in den letzten zehn Jahren entwickelt haben. In der Einleitung zu diesem Bericht wurde anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik bereits gezeigt, dass
für die meisten Straftaten positive Entwicklungen in Niedersachsen zu verzeichnen sind, die
Deliktszahlen also zurückgehen. Der Großteil der Bevölkerung nimmt diese Entwicklungen
jedoch nicht wahr. So gehen 60,9 % der Befragten davon aus, dass die Straftaten insgesamt in
Niedersachsen zunehmen würden (Abbildung 6), weitere 5,8 % gehen sogar von einer starken
Zunahme aus („sehr viel häufiger geworden“). Nur jeder zehnte Niedersachse geht richtiger
Weise von einem Rückgang der Straftaten aus. Dieses Bild ist nicht für alle Straftaten gleich.
Besonders negativ sind die Wahrnehmungen, wenn es um Jugendliche geht. Insgesamt 80,6 %
der Befragten gehen davon aus, dass Körperverletzungen, die von Jugendlichen begangen
werden, steigen. Auch beim Betrug und beim Wohnungseinbruch dominieren diese Einschätzungen, wobei es bei diesen beiden Delikten in den letzten Jahren tatsächlich ansteigende
Häufigkeitszahlen in der Polizeilichen Kriminalstatistik gegeben hat. Bei der Vergewaltigung
und beim Mord ist die Mehrheit der Befragten der Ansicht, dass es zumindest keine Zunahmen gegeben hat. Nur 3,7 bzw. 2,1 % berichten von einem sehr starken Anstieg. Abgefragt
wurden daneben auch verkehrsbezogene Straftaten bzw. aggressive Verhaltensweisen (Drängelei usw.), zu denen in der Kriminalstatistik keine Aussagen getroffen werden. Gerade in
Bezug auf das Drängeln, Ausbremsen oder Schneiden nehmen die Befragten eine Zunahme an
Aggressionen wahr. Hinsichtlich der anderen beiden Straftaten ist es etwa die Hälfte bzw. ein
Drittel der Befragten, die von einem Anstieg ausgehen.
Abbildung 6: Einschätzung der Entwicklung verschiedener Straftaten (in %; gewichtete Daten)
alle Straftaten insgesamt
Körperverletzung durch Jugendliche

10,8
5,8

22,6
13,6

Betrug 4,9
Wohnungseinbruch

7,6

Körperverletzung insgesamt

8,2

Verkehrsstraftat: Unfallflucht nach Fahrzeugbeschädigung

11,7

Verkehrsstraftat: fahrlässige Körperverletzung durch
Verkehrsteilnehmer

14,7

64,3

13,4
56,4

10,2

63,7
42,3

10,1
38,4

47,5

23,1

3,7
23,6

54,1
38,1

16,9

0,0
gleich geblieben

14,6

26,8

10,4

seltener geworden

60,5

15,6

Verkehrsstraftat: Drängelei, Ausbremsen, Schneiden oder Ähnliches

18,5

20,0

20,7

vollendeter Mord

5,8

62,1

25,2

Diebstahl insgesamt 5,5
Vergewaltigung

60,9

20,0

häufiger geworden

12,3
45,3

48,1

40,0

4,8

33,2

60,0

2,1

80,0

1,8

100,0

sehr viel häufiger geworden

33

Um zu prüfen, inwieweit sich verschiedene Befragtengruppen hinsichtlich ihrer Einschätzung
der Kriminalitätsentwicklung unterscheiden, wurden OLS-Regressionen berechnet (Tabelle
8). Diese erlauben es, gleichzeitig den Einfluss verschiedener Merkmale zu prüfen. Für die
Prüfung wurden zwei Variablen herangezogen: Zum einen die Einschätzung der Entwicklung
aller Straftaten, zum anderen die Einschätzung der Entwicklung der Jugendkriminalität. Die
Ergebnisse belegen, dass es nur wenige signifikante Einflussfaktoren dieser Einschätzungen
gibt. Ein stärkerer Einfluss ist für das Geschlecht, das Alter und das Bildungsniveau festzustellen. Bei den anderen Gruppen zeigen sich zwar vereinzelt signifikante Effekte; die Zusammenhänge sind aber eher schwach und nicht bei beiden Einschätzungen feststellbar. Es
deutet sich aber an, dass Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Polen oder aus der
Türkei seltener als deutsche Befragte von einem Anstieg der Kriminalität ausgehen.
Tabelle 8: Einflussfaktoren der eingeschätzten Kriminalitätsentwicklung (OLS-Regressionen; abgebildet:
Beta-Koeffizienten; gewichtete Daten)
alle Straftaten
Körperverletzung
insgesamt
durch Jugendliche
Geschlecht: männlich
Alter
stat. Region: Hannover

-.104 ***

-.074 ***

.060 ***

-.074 ***

Referenz

Referenz

stat. Region: Braunschweig

.041 *

stat. Region: Lüneburg

.002

-.019

stat. Region: Weser-Ems

.025

-.018

Referenz

Referenz

Gebiet: ländlich (unter 20.000 Einwohner)
Gebiet: städtisch (unter 100.000 Einwohner)
Gebiet: großstädtisch (ab 100.000 Einwohner)
Herkunft: deutsch

.012
-.035 *
Referenz

.011

.040 **
.002
Referenz

Herkunft: ehem. SU

-.020

-.055 ***

Herkunft: Polen

-.028 *

-.013

Herkunft: Nord-/Westeuropa
Herkunft: Türkei

.014
-.030 *

.008
-.031 *

Herkunft: andere

.015

-.008

Bildung: niedrig

Referenz

Referenz

Bildung: mittel

-.017

Bildung: hoch

-.132 ***

abhängig von staatlichen Transferleistungen

-.035 *

.007
-.103 ***
.006

korr. R²

.042

.020

N

5147

5298

* p < .05, ** p < .01, *** p < .001

Um den Einfluss des Geschlechts, des Alters und des Bildungsniveaus zu verdeutlichen, finden sich in Tabelle 9 die Anteile an Befragten, die einen Anstieg der Kriminalität wahrnehmen, getrennt für die einzelnen Gruppen. Männliche Befragte waren demnach seltener der
Meinung, dass die Straftaten insgesamt sowie die durch Jugendliche verübten Körperverletzungen zunehmen als weibliche Befragte. Für ältere Befragte gilt, dass sie insbesondere häufiger als jüngere Befragte der Ansicht sind, dass alle Straftaten zunehmen würden; bei den
Körperverletzungen durch Jugendliche gleichen sich die Anteile über die Altersgruppen hin-

34

weg. Daneben gilt, dass höher gebildete Befragte seltener von einem Anstieg der Kriminalität
ausgehen als niedrig bzw. mittel gebildete Befragte.
Tabelle 9: Einschätzung der Entwicklung verschiedener Straftaten nach Befragtengruppen (in %; gewichtete Daten; abgebildet: Anteil Befragter „häufiger geworden“ und „sehr viel häufiger geworden“)
alle Straftaten insgesamt

Körperverletzung durch Jugendliche

weiblich

71,3

83,4

männlich

61,8

77,5

16 bis 20

52,6

76,9

21 bis 30

60,7

82,7

31 bis 40

64,5

79,6

41 bis 50

66,8

79,7

51 bis 60

67,9

79,2

61 bis 70

70,8

82,7

71 bis 80

72,0

82,4

ab 81

75,6

79,7

Bildung: niedrig

72,1

82,8

Bildung: mittel

70,9

83,5

Bildung: hoch

59,5

76,9

fett: signifikant bei p < .05

Es wurde nicht nur die Einschätzung der Kriminalitätsentwicklung, sondern ebenso die Einschätzung zum Strafen erfasst. Einerseits sollten die Befragten einschätzen, ob die von Gerichten verhängten Strafen zu gering, angemessen oder zu hoch sind. Anderseits wurden sie
gebeten, ihre Auffassung zur Todesstrafe zu berichten. Abbildung 7 stellt die Ergebnisse zu
beiden Fragen vor.
Abbildung 7: Einschätzung der von Gerichten verhängten Strafen bzw. Einstellung zur Todesstrafe
(in %; gewichtete Daten)
70,0

62,1

58,4

60,0
50,0
40,0

27,5

30,0

22,6

20,0

14,0

14,0

10,0
1,3
0,0
zu hoch

angemessen

zu gering

viel zu gering

die von Gerichten verhängten Straftaten sind ...

dagegen

unentschieden

dafür

für oder gegen Todesstrafte

Nahezu kein Befragter war der Ansicht, dass die verhängten Strafen zu hoch ausfallen würden. Stattdessen gaben drei Viertel (76,1 %) an, die Strafen wären zu gering oder sogar viel zu
gering. Geht aus diesen Ergebnissen hervor, dass die Bevölkerung Niedersachsens ein Be35

dürfnis nach härteren Strafen hat, gilt dies mit Blick auf die Sanktionsform der Todesstrafe
nicht. Nur 14,0 % der Niedersachsen sind für die Todesstrafe, mehr als die Hälfte sprechen
sich dagegen aus. Niedersachsen liegt mit dem Anteil an die Todesstrafe befürwortender Personen in etwa im bundesdeutschen Durchschnitt: In einer bundesweiten Repräsentativbefragung, die zu Beginn des Jahres 2014 vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen unter 3.000 ab 16jährigen Erwachsenen durchgeführt wurde, äußerten sich 16,9 % positiv
zur Todesstrafe.
Wiederum auf Basis von Regressionsanalysen wurde bestimmt, welche sozio-demografischen
Gruppen sich hinsichtlich ihrer Strafeinstellungen unterscheiden. Die wichtigsten Unterschiede sind mit Blick auf die Befürwortung der Todesstrafe in Abbildung 8 dargestellt. Männliche
Befragte äußern sich demnach häufiger befürwortend zur Todesstrafe. Ältere Befragte sind
nur etwa halb so oft der Meinung, dass die Todesstrafe eine zu begrüßende Sanktion ist. Daneben ist erneut die Bildung entscheidend: Befragte mit hoher Bildung sind deutlich seltener
Befürworter der Todesstrafe. Der Vergleich der ethnischen Gruppen zeigt, dass alle Migrantengruppen häufiger positiv gegenüber der Todesstrafe eingestellt sind. Signifikant unterscheiden sich allerdings nur die polnischen Befragten von den deutschen Befragten.
Abbildung 8: Zustimmung zur Todesstrafe (in %; gewichtete Daten)
23,7

25,0

21,6
19,9

19,5 19,6 19,6

20,0

18,3
17,1

16,6

16,7

15,8
14,3

15,0

13,0
11,7
10,3

10,0

10,3

10,1
8,6

7,7

5,0

Geschlecht

Alter

Bildung

andere

Türkei

Nord-/Westeuropa

Polen

ehem. SU

deutsch

hoch

mittel

niedrig

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

männlich

weiblich

0,0

Herkunft

Auch die Jugendlichen der niedersachsenweiten Schülerbefragung wurden zu ihrer Einstellung zur Todesstrafe befragt. Vergleichbar mit den 16- bis 20jährigen der Erwachsenenbefragung ergibt sich für die im Durchschnitt 15jährigen Schüler ein Anteil von 18,6 % Befürwortern.

3.2. Kriminalitätsfurcht
In der Befragung wurde ebenfalls die Kriminalitätsfurcht erfasst. Das steigende Interesse an
der Kriminalitätsfurcht lässt sich damit erklären, dass das Sicherheitsgefühl zu einer wichti36

gen Komponente der Sicherheitspolitik geworden ist. Im Sinne der Steigerung des Wohlbefindens geht es nicht mehr nur darum, die Kriminalität zu reduzieren, sondern ebenso darum,
die Furcht vor möglichen Übergriffen gering zu halten.
Bezüglich der Messung von Kriminalitätsfurcht hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass
eine differenzierte Erfassung notwendig ist; d.h. der in der Vergangenheit wiederholt eingesetzte Standardindikator nach dem Sicherheitsgefühl nachts außerhalb der Wohnung („Wie
sicher fühlen Sie sich, wenn Sie hier in dieser Gegend nachts draußen alleine sind?“) reicht
zur Erfassung der Furcht nicht aus. In Anlehnung an andere Studien des Kriminologischen
Forschungsinstituts Niedersachsen (u.a. Baier et al. 2011) wurde die Kriminalitätsfurcht im
Rahmen der vorliegenden Untersuchung daher mittels folgender Skalen erfasst:
1. Die kognitive Kriminalitätsfurcht beinhaltet die Einschätzung, für wie wahrscheinlich
es eine Person erachtet, innerhalb eines bestimmten Zeitraums Opfer verschiedener
Straftaten zu werden.
2. Die affektive Kriminalitätsfurcht bezieht sich auf die Häufigkeit von Befürchtungen,
diese Straftaten erleben zu müssen. Die kognitive und die affektive Furcht ergeben zusammen die personale Kriminalitätsfurcht.
3. Die konative Kriminalitätsfurcht bzw. das Vermeidungsverhalten umfasst spezifische
Verhaltensweisen, die unternommen werden, um einer möglichen Opfererfahrung zu
entgehen.
3.2.1. Personale Kriminalitätsfurcht
Die kognitive und die affektive Kriminalitätsfurcht werden gewöhnlich als zwei Subdimensionen eines übergeordneten Konstrukts, der personalen Kriminalitätsfurcht betrachtet (vgl.
Windzio et al. 2007). Personen werden damit erst dann als hoch furchtsam eingestuft, wenn
sie sowohl die starke Befürchtung haben, Opfer von Straftaten zu werden, als auch der Meinung sind, dass solche Straftaten mit hoher Wahrscheinlichkeit geschehen werden. Die kognitive und die affektive Komponente müssen also gleichermaßen auf eine hohe Furcht hindeuten.
Zur Erfassung der personalen Kriminalitätsfurcht wurden die Befragten gebeten, erstens einzuschätzen, wie oft sie die Befürchtung haben, Opfer von sechs Straftaten zu werden, und
zweitens einzustufen, für wie wahrscheinlich sie es erachten, in den nächsten zwölf Monaten
Opfer derselben Straftaten zu werden. Zu folgenden Straftaten sollte die Befürchtung bzw. die
Eintrittswahrscheinlichkeit eingeschätzt werden:
- dass in die Wohnung eingebrochen wird,
- dass man auf andere Weise bestohlen wird,
- dass man geschlagen und verletzt wird,
- dass man Opfer eines Raubüberfalls wird,
- dass man sexuell missbraucht, genötigt oder vergewaltigt wird,
- dass man durch eine Gewalttat getötet wird.
Die Antwortkategorien bei der Befürchtung reichten von „1 – nie“ bis „5 – sehr oft“, die
Antwortkategorien bei der Wahrscheinlichkeitseinschätzung von „1 – sehr unwahrscheinlich“
bis „5 – sehr wahrscheinlich“. Die Einstufung der Befürchtung und die Einstufung der Ein37

trittswahrscheinlichkeit korrelieren zu mindestens .61 (Pearsons r) miteinander; eine hohe
Befürchtung bspw. bzgl. des Wohnungseinbruchs geht also mit einer höheren Wahrscheinlichkeitseinschätzung des Wohnungseinbruchs einher.
Um die personale Kriminalitätsfurcht bestimmen zu können, wurden die beiden Einschätzungen (Befürchtung und Eintrittswahrscheinlichkeit) für jedes Delikt miteinander multipliziert.
Im Ergebnis liegt damit für jedes Delikt eine Furchteinschätzung vor, die zwischen 1 und 25
variieren kann. Befragte, die einen Wert ab 16 erreichen, werden als Personen mit hoher Kriminalitätsfurcht eingestuft. Dieser Wert begründet sich dadurch, dass diese Befragten mindestens „oft“ Befürchtungen bzgl. eines Delikts haben und es gleichzeitig als mindestens „wahrscheinlich“ erachten, dass sie das entsprechende Delikt in den nächsten zwölf Monaten erleben. In Abbildung 9 ist der Anteil an Befragten mit hoher personaler Kriminalitätsfurcht separat für die einzelnen Delikte dargestellt. In Bezug auf den Wohnungseinbruch und den Diebstahl gilt etwa für jeden elften Befragten, dass er hohe Furcht hat. Hinsichtlich der anderen
Delikte ist dieser Anteil deutlich kleiner. Bei mindestens einem der aufgeführten Delikte eine
hohe personale Kriminalitätsfurcht äußerten immerhin 17,3 % der Befragten.
Abbildung 9: Anteil Befragter mit hoher personaler Kriminalitätsfurcht (in %; gewichtete Daten)
9,3

dass man auf andere Weise bestohlen wird

8,7

dass in die Wohnung eingebrochen wird

3,9

dass man Opfer eines Raubüberfalls wird

dass man geschlagen und verletzt wird

2,9

dass man sexuell missbraucht, genötigt oder vergewaltigt wird

1,2

dass man durch eine Gewalttat getötet wird

1,0

insgesamt (mind. 1 Delikt)

17,3
0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 10,0 12,0 14,0 16,0 18,0 20,0

Signifikante sozio-demografische Unterschiede in Bezug auf den Anteil an Befragten, die bei
mindestens einem der erfragten Delikte hohe Kriminalitätsfurcht aufweisen, sind in Abbildung 10 dargestellt. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass regionale Unterschiede nicht festgestellt werden können. Befragte aus den städtischen und großstädtischen Regionen weisen
also keine höhere (bzw. niedrigere) Furcht auf als Befragte aus ländlichen Regionen. Dafür
findet sich, dass Männer etwas seltener als Frauen zur Gruppe mit hoher Kriminalitätsfurcht
gehören. Zusätzlich zeigt sich, dass ältere Befragte seltener hohe Furcht berichten. Dies ist
sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass sie sich seltener im öffentlichen Räumen aufhal-

38

ten, in denen die Übergriffswahrscheinlichkeit erhöht ist.12 Zwischen den ethnischen Gruppen
ergeben sich ebenfalls signifikante Unterschiede. Befragte aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, polnische Befragte, türkische Befragte und Befragte einer anderen Herkunft weisen
häufiger eine hohe Kriminalitätsfurcht auf. Möglicherweise spielen bei diesen Einschätzungen
auch Diskriminierungserfahrungen aufgrund der Herkunft eine Rolle.
Abbildung 10: Anteil Befragter, die bei mindestens einem Delikt hohe personale Kriminalitätsfurcht aufweisen (in %; gewichtete Daten)
30,0
25,5
24,1

25,0
20,0

22,0

21,2

23,5
21,0

20,3

18,5

17,8
16,0

15,6

15,0

16,5

15,2

15,2

13,1
9,9

10,0
5,0

Geschlecht

Alter

andere

Türkei

Nord-/Westeuropa

Polen

ehem. SU

deutsch

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

männlich

weiblich

0,0

Herkunft

3.2.2. Vermeidungsverhalten (konative Kriminalitätsfurcht)
Das Vermeidungsverhalten wurde ebenfalls über sechs Einzelitems erfasst, die in Abbildung
11 abgebildet sind. Die Häufigkeit des Ausübens der Verhaltensweisen konnte von „1 – nie“
bis „5 – immer“ eingeschätzt werden. Befragte, die mit „4- häufig“ bzw. „5 – immer“ geantwortet haben, werden als Personen mit hoher konativer Kriminalitätsfurcht eingestuft. Von
allen Befragten gaben 34,0 % an, dass sie Fremden, denen sie im Dunkeln begegnen, nach
Möglichkeit ausweichen. Jeweils etwa ein Viertel der Befragten berichtet, dass sie bestimmte
Orte meiden, die Wohnung besonders sichern bzw. öffentliche Nahverkehrsmittel abends
nicht nutzen. Sehr selten ist es der Fall, dass man Reizgas oder anderes bei sich trägt, um sich
verteidigen zu können (4,6 %). Aus vier Items kann ein zusammenfassender Wert der konativen Kriminalitätsfurcht berechnet werden (Mittelwertsskala). Hierbei handelt es sich um die
Items 1, 2, 4 und 5 aus Abbildung 11. Das Sichern der Wohnung sowie das Mitführen von
Verteidigungsinstrumenten werden nicht berücksichtigt, weil sie besondere Formen des
Schutzverhaltens darstellen. Eine explorative Faktorenanalyse (Hauptkomponentenanalyse)
ergibt, dass diese Items einen von den genannten vier Items unterscheidbaren Faktor abbilden.

12

Der Alterseffekt zeigt sich insbesondere bei den Delikten Diebstahl, Körperverletzung und sexueller Missbrauch.

39

Befragte, die bei der Vier-Item-Skala einen Mittelwert ab 4,0 aufweisen, weisen eine hohe
konative Kriminalitätsfurcht auf. Dies sind 15,2 % der Befragten.
Abbildung 11: Hohe konative Kriminalitätsfurcht (in %; gewichtete Daten)
Ich weiche Fremden, denen ich im Dunkeln begegne, nach
Möglichkeit aus.

34,0

Ich meide bestimmte Straßen, Plätze oder Parks.

27,4

Ich sichere meine Wohnung besonders (z.B. zusätzliche Riegel,
Alarmanlage)

26,5

Ich vermeide es, abends öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

25,9

Ich verlasse das Haus bei Dunkelheit nur, wenn es unbedingt
notwendig ist.

22,2

Ich trage Reizgas oder etwas anderes (z.B. Messer) bei mir, um
mich zu verteidigen.

4,6

insgesamt

15,2

0,0

5,0

10,0 15,0 20,0 25,0 30,0 35,0 40,0

Wie die nachfolgende Abbildung 12 zeigt, variiert der Anteil an Befragten mit hoher konativer Kriminalitätsfurcht signifikant mit dem Geschlecht, dem Alter und der Bildung. Weibliche Befragte gehören demnach fast viermal häufiger als männliche Befragte zur Gruppe der
Personen mit hoher Furcht. Ältere, insbesondere ab 81jährige Befragte weisen häufiger ein
Vermeidungsverhalten auf als jüngere Befragte. Befragte mit hoher Bildung gehören seltener
der Gruppe mit hoher Furcht an als Befragte mir niedriger Bildung.
Abbildung 12: Hohe konative Kriminalitätsfurcht nach Befragtengruppe (in %; gewichtete Daten)
40,0
36,8
35,0
30,0
25,0

23,7

22,5
19,8

20,0

17,0

16,2

14,5

15,0
11,8

12,5
10,7

9,5

10,0

7,8
6,0

5,0
0,0
weiblich männlich 16 bis 20 21 bis 30 31 bis 40 41 bis 50 51 bis 60 61 bis 70 71 bis 80
Geschlecht

40

Alter

ab 81

niedrig

mittel
Bildung

hoch

3.2.3. Unsicherheitsgefühl
Die Befragten wurden zusätzlich gebeten, einzuschätzen, wie sicher sie sich an bestimmten
Orten bzw. in bestimmten Situationen fühlen. Die Antwortkategorien reichten von „1 – sehr
unsicher“ bis „4 – sehr sicher“. Die Antworten 1 und 2 („eher unsicher“) wurden für die folgende Auswertung zusammengefasst. Abbildung 13 belegt, dass sich die große Mehrheit der
Befragten bei sich zu Hause sowie tagsüber in ihrem Stadtviertel sicher fühlt. Hinsichtlich der
öffentlichen Verkehrsmittel ist das Sicherheitsgefühl bereits geringer ausgeprägt. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die Verkehrsmittel abends oder nachts genutzt werden: 57,5 %
der Befragten fühlen sich in solch einem Fall eher unsicher. Dabei gibt es zwischen den Regionen Niedersachsens einen signifikanten Unterschied: Zwar fühlen sich überall mehr als die
Hälfte der Befragten eher unsicher. In der Region Hannover fällt dieser Anteil mit 63,0 %
aber noch einmal deutlich höher aus als in der Region Braunschweig mit 53,8 %.
Abbildung 13: Anteil Befragter, die sich an bestimmten Orten unsicher fühlen (in %; gewichtete Daten)
70,0

63,0
57,5

60,0

59,1

53,8

54,0

50,0
40,0

29,6

30,0
20,0
2,4

3,0

zu Hause in der Wohnung

tagsüber in Stadtviertel/Ortsteil

10,0

13,6

Weser-Ems

Lüneburg

Hannover

Braunschweig

abends/nachts in Bussen/UBahnen usw.

abends/nachts in
Stadtviertel/Ortsteil

tagsüber in Bussen, U-Bahnen
usw.

0,0

abends/nachts in Bussen/U-Bahnen usw.

Bei der Abfrage des Sicherheitsgefühls wurde bereits das Stadtviertel in die Betrachtung einbezogen. Der Einschätzung des Stadtteils wurde sich darüber hinaus in zwei weiteren Fragen
gewidmet. Entsprechend der Desorganisationstheorie ist für die Kriminalitätsentstehung entscheidend, wie das Ausmaß an kollektiver Wirksamkeit eines Stadtteils ausfällt (vgl. Sampson
et al. 1997). Die kollektive Wirksamkeit bestimmt sich einerseits aus der sozialen Kohäsion,
also dem Zusammenhalt in einem Stadtteil, und andererseits aus der Interventionsbereitschaft.
Diese gibt an, inwieweit in einem Stadtteil Anwohner tätig werden würden, wenn es Anzeichen von Unordnung gibt bzw. wenn aggressives und delinquentes Verhalten gezeigt wird.
Beide Dimensionen der kollektiven Wirksamkeit wurden in der niedersachsenweiten Befragung erhoben.
Die soziale Kohäsion wurde mit folgenden Items erfragt:
- „Die Leute hier helfen sich gegenseitig.“
- „Man kann den Leuten in der Nachbarschaft vertrauen.“
- „Hier gibt es häufiger Konflikte zwischen den Nachbarn.“
41

-

„Die Leute hier haben keine gemeinsamen Werte.“
„Die Leute in der Nachbarschaft kennen sich gut.“

Beantwortet werden konnten die Aussagen von „1 – stimmt nicht“ bis „4 – stimmt genau“.
Das dritte und das vierte Item stellen sog. Umkehritems dar. Für die Auswertungen wurden
diese so umkodiert, dass hohe Werte für eine hohe Kohäsion stehen. Aus den Antworten zu
den fünf Items wurde der Mittelwert gebildet. Ein Mittelwert über 3,0 steht für eine hohe eingeschätzte Kohäsion.
Die Interventionsbereitschaft wurde über zwei hypothetische Situationen erfragt. Die Befragten sollten sich zum Einen vorstellen, dass eine Gruppe von Personen im eigenen Wohngebiet
abends draußen herum steht, Lärm macht und die Anwohner verunsichert. Zum Anderen sollte sich vorgestellt werden, dass im eigenen Wohngebiet Personen mutwillig Dinge zerstören
(z.B. Postkästen, Mülleimer). Daraufhin wurde die Frage gestellt, ob jemand einschreiten
würde und die Personen auffordern würde, das zu lassen. Hierauf konnte mit „1 – nein“, „2 –
eher nicht“, „3 – ja, vielleicht“ und „4 – ja, sicher“ geantwortet werden. Aus den Antworten
zu den beiden geschilderten Situationen wurde der Mittelwert gebildet. Mittelwerte über 3,00
stehen für eine hohe Interventionsbereitschaft.
In Zusammenhang mit den beiden Situationsschilderungen sollten die Befragten zudem angeben, ob jemand die Polizei rufen würde und wie oft man solche Situationen bereits im Wohngebiet beobachtet bzw. davon gehört hat. Die Einschätzungen zu beiden Situationen wurden
erneut gemittelt. Hinsichtlich des Informierens der Polizei werden wiederum Mittelwerte über
3,0 als hoch eingestuft – die Antwortkategorien waren identisch mit denen zur Interventionsbereitschaft. Hinsichtlich des Beobachtens bzw. Hörens werden Mittelwerte über 2,5 als häufig eingestuft – die Antwortkategorien reichten hier von „1 – nie“, über „2 – selten“ und „3 –
oft“ bis zu „4 – sehr oft“.
Entsprechend den Ergebnissen in Tabelle 10 gilt, dass 62,5 % der Befragten einen hohen Zusammenhalt in ihrem Stadtteil wahrnehmen. Dabei gibt es, wie auch bei allen anderen Einschätzungen, signifikante Unterschiede zwischen den Regionen Niedersachsens. In der Region Weser-Ems sind mit 66,7 % die meisten Befragten dieser Ansicht, in der Region Hannover
mit 58,0 % die wenigsten. Die Interventionsbereitschaft wird nur von 27,9 % als hoch eingestuft. Dafür gaben 42,8 % der Befragten an, dass die Bereitschaft, die Polizei zu informieren,
gegeben ist. Dies ist, komplementär zu den Einschätzungen bei der Kohäsion und der Interventionsbereitschaft, seltener in den Regionen Lüneburg und Weser-Ems der Fall. Nur ein
sehr kleiner Teil der Befragten gab an, häufiger die geschilderten Verhaltensweisen in ihrem
Stadtteil zu beobachten. In der Region Hannover berichteten dies etwas mehr Befragte.
Tabelle 10: Einschätzungen zum Stadtviertel nach Region (in %; gewichtete Daten)
gesamt
Braunschweig Hannover
Lüneburg

Weser-Ems

hohe soziale Kohäsion

62,5

59,2

58,0

65,3

66,7

hohe Interventionsbereitschaft

27,9

26,1

24,7

27,9

32,0

hohe Bereitschaft, Polizei zu rufen

42,8

45,0

44,9

39,8

41,7

häufiges Beobachten/Hören

5,0

5,3

6,4

4,1

4,2

fett: signifikant bei p < .05

42

Exkurs: Erfahrungen mit der Polizei
Zwei Bereiche der Erfahrungen mit der Polizei wurden im Rahmen der niedersachsenweiten
Repräsentativbefragung betrachtet. Einerseits wurde das Vertrauen in die Polizei gemessen,
andererseits der persönliche Kontakt.13
Zur Erfassung des Vertrauens wurde auf eine Skala zurückgegriffen, die in der Vergangenheit
bereits mehrfach zum Einsatz kam (Baier/Ellrich 2014). Diese besteht aus folgenden vier
Items:
- „Die Polizei sorgt bei uns für Sicherheit.“
- „Ich habe großes Vertrauen in die Polizei.“
- „Von der Polizei wird man ungerecht behandelt.“
- „Die Polizei versucht, den Opfern von Straftaten zu helfen.“
Das dritte Item ist ein Umkehritem, das bei der Ermittlung des Mittelwerts zu allen Aussagen
umkodiert wurde. Befragte mit einem Mittelwert über 3,0 werden als der Polizei eher vertrauend eingestuft (Antwortvorgaben: von „1 – stimme überhaupt nicht zu“ bis „5 – stimme voll
und ganz zu“). Von allen Befragten äußern 81,1 % Polizeivertrauen. Signifikante Unterschiede finden sich für das Geschlecht und das Alter (Abbildung 14): Weibliche Befragte vertrauen
der Polizei häufiger als männliche Befragte; und jüngere Befragte sind seltener der Polizei
gegenüber positiv eingestellt als ältere Befragte, wobei darauf hinzuweisen ist, dass immerhin
noch 70,1 % der 16- bis 20jährigen der Polizei eher vertrauen.14
Abbildung 14: Anteil Befragter, die Polizei eher vertrauen (in %; gewichtete Daten)
100,0
90,0

93,2
83,6

80,0

83,9

81,7

78,5

86,2

89,6

77,1
70,1

68,8

16 bis 20

21 bis 30

70,0
60,0
50,0
40,0
30,0
20,0
10,0
0,0
weiblich

männlich

Geschlecht

31 bis 40

41 bis 50

51 bis 60

61 bis 70

71 bis 80

ab 81

Alter

13

Zusätzlich wurden Einstellungen zu Frauen in der Polizei, Einstellungen zum bürgerorientierten bzw. autoritären Polizeiverständnis sowie Erfahrungen von polizeilichen Übergriffen erhoben. Die Ergebnisse wurden an
anderer Stelle bereits vorgestellt (Baier/Ellrich 2015, Ellrich/Baier 2015a; Ellrich/Baier 2015b).
14
In der niedersachsenweiten Befragung von Schülern der neunten Jahrgangsstufe gaben 75,3 % an, dass sie der
Polizei eher vertrauen.

43

Im Hinblick auf den Polizeikontakt wurde gefragt, wie häufig es in den zurückliegenden
zwölf Monaten einen persönlichen Kontakt gegeben hat. 58,9 % der Befragten hatten in diesem Zeitraum keinerlei Kontakt, 25,4 % hatten ein Mal Kontakt; 15,7 % hatten mehr als ein
Mal Kontakt zur Polizei. Männliche Befragte hatten deutlich häufiger mindestens ein Mal
Kontakt als weibliche Befragte (47,3 zu 35,4 %); ältere Befragte berichten seltener von einem
solchen Kontakt. Höher gebildete Befragte kamen häufiger in Kontakt mit der Polizei als gering gebildete Befragte. Zudem ergibt sich ein Unterschied zwischen den Regionen: Während
in Hannover und Lüneburg die Kontakte häufiger sind (jeweils 44,2 % mind. einen Kontakt),
liegt die Rate in Braunschweig und Weser-Ems niedriger (38,5 und 38,1 %).
Die Gründe, warum es zu einem Polizeikontakt kam, sind folgende:
- Am häufigsten wurde von den Befragten, die Polizeikontakt hatten, berichtet, dass es
sich um einen Kontakt im Rahmen einer Verkehrskontrolle handelte (30,8 %).
- Nur etwas seltener kam ein Kontakt zustande, weil eine Straftat angezeigt wurde
(28,0 %).
- Ebenfalls noch recht häufig wurde genannt, dass man als Zeuge vernommen wurde
(18,9 %) oder dass man Hilfe bei der Polizei suchte (17,1 %).
- Seltener gab es Kontakt, weil man aus einem anderen Grund als einer Verkehrskontrolle von der Polizei auf der Straße angehalten wurde (5,5 %), weil man einen Verkehrsunfall hatte (5,1 %) oder weil man als Beschuldigter befragt wurde (4,7 %).
- Zusätzlich gaben 18,4 % der Befragten mit Kontakt andere Gründe in offener Form
an. Diese waren sehr vielfältig: Zum Teil wurde bspw. darauf verwiesen, dass man
aufgrund seiner Berufstätigkeit Kontakt mit der Polizei hat, dass man selbst Polizeibeamter ist oder dass man in der Familie oder Bekanntschaft Polizeibeamte hat. Zum
Teil wurden aber auch andere Kontakte mit der Polizei z.B. im Rahmen von Durchsuchungen, von Ordnungswidrigkeiten oder erlebten Straftaten im Umfeld berichtet.
Die Befragten, die in den zurückliegenden zwölf Monaten Kontakt mit der Polizei hatten,
wurden zudem gebeten, mitzuteilen, wie zufrieden sie mit der Behandlung durch die Polizei
gewesen sind. Ihre Antwort konnten sie von „1 – unzufrieden“ bis „4 – zufrieden“ abstufen;
die Antworten 3 („eher zufrieden“) und 4 werden hier zusammengefasst. In Abbildung 15
sind die Ergebnisse dargestellt. Es bestätigt sich das positive Bild zur Polizei, das sich bereits
beim Vertrauen gezeigt hat. Insgesamt 82,6 % der Befragten waren mit dem letzten Kontakt
eher zufrieden. Bei allen Anlässen ist dies bei über der Hälfte der Befragten der Fall. Allerdings wird seltener Zufriedenheit geäußert, wenn man aus einem anderen Grund als einer
Verkehrskontrolle von der Polizei auf der Straße angehalten wird (64,8 %); der höchste Anteil
an zufriedenen Befragten ist beim Anlass des Verkehrsunfalls festzustellen: 92,2 % derjenigen, die im Rahmen eines Verkehrsunfalls Kontakt mit der Polizei hatten, äußerten sich zufrieden mit der Behandlung durch die Polizei.
Weitere Auswertungen zeigen, dass neben dem Anlass im Wesentlichen noch das Alter mit
der Einschätzung der Zufriedenheit in Zusammenhang steht. 16- bis 20jährige Befragte äußern sich nur zu 69,8 % eher zufrieden mit der Behandlung durch die Polizei, bei den ab
81jährigen sind es 94,2 %. Nicht überraschend ist daneben, dass Befragte mit Polizeivertrauen
zufriedener mit ihrem Polizeikontakt sind als Befragte mit niedrigem Vertrauen (90,1 zu
59,0 %). Fraglich ist hier aber insbesondere die Wirkrichtung: Steigt bei Befragten, die positi44

ve Erfahrungen mit der Polizei machen, das Vertrauen in diese Institution? Oder ist es vielmehr so, dass Befragte mit hohem Vertrauen Kontakte als angenehmer erleben?
Abbildung 15: Anteil Befragter, die mit Behandlung durch Polizei eher zufrieden waren, nach Anlass des
letzten Kontakts (in %; gewichtete Daten; nur Befragte mit Kontakt in den letzten 12 Monaten)
100
90

92,2
82,6

81,3

85,3
79,9

78,4

80

69,2

64,8

70
60
50
40
30
20
10

Beschuldigtenbefragung

Verkehrsunfall

aus anderem Grund auf Straße
angehalten

Hilfesuche

Zeugenbefragung

Straftat anzeigen

Verkehrskontrolle

gesamt

0

45

46

4. Viktimisierungserfahrungen
Der Schwerpunkt der Befragung niedersächsischer Erwachsener lag auf der Untersuchung
von Opferschaften. Die hierbei erfragten Straftaten lassen sich entlang von drei Deliktgruppen
ordnen: Gewaltdelikte, Eigentumsdelikte und Verkehrsdelikte. Zu allen Delikten gab es zwei
Blöcke mit Fragen:
- Im ersten Block wurde erhoben, ob man das entsprechende Delikt in den letzten zwölf
Monaten erlebt hat oder nicht. All jene Befragten, die ein Delikte erlebt haben, wurden
gebeten, die Anzahl an Erlebnissen mitzuteilen. Aus den Angaben kann die Prävalenzrate ermittelt werden (Anteil an Befragten, die mindestens ein Delikt in den letzten
zwölf Monaten erlebt haben). Zudem lassen sich verschiedene Inzidenzmaße berechnen. So kann der Anteil an Befragten mit Opfererlebnis berechnet werden, die mehrfach viktimisiert wurden, also mehr als ein Mal ein Erlebnis desselben Delikts im
Zwölf-Monats-Zeitraum erlebten. Zudem kann die durchschnittliche Viktimisierungshäufigkeit eines Opfers ermittelt werden. Daneben lässt sich die Anzahl aller von den
Befragten erlebten Delikte berechnen.
- Im zweiten Block sollten diejenigen Befragten, die Opfer einer Straftat geworden sind,
in Bezug auf das zuletzt erlebte Delikt (also das Delikt, das zum Zeitpunkt der Befragung am kürzesten zurücklag) verschiedene Angaben machen. Hier wurde dann u.a.
nach dem entstandenen Schaden, der Anzeige bei der Polizei und der psychischen Belastung gefragt. Dass sich auf das zuletzt erlebte Delikt konzentriert wird, sollte zur
Folge haben, dass es sich bei den berichteten Delikten mehr oder weniger um eine Zufallsauswahl handelt, die erlaubt, repräsentative Ergebnisse zu den einzelnen Delikten
zu erarbeiten. Die Auswertungen dieser Angaben erfolgen im Gegensatz zu allen anderen Auswertungen des Berichts anhand der ungewichteten Daten. Da es sich zum
Teil um geringe Fallzahlen handelt, die den Auswertungen zugrundeliegen, erschien
dieses Vorgehen angemessen.
4.1. Gewaltdelikte
Im Fragebogen wurden insgesamt fünf Gewaltdelikte erhoben.15 Hierzu gehören der Raub, die
sexuelle Gewalt und insgesamt drei Formen der Körperverletzung. Diese drei Formen werden
für die Auswertungen noch einmal zusammengefasst: Einerseits werden die gefährlichen bzw.
schweren Körperverletzungen auf Basis der Körperverletzung mit Waffe und der Körperverletzung durch mehrere Personen berechnet. Andererseits werden alle drei Körperverletzungen
(inkl. der Körperverletzung durch eine einzelne Person) zu einem Gesamtindex „Körperverletzung insgesamt“ zusammengefasst. Die Ergebnisse zu den verschiedenen Delikten sind in
Tabelle 11 dargestellt.
Von allen Gewaltdelikten wurde das Erleben von Körperverletzungen durch einzelne Personen am häufigsten berichtet: 1,9 % der Befragten gaben dies an. Körperverletzungen mit einer
Waffe oder durch mehrere Personen kamen zu 0,3 bzw. 0,6 % vor. Mindestens eine Form der
Körperverletzung wurde von 2,4 % der Befragten in den zurückliegenden zwölf Monaten er15

Vgl. für den Wortlaut der Items Tabelle 26.

47

lebt. Raubtaten berichten 0,4 % der Befragten, von sexueller Gewalt waren 0,3 % der Befragten betroffen.
Von den Opfern von Körperverletzungen wurden insgesamt 256 Delikte berichtet; je Opfer
wurden im Durchschnitt 2,11 Angriffe erlebt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass alle Opfer
mehrfach viktimisiert wurden. Etwa jedes dritte Opfer (31,9 %) gab an, mehr als ein Mal eine
Körperverletzung erfahren zu haben. Dieser Anteil der Mehrfachviktimisierungen fällt bei
allen Delikten in etwa gleich hoch aus. Etwas niedriger ist er bei Körperverletzungen durch
mehrere Personen (21,7 % der Opfer haben mehr als eine Viktimisierung erlebt), etwas höher
bei Körperverletzungen mit Waffen (36,2 %).
Tabelle 11: Viktimisierung durch Gewalttaten (in %; gewichtete Daten)

Raub

KörperKörpergefährliche verletzung
Körperverletzung
Körper/schwere ohne Wafsexuelle
verletzung ohne Waffe
verletzung
fe durch
KörperGewalt
mit Waffe durch mehreinsgesamt
einzelne
verletzung
re Personen
Personen
0,3
0,6
0,8
1,9
2,4
0,3

12-Monats-Prävalenz

0,4

Inzidenz (Summe)

19

22

54

76

180

256

25

Inzidenz (Mittelwert)

1.42

1.65

1.69

1.90

1.86

2.11

1.80

Anteil Mehrfachviktimisierung

33,8

36,2

21,7

29,8

23,2

31,9

34,0

körperlich verletzt*

47,6

n.e.

n.e.

n.e.

n.e.

n.e.

47,1

ärztlich behandelt*
Zeitwert der gestohlenen Sachen
(Mittelwert)*
Zeitwert der gestohlenen Sachen
(Median)*
Wo passiert: offene Straße*

19,0

28,6

44,4

41,2

18,6

25,0

23,5

380

n.e.

n.e.

n.e.

n.e.

n.e.

n.e.

150

n.e.

n.e.

n.e.

n.e.

n.e.

n.e.

50,0

66,7

50,0

54,1

23,5

32,8

18,8

Wo passiert: Haltestelle*

0,0

0,0

10,7

8,1

5,9

6,6

12,5

Wo passiert: Cafe/Bar*

5,0

0,0

7,1

5,4

14,1

11,5

0,0

Wo passiert: zu Hause*

10,0

0,0

3,6

2,7

24,7

18,0

25,0

Wo passiert: woanders*

35,0

33,3

28,6

29,7

31,8

31,1

43,8

2 oder mehr Täter*

63,2

50,0

n.e.

85,7

8,2

30,8

20,0

Täter bekannt*

0,0

25,0

22,2

22,9

55,3

45,8

56,3

Anzeige erstattet*
über Entschädigung im Sinne des
OEG informiert*
Antrag auf Entschädigung im
Sinne des OEG gestellt*
Wie belastend ist Ereignis heute*

55,0

37,5

44,4

42,9

34,9

37,2

37,5

5,3

33,3

28,6

29,7

22,9

25,0

35,3

0,0

0,0

0,0

0,0

9,6

6,7

0,0

3.05

3.11

3.25

3.22

2.99

3.06

4.12

N*

≥ 14

≥7

≥ 27

≥ 34

≥ 83

≥ 119

≥ 15

* Auswertungen beziehen sich auf ungewichtete Daten; „n.e.“ nicht erhoben

Ebenfalls in Tabelle 11 dargestellt sind die Auswertungen zum zuletzt erlebten Delikt. Diese
beziehen sich, wie die Zeile „N“ zeigt, z.T. auf sehr wenige Befragte, was bei der Interpretati-

48

on der Daten zu beachten ist.16 Etwa die Hälfte der Opfer von Raubtaten und sexueller Gewalt
gaben an, dass sie durch die Tat körperlich verletzt wurden. Die Frage nach der körperlichen
Verletzung wurde bei Körperverletzungen nicht gestellt, insofern diese dem Delikt immanent
ist. Zwischen 19,0 (Raub) und 44,4 % (Körperverletzung durch mehrere Personen) der Opfer
mussten aufgrund des Vorfalls eine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen. Hinsichtlich
der Raubtaten wurde zusätzlich die Höhe des materiellen Schadens (der geraubten Sachen)
erfragt. Im Durchschnitt liegt dieser bei 380 Euro. Insofern bei den Schadensangaben immer
auch sehr hohe Summen genannt werden (Ausreißerwerte), erscheint der Mittelwert weniger
geeignet, die durchschnittliche Schadenssumme zu ermitteln. Aus diesem Grund wird auch
der Median berichtet, der bei 150 Euro liegt; d.h. in der Hälfte der Fälle lag der Schaden unterhalb dieser Summe, in der anderen Hälfte oberhalb.
Raubtaten sowie gefährliche bzw. schwere Körperverletzungen finden zur Hälfte auf offener
Straße statt. Etwa ein Drittel der Taten ereignet sich an anderen, jenseits der im Fragebogen
als Antwortkategorien aufgeführten Orten. Dieser Anteil ist auch bei Körperverletzungen
durch einzelne Personen sowie bei Sexualdelikten hoch. Da die Befragten diese anderen Orte
im Fragebogen berichten konnten, lassen sich hierzu Ergebnisse präsentieren. Bei Raubtaten
wurde bspw. noch häufiger die Disko genannt. Bei den Körperverletzungen war die Disko
ebenfalls ein häufig genannter anderer Übergriffsort. Zusätzlich wurden aber auch die Arbeitsstelle, die Schule oder Veranstaltungen (Feste, Feiern) genannt. Bei Sexualdelikten wurden Angaben wie in einer fremden Wohnung, in einem Geschäft, in der Schule oder im Park
gemacht.
Dass die Tat von einer Person verübt wurde, die dem Opfer bekannt ist, ist sowohl bei Körperverletzungen durch einzelne Personen als auch bei Sexualdelikten in über der Hälfte der
Viktimisierungen der Fall. Die Anzeigequote variiert zwischen 34,9 % (Körperverletzung
durch einzelne Person) und 55,0 % (Raubdelikte). Insofern belegen die Auswertungen, dass
bei den Gewaltdelikten noch immer ein recht großer Anteil im Dunkelfeld verbleibt.
Eine zusätzliche Frage richtete sich danach, ob die Opfer von irgendeiner Stelle Informationen darüber erhalten haben, dass sie evtl. Anspruch auf Entschädigung im Sinne des Opferentschädigungsgesetzes haben. Dies ist bei Körperverletzungen und Sexualdelikten immerhin
bei fast jedem Opfer der Fall. Einen Antrag auf Entschädigung im Sinne des Opferentschädigungsgesetzes haben aber nahezu keine Opfer gestellt.17
Die psychische Belastung durch die Viktimisierung wurde mittels folgender Frage erhoben:
„Wie belastend ist dieses Ereignis heute für Sie?“ Die Antwortkategorien reichten von „1 –
gar nicht“ bis „5 – sehr stark“. Die Mittelwerte in Tabelle 11 zeigen, dass sexuelle Gewaltdelikte als am stärksten belastend eingestuft werden. Die geringste Belastung der betrachteten
Delikte ist für die Körperverletzung durch einzelne Personen festzustellen.

16

Die den Auswertungen zugrunde liegende Fallzahl ist mit „≥“ angegeben, weil nicht zu allen Auswertungen
gleich viele Befragte zur Verfügung stehen. Die Auswertung, für die am wenigsten Fälle vorhanden sind, bildet
die Grundlage der Angabe der Fallzahl.
17
In der Befragung wurde nicht erhoben, ob der gestellte Antrag letztlich erfolgreich gewesen ist.

49

Das Risiko, Opfer eines Gewaltdelikts zu werden, variiert mit der Zugehörigkeit zu verschiedenen sozio-demografischen Gruppen, wie Tabelle 12 zeigt. Männliche Befragte weisen mit
Ausnahme der sexuellen Gewalt höhere Prävalenzraten auf als weibliche Befragte. Als signifikant erweisen sich die Unterschiede allerdings nur bei der Körperverletzung durch einzelne
Personen sowie der Körperverletzung insgesamt. Hinsichtlich der sexuellen Gewalt gilt, dass
0,5 % der weiblichen, aber nur 0,1 % der männlichen Befragten mindestens einen entsprechenden Übergriff in den zurückliegenden zwölf Monaten erlebt haben.
Für die Altersgruppen zeigt sich durchweg, dass ältere Befragte seltener von Übergriffen berichten. Insbesondere für die 16- bis 20jährigen und die 21- bis 30jährigen ergeben sich erhöhte Prävalenzzahlen. Zum Vergleich werden an dieser Stelle die Ergebnisse der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 präsentiert („9. Jahrgangsstufe“). Diese erreichen in etwa
das Niveau der Raten der 16- bis 20jährigen. Eine auffällige Ausnahme existiert jedoch: Von
Raubtaten berichten die Neuntklässler mit 3,3 % deutlich häufiger als die 16- bis 20jährigen
(0,8 %). Zu vermuten ist, dass die Schüler auch geringfügige Raubtaten, die sich bspw. im
Schulkontext ereignen können, unter diesem Delikt subsumieren.
Tabelle 12: Prävalenzraten zu Gewaltdelikten nach verschiedenen Gruppen (in %; gewichtete Daten)
Körpergefährliche/
verletzung
Körperschwere
sexuelle
ohne Waffe verletzung
Raub
KörperGewalt
durch einzel- insgesamt
verletzung
ne Personen
weiblich
0,2
0,7
1,5
1,9
0,5
Geschlecht
männlich
0,5
0,9
2,3
2,8
0,1
9. Jahrgangsstufe
3,3
3,5
8,7
10,1
0,6
16 bis 20
0,8
3,0
9,0
10,8
0,8
21 bis 30
0,8
2,2
4,7
5,6
1,0
31 bis 40
0,7
0,7
2,0
2,6
0,3
Alter
41 bis 50
0,2
0,7
1,3
1,9
0,1
51 bis 60
0,1
0,3
0,5
0,8
0,1
61 bis 70
0,1
0,1
0,3
0,3
0,1
71 bis 80
0,6
0,0
0,2
0,2
0,2
ab 81
0,0
0,3
0,0
0,3
0,0
Braunschweig
0,3
0,5
1,1
1,5
0,3
Hannover
0,5
1,0
2,2
2,8
0,2
stat. Region
Lüneburg
0,5
1,1
2,0
2,7
0,3
Weser-Ems
0,2
0,6
2,1
2,4
0,4
ländlich
0,2
0,8
2,3
2,8
0,3
Stadt-Land
städtisch
0,5
0,9
1,7
2,2
0,3
großstädtisch
0,5
0,5
1,2
1,7
0,5
deutsch
0,7
1,8
2,3
0,2
0,3
ehem. SU
1,4
3,1
3,4
0,7
0,7
Polen
0,0
1,7
1,7
0,0
0,0
ethnische Herkunft
Nord-/Westeuropa
2,4
2,4
4,8
0,0
0,0
Türkei
1,3
3,9
3,9
1,4
2,6
andere
1,0
1,4
2,4
0,9
0,5
fett: signifikant bei p < .05

50

Für keines der betrachteten Gewaldelikte ergibt sich im Dunkelfeld ein signifikanter Unterschied zwischen den statistischen Regionen oder zwischen ländlichen und städtischen Gebieten. Gleichwohl ergeben sich für die Region Braunschweig meist die geringsten Prävalenzraten; Hannover weist eher überdurchschnittliche Raten auf.
Die Raten unterscheiden sich jedoch für die einzelnen ethnischen Gruppen. Beim Raub werden die Unterschiede auch als signifikant ausgewiesen. Türkische Befragte berichten am häufigsten vom Erleben eines Raubs. Diese Befragten weisen auch bei allen anderen Delikten
hohe Viktimisierungsraten auf.
Da für die Körperverletzungen durch einzelne Personen ausreichend Angaben zum zuletzt
erlebten Delikt vorliegen, ist es möglich, ein Vergleich der Anzeigequoten vorzunehmen,
gleichwohl zu beachten bleibt, dass die Fallzahlen eher niedrig sind. In Abbildung 16 findet
sich der Vergleich der Anzeigequoten. Die Unterschiede werden zwar nicht als signifikant
ausgewiesen, dennoch gehen die Raten weit auseinander: In der statistischen Region Braunschweig wurden demnach 61,5 % der Körperverletzungen durch einzelne Personen zur Anzeige gebracht, in der den anderen Regionen sind es nur etwas ein Drittel, in Lüneburg sogar
nur 18,2 %. In großstädtischen Gebieten fällt die Anzeigequote niedriger aus als in ländlichen
Gebieten.
Abbildung 16: Anzeigequote nach statistischer Region und Gebiet (in %; ungewichtete Daten)
80,0

61,5
60,0

38,5

40,0

36,2

36,7

32,0
22,2
18,2

20,0

großstädtisch

städtisch

ländlich

Weser-Ems

Lüneburg

Hannover

Braunschweig

0,0

Eine letzte vergleichende Darstellung zu den Gewaltdelikten findet sich in Tabelle 13. Wie im
Abschnitt zur Stichprobenbeschreibung dargelegt, wurde neben der Hauptstichprobe eine Zusatzstichprobe befragt, in der auf den Einsatz des Fünf-Euro-Anreizes verzichtet wurde. Die
Rücklaufquote dieser Befragung fiel deutlich niedriger aus. Hinsichtlich der Prävalenzraten
ergeben sich bei einem Delikt signifikante Unterschiede: In der Hauptstichprobe gaben nur
0,3 % der Befragten an, sexuelle Gewalt erlebt zu haben, in der Zusatzstichprobe waren es
1,8 %. Bei drei der vier anderen Delikte gilt zugleich, dass die Prävalenzrate in der Hauptstichprobe höher ausfällt als in der Zusatzstichprobe. Die Ergebnisse zu den Gewaltdelikten
erlauben damit keine einheitliche Schlussfolgerung. Es gibt sowohl Hinweise darauf, dass die
51

Befragten mit Anreiz höher belastet sind als auch Hinweise darauf, dass dies für die Befragten
ohne Anreize gilt. Anreize scheinen daher nicht in besonderer Weise Personen ohne Viktimisierungserfahrungen anzusprechen.
Tabelle 13: Vergleich der Prävalenzraten zu Gewaltdelikten in der Hauptstichprobe und der Zusatzstichprobe ohne Anreiz (in %; ungewichtete Daten)
Hauptstichprobe (mit 5
Zusatzstichprobe
Euro Anreiz)
ohne 5 Euro Anreiz
Raub
0,4
0,0
gefährliche/schwere Körperverletzung

0,8

0,9

Körperverletzung ohne Waffe durch einzelne Personen

1,7

0,0

Körperverletzung insgesamt

2,2

0,9

sexuelle Gewalt

0,3

1,8

fett: signifikant bei p < .05

4.2. Eigentumsdelike
Aus dem Bereich der Eigentumsdelikte wurde eine Bandbreite an Straftaten erhoben. Da bzgl.
der Fragen zum letzten Delikt je nach Delikt unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt wurden,
erfolgt die Vorstellung der Ergebnisse getrennt für verschiedene Deliktgruppen. In Tabelle 14
sind zunächst die Befunde zur Viktimisierung durch Fahrzeugdiebstähle dargestellt. Demnach
berichten 7,1 % der Befragten davon, im zurückliegenden Jahr mindestens einen Fahrraddiebstahl erlebt zu haben. Die Prävalenzrate des Diebstahls von Kraftfahrzeugen beträgt demgegenüber nur 0,7 %. Als Kraftfahrzeugdiebstahl wurde zum Einen der Diebstahl von motorisierten Zweirädern, zum Anderen der Diebstahl von PKWs o.ä. erfragt. Von allen Befragten
wurden insgesamt 493 Fahrraddiebstähle berichtet; zugleich wurden nur 36 Kraftfahrzeugdiebstähle angegeben. Der Anteil wiederholt viktimisierter Personen beträgt beim Fahrraddiebstahl 19,9 %, beim Fahrzeugdiebstahl 4,5 %. Insofern kommt es sehr selten vor, dass eine
Person mehrfach in einem Jahr einen Kraftfahrzeugdiebstahl erlebt.
Um den Wert der entwendeten Fahrzeuge zu bestimmen, finden sich in Tabelle 14 der Mittelwert und der Median des angegebenen Zeitwerts des zuletzt entwendeten Fahrzeugs. Wird
wiederum auf den Medien Bezug genommen, so kann gesagt werden, dass die gestohlenen
Fahrräder einen Wert von ca. 200 Euro hatten, die motorisierten Zweiräder von 1.000 Euro
und die PKWs von 10.000 Euro. Die motorisierten Fahrzeuge waren meist versichert; bei
Fahrrädern war dies nur in 32,0 % der Delikte der Fall. Die Besitzer der Fahrräder haben dieses sehr selten wieder erhalten. Auch die Besitzer der PKWs konnten nur zu 44,0 % berichten,
dass sie ihr Fahrzeug wieder bekommen haben. Die Anzeigequote ist beim Diebstahl motorisierter Fahrzeuge sehr hoch: Alle Opfer des Diebstahls motorisierter Zweiräder haben diesen
angezeigt, 96,0 % der Opfer des Diebstahls von PKWs. Fahrraddiebstähle werden demgegenüber nur in etwa der Hälfte der Fälle bei der Polizei zur Anzeige gebracht.
Wird die psychische Belastung betrachtet, so ergeben sich für den Fahrzeugdiebstahl deutlich
höhere Mittelwerte als für den Fahrraddiebstahl. Zusätzlich findet sich, dass der Diebstahl
motorisierter Zweiräder sogar als etwas belastender empfunden wird als der Diebstahl eines
PKWs. Bei allen Auswertungen zum Diebstahl von Kraftfahrzeugen ist die geringe Fallzahl
52

zu beachten. So stehen zu einzelnen Auswertungen zum Kraftfahrzeugdiebstahl insgesamt
bspw. nur Angaben von 28 Opfern zur Verfügung.
Tabelle 14: Viktimisierung durch Fahrzeugdiebstahl (in %; gewichtete Daten)
Diebstahl
von Moped,
Diebstahl von
FahrradMofa, MoPKW, Kleindiebstahl
torroller,
transporter o.ä.
Motorrad
12-Monats-Prävalenz
7,1
0,3
0,5

Kraftfahrzeugdiebstahl
insgesamt
0,7

Inzidenz (Summe)

493

11

24

36

Inzidenz (Mittelwert)

1.32

1.00

1.07

1.09

Anteil Mehrfachviktimisierung

19,9

0,0

6,5

4,5

Zeitwert des Fahrzeugs (Mittelwert)*

311

1.814

13.614

10.664

Zeitwert des Fahrzeugs (Median)*

200

1.000

10.000

7.250

Fahrzeug versichert*

32,0

75,0

96,0

90,9

Fahrzeug zurückerhalten*

10,5

37,5

44,0

42,4

Anzeige erstattet*

51,2

100,0

96,0

97,0

Wie belastend ist Ereignis heute*

2.43

3.88

3.60

3.67

N*

≥ 353

≥7

≥ 21

≥ 28

* Auswertungen beziehen sich auf ungewichtete Daten

Als ein weiteres Eigentumsdelikt wurde der Wohnungseinbruchdiebstahl erhoben. Entsprechend Tabelle 15 sind 1,2 % der Befragten in den letzten zwölf Monaten Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden. Daneben haben 1,8 % einen versuchten Einbruch erlebt. Der Anteil an Mehrfachviktimisierungen fällt mit 14,6 bzw. 16,9 % eher niedrig aus.
Tabelle 15: Viktimisierung durch Wohnungseinbruch (in %; gewichtete Daten)
Wohnungseinbruchdiebstahl
12-Monats-Prävalenz
1,2
Inzidenz (Summe)

versuchter
Wohnungseinbruch
1,8

72

109

1.19

1.20

Anteil Mehrfachviktimisierung

14,6

16,9

Zeitwert der gestohlenen Sachen (Mittelwert)*

5.073

n.e.

Zeitwert der gestohlenen Sachen (Median)*

2.000

n.e.

Wert des sonstigen Schadens (Mittelwert)*

1.149

612

Wert des sonstigen Schadens (Median)*

600

200

Sachen versichert*

59,7

n.e.

Sachen zurückerhalten*

11,3

n.e.

Anzeige erstattet*

83,9

49,4

Inzidenz (Mittelwert)

Wie belastend ist Ereignis heute*

3.89

3.06

N*

≥ 57

≥ 67

* Auswertungen beziehen sich auf ungewichtete Daten; „n.e.“ nicht erhoben

Beim letzten Wohnungseinbruchdiebstahl wurden Sachen im Wert von ca. 2.000 Euro entwendet. Hinzu kommt ein sonstiger Schaden von ca. 600 Euro, der bspw. durch Schäden an
Türen oder Fenstern entsteht. Beim versuchten Wohnungseinbruch erreichen solche sonstigen
53

Schäden eine Höhe von ca. 200 Euro. Etwas mehr als die Hälfte der beim Wohnungseinbruchdiebstahl entwendeten Sachen waren versichert, so dass der Schaden ersetzt werden
kann. Nur jedes zehnte Opfer (11,3 %) gab an, dass es gestohlene Sachen zurück erhalten hat.
Die Anzeigequote beim vollendeten Wohnungseinbruchdiebstahl liegt bei 83,9 %, beim versuchten Wohnungseinbruch bei 49,4 %. Danach gefragt, warum nicht angezeigt wurde, gaben
die Opfer des vollendeten Wohnungseinbruchdiebstahls u.a. an, dass nur ein kleiner Schaden
entstanden ist, dass es sich um einen Bekannten gehandelt hat oder dass eigenes Verschulden
zum Einbruch geführt hätte. Die Opfer des versuchten Einbruchs antworten mehrheitlich, dass
nichts gestohlen wurde oder generell nur ein geringfügiger Schaden entstanden ist. Werden
daneben die Belastungseinschätzungen betrachtet, so ergibt sich für die Opfer eines vollendeten Wohnungseinbruchdiebstahls ein deutlich höherer Wert als für die Opfer des versuchten
Einbruchs.
Vom Diebstahl persönlicher Sachen berichten 6,2 % der Befragten (Tabelle 16). Insgesamt
wurden 372 solcher Diebstähle im Fragebogen angegeben; 14,2 % der Opfer erlebten solch
einen Diebstahl mehr als ein Mal. Die Sachen beim letzten Diebstahl hatten einen Wert von
ca.150 Euro. Der Diebstahl erfolgt etwa gleich häufig auf offener Straße oder zu Hause. Weitere 53,7 % gaben an, dass der Diebstahl woanders stattgefunden hat. Häufige Nennungen
waren hier u.a. die Arbeitsstelle, die Schule, ein Geschäft oder eine Sportstätte (z.B. Umkleidekabine, Schwimmbad). In der Hälfte der Fälle wurde Anzeige erstattet. Die berichtete psychische Belastung fällt mit einem Wert von 2,83 durchschnittlich aus.
Tabelle 16: Viktimisierung durch Diebstahl (in %; gewichtete Daten)
Diebstahl persönlicher Sachen
12-Monats-Prävalenz

6,2

Inzidenz (Summe)

372

Inzidenz (Mittelwert)

1.22

Anteil Mehrfachviktimisierung

14,2

Wert der gestohlenen Sachen (Mittelwert)*

509

Wert der gestohlenen Sachen (Median)*

150

Wo passiert: offene Straße*

15,5

Wo passiert: Haltestelle*

2,7

Wo passiert: Cafe/Bar*

10,4

Wo passiert: zu Hause*

17,6

Wo passiert: woanders*

53,7

Anzeige erstattet*

51,7

Wie belastend ist Ereignis heute*

2.83

N*

≥ 328

* Auswertungen beziehen sich auf ungewichtete Daten

Sachbeschädigungen gehören entsprechend der Befunde zu einem weiteren Deliktsbereich,
von dem viele niedersächsische Erwachsene betroffen sind (Tabelle 17). Jeder achte Befragte
(12,5 %) gab an, mindestens eine Sachbeschädigung in den letzten zwölf Monaten erlebt zu
haben. Ein Opfer erlebt dabei im Durchschnitt 1,51 Taten; dementsprechend ist der Anteil an
Opfern, die mehrfach Sachbeschädigungen erlebten, mit 30,4 % recht hoch. Beim Großteil
der zuletzt erlebten Sachbeschädigungen handelt es sich um Beschädigungen eines Fahrzeugs;
54

76,0 % der Fälle gehören hierzu. In weiteren 21,4 % der Fälle wurde das Haus, der Garten o.ä.
beschädigt. Die mittlere Schadensumme beträgt ca. 300 Euro. In jedem dritten Fall (36,2 %)
war die beschädigte Sache versichert. Ebenfalls in etwa jedem dritten Fall (30,1 %) kam es zu
einer Anzeige. Die psychische Belastung bei Sachbeschädigungen ist eher gering.
Tabelle 17: Viktimisierung durch Sachbeschädigung (in %; gewichtete Daten)
Sachbeschädigung
12-Monats-Prävalenz

12,5

Inzidenz (Summe)

941

Inzidenz (Mittelwert)

1.51

Anteil Mehrfachviktimisierung

30,4

Art: Haus/Garten beschädigt*

21,4

Art: Fahrzeug beschädigt*

76,0

Art: verschiedenes/unklar*

2,6

Wert der beschädigten Sache (Mittelwert)*

716

Wert der beschädigten Sache (Median)*

300

Sache versichert*

36,2

Anzeige erstattet*

30,1

Wie belastend ist Ereignis heute*

2.47

N*

≥ 612

* Auswertungen beziehen sich auf ungewichtete Daten

Ein letzter untersuchter Bereich von Eigentumsdelikten stellen die Betrugsdelikte dar (Tabelle
18). Vom Erleben mindestens eines Internetbetrugs berichten 5,7 % der Befragten, von anderen Betrugsdelikten 2,5 %. Der Anteil befragter, die wiederholt Opfer geworden sind, liegt bei
beiden Delikten etwa gleich hoch (23,6 bzw. 20,8 %).
Tabelle 18: Viktimisierung durch Betrugsdelikte (in %; gewichtete Daten)
Internetbetrug
anderer Betrug
12-Monats-Prävalenz

5,7

2,5

Inzidenz (Summe)

421

164

Inzidenz (Mittelwert)

1.54

1.38

Anteil Mehrfachviktimisierung

23,6

20,8

Höhe des Schadens (Mittelwert)*

752

6.792

Höhe des Schadens (Median)*

120

600

Anzeige erstattet*

27,8

27,5

Wie belastend ist Ereignis heute*

2.81

3.38

N*

≥ 278

≥ 127

* Auswertungen beziehen sich auf ungewichtete Daten

Erfragt wurde bei beiden Betrugsdelikten in offener Form, um welche Vorfälle es sich beim
letzten Delikt genau gehandelt hat. Bei anderen Betrugsdelikten waren die Angaben so unterschiedlich, dass diese nicht zu Oberkategorien zusammengefasst werden konnten. Beim Internetbetrug war dies hingegen möglich, mit folgendem Ergebnis: Bei 41,8 % der Fälle handelte
es sich um einen Warenbetrug, bei 17,1 % um einen Kreditkarten-/Kontobetrug bzw. um
Phishing, bei 10,2 % um Abofallen, bei 8,2 % um unberechtigte Zahlungsaufforderungen, bei
55

7,2 % um Erlebnisse mit Viren, Trojanern oder anderen Diebstahl und bei 15,5 % um sonstige
Internetbetrugsdelikte.
Hinsichtlich der Höhe des Schadens zeigen die Befunde in Tabelle 18, dass sich die Mittelwerte und die Medianwerte stark voneinander unterscheiden. Dies bedeutet, dass ein Großteil
der Delikte zu einem geringen Schaden führt, dass es zugleich aber auch Fälle mit sehr hohem
Schaden gibt. Wird wiederum der Median zur Beurteilung des durchschnittlichen Schadens
herangezogen, so gilt, dass Internetbetrug einen Schaden von ca. 120 Euro versucht, anderer
Betrug einen Schaden von ca. 600 Euro. Für beide Formen des Betrugs zeigt sich, dass etwa
ein Viertel der Taten zur Anzeige kommt (27,8 bzw. 27,5 %). In Übereinstimmung mit dem
durchschnittlichen Schaden findet sich zudem, dass andere Betrugsdelikte als psychisch belastender eingestuft werden als Internetbetrugsdelikte.
In Tabelle 19 ist ein Vergleich der Prävalenzraten der Eigentumsdelikte für verschiedene demografische Gruppen dargestellt. Nur bei zwei Delikten ergeben sich signifikante Geschlechtsunterschiede: Männliche Befragte erleben demnach häufiger Sachbeschädigungen
und Internetbetrugsdelikte. Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass Männer generell häufiger das Internet nutzen und dabei auch häufiger Opfererfahrungen machen. Bei den Sachbeschädigungen ist zu beachten, dass es sich mehrheitlich um Beschädigungen von Fahrzeugen
handelt und männliche Personen öfter im Besitz eines Fahrzeugs sein dürften.
Wie auch bereits bei den Gewaltdelikten finden sich bei den Eigentumsdelikten deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Mit Ausnahme des Kraftfahrzeugdiebstahls und des
vollendeten wie versuchten Wohnungseinbruchs zeigen sich höhere Prävalenzraten für die
jüngeren Altersgruppen. Beim versuchten Wohnungseinbruch ergibt sich zwar ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen; ein klares Altersgefälle ist hier aber nicht erkennbar.
Ebenfalls mit aufgeführt sind die Prävalenzraten für die Jugendlichen der niedersachsenweiten Schülerbefragung – zumindest für jene Delikte, für die Vergleiche möglich sind. Bei den
Fahrzeugdiebstählen liegen die Prävalenzraten der Schüler niedriger als die der 16- bis
20jährigen, was sicherlich damit zu erklären ist, dass die Schüler noch seltener im Besitz von
Fahrrädern bzw. motorisierten Fahrzeugen sind. Beim Diebstahl ergibt sich ebenfalls eine
niedrigere Prävalenzrate. Nur bei der Sachbeschädigung liegt diese höher, wobei der Unterschied zu den 16- bis 20jährigen eher gering ausgeprägt ist (12,0 zu 10,6 %).
Zwischen den statistischen Regionen findet sich ein signifikanter Unterschied: Beim Fahrraddiebstahl ist die Region Weser-Ems besonders betroffen. Die Prävalenzrate beträgt hier 9,6 %,
während sie in der Region Braunschweig nur bei 5,4 % liegt. Für alle anderen Delikte gilt,
dass sich die statistischen Regionen Niedersachsens hinsichtlich der Opferraten nicht unterscheiden. Die Differenzierung von städtischen und ländlichen Gebieten ergibt drei signifikante Unterschiede: Sowohl Fahrraddiebstähle als auch Diebstähle persönlicher Sachen und
Sachbeschädigungen sind in großstädtischen Gebieten verbreiteter als in ländlichen Gebieten.
Der Vergleich der ethnischen Gruppen weist ebenfalls auf signifikante Unterscheide hin.
Deutsche sowie nord- bzw. westeuropäische Befragte sind dabei meist am geringsten belastet.
Für türkische Befragte, aber ebenso für Befragte aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion

56

und Befragte einer anderen Herkunft zeigen sich demgegenüber meist die höchsten Prävalenzraten.
Tabelle 19: Prävalenzraten zu Eigentumsdelikten nach verschiedenen Gruppen (in %; gewichtete Daten)
KraftfahrDiebstahl
Wohnungs- versuchter
SachFahrrad- zeugdiebpersönInternet- anderer
einbruch- Wohnungsbeschädiebstahl stahl insgelicher
betrug Betrug
diebstahl
einbruch
digung
samt
Sachen
weiblich
6,6
0,6
1,4
1,9
6,4
2,2
11,5
3,8
Geschlecht
männlich
7,5
0,8
1,0
1,8
5,9
2,8
13,6
7,7

Alter

stat.
Region

StadtLand

9. Jahrgangsst.

8,0

0,3

n.e.

n.e.

9,2

12,0

n.e.

n.e.

16 bis 20

15,7

0,8

1,4

1,7

12,2

10,6

8,4

3,2

21 bis 30

10,4

0,8

1,2

0,8

9,2

17,5

6,8

3,1

31 bis 40

9,5

0,9

1,7

2,6

6,3

15,4

8,1

2,8

41 bis 50

7,6

0,8

0,9

1,9

6,7

14,7

9,6

3,5

51 bis 60

5,7

0,7

1,5

1,1

4,3

12,0

4,0

2,2

61 bis 70

3,3

0,1

0,8

2,6

4,0

11,2

3,1

1,5

71 bis 80

2,8

0,9

1,8

3,0

3,7

6,6

1,7

1,2

ab 81

3,0

0,0

0,0

1,3

5,4

4,7

0,7

1,0

Braunschweig

5,4

1,0

1,0

1,3

5,7

12,2

4,7

2,1

Hannover

5,9

0,6

1,1

1,4

6,8

13,4

5,6

1,8

Lüneburg

6,4

0,8

1,3

2,3

6,0

12,7

6,8

3,2

Weser-Ems

9,6

0,6

1,5

2,3

6,1

11,9

5,7

2,8

ländlich

5,6

0,5

1,4

1,6

5,7

10,6

5,2

2,6

städtisch

8,1

0,8

1,2

2,2

5,5

12,8

6,2

2,5

großstädtisch

8,2

1,0

0,7

1,6

9,5

17,0

5,7

2,2

deutsch

6,1

0,6

1,1

1,9

6,1

11,9

5,2

2,5

ehem. SU

13,6

0,3

2,1

2,1

6,1

14,5

9,8

2,4

11,7

0,8

4,2

0,9

4,1

17,4

2,5

2,5

6,0

1,2

1,2

2,5

7,3

12,3

4,9

3,7

Türkei

14,3

3,9

2,7

2,7

9,5

19,7

12,0

1,3

andere

14,5

0,9

1,4

0,9

8,4

19,8

10,8

2,3

ethnische Polen
Herkunft Nord-/Westeur.

fett: signifikant bei p < .05; „n.e.“ nicht erhoben

Für fünf Delikte lassen sich aufgrund ausreichender Fallzahlen Regionalvergleiche der Anzeigequote durchführen (Tabelle 20). Dabei wird im Vergleich der statistischen Regionen ein
signifikanter Unterschied für den Fahrraddiebstahl erzielt: In Lüneburg ist die Anzeigequote
beim Fahrraddiebstahl mit 62,8 % am höchsten, in Braunschweig hingegen mit 41,8 % am
geringsten. Dieses Bild wird bei den anderen Delikten jedoch nicht reproduziert. Beim Diebstahl persönlicher Sachen, bei der Sachbeschädigung und bei den Betrugsdelikten weist die
statistische Region Lüneburg (mit) die niedrigsten Anzeigequoten auf. Der Stadt-LandVergleich führt mit einer Ausnahme zu sehr ähnlichen Anzeigequoten: Bei anderen Betrugsdelikten scheint die Anzeigebereitschaft vor allem in großstädtischen Gebieten gegeben zu
sein. Fast die Hälfte dieser Betrugsdelikte wurde hier zur Anzeige gebracht, in den anderen
Gebieten ist es nur jedes vierte Delikt. Allerdings wird der Unterschied nicht als signifikant
ausgewiesen.
57

Tabelle 20: Anzeigequote nach statistischer Region und Gebiet (in %; ungewichtete Daten)
BraunHanLüne- Weserländlich städtisch
schweig nover
burg
Ems
Fahrraddiebstahl
50,4
54,9
41,8
43,4
62,8
53,0

großstädtisch
42,4

Diebstahl persönlicher Sachen

56,4

52,3

48,1

50,0

51,4

50,0

55,1

Sachbeschädigung

34,7

28,3

28,6

29,1

32,6

28,1

29,5

Internetbetrug

30,2

31,1

23,4

28,2

29,5

25,9

29,3

anderer Betrug

26,7

26,1

21,4

36,1

25,9

23,2

47,1

fett: signifikant bei p < .05

Der Vergleich der Prävalenzraten der Hauptstichprobe mit der Zusatzstichprobe ergibt erneut
kein einheitliches Bild. Vom Diebstahl persönlicher Sachen wird in der Hauptstichprobe häufiger berichtet, vom Kraftfahrzeugdiebstahl insgesamt in der Zusatzstichprobe ohne Anreiz.
Auch bei den anderen Delikten, zu denen sich keine signifikanten Unterschiede zeigen, findet
sich, dass einmal in der Hauptstichprobe und einmal in der Zusatzstichprobe höhere Prävalenzraten zu berichten sind. Dies unterstreicht die Folgerung, die bereits bei den Gewaltdelikten getroffen wurde: Der Einsatz eines Anreizes scheint nicht primär die Personen ohne
Viktimisierungserfahrungen zur Teilnahme zu motivieren.
Tabelle 21: Vergleich der Prävalenzraten zu Eigentumsdelikten in der Hauptstichprobe und der Stichprobe ohne Anreiz (in %; ungewichtete Daten)
Hauptstichprobe (mit 5
Zusatzstichprobe
Euro Anreiz)
ohne 5 Euro Anreiz
Fahrraddiebstahl
6,7
2,6
Kraftfahrzeugdiebstahl insgesamt

0,7

2,6

Wohnungseinbruchdiebstahl

1,3

1,7

versuchter Wohnungseinbruch

1,9

3,5

Diebstahl persönlicher Sachen

6,0

0,9

Sachbeschädigung

12,5

13,9

Internetbetrug

5,6

3,5

anderer Betrug

2,4

4,4

fett: signifikant bei p < .05

4.3. Verkehrsdelikte
Die Ergebnisse zu den drei abgefragten Verkehrsdelikten werden in Tabelle 22 vorgestellt.
Die Prävalenzrate fällt mit Blick auf die Drängelei usw. mit 41,7 % am höchsten aus. Insgesamt wurden von den Befragten 28.260 solcher Delikte berichtet. Mehr als neun von zehn
Betroffenen berichten davon, die Erlebnisse wiederholt gemacht zu haben. Mindestens eine
Unfallflucht erlebten 6,6 % der Befragten. Dieses Delikt weist Überschneidungen mit den
Sachbeschädigungen auf, wie sich empirisch zeigt: Befragte, die von einer Unfallflucht berichten, haben zu 65,2 % auch eine Angabe bei der Sachbeschädigung gemacht. Hier bietet es
sich für die zukünftige Erfassung an, beide Delikte stärker voneinander zu trennen. Von den
Opfern, die eine Unfallflucht erlebt haben, gaben 21,7 % an, dass dies mehr als ein Mal geschehen ist. Fahrlässige Körperverletzungen kommen am seltensten vor: 1,2 % der Befragten
berichten von mindestens einem solchen Erlebnis. Der Großteil der Opfer hat dieses Delikt
ein Mal in den zurückliegenden zwölf Monaten erfahren.
58

Die Anzeigequote liegt bei fahrlässigen Körperverletzungen mit 48,5 % am höchsten von den
drei berichteten Delikten. Eine Unfallflucht wird zu 39,0 % angezeigt. Diese Quote liegt etwas über der von Sachbeschädigungen (30,1 %), was die Folgerung erlaubt, dass bei Sachbeschädigungen an Fahrzeugen häufiger die Polizei informiert wird als bei anderen Sachbeschädigungen. Drängeleien, Ausbremsen, Schneiden und andere aggressive Verhaltensweisen
werden nur zu 2,2 % zur Anzeige gebracht. Die psychische Belastung ist bei allen drei Delikten eher gering ausgeprägt. Als am stärksten belastend wird die fahrlässige Körperverletzung
eingestuft.
Tabelle 22: Viktimisierung durch Verkehrsdelikte (in %; gewichtete Daten)
fahrlässige
Unfallflucht
Körperverletzung
12-Monats-Prävalenz
6,6
1,2

Drängelei, Ausbremsen, Schneiden
41,7

Inzidenz (Summe)

489

91

28.260

Inzidenz (Mittelwert)

1.37

1.58

14.23

Anteil Mehrfachviktimisierung

21,7

15,4

92,1

Anzeige erstattet*

39,0

48,5

2,2

Wie belastend ist Ereignis heute*

2.40

2.94

1.89

N*

≥ 172

≥ 33

≥ 1975

* Auswertungen beziehen sich auf ungewichtete Daten

Wie bereits bei der Sachbeschädigung zeigt sich auch bei der Betroffenheit von einer Unfallflucht, dass männliche Befragte häufiger hiervon berichten als weibliche Befragte (8,1 zu
5,1 %; Tabelle 23). Bei fahrlässigen Körperverletzungen ergibt sich kein signifikanter Unterschied, bei Drängeleien usw. wieder eine höhere Rate für männliche Befragte. Die Altersgruppen unterscheiden sich bei allen drei Delikten signifikant: Ältere Befragte sind, sicherlich
deshalb, weil sie seltener am Straßenverkehr teilnehmen, weniger häufig mit den drei Delikten konfrontiert als jüngere Befragte.18
Zwischen den statistischen Regionen Niedersachsens finden sich keine signifikanten Unterschiede. Im Vergleich städtischer und ländlicher Regionen ist dies hingegen ein Mal der Fall:
Befragte aus Großstädten geben häufiger an, aggressives Verhalten wie Drängeln, Ausbremsen oder Schneiden erlebt zu haben als Befragte aus ländlichen Gebieten.
In Bezug auf die ethnischen Gruppen zeigt sich für die Unfallflucht erneut eine besonders
hohe Prävalenzrate für türkische Befragte. Die Unterschiede zu den anderen Gruppen sind
jedoch nicht signifikant. Anders ist dies beim Drängeln usw.: Hier werden die Unterschiede
zwischen den ethnischen Gruppen als signifikant ausgewiesen. Deutsche und nord- bzw.
westeuropäische Befragte haben solche Verhaltensweisen häufiger erlebt als türkische oder
polnische Befragte.

18

In der niedersachsenweiten Schülerbefragung wurde diese Viktimisierungserfahrungen nicht erfasst, weshalb
zu den Neuntklässlern keine Angaben in Tabelle 23 zu finden sind.

59

Tabelle 23: Prävalenzraten zu Verkehrsdelikten nach verschiedenen Gruppen (in %; gewichtete Daten)
fahrlässige
Drängelei, AusUnfallflucht
Körperverletzung
bremsen, Schneiden
weiblich
0,9
5,1
39,5
Geschlecht
männlich
1,5
8,1
44,0

Alter

stat. Region

Stadt-Land

ethnische Herkunft

9. Jahrgangsstufe

n.e.

n.e.

n.e.

16 bis 20

4,2

4,0

48,3

21 bis 30

10,2

2,1

54,9

31 bis 40

9,3

1,3

51,4

41 bis 50

8,2

0,8

46,3

51 bis 60

5,3

0,8

40,8

61 bis 70

4,7

0,9

35,4

71 bis 80

4,0

0,0

23,0

ab 81

1,3

0,8

9,5

Braunschweig

6,4

0,8

43,3

Hannover

6,6

1,3

41,8

Lüneburg

6,8

1,4

42,9

Weser-Ems

6,5

1,2

39,9

ländlich

6,2

0,9

39,8

städtisch

6,4

1,2

42,7

großstädtisch

8,5

1,9

44,9

deutsch

6,6

1,1

42,5

ehem. SU

6,9

2,3

38,1

Polen

6,0

1,9

33,9

Nord-/Westeuropa

5,1

1,3

47,4

Türkei

11,0

0,0

23,1

andere

6,9

2,6

38,0

fett: signifikant bei p < .05; „n.e.“ nicht erhoben

Der Vergleich der beiden Stichproben belegt, dass es keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Prävalenzraten gibt (Tabelle 24). Die Raten liegen in der Zusatzstichprobe ohne
Anreize jeweils etwas höher als in der Hauptstichprobe. Dennoch kann nicht gefolgert werden, dass sich beide Stichproben systematisch unterscheiden würden. Anreize motivieren jene
Personen, die nicht von Delikten betroffen sind, also nicht häufiger zur Teilnahme.
Tabelle 24: Vergleich der Prävalenzraten zu Verkehrsdelikten in der Hauptstichprobe und der Stichprobe
ohne Anreiz (in %; ungewichtete Daten)
Hauptstichprobe (mit 5
Zusatzstichprobe
Euro Anreiz)
ohne 5 Euro Anreiz
Unfallflucht
6,6
7,9
fahrlässige Körperverletzung

1,1

1,8

Drängelei, Ausbremsen, Schneiden

42,0

43,1

4.4. Zusammenfassende Darstellung
Die zusammenfassende Darstellung hat drei Ziele: Erstens sollen die wichtigsten Ergebnisse,
die bislang entlang der Deliktgruppen vorgestellt wurden, zusammengeführt werden. Zwei60

tens sollen die Daten der Dunkelfeldbefragung genutzt werden, um eine Hochrechnung der
tatsächlichen Anzahl an Delikten, die in Niedersachsen im Jahr 2013 verübt wurden, durchzuführen. Drittens wird ein Vergleich mit der einleitend erwähnten niedersachsenweiten Dunkelfeldbefragung aus dem Jahr 2012 des Landeskriminalamts gezogen.
Eine erste zusammenfassende Darstellung findet sich zu den 12-Monats-Prävalenzraten in
Abbildung 17. Diese zeigt noch einmal, dass die Prävalenzraten zwischen 0,3 % und 41,7 %
schwanken. Am häufigsten berichteten die Befragten, dass sie Drängeleien oder ähnliche aggressive Verhaltensweisen im Straßenverkehr erlebt haben. Das zweithäufigste Delikt sind
Sachbeschädigungen, die 12,5 % der Befragten berichteten. Die dritthöchste Prävalenz findet
sich mit 7,1 % für den Fahrraddiebstahl. Raubtaten und sexuelle Gewaltdelikte bilden das
Ende der Rangreihe. Die beiden Formen der Körperverletzungen (Körperverletzung durch
einzelne Person bzw. gefährliche/schwere Körperverletzung) sind in der Abbildung hervorgehoben, da sie letztlich in den Index „Körperverletzungen insgesamt“ eingehen. Eine getrennte
Darstellung beider Delikte erscheint zugleich aber sinnvoll, weil es sich um qualitativ unterschiedliche Delikte handelt.
Abbildung 17: 12-Monats-Prävalenz der erhobenen Delikte (in %; gewichtete Daten)
45,0

41,7

40,0
35,0
30,0
25,0
20,0
12,5
2,5

2,4

1,9

0,8

1,8

1,2

1,2

0,7

0,4

0,3

versuchter Wohnungseinbruch

Wohnungseinbruchdiebstahl

fahrlässige Körperverletzung

Kraftfahrzeugdiebstahl insgesamt

Raub

sexuelle Gewalt

5,7

gefährliche/schwere
Körperverletzung

6,2

Körperverletzung ohne Waffe durch
einzelne Personen

6,6

5,0

Körperverletzung insgesamt

7,1

10,0

anderer Betrug

15,0

Internetbetrug

Diebstahl persönlicher Sachen

Unfallflucht

Fahrraddiebstahl

Sachbeschädigung

Drängelei, Ausbremsen, Schneiden

0,0

Für eine zweite zusammenfassende Darstellung wurde die Anzeigequote ausgewählt. Diese ist
entscheidend, um die Größe des Dunkelfeldes abzuschätzen. Entsprechend Abbildung 18 gibt
es beim Kraftfahrzeugdiebstahl nahezu kein Dunkelfeld: 97,0 % der Taten werden zur Anzeige gebracht. Ebenfalls recht hoch liegt die Anzeigequote beim vollendeten Wohnungseinbruchdiebstahls (83,9 %). Für fünf weitere Delikte gilt, dass etwa die Hälfte der Taten der
Polizei zur Anzeige gebracht wird. Bei Sachbeschädigungen und Betrugsdelikten sinkt die
Quote unter ein Drittel. Besonders niedrig ist sie in Bezug auf aggressive Verhaltensweisen
im Straßenverkehr (Drängeln usw.) ausgeprägt.

61

Abbildung 18: Anzeigequoten der erhobenen Delikte (in %; ungewichtete Daten)
100,0

97,0
83,9

80,0
55,0

60,0

51,7

51,2

49,4

48,5
39,0

40,0

37,5

37,2

42,9
34,9

30,1

27,8

27,5

20,0
2,2
Drängelei, Ausbremsen, Schneiden

anderer Betrug

Internetbetrug

Sachbeschädigung

Körperverletzung ohne Waffe durch
einzelne Personen

gefährliche/schwere
Körperverletzung

Körperverletzung insgesamt

sexuelle Gewalt

Unfallflucht

fahrlässige Körperverletzung

versuchter Wohnungseinbruch

Fahrraddiebstahl

Diebstahl persönlicher Sachen

Raub

Wohnungseinbruchdiebstahl

Kraftfahrzeugdiebstahl insgesamt

0,0

Die dritte zusammenfassende Darstellung betrifft die subjektiv eingeschätzte Belastung. Die
Opfer von Straftaten wurden zum zuletzt erlebten Delikt gefragt, als wie belastend sie dieses
aktuell noch einstufen, wobei sie von „1 – gar nicht belastend“ bis „5 – sehr belastend“ antworten konnten. Die höchste Belastung wird für sexuelle Gewaltdelikte berichtet. An zweiter
Stelle folgt kein weiteres Gewaltdelikt, sondern der Wohnungseinbruchdiebstahl, an dritter
Stelle der Kraftfahrzeugdiebstahl. Eher geringe Belastungen sind für die Sachbeschädigung,
den Fahrraddiebstahl, die Unfallflucht und das Drängeln usw. festzustellen.
Abbildung 19: Belastung der erlebten Delikte (in %; ungewichtete Daten)
5,00
4,12
4,00

3,89

3,67
3,38
3,06

3,22

2,99

3,06

3,05

3,00

2,94

2,83

2,81
2,47

2,43

2,40
1,89

2,00

Drängelei, Ausbremsen, Schneiden

Unfallflucht

Fahrraddiebstahl

Sachbeschädigung

Internetbetrug

Diebstahl persönlicher Sachen

fahrlässige Körperverletzung

Raub

versuchter Wohnungseinbruch

Körperverletzung ohne Waffe durch
einzelne Personen

gefährliche/schwere
Körperverletzung

Körperverletzung insgesamt

anderer Betrug

Kraftfahrzeugdiebstahl insgesamt

Wohnungseinbruchdiebstahl

sexuelle Gewalt

1,00

Die Dunkelfeldbefragung ermöglicht es, auf ganz Niedersachsen bezogen zu berechnen, wie
viele Straftaten im Jahr 2013 verübt wurden. Eine solche Hochrechnung stellt eine wichtige
Orientierung für die Polizei dar, weil damit deutlich wird, wie viele Straftaten die Polizei maximal zu bearbeiten hätte, wenn alle Straftaten zur Anzeige kämen. In Tabelle 25 ist die An62

zahl an polizeilich registrierten Straftaten für das Jahr 2013 aufgeführt. 19 Niedersachsenweit
wurden bspw. 2.770 Opfer von Raubtaten im Alter ab 16 Jahren erfasst. Bei den Eigentumsdelikten bezieht sich die Anzahl nicht auf Opfer-, sondern auf Fallzahlen, weil hier die Kriminalstatistik keine Opferzahlen ausweist. Zu Verkehrsdelikten liegen aus der Kriminalstatistik
keine Zahlen vor, da es vergleichbare Deliktschlüssel nicht gibt. Um eine Hochrechnung zu
allen Straftaten vornehmen zu können, kann auf die Befunde zur Anzeige zurückgegriffen
werden. Wenn bspw. beim Raub die ermittelte Anzeigequote 55,0 % beträgt, dann stellen die
registrieren 2.770 Delikte nur eben jenen Teil aller Raubtaten dar. Bezieht man die Anzahl
nicht angezeigter Taten mit ein, so hat es im Jahr 2013 5.036 Raubtaten in Niedersachsen gegeben. Je nachdem, wie hoch die Anzeigequote ausfällt, liegt die tatsächliche Anzahl an Straftaten deutlich über den in der PKS ausgewiesenen Fallzahlen oder in etwa auf diesem Niveau.
Kraftfahrzeugdiebstähle hat es entsprechend der Hochrechnung im Jahr 2013 nur marginal
mehr gegeben, als in der Kriminalstatistik ausgewiesen werden, weil die Anzeigequote
97,0 % beträgt (3.763 zu 3.649 Fällen). Andere als internetbezogene Betrugsdelikte kommen
aber weit häufiger vor als die Kriminalstatistik ausweist, weil die Anzeigequote hier nur
27,5 % beträgt.
Tabelle 25: Hochrechnung zur Anzahl an Straftaten in Niedersachsen
Anzahl
PKSHochAnzahl
Hochangezeigter
AnzeigeInzidenz
Schlüsselrechnung
gültiger
rechnung
Delikte
quote
(Summe)
Nummer
1
Antworten
2
PKS 2013
Raub
2.770
211
55,0
5.036
19
5.640
22.095
gefährliche/schwere Körperv.
Körperverletzung ohne Waffe
durch einzelne Personen
Körperverletzung insg.

10.751

2221

42,9

25.086

76

5.590

90.425

32.102

2241

34,9

92.026

180

5.573

215.523

42.853

37,2

115.227

256

5.613

304.050

sexuelle Gewalt

1.150

37,5

3.067

25

5.597

30.301

Fahrraddiebstahl

35.448

222/41
111, 112,
113, 133,
1341
***32

51,2

69.172

493

5.627

582.619

Kraftfahrzeugdiebstahl insg.

3.649

***12

97,0

3.763

36

5.609

42.156

2

83,9

11.942

72

5.623

85.607

2

49,4

11.584

109

5.532

130.752

2

*90*
67401/
674312
5111ff2,3

51,7

14.596

372

5.639

439.178

30,1

172.337

941

5.639

1.110.927

27,8

74.074

421

5.611

498.687

2,3

27,5

116.179

164

5.609

194.087

Wohnungseinbruchdiebstahl
versuchter Wohnungseinbruch

10.016
5.727

Diebstahl persönlicher Sachen

7.539

Sachbeschädigung

51.897

Internetbetrug

20.616

anderer Betrug

31.927

435*
435*

5111ff

Unfallflucht

-

-

39,0

-

489

5.482

593.806

fahrlässige Körperverletzung

-

-

48,5

-

91

5.158

117.156

Drängelei usw.

-

-

2,2

-

28.260

5.211

36.087.106

1

dargestellt sind die Zahlen zu den ab 16jährigen registrierten Opfern
2
dargestellt sind die Fallzahlen zu vollendeten Taten (Ausnahme: versuchter Wohnungseinbruch)
3
die genauen Nummern lauten: 5111, 51127, 5113, 512, 5131, 5132, 5133, 5136, 5143, 5145, 51507, 516, 5171, 5172, 5173, 5175, 5179,
5182, 51832, 5188, 5189

19

Für die Bereitstellung der Daten der Kriminalstatistik danke ich Stefan Prasse von der Kriminologischen Forschungsstelle des LKA Niedersachsen.

63

Die Angaben der Dunkelfeldbefragung können aber noch in einer weiteren Hinsicht für eine
Hochrechnung herangezogen werden, deren Ergebnisse deutlich höher ausfallen. Hierzu wird
nicht auf die Informationen der Kriminalstatistik, sondern allein auf die Informationen der
Befragung zurückgegriffen. Auf Basis der Befragung ist bekannt, wie viele Delikte die befragten Personen insgesamt erlebt haben. So wurden bspw. insgesamt 19 Raubtaten von den
Erwachsenen berichtet. Zugleich ist bekannt, wie viele Personen eine gültige Antwort abgegeben haben. Bei den Raubtaten waren dies bspw. 5.640 Personen; d.h. ein kleiner Anteil der
Befragten berichtete nicht, ob sie Rauberlebnisse hatten oder nicht. Die 5.640 Befragten stehen der Logik der Stichprobenziehung entsprechend für alle ab 16jährigen Personen Niedersachsens. Dies waren Ende 2013 6.654.414 Menschen. Die Anzahl an berichteten 19 Raubtaten muss daher nur mit 1.180 multipliziert werden (6.654.414 / 5.640), um die Anzahl an
Raubtaten zu berechnen, die alle Niedersachsen erlebt haben. Diese Zahl liegt bei 22.095 Taten und fällt damit viermal so hoch aus wie das Ergebnis der ersten Hochrechnung. Bei anderen Delikten, so z.B. beim Diebstahl persönlicher Sachen, beim Kraftfahrzeugdiebstahl und
beim versuchten Wohnungseinbruch fallen die Unterschiede zur ersten Hochrechnung noch
bedeutend größer aus. Mindestens zwei Erklärungen lassen sich hierfür heranziehen. Einerseits dürfte die Schätzung der Anzeigequote zu hoch ausfallen. Es ist durchaus plausibel, anzunehmen, dass die Befragten nicht immer das tatsächlich zuletzt erlebte Delikt berichtet haben, sondern das Delikt, dass aufgrund seiner Schwere eher im Gedächtnis geblieben ist. Je
schwerer ein Delikt ist, umso eher wird es angezeigt. Die Anzeigequoten dürften also niedriger liegen. Andererseits dürften die Zahlen zu den Inzidenzen eine Überschätzung darstellen.
Denkbar ist hier, dass Befragte auch Vorfälle mitgezählt haben, die sich nicht in den letzten
zwölf Monaten, sondern in der Zeit davor ereignet haben. Zudem kann angenommen werden,
dass sich eher Personen an einer Befragung zum Thema Kriminalität bereit erklären, die
selbst Opfererfahrungen haben. Das Drittel an für die Befragung ausgewählten Personen, die
sich nicht beteiligt hat, weist damit sicherlich eine niedrigere Viktimisierungsrate auf. Dennoch dürften mit diesen Erklärungen nicht die gesamten Diskrepanzen erklärt werden können.
Die verschiedenen Hochrechnungen sind als eine Art Spannweite zu betrachten, zwischen der
sich die tatsächliche Anzahl an Straftaten in Niedersachsen bewegt. Für einige betrachtete
Delikte fällt diese Anzahl beträchtlich aus: Für das aggressive Verhalten im Straßenverkehr
(Drängeln usw.) werden bspw. 36 Millionen Vorkommnisse geschätzt. Auch wenn das tatsächliche Ausmaß aufgrund der genannten Punkte niedriger ausfallen dürfte, wird das hohe
Problemausmaß deutlich. Auch die anderen Delikte dürften noch deutlich verbreiteter sein, als
dies bislang angenommen wird. Bei den Gewaltdelikten scheint das Dunkelfeld mit Ausnahme der Sexualdelikte allerdings nicht derart hoch zu sein, wie dies möglicherweise vermutet
wird. Die Schätzungen der beiden Hochrechnungen gehen hier nur um das Zwei- bis Vierfache auseinander (sexuelle Gewalt: um das Zehnfache).
Eine letzte zusammenfassende Darstellung betrifft den Vergleich mit einer ein Jahr zuvor
durchgeführten, niedersachsenweiten Dunkelfeldbefragung unter ab 16jährigen Personen.
Diese wurde vom Landeskriminalamt Niedersachsen koordiniert. Erreicht wurden bei einer
Rücklaufquote von 47,4 % insgesamt 18.940 Befragte (Gluba 2015). Dies gelang ohne finanzielle oder andere materielle Einsätze. In Tabelle 26 sind die Ergebnisse zur 12-MonatsPrävalenz und zur Anzeigequote (ebenfalls bezogen auf das zuletzt erlebte Delikt) beider Befragungen gegenüber gestellt. Da es zur Erklärung von Unterschieden zwischen den Befunden
beider Befragungen instruktiv sein kann, den konkreten Wortlaut der im Fragebogen aufge64

führten Umschreibungen der Delikte zu kennen, ist dieser Wortlaut ebenfalls in der Tabelle
26 abgebildet. Ein Vergleich der Befragungen erscheint, obwohl sie sich auf zwei unterschiedliche Jahre beziehen (2012 und 2013), sinnvoll, da es bei zwei direkt aufeinanderfolgenden Jahren nicht zu starken Entwicklungen der Viktimisierungsraten bzw. Anzeigequoten
gekommen sein sollte. Der Vergleich gibt damit einen Hinweis, inwieweit sich methodische
Unterschiede in den Ergebnissen wiederspiegeln.
Der Wortlaut beim Raub ist in beiden Befragungen sehr ähnlich. Die ermittelten Prävalenzraten fallen mit 0,4 bzw. 0,5 % vergleichbar aus. Ein deutlicher Unterschied findet sich bei der
Anzeigequote, die in der KFN-Befragung mit 55,0 % höher liegt als in der LKA-Befragung
(35 %). Da den Auswertungen der KFN-Befragung nur sehr wenige Fälle zugrunde liegen,
dürfte die Schätzung der LKA-Stichprobe verlässlicher sein, die allerdings keinen Hinweis
auf die den Ergebnissen zugrunde liegende Fallzahl enthält. Insofern die Stichprobe aber
dreimal so groß ist, dürften ca. dreimal so viele Raubopfer-Angaben in die Auswertungen
eingehen.
Die Körperverletzungen wurden in beiden Befragungen in unterschiedlicher Differenzierung
erhoben. In der KFN-Befragung wurden insgesamt drei, in der LKA-Befragung vier Formen
der Körperverletzung erfragt. Für die einzelnen Körperverletzungsdelikte ist ein Vergleich
nicht möglich, für den zusammenfassenden Index hingegen schon. Auch dabei ergeben sich
sehr ähnliche Prävalenzraten (2,4 bzw. 2,3 %). Die Anzeigequote wird in der KFN-Befragung
erneut höher eingeschätzt (37,2 zu 24 %).
Sehr große Diskrepanzen finden sich für die sexuelle Gewalt. Die Prävalenzrate liegt in der
LKA-Befragung weit höher, die Anzeigequote sehr viel niedriger. Die Erklärung hierfür kann
in der Frageformulierung gesehen werden: In der KFN-Befragung werden nur Verhaltensweisen erfragt, die mit sexuellen Handlungen einher gingen. In der LKA-Befragung wurden hingegen auch Verhaltensweisen einbezogen, die als sexuelle Belästigungen gelten können. Diese Handlungen dürften zum Einen häufiger vorkommen und zum Anderen seltener zur Anzeige gebracht werden als Vergewaltigungen o.ä.
Für die Eigentumsdelikte ist generell zu konstatieren, dass die in beiden Befragungen ermittelten Anzeigequoten weitestgehend vergleichbar hoch ausfallen. Nur beim versuchten Wohnungseinbruch und beim Diebstahl persönlicher Sachen ergeben sich etwas größer Diskrepanzen, die wiederum derart ausfallen, dass in der KFN-Befragung höhere Quoten zu berichten
sind. Die Prävalenzraten fallen dagegen z.T. sehr unterschiedlich aus. Eher geringe Abweichungen gibt es beim Wohnungseinbruchdiebstahl bzw. beim versuchten Wohnungseinbruch.
Die etwas höheren Raten der KFN-Befragung dürften damit zu begründen sein, dass es im
Vergleich der Jahre 2012 und 2013 zu einem weiteren Anstieg der Einbrüche gekommen ist.
Beim anderen als dem Internetbetrug weichen die Raten ebenfalls eher gering voneinander ab,
wobei die Rate der LKA-Befragung höher liegt als die der KFN-Befragung. Inwieweit diese
Abweichung, aber auch die größeren Abweichungen bei den anderen Eigentumsdelikten Entwicklungstrends im Dunkelfeld wiederspiegeln, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Zu
beachten sind in jedem Fall erstens Formulierungsunterschiede und zweitens in der LKABefragung zusätzlich erhobene Delikte, die in der KFN-Befragung nicht berücksichtigt wurden.
65

In Bezug auf die Formulierung ist bspw. auf den Kraftfahrzeugdiebstahl hinzuweisen. In der
KFN-Befragung wurde dieser detailliert erfragt, d.h. hier wurden die verschiedenen Kraftfahrzeuge benannt. In der LKA-Befragung wird nur von „Kraftfahrzeugen“ gesprochen. Es ist
nicht auszuschließen, dass Befragte Zweiräder seltener hierunter verortet haben, was die geringere Prävalenzrate erklären könnte. Auch bei der Sachbeschädigung könnten Formulierungsunterschiede bedeutsam für den Unterschied zwischen beiden Befragungen sein. In der
KFN-Befragung wurden verschiedene Beispiele aufgezählt, die Sachbeschädigungen umfassen können, so dass die Befragten ermutigt wurden, eine Vielzahl an Beschädigungen zu berichten. In der LKA-Befragung erfolgte die Abfrage zwar mittels zwei Aussagen (1. Aussage:
Kraftfahrzeug mutwillig beschädigt; 2. Aussage: Eigentum über KFZ hinaus beschädigt).
Beide Aussagen weisen aber eine Fokussierung auf die Kraftfahrzeugbeschädigung auf, insofern bei der zweiten Abfrage wiederum hierauf Bezug genommen wurde. Wäre anstatt einer
Negativbeschreibung („über KFZ hinaus“) eine Positivliste präsentiert worden, läge die Prävalenzrate möglicherweise höher.
Bei zwei anderen Eigentumsdelikten könnten die Unterschiede in den Prävalenzraten hingegen darauf zurückzuführen sein, dass in der LKA-Befragung noch weitere Delikte erhoben
wurden, unter denen Befragte ihre Erfahrungen eventuell besser subsumieren konnten. Dies
betrifft erstens den Diebstahl persönlicher Sachen. In der LKA-Befragung wurde zusätzlich
zu dem in Tabelle 26 präsentierten Item noch die Frage nach einem weiteren Diebstahl gestellt. 20 Die Prävalenzrate lag bei den als „Diebstahl allgemein“ bezeichneten Delikt bei
2,0 %. Beide Prävalenzraten zusammenaddiert, ergeben einen geringeren Abstand zur Prävalenzrate der KFN-Befragung.21
Ein deutlicher Unterschied in der Prävalenzrate existiert darüber hinaus beim Internetbetrug.
Auch hier dürfte die wesentliche Erklärung sein, dass in der LKA-Befragung verschiedene
Formen der Internetkriminalität separat erhoben worden sind, die die Befragten der KFNBefragung bei der Frage zur Internetkriminalität berichtet haben dürften (oder sie gar nicht
berichtet haben). Bei den vom LKA zusätzlich erhobenen Delikten handelt es sich um den
Datenverlust durch Viren (Prävalenzrate 9,9 %), um das Preisgeben vertraulicher Daten
(0,4 %) und um das Phishing (0,9 %). Würden diese Formen der Viktimisierung separat erhoben, blieben beim Internetbetrug wahrscheinlich vor allem der Warenbetrug übrig. Die KFNDaten liefern zum Internetbetrug damit ein weniger verlässliches Bild als die Daten des LKA.
Interessant ist, dass sich zuletzt beim Fahrraddiebstahl eine bedeutsame Differenz zwischen
beiden Befragungen zeigt: In der KFN-Befragung liegt die Rate mit 7,1 % höher als in der
LKA-Befragung. An dieser Stelle ist auf eine dritte Erklärung (neben dem Wortlaut und den
insgesamt erhobenen Delikten) hinzuweisen: Die LKA-Befragung hat eine geringere Rücklaufquote erzielt als die KFN-Befragung, in der mit einem Fünf-Euro-Anreiz gearbeitet wurde. Wie in Tabelle 21 berichtet, zeigt sich im Vergleich der beiden KFN-Stichproben mit und
20

Der genaue Wortlaut war: „Mir wurde etwas anderes gestohlen (außer KFZ, Fahrrad oder Dingen, die ich
unmittelbar bei mir trug.“
21
Nicht auszuschließen ist, dass Personen sowohl Opfer von Diebstahl persönlicher Dinge also auch Opfer von
Diebstahl allgemein geworden sind. Die Prävalenzrate läge dann wiederum niedriger. In den Veröffentlichungen
zur LKA-Befragung wird kein zusammenfassender Index zum Diebstahl berichtet, weshalb die genaue Rate
nicht zum Vergleich herangezogen werden kann.

66

ohne Anreiz ein Unterschied in der Fahrraddiebstahlsquote, die der Richtung nach identisch
ist mit der Diskrepanz zwischen der KFN- und der LKA-Stichprobe. Einzelne Opfergruppen
werden durch den Einsatz von Anreizen anscheinend besser erreicht, so dass die Prävalenzrate
zum Fahrraddiebstahl, die in der KFN-Befragung erzielt wird, die wahren Verhältnisse besser
abbilden dürfte als die Prävalenzrate der LKA-Befragung.
Tabelle 26: Vergleich der Befunde der KFN- und der LKA-Befragung

Raub
gefährliche/schwere
Körperverletzung

Wortlaut der Items KFN

Wortlaut der Items LKA

Jemand hat mit Gewalt etwas entrissen
oder unter Androhung von Gewalt
etwas weggenommen
Jemand hat Sie absichtlich verletzt:
mit Waffe oder Gegenstand bzw. ohne
Waffe durch mehrere Personen

Jemand hat mir mit Gewalt oder
Androhung von Gewalt etwas
weggenommen.

0,4

0,5

55,0

35

-

0,8

-

42,9

-

-

1,9

-

34,9

-

2,4

2,3

37,2

24

0,3

1,7

37,5

4

Mir wurde ein Fahrrad gestohlen.

7,1

5,0

51,2

50

Mir wurde ein Kraftfahrzeug
gestohlen.

0,7

0,3

97,0

92

Jemand ist in meine Wohnung
eingebrochen.

1,2

0,9

83,9

84

Jemand hat versucht, in meine
Wohnung einzubrechen.

1,8

1,6

49,4

36

Mir wurden Dinge gestohlen, dich
ich unmittelbar bei mir trug (Geldbörse, Handtasche, Schal o.ä.)

6,2

3,1

51,7

35

12,5

8,3

30,1

31

5,7

2,9

27,8

24

2,5

3,3

27,5

28

-

6,6

-

39,0

-

-

1,2

-

48,5

-

-

41,7

-

2,2

-

Körperverletzung
ohne Waffe durch
einzelne Personen

Jemand hat Sie absichtlich verletzt:
ohne Waffe durch einzelne Person

Körperverletzung
insgesamt

Jemand hat Sie absichtlich verletzt:
mit Waffe oder Gegenstand bzw. ohne
Waffe durch mehrere Personen bzw.
ohne Waffe durch einzelne Person

Jemand hat Sie mit Gewalt oder durch
Androhung von Gewalt zu sexuellen
Handlungen oder zur Duldung von
sexuellen Handlungen gezwungen
Wurde folgendes Fahrzeug gestohlen:
Fahrraddiebstahl
Fahrrad
Wurde folgendes Fahrzeug gestohlen:
Kraftfahrzeugdiebstahl Moped, Mofa, Motorroller, Motorrad
insgesamt
bzw. PKW, Kleintransporter oder
anderes motorisiertes Fahrzeug
Jemand ist in Wohnung eingebrochen
Wohnungsund hat etwas gestohlen (nicht gemeint
einbruchdiebstahl
sind Einbrüche in Garagen, Schuppen,
Keller, Gartenlauben, Geschäftsräume)
Jemand hat versucht, in Wohnung
versuchter Wohnungseinzubrechen bzw. ist eingebrochen,
einbruch
hat aber nichts gestohlen
Jemand hat Gegenstände, Geld oder
Diebstahl persönlicher andere Zahlungsmittel (z.B. KreditkarSachen
te) gestohlen ohne in Wohnung einzubrechen und ohne Gewalt anzuwenden
Jemand hat Sachen, die Ihnen gehörten, beschädigt oder zerstört (z.B.
Sachbeschädigung
Graffiti an Hauswand, Kratzer an
Fahrzeug, Zerstören des Briefkastens)
sexuelle Gewalt

Internetbetrug

Jemand hat Sie über das Internet
betrogen, so dass Sie einen finanziellen Schaden erlitten

anderer Betrug

Jemand hat Sie so betrogen, dass Sie
einen finanziellen Schaden erlitten
(nicht über das Internet)

Unfallflucht

fahrlässige Körperverletzung
Drängelei, Ausbremsen, Schneiden

1212Anzeige- AnzeigeMonatsMonatsquote
quote
Prävalenz Prävalenz
KFN
LKA
KFN
LKA
(2013)
(2012)
(2013)
(2012)

Als Verkehrsteilnehmer folgendes
erlebt: Unfallflucht nach fahrlässiger
Beschädigung Ihres Fahrzeugs (PKW,
Fahrrad oder Ähnliches)
Als Verkehrsteilnehmer folgendes
erlebt: fahrlässige Körperverletzung
durch andere Verkehrsteilnehmer
Als Verkehrsteilnehmer folgendes
erlebt: Drängelei, Ausbremsen,
Schneiden oder Ähnliches

Ich wurde angegriffen und leicht
verletzt bzw. angegriffen und so
sehr verletzt, dass ich zum Arzt
musste (mit Waffe/von mehreren
Personen bzw. von einer Person)
Ich wurde gegen meinen Willen
sexuell bedrängt (z.B. begrabscht)
bzw. jemand hat mich sexuell
missbraucht oder vergewaltigt.

Mir wurde ein Kraftfahrzeug
mutwillig beschädigt bzw. mein
Eigentum (über KFZ hinaus)
wurde absichtlich beschädigt.
Ich wurde bei der Nutzung des
Internets betrogen und erlitt
dadurch einen finanziellen Schaden.
Ich wurde nicht bei Nutzung des
Internets, sondern auf einem
anderen Wege betrogen und erlitt
dadurch einen finanziellen Schaden.

67

Die vergleichenden Auswertungen beider Befragungen unterstreichen damit, dass die auf dem
Weg der Dunkelfeldbefragung erzielten Ergebnisse von verschiedenen Faktoren abhängig
sind. Weitere, experimentelle Untersuchungen zu den Folgen von bspw. Wortlautveränderungen, von Veränderungen der Anzahl erhobener Delikte sowie der Verwendung von Anreizen
erscheinen daher geboten. Bislang kann keine Dunkelfeldforschung den Anspruch erheben,
absolut verlässliche Befunde zu erzielen. Die Faktoren, die das Antwortverhalten beeinflussen, sind vielfältig und deren Wirkung wird erst nach und nach mittels vergleichend angelegter Forschung sichtbar gemacht.22

22

In Tabelle 26 sind auch noch einmal die Verkehrsdelikte dargestellt. Für diese sind keine Vergleiche mit der
LKA-Dunkelfeldbefragung möglich, die diese Delikte nicht erhoben hat. Die Delikte finden sich dennoch in der
Tabelle, um den konkreten Wortlaut der Items zu berichten.

68

5. Täterschaften
5.1. Verbreitung
In kurzer Form im Schlussteil des Fragebogens wurden die Befragten gebeten, mitzuteilen, ob
sie selbst verschiedene Straftaten ausgeführt haben. Dunkelfeldstudien unter Erwachsenen, in
denen auch nach Täterschaften gefragt wird, sind in Deutschland bislang sehr selten. So finden sich bspw. in zwei deutschlandweiten ALLBUS23-Studien aus den Jahren 1990 und 2000
einige Fragen zu Täterschaften (vgl. Baier/Branig 2009, Mehlkop/Becker 2004). Allerdings
wurden nur vier, als eher niedrigschwellig einzustufende Verhaltensweisen erfragt (Schwarzfahren, Steuerbetrug, Fahren unter Alkoholeinfluss, Ladendiebstahl). Mehlkop (2011) bezieht
zusätzlich die Delikte Versicherungsbetrug und Unfallflucht mit ein, seine Studie beschränkt
sich aber nur auf eine Stadt (Dresden). Kürzlich wurde zudem eine Täterbefragung am MaxPlanck Institut für ausländisches und internationales Strafrecht durchgeführt (Kunz 2011).
Dabei wurde eine Vielzahl an Delikten erfragt, jedoch nur für ab 49jährige Personen und nur
für eine Region in Baden-Württemberg.
Die Abfrage zu selbst ausgeübten Straftaten wurde in der niedersachsenweiten Erwachsenenbefragung wie folgt eingeleitet: „Viele Menschen begehen hin und wieder selbst eine Gesetzesübertretung. Im Folgenden sind einige solcher Gesetzesübertretungen aufgeführt. Bitte
geben Sie für jede dieser Verhaltensweisen an, ob Sie so etwas in den letzten 12 Monaten
ausgeführt haben.“ Mit der Befragung lassen sich also nur Zwölf-Monats-Prävalenzraten,
nicht bspw. Lebenszeitprävalenzen berechnen. Abbildung 20 zeigt, dass die Befragten am
häufigsten schwarz gefahren sind (6,7 %). Zudem gaben 5,7 % an, alkoholisiert ein Kraftfahrzeug gesteuert zu haben. Schwarzarbeit, Einkommenssteuerbetrug und Bestechungen wurden
ebenfalls noch von über einem Prozent der Befragten ausgeführt. Diebstahl oder Fahrzeugdiebstahl wurden am seltensten berichtet. Jeder 200. Befragte gab zudem an, in den zurückliegenden zwölf Monaten mindestens einmal eine Körperverletzung begangen zu haben.
Abbildung 20: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften (in %; gewichtete Daten)
8,0
7,0

6,7
5,7

6,0
5,0
4,0

3,3

3,0

0,6

0,5

0,3

0,2

0,1

Sozialleistungsbetrug

Diebstahl

Fahrzeugdiebstahl

0,7

Körperverletzung

1,2

1,0

Sachbeschädigung

2,1

2,0

23

Ladendiebstahl

Bestechung

Einkommenssteuerbetrug

Schwarzarbeit

Alkoholfahrt

Schwarzfahren

0,0

ALLBUS steht für Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften.

69

Tabelle 27 stellt die Zwölf-Monats-Prävalenzraten getrennt für die verschiedenen Altersgruppen der Erwachsenenbefragung dar. Zusätzlich finden sich die Zwölf-Monats-Prävalenzraten
der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 abgebildet. Bei dieser wurden die Delikte
weitestgehend vergleichbar erhoben. Einen Unterschied gibt es mit Blick auf die Körperverletzungen. In der Erwachsenenbefragung wurde hier nur ein Item aufgeführt („jemanden absichtlich verletzt, z.B. durch Schläge, Tritte, Würgen, andere Angriffe, Waffe bzw. Gegenstand“). In der Schülerbefragung wurden insgesamt drei Items formuliert (einfache Körperverletzung, gemeinschaftliche Körperverletzung, Körperverletzung mit Waffe); wenn mindestens eines der Items bejaht wurde, liegt das Begehen einer Körperverletzung vor. Einige Delikte wurden in der Schülerbefragung nicht erhoben; dies ist mit einem Strich („-“) in der Tabelle gekennzeichnet.
Für alle Delikte ergeben sich signifikante Unterschiede zwischen den Altersgruppen derart,
dass die jüngeren Altersgruppen höhere Raten aufweisen als die älteren Altersgruppen. In
Bezug auf alle Delikte, bei denen ein Vergleich möglich ist, sind für die Neuntklässler die
höchsten Raten festzustellen; nur beim Fahrzeugdiebstahl fällt die Prävalenzrate der 16- bis
20jährigen genauso hoch aus. Die Raten dieser Altersgruppe sind bei den meisten Delikten
am zweithöchsten, mit z.T. geringem Abstand zu den Neuntklässlern (z.B. Schwarzfahren,
Sachbeschädigung, Diebstahl). Bei drei Delikten liegt die höchste Belastung aber in anderen
Altersgruppen: Alkoholfahrten und Schwarzarbeit berichten die 21- bis 30jährigen am häufigsten, Einkommenssteuerbetrug die 51- bis 60jährigen. Insgesamt gibt es sechs Delikte, bei
denen die älteren Gruppen der ab 61jährigen Befragten durchaus noch relevante Tätergruppen
darstellen: Schwarzfahren, Alkoholfahrten, Schwarzarbeit, Einkommenssteuerbetrug, Bestechung und Ladendiebstahl. In den anderen Deliktsbereichen sind ältere Personen hingegen
nicht aktiv.
Tabelle 27: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften nach Altersgruppe (in %; gewichtete Daten)
9. Jahr16 bis 21 bis 31 bis 41 bis 51 bis 61 bis 71 bis
ab 81
gangsstufe
20
30
40
50
60
70
80
Schwarzfahren
28,7
26,8
16,9
8,3
4,6
2,2
1,8
0,9
0,3
Alkoholfahrt

-

5,6

9,9

6,8

7,6

3,8

4,7

2,5

1,2

Schwarzarbeit

-

5,7

7,2

4,4

3,2

3,0

1,6

0,7

0,0

Einkommenssteuerbetrug

-

0,0

1,8

2,5

2,6

3,0

2,3

0,6

0,9

Bestechung

-

3,2

1,4

1,2

1,2

1,0

0,7

0,7

0,9

Ladendiebstahl

5,2

2,9

0,8

0,5

0,5

0,8

0,4

0,3

0,0

Sachbeschädigung

6,3

4,3

1,4

0,8

0,3

0,0

0,1

0,0

0,0

Körperverletzung

7,4

3,2

0,8

0,4

0,3

0,3

0,0

0,0

0,0

-

0,8

0,7

0,3

0,3

0,1

0,0

0,0

0,0

Diebstahl

1,6

1,3

0,1

0,3

0,1

0,0

0,0

0,0

0,0

Fahrzeugdiebstahl

1,3

1,3

0,4

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

Sozialleistungsbetrug

Werden die Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Befragten der Erwachsenenbefragung betrachtet, so zeigt sich, dass Männer fast durchgängig signifikant höhere Prävalenzraten aufweisen (Tabelle 28). Diese liegen ca. doppelt so hoch wie die Raten der Frauen. Zwei Ausnahmen gibt es allerdings: Bei Sozialleistungsbetrug und Fahrzeugdiebstahl sind
70

die Raten für beide Geschlechter gleich. Ebenfalls in Tabelle 28 dargestellt ist ein Vergleich
der verschiedenen Migrantengruppen. Dabei ergeben sich durchaus unterschiedliche Belastungen für die einzelnen Gruppen. Jedoch werden die Unterschiede nur bei zwei Delikten als
signifikant ausgewiesen: Das Fahren unter Alkoholeinfluss kommt bei türkischen und anderen
Befragten deutlich seltener (bzw. überhaupt nicht) vor, während deutsche und polnische Befragte hier die höchste Prävalenzrate haben. Bei der Körperverletzung gilt demgegenüber,
dass Migranten höhere Raten berichten. Befragte aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion
sowie türkische Befragte weisen mit 1,7 bzw. 1,3 % eine ca. viermal so hohe Prävalenzrate
auf wie deutsche Befragte (0,4 %). Im Vergleich zu den Geschlechtsunterschieden sind die
Unterschiede zwischen den Migrantengruppen aber alles in allem eher gering.
Tabelle 28: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften nach Geschlecht und ethnischer
Herkunft (in %; gewichtete Daten)
Nord-/
ehem.
weiblich männlich deutsch
Polen
WestTürkei andere
SU
europa
Schwarzfahren
6,7
4,0
8,4
11,1
5,2
8,3
5,4
8,2
Alkoholfahrt

3,2

8,4

6,1

3,4

6,7

4,9

0,0

0,9

Schwarzarbeit

2,1

4,6

3,3

4,0

2,5

3,7

2,6

3,7

Einkommenssteuerbetrug

1,4

2,8

2,2

1,7

1,7

1,2

0,0

1,4

Bestechung

0,6

1,8

1,2

1,7

0,8

0,0

2,6

1,9

Ladendiebstahl

0,4

0,9

0,7

0,7

0,8

1,2

1,3

0,5

Sachbeschädigung

0,2

1,1

0,6

1,3

2,5

1,2

1,3

0,5

Körperverletzung

0,2

0,8

0,4

1,7

0,8

1,2

1,3

0,5

Sozialleistungsbetrug

0,3

0,2

0,2

1,0

0,8

0,0

0,0

0,0

Diebstahl

0,0

0,3

0,2

0,0

0,0

0,0

0,0

0,0

Fahrzeugdiebstahl

0,1

0,2

0,1

0,3

0,0

0,0

1,3

0,0

fett: signifikant bei p < .05

Für alle Delikte wurde zusätzlich geprüft, ob sich die Befragten der vier statistischen Regionen Niedersachsens signifikant unterscheiden. In Abbildung 21 sind die Prävalenzraten für
die Delikte dargestellt, für die sich signifikante Unterschiede (p < .05) ergeben haben. Das
Schwarzfahren ist demnach in der Region Hannover am weitesten verbreitet. Alkoholfahrten
berichten Befragte aus der Region Lüneburg am häufigsten. In dieser Region, wie auch in der
Region Weser-Ems gaben zudem die meisten Befragten an, schwarz zu arbeiten. Hinsichtlich
der Bestechung gilt, dass in der Region Braunschweig die Prävalenzrate im Vergleich zu den
anderen drei Regionen besonders niedrig ausfällt.

71

Abbildung 21: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften nach statistischer Region (in
%; gewichtete Daten)
9,0

8,2

8,0

7,2

7,2

7,0

6,3

5,9

6,0
5,1

5,0

4,9

4,7

5,0

4,1
4,0
3,0

2,3
1,8

2,0

1,6

1,0

1,3 1,3

0,4

0,0
Schwarzfahren

Alkoholfahrt
Braunschweig

Schwarzarbeit

Hannover

Lüneburg

Bestechung

Weser-Ems

In Abbildung 22 sind darüber hinaus signifikante Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen dargestellt. Dabei ergibt sich für die ersten vier abgebildeten Delikte, dass Befragte mit
höherer Bildung am häufigsten berichten, diese ausgeführt zu haben. Das Begehen von Straftaten ist insofern auch in den höheren Sozialschichten verbreitet. Bei Sachbeschädigungen
und Körperverletzungen gilt demgegenüber, dass diese Formen des strafbaren Verhaltens häufiger von Befragten mit mittlerer Bildung begangen wurden.
Abbildung 22: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften nach Bildungsniveau (in %;
gewichtete Daten)
12,0

11,3

10,0
7,7

8,0
6,1
5,4

6,0

2,0

3,7

3,4

4,0

4,2
3,5

2,1

1,7

1,7
1,1

0,9
0,3

0,6

0,2

0,7

0,4

0,0
Schwarzfahren

Alkoholfahrt

Schwarzarbeit

niedrig

72

mittel

Einkommenssteuerbetrug

hoch

Sachbeschädigung

Körperverletzung

An dieser Stelle soll zudem ein Vergleich der beiden Stichproben der Befragung vorgenommen werden. Einerseits erhielten im Rahmen der Hauptstichprobe die Befragten einen FünfEuro-Anreiz; andererseits wurde in einer Zusatzstichprobe auf diesen Anreiz verzichtet. Tabelle 29 stellt die Ergebnisse zu beiden Stichproben gegenüber. Dabei werden sowohl die
Prävalenzraten dargestellt als auch der Anteil fehlender Werte. Denkbar wäre ja bspw., dass
sich in der Hauptstichprobe zwar mehr Personen beteiligen, diese aber den Fragebogen weniger sorgfältig ausfüllen, also z.B. mehr Fragen unbeantwortet lassen. Der Vergleich der Prävalenzraten ergibt weitestgehend ein eindeutiges Bild: Die Befragten der Hauptstichprobe
berichten häufiger von der Ausübung von Straftaten. Hinsichtlich des Delikts der Alkoholfahrt wird der Unterschied als signifikant ausgewiesen. Nur beim Ladendiebstahl und bei der
Sachbeschädigung kehrt sich der Unterschied um. Es kann damit gefolgert werden, dass der
Einsatz von Anreizen dazu führt, dass sich Personen verstärkt an einer Umfrage beteiligen,
die Straftaten begangen haben. Insofern dürften die Prävalenzschätzungen der Hauptstichprobe besser die tatsächlichen Gegebenheiten wiederspiegeln als die Schätzungen der Zusatzstichprobe ohne Anreize. Der Einsatz von Anreizen geht gleichzeitig nicht mit einer schlechteren Qualität der Daten einher. Zwar zeigt sich, dass etwas mehr Befragte der Hauptstichprobe keine Angabe zu selbstbegangenen Straftaten gemacht haben; die Unterschiede zur Zusatzstichprobe sind aber gering und nicht signifikant.
Tabelle 29: Vergleich der Zwölf-Monats-Prävalenzraten und der Anteile fehlender Werte in der Hauptstichprobe und der Zusatzstichprobe ohne Anreiz (in %; ungewichtete Daten)
Zwölf-Monats-Prävalenzraten
Anteil fehlende Werte
Zusatzstichprobe
Zusatzstichprobe
Hauptstichprobe
Hauptstichprobe
ohne 5 Euro Anohne 5 Euro An(mit 5 Euro Anreiz)
(mit 5 Euro Anreiz)
reiz
reiz
Schwarzfahren
6,3
4,3
2,0
0,9
Alkoholfahrt

5,6

0,9

2,1

1,7

Schwarzarbeit

3,2

1,7

2,1

1,7

Einkommenssteuerbetrug

2,1

0,9

2,2

1,7

Bestechung

1,1

1,7

2,1

1,7

Ladendiebstahl

0,7

0,0

2,0

1,7

Sachbeschädigung

0,6

1,7

2,0

1,7

Körperverletzung

0,5

0,0

2,0

1,7

Sozialleistungsbetrug

0,3

0,0

2,1

1,7

Diebstahl

0,2

0,0

2,0

1,7

Fahrzeugdiebstahl

0,1

0,0

2,0

1,7

Fett: signifikant bei p < .05

5.2. Einflussfaktoren
Im Folgenden soll der Zusammenhang zwischen verschiedenen Merkmalen und der Täterschaft untersucht werden. Im Fragebogen wurde eine Vielzahl an Faktoren erhoben, von denen zumindest aus Jugendstudien Hinweise dazu vorliegen, dass sie mit Täterschaften in Beziehung stehen (für einen Überblick u.a. Beelmann/Raabe 2007). In Bezug auf Erwachsene
wurden diese jedoch meist noch nicht untersucht. Die theoretischen Annahmen darüber, wie
die Beziehung zu erklären ist, dürften für Erwachsene aber ebenso Gültigkeit besitzen. Um
73

die Komplexität der folgenden Auswertungen gering zu halten, werden nicht für alle elf erfragten Straftaten Zusammenhangsanalysen präsentiert. Stattdessen werden drei Indizes betrachtet, die sich z.T. auf Basis einer explorativen Faktorenanalyse, z.T. auf Basis theoretischer Überlegungen ergeben:
1. Diebstahl: Hierunter werden die Delikte Ladendiebstahl, Fahrzeugdiebstahl und sonstiger Diebstahl gefasst. Wenn ein Befragter mindestens eines dieser Delikte in den zurückliegenden zwölf Monaten verübt wird, wird er als Täter klassifiziert. Dies trifft
auf 0,9 % aller Befragten zu.
2. Aggressives Verhalten: Hierzu zählen die Sachbeschädigung und die Körperverletzung. Ersteres Delikt erfasst aggressives Verhalten gegenüber Gegenständen, zweites
Delikt gegenüber anderen Personen; bei beiden Delikten handelt es sich um eher impulsive Taten. Insgesamt 1,0 % aller Befragten haben sich in mindestens einer der beiden Formen aggressiv verhalten.
3. Steuerbetrug: Als Steuerbetrug werden die Delikte Einkommenssteuerbetrug und
Schwarzarbeit klassifiziert. Bei beiden Delikten geht es darum, sich Pflichtabgaben zu
entziehen. Von allen Befragten gaben 4,9 % an, dass sie mindestens eines der beiden
Delikte ausgeführt haben.
Damit werden sieben der elf Delikte berücksichtigt. Das Schwarzfahren, das Fahren unter
Alkoholeinfluss, die Bestechung und der Sozialleistungsbetrug werden nicht weiter betrachtet.
Den Einflussfaktoren dieser Delikte sollte in zukünftigen Auswertungen nachgegangen werden.

5.2.1. Viktimisierungen
Im vorangegangenen Abschnitt wurden die Auswertungen zu Viktimisierungserfahrungen
bereits vorgestellt. Um die Zusammenhänge mit den Täterschaften zu prüfen, werden ebenfalls drei Viktimisierungsindizes berücksichtigt:
1. Diebstahlerfahrungen: Hierzu gehören die Betroffenheit von Fahrrad-, Moped- und
PKW-Diebstahl bzw. von Diebstahl von persönlichen Sachen in den zurückliegenden
zwölf Monaten (betrifft 12,3 % der Befragten).
2. Erfahrungen aggressiven Verhaltens: Unter diesen Viktimisierungserfahrungen wurden die Sachbeschädigung und die drei Formen der Körperverletzung subsumiert (betrifft 14,0 % der Befragten).
3. Betrugserfahrungen: Zusammengefasst wurden hier die Delikte Internetbetrug und anderer Betrug (betrifft 7,7 % der Befragten). Im Gegensatz zu den anderen beiden Indizes ist dieser Index nicht deckungsgleich mit dem Index der Täterschaft. Dies ist deshalb nicht möglich, weil vom Steuerbetrug keine Person, sondern der Staat betroffen
ist. Plausibel erscheint dennoch, dass die Erfahrung, betrogen worden zu sein, die Bereitschaft erhöht, andere (also auch den Staat) zu betrügen.
Die Zusammenhänge, die sich zwischen den Opfer- und den Täterschaften ergeben, sind in
Abbildung 23 dargestellt. Die Unterschiede sind durchweg signifikant; d.h. das Erleben eines
Delikttyps erhöht die Täterschaft desselben Delikttyps deutlich. Während also bspw. Befragte,
die in den zurückliegenden zwölf Monaten nicht Opfer eines Diebstahls geworden sind, nur
74

zu 0,6 % selbst einen Diebstahl ausgeführt haben, liegt diese Rate bei den Opfern von Diebstählen bei 2,9 %. Es bestätigt sich ebenfalls, dass das Erleben von Betrugsdelikten die Bereitschaft erhöht, selbst Steuerbetrug zu begehen. Die Analysen wurden noch einmal unter Berücksichtigung des Geschlechts, des Alters und des Bildungsniveaus durchgeführt, insofern
sich für diese drei Faktoren enge Zusammenhänge mit den Täterschaften ergeben haben. 24 Die
Ergebnisse bleiben bestehen: Opferschaften und Täterschaften stehen in einem signifikanten
Zusammenhang.
Abbildung 23: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften nach Opferstatus (in %; gewichtete Daten)
10,0
9,0
9,0
8,0
7,0
6,0
4,6

5,0
4,0
2,9

3,0

2,7

2,0
1,0

0,8

0,6

0,0
Opfer Diebstahl:
nein

Opfer Diebstahl: ja

Diebstahl

Opfer aggressiven
Verhaltens: nein

Opfer aggressiven
Verhaltens: ja

aggressives Verhalten

Opfer von Betrug: Opfer von Betrug: ja
nein
Steuerbetrug

5.2.2. Erfahrungen in Elternhaus und Schule
Im Hinblick auf die Erfahrungen im Elternhaus wurden die Befragten gebeten, sich an die
Zeit ihrer Kindheit und Jugend (bis zum 16. Lebensjahr) zurück zu erinnern. Getrennt für
Mutter und Vater sollten dann auf einer Skala von „1 – nie“ bis „5 – sehr oft“ verschiedene
Verhaltensweisen berichtet werden. Im Folgenden werden vier verschiedene Erziehungsstile
unterschieden:
1. Physische elterliche Gewalt: Zwei Formen elterlicher Gewalt wurden erfragt. Bei der
leichten Gewalt handelt es sich um die Verhaltensweisen „eine runterhauen“, „hart
anpacken/stoßen“ und „mit Gegenstand bewerfen“. Schwere Gewalt liegt vor, wenn
man „mit einem Gegenstand oder mit der Faust geschlagen wurde“ bzw. „verprügelt
oder zusammen geschlagen wurde“. Die Häufigkeit der Ausübung dieser Verhaltensweisen wird dabei nicht berücksichtigt. Es wird nur unterschieden zwischen Befragten, die schwere Gewalt, ausschließlich leichte Gewalt bzw. keine Gewalt erfahren

24

Zu diesem Zweck wurden logistische Regressionsanalysen berechnet.

75

haben. In der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 wurde die elterliche Gewaltanwendung in identischer Weise erhoben.25
2. Psychische elterliche Gewalt: Hier waren die zwei Items „Vater/Mutter hat mich als
dumm, faul, hässlich, dick oder Ähnliches bezeichnet“ und „Vater/Mutter hat andere
verletzende oder beleidigende Dinge zu mir gesagt“ zu beantworten. Wenn bei mindestens einem der Items mit „4 – oft“ geantwortet wurde, wird von häufigen psychischen Gewalterfahrungen gesprochen. In der niedersachsenweiten Schülerbefragung
2013 kamen dieselben Items zum Einsatz. Allerdings sollten die Jugendlichen diese
nur in Bezug auf die Zeit vor dem zwölften Lebensjahr beantworten. Die Prävalenzraten zu dieser Befragung stellen daher im Vergleich zur Erwachsenenbefragung eine
Unterschätzung dar, weil in den vier Jahren, in denen sich die Zeiträume beider Befragungen nicht überlappen (vor dem zwölften vs. vor dem 16. Lebensjahr), entsprechende verbale Übergriffe der Eltern erfolgen könnten.
3. Elterliche Zuwendung: Aus den Antworten zu den drei Items „Mein Vater/Meine Mutter hat mich getröstet, wenn ich traurig war“, „... mich beruhigt, wenn ich Angst hatte“
und „... mich in den Arm genommen“ wurde der Mittelwert gebildet. Befragte, die einen Mittelwert über 3,0 aufweisen, haben eher hohe Zuwendung erlebt, Befragte mit
einem Mittelwert über 4,5 sehr hohe Zuwendung. Bei den Jugendlichen erfolgte die
Abfrage der Zuwendung mit denselben Items, wobei diese erneut nur für den Zeitraum
vor dem zwölften Lebensjahr einzuschätzen waren.
4. Elterliche Kontrolle: Auch hier sollten die Befragten drei Items beantworten („... genau gewusst, wo ich in Freizeit bin“, „... darauf geachtet, wann ich abends zu Hause
bin“ und „... sich danach erkundigt, mit wem ich befreundet bin“). Aus den Antworten
wurde der Mittelwert gebildet; die Gruppeneinteilung erfolgte äquivalent zur Zuwendung. Die Jugendlichen der niedersachenweiten Schülerbefragung beantworteten dieselben Items, dabei wiederum nur für die Zeit vor dem zwölften Lebensjahr.
Wie häufig die Befragten physische bzw. psychische Gewalt in Kindheit und Jugend erlebt
haben, ist in Abbildung 24 dargestellt. In der Erwachsenenbefragung gaben 28,3 % an, leichte
elterliche Gewalt erlebt zu haben; immerhin 25,0 % berichten sogar von schweren elterlichen
Übergriffen. Gerade der Anteil an Befragten mit schweren Gewalterfahrungen erweist sich als
abhängig vom Lebensalter: Ältere Altersgruppen haben teilweise bis zu über einem Drittel
schwere elterliche Gewalterfahrungen machen müssen, in der jüngsten Altersgruppe der 16bis 20jährigen beträgt der Anteil nur noch 6,8 %. Überraschend ist, dass in der Schülerbefragung der Anteil mit 13,6 % wieder deutlich höher liegt. Möglicherweise fällt die Bereitschaft
von Erwachsenen, über solche aversiven Erlebnisse zu sprechen, niedriger aus als bei den
Jugendlichen, die diese Erlebnisse zudem noch etwas präsenter haben dürften. Wird die psychische Gewalt betrachtet, so gilt, dass 6,8 % der Erwachsenen häufiger entsprechende Erfahrungen machen mussten. Ältere Befragte berichten im Gegensatz zur physischen Gewalt deutlich seltener davon, psychische Übergriffe erlebt zu haben. Die Schüler der niedersachsenweiten Schülerbefragung liegen mit 8,7 % häufigen psychischen Übergriffserfahrungen in etwa
auf dem Niveau der 16- bis 20jährigen der Erwachsenenbefragung (8,9 %). Ein deutlicher
25

Allerdings wurde getrennt für die Zeit vor dem zwölften Lebensjahr und die letzten zwölf Monate gefragt. Für
die Auswertungen wurden beide Zeiträume zusammengefasst. Jugendliche, die bspw. nur in der Zeit vor dem
zwölften Lebensjahr schwere Gewalt erlebt haben, in den letzten zwölf Monaten aber nicht, werden der Gruppe
der Jugendlichen mit schweren Gewalterfahrungen zugeordnet.

76

Unterschied ist beim Anteil an Befragten mit seltenen Erfahrungen festzustellen (31,4 zu
42,7 %). Dies könnte einerseits auf einen Rückgang dieses Elternverhaltens hinweisen. Andererseits ist zu beachten, dass gerade psychische Übergriffe auch als solche wahrgenommen
und interpretiert werden müssen. Denkbar ist, dass dies aus einer größeren zeitlichen Distanz
heraus häufiger der Fall ist.
Abbildung 24: Elterliche Gewalterfahrungen nach Altersgruppe (in %; gewichtete Daten)
100,0
80,0
60,0
40,0
20,0

28,7 32,4

13,6 25,0
6,8

10,8

37,2 29,1 21,2

20,0

8,9
8,7

8,6

6,8

7,2

7,9

7,0

5,7

3,4 4,2
37,2 31,4 32,7 42,7 35,5 32,6 35,3 34,0 30,8
32,0 28,3
31,8
23,7 23,4
22,8 25,7 26,7 28,7 27,3 29,1

physische Gewalt

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

Erwachsene

9. Jahrgangsstufe

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

Erwachsene

9. Jahrgangsstufe

0,0

psychische Gewalt

leichte physische Gewalt/seltene psychische Gewalt

schwere physische Gewalt/häufig psychische Gewalt

Wie Abbildung 25 darüber hinaus zeigt, haben 16,6 % der Erwachsenen eine sehr hohe elterlich Zuwendung und 23,1 % eine sehr hohe elterliche Kontrolle erlebt. Bei beiden Erziehungsstilen ergibt sich ein Alterseffekt: Ältere Befragte berichten seltener von Zuwendung
und tendenziell häufiger von sehr hoher Kontrolle. Die Ergebnisse der niedersachweiten
Schülerbefragung entsprechen in etwa den Ergebnissen zu den 16- bis 20jährigen der Erwachsenenbefragung.
Abbildung 25: Elterliche Zuwendung und Kontrolle nach Altersgruppe (in %; gewichtete Daten)
100,0
80,0
25,2

33,0

23,5

25,3 23,1

16,6

18,5 12,4

50,7 51,7

59,6 55,8 54,5 54,8

60,0

21,4 22,9
24,3 18,0
20,1 24,5 27,6

36,5

12,3 13,7 13,6 25,0

40,0
20,0

47,4 48,2 48,7 43,6

62,7 61,1 68,1 65,0 62,0 63,9 60,2 59,8 56,3

47,1

Zuwendung

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

Erwachsene

9. Jahrgangsstufe

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

Erwachsene

9. Jahrgangsstufe

0,0

Kontrolle
eher hoch

sehr hoch

77

Auf die Zeit der Kindheit und Jugend bezogen sich zusätzlich zwei Fragen zur Schule. Erstens
sollten die Befragten einschätzen, wie ihre Schulleistungen nach der Grundschule im Großen
und Ganzen ausgefallen sind (von „1 – unter den Schlechtesten“ bis „5 – unter den Besten“).
Zweitens wurden sie gebeten, anzugeben, wie häufig sie wiederum nach der Grundschule pro
Schulhalbjahr mindestens einen ganzen Tag die Schule geschwänzt haben (von „keinen
Schultag geschwänzt“ bis „5 – mehr als fünf Schultage geschwänzt“). Zum Schulschwänzen
liegen Vergleichsdaten aus der Schülerbefragung vor; die Schulleistungen wurden hingegen
in der Schülerbefragung mittels Schulnoten erhoben und sind daher nicht vergleichend darstellbar. Von den befragten Erwachsenen attestiert sich etwas mehr als ein Drittel überdurchschnittliche Schulleistungen (36,2 %; Abbildung 26). Für ältere Befragte ist dies tendenziell
seltener der Fall. Von mindestens eintägigem Schulschwänzen berichten 31,1 % der Erwachsenen. Dies liegt deutlich höher als in der Schülerbefragung (15,2 %). Unter den jüngeren
Erwachsenen ist der Anteil höher als unter den älteren Erwachsenen.
Abbildung 26: Schulleistungen und Schulschwänzen nach Altersgruppe (in %; gewichtete Daten)
100,0
80,0

36,2

35,2 31,4 31,8 34,6 36,5 44,6
45,8 43,1

60,0

5,0

59,5 62,0 62,3 60,1 58,7 53,2
2,6

3,8

2,6

2,5
0,6

46,0
28,6 33,5

33,2 30,5 27,7

Schulleistungen
Durchschnitt/1-5 Tage geschwänzt

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

Erwachsene

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

Erwachsene

9. Jahrgangsstufe

0,0

9. Jahrgangsstufe

12,6

0,5

0,6
18,9 17,4
11,9
ab 81

20,0

48,2 52,8

3,5

71 bis 80

58,5

2,5

61 bis 70

40,0

Schulschwänzen
über Durchschnitt/mehr als 5 Tage geschwänzt

Um die Zusammenhänge der vorgestellten Erziehungs- und Schulmerkmale mit der Täterschaft zu untersuchen, wurden logistische Regressionsanalysen berechnet, in die alle Erziehungs- und Schulvariablen gleichzeitig sowie die Merkmale Geschlecht, Alter und Bildungsniveau einbezogen wurden. Signifikante Beziehungen ergaben sich dabei nur für einen Teil
der Merkmale, die in Abbildung 27 dargestellt sind. Für alle drei Straftaten ergeben sich Zusammenhänge mit dem Schulschwänzen. Befragte, die der Schule unerlaubt ferngeblieben
sind, berichten signifikant häufiger davon, Straftaten ausgeführt zu haben. Besonders deutlich
fallen die Unterschiede beim aggressiven Verhalten aus (0,6 zu 7,1 %). Ein weiterer wichtiger
Einflussfaktor ist das elterliche Kontrollverhalten: Befragte, die stärker von ihren Eltern in
ihrem Verhalten kontrolliert wurden, begehen seltener Diebstahl und Steuerbetrug. Zusätzlich
ergibt sich für jeweils ein Delikt ein Zusammenhang mit den Gewalterfahrungen: Psychische
Gewalterfahrungen erhöhen demnach die Bereitschaft, sich aggressiv zu verhalten. Physische
Gewalterfahrungen stehen in Verbindung mit häufigerem Steuerbetrug. Für das aggressive
Verhalten erweisen sich zudem die Schulleistungen als relevant: Befragte mit besseren Schul78

leistungen treten seltener mit aggressivem Verhalten in Erscheinung. Alles in allem sind es
aber in erster Linie die Merkmale Schulschwänzen und elterliches Kontrollverhalten, die mit
der Ausübung von Straftaten in engerer Verbindung stehen.
Abbildung 27: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften nach Erziehungs- bzw. Schulmerkmalen (in %; gewichtete Daten)
14,0

12,8

12,0
10,0
8,0

7,7

7,1

6,8

6,0

5,1
4,0 4,1

3,5

4,0
2,0

6,2

5,6

4,0

3,6
2,6

1,5

1,7
0,9

1,5

0,2 0,4

0,8 1,0 0,6

0,4

1,7

Kontrolle

Schwänzen

Diebstahl

psychische
Gewalt

Schulleist.

Schwänzen

aggressives Verhalten

physische
Gewalt

Kontrolle

mehr als 5 Tage

1-5 Tage

nie

sehr hoch

eher hoch

eher gering

schwere

leichte

keine

mehr als 5 Tage

1-5 Tage

nie

über Durchschnitt

Durchschnitt

unter Durchschnitt

häufig

selten

nie

mehr als 5 Tage

1-5 Tage

nie

sehr hoch

eher hoch

eher gering

0,0

Schwänzen

Steuerbetrug

5.2.3. Persönlichkeit
Konzepte darüber, welche zentralen Merkmale die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen,
gibt es viele. Im Rahmen der Befragung wurde sich am Fünf-Faktoren-Modell (Costa/McCrae
1992) – auch als „Big Five“ bezeichnet (Goldberg 1990) – orientiert. Zudem wurde die von
Andresen (2002) als sechste Basisdimension eingeführte Risiko- und Kampfbereitschaft berücksichtigt.
Das von Costa und McCrae (1992) postulierte Modell umfasst fünf stabile, voneinander weitestgehend unabhängige Persönlichkeitsmerkmale. Hierbei handelt es sich um die Merkmale
Extraversion (vs. Introversion), Neurotizismus (vs. emotionale Stabilität), Verträglichkeit,
Gewissenhaftigkeit und Offenheit für neue Erfahrungen. Personen, die eine hohe Extraversion
aufweisen, gelten als gesprächig, aktiv, durchsetzungsfähig und gesellig. Personen mit hohen
Neurotizismuswerten neigen dagegen zu Ängstlichkeit, Nervosität, Unsicherheit und Traurigkeit. Das Merkmal Verträglichkeit beinhaltet, dass man im Umgang mit anderen wohlwollend, mitfühlend, verständnisvoll, nachgiebig und kooperativ ist. Unter dem Merkmal Gewissenhaftigkeit werden Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Zielstrebigkeit und Disziplin subsumiert. Das letzte Merkmal Offenheit für neue Erfahrungen beschreibt Menschen, die als intellektuell, wissbegierig, kreativ und unabhängig in ihrem Urteil gelten. Nach Andresen (2002)
werden Aspekte der Risikobereitschaft in diesem Modell nur unzureichend abgebildet, weshalb dieses Merkmal ebenfalls erhoben wurde. Personen mit einer starken Ausprägung der
79

Risikobereitschaft zeichnen sich durch Erfolgsorientierung, Ehrgeiz sowie Tatkraft, Einsatz
und zupackendes Verhalten aus.
Zur Erfassung der „Big Five“ wurde auf eine Kurzform des Big-Five-Inventory (BFI-K) von
Rammstedt und John (2005) zurückgegriffen.26 Mit jeweils vier bzw. im Falle der Offenheit
für neue Erfahrungen fünf Items wird die Ausprägung des jeweiligen Personenmerkmals ermittelt. Die Befragten sollten dabei angeben, wie sehr die Aussagen auf sie selbst zutreffen,
wobei ihnen folgende Antwortoptionen zur Verfügung standen: 1 – „sehr unzutreffend“, 2 –
„eher unzutreffend“, 3 – „weder noch“, 4 – „eher zutreffend“, 5 – „sehr zutreffend“. Um das
Ausmaß an Risiko- und Kampfbereitschaft zu erheben, wurden sechs Items der Skala „Risikound Kampfbereitschaft/Suche nach Wettbewerb“ aus der Kurzform des Hamburger Persönlichkeitsinventars (HPI-K; Andresen, 2002) verwendet. Die Beantwortung der Items erfolgte
anhand einer vierstufigen Skala (von „1 – stimmt nicht“ bis „4 – stimmt genau“). Aus den
Antworten der Items eines Personenmerkmals wurde der Mittelwert gebildet. Die Befragten
wurden anschließend zu drei Gruppen zusammengefasst: Befragte mit niedriger, mittlerer und
hoher Ausprägung eines Merkmals.27 Hinzuweisen ist an dieser Stelle darauf, dass in der niedersachsenweiten Schülerbefragung keine Erhebung dieser Personenmerkmale stattfand. Wie
Abbildung 28 veranschaulicht, attestieren sich fast drei Viertel der Befragten (73,2 %) eine
hohe Gewissenhaftigkeit. Fast die Hälfte der Befragten meint, eine hohe Offenheit zu besitzen
(45,3 %). Risikobereitschaft und Neurotizismus sind demgegenüber nur bei einem kleinen
Teil der niedersächsischen Bevölkerung in hoher Ausprägung zu finden.
Abbildung 28: Verteilung der Personenmerkmale (in %; gewichtete Daten)
100,0

6,6

12,0
80,0

45,3

31,0

37,2

40,3
73,2

60,0
40,0

52,0

58,9

51,3
51,9

53,1

20,0

36,0

25,6
0,0

2,8
Offenheit für neue
Erfahrungen

11,5
Extraversion

10,1

1,2
Gewissenhaftigkeit

niedrig

mittel

Neurotizismus

Verträglichkeit

Risiko- und
Kampfbereitschaft

hoch

Mittels logistischer Regressionsanalysen wurde wieder geprüft, ob die sechs Personenmerkmale (unter Kontrolle von Alter, Geschlecht und Bildungsniveau) mit den Täterschaften in
26

Die Items zur Erfassung aller Persönlichkeitsmerkmale können bei Ellrich und Baier (2014, S. 56-62) nachgelesen werden.
27
Bei einer fünffach gestuften Antwortskala wurden die Gruppen wie folgt bestimmt: Mittelwerte von 1,0 bis
2,34 werden als niedrig, von 2,341 bis 3,67 als mittel und von 3,671 bis 5 als hoch eingestuft. Bei einer vierfach
gestuften Antwortskala wurden folgende Trennwerte benutzt: 1,0 bis 2,0, 2,01 bis 3,0 und 3,01 bis 4.

80

Beziehung stehen. Dabei haben sich in Bezug auf die drei betrachteten Straftaten insgesamt
nur sechs signifikante Zusammenhänge ergeben, die in Abbildung 29 veranschaulicht werden.
Für das Begehen von Straftaten sind demnach vor allem das Ausmaß an Gewissenhaftigkeit
sowie die Risiko- und Kampfbereitschaft relevant. Je höher die Gewissenhaftigkeit bzw. je
niedriger die Risikobereitschaft ausfällt, umso eher wird davon abgesehen, Straftaten auszuüben. In Bezug auf den Diebstahl zeigt sich zusätzlich ein Effekt des Neurotizismus: Ein höheres Ausmaß an Neurotizismus geht seltener mit Diebstählen einher.
Abbildung 29: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften nach Personenmerkmalen (in
%; gewichtete Daten)
10,0

9,2

9,0

8,4
7,6

8,0
7,0

5,9

6,0

5,8
4,6

5,0

3,9
4,0

3,2

3,1
3,0
1,8

2,0

1,7
0,6

0,7

hoch

0,5

1,0

mittel

1,3

0,7

0,7

1,1

Gewissenhaftigkeit

Neurotizismus

Diebstahl

Gewissenhaftigkeit

Risiko- und
Kampfbereitschaft

aggressives Verhalten

Gewissenhaftigkeit

hoch

mittel

niedrig

hoch

mittel

niedrig

hoch

mittel

niedrig

hoch

mittel

niedrig

niedrig

hoch

mittel

niedrig

0,0

Risiko- und
Kampfbereitschaft

Steuerbetrug

5.2.4. Persönliche Einstellungen
Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl persönlicher Einstellungen, die mit der Ausübung von
Straftaten in Verbindung stehen könnten. In der Studie wurde sich allerdings auf drei Einstellungen beschränkt: die Religiosität, das Deprivationsempfinden sowie das zwischenmenschliche Vertrauen.
Hinsichtlich der Religiosität wurde zunächst nach der Religionszugehörigkeit gefragt. Entsprechend der Befunde in Tabelle 30 gilt, dass in Niedersachsen etwas mehr als jeder fünfte
Einwohner (22,0 %) keiner Religion angehört. Die größte Religionsgruppe wird durch evangelische Befragte gestellt (55,4 %), gefolgt von den katholischen Befragten. Islamische und
andere Religionsangehörige stellen Minderheiten. Im Vergleich der Altersgruppen zeigt sich,
dass jüngere wie ältere Befragte am seltensten ohne Religionszugehörigkeit sind. Insofern ist
eine Distanzierung von religiösen Gruppen für jüngere Personen nicht festzustellen. Dies unterstreichen auch die Befunde der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013: In dieser ga-

81

ben 13,0 % der Befragten an, keiner Religionsgruppe anzugehören. 28 Ein Vergleich der ethnischen Gruppen führt zu dem Ergebnis, dass polnische Befragte am häufigsten der katholischen Kirche angehören (67,5 %), türkische Befragte am häufigsten dem Islam (78,7 %). Der
Anteil an Befragten ohne Religionszugehörigkeit ist bei den nord-/westeuropäischen Befragten am höchsten (39,5 %). Auch zwischen den statistischen Regionen Niedersachsens finden
sich signifikante Unterschiede: Im Gebiet Weser-Ems ist der Anteil an Befragten ohne Zugehörigkeit am geringsten, der Anteil an katholischen Einwohnern am höchsten.
Tabelle 30: Anteil der Religionsgruppen nach Alter, ethnischer Herkunft und statistischer Region (in %;
gewichtete Daten)
katholisch evangelisch
islamisch
andere
keine
gesamt

Altersgruppe

ethnische Herkunft

statistische Region

17,7

55,4

2,1

2,8

22,0

16 bis 20

14,6

63,1

4,6

4,0

13,7

21 bis 30

18,4

53,2

3,9

5,8

18,7

31 bis 40

19,0

47,2

3,5

3,5

26,9

41 bis 50

18,7

50,0

2,2

2,1

26,8

51 bis 60

18,7

52,0

0,8

2,6

25,8

61 bis 70

18,0

54,2

0,7

1,2

25,9

71 bis 80

15,8

67,3

0,9

1,3

14,7

ab 81

14,4

76,3

0,0

2,2

7,2

deutsch

16,7

58,9

0,1

1,6

22,7

ehem. SU

14,9

54,2

2,0

14,9

13,9

Polen

67,5

20,8

0,0

3,3

8,3

Nord-/Westeuropa

21,0

33,3

0,0

6,2

39,5

Türkei

0,0

2,7

78,7

12,0

6,7

andere

20,4

22,3

23,2

10,9

23,2

Braunschweig

16,4

53,4

2,7

3,1

24,4

Hannover

13,7

56,3

3,1

2,4

24,5

Lüneburg

6,4

64,4

0,8

3,1

25,4

Weser-Ems

30,0

49,7

1,6

2,9

15,8

Die Religionszugehörigkeit sagt allerdings wenig über das Ausmaß der religiösen Bindung
bzw. der Religiosität aus. Aus diesem Grund wurden die Befragten zusätzlich gebeten, drei
Fragen zu beantworten: „1. Wie wichtig ist Religion für Sie persönlich im Alltag?“, „2. Wie
oft haben Sie in den letzten 12 Monaten gebetet?“ und „3. Wie oft haben Sie in den letzten 12
Monaten aus religiösem Anlass ein Gotteshaus besucht?“ Diese Aussagen wurden bereits
wiederholt in Schülerbefragungen eingesetzt (vgl. u.a. Baier et al. 2010a). Die Antworten zu
den drei Items korrelieren hoch miteinander (zu mindestens r = .59), so dass eine Mittelwertsskala gebildet werden kann.29 Anhand der Skala lässt sich die Gruppe der eher religiösen (Religion im Alltag eher wichtig, mehrmals pro Monat bis einmal pro Woche gebetet, mehrmals
pro Monat Gotteshausbesuch) und der sehr religiösen Befragten (Religion im Alltag sehr
wichtig, mindestens mehrmals pro Woche gebetet, mindestens einmal pro Woche Gotteshausbesuch) bestimmen. Von allen Befragten werden 5,9 % als sehr religiös und 18,0 % als
28

Der katholischen Kirche gehören 20,5 % der Neuntklässler an, der evangelischen Kirche 57,4 % (islamisch:
5,5 %, andere: 3,6 %).
29
Vgl. zu Details der Skalenbildung Baier et al. (2010, S. 85ff).

82

eher religiös eingestuft (Abbildung 30). Zwischen den Religionsgruppen variiert der Anteil
(eher) religiöser Befragter erheblich: Bei den evangelischen Befragten sind es nur 24,0 %, die
sich als (eher) religiös einstufen, bei den Angehörigen einer anderen Religion hingegen
76,3 %. Ein deutlicher Zusammenhang ist auch mit dem Alter festzustellen (ohne Abbildung):
Jüngere Befragte sind deutlich seltener (eher) religiös als ältere Befragte. Die hohe Zugehörigkeitsquote der jüngeren Befragten geht also nicht einher mit einer höheren Religiosität. Die
Zugehörigkeit erscheint insofern eher eine „Pro-Forma-Zugehörigkeit“, ohne dass diese auf
einer starken religiösen Bindung beruht.
Abbildung 30: Religiosität nach Religionsgruppe (in %; gewichtete Daten)
100,0

80,0

60,0
46,9
17,9

sehr religiös
eher religiös

40,0
13,1
20,0

3,4

5,9
27,9
18,0

36,8

20,6

29,4

0,0
gesamt

katholisch

evangelisch

islamisch

andere

Das Deprivationsempfinden und das zwischenmenschliche Vertrauen wurden mittels folgenden Mehr-Item-Skalen erhoben:
1. Das Deprivationsempfinden umfasst die Auffassung, sozio-ökonomisch schlecht bzw.
schlechter als andere gestellt zu sein. Das Vertreten dieser Auffassung kann dazu motivieren, die Schlechterstellung mittels Straftaten wie Diebstahl, Raub oder Betrug zu
überwinden. Unter Bezug auf Vorschläge von Heitmeyer (2002) sollten die Befragten
vier Items beantworten: „Wie beurteilen Sie Ihre aktuelle wirtschaftliche Lage?“,
„Wie kommen Sie in Ihrem Haushalt mit dem Geld zurecht, dass Ihnen und Ihrer Familie monatlich zur Verfügung steht?“, „Wie viel können Sie sich von dem leisten,
was Sie möchten?“ und „Im Vergleich dazu, wie andere in Deutschland leben: Wie
viel, glauben Sie, bekommen Sie persönlich?“ Die Korrelationen zwischen den Antworten liegen bei mindestens r = .45. Es ist daher gerechtfertigt, eine Skala aus den
vier Items zu bilden. Problematisch ist dabei, dass die Antwortkategorien zwischen
den verschiedenen Items variieren. Aus diesem Grund wurden die Items zunächst trichotomisiert, wobei die drei Gruppen „benachteiligt“, „nicht benachteiligt“ und „privilegiert“ unterschieden wurden. Daraus wurde der Mittelwert bestimmt, der die Grundlage für die Zuweisung zu einer der drei Gruppen bildete.30

30

Als benachteiligt gilt, wer im Durchschnitt bei mindestens zwei Items ein Benachteiligungsempfinden geäußert hat; als privilegiert gilt, wer sich im Durchschnitt bei mindestens zwei Items als privilegiert eingestuft hat.

83

2. Das zwischenmenschliche Vertrauen wurde mit der Drei-Item-Skala von Beierlein et
al. (2012) gemessen. Die Items lauten „Ich bin davon überzeugt, dass die meisten
Menschen gute Absichten haben“, „Im Allgemeinen kann man den Menschen vertrauen“ und „Heutzutage kann man sich auf niemanden mehr verlassen“. Das letzte Item
ist ein Umkehritem; die Antworten wurden bei der Mittelwertsberechnung umkodiert.
Als Antwortkategorien standen die Vorgaben „1 – stimmt nicht“ bis „4 – stimmt genau“ zur Verfügung. Cronbachs Alpha der Skala beträgt .71. Befragte mit einem Mittelwert bis einschließlich 2,0 werden als gering vertrauend, Befragte mit einem Mittelwert über 3,0 als hoch vertrauend eingestuft.
Abbildung 31 zeigt, dass 24,7 % der Befragten ihre sozio-ökonomische Situation als benachteiligt einstufen, 7,2 % berichten eine privilegierte Lage. Die Einschätzung variiert signifikant
mit der ethnischen Herkunft. Bei türkischen Befragten, aber ebenso bei Befragten aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion und bei polnischen Befragten ist die Einschätzung, in einer
benachteiligten Lage zu leben, deutlich verbreiteter. In Bezug auf das zwischenmenschliche
Vertrauen gilt, dass 7,0 % der niedersächsischen Erwachsenen ein geringes Vertrauen aufweisen, 39,3 % ein hohes Vertrauen. Auch hierbei ergeben sich signifikante Unterschiede zwischen den ethnischen Gruppen: Besonders hoch fällt der Anteil an Befragten mit niedrigem
Vertrauen bei türkischen Befragten aus.
Abbildung 31: Deprivationsempfinden und Vertrauen nach ethnischer Herkunft (in %; gewichtete Daten)
7,5

2,7

4,2

13,4

5,2

5,6

80,0
60,0

13,0
39,3

61,5
68,1

55,8

59,3

69,2

40,8

59,7

10,1

8,4

12,0
Nord-/Westeuropa

53,7

53,1

7,0

27,3

Deprivationssempfinden
benachteiligt/geringes Vertrauen

43,4

30,7
andere

Türkei

Nord-/Westeuropa

Polen

ehem. SU

deutsch

6,1

Polen

23,2

60,5

ehem. SU

39,0

36,4

56,6

59,1

deutsch

35,8
23,3

0,0
gesamt

44,6

63,7

gesamt

24,7

28,8

31,1

63,4

40,0
20,0

30,9

14,6
andere

7,2

Türkei

100,0

Vertrauen
nicht benachteiligt/mittleres Vertrauen

privilegiert/hohes Vertrauen

Logistische Regressionsanalysen mit den drei Einstellungen Religiosität, Deprivationsempfinden und Vertrauen sowie den Kontrollvariablen Alter, Geschlecht und Bildung haben ergeben, dass keine der untersuchten Einstellungen mit dem Begehen von Straftaten (Diebstahl,
aggressives Verhalten, Steuerbetrug) in Beziehung steht. Für diese Formen des Verhaltens
sind die in die Untersuchung einbezogenen Einstellungen mithin nicht relevant. Eine stärkere
religiöse Bindung, ein höheres Vertrauen oder ein geringes Deprivationsempfinden beugen
Täterschaften also nicht vor.

84

5.2.5. Freizeitverhalten
Das Freizeitverhalten wurde in dreierlei Hinsicht untersucht. Erstens wurde allgemein danach
gefragt, welchen Freizeitverhaltensweisen die Befragten nachgehen. Zweitens stand der Alkohol- und Drogenkonsum im Mittelpunkt der Befragung. Drittens ging es darum, mit welchen Personen man sich umgibt, insbesondere, ob man Kontakt zu Freunden hat, die selbst
schon Straftaten begangen haben.
Hinsichtlich der Freizeitverhaltensweisen sollten die Befragten angeben, wir oft sie in den
letzten zwölf Monaten 13 verschiedenen Tätigkeiten nachgegangen sind. Die Antworten
konnten von „1 – nie“ bis „5 – mehrmals pro Woche/täglich“ abgestuft werden. In Abbildung
32 ist der Anteil an Befragten dargestellt, die einer Tätigkeit mindestens einmal pro Woche
nachgehen. Mehr als neun von zehn niedersächsischen ab 16jährigen widmet sich demnach
wöchentlich dem Fernsehen (91,5 %). Im Internet verbringen 61,1 % der Befragten häufiger
ihre Zeit; ebensoviele Befragte treffen sich mit Freunden. Fast die Hälfte der Erwachsenen
liest mindestens einmal pro Woche Bücher. Nur etwa jeder 20. Befragte besucht mindestens
einmal pro Woche Kinos, Konzerte oder Festivals bzw. kulturelle Veranstaltungen.
Abbildung 32: Anteil Befragter, die Freizeittätigkeit mindestens einmal pro Woche nachgehen (in %;
gewichtete Daten)
Fern-, Video, DVD sehen

91,5

Zeit im Internet verbringen

61,1

sich mit Freunden treffen

60,8

Bücher lesen

48,1

sich allein sportlich betätigen

47,1

sich zusammen mit anderen im öffentlichen Raum aufhalten

34,7

zusammen mit anderen Sport treiben

31,3

Computer spielen

28,0

ehrenamtliche Tätigkeit

17,2

künstlerische/musische Tätigkeiten

16,9

Besuch von Kneipen, Diskos, Volksfesten

12,6

Besuch von Kino, Konzerten, Festivals 5,2
kulturelle Veranstaltungen (z.B. Theater, Oper) besuchen 5,0

0,0

20,0

40,0

60,0

80,0

100,0

Für die weiteren Auswertungen wurde die Anzahl an Freizeittätigkeiten reduziert. Mittels
einer Faktorenanalyse lassen sich drei Bereiche von Freizeitaktivitäten identifizieren:
1. Aufsuchen jugendtypischer Orte: Hierzu gehören die drei Aktivitäten des Aufhaltens
im öffentlichen Raum, des Besuchs von Kino, Konzerten und Festivals und des Besuchs von Kneipen, Diskos und Volksfesten.
2. Medienaktivitäten: Hier werden das Computerspielen und das Verbringen von Zeit im
Internet zusammengefasst.

85

3. Kulturelle Aktivitäten: Als kulturelle Aktivitäten gelten der Besuch von kulturellen
Veranstaltungen, das Lesen von Büchern und das Beschäftigen mit künstlerischen und
musischen Tätigkeiten.
Die anderen fünf Aktivitäten (mit Freunden treffen, Fernsehen, sich allein oder mit anderen
sportlich betätigen, Ehrenamt) werden nicht weiter betrachtet. Um zu bestimmen, wie häufig
ein Befragter eine der drei Freizeitaktivitäts-Bereiche ausführt, wurde jeweils die häufigste
Antwort gewertet: Spielt ein Befragter bspw. nie Computer, ist aber einmal pro Woche im
Internet, wird in Bezug auf die Medienaktivitäten die Antwortet zur Internetnutzung herangezogen. Die Freizeitaktivitäts-Bereiche unterscheiden sich zwischen verschiedenen Befragtengruppen. In Abbildung 33 wird sich auf die Darstellung der Altersunterschiede konzentriert.31
Dabei zeigt sich, dass 39,3 % der Befragten mindestens einmal pro Woche jugendtypische
Orte aufsuchen. Für die 16- bis 20jährigen gilt dies deutlich häufiger als für die älteren Befragten. Fast zwei Drittel der Befragten beschäftigen sich mindestens einmal pro Woche mit
Medienaktivitäten. Dabei gibt es ein vergleichbares Altersgefälle wie beim Aufsuchen jugendtypischer Orte. Kulturellen Aktivitäten gehen 55,2 % der Niedersachsen mindestens einmal pro Woche nach. Dies tun ältere Befragte tendenziell eher als jüngere Befragte.
Abbildung 33: Anteil Befragter, die Freizeitaktivitäts-Bereichen mindestens einmal pro Woche nachgehen, nach Altersgruppe (in %; gewichtete Daten)
100,0

93,8

90,5
83,7

77,0

80,0

73,9
64,0

61,9

57,1

60,0

55,2

52,2

50,3

53,3 52,7 54,7

57,9 58,7 56,3

54,7

43,7

39,9

37,0

40,0

33,0 31,4

28,8
23,0 21,2

20,0
8,8

Aufsuchen jugendtypischer Orte

Medienaktivitäten

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

gesamt

16 bis 20

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

gesamt

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

gesamt

0,0

kulturelle Aktivitäten

Der Alkohol- und Drogenkonsum wurde mit fünf Items erfasst, die sich an der Abfrage der
niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 orientieren. Vergleiche können damit zwischen
beiden Stichproben gezogen werden. Auf einer Skala von „1 – nie“ bis „7 - täglich“ sollten
die Befragten zunächst angeben, wie häufig sie in den zurückliegenden zwölf Monaten Alkohol (Bier, Wein/Sekt, Alcopops, Schnaps), Zigaretten, Haschisch (bzw. Marihuana, Gras)
oder andere Drogen (wie Ecstasy, Speed oder Kokain; im Folgenden als „harte Drogen“ bezeichnet) konsumiert haben. Als problematisch wird beim Alkohol das mindestens wöchentliche Trinken, bei den Zigaretten das tägliche Rauchen und beim Cannabis bzw. bei den harten
31

In der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 wurden die Freizeitaktivitäten in anderer Weise erhoben,
weshalb hier kein Vergleich zur Altersgruppe der Neuntklässler gezogen wird.

86

Drogen das mindestens mehrmals monatliche Konsumieren eingestuft. In einer Zusatzfrage
wurde zudem das sog. Rauschtrinken erhoben. Hier sollte angegeben werden, ob man innerhalb der letzten 30 Tage mindestens zu einer Gelegenheit fünf oder mehr Gläser Alkohol hintereinander getrunken hat.
Das Rauschtrinken ist, wie die Ergebnisse in Tabelle 31 zeigen, weit verbreitet: 28,9 % der
Erwachsenen und 31,5 % der Neuntklässler gaben an, im letzten Monat Rauschtrinken praktiziert zu haben. Werden die einzelnen Altersgruppen der Erwachsenenbefragung betrachtet, so
reicht die Rate bei den 16-bis 20jährigen sogar bis 47,4 %. Selbst bei den älteren Befragten ist
Rauschtrinken anzutreffen. Dies gilt für den Alkoholkonsum generell: 20,2 % der ab
81jährigen gaben an, dass sie im letzten Jahr mindestens einmal pro Woche Alkohol getrunken haben. Die höchste Rate weisen mit 39,3 % die 51- bis 60jährige auf. Vom täglichen Zigarettenkonsum berichten 8,2 % der Neuntklässler und 19,9 % der Erwachsenen. In den Altersgruppen der 21- bis 60jährigen gehört jeweils etwa jeder vierte Befragte den täglichen
Rauchern an. Der Konsum der anderen abgefragten Substanzen ist demgegenüber die Ausnahme: 0,8 % der niedersächsischen Erwachsenen konsumieren mindestens mehrmals pro
Monat Cannabis, 0,1 % konsumieren in dieser Frequenz harte Drogen. Bei den Neuntklässlern
fallen die Raten deutlich höher aus; diese Raten sind aber vergleichbar mit denen der 16- bis
20jährigen der Erwachsenenbefragung.
Tabelle 31: Problematischer Alkohol- und Drogenkonsum nach Altersgruppe (in %; gewichtete Daten)
9. JahrErwach- 16 bis 21 bis 31 bis 41 bis 51 bis 61 bis 71 bis ab
gangsstufe
sene
20
30
40
50
60
70
80
81
mind. wöchent11,5
32,3
29,8
29,8
26,3
33,9
39,3
37,6
30,4 20,2
lich Alkohol
Rauschtrinken in
31,5
28,9
47,4
41,4
31,3
29,6
27,9
23,6
15,5 10,3
letzten 30 Tagen
täglich Zigaretten
8,2
19,9
13,8
25,1
24,0
27,3
25,6
14,4
5,5
5,2
mind. mehrmals
pro Monat Can3,4
0,8
3,8
1,4
1,2
0,5
0,1
0,1
0,1
0,0
nabis
mind. mehrmals
pro Monat harte
0,5
0,1
0,5
0,3
0,1
0,1
0,1
0,0
0,0
0,0
Drogen

In Bezug auf zwei der erhobenen Konsummuster ergeben sich signifikante Unterschiede zwischen den statistischen Regionen (Abbildung 34): Das Rauschtrinken ist demnach in der Region Weser-Ems am verbreitetsten, der Cannabiskonsum in der Region Hannover.

87

Abbildung 34: Rauschtrinken und Cannabiskonsum nach statistischer Region (in %; gewichtete Daten)
40,0
34,7

35,0
30,0
25,0

28,7

26,3
23,4

20,0
15,0
10,0
5,0

1,2

0,9

0,6

0,3

0,0
Braunschweig

Hannover

Lüneburg

Rauschtrinken in letzten 30 Tagen

Weser-Ems

mind. mehrmals pro Monat Cannabis

Hinsichtlich der Personen im Umfeld wurden die Befragten zuerst gebeten, anzugeben, wie
viele Personen sie kennen, die für sie persönlich wichtig sind und mit denen sie wichtige Angelegenheiten besprechen. Die Antworten reichten hier von null bis 100 Personen. Im Mittel
wurden vier wichtige Personen angegeben. Jüngere Befragte geben signifikant mehr wichtige
Personen an als ältere Befragte, Frauen signifikant mehr als Männer. Der Fokus lag in diesem
Teil der Befragung aber nicht auf der Anzahl an Freunden, sondern darauf, ob diese möglicherweise negative Verhaltensvorbilder darstellen, weil sie selbst bereits Straftaten ausgeführt
haben. Die Befragten sollten deshalb angeben, ob Freunde/Bekannte/Verwandte in den letzten
zwölf Monaten fünf zur Auswahl stehende Straftaten begangen haben.32 Tabelle 32 zeigt, dass
16,2 % der Befragten mindestens eine Person kennen, die in den letzten zwölf Monaten
schwarz gefahren ist. Dieser Anteil liegt 2,4mal höher als der Anteil an Befragten, die angeben, dies selbst getan zu haben (6,7 %). Eine Diskrepanz derart, dass die Rate an Befragten,
die angeben, straffällige Freunde zu kennen, höher ausfällt als die Rate an Befragten, die angeben, ein Delikt ausgeführt zu haben, findet sich bei allen Delikten. Besonders groß ist der
Unterschied beim Fahrzeugdiebstahl (1,1 % vs. 0,1 % selbst ausgeführt). Bezogen auf alle
fünf Delikte zeigt sich, dass 18,9 % der Befragten angeben, einen Freund zu kennen, der in
dieser Form auffällig war. Bei den jüngeren Befragten sind es 61,4 %, die dies bejahen, bei
den ab 81jährigen nur noch 3,2 %.
Tabelle 32: Anteil Befragte, die Freund kennen, der Straftat begangen hat (in %; gewichtete Daten)
16 bis
21 bis
31 bis
41 bis
51 bis
61 bis
71 bis
gesamt
ab 81
20
30
40
50
60
70
80
Schwarzfahren
16,2
53,4
37,1
16,3
13,4
9,6
4,8
4,3
2,6
Sachbeschädigung

3,5

22,3

6,9

3,5

1,7

1,2

0,4

0,4

0,0

Ladendiebstahl

2,6

13,9

3,7

2,1

2,4

1,0

0,6

1,0

0,0

Körperverletzung

2,5

13,9

5,8

2,1

1,4

0,7

0,6

0,2

0,0

Fahrzeugdiebstahl

1,1

5,9

3,0

1,1

0,4

0,4

0,1

0,1

0,3

mind. ein Delikt

18,9

61,4

41,7

19,8

16,3

11,2

5,9

5,2

3,2

32

In der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 wurde die Bekanntschaft mit straffälligen Freunden nicht
in derselben Form erfasst, weshalb keine Vergleichszahlen präsentiert werden.

88

Die Beziehungen zwischen den vorgestellten Variablen und der Straffälligkeit wurden erneut
mittels logistischer Regressionsanalysen geprüft, wobei das Alter, das Geschlecht und das
Bildungsniveau einbezogen wurden. Abbildung 35 stellt die Zusammenhänge, die sich als
signifikant herausgestellt haben, grafisch dar. Die Bekanntschaft mit straffälligen Freunden
erweist sich für alle drei Delikte als relevant: Wer keine solchen Freunde hat, begeht seltener
eine Straftat als jemand, der straffällige Freunde kennt. Am stärksten ist der Zusammenhang
für das aggressive Verhalten. Eine zweite wichtige Variable stellt der Cannabiskonsum dar.
Für den Diebstahl wie das aggressive Verhalten gilt, dass häufigere Konsumenten eher zu
Tätern werden als Nicht-Konsumenten.33 Auch hier ergibt sich beim aggressiven Verhalten
ein besonders deutlicher Zusammenhang. Daneben ergeben sich auch Zusammenhänge mit
dem Freizeitverhalten: Ein häufigeres Aufsuchen jugendtypischer Orte geht mit Diebstahl, ein
häufigeres Beschäftigen mit Medienaktivitäten mit Steuerbetrug einher.34 Für den Steuerbetrug ergibt sich zuletzt ein Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum: Je häufiger dieser stattfindet, umso eher wird Steuerbetrug ausgeführt. Alles in allem sind es aber die Bekanntschaft
mit straffälligen Freunden sowie der Cannabiskonsum, welche die Bereitschaft zum Begehen
von Straftaten erhöhen.
Abbildung 35: Zwölf-Monats-Prävalenzraten verschiedener Täterschaften nach Freizeitverhalten, Alkohol-/Drogenkonsum und straffälligen Freunden (in %; gewichtete Daten)
18,0

16,7

16,0
14,0
12,0

10,9

10,0
7,4

7,2

7,1

8,0

6,2

5,9
6,0

4,6

4,0

4,2

4,0

1,5

2,0
0,0

0,7

0,5

1,4

0,7

0,4

3,5

3,0

2,8
0,2

Jugendorte

Cannabiskonsum
Diebstahl

Freund
Straftat

Cannabiskonsum

Freund
Straftat

Medienaktivitäten

aggressives Verhalten

Alkoholkonsum

ja

nein

häufiger

selten

nie

häufiger

selten

nie

ja

nein

häufiger

selten

nie

ja

nein

häufiger

selten

nie

häufiger

selten

nie

0,0

Freund
Straftat

Steuerbetrug

5.2.6. Merkmale der Nachbarschaft und zusammenfassendes Modell
Bereits im Abschnitt zum Unsicherheitsgefühl wurden die zwei zentralen, die Nachbarschaft
betreffenden und in der Studie erhobenen Merkmale vorgestellt: die soziale Kohäsion und die
Interventionsbereitschaft. Dabei ergaben sich signifikante Unterschiede zwischen den statistischen Regionen. Die nachfolgende Abbildung 36 veranschaulicht zudem, dass es zwischen
33

Häufig ist der Cannabiskonsum dann, wenn er mindestens mehrmals pro Monat erfolgt; beim Alkoholkonsum
gilt als häufig, wenn er mindestens einmal pro Woche stattfindet.
34
Als häufig gelten Freizeitaktivitäten dann, wenn sie mindestens einmal pro Woche erfolgen.

89

den Altersgruppen signifikante Unterschiede hinsichtlich der Einschätzung der Nachbarschaft
gibt: Der soziale Zusammenhalt in der Nachbarschaft wird von älteren Befragten höher eingeschätzt als von jüngeren Befragten. Bei der Interventionsbereitschaft kehrt sich das Bild um:
Ältere Befragte äußern seltener, dass bei Problemen in der Nachbarschaft jemand eingreifen
würde. Dies könnte zu der Annahme führen, dass beide Einschätzungen negativ zusammenhängen. Dies ist aber nicht der Fall: Es gibt eine positive, mittelhohe Korrelation zwischen
den Einschätzungen von r = .34.
Abbildung 36: Anteil Befragter, die hohe soziale Kohäsion bzw. Interventionsbereitschaft wahrnehmen,
nach Altersgruppe (in %; gewichtete Daten)
80,0
68,0
62,7
60,0

63,0

67,9

64,3

65,4

56,8
50,7

40,0

35,5
28,0

28,1

28,8

28,4

25,6

26,9
21,3

20,0

soziale Kohäsion

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

0,0

Interventionsbereitschaft

Die Zusammenhänge zwischen der sozialen Kohäsion bzw. der Interventionsbereitschaft und
dem Begehen von Straftaten fallen gering aus. Fünf von sechs in logistischen Regressionsmodellen (unter Einbezug von Alter, Geschlecht und Bildungsniveau) geprüfte Zusammenhänge
werden als nicht signifikant ausgewiesen. Nur zwischen der sozialen Kohäsion und dem Begehen aggressiven Verhaltens ergibt sich ein signifikanter Zusammenhang. Wird die soziale
Kohäsion eher niedrig eingeschätzt, beträgt die Prävalenzrate aggressiven Verhaltens 1,8 %,
wird sie eher hoch eingeschätzt, nur 0,5 %. Eine höhere wahrgenommene soziale Kohäsion in
der Nachbarschaft wirkt sich also präventiv auf das aggressive Verhalten aus.
Abschließend wurden alle Variablen, die sich in den vorangegangenen Analysen als relevante
Einflussfaktoren des Begehens von Straftaten erwiesen haben, in ein Gesamtmodell aufgenommen. Die Ergebnisse der logistischen Regressionsanalysen sind in Tabelle 33 dargestellt.
Das Geschlecht erweist sich demnach für das aggressive Verhalten und den Steuerbetrug als
signifikant: Männer begehen diese Delikte häufiger als Frauen. Das Alter steht nur mit dem
aggressiven Verhalten in Beziehung, insofern ältere Befragte seltener dieses Delikt begehen.
Das Bildungsniveau ist für das Begehen von Straftaten letztlich nicht zentral.
Die Ergebnisse bestätigten daneben, dass eigene Opfererfahrungen die Bereitschaft zum Begehen von Straftaten erhöhen, zumindest hinsichtlich des Diebstahls und des Steuerbetrugs.
Wer eine hohe elterliche Kontrolle in der Kindheit erlebt hat, begeht im Erwachsenenalter
90

signifikant seltener Diebstahl und Steuerbetrug. Auch das Schulschwänzen steht mit diesen
beiden Delikten in Beziehung, insofern ein häufigeres Schwänzen die Bereitschaft zum Begehen dieser Delikte erhöht. Aus dem Bereich der Persönlichkeit bestätigt sich der Einfluss der
Gewissenhaftigkeit auf den Diebstahl und das aggressive Verhalten: Beide Delikte werden
seltener ausgeführt, je höher die Gewissenhaftigkeit ausgeprägt ist. Eine höhere Risiko- und
Kampfbereitschaft erhöht die Bereitschaft zum Steuerbetrug. Der Cannabiskonsum erweist
sich auch im multivariaten Modell als problematisch: Insbesondere die häufigen Konsumenten (mindestens mehrmals monatlich) begehen häufiger Diebstähle und aggressives Verhalten. Die einzige Variable, für die sich für alle Delikte Zusammenhänge zeigen, ist die Bekanntschaft mit straffälligen Freunden: Befragte, die entsprechende Kontakte haben, begehen
alle drei Delikte häufiger als Befragte ohne solche Kontakte. Die soziale Kohäsion ist für den
Diebstahl und das aggressive Verhalten irrelevant. Für den Steuerbetrug ergibt sich entgegen
den bisherigen Auswertungen ein Zusammenhang. Dieser besagt, dass Steuerbetrug in Nachbarschaften mit hohem Zusammenhalt häufiger ausgeführt wird als in Nachbarschaften mit
niedrigem Zusammenhalt. Steuerbetrug ist, vor allem wenn es um das Schwarzarbeiten geht,
darauf angewiesen, dass niemand dieses Verhalten meldet. In Nachbarschaften mit hohem
Zusammenhalt kann sich eventuell stärker darauf verlassen werden, dass die Anwohner entsprechendes Verhalten nicht melden. Dies erhöht dann die Bereitschaft, dieses Verhalten auszuführen.
Tabelle 33: Einflussfaktoren verschiedener Delikte (binär-logistische Regressionsanalyse; abgebildet:
Exp(B); gewichtete Daten)
aggressives
Diebstahl
Steuerbetrug
Verhalten
Geschlecht: männlich
1.801
2.554 *
1.613 **
Alter
Bildung: niedrig

0.986

0.953 **

0.992

Referenz

Referenz

Referenz

Bildung: mittel

0.773

1.942

1.271

Bildung: hoch

0.800

0.559

1.440

Viktimisierung durch denselben Delikttyp

2.289 *

1.721

1.486 *

elterliche Kontrolle

0.661 *

0.762

0.806 **

Schulschwänzen: nein

Referenz

Referenz

Referenz

Schulschwänzen: 1 bis 5 Tage

2.231 *

1.400

1.742 ***

Schulschwänzen: mehr als 5 Tage

2.054

2.307

2.099 *

Gewissenhaftigkeit

0.493 **

0.585 *

0.858

Risiko- und Kampfbereitschaft

1.019

1.592

1.462 ***

Cannabiskonsum: nie

Referenz

Referenz

Referenz

Cannabiskonsum: selten

1.858

2.226

1.173

Cannabiskonsum: häufiger

4.352 *

4.424 *

0.844

Kontakt zu straffälligen Freunde

2.407 *

6.670 ***

2.364 ***

soziale Kohäsion in Nachbarschaft

1.042

0.687

1.510 **

korr. R²

.173

.355

.108

N

5222

5217

5186

* p < .05, ** p < .01, *** p < .001

Der Vergleich der drei Modelle belegt zuletzt, dass die einbezogenen Variablen besonders
dazu geeignet sind, aggressives Verhalten vorherzusagen. 35,5 % der Varianz dieses Verhal91

tens wird erklärt. Beim Steuerbetrug ist der Anteil erklärter Varianz mit 10,8 % am geringsten. Zur Erklärung dieses Verhaltens bedarf es also weiterer Variablen, die im Rahmen der
Befragung nicht erhoben worden sind. Darüber, welche dies sein könnten, kann nur spekuliert
werden. Denkbar ist bspw., dass moralische Überzeugungen oder prosoziale Einstellungen
hier eine herausgehobene Bedeutung haben könnten.

92

6. Linke und ausländerfeindliche Orientierungen
Ein letzter thematischer Schwerpunkt der niedersachsenweiten Befragung der ab 16jährigen
Wohnbevölkerung lag auf deren politischen Einstellungen. Um die Selbstzuordnung im politischen Spektrum zu erfragen, wurde dabei zunächst die Links-Rechts-Einstufung erhoben,
unter Verwendung folgender Frage: „Viele Leute verwenden die Begriffe ‚links‘ und ‚rechts‘,
wenn es darum geht, politische Ansichten zu kennzeichnen. Wenn Sie an Ihre eigenen politischen Ansichten denken, wo würden Sie diese Ansichten einstufen?“ Zur Beantwortung dieser Frage stand eine von „1 – links“ bis „10 – rechts“ reichende Antwortskala zur Verfügung.
Zusätzlich wurde die Option „weiß nicht“ präsentiert. Aus Abbildung 37 geht hervor, dass
fast ein Drittel aller Befragten (32,6 %) keine klare Zuordnung ihrer politischen Position vornehmen konnten. 7,1 % der Befragten stufen sich als dezidiert links ein (4,2 und 2,9 %),
3,3 % als dezidiert rechts. Eher linke Positionen und eher rechte Positionen sind etwa gleich
häufig zu finden. Werden die Anteile unter Ausschluss der Personen mit weiß-nicht-Angabe
berechnet, fallen diese höher aus. Immerhin 10,6 % der Befragten, die sich zuordnen können,
sind politisch klar links orientiert, 5,0 % klar rechts.
Abbildung 37: Links-Rechts-Einstufung (in %; gewichtete Daten)
35,0

32,6

mit weiß-nicht-Antworten

ohne weiß-nicht-Antworten

30,0

25,0

23,4
19,6

20,0
15,8
15,0

14,0 14,0

13,2
9,4

10,0

9,4

9,4
6,3

6,3
4,3

4,2

5,0

2,9

2,8
1,2

2,1

4,1

3,2
1,8
rechts

links

rechts

links

weiß nicht

0,0

Da für einen nicht geringen Anteil der Befragten offensichtlich die Begrifflichkeiten links und
rechts wenig Bedeutung haben, wurden weitere, umfangreichere Messinstrumente eingesetzt,
um linke bzw. rechte (speziell ausländerfeindliche) Orientierungen zu erfassen.

6.1. Linke Orientierungen
Bislang gibt es in Deutschland kaum Instrumente zur Messung linker Orientierungen (vgl.
Schroeder/Deutz-Schroeder 2015). Im Rahmen von Schülerbefragungen in Berlin (Baier/Pfeiffer 2011) und im Saarland (Baier/Rabold 2012) wurden durch das Kriminologische
93

Forschungsinstitut Niedersachsen verschiedene Instrument-Vorschläge mit Bezug auf Jugendliche entwickelt und geprüft. In der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 wurden diese
Instrumente ebenso eingesetzt wie in der Erwachsenenbefragung 2014.
Bei der Konstruktion der Skala zur Messung linker Orientierungen wurde sich an zwei Quellen orientiert. Instruktiv war zum Einen die Studie von Neu (2009), in der eine Skala „Linksextreme Anti-Demokratie“ und eine Skala „Linkspopulismus“ vorgestellt werden. Erstere
erfasst die Einstellungen zur DDR und zum Sozialismus, zweite Einstellungen zum Kapitalismus, insbesondere zum Thema Ungleichheit (Neu 2009, S. 54ff). Problematisch an diesem
Instrument ist, dass es z.T. nicht bei Jugendlichen eingesetzt werden kann, da Einstellungen
zur DDR in dieser Gruppe aufgrund des fehlenden Alltagsbezugs nicht erfasst werden können. Zudem sind einige Aussagen recht abstrakt formuliert, so dass nicht davon auszugehen
ist, dass junge oder auch gering gebildete Menschen hierzu ihre Meinung äußern können (z.B.
„Ich wünsche mir, dass die Menschen in Zukunft in der klassenlosen Gesellschaft leben können“ oder „Die entscheidenden Schlüsselzweige der Wirtschaft müssen verstaatlicht werden“).
Zum Anderen wurde sich an gängigen Definitionsvorschlägen des Linksextremismus, insbesondere am Linksextremismus-Konzept des Verfassungsschutzes orientiert. Entsprechend
verschiedener Definitionen zielt der Linksextremismus ebenso wie der Rechtsextremismus
auf die Überwindung der freiheitlich demokratischen Grundordnung ab, wobei im Linksextremismus die Hauptkritik dem kapitalistischen Wirtschaftssystem gilt (vgl. u.a. Jesse 2000,
Neugebauer 2000). Der Linksextremismus möchte die gegenwärtige Gesellschaft durch eine
sozialistische bzw. kommunistische Gesellschaftsordnung ersetzen; zum Teil wird auch jegliche Form der gesellschaftlichen Ordnung in Frage gestellt und stattdessen eine anarchistische
Gesellschaft propagiert. Der Verfassungsschutz unterscheidet folgende Aktionsfelder des
Linksextremismus:
- Anti-Faschismus: Der Linksextremismus zielt auf die Bekämpfung rechtsextremen
Denkens und Verhaltens ab. Als eine maßgebliche Ursache des Faschismus wird das
kapitalistische Wirtschaftssystem identifiziert, weshalb der Anti-Kapitalismus ein zusätzliches Aktionsfeld darstellt.
- Anti-Repression: Der Linksextremismus schreibt dem gegenwärtigen Staat und seinem wichtigsten Exekutivorgan, der Polizei, eine unterdrückende Wirkung zu. Der
Linksextremismus ist diesen Institutionen gegenüber daher kritisch eingestellt.
- Anti-Militarismus: Der Linksextremismus besitzt eine dezidiert pazifistische Ausrichtung. Das Militär und militärische Verbünde wie die NATO gelten als Feinde des
Friedens und werden dementsprechend abgelehnt.
Diese Aktionsfelder können als Dimensionen der Ideologie des Linksextremismus betrachtet
werden. Zusätzlich erscheint es sinnvoll, zwei weitere ideologische Dimensionen zu berücksichtigen. Der Linksextremismus wendet sich erstens nicht nur gegen bestimmte Institutionen
und Akteure („Anti“), sondern er setzt an deren Stelle die Idee einer kommunistischen Gesellschaftsordnung, in der es keinen den Bürger übergeordneten Staat mehr gibt. Aus diesem
Grund ist die Dimension der Haltung zum Kommunismus bzw. zur Abschaffung des Staates
einzubeziehen. Zweitens ist insbesondere dann von einer linksextremen Weltanschauung aus-

94

zugehen, wenn gutgeheißen wird, dass die gegenwärtigen Institutionen und Akteure mit Gewalt bekämpft werden, weshalb die Dimension der Gewaltbefürwortung zentral ist.
Zu den genannten sechs Dimensionen wurden zwölf Items in den Fragebogen der Erwachsenenbefragung aufgenommen (vgl. Tabelle 34), wobei zwischen einem und drei Items pro Dimension berücksichtigt wurden. Die Antwortvorgaben reichten von „1 – stimmt nicht“ bis „7
– stimmt genau“. Auf Basis von Reliabilitätsanalysen kann gefolgert werden, dass nicht alle
Items in die Skala integriert werden sollten. Vor allem die Items der Dimension AntiFaschismus weisen geringe Korrelationen mit den anderen Items auf, was an den Trennschärfe-Koeffizienten abzulesen ist. Dies lässt sich möglicherweise damit begründen, dass der Anti-Faschismus von ganz unterschiedlichen politischen Positionen bejaht wird, also mehr oder
weniger Grundbestandteil aller politischen Orientierungen ist und nicht allein linke Orientierungen charakterisiert. Die anderen zehn Items weisen akzeptable Trennschärfen auf. Die interne Konsistenz ist mit Cronbachs Alpha = .73 ausreichend, um eine Mittelwertsskala zu
berechnen.
Die einzelnen Items der Skala betrachtet zeigt sich, dass der Anteil an zustimmenden Befragten sehr unterschiedlich ist – als Zustimmung wurden die Antworten 6 und 7 gewertet. Während 61,5 % der Befragten meinten, dass die Wirtschaft die Reichen immer reicher und die
Armen ärmer machen würde, waren nur 1,2 % der Auffassung, dass es richtig ist, wenn die
Luxusautos der Reichen angezündet würden. Generell erhalten die Items der Gewaltbefürwortung sowie das Item zur Abschaffung des Staates geringe Zustimmung; anti-kapitalistische
Aussagen werden häufiger befürwortet.
Tabelle 34: Skala „linke Orientierungen“ (gewichtete Daten)
Zustimmung Trennin %
schärfe
Rechte Parteien und Kameradschaften sollten verboten werden.
Nazis sollten auch mit Gewalt bekämpft werden.
Die Wirtschaft macht die Reichen immer reicher und die
Armen immer ärmer.
Anti-Kapitalismus
Heutzutage werden die Menschen von den Reichen und
Mächtigen ausgebeutet.
Polizei und Staat bespitzeln uns auf Schritt und Tritt.
Anti-Repression
Die Polizei macht uns das Leben schwer anstatt uns zu helfen.
Der Staat nimmt zu viel Einblick in unser Privatleben.
Es darf zukünftig kein Euro mehr für das Militär ausgegeben
Anti-Militarismus
werden.
Kommunismus/
Wirklich frei können wir nur dann sein, wenn der ganze Staat
Abschaffung Staat
abgeschafft wird.
Gegen die Unterdrückung durch Staat und Polizei muss man
gezielt Gewalt einsetzen.
Es ist richtig, wenn die Luxusautos der Reichen angezündet
Gewaltbefürwortung
werden.
Wenn die Polizei mit ihren Truppen anrückt, sind Steine und
Brandsätze die richtige Antwort.
Anti-Faschismus

60,7

.05

25,0

.22

61,5

.34

34,2

.46

11,8
2,8
24,2

.45
.38
.46

7,0

.32

2,5

.35

4,6

.33

1,2

.27

1,4

.28

Kursiv: Items in der Skalenbildung nicht berücksichtigt

Anhand des Mittelwerts der Zustimmung zu den zehn Items kann der Anteil an Befragten
bestimmt werden, die linken Orientierungen im Durchschnitt zustimmen, die also einen Mittelwert über 4,0 aufweisen. Dies trifft, wie Abbildung 38 zeigt, auf 5,5 % zu. Dieser Anteil
95

liegt deutlich niedriger als der in der niedersachsenweiten Schülerbefragung 2013 (9. Jahrgangsstufe), in der anhand derselben Items 9,0 % als linksorientiert eingestuft werden. 35 Eine
differenzierte Darstellung nach Altersgruppen belegt allerdings, dass jüngere Menschen generell linken Orientierungen gegenüber offener sind: Von den 16- bis 20jährigen der Erwachsenenbefragung stimmten 9,5 % linken Orientierungen zu, bei den älteren Altersgruppen ist es
nur noch etwa jeder 25. Befragte. Ein weiterer signifikanter Unterschied findet sich im Vergleich der Bildungsgruppen: Befragte mit höherer Bildung sind seltener links orientiert als
Befragte mit niedriger Bildung.
Abbildung 38: Anteil Befragter, die linken Orientierungen zustimmen, nach Alter und Bildung (in %;
gewichtete Daten)
9,5

10,0
9,0

8,6

9,0
8,0
7,0

6,1

5,8

5,5

6,0

5,5
4,9

5,0

4,8
3,9

4,0

4,4

4,2
3,4

3,0
2,0
1,0

gesamt

Alter

hoch

mittel

niedrig

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20

9. Jahrgangsstufe

Erwachsene

0,0

Bildung

6.2. Ausländerfeindliche Orientierungen
Entsprechend der Rechtsextremismuskonzeption von Heitmeyer (1987) setzt sich der Rechtsextremismus aus einer Ideologie der Ungleichwertigkeit sowie einer Bereitschaft zum Gewalteinsatz zusammen. Insbesondere zur Ideologie der Ungleichwertigkeit liegen mittlerweile
verschiedene Vorschläge zur Erfassung vor. Heitmeyer (2002) bspw. hat ein Instrument entwickelt, das die Abwertung verschiedener Bevölkerungsgruppen erfasst (u.a. von Homosexuellen, Juden, Obdachlosen, Asylbewerbern); er spricht diesbezüglich von der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“. In der niedersachsenweiten Erwachsenenbefragung wurden
zwei Instrumente eingesetzt. Das erste Instrument erfasst die Sympathie zu verschiedenen
Gruppen; das zweite Instrument erhebt explizit die Einstellungen zu einer Gruppe, den Ausländern.

35

Die Reliabilität der Zehn-Item-Skala fällt bei den Schülern mit Cronbachs Alpha = .83 noch etwas besser aus
als in der Erwachsenenstichprobe.

96

Die Sympathieeinschätzung verschiedener Gruppen wurde mit der Frage erhoben, als wie
angenehm oder unangenehm man Angehörige verschiedener Gruppen als Nachbar einstuft.
Die Antworten auf diese Frage konnten auf einer Skala von „1 – sehr unangenehm“ bis „7 –
sehr angenehm“ abgestuft werden. Für eine anschaulichere Darstellung wurden Befragte mit
den Antworten 1 und 2 zur Gruppe „unangenehm“ und mit den Antworten 6 und 7 als „angenehm“ zusammengefasst (Befragte mit Antworten dazwischen werden als „teils/teils“ bezeichnet). Die entsprechenden Anteile sind in Abbildung 39 dargestellt. Insgesamt wurde
nach elf Gruppen gefragt. Die höchste Sympathie wird dabei deutschen Nachbarn entgegen
gebracht: 71,4 % der Befragten fänden einen deutschen Nachbarn eher angenehm; nur 2,0 %
gaben an, dass ein deutscher Nachbar unangenehm wäre. Bezüglich anderer Gruppen ergeben
sich deutlich negativere Haltungen: Z.T. mehr als jeder fünfte Befragte vertrat bspw. die Auffassung, dass türkische Nachbarn, generell muslimische Nachbarn bzw. Nachbarn mit einem
Sinti/Roma-Hintergrund unangenehm wären.
Abbildung 39: Ausmaß der Befürwortung verschiedener Gruppen als Nachbar (in %; gewichtete Daten)
100,0
20,1

80,0
60,0

25,0

28,4

27,5
50,3

51,3

49,8

61,0

64,8

71,4

36,1

32,8

26,6

eher angenehm
teils/teils

46,0
50,9

40,0

52,1

54,7

8,3

5,9

3,4

2,9

2,4

2,0

Schweden

Deutsche

Aussiedler aus Osteuropa

Türken

Moslems

Sinti/Roma

0,0

10,5

Christen

17,8

Italiener

19,4

46,8

Juden

24,0

42,8

Dunkelhäutige aus Afrika

33,9

51,7

Homosexuelle

39,2

20,0

40,0

eher unangenehm

In Bezug auf vier Gruppen als Nachbarn (Deutsche, Türken, Juden und Homosexuelle) zeigt
die nachfolgende Abbildung 40, wie die Antipathieeinschätzung (Anteil „eher unangenehm“)
mit der Herkunft der Befragten variiert. In Bezug auf deutsche Nachbarn sind die Einschätzungen sehr ähnlich; signifikante Unterschiede ergeben sich nicht. Zwischen 1,4 % (Befragte
mit türkischem Hintergrund) und 3,4 % (polnische Befragte) gaben an, dass sie deutsche
Nachbarn eher unangenehm fänden. In Bezug auf die anderen Nachbargruppen sind die Einschätzungen dagegen sehr unterschiedlich. Türkische Nachbarn werden von türkischen Befragten am seltensten als unangenehm eingestuft, von Befragten aus Ländern der ehemaligen
Sowjetunion am häufigsten. Jüdische Nachbarn erfahren die stärkste Ablehnung von türkischen Befragten. Zudem gab mehr als jeder dritte russische und türkische Befragte an, dass er
Homosexuelle als Nachbarn unangenehm finden würde. Die ethnische Herkunft ist damit ein
sehr entscheidender Faktor, wenn es um die Sympathieeinschätzung verschiedener Gruppen
geht. Und es zeigt sich, dass Feindlichkeiten gegenüber bestimmten Gruppen nicht nur auf
Seiten der deutschen Befragten, sondern ebenso auf Seiten der Befragten mit Migrationshintergrund bestehen.
97

Abbildung 40: Anteil Befragter, die Nachbarn als eher unangenehm einstufen, nach ethnischer Herkunft
(in %; gewichtete Daten)
37,8

40,0

33,8

30,0
23,4 22,8
19,5
20,0

14,1

deutsch

ehem. SU

3,4

2,4

1,4
Türkei

1,8

Nord-/Westeuropa

2,0

12,3

12,2
6,8

10,0

5,9

8,7

8,5

5,4

5,1
0,0

Deutsche als Nachbarn

Türken als Nachbarn

Juden als Nachbarn

Türkei

Nord-/Westeuropa

Polen

ehem. SU

deutsch

Türkei

Nord-/Westeuropa

Polen

ehem. SU

deutsch

Türkei

Nord-/Westeuropa

Polen

ehem. SU

deutsch

Polen

0,0

Homosexuelle als Nachbarn

Die Ablehnung bestimmter Bevölkerungsgruppen richtet sich im Rechtsextremismus primär
gegen Ausländer. Aus diesem Grund wurden neben den Sympathieeinstufungen auch explizit
ausländerfeindliche Einstellungen erfasst. Dabei kam ein Instrument zum Einsatz, das bereits
wiederholt im ALLBUS eingesetzt wurde (vgl. Terwey et al. 2008). Die Befragten wurden
gebeten, zu verschiedenen Aussagen anzugeben, wie sehr sie diesen auf einer siebstufigen
Skala von „1 –stimmt nicht“ bis „7 – stimmt genau“ zustimmen. In Tabelle 35 sind die einzelnen Aussagen und der Anteil zustimmender Befragter dargestellt. Als Zustimmung wurden
die Werte 6 und 7 gewertet.
Tabelle 35: Skala „Ausländerfeindlichkeit“ (gewichtete Daten)

Die in Deutschland lebenden Ausländer sollten ihren Lebensstil besser an den der
Deutschen anpassen.
Man sollte den in Deutschland lebenden Ausländern jede politische Betätigung untersagen.
Die in Deutschland lebenden Ausländer sollten sich ihre Ehepartner unter ihren eigenen Landsleuten auswählen.
Die in Deutschland lebenden Ausländer sind eine Bereicherung für die Kultur in
Deutschland. (-)
Die meisten Ausländer sind kriminell.
Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die in Deutschland lebenden Ausländer
wieder in ihre Heimat zurückschicken.

Zustimmung in %

Trennschärfe

48,1

.43

7,8

.58

5,2

.43

16,6

.49

5,9

.53

9,1

.62

(-) = Umkehritem; der zugehörige Anteilswert bezieht sich auf das umkodierte Item

Die höchste Zustimmung erhielt die Aussage, dass die in Deutschland lebenden Ausländer
ihren Lebensstil an den der Deutschen anpassen sollten; 48,1 % der niedersächsischen Erwachsenen stimmen dieser Aussage zu. Am zweithäufigsten wurde bejaht, dass die in
Deutschland lebenden Ausländer keine Bereicherung für die Kultur sind. In Tabelle 35 ist der
Originalwortlaut im Fragebogen aufgeführt, der ausgewiesene Anteil zustimmender Befragter
bezieht sich aber auf das umkodierte Item. Eher selten erhielt die Forderungen Unterstützung,
dass die Ausländer ihre Partner unter den eigenen Landsleuten wählen sollten; zudem war nur
ein kleiner Teil der Befragten der Meinung, dass die meisten Ausländer kriminell sind. Aus
den Antworten zu den Items wurde der Mittelwert gebildet, was aufgrund der hohen Reliabili98

tät der Skala (Cronbachs Alpha = .77) möglich ist. Befragte mit einem Gesamtmittelwert über
4,0 werden als eher zustimmend, d.h. als eher ausländerfeindlich eingestuft.
Abbildung 41 belegt, dass 14,3 % der niedersächsischen Erwachsenen eher ausländerfeindliche Einstellungen vertreten. Dieser Anteil liegt niedriger als in der niedersachsenweiten Schülerbefragung unter Neuntklässlern aus dem Jahr 2013 (21,5 %).36 Zu beachten ist, dass in der
Schülerbefragung nur Befragte mit deutscher Herkunft die Aussagen zur Ausländerfeindlichkeit beantwortet haben. Werden dementsprechend auch in der Erwachsenenbefragung die
Auswertungen auf die deutschen Befragten beschränkt, erhöht sich der Anteil eher ausländerfeindlich eingestellter Befragter auf 14,9 %.37 Wird zudem nur die jüngste Altersgruppe der
deutschen 16- bis 20jährigen Befragten betrachtet, so liegt dieser Anteil bei 19,3 %, was fast
dem Niveau der Schülerbefragung entspricht. Generell unterstreichen die Auswertungen, dass
Ausländerfeindlichkeit unter den jüngeren Befragten weiter verbreitet ist als unter den Befragten der mittleren Altersgruppen. Erst bei den ab 71jährigen steigt der Anteil eher ausländerfeindlich eingestellter Befragter wieder deutlich an. Ein weiterer starker Einflussfaktor der
ausländerfeindlichen Einstellungen ist das Bildungsniveau: Niedrig gebildete Befragte werden
etwa drei Mal häufiger als eher ausländerfeindlich eingestuft als hoch gebildete Befragte.
Abbildung 41: Anteil Befragter, die die eher ausländerfeindlich eingestellt sind, nach Alter und Bildung
(in %; gewichtete Daten)
25,0

21,5
19,3

20,0

16,8

19,8

20,8
16,0

14,3

15,0

21,1

17,7
13,5

12,3
10,1

10,9

10,0

6,9

5,0

gesamt

Alter

hoch

mittel

niedrig

ab 81

71 bis 80

61 bis 70

51 bis 60

41 bis 50

31 bis 40

21 bis 30

16 bis 20 (nur deutsch)

16 bis 20

Erwachsene

9. Jahrgangsstufe (nur deutsch)

0,0

Bildung

Je stärker die Ausländerfeindlichkeit ausgeprägt ist, umso eher ordnen sich Befragte bei der
Links-Rechts-Einstufung dem rechten Spektrum zu; die Korrelation beträgt r = .33. Die Zustimmung zu linken Orientierungen geht demgegenüber mit einer eher linken Selbsteinstufung einher, wobei die Korrelation deutlich schwächer ausfällt (r = -.05).

36

Ausländerfeindliche Einstellungen wurden in dieser Befragung mit denselben Items erfasst; die Reliabilität ist
mit Cronbachs Alpha = .81 als gut einzustufen.
37
Die Anteile für die ethnischen Gruppen lauten: Befragte aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion 14,6 %,
polnische Befragte 13,6 %, nord- bzw. westeuropäische Befragte 9,9 %, türkische Befragte 6,5 %, Befragte mit
anderer Herkunft 6,1 %.

99

100

7. Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse
Anfang des Jahres 2014 wurde vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen eine
niedersachsenweit repräsentative, postalische Dunkelfeldbefragung unter ab 16jährigen Erwachsenen durchgeführt. Der Schwerpunkt der Befragung lag auf persönlichen Erfahrungen
mit Kriminalität, wobei sowohl Opfer- als auch Täterschaften untersucht wurden. Mit der
Befragung wurden 5.866 Personen erreicht, was einer Rücklaufquote von 62,5 % entspricht.
Aufgrund der Gewichtung der Daten, die die Repräsentativität der Studie sicherstellt, stehen
für die meisten Auswertungen allerdings nur 5.711 Befragte zur Verfügung – für diese Befragten liegen Angaben zum Alter und zum Geschlecht vor. Ein Jahr zuvor erfolgte ebenfalls
durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen eine Befragung von 9.512 Jugendlichen der neunten Jahrgangsstufe, d.h. von durchschnittlich 15jährigen Jugendlichen.
Wenn möglich, wurden die Ergebnisse dieser Befragung zum Vergleich mit der Erwachsenenbefragung herangezogen. Nachfolgend werden entlang der einleitend formulierten Forschungsfragen einige Befunde der Studie zusammengefasst.
1. Wie häufig werden niedersächsische Erwachsene Opfer von Straftaten?
Die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Straftaten zu werden, variiert deutlich zwischen den einzelnen erfragten Delikten. Gewaltdelikte werden weniger häufig erfahren als Eigentumsdelikte. Am häufigsten berichten die Befragten davon, eine Sachbeschädigung erlebt zu haben:
Jeder achte Befragte hat innerhalb der letzten zwölf Monate eine solche Straftat erlebt
(12,5 %). Der Fahrraddiebstahl folgt mit 7,1 %, der Diebstahl persönlicher Sachen mit 6,2 %.
Körperverletzungen berichten dagegen nur 2,4 %, schwere Gewalt in Form von Raubtaten
oder Sexualdelikten 0,4 bzw. 0,3 % der niedersächsischen Erwachsenen. Gleichzeitig liegt die
Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, weit höher, als dies die Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik vermuten lassen würden. Eine Raubtat haben laut dieser Statistik im
Jahr 2013 bspw. nur 0,05 % der Niedersachsen erfahren, einen Fahrraddiebstahl 0,47 %. Es
bestätigt sich damit einmal mehr, dass Dunkelfeldbefragungen ein wichtiges Instrument sind,
um das Ausmaß an Kriminalitätserfahrungen in der Bevölkerung einschätzen zu können. Untersucht wurde im Rahmen der Befragung zusätzlich, ob Personen mehrfach innerhalb der
letzten zwölf Monate Opfer von Straftaten geworden sind. Je nach Delikt variiert dieser Anteil. Im Durchschnitt gilt aber, dass etwa jedes fünfte Opfer mehr als einmal ein Delikt erlebt
hat. Mehrfachviktimisierungen sind also keine Seltenheit.
2. Welche Personengruppen sind häufiger, welche weniger häufig vom Erleben von
Straftaten betroffen?
Im Wesentlichen ergibt sich nur für ein Merkmal nahezu durchgehend ein signifikanter Einfluss: das Alter. Ältere Menschen weisen z.T. deutlich niedrigere Opferraten auf als jüngere
Menschen. Dies illustrieren u.a. die Zahlen zu Körperverletzungen. 16- bis 20jährige haben zu
10,8 % mindestens eine solche Tat erlebt. Ab 61jährige nur noch zu 0,2 bis 0,3 %. Auch bei
Eigentumsdelikten ergibt sich ein vergleichbares Gefälle. Die Ausnahme stellen Kraftfahrzeugdiebstähle und Wohnungseinbrüche dar, die ältere Befragte vergleichbar häufig wie jüngere Befragte berichten. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich Ältere seltener im öffentlichen
101

Raum aufhalten und sich damit seltener der Gefahr einer Viktimisierung aussetzen. Jenseits
des Alters gibt es einige weitere wichtige Differenzierungen. So erleben männliche Befragte
häufiger Straftaten, vor allem Gewaltdelikte, Sachbeschädigungen und Internetbetrügereien.
Befragte aus städtischen Gebieten erleben eher Fahrraddiebstähle, Diebstähle persönlicher
Sachen und Sachbeschädigungen. Deutsche Befragte werden seltener Opfer von Straftaten,
türkische Befragte berichteten demgegenüber bei einigen Delikten am häufigsten von Opferschaften. Zu beachten ist bei den Auswertungen zu den Migrantengruppen, dass die Fallzahlen nicht derart hoch ausfallen, dass die Ergebnisse als ausreichend abgesichert einzustufen
sind. Weitere Untersuchungen zu Kriminalitätsopfererfahrungen von Migranten wären daher
wünschenswert.
3. Wie häufig kommt es zur Anzeige erlebter Straftaten?
In Bezug auf das zuletzt erlebte Delikt sollte angegeben werden, ob eine Anzeige erstattet
wurde oder nicht. Analog zu den Opferraten variieren auch die darüber ermittelten Anzeigequoten deutlich zwischen den Delikten. Eine eher niedrige Anzeigequote ist für Betrugsdelikte festzustellen, bei denen nur etwa jeder vierte Fall zur Anzeige kommt. Beim Kraftfahrzeugdiebstahl wird hingegen fast jedes Delikt angezeigt, bei Wohnungseinbrüchen mehr als
acht von zehn Delikten. Das Dunkelfeld ist insofern für die verschiedenen Delikte unterschiedlich groß. Es ist sogar davon auszugehen, dass dieses Dunkelfeld noch weit größer ausfällt, als es die ermittelten Anzeigequoten andeuten. Mittels einer Kriminalitätshochrechnung,
die sich nicht auf die Anzeigequote, sondern auf die berichtete Anzahl an Straftaten bezieht,
werden – je nach Delikt – erheblich mehr Delikte für Niedersachsen geschätzt. Die Anzeigequoten, die unter Bezugnahme auf das zuletzt erlebte Delikt ermittelt wurden, dürften daher
eine Überschätzung darstellen, was seinen Grund darin haben dürfte, dass die Befragten nicht
immer das zuletzt erlebte Delikte berichten, sondern das Delikt, dass eher schwerer war (und
das aufgrund seiner Schwere eher angezeigt wurde). Die Anzeigequoten variieren teilweise
mit der regionalen Zugehörigkeit. Dabei findet sich aber kein einheitliches Muster bspw. derart, dass in Städten durchweg häufiger angezeigt würde als im ländlichen Raum. Höhere Belastungen städtischer Regionen im Polizeilichen Hellfeld sind damit kein alleiniges Ergebnis
einer höheren Anzeigbereitschaft.
4. Welche Folgen hat das Erleben von Straftaten?
Erfragt wurden wiederum in Bezug auf das zuletzt erlebte Delikt materielle, physische und
psychische Folgen. All diese Folgen treten z.T. zu einem erheblichen Anteil auf. Gewalttaten
führen bspw. in etwa jedem vierten Fall dazu, dass eine ärztliche Behandlung notwendig wird.
Eigentumsdelikte erzeugen durchschnittliche Schäden zwischen 120 Euro (Internetbetrug)
und 10.000 Euro (Diebstahl von PKW o.ä.). Kriminalität richtet in beider Hinsicht damit einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden an. In Bezug auf die psychischen Folgen wurden
die Opfer von Straftaten gebeten, mitzuteilen, für wie belastend sie das Erlebnis zum Zeitpunkt der Befragung einschätzen. Der höchste Wert findet sich für Sexualdelikte, der zweithöchste für Wohnungseinbrüche. Dies belegt, dass nicht nur Gewaltdelikte einen starken Einfluss auf die psychische Konstitution haben, sondern dass dies auch für Eigentumsdelikte gilt.
Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass der Kraftfahrzeugdiebstahl und der Betrug jenseits des Internets als belastender empfunden werden als Körperverletzungen.
102

5. Welche Erfahrungen haben die Erwachsenen mit Verkehrsdelikten?
Verkehrsdelikte wurden in der niedersachsenweiten Dunkelfeldbefragung im Gegensatz zu
anderen Untersuchungen verstärkt berücksichtigt. Die ermittelten Prävalenzraten unterstreichen, dass es sich um einen relevanten Deliktsbereich handelt: Von einer fahrlässigen Körperverletzung im Straßenverkehr berichten 1,2 % der Befragten, vom Erleben einer Unfallflucht 6,6 %, von aggressiven Verhaltensweisen wie Drängeln, Ausbremsen, Schneiden usw.
sogar 41,7 %. Gerade in Bezug auf diese aggressiven Verhaltensweisen dominiert in der niedersächsischen Bevölkerung zugleich der Eindruck, dass sie in den zehn Jahren zugenommen
haben: Zwei Drittel der Befragten gehen von einem Anstieg dieser Verhaltensweisen aus. Es
dominiert also die Sichtweise, dass es aggressiver auf niedersächsischen Straßen zugeht. Solche Erlebnisse werden durchaus als belastend eingestuft, wobei das Ausmaß der Belastung
weit niedriger liegt als bei anderen Straftaten. Die Dimension des Problems wird noch einmal
deutlich, wenn die Ergebnisse einer Hochrechnung betrachtet werden. Geschätzt wird auf
Basis der Angaben der Befragten, dass es niedersachsenweit ca. 36 Millionen Vorfälle von
aggressivem Verhalten im Straßenverkehr pro Jahr gibt. Die Schätzung zu Sachbeschädigungen, dem zweithäufigsten Delikt, ergibt dagegen nur eine geschätzte Anzahl von einer Million
Vorfälle. Im städtischen Raum geht es den Angaben der Befragten entsprechend aggressiver
zu als im ländlichen Raum. Zudem berichten deutsche Befragte häufiger als Migranten von
Erfahrungen mit aggressivem Verhalten im Straßenverkehr. Der Altersunterschied, wie er
sich bei den Gewalt- und Eigentumsdelikten zeigt, findet sich bei allen drei erhoben Verkehrsdelikten in der gleichen Weise.
6. Welche subjektive Wahrnehmung der Kriminalität findet sich unter niedersächsischen Erwachsenen?
Die objektive Kriminalitätslage, gemessen anhand der Polizeilichen Kriminalstatistik, ist recht
eindeutig: Die Kriminalität sinkt, zumindest in den meisten Deliktsbereichen. Die Gesamtzahl
der Delikte ist seit 2005 um 8,1 % gesunken. Für einzelne Delikte, insbesondere Diebstähle,
fallen die Rückgänge noch deutlicher aus. Auch die Gewaltdelikte sinken, zumindest im kurzfristigen Vergleich. Nur für den Wohnungseinbruch sowie für Betrugsdelikte sind seit einigen
Jahren wieder Zunahmen festzustellen. Wird nun die niedersächsische Bevölkerung nach ihrer
Einschätzung der Kriminalitätsentwicklung gefragt, dominiert meist eine negative Sichtweise.
Mindestens zwei Drittel der Befragten gehen von Kriminalitätsanstiegen aus; nur beim Mord
und bei der Vergewaltigung sind es weniger Menschen, die einen Anstieg wahrnehmen. Objektive und subjektive Kriminalitätslage weichen alles in allem mehrheitlich deutlich voneinander ab. Dies hat auch zur Folge, dass ein substanzieller Anteil der Bevölkerung Furcht vor
kriminellen Übergriffen hat: Etwa jeder sechste Befragte weist eine hohe Furcht in Bezug auf
mindestens eines von sechs erfragten Delikten auf. Die Furcht führt u.a. dazu, dass verschiedene Verhaltensweisen vermieden werden, um das Risiko eines Übergriffs zu senken. Immerhin 15,2 % der Niedersachsen meiden bspw. bestimmte Straßen oder die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, um sich vor Kriminalität zu schützen. Frauen und Ältere tun dies
häufiger als Männer und Jüngere. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind ganz generell ein Bereich, auf den sich Ängste und Befürchtungen beziehen. Mehr als die Hälfte der Befragten

103

fühlen sich unsicher, wenn sie abends oder nachts Busse, U-Bahnen o.ä. benutzen. In der Region Hannover wird diese Unsicherheit noch häufiger geäußert als in anderen Regionen.
7. Welche Einstellungen zur Polizei und welche Erfahrungen mit der Polizei haben die
Erwachsenen?
Die Polizei gehört zu jenen gesellschaftlichen Institutionen, denen die Menschen ein hohes
Vertrauen entgegen bringen. Dies bestätigt sich einmal mehr in der niedersachsenweiten Erwachsenenbefragung. Vier von fünf Befragten vertrauen der Polizei. Mit dem Älterwerden
nimmt das Vertrauen zu, wobei sich auch die jüngeren Befragten zu über zwei Drittel als vertrauend äußern. Dieses positive und wertschätzende Bild der Polizei spiegelt sich auch in den
Erfahrungen mit der Polizei wieder: Immerhin 41,1 % der Befragten hatten im zurückliegenden Jahr Kontakt mit Polizeibeamten, meist im Rahmen von Verkehrskontrollen oder bei der
Anzeige von Straftaten. Dabei äußerten vier von fünf Befragten Zufriedenheit mit dem erlebten Kontakt. Zwischen den Kontaktarten finden sich dabei jedoch Unterschiede: Die höchste
Zufriedenheit wurde von Beteiligten an Verkehrsunfällen berichtet, die niedrigste von Personen, die auf der Straße von der Polizei angehalten wurden (nicht im Rahmen einer Verkehrskontrolle). In solchen Fällen sollten die Polizeibeamtinnen und –beamten noch stärker ihr
Vorgehen erläutern, um Missverständnissen und Unzufriedenheit vorzubeugen.
8. Wie häufig sind niedersächsische Erwachsene Täter von Straftaten?
Im Gegensatz zu den meisten bisher in Deutschland durchgeführten Dunkelfeldbefragungen
unter Erwachsenen wurden im Rahmen der niedersachsenweiten Erwachsenenbefragung auch
Fragen zum Begehen von Straftaten gestellt. Die Prävalenzraten für die letzten zwölf Monate
liegen eher niedrig. Die höchste Täterrate ist für das Schwarzfahren festzustellen, welches
6,7 % der Befragten im zurückliegenden Jahr praktiziert haben. Die zweithöchste Rate findet
sich für das Fahren unter Alkoholeinfluss (5,7 %). Zudem gaben 3,3 % der Befragten an,
schwarz gearbeitet zu haben. Fahrzeugdiebstahl, Diebstahl persönlicher Sachen und Sozialleistungsbetrug wurden von 0,3 % oder weniger Befragten berichtet. Ältere Befragte sind bei
den meisten Delikten seltener Täter als jüngere Befragte. Bei einigen Delikten wie bspw. dem
Schwarzfahren, dem Fahren unter Alkoholeinfluss und dem Einkommenssteuerbetrug treten
aber auch noch ältere Befragte in relevanter Anzahl als Täter in Erscheinung.
9. Welche Faktoren haben Einfluss auf die Ausführung von Straftaten?
Entsprechend den bisherigen Befunden zu Einflussfaktoren des Begehens von Straftaten, die
vor allem aus Jugendstudien stammen, wurde eine Reihe an Merkmalen in der Erwachsenenbefragung erhoben. Die durchgeführten Analysen ergeben für einen Faktor durchweg einen
signifikanten Effekt: Personen, die Kontakt zu Menschen in ihrem Umfeld haben, die straffällig sind, verüben eher Straftaten als Personen, für die das nicht gilt. Auch Erwachsene verhalten sich also so, wie es ihre Freunde tun. Für andere Faktoren finden sich ebenfalls signifikante Effekte, allerdings nicht in Bezug auf alle untersuchten Straftaten. Hervorzuheben ist erstens, dass Opfer von Straftaten eher bereit sind, diese auch selbst auszuführen; Opfer werden
zu Tätern, Täter zu Opfern. Zweitens hat die elterliche Erziehung einen langen Arm: Erwachsene, die in ihrem Verhalten weniger durch die Eltern kontrolliert wurden, neigen später häu104

figer dazu, gesellschaftliche Normen zu übertreten. Drittens sind Personen, die früher häufiger
die Schule geschwänzt haben, eher straffällig. Nicht vorhandene Bindungen zu zentralen gesellschaftlichen Institutionen, die sich bereits im Jugendalter zeigen, prädizieren damit auch in
späteren Lebensphasen unangepasstes Verhalten. Dies unterstreicht noch einmal, dass Schulschwänzen ein wichtiger Risikomarker für die weitere Entwicklung des Einzelnen ist. Viertens sind gewissenhafte Personen seltener dazu bereit, Straftaten zu begehen. Eine solche Persönlichkeitsstruktur verträgt sich nicht mit der Ausübung von Straftaten. Fünftens schließlich
ergibt sich ein Einfluss des Cannabiskonsums: Ein häufigerer Konsum geht mit dem Verüben
von Diebstahl und aggressivem Verhalten einher. Dies bestätigt Befunde aus Jugendstudien.
Der Cannabiskonsum ist also entgegen der vielverbreiteten Auffassung alles andere als befriedend. Er steht mit dem Begehen von Straftaten in Beziehung, was gerade im Zuge der derzeit geführten Legalisierungsdiskussion stärker gewürdigt werden sollte. Neben den genannten Befunden ist noch darauf hinzuweisen, dass Männer und jüngere Personen stärker zum
Begehen von Straftaten neigen als Frauen und ältere Personen.
10. Welche politischen Orientierungen finden sich in der niedersächsischen Erwachsenenbevölkerung?
Ein Drittel der niedersächsischen Erwachsenen sind sich im Unklaren über ihre politische
Position: Danach gefragt, wo sie sich auf dem Links-Rechts-Spektrum verorten, antworten
32,6 % mit „weiß nicht“. Diejenigen, die dies können, neigen etwas stärker nach links als
nach rechts. Da mit dieser Form der Einstufung des politischen Standpunkts ein nicht unerheblicher Teil der Niedersachsen Probleme zu haben scheint – vergleichbare Befunde wurden
auch schon für Jugendliche berichtet –, wurden in der Befragung stärker inhaltlich orientierte
Instrumente eingesetzt, um einerseits linke Orientierungen, andererseits rechte Orientierungen
und hier primär ausländerfeindliche Einstellungen zu erfassen. Hinsichtlich der linken Orientierungen gilt, dass eine Mehrheit der Befragten antifaschistische und antikapitalistische (bzw.
kapitalismuskritische) Auffassungen vertritt. Eine aggressive, gewalthaltige Umsetzung linker
Ziele befürwortet aber nur eine Minderheit. Alles in allem können 5,5 % der Niedersachsen
als dezidiert linksorientiert eingestuft werden. Unter jüngeren Befragten ist diese Orientierung
verbreiteter als unter älteren Befragten. Wird als Pendant die Ausländerfeindlichkeit betrachtet, so werden 14,9 % der deutschen Befragten als eher ausländerfeindlich eingestuft. Dies
bedeutet nicht, dass rechte Orientierungen in Niedersachsen ein größeres Problem darstellen
als linke Orientierungen, da die Abfrage nicht symmetrisch war, insofern bei der linken Orientierungen ebenfalls die Gewaltaffinität erfragt wurde; bei der Ausländerfeindlichkeit wurde
hingegen nicht gefragt, ob man auch gewalttätig gegen Ausländer vorgehen würde. Zugleich
verweisen die Befunde darauf, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Bevölkerung Ausländern gegenüber distanziert eingestellt ist. Bei jüngeren und älteren Befragten ist dies häufiger
der Fall. Befragte im mittleren Alter weisen hingegen eine niedrigere Zustimmung auf. Zudem erweist sich das Bildungsniveau als relevant: Hohe Bildung schützt vor der Ausbildung
von Ausländerfeindlichkeit. Ausländerfeindlichkeit ist demnach ein Problem der deutschen
Bevölkerung Niedersachsens, dem es stärker entgegen zu treten gilt. Zugleich ist auch darauf
hinzuweisen, dass auch Migranten, die in Niedersachsen leben, feindlich gegenüber anderen
Bevölkerungsgruppen eingestellt sind. Osteuropäische Migranten sind bspw. häufiger negativ
gegenüber Türken eingestellt, diese wiederum negativer gegenüber Juden oder Homosexuel-

105

len. Feindlichkeit gegenüber anderen Gruppen ist ein Phänomen, dass sich in verschiedenen
Herkunftsgruppen zeigt und nicht allein ein Phänomen unter den Deutschen darstellt.
11. In welchen Bereichen unterscheiden sich niedersächsische Jugendliche und Erwachsene, in welchen Bereichen ähneln sie sich?
Für zahlreiche erfragte Merkmale konnte ein Vergleich von niedersächsischen Neuntklässlern
und niedersächsischen Erwachsenen vorgenommen werden. Auffällig ist dabei zunächst, dass
der Migrantenanteil unter den Jugendlichen mit 24,3 % deutlich höher ausfällt als unter den
Erwachsenen (14,0 %). Die ethnische Heterogenität nimmt in Niedersachsen in der Generationenabfolge also zu. Werden die Opferrisiken verglichen, so ergeben vor allem bei den Gewaltdelikten auffällige Unterschiede: Raubtaten und Körperverletzungen erleben Jugendliche
deutlich häufiger als Erwachsene, wobei jüngere Erwachsene (16- bis 30jährige) ebenfalls
recht häufig vom Erleben dieser Delikte berichten. Bei Eigentumsdelikten fallen die Unterschiede hingegen eher gering aus: Fahrraddiebstähle oder Sachbeschädigungen werden von
Jugendlichen und Erwachsenen in etwa gleich häufig berichtet. Für die Täterschaften gilt,
dass Neuntklässler bei allen Delikten, bei denen ein Vergleich möglich ist, höhere Raten aufweisen. Das Jugendalter stellt damit die Phase dar, in der delinquentes Verhalten am verbreitetsten ist. Gleichwohl fallen auch bzgl. der Täterschaften die Abstände zur Gruppe der 16bis 30jährigen geringer aus als die Abstände zu älteren Altersgruppen. Interessante Vergleichsergebnisse ergeben sich daneben u.a. zu folgenden Merkmalen: Die Neuntklässler berichten
seltener als die Erwachsenen davon, in der Erziehung Gewalt durch die Eltern erfahren zu
haben; positive Formen der Erziehung sind dagegen häufiger für die Jüngeren festzustellen.
Der Alkohol- und der Zigarettenkonsum ist im Erwachsenenalter verbreiteter als im Jugendalter. Cannabis oder harte Drogen konsumieren die Neuntklässler hingegen häufiger. Linke,
aber ebenso ausländerfeindliche Orientierungen sind unter Jugendlicher verbreiteter als unter
Erwachsenen. Eine Affinität zu extremen Standpunkten zeigt sich also häufiger für Jugendliche und seltener für Erwachsene.
12. Lässt sich die Rücklaufquote postalischer Befragungen durch finanzielle Anreize
erhöhen?
Diese Forschungsfrage wurde anhand eines Methodenexperiments eindeutig beantwortet. In
der Hauptstichprobe, in der 10.000 Personen mit einem Fünf-Euro-Anreiz angeschrieben
wurden, betrug die Rücklaufquote nach Abzug der neutralen Ausfälle 62,5 %, in einer 400
Personen umfassenden Zusatzstichprobe ohne jeglichen Anreiz nur 31,0 %. Die Zusammensetzung der Hauptstichprobe entspricht zudem hinsichtlich des Alters und des Migrationshintergrundes den Verhältnissen in der Grundgesamtheit besser als die Zusatzstichprobe ohne
Anreize. Auf die Höhe der ermittelten Opferraten hat der Einsatz von Anreizen weitestgehend
keinen einheitlichen Einfluss. Denkbar wäre gewesen, dass diese Raten in der Hauptstichprobe niedriger ausfallen, weil die Anreize primär Personen zur Teilnahme motivieren, die selbst
keine Erfahrungen mit Kriminalität haben und für die daher der Fragebogen generell weniger
interessant ist. Mit Blick auf die ebenfalls untersuchten Täterraten ist das Ergebnis klarer: In
der Hauptstichprobe fallen die Raten fast durchweg höher aus als in der Zusatzstichprobe ohne Anreize. Dies kann als Hinweis dahingehend interpretiert werden, dass Anreize jene Personen eher zur Teilnahme motivieren, die Straftaten begehen. Alles in allem lässt sich damit
106

folgern, dass Anreize nicht nur den Rücklauf erhöhen, sondern auch die Qualität der Stichprobe verbessern und somit zu verlässlicheren Schätzungen führen. Gleichwohl ist darauf
hinzuweisen, dass sich noch immer mehr als ein Drittel der ausgewählten Personen trotz des
Anreizes nicht an der Befragung beteiligt hat.

107

108

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