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Full text: Die Strategie Stadtlandschaft Berlin

Naturerfahrungsräume

© Lichtschwärmer/Christo Libuda

Draußen spielen – ein kindliches Grundbedürfnis
Viele Kinder haben heute in ihrem urbanen Wohnumfeld kaum noch Möglichkeiten, mit Naturelementen in Kontakt zu treten. Da
Erfahrungen in der Natur erwiesenermaßen die Entwicklung von Kindern fördern, wurde ein Referenzprojekt zu diesem Thema
entwickelt und in die Strategie Stadtlandschaft integriert. Mit dem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben „Naturerfahrungsräume
in Großstädten am Beispiel Berlin“ werden Chancen zu deren Etablierung an drei Beispielflächen geprüft.
Alleine auf Bäume klettern, unbeaufsichtigt im Matsch spielen, Staudämme bauen,
Käfer um die Wette laufen lassen – Kinder
brauchen Naturerfahrungen. Naturnahe
Freiräume, zum Beispiel wilde Brachflächen, sind in unseren Städten aber fast
vollständig verschwunden. Die zu beobachtende Naturentfremdung hat viele
Ursachen. In der Alltagswelt werden
elektronische Medien immer wichtiger,
Eltern stufen Naturkontakte häufig als
gefährlich ein und der schulische Druck
steigt. Soziologen sprechen von einer
zunehmenden „Verhäuslichung“.
Naturerfahrungen können die persönliche
und soziale Entwicklung von Kindern positiv beeinflussen. Deshalb hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt dieses wichtige, aber bislang noch

wenig beachtete Zivilisationsthema aufgegriffen. Sie fördert das Konzept der
Naturerfahrungsräume zusammen mit
dem Bundesumweltministerium und dem
Bezirk Pankow sowie mit der Unterstützung des Landesbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege. Als Träger
des Projektes konnte die Stiftung Naturschutz Berlin gewonnen werden.

Was Kinder brauchen

Kinder benötigen zu ihrer gesunden Entwicklung den alltäglichen Umgang mit
natürlichen Elementen und besonders
mit Lebewesen – und dies möglichst in
direkter Wohnumgebung. Aus vielen Untersuchungen ist bekannt, dass solche
Alltagserfahrungen die emotionale Bindung sowohl zur Natur als auch zu Menschen stärken und sich positiv auf Krea-

tivität, Risiko- und Sozialkompetenz auswirken. Wahrnehmungs-, Konzentrationsund Koordinationsfähigkeit sowie Empathie werden ebenfalls geschult. Freies
Spiel in der Natur kommt wichtigen kindlichen Grundbedürfnissen entgegen und
kann darüber hinaus ein besseres Eigenverständnis von Kindern und Jugendlichen fördern, sich selbst als Teil dieser
Natur zu begreifen.

Was sind Naturerfahrungsräume?

Es sind naturbelassene Flächen, die Kindern ein weitgehend selbstbestimmtes
Erleben von Natur ermöglichen sollen.
Durch eine wohnungsnahe Lage sollen
diese Alltagserfahrungen auch für solche
Kinder möglich sein, die in verdichteten
Stadtgebieten in einem sozialen Umfeld
leben, in dem Naturkontakte nur wenig

gefördert werden. Mit dieser Zielsetzung
ergänzen Naturerfahrungsräume bewährte Einrichtungen (z. B. Waldschulen). Des Weiteren tragen Naturerfahrungsräume zur Aufwertung des Wohn­­umfeldes und damit auch zu einer Steigerung der Lebensqualität von Familien
mit Kindern bei. Sie können daher als innovatives Instrument soziale, gesundheits- und naturschutzbezogene Erfolge
in urbanen Lebensräumen erzielen.

Erprobungs- und Entwicklungvorhaben

In diesem Referenzprojekt der Strategie
Stadtlandschaft soll ermittelt werden, ob
und wie es unter den Bedingungen einer
Großstadt gelingen kann, auch in sozial
benachteiligten Wohnquartieren Kindern
den Zugang zur Natur zu erschließen. Das
Konzept setzt gleichzeitig Ziele der Berliner Strategie zur Biologischen Vielfalt um,
indem es die emotionale Bindung von
Kindern an die Natur fördert.
Auf drei Beispielsflächen werden durch
Erfahrungen aus der Voruntersuchung
unter anderem folgende Themen weiter
bearbeitet:
„„großstadtspezifischer Standard für
Naturerfahrungsräume
„„Aufwand für Pflege und Betreuung
„„Fortbildung vor allem zur Pflege und
Betreuung
„„Sicherheit und Haftung
„„Steigerung des Bekanntheitsgrads und
Herstellen von Akzeptanz
„„Kinder- und Bürgerbeteiligung bei
Planung und Realisierung
„„aktive Einbindung von Schulen und
Kindergärten

profitieren können. Alle Flächen liegen
in der Nähe zu Großsiedlungen.
Der Naturerfahrungsraum Spieroweg ist
eine abwechslungsreich gegliederte
Brachfläche mit Dschungelcharakter. Verschiedene Obst- und Nussbäume, dichte
Gebüschstrukturen und flächige Hochstaudenfluren laden zum Naschen, Verstecken und Erkunden ein.

© Lichtschwärmer/Christo Libuda

Der Wechsel zwischen Jungholzbeständen
und Lichtungsbereichen prägt das Spiel
zwischen Licht und Schatten im Naturerfahrungsraum Moorwiese. Zusammen
mit der angrenzenden offenen Landschaft und in Nachbarschaft zum spannenden Abenteuerspielplatz verfügt dieser
Naturerfahrungsraum über eine besondere Anziehungskraft für Kinder.
Der Naturerfahrungsraum auf dem Kienberg ist fast vollständig mit Wald bestanden. Die Wald- und Hangstruktur
des Geländes ermöglicht auf kleinem
Raum das „unbeobachtete“ Spielen und
Entdecken. Die Lage auf dem Gelände der
Internationalen Gartenausstellung (IGA)
ermöglicht es, ab 2017 bundesweit für die
Idee der Naturerfahrungsräume zu werben.
Projektpartner sind die Bezirke Pankow
und Spandau und die Grün Berlin GmbH,
die die Flächen zur Verfügung stellen.
Die Vereine Spielkultur Berlin-Buch e. V.,
Staakkato Kinder und Jugend e. V. und das
Infrastrukturelle Netzwerk Umweltschutz
(INU gGmbH) werden die Flächen betreuen.

Die Umsetzung

Für die Realisierung wurden je eine Fläche auf dem Kienberg in Marzahn, am
Spieroweg in Spandau und in der Nähe
der Moorlinse Buch in Pankow ausgewählt. In allen drei Fällen wohnen im
Umfeld der Flächen viele Kinder, die von
dem neuen Spiel- und Erfahrungsangebot

Kommunikation, Württembergische Straße 6, 10707 Berlin
www.stadtentwicklung.berlin.de

Infos für Neugierige
www.stadtentwicklung.berlin.de/
natur_gruen/lb_naturschutz/
download/publikationen/
naturerfahrungsraeume_
grossstaedte.pdf

Der Landesbeauftragte
für Naturschutz
und Landschaftspflege

© ARGE Naturerfahrungsräume Berlin

© SenStadtUm

Abb. Oben:
Spielen im Matsch ist eine sinnliche Erfahrung für Kinder.
Das freie Spiel ohne Erwachsene schult soziale Fähigkeiten.
Abb. Mitte:
Wie riecht es im Wald? Was kann man aus Fundstücken
aus der Natur alles machen? Vielen Kindern fehlen diese
Erfahrungen heute.
Abb. Unten:
Lage der Pilotflächen.

www.stiftung-naturschutz.de/unsereprojekte/naturerfahrungs-raeume/
www.stadtentwicklung.berlin.de/
staedtebau/foerderprogramme/zis/
index.shtml
        
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