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Raumentwicklung und Nacht

Full text: Forum Raumentwicklung Issue 2015,3 Raumentwicklung und Nacht

03.2015

forum
raumentwicklung
du développement territorial
sviluppo territoriale
Informationsheft
Bulletin d’information
Bollettino d’informazioni

Raumentwicklung und Nacht
> Die Folgen der 24-Stunden-Gesellschaft

Aménagement du territoire et vie nocturne
> La société 24h /24 et ses conséquences

Lo sviluppo territoriale e la notte
> Le conseguenze della società delle 24 ore

Bundesamt für Raumentwicklung ARE
Office fédéral du développement territorial ARE
Ufficio federale dello sviluppo territoriale ARE
Uffizi federal da svilup dal territori ARE

03.2015

f or u m

INHALT

EDITORIAL

3

LEITARTIKEL Zwischen Bewahrung und Eroberung der nächtlichen Stadt

4

PRAXIS Die Nacht als wichtiges Element der Planung

8

FORSCHUNG Szenarien zur 24-Stunden-Gesellschaft im Bereich Mobilität

12

STÄDTE Berner Konzept Nachtleben will Konflikte entschärfen

16

STÄDTE Basel beurteilt lärmintensive Veranstaltungen

19

ZU GAST « Das ständige Aushandeln gehört zu einer lebendigen Stadt.»

Gespräch mit Alexandra Heeb

20

PRAXIS Die Nachtlandschaft im Naturpark Gantrisch

26

PRAXIS Lösungswege für Konflikte im städtischen Nachtleben

28

AUSLAND Lyon: Zwischen funktionaler und ästhetischer Beleuchtung

30

REPORTAGE Auf der Suche nach der Nacht

34

KOLUMNE Nächtliche Jagd nach Tankstellenshops

38

SOMMAIRE
EDITORIAL

41

GRAND ANGLE Entre patrimonialisation et exploitation des nuits urbaines

42

PRATIQUE La nuit, composante essentielle des plans d’aménagement

46

RECHERCHE Scénarios d’évolution de la société 24h/24 dans le domaine de la mobilité 50
VILLES La ville de Berne s’est dotée d’un Concept pour la vie nocturne afin

de désamorcer les conflits

54

INVITEE « Une ville vivante est une ville qui sait négocier, toujours. »

Entretien avec Alexandra Heeb

58

ETRANGER Ville de Lyon : entre éclairage fonctionnel réfléchi et esthétique

64

REPORTAGE A la recherche du cœur de la vie nocturne

68

POINT DE VUE Errance nocturne à la recherche d’un pack de bières

72

SOMMARIO
EDITORIALE

75

ARTICOLO DI FONDO Tra patrimonializzazione e conquista della città notturna

76

PRAXIS La notte: un importante elemento della pianificazione

80

RICERCA Scenari per la società delle 24 ore nel settore della mobilità

83

CITTA A Berna, il Concetto Vita Notturna intende disinnescare conflitti

86

OSPITE “La mediazione permanente fa parte di una città viva.”

Intervista con Alexandra Heeb
REPORTAGE Alla ricerca della notte

90
96

RUBRICA Caccia notturna ai negozi delle stazioni di servizio

100

IMPRESSUM

103

forum raumentwicklung 03 / 2015

une ville qui sait négocier

Konzept Nachtleben
cambiamento dei valori

Neonlicht

Freizeitintensität

le noctambule

la ville 24 heures sur 24

il mondo liberalizzato di EGO

tavole rotonde
sauver la situation
bedarfsoptimierte Einsätze

Take-away
nos besoins de sécurité

un laboratoire d’essai

Neonlicht

maintenir un service minimum de transports

Tag-Nacht-Rhythmus
le plan-sécurité

Lichtgestalter
Überzeitbewilligung

Littering
Sperrstunde

l'espace public urbain
Bahnhofsunterführung

gli spazi liberi
Alkoholprävention

la pollution lumineuse
i conflitti d’utilizzazione

Dialogkultur

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.
Les contributions des personnalités invitées à s'exprimer dans ce numéro ne reflètent pas forcément l'opinion de la rédaction.
I contributi firmati non rispecchiano necessariamente l'opinione della redazione.

EDITORIAL

Wann halten Sie sich im öffentlichen Raum auf? Montags bis freitags zwischen 6.30 und

«Unsere Raumentwick-

20 Uhr, an warmen Sommerabenden vielleicht bis 22 Uhr? Angenommen, Sie sind über

lung kennt nur den Tag.

30 Jahre alt und erwerbstätig, dann haben Sie ziemlich sicher eine solche «Tageswahr-

Die Nacht kommt darin
nicht vor. Noch nicht.»

nehmung» unserer Lebenswelt. Vor diesem Hintergrund planen und gestalten wir sie
auch. In ihrer kumulierten Wirkung führt diese Ausrichtung auf einen klaren Tages- und
Wochenablauf zu Morgen- und Abendspitzen im Verkehr. Dagegen herrscht um 5.30 Uhr
früh auf Plätzen und Strassen gähnende Leere. Zwar sind die ersten Strassenwischer
unterwegs, Camions liefern Frischware und die Zeitungsverträger schwärmen aus.
Aber ansonsten dominieren Ruhe, Dunkelheit und Leere. Und ab 23 Uhr stellt sich
wieder Stille ein. Ist die Nacht also eine Kapazitätsreserve?
Allerdings stimmt die klare Zweiteilung in Tag und Nacht nicht mehr immer und überall. Denn an die Stelle verstaubter Gastrobetriebe ist die Mediterranisierung mit einer breiten Palette von Strassenbeizen und Buvetten getreten. Im Zuge der Liberalisierung wurde die unpopuläre Polizeistunde abgeschafft, die Ladenöffnungszeiten
wurden flexibilisiert. Kurz: Ein Hauch von Grossstadtgefühl weht durch die Schweiz!

Maria Lezzi

Direktorin ARE
maria.lezzi@are.admin.ch

Vor allem gegen Ende der Woche sind an den Brennpunkten dieser neuen Nachtökonomie erstaunlich viele Menschen unterwegs. Die tagsüber unscheinbaren Clubeingänge sind nun grell beleuchtet, Menschentrauben drängen sich davor, Musik dröhnt
heraus. An den Bushaltestellen im Aussenquartier kreuzen sich vor Mitternacht die
«Ü30»-Heimkehrer mit der unternehmungslustigen Jungmannschaft auf dem Weg in
den Ausgang. Beim Nachtvolk ist Schichtwechsel angesagt. Die Kehrseite der Medaille
der nächtlichen Nutzungsintensivierung sind zunehmende Nutzungskonflikte: «Schlafen vs. Action». Die öffentliche Hand reagiert darauf, indem sie versucht, die offensichtlichsten Symptome zu managen. Wie würde wohl eine dynamische «Landkarte der
Nacht» aussehen?
Bisher fehlen der Raumentwicklung in der Schweiz die zeitlichen und kulturellen Perspektiven: Wir müssen das Phänomen der vielfältigen, mehrschichtigen 24-StundenGesellschaft ernst nehmen und überprüfen, ob die Planungsansätze der Vergangenheit
den Rahmenbedingungen von heute noch gerecht werden. Klarheit bringen kann ein
gesellschaftlicher Aushandlungsprozess, in dem festgelegt wird, welche Verhaltensund Nutzungsweisen wann und wo erwünscht sind, was noch toleriert werden kann
und wo die Grenzen überschritten sind. Dies gilt für den öffentlichen Raum ebenso
wie für Wohnquartiere und Landschaften. Und in gewissen Regionen sind dann «Natural Lightscapes» die richtige Antwort. Diese integrierte Raumplanung hat sich auch
um Chancen und Risiken der räumlichen Ausdehnung nächtlicher Aktivitäten und deren Regulierung und Ermöglichung zu kümmern. Denn nur, wenn man Tag und Nacht
als Einheit sieht, eröffnen sich innovative und nachhaltige Entwicklungsszenarien.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Editorial

3

LEITARTIKEL

Zwischen Bewahrung
und Eroberung der
nächtlichen Stadt
Luc Gwiazdzinski

luc.gwiazdzinski@ujf-grenoble.fr

4

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Leitartikel

In der Schöpfungsgeschichte steht, Gott
habe das Licht von der Finsternis getrennt
und das Licht Tag und die Finsternis Nacht
genannt. So gab es einen ersten Abend
und Morgen, einen ersten Tag. Dieser
grundlegende Wechsel hat das Leben auf
der Erde strukturiert und die Funktionsweise unserer Städte ebenso wie unsere
individuellen und kollektiven Rhythmen
geprägt. Aber die Zeiten ändern sich. In
der Stadt hat sich der Tag-Nacht-Rhythmus verschoben, die Gesellschaft hat
sich gewandelt und die Stadtplanung
steht vor neuen Fragen. Die Nacht, ein
Zerrbild des Tages, hat der Stadt und der
Welt viel mitzuteilen.

Die Menschen haben seit jeher unermüdlich
versucht, die Grenzen der bekannten Welt zu
erweitern, sich die Natur untertan zu machen
und ihre Herrschaft über den ganzen Planeten auszudehnen. Diese Eroberung der Welt
ist heute fast abgeschlossen – mit Ausnahme
der Nacht. Der Zeitraum, in dem die meisten
menschlichen Aktivitäten ruhen, stellt eine
letzte Grenze und eine innere Welt dar, die
es zu erkunden gilt. Die Nacht wurde lange
als eine Art Unterbrechung wahrgenommen,
als Zeit der Finsternis und Dunkelheit, des
Schlafes und der Sperrstunde, als vergänglicher und immer wiederkehrender Zeitraum,
der kaum bevölkert und belebt ist. Die nächtliche Stadt hat noch nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben. Im Dunkeln scheint sie
der Hälfte ihrer Existenz beraubt und einzig
den Poeten und Künstlerinnen ausgeliefert
zu sein. Nur wenige Forschende, Stadtväter
und Stadtplanerinnen interessierten sich für
sie. Aber die Zeiten ändern sich.
Beschleunigte Kolonisierung

In ihrem ständigen Bestreben, sich von den
Rhythmen der Natur zu emanzipieren, haben
die Menschen das städtische Leben zuneh-

mend künstlich geformt und die Nacht kolonialisiert. Während Jahrtausenden blieben Siedlungen nachts in Dunkel gehüllt. Unterdessen
hat das Licht aber den städtischen Raum immer mehr in Besitz genommen und die bedrohliche Dunkelheit zum Teil verdrängt. Bei
dieser Eroberung der nächtlichen Stadt hat
die Verbreitung der öffentlichen Beleuchtung
eine entscheidende Rolle gespielt. Sie hat die
Ausdehnung von Aktivitäten auf die Nachtstunden und die Entwicklung eines nächtlichen öffentlichen Raums ermöglicht. Dank
der Sommerzeit können wir den Stadtraum
länger geniessen. Die öffentliche Beleuchtung greift um sich und ihre Funktion verändert sich: Sie dient immer weniger der Sicherheit und immer mehr der Annehmlichkeit.
«Lichtgestalter» formen die Nacht und verleihen unseren Städten eine nächtliche Identität. Industrielle Betriebe arbeiten ohne Unterbruch, damit ihre Einrichtungen rentieren. In
den meisten Branchen ist die Nachtarbeit zur
Normalität geworden: Fast 18 Prozent aller
Arbeitnehmenden sind davon betroffen. Immer mehr Dienstleistungsunternehmen rühmen sich, an sieben Tagen die Woche und
rund um Uhr erreichbar zu sein. Überall auf
der Welt wird das Verkehrsangebot ausgebaut
und verdichtet. Viele Aktivitäten verschieben
sich in die Abendstunden und das nächtliche
Geschäftstreiben breitet sich aus. Das Nachtleben floriert und die Nacht ist zu einem eigenständigen Wirtschaftssektor geworden.
Im städtischen Raum gibt es zahllose Automaten, die nächtlichen Konsum ermöglichen,
und an «Special Nights» machen Eventveranstalter Kasse. Partys beginnen immer später
und sendefreie Zeiten in den Medien gehören
längst der Vergangenheit an: Radio und Fernsehen sind nonstop im Äther und im Internet
lässt sich die ganze Nacht surfen. Die Nacht –
während langer Zeit ein geschützter Raum, für
den spezielle Gesetze galten – wird zum Tag.
Sogar die biologischen Rhythmen scheinen
sich geändert zu haben: Geschlafen wird immer weniger und man geht statt wie vor 50

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Leitartikel

Jahren um 21 Uhr erst um 23 Uhr zu Bett. Die
eigentliche Nacht beschränkt sich heute auf
die Zeit zwischen 1.30 und 4.30 Uhr. Je internationaler ein Gebiet ist, desto mehr Kontinuität wird von Wirtschaft und Netzwerken
verlangt – ein Phänomen, das alle Territorien
mehr oder weniger betrifft.
Neue Landkarten

Nachts entsteht für einige Stunden eine
neue Landkarte der Aktivitäten, die den städtischen Raum unterteilt: in eine Stadt, die
schläft; eine, die ständig arbeitet; eine, die
sich amüsiert, und eine, die nur tagsüber belebt ist. Es entwickeln sich nächtliche Zentren, die oft nicht mit den Zentren am Tag
übereinstimmen. Je später es wird, desto
kleiner wird das Angebot an Aktivitäten. Die
Stadt wird enger und zieht sich in ihren historischen Kern zurück. Licht und Leben konzentrieren sich auf diese wenigen Quartiere. Die
Freiheit des nach Vielfalt suchenden Nachtschwärmers scheint also eine Illusion zu sein.
Spannungen und Konflikte

Spannungen verschärfen sich in der Nacht, in
der grundlegende wirtschaftliche, politische
und gesellschaftliche Differenzen deutlich
werden. Zwischen den international tickenden Uhren der Geschäftsleute und der auf
Ortszeit laufenden Uhr der Bevölkerung, zwischen der rastlosen Stadt der Wirtschaft und
jener der Gesellschaft, die dem Tag-NachtRhythmus folgt, zwischen immerwährendem
Handel und nächtlich stillstehenden Warenlagern entstehen Spannungen, brechen Konflikte aus und werden Grenzen aufgebaut, an
denen sich «Frontbereiche» erkennen lassen – Gebiete, in denen die Nonstop-Gesellschaft und die 24-Stunden-Stadt an Terrain
gewonnen haben, aber auch Zonen, in denen
der Widerstand obsiegte. Die arbeitende, die
schlafende und die sich amüsierende Stadt
vertragen sich nicht immer. In den Stadtzentren kommt es zu Konflikten zwischen der

5

ruhebedürftigen Bevölkerung und lärmigen
Besuchern von Nachtlokalen, die ein Gradmesser sind für die Entwicklung des nächtlichen öffentlichen Raums. Anderswo verlangen intensive Beleuchtung und Lichtverschmutzung nach neuen Regeln.
Neue öffentliche Politiken

noch gar nicht stattgefunden hat, werden
bereits verschiedenste Initiativen ergriffen.
Nachtbürgermeister, Etats généraux de la
nuit wie in Paris, Genf und Lausanne oder
Zeitbüros: Überall entstehen öffentliche Vorstösse im Rahmen von Politiken, welche die
Frage aufwerfen, wer Anrecht auf die Stadt
in der Nacht hat.

Angesichts des Drucks versuchen die Behörden, die Kontrolle über die Nacht zu bewahren und legen Regeln für Raves und den
nächtlichen Autoverkehr fest, lockern aber
gleichzeitig die Sperrstunde und bauen das
nächtliche Angebot aus, um die Nächte in der
Stadt noch attraktiver zu gestalten.  Obwohl
die grosse Debatte über die 24-Stunden-Stadt

Zeitorientierte Stadtplanung

6

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Leitartikel

Angesichts dieser Entwicklungen müssen die
Beziehungen der Stadt und ihrer Nutzer zu
Zeiten und Räumen neu überdacht werden,
wobei Events und Alltag, das Aussergewöhnliche und die Normalität zu berücksichtigen
sind. Das Mittel dazu ist eine zeitorientier-

te Stadtplanung. Sie ist definiert als Gesamtheit von Plänen, von zeitlichen Massnahmen
und kohärenten raum- und zeitwirksamen
Vorkehrungen, die eine optimale Organisation der technischen, gesellschaftlichen und
ästhetischen Funktionen der Stadt erlauben
und so eine menschlichere, zugänglichere
und gastfreundlichere Metropole gewährleisten. Das Ziel ist eine «Temporär-Stadtplanung», die sich auf jene Nutzungen konzentriert, welche die städtischen Räume zu
bestimmten Zeiten nur vorübergehend beanspruchen, und die auf einem Kalender aufbaut, der eine Koordination dieser Aktivitäten ermöglicht. Insofern es sich dabei um
eine reversible Planung handelt, kann sich
die Stadt dadurch ausgehend von vorüber-

gehenden Inszenierungen und Einrichtungen
entwickeln. Eine solche sanfte Stadtplanung,
die auf dem Leichten, Demontierbaren und
Temporären aufbaut, lässt Experimente zu.
Allgemeiner ausgedrückt: Eine solche Stadtplanung beschäftigt sich mit der Vielseitigkeit
und der flexiblen Nutzung von Räumen, also

mit der Idee einer «modulierbaren Stadt». Sie
erforscht das Konzept des «temporären Wohnens» und fordert dazu auf, sich Gedanken
über eine «vorübergehende und situative Zugehörigkeit zur Stadt» und eine «offene und
situative Identität» zu machen. Instabilität,
Vergänglichkeit, Bewegung und Diskontinuität bedeuten nicht das Ende von Geschich-

te, Geografie oder Politik. Damit wird nicht
der Tod eines Territoriums besiegelt, sondern
seine Komplexität, Vielgestaltigkeit und Farbigkeit akzeptiert. Die Weiterentwicklung der
Beziehungen zwischen Zeit, Raum und temporären Bewohnern ermöglicht es, sich neue
Instrumente und «Vertrauensverträge» vorzustellen.
Im Spannungsfeld von Sicherheit und Freiheit, Bewahrung und Eroberung angesiedelt, stellt uns die nächtliche Stadt heute vor
grosse Herausforderungen. Die Städte müssen ein letztes Territorium erschliessen und
haben dabei den Schlüssel in der Hand, um
das Zusammenleben und die Dauerhaftigkeit
der urbanen Systeme zu ermöglichen. Die
Gemeinwesen sind aufgefordert, die räumliche und zeitliche Gestaltung neu zu definieren, um Konflikte, eine zeitliche Segregation und die negativen Auswirkungen einer
«Zeitschere», die Gruppen und Einzelne voneinander trennt, zu vermeiden. Gefordert
sind auch die Forschenden, denen sich keine schönere Aufgabe stellen könnte, als das
Mysterium der Nacht zu erhellen. Und letztlich stehen wir alle vor der entscheidenden
Frage: Wollen wir überhaupt eine 24-Stunden-Stadt? Wollen wir, dass die Werte und
Regeln des Tages auch für die Nacht gelten?
Lohnt sich der Aufwand?
—

LUC GWIAZDZINSKI, *1966, ist Geograf, Direktor des

Institut de géographie alpine (IGA) der Universität
Grenoble Alpes, Leiter des Master-Studiums Innovation
et territoire (www.masteriter.fr), Forscher am Laboratoire Pacte (UMR 5194 CNRS) am MOTU (Milano) und
Mitglied von EIREST (Paris 1 Panthéon Sorbonne). In
seinen Arbeiten beschäftigt er sich insbesondere mit der
Nacht, der 24-Stunden-Stadt und der Chrono-Urbanistik.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Leitartikel

7

PRAXIS

Die Nacht als
wichtiges Element
der Planung
Rainer Klostermann

r.klostermann@fkurb.ch

aufgehoben werden müssen. Dazu wird der
alte Konkurrenzkampf durch kooperative Modelle der Stadt-, Raum- und Wirtschaftsplanung ersetzt. Urbane Räume sind gelebte
Verdichtung und daher auch Inkubatoren für
Neues. Hier erhalten innovative Formen von
Verkehr, Ökologie und Zusammenleben die
Chance für einen Praxistest. Städte sind somit
Experimentierfelder für neue, integrale Effizienz, die man noch bewusster nutzen sollte.

Die Stadt von heute wird immer intensiver genutzt. Diese Verdichtung schmälert
zwar die freie Wahl, Neues auszuprobieren. Umso mehr sind Innovationen gefragt, die das enge Zusammenleben weiterhin ermöglichen. Ob Tag oder Nacht,
Freiräume machen eine Stadt aus und sind
Voraussetzung dafür, dass die urbanen
Zentren langfristig ihre Funktion als treibende Innovatoren wahrnehmen können.

Die Schweiz hat allen Grund, sich mit dem
traditionellen Verständnis der Abgrenzung
von Stadt und Land stärker auseinanderzusetzen, sei es in räumlicher, soziokultureller oder allenfalls sogar politischer Hinsicht.
In einer Konföderation von 26 Kantonen, die
wiederum von einer grossen Gemeindeautonomie und marktwirtschaftlichem Konkurrenzdenken geprägt sind, kommt dem Thema
eine hohe Priorität zu. So ist etwa die Zersiedelung nicht zuletzt auch eine Folge der intensiven Wettbewerbssituation sowohl zwischen den Kantonen als auch innerhalb derselben: Strukturell versucht man zwar, sich
mit der Etablierung von Metropolitanräumen
auf einer grösseren Ebene zu koordinieren.
Doch gerade die Kommunen der Agglomerationsgürtel kämpfen mit ihrem Umland um
Identität, Funktionen und Nutzungen. Langfristig Erfolg versprechend ist, wenn die betroffenen Gemeinden zu einem eigenen
Selbstbewusstsein und zu urbanem Denken
finden. Dieses Denken sollte grenzüberschreitend sein, ohne dass politische Grenzen

8

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Praxis

Die Landschaft als Gegenkraft zur Stadt

Das Beziehungsgeflecht zwischen Stadt und
Land präsentiert sich komplex. Es gibt für
ein Zusammenwirken kein Patentrezept. Entwürfe bleiben oft Fragmente oder überholen
sich selbst durch eine ständige Weiterentwicklung, wobei aber auch provisorische Lösungen durchaus funktionieren können und
damit Bestandteil urbanen Denkens sind.

Hingegen gibt es in einer expandierenden
Wirtschaft kaum Siedlungsraum, der zurückgebaut und bewusst der Natur zurückgegeben wird.
Ein rares Beispiel dafür ist eine inzwischen
berühmte Strasse nördlich von Zürich, über
deren Weiterverwendung oder eben Aufhebung sich die Geister seit Jahren scheiden,
während die Strasse selbst langsam zerfällt.

Wenn es um den Schutz von vernetzter Natur geht, werden professionelle Lobbys aktiv, und die Schweiz verfügt über durchaus
wirksame Gesetze. Für die Ökologie in urbanen Gebieten hingegen ist sehr viel Kreativität gefragt. Diese Gebiete müssen als Landschaft in der Stadt weiterentwickelt werden.
In grossen Städten werden diesbezüglich bereits heute neuartige Ideen umgesetzt. Dieser Umbau beginnt in der Schweiz in kleinen

Kreisen, mit Bienenzüchtern an der Zürcher
Langstrasse oder Urban Gardening auf den
Dächern – eben im alltäglichen Wirkungskreis der Bürgerschaft, neben der beruflichen
Erwerbstätigkeit. Man orientiert sich dabei
an der Green Line in New York oder den berühmten Parkanlagen englischer und amerikanischer Städte, handelt aber – typisch
schweizerisch – im Kleinen. Die Investitionen
sind allerdings immer noch sehr auf die
funktionalen Probleme von Wirtschaft und
Verkehr fokussiert, während in die Landschaft
im Sinn einer wertigen Gegenkraft zur Stadt
noch zu wenig investiert wird – die Landschaft bleibt das zu Schützende und könnte
doch Teil der Innovation sein.
Die Städte und der Austausch

Während man in der Agglomeration versucht, die Wunden der grossen Verkehrsinfrastrukturen zu kompensieren, wird in den
dichten Innenstädten immer mehr die Reduzierung des räumlich ineffizienten Strassenverkehrs geübt: Die verdichtete Stadt strebt
die Fussgängerräume, die «Mobilité Douce»,
eben den wirklich dichten Verkehr an. Dieser
ist direkt an den öffentlichen Verkehr gekoppelt. Kleinstädte und Dörfer leiden hingegen
oft in hohem Mass unter Verkehrsproblemen
und sporadisch hohen Lärmemmissionen –
dies trotz wenig genutzter Strassenräume.
Denn die nur in den Stosszeiten wirklich gebrauchten Strassenwüsten bestimmen die
Siedlungsräume rund um die Uhr. Der öffentliche Verkehr ist hier oft «Erfinder der Fussgehenden». Die Verkehrsinfrastrukturen in
der Stadt haben also immer eine wesentliche städtebauliche Komponente.
Die Städte und die Jugend

Städte sind Lebensräume, und diese müssen
für alle da sein. Älter werdende Menschen
kehren von der Agglomeration in die Innenstädte zurück, weil sie die Versorgung und
die Lebensqualität der Städte schätzen.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Praxis

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einen soziokulturellen Ausdruck dar, der regionale Unterschiede aufweist. Die Zeit,
als Licht blosser Ausdruck
des wirtschaftlichen Erfolgs
war, ist vorbei.

Ebenso wollen die jungen Menschen die
Potenziale urbaner Gesellschaften nutzen.
Dank der überaus hoch entwickelten Mobilität mögen diese Trends in den meisten Teilen der Schweiz nicht so stark sein wie im
Ausland, trotzdem ist diese Entwicklung ein
wichtiger sozialpolitischer Faktor.
Unabhängig von ihrem Alter wollen viele
Menschen Teil des Lebensraums Stadt sein.
Identität und Atmosphäre spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Städte stellen allerdings immer weniger Raum zur Verfügung, wo
neue, teils temporäre Lebensformen erprobt
werden können. Die urbanen Brachen gehen
zur Neige und das Leben ist für die betreffende Bevölkerungsgruppe generell zu teuer.
Es sind aber die Städte, die das Potenzial
haben, Leistungen und Aufenthalt neu zu organisieren. Jugendliche, Lernende und andere Suchende müssten sich vermehrt mit ihrer

10

Leistung einbringen können, um im Gegenzug
besser am Lebensraum beteiligt zu werden.
Dazu sollte es mehr Modelle geben, die einer
engagierten Jugend Angebote ausserhalb der
rein marktwirtschaftlichen Arbeit offerieren.
Daraus entstünde möglicherweise auch wieder mehr Raum für Experimente. Hier sind erweiterte Partnerschaften von Privaten und
der öffentlichen Hand gefragt.
Die Städte und die Dunkelheit

Dem baulichen Wachstum und der Mobilität folgt das Licht. Hier stellt sich die komplexe Herausforderung zwischen Bewahren
und Weiterentwickeln. Das Licht ist also nicht
isoliert zu betrachten; es kann nur in seinen
Zusammenhängen zur komplexen Urbanität verstanden und auch bearbeitet werden.
Licht ist ökonomisch, funktional, atmosphärisch und ökologisch zu verstehen. Es stellt

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Praxis

Der Gegenpol zum Licht ist
die Dunkelheit in all ihren
Variationen. So wie man die
Landschaft nicht einfach als
die Abwesenheit des Gebauten verstehen darf, wird die
Dunkelheit bei einem Weiterdenken der Stadt als Lebensraum immer wichtiger. Es gilt,
hier wie auch im Verkehr,
dass man nicht allen alles zu
jeder Zeit zur Verfügung stellen kann. Diese Einsicht bildet
den Ausgangspunkt für einen
Neuanfang beim Stadtentwurf. Die Stadt als integralen
Lebensraum zu sehen, heisst
für die Akteure der Stadtentwicklung, dass sie vermehrt
aufeinander reagieren und scheinbar nebensächliche Themen vermehrt wahrnehmen
müssen. Es gilt also, gleichsam den Schatten
mit zu entwerfen – und nicht wie bisher nur
das Licht. Man wird dann auch nicht von fehlenden Schatten überrascht. Die Frage nach
dem eigentlichen Bedarf wird dabei immer
wichtiger; das gilt für den Schatten genauso
wie fürs Licht. Die Stadt wird die Lichtnutzung
somit immer genauer bestimmen und dabei
effizient auf den jeweiligen Nutzen ausrichten müssen: Licht und Schatten haben nur
dann eine Berechtigung, wenn sie tatsächlich
gebraucht werden.
Die Nacht als spezielles Versuchslabor

Immer wieder trifft man Reisende, die von Megastädten erzählen, die nachts schlafen, wo
also erstaunliche Ruhe herrscht. Zwar hat sich
die Arbeits- und Freizeitintensität besonders

in dichten urbanen Gegenden zeitlich ausgedehnt, sodass das Kunstlicht einen regelrechten Siegeszug durch alle Städte der Welt antrat. Heute besteht aber Konsens darüber,
dass in Sachen Beleuchtung mehr Zurückhaltung geübt werden muss. Einmal mehr sind
die scheinbar schwachen Seiten zu schützen
und in ihren Werten zu schätzen. Oft ist es die
räumliche Leere, die man im überkommerzialisierten Leben anscheinend kaum mehr ertragen kann. Beim Licht ist dies die Dunkelheit, die den einschlägigen Zielen wie Sicherheit, Funktion und Atmosphäre geopfert wird.

Der technische Fortschritt kann zwar Abhilfe schaffen, muss aber in einem nachhaltigen Verhältnis zum klassischen ökonomischen Wachstum stehen. Höhere Lichtimmissionen, ausgelöst durch Mobilität, Sicherheitsbedürfnisse und steigende Ansprüche an
nächtliche Lebensqualität, treffen die Städte
je nach geografischer Lage in unterschiedlichen Ausprägungen. Solche Unterschiede
gelten bereits für die kleine Schweiz. Daraus
soll lokal eine Kultur weiterentwickelt, global aber verstärkt von der Dunkelheit her gedacht werden.

In gewissen Aspekten mag die 24-StundenStadt zwar funktionieren. Doch braucht der
Mensch weiterhin seine Ruhezeit – und er
lebt in aller Regel nach dem von der Sonne
geprägten Tag. Dem Bedürfnis nach Ruhe und
Dunkelheit muss die Stadt Rechnung tragen.
Die lebendige Stadt braucht die Nacht, wie
sie auch die Landschaft braucht.
—

RAINER KLOSTERMANN, *1958, studierte in Zürich, Wien

und Ahmedabad Architektur und Städtebau, er erlangte
sein Diplom 1983 an der ETH Zürich. Die ersten Praxisjahre arbeitete er bei Santiago Calatrava, Pierre Zoelly,
Burkhalter Sumi und Planpartner AG. 1989 gründete
er mit seinem Partner Pierre Feddersen das eigene Atelier
mit Ausrichtung auf städtebauliche Aufgaben. Viele
kleine Aufgaben gesellten sich zu Grossprojekten wie
die gestalterische Begleitung von AlpTransit Gotthard (seit 1993) und der
Glattalbahn (1998 – 2012).

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Praxis

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FORSCHUNG

Szenarien zur
24-StundenGesellschaft im
Bereich Mobilität
Fabienne Perret

fabienne.perret@ebp.ch

12

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Forschung

Eine Ausdehnung der Aktivitätszeiten in
die Nacht manifestiert sich auch im Verkehr, so viel scheint klar. Doch bedeutet
eine Zunahme des Zeitraums für Bewegung auch eine Zunahme der zurückgelegten Personenkilometer? Oder verteilen
sich die unternommenen Fahrten einfach
anders über den Tag respektive die Nacht?
Werden in der Nacht andere Ziele angefahren? Welche Verkehrsmittel werden
gewählt? Vier Szenarien zeigen, dass die
24-Stunden-Gesellschaft selbst bestimmt,
wie sie ihre Mobilität gestaltet. Entscheidend sind dabei die gesellschaftlichen
Werte.

Welche Auswirkungen hat die 24-StundenGesellschaft auf die Verkehrsströme und damit indirekt auf die benötigte Infrastruktur?
Aussagen dazu ermöglichen die Werteszenarien, welche die Schweizerische Vereinigung
für Zukunftsforschung (swissfuture) 2011 unter dem Titel «Wertewandel in der Schweiz
2030» entwickelte und zusammen mit Ernst
Basler + Partner im Rahmen der Ende 2013 publizierten Studie «Mobilität 2030/2050» vertiefte. Die Szenarien sind bewusst überzeichnet und wollen dadurch die mögliche Bandbreite der Entwicklung aufzeigen. Die zwei
prägenden Einflussgrössen auf die vier Szenarien sind der Wohlstand und der Staat.
«EGO»: Die Nacht wird zum Tag

Das Szenario «EGO» geht davon aus, dass die
Schweiz über die nächsten Jahre noch einmal
einen spürbaren Wohlstandszuwachs verzeichnen kann. Die Schweiz ist mit den alten
und neuen Wirtschaftsmächten in bestem Einvernehmen. Wettbewerb, Globalisierung sowie intensive Nutzung von Informations- und
Kommunikationstechnologien sind Merkmale
dieser Gesellschaft. Das Werte-Set bevorzugt
lockere Bindungen, sei es zur Familie, zum Arbeitgeber oder zum eigenen Land. In diesem

Szenario dominieren Werthaltungen, die eine
starke Selbstbestimmung umfassen und gesellschaftliche sowie ökonomische Auf- und
Abstiege als «Früchte der eigenen Leistung»
verstehen.
Folge für die Mobilität: Geld macht mobil

Schneller, weiter, intensiver, flexibler, prestige­
reicher und individueller: Dies sind die Paradigmen der «EGO»-Mobilität. Staatliche Eingriffe,
die einengen, sind tabu. Investiert wird, wo
es sich für die freie Entfaltung der Individuen
rechnet. Der hohe Wert der persönlichen Freiheit, der Vorrang der Ansprüche des Einzelnen sowie ein schlanker Staat gehen einher
mit der Differenzierung und Privatisierung von
Verkehrsdienstleistungen. Der 24-StundenGesellschaft werden keine Grenzen gesetzt,
jeder kann unterwegs sein, wann, wie und so
viel er möchte. Weil die Nachfrage nach nächtlicher Versorgung, Unterhaltung und Konsum
in der liberalisierten «EGO»-Welt gross ist,
gleichen sich die Mobilitätsbedürfnisse in
der Nacht denjenigen bei Tag an, der Verkehr
nimmt insgesamt deutlich zu. Dort, wo sich
mit nächtlichen Verkehrsangeboten Geld verdienen lässt, stehen private Dienstleister mit
differenzierten Angeboten rasch bereit.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Forschung

«CLASH»: Nachtgesellschaft aus der Not
heraus

Das Szenario «CLASH» geht davon aus,
dass der Wohlstand in der Schweiz über die
nächsten 20 Jahre deutlich sinkt. Auch die
verstärkte Zusammenarbeit mit Europa kann
den ökonomischen Niedergang nicht aufhalten. Generell bringt der schwache Staat keine Lösungen der Probleme zustande. In einer
solchen Schweiz ist zu erwarten, dass tiefe
gesellschaftliche Gräben aufbrechen. Die daraus entstehenden Verteilungskonflikte sind
nicht selten ideologisch aufgeheizt. Die politische Polarisierung führt zur gesellschaftlichen Erstarrung. Das Faustrecht gewinnt
wieder an Bedeutung. Angst und Verunsicherung sind weit verbreitet und nähren Missgunst und Misstrauen.
Folge für die Mobilität: Not macht erfinderisch

Die breite Masse hat wegen der Wohlstandsabnahme zunehmend Schwierigkeiten, ihren
Mobilitätsalltag zu organisieren. Die Infrastrukturen verkommen, fehlende öffentliche
Angebote werden durch Selbsthilfe und Kooperation im engeren Freundeskreis kompensiert.

13

«BALANCE»: Die rücksichtsvolle Nachtgesellschaft

haltig

Die Verkehrsmittel werden flexibel miteinander kombiniert. Dabei werden möglichst kurze Wege und hohe Umweltverträglichkeit angestrebt. Bei Verkehrsprojekten wird auf die
Qualität des Gesamtsystems, auf eine attraktive Gestaltung und auf eine solidarische
Grundversorgung geachtet. In der Nacht unterwegs ist nur, wer unbedingt muss. Entweder mit dem vom Staat flächendeckend
weiterentwickelten ÖV-Angebot, das auch
bedarfsoptimierte Einsätze umfasst, oder
in einem emissionsarmen Fahrzeug, sodass
die – mehrheitlich schlafenden – Menschen

nicht gestört werden. Aufgrund der gemeinschaftlichen Überzeugung, dass nächtlicher
Verkehr nicht menschen- und umweltverträglich ist, wird dieser kaum zunehmen.
«BIO CONTROL»: Regulierung und Rationalisierung

Die Schweiz ist politisch und ökonomisch isoliert. Anders als in CLASH kapituliert die Politik aber nicht vor der Krise, sondern versucht
sie zu bewältigen. Gesellschaftliche Probleme wie Jugendgewalt, mangelhafte Volksgesundheit und fehlende Bildungschancen werden mit einem Bündel von präventiven und
repressiven Mitteln angegangen. Unter die-

WOHLSTAND
zugenommen

EGO

BALANCE

CLASH

BIO CONTROL

stark

STAAT

Das Szenario «BALANCE» geht von der Annahme aus, dass der Wohlstand in der
Schweiz anwachsen wird. Die Schweiz wird
zum führenden Forschungs- und Innovationszentrum Europas. Der daraus resultierende Wohlstandszugewinn wird allerdings anders investiert als in «EGO»: Die Sozialwerke
werden den demografischen Entwicklungen
und gesellschaftlichen Bedürfnissen angepasst, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird verbessert, die Qualität von Quartieren und Wohnvierteln nimmt zu. Diesem
Szenario liegen Werte zugrunde, die sozial,
ökologisch und ökonomisch nachhaltige Lösungen hervorbringen, die auf individueller
Überzeugung und der Work-Life-Balance beruhen und die zu einer Renaissance des bürgerschaftlichen Engagements führen.

Folge für die Mobilität: Aus Einsicht nach-

schwach

Die 24-Stunden-Gesellschaft entsteht aus
der Not heraus, sich das Überleben mit verschiedenen Jobs zu sichern. Der Staat kann
nur tagsüber ein minimales ÖV-Angebot aufrechterhalten; nachts sind die Menschen auf
sich selbst gestellt. Viele sind mit ihren alten Autos oder Velos auf unzureichend beleuchteten und schlecht unterhaltenen Strassen unterwegs. Der Verkehr nimmt zu, die
Sicherheit hingegen sinkt drastisch.

abgenommen

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forum raumentwicklung 03 / 2015 — Forschung

samtverkehrsaufkommen stabilisiert werden kann.
Robuste Strategien und Projekte gesucht

Ob und in welchem Mass sich die vorgestellten Szenarien erfüllen, hängt im Wesentlichen davon ab, welche gesellschaftlichen
Werthaltungen in der Schweiz als Antwort auf
interne und externe Entwicklungen die Oberhand gewinnen werden. Verlässliche Prognosen darüber sind nicht möglich. Für die
Raum- und Verkehrsplanung heisst dies, sich
nicht auf ein einziges, wünschbares Szenario auszurichten, sondern robuste Strate­gien
und Projekte zu entwickeln, die für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt auch unter
unerwünschten Umständen einen möglichst
hohen Nutzen erzeugen.
—
sen Annahmen ist eine Schweiz zu erwarten,
die ihren Sonderfall-Charakter hochhält und
gar mit dem Autarkie-Mythos liebäugelt; eine
Schweiz, in der in Kauf genommen wird, dass
die persönliche Freiheit zurückstehen muss
zugunsten eines guten Funktionierens der
Gesellschaft, was zu einem Rückgang individualisierter Lebensstile führt.
Folge für die Mobilität: Erzwungen suffizient

Umweltbewusstsein und gesellschaftlicher
Ausgleich sind auch in der Mobilität zentrale
staatliche Maximen. Initiativen in den Bereichen Gesundheit sowie Ressourceneffizienz
führen zu Reglementierung und Kontingentierung. Individuelle Einschränkungen und
hohe Mobilitätskosten sind die Folge. Der
24-Stunden-Gesellschaft werden enge regulatorische Grenzen gesetzt: Unterwegs sein
darf nur, wer eine Bewilligung beantragt und
nachweist, dass er nachts für die Gesellschaft relevante Pflichten zu erfüllen hat. Der
Staat bestimmt denn auch das Verkehrsmittel für nächtliche Fahrten. Diese zählen bei
der Kontingentierung doppelt, damit das Ge-

FABIENNE PERRET, *1977,

hat an der ETH Geomatikingenieurwissenschaften
studiert und arbeitet heute
als Verkehrsplanerin bei
Ernst Basler + Partner.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Forschung

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STÄDTE

Berner Konzept
Nachtleben will Konflikte entschärfen
Marianne Catillaz-Dubey

marianne.catillaz@bern.ch

Die Intensivierung des Nachtlebens polarisiert auch in der Stadt Bern. Das Konzept Nachtleben versucht mit verschiedenen Massnahmen, die Interessen von Anwohnerschaft, Clubbetreibern und Gästen in Einklang zu bringen. Dabei haben
Kommunikation sowie Eigenverantwortung der Gastrobetriebe Priorität. Hinzu
kommt eine Vermittlungsstelle für alle Betroffenen. Bereits wurden Erfolge in Sachen Lärm und Littering erzielt.

In den letzten Jahren entstand in der Stadt
Bern ein vibrierendes Nachtleben mit
Schwerpunkt in der Oberen Altstadt. Diese
Entwicklung löste bei der Anwohnerschaft
wenig Freude aus. Der Konflikt spitzte sich
zu, als ein langjähriger Traditionsclub wegen Lärmimmissionen seine Türen definitiv
schliessen musste. Im Rahmen verschiedener politischer Vorstösse und mit einer Petition wurde die Forderung nach einem Konzept
für das Berner Nachtleben erhoben. Auch
medial wurde das Thema breit diskutiert. Im
Weiteren wurden der Verein «Pro Nachtleben
Bern» und die «Bar und Club Kommission
Bern» (BuCK) gegründet. Nachdem die verschiedenen Bedürfnisse, Anliegen und Forderungen in mehreren Rundtisch-Gesprächen mit Betreibern und Anwohnerschaft
präzisiert werden konnten, arbeitete die
Stadt Bern ein Konzept aus, das anschliessend den politischen Parteien sowie den involvierten Vereinen und Organisationen zur
Stellungnahme unterbreitet wurde. Aus die-

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ser Vernehmlassung ging schliesslich das im
September 2013 verabschiedete Konzept
Nachtleben hervor, das den unterschiedlichen Bedürfnissen mit 18 Massnahmen
Rechnung trägt.
Das Konzept Nachtleben will dazu beitragen,
dass die Stadt Bern auch in Zukunft über ein
pulsierendes und attraktives Nacht- und Kulturleben verfügt – jedoch im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen. Das Konzept ist
denn auch nicht in Stein gemeisselt. Vielmehr soll es regelmässig überprüft und der
gesellschaftlichen Entwicklung angepasst
werden. Eine erste Aktualisierung ist für
2016 vorgesehen.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Städte

Security-Konzept soll Kontakte verbessern

Eine wichtige Massnahme des Konzepts
Nachtleben ist das sogenannte Security-Konzept, das mit dem Ziel entwickelt wurde, Littering, Lärm und Vandalismus in der Nacht zu
vermindern. Es wurde von den zuständigen
Behörden (Regierungsstatthalteramt BernMittelland, Kantonspolizei Bern, Berner Stadtregierung) gemeinsam mit den Interessengruppen BERNcity, GastroStadtBern, IG Aarbergergasse und Umgebung sowie verschiedenen betroffenen Gastgewerbebetreibenden ausgearbeitet und ist somit breit abgestützt. In erster Linie werden im SecurityKonzept die Voraussetzungen und Regeln

genannt, welche die Gastrobetriebe einhalten müssen, aber auch die Störungen, die
sie zu unterlassen haben. Dem Security-Konzept unterstehen alle Betriebe mit genereller Überzeitbewilligung in der Stadt Bern,
also Lokale, die ganzjährig an bestimmten
Wochentagen länger als bis 00.30 Uhr offenhalten dürfen. In der Aarbergergasse, Neuengasse, Genfergasse und Speichergasse
– allesamt Gassen mit vielen Bars, Restaurants und Clubs in der Nähe des Bahnhofs
Bern – wurde 2011 ein entsprechender Pilotversuch gestartet. Aufgrund der positiven
Rückmeldungen wurde nun das SecurityKonzept auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet.
Das Security-Konzept regelt beispielsweise
die Verpflichtung zum Einsatz von qualifiziertem Sicherheitspersonal. Eine weitere Massnahme ist die Festlegung einer Person pro
Betrieb, die als Schnittstelle zu den Behörden
fungiert. Dieser Person wird ein sogenanntes
Ereignistelefon zur Verfügung gestellt. Dabei
handelt es sich um ein Handy, dessen Nummer bei den Behörden gemeldet ist. Es wird
nur während der Öffnungszeiten des Lokals
genutzt. Sämtliche Meldungen seitens des
Gastrobetriebs wie zum Beispiel Anfragen
oder Hilferufe an die Behörden haben ausschliesslich über dieses Telefon zu erfolgen.
Dadurch kann die anrufende Person von den
Behörden sofort einwandfrei identifiziert
werden, was die Reaktionszeit verkürzt. Umgekehrt ist sichergestellt, dass die Behörden
jederzeit mit der zuständigen Person im Betrieb Kontakt aufnehmen können.

schen Behörden und Betrieben generell zu
fördern und zu verstärken. Dazu finden mehrmals im Jahr Gespräche am runden Tisch statt,
bei denen Probleme, Anregungen und Anliegen diskutiert und die verschiedenen Erfahrungen eingebracht werden.
Zum Zeitpunkt der Verabschiedung des Konzepts Nachtleben im September 2013 nahmen 33 Betriebe am Security-Konzept teil. Inzwischen haben bereits über 70 Betriebe das
Security-Konzept umgesetzt. Die Sicherheitslage an neuralgischen Punkten wie zum Beispiel in der Aarbergergasse hat sich dank des
Security-Konzepts massiv verbessert. Dies
zeigt, dass sich das Verantwortungsbewusstsein der Klubbetreibenden punkto Sicherheit,
Sauberkeit und Ruhe durch das Konzept erhöht hat.
Neutrale Vermittlungsstelle für Konflikte

Ein anderes Projekt im Rahmen des Konzepts
Nachtleben ist die Beauftragung einer neutralen Ansprechperson, an die sich die Be-

völkerung bei Anliegen, Fragen und Störungen im Zusammenhang mit dem Nachtleben
wenden kann. Dass es eine solche Person
braucht, war bei den betroffenen Anwohnerschaften und Clubbetreibenden unbestritten.
Hauptaufgaben der Stelle sind die Vermittlung bei Konflikten zwischen Anwohnenden
und Clubbetreibenden oder zwischen Behörden und Clubs oder Bars sowie die Beratung
aller Betroffenen in grundsätzlichen Fragen
zum Berner Nachtleben.
Die Vermittlungsstelle soll rasch und unkompliziert agieren und einen engen Kontakt zu
Behörden, Betrieben und Quartierorganisationen pflegen. Mit dem ehemaligen Leiter des
Jugendamts der Stadt Bern konnte eine Person im Mandatsverhältnis gewonnen werden,
die über ein grosses Wissen als Mediator verfügt. Im aktuellen Jahr gab es bis zum heutigen Zeitpunkt neben verschiedenen kleinen
Anfragen von Nachtbetrieben, Anwohnenden, Medien und Fachorganisationen zwei
grössere Konflikte, bei denen diese Vermittlungsstelle in Anspruch genommen wurde.

Mit dieser Massnahme soll die Zusammenarbeit – insbesondere bei drängenden Problemen – verbessert und ein rascheres Einschreiten ermöglicht werden. Zudem stellt
das Ereignistelefon eine wertvolle vertrauensbildende Massnahme mit Blick auf eine
lösungsorientierte Zusammenarbeit dar. Ein
weiteres Ziel des Security-Konzepts ist es,
den Austausch und die Lösungsfindung zwi-

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Städte

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letzungsgefahr sinkt. Die Aktion Clubcontainer ist ein Erfolg und wird nun in einem
ausgeweiteten Perimeter weitergeführt.
Weitere Bemühungen trotz Erfolg

Mit Clubcontainern gegen das Littering

Um dem Problem der unkontrollierten Entsorgung von Take-away-Verpackungen und
insbesondere leeren Flaschen entgegenzuwirken, startete die Stadt Bern die Pilotaktion
Clubcontainer. Speziell markierte, 360 Liter
grosse Abfallcontainer wurden den Clubs der

stark frequentierten Gassen zur Verfügung
gestellt. Diese Clubcontainer werden von den
Betreibern tagsüber in ihren Räumlichkeiten
untergebracht, in Eventnächten vor dem Club
platziert und anschliessend von der Stadt
Bern geleert. Die Auswertung des Pilotjahrs
ergab, dass weniger Flaschen, Gläser und
Scherben herumliegen, womit auch die Ver-

Das Konzept Nachtleben unterscheidet kurzfristige, mittelfristige und langfristige Massnahmen. Die kurzfristigen Massnahmen, die
sich innert zwei Jahren realisieren lassen,
wurden grösstenteils umgesetzt. Auch die
meisten mittelfristigen, auf einen Zeitraum
von fünf Jahren zielenden Massnahmen wurden bereits in Angriff genommen, indem Pilotprojekte gestartet, Abklärungen getroffen
und Gespräche geführt wurden. Einige der
im Konzept Nachtleben vorgesehenen Massnahmen konnten allerdings nicht weiterverfolgt werden, da sie nicht mit den aktuellen
Kantons- oder Bundesgesetzen vereinbar
sind. Dazu gehörte zum Beispiel die langfristig definierte Massnahme «Anpassung der
Lärmvorschriften». Hier lehnte der Nationalrat die von der Stadt Bern unterstützte Motion von Nationalrätin Kathrin Bertschy ab. Der
Vorstoss wollte den Bundesrat beauftragen,
eine Änderung der gesetzlichen Bestimmungen in Angriff zu nehmen, damit in einer speziell definierten kantonalen Nutzungszone,
etwa einer «Urbanzone», je nach Lärmquelle unterschiedliche Grenzwerte hätten vorgeschrieben werden können.
Mit dem Konzept Nachtleben begegnet die
Stadt Bern aktiv den Problemen, die sich im
Zusammenhang mit der zunehmenden Nutzung des öffentlichen Raums in der Nacht ergeben. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass
zwar in vielen Bereichen Fortschritte erzielt
wurden, dass es sich aber um einen Prozess
handelt, der stetig weiterentwickelt werden
muss.
—
 Das Konzept Nachtleben und der dazugehörige
Übersichtsplan sind zu finden unter:
http://www.bern.ch/leben_in_bern/freizeit/
ausgang-in-bern

MARIANNE CATILLAZ-DUBEY, *1975, ist Juristin. Sie schloss ihr Lizenziat

an der Universität Freiburg i. Ue. ab. Seit 2003 arbeitet sie beim
Polizeiinspektorat der Stadt Bern. Zu ihrem Aufgabengebiet gehören
insbesondere die Klärung von Rechtsfragen sowie die Durchführung
von Verwaltungs- und Gesetzgebungsverfahren. Im Rahmen dieser
Tätigkeit war sie an der Erarbeitung des Konzepts Nachtleben beteiligt.

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forum raumentwicklung 03 / 2015 — Städte

STÄDTE

Basel beurteilt
lärmintensive
Veranstaltungen
Regina Bucher

regina.bucher@bs.ch
Die öffentlichen Plätze in Basel werden
insbesondere in den Sommermonaten intensiv bespielt. Ein neues Beurteilungsverfahren hilft den Behörden, transparent
über Dauer und Schallintensität temporärer Veranstaltungen zu entscheiden.

Auch in Basel nimmt die Nutzung des öffentlichen Raums zu. Ein Indiz dafür ist die Tatsache, dass allein auf den traditionellen Veranstaltungsplätzen pro Jahr bis zu 120 Musikevents stattfinden – nicht immer zur Freude
aller. Aufgrund zahlreicher Beschwerden seitens der Anwohnerschaft stellten sich die zuständigen Behörden die Frage, wie viele lärmige Veranstaltungen die Stadt verträgt. In der
Folge entwickelte das Amt für Umwelt und
Energie des Kantons Basel-Stadt in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern ein Beurteilungsinstrument für schallintensive Veranstaltungen (BIV). Dieses Instrument orientiert sich am Bundesgerichtsentscheid zum
sogenannten Kulturfloss in Basel aus dem Jahr
2004. Die damals definierten Rahmenbedin­gungen und Handlungsspielräume der kantonalen Behörde lassen sich mithilfe des BIV als
messbare jährliche Lärmdosis pro Veranstaltungsplatz ausdrücken.

enden. Die mittels Messung an einem Veranstaltungsplatz ermittelte «tatsächliche»
Lärmdosis eines Jahres wird mit der gemäss
BIV «zulässigen Jahreslärmdosis» verglichen.
Wie hoch diese zulässige Lärmdosis für einen
Ort ist, leitet sich aus den Standortfaktoren
ab, die vom Bundesgericht beim Entscheid
zur Veranstaltungsserie des Kulturflosses berücksichtigt wurden. Dabei werden unter anderem die Distanz zwischen der Bühne und
den nächstgelegenen Wohnungen, die Lärmempfindlichkeitsstufe und die Lage des Platzes inner- oder ausserhalb des Innenstadtperimeters bewertet. Mit dem BIV schaffte der
Kanton Basel-Stadt eine Beurteilungsgrundlage, die auf der geltenden Rechtsprechung
aufbaut. Sie konkretisiert die bestehende gesetzliche Grundlage von Artikel 15 des
kantonalen Umweltschutzgesetzes, wonach
die Bevölkerung in ihrem Wohlbefinden nicht
erheblich gestört werden darf.

Schutz für Wohlbefinden der Bevölkerung

Zahl der Lärmbeschwerden ist rückläufig

Als Lärmdosis wird diejenige Schallenergie
bezeichnet, die innerhalb eines Kalenderjahrs
auf die umliegende Nachbarschaft eines Veranstaltungsplatzes einwirkt. Lange und laute
Veranstaltungen tragen deutlich stärker zur
Jahreslärmdosis bei als leise Veranstaltungen
oder solche, die bereits um 22 Uhr oder früher

Das BIV sorgt auf diese Weise für eine transparente Beurteilung und bietet sowohl den
Veranstaltern als auch den Anwohnern mehr
Rechtssicherheit. Gleichzeitig reagiert das Instrument flexibel auf die Bedürfnisse der Veranstalter, indem es die Lautstärke und Dauer
einer Veranstaltung, aber auch Lärmschutz-

vorkehrungen bei der Lärmdosis direkt berücksichtigt. Damit werden die Veranstaltungen nicht mehr – wie in den bis anhin geltenden Bespielungsplänen – über die Zahl der
Veranstaltungstage reguliert, sondern über
die tatsächliche Schallenergie und die daraus
abgeleitete Störwirkung auf die Anwohner.
Blickt man auf die Bespielungsintensität in
den vergangenen fünf Jahren zurück, zeigt
sich, dass die gemäss BIV zulässige Lärmdosis
nur an einem einzigen Veranstaltungsplatz im
Jahr 2011 überschritten wurde. Seither wird
die zulässige Lärmdosis überall eingehalten.
Dies spiegelt sich auch in einer stark rückläufigen Zahl von Lärmbeschwerden wider.
Die Bespielung der öffentlichen Plätze wurde somit in den letzten fünf Jahren am neuen Beurteilungsinstrument geeicht. Das BIV
gibt eine rechtlich verbindliche Antwort auf
die Frage, wie viele Veranstaltungen die Stadt
verträgt. Sein Einsatz in den speziellen Nutzungsplänen, die künftig die Bespielungspläne ablösen werden, wird in Basel zurzeit öffentlich diskutiert.
—
 Link zum Beurteilungsinstrument für schallintensive Veranstaltungen (BIV):
http://www.aue.bs.ch/laerm/veranstaltungslaerm/oeffentliche-veranstaltungen.html

REGINA BUCHER, *1963, studierte technische Chemie

und technischen Umweltschutz und arbeitet heute
als dipl. Akustikerin SGA in der Abteilung Lärmschutz
des Amts für Umwelt und Energie Basel-Stadt.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Städte

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ZU GAST ALEXANDRA HEEB

« Das ständige
Aushandeln gehört
zu einer lebendigen
Stadt.»
Interview: Pieter Poldervaart
Fotos: Flurin Bertschinger

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forum raumentwicklung 03 / 2015 — Zu Gast

Nächtlicher Lärm und andere Belästigungen der 24-Stunden-Gesellschaft sind keineswegs statisch, sondern treten oft kurzfristig auf. Statt nur auf Polizei und Ordnungsdienste zu setzen, initiiert Alexandra Heeb, Delegierte für Quartiersicherheit
der Stadt Zürich, runde Tische mit Clubbetreibern und Anwohnern. Dennoch bleibe Lärm ein Dauerbrenner, so Heeb. Doch
mit Aushandeln und gegenseitigem Zuhören halte eine Stadt diese Spannung aus.

Wer hierzulande von der 24-Stunden-Gesellschaft spricht, denkt sofort an die Zürcher Langstrasse. Wie stark beschäftigt
Sie dieser Hotspot?
Alexandra Heeb: Tatsächlich organisieren wir
einen runden Tisch zur Langstrasse, den bisher
grössten dieser Art. Doch die Nachtschwärmer-Szene beschränkt sich nicht auf die Langstrasse. Seit der Abschaffung der Polizeistunde und der Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes 1996 stieg in der Stadt Zürich die
Zahl der sogenannten Nachtcafés, welche die
ganze Nacht offen haben dürfen, von unter
100 auf heute über 650. Ein weiteres Indiz für
die vermehrte Nachtaktivität ist die Zahl der
im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) transportierten Personen. Auf dem Nachtnetz gab
es zwischen 2003 und 2012 ein Plus von 221
Prozent.
Was ist hier Huhn, was Ei?
Am Anfang reagierte der ZVV mit der Verdichtung der Frequenz bloss auf die wachsende Nachfrage. Doch mit der Zeit wurde
die Transportinfrastruktur selbst zum Treiber:
Vor allem Jugendliche konnten günstig vom
Ausgang wieder nach Hause kommen. Seit
dem Ausbau der Nachtkurse der S-Bahn hat
sich die Nutzung übrigens gewandelt: Waren
die Kurse um 2 Uhr nachts am Anfang dafür
gedacht, die Heimkehrer aufzunehmen, die-

nen sie heute oft dazu, erst in den Ausgang
zu starten. Die 24-Stunden-Gesellschaft verschiebt sich also tendenziell in den frühen
Morgen. Und nicht zuletzt erlaubt es der gute
Nachtservice, dass mittlerweile Menschen
aus der ganzen Deutschschweiz nach Zürich
in den Ausgang kommen.

« Wir wollen zeigen,
dass die Stadt die
involvierten Menschen
ernst nimmt.»

Ist die Stadt Zürich also die Partymeile der
Nation?
Gewissermassen, aber keineswegs die ganze
Stadt. Eine GIS-Darstellung zeigt, dass sich
die Gastrobetriebe mit Nachtbewilligung auf
die vier Stadtgebiete Langstrasse, Niederdorf,
Zürich West und Teile des Kreises 3 konzentrieren. Legt man eine Karte mit den Lärmklagen darüber, sieht man, dass diese beiden
Darstellungen korrelieren. In den anderen
Quartieren ist die 24-Stunden-Gesellschaft
noch nicht angekommen. Nicht nur geografisch, auch im Wochenablauf gibt es grosse
Differenzen: je näher am Wochenende, desto
mehr 24-Stunden-Gesellschaft.

und anderen Immissionen zurande kommen
müssen und sich gegen allzu viel Rummel
wehren; Player aus der Veranstalterszene, die
Raumnot geltend machen; und die verschiedenen Bereiche der Stadtverwaltung, deren
Dienste anders oder zu neuen Zeiten nachgefragt werden.
Wie reagiert die Stadtverwaltung?

Warum boomt die Freizeitgesellschaft dermassen?
Wenn wir es wüssten! Offensichtlich ist: Viele
Leute haben mehr Geld und mehr Freizeit als
früher. Aber selbst die Soziologen sind sich
über die Gründe nicht einig. Vermutlich gibt
es verschiedene Erklärungsmuster. Ich kann
keine Antwort geben, muss es aber auch
nicht – denn wir betreiben keine Ursachenforschung, sondern müssen mit den Auswirkungen klarkommen.
Mit dem Projekt «Nachtleben» will Zürich
die Auswüchse bekämpfen. Was heisst
das ganz praktisch?
«Nachtleben» will nicht einen Massnahmenkatalog abarbeiten, sondern zeigt, dass die
Stadt das Phänomen ernst nimmt – und vor
allem die Menschen, die involviert sind: Anwohnerinnen und Anwohner, die mit Lärm

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Zu Gast

Dieses Sommerhalbjahr lief ein Versuch: Eine
Polizeieinheit mit rund 30 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern wurde konzentriert am Wochenende eingesetzt – also dann, wenn es
mehr Präsenz braucht. Die Auswertung steht
noch aus. Ein anderes Beispiel ist die zeitliche Verschiebung der Stadtreinigung: Wenn
die letzten Partygänger erst am frühen Morgen heimkehren, können die Strassen und
Trottoirs erst danach gereinigt werden. Andererseits verlassen viele Berufstätige schon
um 7 Uhr ihr Haus und erwarten dann zu
Recht eine saubere Stadt.
Fordert also vor allem das Littering die
Stadt heraus?
Nicht nur. Betroffen ist eine Vielzahl von Verwaltungseinheiten. Häufig braucht es auch
sehr kurzfristige Interventionen, ob nun die Polizei, die Reinigungseinheiten oder die Grün-

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flächenverwalter gefragt sind. Dabei geht es
einerseits um blosse Managementfragen, anderseits aber auch um Stadtentwicklung. Wir
reagierten auf dieses Ineinandergreifen verschiedenster Aspekte mit einer Plattform,
welche die Bedürfnisse und die Reaktionen
darauf bündelt. Wichtig ist auch, dass wir akzeptieren, dass das Nachtleben zwar wichtig
ist – dass aber dessen Auswirkungen für die
Anwohnerschaften erträglich sein müssen.

schen hat er sich zum Begegnungsraum für
Jugendliche gemausert – doch der Lärm und
der liegengelassene Abfall stören die Nachbarschaft. Nun braucht es ein Set von Massnahmen: die Stadtpolizei, die öfter patrouilliert; Grün Stadt Zürich, die den Park anders
bewirtschaftet; die Stadtreinigung, die zu definierten Zeiten reinigt; und allenfalls ein Sorgentelefon für die Bevölkerung.
Die Nachbarn rufen an, Sie intervenieren?

Wie gehen Sie vor?
Nehmen wir den MFO-Park in Zürich-Nord.
Dieser Platz, wo früher die Maschinenfabrik
Oerlikon produzierte, erhielt für seine Gestaltung zwar viele Auszeichnungen. Dennoch
blieb er während Jahren ein toter Ort. Inzwi-

Ganz so einfach läuft es nicht, denn die Bevölkerung muss bei solchen Massnahmen mitmachen. Sie soll uns nicht nur auf Missstände aufmerksam machen, sondern dann auch
im Prozess begleiten und eine Rückmeldung
geben, ob sich ein Erfolg eingestellt hat. Und

je nach Situation kann auch ein Anwohner als
Ansprechperson und «Sorgentelefon» dienen.
Ziel ist, ein Gleichgewicht zwischen den Nutzern des öffentlichen Raums und der Anwohnerschaft zu erreichen.
Und wie binden Sie die Anwohnerschaft
ein?
Ein Hotspot ist wie erwähnt die Langstrasse.
Diesen Frühling brach der Konflikt erneut auf.
In einem offenen Brief beklagten sich die Anwohner darüber, dass die Langstrasse zur reinen Partymeile verkomme, mit entsprechend
viel Lärm und Dreck. Ein paar Tage darauf reagierten die Kritisierten mit einer Petition. Die
Positionen waren verhärtet. Wir entschieden
uns für den runden Tisch Langstrasse, für den
sich über 100 Personen angemeldet haben.
Wir wollen im Gespräch herausfinden, was es
braucht, um besser miteinander auszukommen. Denn das Quartier ist nun mal sowohl
ein Ausgeh- wie ein Wohnviertel.
Ist dieser runde Tisch ein Novum?
Nein, aber an einen runden Tisch kommen
normalerweise 20 bis 30 Interessierte. In diesem Massstab ist der Langstrassen-Tisch deshalb eine Premiere.
Kann man nebst organisatorischen Massnahmen auch gestalterisch etwas beeinflussen?
Im Projekt Nachtleben beschäftigen wir uns
mehr mit dem Management und weniger
mit der Planung – wir betrachten also vor allem die aktuelle Nutzung. Natürlich sind aber
Raumgestaltung und Beleuchtung wichtig.
Eine intelligente Organisation des öffentlichen Raums kann helfen, dass sich die Nachbarn untereinander und ihre Ansprechpartner in der Stadtverwaltung besser kennen.
Dann lassen sich unerwünschte Entwicklungen schneller erkennen und bekämpfen. Immer wieder ein Thema ist die Beleuchtung.

ALEXANDRA HEEB, *1976, studierte Betriebswirtschaft und Philosophie.

Sie arbeitete nach ihrem Studium im Sozialdepartement der Stadt
Zürich und wechselte dann als Geschäftsleitende Sekretärin der
Finanzkommission zum Kanton Bern. Seit 2011 ist sie Delegierte für
Quartiersicherheit im Polizeidepartement der Stadt Zürich.

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forum raumentwicklung 03 / 2015 — Zu Gast

« Was wir brauchen,
ist ein stärkeres Gefühl
der Nachbarschaft:
Man muss lernen,
sich so zu benehmen,
dass die anderen
auch leben können.»

und Samstagnacht, und zwar hat die Polizei
die Schwelle von 4 Uhr als kritischen Moment
ausgemacht, wenn die Stimmung häufig kippt:
Der Pegel an Alkohol oder anderen Substanzen ist hoch, die meisten Frauen sind nach
Hause gegangen, einige Partygänger sind
frustriert – dann kann es vermehrt zu Gewalt
kommen.
Die einen vertreten die These, dass es viel
Licht braucht, um die Sicherheit zu erhöhen.
Andere sind gegenteiliger Meinung, denn sie
glauben, dass Licht die Nachtschwärmer anzieht – und damit Lärm generiert. Im erwähnten MFO-Park testen wir daher zurzeit, ob es
nachts ruhiger wird, wenn wir die Beleuchtung dimmen. Anders als bei der Planung kann
man mit organisatorischen Massnahmen
leichter experimentieren und Fehler rasch
wieder rückgängig machen.
Eine in Zürich entwickelte spezifische
Massnahme ist die Sicherheit Intervention
Prävention (sip). Warum braucht es neben
Polizei und privaten Sicherheitsdiensten
diese Einheiten?
Die sip, im Sozialdepartement angesiedelt,
ist ein «aufsuchender Ordnungsdienst» ohne
polizeiliche Kompetenzen, der keine Zwangsmassnahmen anwenden darf. Statt einer

Uniform tragen die sip-Mitarbeitenden einheitliche Arbeitskleidung und zirkulieren in
Zweier- oder Dreierpatrouillen. Sie stehen
für offizialisierte Zivilcourage und sprechen
Menschen an, die ein problematisches Verhalten zeigen. Wer etwa in einem Wohnquartier nachts um 2 Uhr viel Lärm macht oder als
Gruppe nach dem Zusammensitzen den Abfall einfach liegen lässt, wird angesprochen.
Die Zusammenarbeit mit der Polizei hat sich
gut bewährt. Das Konzept wird mittlerweile
von anderen Schweizer Städten übernommen.
Was für Orte sind besonders problematisch?

Ich würde nicht von problematischen Orten
oder gar Menschen reden. Denn der Lärm stört
zwar, doch gefährliche Erscheinungen wie
schwere Körperverletzung oder Tötungsdelikte haben wir wenige. Diesbezüglich sind
die problematischen Zeitfenster die Freitag-

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Zu Gast

Dennoch: Die Langstrasse ist nicht nur für
Lärm bekannt, sondern auch für Gewalt. Wie
sicher ist Zürich?

Die Kriminalität geht seit Jahren in fast allen
Bereichen leicht bis massiv zurück. Zürich ist
heute so sicher wie schon lange nicht mehr,
auch in der Nacht. Selbstverständlich braucht
es weiterhin Gewaltprävention auf hohem Niveau. Aber zentral ist, die gesellschaftliche
Balance der verschiedenen Nutzerinnen und
Nutzer zu halten. Etwas salopp formuliert: Zürich steht zum Nachtleben, aber man will irgendwann auch schlafen können.
Selbst wenn die nächtliche Gewalt objektiv
sinkt: Wie sicher fühlt sich denn die Bevölkerung?

Auch das subjektive Sicherheitsempfinden ist
gut und steigend. Heute liegt die Zahl jener, die

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sich sicher oder sehr sicher fühlen, wenn sie
allein um 2 Uhr nachts nach Hause spazieren,
je nach Quartier bei 80 bis 100 Prozent. Damit
können wir sehr zufrieden sein.
Also braucht es eher mehr sip als mehr Polizisten?

Auch Polizisten tragen zur Beruhigung bei –
allein schon durch ihre Präsenz. Gerade das
Hauptproblem, der Lärm, lässt sich nicht einfach mit sip-Mitarbeitenden bekämpfen, denn
häufig ist die Belästigung nach zwei Minuten
ja schon vorbei. Was wir brauchen, ist ein stärkeres Gefühl der Nachbarschaft: Man muss
lernen, sich so zu benehmen, dass die anderen auch damit leben können. Wenn Clubs ihre
Gäste beispielsweise dazu anhalten, das letzte Bier drinnen zu trinken und nachher nicht
vor dem Lokal weiterzudiskutieren, trägt das
viel zum Wohlbefinden der Nachbarschaft bei.
Lassen sich Clubs und Partyveranstalter tatsächlich einbinden?

In den letzten Jahren haben wir die Zusammenarbeit stark intensiviert. Wichtig ist, entsprechende Ansprechpartner zu haben. In
Zürich gibt es zusätzlich zur Bar- und Clubkommission seit Kurzem auch einen «NachtStadtrat», in dem neben der organisierten
und freien Partyszene auch Partygänger mitmachen.
Und welche Ergebnisse hat diese Zusammenarbeit gebracht?

Bisher beschränkten wir uns auf den Austausch und die Möglichkeit, sich kennenzulernen. So kann man im Problemfall einvernehmlich Lösungen finden. Dabei sind informelle Absprachen möglich. Wir sind daran interessiert, solche freiwilligen Kooperationen
weiter auszubauen.

zu Lärmklagen kommt, sowie andere Orte mit
grösseren Menschenansammlungen.
Wo liegen die Grenzen solcher Gespräche
und Kooperationen?

Dort, wo das Gesetz zu greifen beginnt. Vorher ist alles möglich – und auch erwünscht.
Denn wo sich Gastrobetreiber, Bevölkerung
und Verwaltung freiwillig zu einer Lösung zusammenraufen, wird diese nie einseitig ausfallen – solche Kompromisse, die den Gesetzesweg überflüssig machen, sind der eigentliche Mehrwert solcher Gespräche.
Die Erfahrung aus Mitwirkungsverfahren in
Planungsfragen zeigt, dass diese viel Zeit
absorbieren und die Interessengruppen ihre
Ziele am Schluss dennoch auf dem juristischen Weg verfolgen…

Mit allen 655 Nachtcafé-Betrieben?

Das ist natürlich illusorisch. Wichtig sind vor
allem die grösseren Clubs, wo es potenziell

Akute Nutzungskonflikte unterscheiden sich
stark von langfristigen Planungsfragen. Bei
Planungen wissen die Beteiligten nicht, was
am Ende herauskommt. Vielfach haben die
vom Lärm belästigten Anwohner schon den
Gerichtsweg eingeschlagen und stehen dort
an. Der runde Tisch ist dann ein sehr probates
Mittel – aber dennoch: Personen zusammenzubringen, die diametral andere Nutzungsansprüche haben, ist kein Zuckerschlecken.
Man muss sich Positionen anhören, die komplett gegensätzlich sind – und dann Kompromisse suchen. Bei akuten Konflikten lässt sich
schon nach ein paar Wochen bilanzieren, ob die
Versprechen eingehalten wurden und ob der
ausgehandelte Kompromiss erfolgreich war.
Ein weiteres Konsultationstool in Zürich
nennt sich «Nightlife-Roundtable» – das
tönt fast schon anrüchig…

Keinesfalls, die Sitzungen finden zu Bürozeiten statt … Vier-, fünfmal pro Jahr treffen
sich Vertreter von Clubs, den privaten Sicherheitsdiensten und verschiedenen Stadtbehörden. Beispielsweise greifen wir einen

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forum raumentwicklung 03 / 2015 — Zu Gast

« Runde Tische sind
nicht einfach eine
nette Geste. Sondern
sie können und sollen
langfristig auch den
Aufwand der Stadtverwaltung senken.»

Gewaltvorfall auf und besprechen, wie der
Clubbetreiber und die Security hätten handeln können, um der Polizei die Arbeit möglichst zu erleichtern. Daraus lassen sich allgemeingültige Regeln ableiten. Im konkreten
Fall war das Ergebnis ein Merkblatt, das zeigt,
wann man wie reagieren soll. Für viele Clubbetreiber und Securitys ist es nur schon interessant, die andere Seite kennenzulernen und
zu verstehen, wie sie funktioniert. Wir bauen
Vorurteile ab – das vereinfacht im Ernstfall die
Zusammenarbeit.
Und Sie sind das Scharnier?

Das mache ich natürlich nicht allein. Zwar bin
ich in solchen Fragen sowohl für die Bevölkerung als auch fürs Gewerbe die Ansprechpartnerin. Aber häufig besteht meine Aufgabe auch darin, innerhalb der Stadtverwaltung
zu koordinieren. In einer Zeit, in der Spezialisten sehr gefragt sind, braucht es im Ge-

genzug auch Personen, die den Überblick behalten, wenn es um so divergierende Themen
wie Kunst, Kultur, Party, Sicherheit, Dreck,
Lärm und Notfall geht. Häufig kann eine solche
Koordination innerhalb der Verwaltung unbürokratisch Entlastung schaffen.
Haben Sie Kontakte über den Stadtrand hinaus?

Wir engagieren uns in der «Arbeitsgruppe
Nachtleben» des Schweizerischen Städteverbands, in der wir uns zweimal pro Jahr treffen. Zwar ist jede Stadt und jedes Quartier
anders. Dennoch gibt es immer wieder Ideen
aus anderen Städten, die wir auf unsere Situation übertragen können. Fast jede Kleinstadt
kämpft mit ähnlichen Problemen.
Runde Tische, Kooperationen in den Quartieren – laufen Ihnen die Kosten nicht aus
dem Ruder?

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Zu Gast

Natürlich hat dieses Vorgehen seinen Preis.
Teuer wird es aber, wenn die Stadtpolizei
in der Nacht häufiger ausrücken muss oder
wenn zusätzliche Reinigungskosten anfallen.
Tatsächlich muss sich die Stadt Zürich finanziell nach der Decke strecken – entsprechend
versuchen wir, mit Gesprächen mögliche Konflikte und Folgekosten klein zu halten. Runde Tische sind somit nicht einfach eine nette
Geste, sondern sie können und sollen langfristig auch den Aufwand in anderen Abteilungen der Stadtverwaltung senken.
Sie versuchen, Konflikte zu entschärfen.
Doch ist der Clinch zwischen Verdichtung
und intensiverer Nutzung überhaupt zu lösen?

Der Widerspruch existiert und wird sich auch
nie aufheben lassen. Eine Stadt lebt. Es geht
darum, Konflikte produktiv zu lösen und dafür zu sorgen, dass man zwar gern in seinem
Quartier wohnt, aber dass auch Ausgehen
und Partys möglich sind. Es gibt weder Rezepte noch dauerhafte Lösungen, sondern es
ist ein ständiges Aushandeln – wie das Leben
halt ist. Dieses Aushandeln und das permanente neue Lernen machen eine gute Stadt
aus.
—

25

PRAXIS

Die Nachtlandschaft
im Naturpark
Gantrisch
Nicole Dahinden

nicole.dahinden@gantrisch.ch
Wenn künstliches Licht ohne Nutzen in
den Nachthimmel gestreut wird, spricht
man von Lichtverschmutzung. In der
Schweiz gibt es nur noch wenige Stellen,
an denen man sich dem künstlichen Licht
entziehen kann. Eines dieser Gebiete ist
der Naturpark Gantrisch. Mit dem Projekt
«Nachtlandschaft» möchte der Park daher prüfen, ob er das Zeug zum IUCN-Lichtschutzgebiet hat, einem Ort, der den besonderen Zauber der Sterne bewahrt.

Künstliches Licht ist die Grundlage der modernen 24-Stunden-Gesellschaft. Doch es verändert die Prozesse des menschlichen Organismus. Vor allem der Blauanteil im künstlichen Licht übt einen negativen Einfluss aus:
Er verzögert die Ausschüttung des Hormons
Melatonin, das uns auf die Schlafphase vorbereitet.
Den nächtlichen Sternenhimmel neu erleben

Noch vor etwa 20 Jahren war es in fast einem Drittel der Schweiz nachts dunkel. Seither hat sich diese dunkle Fläche halbiert. Die
LED-Technologie eröffnet zunehmend neue
Möglichkeiten der Innen- und Aussenbeleuchtung: Sie lässt sich punktgenau steuern, auf alle Lichtbedürfnisse abstimmen –
und ist vom Autoscheinwerfer bis zum Handybildschirm Tag und Nacht allgegenwärtig.
Das ist dramatisch, denn die Bewahrung der
natürlichen Dunkelheit ist nicht nur für den

Menschen von grosser Bedeutung, sondern
für dämmerungs- und nachtaktive Tiere sogar schlicht überlebenswichtig. Der Naturpark Gantrisch ist einer der wenigen Orte, an
dem man den Nachthimmel mit seiner Milchstrasse und Tausenden von Sternen noch von
blossem Auge geniessen kann. Schon seit
Jahren pilgern deshalb Liebhaber der ster-

26

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Praxis

nenklaren Nacht in das Gantrischgebiet. Auf
der Sternenbeobachtungsplattform auf dem
Gurnigel findet alljährlich die «International
Star Party» statt, die viele Astronomen und
Sternenbeobachter anlockt.
In klaren, mondlosen Nächten sind hier noch
bis zu 80 Prozent der Sterne sichtbar, während

kats: Diese Auszeichnung wird seit 2009 von
der International Union for the Conservation
of Nature (IUCN) respektive seit 2007 von der
International Dark Sky Association (IDA) verliehen und erlaubt es, den Naturpark oder
eine Teilfläche davon als Sternenpark auszuweisen.
Fauna, Menschen und Wirtschaft profitieren

Bis es so weit ist, müssen aber noch einige
Massnahmen getroffen werden. Ein Kriterium
für die Anerkennung ist beispielsweise ein
Beleuchtungsplan, der eine sinn- und massvolle Beleuchtung im Aussenraum anstrebt.
Ein Nachthimmel-Monitoring überprüft, wie
sich veränderte Beleuchtungsverhältnisse
auf den Nachthimmel auswirken. Mit Informationen und Aktionen soll das öffentliche
Bewusstsein gefördert werden, sodass die
Verantwortlichen auch die breite Bevölkerung hinter sich scharen können. Zudem wird
ein Erfahrungsaustausch mit anderen Sternenparks in Europa angestrebt.
Auch die dämmerungs- und nachtaktive
Fauna wie Fledermäuse, verschiedene Vogelarten oder Kleinstlebewesen sind auf natürliche Dunkelheit angewiesen, denn künstliche Lichtquellen lenken sie ab und verändern
die Lebensräume. Für die Flora hat die Nacht
ebenfalls eine besondere Bedeutung. Einige
Pflanzen wie Holunder und Nachtkerze verströmen auch nachts ihren Duft. Erst wenig
erforscht ist, welchen Einfluss die Nacht als
Ruhephase für die Pflanzen hat.

in städtischen Gegenden weniger als ein Viertel der Himmelskörper zu sehen ist. Dieser
wunderschöne und einzigartige Sternenhimmel über dem Gantrisch soll als immaterielles Kulturgut auch zukünftigen Generationen
erhalten bleiben. Daher ist es wichtig, die
Bevölkerung für das Thema Lichtverschmutzung zu sensibilisieren. Der Naturpark Gan-

trisch mit seinen drei Sternwarten profiliert
sich als Vorreiter in dieser Sache.
Mit dem Projekt «Nachtlandschaft» widmet
sich der Park verstärkt dem Thema Licht und
Dunkelheit, um das Anliegen in der Bevölkerung bekannt zu machen. Teil dieses Projekts ist die Prüfung eines Dark-Sky-Zertifi-

Nützen würde ein Sternenpark den Einwohnerinnen und Einwohnern allemal: Eine dunkle Nacht bedeutet mehr Schlafqualität am
Wohnort, denn hellerleuchtete Nächte führen
zu Stress und Ruhelosigkeit. Zusätzlich könnte ein Sternenpark einen Wandel vom Tageszum Nacht- und Übernachtungstourismus in
Gang bringen; davon würde die regionale
Wirtschaft profitieren.
—

NICOLE DAHINDEN, *1978, studierte in Bern Geografie

und Ethnologie. Sie arbeitet seit 2012 beim Förderverein Region Gantrisch, der Trägerschaft des Regionalen
Naturparks Gantrisch. Als Projektleiterin ist sie zuständig
für das Projekt Sternenlicht/Nachtlandschaft sowie für
weitere Projekte im Bereich Natur und Landschaft.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Praxis

27

PRAXIS

Lösungswege
für Konflikte
im städtischen
Nachtleben
Tom Steiner

info@zora-cep.ch

Stadtzentren mit einem attraktiven Nachtleben sind auch als Wohnorte gefragt.
Doch führen Lärm, Littering und Vandalismus immer wieder zu Konflikten im öffentlichen Raum. Das Zentrum Öffentlicher
Raum (ZORA) fordert deshalb eine klare
Haltung der Städte gegenüber dem Nachtleben. Dazu gehören eine Dialogkultur,
neue Ansätze im Umgang mit Lärm sowie
eine wirksame Alkoholprävention.

Das Zentrum Öffentlicher Raum (ZORA) ist eine Arbeitsgruppe des Schweizerischen Städteverbands. Sie setzt sich aus Verwaltungs-

28

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Praxis

mitarbeitenden verschiedener Fachrichtungen zusammen, die sich mit dem öffentlichen
Raum befassen. Im interdisziplinären Erfahrungsaustausch werden Problemlösungen
und Entwicklungsstrategien erarbeitet. Beteiligt sind die Städte Basel, Bern, Luzern,
Solothurn, St. Gallen, Zug und Zürich.
Viele der Herausforderungen im Umgang mit
dem öffentlichen Raum zeigen sich vor allem
nachts: Die zunehmende nächtliche Belebung insbesondere der Innenstädte führt zu
Lärmkonflikten zwischen Partygängern und
Wohnbevölkerung. Je später der Abend, umso deutlicher machen sich zudem die negativen Auswirkungen von Alkoholkonsum bemerkbar.

nutzen den öffentlichen Raum als nächtliche
Flaniermeile, um sich zu treffen oder um vor
den Clubs und Restaurants zu rauchen. Auch
die Gastronomie verlagert sich zunehmend
in den öffentlichen Raum: Die Zahl der Aussenbewirtungen und Take-aways ist in den
letzten Jahren sprunghaft angestiegen.
Das Nachtleben wird immer mehr zu einem
relevanten Wirtschaftsfaktor, was die Interessenskonflikte komplexer und die politische Intervention anspruchsvoller macht.
Parallel zu dieser Entwicklung lässt sich ein
weiterer Trend beobachten: Die Städte werden zunehmend attraktiv für eine gutbetuchte Bewohnerschaft. Doch wer sich eine
teure Eigentumswohnung im Stadtzentrum
leistet, möchte dort auch in Ruhe schlafen
können. Die Stadtverwaltungen sehen sich
deshalb zunehmend mit einem Zielkonflikt
zwischen Wohnen und Nachtleben konfrontiert. Wie soll damit umgegangen werden?

Viele Menschen fühlen sich durch alkoholisierte Gruppen bedroht und meiden den öffentlichen Raum; nächtliches Littering und
Sachbeschädigung beeinträchtigen die Lebensqualität. Gleichzeitig nimmt der Aufwand
der öffentlichen Hand für Sicherheit, Reinigung und Unterhalt zu.
Vor 20 Jahren galt in den meisten Schweizer Städten noch die Polizeistunde, die ab

Mitternacht für Ruhe sorgte. Seit Mitte der
Neunzigerjahre folgen jedoch immer mehr
Städte dem Trend zur 24-Stunden-Gesellschaft und fördern ein attraktives Nachtleben. Die Öffnungszeiten für Gastronomie und
Detailhandel wurden laufend ausgeweitet.
Nachtbusse bringen die Partygänger auch
in den frühen Morgenstunden noch ins Zentrum und wieder zurück. Und die Menschen

> 	Da sich die Kontrahenten nicht einig sind,
wie Nachtruhe zu definieren ist, braucht
es seitens der Behörden klare Regeln.
>	 Eine klare und transparente Haltung der
politisch Verantwortlichen zur Ausrichtung des Nachtlebens und zur Nutzung
des öffentlichen Raums verschafft den
Beteiligten eine Orientierungsgrundlage.
>	 Wo die gesetzlichen Regelungen an Grenzen stossen, helfen Partizipation, Dialog
und situative Aushandlung weiter.
>	 Es braucht eine wirksame Alkoholprävention. Die einfache Verfügbarkeit von billigem Alkohol trägt massgeblich zu den
Konflikten im Nachtleben bei.
>	 Städte sind laut und das Lärmempfinden
ist subjektiv. Deshalb muss ein toleranter
Umgang mit Lärm in der Stadt eingeübt
werden.
ZORA steht in diesen Fragen in engem Austausch mit weiteren Organisationen des Städteverbandes; eine wichtige Rolle spielt dabei
die Arbeitsgruppe «Städtisches Nachtleben».
—

TOM STEINER, *1965, war lange in der Bau- und

Raumplanung tätig. Heute arbeitet er im Bereich soziale Stadtentwicklung und öffentlicher
Raum. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer von ZORA ist er Dozent und Projektleiter
an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit.
www.zora-cep.ch

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Praxis

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AUSLAND

Lyon: Zwischen
funktionaler
und ästhetischer
Beleuchtung
Alessia Daouk

alessia.daouk@are.admin.ch

30

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Ausland

Lyon ist überzeugt, dass dem Licht eine
zentrale Rolle in der urbanen Entwicklung zukommt. Deshalb kümmert sich
die Stadt seit über 20 Jahren äusserst
aktiv um die Gestaltung der städtischen
Beleuchtung, liess mehrere Lichtpläne
erarbeiten und organisiert alljährlich die
«Fête des lumières». Für Lyon ist die Beleuchtung nicht nur funktional und sicherheitstechnisch von Bedeutung. Sie
ist auch zu einem Faktor für Gesellschaft,
Wirtschaft und Kunst geworden und hat
das Image der Stadt tiefgreifend verändert.

Als Lyon 1989 auf Anregung des damaligen
Bürgermeisters Michel Noir unter der Leitung des für die Stadtbeleuchtung zuständigen Amts den ersten Lichtplan entwickelte,
leistete die Stadt wahre Pionierarbeit. Das
erarbeitete Konzept war ein strategisches
Instrument, das eine klare Richtung vorgab,
Prioritäten setzte und auf mehreren Ebenen
Massnahmen vorschlug, die den öffentlichen
Raum und die städtische Landschaft langfristig aufwerten sollten. Die Empfehlungen waren zwar nicht bindend, aber das Hauptziel
war, Lyon das Image einer kohärenten und
harmonischen Stadt zu verleihen. Der Lichtplan wurde als offener, flexibler und sich
ständig weiterentwickelnder Prozess konzipiert. So wurden nach einer ersten Bestandesaufnahme verschiedene Gebiete ausgewählt, in denen etappenweise Massnahmen
umgesetzt und Investitionen getätigt werden sollten. Mit dem ersten Lichtplan wurden 300 Bauten und symbolträchtige Stätten von Lyon buchstäblich ins richtige Licht
gerückt.

plan wies zwar das gleiche Grundgerüst auf,
umfasste aber mehrere Neuerungen. So
wurden etwa der Anwendungsbereich und
die Zielsetzungen bezüglich der Inszenierung
der Stadt erweitert. Kreative Ideen erhielten mehr Raum, neue technische Möglichkeiten wurden integriert. Die Beleuchtung
sollte vermehrt zur Förderung einer ökologischen und sozialen städtischen Entwicklung
eingesetzt werden und eine «Lichter-Kakophonie» verhindern. Das Ziel war, die Stadt
anhand verschiedener Kriterien neu zu gestalten, den menschlichen Aktivitäten und
örtlichen Besonderheiten besser Rechnung
zu tragen und die örtliche Geschichte sowie
städtebauliche, architektonische, soziologische, künstlerische und ökologische Aspekte miteinander zu verbinden.
Der neue Lichtplan wollte somit neben Monumenten auch andere, von der Bevölke-

rung genutzte Teile der Stadt beleuchten und
die Menschen so begleiten. Im Fokus standen dabei Quartiere, natürliche landschaftliche Elemente wie Hügel und Wasserläufe,
grosse Verkehrsachsen, Brücken, aber auch
die einzigartige Topografie insgesamt. Unter
den Namen Lyon-Confluence, Vaise industrie oder Duchère wurden spezielle Beleuchtungskonzepte für einzelne Quartiere entwickelt und individuelle «Licht-Atmosphären»
kreiert. Die Beleuchtung trägt zur Aufwertung der Quartiere bei und verleiht ihnen
eine neue Identität; sie skizziert die Silhouette der Stadt, zeigt ihre Eigenheiten auf und
unterstreicht ihre Vielfalt.
Stromverbrauch wie anno 1989

In ökologischer Hinsicht fördert der Lichtplan
die Entwicklung energiesparender Projekte.
Seit 2006 wurde die öffentliche Beleuchtung

Licht setzt neue Akzente

2004 führte eine neue Stadtverwaltung unter der Federführung von Gilles Buna den ursprünglichen Plan weiter. Der zweite Licht-

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Ausland

31

schrittweise den Anforderungen der nachhaltigen Entwicklung angepasst. So wurde wo immer möglich die LED-Technologie
eingesetzt, um den Stromverbrauch zu senken. Als Mittel gegen die Lichtverschmutzung wurden eingeschränkte Betriebszeiten
eingeführt: Es erfolgt keine Beleuchtung von
Trottoirs und geschlossenen Parks zwischen
ein und fünf Uhr morgens. Die Stadt hat sich
zum Ziel gesetzt, den Stromverbrauch für die
Beleuchtung wieder auf den Stand von 1989
zu senken, dem Jahr also, in dem der erste
Lichtplan in Kraft gesetzt wurde.

Ein neues Image und mehr Kohärenz

Die «Fête des lumières», die seit 1999 in Lyon
wieder jährlich veranstaltet wird, trägt viel
zur Ausstrahlung der Stadt bei. Dieses Fest,
das um 1850 aus einer religiösen Tradition
hervorgegangen war, findet immer am ersten Wochenende im Dezember statt und dauert vier Tage. Bei der letzten Durchführung
beleuchteten über 130 Kunstschaffende 75
urbane Stätten; drei Millionen Besucherinnen
und Besucher bestaunten die vergänglichen
Werke. Einige der schönsten Kreationen wer-

den jeweils auf Dauer beibehalten. Die «Fête
des lumières» steht ebenfalls im Zeichen
der nachhaltigen Entwicklung: Nur gerade
0,1 Prozent der Energie, die jährlich für die
Beleuchtung der Stadt benötigt wird, geht
auf das Konto der Veranstaltung.
Der Lichtplan und die «Fête des lumières»
haben das Image der Stadt verändert: Lyon
ist präsenter geworden und hat sich zu einem beliebten Reiseziel entwickelt, das vor
allem während des Festes im Dezember
Gäste aus aller Welt anzieht. Die Entwicklung

Die Verantwortlichen betonen, dass sich alle
«nächtlich Aktiven» diesen Plan zu eigen machen müssen, damit er Erfolg haben kann.
Deshalb bezog die Stadt Partner aus verschiedenen Bereichen in ihre Überlegungen
mit ein und organisierte drei Workshops, an
denen Forschende, Fachleute wie Städteplaner und Soziologinnen, aber auch Techniker,
Planerinnen sowie Vertreter von Verbänden
und Quartieren zentrale Themen gemeinsam
diskutierten.
Zudem regte Lyon 2002 die Gründung des
internationalen Netzwerks Lighting Urban
Community International (LUCI) an. Inzwischen verbindet die Organisation über 100
Städte von Paris über Helsinki, Moskau,
Shanghai, Seoul und Montreal bis Amsterdam sowie 40 assoziierte Mitglieder wie
Lichtprofis oder Universitäten, die alle davon
überzeugt sind, dass dem Licht in der städtischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eine zentrale Rolle zukommt. Ziel
des Netzwerks ist es, Wissen im Bereich der
städtischen Beleuchtung auszutauschen, zu
fördern und voranzubringen.

 Lyon, der neue Lichtplan von 2004
www.static.lyon.fr/vdl/contenu/actualites/Plan_lumiere.pdf

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forum raumentwicklung 03 / 2015 — Ausland

 Webseite der Stadt Lyon
http://www.lyon.fr/page/projets-urbains/
plan-lumiere.html
 Jean-Pierre Charbonneau, Le nouveau Plan
lumière de Lyon
http://www.jpcharbonneau-urbaniste.com/
index.php/articles/textes-divers/le-nouveauplan-lumiere-de-lyon/
 Webseite der Fête des lumières
http://www.fetedeslumieres.lyon.fr/fr

eines strukturierten, künstlerisch wertvollen, koordinierten und dauerhaften Beleuchtungskonzepts hat die Stadt fundamental
aufgewertet. Lyon hat mit seinem Lichtplan
aber auch dazu beigetragen, dass die städtische Beleuchtung an sich vermehrt wahrgenommen wird; ihr Wissen und ihre Erfahrungen gibt die Stadt im LUCI-Netzwerk weiter.

Durch die gezielte Beleuchtung ihrer gebauten und natürlichen Umgebung, der topografischen Merkmale und der historischen
Achsen ist es Lyon gelungen, seinem Stadtperimeter und den menschlichen Aktivitäten, die darin stattfinden, eine stimmige
Kohärenz zu verleihen.
—

ALESSIA DAOUK, *1980, ist Raumplanerin FSU,

Geografin und Inhaberin eines MAS in nachhaltiger
Stadtentwicklung. Von 2008 bis 2014 arbeitete sie
für die Städte Vevey und Nyon. Seit 2015 ist sie
als wissenschaftliche Mitarbeiterin im ARE in der
Sektion Siedlung und Landschaft tätig, wo sie sich
mit der Agglomerationspolitik beschäftigt.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Ausland

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REPORTAGE

Auf der Suche
nach der Nacht
Stefanie Pfändler

s.pfaendler@gmail.com

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forum raumentwicklung 03 / 2015 — Reportage

Tagsüber rühmt sich Solothurn seiner
barocken Altstadt mit ihren lebendigen
Plätzen und zahlreichen Cafés. Nach Einbruch der Dunkelheit konzentriert sich
das Leben jedoch auf einen kleinen Abschnitt am Aareufer, während am Bahnhof
die Nacht von Neonlichtern verschluckt
wird. Eindrücke einer nächtlichen Verwandlung.

Denn hier zeigt sich, was mit dieser Stadt
passiert, wenn das Bier wichtiger wird als die
imposanten Gemäuer der St. Ursenkathedrale,
wenn die Geschäfte schliessen und die Gassen und Plätze nur noch vom fahlen Licht der
Strassenlaternen erhellt werden.
Eine Stadt legt sich schlafen

«Hie isch aues binang», sagt ein junger Mann,
der mit seinen Freunden auf dem «Aare-

müürli» beim Bier sitzt. Die Solothurner
Abende beginnen eigentlich immer hier, bestätigen seine Freunde. Tatsächlich reiht sich
am «Aaremüürli» eine Bar an die andere. Trotz
der frühherbstlichen Frische sitzen die Gäste
draussen, trinken, lachen – eine gewöhnliche
Ausgangsmeile eben, nur etwas kürzer und
beschaulicher als anderswo. Während hier
das junge Volk mit jedem Bier lauter wird,
legt sich der Rest der Stadt langsam schlafen.
Die tagsüber so bewunderten historischen

Solothurn ist ein malerisches Schweizer
Städtchen, wie man es von Postkarten kennt.
In den verkehrsbefreiten Gassen der barocken Altstadt schlendern Einheimische und
Touristen an den zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbei; die Plätze sind mit prunkvollen
Brunnen geschmückt und von belebten Cafés
gesäumt. In den Strassen ist zumeist Berndeutsch zu hören, doch zum Flair, das Solothurn ausmacht, gehören auch paar Brocken
Französisch: Die Stadt ist bis heute stolz darauf, im Spätmittelalter zwei Jahrhunderte
lang die französische Botschaft beherbergt
zu haben, und nennt sich darum nobel Ambassadorenstadt.
Die Weltläufigkeit der Solothurner endet allerdings mit dem Einbruch der Dunkelheit. «Gib
dr Artiku lieber leer ab», lautet der wohlmeinende Ratschlag eines befreundeten Einheimischen auf die Frage, wo man denn zu journalistischen Zwecken am besten das lokale
Nachtleben auskundschaften solle. «Dr einzig
Klub, wo mir hei, ischs Kofmehl, abr do singt
glaubs hüt sone aute Maa.» Eine ausgedehntere Recherche ergibt die einhellige Meinung,
man solle sich doch am besten ins «Solheure»
begeben oder allenfalls ins «Öufi». Vor allem
aber ans «Aaremüürli», denn eigentlich schlage nur dort das nächtliche Herz der Stadt.
Das «Aaremüürli» entpuppt sich rasch als
nichts anderes als – eine Mauer an der Aare.
Und doch empfiehlt es sich, hier mit der Suche
nach dem nächtlichen Solothurn zu beginnen.
Aare-Müürli: Das nächtliche Zentrum der Stadt

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Reportage

35

Auf dem Weg zum Bahnhof:
Nichts los in Solothurn

Fassaden versinken in der Dunkelheit, dafür
stülpt sich nun plötzlich das Innenleben der
Häuser nach aussen: In den hellen Fenstern
sieht man die Schatten der Bewohner durch
die Wohnungen huschen, hier steht jemand
in der Küche, dort liest einer in einem Sessel ein Buch. Der Geschäftsrummel ist längst
abgeebbt und in den sich leerenden Restaurants beginnt das Personal, nach dem letzten ausgeschenkten Bier die Tische zu putzen. Das Solothurner Nachtleben scheint sich
tatsächlich auf wenige Quadratmeter zu begrenzen.
Die Kreuzackerbrücke führt von der Altstadt
zum Bahnhof. Vereinzelte Gestalten eilen hier
vom einen Aareufer zum anderen. Während
am Bahnhof in den frühen Abendstunden
noch reges Treiben herrschte und hier die Vorfreude auf die kommenden Stunden regelrecht zu spüren war, herrscht an diesem Verkehrsknoten nun gähnende Leere. Nur Subway und McDonalds haben noch geöffnet,
doch im Gegensatz zu den Bars am Aareufer
sind sie leer. Einzig drei Jugendliche sitzen
vor dem Lokal an einem ungedeckten Tisch,
essen Pommes und scheinen sich in der

Gleisunterführung: Trist und ungenutzt

36

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Reportage

nächtlichen Verlassenheit überaus wohl
zu fühlen. Ein SBB-Mitarbeiter in oranger
Schutzkleidung döst daneben im Firmenwagen. Bei jedem Gejohle der Jugendlichen blinzelt er verschlafen.

Zeitverschiebung am Bahnhof

In der Bahnhofsunterführung sorgt das Neonlicht für eine seltsame Zeitverschiebung. Hier
im Untergrund scheint sich der Tag festge-

krallt zu haben, das grelle Licht leuchtet gnadenlos jeden Winkel aus und raubt der Nacht
erfolgreich ihre Seele. Die Trostlosigkeit des
toten Bahnhofs liegt drückend in der Luft. Am
Ende des Gangs verriegelt ein Mitarbeiter gerade den «Memo Imbiss», der so aussieht,
als hätte er schon vor vielen Stunden seinen
letzten Gast bedient. Daneben: die «Cafe-Bar
Fairplay», die ihr Treiben hinter gespiegelten
und schallgedämpften Scheiben verbirgt. Es
folgt das Restaurant «Passage», ein namenloser Laden mit unscharf definiertem Sortiment, der Lammfleisch, Money-Transfer und
günstigen internationalen Mobilfunk anbietet. Beim benachbarten Dancing Club ist unklar, ob er schon bessere Zeiten hatte oder
ob es ihm womöglich nie besser ging. Beim
letzten Laden sind die Schilder schon abmontiert, hier wird ausgezogen. Man mag es dem
Mieter nicht verargen.
Auf der Rückseite des Bahnhofs rückt ein geschlossener Denner ins Blickfeld, daneben
gähnen leere Ladenflächen und eine deplatziert wirkende Wahlwerbung im Grossformat
verkündet zuversichtlich «Freiheit und Fortschritt». Soeben ist der letzte Personenzug

Rückseite des Bahnhofs: Leerstehende Ladenlokale

abgefahren. Auf dem Bahnhofplatz warten
einige Nachtschwärmer auf den Bus nach
Biberist und Jegenstorf. Ein Streifenwagen
kriecht über den Platz, ein Buschauffeur
raucht routiniert seine Zigarette. Plötzlich
ein Rauschen, ein Dröhnen, ohrenbetäubend
nähert es sich. Und schon fliegt er vorbei,
bläst uns den Wind um die Ohren, der Güterzug, der in den nächtlichen Stunden die Waren für den täglichen Kaufrausch in der ganzen Schweiz verteilt. Das Dröhnen und Pfeifen verfliegt so schnell, wie es gekommen
ist; ein paar Minuten später folgt der nächste Zug. Der Bahnhof gehört nun für dreieinhalb Stunden dem Güterverkehr.
Trostlosigkeit und nächtlicher Charme

Während man sich in der Tristesse des Bahnhofs unweigerlich nach dem eigenen Bett zu
sehnen beginnt, herrscht am «Aaremüürli»
weiterhin reges Treiben. Hier gibt es weder
Neonröhren noch unpassende Wahlwerbung,
hier ist die Nacht ausgelassen und gemütlich.
Hier möchte man die Zeit verstreichen lassen,

noch ein Bier bestellen, die Solothurner kennenlernen. Vor allem aber möchte man jene
Stunden geniessen, in denen alles etwas
schummriger und leichter wirkt als tagsüber, wenn das Licht die dunklen Ecken
und Geheimnisse dieser Stadt und ihrer Bewohner ausleuchtet. Nur wenige Meter liegen zwischen Bahnhof und Aare, und doch
könnten die beiden Orte unterschiedlicher
nicht sein. Da, wo die Neonröhren den Tag
simulieren, ist für die Nacht kein Platz. Ihr
wird der Charme geraubt, sie wirkt trostlos
und verlassen. Erst dort, wo sie ihre Gäste umgarnen kann, wo man genügend Mut hat zur
Dunkelheit – erst dort erwacht Solothurn
zur Nachtstadt, die auf keinem Wanderwegschild angeschrieben und auf keiner Postkarte abgebildet ist. Sie verleiht ihrer taghellen Schwester ein neues Gesicht. Und obschon sich ihr Leben in denselben Strassen
abspielt, fühlt sie sich doch ganz anders an.
—

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, studierte Politik-

sowie Umweltnaturwissenschaften und arbeitete
als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion
Nachhaltige Entwicklung beim ARE. Seit 2015
ist sie bei der Stadt Dübendorf in der Raumund Verkehrsplanung tätig.

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Reportage

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KOLUMNE

Nächtliche Jagd nach
Tankstellenshops

JÜRG SPICHIGER, *1964, ist freischaffender Journalist

und Ausstellungsmacher. Er arbeitet als Kurator für
Museen und setzt mit Partnern auch eigene Projekte
um, beispielsweise zur Schweizer Siedlungsentwicklung seit den Fünfzigerjahren.
juerg.spichiger@palma3.ch

Die Szene spielt im Berner Seeland unweit des Dorfs Ins. Der
Blick schweift in die weite Landschaft, die hier für die Schweiz
ungewöhnlich offen wirkt. Mit Karacho nähert sich auf der
Hauptstrasse von Westen her ein schnittiger Kleinwagen. Der
schwarze Peugeot fährt in den Kreisel, wo er auf die T10 wechseln und auf Neuenburg, die nächstgelegene Stadt, zusteuern
könnte. Doch der Fahrer hat anderes vor. Rasant biegt er in
den grosszügigen Parkplatz ein, der zur Agrola-Tankstelle mit
Autowaschstrasse und Landi-Verkaufsladen gehört. Vor der
Zapfsäule stoppt der Peugeot brüsk. Der Fahrer, vielleicht 22
Jahre alt, steigt aus, seine Beifahrerin ebenso. Während er beginnt, den Tank nachzufüllen, eilt sie in den Top-Shop. Kurz
vor 21 Uhr, fast Ladenschluss. Zeit für die Jugend, sich für die
Nacht einzudecken.
Das spätabendliche Verkaufsterritorium wird rund ums ländlich-bäuerliche Ins von der «Landi Seeland» beherrscht, die in
der Berner Gemüsekammer noch an drei weiteren Agrola-Tankstellen ihre Top-Shops betreibt. Doch wie anderswo in der
ländlichen Schweiz sehen sich die nächtlichen Verkaufsstellen
einer scharfen Konkurrenz ausgesetzt. Denn wie Pilze sind seit
der Jahrtausendwende an Verkehrsknotenpunkten, Überlandstrassen und Ortsrändern Tankstellenshops von BP, Coop Pronto, Migrolino oder Shell entstanden – alle Mineralölhändler
wollen vom Tankstellenverkauf profitieren.
Mancherorts wurde damit geschickt eine Lücke in der Industriezone genutzt. Vielerorts, so auch in Ins, opferten lokale
Bauern dafür beträchtliche Flächen Kulturland. Sehr oft bilden
diese im Niemandsland gelegenen Einkaufsstätten für die autofahrende Jugend den Ausgangspunkt nächtlicher Streifzüge.
Davon zeugen etwa die leeren, achtlos weggeworfenen Bierdosen und Sandwichverpackungen, die landauf, landab die
Strassenränder zieren.
Die Betreiber der aus dem bäuerlich-genossenschaftlichen
Milieu stammenden Landi-Läden sind gegen solche Unsitten
machtlos. Auch die Politik hat in der Frage des 24-StundenKonsums wenig zu melden. Zwar gäbe es die Möglichkeit der
Gesetzgebung. Doch die meisten Schweizerinnen und Schweizer wollen die nächtlichen Einkaufsmöglichkeiten eher liberal
handhaben: Im September 2013 sprach sich der Souverän für
durchgehend geöffnete Tankstellenshops auf Autobahnraststätten aus – «ein grosser Erfolg für die Freiheit der Menschen», kommentierte damals die «Basler-Zeitung».

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Übrigens sollen gemäss Gesetzestext nicht nur Autobahnraststätten profitieren. Auch Shops an Strassen mit «viel Reiseverkehr» dürfen mit dem Segen der Kantonsbehörden rund um
die Uhr ein umfassendes Sortiment anbieten. Ein grundsätzliches Ja für die 24-Stunden-Gesellschaft? «Nicht unbedingt,
doch die Welt verändert sich halt», so die pragmatische Meinung vieler Befürworter.
Szenenwechsel: Autobahnraststätte Grauholz Süd an der A1 im
Kanton Bern, Hoheitsgebiet des Migrolino-Tankstellenshops,
der an der Fahrspur Richtung Zürich liegt. Drinnen werden
warme Getränke und Aufbackware angeboten, draussen ein
Parkplatz mit grosszügiger Raucherzone. Es gebe drei Gruppen
von Kunden, sagt die Migrolino-Verkäuferin: Erstens Berufsleute, die nachts arbeiteten oder am Morgen früh zur Arbeit
müssten. Auch Taxifahrer etwa kommen zu jeder Tageszeit.
Sie tanken, machen Kaffeepause oder bringen Kunden vorbei,
die etwas kaufen wollen. Zweitens Ferienreisende, welche die
freie Fahrt in der Nacht schätzen. Und drittens sind vor allem
an den Wochenenden viele Partygänger und Nachtvögel anzutreffen, die primär Alkohol und Zigaretten kaufen. Da gehe es
dann manchmal laut und hitzig zu und her, meint die Verkäuferin.
Donnerstagnacht. Vor dem Tankstellenshop lehnen fünf Jugendliche an einem schwarzen Auto. Die Vordertüren sind
weit geöffnet, aus dem Wageninnern dröhnt Technomusik. Das
Quintett raucht, plaudert, gibt sich lässig. An eine Party wollen sie nicht. «Wir fahren einfach rum», sagt einer. «Manchmal
nur bis Mitternacht, manchmal auch die ganze Nacht.» Warum
sollten sie auch in die Stadt? «Hier kommen tolle Autos vorbei
und wir treffen Kollegen.»
Die beiden Polizisten, die eben ihren Streifenwagen parkiert
haben und nun aufs Migrolino-Lokal zusteuern, scheint die Party nicht zu stören. Auch diese Nachtarbeiter haben jetzt anderes im Sinn. Die Polizei sei oft hier, sagt die Verkäuferin später.
Denn der Tankstellenshop ist in der Nacht im Kleinen, was die
Langstrasse im Grossen ist. Man ist zwar an der Peripherie, doch
der Grundkonsum für einen erfolgreichen Ausgang ist gewährleistet.
—

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Kolumne

DIE ZAHL

+ 232 %
Von 2003 bis 2014 stieg die Anzahl
Fahrgäste auf dem Nachtnetz des
Zürcher Verkehrsverbunds ZVV
pro Nacht von 4474 auf 14'836 Fahrgäste respektive um 232 Prozent.

39

40

forum raumentwicklung 03 / 2015 — Leitartikel

EDITORIAL

Quand pratiquez-vous l’espace public? Du lundi au vendredi, de 6 h 30 à 20 h, voire

« Notre aménagement

jusqu’à 22 h lors de chaudes soirées d’été? Les personnes actives de plus de 30 ans

du territoire ne connaît

ont presque toutes dans l’idée que la vie, notre vie, est diurne. Nous, les aménagistes,

que le jour. Il ne prend

nous référons aussi à la journée pour concevoir et réaliser les plans de nos lieux de vie.
Les effets cumulés de cette conception se reflètent dans des journées et des semaines

pas en compte la nuit.

standard, avec des pointes de trafic le matin et le soir. A 5 h 30 du matin, par contre,

Pas encore. »

un grand vide règne sur les places et les rues suisses. Pourtant, les premiers balayeurs
s'activent; des camions livrent des produits frais; des distributeurs de journaux se déploient un peu partout. Néanmoins, le calme, l’obscurité et le vide sont prédominants.
Ce vide est de retour dès 23 h. La nuit serait-elle une ressource inutilisée?
Certes, la séparation nette entre le jour et la nuit s’est estompée. Avec la « méditerranéisation » de notre mode de vie, des bistrots et des terrasses de toutes sortes ont
supplanté les établissements d'antan. A la faveur de la libéralisation, les restaurants
et les commerces ne doivent plus se tenir à l'heure de police. Bref, un air de grande
ville commence à souffler sur la Suisse! En fin de semaine surtout, les hauts lieux de
cette nouvelle économie nocturne attirent un nombre étonnamment élevé de personnes. Les entrées de clubs, invisibles le jour, sont illuminées de mille feux la nuit;

Maria Lezzi

directrice de l’ARE
maria.lezzi@are.admin.ch

des grappes humaines s’y pressent; la musique s’en échappe par vagues. Peu avant
minuit aux arrêts de bus des quartiers périphériques, les plus de 30 ans qui rentrent
dormir croisent les bandes de jeunes remuants qui partent en boîte. Pour le peuple
de la nuit, les trois huit sont la norme. Mais toute médaille a son revers: l’intensification des activités nocturnes accroît les conflits d’utilisation (« dormir ou s'amuser ?»).
Les collectivités publiques réagissent en essayant de gérer les symptômes les plus
manifestes. A quoi pourrait ressembler une carte dynamique de la nuit?
Jusqu’à présent, le développement territorial de la Suisse a ignoré les dimensions
temporelles et culturelles. Il est temps de prendre au sérieux le phénomène de la société 24h/24 et ses multiples facettes, et d’examiner si les principes d’aménagement
du passé sont encore adaptés aux conditions-cadres d’aujourd’hui. Des processus de
négociation entre les différents acteurs concernés peuvent permettre de clarifier les
situations, par exemple lorsqu’ils aboutissent à la définition des comportements et
des usages souhaités et tolérés à tel ou tel endroit, et des limites à ne pas dépasser.
Ces instruments sont valables aussi bien pour l’espace public que pour les quartiers
d’habitation et les espaces paysagers. Et dans certaines régions, les natural lightscapes sont la réponse adéquate. Cet aménagement du territoire intégré doit également se soucier des avantages et des risques de l’extension spatiale des activités nocturnes, et veiller à les réguler sans les entraver. C’est en considérant le jour et la nuit
comme un tout que des scénarios de développement novateurs et durables pourront
voir le jour. 							 (traduction)

forum du développement territorial 03/ 2015 — Editorial

41

GRAND ANGLE

Entre patrimonialisation et exploitation
des nuits urbaines
Luc Gwiazdzinski

luc.gwiazdzinski@ujf-grenoble.fr

42

forum du développement territorial 03 / 2015 — Grand angle

Selon la Genèse, Dieu sépara la lumière des
ténèbres. Il « appela la lumière “jour” et
les ténèbres “nuit”. Il y eut un soir et il y
eut un matin… » Cette alternance essentielle a toujours structuré la vie sur terre,
conditionné le fonctionnement de nos
villes et l’ensemble de nos rythmes individuels et collectifs. Mais les temps
changent. La ville revoit ses nycthémères,
la société est bouleversée et l’urbaniste
s’interroge. Caricature du jour, la nuit a
beaucoup de choses à dire à la ville et au
monde.

Depuis l’origine, l'homme n'a eu de cesse
que de repousser les limites du monde
connu, de domestiquer la nature, d'étendre
son emprise sur l'ensemble de la planète.
Dans cette conquête du système monde aujourd'hui à peu près achevée, la nuit reste
un espace-temps finalement peu investi par
l'activité humaine, une dernière frontière, un
monde intérieur à explorer. La nuit – temps
des ténèbres, de l’obscurité, du sommeil et
du couvre-feu - a longtemps été appréhendée
comme une discontinuité, un espace-temps
éphémère et cyclique, faiblement peuplé et
animé. Comme amputée de la moitié de son
existence, la ville est longtemps restée livrée
aux seuls poètes et artistes. Rares sont les
chercheurs, édiles et urbanistes à y avoir
trouvé un sujet digne d'intérêt. Mais si la nuit
urbaine n'a pas encore livré tous ses secrets,
les choses sont en train de changer.
Colonisation accélérée

Pendant des millénaires, les villes sont restées plongées dans le noir. Toutefois, dans
sa perpétuelle tentative de s’émanciper des
rythmes naturels, l’homme est peu à peu parvenu à artificialiser la vie urbaine et à coloniser la nuit. La lumière a progressivement pris
possession de l’espace urbain, gommant en
partie l’obscurité menaçante de nos nuits.

Dans cette conquête de la nuit urbaine par la
technique et le pouvoir, la généralisation de
l'éclairage public a joué un rôle fondamental
puisqu’il a rendu possible le développement
des activités et l'apparition d'un espace public nocturne. Aujourd’hui, les horaires d'été
nous permettent de profiter plus longtemps
de l'espace public urbain. L'éclairage public
se généralise et sa fonction change progressivement passant de la sécurité à l'agrément. Ainsi, les sons et lumières et les illuminations de bâtiments se multiplient ; des
« concepteurs lumière » sculptent la nuit et
donnent une identité nocturne à nos cités.
Par ailleurs, les entreprises industrielles fonc-

tionnent en continu pour rentabiliser les équipements et, dans la plupart des secteurs, le
travail de nuit se banalise mobilisant près de
18 % des salariés. De plus en plus d’entreprises de services se mettent au « 7 jours sur
7, 24 heures sur 24 », argument publicitaire
banal. Partout dans le monde, la tendance générale est à une augmentation de la périodicité, de l’amplitude et de la fréquence des
transports. De nombreuses activités décalent
leurs horaires vers le soir, les nocturnes commerciales sont de plus en plus nombreuses
et l'offre de loisirs nocturnes se développe.
La nuit est devenue un secteur économique
à part entière. Dans l’espace urbain, les dis-

forum du développement territorial 03 / 2015 — Grand angle

43

tributeurs automatiques se multiplient, les
« nuits spéciales » font recette et les soirées
festives démarrent de plus en plus tard. De
plus, le couvre-feu médiatique est terminé :
radios et télévisions fonctionnent en continu et Internet permet de surfer toute la nuit.
Ainsi, la nuit, qui fut longtemps un espace
protégé, doté de lois spécifiques, se banalise.
Même les rythmes biologiques semblent
bouleversés : on dort moins et s'endort en
moyenne à 23 h, soit deux heures plus tard
qu’il y a cinquante ans. La nuit urbaine, définie
comme la période où les activités sont très
réduites, se limite aujourd'hui, à une tranche
horaire comprise entre 1 h 30 et 4 h 30 du matin. Plus le territoire est internationalisé, plus
la continuité exigée par l’économie et les réseaux s’impose. Pourtant tous les territoires
sont concernés.
Nouvelles géographies

Pour quelques heures, une nouvelle géographie de l'activité se met en place installant
une partition de l'espace urbain : une ville qui
dort ; une ville qui travaille en continu ; une
ville qui s'amuse ; une ville vide, simple coquille
destinée à accueillir les activités de la journée. Des centralités nocturnes se dégagent,
souvent différentes des centralités diurnes.
A mesure que l’on avance dans la nuit, l’offre
urbaine diminue, la ville rétrécit et se blottit
autour de son noyau historique. Les illuminations et l’animation se concentrent dans ces
quartiers et la liberté du noctambule en quête
de compagnie paraît alors bien illusoire.

Les pressions s'accentuent sur la nuit, qui
cristallise des enjeux économiques, politiques et sociaux fondamentaux. Entre le
temps international des marchands et le
temps local des résidents, entre la ville en
continu de l'économie et la ville circadienne
du social, entre les lieux des flux et les
lieux des stocks, des tensions existent, des

conflits éclatent, des frontières s'érigent
qui permettent à l’observateur de repérer la
« zone de front », les avancées, les résistances ou les replis de la société et de la ville
des 24 heures. La ville qui travaille, la ville qui
dort et la ville qui s'amuse ne font pas toujours bon ménage. Dans les centres-villes,
des conflits surgissent entre des habitants
soucieux de leur tranquillité et des consommateurs bruyants, symboles de l'émergence
d'un espace public nocturne. Ailleurs, éclairage intensif et pollution lumineuse obligent
à de nouveaux arbitrages.

44

forum du développement territorial 03 / 2015 — Grand angle

Tensions et conflits

Nouvelles politiques publiques

Face aux pressions, les autorités tentent de
conserver le contrôle (réglementation des
raves, couvre-feux, limitation de la circulation des cyclomoteurs…) mais prennent
également des initiatives (éclairages, événements festifs gratuits, transports, crèches…)
pour rendre les nuits urbaines plus accessibles et hospitalières, ce qui participe à
l’accroissement de la flexibilité. Si le grand
débat sur la ville 24 heures sur 24 n’a pas
encore eu lieu, les initiatives se multiplient

partout. Maires de nuits, Etats généraux de
la nuit (Paris, Genève, Lausanne) ou bureaux
des temps : partout émergent des initiatives
et politiques publiques qui posent la question
du droit à la ville et à la nuit.
Urbanisme des temps

Face à ces évolutions, les acteurs de la fabrique urbaine sont poussés à repenser les
rapports de la cité et de ses usagers aux
temps et aux espaces. Il s’agit de passer de
l’événementiel à l’ordinaire, de l’exceptionnel au quotidien avec le déploiement d’un
« urbanisme des temps » qui se définit comme
l’ensemble des plans, organisations des horaires et actions cohérentes sur l’espace et le
temps qui permettent l’organisation optimale
des fonctions techniques, sociales et esthétiques de la ville, pour une métropole plus humaine, accessible et hospitalière. L’ « urbanisme temporaire » s’intéresse quant à lui

aux modes d’occupation partiels des espaces
et temps de la ville et aux « calendriers »
d’activités. Cette forme de réversibilité permet de « faire ville » à partir d’une mise en
scène et de dispositifs éphémères. Cette fabrique douce de la ville jouant sur le léger,
le démontable et le temporaire permet l’expérimentation.
Plus largement, l’approche temporelle interroge la polyvalence, la modularité des espaces, autour de l’idée de « ville malléable ».
Elle questionne la notion de « l’habiter temporaire » et oblige à s’interroger sur une « citoyenneté éphémère et situationnelle » et
sur une « identité ouverte et situationnelle ».
L’instabilité, l’éphémère, le mouvement ou
la discontinuité ne signifient pas la fin de l’histoire, de la géographie ou du politique. Ce n’est
pas la mort des territoires mais l’acceptation
de leur complexité, de leur polymorphisme et
de leur polychronie. L’évolution des relations
entre temps, espaces et habitants tempo-

raires permet d’imaginer de nouveaux outils
et « contrats de confiance ».
Entre sécurité et liberté, patrimonialisation
et mise en exploitation, la nuit urbaine nous
défie encore. C’est un formidable enjeu pour
nos villes, une dernière frontière, un territoire
à défricher et une clé d’entrée pour repenser le vivre ensemble et la durabilité des systèmes urbains. C’est un enjeu pour les collectivités qui doivent redéfinir un aménagement
dans l'espace et dans le temps afin d'éviter
le développement des conflits, la ségrégation
temporelle et les effets négatifs du « temps
sécateur » qui sépare les groupes et les individus. C’est un enjeu pour les chercheurs
qui ne peuvent rêver plus beau projet que de
faire le jour sur la nuit. C'est un enjeu pour
nous tous enfin. Voulons-nous d’une ville
en continu 24 heures sur 24 ? Souhaitonsnous voir la nuit envahie par les valeurs et les
règles du jour ? Le jeu en vaut-il la chandelle ?
—
			

LUC GWIAZDZINSKI, *1966, est géographe, directeur

de l’Institut de géographie alpine (IGA) à l’Université
Grenoble Alpes, responsable du Master Innovation
et territoire (www.masteriter.fr), chercheur au
Laboratoire Pacte (UMR 5194 CNRS) au MOTU (Milan)
et associé à l’EIREST (Paris 1 Panthéon Sorbonne).
Ses travaux portent notamment sur la nuit, la ville
24 heures sur 24 et le chrono-urbanisme.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Grand angle

45

PRATIQUE

La nuit, composante
essentielle des plans
d’aménagement
Rainer Klostermann

r.klostermann@fkurb.ch

La Suisse a toutes les raisons de remettre en
question la différenciation traditionnelle entre
ville et campagne, que ce soit au niveau spa-

tial, socioculturel ou politique. Dans une Confédération de 26 cantons, marqués par une
grande autonomie communale et une forte
concurrence économique, cette réflexion
constitue une grande priorité. En effet, l’étalement urbain résulte d’une situation d’extrême
concurrence entre cantons et à l'intérieur
même des cantons. Certes, on s’efforce de parvenir à une coordination structurelle en établissant des plans à une échelle plus large, par
exemple les espaces métropolitains; cependant, les communes de ceinture des agglomérations se battent au niveau régional pour se
forger une identité, maintenir leurs fonctions
et développer leurs utilisations du sol.

46

forum du développement territorial 03 / 2015 — Pratique

La ville d’aujourd’hui est exploitée d’une
manière toujours plus intense, ce qui
laisse peu de place à l'expérimentation. Or
il faut continuer à vivre ensemble, même
à l’étroit, ce qui demande de nouvelles
approches. De jour comme de nuit, les espaces ouverts forgent l’image d’une ville
et restent indispensables au maintien du
pouvoir innovant des centres urbains.

Lorsqu’une commune prend conscience
qu’elle est une ville en devenir, elle met à
long terme des atouts dans son jeu. Elle ose
dépasser les limites administratives – sans
pour autant effacer ses frontières politiques.
Des modèles coopératifs de planification urbaine, territoriale et économique sont alors
appelés à remplacer l’esprit de concurrence
habituel.
Les espaces urbains sont des lieux de vie
denses et animés, véritables incubateurs de
formes novatrices de transport, d’écologie et
de pratiques sociales. Les villes servent ainsi de laboratoires d’expérimentation de mo-

des de vie intégratifs. Cette caractéristique
devrait être mieux exploitée.
La campagne, contrepoids à la ville

Les interrelations entre la ville et la campagne
forment un système complexe. Il n’y a pas de
recette miracle pour favoriser leur synergie.
Les projets en restent souvent au stade de
l’esquisse, ou sont rapidement dépassés car
la situation évolue constamment; à noter toutefois que des solutions provisoires peuvent
également avoir leur place dans une conception dynamique de la ville.
Dans une économie en expansion, par contre,
on ne déconstruit pratiquement jamais l’espace bâti pour le rendre à la nature. Contreexemple rare: une route est devenue célèbre
au nord de Zurich; elle se dégrade lentement
tandis que les partisans de sa réaffectation se
disputent à longueur d'année avec ceux qui
souhaitent sa suppression.
Les lobbies professionnels sont actifs lorsqu’il s’agit de protéger des réseaux biologiques dans les zones rurales; et la Suisse dispose de lois très efficaces. Mais pour trouver
des solutions écologiques en milieu urbain,
une très grande créativité est nécessaire; elle
devrait pouvoir s’épanouir sous forme de projets paysagers.

De manière générale, l’engagement reste encore trop fortement axé sur les problèmes
fonctionnels de l’économie et des transports,
et on investit encore trop peu dans la nature
et le paysage en tant que formidables contrepoids à la ville. On en reste au réflexe de protection, alors que ces éléments pourraient
faire l’objet de pratiques novatrices.

du jour et de la nuit. Dans ces petites villes
et villages, les transports publics, trop rares,
sont souvent des « incitations à découvrir la
marche à pied » ! Les infrastructures de transport des villes sont donc toujours une composante urbanistique importante.

Les villes et les échanges

Les villes sont des lieux de vie au service de
tous. En prenant de l’âge, les gens quittent
l’agglomération et reviennent s’installer en
ville parce qu’ils en apprécient les équipements et la qualité de vie. Les jeunes, de leur
côté, veulent explorer les opportunités offertes par la société urbaine. La mobilité étant
très développée dans notre pays, ces tendances ne sont peut-être pas aussi affirmées
dans la plupart de nos régions qu’à l’étranger,
mais cette évolution est un paramètre sociopolitique déterminant. Indépendamment
de leur âge, les gens souhaitent participer à
la vie de leur ville. L’identité et l’ambiance
jouent à cet égard un rôle important.

Alors que les agglomérations cherchent à
atténuer les nuisances des grandes infrastructures de transport, les centres-villes
s’efforcent de limiter le trafic automobile, inefficace dans ces espaces: rues piétonnes et
mobilité douce permettent justement un trafic plus dense, directement couplé aux transports publics.
Par contre, les petites villes et les villages pâtissent souvent très fortement de problèmes
de trafic, qu’on essaie de résoudre par des
protections antibruit. Or les routes restent
des déserts au milieu de la ville, fréquentées
uniquement aux heures de pointe; elles
« phagocytent » l’espace public à toute heure

Les villes et la jeunesse

Les villes disposent toutefois d’espaces de
plus en plus restreints permettant d'expéri-

Dans les grandes villes, des idées novatrices
sont déjà mises en œuvre aujourd’hui. Ce
changement a été initié en Suisse dans de petits cercles, notamment par des apiculteurs
amateurs de la Langstrasse de Zurich ou par
des horticulteurs en herbe se risquant à créer
des potagers urbains suspendus sur le toit
des immeubles. Les citoyens se réveillent et
se mobilisent hors du champ professionnel.
Ce faisant, ils s’inspirent des coulées vertes
de New York ou Paris, ou des parcs célèbres
de villes américaines ou anglaises. Mais on
agit à une échelle réduite – typiquement
suisse.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Pratique

47

menter de nouvelles manières de vivre,
même temporaires. Les friches urbaines se
font rares et la vie est trop chère en ville pour
les groupes de population concernés. Pourtant, c’est bien dans les villes que l’on trouvera des opportunités de repenser les services
ou les modalités d’habitation.

nouveaux espaces d’expérimentation pourraient peut-être voir le jour. Cela exigerait
certainement la conclusion de partenariats
plus larges entre particuliers et collectivités
publiques.

Les jeunes, les apprentis, les étudiants et les
"alternatifs" devraient s’impliquer davantage
dans ce qu’ils font pour mieux participer à la
vie citadine, et contrebalancer ainsi la normalité. Pour cela, il faudrait davantage de modèles montrant à une jeunesse engagée des
possibilités d’expression autres que celles
proposées par l’économie de marché. De

Qui dit extension du milieu bâti et mobilité,
dit lumière. On se trouve alors confronté au
difficile dilemme du maintien ou du développement de l'éclairage. La lumière et l’éclairage ne doivent pas être planifiés isolément,
mais uniquement par rapport à l’urbanité, qui
est elle-même un système complexe. La lumière doit être étudiée sous l’angle écono-

48

forum du développement territorial 03 / 2015 — Pratique

mique, fonctionnel et écologique, et selon
l’ambiance qu’elle crée. Elle est une forme
d’expression socioculturelle, avec des variations d’une région à l’autre. Le temps où la lumière était simplement l’expression du succès économique est révolu.

Les villes et l’obscurité

Le pendant de la lumière est l’obscurité, avec
toutes sortes de variations. De même qu’on
ne doit pas analyser la campagne comme
un vide de constructions, il faut considérer
l’obscurité comme un élément important de
la ville en tant que lieu de vie. Comme pour
le trafic, il n’est pas possible d’offrir tout à
tout le monde, à tout moment. Cette prise de
conscience constitue le point de départ de

sirs s’est considérablement allongée, surtout
dans les régions urbaines densément peuplées. Du coup, la lumière artificielle s’est imposée dans toutes les villes du monde. Aujourd’hui toutefois, un consensus émerge
pour exiger une certaine retenue en matière
d’éclairage. Comme souvent, il faut protéger
les aspects apparemment mineurs et les apprécier à leur juste valeur.

cette manière de réinventer la ville. Considérer cette dernière comme un ensemble intégré, un lieu de vie, signifie que tous les acteurs
du développement urbain doivent davantage
réagir les uns par rapport aux autres, et accorder plus d’attention à des thématiques qui
ne sont secondaires qu’en apparence.
Il s’agit de planifier l’ombre, et pas seulement
la lumière comme on l’a fait jusqu’à présent.
Cela permettra de ne plus être surpris par

l’absence d’ombre. Les villes devront se doter
d’un plan lumière, en veillant à l’ajuster aux
besoins: l’ombre et la lumière ne se justifient
que lorsqu’elles sont effectivement utiles.
La nuit, un laboratoire d’essai très particulier

On rencontre souvent des voyageurs décrivant les grandes mégalopoles endormies
dans lesquelles règne un calme surprenant.
Il est vrai que la durée du travail et des loi-

Dans notre monde de surconsommation, le
vide nous paraît souvent insupportable. En
ce qui concerne la lumière, la victime de nos
politiques en matière de sécurité, de fonctionnalité et d’ambiance, c’est l’obscurité. Le
progrès technique peut, certes, nous aider. Il
doit toutefois respecter une certaine durabilité par rapport à la croissance économique
classique. A des degrés différents selon leur
situation géographique, les villes subissent
des pollutions lumineuses provoquées par
la mobilité, nos besoins de sécurité et nos
exigences accrues en matière de qualité de
vie nocturne. Notre petit pays n’est pas épargné. La prise de conscience de ce phénomène
doit permettre de développer une nouvelle
culture de l’éclairage et d’accorder davantage d’attention à l’obscurité dans un plan
lumière intégrant l’ensemble du territoire urbain.
Par certains aspects, une ville qui vit 24
heures sur 24 peut fonctionner. Cependant,
l’être humain a encore et toujours besoin de
repos, et il continue de vivre au même rythme
que le soleil. La ville doit tenir compte des besoins de repos et d’obscurité de sa population. Pour rester vivante, elle a autant besoin
de nuit que de belle nature.
— 			
(traduction)

RAINER KLOSTERMANN, *1958, a fait des études d’archi-

tecture et d’urbanisme à Zurich, Vienne et Ahmedabad, et
obtenu son diplôme en 1983 à l’EPFZ. Il a débuté son activité
professionnelle au sein du bureau Santiago Calatrava,
Pierre Zoelly, Burkhalter Sumi et Planpartner AG. En 1989,
il a fondé avec son associé, Pierre Feddersen, son propre
atelier spécialisé dans les questions d’urbanisme. Les petites
commandes se sont ensuite muées en grands projets, par
exemple, le concept d’aménagement paysager d’AlpTransit au Gothard (depuis
1993) et celui de la ligne de la vallée de la Glatt (1998 – 2012).

forum du développement territorial 03 / 2015 — Pratique

49

RECHERCHE

Scénarios d’évolution
de la société 24h/24
dans le domaine de
la mobilité
Fabienne Perret

fabienne.perret@ebp.ch

50

forum du développement territorial 03 / 2015 — Recherche

C’est une évidence: tout développement
des activités nocturnes a des incidences
sur le trafic. Mais une prolongation des
horaires d’activité se traduit-elle par une
augmentation des personnes-kilomètres
parcourus? Ou, plus simplement, les trajets effectués se répartissent-ils autrement le jour et la nuit? Se déplace-t-on la
nuit pour aller dans d’autres lieux? Quels
moyens de transport sont-ils privilégiés? Quatre scénarios montrent que la
société 24h/24 détermine elle-même les
contours de sa mobilité. A cet égard, les
valeurs sociales jouent un rôle déterminant.

Quelles sont les incidences de la société
24h/24 sur les flux de trafic et indirectement
sur les besoins en infrastructures? Plusieurs
hypothèses ressortent des scénarios qui ont
été développés en 2011 par la Société suisse
pour des études prospectives (swissfuture)
dans l’ouvrage Wertewandel in der Schweiz
2030 (mutation des valeurs dans la Suisse
de 2030). Ultérieurement, ces scénarios ont
été approfondis en collaboration avec le
bureau Ernst Basler + Partner, dans le cadre
de l’étude Mobilität 2030/2050, publiée fin
2013. Le trait a été sciemment forcé pour
chacun de ces scénarios afin de montrer
le large éventail d’évolutions possibles. Les
deux variables décisives dans les quatre scénarios sont la richesse et l’Etat (n.d.t.: compris comme l’ensemble des pouvoirs publics).
« EGO »: jour et nuit se confondent

Le scénario « EGO » part de l’hypothèse selon laquelle la Suisse peut, ces prochaines
années encore, enregistrer une croissance
sensible de sa richesse. La Suisse entretient
d’excellentes relations avec les puissances
économiques tant anciennes qu’émergentes.
Compétitivité, mondialisation et utilisation in-

tensive des technologies de l’information et
de la communication sont les grandes caractéristiques de cette société. Les valeurs de
référence privilégient la flexibilité des liens,
que ce soit vis-à-vis de la famille, de l’employeur ou de son propre pays. Prédominent
dans ce scénario des valeurs telles que l’autodétermination et l’ascension sociale. La
réussite sociale et économique – ou la déchéance – sont les seuls fruits de la performance personnelle.

Dans ce monde libéralisé, il faut pouvoir
consommer et se divertir à outrance toute la
nuit; en conséquence, on se déplace autant
la nuit que le jour; le trafic dans son ensemble
s’accroît. Partout où l’offre nocturne de transports laisse entrevoir la perspective de gagner de l’argent, des prestataires de services
du secteur privé s’empressent de proposer
des offres différenciées.
« CLASH »: des horaires de nuit pour s’en
sortir

Incidences sur la mobilité: l’argent rend
mobile

Selon le scénario « EGO », les nouveaux paradigmes sont les suivants: aller plus vite,
plus loin, vivre plus densément, être plus
flexible, viser le prestige et ne penser qu’à
soi. Toute intervention étatique restreignant
les libertés est taboue. On investit pour faciliter le libre épanouissement des individus.
La grande importance accordée à la liberté
personnelle, la primauté des besoins individuels ainsi qu’un Etat allégé vont de pair
avec la différenciation et la privatisation des
prestations de transport. Il n’y a aucune limite à la société 24h/24; chacun se déplace
quand il veut, où il veut et autant qu’il veut.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Recherche

Le scénario « CLASH » part de l’hypothèse
selon laquelle la prospérité de la Suisse va
nettement diminuer ces vingt prochaines
années. Même la collaboration renforcée
avec l’Europe ne peut freiner le déclin économique. L’Etat, faible, ne peut apporter aucune solution aux problèmes. Dans cette
Suisse, les disparités sociales s'accentuent.
Il n’est pas rare que les conflits qui découlent
de cette mauvaise répartition des richesses
soient attisés par les différentes idéologies.
La polarisation politique conduit à une paralysie sociale. La loi du plus fort resurgit de
plus belle. La peur et l’insécurité, très répandues, alimentent le ressentiment et la méfiance.

51

Incidences sur la mobilité: la nécessité rend
inventif

Avec le déclin de la prospérité, la grande majorité des gens a de plus en plus de peine à
gérer sa mobilité quotidienne. Les infrastructures périclitent; l’absence de transports
publics est compensée par l’entraide et la
coopération dans le cercle des proches. La
société 24h/24 résulte de la nécessité, pour
survivre, d'exercer plusieurs jobs. L’Etat peut
uniquement maintenir un service minimum
de transports de jour. Pour les trajets de nuit,
les gens doivent trouver eux-mêmes des solutions. Beaucoup utilisent leur vieux vélo ou
leur vieille voiture sur des routes mal éclairées et mal entretenues. Le trafic augmente,
tandis que la sécurité dégringole de façon
drastique.

de performance environnementale. Les projets d’infrastructures de transport doivent tenir compte de plusieurs paramètres: qualité
du système dans son ensemble, offre attractive et desserte de base fondée sur le principe de la solidarité. Seules les personnes qui
doivent absolument le faire se déplacent la
nuit. Elles profitent alors de l’offre de transports publics dont l’Etat a poursuivi l’extension en ajustant les prestations aux besoins.
Elles peuvent aussi utiliser un véhicule peu
bruyant, de façon à perturber le moins possible le sommeil des riverains. Comme la collectivité est convaincue de l’incompatibilité
du trafic nocturne avec la convivialité et l’environnement, la circulation n’augmente pas.

« BIO CONTROL »: régulation et rationalisation

La Suisse est isolée politiquement et économiquement. A la différence de la situation
décrite dans le scénario « CLASH », les politiques ne capitulent pas face à la crise, mais
s’efforcent de maîtriser celle-ci. Les problèmes sociaux - par exemple la violence des
jeunes, la dégradation de la santé publique
et le manque d’opportunités de formation
– sont combattus par la mise en place d’un
paquet de mesures, à la fois préventives et
répressives. Ce scénario débouche sur l’avènement d’une Suisse qui revendique haut et
fort son particularisme et pourrait facilement

RICHESSE
en augmentation

« BALANCE »: des horaires de nuit pour

BALANCE

CLASH

BIO CONTROL

faible

EGO

fort

Le scénario « BALANCE » part de l’hypothèse
selon laquelle la Suisse continue de prospérer et devient le leader de la recherche et de
l’innovation en Europe. Les richesses qui en
résultent ne sont pas investies de la même
manière que selon le scénario « EGO »: les
services sociaux sont adaptés à l’évolution
démographique et aux besoins de la société;
il devient plus facile d’assurer à la fois vie de
famille et ascension professionnelle; la qualité des quartiers et des logements s’améliore. Ce scénario repose sur des valeurs
de durabilité sociale, écologique et économique. Les citoyens sont convaincus de l’importance d’un équilibre entre travail et mode
de vie; ils s’engagent facilement dans la vie
associative.

ETAT

un mode de vie à visage humain

Incidences sur la mobilité: durabilité
réfléchie

Les moyens de transport se combinent de
manière flexible. Le but est de favoriser les
trajets les plus courts ainsi qu’un niveau élevé

en diminution

52

forum du développement territorial 03 / 2015 — Recherche

basculer dans le mythe de l’autarcie. Cette
Suisse comprend que le bon fonctionnement
de la société est plus important que la liberté personnelle. L’individualisme est en perte
de vitesse.
Incidences sur la mobilité: efficacité imposée

La conscience environnementale et l’équilibre social sont des maximes étatiques essentielles, qui influent aussi sur la mobilité.
Des initiatives prises dans les domaines de la
santé et de l’efficacité des ressources aboutissent à une réglementation et un contingentement des déplacements. Il en résulte des
restrictions individuelles et un coût élevé de
la mobilité. Des limites strictes sont imposées pour réguler les horaires de travail 24
heures sur 24: seules peuvent effectuer des
déplacements de nuit les personnes au bénéfice d’une autorisation – après avoir apporté la preuve qu’elles avaient d'importantes
obligations sociales à remplir durant la nuit.
L’Etat définit le moyen de transport autorisé
pour le trajet de nuit. Celui-ci compte double
dans le décompte du contingentement, car
l’objectif visé est de parvenir à une stabilisation du trafic dans son ensemble.
A la recherche de stratégies et de projets
solides

Les scénarios présentés ci-dessus se réaliseront-ils? Si oui dans quelle mesure? Tout dépend, pour l’essentiel, des valeurs qui l’emporteront dans la société suisse, et des réponses qui seront apportées aux diverses
évolutions internes et externes. Comme il est
impossible de faire des prévisions fiables, la
planification des transports et du territoire ne
doit pas s’arrêter à un seul scénario, même
souhaitable. Elle doit développer des stratégies et des projets résilients qui, même si
les choses n'évoluent pas dans le bon sens,
seront d’une grande utilité pour la société
civile, l’économie et l’environnement.
— 			
(traduction)

FABIENNE PERRET, *1977,

a étudié la géomatique à l’EPFZ
et travaille aujourd’hui chez
Ernst Basler + Partner en qualité
de planificatrice des transports.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Recherche

53

VILLES

La ville de Berne
s’est dotée d’un
Concept pour la vie
nocturne afin de désamorcer les conflits
Marianne Catillaz-Dubey

marianne.catillaz@bern.ch
Le dynamisme de la vie nocturne polarise
les esprits également en ville de Berne.
Le Concept pour la vie nocturne tente par
la mise en place de diverses mesures de
concilier les intérêts des habitants, des
clubs et des usagers. Parmi ses priorités
figurent la communication et la prise de
responsabilité des exploitants d’établissements publics. Un organe de médiation
pour toutes les personnes concernées a
également été mis en place. Des progrès
ont déjà été constatés en matière de
lutte contre le bruit et du point de vue de
la quantité de déchets abandonnés sur la
voie publique.

Ces dernières années, la vie nocturne en ville
de Berne s'est fortement développée, en particulier dans la partie haute de la vieille ville.
Cette effervescence n’a pas déclenché l’enthousiasme des riverains. Le conflit s’est exacerbé lorsqu’un club renommé a dû fermer
définitivement ses portes en raison du bruit
qu’il occasionnait. Plusieurs interventions
parlementaires ainsi qu’une pétition ont attiré l’attention des autorités sur la nécessité d’établir un Concept pour la vie nocturne
bernoise. Les médias ont également largement relayé cette demande. Une association,
Pro Nachtleben Bern (promotion de la vie
nocturne à Berne) et une commission, Bar
und Club Kommission Bern (BuCK), se sont

ensuite créées. Plusieurs tables rondes ont
réuni les exploitants d’établissement et les
habitants. Elles ont permis de cerner plus
précisément les besoins, demandes et réclamations de toutes les parties. La ville de
Berne a ensuite élaboré un projet, qu’elle a
présenté aux partis politiques et aux associations et organisations concernées. Cette

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forum du développement territorial 03 / 2015 — Villles

procédure de consultation a débouché, en
septembre 2013, sur l’adoption du Concept
pour la vie nocturne, qui propose 18 mesures
tenant compte des besoins des différentes
parties.
Ce concept permet à la ville de Berne de
maintenir une vie nocturne et culturelle dynamique et attractive, tout en faisant res-

pecter des règles claires. Ce document n’est
bien sûr pas gravé dans le marbre; Il sera régulièrement réexaminé et adapté à l’évolution de la société. Une première réactualisation est prévue pour 2016.
Un plan-sécurité pour rassurer les partenaires

L’une des mesures phares du Concept pour
la vie nocturne est le plan-sécurité (SecurityKonzept) développé dans le but de limiter la
quantité de déchets jetés dans la rue,  d’abaisser le niveau de bruit et de réduire le vandalisme nocturne. Ayant été élaboré par les
autorités concernées (préfecture de BerneMittelland, police cantonale bernoise, exécutif de la ville de Berne), en collaboration avec
des groupements spécialisés (BERNcity,
GastroStadtBern, IG Aarbergergasse und Umgebung), ainsi qu'avec plusieurs exploitants
d’établissements publics, il bénéficie d’un
large soutien. Il énumère en premier lieu les
conditions et les règles que les établissements doivent observer, ainsi que les nuisances qu’ils doivent éviter. Sont assujettis
au plan-sécurité tous les établissements au
bénéfice d’une autorisation générale d’ouverture prolongée en ville de Berne, c’est-à-dire
tous les locaux au bénéfice d’une autorisation annuelle de prolonger leurs horaires
d’ouverture au-delà de 0 h 30, certains jours
de la semaine. Un projet pilote a été initié en
2011 dans les ruelles proches de la gare de
Berne – Aarbergergasse, Neuengasse, Genfergasse et Speichergasse - qui comptent de
nombreux cafés, bars, restaurants et clubs. A
la suite des nombreuses réactions positives,
le plan-sécurité a été élargi à l’ensemble du
territoire de la ville.
Le plan-sécurité règle, par exemple, l’obligation d’engager du personnel de sécurité qualifié. Une autre mesure consiste à désigner
dans chaque établissement une personne
faisant l’interface avec les autorités. Cette
personne peut annoncer tout incident grâce

à un téléphone mobile mis à sa disposition,
dont le numéro est enregistré par les autorités. Cet appareil, utilisable seulement pendant les heures d’ouverture, est réservé aux
communications de l’établissement avec les
autorités – par exemple questions adressées

forum du développement territorial 03 / 2015 — Villles

aux services communaux ou demandes d’assistance. La personne qui appelle peut être
immédiatement identifiée, ce qui raccourcit le temps de réaction. Inversement, cela
permet aux autorités de prendre contact en
tout temps avec la personne de référence.

55

Cette mesure a pour but d’améliorer la collaboration, notamment en cas d’urgence, et
de permettre des interventions plus rapides.
De plus, ce téléphone est un précieux outil
de mise en confiance, qui ouvre des perspectives de collaboration constructives.
Un autre objectif visé par le plan-sécurité est
d’encourager les échanges et la recherche
de solutions entre les autorités et les établissements. Pour cela, des tables rondes sont
organisées plusieurs fois par année pour
discuter de problèmes, propositions et demandes, et pour échanger des avis sur les
expériences réalisées.

l’ont mis en œuvre. Grâce à ce concept, les
conditions de sécurité dans les endroits sensibles – dans l’Aarbergergasse par exemple
– se sont considérablement améliorées. Cela
démontre que les exploitants de clubs sont
plus conscients de leurs responsabilités en
matière de sécurité, de propreté et de tranquillité.
Un organe neutre de médiation pour la gestion de conflits

En septembre 2013, lors de l'adoption du
Concept pour la vie nocturne bernoise, 33
établissements avaient adhéré au plan-sécurité. Entre-temps, plus de 70 établissements

Le Concept pour la vie nocturne prévoit
par ailleurs la nomination d’une personne
de contact neutre, à laquelle les habitants
peuvent en tout temps s’adresser pour formuler des demandes, poser des questions ou
se plaindre de nuisances liées à la vie nocturne. La nécessité d’engager une telle per-

56

forum du développement territorial 03 / 2015 — Villles

sonne n’a été contestée ni par les habitants,
ni par les clubs. La tâche principale de cette
dernière est d’assurer une médiation en cas
de conflit entre la population et un exploitant
de club, ou entre les autorités et les clubs ou
bars, et de fournir des renseignements généraux sur la vie nocturne bernoise.
Ce médiateur doit agir rapidement et simplement, et cultiver un contact étroit avec les
autorités, les établissements publics et les
associations de quartier. La ville de Berne a
pu confier un mandat dans ce sens à l’ancien
responsable de l’Office municipal de la jeunesse, un spécialiste de la médiation. Cette
année, le médiateur a été sollicité pour deux
conflits importants. Il a aussi répondu à diverses demandes d’exploitants, d’habitants,
de médias et d’organisations spécialisées.

Des conteneurs de clubs pour éviter l’abandon de déchets dans la rue

Afin de résoudre le problème de l’abandon
sur la voie publique d’emballages de nourriture et surtout de bouteilles vides, la ville de
Berne a lancé un projet pilote consistant à
offrir des conteneurs à déchets de 360 litres
aux clubs situés le long des ruelles très fréquentées durant la soirée. Pendant la journée, les exploitants les remisent dans leurs
locaux, et durant les heures d’ouverture, ils
les placent devant leur porte. Les déchets
sont ensuite collectés par les services municipaux. Selon l’évaluation effectuée au terme
de cette année pilote, il y a moins de bouteilles, de verres et d’éclats de verre qui
traînent, et les risques de blessures ont donc
diminué. Cette action est un succès et sera
poursuivie dans un périmètre plus large.
Il ne faut pas s’arrêter en si bon chemin

Le Concept pour la vie nocturne énonce des
mesures différenciées à court, moyen et long
terme. Les mesures à court terme, réalisables
dans les deux ans, ont été pour la plupart
mises en œuvre. De même, la majeure partie des mesures à moyen terme, réalisables
dans les cinq ans, ont été lancées, que ce soit
sous forme de projet pilote, d’examen plus
approfondi ou de négociations.
Quelques-unes des mesures prévues dans
le concept n’ont toutefois pas pu être développées en raison de leur incompatibilité
avec des lois cantonales ou fédérales en vigueur. C'est le cas de la mesure « Adaptation
des prescriptions en matière de bruit », prévue à long terme dans le Concept pour la vie
nocturne. En effet, le Conseil national a rejeté la motion de Kathrin Bertschy, conseillère
nationale pourtant soutenue par la ville de
Berne. La motion chargeait le Conseil fédéral
de proposer au Parlement une modification
des dispositions légales. Il s’agissait d’autoriser la création d’une nouvelle zone d’affecta-

tion cantonale, dénommée « zone urbaine »,
dans laquelle auraient pu s’appliquer des valeurs limites de bruit différenciées en fonction de l’origine du bruit.
Grâce à son Concept pour la vie nocturne, la
ville de Berne empoigne énergiquement les
problèmes liés aux utilisations nocturnes,
toujours plus intenses, de l'espace public.
Les expériences conduites jusqu’à présent
montrent que des progrès ont été réalisés dans de nombreux domaines, mais que
ceux-ci s’inscrivent dans un processus en
constante évolution.
— 			
(traduction)

 Le Concept pour la vie nocturne (en allemand
seulement) et son plan d’ensemble sont téléchargeables à l’adresse suivante:
http://www.bern.ch/leben_in_bern/freizeit/
ausgang-in-bern

MARIANNE CATILLAZ-DUBEY, *1975, est juriste. Elle a passé sa

licence à l’Université de Fribourg et travaille depuis 2003 à l’Inspection
de la police de la Ville de Berne. Son champ d’activité comprend
notamment la clarification de certaines questions juridiques et la
conduite de procédures administratives et législatives. Dans le
cadre de cette fonction, elle a participé à l’élaboration du Concept
pour la vie nocturne.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Villles

57

INVITEE ALEXANDRA HEEB

«  Une ville vivante
est une ville qui sait
négocier, toujours. »
Interview: Pieter Poldervaart
Photos: Flurin Bertschinger

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forum du développement territorial 03 / 2015 — Invitée

Les bruits nocturnes et autres nuisances
de la société 24h/24 sont très fluctuants.
Ils apparaissent, disparaissent et réapparaissent soudainement. Au lieu de miser uniquement sur la police et les services d’ordre, Alexandra Heeb, déléguée
à la sécurité des quartiers de la ville de
Zurich, organise des tables rondes avec
des exploitants de clubs et des riverains.
Le bruit reste toutefois un problème récurrent, concède-t-elle. Mais la négociation, l’écoute et la médiation permettent
à une ville de maîtriser cette contradiction.

Dans ce pays, quand on parle de société
24h/24, on pense tout de suite à la Langstrasse de Zurich. Ce haut lieu de la vie
nocturne en Suisse vous donne-t-il du fil à
retordre?
Alexandra Heeb: La table ronde que nous organisons pour la Langstrasse est celle qui nous
mobilise le plus pour le moment. Cependant,
la vie nocturne ne se limite pas à la Langstrasse. Depuis la suppression des heures de
fermeture du soir et la libéralisation de la loi
de 1996 sur l’hôtellerie et la restauration, le
nombre d’établissements autorisés à rester
ouverts toute la nuit est passé de moins
de 100 à plus de 650 aujourd’hui. Autre indice indiquant un accroissement des activités nocturnes: de 2003 à 2012, le nombre de
personnes qui utilisent les transports publics
zurichois ZVV (Zürcher Verkehrsverbund) a
connu une augmentation de plus de 221 %.
La poule et l’œuf ou l’œuf et la poule?
Au début, les ZVV ont juste adapté les fréquences à la demande. Peu à peu, cette infrastructure de transport est devenue ellemême un encouragement à sortir: les jeunes,
surtout, pouvaient rentrer de leurs soirées
sans se ruiner. Or, depuis l’introduction de

trajets nocturnes dans le RER, la fréquentation a considérablement changé: si les
trajets nocturnes à 2 h du matin étaient à l’origine conçus pour les voyageurs souhaitant
rentrer à la maison, ils permettent dorénavant aux fêtards tardifs de commencer leur
soirée. La société 24h/24 a donc tendance à
se décaler vers le petit matin. De plus, l’excellence de ce service nocturne incite désormais des personnes de toute la Suisse alémanique à sortir à Zurich.

« Nous voulons
montrer que la ville
prend toutes les
parties concernées
au sérieux. »

La ville de Zurich serait donc le must de
la vie nocturne dans notre pays?
Dans une certaine mesure, seulement. Toute
la ville de Zurich n’est pas concernée. Une cartographie SIG montre que les établissements
au bénéfice d’une autorisation d’ouverture
nocturne sont concentrés dans les quatre
quartiers de la Langstrasse, du Niederdorf,
de Zurich West et d’une partie de l’arrondissement 3. En superposant cette carte à celle
des plaintes pour cause de bruit, on voit une
corrélation entre les deux phénomènes.
La société 24h/24 n’a toutefois pas pénétré
dans les autres quartiers. Les différences sont
d’ordre géographique, mais aussi temporel:
la société 24h/24 s’accélère à l’approche du
week-end.

Le projet « Nachtleben » n’a pas pour ambition de proposer un catalogue de mesures
mais de montrer que la ville prend au sérieux ce phénomène et s’intéresse aux personnes concernées: les riverains, qui doivent
supporter le bruit et les diverses nuisances
et se prémunir contre des soirées trop agitées; les acteurs du spectacles et du divertissement, qui se plaignent de la pénurie de
lieux et de locaux; enfin, les divers services
de l’administration municipale, sollicités différemment ou selon de nouveaux horaires.

Comment expliquer un tel boom de la société de loisirs?

Comment réagit l’administration de la
ville?

Si nous le savions! Manifestement, beaucoup de gens ont davantage d’argent et de
loisirs qu’auparavant. Les sociologues euxmêmes ne sont pas d’accord sur les raisons
de ce phénomène. Il y a sans doute plusieurs
explications. Je n’en ai pas. D’ailleurs, notre
travail n’est pas de rechercher les causes de
ce phénomène, mais d’en gérer les conséquences.
Le projet « Nachtleben » (vie nocturne) de
la ville de Zurich vise à prévenir les excès.
Pouvez-vous nous en parler?

Durant ce semestre d’été, nous avons tenté l’expérience de concentrer sur les weekends – lorsqu’une présence plus importante
est nécessaire – l’engagement d’une unité
de police composée d’une trentaine de collaborateurs. Nous devons encore procéder
à une évaluation. Autre exemple: retarder le
passage du service de la voirie, car les rues
et les trottoirs ne peuvent être nettoyés
qu’après le retour au domicile des derniers
noctambules. Or de nombreuses personnes
actives partent de chez elles à 7 h du matin et s'attendent à trouver une ville propre.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Invitée

59

«  Nous avons surtout
besoin d’améliorer les
relations de voisinage:
chacun doit admettre
que les autres existent
aussi. »

prix, mais ce lieu est resté mort durant de
longues années. Entre-temps, il s’est mué en
espace de rencontre pour les jeunes, mais
le bruit et les déchets abandonnés gênent
le voisinage. Il a donc fallu prendre une série de mesures: augmenter la fréquence des
patrouilles de la police municipale, organiser
une gestion différenciée du parc par le Service des espaces verts (Grün Stadt Zurich),
prévoir un passage de la voirie municipale à
des heures bien déterminées pour nettoyer
le parc et mettre en place une ligne téléphonique directe permettant à la population de
se plaindre des nuisances.
La ville ne doit-elle pas surtout affronter
le problème des déchets jetés sur la voie
publique?
Pas seulement. Un grand nombre d’unités
administratives sont concernées. Souvent,
des interventions très rapides sont nécessaires, que ce soit de la police, du service
de la voirie ou des espaces verts. Il s’agit de
gestion, mais aussi de développement urbain. Nous avons réagi à cette complexité
en proposant une plateforme qui permette
d’examiner les besoins et d’étudier les ré-

60

ponses à apporter. Il nous semble par ailleurs primordial de considérer que la vie
nocturne a, certes, de l’importance, mais
que ses conséquences doivent rester supportables pour le voisinage.
Comment procédez-vous?
Prenons l’exemple du parc MFO dans le
quartier de Zurich-Nord. L’aménagement de
ce jardin suspendu, qui est l’ancien site de
production de la Maschinen Fabrik Oerlikon
a, certes, été récompensé par de nombreux

forum du développement territorial 03 / 2015 — Invitée

Vous intervenez lorsque les voisins appellent?
Ce n’est pas si simple car la population doit
également faire sa part. Son rôle ne se limite pas à signaler des abus. Elle doit également suivre ce qui se passe et informer des
éventuels progrès qu’elle aurait constatés.
Parfois, c’est un riverain qui est désigné
comme personne de contact et interlocuteur téléphonique. Notre objectif est de parvenir à un équilibre entre les usagers de l’espace public et le voisinage.

Et comment impliquez-vous le voisinage?
Comme je l’ai dit précédemment, la Langstrasse est le lieu qui nous mobilise le plus.
Le conflit a repris ce printemps. Dans une
lettre ouverte, le voisinage s’est plaint du
tapage nocturne et de la saleté laissée par
les fêtards. Quelques jours plus tard, les personnes visées ont réagi en adressant une pétition aux autorités. Les positions de chaque
partie s’étaient durcies. Nous avons donc décidé d’organiser une table ronde, à laquelle
plus de 100 personnes se sont inscrites.
Notre objectif était de parvenir par le dialogue à dégager des pistes pour améliorer le
vivre-ensemble. En effet, la Langstrasse est
à la fois un lieu de sortie et un quartier d’habitation.
Cette table ronde était-elle quelque
chose de nouveau?

curité. D’autres, au contraire, pensent que
les éclairages intenses attirent les noctambules, ce qui augmente les nuisances. En ce
moment, nous faisons un test dans le parc
MFO pour examiner si la baisse d’intensité de l’éclairage tranquillise la vie nocturne.
Les mesures d’ordre organisationnel sont
des instruments plus souples à manier que
les mesures d’aménagement, car nous pouvons faire des essais et revenir plus rapidement en arrière si nécessaire.
La brigade Sécurité Intervention Prévention (sip) est un service qui n’existe qu’à
Zurich. Pourquoi un énième service, en
plus de la police et des services privés
de sécurité?
La sip, qui dépend du Département des affaires sociales, est un service d’ordre de
proximité, sans compétence de police. Elle

ne peut donc prendre aucune mesure de
contrainte. Ses collaborateurs portent une
tenue de travail reconnaissable, mais pas
d’uniforme. Les patrouilles, effectuées à deux
ou trois, sont une sorte de service civique
officiel. Les patrouilleurs vont à la rencontre
de personnes qui ont un comportement
problématique: par exemple quelqu’un qui
fait beaucoup de bruit à 2 h du matin dans un
quartier d’habitation, ou un groupe de personnes qui laissent tous leurs déchets sur
place lorsqu’elles quittent leur lieu de rassemblement. La collaboration avec la police
s’est avérée efficace. Ce concept est d’ailleurs repris par d’autres villes suisses.
Quels sont les lieux les plus problématiques?

Je ne parlerais pas de lieux ou de personnes
problématiques. Le bruit est une gêne,

Non, mais on ne parvient habituellement à
réunir que 20 à 30 personnes à une table
ronde. Celle de la Langstrasse est la première de cette ampleur.
Mises à part les mesures d’ordre organisationnel, une telle table ronde débouchet-elle sur une nouvelle manière d'aménager l'espace?
Dans le cadre du projet zurichois « Nachtleben », nous nous occupons surtout de gestion et moins d’aménagement, car nous
partons d’une réalité objective. Certes,
l’aménagement urbain et l’éclairage public
sont des aspects importants; mais une organisation intelligente de l’espace public peut
suffire à favoriser la rencontre entre voisins,
et à mieux connaître les services de l’administration communale. Elle permet d’identifier plus rapidement les évolutions indésirables et donc de les combattre. L’éclairage
est un sujet de discorde qui réapparaît régulièrement. Les uns défendent l’idée que
les éclairages intenses sont un gage de sé-

ALEXANDRA HEEB, *1976, a fait des études d’économie d’entreprise

et de philosophie. A la fin de son cursus universitaire, elle a d’abord
travaillé au sein du Département des affaires sociales de la ville
de Zurich, puis a été engagée comme secrétaire exécutive de la Commission des finances du canton de Berne. Depuis 2011, elle travaille
au Département de la police de la ville de Zurich en qualité de
déléguée à la sécurité de quartier.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Invitée

61

certes, mais les lésions corporelles graves
ou les homicides sont rares. Le vendredi et
le samedi soir sont les plus difficiles à gérer;
d’ailleurs la police a observé que 4 h du matin était l’heure la plus critique: l’ambiance
commence à se dégrader, le niveau d’alcoolémie ou d’autres substances est élevé, les
femmes sont pour la plupart rentrées chez
elles, les quelques noctambules qui restent
sont frustrés, la violence peut éclater à tout
moment.

« Les tables rondes ne
sont pas seulement
sympas; elles peuvent
et doivent contribuer
à alléger le travail de
l’administration municipale sur la durée. »

La Langstrasse a la réputation d’être
bruyante la nuit, mais aussi celle d’être une
scène de violence. Comment qualifieriezvous la sécurité à Zurich?

Depuis plusieurs années, la criminalité est en
légère, voire forte baisse dans presque tous
les domaines. Zurich est aujourd’hui une
ville bien plus sûre qu’auparavant, et ce,
même la nuit. Bien entendu, nous ne devons
pas relâcher nos efforts de prévention de
la violence. Mais la question centrale est de
préserver un équilibre entre les différents
usagers. En d’autres termes: il est bon que
Zurich soit une ville animée la nuit, mais il
faut aussi pouvoir y dormir.
Les chiffres disent que la violence nocturne
est en recul; mais quel est le sentiment de
la population?

Le sentiment subjectif de sécurité est élevé,
il est en augmentation. Les réponses affirmatives à la question: « Vous sentez-vous en
sécurité ou très en sécurité lorsque vous
rentrez chez vous à 2 h du matin? » se situent
entre 80 et 100 % selon le quartier concerné,
ce qui est très satisfaisant.
Il faut donc renforcer la sip et pas la police?

disparaître au bout de deux minutes. Nous
avons surtout besoin d’améliorer les relations de voisinage: chacun doit admettre
que les autres existent aussi. Par exemple,
les clubs peuvent contribuer efficacement
à la tranquillité du voisinage en demandant
à leurs usagers de finir leur dernière bière à
l’intérieur et de ne pas continuer leurs discussions devant la porte.
? Parvenez vous à impliquer effectivement
les clubs et les acteurs de la nuit dans votre
démarche?

Ces dernières années, nous avons considérablement intensifié notre collaboration. Il
est primordial de rechercher les interlocuteurs appropriés. Depuis peu, Zurich dispose
non seulement d’une Commission des bars
et des clubs, mais également d’un « Conseil
municipal de la vie nocturne », dans lequel
sont désormais représentés les usagers, en
plus des acteurs institutionnels et privés.
Quels sont les résultats de cette collaboration?

Rien que par sa présence, la police contribue
également à tranquilliser les quartiers. La sip
ne peut lutter, à elle seule, contre le bruit
car cette nuisance est « volatile » et peut

Jusqu’à présent, nous nous sommes limités à des échanges et des rencontres. Cela
permet de rechercher des solutions consen-

62

forum du développement territorial 03 / 2015 — Invitée

suelles dans des cas problématiques. Des
accords informels sont alors possibles. Nous
sommes intéressés par le développement de
ce genre de coopérations volontaires.
Avec les 655 établissements au bénéfice
d’une autorisation d’ouverture la nuit?

Il faut relativiser, bien sûr! Il s’agit de cibler
d’abord les clubs importants, qui peuvent
être à l’origine de plaintes pour cause de
bruit, ainsi que les lieux de grands rassemblements.
Quelles sont les limites de ce type de
pourparlers et de coopérations?

Ces limites interviennent dès que la loi entre
en jeu. Avant cela, tout est possible et souhaitable. Si les parties (restaurateurs, hôteliers, population et administration) sont parvenues à un accord à l’amiable dans un cas
précis, personne ne rompra cet accord uni-

Lorsque les conflits sont très aigus, on procède à une première appréciation déjà au
bout de quelques semaines pour voir si les
promesses ont été tenues et si le compromis
négocié est solide.
Zurich dispose d’un autre instrument de consultation: la « Nightlife-Roundtable » (table
ronde de la vie nocturne). Une appellation
franchement louche!

latéralement. La principale vertu de cette approche est d’éviter de passer par la case judiciaire.
Expérience faite, les procédures de participation sur des questions d’aménagement
prennent beaucoup de temps, et malgré
tout, les divers groupements d’intérêts
poursuivent leur action en justice…

Un conflit aigu n’est pas un projet d’aménagement à long terme. En matière d’aménagement, les participants à une procédure de
consultation ignorent la mouture finale des
planifications. En matière de bruit, les riverains concernés ont souvent déjà saisi la justice et sont en attente de décision. La table
ronde vient alors « sauver la situation », mais
elle demande beaucoup d’énergie: il n’est
pas facile de faire asseoir autour d’une même
table des personnes qui défendent des intérêts et des points de vue diamétralement
opposés, puis de rechercher des compromis.

Pas du tout! Les réunions ont lieu aux heures
de bureau… Les représentants des clubs,
des services de sécurité privés et des différentes autorités municipales se réunissent
quatre à cinq fois par année. Nous sélectionnons par exemple un acte de violence parmi nos dossiers, et nous discutons de la façon dont l’exploitant du club et le service
de sécurité auraient pu agir pour faciliter la
tâche de la police. A partir de l’analyse d’un
cas particulier, nous mettons au point des
règles générales. Dans ce cas concret, nous
avons rédigé un mémo indiquant où, quand
et comment réagir. Beaucoup d’exploitants
de clubs et de services de sécurité trouvent
intéressant de connaître et de comprendre
l’autre partie. Nous déconstruisons les préjugés, ce qui simplifie la collaboration quand
les choses deviennent sérieuses.
Vous jouez un rôle charnière?

Je ne suis pas toute seule. Certes, je suis autant l’interlocutrice de la population que des
commerçants pour ces questions. Cependant, je dois souvent assurer également la
coordination au sein de l’administration municipale. A notre époque, où le rôle des spécialistes est très important, il faut également
des personnes qui conservent une vue générale de domaines aussi différents que l’art, la
culture, l’organisation de soirées de divertissement, la sécurité, la saleté, le bruit et les
urgences. Souvent, une telle coordination informelle décharge efficacement les services
et évite les lourdeurs administratives.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Invitée

Avez-vous des contacts au-delà de la périphérie zurichoise?

Nous sommes membres du groupe de travail
« Vie nocturne urbaine » de l’Union des villes
suisses, qui se réunit deux fois par année.
Chaque ville, chaque quartier est différent.
Cependant, nous glanons toujours des propositions émanant d’autres villes, que nous
pouvons adapter à notre situation. Presque
toutes les petites villes sont confrontées à
des problèmes similaires aux nôtres.
Des tables rondes, des partenariats dans
les quartiers… tout cela ne fait-il pas exploser vos dépenses?

Certes, ces procédures ont leur prix. Mais
elles reviennent moins cher qu’une augmentation de la fréquence des patrouilles policières la nuit ou qu’un passage supplémentaire du service de voirie. En effet, la ville de
Zurich doit veiller à couvrir ses coûts. Aussi
nous efforçons-nous, grâce au dialogue, de
maintenir au plus bas niveau possible les
conflits et les dépenses. Les tables rondes ne
sont pas seulement sympas; elles peuvent et
doivent contribuer à alléger le travail de l’administration municipale sur la durée.
Vous essayez d’atténuer les conflits. Mais
peut-on vraiment maîtriser la contradiction
entre densification et utilisation plus intensive?

Cette contradiction existe et ne disparaîtra
jamais. Une ville vit. Il s’agit de résoudre les
conflits en veillant à ce que les gens vivent
agréablement dans leur quartier, mais à ce
que la vie nocturne y soit aussi possible. Il
n’y a pas de recette miracle ou de solutions
à long terme; il faut sans cesse renégocier…
comme dans la vie. Ces processus permanents de médiation et d’apprentissage caractérisent une ville où il fait bon vivre.
— 			
(traduction)

63

ETRANGER

Ville de Lyon :
entre éclairage
fonctionnel réfléchi
et esthétique

Alessia Daouk

alessia.daouk@are.admin.ch

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forum du développement territorial 03 / 2015 — Etranger

Convaincue du rôle essentiel que joue
la lumière dans le développement urbain, la ville de Lyon est très active depuis plus de vingt ans dans la gestion de
l’éclairage public. Comme l’illustrent les
plans lumière successifs et la Fête des
Lumières l’éclairage, à Lyon, n’a pas seulement une valeur fonctionnelle ou sécuritaire, il est devenu un moteur social,
économique et artistique qui a profondément modifié l’image de la ville.

C'est en 1989, grâce à Michel Noir, alors
maire de la ville, que le premier Plan lumière,
élaboré sous la direction du Service d'éclairage public voit le jour, faisant de Lyon une
pionnière de l’éclairage public.
Le Plan Lumière est un outil stratégique qui
fournit des orientations, des priorités, et qui
liste des actions de valorisation de l’espace
public et du paysage urbain à différentes
échelles et sur le long terme. Il formule des
recommandations qui n’ont pas de valeur
prescriptive. Sa principale vocation est de
construire une nouvelle image de la ville,
cohérente et harmonieuse. Le Plan Lumière
est un processus ouvert, évolutif, souple et
adaptable dans le temps. Il débute par l’établissement d’un inventaire de l’existant, puis
consiste à choisir et prioriser des zones sur
lesquelles travailler dans le cadre d’un phasage des réalisations et des investissements.
Le premier Plan Lumière de Lyon a permis de
mettre en valeur environ 300 bâtiments et
sites emblématiques du centre-ville.
Le deuxième Plan Lumière

En 2004, à la faveur d’une nouvelle municipalité et sous la direction de Gilles Buna, un
deuxième Plan Lumière est élaboré. Conservant la même armature que le premier, il
élargit son champ d’action et les défis liés
à la mise en scène de la ville, puisqu’il am-

bitionne de laisser plus de place à la création et d’intégrer de nouvelles possibilités
techniques. Il aspire également à mieux utiliser la lumière dans un souci de développement urbain durable et social et à prévenir
les risques de « cacophonie lumineuse ». En
résumé, il vise à aménager la ville selon une
démarche multicritères, en tenant compte
des activités humaines et des particularités
des sites, tout en conjuguant la mémoire des
lieux, l’urbanisme, l’architecture, la sociologie, l’art et l’écologie.
Plus concrètement, le nouveau Plan Lumière
ne vise pas seulement à éclairer les monuments, mais également à illuminer d’autres
éléments de la ville utilisés par les citoyens,
de manière à accompagner leurs activités
quotidiennes. Il se focalise sur les quartiers,
sur les éléments du paysage naturel (collines, cours d’eau, axes de circulation, ponts,
etc.) et sur la singularité de la topographie.
Il s’appuie notamment sur les projets appelés Lyon-Confluence, Vaise industrie et la Du-

forum du développement territorial 03 / 2015 — Etranger

chère pour concevoir des plans lumière et
créer des « ambiances lumineuses » différenciées et spécifiques à chaque quartier.
Ce Plan Lumière va de pair avec la revalorisation des quartiers auxquels il donne une
nouvelle identité : la lumière dessine une
nouvelle silhouette de la ville, en raconte la
réalité tout en mettant en avant sa diversité et sa richesse.
Consommer comme en 1989

Du point de vue environnemental, le nouveau Plan Lumière encourage la création
de projets plus économes en énergie. Dès
2006, l’éclairage public est progressivement rénové dans une optique de développement durable. Par exemple, pour réduire
la consommation énergétique des lampes et
la pollution lumineuse, les technologies LED
sont utilisées chaque fois que cela est possible et des « horaires d’éclairage raisonnés »
(pas d’éclairage de certains trottoirs entre
1  h et 5  h du matin, ni d’illumination des

65

 Ville de Lyon, Le nouveau Plan Lumière, 2004
www.static.lyon.fr/vdl/contenu/actualites/
Plan_lumiere.pdf

parcs fermés) sont introduits. L’objectif environnemental que s’est fixé la ville est de
retrouver un niveau de consommation équivalent à celui existant avant la mise en place
du premier Plan Lumière, en 1989.
Selon ses concepteurs, l’appropriation du
Plan Lumière par les acteurs de la nuit est
indispensable pour assurer sa réussite. Ainsi, pour mener à bien sa démarche, la ville
a associé à ses réflexions plusieurs partenaires provenant de différents horizons. Les
sujets centraux ont été débattus au sein de
trois ateliers rassemblant chercheurs, experts (urbanistes, sociologues, techniciens,
etc.), professionnels (commerçants, etc.), associations, concepteurs, acteurs de quartier.
En 2002, la ville de Lyon a créé le réseau international LUCI (Lighting Urban Community International), qui rassemble plus de 100 villes
(Paris, Helsinki, Moscou, Shanghai, Séoul,
Montréal, Amsterdam, etc.) et 40 membres
associés (professionnels de la lumière, universités, etc.) convaincus du rôle essentiel
que joue la lumière dans le développement

66

urbain, économique et social. L’objectif de
LUCI est d’échanger, promouvoir et faire
progresser les connaissances en matière
d’éclairage.
L’exploit lyonnais

Participant de manière importante à la notoriété de la ville, la Fête des Lumières est célébrée à Lyon depuis 1999. Cette manifestation, issue de la tradition religieuse, remonte
à 1850. Elle a lieu chaque premier week-end

forum du développement territorial 03 / 2015 — Etranger

de décembre et dure quatre jours. Lors de
la dernière édition, plus de 130 artistes ont
mis en scène 75 sites et environ 3 millions de
spectateurs ont admiré leurs œuvres éphémères. Certaines des meilleures réalisations
de la Fête des Lumières sont néanmoins
maintenues de manière pérenne. La manifestation est également organisée en tenant
compte du développement durable puisque
la consommation qu’elle occasionne ne représente que 0,1 % de la consommation annuelle consacrée à l’éclairage de la ville.

Grâce au Plan Lumière et à la Fête des Lumières, l’image de la « ville qui ne se faisait
pas remarquer » a été modifiée. Sa visibilité s’est accrue et elle est devenue une destination touristique d’attrait international,
notamment lors de la Fête des Lumières.
En développant une gestion de l’éclairage
structurée, spécifique, artistique, concertée et durable, la ville de Lyon a revalorisé
son image en profondeur. Elle a aussi contribué à faire progresser la perception même
de l’éclairage public, et partage désormais
ses connaissances au sein du réseau LUCI,
qu’elle a fondé. En valorisant son patrimoine
(construit ou non), sa topographie et les
grands axes historiques par son travail sur
la lumière, elle a su donner une cohérence
d’ensemble à son territoire et aux activités
humaines qui s’y déroulent.
—

 Site Internet de la ville de Lyon
http://www.lyon.fr/page/projets-urbains/
plan-lumiere.html
 Jean-Pierre Charbonneau, Le nouveau Plan
Lumière de Lyon
http://www.jpcharbonneau-urbaniste.com/
index.php/articles/textes-divers/le-nouveauplan-lumiere-de-lyon/
 Site Internet de la Fête des Lumières
http://www.fetedeslumieres.lyon.fr/fr

ALESSIA DAOUK, *1980, est urbaniste FSU, géo-

graphe et titulaire d’un MAS en urbanisme durable.
De 2008 à 2014, elle a travaillé pour deux villes
romandes, Vevey et Nyon. Depuis 2015, elle est
collaboratrice scientifique au sein de la section
« urbanisation et paysage » de l’ARE, où elle
s’occupe de la politique des agglomérations.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Etranger

67

REPORTAGE

A la recherche
du cœur de
la vie nocturne
Stefanie Pfändler

s.pfaendler@gmail.com

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forum du développement territorial 03 / 2015 — Reportage

Le jour, Soleure s’enorgueillit de sa vieille
ville baroque, de ses places animées et
de ses nombreux cafés. Une fois la nuit
tombée, la vie se concentre sur un petit tronçon des quais de l’Aar, tandis que
les néons du quartier de la gare engloutissent la nuit. Impressions d’une métamorphose nocturne.

Soleure est une petite ville suisse pittoresque
digne d’un paysage de carte postale. Dans les
rues piétonnes de la vieille ville baroque, habitants et touristes déambulent devant les
nombreuses curiosités; les places, bordées
de cafés animés, sont ornées de fontaines richement décorées. Le dialecte bernois prédomine, avec toutefois quelques touches de
français qui font tout le charme de Soleure.
Aujourd’hui encore, la ville est fière de son
passé diplomatique; elle aime se nommer
« Cité des ambassadeurs », ce qu’elle fut effectivement, dès la fin du Moyen-Age et deux
siècles durant, en tant que résidence de
l’émissaire des rois de France.
Le cosmopolitisme des Soleurois prend toutefois fin à la tombée de la nuit. « Laisse tomber! », me recommande un ami soleurois en
bon dialecte corsé, lorsque je lui demande
de m’indiquer les lieux les plus animés de la
vie nocturne pour rédiger un papier. « Le seul
club de Soleure c’est le Kofmehl, mais c’est
un vieux croulant qui chante ce soir. » En
creusant le sujet, j’arrive à la conclusion
qu’il est préférable d’aller au Solheure ou à
l’Öufi (la rive en bernois), mais surtout du
côté du fameux Aaremüürli, le cœur de la vie
nocturne soleuroise.
L’Aaremüürli (le petit mur de l’Aar), n'est en
fait rien d'autre que le quai de l’Aar. Mais c’est
précisément là que je vais mener ma petite
enquête. En effet, dès la fermeture des commerces, dans la lumière blafarde des lampadaires, l’imposante cathédrale Saint-Ours
perd sa valeur cardinale au profit de la bière.

Ambiance sympathique et conviviale dans ce bar du bord de l’Aar

L’heure où la ville s’assoupit

« Ici, c’est sympa; on est entre potes… », explique un homme jeune assis à côté de sa bière
sur le mur qui surplombe l’Aar, le müürli,
justement. « Les soirées commencent toujours ici. » confirment ses amis. Effectivement, les bars s’alignent les uns à côté des
autres le long de ce quai. Malgré la fraîcheur
de ce début d’automne, les clients sont attablés à l’extérieur; ils boivent et rient fort.
C’est un lieu de sortie classique, mais plus
modeste et tranquille qu’ailleurs.
Alors que le niveau sonore sur les quais
monte d’un cran à chaque nouvelle bière, le
reste de la ville s’endort lentement. Les façades historiques tant admirées durant la
journée plongent dans l’obscurité, tandis que
la vie à l’intérieur des maisons se révèle aux
passants. Dans l’encadrement des fenêtres
éclairées se détache la silhouette des habitants: ici, un homme mitonne un petit plat

forum du développement territorial 03 / 2015 — Reportage

dans sa cuisine; là, une femme lit un livre
dans son fauteuil à bascule. L’agitation des
commerces s’est éteinte depuis longtemps;
le personnel des restaurants qui se vident
commence à débarrasser les tables après
avoir servi les dernières consommations.
La vie nocturne soleuroise semble effectivement se concentrer sur quelques mètres
carrés.
Le pont du Kreuzacker relie la vieille ville à
la gare. Quelques silhouettes le traversent à
la hâte. Si, aux premières heures du soir, on
pouvait encore observer une grande animation à la gare et sentir la fébrilité des passants pressés de préparer leur soirée, à cette
heure-ci, ce nœud de circulation névralgique est complétement désert. Seuls les
fast-foods Subway et McDonald’s sont encore ouverts, mais ils sont vides contrairement aux bars des quais de l’Aar. Trois
jeunes sont assis dehors à une table dégarnie. Ils mangent des chips et semblent appré-

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Les bars et restaurants se vident.
Dehors, la nuit commence et dedans,
les traces de la journée s’effacent.

cier la tranquillité de la soirée. Un employé
des CFF en habit de travail orange somnole
un peu plus loin dans un véhicule de service.
Il cligne des yeux à chaque éclat de rire des
jeunes.
Décalage horaire à la gare

Dans le passage souterrain de la gare, les
néons donnent une étrange impression de

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forum du développement territorial 03 / 2015 — Reportage

décalage horaire. Le jour semble permanent;
la lumière crue éclaire sans pitié chaque recoin; l’âme de la nuit s’est évanouie. La profonde désolation de la gare est oppressante.
Vers la sortie du souterrain, un employé est
affairé à baisser le store du Memo Imbiss,
sorte de café-bar dont le dernier client a
sûrement été servi il y a longtemps. A côté, le
Café-Bar Fairplay cache son activité derrière
des vitres réfléchissantes.

dial du PLR arborant avec confiance le slogan
« Liberté et progrès » (à peine déplacé dans ce
contexte). Le dernier train de voyageurs vient
tout juste de partir. De retour sur la place de la
gare: quelques noctambules attendent le bus
pour Biberist ou Jegenstorf. Une patrouille de
police roule au pas sur la place; un chauffeur
de bus fume sa cigarette comme à l’accoutumée. Soudain un bruit se rapproche et s’amplifie pour devenir assourdissant. Il passe à
toute vitesse et nous décoiffe; c’était l'un
des trains de marchandises qui distribuent
dans toute la Suisse les produits que nous
achèterons demain. Le roulement s’évanouit
aussi vite qu’il est arrivé; le train suivant se
fait entendre quelques minutes plus tard.
Trois heures et demie durant, la gare sera
livrée au trafic de marchandises.
Le passage sous voie: triste et désert

Désolation et charme nocturne

Aux premières heures du soir, la fébrilité des passants qui se réjouissaient de la soirée
à venir était palpable. A cette heure, toute trace d’agitation a disparu.

Plus loin, le restaurant Passage, un boui-boui
à l’assortiment indéfinissable – viande de
mouton, transferts d’argent, service international de téléphonie mobile à bas prix. Quant
au dancing adjacent, impossible de savoir s’il
a connu des jours meilleurs ou s’il n’a jamais
eu de succès. Enfin, à la dernière arcade, les

enseignes ont été démontées; un déménagement est en cours… on n’en voudra pas à
son locataire.
A l'arrière de la gare, l’enseigne d’un supermarché Denner fermé barre la vue. A côté,
on voit des devantures de commerces vides,
ainsi qu’une affiche électorale format mon-

Dans le vide blafard de la gare, je n’ai qu’une
envie, celle de rejoindre mon lit, mais les
quais de l’Aar restent, eux, très animés. Pas
de tubes néon ni d’affiche douteuse, la soirée
est sympathique et agréable. Je suis tentée
de rester, de commander encore une bière
et de mieux faire connaissance avec les Soleurois. J’aimerais surtout profiter de ces
heures de pénombre où tout paraît bien plus
léger que durant le jour, lorsque la lumière efface les recoins sombres et les mystères de
la ville et de ses habitants. Seuls quelques
mètres séparent la gare de l’Aar, et pourtant
ces deux endroits ne pourraient être plus différents. Là où les néons simulent le jour, la
nuit n’a pas sa place. Son charme lui est ravi,
elle devient lugubre et désolante. Là où elle
peut envelopper ses visiteurs et où il faut
avoir le courage de marcher dans l’obscurité, là seulement, la nuit de Soleure se révèle.
Aucun panneau indicateur ni aucune carte
postale ne vous la signaleront. La nuit confère un nouveau visage à sa sœur diurne.
C’est le jour et la nuit… dans les mêmes rues
pourtant.
— 			
(traduction)

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, a étudié les sciences

politiques et les sciences de l’environnement puis
a travaillé en tant que collaboratrice scientifique
au sein de la section du développement durable
de l’ARE. Depuis 2015, elle travaille au service de
l’aménagement du territoire et de la planification
des transports de la ville de Dübendorf.

forum du développement territorial 03 / 2015 — Reportage

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POINT DE VUE

Errance nocturne à la recherche d’un pack de bières

JÜRG SPICHIGER, *1964, est journaliste indépendant

et réalise des expositions. Il travaille en tant que
curateur de musées et lance également ses propres
projets en collaboration avec d’autres partenaires.
juerg.spichiger@palma3.ch

La scène se passe dans le Seeland bernois pas loin du village
d’Anet (Ins). Le regard du voyageur se perd au loin, dans un
paysage plat comme la main, peu courant en Suisse. Arrivant
de l’ouest, un petit coupé racé roule à vive allure sur la route
principale. La Peugeot noire prend le rond-point; elle pourrait
bifurquer vers la T10, direction Neuchâtel, la ville la plus proche,
mais son conducteur a une autre idée en tête. Il fait le tour du
rond-point et pénètre dans le vaste parking de la station-service
Agrola, avec son tunnel de lavage et son magasin Landi. La Peugeot s’arrête brusquement devant la colonne à essence. A peine
extrait de son véhicule, le conducteur, 22 ans à peine, saute
sur le pistolet distributeur, tandis que sa passagère s’engouffre
dans le TopShop Landi. Ouf, il était temps! 20 h 59, une minute
avant la fermeture, l’heure à laquelle les jeunes se souviennent
que le frigo est vide, alors que la soirée commence pour eux.
La surface commerciale, ouverte également en soirée dans cette
région maraîchère, est gérée par la Landi Seeland, qui tient trois
autres TopShop dans des stations-service Agrola de cette région.
Mais, comme partout ailleurs dans la Suisse rurale, les points de
vente ouverts le soir sont exposés à une âpre concurrence. En
effet, depuis le tournant de ce siècle, les shops de stations-service BP, Coop Pronto, Migrolino ou Shell ont poussé comme des
champignons aux nœuds de communication importants, sur
les routes cantonales et sur les contournements de localités.
Toutes les compagnies pétrolières veulent en effet doter leurs
stations-service de commerces intéressants.
A certains endroits, on a tiré intelligemment parti de poches non
construites en zone industrielle. Souvent néanmoins, et notamment à Anet, les paysans du coin ont dû sacrifier d’importantes
surfaces cultivables. Très souvent, ces commerces, situés au bout
de nulle part, sont les points de rassemblement d’une jeunesse
motorisée prête à en découdre avec le bitume pendant toute la
nuit. Au matin, les routes des environs sont décorées de guirlandes de cannettes de bière et de papiers sales.
Les boutiques Landi, qui émanent des coopératives paysannes,
ne peuvent rien faire contre ces déchets sauvages. Les politiques
restent muets sur la question de la consommation 24 heures sur
24. Certes, il y aurait la possibilité d’agir sur le plan législatif; néanmoins, la majorité des Suissesses et des Suisses semble souhaiter un certain libéralisme des horaires nocturnes. En septembre
2013, le souverain s’est prononcé en faveur de l’ouverture continue des « échoppes » de stations-service autoroutières: « un grand
succès pour la liberté des individus », commentait à l’époque la
Basler-Zeitung.

72

D’ailleurs, selon le texte de loi, les stations-service des autoroutes
ne sont pas les seules à pouvoir profiter de ces heures d’ouverture. Les shops situés sur les « grands axes routiers » peuvent,
avec l’assentiment des autorités cantonales, proposer 24 heures
sur 24 un assortiment complet de marchandises. Est-ce un oui
de principe à la société 24h/24? « Pas forcément, mais le monde
change, mon bon monsieur! », me répondent avec pragmatisme
de nombreux partisans de cette libéralisation.
Changement de décor: aire autoroutière de Grauholz-Sud, sur
l’A1, direction Zurich, dans le canton de Berne, fief des stationsservice Migrolino. A l’intérieur, boissons chaudes et viennoiseries sont proposées, et à l’extérieur, une vaste zone fumeurs est
mise à disposition sur le parking. Selon la vendeuse, il y a trois
sortes de clientèle: premièrement, les gens qui travaillent la nuit
ou commencent leur travail très tôt; les chauffeurs de taxi, par
exemple, viennent se ravitailler à toute heure du jour; ils font le
plein, prennent un café ou amènent des clients qui viennent faire
leurs courses. Deuxièmement, les vacanciers, qui apprécient
la conduite de nuit, car les routes sont alors dégagées. Et enfin, les
gens qui se rendent à une soirée, les oiseaux de nuit, les fêtards,
le week-end surtout, qui viennent acheter de l’alcool et des cigarettes. « Parfois, les gens sont surexcités et le ton monte… »,
explique la vendeuse.
Jeudi soir. Cinq jeunes sont nonchalamment appuyés sur une
voiture noire stationnée devant le shop de la station-service.
Les portes avant sont grandes ouvertes et de la musique techno
à plein volume s’échappe du véhicule. Le quintet fume, discute
et passe du bon temps. « Nous, on ne va pas en boîte; on préfère
avaler les kilomètres, parfois seulement jusqu’à minuit, parfois
jusqu’au petit matin, dit l’un d’entre eux. Pourquoi irions-nous
en ville? Il y a des tas de voitures sensationnelles qui passent
par ici, et nous rencontrons des potes. »
La petite fête semble ne pas déranger le moins du monde les deux
policiers qui viennent de parquer leur voiture bleue et blanche,
et qui se dirigent vers le shop Migrolino. Ces travailleurs de nuit
ont tout autre chose en tête. « La police passe souvent ici », dira la
vendeuse un peu plus tard. La nuit en effet, le shop de la stationservice est animé comme une Langstrasse miniature. Certes, il
est situé à la périphérie, mais il permet d’acheter tout ce qu’il
faut pour s’éclater.
—					
(traduction)

forum du développement territorial 03 / 2015 — Point de vue

REPÈRE STATISTIQUE

+ 232 %
Entre 2003 à 2014, le nombre de personnes qui empruntent les transports
publics zurichois chaque nuit est passé
de 4 474 à 14 836, ce qui représente
une augmentation de 232 %.

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74

EDITORIALE

Quando si trova nello spazio pubblico? Dal lunedì al venerdì tra le 6.30 e le 20.00,

“La nostra pianificazione

durante le calde serate estive magari fino alle 22.00? Supponiamo che lei abbia più di

dello sviluppo territoriale

trent’anni e svolga un’attività professionale, allora molto probabilmente è questa la

conosce solo il giorno.

sua “percezione giornaliera” del nostro mondo di vita. Ed è proprio a partire da questo
retroscena che noi lo pianifichiamo e lo organizziamo. L’effetto cumulato di questo

La notte non ne fa parte.

orientamento ad una chiara strutturazione della giornata e della settimana produce

Non ancora.”

punte di traffico mattutine e serali. Alle 5.30 del mattino, invece, sulle piazze e strade
svizzere regna il vuoto. Il silenzio, il buio e il deserto sono animati soltanto dal fruscio
delle spazzatrici, dal rombo degli autocarri che forniscono la merce fresca e dalla consegna dei giornali appena usciti dalle rotative. Dalle 23.00, ritorna il vuoto. La notte è
quindi una riserva di capacità?
In realtà, la netta separazione tra giorno e notte non vale più sempre e dappertutto.
Nel corso della mediterranizzazione, un’ampia varietà di caffè, bar e buvette di tendenza ha soppiantato un’antiquata ristorazione tradizionale. Sulla scia della liberalizzazione è stata abolita l’impopolare “Polizeistunde” e sono stati resi flessibili gli orari
d’apertura dei negozi. In breve: in Svizzera s’aggira uno “spirito metropolitano”!
Soprattutto verso il fine settimana, si osserva un sorprendente numero di persone nei

Maria Lezzi

Direttrice ARE
maria.lezzi@are.admin.ch

punti focali di quest’economia notturna. Le entrate dei club, di giorno quasi invisibili,
sono ora ben illuminate, alle entrate s’accalcano grappoli di persone, la musica echeggia fino in strada. Alle fermate del bus nei quartieri periferici si incrociano prima di
mezzanotte la generazione degli ultra trentenni di ritorno a casa con la generazione
più giovane e intraprendente in uscita serale. Cambio turno per il popolo della notte.
L’altra faccia della medaglia nell’intensificazione notturna dell’utilizzazione è l’aumento dei conflitti d’utilizzazione tipo “dormire o divertirsi”. L’ente pubblico reagisce
cercando di gestire i sintomi più evidenti. Quale sarebbe l’aspetto di una mappatura
dinamica della notte?
In questo senso, fino ad oggi allo sviluppo territoriale svizzero mancano le prospettive
temporali e culturali: dobbiamo considerare seriamente il fenomeno della molteplice
e complessa società delle 24 ore ed esaminare se gli approcci pianificatori del passato
sono ancora adeguati alle condizioni quadro odierne. Maggiore chiarezza potrebbe risultare da un processo di negoziazione sociale per stabilire quali comportamenti e utilizzazioni sono accettati quando e dove, cosa si può tollerare e dove si è decisamente
passato il segno. Questo vale sia per lo spazio pubblico che per i quartieri residenziali e le
zone rurali. E in alcune regioni la riposta più corretta sembrano proprio essere i “Natural
Lightscapes”. Questa pianificazione integrata del territorio deve occuparsi anche delle
opportunità e dei rischi dell’espansione spaziale delle attività notturne, della loro regolamentazione e della loro possibilità. Infatti, solo considerando la notte e il giorno
come unità si dischiudono scenari di sviluppo innovativi e sostenibili.

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Editoriale

(traduzione)

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ARTICOLO DI FONDO

Tra patrimonializzazione e
conquista della
città notturna

Luc Gwiazdzinski

luc.gwiazdzinski@ujf-grenoble.fr

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forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Articolo di fondo

Nella genesi, Dio divide la luce dalle tenebre chiamando la luce giorno e le tenebre
notte. Così ci furono una prima sera e un
primo mattino, il primo giorno. Quest’alternanza fondamentale ha strutturato l’intera
vita sulla terra, compresi il funzionamento delle nostre città e i ritmi individuali e
collettivi. Ma i tempi cambiano. La città ha
modificato il suo ritmo giorno-notte, la società è mutata e l’urbanistica si trova confrontata a nuovi interrogativi. La notte,
un’immagine distorta del giorno, ha molto
da comunicare alla città e al mondo.

Da sempre, gli esseri umani hanno instancabilmente cercato di ampliare i confini del mondo conosciuto, di sottomettere la natura e
di esercitare il loro dominio su tutto il pianeta.
Questa conquista del mondo è oggi quasi
conclusa – ad eccezione della notte. Il periodo
durante il quale la maggiore parte delle attività umane riposa rappresenta un’ultima frontiera e un mondo interiore ancora tutto da
esplorare. A lungo la notte è stata intesa come
una specie di cesura, regno delle tenebre e
dell’oscurità, tempo del sonno, della chiusura,
spazio temporale fugace, ricorrente, poco popolato, quasi inanimato. La città notturna non
ha ancora svelato tutti i suoi segreti. Nell’oscurità appare privata di metà della sua esistenza, lasciata in mano a poeti e artisti. Solo
pochi ricercatori, politici e urbanisti se ne sono
interessati. Ma i tempi cambiano.
Una colonizzazione accelerata

Nel loro continuo sforzo di emancipazione dai
ritmi della natura, gli esseri umani hanno reso
sempre più artificiale la vita cittadina, colonizzando la notte. Per millenni, durante la notte,
i villaggi e gli insediamenti erano avvolti nel
buio.
Nel frattempo, la luce ha sempre più preso
possesso dello spazio urbano scacciando in

parte la minacciosa oscurità. La diffusione
dell’illuminazione pubblica ha giocato un ruolo decisivo nella conquista della città notturna. Ha reso possibile l’estensione delle attività
nella notte e lo sviluppo di uno spazio pubblico notturno. Grazie all’introduzione dell’ora
legale è possibile vivere più a lungo la città.
L’illuminazione pubblica si espande e la sua
funzione cambia: serve sempre meno alla sicurezza e sempre più all’intrattenimento. I
“creatori di luce” danno forma alla notte e
conferiscono alle nostre città un’identità notturna. Le industrie lavorano senza sosta per
trarre profitto dagli impianti. Nella maggiore
parte dei rami di attività il lavoro notturno è
diventato una normalità, coinvolgendo quasi
il 18 per cento dei lavoratori. Sempre più imprese dei servizi si vantano di essere raggiungibili sette giorni su sette per ventiquattro
ore. Dappertutto nel mondo l’offerta dei trasporti è ampliata e densificata. Molte attività
si spostano nelle tarde ore serali e l’attività
commerciale notturna si amplia ulteriormen-

te. La vita notturna prospera ed è diventata
un settore commerciale indipendente. Lo spazio urbano offre infiniti distributori automatici che permettono un consumo notturno e le
“special nights” riempiono le casse degli organizzatori di manifestazioni. I party iniziano
sempre più tardi e le ore d’intervallo di trasmissione nei media sono solo un ricordo del
passato: la radio e la televisione trasmettono
ormai ininterrottamente e la rete informatica
permette di navigare durante tutta la notte.
A lungo uno spazio protetto soggetto a leggi
speciali, ora la notte diventa giorno.

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Articolo di fondo

77

Addirittura i ritmi biologici sembrano essere
cambiati: si dorme sempre meno e invece di
andare a letto alle 21 come cinquant’anni fa
ora ci si corica alle 23. Oggi, le ore notturne si
concentrano tra l’1.30 e le 4.30 del mattino.
Più una regione è internazionale, maggiore è
la richiesta di continuità nei confronti dell’economia e delle reti, un fenomeno che tocca
più o meno tutti i territori.

Nuove mappature

Di notte, durante alcune ore, cambia la mappatura delle attività che suddividono lo spazio urbano in una città che dorme e una città
che lavora ininterrottamente, una città che si
diverte e una che vive solo di giorno. Si sviluppano centri notturni che sovente non corrispondono ai centri diurni. Più si fa tardi più si
riduce l’offerta. La città si restringe e si ritrae
nel suo nucleo storico. Luce e vita si concentrano in questi pochi quartieri. La libertà del
nottambulo alla ricerca di versatilità sembra
quindi essere un’illusione.
Tensioni e conflitti

Durante la notte si inaspriscono tensioni che
mettono a nudo profonde disparità economiche, politiche e sociali. Tra i ritmi internazionali degli affari e i ritmi locali della popolazione, tra la città economica che non si ferma
mai e quella sociale che vive secondo il ritmo
di notte e giorno, tra il commercio ininterrotto
e i depositi delle merci fermi durante la notte sorgono tensioni e nascono confini che lasciano riconoscere “zone di fronte”, aree in
cui la società nonstop e la città delle 24 ore
hanno guadagnato terreno, ma anche zone
resistenti. Non sempre la città che lavora, la
città che dorme e la città che si diverte riescono a convivere. Nei centri nascono conflitti
tra la popolazione che necessita riposo e gli
ospiti chiassosi dei locali notturni, simbolo
dello sviluppo dello spazio pubblico notturno. Altrove l’intensità dell’illuminazione e l’inquinamento luminoso esigono nuove regolamentazioni.

città. Benché il grande dibattito relativo alla
città delle 24 ore non abbia ancora veramente avuto luogo, si lanciano già diverse iniziative. Sindaci notturni, Etats généraux de la nuit
come a Parigi, Ginevra e Losanna o uffici specifici: dappertutto sorgono proposte pubbliche e politiche che sollevano la questione su
chi ha diritto alla città e alla notte.
Una pianificazione urbana orientata al tempo

Di fronte a questi sviluppi vanno ripensate le
relazioni tra la città e i suoi utenti e gli spazi e
tempi, tenendo conto di eventi e vita quotidiana, dell’eccezione e della normalità. Lo strumento occorrente a tal fine è una pianificazione urbana orientata al tempo, definita come
insieme di progetti, misure sull’asse temporale e disposizioni ad incidenza spaziale e temporale coerenti che assicurano un’organizzazione ottimale delle funzioni tecniche, sociali
ed estetiche della città, garantendo uno spazio metropolitano più umano, accessibile e
accogliente. L’obiettivo è una pianificazione
urbana temporale che si concentri sulle utilizzazioni che occupano solo temporaneamente
spazi e tempi della città e strutturata secondo un calendario che permetta di coordinare

Nuove politiche pubbliche

Le autorità, sotto la spinta dei cambiamenti,
cercano di mantenere il controllo sulla notte e stabiliscono regole per i rave e il traffico
notturno pur allentando le norme sugli orari
di chiusura. Parallelamente ampliano l’offerta per rendere ancora più attraenti le notti in

78

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Articolo di fondo

queste attività. Dato che si tratta di una pianificazione reversibile, può sviluppare la città
a partire da installazioni e scenografie temporanee. Questo tipo di pianificazione urbana
leggera che si basa sull’evanescente, sulla
smontabilità e sul temporaneo, permette la
sperimentazione.
Più in generale, una tale pianificazione urbana
si occupa della molteplicità e della flessibilità
nell’utilizzazione degli spazi, quindi dell’idea
di una “città modulabile”. Esplora il concetto
dell’”abitare temporaneo”, sprona a ragionare
su “un’appartenenza temporanea e situativa
alla città” e su “un’identità aperta e situativa”.
L’instabilità, il transitorio, il movimento e la discontinuità non significano la fine della storia,
della geografia e della politica. Tutto questo

non sigla la morte di un territorio, ma ne accetta la complessità, la molteplicità e la vivacità. Lo sviluppo ulteriore dei rapporti tra tempo, spazio e abitanti temporanei permette di
immaginare nuovi strumenti e “contratti di fiducia”.
Nella dialettica tra sicurezza e libertà, patrimonializzazione e conquista, la città notturna odierna ci confronta con sfide importanti.
Le città hanno un ultimo territorio da urbanizzare e hanno in mano la chiave per ripensare la vita comunitaria e la durevolezza dei
sistemi urbani. Gli enti pubblici sono chiamati a ridefinire l’organizzazione spaziale e temporale al fine di evitare conflitti, segregazioni
temporali e gli effetti negativi di una “forbice
temporale” che potrebbe dividere gruppi e

singoli individui. Anche i ricercatori sono chiamati ad affrontare il più affascinante compito
possibile: quello di illuminare il mistero della
notte. E infine, tutti noi siamo confrontati con
la questione: vogliamo veramente una città
delle 24 ore? Vogliamo che le regole del giorno
valgano anche durante la notte? La notte vale
la candela?
— 			
(traduzione)

LUC GWIAZDZINSKI, *1966, è geografo, direttore

dell’Istituto di geografia alpina (IGA) dell’Università
Grenoble Alpes, responsabile del Master Innovation
et territoire (www.masteriter.fr ), ricercatore presso
il laboratorio Pacte (UMR 5194 CNRS) e presso il
centro di ricerca MoTU (Milano) nonché membro
di EIREST (Paris 1 Panthéon Sorbonne). Nell’ambito
dei suoi lavori si occupa in particolare della notte,
della città delle 24 ore e della crono-urbanistica.

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Articolo di fondo

79

PRAXIS

La notte: un importante elemento
della pianificazione
Rainer Klostermann

r.klostermann@fkurb.ch
Oggigiorno, la città vive un’utilizzazione
sempre più intensa, densificazione che
riduce la libertà di sperimentare novità. Tanto più sono quindi necessarie innovazioni che consentono di proseguire
la convivenza in spazi ridotti. Di notte e
di giorno, sono gli spazi liberi a caratterizzare una città e sono la premessa affinché i centri urbani possano svolgere a
lungo termine la loro funzione di innovatori trainanti.

La Svizzera ha validi motivi per confrontarsi a fondo con il concetto tradizionale di delimitazione di città e campagna sia dal punto
di vista territoriale sia a livello socioculturale e addirittura politico. In una Confederazione di 26 Cantoni, a loro volta caratterizzati da
un’elevata autonomia a livello comunale e da
un atteggiamento di concorrenza dell’economia di mercato, questo tema assume elevata priorità. Ad esempio, il problema della dispersione insediativa è non da ultimo anche
una conseguenza dell’intensa competitività
tra ed entro i Cantoni, anche se dal punto di
vista strutturale si cerca di coordinare in aree
più ampie nel quadro degli spazi metropolitani. Ma proprio i Comuni della cintura degli
agglomerati competono con il territorio circostante per definire identità, funzioni ed utilizzazioni. A lungo termine, per questi Comuni risulta vantaggioso acquisire una precisa
consapevolezza del proprio ruolo e un pensiero urbano in grado di valicare i limiti territoriali senza abbandonare i confini politici.

80

A tal fine la vecchia concorrenza è sostituita
con modelli di cooperazione della pianificazione urbana, economica e dell’ordinamento
del territorio. Gli spazi urbani sono densificazione vissuta e sono quindi anche incubatori
di novità. Qui, le forme innovative di trasporti, ecologia e convivenza hanno la possibilità
di verifica pratica. Le città sono allora territori di sperimentazione di un’efficienza nuova
ed integrale che andrebbe utilizzata in modo
ancora più consapevole.
Il paesaggio antagonista alla città

La rete di rapporti tra città e campagna si
presenta complessa. Non esiste una ricetta

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Praxis

sempre valida per un agire comune. I progetti
restano sovente frammentari o si sorpassano
da sé in un continuo sviluppo benché anche
le soluzioni provvisorie possono funzionare
identificandosi così come componente del
pensiero urbano. In un’economia in espansione praticamente non esiste alcuno spazio
insediativo che dopo essere stato smantellato venga riconsegnato consapevolmente alla
natura. Un raro esempio in questo senso è
una strada ormai famosa a Nord di Zurigo sul
cui ulteriore utilizzo o appunto il suo smantellamento si discute da anni mentre la strada stessa lentamente cade a pezzi. Quando si
tratta di proteggere una natura interconnessa si attivano lobby professionali e la Svizze-

sporti, mentre si investe ancora troppo poco
nel paesaggio quale preziosa forza antagonista alla città. Il paesaggio rimane l’oggetto
da proteggere mentre potrebbe essere parte
dell’innovazione.
Le città e lo scambio

Mentre negli agglomerati si cerca di compensare le ferite causate dalle grandi infrastrutture dei trasporti, nei centri urbani densificati
si cerca sempre più la riduzione di un traffico
stradale inefficiente dal punto di vista spaziale: la città densificata cerca spazio per i pedoni, la mobilità dolce, per l’appunto la vera
densificazione del traffico. Quest’ultimo è direttamente collegato ai trasporti pubblici. Le
piccole città e i villaggi soffrono invece spesso a causa di problemi di traffico la cui soluzione consiste in protezioni foniche e spazi
stradali sottoutilizzati. Sono infatti questi deserti stradali utilizzati appieno soltanto nelle ore di punta a determinare giorno e notte
gli spazi insediativi. Qui il trasporto pubblico è sovente “l’inventore dei pedoni”. In città le infrastrutture dei trasporti hanno quindi
sempre un’importante componente urbanistica.

Le città e i giovani

Le città sono spazi in cui vivere e devono
essere vivibili per tutti. Le persone anziane fanno ritorno dagli agglomerati nei centri
perché ne apprezzano le comodità d’approvvigionamento e la qualità di vita. I giovani a
loro volta vogliono vivere il potenziale delle società urbane. In gran parte della Svizzera, grazie all’elevato sviluppo della mobilità,
queste tendenze non si presentano così evidenti come all’estero, ciò nonostante questo
sviluppo rappresenta un importante fattore
sociopolitico. Indipendentemente dalla loro
età, le persone desiderano essere parte dello spazio sociale cittadino. Identità e atmosfera giocano un ruolo importante. Purtroppo le città mettono sempre meno spazio a
disposizione in cui sia possibile sperimentare
forme di vita nuove, in parte temporanee. Le
aree urbane dismesse stanno per esaurirsi e
per questo gruppo della popolazione la vita in
città è generalmente troppo cara. Sono però
le città ad avere il potenziale per una nuova organizzazione di prestazioni e permanenze. I giovani, gli studenti e apprendisti e altre persone in cerca dovrebbero apportare
maggiormente le loro prestazioni per esse-

ra dispone di leggi molto efficaci. Per l’ecologia nelle zone urbane invece occorre molta
creatività. Essa deve essere sviluppata come
paesaggio in Città. Già oggi nelle grandi città
si realizzano a questo proposito nuove idee.
In Svizzera, tale trasformazione inizia in cerchie ristrette, ad esempio con apicoltori alla
Langstrasse di Zurigo o l’urban gardening sui
tetti, in mezzo alle attività quotidiane dei cittadini, a fianco della loro attività professionale. Ci si orienta alla Green Line newyorkese o
ai famosi parchi urbani delle città inglesi ed
americane, agendo però, in modo tipicamente svizzero, in piccole dimensioni. La forza
d’investimento è però ancora incentrata sui
problemi funzionali dell’economia e dei tra-

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Praxis

81

ne delle diverse utilizzazioni: luce ed ombra
avranno una giustificazione solo quando saranno veramente necessarie.
La notte come speciale laboratorio di sperimentazione

re chiamati, di converso, a partecipare maggiormente allo spazio sociale. In questo senso si dovrebbe disporre di più modelli che
offrono a una gioventù impegnata possibilità
al di fuori del lavoro puramente commerciale.
Forse ne nascerebbero altri spazi per esperimenti. Sicuramente sono qui necessari estesi
partenariati tra privati ed ente pubblico.
Le città e l’oscurità

Alla crescita edilizia e alla mobilità segue la
luce. Qui si pone la complessa sfida tra mantenere e sviluppare. La luce non va considerata isolatamente: può essere compresa ed
elaborata solo nelle sue relazioni con la complessa urbanità. La luce va compresa in senso
economico, funzionale, atmosferico ed ecologico. Essa rappresenta un’espressione socioculturale con differenze regionali. Sono finiti
i tempi in cui la luce era solo espressione di
successo economico.

L’antitesi della luce è l’oscurità in tutte le sue
variazioni. Così come il paesaggio non va inteso
solo come assenza di costruzioni, così l’oscurità diventa sempre più importante nell’ulteriore considerazione della città come spazio
sociale. Anche qui come nei trasporti vale la
regola per cui non è possibile accontentare
tutti in ogni momento. Questo ragionamento
è il punto di partenza per un nuovo inizio nella progettazione urbana. Per gli attori dell’urbanistica, comprendere la città come spazio
sociale integrale significa sviluppare maggiormente una reazione reciproca e considerare
di più tematiche ritenute marginali. Si tratta
quindi in certo qual modo di progettare l’ombra e non, come finora, la luce. Così facendo
non si verrà sorpresi dalla mancanza d’ombra. Sempre più importante sarà la questione
della reale necessità, sia d’ombra che di luce.
La città quindi definirà sempre più precisamente l’utilizzazione della luce e dovrà orientarsi in modo sempre più efficiente in funzio-

Sovente si incontrano viaggiatori che raccontano di megalopoli che di notte dormono,
dove quindi regna una tranquillità sorprendente. Anche se specialmente nelle zone urbane densificate l’intensità temporale del lavoro e del tempo libero è accresciuta talché
la luce artificiale ha potuto compiere una
marcia trionfale attraverso le città del mondo
intero, oggi esiste un ampio consenso sul fatto che per quanto riguarda l’illuminazione è
necessario esercitare una maggiore moderazione. Ancora una volta occorre proteggere
le parti apparentemente deboli e apprezzarne i valori. Si direbbe che sovente è il vuoto
spaziale a non essere più sopportato nella vita
ipercommercializzata. Per quanto riguarda
la luce, è l’oscurità ad essere sacrificata a favore di obiettivi specifici come sicurezza, funzione e atmosfera. Il progresso tecnologico
può essere d’aiuto, ma deve essere coordinato in un rapporto sostenibile con la classica
crescita economica. Maggiori immissioni di
luce dovute alla mobilità, alle esigenze di sicurezza e alle maggiori pretese in fatto di qualità
di vita notturna, toccano le città sotto forme
diverse, secondo la loro ubicazione geografica. Queste differenze valgono già per la piccola Svizzera. Se localmente dovrebbe ulteriormente svilupparsi una cultura, globalmente invece si dovrebbe ragionare maggiormente a partire dall’oscurità.
Sotto certi aspetti la città delle 24 ore dovrebbe funzionare, ma l’essere umano ha ancora
bisogno della sua tranquillità e normalmente vive ancora secondo il ritmo cicardiano. La
città deve tenere conto del dichiarato bisogno di pace e oscurità. La città vitale necessita della notte esattamente come necessita di paesaggio.
— 			
(traduzione)

RAINER KLOSTERMANN, *1958, ha studiato a Zurigo, Vienna

e Ahmedabad architettura e urbanistica diplomandosi nel
1983 al PF di Zurigo. Durante il suo primo periodo di attività
pratica ha lavorato con Santiago Calatrava, Pierre Zoelly
e presso Burkhalter Sumi und Planpartner AG. Nel 1989
ha fondato con il suo partner Pierre Feddersen il proprio
atelier improntato all’urbanistica. Accanto a numerosi
piccoli progetti lo studio si occupa anche di grandi progetti
come l’accompagnamento architettonico di AlpTransit Gotthard (dal 1993)
e della Glattalbahn (1998-2012).

82

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Praxis

RICERCA

Scenari per la
società delle
24 ore nel settore
della mobilità
Fabienne Perret

fabienne.perret@ebp.ch
L’espansione delle attività nelle ore notturne si manifesta a tutta evidenza anche
nei trasporti. Ma un aumento della finestra
temporale per la mobilità comporta anche
un aumento dei chilometri-persona percorsi? O i tragitti si distribuiscono semplicemente in modo diverso lungo l’arco della giornata, rispettivamente della notte?
Di notte cambiano le destinazioni? Quali
sono i mezzi di trasporto scelti? Quattro
scenari rivelano che la società delle 24 ore
decide da sé il modo in cui organizza la
sua mobilità. Decisivi sono i valori sociali.

Quali effetti ha la società delle 24 ore sui flussi del traffico e quindi indirettamente sull’infrastruttura necessaria? Affermazioni in proposito sono possibili grazie agli scenari dei
valori sviluppati da Swissfuture (Società svizzera per gli studi prospettici) sotto il titolo
“Wertewandel in der Schweiz 2030” (Cambiamento dei valori in Svizzera 2030) e approfonditi in collaborazione con Ernst Basler +
Partner nel quadro dello studio “Mobilità 2030/
2050” pubblicato alla fine del 2013. Gli scenari sono di proposito esasperati per evidenziare la possibile ampiezza dello sviluppo. Le
due dimensioni d’influenza decisive sui quattro scenari sono il benessere e lo Stato.

cora una volta un sensibile aumento del benessere. La Svizzera è in ottimi rapporti con
le potenze economiche vecchie e nuove. La
competitività, la globalizzazione e l’intensa
utilizzazione delle tecnologie dell’informazione e della comunicazione sono caratteristiche di questa società. Il set dei valori predilige legami deboli sia verso la famiglia sia verso
il datore di lavoro o il proprio Paese. In questo
scenario predominano valori che comprendono una forte autodeterminazione e che interpretano in termini meritocratici, come “frutti
della propria prestazione”, le ascese e le discese sociali.
Le conseguenze per la mobilità: il denaro

“EGO”: la notte diventa giorno

rende mobili

Lo scenario EGO parte dal presupposto che la
Svizzera nel corso dei prossimi anni vivrà an-

Più veloce, più lontano, più intenso, più flessibile, più votato al prestigio e individuale: sono

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ricerca

questi i paradigmi della mobilità EGO. Interventi statali restrittivi sono tabù. Si investe
solo dove è utile al libero sviluppo degli individui. L’elevato valore della libertà personale,
la prevalenza delle esigenze del singolo e uno
Stato snello vanno di pari passo con la differenziazione e la privatizzazione dei servizi di
trasporto. La società delle 24 ore non pone limiti, ognuno può muoversi quando, come e
quanto desidera.
Data la grande richiesta nel mondo liberalizzato di EGO di approvvigionamento notturno,
divertimento e consumo, le esigenze di mobilità notturna si allineano a quelle della mobilità diurna, il traffico registra un sensibile
aumento complessivo. Dove è possibile guadagnare denaro con offerte di trasporto notturne sono prontamente presenti operatori
privati con offerte differenziate.

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“CLASH”: una società notturna per neces-

Le conseguenze per la mobilità: la necessità

sità

aguzza l’ingegno

Lo scenario CLASH presuppone che durante il prossimo ventennio il livello di benessere della Svizzera diminuirà drasticamente.
Anche una maggiore collaborazione con l’Europa non può fermare il declino economico.
In generale, lo Stato debole non è in grado
di elaborare soluzioni ai problemi. In questo
tipo di Svizzera occorre aspettarsi profonde
spaccature sociali. I conflitti legati alla distribuzione che ne risultano sono sovente fomentati ideologicamente. La polarizzazione
politica porta a sua volta all’irrigidimento sociale. S’impone sempre più il diritto del più
forte. Paura e insicurezza sono ampiamente
diffuse e alimentano l’invidia e la diffidenza.

In seguito al calo del benessere, la grande
massa ha accresciute difficoltà a organizzare la mobilità quotidiana. Le infrastrutture dei
trasporti deperiscono, il mutuo appoggio e la
cooperazione tra circoli d’affinità supplisce
alla carenza di offerte pubbliche. La società
delle 24 ore nasce dalla necessità di assicurarsi la sopravvivenza con attività diverse. Lo
Stato è in grado di approntare solo durante il
giorno un’offerta minima di trasporti pubblici; di notte le persone devono arrangiarsi da
sé. Sulle strade poco illuminate e malridotte circolano numerose vecchie automobili e
sgangherate biciclette. Il traffico aumenta, la
sicurezza diminuisce drasticamente.

Lo scenario “BALANCE” parte dal presupposto che il benessere in Svizzera aumenterà.
La Svizzera assurge a centro d’avanguardia per la ricerca e l’innovazione in Europa.
Il crescente benessere che ne risulta viene
però investito in modo diverso che in EGO:
le opere sociali sono adattate alle evoluzioni demografiche e alle necessità sociali, viene migliorata la compatibilità tra vita professionale e famiglia, la qualità dei quartieri e
delle zone residenziali aumenta. Questo scenario si basa su valori che producono soluzioni sociali, economiche ed ecologiche sostenibili in base alla convinzione personale, dove
conta il work-life balance e che conducono a
una rinascita dell’impegno civile dei cittadini.
Conseguenze per la mobilità: sostenibili per

BENESSERE

convinzione

aumentato

BALANCE

CLASH

BIO CONTROL

debole

EGO

forte

STATO

“BALANCE”: una società notturna premurosa

I mezzi di trasporto sono combinati tra di loro
in modo flessibile. Si perseguono tragitti brevi e un’alta compatibilità ambientale. Nei progetti relativi ai trasporti si considera la qualità del sistema globale, l’organizzazione
attrattiva e un approvvigionamento di base
solidale. Di notte viaggia solo chi non può farne a meno, mediante un’offerta di trasporti
pubblici ulteriormente sviluppata dallo Stato sull’intero territorio nazionale che comprende anche impieghi ottimizzati in funzione delle necessità, o con un veicolo a basse
emissioni che non disturba la maggioranza
delle persone che dormono. In base alla convinzione comune per cui il traffico notturno
non è né antro-compatibile né ecocompatibile non ci sarà praticamente nessun aumento dello stesso.
“BIO CONTROL”: regolamentazione e razionalizzazione

La Svizzera è isolata dal punto di vista economico e politico. Diversamente che in CLASH
la politica non capitola davanti alla crisi ma

diminuito

84

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ricerca

tiene alto il suo carattere
di “Sonderfall” e che vagheggia il mito autarchico. Una Svizzera in cui si
accetta che la libertà personale passi in secondo
piano a favore di un buon
funzionamento della società, il che determina in
parte la dissoluzione degli stili di vita individuali.
Conseguenze per la mobilità: sobrietà forzata

cerca di farvi fronte. I problemi sociali come
la violenza giovanile, la scarsa sanità pubblica e la mancanza di opportunità di formazione sono affrontati con pacchetti di misure
preventive e repressive. Con queste premesse si può prevedere una Svizzera che man-

La coscienza ambientale
e la perequazione sociale
sono determinanti statali
centrali anche nel settore della mobilità. Iniziative nei settori della sanità e dell’efficienza delle risorse portano a regolamentazioni
e contingentamenti. Le conseguenze sono
limitazioni delle libertà individuali e alti costi della mobilità. Alla società delle 24 ore

sono imposti stretti limiti regolatori: di notte
può muoversi solo chi richiede un permesso
e dimostra di adempiere importanti funzioni sociali. Lo Stato stabilisce anche il mezzo
di trasporto per i tragitti notturni. Quest’ultimi contano il doppio nel quadro del contingentamento per permettere la stabilizzazione del volume totale del traffico.
Si cercano strategie e progetti robusti

Se e in quale misura gli scenari presentati si
avvereranno dipende soprattutto da quali valori sociali emergeranno in Svizzera come risposta agli sviluppi interni ed esterni. Non è
possibile elaborare prognosi affidabili in questo senso. Per la pianificazione del territorio
e dei trasporti questo significa non orientarsi
esclusivamente verso un unico scenario auspicato ma sviluppare strategie e progetti robusti in grado di ottenere anche in condizioni
indesiderate la migliore utilità per la società,
l’economia e l’ambiente.
— 			
(traduzione)

FABIENNE PERRET, *1977,

ha studiato al Politecnico
federale di Zurigo ingegneria geomatica e attualmente
lavora come pianificatrice
dei trasporti presso Ernst
Basler + Partner.

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ricerca

85

CITTÀ

A Berna, il Concetto
Vita Notturna intende disinnescare
conflitti

L’intensificazione della vita notturna polarizza le opinioni anche nella città di
Berna. Il Concetto Vita Notturna (Konzept
Nachtleben) cerca di armonizzare gli interessi dei residenti, dei gestori dei locali di
ristorazione e dei loro ospiti con diverse
misure. Prioritari sono la comunicazione
e l’autoresponsabilità degli esercizi pubblici, cui si aggiunge un organo di mediazione per tutti gli interessati. Sono già
stati raggiunti buoni risultati per quanto
concerne il rumore e l’abbandono di rifiuti.

Marianne Catillaz-Dubey

marianne.catillaz@bern.ch

Nel corso degli ultimi anni a Berna si è sviluppata una vivace vita notturna, specialmente
nella parte alta della città vecchia, con scarso entusiasmo del vicinato. Il conflitto si è
inasprito quando uno storico locale ha dovuto definitivamente chiudere i battenti a causa delle immissioni foniche. Nel quadro di diversi interventi politici e con una petizione
è stata formulata la richiesta di un concetto
per la vita notturna bernese. Il tema è stato
ampiamente trattato anche a livello mediatico. In seguito sono state fondate l’associazione “Pro Nachtleben Bern” [Pro Vita Notturna Berna] e la “Bar und Club Kommission
Bern” (BuCK). Dopo essere riusciti a precisare le varie esigenze, richieste e rivendicazioni in occasione di diverse tavole rotonde con
i gestori e i residenti, la Città di Berna ha elaborato un progetto che è stato sottoposto per
una presa di posizione ai partiti politici nonché alle associazioni e organizzazioni coinvolte. Da questa consultazione è scaturito infine
il Concetto Vita Notturna approvato nel settembre del 2013 e che con 18 misure tiene
conto delle diverse esigenze.
Il Concetto Vita Notturna vuole contribuire affinché la città di Berna possa mantenere anche in futuro una vita notturna e culturale intensa ed attraente nel rispetto delle norme di
legge. Il Concetto, d’altronde, non è scolpito

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forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Città

nella pietra. È previsto un suo regolare riesame e un suo adattamento all’evoluzione sociale. Un primo aggiornamento è previsto per
il 2016.
Il Concetto Security per migliorare i contatti

Un’importante misura del Concetto Vita Notturna è il cosiddetto Concetto Security (Security-Konzept), sviluppato con l’obiettivo di ridurre il rumore, i vandalismi e l’abbandono di
rifiuti durante la notte. È stato elaborato in
collaborazione tra le autorità coinvolte (Prefettura Bern-Mittelland, Polizia cantonale bernese, Municipio di Berna), i gruppi di interesse
BERNcity, GastroStadtBern, CI Aarbergergasse
und Umgebung e diversi ristoratori e gode
quindi di ampi consensi. In primo luogo, nel
Concetto Security sono menzionati le premesse e le regole ma anche i disturbi che gli
esercizi pubblici sono tenuti ad adempiere,
a rispettare o ad evitare. Sono soggetti al Concetto tutti gli esercizi di ristorazione con un permesso generale di apertura prolungata nella
città di Berna, quindi i locali che durante tutto
l’anno possono restare aperti fino alle 00.30 di
notte in certi giorni della settimana. Nel 2011
è stato avviato un progetto pilota nella zona
Aarbergergasse, Neuengasse, Genfergasse e
Speichergasse, tutti vicoli con molti bar, ristoranti e club nei pressi della stazione ferroviaria. Sulla base delle esperienze positive fatte,
il Concetto Security è stato ampliato e comprende ora tutto il territorio cittadino.
Il Concetto Security disciplina per esempio
l’obbligo d’impiego di personale di sicurezza
qualificato. Una misura ulteriore è la designazione di una persona per esercizio che funga
da persona di contatto con le autorità. A questa persona viene messo a disposizione un telefono per le urgenze. Si tratta di un cellulare
il cui numero è registrato presso le autorità
e utilizzato solo durante l’apertura del locale.
Tutte le comunicazioni con le autorità da parte
dell’esercizio pubblico come ad esempio domande o richieste d’aiuto devono avvenire

esclusivamente tramite questo telefono. In
questo modo il chiamante può essere immediatamente identificato con certezza dalle autorità, il che accorcia i tempi d’intervento. Viceversa vi è la sicurezza per le autorità
di poter contattare in ogni momento la persona responsabile presso l’esercizio di ristorazione. Con questa misura si intende migliorare la collaborazione specialmente in caso di
problemi urgenti e permettere un intervento
più tempestivo. Inoltre, questo telefono rap-

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Città

presenta una preziosa possibilità di rafforzamento della fiducia nell’ottica di una collaborazione orientata alla ricerca di soluzioni. Un
altro obiettivo del Concetto Security è in generale l’incentivazione e il rafforzamento dello scambio e della ricerca di soluzioni tra le
autorità e gli esercizi pubblici. Per questo fine
si organizzano più volte l’anno tavole rotonde in cui si discutono problemi, proposte e richieste e si esaminano le diverse esperienze
fatte.

87

Al momento dell’approvazione del Concetto
Vita Notturna nel settembre del 2013 al Concetto Security partecipavano 33 esercizi. Nel
frattempo il loro numero è salito a 70. La situazione relativa alla sicurezza nei punti nevralgici come ad esempio la Aarbergergasse
è notevolmente migliorata con l’applicazione
del Concetto Security. Questo dimostra che,
grazie al Concetto, il senso di responsabilità
dei gestori dei club per quanto concerne la
sicurezza, la pulizia e la quiete pubblica è aumentato.
Un organo di mediazione neutrale in caso di
conflitti

Un altro progetto nel quadro del Concetto
Vita Notturna è la delega di una persona di
riferimento neutrale cui la popolazione può
rivolgersi in caso di richieste, domande e disturbi in relazione alla vita notturna. La necessità di una tale figura era incontestata sia
dai residenti sia dai gestori dei locali. I compiti principali dell’organo sono la mediazione
in caso di conflitti tra residenti e gestori o tra
le autorità e i club o bar nonché la consulenza per tutte le persone coinvolte per quanto
concerne questioni di fondo in relazione alla
vita notturna bernese.
L’organo di mediazione deve poter agire in
modo rapido e senza complicazioni e mantenere uno stretto contatto con le autorità, gli
esercizi pubblici e le organizzazioni di quartiere. Con il precedente capo del Dicastero
giovani della Città di Berna è stata incaricata
su base di mandato una persona con grandi
esperienze di mediazione. Finora, nel corso
di quest’anno, l’organo di mediazione si è occupato, oltre che di diverse semplici richieste
di locali notturni, residenti, media e organizzazioni settoriali, di due importanti conflitti.

Con cassonetti per i locali contro il littering

Per combattere efficacemente il problema
dell’abbandono degli imballaggi d’asporto

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forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Città

e in particolare delle bottiglie vuote, la Città di Berna ha avviato l’azione pilota Clubcontainer. Degli speciali cassonetti per rifiuti da 360 litri sono stati messi a disposizione
dei club nelle vie più frequentate. Mentre durante il giorno questi cassonetti sono tenuti
dai gestori all’interno dei loro locali, durante
la notte vengono collocati davanti ai club. Lo
svuotamento compete al Comune. I risultati dell’anno pilota hanno evidenziato una diminuzione di bottiglie, bicchieri e frammenti
di vetro sparsi per terra, il che contribuisce a
ridurre il pericolo di ferimenti. L’azione Clubcontainer è un successo e verrà ora estesa a
un perimetro più vasto.
Sforzi ulteriori nonostante il successo

Il Concetto Vita Notturna prevede misure a corto, medio e lungo termine. Le misure a corto termine che è possibile realizzare nell’arco di due anni sono state per la
maggiore parte attuate. Anche gran parte di
quelle a medio termine da realizzare entro un
quinquennio è stato avviato con il lancio di
progetti pilota, l’esecuzione di accertamenti
e l’apertura di colloqui. Va detto però che alcune delle misure previste dal Concetto non
sono state sviluppate ulteriormente perché
non compatibili con le attuali leggi cantonali e federali. Ad esempio, la misura definita a
lungo termine dell’“adattamento delle norme
sul rumore”. In questo caso il Consiglio nazionale ha respinto la mozione presentata dalla
consigliera nazionale Kathrin Bertschy. L’intervento intendeva incaricare il Consiglio federale di procedere a una modifica delle pertinenti norme affinché fosse possibile entro
una zona d’utilizzazione cantonale specificamente definita come ad esempio una zona
urbana prescrivere altri valori limite secondo
la fonte del rumore.

rante il periodo notturno. Le esperienze hanno dimostrato che in molti settori sono stati ottenuti dei progressi, ma che si tratta di
un processo che dev’essere costantemente
sviluppato.
— 			
(traduzione)
 Il Concetto Vita Notturna e la relativa piantina è
disponibile al sito:
http://www.bern.ch/leben_in_bern/freizeit/
ausgang-in-bern

Grazie al Concetto Vita Notturna, la città di
Berna si confronta attivamente con i problemi che sorgono in relazione all’aumento
dell’utilizzazione dello spazio pubblico du-

MARIANNE CATILLAZ-DUBEY, *1975, è giurista. Ha conseguito

la licenza presso l’Università di Friburgo. Dal 2003 lavora presso
l’Ispettorato di polizia della Città di Berna dove si occupa in
particolare di questioni giuridiche e l’attuazione di procedure
amministrative e legislative. Nel quadro di quest’attività
ha partecipato all’elaborazione del Concetto Vita Notturna.

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Città

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OSPITE ALEXANDRA HEEB

“ La mediazione
permanente fa parte
di una città viva”.
Intervista: Pieter Poldervaart
Foto: Flurin Bertschinger

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forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ospite

Il rumore notturno e altre molestie della
società delle 24 ore non sono effetti statici ma sovente fenomeni di breve durata. Invece di puntare solo sulla polizia e i
servizi d’ordine, Alexandra Heeb, Delegata alla sicurezza dei quartieri della Città
di Zurigo, promuove tavole rotonde con
i gestori dei club e i residenti. Ciò nonostante il rumore resta un tema scottante,
afferma Alexandra Heeb, ma incoraggiando la conciliazione e il reciproco ascolto
è possibile per una città gestire questa
contraddizione.

Nel nostro Paese quando si parla di società delle 24 ore si pensa subito alla Langstrasse di Zurigo. Quanto la preoccupa
questa zona calda?
Alexandra Heeb: effettivamente stiamo organizzando una tavola rotonda specifica per la
Langstrasse, la più estesa finora. Ma la movida notturna non si limita alla Langstrasse. Da
quando è stata abolita la “Polizeistunde”, ossia l’orario di chiusura dei locali pubblici, e liberalizzata la legge sugli esercizi pubblici nel
1996, il numero dei locali aperti tutta la notte
nella città di Zurigo è passato da meno di un
centinaio agli attuali 650. Un ulteriore indizio
della maggiore attività notturna è il numero
delle persone trasportate dalla ZVV (trasporti pubblici). Tra il 2003 e il 2012 si è registrato
un incremento del 221 per cento.
Qual è l’uovo e qual è la gallina in questo caso?
Inizialmente, con l’aumento della frequenza
la ZVV ha solamente reagito all’aumento della domanda. Con il passare del tempo però
la stessa infrastruttura dei trasporti ne è diventata causa: soprattutto i giovani avevano
la possibilità di tornare a casa a un prezzo
modico dalle loro uscite serali. Tra l’altro, da
quando è stata ampliata l’offerta delle corse

notturne della rete celere regionale, la sua
utilizzazione notturna è cambiata: se all’inizio le corse alle 2 del mattino erano pensate
per raccogliere chi tornava a casa, oggi servono sovente al trasporto di chi esce. La società delle 24 ore si sposta quindi tendenzialmente verso le prime ore del mattino. Non
da ultimo va detto che proprio il buon funzionamento del servizio notturno permette a
persone provenienti dal resto della Svizzera
tedesca di venire a Zurigo per le loro uscite notturne.

“Vogliamo mostrare
che la Città considera
seriamente le persone
coinvolte”.

Quindi la Città di Zurigo è diventata la
mecca della vita notturna nella nazione?
In una certa misura sì, ma non tutta la città. Una rappresentazione SIG mostra che gli
esercizi pubblici con permesso notturno si
concentrano nelle quattro zone della Langstrasse, del Niederdorf, di Zurigo ovest e parti
del quartiere 3. Se vi si sovrappone una cartina relativa ai reclami dovuti al rumore notturno si vede che queste due rappresentazioni
sono correlate. Negli altri quartieri la società
delle 24 ore non ha ancora preso piede. Non
solo geograficamente, anche nel corso della
settimana si notano grandi differenze: più si
avvicina il fine settimana, maggiore è la presenza della società delle 24 ore.
Perché questo boom della società del
tempo libero?

Il progetto “Nachtleben” non intende elaborare un catalogo di misure ma dimostra che
la città considera seriamente il fenomeno,
soprattutto le persone che vi sono coinvolte:
gli abitanti del quartiere che devono convivere con il rumore e le altre immissioni e cercano di difendersi dal troppo trambusto, gli
impresari e promotori che invece reclamano spazio e i diversi settori dell’amministrazione comunale i cui servizi sono richiesti in
modi e tempi diversi.
Come reagisce l’amministrazione comunale?

Ottima domanda! Certamente molte persone dispongono di più denaro e di maggiore
tempo libero di prima. Ma anche la sociologia non ha risposte univoche. Probabilmente ci sono diversi possibili modelli esplicativi.
Non posso dare una risposta e non è neppure un mio compito, dato che noi non ci occupiamo della ricerca delle cause ma dobbiamo
affrontare gli effetti.

Durante il semestre estivo si è provato ad impiegare un’unità di polizia con trenta agenti
durante i fine settimana, quando è necessaria una presenza maggiore. Non abbiamo ancora i risultati dell’analisi. Un altro esempio è
il differimento d’orario della nettezza urbana:
se gli ultimi nottambuli tornano a casa solo
nelle prime ore del mattino, le strade e i marciapiedi possono essere puliti solo più tardi.
Spesso però chi lavora esce di casa già alle 7
e a giusta ragione si aspetta una città ripulita.

Con il progetto “Nachtleben”, Vita notturna, Zurigo vuole combattere gli eccessi. In
pratica questo cosa significa?

Sono quindi soprattutto i rifiuti sparsi per
strada a sollecitare l’amministrazione comunale?

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ospite

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Non solo. È coinvolta una moltitudine di unità
amministrative. Sovente occorrono interventi
a breve termine della polizia, delle squadre di
pulizia o della manutenzione delle aree verdi.
Da una parte si tratta di mere questioni amministrative, dall’altra però anche dello sviluppo
della città. Rispetto a queste interdipendenze
di molteplici aspetti abbiamo reagito con una
piattaforma che concentra necessità e risposte. Occorre anche riconoscere che se la vita
notturna è importante lo è anche la qualità
della vita dei residenti e che quindi i suoi effetti devono risultare sopportabili.

menti per la sua concezione, ma per anni è
rimasto zona deserta. Nel frattempo è diventato un punto d’incontro per i giovani, ma il
rumore e i rifiuti abbandonati disturbano il vicinato. Serve quindi un pacchetto di misure:
il pattugliamento più frequente da parte della polizia comunale, una diversa cura del verde da parte di Grün Stadt Zürich, i servizi di
nettezza urbana che puliscono a orari definiti e per ogni evenienza un recapito telefonico per i reclami dei cittadini.

Come procedete?

Non è così semplice, perché la popolazione
deve partecipare a queste misure. Non deve
solo segnalarci situazioni di disagio, deve anche essere disposta ad accompagnarci nel
processo e fornirci un riscontro se la situazione è migliorata. Secondo la situazione, può

Prendiamo ad esempio il Parco MFO a Nord di
Zurigo. Questo parco, realizzato dove un tempo la Maschinenfabrik Oerlikon produceva le
sue macchine, ha ricevuto molti riconosci-

I vicini telefonano e voi intervenite?

fungere da antenna o da recapito telefonico
per i reclami anche un abitante del quartiere.
L’obiettivo è quello di raggiungere un equilibrio tra gli utenti dello spazio pubblico e la
popolazione residente.
E come coinvolgete il vicinato?
Un punto caldo è come detto la Langstrasse.
Questa primavera il conflitto è riesploso. Con
una lettera aperta gli abitanti si sono lamentati del fatto che la Langstrasse si stava ormai trasformando in una mera zona di divertimento notturno con corrispondente inquinamento fonico e sporcizia. Qualche giorno
dopo i diretti interessati criticati hanno reagito a loro volta con una petizione. Le posizioni
erano contrapposte. Abbiamo deciso di organizzare una tavola rotonda a cui si sono annunciate ben 100 persone. Vogliamo cercare
di scoprire cosa è necessario per andare più
d’accordo tramite il dialogo per armonizzare
le esigenze in un quartiere che è sia zona residenziale sia zona di divertimento.
Queste tavole rotonde sono una novità?
No, ma normalmente vi partecipano dai venti
ai trenta interessati. In queste dimensioni, la
tavola rotonda della Langstrasse è una prima.
Oltre alle misure organizzative, è possibile esercitare un’influenza a livello di sistemazione dello spazio urbano?
In seno al progetto “Nachtleben” ci occupiamo soprattutto di questioni amministrative e
meno della pianificazione: consideriamo soprattutto l’utilizzazione attuale. Naturalmente anche l’allestimento dello spazio e l’illuminazione sono importanti. Un’organizzazione
intelligente dello spazio pubblico può migliorare le conoscenze tra il vicinato e tra
il vicinato e gli interlocutori in seno all’amministrazione comunale. In questo modo è
possibile riconoscere e combattere con maggiore tempestività eventuali sviluppi negativi.
Un tema ricorrente è l’illuminazione. Alcuni

ALEXANDRA HEEB, *1976, ha studiato economia aziendale e filosofia.

Dopo gli studi ha lavorato presso il Dicastero opere sociali della Città di
Zurigo trasferendosi poi nel Cantone di Berna come Segretaria generale della Commissione delle finanze. Dal 2011 è Delegata per la sicurezza dei quartieri presso il Dipartimento di polizia della Città di Zurigo.

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forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ospite

“Dobbiamo rafforzare
il senso di vicinato e
imparare a comportarci
in modo che anche gli
altri possano vivere”.

sono dell’opinione che serve molta luce per
migliorare la sicurezza. Altri sono dell’opinione opposta perché ritengono che la luce attiri i nottambuli generando quindi rumore. Nel
menzionato Parco MFO stiamo testando se è
possibile rendere più tranquilla la notte regolando l’intensità luminosa. Rispetto alla pianificazione, con le misure organizzative la sperimentazione è più semplice e la correzione
di eventuali errori più facile.
Una particolarità di Zurigo è la sip (Sezione Sicurezza Intervento Prevenzione).
Perché sono necessarie queste unità d’intervento oltre la polizia e i servizi di sicurezza privati?
La sip che fa capo al Dicastero delle opere
sociali è un “servizio d’ordine di prossimità”

senza competenze di polizia che non applica misure costrittive. Invece di un’uniforme i
collaboratori sip vestono abiti da lavoro unitari. Le loro pattuglie di due o tre persone
sono espressione di coraggio civile ufficializzato. Si rivolgono a persone che manifestano
un comportamento problematico. Ad esempio persone che alle due di notte provocano
molto rumore in un quartiere residenziale o
un gruppo che abbandona molti rifiuti sul posto di ritrovo. La collaborazione con la polizia
funziona bene. Nel frattempo, il concetto è
stato ripreso da altre città svizzere.
Quali posti in particolare si sono rivelati più
problematici?

Non parlerei di posti o addirittura di persone problematiche. Il rumore disturba, ma re-

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ospite

gistriamo solo raramente casi pericolosi di
lesioni gravi o morte. A questo proposito le
finestre temporali critiche indicate dalla polizia sono il venerdì e il sabato notte attorno
alle 4 del mattino, quando l’umore cambia:
il livello di alcool o di altre sostanze è elevato, la maggior parte delle donne è tornata a
casa, alcuni nottambuli sono frustrati, allora
possono succedere maggiori atti di violenza.
Eppure la Langstrasse non è conosciuta
solo per il rumore, ma anche per la violenza. Quanto è sicura Zurigo?

Da anni la criminalità diminuisce da lievemente a considerevolmente in quasi tutti i
settori. Zurigo oggi è più sicura che mai anche durante la notte. Naturalmente contro
la violenza continua ad essere necessaria
la prevenzione ad alto livello. D’importanza
centrale resta il mantenimento dell’equilibrio sociale tra i diversi utenti. Detto in parole semplici: Zurigo rispetta la vita notturna
ma prima o poi si vuole anche dormire.

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Anche se la violenza notturna cala oggettivamente: quanto si sente sicura la popolazione?

Anche la sensazione soggettiva di sicurezza
è positiva e in aumento. Oggi alla domanda
se si sente sicuro o molto sicuro quando torna a casa a piedi alle due di notte risponde
in modo affermativo dall’80 al 100 per cento delle persone. Possiamo dirci molto soddisfatti.
Quindi serve più sip che poliziotti?

La polizia contribuisce al mantenimento della calma anche solo con la sua presenza. Proprio il problema principale, il rumore, non si
può affrontare solo con le pattuglie sip, infatti sovente la molestia dopo un paio di minuti è già passata. Dobbiamo rafforzare il senso di vicinato e imparare a comportarci in
modo che anche gli altri possano vivere. Se
ad esempio i club invitano i loro clienti a bere
la loro ultima birra all’interno del locale e a
non fermarsi a schiamazzare dopo davanti
al locale chiuso, contribuiscono molto al benessere del vicinato.

I gestori di club e gli organizzatori di feste si
lasciano effettivamente coinvolgere?

motivo del rumore e altri posti con grandi assembramenti di persone.

Nel corso degli ultimi anni abbiamo intensificato la cooperazione. Importante è individuare gli interlocutori adatti. A Zurigo, oltre
alla commissione bar e club, esiste da poco
un “Consiglio notturno” cui partecipano, oltre i promotori organizzati e occasionali di
party, anche i loro utenti.

Quali sono i limiti di questo dialogo e di questa cooperazione?

Quali sono i risultati di questa collaborazione?

Finora ci siamo limitati a fare conoscenza e a
scambiarci opinioni. In questo modo in caso
di problemi sarà possibile trovare soluzioni
concertate. Questo quadro permette accordi informali. Siamo interessati ad ampliare ulteriormente questo tipo di cooperazioni volontarie.

Il limite si situa dove interviene la legge. Prima, tutto è possibile e anche auspicato. Perché dove i gerenti di esercizi pubblici, la popolazione e l’amministrazione si impegnano
a trovare volontariamente una soluzione,
questa non sarà mai unilaterale: questi compromessi che rendono superflue le vie legali sono il vero valore aggiunto di questi colloqui.
L’esperienza delle procedure partecipative
nelle questioni pianificatorie dimostra piuttosto che queste assorbono molto tempo
e che ciò nonostante alla fine i vari gruppi
d’interesse perseguono i loro obiettivi per
vie legali…

Con tutti i gestori dei 655 locali notturni?

Naturalmente questo è illusorio. Importanti
sono soprattutto i club di grandi dimensioni
dove sono potenzialmente possibili reclami a

I conflitti d’utilizzazione acuti si differenziano
fortemente dalle questioni di pianificazione
a lungo termine. Nelle pianificazioni le parti
coinvolte non sanno quello che si otterrà alla
fine. Molto spesso i residenti molestati dal rumore hanno già adito le vie legali e attendono un giudizio. La tavola rotonda è un mezzo
assai efficace, ma non sempre facile: riunire persone con pretese d’utilizzazione diametralmente diverse non è una passeggiata.
Si deve saper ascoltare posizioni contrapposte e poi cercare dei compromessi. In caso di
conflitti acuti è possibile verificare già dopo
alcune settimane se i patti sono stati mantenuti e se il compromesso negoziato ha avuto successo.
Un ulteriore strumento di consultazione a
Zurigo è la “Nightlife-Roundtable”: un termine quasi un po’ equivoco…

Ma no, le riunioni si tengono durante gli orari
d’ufficio… L’incontro avviene 4 o 5 volte l’anno con i rappresentanti dei club, dei servizi di

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forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ospite

“Le tavole rotonde non
sono semplicemente
un bel gesto. A lungo
termine possono e
devono ridurre l’onere
dell’amministrazione
comunale”.

sicurezza privati e delle diverse autorità cittadine. Ad esempio ci occupiamo di un caso
di violenza e discutiamo di come avrebbero
potuto agire il gestore del club e la sicurezza
per facilitare il lavoro alla polizia. Spesso ne
scaturiscono regole generali. Nel caso concreto il risultato è stato un promemoria su
come e quando reagire. Per molti esercenti
e per la security è già interessante conoscere la controparte e capire come funziona. Abbattiamo pregiudizi e questo facilita la collaborazione in caso di problemi seri.
E lei è il punto di riferimento?

Naturalmente non da sola. Sono la persona a cui la popolazione e anche i gestori si
possono rivolgere, ma sovente il mio compito consiste nel coordinare l’amministrazione comunale. In un tempo in cui gli specialisti svolgono un ruolo importante, occorrono
anche persone in grado di mantenere la visione d’insieme su temi così divergenti come

l’arte, la cultura, le discoteche, la sicurezza,
i rifiuti, il rumore e le emergenze. Sovente
questo tipo di coordinazione in seno all’amministrazione permette un alleggerimento
pratico senza complicazioni burocratiche.
Avete dei contatti al di là dei confini comunali?

Ci impegniamo in seno al gruppo di lavoro
“Vita notturna” dell’Unione delle città svizzere che si riunisce due volte l’anno. Ogni città e ogni quartiere sono diversi, ma ci sono
sempre idee provenienti da alte città che
possiamo rapportare alla nostra situazione.
Quasi ogni piccola città è confrontata con
problemi simili.
Tavole rotonde, cooperazione nei quartieri:
i costi non vi sfuggono di mano?

Naturalmente questo modo di procedere ha
i suoi costi, ma si tratta di un onere contenu-

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Ospite

to in paragone ai costi di più frequenti interventi notturni della polizia comunale e di ulteriori costi di pulizia. Certo, anche la Città di
Zurigo deve tenere conto della sua situazione finanziaria, ed è anche per questo che con
il dialogo cerchiamo di contenere i conflitti
e le spese che comportano. Le tavole rotonde non sono semplicemente un bel gesto. A
lungo termine possono e devono ridurre l’onere anche in altri settori dell’amministrazione comunale.
Cercate di disinnescare dei conflitti. Ma il
nodo della densificazione e dell’intensa utilizzazione è davvero risolvibile?

La contraddizione esiste e non si lascerà mai
risolvere. Una città vive. Si tratta di risolvere
i conflitti in modo produttivo e di permettere sia di vivere volentieri nel proprio quartiere sia di divertirsi la sera. Non ci sono ricette
e neanche soluzioni a lungo termine, ma una
continua mediazione, così appunto come è
la vita stessa. Questa costante negoziazione
e quest’apprendimento permanente fanno di
una città una buona città.
— 			
(traduzione)

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REPORTAGE

Alla ricerca della –
Grundversorgung
Thomas Bieger
Ein
notte
Wahrnehmungsthomas.bieger@unisg.ch
Roland Scherer
konstrukt,
das aktive
roland.scherer@unisg.ch
Bürgerinnen
und
Stefanie Pfändler
s.pfaendler@gmail.com
Bürger erfordert

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forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Reportage

Di giorno Soletta si vanta della sua città vecchia barocca con le sue piazze animate e i numerosi caffè. Al calare dell’oscurità, la vita si concentra invece in una
ristretta area lungo l’Aar mentre alla stazione la notte è inghiottita dalle luci al
neon. Impressioni di una metamorfosi
notturna.

Soletta è una pittoresca cittadina svizzera da
cartolina postale. Nei vicoli della città vecchia pedonalizzata gli indigeni e i turisti passeggiano tra numerose attrazioni, le piazze
sono ornate da sfarzose fontane e circondate da vivaci caffè. Nelle strade solitamente si
sente parlare il dialetto bernese, ma fa parte
dello charme di Soletta anche un pizzico di
francese: fino ad oggi la città è orgogliosa di
avere ospitato durante il tardo Medioevo per
due secoli l’ambasciata francese e per questo motivo si fregia del nobile attributo di Città degli Ambasciatori.
L’aria cosmopolita dei solettesi svanisce però
con il calare delle tenebre. “Ti conviene lasciar perdere” è il consiglio ben intenzionato
di un amico del posto alla mia domanda relativa a dove si potrebbe, per motivi giornalistici, esplorare la vita notturna locale. “L’unico club che abbiamo è il Kofmehl, ma oggi
lì canta un vecchio”. Da una più estesa ricerca emerge l’unanime opinione che le migliori alternative sono il “Solheure” oppure l’”Oufi”. Soprattutto però l’”Aaremüürli”, perché è
lì che batterebbe il cuore notturno della città.
In realtà, l’Aaremüürli si rivela essere nient’altro che un muretto lungo l’Aar. Eppure è davvero consigliabile iniziare da qui la ricerca
della Soletta notturna. È qui che si scopre
cosa succede in questa città quando la birra
diventa più importante delle imponenti mura
della Cattedrale di Sant’Orso, quando i negozi
chiudono e i vicoli e le piazze sono illuminate
solo dalla fioca luce dei lampioni.

L’ultimo treno passeggeri lascia Soletta. E adesso?

Una Città va a nanna

“Hie isch aues binang” (“Siamo tutti qui”) ci
dice un ragazzo che si fa una birra con gli
amici seduto sull’”Aaremüürli”. Le serate solettesi iniziano sempre qui, confermano gli
amici. Effettivamente, lungo l’Aaremüürli si
allinea un bar dopo l’altro. Nonostante la frescura del primo autunno gli ospiti siedono
all’aperto, bevono, ridono: la solita movida,
anche se un po’ più modesta e meno frenetica che in altri luoghi. Mentre qui i giovani
dopo ogni birra si fanno sempre più chiassosi, il resto della città va a letto. Le facciate
storiche tanto ammirate di giorno scompaiono nell’oscurità; ora è la vita interiore delle case che si proietta verso l’esterno: nelle
finestre illuminate si vedono le ombre di chi
ci abita muoversi attraverso l’appartamento, qui c’è una sagoma in cucina, là qualcuno
legge un libro in poltrona. Il viavai degli avventori si sta diradando e nei ristoranti che

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Reportage

si svuotano il personale inizia a pulire i tavoli
dopo l’ultimo giro di birra. La vita notturna a
Soletta sembra proprio limitarsi a pochi metri quadrati.
La Kreuzackerbrücke è il ponte che collega la città vecchia alla stazione. Singole figure si affrettano a passare da una sponda
all’altra dell’Aar. Mentre nelle prime ore serali
i dintorni della stazione erano ancora molto
movimentati ed era palpabile la gioiosa attesa delle prossime ore, in questo nodo del
traffico ora regna il vuoto. Unicamente Subway e McDonalds sono ancora aperti ma, al
contrario dei bar lungo l’Aar, sono vuoti. Solo
tre giovani sono seduti davanti al locale ad
un tavolo non apparecchiato, mangiano patatine fritte e sembrano sentirsi a loro agio
nell’abbandono notturno. Un operaio delle
FFS in tuta arancione sonnecchia nella vettura di servizio posteggiata di fianco. Ad ogni
schiamazzo dei ragazzi strizza gli occhi assonnato.

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Verso la stazione: solo poco movimento a Soletta

Nel sottopassaggio della stazione la luce al
neon determina uno strano sfasamento temporale. Qui nel sottosuolo sembra che il giorno si sia avvinghiato allo spazio. La luce abbagliante illumina senza pietà ogni angolo e
ruba l’anima della notte. La desolazione della
stazione morta impregna l’ambiente. Alla fine
del corridoio un garzone chiude a chiave il
“Memo Imbiss” che dà l’impressione di avere
ospitato l’ultimo cliente già molte ore prima.
Il “Cafe-Bar Fairplay” a fianco nasconde le sue
attività dietro vetrate a specchio e insono-

rizzate. Seguono il ristorante “Passage”, un
negozio senza nome con un assortimento
indefinito che offre carne d’agnello, trasferimento di denaro e telefonia mobile internazionale discount. Per il vicino Dancing Club
è difficile dire se ha già vissuto tempi migliori o se semplicemente non li ha mai avuti.
Nell’ultimo negozio sono già state smontate
le insegne, qui si abbandona il campo. Difficile
biasimare l’ormai ex inquilino. Dietro la stazione, una filiale Denner chiusa, vicino negozi vuoti e un improbabile manifesto elettorale del PLR che annuncia fiducioso un futuro
di “Libertà e progresso”. È partito l’ultimo treno passeggeri.

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forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Reportage

Sfasamento temporale alla stazione ferroviaria

Ora sulla piazza della stazione, alcuni nottambuli aspettano il bus per Biberist e Jegenstorf. Un’auto della polizia passa lentamente
attraverso la piazza, un conducente del bus
fuma un’abitudinaria sigaretta. D’improvviso
un sibilo, un frastuono si avvicina assordante.
Sta passando con una folata di vento il merci che durante le ore notturne distribuisce in
tutta la Svizzera la merce per la diurna corsa al consumo quotidiano. Il fragore e lo stridio svaniscono con la stessa velocità come
sono apparsi. Un paio di minuti più tardi
segue il prossimo treno. La stazione durante le prossime tre ore appartiene al traffico
merci.

Desolazione e charme notturno

Mentre nella tristezza della stazione si inizia
immancabilmente a desiderare il proprio letto, all’Aaremüürli la vita notturna continua.
Qui non ci sono lampade al neon o pubblicità
elettorale disacconcia, qui la notte è vivace e
l’atmosfera è bella. Qui si vorrebbe trascorrere le ore, ordinare un’altra birra, conoscere i
solettesi. Soprattutto però si vorrebbero godere quelle ore in cui tutto appare più soffuso
e tenue che di giorno, quando la luce illumina
gli angoli bui e i segreti di questa città e dei
suoi abitanti. Tra la stazione e l’Aar ci sono
solo pochi metri, eppure i due posti non potrebbero essere più diversi tra loro. Là dove
le luci al neon simulano il giorno non c’è posto per la notte. Il suo charme le è sottratto,
assume un’aria desolata e abbandonata. Solo
dove le è possibile irretire i suoi ospiti, dove
esiste il coraggio dell’oscurità, solo là Soletta si risveglia come città notturna che non
è indicata su nessun cartello e non è ritratta da nessuna cartolina postale. Essa conferisce alla sorella diurna un volto nuovo e anche se la sua vita si svolge negli stessi vicoli,
è comunque del tutto differente.
— 			
(traduzione)

Un sottopassaggio: triste e inutilizzato

Dietro la stazione: negozi vuoti.

STEFANIE PFÄNDLER, *1985, ha studiato scienze

politiche ed ambientali ed ha lavorato come
collaboratrice scientifica presso la sezione
Sviluppo sostenibile dell’ARE. Dal 2015 lavora
per la città di Dübendorf nell’ambito della
pianificazione del territorio e dei trasporti.

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Reportage

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RUBRICA

Caccia notturna ai negozi
delle stazioni di servizio

JÜRG SPICHIGER, *1964, è giornalista freelance e

organizzatore di esposizioni. Lavora come curatore
per musei e realizza insieme ai suoi collaboratori
anche progetti propri.
juerg.spichiger@palma3.ch

La scena si svolge nel Seeland bernese poco lontano dal villaggio di Ins. Lo sguardo vaga sul vasto paesaggio che qui appare
insolitamente aperto per la Svizzera. Da Ovest si avvicina sulla
strada principale con un pretenzioso rombo una piccola utilitaria dalla linea sportiva. La Peugeot nera entra in una rotatoria
da cui potrebbe imboccare la T10 e dirigersi verso Neuchâtel, la
città più vicina. Ma il conducente ha altre intenzioni. A gran velocità svolta nell’ampio parcheggio della stazione di servizio
Agrola con annessi autolavaggio e negozio Landi. La Peugeot
frena bruscamente davanti alla colonna di distribuzione. Scende il conducente, un giovane di circa 22 anni, e scende anche
la passeggera. Mentre lui inizia a riempire il serbatoio, lei si
affretta ad entrare nel Top Shop. Poco prima delle 21, quasi
l’orario di chiusura del negozio. Per i giovani è tempo di fare
rifornimento per la notte.
Il territorio di vendita serale attorno alla località rurale di Ins
è dominato dalla “Landi Seeland” che gestisce nella regione
orticola bernese altri tre Top Shop presso le stazioni di servizio
Agrola. Anche qui, come in altre zone rurali svizzere, i punti
di vendita notturni sono esposti ad un’accanita concorrenza.
Dall’inizio del nuovo secolo, presso gli svincoli stradali, lungo
le strade interurbane e alle periferie dei centri abitati i negozi
abbinati alle stazioni di servizio BP, Coop Pronto, Migrolino o
Shell sono spuntati come funghi: tutti i commercianti di oli minerali vogliono approfittare delle opportunità di vendita presso le stazioni di servizio.
A volte si è abilmente colmata una lacuna nella zona industriale.
In molti posti, come ad Ins, i contadini locali hanno sacrificato
a tal fine superfici agricole anche estese. Spesso questi punti
di vendita ubicati nel nulla sono il punto di partenza per le
scorribande notturne della gioventù automunita. Lo testimoniano le lattine di birra vuote e la carta dei panini gettati con
noncuranza ai margini delle strade.
I gestori dei negozi Landi, che hanno le loro radici nell’ambiente
delle cooperative rurali, sono impotenti di fronte a queste cattive abitudini. Anche la politica ha poco da dire sul tema del
consumo 24 ore su 24. Ci sarebbe l’opzione legislativa, ma la
maggior parte degli svizzeri desidera un approccio piuttosto liberale alla questione degli acquisti notturni: nel settembre del
2013 il sovrano si è espresso a favore dell’apertura ad orario
continuato dei negozi delle stazioni di servizio sulle autostrade: “un grande successo per la libertà nel nostro Paese”, era
stato il commento della Basler Zeitung.

100

Tra l’altro, secondo il testo di legge non sono solo le stazioni di
servizio situate nelle aree di sosta delle autostrade ad approfittarne, anche gli shop lungo le “strade principali con traffico
intenso” possono offrire giorno e notte un ricco assortimento
con la benedizione delle autorità cantonali. Un sì di fondo alla
società delle 24 ore? “Non necessariamente, ma il mondo cambia”, questa l’opinione prammatica di molti sostenitori.
Cambio di scena: Canton Berna, area di servizio Grauholz Sud
sulla A1 in direzione di Zurigo, appannaggio dei negozi delle
stazioni di servizio Migrolino. All’interno lo shop offre bevande
calde e panetteria precotta, all’esterno dispone di un parcheggio con un generoso settore per fumatori. Ci sono tre tipi di
clienti notturni, confida la commessa Migrolino: prima di tutto
le persone che lavorano di notte o che devono recarsi al lavoro
di mattina presto. Anche i tassisti arrivano a tutte le ore. Fanno
il pieno, prendono un caffè o accompagnano dei clienti che
desiderano fare acquisti. Poi ci sono i turisti che preferiscono
viaggiare di notte per approfittare del traffico ridotto. In terzo
luogo, soprattutto durante il fine settimana, attorno allo shop
si affolla il popolo della notte, i frequentatori delle discoteche
e i tiratardi che acquistano soprattutto alcool e sigarette. Talvolta l’atmosfera si fa rovente e soprattutto rumorosa, aggiunge la commessa.
Giovedì notte. Davanti al negozio della stazione di servizio cinque ragazzi si appoggiano ad un’auto nera. Le porte anteriori
sono spalancate, dall’interno dell’auto esce musica techno sparata ad alto volume. Il quintetto fuma, chiacchiera, si mostra
disinvolto. I giovani non vogliono andare ad una festa. “Ci facciamo solo un giro in auto” dice uno di loro. “A volte solo fino a
mezzanotte, a volte tutta la notte”. Perché dovrebbero andare
in città? “Qui passano delle belle auto e possiamo incontrare
i nostri amici”.
I due poliziotti che hanno appena parcheggiato la loro auto di
pattuglia e si dirigono ora verso il negozio Migrolino non sembrano disturbati dalla festicciola. Adesso anche questi lavoratori notturni hanno altro per la testa. La polizia passa spesso,
dice più tardi la commessa. Infatti, di notte, il negozio della
stazione di servizio è in piccolo quello che è la Langstrasse di
Zurigo in grande. Si è in periferia, ma il consumo di base per
una serata da leoni è garantito. 		
— 			
		
(traduzione)

forum sviluppo territoriale 03 / 2015 — Rubrica

LA CIFRA SUL TEMA

+ 232 %
Tra il 2003 e il 2014, il numero dei viaggiatori sulla rete notturna dell'Associazione dei trasporti pubblici di Zurigo
(ZVV) è aumentato da 4474 a 14'836
unità per notte, un aumento quindi pari
al 232 percento.

101

102

IMPRESSUM
IMPRESSUM

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forumraumentwicklung
raumentwicklung

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forumdu
dudéveloppement
développementterritorial
territorial

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forumsviluppo
sviluppoterritoriale
territoriale

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Bulletind’information
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43
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année

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fédéraldu
dudéveloppement
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territorial(ARE)
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Ufficiofederale
federaledello
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Eidgenössisches
EidgenössischesDepartement
Departementfür
fürUmwelt,
Umwelt,Verkehr,
Verkehr,

Département
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l’environnement,des
destranstrans-

Dipartimento
Dipartimentofederale
federaledell’ambiente,
dell’ambiente,dei
deitrasporti,
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Energie
Energieund
undKommunikation
Kommunikation(UVEK)
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ports,de
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l’énergieetetde
delalacommunication
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dell’energiaeedelle
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Redaktionskommission

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derédaction
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Commissionedella
dellaredazione
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Rudolf
RudolfMenzi
Menzi(Leitung),
(Leitung),Doris
DorisAngst,
Angst,Matthias
MatthiasHowald
Howald

Rudolf
RudolfMenzi
Menzi(direction),
(direction),Doris
DorisAngst,
Angst,Matthias
MatthiasHowald
Howald

Rudolf
RudolfMenzi
Menzi(direzione),
(direzione),Doris
DorisAngst,
Angst,Matthias
MatthiasHowald
Howald

Übersetzung
Übersetzung

Traduction
Traduction

Traduzione
Traduzione

Französisch:
Französisch:Elisabeth
ElisabethKopp-Demougeot,
Kopp-Demougeot,

Français:
Français:Elisabeth
ElisabethKopp-Demougeot,
Kopp-Demougeot,

Francese:
Francese:Elisabeth
ElisabethKopp-Demougeot,
Kopp-Demougeot,

Le
LeGrand-Saconnex
Grand-Saconnex

Le
LeGrand-Saconnex
Grand-Saconnex

Le
LeGrand-Saconnex
Grand-Saconnex

Relecture
Relectureund
undAdaptation:
Adaptation:Daniel
DanielBéguin
Béguin

Relecture
Relectureetetadaptation:
adaptation:Daniel
DanielBéguin
Béguin

Rilettura
Riletturaeeadattamento:
adattamento:Daniel
DanielBéguin
Béguin

Kontrolle
Kontrolleund
undKorrektur:
Korrektur:Béatrice
BéatriceThièry
Thièry

Contrôle
Contrôleetetcorrection:
correction:Béatrice
BéatriceThièry
Thièry

Controllo
Controlloeecorrezione:
correzione:Béatrice
BéatriceThièry
Thièry

Italienisch:
Italienisch:Antonella
AntonellaSchregenberger-Rossi,
Schregenberger-Rossi,Olsberg
Olsberg

Italien:
Italien:Antonella
AntonellaSchregenberger-Rossi,
Schregenberger-Rossi,Olsberg
Olsberg

Italiano:
Italiano:Antonella
AntonellaSchregenberger-Rossi,
Schregenberger-Rossi,Olsberg
Olsberg

Relecture
Relectureund
undAdaptation:
Adaptation:Peter
PeterSchrembs
Schrembs

Relecture
Relectureetetadaptation:
adaptation:Peter
PeterSchrembs
Schrembs

Rilettura
Riletturaeeadattamento:
adattamento:Peter
PeterSchrembs
Schrembs

Redaktion
Redaktionund
undProduktion
Produktion

Rédaction,
Rédaction,production
production

Redazione,
Redazione,produzione
produzione

Pieter
PieterPoldervaart,
Poldervaart,Pressebüro
PressebüroKohlenberg,
Kohlenberg,Basel
Basel

Pieter
PieterPoldervaart,
Poldervaart,Pressebüro
PressebüroKohlenberg,
Kohlenberg,Bâle
Bâle

Pieter
PieterPoldervaart,
Poldervaart,Pressebüro
PressebüroKohlenberg,
Kohlenberg,Basilea
Basilea

Grafisches
GrafischesKonzept
Konzeptund
undGestaltung
Gestaltung

Création,
Création,réalisation
réalisation

Creazione,
Creazione,realizzazione
realizzazione

Susanne
SusanneKrieg
KriegSGD,
SGD,Basel
Basel

Susanne
SusanneKrieg
KriegSGD,
SGD,Bâle
Bâle

Susanne
SusanneKrieg
KriegSGD,
SGD,Basilea
Basilea

Fotografie
Fotografie

Photographie
Photographie

Fotografia
Fotografia

Yves
YvesMaurer
MaurerWeisbrod
Weisbrod(Umschlag,
(Umschlag,S.S.44––15,
15,

Yves
YvesMaurer
MaurerWeisbrod
Weisbrod(Couverture,
(Couverture, p.p.44––15,
15,

Yves
YvesMaurer
MaurerWeisbrod
Weisbrod(Copertina,
(Copertina,p.p.44––15,
15,

18
18––19,
19,39/40,
39/40,42
42––57,
57,73/74,
73/74,76
76––89,
89,101/102);
101/102);

18
18––19,
19,39/40,
39/40,42
42––57,
57,73/74,
73/74,76
76––89,
89,101/102);
101/102);

18
18––19,
19,39/40,
39/40,42
42––57,
57,73/74,
73/74,76
76––89,
89,101/102);
101/102);

Martin
MartinGuggisberg
Guggisberg(S.17);
(S.17);Ruedi
RuediThomi
Thomi(S.
(S.26/27);
26/27);

Martin
MartinGuggisberg
Guggisberg(p.17);
(p.17);Stefanie
StefaniePfändler
Pfändler

Martin
MartinGuggisberg
Guggisberg(p.17);
(p.17);Ruedi
RuediThomi
Thomi(p.
(p.26/27);
26/27);

Stefanie
StefaniePfändler
Pfändler(S.
(S.34
34––37,
37,64
64––67,
67,96
96–99);
–99);

(p.
(p.34
34––37,
37,64
64––67,
67,96
96–99);
–99); autres
autresphotographies
photographies

Stefanie
StefaniePfändler
Pfändler(p.
(p.34
34––37,
37,64
64––67,
67,96
96–99);
–99);

alle
alleanderen
anderenzur
zurVerfügung
Verfügunggestellt.
gestellt.

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gracieusementmises
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territoriale

3003
3003Bern
Bern

3003
3003Berne
Berne

3003
3003Berna
Berna

Tel.
Tel.058
058462
46240
4060
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Tel.
Tel.058
058462
46240
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Tel.
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058462
46240
4060
60

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ARE

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2015,Abdruck
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mitQuellenangabe;
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