Path:

Full text: 25 Jahre deutsche Einheit

statistik
Berlin Brandenburg

25 jahre deutsche einheit Berlin in Zahlen
Bevölkerung
Haushalt und Familie
Bildung
Wirtschaft
Umwelt
Arbeitsmarkt
Leben und Wohnen
Wahlen

	Geburtsorte
der Einwohner
Berlins
außerhalb
der Stadtgrenzen
am 9. Mai 2011
nach Kreisen

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Vorwort

3
Am 3. Oktober 2015 wird der 25. Jahrestag der
deutschen Wiedervereinigung gefeiert. Das
Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (AfS)
nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um die
Entwicklung der letzten 25 Jahre in den Ländern Berlin und Brandenburg statistisch zu
beleuchten. Die ganze Vielfalt der Lebensverhältnisse lässt sich so zwar nicht einfangen,
aber durch ausgewählte Indikatoren aus den
Bereichen Bevölkerung, Haushalte und Familien, Bildung, Wirtschaft, Umwelt, Arbeitsmarkt, Leben und Wohnen sowie Wahlen
werden Entwicklungen sichtbar, die unsere
heutige Lebenswirklichkeit prägen und sowohl Erfolge als auch weitere Herausforderungen des Vereinigungsprozesses erkennen
lassen.
Auch im AfS spiegelt sich die Entwicklung
der vergangenen 25 Jahre wider: Es ging am
1. Januar 2007 aus dem Zusammenschluss des
Statistischen Landesamtes Berlin und der
Abteilung Statistik des Landesbetriebes für
Datenverarbeitung und Statistik Brandenburg (LDS) hervor.

Rudolf Frees (komm.)  Vorstand des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg

Das Statistische Landesamt Berlin hatte im
Jahr 1990 die Aufgabe erhalten, die amtliche
Statistik im wieder vereinten Berlin durchzuführen. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bezirksstelle Berlin der Staatlichen Zentralverwaltung der Statistik der DDR
arbeiteten seitdem gemeinsam mit ihren
West-Kolleginnen und -Kollegen im neu formierten Berliner Landesamt. Seinerzeit hatte dieses seinen Sitz noch im Bezirk Wilmersdorf, also in Berlin-West. 1995 erfolgte dann
der Umzug nach Berlin-Friedrichsfelde im
Bezirk Lichtenberg, also nach Berlin-Ost. Die
Unterscheidung zwischen „Ost“ und „West“
verlor durch die gemeinsame Arbeit rasch an
Bedeutung.
Durch die Fusion im Jahr 2007 kamen auf das
neu gebildete AfS zahlreiche Herausforderungen zu. Unter anderem sind diese darin
begründet, dass die amtliche Statistik für
ein Flächenland und für einen Stadtstaat aus
einer Hand organisiert werden muss.

Die amtliche Statistik hat die Aufgabe, die
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Verhältnisse und Entwicklungen
in den Bundesländern und in Deutschland
abzubilden. Sie ist dabei gesetzlich zu Neutralität, Objektivität und Unabhängigkeit verpflichtet. Dadurch ist gewährleistet, dass die
Daten der amtlichen Statistik eine verlässliche, nachvollziehbare und allgemein verfügbare Grundlage für die Information der
Öffentlichkeit und für sachorientierte Entscheidungen der Politik sind.
Das AfS hat seine Aufgabe auch in Zeiten
größerer gesellschaftlicher Veränderungen
und trotz der eigenen organisatorischen Umgestaltung erfüllt. Acht Jahre nach der Fusion
und 25 Jahre nach der Wiedervereinigung
ist das AfS der zentrale Dienstleister für die
amtliche Statistik in der Region.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Inhaltsübersicht

5
Vorbemerkungen
7	
8	

Glossar
Regionale Gliederung

Bevölkerung
10	
14	
16	
20	

	Wanderungen über die Berliner Landesgrenze
	Geburten und Sterbefälle
	Entwicklung der Bevölkerungszahl
	Geburtsorte der Einwohner
Haushalte und Familien

22	
24	
26	
28	

	Haushalte nach Haushaltsgröße
	Familien nach Lebensformtyp
	Bevölkerung mit überwiegendem Lebensunterhalt aus Erwerbstätigkeit
	Armutsgefährdungsquote
Bildung

30	
32	
34	

	Kindertagesbetreuung
	Schulabschlüsse an allgemeinbildenden Schulen
	Studierende, Studienanfängerinnen und -anfänger

Umwelt
42	

Arbeitsmarkt
44	
46	
48	
50	
52	

38	
40	

70	

	Impressum

Bruttoinlandsprodukt
	Gewerbean- und -abmeldungen
	Tourismus

	Erwerbstätigenquote
	Erwerbslosenquote
	Teilzeiterwerbstätige
	Verdienste
	Pendlerströme
Leben und Wohnen

54	
58	
60	
62	
64	

Wirtschaft
36	

	CO₂-Emissionen nach Quellenbilanz

Wohnungsfertigstellungen und Wohnungsbestand
	Verbraucherpreise
	Baupreise
	Ausstattung privater Haushalte mit ausgewählten Gebrauchsgütern
	Kraftfahrzeugbestand
Wahlen

66	
68	

	Wahlbeteiligung bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin
	Ergebnisse der Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Vorbemerkungen

6
Seit dem 3. Oktober 1990 leben die Bürgerinnen und Bürger in Ost und West wieder in einem Staat. Im Einigungsvertrag wurde Berlin
als Hauptstadt Deutschlands bestimmt. Das
Land Brandenburg wurde durch die Zusammenlegung der Bezirke Potsdam, Frankfurt
(Oder), Teilen des Bezirks Cottbus und einiger
anderer Kreise neu gegründet. Im seither vergangenen Vierteljahrhundert haben sich das
Land und die – später sogenannte – Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg dramatisch
verändert. Zuvor kaum oder gar nicht passierbare Grenzen verschwanden oder wurden
durchlässig. Berlin-West hatte wieder ein
Umland und Berlin wieder ein historisches
Zentrum. Der Wechsel von der Planwirtschaft
zur Marktwirtschaft war nicht leicht und erwies sich als folgenreich. Der Anpassungsprozess und die Herstellung vergleichbarer Lebensverhältnisse konnten nicht – wie
zunächst gehofft – in wenigen Jahren erreicht werden, sondern wurden zu einer länger währenden Aufgabe. Als wichtiger Motor
einer positiven Entwicklung haben sich der
Hauptstadtbeschluss und der Regierungsumzug von Bonn nach Berlin erwiesen.

Diese Broschüre betrachtet die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Berlins
der vergangenen 25 Jahre in Zahlen. Dazu
wurden für thematische Bereiche Indikatoren
ausgewählt, die den Fokus auf wichtige Einzelaspekte legen. Die thematischen Bereiche
sind: Bevölkerung, Haushalte und Familien,
Bildung, Wirtschaft, Umwelt, Arbeitsmarkt,
Leben und Wohnen sowie Wahlen. Eine Entwicklungs- und Lagebeschreibung geben
die insgesamt 27 Indikatoren, durch die die
Grundzüge erkennbar werden sollen.

Entwicklungen lassen sich am besten dokumentieren, wenn ein langer Zeitraum darstellt wird. Die letzten 25 Jahre können jedoch in der amtlichen Statistik noch nicht
vollständig abgebildet werden, da für das
aktuelle Jahr 2015 noch keine Ergebnisse vorhanden sind. In der Regel liegen die Daten
von 1990/91 bis 2013/14 vor. Bei einigen Indikatoren ist der betrachtete Zeitraum kürzer,
dann wird vom ersten nach der Wiedervereinigung vorliegenden Berichtsjahr ausgegangen. Für die Darstellung tief gegliederter Vergleiche wurden in der Regel die Jahre 1991,
2005 und 2014 ausgewählt.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Vorbemerkungen

Glossar
Anbindungskoeffizient

Betreuungsquote

Fruchtbarkeitsziffer

Saldo

Der Anbindungskoeffizient gibt die
Intensität der Verflechtungen durch
Pendlerströme zwischen zwei Gemeinden wieder, dadurch wird die
relative Bedeutung eines Arbeitsmarktes für das direkte Umfeld verdeutlicht. Der Anbindungskoeffizient berechnet sich aus dem Anteil
der Auspendler in eine bestimmte
Gemeinde durch alle in der Heimatgemeinde wohnenden Erwerbstätigen (Binnen- und Auspendler).

Anzahl der Kinder in Kindertageseinrichtungen und der Kindertagespflege je 100 Kinder der gleichen
Altersgruppe

Zahl der Geburten bezogen auf
1 000 Frauen im Alter zwischen 15
und 45 Jahren (gebärfähiges Alter)

Der Saldo gibt die verrechneten Zuund Abgänge oder Gewinne und
Verluste als Differenz wieder, beispielsweise in der Wanderungs- oder
Gewerbeanzeigenstatistik.

Berlin/Bonn-Gesetz

Das Glossar beinhaltet Definitionen und Erklärungen zu Begriffen
der amtlichen Statistik und soll
damit zum Verständnis der Texte
beitragen. Die Begriffe sind an
gegebener Stelle im Text gekennzeichnet.

7

Gesetz zur Umsetzung des Beschlusses des Deutschen Bundestages vom 20. Juni 1991 zur Vollendung der Einheit Deutschlands
(Berlin/Bonn-Gesetz – Berlin/BonnG)
vom 26. April 1994 (BGBl. I S. 918), das
durch Artikel 1 der Verordnung vom
21. September 1997 (BGBl. I S. 2390)
geändert worden ist.

Geburtenrate
Briefwahlanteil
Der Anteil der Personen an allen
Wählerinnen und Wählern, die außerhalb des Wahllokals und überwiegend in den Tagen und Wochen
vor dem Wahltag ihre Stimme abgegeben haben, wird als Briefwahlanteil bezeichnet. Er umfasst zum
einen diejenigen, die ihre Briefwahlunterlagen postalisch zurückgesandt haben und zum anderen auch
diejenigen, die von ihrem Wahlrecht
in den Tagen vor der Wahl in einer
Briefwahlstelle Gebrauch gemacht
und die Unterlagen direkt dort abgegeben haben.

Durchschnittliche Kinderzahl je Frau
Hauptstadtbeschluss
siehe Berlin/Bonn-Gesetz
Index/Indizes
Der Index ist eine zusammenfassende Maßzahl, die für den zeitlichen
und räumlichen Vergleich von Entwicklungen verwendet wird. Beispiele hierfür sind der Verbraucherpreisindex und der Preisindex für
Bauleistungen.
Messzahl
Die Messzahl wird u.a. für die Darstellung zeitlicher Entwicklungen
verwendet; sie wird als Verhältniszahl auf eine feste Basisperiode
(=100) bezogen.

Sterbeziffer
Gestorbene je 1 000 Einwohner
Suburbanisierung
Mit Suburbanisierung wird die Abwanderung eines Teils der städtischen Bevölkerung in das Umland
bezeichnet.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Vorbemerkungen

8

Regionale Gliederung
Die Veränderungen in Berlin verliefen im
gesamten Gebiet nicht gleichförmig. Um
Unterschiede im Land sichtbar bzw. die innerstädtische Dynamik erkennbar zu machen, wurden Stadtregionen definiert,
durch die die Stadt in drei Bereiche unterteilt wird: westliche Bezirke, Innenstadtbezirke und östliche Bezirke. Der Regionenbildung wurden die zwölf Bezirke zugrunde
gelegt. Eine Unterteilung Berlins in den historischen Ost- bzw. Westteil ist seit der Verwaltungsreform vom 1. Januar 2001, bei der
die vormals 23 Bezirke zu zwölf Bezirken fusioniert wurden, nicht möglich, weil dabei
auch Ost- und Westbezirke zusammengelegt
wurden. Zur Stadtregion „westliche Bezirke“
gehören die Bezirke, die sich territorial eindeutig Berlin-West zuordnen lassen (Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg, Neukölln,
Reinickendorf ). Die Stadtregion „östliche Bezirke“ wird durch die Bezirke gebildet, die

Bezirke und Stadtregionen

sich überschneidungsfrei Berlin-Ost zuordnen lassen (Pankow, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg). Die Region
„Innenstadtbezirke“ umfasst die Bezirke
Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, die beide aus einer Fusion östlicher und westlicher
Bezirke entstanden sind. Der Bezirk Mitte
entstand aus Mitte (Berlin-Ost) sowie Wedding und Tiergarten (Berlin-West). Friedrichshain-Kreuzberg aus Friedrichshain
(Berlin-Ost) und Kreuzberg (Berlin-West).
Diese Untergliederung Berlins in Regionen
verbindet die Struktur der politischen Teilung
in Berlin-West und Berlin-Ost mit der stadtsoziologischen zwischen Innenstadt und
äußerer Stadt.

12

05

03

Mitte

Neukölln

Friedrichshain-Kreuzberg
01
Pankow
04
Charlottenburg-Wilmersdorf

Treptow-Köpenick
11
Marzahn-Hellersdorf
10
Lichtenberg

02

Spandau
Steglitz-Zehlendorf 07
06
Tempelhof-Schöneberg

—	
—	
	

Bezirksgrenzen
Innerstädtischer Verlauf
der Mauer

Reinickendorf
08

09

Stadtregionen
	 und Bezirke
westliche Bezirke
04	 Charlottenburg-Wilmersdorf
05	 Spandau
06	 Steglitz-Zehlendorf
07	 Tempelhof-Schöneberg
08	 Neukölln
12	 Reinickendorf

Innenstadtbezirke
01	 Mitte
02	 Friedrichshain-Kreuzberg
östliche Bezirke
03	 Pankow
09	 Treptow-Köpenick
10	 Marzahn-Hellersdorf
11	 Lichtenberg

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Vorbemerkungen

9

Prognoseräume

Bei einigen Themen ist es von Wert, wenn
die Entwicklung regional noch differenzierter dargestellt wird (z. B. die Entwicklung der
Bevölkerungszahl). Für die unterbezirkliche
kleinräumige Gliederung der Stadt wurden
sogenannte Lebensweltlich orientierte Räume (LOR) gebildet. Auf der unteren Ebene ist
das Stadtgebiet flächendeckend in 447 Planungsräume untergliedert, die nächste Ebene umfasst 138 Bezirksregionen und die darüber liegende 60 Prognoseräume.

nach Bezirken
01	Mitte
01 01	
01 02	
01 03	
01 04	

Zentrum
Moabit
Gesundbrunnen
Wedding

02	Friedrichshain-Kreuzberg
02 01	
02 02	
02 03	
02 04	
02 05	

Kreuzberg Nord
Kreuzberg Süd
Kreuzberg Ost
Friedrichshain West
Friedrichshain Ost

03	Pankow
03 01	
03 02	
03 03	
03 04	
03 05	
03 06	
03 07	

Buch
Nördliches Pankow
Nördliches Weißensee
Südliches Pankow
Südliches Weißensee
Nördlicher Prenzl. Berg
Südlicher Prenzl. Berg

04	Charlottenburg-Wilmersdorf
04 01	
04 02	
04 03	
04 04	
04 05	
04 06	

CW 1
CW 2
CW 3
CW 4
CW 5
CW 6

05	Spandau
05 01	
05 02	
05 03	
05 04	

SPA 1
SPA 2
SPA 3
SPA 4

06 01	
06 02	
06 03	
06 04	

Region A
Region B
Region C
Region D

1222
1221
0501

Schöneberg Nord
Schöneberg Süd
Friedenau
Tempelhof
Mariendorf
Marienfelde
Lichtenrade

Pankow 1210

Neukölln
Britz/Buckow
Gropiusstadt
Buckow Nord/Rudow

10 01	
10 02	
10 03	
10 04	

Marzahn
Hellersdorf
Biesdorf
Kaulsdorf/Mahlsdorf

1101

0304

0707

11	Lichtenberg

12	Reinickendorf

11 01	
11 02	
11 03	
11 04	
11 05	

12 10	
12 21	
12 22	
12 23	
12 30	

Hohenschönhausen Nord
Hohenschönhausen Süd
Lichtenberg Nord
Lichtenberg Mitte
Lichtenberg Süd

1002
1004

0905
2

0804

0706

Treptow-Köpenick 1
Treptow-Köpenick 2
Treptow-Köpenick 3
Treptow-Köpenick 4
Treptow-Köpenick 5

10	Marzahn-Hellersdorf

0303

Charlottenburg-Wilmersdorf 0305
0104
0103 0306
0401 Spandau

09	Treptow-Köpenick
09 01	
09 02	
09 03	
09 04	
09 05	

0302

Friedrichshain-Kreuzberg

1001
1102
0307
0102
0502
Steglitz-Zehlendorf
1103
0101
0402
0403
Tempelhof-Schöneberg 0204 0205
1003
0201 0203
1104
0701 0202
Neukölln
0405
0406
0702
0404
1105
Treptow-Köpenick
0801
0504
0703
0704
Marzahn-Hellersdorf
0601
0901
0902
0604
Lichtenberg 0705
0802
0603
0602
1
Reinickendorf
0803
0503

08	Neukölln
08 01	
08 02	
08 03	
08 04	

Mitte

1230

07	Tempelhof-Schöneberg
07 01	
07 02	
07 03	
07 04	
07 05	
07 06	
07 07	

0301

1223

06	Steglitz-Zehlendorf

Reinickendorf Ost
Tegel
Heiligensee/Konradshöhe
Frohnau/Hermsdorf
Waidmannslust

3
5 0904

4

0903

Stadtregionen
westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

10

Wanderungen über die Berliner Landesgrenze

Was beschreibt der Indikator?
Die in der Wanderungsstatistik
gemessenen Wanderungsströme sind das Abbild des Migrationsgeschehens. Sie beeinflussen
entscheidend die demographische Entwicklung einer Region.
Mit der Deutschen Einheit wurden
für alle Menschen in Deutschland
Wohnortwechsel in alle Richtungen möglich.

Für Berlin war wohl die bedeutendste Folge
der Wiedervereinigung der am 20. Juni 1991
vom Deutschen Bundestag getroffene
Hauptstadtbeschluss, der die Verlegung des
Parlaments- und Regierungssitzes nach Berlin
vorsah. Es war davon auszugehen, dass der
Ausbau Berlins zum Regierungssitz und die
Übernahme der Hauptstadtfunktion nachhaltige Impulse setzen und die Bevölkerungszahl Berlins auf längere Sicht steigen würde.
Im Berlin/Bonn-Gesetz regelte der Deutsche
Bundestag u. a. den Umzug von Parlament
und großen Teilen der Regierung von Bonn
nach Berlin sowie den Umzug von Bundesbehörden und anderer Bundeseinrichtungen
in die Bundesstadt Bonn. Ein weiterer wesentlicher Effekt der Wiedervereinigung war
für viele Berlinerinnen und Berliner die Möglichkeit, ihren Wunsch nach einem eigenen
Haus im Umland Berlins zu verwirklichen.

Diese beiden Sachverhalte spiegeln sich auch
in der Berliner Wanderungsstatistik wider.
Gleich nach der Herstellung der Deutschen
Einheit ergriffen viele Einwohnerinnen und
Einwohner die Gelegenheit, ins Berliner Umland abzuwandern. Dies führte in der Wanderungsstatistik zu einer deutlich steigenden Gesamtzahl der Fortzüge. Der Trend
dieser sogenannten Suburbanisierung begann bereits 1991 und steigerte sich bis zum
Jahr 1998. In jenem Jahr gab es den höchsten
Verlust für Berlin, der sich per Saldo (Zuzüge
– Fortzüge) auf über 30 000 Personen belief.
Danach gingen die Einwohnerverluste stetig zurück und liegen seit dem Jahr 2007 im
Schnitt bei jährlich ca. 8 000 Personen.

Das Datenhandbuch des Deutschen Bundestages weist in Kapitel 18.1 „Umzug des Bundestages nach Berlin: Chronik“ die Tage vom
5. bis 31. Juli 1999 als die Zeit der Umzugstransporte aus. Am 10. Mai 2004 findet der
Chronik zufolge der Umzug von Bonn nach
Berlin offiziell seinen Abschluss. Der Saldo
aus Zu- und Fortzügen gegenüber dem übrigen Bundesgebiet (ohne Berliner Umland)
stieg in den Jahren 1998 bis 2001 von gut
7 000 Personen auf 13 000 Personen. Bis 2004
schrumpften die Zuzugsgewinne auf gut
3 000 Personen. Nach Abschluss des Hauptstadtumzuges folgte eine Phase steigender
Salden. In der Zeitspanne 2005 bis 2013 gewann Berlin insgesamt rund 150 000 Personen im Wanderungsaustausch mit dem übrigen Bundesgebiet hinzu. Parallel dazu gab es
in den letzten drei Jahren auch deutliche Zugewinne gegenüber dem Ausland, von 2011
bis 2013 insgesamt weit über 85 000 Personen – vielfach Menschen aus den osteuropäischen EU-Staaten und EU-Ländern mit größeren wirtschaftlichen Problemen.


Datenquelle: Wanderungsstatistik

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

Zu- und Fortzüge über die Grenze von Berlin
Zuzüge
Fortzüge
Saldo

Suburbanisierungsprozess

Umzug von Parlament
und Regierung

„künstliche”
Fortzüge durch
Melderegisterbereinigung

175 000
150 000
125 000
100 000
75 000
50 000
25 000
0
-25 000
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Saldo aus Zu- und Fortzügen
nach Herkunfts- und Zielgebieten
Ausland
Berliner Umland
übriges Bundesgebiet

40 000
30 000
20 000
10 000
0
-10 000
-20 000
-30 000
-40 000
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

11

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

12

Saldo aus Zu- und Fortzügen

In den Stadtregionen Berlins waren Mitte der
1990er Jahre bis 2000 überwiegend Wanderungsverluste zu verzeichnen. Bei dieser Betrachtungsweise kommen zu den Wanderungsbewegungen, die über die Stadtgrenze
hinweg stattfinden, auch die innerstädtischen Umzüge hinzu. So gab es beispielsweise im Jahr 2000 in allen drei Stadtregionen insgesamt Wanderungsverluste, die sich
aber unterschiedlich zusammensetzten. Die
westlichen Bezirke konnten Zuzugsgewinne
durch Wanderungen über die Stadtgrenze
erzielen, verloren aber vergleichsweise mehr
Einwohner durch innerstädtische Umzüge.
Bei den beiden anderen Regionen war es umgekehrt: Sie verloren durch Fortzüge über
die Stadtgrenze, gewannen aber durch innerstädtische Zuzüge in geringerem Maß Einwohner hinzu.

Im Jahr 2013 konnten alle drei Stadtregionen
insgesamt Wanderungsgewinne verbuchen.
Wobei die Innenstadtbezirke mit einem Plus
von mehr als 20 000 Einwohnern den höchsten Gewinn erzielten. Hier kam der größte
Teil durch Zuzüge von außerhalb der Stadt
zustande. Aus anderen Teilen Berlins gewannen die Innenstadtbezirke knapp 1 800 Einwohner hinzu. Es folgen die östlichen Bezirke
mit einem Plus von fast 13 000 Einwohnern.
Dieser Gewinn teilt sich auf in knapp 7 000
Einwohner von außerhalb Berlins und 6 000
Einwohner aus anderen Regionen der Stadt.
Die westlichen Bezirke gewannen zwar fast
16 000 Einwohner von außerhalb Berlins hinzu, gaben aber fast 8 000 Einwohner an die
anderen Stadtregionen ab. Unter dem Strich
ergab sich hier also ein Gesamtwanderungssaldo von rund 8 000 Personen. Betrachtet man Berlin noch kleinteiliger, dann zeigt
sich, dass mehr als zwei Fünftel der Wanderungsgewinne der letzten Jahre die innerstädtischen Prognoseräume erzielten: Neukölln, Mitte, Nördlicher Prenzlauer Berg sowie
Friedrichshain Ost.
Die Menschen, die Berlin hinzugewonnen
hat, waren hauptsächlich junge Menschen
im Alter zwischen 18 und 30 Jahren.

nach Stadtregionen
westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

20 000
15 000
10 000
5 000

Zu- und Fortzüge - insgesamt 0
-5 000
-10 000

20 000
15 000
10 000
5 000

- über die Grenze von Berlin 0
-5 000
-10 000

20 000
15 000
10 000
5 000

- innerhalb Berlins 0
-5 000
-10 000
1991

1995

2000

2005

2010

2013

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

Saldo aus Zu- und Fortzügen je Altersjahr

Saldo aus Zu- und Fortzügen

(Durchschnitt
der Jahre 2005 bis 2013)

nach
Prognoseräumen
2010 bis 2013

3 500
3 000
2 500

unter 0
0 bis unter 3 500
3 500 bis unter 7 500
7 500 und mehr

2 000
1 500
1 000
500
0
-500

Altersjahre 0

05

10

15

20

25

30

35

40

45

50

55

60

65

70

75

80

85

90

95
und älter

13

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

14

Geburten und Sterbefälle

Was beschreibt der Indikator?
Geburten und Sterbefälle sind
entscheidende Faktoren für die
demografische Entwicklung einer Gesellschaft. Im Zeitverlauf
der Geburtenzahl spiegeln sich
beispielsweise besondere gesellschaftliche und wirtschaftliche
Ereignisse wider.

Einbrüche der Geburtenzahlen gab es während und gleich nach den beiden Weltkriegen sowie während der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. In Folge des mit der
Wiedervereinigung Deutschlands einhergehenden politischen und wirtschaftlichen Systemwechsels und der damit einhergehenden Unsicherheit in der Gesellschaft gingen
im ehemaligen Ostteil der Stadt die Geburten ebenfalls drastisch zurück. Eine Entwicklung, die sich auf die Geburtenzahl der Stadt
spürbar auswirkte. Im „Nachwendejahr“ 1991
wurden knapp 30 600 Geburten registriert,
damit kamen 7 000 Babys bzw. 18,7 % weniger
zur Welt als 1990, und auch in den Folgejahren wurde ein, wenngleich nicht ganz so dramatischer, Geburtenrückgang registriert. Im
Zeitraum 1996 bis 2005 blieb dann das Geburtenniveau stabil. Die Zahl der Neugeborenen
bewegte sich jährlich etwa zwischen 29 000
und 30 000 Kindern.

Datenquelle: Statistik der Bevölkerungsbewegung, Einwohnerregisterstatistik

Der 2005 verstärkt einsetzende Zustrom junger Menschen nach Berlin machte sich auch
in der Entwicklung der Geburtenzahlen deutlich bemerkbar. Im Jahr 2006 wurden mit insgesamt rund 29 600 Geburten 600 Geburten
mehr als im Vorjahr registriert. Die Geburtenzahl stieg danach von Jahr zu Jahr weiter an
und erreichte im Jahr 2013 einen Stand von
etwas mehr als 35 000 Neugeborenen – 6 000
Kinder bzw. knapp 21 % mehr als 2005.
Der Geburtenanstieg hat zwei Ursachen:
zum einen die verstärkte Zuwanderung von
jungen Frauen und zum anderen den leichten Anstieg der Geburtenhäufigkeit. Die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer ist von knapp
38 Geburten je 1 000 Frauen im Jahr 2005 auf
über 45 Geburten im Jahr 2010 gestiegen.
Für das Jahr 2013 wurde sogar eine Ziffer von
50 Geburten errechnet. Diese Zahl ist jedoch
nicht zuletzt deshalb höher, weil die in der
Ermittlung des Bevölkerungsbestandes zugrunde gelegten Ergebnisse des Zensus 2011
für die Zahl der Frauen niedriger waren als
die bisher vorliegenden Zahlen der Bevölke-

rungsstatistik. Am stärksten hat die allgemeine Fruchtbarkeitsziffer in den östlichen Bezirken der Stadt zugenommen. Während noch
im Jahr 2005 der Wert hier am niedrigsten
war, ist er 2013 am höchsten.
Betrachtet man Berlin noch kleinteiliger,
dann zeigt sich im aktuell verfügbaren Jahr
2013, dass die Geburtenrate insbesondere in
den Randregionen der Stadt am höchsten ist:
in Heiligensee-Konradshöhe im Durchschnitt
1,8 Kinder je Frau; in Waidmannslust, Marzahn
und Buch jeweils 1,7. Der Durchschnittswert
von Berlin liegt bei 1,4.
Die Zahl der Sterbefälle ist von 1990 bis 2007
von rund 44 000 auf 31 000 kontinuierlich gesunken. In den Folgejahren schwankten die
Werte zwischen 31 000 und 33 000 Personen.
Die Sterbeziffer ist in den Stadtregionen tendenziell zurückgegangen, wobei die Werte in
den östlichen Bezirken immer am höchsten
waren. Dank des Geburtenanstieges in den
letzten Jahren gibt es bei der Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen seit dem
Jahr 2007 steigende Geburtenüberschüsse.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

Lebendgeborene
Gestorbene
Geburtenüberschuss
Sterbeüberschuss

nach Stadtregionen

45 000
40 000
35 000
30 000
25 000
20 000
15 000
10 000
5 000
0
-5 000
-10 000
-15 000

Berlin
westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Geburtenrate

Sterbeziffer

nach Prognoseräumen 2013

nach Stadtregionen

unter 1,3
1,3 bis unter 1,5
1,5 und mehr
keine Angaben

15

Allgemeine Fruchtbarkeitsziffer

Geburten und Sterbefälle

Berlin
westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

1991

1995

2000

2005

2010

2013

1991

1995

2000

2005

2010

2013

14
12
10
8
6
4
2
0

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

Entwicklung der Bevölkerungszahl

16

Was beschreibt der Indikator?
Die Bevölkerungsstatistik ermittelt u. a. Bestand und Struktur
der Bevölkerung. Damit werden
Daten für die Planung und Gestaltung der Daseinsvorsorge in einer
Gesellschaft bereitgestellt. Die
Entwicklung der Bevölkerungszahl kann auch Auskunft über die
Attraktivität bzw. die Wirtschaftskraft einer Region geben. Der
Bevölkerungsbestand wird dabei
durch die sogenannte Bevölkerungsfortschreibung rechnerisch
ermittelt. Ausgehend von einem
Bevölkerungsbestand zu einem
Basiszeitpunkt, der in der Regel
durch einen Zensus ermittelt wurde, werden monatlich die statistisch erfassten Geburten und Zuzüge addiert und die Sterbefälle
und Fortzüge abgezogen. So wird
turnusmäßig ein immer neuer
Bestand errechnet.

Die Entwicklung der Berliner Bevölkerungszahl seit der Wiedervereinigung Deutschlands lässt sich durch vier unterschiedlich
lange und sich teilweise überlagernde Phasen skizzieren. Die erste Phase umfasst die
Jahre 1991 bis 1993. Die Einwohnerzahl stieg
seinerzeit durch vermehrte Auslandszuwanderungen an. Die Jahre 1994 bis 2000 (Phase 2) waren wegen der rasch zunehmenden
Suburbanisierung durch rückläufige Einwohnerzahlen gekennzeichnet (vgl. Abschnitt
„Wanderungen“). Die dritte Phase war die des
Hauptstadtumzuges etwa in den Jahren 1999
bis 2004. Dieses Ereignis führte zwar nur in
den Jahren 2001 und 2002 zu steigenden Bevölkerungszahlen, konnte jedoch in den
vorangegangenen und nachfolgenden Jahren den durch Abwanderung ins Berliner Umland entstandenen Verlust etwas mildern. Die
vierte Phase begann mit dem Abschluss des
Hauptstadtumzuges im Jahr 2004. Ab 2005
steigt die Bevölkerungszahl Berlins kontinuierlich an.

Datenquelle: Bevölkerungsstatistik

Im Jahr 2011 wurde ein bundesweiter Zensus
durchgeführt. Damit konnte die vor langer
Zeit festgelegte Datenbasis, auf der bis dahin
die Berechnung der Bevölkerungszahl aufbaute, neu justiert werden. Durch die Ergebnisse ergab sich zwar eine Absenkung des
Niveaus des Bevölkerungsbestandes um
mehr als 5 %, die darauf aufsetzende Bevölkerungszahl entwickelte sich gleichwohl
weiterhin sehr dynamisch.

Bei dem Bevölkerungswachstum, das in Berlin nach dem Abschluss des Hauptstadtumzuges einsetzte, konnten unter den Berliner
Stadtregionen die Innenstadtbezirke relativ
die größte Zunahme verzeichnen. Die Bevölkerungszahl stieg hier seit 2005 um über 9 %.
Wird hingegen der Bevölkerungsbestand im
Nachwendejahr 1991 zum Vergleich herangezogen, hatten die östlichen Bezirke relativ
den größten Bevölkerungszuwachs (+7 %).



25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

Bevölkerungsstand
Fortschreibung auf …
alter Basis
Basis Zensus 2011

17

Bevölkerungsstand
nach Stadtregionen
3 500
3 400
3 300
3 200
3 100
3 000
2 900
2 800
2 700
2 600
2 500
in Tausend 0

104
102

westliche Bezirke 2011 =^ 100 100
98
96
94

104
102

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Innenstadtbezirke 2011 =^ 100 100
98
96
94

1,4
1,2
1,0
0,8
0,6
0,4
Veränderung
0,2
gegenüber dem Vorjahr in % 0
-0,2
-0,4
-0,6
-0,8
-1,0

104
102

östliche Bezirke 2011 = 100 100
^

98
96
94

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

1991 1995

2000

2005

2011 2013

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

18

Veränderung der Bevölkerungszahl

Eine kleinräumige Betrachtung der Einwohnerentwicklung ermöglicht eine Auswertung des Einwohnerregisters. Danach zeigt
sich, dass seit 2006 die Bereiche Nördliches Neukölln (+17 000 Einwohner), Wedding (+9 000 Einwohner), Friedrichshain
Ost und Nördlicher Prenzlauer Berg (jeweils
+7 000 Einwohner) den größten Zuwachs hatten. Gegenüber dem Einwohnerbestand von
1992 haben jedoch die im östlichen Teil der
Stadt gelegenen Bereiche Nördliches Pankow
(+24 000 Einwohner), Hellersdorf (+22 000 Einwohner), Nördliches Weißensee (+19 000 Einwohner) und Südliches Treptow-Köpenick
(+17 000 Einwohner) den höchsten Bevölkerungszuwachs.
Die Historie Berlins spiegelt sich auch im
Altersaufbau der Bevölkerung wider. Ereignisse nach der Wiedervereinigung drücken
sich beispielsweise bei der Bevölkerung im
Alter von etwa 25 bis 30 Jahren darin aus,
dass der Bestand dieser Gruppe höher ist, als
durch die zahlenmäßige Stärke der zugehörigen Elterngeneration, der „Babyboomer“Generation“ (heute im Alter von etwa 50 Jahren), zu erwarten gewesen wäre. Grund für
den zusätzlichen Zuwachs in dieser Alters-

gruppe sind die ab dem Jahr 2005 einsetzenden stärkeren Zuzugsgewinne jüngerer Menschen. Als Folge hat es in den vergangenen
Jahren auch mehr Geburten gegeben, was
zu einem Anstieg der Kinderzahlen von
Altersjahr zu Altersjahr führt.
Im Gegensatz dazu ist der Bevölkerungsrückgang bei den heute etwa 18- bis 22-Jährigen
noch stärker ausgefallen, als der durch den
sogenannten Pillenknick gesunkene Bestand
der zugehörigen Elterngeneration erwarten
ließ. Grund hierfür war der in Folge der Wiedervereinigung im Ostteil der Stadt aufgetretene Geburteneinbruch zu Beginn der 1990er
Jahre (vgl. Abschnitt Geburten).
Die durch die Bevölkerungsfortschreibung
ausgewiesene Zahl der Ausländerinnen und
Ausländer ist mit wenigen Ausnahmen von
Jahr zu Jahr gestiegen. Im Jahr 1991 wurden
rund 340 000 Ausländerinnen und Ausländer ermittelt. Diese Zahl stieg bis zum Jahr
2011 auf 494 000 Personen an. Durch den in
jenem Jahr durchgeführten Zensus 2011 zeigte sich jedoch, dass dieser Bestand deutlich
zu hoch gewesen war, in erster Linie bedingt
durch unterlassene Abmeldungen der Ausländerinnen und Ausländer beim Fortzug

in den Prognoseräumen
2013 gegenüber 1992
unter 0
0 bis unter 7 500
7 500 und mehr
keine Angaben

2013 gegenüber 2006
unter 0
0 bis unter 5 000
5 000 und mehr
keine Angaben

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

aus Deutschland. Die auf der Grundlage des
Zensus 2011 für Ende 2011 berechnete Ausländerzahl lag bei 395 000 Personen und damit
um ein Fünftel niedriger als bis dahin vermutet. Der Ausländeranteil verringerte sich mit
dem Zensusergebnis von 14 % auf 12 %.
Die ausländische Bevölkerung verteilt sich
unterschiedlich auf die Berliner Stadtregionen. Ende 2013 lebten über die Hälfte (52,5 %)
in den westlichen Bezirken, 1991 waren es
noch fast 60 %. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug 2013 hier 14,2 %. Etwa
ein Drittel aller Ausländerinnen und Ausländer ist in den Innenstadtbezirken anzutreffen. Dieser Wert hat sich im Verlauf der Jahre nicht wesentlich verändert, ist aber in der
Tendenz leicht zurückgegangen. Allerdings
ist ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in
dieser Region mit über 24 % höher als in den
anderen Regionen. In den östlichen Bezirken
lebten 1991 weniger als 8 % aller Ausländerinnen und Ausländer, Ende 2013 war der Anteil
mit 16 % doppelt so hoch. Diese Relation hat
sich also nur in dieser Region erhöht. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung war allerdings
Ende 2013 mit 6,5 % vergleichsweise gering.

Altersaufbau der Bevölkerung 2013

Verteilung der Ausländer in Berlin

(Lebensbaum)

nach Stadtregionen

19

60

männlich

50

weiblich

Altersjahre

40

90

30

85

20

80

10

75

westliche Bezirke in % 0

70

Geburteneinbruch
während und nach dem 2. Weltkrieg

65

60

60

50

„Babyboom“
der 1950er und 1960er Jahre

55

Geburtenrückgang
nach Markteinführung der Anti-Baby-Pille
(„Pillenknick“)

45

40
30

50

20
10

40

Geburtenanstieg
in den 1980er Jahren als „demografisches Echo“
auf den vorherigen „Babyboom“, verstärkt durch
Zuzugsgewinne bei jüngeren Menschen seit 2005

Innenstadtbezirke in % 0

35
30

60

25

Geburtenrückgang
als „demografisches Echo“ auf den „Pillenknick“,
verstärkt durch den Geburteneinbruch
im Ostteil der Stadt nach der Vereinigung

50

20

40

15

30

10
Geburtenanstieg
seit 2006

20

5

10

0
Tausend 30

25

20

15

10

5

0 0

5

10

15

20

25

30 Tausend

östliche Bezirke in % 0

1991 1995

2000

2005

2011 2013

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung
20

Geburtsorte der Einwohner

Was beschreibt der Indikator ?
Der hier dargestellte Indikator
betrachtet die Geburtsorte
der Bevölkerung Berlins am
9. Mai 2011. Zu beachten ist, dass
dies nicht mit der Staatsangehörigkeit gleichgesetzt werden
kann. Jemand, der in Berlin geboren wurde, muss nicht zwingend
deutsch sein.
Die Zuordnung der im heutigen
deutschen Staatsgebiet geborenen Personen basiert auf den
regionalen Gebietsständen vom
Mai 2011. Später in Deutschland
stattgefundene Gebietsreformen (beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern) sind nicht
dargestellt.

Mehr als jede zweite der 3,3 Mill. Personen,
die am 9. Mai 2011 in Berlin mit Hauptwohnsitz gemeldet waren, wurden auch in Berlin geboren. Bei ca. 17 % der Einwohnerinnen
und Einwohner liegt der Geburtsort außerhalb des Gebietes der heutigen Bundesrepublik Deutschland. Die noch ungefähr 1,05 Mill.
übrig bleibenden Personen sind innerhalb
der heutigen Staatsgrenzen geboren oder
der Geburtsort ist unbekannt bzw. nicht eindeutig zuordenbar.

Personen, bei denen kein Geburtsort vorhanden bzw. der Eintrag nicht eindeutig zuordenbar war, sind unter „unbekannt“
zusammengefasst. Als Beispiel
für nicht eindeutige Städte sollen hier stellvertretend Frankfurt,
Neustadt oder Königsberg genannt werden. Personen mit einem Geburtsort beispielsweise in
Ostpreußen, Sudetendeutschland
oder Schlesien wurden zu Europa
(ohne Deutschland) gezählt.

Datenquelle: Zensus 2011

Von den auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland geborenen Personen – ohne Berlin – wurden 21 % im Land
Brandenburg und 12 % in den Ländern Sachsen und Nordrhein-Westfahlen geboren. Insgesamt verteilt sich diese Einwohnergruppe
zu 45 % auf die alten und zu 55 % auf die neuen Bundesländer.

Werden die Geburtsorte betrachtet, die außerhalb der heutigen Grenzen Deutschlands
liegen, dominieren die europäischen Staaten
mit einem Anteil von 69 %. Dies liegt einerseits an der regionalen Nähe, vor allem aber
an der Zuordnung der in Ostpreußen, Sudetendeutschland oder Schlesien geborenen
Personen zu dieser Merkmalsausprägung.
Einen Geburtsort in Asien besitzen rund 22 %
der im Ausland geborenen Personen, gefolgt
von Amerika mit rund 5 %.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bevölkerung

Geburtsorte der Einwohner Berlins
außerhalb der Stadtgrenzen am 9. Mai 2011 nach Kreisen

Einwohner am 9. Mai 2011
nach Herkunftsregionen

22 000
10 000
1 000
100

unbekannt
3 000 000
Ausland
2 500 000
westdeutsche Länder
ostdeutsche Länder (ohne Berlin) 2 000 000
Berlin
1 500 000
1 000 000
500 000
0

Berlin

Im Ausland geborene Einwohner am 9. Mai 2011
nach Kontinenten
Europa (ohne Deutschland) 69,1 %
Asien 22,1 %
Amerika 4,7 %
Afrika 3,9 %
Australien und Ozeanien 0,3 %

21

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushalte und Familien

Haushalte nach Haushaltsgröße

22

Was beschreibt der Indikator ?
Die Haushaltsstruktur ist ein allgemeiner Indikator für die Lebenslage der Bevölkerung. Sie
bildet demografische Prozesse genauso ab wie die Wahl moderner
Lebensformen in der Bevölkerung
und hängt direkt mit entsprechendem Wohnraumbedarf und
der öffentlichen Daseinsvorsorge
zusammen. Die Haushaltsstruktur
wird über die Haushaltsgröße der
Privathaushalte abgebildet.

In den letzten 25 Jahren ist die durchschnittliche Haushaltsgröße in Berlin kontinuierlich zurückgegangen. Während im Jahr 1991
knapp 45 % aller Haushalte Einpersonenhaushalte waren, stieg der Anteil bis zum Jahr
2014 auf 53,9 %, wobei sich diese Größenordnung seit dem Jahr 2006 recht konstant hält.
Dagegen ist der Anteil der Haushalte mit drei
und mehr Personen von einem Viertel auf aktuell 17,7 % gefallen. Auch hier kann man von
einer Stabilisierung seit dem Jahr 2006 sprechen. Der Anteil der Zweipersonenhaushalte
in der Stadt lag innerhalb der letzten 25 Jahre durchgehend bei ca. 30 %. Die wachsende Zahl der Berlinerinnen und Berliner ab
65 Jahren führte zunächst nicht dazu, dass
sich die Zahl der Einpersonenhaushalte im
gleichen Zuge erhöht: Lebten im Jahr 1991
noch 51,5 % der Berlinerinnen und Berliner im
Rentenalter in Einpersonenhaushalten, sank
der Anteil bis zum Jahr 2005 gleichmäßig auf
ca. 40 % und ist seitdem unverändert.

Anteil der Privathaushalte

Die stärksten Veränderungen der Haushaltsstrukturen fanden in den östlichen Bezirken Berlins statt. Hier stieg der Anteil der Einpersonenhaushalte von 1991 bis 2014 um
18,1 Prozentpunkte, Drei-und-mehr-Personenhaushalte gingen anteilmäßig um 18,0 Prozentpunkte zurück. Diese Tendenzen sind
in abgeschwächter Form auch in den übrigen Stadtregionen zu finden, wobei sich die
Haushaltsstrukturen in den westlichen Bezirken am wenigsten verändert haben.

nach Stadtregionen
westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

60
50
40
30

und Haushaltsgröße

20
10

eine Person in % 0

60
50
40
30
20
10

zwei Personen in % 0

60
50
40
30
20
10

Datenquelle: Mikrozensus

drei und mehr Personen in % 0

1991

2005

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushalte und Familien
Anteil der Einpersonenhaushalte an der
Bevölkerung im Alter von 65 und mehr Jahren

Anteil der Privathaushalte
nach Haushaltsgröße
eine Person
zwei Personen
drei und mehr Personen

nach Stadtregionen
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
in % 0

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

in % 0
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Anteil der Einpersonenhaushalte an der Bevölkerung im Alter von 65 und mehr Jahren
Berlin
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
in % 0

55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

1991

2005

2014

23

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushalte und Familien

24

Familien nach Lebensformtyp

Was beschreibt der Indikator ?
Die Anteile der Lebensformtypen
in Familien zeigt die veränderliche Präferenz von Eltern für traditionelle oder moderne Lebensformen. Die Wahl der Lebensform
kann sich auf die betroffenen
Kinder auswirken. Familien sind
Lebensformen, in denen Eltern
und Kinder zusammen leben. Sie
können in Ehepaare, Lebensgemeinschaften und Alleinerziehende unterschieden werden.
Familien, in denen nur volljährige
Kinder leben, werden hier nicht
betrachtet. Lebensformen können
erst ab dem Jahr 1996 vergleichbar dargestellt werden.

Bei den Berliner Familien mit Kindern unter
18 Jahren ist die traditionelle Ehe als Lebensform von 1996 bis 2014 kontinuierlich zurückgegangen. Während im Jahr 1996 noch in
65,8 % aller Familien die Partner miteinander
verheiratet waren, traf das im Jahr 2014 nur
noch auf 51,9 % der Familien zu. Dagegen
sind die Anteile moderner Lebensformen
deutlich angestiegen: Der Anteil der Lebensgemeinschaften hat sich von 8,6 % im
Jahr 1996 auf 16,2 % im Jahr 2014 verdoppelt
und der Anteil der Alleinerziehenden ist von
25,6 % (1996) auf 31,9 % (2014) angestiegen.
Damit hat aktuell jede dritte Familie mit minderjährigen Kindern in Berlin einen alleinerziehenden Elternteil.

Datenquelle: Mikrozensus

Am stärksten veränderten sich die familialen
Lebensformtypen in den östlichen Bezirken.
Hier stieg der Anteil der Alleinerziehenden
von 1996 bis 2014 um die Hälfte, der Anteil
der Lebensgemeinschaften aber auf das
Doppelte und der Anteil der Ehepaare ging
um ein Drittel zurück. Diese Tendenzen sind
in abgeschwächter Form auch in den westlichen Bezirken zu finden. Die Innenstadtbezirke zeigen eine besondere Dynamik:
Während der Anteil der Ehepaare bis zum
Jahr 2005 zurückging, ist im Jahr 2014 wieder
ein Anstieg sichtbar, wobei sich der Anteil
der Alleinerziehenden gegenläufig verhält.
Er ist im Jahr 2005 höher als 1996 und lag
im Jahr 2014 um 5 Prozentpunkte unterhalb
des Ausgangswertes.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushalte und Familien

Anteil der Familien mit Kindern unter 18 Jahren

Anteil der Familien mit Kindern unter 18 Jahren

nach Art der Lebensform

nach Stadtregionen

Ehepaare
Lebensgemeinschaften
Alleinerziehende

65
60
55
50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
in % 0

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

60
50
40
30
20

und Art der Lebensform

10

Ehepaare in % 0

60
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

50
40
30
20
10

Lebensgemeinschaften in % 0

60
50
40
30
20
10

Alleinerziehende in % 0

1996

2005

2014

25

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushalte und Familien

26

Bevölkerung mit überwiegendem Lebensunterhalt aus Erwerbstätigkeit

Was beschreibt der Indikator?
Die Sicherung des Lebensunterhalts aus Erwerbstätigkeit ist
ein zentraler Indikator materieller Wohlfahrt vor dem Hintergrund der traditionell hohen Erwerbsneigung der Bevölkerung in
Berlin-Ost und den ostdeutschen
Bundesländern und dem Wegfall
von Arbeitsplätzen in diesen Regionen seit der Wiedervereinigung
bzw. der in den letzten Jahren
festzustellenden Entwicklung des
Arbeitsmarktes hin zu atypischer
und prekärer Beschäftigung.
Der Anteil des überwiegenden
Lebensunterhalts aus Erwerbstätigkeit bezieht sich auf die
Bevölkerung im erwerbsfähigen
Alter von 15 bis unter 65 Jahren.
Er beschreibt die Arbeitsmarktteilnahme unter dem besonderen
Aspekt der Sicherung des Lebensunterhalts.

1991 erzielten fast 70 % der Berliner Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus Erwerbstätigkeit. Dieser Anteil verringerte sich stetig
bis auf ein Minimum von 54,6 % im Jahr 2004
und stieg danach wieder an. Im Jahr 2012 war
ein Niveau von 63,5 % erreicht, das sich bis
zum Jahr 2014 kaum noch geändert hat.

Datenquelle: Mikrozensus

Mit jeweils deutlich geringeren Quoten 2005
gegenüber 1991 folgen die drei Stadtregionen zwar jeweils dem allgemeinen Trend.
Bemerkenswert ist aber, dass in den östlichen
Bezirken über alle Zeitpunkte ein deutlich
größerer Bevölkerungsanteil seinen Lebensunterhalt hauptsächlich durch Erwerbstätigkeit bestreitet als in den Innenstadtbezirken
und in den westlichen Bezirken. Innenstadtbezirke und westliche Bezirke unterschieden
sich dagegen kaum.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushalte und Familien

Anteil der Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahren mit überwiegendem Lebensunterhalt aus Erwerbs-/Berufstätigkeit

Anteil der Bevölkerung
im Alter von 15 bis unter 65 Jahren mit überwiegendem
Lebensunterhalt aus Erwerbs-/Berufstätigkeit
nach Stadtregionen

Berlin
70

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

60
50

70
60
50

40

40

30

30

20

20

10

10

in % 0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

in % 0

1991

2005

2014

27

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushalte und Familien

28

Armutsgefährdungsquote

Was beschreibt der Indikator?
Die Armutsgefährdungsquote ist
ein zentraler Indikator der materiellen Wohlfahrtsmessung und
bezeichnet den Anteil der Bevölkerung, dessen bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen
geringer als die Armutsgefährdungsschwelle ist. Die Armutsgefährdungsschwelle liegt bei
60 % des bedarfsgewichteten
Pro-Kopf-Einkommens, das im
jeweiligen Bundesland im Mittel erzielt wird. Der Bezug auf das
mittlere bedarfsgewichtete Einkommen im Land Berlin berücksichtigt Unterschiede in den Lebenshaltungskosten zwischen

1991 waren 16,5 % der Berliner Bevölkerung
armutsgefährdet. Dieser Anteil bezieht sich
auf das mittlere Einkommen, das in der Stadt
zum jeweiligen Zeitpunkt erzielt wird. Im betrachteten Zeitraum wird das Maximum der
Armutsgefährdungsquote mit 18,2 % im Jahr
2003 erreicht, das Minimum aber schon drei
Jahre später mit 13,3 % im Jahr 2006. In den
letzten Jahren ist nach einem lokalen Maximum im Jahr 2011 mit 15,5 % wieder ein stetiges Absinken der Armutsgefährdungsquote
auf aktuell 14,1 % zu beobachten. Damit vermindert sich gegenwärtig die Einkommensungleichheit in der Stadt, zumindest in der
unteren Hälfte des Einkommensspektrums.

den Bundesländern. Die Bedarfsgewichtung bei der Berechnung
des Pro-Kopf-Einkommens berücksichtigt den altersabhängigen Einspareffekt, den Mehrpersonenhaushalte gegenüber
Einpersonenhaushalten durch
ihr gemeinsames Wirtschaften
haben.

Datenquelle: Mikrozensus

Im Jahr 1991 werden die großen Einkommensungleichheiten in beiden Stadthälften deutlich: In den östlichen Bezirken war
mit 28,5 % fast ein Drittel der Bevölkerung
armutsgefährdet, in den westlichen Bezirken
waren es nur 7,8 %. Bis zum Jahr 2014 hat sich
die Armutsgefährdungsquote in den östlichen Bezirken um fast zwei Drittel auf 10,7 %
verringert, in den westlichen Bezirken aber
auf 14,7 % verdoppelt. In den Innenstadtbezirken lag die Armutsgefährdungsquote zu allen drei Betrachtungszeitpunkten etwa bei
20 %. Diese Entwicklungen sprechen für eine
starke Angleichung des Einkommensniveaus
in den östlichen und westlichen Bezirken.
Wendebedingte regionale Einkommensungleichheiten sind schon seit dem Betrachtungszeitpunkt 2005 nicht mehr feststellbar.
Die Armutsgefährdungsquote der östlichen
Bezirke lag seitdem sogar unterhalb der der
westlichen Bezirke. Im Jahr 2014 gab es die
größten regionalen Disparitäten mit einem
Unterschied von 7,8 Prozentpunkten zwischen den östlichen Bezirken und den Innenstadtbezirken.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Haushalte und Familien

Armutsgefährdungsquote

29

Armutsgefährdungsquote
nach Stadtregionen

Berlin

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

25
20

25
20

15

15

10

10

5

5

in % 0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

in % 0

1991

2005

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bildung

30

Kindertagesbetreuung

Was beschreibt der Indikator?
Zwar gibt es seit 1994 eine Statistik zu den Kindertageseinrichtungen, aber bis einschließlich 2002
wurden lediglich in einem Vierjahresrhythmus die Zahl der
Einrichtungen, die Träger, das
Personal und die zur Verfügung
stehenden Kindertagesplätze,
nicht jedoch die Anzahl der betreuten Kinder und deren Altersstruktur erfragt. Der wachsenden
Bedeutung der Kinderbetreuung
Rechnung tragend, erfolgte 2006
eine vollständige Neugestaltung
der Erhebung mit Hauptaugenmerk auf die betreuten Kinder.
Grundlage dafür ist das Kinderund Jugendhilfeentwicklungsgesetz (KICK) vom 1. Oktober 2005,
das auch Eingang in das Achte
Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII)
fand. Damit wurden wichtige Im-

Das Angebot der Kindertagesbetreuung
ist in Berlin gut ausgebaut. 2014 wurden in
2 251 Einrichtungen 154 609 Plätze bereitgehalten. Durch die Gesetzesänderung 2005
und die damit verbundene Neudefinierung
des Begriffes „Einrichtung“ ist eine Vergleichbarkeit zu den Vorjahren nicht mehr vollständig gewährleistet. Die Anzahl der Einrichtungen hat sich von 2 037 im Jahr 1994 auf 1 712
im Jahr 2006 und die Anzahl der Plätze von
151 290 (1994) auf 124 136 (2006) deutlich reduziert. Seit 2006 stieg die Zahl der Tageseinrichtungen kontinuierlich auf 2 251 im Jahr
2014 an. Die positive Entwicklung spiegelt
sich auch in der Anzahl der Plätze, des Personals und der betreuten Kinder wider.
Allerdings übernehmen immer mehr freie
Träger die Aufgabe der Kindertagesbetreuung. 2006 waren 20,3 % (348) aller Einrichtungen in öffentlicher Hand, im Jahr 2014 wapulse für die Förderung von Kindertagesstätten und Tagespflegeplätzen gesetzt. Die Entwicklung
der vorhandenen und besetzten Kindertagesplätze ist ein Beleg dafür.

ren es nur noch 13,1 % (294). Die Zahl der von
freien Trägern betriebenen Einrichtungen
stieg im gleichen Zeitraum von 1 364 auf 1 957
(+43,5 %).
Insgesamt wurden zum Stichtag 1. März 2014
in den Berliner Einrichtungen 141 347 Jungen
und Mädchen (Nichtschulkinder) betreut,
was einen Zuwachs von 33,9 % gegenüber
2006 bedeutet. Die Eltern weiterer 6 066 Kinder nutzten die Angebote der öffentlich geförderten Kindertagespflege (2006: 4 281 Kinder). In den östlichen Bezirken ist die Anzahl
der betreuten Kinder in den letzten acht Jahren am stärksten gestiegen; von 36 443 auf
52 417 Kinder (+43,8 %).
In Berlin ist die Betreuung der Schulkinder
in Horteinrichtungen nicht dem Bereich
der Kinder- und Jugendhilfe zugeordnet
und wird demnach hier nicht statistisch erfasst. Die Betreuungsquote der unter 3-jährigen Kinder ist im betrachteten Zeitraum um
8,3 Prozentpunkte auf 46,2 % gestiegen. Bei
den 3- bis unter 6-Jährigen ist eine Steigerung um 7 Prozentpunkte auf 95,4 % zu verzeichnen.

Für 96 162 Kinder hatten die Eltern eine Ganztagesbetreuung – eine durchschnittliche Betreuungszeit von mehr als 35 Stunden pro
Woche – vereinbart. Dies entspricht einem
Anteil von 65 % aller betreuten Kinder (März
2006: 56,8 %). 43 085 Mädchen und Jungen
bzw. 29,2 % besuchten eine Tageseinrichtung
mehr als 25 bis zu 35 Stunden pro Woche und
weitere 8 166 Kinder bzw. 5,5 % wurden bis zu
25 Stunden pro Woche betreut.
Die Zahl des beschäftigten Personals ist kontinuierlich gestiegen. Dies korrespondiert mit
den gestiegenen Betreuungszahlen. Im März
2014 waren 29 251 Personen (2006: 18 753 Personen) in den Kindertageseinrichtungen
tätig, 25 428 von ihnen im pädagogischen sowie Leitungs- und Verwaltungsbereich und
3 823 im hauswirtschaftlichen Bereich sowie
1 703 Tagespflegepersonen (2006: 1 342 Personen).

Datenquelle: Statistiken der Kinder und tätigen Personen in Tageseinrichtungen und in öffentlich geförderter Kindertagespflege

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bildung

Einrichtungen der Kindertagesbetreuung
freie Träger
öffentliche Träger

nach Stadtregionen
2 400
2 200
2 000
1 800
1 600
1 400
1 200
1 000
800
600
400
200
0

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

1994

1998

2002

2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

1994

1998

2002

2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Anzahl der Plätze in der Kindertagesbetreuung
Berlin
160 000
140 000
120 000
100 000
80 000
60 000
40 000
20 000
0

31

Kinder in der Tagesbetreuung

65 000
60 000
55 000
50 000
45 000
40 000
35 000
30 000
25 000
20 000
15 000
10 000
5 000
0

2006

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bildung

Schulabschlüsse an allgemeinbildenden Schulen

32

Was beschreibt der Indikator ?
Als Schulentlassene der allgemeinbildenden Schulen werden diejenigen Schülerinnen und
Schüler gezählt, die nach Beendigung der Vollzeitschulpflicht mit
einem Abschluss- oder Abgangszeugnis eine allgemeinbildende Schule verlassen und nicht zur
Weiterqualifikation an eine Schule einer anderen allgemeinbildenden Schulart wechseln.
Bei der Betrachtung der beim
Verlassen der allgemeinbildenden Schule erreichten Schulabschlüsse muss berücksichtigt
werden, dass sich durch Schulreformen die Abschlüsse geändert
haben: Insbesondere ist der Realschulabschluss durch den mittleren Schulabschluss (MSA) ersetzt
worden und der Hauptschulabschluss durch die Berufsbildungsreife (BBR), von der es – analog
zum Hauptschulabschluss – mit

Die Entwicklung des Volumens der allgemeinbildenden Schulabschlüsse ist stark an
die Bevölkerungsentwicklung in Berlin gebunden. Über die lange Zeitspanne sind
deutlich der massive Anstieg der Zahl der
Absolventen ab den frühen 1990er Jahren
zu erkennen und der kaum weniger deutliche Rückgang ab etwa 2005: Hier zeigen sich
die Effekte der stetig anwachsenden Geburtenrate in den 1980er Jahren sowie der massive Geburteneinbruch nach der Wiedervereinigung.

der erweiterten Berufsbildungsreife (eBBR) auch eine qualifiziertere Version gibt. Für die Zwecke
der Statistik sind diese neuen Abschlüsse aber mit den früheren
Abschlüssen gleichzusetzen. Nicht
berücksichtigt werden hier Schulabschlüsse, die nach dem Besuch
der allgemeinbildenden Schule erworben wurden, etwa in Zusammenhang mit Berufsausbildungen oder über den zweiten
Bildungsweg.

Auffällig ist, dass die allgemeine Hochschulreife den Realschulabschluss seit 2005 als
häufigsten Abschluss abgelöst hat und seit
nunmehr acht Jahren gute 40 % der Schülerinnen und Schüler, die die allgemeinbildende Schule verlassen, diesen Abschluss
vorweisen können. In den letzten beiden Abschlussjahrgängen belief sich der Anteil sogar auf über 45 % und lag damit deutlich
über dem entsprechenden Anteil auf Bundesebene (35 %). War es in früheren Jahren
noch der Regelfall, dass junge Menschen mit
Hochschulreife auch ein Hochschulstudium
aufnahmen, entscheiden sich in den letzten
Jahren immer mehr von ihnen, eine klassische Berufsausbildung im dualen System aufzunehmen – das setzt die Inhaber der weniger qualifizierteren Abschlüsse auf diesem
Markt erkennbar unter Druck.

In Berlin verlassen seit etlichen Jahren mit
leicht abnehmender Tendenz rund ein Fünftel der Jugendlichen die allgemeinbildende
Schule mit einem (erweiterten) Hauptschulabschluss. Absolventen mit diesen Abschlüssen haben es auf dem Ausbildungsmarkt
zunehmend schwerer. Der Anteil der Schulabgänger ohne allgemeinbildenden Schulabschluss hat sich bei uneinheitlicher Tendenz insgesamt verringert und liegt seit nunmehr drei Jahren unter der 10 %-Marke;
im Vergleich zum Wert auf Bundesebene
(2013: 5,2 %) ist dieser allerdings immer noch
sehr hoch.
Vergleicht man die Abschlussanteile von
Frauen und Männern, fällt auf, dass der Frauenanteil bei den Personen mit Haupt- und
Realschulabschlüssen geringer und bei
denen mit Hochschulreife höher ist. Dieser
Effekt ist nicht unüblich und zeigt sich in
anderen Ländern oft in noch stärkerem
Maße.

Datenquelle: Statistik der Absolventinnen und Absolventen/Abgängerinnen und Abgänger der allgemeinbildenden Schulen

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bildung

Schulentlassene der allgemeinbildenden¹,² Schulen
nach Abschluss
mit …
allgemeiner Hochschulreife
mittlerem Schulabschluss
erweitertem Hauptschulabschluss/
erweiterter Berufsbildungsreife
Hauptschulabschluss/
Berufsbildungsreife
ohne Abschluss

35 000
30 000
25 000
20 000
15 000
10 000
5 000
0

1	 BB10-bereinigt, d. h. ohne Übergänge zu
Lehrgängen an beruflichen Schulen, die
im 10. Jahr der allgemeinen Schulpflicht
besucht werden (BB10- und BV10-Lehrgänge), einschließlich der Abgänge aus
diesen Lehrgängen (ohne oder mit Abschluss)

1991 1992 1993 1994 1995/ 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
/92 /93 /94 /95 96 /97 /98 /99 /00 /01 /02 /03 /04 /05 /06 /07 /08 /09 /10 /11 /123 /13 /14

2	 ohne Zweiten Bildungsweg
3	 doppelter Abiturjahrgang

33

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bildung

Studierende, Studienanfängerinnen und -anfänger

34

Was beschreibt der Indikator?
Studierende sind alle in einem
Fachstudium als Haupt- oder
Nebenhörer eingeschriebenen
Personen ohne Beurlaubte, Gasthörer und Studienkollegiaten.
Studienanfängerinnen und
-anfänger im ersten Hochschulsemester sind alle Studierenden, die sich erstmalig an einer
Hochschule in Deutschland eingeschrieben haben. Für die Studierenden wurden die Daten der
Wintersemester und für die Studienanfängerinnen und -anfänger
im 1. Hochschulsemester jeweils
die Daten für ein Studienjahr
(Sommersemester und folgendes Wintersemester) zugrunde
gelegt. In die Erhebung einbezogen werden die Studierenden
aller staatlichen und staatlich
anerkannten Hochschulen unabhängig von der Trägerschaft.

Im Wintersemester 2014/2015 waren an den
staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Berlin 171 263 Studierende eingeschrieben. Das ist der Höchststand seit dem
Wintersemester 1992/1993, dem Beginn der
Erhebung nach dem zurzeit geltenden Hochschulstatistikgesetz. 49,5 % davon waren
Frauen.
Auch für ausländische Studierende werden
die Berliner Hochschulen zunehmend attraktiver. Die Anzahl der Studierenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit hat sich im
gleichen Zeitraum fast verdoppelt. Das bedeutet eine Steigerung des Anteils ausländischer Studierender an den Studierenden insgesamt seit dem Wintersemester 1992 von
10,1 % auf 17,3 %.

Datenquelle: Hochschulstatistik

Noch deutlicher zeigt sich die gewachsene
Internationalität der Berliner Hochschulen
bei der Betrachtung der Studienanfängerinnen und -anfänger im 1. Hochschulsemester. Insgesamt stieg ihre Anzahl um 72,1 %. Die
Zahl der ausländischen Studienanfängerinnen und -anfänger hat sich gegenüber 1993
etwa vervierfacht. Im Studienjahr 2014 hatte mehr als jede/r dritte Studienanfänger/
in (36,6 %) eine ausländische Staatsangehörigkeit. Im Studienjahr 1993 waren es lediglich 15,8 %.
Die Berliner Hochschullandschaft hat sich
auch dahingehend geändert, dass neben
den renommierten staatlichen Universitäten, Kunsthochschulen und Fachhochschulen
mehrere Hochschulen in freier Trägerschaft
gegründet und staatlich anerkannt wurden.
Im Wintersemester 2014/2015 waren acht Universitäten, eine Kunsthochschule und 23
Fachhochschulen in freier Trägerschaft mit
Studienbetrieb in Berlin staatlich anerkannt.
Außerdem gibt es in Berlin noch Standorte
von Hochschulen in freier Trägerschaft, welche in anderen Bundesländern staatlich anerkannt wurden.

Seit dem Wintersemester 1999/2000 werden
die neu eingeführten Bachelor- und Masterstudiengänge statistisch nachgewiesen. Inzwischen gibt es fast keine Diplomstudiengänge mehr, sondern es werden überall die
gestuften Studiengänge angeboten. Seit
dem Wintersemester 2006/2007 werden auch
die Lehramtsstudiengänge in gestufter Form
angeboten. Im Wintersemester 2014/2015
strebten 56,0 % aller Studierenden einen
Bachelorabschluss an und weitere 23,8 %
einen Masterabschluss.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Bildung

35

Studierende insgesamt
nach Geschlecht
und Staatsangehörigkeit
Studierende insgesamt
Frauen
Ausländ. Studierende

160 000
140 000
120 000
100 000
80 000
60 000
40 000
20 000
0

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Anteil ausländischer Studierender und ausländischer Studienanfänger
Anteil ausländ. Studierender
an Studierenden insgesamt
Anteil ausländ. Studienanfänger
an Studienanfängern insgesamt

35
30
25
20
15
10
5
in % 0

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wirtschaft

36

Bruttoinlandsprodukt

Was beschreibt der Indikator ?
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP)
gilt als Indikator der wirtschaftlichen Leistung. Seine Veränderungsrate ist das Wirtschaftswachstum und damit die zentrale
Größe der Konjunkturbeobachtung. Das BIP umfasst den Wert
aller innerhalb eines Wirtschaftsgebietes während einer bestimmten Periode produzierten Waren
und Dienstleistungen. Es entspricht der Bruttowertschöpfung
aller Wirtschaftsbereiche zuzüglich der Gütersteuern und abzüglich der Gütersubventionen. Die
Bruttowertschöpfung ergibt sich
für jeden Wirtschaftsbereich aus
dem Bruttoproduktionswert
abzüglich der Vorleistungen.

Für die Berliner Wirtschaft war die Deutsche
Wiedervereinigung Ausgangspunkt einer
wechselvollen, aber erfolgreichen Entwicklung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Wert
aller erzeugten Waren und Dienstleistungen stieg von 65 739 Mill. EUR im Jahr 1991
auf 109 186 Mill. EUR im Jahr 2013. Das Wirtschaftswachstum, die preisbereinigte Veränderungsrate des BIP, war zu Beginn der
1990er Jahre recht hoch. Wachstumsimpulse kamen von einer vereinigungsbedingt zusätzlichen Nachfrage nach Produkten und
Dienstleistungen aus Berlin-West sowie vom
Aufholprozess in Berlin-Ost. In der zweiten
Hälfte der 1990er Jahre folgte ein tiefgreifender Umgestaltungsprozess der Berliner Wirtschaft mit Stagnation und negativen Wachstumsraten auch noch im neuen Jahrtausend.
14 Jahre nach der Wiedervereinigung befand
sich die Wirtschaftsleistung unter dem Ausgangsniveau des Jahres 1991. Im Ergebnis dieses Umgestaltungsprozesses entstand jedoch
eine modernere Industrie- und Dienstleis-

tungsstruktur, die die Berliner Wirtschaft ab
2005 zurück auf den Wachstumspfad brachte. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise
hat diese Entwicklung nicht aufgehalten. Aufgrund der dienstleistungsorientierten Struktur fiel die Wirtschaftsleistung 2009 nur um
1,3 %, während sie in Deutschland um 5,1 %
zurückging. Im Zeitraum 2005 bis 2013 konnte
Berlin mit 18,8 % ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum als Deutschland mit 11,6 %
verzeichnen.

Das Berliner BIP des Jahres 1991 wurde von
1 699 000 Erwerbstätigen erwirtschaftet, das
des Jahres 2013 von 1 788 000 Erwerbstätigen. Die Arbeitsproduktivität, gemessen als
preisbereinigtes BIP je Erwerbstätigen, konnte 2013 gegenüber dem ersten Jahr nach der
Wiedervereinigung mit 14,3 % weniger gesteigert werden als in Deutschland (22,6 %).
Rückläufige Erwerbstätigenzahlen führten
zusammen mit dem starken Anstieg der Wirtschaftsleistung in den ersten Jahren nach der
Wiedervereinigung zwar dazu, dass das BIP je
Erwerbstätigen, gemessen in jeweiligen Preisen, für einige Jahre oberhalb des Bundesdurchschnitts lag – mit einem Höchstwert
von 103,8 % des Bundesniveaus in 1993. Mit
der wachsenden Bedeutung der Dienstleistungsbereiche entwickelte sich das BIP je
Erwerbstätigen jedoch weniger stark als in
Ländern mit größerem Anteil produzierender
Bereiche sowie Deutschland insgesamt. Im
Jahr 2013 betrug das BIP je Erwerbstätigen in
Berlin nur noch 93,3 % des Bundeswertes.

Datenquelle: 	Ergebnisse des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (AK VGRdL), Berechnungsstand August 2013/Februar 2014.
Da zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Broschüre noch keine revidierten langen Zeitreihen der regionalen VGR nach der Revision 2014 vorlagen, wurde auf Ergebnisse des vorhergehenden Rechenstandes zurückgegriffen.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wirtschaft

Bruttoinlandsprodukt (preisbereinigt, verkettet), 1991=100
Berlin
Deutschland

Bruttowertschöpfung in jeweiligen Preisen 2013
Anteile der
Wirtschaftsbereiche

135
130
125
120
115
110
105
1991 = 100 100
95
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Öffentliche und sonstige Dienstleister,
Erziehung und Gesundheit
Finanz-, Versicherungsund Unternehmensdienstleister;
Grundstücks- und Wohnungswesen
Handel, Verkehr, Gastgewerbe,
Information und Kommunikation
Baugewerbe
Produzierendes Gewerbe
ohne Baugewerbe
in %
Land- und Forstwirtschaft,
Fischerei

90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

Berlin

Deutschland

37

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wirtschaft
Gewerbean- und -abmeldungen

38

Was beschreibt der Indikator?
Die Gewerbeanzeigenstatistik hat
die Aufgabe, das verwaltungsrechtliche Meldegeschehen bei
den gewerblich tätigen Betrieben
in seiner Gesamtheit darzustellen und liefert damit wichtige Indikatoren für das Gründungs- und
Stilllegungsgeschehen der letzten
25 Jahre. Die Gewerbeordnung
regelt, wie jede Gründung, Umwandlung, Aufgabe und Verlagerung einer gewerblichen Tätigkeit
vom Gewerbetreibenden bei dem
zuständigen Gewerbeamt in Form
einer Gewerbean-, -um- bzw. -abmeldung anzuzeigen ist. Erfasst
werden hierbei u. a. Informationen über die Art der wirtschaftlichen Tätigkeit, Rechtsform, Zahl
der tätigen Personen sowie Grün-

Ein Blick auf die Anzahl der Anmeldungen
von Gewerbebetrieben in Berlin seit 1991
zeigt, dass nach dem anfänglichen Gründungsboom mit bis zu 44 000 Anmeldungen im Jahr 1995 eine kontinuierliche Abnahme der Anmeldungen bis zum Jahr 2001 um
knapp 30 % zu verzeichnen war. Erst ab dem
Jahr 2003 führten Fördermaßnahmen in Form
sogenannter Ich-AGs sowie Gründungen,
die mit Hilfe eines Überbrückungsgeldes der
Bundesanstalt für Arbeit gefördert wurden,
zu einem kurzfristigen Anstieg der Existenzgründungen, der seinen Höhepunkt im Jahr
2004 mit über 47 000 angemeldeten Gewerben erreichte. Von 2005 bis 2009 kam es zu
einem leichten Rückgang. Nach einem temporären Anstieg auf bis zu 48 000 Anmeldungen im Jahr 2012, hat sich ein konstantes
Niveau von jährlich ca. 46 000 angemeldeten
Gewerben ergeben.

de, die für die Meldung maßgeblich waren. Anzeigepflichtig ist
jede erlaubte selbstständige Tätigkeit, die auf Dauer angelegt ist
und mit der Absicht der Gewinnerzielung betrieben wird. Ausge-

nommen von der Anzeigepflicht
sind die Urproduktion (wie Landund Forstwirtschaft sowie Bergbau), die freien Berufe sowie Versicherungsunternehmen und die
Verwaltung eigenen Vermögens.

Die Entwicklung der Anzahl der Gewerbeabmeldungen verläuft in Abhängigkeit von
den Schwankungen im Bereich der Gewerbeanmeldungen. Nach den verstärkten Gründungsaktivitäten Anfang der 1990er Jahre
stieg auch die Anzahl der Betriebsaufgaben
kontinuierlich an, allerdings auf niedrigerem Niveau. Nach der zweiten großen Gründungswelle 2004 ist dagegen kein bedeutender Zuwachs an Gewerbeabmeldungen
mehr zu verzeichnen, was zum Teil auch daran liegen kann, dass viele Kleinstunternehmer die beabsichtigte Existenzgründung gar
nicht erst aufgenommen bzw. nicht abgemeldet haben.
Die Art der künftig auszuübenden gewerblichen Tätigkeit hat sich von den Bereichen des
Verarbeitenden Gewerbes und Handels in die
übrigen Wirtschaftsbereiche (Dienstleistun-

Datenquelle: Gewerbeanzeigenstatistik

gen, Gesundheits- und Sozialwesen, Kunst,
Unterhaltung und Erholung) verlagert. Hatten im Jahr 1991 noch 35 % der angemeldeten
Betriebe die Absicht, im Handel tätig zu sein,
ist dies im Jahr 2014 nur noch bei 16 % der Betriebe der Fall. Im Baugewerbe hat sich dagegen der Anteil der angemeldeten Gewerbe
mehr als verdreifacht. Relativ stabil geblieben ist der Anteil der angemeldeten Tätigkeiten im Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie im Gastgewerbe.
Die Bildung eines Saldos von An- und Abmeldungen ist zwar nur begrenzt aussagefähig,
da in der Regel die Anzahl der Gewerbeabmeldungen stark unterzeichnet ist und damit
die wirtschaftliche Realität nur begrenzt widerspiegelt, lässt aber die positive Entwicklung des Gründungsgeschehens zu Beginn
der 1990er Jahre und in den Jahren 2003 und
2004 deutlich erkennen. Auch in den Jahren
der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2009
und 2010 zeigt das gesteigerte positive Saldo, dass entgegen den allgemeinen Erwartungen mehr Gewerbe an- als abgemeldet
wurden.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wirtschaft

39

Gewerbeanzeigen
Anmeldungen
Abmeldungen
Saldo

45 000
40 000
35 000
30 000
25 000
20 000
15 000
10 000
5 000
0

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Gewerbeanmeldungen
Verarbeitendes Gewerbe

Kreditinstitute und
Versicherungsgewerbe

Verkehr und
Nachrichtenübermittlung

Gastgewerbe

Baugewerbe

Handel

übrige Wirtschaftsbereiche

nach Wirtschaftsbereichen
20 000
18 000
16 000
14 000
12 000
10 000
8 000
6 000
4 000
2 000
0

1991

2001

2011 2014

1991

2001

2011 2014

1991

2001

2011 2014

1991

2001

2011 2014

1991

2001

2011 2014

1991

2001

2011 2014

1991

2001

2011 2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wirtschaft

40

Tourismus

Was beschreibt der Indikator?
Der Tourismus ist seit vielen Jahren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt Berlin. Die Beherbergungsstatistik zeichnet diese
Entwicklung nach. Als Beherbergungsstätten gelten Einrichtungen mit zehn (bis 2009 neun) und
mehr Gästebetten, die dazu dienen, Gästen im Reiseverkehr eine
Übernachtungsmöglichkeit bereitzustellen. Beherbergungsstätten und Campingplätze für Urlaubscamping mit zehn (bis 2009
drei) und mehr Stellplätzen werden als Beherbergungsbetriebe
zusammengefasst.

Wurden bereits in den 1990er Jahren in Berlin zahlreiche Beherbergungseinrichtungen,
vollständig um- bzw. ausgebaut sowie neue
errichtet, so setzt sich auch über das Jahr
2014 diese Entwicklung fort. Bis 2014 bedeutet dies die Verdreifachung des Bettenangebotes auf 135 300, das gleichzeitig mit dem
Entstehen größerer Häuser (über 250 Betten)
unter den insgesamt 800 Beherbergungsstätten einherging. Marktbestimmend in Berlin sind die Hotels, die über mehr als die Hälfte des gesamten Bettenangebots verfügen,
gefolgt von den Hotels garnis (rund 30 %).
Auch bei den Jugendherbergen, Hostels und
ähnlichen Betrieben zeigt sich eine deutliche Zunahme. Bis zum Jahr 2000 wurden in
diesem Segment kaum 1 000 Betten angeboten, 14 Jahre später hatte sich das Angebot auf 18 200 Betten ausgeweitet (13,5 % des
gesamten Übernachtungsangebotes). Die
oftmals zentral bzw. in Szenebezirken gelegenen Häuser erfreuen sich bei in- und aus-

Datenquelle: Beherbergungsstatistik

ländischen Besuchern großer Beliebtheit, wie
die seit Jahren überdurchschnittliche Bettenauslastung (2014: 55,9 %) zeigt, die nur in
den Hotels höher ausfällt (2014: 60 %). Unter Berücksichtigung der erheblichen Angebotserweiterung hat die durchschnittliche
Bettenauslastung für alle Berliner Beherbergungseinrichtungen mit nunmehr 58,3 % im
Jahr 2014 sogar gegenüber 1992 (50,2 %) noch
zugenommen.
In dem zum ehemaligen Berlin-West gehörenden Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf
erfuhr das Bettenangebot mit insgesamt
28 000 Betten nahezu eine Verdoppelung,
die lediglich im Bezirk Mitte durch eine annähernde Vervierfachung auf nunmehr 51 000
Betten im Jahr 2014 übertroffen wird. In demselben Bezirk konzentriert sich das größte Bettenangebot in Jugendherbergen, Hostels und ähnlichen Betrieben (7 700), gefolgt
vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg (4 600
Betten). Ergänzt wird das Berliner Übernachtungsangebot durch je nach Jahreszeit bis zu
elf Campingplätze, die sich u. a. in Spandau,
Reinickendorf und Treptow-Köpenick befinden.

Das bereits seit Beginn der 1990er Jahre anhaltende große touristische Interesse an Berlin ließ die Zahl der Gäste aus dem In- und
Ausland um etwa das Vierfache auf fast
12 Mill. und die der gebuchten Übernachtungen auf 28,7 Mill. bis 2014 ansteigen. Mit dieser stetigen Zunahme ist Berlin seit vielen
Jahren nicht nur die meistbesuchte deutsche
Stadt, sondern ihr Tourismus verlief auch
zur bundesweiten Entwicklung überdurchschnittlich, sodass der Anteil am Gesamtaufkommen Deutschlands bis 2014 zunahm
(+4 Prozentpunkte). Gleichzeitig wuchs dabei das Gäste- und Übernachtungsaufkommen ausländischer Besucherinnen und Besucher schneller (2014: 38,1 % bzw. 43,6 %) als
bundesweit (2014: 20,5 % bzw. 17,8 %). Traditionell wird Berlin hauptsächlich von Gästen mit ständigem Wohnsitz im europäischen
Ausland besucht (2014: 72,4 % aller Auslandsgäste), vor allem aus dem Vereinigten Königreich, aus Italien, den Niederlanden und

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wirtschaft

41

Bettenangebot und Bettenauslastung in den Beherbergungsstätten

seit 2003 auch Spanien. Vom amerikanischen
Kontinent kommen überwiegend Gäste mit
einem Pass der Vereinigten Staaten von Amerika. Insbesondere in den letzten 10 Jahren
weisen die Zahlen der Gäste und Übernachtungen aus osteuropäischen Ländern, wie
Polen, Ungarn oder Tschechische Republik,
ebenfalls überdurchschnittliche Zuwächse
auf, wenngleich die absoluten Größen im Vergleich zu den erstgenannten Ländern noch
geringer ausfallen.
Internationale Gäste hielten sich 2014 durchschnittlich 2,8 Tage und Besucherinnen und
Besucher aus dem Inland 2,2 Tage in Berlin
auf.

nach Betriebsarten
Hotels, Hotels garnis,
Gasthöfe, Pensionen
Jugendherbergen u. ähnl. Betriebe
andere Beherbergungsstätten
Auslastung

120 000
100 000
80 000
60 000
40 000
20 000
0

1992

1994

1996

1998

2000

2002

2004

2006

2008

2010

2012

2014

Entwicklung der Übernachtungen in den Beherbergungsbetrieben
Berlin insgesamt
Auslandsgäste in Berlin
Deutschland insgesamt
Auslandsgäste in Deutschland

650
600
550
500
450
400
350
300
250
200
150
^
1992 =
100 100
50

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Umwelt

42

CO₂-Emissionen nach Quellenbilanz

Was beschreibt der Indikator ?
Der Indikator CO₂-Emissionen ist
definiert als die Gesamtmenge aller Kohlenstoffdioxid-Emissionen
aus dem Primärenergieverbrauch
in Mill. Tonnen. Mit Primärenergie wird Energie aus Energieträgern, die in der Natur vorkommen
und technisch noch nicht umgewandelt sind, bezeichnet.
Der Indikator erlaubt Rückschlüsse auf die Minderung des Treibhausgases CO₂. Da eine CO₂-Reduktion mit einer Verringerung
des Verbrauchs emissionsintensiver fossiler Energieträger einhergeht, erlaubt dieser Indikator
Rückschlüsse auf die Entwicklung
des Energieträgereinsatzes (z. B.
Reduzierung fossiler und Zunahme erneuerbarer Energien) und
die Wirksamkeit von Energieeinspar- und -effizienzmaßnahmen.

Seit dem Jahr 1995 erfolgt in den Bundesländern die Erstellung der Energiebilanz nach
einer einheitlichen Methodik. Grundlage
hierfür bilden zum einen die Erhebungen im
Energiesektor, welche durch das Energiestatistikgesetz geregelt sind. Zum anderen liefern verschiedene Institutionen, wie Kohleund Stahlverbände u. a. wichtige Daten für
die jährliche Berechnung. Die Kohlenstoffdioxid-Emissionen werden seit dem Jahr 1998
ebenfalls nach einheitlicher Methodik errechnet.

Datenquelle: Energie- und CO₂-Bilanz

Die Gesamtmenge der KohlenstoffdioxidEmissionen aus dem Primärenergieverbrauch
(Quellenbilanz) ist in Berlin rückläufig. Zwischen 1990 und 2012 sanken die Werte von
26,9 Mill. Tonnen auf 18,8 Mill. Tonnen. Das
entspricht einem Rückgang um 30,1 %. Bei
der Betrachtung der einzelnen Energieträger ist festzustellen, dass die Emissionen aus
dem Verbrauch von Erdgas gegenüber 1990
zugenommen haben (+111,5 %). Dem entgegen steht eine Reduzierung der Emissionen
der Energieträger Steinkohle und Braunkohle (–55,3 % bzw. –70,3 %). In Berlin resultieren
die meisten Emissionen aus den Energieträgern Mineralöle und Erdgas. Beide haben zusammen einen Anteil von 74,2 % am Gesamtausstoß.

Werden die Emissionen nach der Energieverwendung betrachtet, fällt auf, dass insbesondere der Umwandlungssektor (Strom- bzw.
Fernwärmeerzeugung) gegenüber 1990 weniger als die Hälfte emittiert (–51,4 %). Die
Emissionen in den Sektoren Verkehr und
Haushalte sowie Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und übrige Verbraucher liegen
hingegen in etwa auf dem Niveau von 1990.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Umwelt

43

CO₂-Emissionen
nach Quellenbilanz
sonstige Energieträger
Gase
Mineralölprodukte
Braunkohle
Steinkohle

25 000
20 000
15 000
10 000
5 000
in 1 000 Tonnen CO2 0

1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

Erwerbstätigenquote

44
Was beschreibt der Indikator?
Die Erwerbstätigenquote ist ein
zentraler Indikator zur Arbeitsmarktentwicklung vor dem Hintergrund der traditionell hohen
Erwerbsneigung der Bevölkerung
in Berlin-Ost und den ostdeutschen Bundesländern und dem
Wegfall von Arbeitsplätzen in diesen Regionen seit der Wiedervereinigung. Sie beschreibt den
Anteil Erwerbstätiger in der Bevölkerung im erwerbsfähigen
Alter von 15 bis unter 65 Jahren.
Als erwerbstätig gelten nach dem
Labour-Force-Konzept der International Labour Organisation
(ILO) alle Personen ab 15 Jahren,
wenn sie mindestens eine Stunde
in der Woche einer bezahlten Tätigkeit nachgehen bzw. in einem
Arbeitsverhältnis stehen, ein Gewerbe oder eine Landwirtschaft
selbstständig betreiben oder
einen Freien Beruf ausüben.
Datenquelle: Mikrozensus

Im Jahr 1991 gingen 71,1 % der Berliner Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter einer Erwerbstätigkeit nach. Die Frauenerwerbstätigenquote betrug 65,2 %, bei den Männern
waren 77 % erwerbstätig. Die Erwerbstätigenquoten verringerten sich in den Folgejahren stark und erreichten im Jahr 2004 mit
nur noch 55,9 % bei den Frauen und 59,4 %
bei den Männern ihre Tiefststände. Seitdem
lässt sich ein stetiger Anstieg auf insgesamt
68,9 % im Jahr 2014 beobachten. Damit waren
in Berlin erstmals seit der Wiedervereinigung
mehr als zwei Drittel der Frauen im erwerbsfähigen Alter erwerbstätig, bei den Männern
hat die Erwerbstätigenquote das Maximum
des Jahres 1991 noch nicht wieder erreicht.
Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich,
dass die mittlere Altersgruppe am wenigsten
von den konjunkturellen Schwankungen
auf dem Arbeitsmarkt betroffen war. Die
Erwerbstätigenquote der unter 25-Jährigen ging insgesamt von 55,2 % im Jahr 1991
auf 37,4 % im Jahr 2014 zurück. Ein Grund
dafür kann der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen zusammen mit dem zahlenmäßigen Rückgang der Bevölkerung in dieser Altersgruppe sein. Gleichzeitig ist die
Erwerbstätigenquote der über 55-Jährigen

Erwerbstätigenquote

seit 1991 um insgesamt 20 Prozentpunkte auf
61,9 % im Jahr 2014 angestiegen.
Mit jeweils deutlich geringeren Quoten 2005
gegenüber 1991 folgen die drei Stadtregionen jeweils weitgehend dem allgemeinen
Trend. Bemerkenswert ist, dass in den östlichen Bezirken über alle Zeitpunkte ein deutlich größerer Anteil der Bevölkerung einer
Erwerbstätigkeit nachgeht als in den westlichen Bezirken und den Innenstadtbezirken.
In den östlichen Bezirken waren im Jahr 2014
fast drei Viertel der Bevölkerung erwerbstätig,
damit ist die Erwerbstätigenquote von 1991
wieder erreicht. In den anderen Stadtregionen beträgt die Erwerbstätigenquote aktuell
rund zwei Drittel und liegt damit unter dem
jeweiligen Spitzenwert von 1991. Die Quote
der Innenstadtbezirke wies in den Jahren 1991
und 2014 Werte zwischen den beiden anderen Stadtregionen auf, im Jahr 2005 dagegen
war diese mit 52,7 % am geringsten. Ein deutlicher Sprung der Frauenerwerbstätigenquote um 13,6 Prozentpunkte zwischen 2005 und
2014 weist auf eine besonders ausgeprägte
Entwicklung in diesem sich besonders rasant
wandelnden Teil der Stadt hin.

nach Stadtregionen

90
80
70
60
50
40
30
20
und Geschlecht
10
insgesamt in % 0

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

90
80
70
60
50
40
30
20
10
männlich in % 0
90
80
70
60
50
40
30
20
10
weiblich in % 0

1991

2005

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

nach Stadtregionen

nach Geschlecht
Insgesamt
männlich
weiblich

90

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

80
70
60
50

und Altersgruppen

40
30
10
in % 0

80
70
60
50
40
30
20
10

15 bis unter 25 Jahre in % 0

20

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Erwerbstätigenquote
nach Altersgruppen
15 bis unter 25 Jahre
25 bis unter 55 Jahre
55 bis unter 65 Jahre

45

Erwerbstätigenquote

Erwerbstätigenquote

90

80
70
60
50
40
30
20
10

25 bis unter 55 Jahre in % 0

80
70

80
70
60
50
40
30
20
10

60
50
40
30
20
10
in % 0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

55 bis unter 65 Jahre in % 0

1991

2005

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

46

Erwerbslosenquote

Was beschreibt der Indikator?
Die Erwerbslosenquote ist ein
zentraler Indikator zur Arbeitsmarktentwicklung vor dem Hintergrund der traditionell hohen
Erwerbsneigung der Bevölkerung in Berlin-Ost und den ostdeutschen Bundesländern und
dem Wegfall von Arbeitsplätzen
in diesen Regionen seit der Wiedervereinigung. Sie beschreibt
den Anteil der Erwerbslosen an
den Erwerbspersonen, hier im erwerbsfähigen Alter von 15 bis unter 65 Jahren. Erwerbspersonen
sind Erwerbstätige und Erwerbslose. Als erwerbslos gelten nach
dem Labour-Force-Konzept der
International Labour Organisation (ILO) alle nicht erwerbstätigen
Personen, die aktiv Arbeit suchen
und diese auch kurzfristig aufnehmen können.

1991 lag die Erwerbslosenquote in Berlin bei
10,4 % und zeigte mit 10,9 % bei den Frauen
und 10,0 % bei den Männern noch keinen geschlechtsspezifischen Unterschied. Erst ab
dem Jahr 2012 konnte dieses Niveau wieder
erreicht werden, nachdem die Erwerbslosenquote bis zum Jahr 2005 fast auf das Doppelte angestiegen war. Seit dem Jahr 1998 ist die
Erwerbslosenquote der Männer deutlich höher als die der Frauen. Im Jahr 2014 lag die Erwerbslosenquote der Frauen unter der von
1991, bei den Männern wurde dieser Stand
noch nicht erreicht.

Erwerbslosenquote

Der Vergleich der Altersgruppen zeigt, dass in
der mittleren Altersgruppe im betrachteten
Zeitraum stets ein geringerer Anteil erwerbslos war als bei den Jüngeren und Älteren. Bis
zum Jahr 2005 waren die über 55-Jährigen
am stärksten von Erwerbslosigkeit betroffen,
danach ist die Erwerbslosenquote der unter 25-Jährigen höher und in den letzten drei
Jahren entgegen dem allgemeinen Trend
auch wieder im Ansteigen begriffen. Dagegen sanken die Erwerbslosenquoten der beiden höheren Altersgruppen seit 2005 recht
stetig und unterboten im aktuellen Jahr die
Quoten von 1991.
Mit jeweils deutlich höheren Quoten 2005
gegenüber 1991 und 2014 folgen die drei
Stadtregionen jeweils weitgehend dem allgemeinen Trend. Die Erwerbslosigkeit in den
Innenstadtbezirken ist über alle Zeitpunkte deutlich höher. Hier gab es auch die größte Entwicklungsdynamik, die offensichtlich
hauptsächlich bei den über 55-Jährigen stattfand. In den Jahren 2005 und 2014 hatten die
östlichen Stadtbezirke die geringste Erwerbslosenquote aller Stadtregionen.

Datenquelle: Mikrozensus

nach Stadtregionen
westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

35
30
25
20
15

und Geschlecht

10
5

insgesamt in % 0
35
30
25
20
15
10
5

männlich in % 0
35
30
25
20
15
10
5

weiblich in % 0

1991

2005

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

nach Stadtregionen

nach Geschlecht
insgesamt
männlich
weiblich

47

Erwerbslosenquote

Erwerbslosenquote

35

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

30
25

35
30
25
20
15

20

und Altersgruppen

15

10
5

15 bis unter 25 Jahre in % 0

10
5
in % 0

35
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

30
25
20

Erwerbslosenquote

15
10

nach Altersgruppen
15 bis unter 25 Jahre
25 bis unter 55 Jahre
55 bis unter 65 Jahre

5

35

25 bis unter 55 Jahre in % 0

30
25

35

20

30

15

20

25
15

10

10

5
in % 0

5
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

55 bis unter 65 Jahre in % 0

1991

2005

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

48

Teilzeiterwerbstätige
Rund ein Viertel der Berliner Erwerbstätigen
war im Jahr 2014 teilzeitbeschäftigt. Im Jahr
1991 war der Anteil nur halb so groß. Die Teilzeitquote stieg bis zum Jahr 2006 gleichmäßig an und hält sich seitdem recht stabil auf
diesem Niveau. Männer und Frauen unterscheiden sich bezüglich der Teilzeitquote
deutlich: Der Anteil teilzeitbeschäftigter Berlinerinnen war durchgängig von 1991 bis 2014
um ca. 20 Prozentpunkte höher als der Anteil
teilzeitbeschäftigter Männer.

Was beschreibt der Indikator?
Die Teilzeiterwerbsquote ist ein
zentraler Indikator zur Arbeitsmarktentwicklung vor dem Hintergrund der Zunahme atypischer
Beschäftigung und des gleichzeitigen Rückgangs von Normalarbeitsverhältnissen. Sie beschreibt
den Anteil Erwerbstätiger im Alter von 15 bis unter 65 Jahren, die
nach einer Selbsteinschätzung
teilzeiterwerbstätig sind.

Datenquelle: Mikrozensus

Die Teilzeitquoten insgesamt in allen drei
Stadtregionen sind zwar bis zum Jahr 2014
angewachsen, unterscheiden sich aber je
nach Stadtregion stark im Niveau. Die Teilzeitquoten der in den östlichen Bezirken
wohnhaften Berlinerinnen und Berliner waren zu allen drei Zeitpunkten geringer als die
Teilzeitquoten der übrigen Berliner Erwerbstätigen. Der Geschlechterunterschied bei
den Teilzeitquoten ist im Jahr 2014 in den Innenstadtbezirken am kleinsten, in den westlichen Bezirken jedoch am größten. Dort
wohnhafte erwerbstätige Berlinerinnen
arbeiteten zu 41,0 % in Teilzeit, während es
in den beiden anderen Stadtregionen jeweils rund ein Drittel war. Auffällig ist, dass
die Frauenteilzeitquote in den Innenstadtbezirken zwischen 2005 und 2014 um 4 Prozentpunkte zurückging, was auf eine Änderung
der Bevölkerungsstruktur in diesem sich
besonders dynamisch entwickelnden Teil
Berlins hindeutet.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

Teilzeiterwerbsquote
nach Geschlecht
insgesamt
Männer
Frauen

49

Teilzeiterwerbsquote
nach Stadtregionen

40
35
30
25
20
15
10
und Geschlecht
5
insgesamt in % 0

40

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

35
30
25
20
15
10
5
in % 0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

40
35
30
25
20
15
10
5
männlich in % 0

40
35
30
25
20
15
10
5
weiblich in % 0

1991

2005

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

50

Verdienste

Was beschreibt der Indikator ?
Der Bruttomonatsverdienst ist der
regelmäßige steuerpflichtige Arbeitslohn gemäß den Lohnsteuerrichtlinien ohne unregelmäßige
Sonderzahlungen zuzüglich steuerfreier Zuschläge für Schicht-,
Samstags-, Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit, steuerfreie Aufstockungsbeträge bei
Altersteilzeit, steuerfreie Beiträge des Arbeitgebers im Rahmen
der Entgeltumwandlung, steuerfreie Essenszuschüsse und pauschal besteuerter Arbeitslohn.
Bruttomonatsverdienste werden
für nahezu alle Wirtschaftszweige
ermittelt. Sie ermöglichen Konjunktur- und Strukturanalysen für
die Wirtschaft, Banken, Wissenschaft und (Markt)Forschung. Sie
werden bei Tarifverhandlungen

25 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung sind die Bruttomonatsverdienste der
Berliner Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einschließlich Sonderzahlungen auf
durchschnittlich 3 010 EUR gestiegen und
legten damit gegenüber dem Vorjahr um
1,8 % zu. Da sich die Verbraucherpreise deutlich langsamer erhöhten (+0,8 %), blieb real
mehr Geld übrig. 2013 hatten vor allem gesunkene Sonderzahlungen ein Wachstum
der Verdienste verhindert. Lediglich um 0,1 %
(2 956 EUR) waren die Bruttomonatsverdienste im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich
gestiegen, wobei die Verbraucherpreise im
Jahresdurchschnitt um 2,2 % anzogen, sodass
2013 die Reallöhne in Berlin sanken.

und der Festsetzung der Abgeordnetenentschädigung sowie in vertraglichen Vereinbarungen über
die Höhe von wiederkehrenden
Zahlungen (sogenannten Wertsicherungsklauseln) herangezogen und dienen mehreren Konjunktur- und Strukturstatistiken
als Dateninput.

In den Jahren zuvor lag die Entwicklung der
Bruttomonatsverdienste einschließlich Sonderzahlungen hingegen über der der Verbraucherpreise, sodass sich die Berliner Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über
mehr Geld in ihren Portemonnaies freuen
konnten. Im Jahr 2009 schlug sich die Weltwirtschaftskrise in sinkenden Verdiensten
nieder. Durch gleichzeitig – zwar nur moderat – gestiegene Verbraucherpreise hatten
viele Beschäftigte real deutlich weniger Geld
zur Verfügung. In den Jahren 2007 und 2008
zeigte sich ein ähnliches Bild, sodass sich die
Verdienstentwicklung als wenig erfreulich
erwies.
Ein direkter Vergleich der Bruttomonatsverdienste vor und nach 2007 ist wegen methodischer Änderungen nicht möglich. So wurden bis 2006 nur getrennte Angaben nach
Arbeitern und Angestellten für ausgewählte
Wirtschaftszweige erhoben. Auch Verdienste der Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten
sowie der leitenden Angestellten wurden vor
2007 nicht erfasst. Trotzdem kann letztend-

Datenquelle: Vierteljährliche Verdiensterhebung

lich, unabhängig von der Preisentwicklung,
eingeschätzt werden, dass die Berliner Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den
letzten 25 Jahren kontinuierlich ein Plus auf
ihrem Lohnzettel registrieren konnten, wenn
dieses auch nahezu durchweg kleiner ausfiel
als im Bundesdurchschnitt.
Dabei verlief die Entwicklung nie einheitlich. Sowohl zwischen den Branchen und
der Qualifikation als auch zwischen den Geschlechtern bestehen nach wie vor erhebliche Unterschiede. Am besten entlohnen
ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
in Berlin weiterhin die Energieunternehmen,
während Beschäftigte bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern, die bisher mit ihren Verdiensten weit vorn lagen, 2014 einen
Rückgang ihrer Verdienste erleben mussten
und der Bereich Information und Kommunikation sich ihnen mehr und mehr annäherte.
Am wenigstens verdienen nach wie vor Beschäftigte im Gastgewerbe.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt
Bruttomonatsverdienste
vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer/-innen im Produzierenden Gewerbe

Eine entsprechende Qualifikation zahlt sich
sprichwörtlich aus. So konnten leitende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie
Spezialisten im Jahr 2014 in Berlin ihre Bruttoverdienste wie in den Vorjahren überdurchschnittlich steigern, während vor allem ungelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
zurückblieben. Auch verdienen Männer und
Frauen trotz gleicher Tätigkeit und Qualifikation nicht das Gleiche, wenn auch das Lohngefälle zwischen ihnen in Berlin von rund
14 % im Jahr 2007 über sogar 16 % (2008) und
15 % (2009) auf rund 10 % im Jahr 2014 gesunken ist. Dagegen betrug der Unterschied im
Bundesdurchschnitt von 2007 bis 2009 23 %
und zwischen 2010 und 2014 noch 22 %.

Arbeiter
Angestellte
alle Arbeitnehmer

51

4 000
3 500
3 000
2 500
2 000
1 500
1 000
500
in EUR 0

1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Bruttomonatsverdienste
vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer/-innen ohne Sonderzahlungen im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich 2014

ungelernte schematische Tätigkeiten
angelernte einfache Tätigkeiten
schwierige Fachtätigkeiten
komplexe, vielgestaltige Tätigkeiten
leitende Tätigkeiten

Frauen
Männer
0

500

1 000

1 500

2 000

2 500

3 000

3 500

4 000

4 500

5 000

5 500

6 000

6 500

7 000 EUR

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

52

Pendlerströme
86,3 % der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten mit Hauptwohnsitz in Berlin
arbeiten auch in Berlin.
Die zum 9. Mai 2011 aus Berlin pendelnden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiteten größtenteils im benachbarten Land
Brandenburg (50,8 %), hier vor allem im Berliner Umland, gefolgt von den Ländern Nordrhein-Westfalen (12,3 %) und Bayern (6,3 %).
Das Saarland (0,3 %) und die Hansestadt Bremen (0,4 %) sind am seltensten Arbeitsorte
von Berliner Erwerbstätigen.
Was beschreibt der Indikator?
Die dargestellten Pendlerdaten
vergleichen die Hauptwohnsitzund Arbeitsortgemeinde der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zum 9. Mai 2011. Als
Arbeitsort wird der Ort angesehen, an dem die berufliche Tätigkeit des Erwerbstätigen mehrheitlich ausgeübt wird. Bei
Zeit- bzw. Leiharbeiter/-innen
ist der aktuelle Arbeits- bzw. Einsatzort der Arbeitsort. Bei wechselnden Arbeitsorten (z. B. im
Außendienst) ist der Sitz des
Arbeitgebers der Arbeitsort.

Für die Pendlerbeziehungen sind
nur die im Land Berlin und/oder
im Land Brandenburg wohn- und
arbeitenden Erwerbstätigen betrachtet worden. Zur Ermittlung
wurde der Anbindungskoeffizient
verwendet. Hierzu wird der Pendlerstrom nach Berlin zur Summe
der Erwerbstätigen, die in der betrachteten Gemeinde wohnen,

unabhängig davon, ob es sich um
Binnen- oder Auspendler handelt, in Relation gesetzt. Dargestellt werden alle Relationen von
0,05 und höher, d. h. mindestens
5 % der in der Gemeinde wohnenden Erwerbstätigen pendeln in
die entsprechend verbundene Gemeinde. Die Pendlerrichtung wird
nicht aufgezeigt.

Im Schnitt sind 60,7 % der Auspendler männlich. Bezogen auf das Alter sind mehr als die
Hälfte der Auspendler zwischen 30 und unter
50 Jahre alt. In den Altersgruppen 18 bis unter
30 Jahre sowie 50 bis unter 65 Jahre haben
die Pendler Anteile von 21,5 % und 22,7 %.

Datenquelle: Zensus 2011

Berlin ist aber auch ein Einpendler-Magnet.
In fast allen 419 Brandenburger Gemeinden
gibt es jemanden mit einem Arbeitsplatz in
Berlin. In 274 Gemeinden sind es sogar mindestens 5 % der aus der Gemeinde auspendelnden Erwerbstätigen. Die nach Berlin
gerichteten Pendlerströme weisen dabei Anteilswerte von bis zu 82 % (Glienicke/Nordbahn) auf. In insgesamt 28 Gemeinden – alle
im Berliner Umland – wohnen über 50 % der
Auspendler nach Berlin. Die Gemeinde Rüdnitz im Landkreis Barnim hat mit 46 % den
höchsten Wert der Gemeinden im weiteren
Metropolenraum.
In den Landkreisen Barnim, Oberhavel und
Teltow-Fläming fahren aus jeder Gemeinde mindestens 5 % der Auspendler nach Berlin. Die drei südlichsten Landkreise Brandenburgs sowie die kreisfreie Stadt Cottbus
weisen, ausgenommen eine Gemeinde im
Landkreis Elbe-Elster, allesamt Anteilswerte unterhalb der 5 %-Marke auf. Gegenteilige
Bewegungen sind in den nördlichsten Landkreisen erkennbar. Abgesehen von der Prignitz pendeln dort aus mehr als der Hälfte der
Gemeinden mindestens 5 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Berlin.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Arbeitsmarkt

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Wohnort Berlin am 9. Mai 2011
nach Arbeitsort

Anbindungskoeffizient von Brandenburger Gemeinden nach Berlin am 9. Mai 2011

westdeutsche Länder:

Schleswig-Holstein
Hamburg
Niedersachsen
Bremen
Nordrhein-Westfalen
Hessen
Rheinland-Pfalz
Baden-Württemberg
Bayern
Saarland
Berlin
ostdeutsche Länder:
Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
und Altersgruppen

unter 18 Jahre
18 bis unter 30 Jahre
30 bis unter 50 Jahre
50 bis unter 65 Jahre
65 Jahre und älter

in % 0

5

10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95 100

—	
—	
	
	

—

—
	

0,05 bis unter 0,15 (154 Relationen)
0,15 bis unter 0,25 (35 Relationen)
0,25 bis unter 0,35 (17 Relationen)
0,35 und mehr (43 Relationen)

	Gemeinden
	 Landkreise und kreisfreie Städte
	 Berliner Umland

53

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

Wohnungsfertigstellungen und Wohnungsbestand

54

Was beschreibt der Indikator?
Im Rahmen der Statistik der Baufertigstellungen werden u. a. der
Neubau sowie Baumaßnahmen
an bestehenden Gebäuden erfasst, bei denen Wohn- oder Nutzraum geschaffen oder verändert
wird. Die Ergebnisse ermöglichen
beispielsweise, die Zahl neugebauter Wohnungen auszuweisen
und damit zu messen, inwieweit die Ziele der aktuellen Wohnungsbaupolitik erreicht worden
sind. Zudem fließen diese Ergebnisse sowie die Ergebnisse der
Bauabgangsstatistik auch in die
Fortschreibung des Wohngebäude- und Wohnungsbestandes ein.

Mit der deutschen Einheit und dem Hauptstadtbeschluss 1991 setzte in Berlin ein Bauboom ein, der seinen Höhepunkt im Jahr
1997 fand. In jenem Jahr wurden in Berlin ca.
33 000 Wohnungen fertiggestellt, ein Wert,
der seither in keinem einzigen Jahr annähernd erreicht worden ist. Nach 1997 ebbte
dieser Aufschwung schnell ab. Die niedrigste Zahl wurde im Jahr 2006 mit 3 100 fertiggestellten Wohnungen registriert. Das entspricht rund einem Zehntel der Zahl an Wohnungen, die im Spitzenjahr 1997 gebaut
worden sind. Nur ein Sechstel der 2006 fertiggestellten Wohnungen entstand in Mehrfa-

Die Fortschreibung des Wohngebäude- und Wohnungsbestandes
basiert seit 2010 auf den Ergebnissen der jüngsten Gebäudeund Wohnungszählung 2011 und
beinhaltet, im Gegensatz zu den
Vorjahren, auch die Wohnheime,
die in den Wohnungszahlen enthalten sind. Die früheren Jahre
basieren auf den Gebäude- und

Wohnungszählungen 1987 (Berlin-West) und 1995 (neue Bundesländer und Berlin-Ost), deshalb
gibt es für die Jahre 1991 bis 1993
keine belastbaren Bestandszahlen für ganz Berlin. Daten über
den Bestand an Wohnungen geben u. a. Auskunft über die Versorgung der Bevölkerung mit
Wohnraum.

milienhäusern, der überwiegende Teil entfiel
auf den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern. 1997 lag der Anteil der in Mehrfamilienhäusern fertiggestellten Wohnungen noch
bei knapp 90 %. Überhaupt wurden im Zeitraum 2002 bis 2009 mehr Wohnungen in Einund Zweifamilienhäusern als in Mehrfamilienhäusern fertiggestellt.
Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen insgesamt stieg parallel zur Bevölkerungsentwicklung nach 2006 wieder leicht an. 2007
waren es etwas mehr als 3 700 Wohnungen,
2014 über 8 700 Wohnungen. Von 2007 bis
2014 wurden zusammengenommen fast

40 000 Wohnungen fertiggestellt, zwischen
1991 und 2014 rund 220 000 Wohnungen, davon 60 % im Geschosswohnungsbau, 23 %
in Ein- und Zweifamilienhäusern und 16 %
durch sonstige Baumaßnahmen (z. B. Dachgeschossausbau, Wohnungen in Nichtwohngebäuden). Von den im Jahr 2014 neu gebauten Wohnungen wurde fast die Hälfte in den
östlichen Bezirken errichtet, 28 % in den westlichen Bezirken und 24 % in den Innenstadtbezirken.
In regional tiefgehender Betrachtung zeigt
sich, dass in den letzten Jahren die höchste
Zahl neuer Wohnungen im Zentrum Berlins
gebaut wurde. Zwischen 2007 und 2013 entstanden hier mehr als 2 500 Wohnungen. Etwas mehr als 2 100 Wohnungen wurden im
südlichen Pankow fertiggestellt, das damit an
zweiter Stelle folgte. An dritter Stelle lag das
Gebiet Lichtenberg Süd mit knapp 1 500 Wohnungen.



Datenquelle: Baufertigstellungsstatistik, Fortschreibung des Wohngebäude- und Wohnungsbestandes

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

Fertiggestellte Wohnungen
in neuen Wohngebäuden …
mit 1 und 2 Wohnungen
mit 3 und mehr Wohnungen
in sonstigen Baumaßnahmen
insgesamt

55

Fertiggestellte Wohnungen
nach Stadtregionen
6 000

westliche Bezirke
Innenstadtbezirke
östliche Bezirke

30 000
25 000

5 000
4 000
3 000

20 000

2 000
15 000

1 000

insgesamt 0

10 000
5 000
0

6 000
5 000

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

4 000

Fertiggestellte Wohnungen 2007 bis 2014
nach Prognoseräumen
unter 500
500 bis unter 1 000
1 000 und mehr

3 000

in Wohngebäuden mit

2 000
1 000

1 und 2 Wohnungen 0

6 000
5 000
4 000
3 000
2 000
1 000

3 und mehr Wohnungen 0

1991

2005

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

56
Der Berliner Wohnungsbestand umfasste zum Jahresende 2014 insgesamt rund
1,89 Mill. Wohnungen, das sind fast 170 000
Wohnungen bzw. fast 10 % mehr als 1991. Gut
ein Zehntel der Wohnungen befindet sich in
Ein- und Zweifamilienhäusern, 87,0 % im Geschosswohnbau. Der Rest entfällt auf Wohnungen in Nichtwohngebäuden. Mit 550
Wohnungen je 1 000 Einwohner (2013) hat
sich die Wohnungsversorgung der Berliner
Bevölkerung gegenüber 1991 (500 Wohnungen je 1 000 Einwohner) zwar etwas verbessert, sie stagniert aber in etwa auf dem Niveau des Jahres 2000. Die Entwicklung dieses

Indikators ist in den letzten Jahren sogar
leicht rückläufig: 2011 gab es noch 563 Wohnungen je 1 000 Einwohner. Auch die Wohnfläche je Einwohner entwickelt sich nach stetigem Anstieg seit 2011 zurück: von 40,9 m²
im Jahr 2011 auf nur noch 40,1 m² im Jahr 2013.
Obwohl sich die Wohnungsversorgung gegenüber 1991 in Berlin verbessert hat, bleibt
die Bauaktivität hinter der Entwicklung der
Bevölkerung in den letzten Jahren zurück.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

57

Wohnungsbestand
Fortschreibung auf Grundlage …
früherer Zählungen
1 800 000
der Zählung 2011
1 600 000
1 400 000
1 200 000
1 000 000
0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

30 000
25 000
20 000
15 000
10 000
5 000

Veränderung
gegenüber dem Vorjahr (absolut) 0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

Verbraucherpreise

58

Was beschreibt der Indikator ?
Verbraucherpreise sind Preise
für Waren und Dienstleistungen,
die private Haushalte zum Zwecke des privaten Konsums kaufen
bzw. in Anspruch nehmen. Aus
den erhobenen Verbraucherpreisen wird der Verbraucherpreisindex ermittelt; die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren
und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Er zeichnet sich insbesondere durch seine hohe
Relevanz für die Inflationsmessung, seine Genauigkeit und seine sehr hohe Aktualität aus. Er

Von 1991 bis 2014 sind die Verbraucherpreise in Berlin um 47,3 % gestiegen (2010≙100),
wobei diese Entwicklung 25 Jahre nach der
deutschen Wiedervereinigung im Detail betrachtet bei vielen Gütern des privaten Konsums ein ständiges Auf und Ab in der Preislandschaft zeigt. Nicht alles wurde stetig
teurer. In einigen Bereichen sind auch verbraucherfreundliche Entwicklungen festzustellen.
Trotz gravierender Änderungen in der Preisgestaltung im Ostteil der Stadt lagen die Veränderungsraten zu Beginn der 1990er Jahre
im wieder vereinten Berlin durch die Berücksichtigung der Preisentwicklung im Westteil
der Stadt deutlich unter denen in den neuen Bundesländern. Bis 1993 hatten dabei die
Wohnungsmieten in Berlin-Ost, deren Ver-

erfüllt die Anforderungen als zentraler Indikator zur Beurteilung
der Geldwertentwicklung und ist
Orientierungsmaßstab zum Beispiel bei Tarifverhandlungen, bei
der Festsetzung der Abgeordnetenentschädigung, Sozialhilfesätzen und Unterhaltsleistungen

änderungsprozess sich fast über ein Jahrzehnt hinzog, erheblichen Einfluss. Ab etwa
der Mitte der 1990er Jahre setzten erste Preisreduzierungen, insbesondere für den Bereich
der Information und Kommunikation, ein.
Mit Ausnahme des Jahres 2004 (+2,1 %) lagen
die Preissteigerungen von 1995 bis 2007 unterhalb der für die Geldpolitik wichtigen
2 %-Marke und nahezu durchweg unter dem
Bundesdurchschnitt. Die Umstellung auf den
Euro zu Beginn des Jahres 2001 schlug sich in
Berlin (+1,3 %) nicht so stark auf die Preisentwicklung nieder wie im Bundesdurchschnitt
(+2,0 %).
Mit Beginn des neuen Jahrtausends wurde
neben den Nahrungsmittelpreisen zunehmend die Entwicklung der Energiepreise bestimmend. Da die deutschen Verbraucher für

sowie in vertraglichen Vereinbarungen über die Höhe von wiederkehrenden Zahlungen (sogenannten Wertsicherungsklauseln).
Zudem wird er für die Deflationierung der privaten Konsumausgaben in den Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnungen verwendet.

Datenquelle: Statistik der Verbraucherpreise

Energie und Nahrungsmittel zusammen rund
ein Fünftel ihrer gesamten Konsumausgaben
aufwenden, gehen Preisveränderungen in
diesen Güterbereichen mit einem hohen Gewicht in die Gesamtentwicklung ein. Im Jahr
2009 war die weltweite Wirtschaftskrise prägend und auch die Berliner Verbraucher profitierten von der zweitniedrigsten Preissteigerung (+0,2 %) seit Beginn der Berechnung
eines Verbraucherpreisindex für das wieder
vereinte Berlin. Noch niedriger war die Veränderungsrate lediglich im Jahr 1999 (+0,1 %).
Neben Rückgängen bei den Nahrungsmittelpreisen war dies fast ausschließlich auf die
teilweise dramatischen Einbrüche bei den
Weltmarktpreisen für Energierohstoffe zurückzuführen. Ab dem Jahr 2010 zog der
Preisauftrieb vor allem durch kontinuierlich
und überdurchschnittlich steigende Energieund Nahrungsmittelpreise spürbar an und
lag über dem Bundesdurchschnitt. Seit dem
Jahr 2012 ist jedoch wieder eine leicht rückläufige Teuerung zu beobachten, die im Jahr
2014 in erster Linie wegen gesunkener Energiepreise und deutlich abgeschwächtem Anstieg der Nahrungsmittelpreise den bisher
niedrigsten Stand seit 2009 erreichte (+0,8 %).

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

59

Verbraucherpreisindex (2010≙100)
Berlin
Deutschland

5,5
5,0
4,5
4,0
3,5
3,0
2,5
2,0
1,5
1,0
0,5
Veränderung
gegenüber dem Vorjahr in % 0
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Verbraucherpreisindex

— Nahrungsmittel

für ausgewählte Produktgruppen
(2010≙100)
Nahrungsmittel

16
14
12
Berlin insgesamt
10
8
6
4
Veränderung
2
gegenüber dem Vorjahr in % 0
-2
-4
-6
-8
-10

1992

2000

2010

2014

—  Strom, Gas und andere Brennstoffe

— Wohnungsmieten

1992

2000

2010

2014

1992

2000

2010

2014

—  Kraft- und Schmierstoffe

1992

2000

2010

2014

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

60

Baupreise

Was beschreibt der Indikator ?
Baupreise sind Preise für Bauleistungen, die für den Neubau von
Bauwerken erforderlich sind. Dabei handelt es sich um Preise
ohne Umsatzsteuer aus Vertragsabschlüssen zwischen Bauherren
und Bauunternehmen und nicht
um sich möglicherweise noch ändernde Angebotspreise. Aus diesen Baupreisen werden Preisindizes für Bauleistungen ermittelt,
die die Entwicklung der Preise für
den Neubau ausgewählter Bauwerksarten (Wohn-, Büro- und
gewerbliche Betriebsgebäude)
und die Instandhaltung (von
Mehrfamiliengebäuden) widerspiegeln. Diese Indizes dienen
zum einen der Konjunkturbeobachtung im Baugewerbe. Zum
anderen werden Baupreisindizes
häufig auch bei der Schätzung ak-

Von 1991 bis 2014 sind die Preise für den Neubau von Wohngebäuden – Bauleistungen am
Bauwerk – in Berlin um 39,9 % gestiegen, wobei die Steigerung bundesweit im gleichen
Zeitraum mit +46,8 % deutlich stärker ausfiel.
Dabei war die Entwicklung seit Beginn der
Berechnung des Baupreisindex für das wieder vereinte Berlin durch längere Phasen des
Preisauftriebs und der Abschwächung der
Preisentwicklung – zeitweilig geprägt durch
einen längerfristigen kontinuierlichen Preisrückgang – gekennzeichnet.

tueller oder historischer Verkehrswerte bzw. Anschaffungs-/Wiederbeschaffungswerte sowie zur
Anpassung vertraglich vereinbarter Zahlungen genutzt (sogenannte Wertsicherungsklauseln).
Außerdem werden sie zur Deflationierung anderer wirtschaftlicher
Größen, wie z. B. der Auftragseingänge und -bestände im Baugewerbe, herangezogen.

Die nach der Wiedervereinigung zunächst
sehr hohen Veränderungsraten gingen allerdings von Jahr zu Jahr zurück, bis ab 1997
über mehrere Jahre ein Preisverfall zu beobachten war. Dieser hielt in Berlin im Gegensatz zum bundesweiten Trend bedeutend
länger an und war erst im Jahr 2004 beendet.
Der nächste Preisauftrieb war im Jahr 2004
mit +0,9 % zu verzeichnen und lag unter
dem damaligen Bundesdurchschnitt von
+1,3 %. Im Jahr 2007 erreichte die Preissteigerung mit +6,3 % wieder einen vorläufigen
Höhepunkt, der aber in erster Linie auf die
Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16 % auf
19 % zurückzuführen war. Ab 2008 schwächte sich der Preisauftrieb in Berlin wieder ab.
Im Jahr 2009, dem Jahr der weltweiten Wirtschaftskrise, erreichte er trotz im Jahresver-

Datenquelle: Statistik der Bauleistungspreise

lauf kontinuierlich sinkenden jährlichen Veränderungsraten von +2,4 % zu Jahresbeginn
auf +0,4 % am Jahresende noch eine durchschnittliche Preiserhöhung gegenüber 2008
von +1,3 %, während bundesweit nur noch
+0,8 % ermittelt wurden. Danach zogen die
Baupreise wieder an und stiegen in den Jahren 2011 und 2012 um 2,8 % bzw. 2,7 %. Seit
2013 schwächt sich der Preisauftrieb auch
in Berlin wieder ab und lag im Jahr 2014 mit
+2,0 % leicht über dem Bundesdurchschnitt
von +1,8 %.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

Preisindex für den Neubau von Wohngebäuden einschließlich Umsatzsteuer
(2010≙100)
Berlin
Deutschland

110
105
2010=100 100
95
90
85
80
75
1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

Berlin
Deutschland

8
7
6
5
4
3
2
1

Veränderung
gegenüber dem Vorjahr in % 0

-1
-2
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

61

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

Ausstattung privater Haushalte mit ausgewählten Gebrauchsgütern

62

Was beschreibt der Indikator ?
Infolge des großen Erhebungsumfanges ist die Einkommens- und
Verbrauchsstichprobe (EVS) geeignet, den Lebensstandard und
das Verbrauchsverhalten privater
Haushalte abzubilden. Fragen
nach dem Vorhandensein von
Gebrauchsgütern sind fester Bestandteil jeder EVS, wobei die erfragten Güter jeweils aktualisiert
werden und deshalb ein Vergleich
zwischen den Erhebungsjahren
nicht immer möglich ist.
Der Ausstattungsgrad gibt an, wie
viele Haushalte ein bestimmtes
Gebrauchsgut besitzen; der Ausstattungsbestand, wie viele Güter in 100 Haushalten vorhanden
sind. Bei einer Mehrfachausstattung ist der Ausstattungsbestand
größer als der Ausstattungsgrad.

Die Ausstattung privater Haushalte mit ausgewählten Gebrauchsgütern hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Was vor 20
Jahren noch als Luxus galt, ist heute kaum
mehr aus einem Haushalt weg zu denken.
Hatte beispielsweise 1993 nur jeder fünfte
Haushalt eine Geschirrspülmaschine, war es
im Jahr 2013 schon jeder zweite. Eine Mikrowelle besaßen damals drei und 2013 sechs
von zehn Haushalten.

Bei der Informations- und Kommunikationstechnik hat sich die Ausstattung ebenfalls
verbessert, wobei sich die mobilen Geräte
weiter durchsetzen. 70 % der Berliner Haushalte besaßen 2013 Laptop, Notebook oder
Tablet-PC, 94 % nutzten mindestens ein
Handy bzw. Smartphone. Zehn Jahre zuvor
waren es vergleichsweise einer bzw. sieben
von zehn Haushalten.
Bei der Unterhaltungselektronik sind innerhalb der letzten fünf Jahre verstärkt Flachbildfernseher und digitale Fotoapparate
angeschafft worden. Die Ausstattung mit
DVD-Playern hat sich gegenüber 2003 nahezu verdreifacht. Fernseher, Telefon, Kühlschrank und Waschmaschine gehörten im
Jahr 2013 in fast neun von zehn Haushalten
zur Standardausstattung.

Datenquelle: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS)

Fahrradfahren erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit; bereits mehr als drei Viertel
der Haushalte besitzen mindestens ein Fahrrad, im Jahr 1993 waren es 68 %. Mehr als die
Hälfte der Berliner Haushalte ist mehrfach
ausgestattet, sodass durchschnittlich zwei
Fahrräder in jedem Haushalt zu finden sind.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

63

Ausstattungsgrad je 100 Haushalte
Geschirrspülmaschine
Mikrowellengerät

90
80
70
60
50
40
30
20
10
% 0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

Ausstattungsgrad je 100 Haushalte
Festnetztelefon
Mobiltelefon (Handy, Smartphone)

90
80
70
60
50
40
30
20
10
% 0

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen
Kraftfahrzeugbestand

64

Was beschreibt der Indikator?
Der Kraftfahrzeugbestand umfasst alle im Zentralen Fahrzeugregister gespeicherten Kraftfahrzeuge und -anhänger
(ausschließlich der außer Betrieb
gesetzten Fahrzeuge), die nach
der Fahrzeug-Zulassungsverordnung in Deutschland zugelassen
sind und denen ein Kennzeichen
zugeteilt wurde. Mit einbezogen sind Fahrzeuge, die ein Versicherungskennzeichen führen sowie Fahrzeuge der Bundespolizei
und des Technischen Hilfswerks.
Kraftfahrzeuge sind maschinell
angetriebene Straßenfahrzeuge. Dazu gehören Personenkraftwagen, Krafträder, Omnibusse,
Lastkraftwagen, Zugmaschinen
und sonstige Kraftfahrzeuge, wie
z.B. Feuerwehren, Polizeifahrzeuge, Post-, Funk- und Fernmeldefahrzeuge.

Der Kraftfahrzeugbestand in Berlin unterlag
in den Jahren 1994 bis 2015 leichten Schwankungen. Am 1. Januar 2007 waren rund 50 000
Kraftfahrzeuge (Kfz) mehr auf den Straßen
unterwegs als 1994. Seit 1. März 2007 zählen
auch sogenannte vorübergehende Stilllegungen als Abmeldungen, was für den Kfz-Bestand im Jahr 2008 eine Reduzierung um gut
152 000 Fahrzeuge gegenüber 2007 zur Folge hatte. Am 1. Januar 2009 verzeichnete der
Kfz-Bestand gegenüber dem Vorjahr ebenfalls einen leichten Rückgang. Beginnend mit
dem Jahr 2010 konnte jährlich eine Zunahme
des gesamten Bestandes verzeichnet werden. Der Bestand von 1,369 Mill. Kraftfahrzeugen am 1. Januar 2015 entspricht annähernd
dem Bestand von 2014 (–0,3 %).
Bei Personenkraftwagen (Pkw), die mit einem
Anteil von 85,1 % am 1. Januar 2015 die mit Abstand bedeutendste Fahrzeugart in Berlin
darstellen, sank der Bestand gegenüber 1994
(1,204 Mill.) um 3,2 % auf 1,165 Mill. Pkw. Der
Pkw-Bestand je 1 000 Einwohner verzeichnete einen leichten Rückgang von 347 im Jahr
1994 auf 341 im Jahr 2015.

Während 1994 die Lastkraftwagen noch an
zweiter Stelle im Ranking der Fahrzeugarten standen, belegen sie aktuell mit dem fast
gleichen Bestand nur noch den dritten Rang.
Der Anteil der Krafträder stieg von 4,0 % auf
7,5 % und belegt damit den zweiten Rang.
Unverändert blieben die Anteile der Omnibusse (0,2 %) und der Zugmaschinen (0,4 %).
Im betrachteten Zeitraum veränderte sich
der Pkw-Bestand in Bezug auf die Hubraumklassen nur geringfügig. So waren 1994 35,7 %
der Pkw in der Hubraumklasse bis 1 399 cm³,
49,6 % in der Hubraumklasse zwischen 1 400
und 1 999 cm³ und 14,6 % in der Hubraumklasse 2 000 cm³ und mehr zugelassen. Am
1. Januar 2015 waren die meisten Pkw in der
Hubraumklasse 1 400–1 999 cm³ (49,0 %) angemeldet, gefolgt von den Pkw mit einem
Hubraum bis 1 399 cm³ (34,9 %). Die wenigsten Pkw hatten in Berlin einen Hubraum
von 2 000 cm³ und mehr (16,0 %). Von den
1,165 Mill. Berliner Pkw sind 98,7 % schadstoffreduziert unterwegs.

Datenquelle: Statistik des Bestandes an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern

Den stärksten Zuwachs bei den Kraftfahrzeugen seit 1994 verzeichneten die Krafträder,
deren Anzahl (102 129) stetig bis fast auf das
Doppelte am 1. Januar 2015 gestiegen ist. Zuwächse seit 1994 verzeichneten ebenfalls die
Zugmaschinen um 9,3 % auf 5 475 Zulassungen. Die Bestandszahl der Lastkraftwagen
entspricht fast dem Stand von 1994. Einen
großen Rückgang verzeichnete der Bestand
an Omnibussen (2 195), dieser ging seit 1994
um 29,9 % zurück. Der Bestand an Kraftfahrzeuganhängern sank seit 1994 leicht auf aktuell 82 410, was einem Rückgang um 1,8 % entspricht.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Leben und Wohnen

65

Kraftfahrzeugbestand
Kfz-Bestand
Pkw-Bestand

450
400
350
300
250
200
150
100
50

je 1 000 Einwohner 0

1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015

Bestand an Personenkraftwagen
nach Hubraumklassen
unter 1 400 cm3
1 400 bis unter 2 000 cm3
2 000 cm3 und mehr

700 000
600 000
500 000
400 000
300 000
200 000
100 000
0

1994 1995

2000

2005

2010

2015

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wahlen

Wahlbeteiligung bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin

66

Was beschreibt der Indikator?
Die Wahlbeteiligung steht für die
politische Partizipation, also die
Teilhabe von Bürgerinnen und
Bürgern an der politischen Willensbildung und an Entscheidungsprozessen. Sie gibt den Anteil der Wahlberechtigten an, die
bei der Wahl ihre Stimme abgegeben haben – unabhängig davon,
ob die Stimme gültig oder ungültig war.
Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin sind alle Deutschen wahlberechtigt, die am Tag
der Wahl das 18. Lebensjahr vollendet haben, seit mindestens
drei Monaten ununterbrochen in
Berlin ihren Wohnsitz haben und
nicht vom Wahlrecht ausgeschlossen sind.

An der Wahl zum Abgeordnetenhaus von
Berlin am 2. Dezember 1990 – der ersten
Berliner Wahl nach der Wiedervereinigung
Deutschlands – beteiligten sich 80,8 % der
Wahlberechtigten. Am selben Tag fand auch
die Wahl des Deutschen Bundestages statt,
bei der traditionell die Beteiligung am höchsten ist. Bei den nachfolgenden Wahlen zum
Abgeordnetenhaus, bei denen gemäß der
Verfassung von Berlin zur gleichen Zeit auch
die Bezirksverordnetenversammlungen gewählt werden, ließ die Beteiligung mehr oder
wenig kontinuierlich nach, bis auf 60,2 % am
18. September 2011. Leichte Anstiege zur Vorwahl waren lediglich zwei Mal zu beobachten: einmal bei der Wahl am 21. Oktober 2001,
der ersten Wahl nach dem Zusammenbruch
der großen Koalition unter Führung der CDU
und ein zweites Mal bei der Wahl am 18. September 2011. Die PIRATEN kamen hier aus
dem Stand auf 8,9 % der Zweitstimmen, sie
konnten vermutlich zu einem nicht geringen
Teil Nichtwählerinnen und Nichtwähler mobilisieren.

In Berlin-West lag die Beteiligung bei allen
Wahlen seit 1990 höher als in Berlin-Ost. Der
Abstand war mit 7,5 Prozentpunkten bei der
ersten Wahl 1990 am höchsten und 2011 mit
4,2 Prozentpunkten am niedrigsten. Allerdings war die Entwicklung nicht linear, vielmehr verringerte sich der Abstand bis 1999,
um anschließend bis 2006 wieder anzusteigen und erst danach wieder abzufallen.

Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 1990
nutzten 9,3 % der Wählerinnen und Wähler die Möglichkeit der Briefwahl. Der Briefwahlanteil stieg fast stetig bis auf 27,6 % bei
der Berliner Wahl 2011 an. Lediglich 2001 war
dieser Anteil geringer als bei der vorangegangenen Wahl 1999. Das lag vermutlich daran, dass bei der vorgezogenen Wahl 2001
verkürzte Fristen galten. Statt mehr als fünf
Wochen, wie bei regulären Wahlen, blieben
damals nur drei Wochen für die Briefwahl.
Prozentual stimmten in Berlin-West mehr
Wählerinnen und Wähler brieflich ab als in
Berlin-Ost. Allerdings ist die Prozentpunktdifferenz im betrachteten Zeitraum stetig zurückgegangen, von 8,2 auf 3,7 bei der letzten
Wahl 2011.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wahlen

67

Wahlbeteiligung bei Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin
Berlin-Ost
Berlin-West
Berlin

80
70
60
50
40
30
20
10
in % 0

1990

1995

1999 2001

2006

2011

1999 2001

2006

2011

Briefwahlanteil an allen Wählerinnen und Wählern
bei Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin
Berlin-Ost
Berlin-West
Berlin

35
30
25
20
15
10
5
in % 0

1990

1995

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wahlen

68

Ergebnisse der Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin
Bei der ersten Wahl zum Abgeordnetenhaus
von Berlin nach der Wiedervereinigung erzielte die CDU mit großem Abstand die meisten Zweitstimmen. Bei den nachfolgenden
Wahlen bis 1999 schwankte ihr Anteil um
die 40 %-Marke. Erst nach dem Zusammenbruch der großen Koalition unter Eberhard
Diepgen und bei der vorgezogenen Neuwahl 2001 konnte die SPD an der CDU vorbeiziehen und stärkste politische Kraft in Berlin
werden. Seit 2001 stellt die SPD auch den
Regierenden Bürgermeister und koalierte
erst mit den GRÜNEN, dann mit der LINKEN
und seit 2011 mit der CDU.
Auf dem dritten Platz wechselten sich die
GRÜNEN und DIE LINKE seit 1990 ab, wobei es
der LINKEN gelang, ihren Zweitstimmenanteil
bis 2001 mehr als zu verdoppeln. Anschließend, während der Koalition mit der SPD,
verlor sie erheblich und landete 2011 schließlich wieder auf dem vierten Platz hinter den
GRÜNEN, mit einem nur noch geringfügig besseren Ergebnis als 1990. Die GRÜNEN
konnten ihren Anteil dagegen seit 2001 deutlich steigern. Bei der FDP ist im betrachteten
Zeitraum eine auffällige Berg- und Talfahrt zu
beobachten. Dreimal schaffte sie es zum Teil
deutlich, die 5%-Hürde zu überwinden, so

1990, 2001 und 2006, und dreimal scheiterte
sie daran, zuletzt 2011 mit nur noch 1,8 % der
Zweitstimmen. Bis 2006 schaffte keine der
übrigen Parteien den Einzug in das Berliner
Abgeordnetenhaus. Erst 2011 gelang dies den
PIRATEN mit ihrer ersten Wahlteilnahme bei
Berliner Wahlen – sie erzielten aus dem Stand
8,9 % der Zweistimmen.
Die Wahlergebnisse der Parteien im Ost- und
Westteil der Stadt unterscheiden sich im betrachteten Zeitraum zum Teil erheblich. Am
deutlichsten trifft dies auf die Zweitstimmenanteile von CDU und DIE LINKE zu, wobei die
CDU im Westteil ihre Hochburgen hat und
DIE LINKE im Ostteil.
DIE LINKE erzielte bei der Wahl 1990 im Ostteil 23,6 % der Zweitstimmen, aber nur 1,1 %
im Westteil – die Differenz betrug damit
22,5 Prozentpunkte. Diese Differenz stieg
dann bis auf über 40 Prozentpunkte im Jahre 2001 an. Seitdem hat sich der Abstand
zweimal verringert, bis auf 18,4 Prozentpunkte 2011. Bei der CDU hat sich diese Prozentpunktdifferenz ebenfalls verkleinert,
allerdings seit 1990 fast stetig bis auf 15,3 Prozentpunkte 2011.

Summiert man für alle Parteien, die seit der
Wiedervereinigung im Abgeordnetenhaus
vertreten waren (einschließlich Sonstige), die
Differenzen zwischen dem Zweitstimmenanteil im Ost- und Westteil Berlins (ohne Berücksichtigung des Vorzeichens) auf, so erhält
man einen Indikator für die Unterschiedlichkeit des Wahlergebnisses. Dieser Indikator
ist bis 2001 stetig gestiegen, die Unterschiede zwischen Ost und West wurden also immer größer – von 56,6 Prozentpunkten im
Jahr 1990 bis auf 83,2 Prozentpunkte im Jahr
2001. Seit 2001 ist der Abstand gefallen, bis
auf 46,5 Prozentpunkte 2011. Die Unterschiede im Wahlergebnis waren 2011 also geringer
als bei den vorangegangenen Berliner Wahlen seit 1990.

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Wahlen
Zweitstimmenanteile ausgewählter Parteien
bei Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin

Anhand von Wahlkreiskarten lässt sich die
Entwicklung der letzten Jahre eindrucksvoll
veranschaulichen: So gewann DIE LINKE 1999
fast alle Direktmandate – 30 von 32 – im Ostteil der Stadt. In den Wahlkreisen im Westteil
dominierte dagegen die CDU. Ihre Direktbewerberinnen und -bewerber setzten sich hier
in 44 von 46 Wahlkreisen durch. Lediglich die
GRÜNEN konnten noch zwei Wahlkreise gewinnen – die SPD ging leer aus. Der Verlauf
der Mauer ließ sich damit anhand der Wahlkreisergebnisse nachzeichnen und zwar als
Nahtstelle zwischen den Wahlkreisen der
LINKEN (violett) im Osten und den Wahlkreisen der CDU (blau) sowie der GRÜNEN im
Westen.
Ganz anders 2011: Die ehemalige Grenze ist
nicht mehr auszumachen. Die Wahlkreisergebnisse beider Teile der Stadt sind jetzt heterogener. Im Südwesten und Nordwesten
liegt die CDU vorn, im Nordosten DIE LINKE,
am Rand des alten Stadtkerns – im wilhelminischen Mietskasernengürtel – die GRÜNEN
und in den restlichen Wahlkreisen die SPD.

Gewonnene Direktmandate
bei Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin
1999

SPD
CDU
DIE LINKE
GRÜNE
FDP
PIRATEN
Sonstige

45

SPD
CDU
DIE LINKE
GRÜNE

40
35
30
25
20
15
10
5

in % 0

Abstand zwischen
dem Ergebnis
in Berlin-Ost und
Berlin-West

1990

1995

1999 2001

2006

2011

2011

45
40

SPD
CDU
LINKE
GRÜNE

35
30
25
20
15
10
5

in Prozentpunkten 0

1990

1995

1999 2001

2006

2011

69

25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen | Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

70

Impressum
	 25 Jahre Deutsche Einheit Berlin in Zahlen
	

Erschienen im September 2015
	Herausgeber
	 Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
	 Behlertstraße 3a
	 14467 Potsdam
	 Telefon: 0331 8173-1777
	 Telefax: 030 9028-4091
	info@statistik-bbb.de
	 Satz und Gestaltung
	 Amt für Statistik Berlin-Brandenburg
	Druck
	 Ruksaldruck GmbH, Berlin
	 Kostenloser Download
	www.statistik-berlin-brandenburg.de
© Amt für Statistik Berlin-Brandenburg,
Potsdam, 2015
	 Auszugsweise Vervielfältigung und
Verbreitung mit Quellenangabe
gestattet.
Auskunft und Beratung
Behlertstraße 3a
14467 Potsdam
Telefon: 0331 8173-1777
Fax: 030 9028-4091
E-Mail: info@statistik-bbb.de

Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg hat seinen Sitz in Potsdam und weitere Standorte in Berlin und Cottbus.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.