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PTR und PTB:
Geschichte einer Institution

Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig und Berlin


Nationales Metrologieinstitut

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PTR und PTB: Geschichte einer Institution

PTR und PTB: Geschichte einer Institution
Seit 1887 hat genaues Messen eine institutionelle Heimat in Deutschland. Als am
28. März 1887 der erste Etat der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt (PTR), der
Vorgängerin der PTB, bewilligt wurde, war dies die Geburtsstunde der ersten staatlichen
Großforschungseinrichtung und der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die noch längst nicht zu
Ende erzählt ist.
Von Ellen und Füßen zum Meter –
die Vorgeschichte
Körpergrößen von Herrschern – gerne die Elle oder der Fuß
– waren früher beliebte Maße, auf deren Grundlage Handel
getrieben wurde. Mitte des 18. Jahrhunderts existierten alleine
auf dem Gebiet des späteren Deutschen Reiches mehr als vierzig
unterschiedliche Ellen mit Längen zwischen 40 cm und 80 cm
– ein echtes Hindernis für den Warenaustausch. Mit der Französischen Revolution kam dann der Umbruch auch für die Maßeinheiten: Der Urmeter und das Urkilogramm wurden geboren.
Es dauerte allerdings noch bis 1875, bis sich die damals wichtigsten Industriestaaten auf einen internationalen Vertrag, die
Meterkonvention, einigten. Ab diesem Zeitpunkt galten erstmals
einheitliche Maße für alle.
Inmitten der äußerst dynamischen industriellen Entwicklung im
19. Jahrhundert schlossen sich 1872 einige preußische Naturwissenschaftler zusammen, um die Präzisionsmesstechnik im Land
weiter voranzutreiben – im Interesse von Wissenschaft, Handel und Militär. In ihrer sogenannten Schellbach-Denkschrift
forderten sie zu diesem Zwecke die Einrichtung eines eigenen
Staatsinstituts. Zu den Unterstützern gehörten unter anderem der
spätere PTR-Präsident Hermann Helmholtz und der Mathematiker und Physiker Wilhelm Foerster, der später entscheidend zum
Zustandekommen der Pariser Meterkonvention beitragen sollte,
Kurator der PTR wurde und fast 30 Jahre lang das Internationale Komitee für Maß und Gewicht (CIPM) leitete. Doch vorerst
erteilt Preußen ihren Forderungen eine Absage.

Werner Siemens – Anfang der Achtzigerjahre des 19. Jahrhunderts noch nicht geadelt – ist tief beeindruckt von den Fortschritten der Naturwissenschaft und setzt die gewonnenen Erkenntnisse industriell um, zum Wohle der aufstrebenden Industrie- und
Exportnation Deutschland. Er liefert mit seinen Denkschriften
die auch für die Politik einsichtige Begründung für die dringende
Notwendigkeit einer PTR und überlässt dem Deutschen Reich
dafür ein privates Gelände in Berlin-Charlottenburg.
Zur selben Zeit ist der 1821 in Potsdam geborene Hermann
Ludwig Ferdinand Helmholtz einer der prägenden Naturwissenschaftler seiner Zeit. Der Physikerkollege James Clerk Maxwell
nennt ihn gar einen „intellektuellen Riesen“. Als ihr erster
Präsident gestaltet er von 1888 bis 1894 den Aufbau der PTR. Die
Blütezeit der Reichsanstalt in den ersten Jahrzehnten ist mit den
Namen bedeutender Wissenschaftler als Mitarbeiter der PTR und
aktive Mitglieder des Kuratoriums verknüpft, wie z. B.
Wilhelm (Willy) Wien, Friedrich Kohlrausch, Walther Nernst,
Emil Warburg, Walther Bothe, Albert Einstein und Max Planck.

Hermann von Helmholtz

Werner von Siemens, Hermann
von Helmholtz und die Gründerjahre
Der Industrielle Werner von Siemens und der Wissenschaftler
Hermann von Helmholtz gelten als Gründerväter der PTR.
Insbesondere ihrer Vision und ihrem hartnäckigen Engagement
ist es zu verdanken, dass der Deutsche Reichstag am 28. März
1887 schließlich doch einen ersten Jahresetat für die damit
neu gegründete Physikalisch-Technische Reichsanstalt (PTR)
beschließt. Damit ist der Grundstock gelegt für die erste staatlich
finanzierte außeruniversitäre Großforschungseinrichtung, die sowohl der von materiellen Interessen freien Grundlagenforschung
verpflichtet ist als auch die Industrie bei aktuellen Problemen
unterstützt.

Werner von Siemens

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Der Schwarze Strahler und die Geburt
der Quantenmechanik
Schon bald nach Gründung der PTR wird die Messung der Strahlung eines Schwarzen Körpers (also eines Objektes, das alles Licht
vollständig absorbiert) zu einer wichtigen Aufgabe des PTRLaboratoriums für Optik. Man braucht ein präziseres Lichtstärkenormal, um entscheiden zu können, welche Energieform für
die Berliner Straßenbeleuchtung wirtschaftlicher ist: Elektrizität
oder Gas. Die Messungen führen zu einem der spektakulärsten
Erfolge der Experimentierkunst der PTR: der exakten Bestimmung des Spektrums der Schwarzkörperstrahlung. Diese Ergebnisse sind so präzise, dass sie Widersprüche im damaligen „klassischen“ Weltbild der Physik aufdecken können. Die Messungen
lassen sich nur mit einer neuen Theorie erklären: In einem „Akt
der Verzweiflung“, wie er selber es später nennt, „quantisiert“
Max Planck kurzerhand die Wärmestrahlung, zerlegt sie also
in Päckchen bestimmter Größe. Dies ist die Geburtsstunde der
Quantentheorie. Es dauert noch Jahrzehnte, bis diese „verrückte“
Theorie, die die mikroskopische Welt unter der glatten, makroskopischen Oberfläche als körnig und stufig beschreibt und in
der unsere gewöhnliche Logik außer Kraft gesetzt ist, verstanden
und akzeptiert wird. Heute ist die Quantenmechanik die beste
Beschreibung der Wirklichkeit, die wir haben, und ihre Anwendungen sind aus unserer Hightech-Welt nicht mehr wegzudenken
– vom Computerchip über den Laser bis zur Satellitennavigation.

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Gesellschaft. Die Liste der wissenschaftlichen Angehörigen des
Kuratoriums liest sich wie das Who-is-who aus Wissenschaft und
Technik: Allein in den ersten zwanzig Jahren wirken Wissenschaftler wie Wilhelm Foerster, Hans Heinrich Landolt, Rudolf
Clausius, Friedrich Kohlrausch, Ernst Abbe, August Kundt,
Georg Quincke, Emil Warburg und Karl Schwarzschild in diesem
Gremium mit. Insgesamt sind bis heute dreizehn Nobelpreisträger im Kuratorium der PTR/PTB vertreten – ein Zeichen für
den hohen Stellenwert, den beide Seiten dieser Art der Beratung
zuschreiben.

Nobelpreisträgertreffen 1923 in Berlin: Walther Nernst, Albert Einstein, Max
Planck, Robert Andrew Millikan und Max von Laue. Bis auf Millikan waren alle
über viele Jahre – etwa als Kuratoren – eng mit der PTR verbunden.

Einer der Nobelpreisträger im Kuratorium (1916–1933) ist
Albert Einstein, den PTR-Präsident Emil Warburg nur zu gern
an die PTR geholt hätte. Zumindest gelingt es 1914, Einstein
als Gastwissenschaftler zu gewinnen und ihm – dem Theoretischen Physiker – in den exzellent ausgestatteten Laboratorien
der Reichsanstalt eines der ganz wenigen Experimente seiner
Forscherlaufbahn (gemeinsam mit dem jungen Physiker Wander
Johannes de Haas) zu ermöglichen: die praktische Überprüfung
der Hypothese der Ampere’schen Molekularströme. Eine amüsante Fußnote in der Physikgeschichte ist es, dass die behauptete Übereinstimmung zwischen Theorie und Experiment eine
scheinbare ist – denn erst zehn Jahre später wird die Theorie mit
der Entdeckung des Elektronenspins neu überdacht, was zu einer
Änderung in der Theorie um den Faktor 2 führt.
Otto Lummer und Willy Wien entwickeln 1895 den ersten Hohlraumstrahler
zur praktischen Erzeugung der Wärmestrahlung Schwarzer Körper.

Das Kuratorium
Von Anfang an verfügt die PTR über ein auch aus heutiger Sicht
noch modernes Steuerinstrument: das Kuratorium. Es dient
sowohl als wissenschaftlicher Beirat, der inhaltliche Fragen und
die zukünftige Ausrichtung der PTR diskutiert, als auch als Interessenvertretung für Kunden aus Wissenschaft, Wirtschaft und

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„Neue Physik“ und neue Struktur
Anfang des 20. Jahrhunderts wendet sich die PTR unter ihrem
damaligen Präsidenten Emil Warburg vermehrt der sogenannten
Neuen Physik zu. Dazu zählt man u. a. die gerade erst entdeckten
Röntgenstrahlen, die neuen Vorstellungen vom Atombau, Einsteins Spezielle Relativitätstheorie, die Quantenphysik ausgehend
vom Schwarzen Strahler und die Eigenschaften des Elektrons.
Die Erneuerung der Forschungsinhalte der PTR gelingt vor
allem durch herausragende Forscher: Da ist zum Beispiel Hans
Geiger, der das erste Radioaktivitätslabor der PTR aufbaut und
es innerhalb kürzester Zeit zu einem wissenschaftlichen Labor
von Weltniveau macht. Auch Walther Meißner kann – verzögert
durch den Ersten Weltkrieg – im Zuge dieser Neuausrichtung
seine großen wissenschaftlichen Erfolge feiern, wie die Verflüssigung von Helium, die Entdeckung der Supraleitfähigkeit einer
Reihe von Metallen und etwas später den nach ihm benannten
fundamentalen Effekt der Verdrängung des Magnetfelds aus dem
Inneren eines Supraleiters.
Die neuen Inhalte gehen einher mit einer neuen Organisationsstruktur: 1914 löst Warburg die beiden existierenden Abteilungen
(„Physikalische“ und „Technische“) auf und gliedert die PTR in
einer neuen Struktur in fachlich unterschiedene Abteilungen für
Optik, Elektrizität und Wärme, die jede eine rein wissenschaftliche und eine für technische Prüfungen zuständige Unterabteilung besitzen. Als 1923 die Reichsanstalt für Maß und Gewicht
vor allem aus finanziellen Gründen in der PTR aufgeht, entsteht
dadurch eine zusätzliche Abteilung, deren Aufgabe die Längen-,

Mit seiner selbstkonzipierten Verflüssigungsanlage gelingt es Walther
Meißner 1925 zum ersten Mal in Deutschland, 200 cm3 flüssiges Helium
herzustellen. Als Kühlmittel ist es unerlässlich in der Tieftemperaturphysik,
z. B. zur Untersuchung der Supraleitung.

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Gewichts- und Volumenmessung sind – einhergehend mit vielen
Verpflichtungen im Eichwesen. Mit diesem Schritt erhält die PTR
ein einmaliges Aufgabenprofil, das die Aufgaben einer modernen
Forschungseinrichtung und einer Behörde kombiniert: Sie soll
durch eigene Forschung und Entwicklung und darauf aufbauende Dienstleistungen für die Einheitlichkeit des Messwesens und
dessen stete Weiterentwicklung sorgen, um Bürgern, Wirtschaft
und Wissenschaft zu dienen. Ein Profil, dem die PTB auch heute
noch verpflichtet ist.

Die PTR im Dritten Reich

Der Krieg hat große Schäden am Hauptgebäude der PTR in Berlin hinterlassen.

Mit der Nazi-Herrschaft beginnt auch für die PTR ein dunkles
Kapitel. Der überzeugte Nationalsozialist und Protagonist einer
„Deutschen Physik“ Johannes Stark wird gegen den einhelligen
Rat aller Fachleute in das Präsidentenamt eingesetzt. In seinem
Bestreben, auch in der Reichsanstalt das „Führerprinzip“
durchzusetzen, löst Stark 1935 das Kuratorium auf und schreibt
sich selbst alle Kompetenzen über die Ausrichtung der PTR zu.
Jüdische Mitarbeiter und Kritiker der NSDAP, wie z. B. Max von
Laue, werden entlassen. Albert Einstein, Kuratoriumsmitglied
und seit Jahren mit der PTR eng verbunden, sieht sich bereits 1933
zur Immigration gezwungen – anders als von Laue wird er nach
Ende des II. Weltkrieges keinen Kontakt mehr zur PTR/PTB aufnehmen. Unter Stark stellt die PTR zahlreiche Forschungsrichtungen ein, da die antisemitische Ideologie Zweige der als „jüdisch“
apostrophierten modernen Physik – wie die Quantentheorie oder
die Relativitätstheorie – schroff ablehnt. Stattdessen werden Themen aufgegriffen, die dem Dritten Reich bei seiner militärischen
Aufrüstung dienlich und potenziell kriegswichtig erscheinen. So
gründet Stark ein Akustik-Labor und betont dessen militärisch
wichtige Aufgaben. Diese Militarisierungstendenzen verstärken
sich auch unter Starks Nachfolger, Abraham Esau, einem Experten auf dem Gebiet der Hochfrequenzphysik, dessen Präsidentschaft nahezu vollständig in die Zeit des II. Weltkriegs fällt und
der die PTR noch stärker auf militärtechnische Themen ausrichtet. Die Bombenangriffe auf Berlin erzwingen die Verlegung
mehrerer Abteilungen an andere Orte in Deutschland, etwa ins
thüringische Weida. 1945 ist die Reichsanstalt faktisch zerschlagen und über alle Lande außerhalb Berlins zerstreut.

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Die PTB: Neugründung in Braunschweig

Der Physiker Max von
Laue ist langjähriger
Berater der PTR und
maßgeblich an ihrer
Neugründung nach
Ende des Zweiten
Weltkrieges beteiligt.

Dem Idealismus mehrerer ehemaliger Mitarbeiter der PTR, dem
selbstlosen Einsatz einiger Wissenschaftler außerhalb der PTR
und der wohlwollenden Unterstützung der britischen Militärregierung ist es zu verdanken, dass Teile der alten Reichsanstalt
schon 1947 ihre Arbeit wieder aufnehmen können, wenn auch
unter schwierigsten Bedingungen. Von entscheidender Bedeutung
ist Max von Laue, ehemals Berater der PTR für Theoretische Physik, der bereits während seiner Internierung in Farm Hall erste
Ideen für die Neugründung der PTR entwickelt. Ihm gelingt es,
die britischen Besatzungsbehörden zu überzeugen, die ehemalige
Luftfahrtforschungsanstalt Völkenrode bei Braunschweig für
einen Neuaufbau der PTR zur Verfügung zu stellen. Als Vortrupp
siedelt die Akustik-Abteilung im Januar 1947 von Göttingen nach
Braunschweig über. Als im Sommer 1948 Wilhelm Kösters, der
langjährige Direktor der Abteilung 1 und damalige Leiter der
Berliner Rest-PTR, zum ersten Präsidenten ernannt wird, kommen auch zahlreiche ehemalige Mitarbeiter der PTR aus Berlin,
Weida und Heidelberg nach Braunschweig, sodass der Aufbau der
Anstalt einen nachhaltigen Impuls erhält. 1948 arbeiten dadurch
bereits wieder 38 Wissenschaftler, 47 Techniker und 20 Arbeiter
am Standort Braunschweig-Völkenrode.
Zwei Jahre später erhält die Einrichtung ihre neue Bezeichnung
Physikalisch-Technische Bundesanstalt und untersteht ab diesem Zeitpunkt der Regierung der noch jungen Bundesrepublik
Deutschland. Da am historischen Standort Berlin-Charlottenburg
die komplizierte politische Lage den Aufbau verzögert, wird
das „Institut Berlin“, so der neue Name der wiederhergestellten
Gebäude und Laboratorien in Berlin, erst 1953 als Teil der neuen
PTB aufgenommen.

Wachstumsphase und Wiedervereinigung
Die junge PTB in Braunschweig und Berlin erlebt – synchron
zur jungen Bundesrepublik – ein rasantes Wachstum. Mit dem
Bruttosozialprodukt steigt auch der Haushalt der PTB, die Zahl
der Beschäftigten wächst kontinuierlich, die Wissenschaft erobert
stetig neues metrologisches Terrain und die metrologischen
Dienstleistungen, vor allem die Kalibrierungen für die deutsche
Industrie, werden immer zahlreicher. Dies führt Mitte der 70er
Jahre zur Gründung des Deutschen Kalibrierdienstes (DKD).
Privatwirtschaftliche Laboratorien, von der PTB akkreditiert,
können nun selbstständig Kalibrierungen für die Industrie ausführen, während sich die PTB auf anspruchsvollere Messaufgaben
beschränken kann. 1990 wird die PTB auf einen Schlag größer:
Als Folge der politischen Wiedervereinigung Deutschlands
kommt es auch zu einer „metrologischen Wiedervereinigung“.
Nachdem das „Amt für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung“ der ehemaligen DDR aufgelöst ist, übernimmt die PTB
den Standort Berlin-Friedrichshagen als zusätzliche Außenstelle
(die in den Folgejahren allerdings aus wirtschaftlichen Gründen
schrittweise aufgegeben wird), einen Großteil der messtechnischen Aufgaben des ASMW und über 400 Mitarbeiter. Nach
diesem starken, einmaligen Personalzuwachs muss die PTB dem
politischen Willen folgen und in den Folgejahren (und bis heute)
ihren Personalbestand kontinuierlich kürzen. Ungeachtet dessen
nehmen die Aufgaben der PTB weiter zu – und dies nicht nur im
nationalen Rahmen, in dem die PTB mit ihrer metrologischen
Kompetenz (formal festgeschrieben im Einheiten- und Zeitgesetz)
die zentrale Position innehat. Die PTB wirkt weit über die nationalen Grenzen hinaus, vernetzt sich immer enger mit ihren europäischen Partnern (bis hin zur Aufstellung eines gemeinsamen
Metrologieforschungsprogramms) und spielt eine tragende Rolle
in der globalen Metrologie. Heute gehört die PTB zu den größten
nationalen Metrologieinstituten weltweit und trägt maßgeblich
dazu bei, den Anspruch eines weltweit einheitlichen Messwesens
zu verwirklichen.

Zusammentreffen bei der
Einhundertjahrfeier der PTB in
Braunschweig: Bundespräsident
Richard von Weizsäcker, PTBPräsident Dieter Kind und ASMWPräsident Helmut Lilie (v. li.)

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PTR und PTB: Geschichte einer Institution

Ausgewählte wissenschaftliche Ergebnisse
1895	 Erste Hohlraumstrahler werden von Otto Lummer und Willy Wien 		
	entwickelt.
1896	 Willy Wien formuliert ein Strahlungsgesetz für den Schwarzen
	
Körper (Physik-Nobelpreis für Wien: 1911).
1899	 Otto Lummer und Ernst Pringsheim stellen experimentell 		
	
Abweichungen vom Wien’schen Strahlungsgesetz fest.
1900 	 Max Planck findet auf der Grundlage der PTR-Messungen eine exakte 	
	
Beschreibung der Wärmestrahlung des Schwarzen Körpers (Nobel-		
	
preis für Planck: 1918).
1913 	 Hans Geiger baut das Labor für Radioaktivität auf und entwickelt ein 	
	
Zählrohr zum Nachweis einzelner Strahlungsquanten.
1913 	 Walther Meißner beginnt Tieftemperatur-Experimente und unter-		
	
sucht die Eigenschaften von flüssigem Wasserstoff und anderen 		
	Materialien.
1915 	 Albert Einstein entwickelt zusammen mit Wander Johannes de 		
	
Haas ein Experiment (das einzige seiner Laufbahn als Theoretischer 	
	
Physiker) zur Überprüfung der Ampère’schen Molekularstromhypo-	
	these.
1920 	 Harald Schering entwickelt eine Brücken-Methode zur Messung
	
von Kapazität und Verlustwinkel bei hohen Wechselspannungen 		
	(Schering-Brücke).
1920 	 Ernst Gehrcke und Ernst Lau messen die Feinstruktur des H2-Spekt-		
	rums.
1924 	 Walther Bothe und Hans Geiger entwickeln die Koinzidenzmessme-		
	
thode und weisen nach, dass es sich beim Compton-Effekt um die 		
	
Streuung eines Photons an einem Elektron handelt (Physik-Nobelpreis 	
	
für Bothe, 1954).
1925 	 Walther Meißner gelingt in seinem Kältelaboratorium die Verflüssi-		
	
gung von Helium.
1925 	 Ida Tacke und Walther Noddack gelingt der Nachweis eines bisher 		
	
unentdeckten Elementes (Ordnungszahl 75, Rhenium) im Perioden-		
	system.
1928 	 Wilhelm Kösters führt Normallampen für die interferentielle Längen-	
	
messung von Endmaßen ein.
1929 	 Walther Bothe und Werner Kolhörster weisen nach, dass es sich bei 		
	
der kosmischen Strahlung um relativistische geladene Teilchen 		
	handelt.
1932	 Adolf Scheibe und Udo Adelsberger entwickeln die erste Quarzuhr in 	
	Deutschland.

1932 	 Walther Meißner und Robert Ochsenfeld entdecken die vollständige 		
	
Verdrängung des magnetischen Flusses aus dem Inneren eines 		
	
Supraleiters (Meißner-Ochsenfeld-Effekt).
1951 	 Ernst Engelhard entwickelt eine Kryptonlampe, mit der eine Wellen-		
	
länge sehr präzise reproduziert werden kann.
1957 	 Die Einheit Ohm wird auf grundlegend neue Weise (auf der Basis 		
	
einer berechenbaren Induktivität) bestimmt.
1959 	 Die offizielle Aussendung von Zeitzeichen und Normalfrequenz über 	
	
den Sender DCF77 in Mainflingen beginnt.
1967 	 Der Forschungs- und Messreaktor (FMRB) geht in Betrieb.
1969 	 Die erste Caesium-Atomuhr CS1 der PTB tickt.
1972 	 Erster einheitlicher Wert für die Josephson-Konstante (gemessen in 		
	
der PTB und ihren Schwesterinstituten in den USA, Großbritannien 		
	
und Australien) wird festgelegt.
1980 	 Der Quanten-Hall-Effekt erweist sich als geeignet zur Reproduzierung 	
	
der Einheit Ohm.
1984 	 Der Elektronenspeicherring BESSY I wird primäres Strahlungsnormal.
1986 	 Die zweite CS-Atomuhr der PTB CS2 geht als genaueste Uhr ihrer 		
	
Zeit in Betrieb.
1987 	 Erstmalige Messung biomagnetischer Signale aus dem Hirnstamm.
1987 	 Erzeugung der Spannungseinheit Volt gelingt mit einer Reihenschal-		
	
tung von 1400 Josephson-Tunnelelementen.
1990 	 Die strahlungsthermometrischen Messungen der PTB schaffen die 		
	
Grundlage für den Hochtemperaturbereich der Internationalen 		
	
Temperaturskala (ITS-90).
1993 	 Ein erstes metrologisches Rastertunnelmikroskop wird realisiert.
1995 	 Die weltweit erste phasenkohärente Messung einer optischen Fre-		
	
quenz durch direkten Vergleich mit einer Caesium-Atomuhr wird 		
	durchgeführt.
1996 	 Als erste Institution in Deutschland nimmt die PTB einen 3-Tesla-		
	
Ganzkörper-Magnetresonanz-Tomografen in Betrieb.
2000 	 Die Caesiumfontänenuhr CSF1 der PTB trägt zur Realisierung der 		
	
internationalen Atomzeit bei.
2006 	 Das weltweit erste programmierbare 10-Volt-Josephson-Spannungs-		
	
normal in SINIS-Technologie zur direkten Rückführung elektrischer 	
	
Wechselstromgrößen auf Naturkonstanten wird fertiggestellt.
2010 	 Neuer Wert für die Avogadro-Konstante aus 28Si ist ein Meilenstein 		
	
auf dem Weg zur Neudefinition des Kilogramms auf der Basis von 		
	Naturkonstanten.

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www.ptb.de
Stand: Juni 2015

Die Physikalisch-Technische
Bundesanstalt, das nationale
Metrologieinstitut, ist eine
wissenschaftlich-technische
Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Energie.
        
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