Path:
Fördern, damit Landwirte investieren

Full text: LandInForm Issue 2016,1 Fördern, damit Landwirte investieren

Magazin für Ländliche Räume

AUSGABE 1.16

Erdweg – eine „essbare Gemeinde“ _ 40
Daseinsvorsorge zukunftsfähig machen _ 48
Kommunen für Artenvielfalt _ 54

Fördern,
damit Landwirte investieren
Europäischer
­Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung
des ländlichen Raums:
Hier investiert Europa
in die ländlichen
Gebiete.

INHALT

Inhalt

Seite 40  

Erdweg – eine „essbare Gemeinde“

Seite 48  

Daseinsvorsorge zukunftsfähig machen

Für das Netzwerk

Im Fokus

INSIDE

EINFÜHRUNG

05   	
05   	
05   	

LandInForm Spezial 6 über Grünland
LEADER-Karte als Poster
LEADER – wie sieht‘s europaweit aus?

10   	
12   	

16   	

Seite 54  

Kommunen für Artenvielfalt

INTRO
Wo lebt Lieselotte?
Mehr als Ställe

DAS WAR

BETRIEBSPORTRÄTS AUS DEUTSCHLAND

06   	
Dörfer – funktional eigenständig und demokratisch

18   	

selbstbestimmt?

06   	
07   	

Gemeinsame Strategien für die Siedlungsentwicklung
Miteinander reden und gemeinsam vorankommen

DAS KOMMT

08   	

Transferbesuche in Nordrhein-Westfalen
Die DVS lädt im Juni zu zwei Best-Practice-Exkursionen
zu den Themen Biodiversität im Grünland und im
Acker ein.

08   	Tagung verlegt
08   	

Programm der DVS für die zweite Jahreshälfte

09   	

Chance Zuwanderung?!
Integration geschieht vor Ort. Was können und müssen
die Aktiven einer Region tun, um Zuwanderung zur
Chance zu machen? Die DVS lädt im April zum PraxisWorkshop „Integration von Zugewanderten – Ideen,
Beispiele und Lösungen für ländliche Räume“ ein.	

09   	

Regionalentwicklung finanzieren

09   	
Mobilitätssicherung in ländlichen Regionen

2  LandInForm 1/2016

Wachstum mit mehr Tierwohl

20   	 Zukunftsfähig durch Bio-Legehennen

22   	 Mit bäuerlicher Tradition in die Zukunft
BLICK NACH EUROPA

24   	

Hier investiert Europa

26   	 Wie fördern die Nachbarn?
LEADER UND DIE DVS

29   	 Bei LEADER tut sich was
30   	 LEADER-Karte (Poster)
32   	

Die DVS – für ländliche Räume

AUS EXPERTENSICHT

37

  	 Interview – Ulrich Jasper

38   	
Statement – Alfons Balmann
39   	
Statement – Mathias Dralle

ab Seite 10  
Fördern, damit Landwirte investieren
Die Agrarinvestitionsförderung ist eine finanzstarke
­Maßnahme im Europäischen Landwirtschaftsfonds für
die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER):
In welche Richtung sollen sich die Betriebe entwickeln?

Aus der Praxis
40  

42  

	 Kulturprojekte als Anker

45  

	 Das Dorf zusammenschmieden

44  
46  

Fotos: Francesca Schellhaas/photocase.de, Michael Schütze, Martina Berg, countrypixel/Fotolia.com

	Erdweg – eine „essbare Gemeinde“
Gemüse und Obst für jedermann, gesund und kostenlos und direkt vor der Haustür zum Selberernten.
Was nach Schlaraffenland klingt, wird an manchen
Orten im Kleinen bereits praktiziert – so etwa in der
oberbayerischen Gemeinde Erdweg.
	 Nordlicht für ein Kultur-Jahr
	Kunst am Maisfeld
Große Kunstobjekte säumen die Ränder von Maisund Rapsfeldern rund um Bayreuth. Die Region hat
sich sechs Jahre lang auf vielfältige Weise mit Bioenergie befasst – auch künstlerisch.

Perspektiven
BILDUNG UND FORSCHUNG

50   	 Das Naturkapital ländlicher Räume
POLITIK UND GESELLSCHAFT

52   	Bäuerliche Landwirtschaft –

schnell, einfallsreich, flexibel

PARTNER UND EXPERTEN

54   	 Kommunen für Artenvielfalt

55   	
Gründer an die Hand nehmen

In der Schwarzwaldgemeinde Niedereschach wird
der Gründergeist auf neue Weise geweckt:
Die Existenzgründungsoffensive Niedereschach unter­
stützt Bürger, die den Schritt in die Selbstständigkeit
wagen möchten.

56   	Die Position:

Was braucht die zukunftsfähige Landschule?

57   	Leserbriefe

Forschung trifft Praxis

48   	
Daseinsvorsorge zukunftsfähig machen

Viele Landkreise müssen sich mit den Folgen des
demografischen Wandels für die Versorgungsin­fra­
struktur und den öffentlichen Nahverkehr auseinandersetzen. Ein Forschungsprojekt hat untersucht,
wie Regionen in Mitteldeutschland aufgestellt sein
sollten, um handlungsfähig zu bleiben.

Service
58   	

angelesen

59   	 angekündigt
60   	 Termine

LandInForm 1/2016 

3

EDITORIAL

Impressum

LandInForm –
Magazin für Ländliche Räume
Erscheinungsweise: vierteljährlich
Auflage: 12 000 / ISSN: 1866-3176

Liebe Leserinnen und Leser,

als Verbraucher kann ich mich beim Blick in die Fleischtheke nur
­wundern: Schweineschnitzel für 4,49 Euro oder ein „zerlegtes halbes
Schwein“ bei Kaufland für 2,29 Euro pro Kilogramm? Deutschland
­produziert und exportiert europaweit am meisten Schweinefleisch.
Der wöchentlich von Erzeugergemeinschaften empfohlene – aktuell
niedrige – Preis hat deshalb Signalwirkung für andere EU-Länder.
Dabei wären nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungs­
forschungsinstituts infratest dimap neun von zehn Norddeutschen
(88 Prozent) bereit, mehr für Fleisch zu bezahlen, wenn sich
die ­Haltungsbedingungen für die Tiere verbessern würden und
das Geld beim Landwirt ankäme. Der Wunsch nach mehr Tierwohl
deckt sich mit dem Ziel des Agrarinvestitionsförderungsprogramms –
in Deutschland kurz AFP.
Dem Verbraucherinteresse und Förderanreizen folgend, wurde in den
vergangenen Jahren bei höheren Preisen europaweit bereits mit
­stärkerem Blick auf das Tierwohl in den Stallbau investiert. Allerdings
wuchsen gleichzeitig die Betriebe immer weiter. Die Kapazitätszuwächse,
auch in den Nachbarländern, machen dem deutschen Export jetzt
zu schaffen.
Mehr in Tierwohl zu investieren, könnte sich für die Betriebe lohnen,
nach der Gleichung: weniger Besatz, höhere Qualität, mehr Erlös.
­Dieses Ziel verfolgt auch AFP. Etwas Tierwohl steckt schon in der Basis-,
noch mehr dann in der Premiumförderung. Allerdings gibt es eine
­Reihe von Bedingungen, die in den Bundesländern variieren, sodass
nicht jeder Betrieb davon profitieren kann.
Umsatzstarke und wenig flächenorientierte Betriebe sind nicht unbedingt auf eine Förderung angewiesen. Ihre Zahl und die Tierproduktion
in diesem Bereich nimmt allerdings zu. Dort stellen sich dann
­drängende praktische Fragen wie: Was passiert mit der Gülle und woher
kommt das Futter? Gerade die gewerbliche Produktion wird aber
durch die tierwohlorientierten Förderangebote kaum erreicht,
denn häufig ist sie von der Förderung ausgeschlossen.
Spannendes zur Rolle von AFP auf dem Weg zu mehr Effizienz,
­Tierwohl und Umweltschutz in Deutschland und zur Ausrichtung
des Förderinstruments in anderen EU-Mitgliedstaaten steht
im Fokus dieses Heftes.
Viel Spaß beim Lesen wünscht

4  LandInForm 1/2016

Herausgeber:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und
Ernährung (BLE), Bonn
Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume
(DVS),
Redaktion: Anja Rath, Isabella Mahler,
Andrea Birrenbach, Dr. Jan Swoboda (V.i.S.d.P.),
Titelbild: Planungsbüro MINICHSHOFER GmbH
www.stallplanung.at,
Visualisierungen: www.dabringer.com
Rückseite: Rainer Klotz/123rf.com
Gestaltung: MedienMélange: Kommunikation
www.medienmelange.de
Druck: MKL Druck GmbH & Co. KG, Ostbevern / Westfalen
Bezugsadresse und Redaktionsanschrift:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume
Deichmanns Aue 29, 53179 Bonn
Telefon: 0228 6845-3461, -3974, -3435, Fax: 0228 6845-3361
E-Mail: landinform@ble.de,
www.netzwerk-laendlicher-raum.de
Bezug: kostenfrei, LandInForm als PDF-Datei unter
www.land-inform.de
Anmerkungen der Redaktion:
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht die Meinung
der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte
und Abbildungen wird keine Haftung übernommen.
Die Urheberrechte liegen beim Herausgeber. Eine Genehmigung
zur Zweitverwertung auch in Auszügen in Wort, Schrift und
Bild erteilt die Redaktion gern gegen Nennung der Quelle und
­Belegexemplar.
Als Zugeständnis an die Lesbarkeit der Texte haben wir uns darauf
geeinigt, alle Personengruppen in männlicher Form anzugeben.
LandInForm wird durch den Bund und die Europäische Union
im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für
die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) gefördert.
Zuständige Verwaltungsbehörde: Bundesministerium für Ernährung
und Landwirtschaft (BMEL)
Kürzel der DVS-Autoren:
Andrea Birrenbach: abb, Jan Freese: jaf, Stefan Kämper: stk,
Simon Keelan: sik, Moritz Kirchesch: mok, Isabella Mahler: ima,
Stephanie Müller: stm, Dagmar Nitsch: dan, Natascha Orthen: nao,
Jost Pütz: jop, Anja Rath: arh, Christian Rößler: chr, Bettina Rocha: ber,
Jan Swoboda: jas, Anke Wehmeyer: awr, Monika Wohlert: mow

FÜR DAS NETZWERK Inside

Neues aus der DVS
LANDINFORM SPEZIAL 6
ÜBER GRÜNLAND

Spezial
AUSGABE 6

2016

Grünland – Erhalt durch Nutzung

„Grünland – Erhalt durch Nutzung“ heißt
die sechste Spezial-Ausgabe unserer
­Zeitschrift LandInForm. Sie ist im März
­erschienen und kann kostenlos bei uns
­bestellt werden. Das Heft stellt auf 60 Seiten
Ideen und Möglichkeiten vor, Grünland
sinnvoll und zeitgemäß zu nutzen.

SERVICE:
Download unter:
www.land-inform.de
Bestellung unter:
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/­
bestellunglif

Europäischer
Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung
des ländlichen Raums:
Hier investiert Europa
in die ländlichen
Gebiete.

LEADER-KARTE
ALS POSTER

Uthlande

Nordseemarschen

WattenmeerAchter

Östlich Fehnder gebiet
Ems

Südliches
Friesland

Schlei-Ostsee
Rügen

Hügelland am
Ostseestrand

Südliches
Nordfriesland

!

Eider- und
Kanalregion
Rendsburg

Ostseeküste

WagrienFehmarn

Kiel

Steinburg
Hadler
Region

Alsterland

Herzogtum
Lauenburg
Sieker
Nord
Land
SachsenSachsenwaldHamburgwald
Elbe

Wesermünde
Süd

Wesermarsch
in
ParklandBewegung
schaft
Ammerland

Hümmling

Grafschaft
Bentheim

Kulturlandschaften
Osterholz

Vechta

Kulturraum
Oberes
Örtzetal

Niedersachsen

Warnow-Elde-Land

Mecklenburgische
Seenplatte

Uckermark

Mittlere Altmark

Isenhagener
Land

Sachsen-Anhalt

Flechtinger
Höhenzug

ElbHavelWinkel

Obere
Havel

!

Zwischen
Elbe
und
Fiener Bruch

ColbitzLetzlinger
Heide

Barnim

Havelland

UchteTangerElbe

Rund um
den Drömling
Grünes
Band
im
Landkreis
Helmstedt

Peiner
Land

Westliches Östliches
WeserNord- bergland Weserbergland
lippe
3L in Lippe

Stettiner Haff

MecklenburgStrelitz

Ostprignitz-Ruppin

AllerFuhseAue

!
Hannover

Demminer Land

Storchenland-Prignitz

Elbtalaue

Aller-Leine-Tal

Meer und
Moor
Schaumburger
Land

Flusslandschaft
Peenetal

Güstrower Landkreis

Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin

Heideregion
Uelzen

Hohe Heide
VogelparkRegion

Hasetal

Tecklenburger
Land

!

SüdWestMecklenburg

Naturparkregion
Lüneburger Heide

Bremen

Wildeshauser
Geest

Mecklenburger
Schaalseeregion

AchternElbeDiek

Südliches
Emsland

KulturSteinfurter
landschaft
Land
AhausHeekLegden
Baumberge

Vorpommersche
Küste
Ostsee-DBR

Innere
Lübecker
Holsteins Bucht
Herz
Westmecklenburgische
Ostseeküste

Holsteiner
Auenland

KehdingenOste
Pinneberger
Marsch & Geest

!

Die neuen LEADER-Regionen haben mit
ihrer Arbeit begonnen. Welche Regionen
ausgewählt wurden, sehen Sie auf der
Karte in der Heftmitte. Als Poster im
Format A0 können Sie die LEADER-Karte
kostenlos bei uns bestellen. Auch ein
druckfähiger Download der Datei ist
über unsere Website möglich.

Nordvorpommern

Schwentine Holsteinische Schweiz

Mittelholstein

Schleswig-Holstein

Dithmarschen

Wesermünde
Nord

Soesteniederung

Moor
ohne
Grenzen

SERVICE:
Download und Bestellung unter:
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/
leaderkarte

Nordfriesland
Nord
Mitte des Nordens
EiderTreeneSorge

LEADER-Regionen
in Deutschland
2014-2020

Potsdam

Märkische
Seen

Berlin

!

Oderland

Brandenburg

Fläming-Havel

Rund um den
!
Fläming-Skate
Magdeburg
ElbeBördeBörde
Mittlere Elbe Spreewald PLUS
Saale
land
Fläming
Rund um den Huy
BördeBodeWittenberger Land
VoglerRegion
Auen
Bocholter Aa
Westharz
Harz
Aschersleben
Dübener
Spree-Neiße-Land
Seeland
LippeUnteres Anhalt
Heide
Nordharz
Kulturland
Harzweserland
Niederrhein: IsselOsterode
Lippe-Möhnesee
Saaletal
Elbe-Elster
Energieregion
Kreis Höxter
natürlich Niederrhein
am Harz
und
Dübener
Südliches
im Lausitzer
lebendig!
Petersberg
Börde
Heide
Paderborner
Seenland Lausitzer Seenland
Delitzscher
trifft
Sächsisches
Land
Leistende
Mansfeld-Südharz
Land
Ruhr
Zweistromland5verBund
Südharz
Landschaft
Göttinger Land
Ostelbien Elbe-RöderLEADER
KulturLandschaft
Oberlausitzer Östliche
Hochsauerland
Dreieck
Dresdner
Leipziger
sein!
HessenSpitze
Heide- und
Oberlausitz
Eichsfeld
DiemelseeHeidebogen
Muldenland
Bürgerregion
Kyffhäuser
Teichlandschaft
Naturpark
4
Nordwaldeck
MontanLommatzscher
am Sorpesee
Saale-UnstrutWest- Bautzener
mitten
Casseler
Südraum
region
Pflege
Lenne
!
Triasland
lausitz Oberland Zentrale
Oben
im
SachsenBergland
Sachsen- Leipzig
Unstrut-Hainich
Oberlausitz
Schiene
Werra-Meißner
Dresden
Düsseldorf
an der
Sauerland
Kreuz+
Anhalt
Sömmerda-Erfurt
KellerwaldMittleres
Bergisches
!
Kottmar
Land des
Volme
Klosterbezirk
Süd
Edersee
Fuldatal
Wasserland
BiggeLand Roten
Altzella
Sächsische
Weimarer Land Naturpark
Wittgen- BurgwaldEcht.
Schweiz
Altenburger Porphyr
Erfurt Mittelthüringen
Rheinisches
Zittauer Gebirge
Oberberg Zukunft
stein
HersfeldEderbergland
Land
!
Revier
Silbernes
Saale SchwalmRotenburg
WartburgGotha-IlmSchönburger
an Inde
Erzgebirge
Holzland
Aue
region
Kreis-Erfurt
Knüll
Land
und Rur
Greizer
Westerwald- 3Zwickauer
Land
Sieg
Zülpicher
Länder- Lahn-DillMarburger
ZwönitztalBergland
Börde
Eck
Land
Greifensteinregion
SaalfeldHenneberger
Land
Annaberger
Rudolstadt
SaaleVogelsberg
Westerwald
Land
Land
RaiffeisenErzgebirgsregion
Orla
WestRheinRhön
Gießener
Eifel
Region
Lahn-DillFlöha- und Zschopautal
erzgebirge
Wied
Land
Wetzlar
HildburghausenFulda
LimburgSonneberg
Südwest
Vogtland
Tor zum Erzgebirge Weilburg
Landkreis
Rhein-Eifel
Wetterau/
Vision 2020
Rhön-Grabfeld
Kronach im
LahnFalkensteinOberhessen
Coburg Stadt
SPESSART
Frankenwald
Taunus
Sagenhaftes Vogtland!
und Land
Landkreis Hof
regional
aktiv
Welterbe
Bad Kissingen
Taunus
Gemeinden, die vollständig
Vulkaneifel
Oberes
Region
einer Leader-Region angehören
Mittelrheintal
FichtelgebirgeObermain Kulmbacher
Haßberge
Land
Bitburg-Prüm
Innovativ
! Wiesbaden
Spessart
Rheingau
Region
Hunsrück
Schweinfurter
!
Gemeinden, die teilweise
InitiAKTIVKreis
Mosel
Bamberg
Wein, Wald,
Mainz
Land
einer Leader-Region angehören
Tirschenreuth
Wasser
Bayreuther
DarmstadtMain4Eck
Land
Dieburg
Gemeinden, die ganz oder
Miltenberg
Z.I.E.L.
SoonwaldForum Neustadt Plus
teilweise zwei Leader-Regionen
Rheinhessen
Kulturerlebnis
Kitzingen
Nahe
angehören
Fränkische
Erbeskopf
Südlicher
MoselSchweiz
Odenwald
Steigerwald
franken
Donnersberger
und
Badisch-Franken
AischSt.
RheinAmbergLautrer Land
Nürnberger
grund
Wendeler
Haardt
Merzig-Wadern
Sulzbach
RegionalLand
Land
Landkreis
Westrichentwicklung
Fürth
NeckartalGlantal
im
HohenloheRegion
Odenwald
Landkreis
Tauber
an der
aktiv
Pfälzerwald
Schwandorf
Cham
WarndtBiosphärenRomantischen
REGINA-Neumarkt
plus
ErLebenswelt
Saargau
reservat
Straße
Saar- Bliesgau
Roth
brücken
Kraichgau
Region
Regionalentwicklung im
ARBERLAND
Südpfalz
Hesselberg Altmühlfranken
Landkreis
Regensburg
AltmühlJura
Jagstregion
Landkreis
Schwäbischer
Landkreis
Monheimer AltmühlFreyung-Grafenau
Wald
RegionalentwicklungsKehlheim
Landkreis
Donau
Alb verein Straubing-Bogen
Deggendorf
AltmühlJura
!
Regionalinitiative
Mittelbaden/
Landkreis
Landkreis
DingolfingStuttgart
Passauer Land
SchwarzwaldAltbayerisches PfaffenLandshut
Landau
hochstraße
Donaumoos hofen
Schwäbisches
an der
NordDonautal
Ortenau
Brenzregion
Ilm
schwarzwald Heckengäu
Landkreis
Wittelsbacher
Rottal-Inn
Land
Mittlere
ReAL
Dachau
RegionalIsarregion
Oberer
West
Mittlere Alb
AGIL
entwicklung
Neckar
Mittlerer
Landkreis
Mühldorfer
Schwarzwald
BegegnungsNeu-Ulm
Netz
land

NordrheinWestfalen

Sachsen

Thüringen

Hessen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Baden-Württemberg

Oberschwaben

Kneippland®
Unterallgäu

Württembergisches
Allgäu

Bayern

LechWertach

Mittleres
Oberschwaben
Südschwarzwald

bergaufland
Ostallgäu

!

TraunAlzSalzach

München
Ammersee

Chiemgauer
Seenplatte

AuerberglandPfaffenwinkel

Regional-

Regionalentwicklung entwicklung
Oberallgäu
WestallgäuBayerischer
Bodensee

Regio
Zugspitzregion

Bad TölzWolfratshausen

MangfalltalKreisInntal
entwicklung
Miesbacher
Land

Chiemgauer
Alpen

Berchtesgadener
Land

© GeoBasis-DE / BKG 2014 / Kartenerstellung: Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) / Yellowfarm, agentur für grafik und design gmbh

Aus dem europäischen Netzwerk
LEADER – WIE SIEHT‘S EUROPAWEIT AUS?
Die lokalen Aktionsgruppen verfügen
europaweit über eine Billion Euro mehr
als in der vergangenen Förderperiode.

Das durchschnittliche Budget, das die Mitgliedsstaaten in der aktuellen Förderphase an
ELER-Mitteln für LEADER zur Verfügung stellen, liegt bei fünf Prozent; Deutschland liegt
mit sechs Prozent knapp darüber. Insgesamt
können die Lokalen Aktionsgruppen (LAGs)
mit rund 9,7 Billionen Euro europaweit eine
Billion Euro mehr ausgeben als in der vergangenen Förderphase. Neben der Umsetzung von
Projekten fließen mehr als 15 Prozent dieser
Gelder in die laufenden Kosten der LAGs.

Über 2 500 LAGs in Europa

Europaweit wird die Anzahl der LAGs – im
Gegensatz zu Deutschland – nicht steigen.
Sind alle LAGs ausgewählt, werden es knapp
über 2 500 sein. Deutschland und Frankreich
sind die einzigen Mitgliedsstaaten mit mehr
als 300 LAGs. Aber nicht nur in diesem Punkt
­ähneln sich die beiden Nachbarstaaten,

denn erstmals wird auch Frankreich in der
aktuellen Förderphase regionalisierte Programme in seinen 22 Großregionen umsetzen.
Weit weniger als die Hälfte aller ELER-­
Programme möchte den LEADER-Regionen
die Umsetzung von sogenannten Umbrella-­
Projekten ermöglichen. Umbrella-Projekte
sind Dachprojekte mit definiertem Ziel, unter denen kleinere Teilprojekte mit weniger
administrativem Aufwand für (Klein-)Projekt­
träger umgesetzt werden können. Rund die
Hälfte der europäischen Programme bietet
außerdem vereinfachte Kostenoptionen in
LEADER an. Damit haben die LAGs beispielsweise die Möglichkeit, die LEADER-Geschäfts­
stelle pauschal abzurechnen, was eine erhebliche Reduzierung des administrativen
Aufwands bedeutet. Diese beiden Ansätze
und die Möglichkeiten, sie umzu­setzen,
werden auf Verwaltungsebene in deutschen
und euro­päischen Arbeitsgruppen ­aktuell
diskutiert.

LEADER und der Multifondsansatz

Die EU-Kommission hatte mit dem Multi­
fondsansatz das Ziel, LEADER über mehrere
der großen Fonds umzusetzen. In Deutschland
ist das nur in Sachsen-Anhalt ansatzweise
gelungen. In zehn europäischen Mitgliedsstaaten arbeiten die Akteure mit Multifonds,
in insgesamt 19 Mitgliedssaaten wird der
ELER dagegen mit nur einem oder wenigen
anderen Fonds kombiniert. [awe]

KONTAKT:
Anke Wehmeyer
DVS
Telefon: 0228 6845-3841
anke.wehmeyer@ble.de
LandInForm 1/2016 

5

FÜR DAS NETZWERK Rückblick

Das war
DÖRFER – FUNKTIONAL EIGENSTÄNDIG
UND DEMOKRATISCH SELBSTBESTIMMT?

Beim Zukunftsforum Ländliche Entwicklung im Januar 2016 in Berlin
diskutierten Experten und Aktive, wie eine Beteiligungskultur
in den Dörfern zukünftig aussehen kann.
Christian Rößler, DVS,
­sammelt die Argumente
der Teilnehmer.

SERVICE:
Audio-Dokumente, Fotodokumentation der Diskussionsrunden und die
Ergebnisse der Abstimmung über
sechs Thesen:

„Nur wenn die Dörfer lebendig sind, funktioniert
auch die Einheitsgemeinde“, sagt Andreas Brohm,
Bürgermeister von Tangerhütte, einer der größten
deutschen Einheitsgemeinden. Sein Statement
und die Thesen fünf weiterer Impulsgeber diskutierten über 100 Teilnehmer auf einer ge­mein­sam­en
­Veranstaltung der DVS mit der Bundes­arbeits­
gemeinschaft der LEADER-Aktionsgruppen (BAGLAG)
und der Agrarsozialen Gesellschaft e. V. (ASG)
beim Zukunftsforum Ländliche Entwicklung.

„Zentrale-Orte-Konzept“ umstritten

Drei Leitfragen gaben der Veranstaltung den
­inhaltlichen Rahmen: Wie eigenständig sind Dörfer
bei einer zunehmenden Zentralisierung von
Funktionen? Ist Selbstbestimmung noch möglich?
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/ Und wie sieht eine Beteiligungskultur aus?
Claudia Neu befürchtet, dass Demokratie für die
zukunftsforum
Bürger nicht mehr erlebbar ist, wenn sich die
Verwaltung aus der Fläche zurückzieht. Klaus Einig
von der Staatskanzlei Schleswig-Holstein findet
KONTAKT:
es allerdings notwendig, dass die Raumordnung
Stefan Kämper
an der Konzentration von Daseins­vorsorge- und
DVS
Politik-Infrastrukturen in sogenannten zentralen
Telefon: 0228 6845-3722
Orten festhält. Die Tragfähigkeit vieler ländlicher
stefan.kaemper@ble.de

Räume sei sonst nicht mehr gewährleistet.
Gerhard Henkel sagte hingegen, dass die Konzentration von Infrastrukturen auf zentrale Orte das
Engagement in der Bevölkerung lähmt. Wirklich
engagierte Bürger könne es nur bei größtmöglicher
Eigenständigkeit der Dörfer geben.

Beteiligungskultur unterstützen

Damit sich Bürger noch engagieren, müssen mehr
rechtliche Freiräume – beispielsweise bei der Schülermindestzahl für den Schulbetrieb – geschaffen
werden, davon ist Stefan Pletziger, Regionalmanager
aus der LEADER-Region „4 mitten im Sauerland“
überzeugt. Außerdem müssten Haupt- und
­Ehrenamt besser miteinander verzahnt werden.
Grundsätzlich sei zu prüfen, welche Aufgaben von
Ehrenamtlichen übernommen werden können und
welche eine Unterstützung durch Hauptamtliche
benötigen. Annett Steinführer vom Thünen-Institut
für Ländliche Räume machte am Beispiel der
Freiwilligen Feuerwehren deutlich: Ehrenamtliche
Strukturen lassen sich vor Ort flexibel anpassen.
Wenn sie scheitern, sollte dies jedoch akzeptiert
werden, um daraus zu lernen. Nur so könne ein
System letztendlich widerstandsfähig werden. [stk]

GEMEINSAME STRATEGIEN FÜR
DIE SIEDLUNGSENTWICKLUNG
Die LEADER-Region Schwalm-Aue in Hessen hat sich auf die
Fahne geschrieben, bei der Siedlungsentwicklung künftig regional
zusammenzuarbeiten. Wie das gehen kann, zeigte ein Workshop
am 9. Februar 2016 im hessischen Willingshausen. Dort stellte
sich die Initiative Rodachtal aus dem bayerisch-thüringischen
Grenzgebiet vor. Sie möchte mit ihrem Projekt eine flächenschonende Siedlungsentwicklung ermöglichen, die nicht nur
von lokalen Bedürfnissen geprägt, sondern regional abgestimmt
ist. Das anschaulich präsentierte Projekt traf bei den SchwalmAktiven ins Schwarze: Zwei Ansätze, die auch im Rodachtal
­erfolgreich laufen, will die Region übernehmen – ein regionales
Leerstandskataster und die Baulotsen.
Die DVS bietet in der Reihe „Wieder Wohnen im Ortskern“ gemein­
sam mit Partnern verschiedene Workshops an. Kommunale
­Zusammenschlüsse, Landkreise und Regionen können die eintägigen Veranstaltungen bundesweit abrufen. [stk]

6  LandInForm 1/2016

SERVICE:
Infos und
Dokumentation:
www.netzwerk-laendlicherraum.de/demografie-­
workshop
KONTAKT:
Stefan Kämper
DVS
Telefon: 0228 6845-3722
stefan.kaemper@ble.de

Beraterin Romana Holle
(Zweite von rechts) und
Landwirt Dieter Greve
­erläutern Besuchern das
Monitoring der Legehennenherde im EIP-Projekt.

FÜR DAS NETZWERK Rückblick

MITEINANDER REDEN UND GEMEINSAM VORANKOMMEN

Die Umsetzung der neuen Fördermaßnahme im ELER – Europäische Inno­vations­
partner­schaft „Land­wirtschaftliche Produktivität und Nach­­­haltigkeit“ –
kurz EIP-Agri – schreitet voran: In Schleswig-Holstein laufen bereits die ersten
­Projekte. Dort trafen sich die EIP-Akteure im Dezember zum Austausch.
Eine nachhaltige und starke Landwirtschaft – dieses
Ziel möchte EIP-Agri mit innovativen Projekten erreichen. Um praxisnahe Projekte nach dem Bottomup-Prinzip umzusetzen, haben sich in den meisten
Bundesländern bereits Partner aus Landwirtschaft,
Beratung und Wissenschaft in Operationellen Gruppen (OGs) zusammengeschlossen. In vielen Ländern
wurden ihnen mittlerweile sogenannte Innovationsdienstleister (IDLs) unterstützend zur Seite gestellt.
Derzeit ist die Umsetzung von EIP in den Ländern
unterschiedlich weit fortgeschritten; einige Bundesländer, wie Sachsen und Hessen, stehen kurz vor
Projektbeginn. Der zweite EIP-Agri-Workshop für
IDLs in Rendsburg bot den Teilnehmern die Möglich­
keit, in Schleswig-Holstein die deutschlandweit
ersten EIP-Projekte kennenzulernen.

Fotos: DVS, Tobias Arhelger/123rf.com, U. Duchâteau

Einblick in die ersten EIP-Projekte

Insgesamt reisten 14 Teilnehmer aus dem Kreis der
IDLs, den Verwaltungsbehörden der Länder ohne
IDLs sowie dem Bundesministerium für Ernährung
und Landwirtschaft (BMEL) nach Schleswig-Holstein.
Ihr erstes Exkursionsziel war der Hof Hasenkrug.
Er ist einer von insgesamt sechs landwirtschaftlichen
Betrieben, die aktive Mitglieder der OG „Tierwohl
Öko-Legehennen“ sind. Die Betriebe nehmen am
Innovationsprojekt „Senior-Legehennen“ teil, das
zum Ziel hat, die Lebensleistung von ökologisch
gehaltenen Legehennen erheblich zu verlängern.
Die Betriebsleiter erarbeiten dafür Schlüsselparameter, die in den Ställen systematisch erfasst
werden. Sie dienen dazu, auf Praxisbetrieben ein
alltagstaugliches Management für die Haltung
und Fütterung von Legehennen mit verlängerter
Haltungsdauer zu entwickeln.

Als zweites Exkursionsziel wurde die OG „Tiergene­
tische Ressourcen“ besucht. In der Arche Warder
berichtete Stefanie Klingel, Mitglied der OG, bei einem
Betriebsrundgang über die Entwicklung der ersten
Ideen für das Projekt „Populationsmanagement“,
über die Gruppengründung und die ersten Umsetz­
ungsschritte bei Zuchtauswahl und Genomanalysen.
Ziel des Projekts ist es, kleine und lokale Popu­
lationen von alten Haustierrassen attraktiver zu
machen und zu erhalten, um die genetische Vielfalt
langfristig zu sichern. Dafür erarbeitet das Projekt
Lösungen, beispielsweise ein Inzuchtmanagement
für Angler Sattelschweine. Außerdem soll heraus­
gefunden werden, welchen Einfluss Fremdblut auf
Rinder wie Rotbunte in Doppelnutzung hat.

Bundesländer sollten sich weiterhin abstimmen

Weitere Einblicke in die Erfahrungen, die SchleswigHolstein bisher mit EIP gemacht hat, erhielten die
Teilnehmer in einem Vortragsprogramm. Außerdem
berichteten die Teilnehmer selbst über den aktuellen Stand von EIP in ihren Bundesländern und die
geplanten Aktivitäten. Generell zeigte sich, dass das
neue Förderinstrument EIP noch viele Fragen aufwirft. Damit die Länder voneinander lernen und sich
bei der Umsetzung abstimmen können, sollte auch
künftig ein enger Austausch der EIP-Innovationsdienstleister über die Ländergrenzen hinaus stattfinden. Ziel sollte es sein, möglichst einheitlich und
gleichzeitig auf die Bedürfnisse der OGs in den verschiedenen Bundesländern einzugehen. Für die
inhaltliche Arbeit mit Projektpartnern ist der Aufbau
eines bundesweiten EIP-Netzwerks geplant.
An diesem Netzwerk sollen sich künftig Mitglieder
der OGs, Forscher und landwirtschaftliche
­Institutionen beteiligen. [ nao ]

KONTAKT:
Carola Ketelhodt
Innovationsbüro EIP
Agrar Schleswig-Holstein
Landwirtschaftskammer
­Schleswig-Holstein
Telefon: 04331 9453-114
eip-agrar@lksh.de,
cketelhodt@lksh.de
www.eip-agrar-sh.de
­—
Natascha Orthen
DVS
Telefon: 0228 6845-3268
natascha.orthen@ble.de
www.netzwerk-laend­licherraum.de/­themen/eip-agri

LandInForm 1/2016 

7

FÜR DAS NETZWERK Ausblick

Das kommt
TRANSFERBESUCHE IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Die DVS lädt zu zwei Best-Practice-Exkursionen zu
den Themen Biodiversität im Grünland und im Acker ein.
Bei den Exkursionen in die Eifel und die
Rheinische Börde werden Projekte und
Betriebe vorgestellt, die zur Förderung
und zum Erhalt der Biodiversität auf
landwirtschaftlichen Flächen beitragen.
Begleitet werden die Exkursionen von
Spezialisten aus dem Bereich Naturschutz durch Nutzung, darunter Professor
Wolfgang Schumacher und Vertreter der
Stiftung Rheinische Kulturlandschaft.
Die Veranstaltungen werden von der DVS
in Kooperation mit dem Informationsund Koordinationszentrum Biologische
Vielfalt (IBV), dem Deutschen Verband
für Landschaftspflege (DVL), dem Deutschen Bauernverband (DBV) und dem
Deutschen Naturschutzring (DNR) durchgeführt.

Biodiversität im Grünland

Im nordrhein-westfälischen Teil der Eifel
wurden kooperative Naturschutzkonzepte
mit der Landwirtschaft besonders erfolgreich umgesetzt und langfristig betreut.
Die Eifel hat auf dieser Grundlage bereits
2010 das Ziel der Europäischen Union, den
Artenrückgang zu stoppen, erreicht.
Wie und warum, erfahren die Teilnehmer
dieser Exkursion am 14. und 15. Juni 2016.

Biodiversität im Acker

Themen wie Feldvogelschutz, Ackerextensivierung, Blüh- und Pufferstreifen stehen
bei der Exkursion in die Rheinische Börde
am 15. und 16. Juni 2016 auf dem Programm
– verbunden mit der Frage, wie sich Naturschutzziele auch in intensiv genutzten
Räumen umsetzen lassen. [ sik ]

KONTAKT:
Dr. Jan Freese
DVS
Telefon: 0228 6845-3477
jan.freese@ble.de
Weitere Informationen:
www.netzwerk-laendlicherraum.de/naturschutz

SERVICE:
Aufgrund der Termine und der
räumlichen Lage der Exkursionsziele
bietet sich eine Teilnahme an beiden
Veranstaltungen an. Programm
und Anmeldung für eine oder beide
Exkursionen unter:
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/
biodiversitaet
KONTAKT:
Simon Keelan
DVS
Telefon: 0228 6845-3091
simon.keelan@ble.de

TAGUNG VERLEGT
Die Tagung „Erfahrungen und Perspektiven
des bäuerlichen ­Naturschutzes in Deutschland“
der DVS und des Deutschen Verbands
für Landschaftspflege (DVL) in Berlin wurde
auf den 14. April 2016 verlegt.

PROGRAMM DER DVS
FÜR DIE ZWEITE JAHRESHÄLFTE
Das zweite Halbjahr des DVS-Jahresprogramms startet mit einem Transfer­
besuch zur Vermarktung von Regionalprodukten im Juli 2016, bei dem der
Schwer­punkt auf Milchprodukten liegen
wird. Vom 13. bis 16. September 2016
bietet die DVS zum zweiten Mal in dieser
Förderperiode Schulungen für Regionalmanager an. Angeboten werden Schul­
ungen zur Moderation, zur Beratung von
Projektträgern, zur Rolle des Regional­

8  LandInForm 1/2016

managements, zum Vergaberecht sowie
zur Öffentlichkeitsarbeit im Allgemeinen
und im Speziellen mit Social Media.
Anpassungen der Landwirtschaft an den
Klimawandel werden bei einer Tagung
am 12. und 13. Oktober 2016 diskutiert. ­
Ein weiterer Höhepunkt wird das bundes­
weite LEADER-Treffen Anfang November
sein – mit dem Fokus auf Kooperationen
im Inland und über die Bundesgrenze
hinaus. [ stm ]

SERVICE:
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/
service/veranstaltungen/in-planung/

REGIONALENTWICKLUNG FINANZIEREN
Viele regionale Entwicklungsstrategien
umfassen ein breites Spektrum an Inhalten.
Um sie erfolgreich umzusetzen, muss
häufig auf verschiedene finanzielle Ressourcen zurückgegriffen werden. Welche
Förderangebote und Finanzierungs­
möglichkeiten sich dafür anbieten, zeigt
die DVS-Praxistagung am 6. und 7. April
2016 in Wernigerode, Sachsen-Anhalt. Der
inhaltliche Schwerpunkt des ersten Veranstaltungstages liegt auf den Förderan­
geboten der EU, des Bundes und privater

Fördergeber. Am zweiten Tag stehen al­ter­
native Finanzierungsinstrumente im
Mittelpunkt. Zudem stellen sich im Rahmen
eines Wissensmarktes etwa 15 Fördergeber mit ihren Angeboten vor. Bei ihnen
können sich die Teilnehmer über konkrete
Angebote informieren. Anschließend haben
die Teilnehmer die Möglichkeit, mit den
Fördergebern und den Fachkollegen Fragen
zur Projektfinanzierung zu diskutieren.
[chr]

SERVICE:
Informationen unter: www.netzwerklaendlicher-raum.de/finanzierung
KONTAKT:
Christian Rößler
DVS
Telefon: 0228 6845-3554
christian.roessler@ble.de

CHANCE ZUWANDERUNG?!
SERVICE:
Programm und Anmeldung
unter: www.netzwerklaend­licher-raum.de/­
integration

Foto: Angela Holly Keelan, DVS, jala/photocase.de, Jane_Kelly/Fotolia.com, William Perugini, Joerg Hackemann/123rf.com

KONTAKT:
Moritz Kirchesch
DVS
Telefon: 0228 6845-3968
moritz.kirchesch@ble.de

Integration geschieht vor Ort und
könnte im Dorf funktionieren. Was aber
heißt das konkret? Was können und
müssen die Aktiven vor Ort und in der
Region tun, um Zuwanderung zur
­Chance zu machen? Um diese Fragen
zu bearbeiten, lädt die DVS zum PraxisWorkshop „Integration von Zugewanderten – Ideen, ­Beispiele und Lösungen
für ländliche Räume“ am 26. und 27.
April 2016 nach Arnsberg, NordrheinWest­falen, ein. In Kooperation mit
der Südwestfalen Agentur werden wir

uns mit der Integrationsperspektive
von Zugewanderten beschäftigen und
der Frage nachgehen, was getan
­werden kann, damit die ö
­ rtliche Bevölkerung den Zuwanderern offen gegenübertritt. In Kleingruppen werden
wir Ideen und Lösungsvorschläge für
wichtige Themen erarbeiteten,
­beispielsweise die Integra­tion von
­Zugewanderten vor Ort und in den
Arbeits­markt. Bei einer Exkursion in
der Stadt Altena sehen wir uns
verschie­dene Projekte an. [stk]

MOBILITÄTSSICHERUNG IN
LÄNDLICHEN REGIONEN
Für viele ländliche Regionen ist es eine große
Herausforderung, die Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen und die Mobilität der
Bevölkerung sicher­zustellen. Wir greifen diese
Herausfor­derungen in einem Planspiel auf,
das wir gemeinsam mit den LEADER-Regionen
Burg­wald-­Eder­berg­land, Lahn-Dill-Bergland und
Marburger Land im Sommer 2016 durchführen.
Zusammen mit Akteuren aus Verwaltung, Politik,
Bürgerschaft und Verkehrsunternehmen sollen
konkrete Zielvorstellungen und Ideen im Bereich
der Mobilitätssicherung am Beispiel der Teilnehmerregionen durchgespielt werden. Ziel ist es,
dass die Regionen Erkenntnisse für den Umsetzungsprozess in der Wirklichkeit gewinnen.
Auch Interessierte aus anderen Regionen und Institutionen können am Planspiel teilnehmen. [mok]

SERVICE:
Weitere Informationen in Kürze unter:
www.netzwerk-laendlicher-raum.de
KONTAKT:
Moritz Kirchesch
DVS
Telefon: 0228 6845-3968
moritz.kirchesch@ble.de

LandInForm 1/2016 

9

ÖSTERREICH

FRANKREICH

ockner
Höchster Berg Großgl
8
3 79
ter
Me
in
Bevölkerung 8,47
in Millionen

äche 2 729
Landwirtschaftl. Nutzfl
ktar
He
0
in 1 00
3
Schweinebestände 2 98
12)
in 1 000 Tieren (20

Höchster Berg Mont Blanc
in Meter 4 810
Bevölkerung 65,8
in Millionen
Landwirtschaftl. Nutzfläche 30 000
in 1 000 Hektar

IM FOKUS

Fördern,
damit
Landwirte
investieren
Die Agrarinvestitionsförderung ist eine finanzstarke Maßnahme im Europäischen
Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER):
In welche Richtung sollen sich die Betriebe entwickeln?

10  LandInForm 1/2016

Schweinebestände 13 742
in 1 000 Tieren (2012)

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

NIEDERLANDE

POLEN

Höchster Berg Rysy
in Meter 2 499,6
Bevölkerung 38,53
in Millionen
Landwirtschaftl. Nutzfläche 14 609
in 1 000 Hektar
Schweinebestände 11 132
in 1 000 Tieren (2012)

Fotos: natika, Richard Semik, mediegram, bovalentino/123rf.com, dame grenache, countrypixel/Fotolia.com

DÄNEMARK

Møllehøj
Höchster Berg
170,8
r
te
Me
in
1
Bevölkerung 5,6
in Millionen

Nutzfläche 3 735
Landwirtschaftl.
in 1 000 Hektar
e 12 310
Schweinebeständ
)
12
(20
in 1 000 Tieren

Höchster Berg Vaalserberg,
in Meter 322,7
Bevölkerung 16,8
in Millionen
Landwirtschaftl. Nutzfläche 1 900
in 1 000 Hektar
Schweinebestände 12 104
in 1 000 Tieren (2012)

DEUTSCHLAND

Höchster Berg Zugspitze
in Meter 2 962
Bevölkerung 80,62
in Millionen
Landwirtschaftl. Nutzfläche 16 731
in 1 000 Hektar
Schweinebestände 28 331
in 1 000 Tieren (2012)

LandInForm 1/2016 

11

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Wo lebt Lieselotte?
Mit der Agrarinvestitionsförderung verfügen die EU-Mitgliedstaaten
über ein finanzstarkes Instrument, mit dem sie die Entwicklung
der Agrarstrukturen beeinflussen können. Sie benennen Ziele,
die mitunter schwer vereinbar sind.   [VON ANJA RATH]

Wer nach der Agrarinvestitions­för­
der­­ung fragt, erhält klare Antworten
– allerdings durchaus verschiedene.
Im Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) ordnet man sie
meist der Maßnahme „Investitionen
in materielle Vermögenswerte“ zu –
die europäische Kommission möchte
sie aber in die ELER-Prioritäten
integriert betrachtet sehen (siehe
dazu Seite 24). Konkret nutzen die
Mitglied­staaten die Agrarinvesti­
tionsför­derung vor allem dafür, die
Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft zu fördern: durch Beihilfen
für die Modernisierung und Umstrukturierung von Betrieben.

Auf deutsch: AFP?

In Deutschland ist das „Agrarinves­
titonsförderprogramm“ (AFP) etabliert: Bund und Länder legen in der
„Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des
Küstenschutzes“ (GAK) einen Rahmen
und die Mittel für die Kofinanzierung fest – mit großen Unterschieden
bei der Mittelausstattung (siehe
Tabelle). Sachsen stellt mit 17 Prozent
die meisten ELER-Mittel für AFP
bereit – allerdings ausschließlich aus
Landesmitteln kofinanziert und
damit unabhängig von der GAK. Viele
Bundesländer programmieren AFP
in ihrem ländlichen Entwicklungsprogramm (EPLR) zusammen mit
anderen Maßnahmen oder Programmen, die ebenfalls Investitionen,
aber mit anderem Schwerpunkt,
fördern, wie Diversifizierung oder
Ökolandbau. Einige Länder vertreten
zudem die Ansicht, dass zur Agrar­
investitionsförderung weitere inves-

12  LandInForm 1/2016

tive Maßnahmen gehören. So bietet
Bayern ein eigenes, aus Landes­
mitteln finanziertes, Investitions­
programm für kleine Betriebe. Ein
ähnliches hat Baden-Württemberg
in seinem EPLR eingeführt: mit vereinfachten Fördervoraussetzungen
für Investitionen, die zur Landschafts­
pflege beitragen. Und es unterstützt,
genauso wie Rheinland-Pfalz, den
Weinbau – außerhalb von AFP, aber
gleichermaßen investiv.
Vielleicht lässt sich folgende Mini­
mal­aussage treffen: In vielen
Bundeslän­dern ist die Agrarinves­
titions­förderung eine finanziell gut
aus­gestattete Maß­nahme – insgesamt
sind es 1,3 Mil­liar­den Euro, also neun
Prozent der ­gesamtdeutschen ELERMittel –, die ins­beson­dere über AFP
bauliche Inves­titionen von Einzelbetrieben in der Tierhaltung unterstützt.
Damit agiert sie in einem Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und gesell­
schaftlichen Ansprüchen, beispielsweise beim Tierwohl.

Widersprüchlicher Verbraucher

In der Kinderbuchreihe „Lieselotte“
lebt die gleichnamige Milchkuh – ein
Kalb wird nicht erwähnt – gemeinsam mit einzelnen Vertretern anderer Nutztiere auf einem Bauernhof.
Die Bäuerin baut Gemüse an und sie
liest ihren Tieren abends eine GuteNacht-Geschichte vor. Eine idyllische Vorstellung – allerdings ist sie
fernab der Realität. Nur ein Prozent
aller deutschen Milchkühe lebt in
Gruppen von weniger als zehn Tieren
und auch nicht gemeinsam mit
anderen Tieraten in einem Stall. Viele
Verbraucher verbinden mit kleinen

Betrieben automatisch mehr Tierwohl. Stimmt das? Das Wohlbefinden
einer Milchkuh in einem modernen
Laufstall mit vielen Artge­nossinen
kann durchaus höher sein als auf einem kleinen Hof, der sie ange­bun­den
hält. Dennoch sind große Betriebsstrukturen häufig negativ besetzt.
Gleichwohl sollte man annehmen,
dass der mündige Verbraucher zwischen der Lieselotte-Illusion und
den tatsächlichen Haltungsbedingungen differenzieren kann. Doch
so einfach ist es nicht: „Zum einen
trennt der Gesetzgeber die gewerbliche von der landwirtschaftlichen
Nutztierhaltung. Die Unterscheidung sagt aber nichts darüber aus,
wie die Tiere gehalten werden“,
sagt Ulrich Jasper, Geschäftsführer
der Arbeitsgemeinschaft für bäuerliche Landwirtschaft. „Zum anderen
unterscheidet sich die bäuerliche
von der industriellen Tierhaltung.“
Bei der Letzteren wird die Wirtschaftsweise von außen vorgegeben: Die Abnehmer aus der Lebens­
mittel­industrie nehmen Einfluss
und bestimmen mitunter, welche
Rassen gehalten oder welche
Medikamente verabreicht werden.
„Der Verbraucher erfährt von all
dem nichts, denn es gibt keine
Kennzeichnung an der Fleischtheke
oder auf der Wurstverpackung,
aus welcher Haltungsform das Produkt stammt oder wie der Betrieb
strukturiert ist“, so Jasper. In Umfragen des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) geben fast
90 Prozent der Befragten an, mehr
für Produkte aus einer artgerechten
Haltung zu zahlen.

Foto: visivasnc/123rf.com

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Agrarinvestitionsförderung in Deutschland
Land

Euro für AFP
2014 – 2020

Schleswig-Holstein

Anteil
vom EPLR

9,8 Mio.

1 %

Sachsen-Anhalt

48,0 Mio.

4 %

Niedersachsen

61,7 Mio.

5 %

Mecklenburg-Vorpommern

74,7 Mio.

6 %

118,9 Mio.

9 %

Rheinland-Pfalz

66,2 Mio.

10 %

Nordrhein-Westfalen

127,3 Mio.

9 %

Baden-Württemberg

206,5 Mio.

11 %

91,3 Mio.

11 %

466,0 Mio.

13 %

8,0 Mio.

14 %

Hessen

89,6 Mio.

14 %

Sachsen

198,3 Mio.

17 %

Brandenburg

Thüringen
Bayern
Saarland

Beispiele für andere
investive Förderanreize

Diversifizierung (in vielen EPLR), Investition in
den Ökolandbau (beispielsweise ÖkoInvest in TH),
Förderung von kleinen Investitionen und
Kleinstunter­nehmen (beispielsweise in Höhe von
14 Millionen Euro über Landschafts­pflege­richt­
linie in BW, Sonderprogramm Landwirtschaft mit
jährlich fünf Millionen Euro in BY), Investitionen,
die maßgeblich zum Klima- und Umwelt­schutz
beitragen (beispielsweise 15 Millionen Euro in
Hessen und elf Millionen Euro für Gülleabdeckungen und -ausbringung in NW), Investitionen
in den Weinbau (beispielsweise zehn Millionen
Euro für Umstrukturierung, Verarbeitung und
­Vermarktung in BW, Förderung von Investitionen
in Spezial­maschinen in RP mit vier Millionen Euro
aus dem EGLF)

Quelle: Daten aus eigener Abfrage

Bei Eiern gibt es einen Stempel, der
Aufschluss über die Haltungsbe­
ding­ungen gibt. Damit wäre es
möglich, durch das Kaufverhalten
Betriebe zu unterstützen, die dem
gesellschaftlichen Wunsch entsprechen. Doch der Löwenteil von über
60 Prozent aller Hennen legt und
lebt heute in der Bodenhaltung.
Ihre Eier, auch als Bestandteil eines
Produkts – sie werden gekauft.
Allerdings ist auf dem Holzweg, wer
annimmt, Bio-Legehennen lebten
in lieselottischen Verhältnissen: Um
wirtschaftsfähig zu sein, müssen
auch Bio-Höfe eine gewisse Größe
erreichen; in der Agrarstastik werden Legehennen-Halter erst ab
­3 000 Tieren erfasst. Jedenfalls
hat die Politik begonnen, landwirtschaftliche Strukturen zu fördern,
die den gesellschaften Vorstel­lungen
mehr entsprechen.

Tiergerechte Haltung

Im aktuellen GAK-Rahmenplan haben
Bund und Länder die Anforderungen
an förderfähige Investitionen im
AFP verschärft: Vorhaben müssen
einen Beitrag zum Umwelt-, Klima-

14  LandInForm 1/2016

oder Verbraucherschutz leisten,
Investitionen in Tierhaltungssysteme
zudem zum Tierschutz beitragen.
Dafür wurden bauliche Anforder­
ungen für eine besonders tiergerechte Haltung (btH) formuliert,
die über die gesetzlichen Vorgaben
der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung hinausgehen. Dabei wird
zwischen Anforderungen für eine
Basisförderung und eine Premiumförderung von maximal 40 Prozent
der Investitionskosten unterschieden. Die Basisstufe fordert für Lieselotte und ihresgleichen einen
Stall, in dem sie sich frei bewegen
können, die Anbindehaltung ist
passé. Für eine Premiumförderung
ist ein Auslauf für mindestens ein
Drittel der Tiere erforderlich – wenn
möglich. Die Länder haben Spielraum, wie sie den GAK-Rahmen
füllen. So hat Niedersachsen die
Fördervoraussetzungen stark ein­
gegrenzt (siehe dazu Seite 18) und für
die höchste Förderstufe „Anforderungen für eine bestmögliche tier­
gerechte Haltung“ formuliert. Diese
lesen sich aus Verbrauchersicht
sehr eingängig: Der sommerliche

Weidegang für Milchkuh Lieselotte
ist ebenso Pflicht wie mehr Platz
im Stall und eine trockene und weiche Liegefläche.
Allerdings wird dadurch der Stallbau
teurer und flächenintensiver. Je nach
Lage und Struktur des Betriebs sind
die Vorgaben zudem kaum zu er­
füllen, und Tierhalter entscheiden
sich entweder für die niedrigere
Förderstufe oder gegen eine Investition – oder sie finanzieren sie
selbst. Über die Frage, inwieweit
die Investitionsförderung die Agrarstrukturentwicklung tatsächlich
steuert, streiten sich die Experten
(siehe dazu Seite 16).

Diffizile Verfahren

„Die Agrarinvestitionsförderung
schafft Wertschöpfung und Innova­
tion“, betont der Deutsche Bauern­
verband und hat sich 2014 dafür
eingesetzt, das Programm zu stärken.
„AFP ist ein Konjunkturprogramm
für ländliche Räume“, sagt auch
Karl-Heinz Goetz. „Und es ist ein Tier­
schutzprogramm.“ Er ist Geschäftsführer des Bundesverbands der

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

gemeinnütz­igen Landgesellschaften
und vertritt die Ansicht, dass es
besser ist, vielen Tiere über AFP gute
Haltungs­bedingungen zu ermöglichen
als wenigen besonderen Komfort
zu bieten. „Außerdem müssen auch
die Landwirte die Anforderungen
akzeptieren“, sagt er. Seit Jahrzehnten betreuen die Land­gesellschaften
Inves­titionsvorhaben. Auch andere
EU-Mitgliedsstaaten fördern oder
empfehlen eine Beratung oder binden
Experten ein. Die fachkundige Betreuung durch einen unabhäng­igen
Experten ist aber ein deutsches
Allein­stellungsmerkmal und es haben
sich verschiedene Anbieter etabliert.
Einige Bundesländer schreiben die
Betreuung ab einem bestimmten
­Investitionsvolumen vor und viele
bezuschussen die durch sie entstehenden Kosten – zum eigenen Vorteil:
Die Betreuer stehen für die ordnungs­
gemäße Abwicklung des Förderverfahrens ebenso gerade wie dafür,
dass die Mittel effizient eingesetzt
werden. Um einen AFP-geförderten
Stall für Lieselotte & Co. zu errichten,
muss ein umfangreiches Leistungsspektrum absolviert werden. So bereiten die Landgesellschaften das
Verfahren vor, ermitteln die dafür
not­wenigen Grundlagen, beraten
den Landwirt und erarbeiten ein
­Betriebskonzept. Zudem koordi­nieren
sie das eigentliche Antragsverfahren
inklusive Verfassen des Antrags,
­Zusammenstellen der Unterlagen
und Abstimmung mit den Behörden.
Nach der Bewilligung unterstützten
sie die Durchführung der Investition
und übernehmen damit verbundene
Ausschreibungs- und Vergabeverfahren und die Rechnungsprüfung,
begleiten die Schlussabnahme und
stellen den Verwendungsnachweis
aus. Bei den verschiedenen Prozess­
abschnitten gilt es zudem, weitere
Berater und Dienstleister wie Architekten und Ingenieure einzubinden.
Im Durchschnitt wickeln die Landgesellschaften ein Investitionsvorhaben in weniger als drei Jahren ab.

Pictos: Vlad Klok/Fotolia.com.com

Zukunftsfähig?

Die Landgesellschaften übernehmen eine richtungsweisende Funktion gegenüber den Landwirten: Über
die Hälfte der 278 bis September
2015 von ihnen eingereichten AFPFörderanträge sind Investitionen
in Milchvieh- und Rinderställe nach
den Anforderungen der GAK-Premiumstufe (siehe Grafik). Es liegt auch
in ihrer Verantwortung, nicht trag­
fähige Vorhaben abzulehnen.

In Hessen waren rund 90 Prozent aller von 2014 bis 2015 bei den Behörden gestellten Förderanträge
Bauvor­haben auf Premium-Niveau.
Also weist das AFP in Richtung gesellschaftsfähige Haltungssysteme?
Immerhin schreibt es eine Zweckbindung der Gebäude für mindestens zwölf Jahre vor.
Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheit­
lichen Verbraucherschutz des BMEL
fordert in seinem Gutachten „Wege
zur gesellschaftlich akzeptierten
Nutztierhaltung“, dass der Tierschutz noch mehr gestärkt werden
muss. Ist Niedersachsen mit seinen
hohen Standards also ein Vorreiter?
„Der Staat fördert auch mit der
GAK-Premiumstufe Ställe, die den
in 15 Jahren voraussichtlich existierenden Tierschutzstandards nicht
mehr entsprechen“, sagt Ulrich
­Jasper. „Das ist den Betrieben gegenüber unverantwortlich.“ Auch
in Bezug auf den Umweltschutz
weist seiner Ansicht nach AFP große
Defizite auf (siehe dazu Seite 37).
Tatsächlich formuliert der GAK-Rahmenplan die Vorgaben zum Beitrag
von AFP-geförderten Investitionen
für den Umwelt-, Klima- oder Verbraucherschutz recht offen. Vor allem spiegeln sich die Aspekte in den
Auswahl­kritieren wider, die beispielsweise Pluspunkte für Gülleabdeckungen, aber auch allgemein für
eine Verbesserung der Ressourceneffizienz vergeben. Niedersachsen strebt an, dass zukünftig auch
besonders umweltfreundliche Gülleausbringungs- und Pflanzenschutzgeräte mit AFP föderfähig
werden. Möglich machen soll dies
eine Änderung des GAK-Rahmenplans, denn bislang waren Maschinen der Außenwirtschaft von der
Förderung ausgeschlossen. Vielleicht lassen sich so Tierhaltung
und umweltfreundliche Landbewirtschaftung kombinieren. Übrigens
ist AFP für rein gewerbliche sowie
große Betriebe reizlos: Unternehmen
sind ab einer gewissen Größen­
ordnung – in Bayern dürfen Paare
maximal ­90 000 Euro Einkommen
pro Jahr haben, in Niedersachsen
­180 000 Euro – nicht mehr förderfähig.
Sie überschreiten die sogenannte
Prosperitätsgrenze.

ziele von mehr Umwelt- und Klimaschutz in der Landwirtschaft mit
der Agrarinvestitionsförderung zu
vereinbaren? Ihr Hauptziel ist, wie
in Deutschland, Landwirte in ihrer
Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen. Dieses kombinieren sie mit
Impulsen für Innovationen, Hilfe zur
Anpassung an Umweltschutzvor­
gaben oder binden den Faktor Soziales ein (siehe dazu Seite 26 ff.).
Steuert die europäische Agrarinvestitionsförderung damit in die richtige Richtung? Auch auf diese Frage
wird man klare Antworten erhalten
– aber eben viele verschiedene. 

Im Jahr 2015 über die gemeinnützigen
Landgesellschaften beantragte AFP Verfahren

Milchvieh / Rind
Premium 151 / Basis 25

Schwein
Premium 9 / Basis 3

Insgesamt
Premium 193
Basis 85

Geflügel
Premium 22 / Basis 4

Sonstige
Premium 11 / Basis 53

Quelle: Daten des Bundesverbands der Gemeinnützigen Landgesellschaften,
berücksichtigt wurden Anträge bis 30. September 2015, eigene Darstellung

Europäisches Dilemma

Und wie lösen unsere Nachbar­
staaten das Problem, die von der
EU-Kommission geforderten FörderLandInForm 1/2016 

15

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Mehr als Ställe
In einer Marktwirtschaft bestimmt theoretisch der Markt, was produziert
und konsumiert wird. Mit der Agrarinvestionsförderung greift die Politik
in dieses System ein. Weshalb?  [VON BERNHARD FORSTNER]

Wer erinnert sich heute noch an Agrarkommissar Sicco
Mansholt? Im Jahr 1968 präsentierte er einen Plan, um
die Produktivität der europäischen Landwirtschaft zu
erhöhen. Seine Strategie des Wachsens oder Weichens
wurde zwar nicht konsequent umgesetzt, sie war aber
der Auftakt der Agrarstrukturförderung in der Europäischen Union ab 1972. In Deutschland wurden 1969 im
früheren Bundesgebiet mit der „Gemeinschaftsaufgabe
zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) die rechtlichen Rahmenbedingungen
für die nationale Agrarstrukturpolitik geschaffen. Ein
zentraler Baustein dieser Politik ist die einzelbetriebliche
Förderung von Investitionen.

Zunehmend diffuse Ziele

Die Investitionsförderung hat sich seitdem auf EU- und
nationaler Ebene im Hinblick auf ihre Ziele und Inhalte
häufig geändert. Zum anfänglichen Förderziel, die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu verbessern, kam das
Leitbild einer multifunktionalen Landwirtschaft. Zuletzt
rückten öffentliche Leistungen wie Umwelt- und Tierschutz sowie Qualitätsverbesserung in den Vordergrund.
Die Art der Förderung entwickelte sich von günstigen
öffentlichen Darlehen und Zinszuschüssen hin zu Investi­
tionszuschüssen und Bürgschaften. Mit der konzept­
ionellen Änderung der EU-Strukturförderung wurde
auch die Investitionsförderung ab dem Jahr 2000 in
die Entwicklungsprogramme für den ländlichen Raum
(EPLR) integriert, was zu einer stärkeren inhaltlichen
Verschränkung mit anderen strukturpolitischen Maßnahmen führen sollte.

Weniger Geld

Mit den EPLR setzen die Bundesländer mit Mitteln des
ELER die zweite Säule der Europäischen Agrarpolitik
(GAP) um: In der Förderperiode 2007 bis 2013 wurden
dafür in Deutschland rund 14,5 Milliarden Euro öffentliche Mittel ausgegeben. Davon entfielen auf das Agrar­
investitionsförderungsprogramm (AFP) mit 1,6 Milliarden
Euro rund 11 Prozent der Mittel. In der aktuellen Förderperiode liegt der Anteil des AFP mit 1,3 Milliarden Euro
bei 9 Prozent. Die Anteile, die die Länder im neuen
Förderzeitraum für das AFP bereit halten, haben sich
stark verändert und variieren untereinander deutlich
(siehe Abbildung). Die größten Veränderungen gab es

16  LandInForm 1/2016

in Niedersachsen: Dort wurden die AFP-Mittel von
278 Millionen Euro in der vergangenen Förderperiode
drastisch auf 62 Millionen Euro reduziert. Auch
Schleswig-­Holstein fällt auf: Es dotiert nur einen sehr
geringen Mittelanteil für Investitionsförderung; zwischen
2010 und 2013 setzte das Land das AFP komplett aus.

Geförderter Stallbau

Die Behauptung, dass in Deutschland nahezu jeder neue
Kuhstall mit AFP-Förderung errichtet wurde, ist im Großen
und Ganzen zutreffend. Dagegen ist der Förderanteil bei
Geflügel- und Schweineställen deutlich niedriger, weil
deren Förderung auf regionaler Ebene zeitweilig ausgeschlossen wurde. Insgesamt wurden im Zeitraum zwischen 2007 und 2013 rund 60 Prozent der landwirtschaft­
lichen Gebäude mit Unterstützung von AFP errichtet.
Dies ergibt sich aus einem Abgleich der Daten des Statis­
tischen Bundesamtes mit den GAK-Förderdaten.
In der ökonomischen Theorie geht man davon aus, dass
in einer Marktwirtschaft der Markt bestimmt, was in
welcher Menge und Qualität produziert und konsumiert
wird. Die Politik soll in dieses System nur dann eingreifen, wenn gravierende Abweichungen von den gesellschaftlichen Wünschen festgestellt werden und eine
Korrektur als notwendig erachtet wird. Die Investitionsförderung ist solch ein Eingriff. Offenbar wird festgestellt, dass Landwirte nicht in ausreichendem Umfang
oder nicht zieladäquat investieren. Indem Kapital verbilligt wird, soll ein höherer Kapitaleinsatz angeregt
werden. Dies kann sinnvoll sein, wenn die Investitions­
risiken so hoch sind, dass potenzielle Investoren gesellschaftlich erwünschte und volkswirtschaftlich sinnvolle
Investitionen nicht durchführen. Denkbar ist das zum
Beispiel bei stark unbeständigen Preisen, abrupten
Marktveränderungen oder Politikwechsel, sowie bei
der Einführung von Innovationen.
Derzeit findet insbesondere zum Tier- und Umweltschutz in der Landwirtschaft eine gesellschaftliche
Diskussion statt. Um aber eine tiergerechtere Haltung
zu erreichen, müssten die bislang gängigen Produktionssysteme angepasst werden, was umfangreiche Investitionen auf Seiten der Landwirte erfordern dürfte.
Die Investitionsförderung kann einen Beitrag zu mehr

Anteil der Investitionsförderung am gesamten EPLR in Prozent
Brandenburg;
Berlin
BadenWürttemberg

9,70

8,46
5,81

Bayern

12,16

13,78

8,74

Hessen
MecklenburgVorpommern
Niedersachsen;
Bremen
NordrheinWestfalen

17,41

3,79
10,83

Rheinland-Pfalz
Schleswig-Holstein

9,85

7,07

1,57

6,30

2,19

15,40
13,57

Saarland

17,48

13,74

16,79
17,41

Sachsen
Sachsen-Anhalt

4,37

6,03

Thüringen
alle

9,03
10 %

5 %
EPLR 2007-2013 Ausgaben

19,00

15,11

11,52
11,17

12,89

15 %

EPLR 2014-2020 Planwerte

Quelle: Berechnungen des Autors nach Angaben der Länder

Tierschutz leisten, insbesondere wenn sie gut mit
anderen Maßnahmen wie Bildung, Beratung oder
Prämienzahlungen sowie mit dem Ordnungsrecht ab­
gestimmt ist.

Umstritten: Wirkung und Notwendigkeit

Die ELER-Verordnung schreibt eine laufende Evaluierung des Förderprogramms vor. Je nachdem, welche
Methoden verwendet und welche Bewertungskriterien
gewählt wurden, fällt die bisherige Beurteilung der Förderung unterschiedlich aus. So kommen einige Analysen zu dem Ergebnis, dass die Förderung effektiv ist,
weil ein Euro Fördermittel ein Mehrfaches an weiteren
Investitionen auslöst. Dabei wird unterstellt, dass die
Investitionen ohne Förderung nicht durchgeführt worden wären. Die Wirkungen der geförderten Investitionen
und die Effizienz des Mitteleinsatzes wurden in diesen
Analysen häufig nicht berücksichtigt. Andere Studien,
die diese Parameter beachteten, stellen dagegen in Frage,
dass die bislang praktizierte Investitionsförderung
­geeignet ist, um die Wettbewerbsfähigkeit des Agrarsektors und die tiergerechte Nutztierhaltung zu ver­
bessern. Ein Grund dafür sind Mitnahmeeffekte, die auf
bis zu 50 Prozent geschätzt werden. Auch der Euro­
päische Rechnungshof hat die Investitionsförderung
kritisch beurteilt.
Die Förderung von Investitionen in der Landwirtschaft
hat in Deutschland den Charakter einer Dauerförderung:
Die Inhalte wechseln leicht, aber ein struktur­politischer
Kern fehlt. Die Einschränkung oder gar Abschaffung
der Förderung ist politisch allerdings nur schwer durchzusetzen; landwirtschaftliche Unternehmen und Beteiligte
aus der Verwaltung, Beratung, Betreuung und den Banken,

haben ein Interesse daran, die Fördermaßnahme möglichst wenig zu verändern. Dabei sind die Finanzierungsbedingungen für landwirtschaftliche Investitionen seit
Jahren günstig: Die Zinsen sind niedrig und Landwirte
gelten bei den Banken als gute Kreditnehmer, weil sie
Sicherheiten vorweisen können. Mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank gibt es in Deutschland zudem ein
­Finanzierungsinstitut, das für landwirtschaftliche Investitionen günstige Sonderkreditprogramme anbietet.
Deshalb ist anzunehmen, dass Unternehmer auch ohne
Förderung investieren.

Ein Blick nach vorne

Bund und Länder haben mit den GAK-Fördergrundsätzen
zum AFP seit 2014 ein Zeichen in Richtung mehr gesellschaftlich erwünschter Leistungen gesetzt: Die Antragsteller müssen nun besondere Anforderungen in den
Bereichen Tierwohl, Umwelt, Klima oder Produktqualität
erfüllen. Mit den Europäischen Innovationspartnerschaften (EIP-Agri) gibt es eine weitere Möglichkeit, um
innovative Vorhaben im Vergleich zu normalen Investi­
tionen mit höheren Zuschüssen zu versehen. Auch
Kooperationen können besonders begünstigt werden.
Es wird spannend sein, zu sehen, ob die aus solchen
Ansätzen resultierenden Investitionsvorhaben einen
Mehrwert für andere Unternehmen
und die Landwirtschaft insgesamt
liefern können. 
KONTAKT:
Bernhard Forstner
Thünen-Institut für Betriebswirtschaft
Telefon: 0531 965233
bernhard.forstner@ti.bund.de
www.ti.bund.de/de/bw
LandInForm 1/2016 

17

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Wachstum
mit mehr Tierwohl
Der Bau des neuen Stalls hätte günstiger werden können.
Familie Pohl hat sich aber für das teurere Stallmodell entschieden,
das ihrem Milchvieh viel Platz lässt. Die Familie ist mit dieser
Entscheidung zufrieden.  [ VON RALF HARMS ]

Der Milchvieh- und Futterbaubetrieb von
­Familie Pohl kennt keinen Stillstand. Seit die
Familie den Hof in der Elbmarsch im nördlichen Nieder­sachsen 1973 gepachtet und 1996
­erworben hat, investiert sie immer wieder in
die Modernisierung und das Wachstum des
Betriebs. Heute bewirtschaften Karl-Wilhelm
Pohl und seine Ehefrau mittlerweile in der
zweiten Generation 140 Hektar Acker- und
Grünland, davon sind etwa 97 Hektar Eigentum. Auch die Altenteiler, ein Festangestellter und ein Auszubildender arbeiten auf dem
Hof. Die aktuelle Weiterentwicklung wurde
im Jahr 2012 beschlos­sen: Die Rinderherde
mit 140 Milchkühen und weiblicher Nachzucht
sollte auf 250 Milchkühe und 150 Nachzuchttiere anwachsen. So wurden die Planungen
für den Bau eines neuen Boxenlaufstalls
aufgenommen, der den alten Boxen­laufstall
als Liegehalle für 198 Milchkühe ergänzen
sollte. Das Melken sollte weiterhin in dem
vorhandenen Doppel-6er-Fischgrätenmelkstand erfolgen.

Entscheidung zugunsten des Tierwohls

Zunächst plante die Familie den neuen Boxen­
laufstall als klassischen Doppel-­3-Reiher mit
mittigem Futtertisch. Als Karl-Wilhelm Pohl
die Baugeneh­migung vorliegen hatte, kamen
ihm jedoch Zweifel: War die gewählte Planung
die beste Möglichkeit, um die Haltungsbedingungen für seine Tiere zu verbessern?
Die sich verschärfende Diskussion zum Tierwohl
und die politischen Vorgaben zur Tierhaltung
unterstützten seine Bedenken. Familie Pohl
beschloss daher, den Bau des Boxenlauf­
stalles zu verschieben und tiefgreifend
­umzuplanen: Parameter wie Futteraufnahme,
Klimareize, Luftqualität, Bewegungsmöglichkeit, Rangverhalten und Tiergesundheit sollten
nun verstärkt in die Stallplanung einfließen.
Karl-Wilhelm Pohl und seine Ehefrau besichtigten zahlreiche Ställe, ließen sich beraten
und entschieden sich dann dafür, einen
Doppel-­2-Reiher Boxenlaufstall für 192 Kühe

18  LandInForm 1/2016

mit mittigem Futtertisch zu bauen. Bei diesem Stalltyp besteht ein Eins-zu-eins-­
Verhältnis zwischen Fressplatz und Tier.
Das reduziert Rangkämpfe am Futtertisch:
Die gesamte Herde kann ihr Grundfutter
stressfreier und gleich­mäßiger aufnehmen
als bei einem anderen Tier-Fressplatzverhältnis. Darüber hinaus steht ­jeder Kuh bei
einem Doppel-2-Reiher deutlich mehr
­Bewegungsfläche zur Verfügung als in einem
Doppel-3-Reiher Boxenstall.

Mehr Herdengesundheit und Milchleistung

Mit den Bauarbeiten beauftragte die Familie
– soweit möglich – lokale Unternehmen,
um die Wertschöpfung in der Region zu behalten. Im Jahr 2013 wurde zunächst ein neuer
­Güllebehälter fertiggestellt; dieser Neubau
war wegen der geplanten Aufstockung
des Viehbestandes notwendig geworden.
Anschließend erfolgte von Herbst 2014 bis
Frühjahr 2015 der Bau des Boxenlaufstalls.

Durch eine relativ niedrige Bauhöhe des Stalls
griff man so wenig wie möglich in das Landschaftsbild ein. Die Dachform des Stalls ist
unterbrochen und lässt viel Licht und frische
Luft in den Stall. Die Tiere sind dadurch nicht
von der Umwelt abgeschottet, sondern werden im Laufgang ­Klimareizen wie Sonne und
Regen ausgesetzt. Das ist für die Tiere gesund und stärkt ihre Fitness. Ein flach geneigtes Dach schützt die Liegeflächen und
den ­Futtertisch vor Regen, Schnee und Sonneneinstrahlung. Die Liegeboxen sind Kopf
an Kopf angeordnet, dadurch bekommt
die Herde an den Übergängen noch mehr
Ruhe. Seitdem der Stall in Betrieb ge­
nommen wurde, stellt Karl-Wilhelm Pohl
Verbesserungen in der Herdengesundheit und der Leistungs­bereitschaft
seiner Milchkühe fest. „Der neue Stall
ermöglicht uns eine tiergerechte Haltung der Kühe und stressfreies Arbeiten
für Tier und Mensch“, sagt er. Den
vorhandenen Melkstand hat Familie

Pohl technisch nachgerüstet. Im Altstall werden nutzbare Tierplätze weiterhin für die
weibliche Nachzucht, trockenstehende Kühe
und zum Abkalben genutzt.

Zuwendungen leisten wichtigen Beitrag

Aufgrund der zweireihigen Ausführung des
Stalls haben sich die Baukosten gegenüber
der ursprünglichen Planung erhöht. Für den
Stall und den neuen Güllebehälter betrug
das Netto-Investitionsvolumen rund 675 600
Euro. Dafür hat Familie Pohl eine ­Zuwendung
aus AFP-Mitteln von etwa 136 800 Euro er­
halten – das entspricht einer anteiligen För­­
der­ung von 20 Prozent für den Bau des Stalls
und von 25 Prozent für den Güllebehälter.
Auch für einen Doppel-3-Reiher hätte die
Familie damals eine AFP-Unterstützung er­
halten. Sie hat sich aber für ein Stallkonzept
entschieden, das beispielsweise beim Fressplatzangebot und der verfügbaren Stall­
fläche je Tier über die Anforderungen von
AFP der Förderperiode 2007 bis 2014 hinausging. Zur Finanzierung dieses Konzepts
haben die Zuwendungen einen wichtigen
Beitrag geleistet. 

KONTAKT:
Ralf Harms
Niedersächsische Landgesellschaft mbH
Geschäftsstelle Bremerhaven
Telefon: 0471 94769-43
ralf.harms@nlg.de
www.nlg.de

Karl-Wilhelm Pohl
pohl.wechtern@t-online.de

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Besonders tiergerechte oder bestmögliche
tiergerechte ­Haltung – Beispiel Milchkühe
Anforderungen an die besonders
tiergerechte Haltung (GAK-Rahmenplan 2015 bis 2018)
Laufställe mit Liegeflächen für alle Tiere, nutzbare
­Stallfläche insg. mindestens 5,5 m2 je Tier (Basis)
Liegeplätze mit ausreichend Einstreu oder
­ omfort-schaffendem Material (Basis)
k
Fressplatz für jedes Tier in geeigneter Breite,
bei ständigen Futterzugang Verhältnis 1 : 1,2 (Premium)
Auslauf für mindestens ⅓ der Tiere oder
Stallfläche von 7 m2 je Milchkuh (Premium)

Anforderungen an die bestmögliche
tiergerechte H
­ altung (Richtlinie Niedersachsen)

Liegeboxenlaufstall mit mehr Boxen als Kühe (1,1 : 1)
oder Mehrflächenställe mit Liegefläche von
minimal 5 m2 je Kuh, nur Ställe mit Außenklima
Liegeplätze spaltenfrei, trocken und weich
(­ Kniefalltest)
Fressplatzüberschuss (1,1 : 1) und minimale Breite
von 75 cm
Weidegang während Weideperiode, Laufhof bei
­weniger als 4 m2 Bewegungsfläche je Kuh im Stall,
Freiraum für Kopfschwung in der Box, Abkalboder Krankenboxen, automatische Kuhbürsten,
­jederzeit Zugang zu frischem Wasser etc.

Niedersachsen:
Tierschutz im Fokus
In der Förderperiode 2014 bis 2020 stellt das Land Niedersachsen in
­seinem AFP etwa zehn Millionen Euro Fördergelder pro Jahr zur Verfügung.
Dabei macht es strengere Vorgaben als der GAK-Rahmenplan: Förderfähig
sind ­Betriebe nur dann, wenn sie maximal zwei Großvieheinheiten je
Hektar halten – das entspricht der Besatzdichte in der ökologischen
Landwirtschaft – und Güllelagerkapazitäten für einen Zeitraum von neun
Monaten vorweisen können. Außerdem ­begrenzt es die Tierzahlen –
bei Rindern werden nur Betriebe mit maximal 300 Tieren unterstützt.
Auch die baulichen Anforderungen sind höher. Zum Beispiel bei Investitionen in Milchviehbetrieben: Um eine Förderung von 20 Prozent zu
­erhalten, müssen sowohl die Auflagen zur besonders tiergerechten
­Haltung der Basis-, als auch jene der Premiumstufe aus dem GAK-Rahmen­
plan erfüllt werden. Für die höchste Förderstufe von 40 Prozent hat
das Land zusätzliche Anforderungen an eine „bestmögliche tiergerechte
Haltung“ definiert. ­Andere Bauvorhaben sind nur mit einem signifikanten
Beitrag zum Verbraucher-, Klima- oder Umweltschutz förderfähig; ­
­zukünftig sollen zudem besonders umweltfreundliche Gülleausbringungsund Pflanzenschutzgeräte gefördert werden.
Beim Antragsverfahren gibt es Pluspunkte: zum Beispiel zehn für die
Modernisierung hin zur bestmöglichen tiergerechten Haltung, für Weide­
haltung in der Rindermast, aber auch für Innovationen. Wer seine Besatz­
dichte verringert, erhält sieben, wer Schweinen einen Auslauf bietet vier.
Eine Verknüpfung mit LEADER bringt zwei Punkte. Das Land empfiehlt
den Landwirten, sich beraten zu lassen und unterstützt Beratungs-,
Dienstleistungs- und Betreuungskosten.

Große Strukturvielfalt: Milchviehbetriebe
Bundesweit gibt es

73 255 Halter

4,3 Millionen Milchkühe

bei ... der Halter

das sind ... der Milchkühe

Weniger als 20

29 %

5 %

20 bis 99

56 %

47 %

100 bis 499

14 %

39 %

1 %

10 %

Fotos: Harms, Vlad Klok/Fotolia.com

Es leben …Tiere

Trend: Weniger Betriebe,
größere Bestände

500 und mehr
Quelle: Statistisches Bundesamt,
Daten von November 2015

LandInForm 1/2016 

19

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Zukunftsfähig
durch Bio-Legehennen
Vom Milchvieh zu Bio-Legehennen: Familie Kerle aus Oberbayern stieg um. 
[ VON MANUELA WOLFRUM ]

Der in die Jahre gekommene Milchviehstall
von 1965 war nicht mehr zeitgemäß, die anfallende Arbeit im Nebenerwerb nicht mehr
leistbar. Zum familiengeführten Milchvieh­
betrieb von Marianne und Rudolf Kerle in
Wollomoos im oberbayer­ischen Landkreis
Dachau gehörten etwa 15 Milchkühe mit
Nachzucht in Anbindehaltung und 20 Hektar
Fläche. Landwirt Rudolf Kerle, der als gelernter Karosseriebaumeister in Vollzeit bei MAN
tätig ist, hatte den konventionell geführten
Betrieb Ende der 1990er-Jahre von seinen
­Eltern übernommen und seitdem zusammen
mit seiner Frau und seinen drei Kindern
­bewirtschaftet.

Von der Kuh zum Huhn

Hätte die Familie weiter Milch produzieren
wollen, wäre eine große Investition nötig geworden. Vor allem, da ein Umbau der bestehenden Gebäude an der Hofstelle nicht
­möglich war. Die Kerles wollten jedoch flexibel
und unabhängig sein, die Arbeitsbelastung
sollte geringer werden. Ziel der Familie war
es zudem, das Tierwohl zu vergrößern.
Schließlich kam die Idee, auf Legehennenhaltung umzustellen.
Nach einer Erstberatung durch das Fachzentrum für Kleintierhaltung Pfaffenhofen (AELF)
im Jahr 2011, besichtigte Familie Kerle zahlreiche Ställe. Die Biobetriebe hinterließen
­einen bleibenden positiven Eindruck, insbesondere hinsichtlich der Tiergesundheit und
der Wertschätzung des Bodens. Außerdem
bestärkten die besseren Vermarktungsmöglichkeiten für Bio-Lebensmittel den Entschluss der Familie, auf ökolo­gische Bewirtschaftung umzustellen. Es kam eine Flut an
neuen Infor­­mationen über die Tiere selbst,
die Haltung, die Technik und das Bewirtschaften der Felder auf die Familie zu, die dem
Verband Bioland beitrat. Außerdem galt es,
neue Vermarktungswege aufzubauen.
Die Kerles nahmen die Herausforder­ungen
an: Aus dem Milchviehbetrieb sollte eine BioLegehennenhaltung werden.

20  LandInForm 1/2016

Idee wird konkret

Geplant wurde das Bauvorhaben an einem
Aussiedlungsstandort im Außenbereich.
­Aufgrund der nötigen Wiesen- und Auslaufflächen war eine Realisierung innerorts nicht
möglich. Nach insgesamt einem Jahr Pla­nungs­
­zeit konnte im September 2012 mit dem Bau
begonnen werden, im Januar 2013 wurde
zum ersten Mal eingestallt. Mittlerweile hält
Familie Kerle in ihrem neuen Stall mit einer
nutzbaren Grundfläche von knapp 300 Quadratmetern rund 3 000 Legehennen. An den
Stall schließt sich ein überdachter, be­festigter
Wintergarten, ein sogenannter Kaltscharrraum,
mit rund 260 Quadratmetern an. Der gesamte
Stall und der Wintergarten sind mit Strohpellets
und Gesteinsmehl eingestreut, im Winter­
garten sind zusätzlich Strohballen aufgestellt,
die die Hühner auseinanderscharren können.
Der zusätzliche Auslauf auf eine Freifläche
misst insgesamt 12 000 Quadratmeter.
Zur Futtermittelherstellung bewirtschaftet
Familie Kerle nach wie vor rund 20 Hektar
Fläche. Die Ernte wird an eine Mühle geliefert, von ihr beziehen die Kerles das Futter
für die Legehennen als Fertigmischung, da
sie selbst nicht alle Sorten anbauen können.

Fördergelder haben
die Investition erleichtert

Um die Investition zu erleichtern, haben die
beratenden Stellen Familie Kerle auf das
Agrarinvestitions­för­­der­programm (AFP) hinge­
wiesen. Dies eröffnete die Möglichkeit, den
vorhandenen kleinen Betrieb zu vergrößern
und ihn für den Hof­nach­folger zukunftsfähig
und schuldenfrei zu hinterlassen. „Förderung
sollte nicht das Lockmittel sein, sondern die
Möglichkeit, um etwas anzupacken oder auch
in größere Dimensionen zu investieren“, so sieht
Rudolf Kerle die Förderung heute. Familie Kerle
ließ sich von der Antragstellung bis zur End­­­­
ab­nahme durch die Investitions­betreuung
der BBV LandSiedlung GmbH unterstützen.
Zu einer Be­treu­ung war sie laut Förderricht­
linie aufgrund der Größe des Bau­volu­mens,
das über 250 000 Euro lag, verpflichtet.
Die Beratungsdienstleistungen von den Ämtern

für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
sind kostenfrei; die Be­treuung der Fördermaßnahme durch eine Betreuungsgesellschaft
ist kostenpflichtig und wurde im Fall der Kerles
zu 60 Prozent gefördert.
Die Förderung des Baus betrug schließlich
20 Prozent Zuschuss zur Netto-Bausumme,
die bei rund 130 Euro je Legehennenplatz lag.
Der Großteil der Bauarbeiten wurde an regionale Unternehmen vergeben, dazu zählten
die Tiefbauarbeiten, Maurerarbeiten, das Ver­
putzen, die Elektro- und Wasserinstallation
sowie die Errichtung des Zaunes. Das Dach
des Gebäudes lieferte ein Betrieb aus dem
niederbayerischen Osterhofen, die Stalleinrichtung kam von einem international auf­
gestellten Unternehmen.

Skeptiker wurden Kunden

Viele Dorfbewohner betrachteten das Geschehen um den Kerlehof anfänglich mit
Skepsis: Es gab Ängste, dass der Betrieb einmal
sehr groß werden könnte. Viele der anfäng­
lichen Skeptiker sind zwischenzeitlich zu
Kunden geworden. Der Verkauf der Eier erfolgt
teils über Direktvermarktung ab Hof, hauptsächlich werden die Eier an einen Biolandhof
in der Region geliefert und von dort unter
anderem über die Alnatura GmbH und die
­Feneberg Kaufmärkte Allgäu vermarktet.
Die wichtigste Aufgabe besteht für Familie
Kerle nun darin, den Betrieb ohne externe Mit­
arbeiter auf möglichst stabilem Niveau in
­Eigenregie zu bewirtschaften, damit er eines
Tages ohne große Investitionen übernahmefähig ist. Sollte dennoch eine größere Investition anstehen, wäre Familie Kerle nicht
­abgeneigt, wieder auf AFP zurückzugreifen. 

KONTAKT:
Manuela Wolfrum
BBV LandSiedlung GmbH
Telefon: 089 590682921
manuela.wolfrum@bbv-LS.de
www.bbv-ls.de

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Besonders tiergerechte Haltung (btH) für Legehennen:

AFP in Bayern

Mit dem GAK-Rahmenplan werden nur noch Ställe der Freiland- und
der Bodenhaltung gefördert. Beispiele für bauliche Anforderungen sind:

Im EPLR Bayern 2014 bis 2020 hat der Freistaat für
AFP insgesamt 466 Millionen Euro, davon 115 Millionen Euro aus dem ELER, eingeplant. Im Fokus
stehen viehhaltende Betriebe. Die Umstellung
von Anbinde- auf Laufstallhaltung von Milchkühen
sowie Investitionen in die Zuchtsauenhaltung
werden mit maximal 40 Prozent gefördert, alle
übrigen Investitionen in die Tierhaltung mit maximal
35 Prozent. Ein wichtiger Aspekt sind Berggebiete
und Regionen, die besonders vom demografischen
Wandel betroffen sind: Sie werden im Auswahlverfahren priorisiert. Das gilt auch für Investitionen
im Rahmen von EIP-Agri. Vier Fachzentren bei den
Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
bündeln die Anträge. Ab einem Investitionsvolumen
von 100 000 Euro werden Betreuungskosten mit
maximal 2,5 Prozent der Kosten bezuschusst.

Haltungsform

Basisförderung

Premiumförderung

Tageslichteinfall auf 3 % der Stallgrundfläche

grundsätzlich
Freiland

Ausreichend Schutzeinrichtungen im Außenbereich

Zusätzlich: Mindestens
2 m breiter, befestigter
­Kaltscharrraum über gesamte
Breite der Stallseite mit
­Ausschlupflöchern, ausgenommen m
­ obile Ställe

Bodenhaltung

Stall muss mit befestigtem
Kaltscharrraum verbunden
sein

Zusätzlich: Kaltscharrraum
mindestens ⅓ der Stallfläche
und mit Staubbädern

Legehennen: ab 3 000 Tiere in der Agrarstatistik
Bundesweit gibt es

1 652 Halter

48 Millionen Legehennen

betreiben …
der Betriebe

das sind …
der Legehennenplätze

Bodenhaltung

53 %

63 %

Freilandhaltung

24 %

17 %

6 %

10 %

18 %

10 %

Die Haltungsart

Käfighaltung
Ökologische Haltung

Bayern setzt folgende Prosperitätsgrenze:
Ledige dürfen maximal 90 000 Euro positive Einkünfte pro Jahr im Durchschnitt der letzten drei
Jahre haben, Ehepaare maximal 120 000 Euro.
­Einzelbetriebliche Investitionen sind dann förderfähig, wenn sie mindes­tens 20 000 und maximal
750 000 Euro betragen.
Der Freistaat bietet flankierend zum AFP das
­Landesprogramm „Bayerisches Sonderprogramm
Landwirtschaft“ an, mit dem er kleinere Investitionen zur Verbesserung des Tierwohls sowie
­Maschinen für die Berglandwirtschaft unterstützt.

Fotos: Rudolf Kerle, Vlad Klok/Fotolia.com

Betriebe mit zwei verschiedenen Haltungsformen werden mehrfach gezählt

… Legehennenplätze*

haben …
der Betriebe

dort leben …
der Legehennen

Weniger als 30 000

75 %

27 %

Mehr als 30 000

25 %

73 %

Regionales: Ende 2014 wurde mehr als ein Drittel
aller Legehennen in Niedersachsen ­gehalten.
Nordrhein-Westfalen und Bayern hielten
jeweils ungefähr 10 Prozent der deutschen
Legehennen.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Daten von November 2015,
* November 2014, Daten aus Betrieben mit mindestens 3 000 Legehennen

LandInForm 1/2016 

21

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Mit bäuerlicher Tradition
in die Zukunft
Bei Weilepp, Hofladen & Landwirtschaft gibt es hochwertige Lebensmittel und gesunde
Tiere: Seit 1990 hält der Familienbetrieb Schweine auf Stroh. Ein neuer Stall soll noch
mehr für den Tier- und Umweltschutz bringen.  [VON BIRGITT SCHUNK]
In der Räucherkammer der Familie Weilepp
sieht es aus wie in Großmutters Speisekammer nach dem Schlachtfest: Kleine Chargen
an Rotwurst, Knackwurst oder Leberwurst
reifen hier. An Fleisch- und Wurstwaren produziert das land­wirtschaft­liche Unternehmen, was Schwein und Rind zu bieten haben
– frisch, ohne Konservierungsstoffe und nach
thüringischem Rezept. Ge­schlach­tet wird in
den kühleren neun Monaten, im Sommer
nicht.

Traditionell und innovativ

Nach der Wende hat er seinen Betrieb in Roldisleben mit den aus der ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft
zurück erhaltenen Flächen und weiteren
Pachtflächen wieder eingerichtet und 1990
mit rund 200 Hektar landwirtschaftlicher
Nutzfläche und etwa 650 Schweinen begonnen, ihn aufzubauen. Ehefrau Regine und
Sohn Steffen hat er dabei an seiner Seite.
Von Anfang an besinnt sich die Familie auf
bäuerliche Wurzeln, gleichzeitig stellt sie den
Betrieb modern auf. Die Schweine stehen wie
früher auf Stroh und werden bis zu einem
Jahr gemästet – doppelt so lange wie in vielen anderen Mastbetrieben üblich. Die Tiere
quittieren die artge­rechte Haltung mit einem
Mehr an Gesundheit. „Der kalte Stall und ein
warmes Nest tun den Tieren gut“, sagt Betriebsleiter Udo Weilepp. Und das wirkt sich
auch auf die Fleischqualität aus. Nach der
Schlachtung am frühen Morgen – der Betrieb
verfügt über eine EU-­Zulas­sung – folgt direkt
die Verarbeitung. „Mehr Frische und Qualität
geht nicht. Unsere Kunden wissen das zu
schätzen“, sagt Udo Weilepp. Innovation und
Tradition vereinen – mit dieser Philosophie
will das Familien­unternehmen in die Zukunft
gehen und weiter investieren. Es setzt dabei
auf Nachhaltigkeit, Regio­nalität und Wertschöpfung in der Region.

Hilfe zur Investition

Doch die Entwicklung des Betriebes ist kein
Selbstläufer. Zwar hat die Familie den rund
50 Jahre alten Schweinestall immer wieder

22  LandInForm 1/2016

stückchenweise saniert, doch da dieser etwa
zehn Kilometer von der Hofstätte mit Hofladen und Schlachtung entfernt liegt, mussten
die Weilepps lange, kostspielige Wege für
Transporte in Kauf nehmen. Den alten Standort nun noch mit großem Aufwand an die
modernen Anforder­ungen der Tierhaltung
anzupassen, hätte sich betriebswirtschaftlich
nicht mehr gerechnet. „Wir standen also vor
der Entscheidung, neu zu bauen oder mit der
Tierhaltung aufzuhören“, sagt Udo Weilepp.
Inzwischen gibt es grünes Licht für den Bau
eines neuen Schweinemast­stalles: ein Außenklimastall von 50 mal 24 Metern. Die
Schweine stehen in Gruppenboxen von jeweils 25 Tieren zusammen und haben
einen ­direkten Zugang zum überdachten
Freilaufbereich. Insgesamt handelt es sich
dabei um eine Inves­tition in Höhe von rund
600 000 Euro, 40 Prozent werden über die
Investitionsförderung landwirtschaftlicher
Unternehmen in ­Thüringen (ILU) gefördert.
„Ohne diese Unterstützung hätten wir ein
solches Vorhaben nicht in Angriff nehmen
können“, sagen sowohl Vater als auch Sohn.
Sie lassen sich bei der Umsetzung ihrer Investition professionell be­raten. Die Thüringer
Landgesellschaft unterstützt die nachhaltige
Entwicklung der Agrarstruktur und betreut
den Betrieb bei allen Schritten des Vorhabens: von der Idee und den Planungen über
die Ge­nehmigungsphase und den Bau bis hin
zur Abrechnung von Fördermitteln.

Wie beim Biohof

Dass die Schweine im neuen Stall weiterhin
auf Stroh gehalten werden, ist für die Weilepps selbstverständlich. Pro Schwein wird
zudem künftig deutlich mehr Platz zur Verfügung stehen als bislang; und mit dem Auslauf
ins Freie sorgen Sonne, Regen, Wind und
Wetter für zusätz­liche Reize und vitale Tiere.
„Mit dem Neubau erfüllen wir Kriterien für
eine ökologische Haltung, auch wenn wir
nicht als Biobetrieb zerti­fiziert sind“, sagt
Steffen Weilepp. Außerdem tut die Familie
mit ihrem neuen Stall etwas für Klima und
Umwelt, denn dieser wird unmittelbar am

Hofgelände der Weilepps liegen. Damit entfallen künftig die mit hohem Dieselverbrauch
verbundenen Transportfahrten für Futter
und Stroh. Neben ihren Schweinen hält das
Familienunternehmen seit 2013 Rinder.
Der alte Stall soll zum Winterquartier für die
Mutterkühe werden und als Strohlager dienen.
Auch in Sachen Futter haben Vater und Sohn
ihr eigenes Konzept. Sie setzen auf geschlossene Kreisläufe. Außer Mineralfutter und
Kartoffeln kaufen sie nichts zu, sondern bauen Weizen, Gerste, Triticale, Erbsen, Ackerbohnen oder Luzerne auf rund 400 Hektar
Ackerfläche selber an. Etwa 25 Prozent der
Feldfrüchte verwenden sie für ihre hofeigene
Futtermischung. „Da weiß man, was man
hat“, sagt Steffen Weilepp. Die zugekauften
Kartoffeln werden wie zu Großmutters Zeiten
gedämpft und als Brei an die Schweine verfüttert. Der anfallende Mist kommt als organischer Dünger auf die Felder.

Transparenz großgeschrieben

Schon jetzt setzt der Betrieb auf Transparenz. Auf einem Monitor im Hofladen können
sich die Besucher alles von der Aussaat bis
zum Wurstmachen anschauen und natür­lich
hat das Unternehmen mit ­­www.hofladenweilepp.de seine eigene Webseite. Im neuen
Stall sollen sogar Live-Einblicke übers
Internet möglich sein. So will das Familienunternehmen die Ver­braucher mitnehmen
und ihnen den Einblick in eine verantwortungsbewusste Landwirtschaft ermög­lichen. 

KONTAKT:
Torsten Steinmetz
Thüringer Landgesellschaft mbH
Telefon: 0361 4413-114
torsten.steinmetz@thlg.de
www.thlg.de

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Torsten Steinmetz von
der Thüringer Land­
gesellschaft beim VorOrt-Termin mit Steffen
und Udo Weilepp (v.l.).
Die Planung steht,
die Förderung auch –
an dieser Stelle soll der
neue Schweine­maststall
entstehen.

Besonders tiergerechte Haltung für Mastschweine:
Beispiel für die Anforderungen im GAK-Rahmenplan
grundsätzlich

AFP im ILU

Tageslichteinfall auf 3 % der Stallgrundfläche

Basisförderung Liegebereich mit ausreichend Einstreu
oder mit Komfortliegefläche,
mindestens drei verschiedenartige
Elemente in ausreichender Zahl,
die zur spielerischen Beschäftigung
anregen
Premium­
förderung

Zusätzlich: die uneingeschränkt nutzbare
­Bodenfläche muss mindestens 20 % größer
sein, als es die Tierschutz-Nutztierhaltungs­
verordnung vorgibt; diese Mindestfläche
beträgt beispielsweise für Mastschweine
über 110 kg je einen Quadratmeter

Junglandwirte werden gefördert, allerdings nicht mit höheren
­Sätzen: Sie erhalten beim Auswahlverfahren Bonuspunkte.
Das gleiche gilt für Investitionen im Rahmen von EIP-Agri.
Auch Landwirte, die sich besonders für Tier-, Umwelt-, Verbraucher- oder Klimaschutz ­einsetzen werden bevorzugt behandelt:
So können Landwirte mit ökologischen Betrieben ebenso Bonuspunkte sammeln wie mit Investitionen in die Verbesserung
der Ressourceneffizienz; und sie können mit vorhandenen Ställen,
die bereits den Anforderungen der Premiumförderung ent­
sprechen, punkten.

Ein Schwein auf jeden dritten Bundesbürger
Bundesweit gibt es
Es leben … Tiere

27,5 Millionen Schweine

bei … der Halter

das sind … der Schweine

9 %

1 %

100 bis 499

30 %

8 %

500 bis 1999

50 %

50 %

2 000 bis 4 999

9 %

23 %

5 000 und mehr

2 %

19 %

unter 100

Foto: Birgitt Schunk, Vlad Klok/Fotolia.com

25 700 Halter

Quelle: Statistisches Bundesamt,
Daten von November 2015

Die Agrarinvestitionsförderung in Thüringen ist Teil des Programms
„Investitionsförderung landwirtschaftlicher Unternehmen“ (ILU)
und mit guten 91 Millionen Euro, davon rund 70 Millionen Euro
aus dem ELER, ausgestattet. Sie lehnt sich bei Verwendungszweck,
Zuwendungsempfängern, Fördergegenstand, Art und Höhe der
Zuwendungen sowie den baulichen Vorgaben für eine besonders
tiergerechte Haltung eng an den GAK-Rahmenplan an. Zur Prosperitätsprüfung nutzt das Land das Verfahren, mit dem das
­Bundeslandwirtschaftsministerium das Betriebsranking feststellt.
Auch Kooperationen und Zusammenschlüsse sind förderfähig.

Betriebe in Thüringen können sich beraten lassen: Leistungen von
Architekten und Ingenieuren werden anteilig unterstützt. Das Verfahren führen die Landwirte allerdings selbständig: Die Förderung
oder gar Pflicht einer Betreuung, wie es sie in anderen Bundesländern gibt, hat das Land abgeschafft.

Trend: Sowohl die Zahl der Betriebe als
auch die der gehaltenen Schweine nimmt ab:
Mit rund 27,5 Millionen Schweinen war 2015
der niedrigste Stand seit 2011.

LandInForm 1/2016 

23

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Hier investiert Europa
Der Schlüssel zur Investitionsförderung innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik
liegt in der ländlichen Entwicklung. Dabei setzt die EU Prioritäten für den ELER und gibt
damit den Rahmen für eine integrierte Programmierung vor.  [VON CHRISTIANE KIRKETERP DE VIRON]
Eine der wichtigsten Zielsetzungen der EU-Kommission
unter der Präsidentschaft von Jean-Claude Juncker ist
es, Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen. Damit
ist untrennbar die Notwendigkeit von Investitionen verknüpft. Die Landwirtschaft und ihre vor- und nachge­
lagerten Industrien haben ein beträchtliches Wachstums­
potenzial auf den Exportmärkten, und die Funk­tionen
in der Umwelt- und Kreislaufwirtschaft bieten vielfältige
Möglichkeiten, um Arbeitsplätze zu schaffen. Um das
volle Wachstumspotenzial des Agrar- und Lebensmittelsektors zu mobilisieren, ist es erforderlich, intelligente
Investitionen zu stimulieren und so Modernisierung,
Digitalisierung, Technologie- und Infrastrukturentwicklung sowie Innovationen zu erreichen.
Die Mitgliedstaaten setzen einen wesentlichen Teil der
etwa 100 Milliarden Euro, die im Rahmen des Europä­
ischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des
Ländlichen Raums (ELER) zur Verfügung stehen, für Investitionsförderungen ein: für Investitionen in landwirtschaftliche Betriebe, aber auch für Verarbeitung und
Vermarktung, für Infrastrukturen, Kooperationsprojekte,
Forsttechnik sowie lokale Initiativen, etwa im Rahmen
von LEADER.

Für eine konkurrenzfähige Landwirtschaft

Ein Blick auf die Programme zur ländlichen Entwicklung
für den Zeitraum 2014 bis 2020 zeigt die Förderung der
Wettbewerbsfähigkeit als zweitgrößten der insgesamt
sechs Förderprioritäten, mit einem Umfang von 20 Prozent der ELER-Mittel. Ziel ist die „Verbesserung der Renta­
bilität und Wettbewerbsfähigkeit aller Arten von Landwirtschaft in allen Regionen, die Förderung innovativer
Landtechnik und die nachhaltige Bewirtschaftung
der Wälder“. In diesem Rahmen sollen 335 000 Bauern
von der Investitionsförderung und der damit einher­
gehenden Umstrukturierung und Modernisierung
profitieren (siehe Grafik). Dies entspricht 2,8 Prozent
der Landwirte in der EU; sieben Prozent, wenn die
Kleinstbetriebe nicht einbezogen werden. Zusätzlich
werden rund 176 000 junge Landwirte von der Start-­upFörderung sowie gezielten Investitionsförderungen
profitieren.

Für Umwelt und Klima

Ein relevanter Anteil der Investitionsförderung erfolgt
zudem im Rahmen der ELER-Priorität zur Klima- und
Ressourceneffizienz. Dies sind zum einen Investitionen
zur Wassereinsparung, beispielsweise bei der Bewässerung: In Regionen, die entsprechende Investitionsför­
derungen in ihre ländlichen Entwicklungsprogramme
aufgenommen haben, wird eine Reduktion des Wasserverbrauchs auf 15 Prozent der bewässerten Flächen

24  LandInForm 1/2016

erwartet. Zum anderen soll die ELER-Förderung etwa
5,5 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Inves­
titionen mobilisieren, mit denen die Energieeffizienz
erhöht und durch die verstärkt erneuerbare Energien
genutzt werden.
So verfolgt das dänische Programm für ländliche Entwicklung das Hauptziel „Grüne Transformation und
grüne Jobs“ und stellt 75 Prozent der Mittel für eine bessere Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und
die Förderung der klimafreundlichen Landwirtschaft
bereit. Mit mehr als 3 000 Investitionsprojekten soll die
Umweltverträglichkeit landwirtschaftlicher Betriebe
erhöht werden, etwa durch eine Verbesserung der Energieeffizienz, Emissionsreduktionen oder die Produktion
erneuerbarer Energie. Über 700 Anlagen werden auf
die Verringerung der Treibhausgasemissionen abzielen,
während 200 Arbeitsplätze durch die grüne Transfor­
mation geschaffen werden.

Innovationen bewirken

Ein neuer Bereich der ländlichen Entwicklungspolitik,
der auf große Resonanz stößt, ist die Europäische
In­novationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produk­
tivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri). EIP-Agri fördert
den Austausch zwischen Forschung und praktischer
Agrar- und Forstwirtschaft in „Operationellen Gruppen“.
Letztere entwickeln und testen praxisrelevante, inno­
vative Lösungen und tragen aktiv zum Erfahrungsaustausch im Rahmen des EIP-Agri-Netzwerks bei. Insgesamt 26 Mitgliedstaaten bieten die Förderung von
EIP-­Agri-Projekten an, in 95 der insgesamt 118 Programme
zur ländlichen Entwicklung. Im Zeitraum 2014 bis 2020
stehen für die insgesamt 3 000 projektierten Innovations­
projekte von EIP-Agri mehr als eine Milliarde Euro zur
Verfügung.

Für ländliche Räume

Ländliche Entwicklungspolitik fördert auch Investitionen
in die Basis-Infrastruktur und grundlegende Dienst­
leistungen in den ländlichen Gebieten. Dazu gehören auch
Hochgeschwindigkeits-Breitbandverbindungen, die für
die wirtschaftliche Entwicklung von landwirtschaftlichen
Betrieben und der ländlichen Wirtschaft unabdingbar
sind, aber insbesondere in entlegeneren ländlichen
Regionen nicht zur Verfügung stehen. 14 Mitglied­
staaten sehen im ELER von 2014 bis 2020 insgesamt
rund 910 Millionen Euro dafür vor.

Ergebnisorientierte Politik­gestaltung

Für den Zeitraum 2014 bis 2020 wurde der Rechtsrahmen
verbessert, um die Effizienz der getätigten Investitionen
zu steigern. So gibt die Investitionsförderung eine strikte

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

ELER-Investitionen in die Umstrukturierung oder Moderni­sierung
von landwirtschaft­lichen Betrieben
30%

20%

10 %

28 %

Belgien // 46 %

27 %

Luxemburg // 21 %

15 %

Tschechische Rep.// 13 %

10 %

Österreich // 13 %

5%
10 %

Finnland // 12 %
Frankreich // 11 %

8%

UK // 9 %

4%
13 %

Irland // 9 %
Dänemark // 8 %

17 %

Spanien // 6 %

13 %

Slowakei // 5 %

8%
28 %

Schweden // 5 %
Niederlande // 5 %

13 %

Deutschland // 4 %

30 %

Lettland // 4 %

27 %

Estland // 4 %

15 %

Slowenien // 3 %

32 %

Portugal // 3 %

28 %

Polen // 3 %

28 %

Litauen // 3 %

7%
16 %

Zypern // 2 %
Italien // 2 %

11 %

Ungarn // 1 %

9%

Bulgarien // 1 %

9%

Malta // 1 %

9%

Griechenland // 1 %

25 %

Zielorientierung vor, damit die Unterstützung für landwirtschaftliche Betriebe auch bei begrenzt verfügbaren
Ressourcen effizient zur Verfügung gestellt und mögliche Überschneidungen mit anderen Förderprogrammen
vermieden werden können. Gemäß der rechtlichen Vorgaben richtet sich die Ausrichtung der Förderung nach
dem jeweiligen Bedarf, der auf Grundlage einer StärkenSchwächen-Analyse zu ermitteln ist.
Die Ergebnisorientierung der ELER-Mittel verfolgt das
Ziel, die Hebelwirkung der Förderung für jeden ausgegebenen Euro zu verstärken. Dies ist eine klare politische
Priorität: Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker
hat wiederholt auf die Erfordernis eines „ergebnisorientierten Budgets“ hingewiesen.
Hinsichtlich der Investitionsförderung wurde verschiedent­
lich auf das Problem möglicher Mitnahmeeffekte verwiesen. Ein Bericht der schwedischen Landwirtschaftsbehörde, der sich auf den Zeitraum von 2007 bis 2011
bezieht, zeigt diesbezüglich eine differenziertes Bild:
In etwa einem Drittel aller Fälle (29 Prozent) war die Investitionsförderung von entscheidender Bedeutung für
die Umsetzung der Investitionen. In 45 Prozent der Fälle
hat die Investitionsförderung entweder den Weg für
größere Investitionen oder für eine frühzeitigere Realisierung der Investitionsvorhaben geebnet.

Finanzierung statt Subvention

Das Prinzip der ergebnisorientierten Umsetzung wird
insbesondere durch die Finanzinstrumente im Rahmen
des ELER (programmierbare Darlehens-, Garantie- und
Beteiligungsfonds) sowie des Europäischen Fonds für
Strategische Investitionen (EFSI) realisiert. Der Umfang
der Programmierung von Finanzinstrumenten im Rahmen
des ELER ist jedoch gegenwärtig noch recht moderat,
was die generell vorherrschende Präferenz für Subven­
tionen anstelle von rückzahlbaren Finanzierungen zeigt.
Jedoch wächst die Einsicht, dass es notwendig ist, Hebel­
wirkungen des öffentlichen Mitteleinsatzes zu erzielen.
Das wird in einem Anstieg des für Finanzinstrumente
vorgesehen Budgetanteils sichtbar: In den Jahren 2007
bis 2013 programmierten sieben Mitgliedstaaten Finanzinstrumente in insgesamt 16 Programmen mit einem
Budgetumfang von 263 Millionen Euro. In der Programm­
periode 2014 bis 2020 sind sie in sieben Pro­grammen
vollständig integriert, weitere 20 Programme enthalten
Hinweise auf eine angestrebte zukünftige Programmierung. Das bislang vorgesehene Mittelvolumen umfasst
429 Millionen Euro. Insgesamt 40 Programmregionen
befassen sich in der Ex-ante-Evaluierung mit dem Einsatz von Finanzinstrumenten. 

Kroatien // 1%

14 %
28 %
Prozentzahl der ELER-Mittel
pro Mitgliedstaat

Rumänien // 1 %
EU28 // 3 %
Mitgliedstaat // % der Be­
triebe werden unterstützt

KONTAKT:
Christiane Kirketerp de Viron
Europäische Kommission,
Generaldirektion Agri
Telefon: + 32 2 2997776
christiane.kirketerp@ec.europa.eu
www.ec.europa.eu/agriculture/
rural-development-2014-2020

Quelle: EU-Kommission, GD Agri

LandInForm 1/2016 

25

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Wie fördern
die Nachbarn?
Allen EU-Mitgliedsländern steht im Rahmen
des ELER die Möglichkeit offen, die Maßnahme
„Investitionen in materielle Vermögenswerte“
zu programmieren. Dabei spielt die Agrarstruktur
eine wichtige Rolle.  
[VON ANDREA BIRRENBACH, ISABELLA MAHLER UND ANJA RATH]

Dänemark:
Miljøteknologi = Umwelttechnologie
Das dänische „Landdistriktprogramm 2014 bis 2020“
strebt ambitioniert eine grüne Transformation an.
In der Agrarinvestitionsförderung selbst geht es aber
insbesondere darum, beim Wettbewerb die Nase vorn
zu behalten.

Wenig Brotgetreide, viele Tiere

Die Landwirtschaft in Europa ist vielfältig:
Einige Länder haben bereits einen drastischen
Struktur­wandel hinter sich und andere
befinden sich gerade inmitten dieses Prozesses.
Einige haben ideale Böden für den Ackerbau,
andere kaum Flächen für Brotgetreide.
LandInForm hat mit Unterstützung des
Bundeslandwirtschafts­ministeriums (BMEL)
bei den Verantwortlichen in unseren Nach­­­bar­
ländern nachgefragt: Wie funktioniert dort
die Agrarinvestitions­förderung?
Werfen wir einen Blick nach Dänemark,
Polen, in die Niederlande, nach Österreich und
Frankreich.

In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Zahl land­
wirtschaftlicher Betriebe in Dänemark halbiert,
die durchschnittliche Betriebsgröße fast verdoppelt.
Das European Network for Rural Development (ENRD)
führt für 2010 etwa 42 100 Betriebe mit durchschnittlich
63 Hektar an. Laut des dänischen Branchenverbands
Landbrug & Fødevarer (Landwirtschaft und Lebens­
mittel) gab es 2014 rund 30 000 Betriebe, die durchschnittlich etwa 70 Hektar bewirtschafteten. Rund
60 Prozent der dänischen Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt: Einer Marktstudie des BMEL
zufolge dient ungefähr 80 Prozent des angebauten
Getreides als Tierfutter. Die Landwirte selbst haben
sich vielfach spezialisiert und produzieren export­
orientiert: So gingen 2013 etwa 90 Prozent des Schweinefleischs – rund 1,5 Millionen Tonnen – ins Ausland
und der durchschnittliche Schweineproduzent hielt
über 3 000 Tiere. Dagegen kann der inländische Bedarf
an Eiern nicht gedeckt werden. Dänische Konsumenten
legen Wert auf Qualität sowie Regionalität und auch
das ökologische Bewusstsein ist gestiegen: Der Anteil
des dänischen Biomarkts liegt weltweit an der Spitze.

Vorne bleiben

Während Dänemark beim Tierwohl auf den Markt vertraut, setzt es beim Umweltschutz hohe Standards. Laut
Landbrug & Fødevarer ist es gelungen, die Stickstoffund Ammoniak-Einträge von 1990 bis 2013 um je 43 Prozent, die der Treibhausgase um 23 Prozent zu reduzieren. Dabei konnten die Betriebe ihre Produktion um
15 Prozent steigern. Gleichzeitig stehen sie heute vor
wirtschaftlichen Problemen: Viele Betriebe sind verschuldet und die Investitionen seit 2009 allgemein
kleiner geworden, gleichzeitig sind die Kosten für Instandhaltung und Ersatz höher als die Neuinvestitionen.
Dänemark will mit dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)

26  LandInForm 1/2016

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

eine nachhaltige, innovative und wettbewerbsfähige
Landwirtschaft fördern. Die Agrarinvestitionsförderung
selbst läuft unter dem Programm „Miljøteknologi“, was
übersetzt Umwelttechnologie bedeutet. „Die Leistungen
unter Artikel 17, Absatz 1, Punkt a) umfassen die Investitionsförderung für Stallmodernisierung, Umwelttechnologie und ökologische Investitionsförderung. Das Ziel
der Leistungen ist es, einen angegriffenen Erwerbszweig
zu unterstützen, indem Modernisierungen und Investi­
tionen gefördert werden, die das Tierwohl verbessern
und die Belastung des Klimas, der Umwelt und der
Natur mindern“, sagt Ivan Volf Veestergaard vom dänischen Amt für Landwirtschaft und Fischerei des Ministeriums für Umwelt und Ernährung. „Das Programm ist
sehr populär und in den meisten Antragsrunden gibt
es mehr Anträge als bewilligt werden können.“ Eine
Reihe von Maßnahmen dienen insbesondere dazu, die
Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

und eine maximale Fördersumme festgelegt: So muss
die Investition in einen Rinderstall mindestens 300 000
Dänische Kronen, in etwa 40 000 Euro, betragen und
wird mit maximal fünf Millionen Dänischen Kronen,
das sind rund 670 000 Euro, gefördert. Die Zuschüsse in
Höhe von 20 bis 40 Prozent der Kosten erhält nur, wer
ein gewisses Eigenkapital vorweisen kann und mindestens 830 Arbeitsstunden pro Jahr in den Betrieb investiert – das entspricht in etwa der Arbeitszeit eines
Landwirts im Nebenerwerb. Anträge mit behördlicher
Genehmigung, wie Baugenehmigungen, haben Vorrang.
Ivan Volf Vestergaard
Office for Agriculture and Fisheries
Ministry of Environment and Food Denmark
ivanve@naturerhverv.dk
www.naturerhverv.dk/tilskudsguide

„Das Ziel der Agrarinvestitionsförderung ist
es, einen angegriffenen Erwerbszweig zu
unterstützen, indem
Modernisierungen und
Investitionen gefördert
werden, die das Tierwohl verbessern und
die Belastung des Klimas, der Umwelt und
der Natur mindern.“
Ivan Volf Veestergard,
Ministerium für
­Umwelt und Ernährung
­Dänemark

Fotos: Ludger Bütfering, Silvano Audisio/123rf.com

Umwelt-, tier- und klimafreundlich

Das gilt beispielsweise für die Förderung von Rinderställen: Wer modernisiert, kann Gelder für einen Basis­
stall sowie für darüber hinausgehendes Inventar,
bei­spielsweise eine automatische Bodenreinigung,
beantragen. Wer neu baut oder erweitert, kann außerdem Beihilfen für Anschaffungen für die Milchproduktion
erhalten sowie für Installationen für das Tierwohl und
den Umweltschutz erhalten. Unterstützt wird auch die
tier­freundliche Laufhaltung in Abferkelställen.
­Dänemark fördert zudem konkrete Umwelttechnologien,
mit denen der Energie-, Pestizid- und Düngerverbrauch
gesenkt und Emissionen von Ammoniak und klima schäd­
lichen Gasen weiter reduziert werden sollen. Darin werden
Gartenbaubetriebe unterstützt. In das Programm sind
Branchen­­verbände und Berater eingebunden sowie Forschungsinstitute, beispielsweise bei der Berechnung
von Einsparungen durch Umwelttechnologien.

Mit seinem „Programm zur Entwicklung Ländlicher
Gebiete für die Jahre 2014 bis 2020“ versucht Polen laut
dem Länderbericht des BMEL 2015 den dringend erforde­r­
lichen Strukturwandel voranzutreiben. Das Land setzt
konsequent auf die Modernisierung mittelgroßer Betriebe
und stellt für landwirtschaftliche Investitionen rund
2,5 Milliarden Euro zur Verfügung.

Programm in Bewegung

Auf den ersten Blick idyllisch …

In den Jahren 2014 und 2015 hat das Königreich etwa
77 Millionen Euro für die Miljøteknologi bereitgestellt.
Für die gesamte Programmperiode stehen 318 Millionen
Euro zur Verfügung. Ab 2016 soll es mehrere Förderprogramme geben, die durch flexibel einsetzbare Mittel
zu 100 Prozent EU-finanziert werden und es ist geplant,
Pauschalbeträge für Modernisierungsprogramme und
für Teilprogramme der Miljøteknologi einzuführen.
Für Investitionsvorhaben wird ein minimales Volumen

Polen:
mittelgroß, modern und
­wettbewerbsfähig

Laut Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen
Union, werden in Polen etwa 14,4 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt, in Deutschland sind es knapp
17 Millionen. In der Bundesrepublik wirtschaften rund
285 000 Betriebe, im Nachbarland sind es etwa 1,4 Millionen. Laut BMEL-Länderbericht sind die Hälfte davon
kleine Höfe mit weniger als fünf Hektar. Die durchschnitt­
liche Betriebsgröße beträgt rund 10,5 Hektar; nur etwa
zwei Prozent nutzen mehr als 50 Hektar. Die Mehrheit
LandInForm 1/2016 

27

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Die Zeit der Ochsengespanne ist vorbei,
aber nur wenige polnische Betriebe sind
bereits marktfähig.

… auf dem zweiten im Umbruch

Aufgrund der geringen Rentabilität rechnen Experten
damit, dass in den nächsten Jahren hunderttausende
Kleinbetriebe aufgeben. Derzeit sind etwa zwölf Prozent
aller Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig. Die polnische Regierung will deshalb möglichst viele Arbeitsplätze erhalten und mittelfristig mehr Betriebe mittlerer
Größe schaffen.
Die Agrarinvestitionsförderung soll Betriebe bei ihrer
Restrukturierung und Modernisierung unterstützen
und dazu beitragen, deren Wirtschaftsresultate zu ver­
bessern. Ein weiteres Ziel ist es, die internationale
­Wettbewerbsfähigkeit zu fördern, denn die polnische
Landwirtschaft produziert zunehmend für den interna­
tionalen Markt: Sie soll sich dort leichter zurechtfinden
können und ihre Produktion differenzieren.

Modernisieren

So unterstützt Polen die „Modernisierung landwirtschaft­
licher Betriebe“ in der Förderperiode 2014 bis 2020 mit
rund 2,4 Milliarden Euro – erhalten können diese Zuschüsse Betriebe mit einer maximalen Größe von 300 Hektar
und einem Wirtschaftsvolumen zwischen 10 000 und
200 000 Euro. Konkret werden sowohl der Bau und die
Modernisierung von Stallgebäuden als auch die Anschaffung von Maschinen und Geräten sowie die Installation
von technischer Infrastruktur unterstützt. Auch die Anlage von Gärten und Obstplantagen wird gefördert. Die
Investitionen müssen dazu dienen, die Produktion zu
rationalisieren, das Betriebsprofil zu ändern oder Innovationen einzuführen. Förderfähig sind sie auch dann,
wenn sie zur Steigerung von Produkt­vielfalt, -wert oder
-qualität beitragen. Wer seine Pro­duk­tion von Ferkeln,
Fleischrind oder Kuhmilch weiter­entwickelt, kann ebenfalls gefördert werden. Das Vorhaben muss ein Mindest­­
volumen von 50 000 Złoty, umgerechnet etwa 11 500 Euro,
haben und wird je nach Investition mit maximal etwa
46 000 bis 210 000 Euro bezuschusst.

28  LandInForm 1/2016

An Umweltstandards anpassen

Die Agrarinvestitionsförderung nimmt
auch Umweltaspekte in den Blick:
So sollen das Wassermanagement verbessert sowie Einträge aus Düngung
und von Pestiziden verringert werden.
Förderanträge für Investitionen, die
dem Umwelt- oder Klimaschutz dienen
oder in Qualitätssysteme wie den Ökolandbau integriert sind, werden bei der
Auswahl bevorzugt: Dies bezieht sich
beispielsweise auf die Nutzungseffektivität von Wasser oder Energie, die Nutzung
von erneuerbaren Energien oder die
Verringerung von Ammoniak- und Treib­
hausgas-Emissionen. Eine besondere
Unterstützung erhalten Betriebe, die die
Schutzauflagen in NATURA-2 000-Gebieten
erfüllen oder – das ist neu im Entwicklungsprogramm –, die sich den Anfor­
derungen der für Nitratauswaschung
anfälligen Regionen (OSN-Gebiete)
­anpassen müssen (s. Tabelle).
Diese wurden 2012 erstmals eingeführt.

Polnische Agrarinvestitions­
förderung im ELER

Insgesamt [Euro]
Programm zur
Entwicklung Ländlicher
Gebiete 2014 bis 2020	13,5 Mrd.
Agrarinvestitionsförderung	 2,5 Mrd.
davon Modernisierung 	 2,4 Mrd.
davon für Betriebe
in NATURA-2000-Gebieten	61,5 Mio.
davon für Betriebe
in OSN-Gebieten	
37,5 Mio.
Fördersätze:	
Regulär 50 Prozent, für Junglandwirte
und bei Sammelinvestitionen
60 Prozent	
Quelle: Polnisches Ministerium für Landwirtschaft und ländliche
Entwicklung

Staatlich und regional

Eine zentrale Ansprechpartnerin ist die Staatliche Agentur für Restrukturierung und Modernisierung in der
Landwirtschaft. Sie fungiert sowohl als Bewilligungsals auch als Zahlstelle. Die Investitionsförderung für die
Ferkel-, Rindfleisch- und Kuhmilchproduktion setzt das
Land um. Daneben gibt es regionale Verfahren: Die
16 polnischen Wojewodschaften verfügen über ein eigenes Budget. Betriebsleiter können eine Beratung in
Anspruch nehmen, die beispielsweise durch landwirtschaftliche Beratungszentren und Kammern angeboten
werden.
Katarzyna Laskowska
Rural Development Department
Ministry of Agriculture and Rural Development Poland
k.laskowska@minrol.gov.pl
www.minrol.gov.pl
Foto: Tramper/123rf.com

produziert vor allem für den Eigenbedarf. Etwa 700 000
Betriebe beliefern in größerem Umfang den Markt, darunter auch moderne Großbetriebe: Seit 2003 ist Polen
Nettoexporteur. Innerhalb der EU hat das Land den
siebtgrößten Anteil am Gesamtwert der Agrarproduktion
und ist führend bei der Produktion von Äpfeln, Beeren
und Champignons; den höchsten Produktionswert erzielt
es mit Fleisch.

Bei LEADER tut sich was
Ein Großteil des Bundesgebiets ist mit ihnen übersät: In 321 LEADER-Regionen
­engagieren sich die Menschen in der aktuellen Förderperiode.
Eine LAG besteht aus Akteuren der Verwaltung und
mindestens zur Hälfte aus Wirtschafts- und
Sozialpartnern. Gemeinsam definieren sie die Region
als LEADER-Handlungsfeld und erarbeiten dafür eine
„Regionale Entwicklungsstrategie“. Die LEADER-Regionen
werden durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) ge­
fördert: Dabei werden die Kosten für die Organisation
und Koordination des Prozesses unterstützt – beispielsweise in Form eines Regionalmanagements – sowie
konkrete Projekte gefördert. Sie müssen dazu beitragen,
die Ziele der Regionalen Entwicklungsstrategie umzusetzen. Außerdem legen die Bundesländer Kriterien fest,
die LEADER-Projekte vor Ort erfüllen müssen, um eine
Förderung zu erhalten. Wie jede Förderung durch den
ELER werden die Zuschüsse in LEADER – je nach Bundes­
land – aus unterschiedlichen Quellen kofinanziert.

Um einen Überblick zu bieten, welche Gebiete LEADER
umsetzen, hat die DVS eine Karte mit allen LEADER-­
Regionen erstellt. Wir bieten sie zum Download auf
­unserer Website www.netzwerk-laendlicher-raum.de/
leaderkarte an, außerdem kann sie als Poster im Format
DIN A0 kostenlos bei uns ­bestellt werden. Auf der
folgenden Doppelseite finden Sie die neue LEADERKarte zum Heraustrennen.

Was ist LEADER eigentlich?

LEADER ist eine Abkürzung des französischen Ausdrucks
„Liaison entre actions de développement de l'économie
rurale“. Übersetzt bedeutet das „Verbindung zwischen
Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“ –
gemeint ist ein methodischer Ansatz der Regionalentwicklung, der es Menschen vor Ort ermöglicht, regionale
Prozesse mitzugestalten. Die Idee dahinter: Wenn sich
die Bewohner einer Region selbst über­legen, was sie
brauchen und es in Eigeninitiative umsetzen, werden
sinnvolle, maßgeschneiderte Projekte realisiert.
Vor Ort wird LEADER von den sogenannten Lokalen
­Ak­tions­gruppen (LAGs) umgesetzt.

Informationen zu LEADER und zum ELER finden Sie auf
unserer Website www.netzwerk-laendlicher-raum.de.

Uthlande

Leader-Regionen
in Deutschland
2007 bis 2013

in Deutschland

Nordfriesland
Nord

Mitte
des Nordens
EiderTreeneSorge

Uthlande

Ostseeküste

WagrienFehmarn

Kiel

Nordvorpommern

SchwentineHolsteinische
Schweiz

Mittelholstein

Rostock
Region Ostsee-DBR

Schleswig-Holstein

Alsterland

Mecklenburger
Schaalseeregion Biosphärenreservatsregion

Herzogtum
Lauenberg
Nord

Pinneberger
Marsch & Geest

Bremen

Ostprignitz-Ruppin

Schaumburger
Land

Tecklenburger
Land

Hannover

VoglerRegion
im Weserbergland

Hochsauerland
4 mitten im
Sauerland

Burgwald
Ederbergland

Köln
Lahn-DillBergland

Werra-Meißner

Schwalmaue

Wartburgregion

Rhön

Rhön-Grabfeld

Mosel

Sankt
Wendeler
Land

Mainz

Gemeinden, die teilweise
einer LEADER+ Region angehören

Saarland

Gemeinden, die ganz oder teilweise
zwei LEADER+ Regionen angehören

Saarbrücken Bliesgau

DarmstadtDieburg

Rheinhessen
Zellertal
Pfälzer
Bergland

Region
Obermain
Schweinfurter
Land

Wein,
Wald,
Wasser

Main4Eck
Miltenberg

Würzburg
Odenwald

Donnersberger
und Lautrer Land

Neckar-OdenwaldTauber

Gesundheitsregion
Hersbrucker
Land

Nürnberg

Biosphärenreservat

AmbergSulzbacher
Land

Stuttgart
Nordschwarzwald

Brenzregion

Baden-Württemberg

Altbayerisches
Donaumoos
WittelsRegionalentwicklung bacher
Augsburg Land West Land
(REAL West)

Augsburg
SüdWestAlb

Kartographische Grundlage:
ATKIS® VG250,
© Bundesamt für Kartographie
und Geodäsie 2003

Kartenerstellung

Kneippland
Unterallgäu

DonauVilsWolfach

FreyungGrafenau

Passau-Nord

Mittlere
Isarregion
Mühldorfer
Netz

Begegnungsland
Lech - Wertach

Oberschwaben

Xper
Regio

Bayern
Dachau
AGIL

Regen

Deggendorf

Kelheim

Donauvital

Mittlerer Schwarzwald

Quellen

25

50

75

100 km

Südschwarzwald

Regionalentwicklung
Westallgäu Bayerischer
Bodensee

München
Ammersee

Auerbergland
Pfaffenwinkel

MangfalltalInntal
Bad Tölz
Wolfratshausen

Herz

Alsterland

Herzogtum
Lauenburg
Nord

Vorpommersche
Küste

Sieker
Land
SachsenSachsenwaldElbe

Westmecklenburgische
Ostseeküste
Mecklenburger
Schaalseeregion

Kulturraum
Oberes
Örtzetal

Schwerin

!

Uckermark

Grünes
Band
im
Landkreis
Helmstedt

Westliches Östliches
WeserNord- bergland Weserbergland
lippe
3L in Lippe

Flechtinger
Höhenzug

ElbHavelWinkel

!

Potsdam

Zwischen
Elbe
und
Fiener Bruch

ColbitzLetzlinger
Heide

Barnim

Havelland

UchteTangerElbe

Rund um
den Drömling

Peiner
Land

Obere
Havel

Ostprignitz-Ruppin

Mittlere Altmark

Sachsen-Anhalt

AllerFuhseAue

Berlin

!

NordrheinWestfalen

Sachsen

Thüringen

Rheinland-Pfalz

Baden-Württemberg

Kneippland®
Unterallgäu

Deutsche Vernetzungsstelle LEADER+
Kuhl-Design 2004, www.kuhl-design.de

Leader wird gefördert mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung der ländlichen Räume in Deutschland

Südschwarzwald

Württembergisches
Allgäu

bergaufland
Ostallgäu

RegionalRegionalentwicklung entwicklung
Oberallgäu
WestallgäuBayerischer
Bodensee

Bayern

LechWertach

Mittleres
Oberschwaben

Berchtesgadener
Land

Märkische
Seen
Oderland

Brandenburg

Fläming-Havel

Rund um den
!
Fläming-Skate
Magdeburg
ElbeBördeBörde
Mittlere Elbe Spreewald PLUS
Saale
land
Fläming
Rund um den Huy
BördeBodeWittenberger Land
VoglerRegion
Auen
Bocholter Aa
Westharz
Harz
Aschersleben
Dübener
Spree-Neiße-Land
Seeland
LippeUnteres Anhalt
Heide
Nordharz
Kulturland
Harzweserland
Niederrhein: IsselOsterode
Lippe-Möhnesee
Saaletal
Elbe-Elster
Energieregion
Kreis Höxter
natürlich Niederrhein
am Harz
und
Dübener
Südliches
im Lausitzer
lebendig!
Petersberg
Börde
Heide
Paderborner
Seenland Lausitzer Seenland
Delitzscher
trifft
Sächsisches
Land
Leistende
Mansfeld-Südharz
Land
Ruhr
Zweistromland5verBund
Südharz
Landschaft
Göttinger Land
Ostelbien Elbe-RöderLEADER
KulturLandschaft
Oberlausitzer Östliche
Hochsauerland
Dreieck
Dresdner
Leipziger
sein!
HessenSpitze
Heide- und
Oberlausitz
Eichsfeld
DiemelseeHeidebogen
Muldenland
Bürgerregion
Kyffhäuser
Teichlandschaft
Naturpark
4
Nordwaldeck
MontanLommatzscher
am Sorpesee
Saale-UnstrutWest- Bautzener
mitten
Casseler
Südraum
region
Pflege
Lenne
!
Triasland
lausitz Oberland Zentrale
Oben
im
SachsenBergland
Sachsen- Leipzig
Unstrut-Hainich
Oberlausitz
Schiene
Werra-Meißner
Dresden
Düsseldorf
an der
Sauerland
Kreuz+
Anhalt
Sömmerda-Erfurt
KellerwaldMittleres
Bergisches
!
Kottmar
Land des
Volme
Klosterbezirk
Süd
Edersee
Fuldatal
Wasserland
BiggeLand Roten
Altzella
Sächsische
Weimarer Land Naturpark
Wittgen- BurgwaldEcht.
Schweiz
Altenburger Porphyr
Erfurt Mittelthüringen
Rheinisches
Zittauer Gebirge
Oberberg Zukunft
stein
HersfeldEderbergland
Land
!
Revier
Silbernes
Saale SchwalmRotenburg
WartburgGotha-IlmSchönburger
an Inde
Erzgebirge
Holzland
Aue
region
Kreis-Erfurt
Knüll
Land
und Rur
Greizer
Westerwald- 3Zwickauer
Land
Sieg
Zülpicher
Länder- Lahn-DillMarburger
ZwönitztalBergland
Börde
Eck
Land
Greifensteinregion
SaalfeldHenneberger
Land
Annaberger
Rudolstadt
SaaleVogelsberg
Westerwald
Land
Land
RaiffeisenErzgebirgsregion
Orla
WestRheinRhön
Gießener
Eifel
Region
Lahn-DillFlöha- und Zschopautal
erzgebirge
Wied
Land
Wetzlar
HildburghausenFulda
LimburgSonneberg
Südwest
Vogtland
Tor zum Erzgebirge Weilburg
Landkreis
Rhein-Eifel
Wetterau/
Vision 2020
Rhön-Grabfeld
Kronach im
LahnFalkensteinOberhessen
Coburg Stadt
SPESSART
Frankenwald
Taunus
Sagenhaftes Vogtland!
und Land
Landkreis Hof
regional
aktiv
Welterbe
Bad Kissingen
Taunus
Gemeinden, die vollständig
Vulkaneifel
Oberes
Region
einer Leader-Region angehören
Mittelrheintal
FichtelgebirgeObermain Kulmbacher
Haßberge
Land
Bitburg-Prüm
Innovativ
! Wiesbaden
Spessart
Rheingau
Region
Hunsrück
Schweinfurter
!
Gemeinden, die teilweise
InitiAKTIVKreis
Mosel
Bamberg
Wein, Wald,
Mainz
Land
einer Leader-Region angehören
Tirschenreuth
Wasser
Bayreuther
DarmstadtMain4Eck
Land
Dieburg
Gemeinden, die ganz oder
Miltenberg
Z.I.E.L.
SoonwaldForum Neustadt Plus
teilweise zwei Leader-Regionen
Rheinhessen
Kulturerlebnis
Kitzingen
Nahe
angehören
Fränkische
Erbeskopf
Südlicher
MoselSchweiz
Odenwald
Steigerwald
franken
Donnersberger
und
Badisch-Franken
AischSt.
RheinAmbergLautrer Land
Nürnberger
grund
Wendeler
Haardt
Merzig-Wadern
Sulzbach
RegionalLand
Land
Landkreis
Westrichentwicklung
Fürth
NeckartalGlantal
im
HohenloheRegion
Odenwald
Landkreis
Tauber
an der
aktiv
Pfälzerwald
Schwandorf
Cham
WarndtBiosphärenRomantischen
REGINA-Neumarkt
plus
ErLebenswelt
Saargau
reservat
Straße
Saar- Bliesgau
Roth
brücken
Kraichgau
Region
Regionalentwicklung im
ARBERLAND
Südpfalz
Hesselberg Altmühlfranken
Landkreis
Regensburg
AltmühlJura
Jagstregion
Landkreis
Schwäbischer
Landkreis
Monheimer AltmühlFreyung-Grafenau
Wald
RegionalentwicklungsKehlheim
Landkreis
Donau
Alb verein Straubing-Bogen
Deggendorf
AltmühlJura
!
Regionalinitiative
Mittelbaden/
Landkreis
Landkreis
DingolfingStuttgart
Passauer Land
SchwarzwaldAltbayerisches PfaffenLandshut
Landau
hochstraße
Donaumoos hofen
Schwäbisches
an der
NordDonautal
Ortenau
Brenzregion
Ilm
schwarzwald Heckengäu
Landkreis
Wittelsbacher
Rottal-Inn
Land
Mittlere
ReAL
Dachau
RegionalIsarregion
Oberer
West
Mittlere Alb
AGIL
entwicklung
Neckar
Mittlerer
Landkreis
Mühldorfer
Schwarzwald
BegegnungsNeu-Ulm
Netz
land
Oberschwaben

Chiemgauer
Alpen

Stettiner Haff

MecklenburgStrelitz

Storchenland-Prignitz

Elbtalaue

Isenhagener
Land

Hannover

Demminer Land

Mecklenburgische
Seenplatte

Heideregion
Uelzen

Aller-Leine-Tal

Schaumburger
Land

Güstrower Landkreis

SüdWestMecklenburg

Naturparkregion
Lüneburger Heide

Hohe Heide

Niedersachsen

Flusslandschaft
Peenetal

Mecklenburg-Vorpommern
!
Warnow-Elde-Land

AchternElbeDiek

Meer und
Moor

Chiemgauer
Seenplatte

Ostallgäu
Regionalentwicklung
Oberallgäu

Holsteiner
Auenland

Hamburgwald

Südliches
Emsland

Freiburg

0

Nordvorpommern

Ostsee-DBR

Saarland

Cham

StraubingBogen

Altmühl-Jura
MonheimerAlbAltmühlJura

Abgrenzungen der LEADER+ Regionen:
LEADER+ Aktionsgruppen
Verwaltungsbehörden der Bundesländer

Netzwerkregion
Oberpfälzer
Seenland

Regensburger
Vorwald und Jura

AltmühlWörnitz

Limesregion

Gemeinden, die ganz oder
teilweise zwei Leader-Regionen
angehören
Brückenland
Bayern-Böhmen

REGINA
Neumarkt

ErLebenswelt
Roth

Pfälzerwald

Gemeinden, die teilweise
einer Leader-Region angehören

InitiAktivkreis
Tirschenreuth

Kooperationsraum
Vierstädtedreieck

Kulturerlebnis
Fränkische
Schweiz

Aischgrund

Mannheim

Die Darstellung basiert auf Gemeindegrenzen;
Gebietsstand: 1. Januar 2002

Gemeinden, die vollständig
einer Leader-Region angehören

Sechsämterland
Innovativ

Wohlfühlregion
Fichtelgebirge

Region
Bamberg

Südlicher
Steigerwald

Innere
Lübecker
Holsteins Bucht

Hessen

Anaberger
Land
Vogtland

Landkreis Hof

Kulmbacher
Land

Haßberge

Z.I.E.L.
Kitzingen

Dresden

Sachsen

Augustusburger
Land

Bad Kissingen

Frankfurt am Main

Rheingau

Hunsrück

Klosterbezirk
Altzella

Zentrale
Oberlausitz

Chemnitz

Saale-Orla

Landkreis Kronach
im Frankenwald

Rodachtal im
Coburger Land

Westlausitz

Greizer
Land

HildburghausenSonneberg

Fulda
Südwest

SPESSART
regional

Erbeskopf

Altenburger
Land

Saale-Holzland

SaalfeldRudolstadt

Henneberger
Land

Vogelsberg

Oberhessen

Hessen
Welterbe Oberes
Mittelrheintal

Rheinland-Pfalz

Land des
Roten Porphyr

Weimarer Land Mittelthüringen

Gotha-Ilm-Kreis-Erfurt

Spree-Neiße-Land

Oberlausitzer
Heide-und
Teichlandschaft

Lommatzscher
Pflege

Zeitz-WeißenfelserBraunkohlerevier

Thüringen

Gießener
Land

Lahn-DillWetzlar

Naturpark
Saale-UnstrutTriasland

Energieregion im
Lausitzer
Seenland

Elbe-RöderDreieck

Leipziger

Leipzig Muldenland

SömmerdaErfurt

Unstrut-Hainich

Marburger
Land

Westerwald
Eifel

Elbe-Elster
Delitzscher
Land

Kyffhäuser

Erfurt

HersfeldRotenburg
Knüll

Dübener Heide

Unteres Saaletal
und Petersberg

Kassel

Selfkant

Spreewald PLUS

Halle

Eichsfeld

Naturpark
Diemelsee

Rund um den
Fläming-Skate

Anhalt

WagrienFehmarn

Schwentine Holsteinische Schweiz

KehdingenOste
Pinneberger
Marsch & Geest

VogelparkRegion

Vechta

KulturSteinfurter
landschaft
Land
AhausHeekLegden
Baumberge

Wittenberger
Land

Aschersleben
Seeland

Südharz

Steinburg
Hadler
Region

Wildeshauser
Geest

Hasetal

Tecklenburger
Land

Mittlere Elbe/Fläming
Elbe-Saale

Mansfeld-Südharz

Göttinger Land

KellerwaldEdersee

Warndt

Bördeland

Nordharz

KulturLandschaft
HessenSpitze

Potsdam
Fläming-Havel

Börde-Bode-Auen
Harz

Südliches
Paderborner Land

Nordrhein-Westfalen

Moselfranken

Börde

Grafschaft
Bentheim

Oderland

Magdeburg

Lippe-Issel-Niederrhein

Dortmund

Berlin

Sachsen-Anhalt

Rund
um den Huy

Leinebergland

Baumberge
Bocholter Aa

ColbitzLetzlinger
Heide

Flechtinger
Höhenzug

Braunschweig

Westliches
Weserbergland Östliches
WeserNordbergland
lippe

Steinfurter
Land
Kulturlandschaft
Ahaus, Heek, Legden

Ostseeküste

Kiel

Schleswig-Holstein

Dithmarschen

Wesermünde
Nord

Hümmling

Moor
ohne
Grenzen

Märkische
Seen

Zwischen
Elbe und
Fiener Bruch

Rügen

!

Eider- und
Kanalregion
Rendsburg
Mittelholstein

Wesermünde
Südliches
Süd
WeserFriesland
marsch
in
KulturlandParklandBewegung
schaften
schaft
Osterholz
Ammerland
Bremen

Soesteniederung

Barnim

Havelland
UchteTangerElbe

Schlei-Ostsee
Hügelland am
Ostseestrand

Südliches
Nordfriesland

!

Obere
Havel

Brandenburg
Im Gebiet
zwischen
Elbe und Havel

Mittlere Altmark

Niedersachsen

Südliches
Emsland

Östlich Fehnder gebiet
Ems

Storchenland
Prignitz

Heideregion
Uelzen

LachteLutter- Isenhagener
Lüß
Land

Aller-Leine-Tal

Nordseemarschen

WattenmeerAchter

Mecklenburg-Strelitz

Uckermark

Rund um den
Drömling

Bitburg-Prüm

Mecklenburgische
Seenplatte – Müritz

Warnow-Elde-Land

VogelparkRegion

Hasetal

Regionen

Stettiner Haff

Schwerin

Elbtalaue

Hohe Heide

Wildeshauser
Geest

Hümmling

Gemeinden, die vollständig
einer LEADER+ Region angehören

Demminer Land

Güstrower Landkreis

Mecklenburg-Vorpommern

SüdWestMecklenburg

GesundRegion
Wümme-Wieste-Niederung

W.E.R.O.
Deutschland

Vulkaneifel

Ostvorpommern

Kulturlandschaften
Osterholz

Moor ohne
Grenzen

Region
Grafschaft
Bentheim

Westmecklenburgische
Ostseeküste

Lübeck

KehdingenOste

StadtLand- Hamburg
Altes Land
Fluss
und Horneburg Hamburg
Sachsenwald-Elbe
Moorexpress Stader Geest
Achtern-ElbeDieck

Wesermünde
Süd

Wesermarsch
in Bewegung
Fehngebiet

Innere
Lübecker
Bucht
Holsteins
Herz

Holsteiner
Auenland

Steinburg

Nordseemarschen

EiderTreeneSorge

LEADER-Regionen
in Deutschland
2014-2020

Rügen

Hügelland am
Ostseestrand
Eider- und
Kanalregion
Rendsburg

Dithmarschen

Hadler
Region
Wesermünde
Nord

Nordfriesland
Nord
Mitte des Nordens

Schlei-Ostsee

Südliches
Nordfriesland

!

TraunAlzSalzach

München
Ammersee

Chiemgauer
Seenplatte

AuerberglandPfaffenwinkel

Regio
Zugspitzregion

Bad TölzWolfratshausen

MangfalltalKreisInntal
entwicklung
Miesbacher
Land

Chiemgauer
Alpen

© GeoBasis-DE / BKG 2014 / Kartenerstellung: Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) / Yellowfarm, agentur für grafik und design gmbh

Es werden mehr: Aktuell gibt es 321 LEADER-Regionen, in der ver­gangenen Förderperiode
2007 bis 2013 waren bundesweit 244 LEADER-Regionen aktiv. Zu Zeiten von LEADER+
(vom Jahr 2000 bis 2006) engagierten sich Aktive in 148 Regionen.

LandInForm 1/2016 

29

Berchtesgadener
Land

30  LandInForm 1/2016

Bocholter Aa

Rheinisches
Revier

Leistende
Landschaft

Düsseldorf

!

Niederrhein: Isselnatürlich Niederrhein
lebendig!

Lippe-

Tecklenburger
Land

Südliches
Emsland

Hasetal

Hümmling

Bremen

Kulturlandschaften
Osterholz

!

Ostseeküste

!
Hannover

Peiner
Land

AllerFuhseAue

Warnow-Elde-Land

Flechtinger
Höhenzug

Rund um
den Drömling

Demminer Land

ElbHavelWinkel

Berlin

!

Barnim

Oderland

Märkische
Seen

Uckermark

Stettiner Haff

Brandenburg

!

Potsdam

Obere
Havel

MecklenburgStrelitz

Sachsen

Fläming-Havel

Havelland

Ostprignitz-Ruppin

Mecklenburgische
Seenplatte

Zwischen
Elbe
und
Fiener Bruch

UchteTangerElbe
ColbitzLetzlinger
Heide

Mittlere Altmark

Storchenland-Prignitz

Sachsen-Anhalt

Grünes
Band
im
Landkreis
Helmstedt

Isenhagener
Land

Elbtalaue

Güstrower Landkreis

Flusslandschaft
Peenetal

Vorpommersche
Küste

Mecklenburg-Vorpommern

Schwerin

!

SüdWestMecklenburg

Mecklenburger
Schaalseeregion

Ostsee-DBR

Nordvorpommern

Rügen

NordrheinWestfalen

Rund um den
!
Fläming-Skate
Magdeburg
ElbeBördeBörde
Mittlere Elbe Spreewald PLUS
Saale
land
Fläming
Rund um den Huy
BördeBodeWittenberger Land
VoglerRegion
Auen
Westharz
Harz
Aschersleben
Dübener
Spree-Neiße-Land
Seeland
Unteres Anhalt
Heide
Nordharz
Kulturland
Harzweserland
Osterode
Lippe-Möhnesee
Saaletal
Elbe-Elster
Energieregion
Kreis Höxter
am Harz
und
Dübener
Südliches
im Lausitzer
Petersberg
Börde
Heide
Paderborner
Seenland Lausitzer Seenland
Delitzscher
trifft
Sächsisches
Land
Mansfeld-Südharz
Land
Ruhr
Zweistromland5verBund
Südharz
Göttinger Land
Ostelbien Elbe-RöderLEADER
KulturLandschaft
Oberlausitzer Östliche
Hochsauerland
Dreieck
Dresdner
Leipziger
sein!
HessenSpitze
Heide- und
Oberlausitz
Eichsfeld
DiemelseeHeidebogen
Muldenland
Bürgerregion
Kyffhäuser
Teichlandschaft
Naturpark
4
Nordwaldeck
MontanLommatzscher
am Sorpesee
Saale-UnstrutWestmitten
Casseler
Bautzener
Südraum
region
Pflege
Lenne
Triasland
lausitz Oberland Zentrale
Oben
im
SachsenBergland
Sachsen- Leipzig
Unstrut-Hainich
Oberlausitz
Schiene
Werra-Meißner
Dresden
an der
Sauerland
Kreuz+
Anhalt
Sömmerda-Erfurt
KellerwaldMittleres
Bergisches
!
Kottmar
Land des
Volme
Klosterbezirk
Süd
Edersee
Fuldatal
Wasserland
BiggeLand Roten
Altzella
Sächsische
Weimarer Land Naturpark
WittgenEcht.
BurgwaldSchweiz
Altenburger Porphyr
Erfurt Mittelthüringen
Zittauer Gebirge
Oberberg Zukunft
stein
HersfeldEderbergland
Land
!
Silbernes
Saale
SchwalmRotenburg
WartburgGotha-IlmSchönburger

Westliches Östliches
WeserNord- bergland Weserbergland
lippe
3L in Lippe

Schaumburger
Land

Meer und
Moor

Aller-Leine-Tal

Kulturraum
Oberes
Örtzetal

Heideregion
Uelzen

AchternElbeDiek
Naturparkregion
Lüneburger Heide

VogelparkRegion

Hohe Heide

Herzogtum
Lauenburg
Nord

Sieker
Land
SachsenSachsenwaldHamburgwald
Elbe

KehdingenOste
Pinneberger
Marsch & Geest

Herz

Innere
Lübecker
Holsteins Bucht
Westmecklenburgische
Ostseeküste

WagrienFehmarn

Schwentine Holsteinische Schweiz

!

Kiel

Alsterland

Holsteiner
Auenland

Niedersachsen

Wildeshauser
Geest

Vechta

Soesteniederung

Östlich Fehnder gebiet
Ems

Hadler
Region

Steinburg

Dithmarschen

Wesermünde
Süd

Mittelholstein

Eider- und
Kanalregion
Rendsburg

Hügelland am
Ostseestrand

Schlei-Ostsee

Schleswig-Holstein

Südliches
Nordfriesland

EiderTreeneSorge

Nordfriesland
Nord
Mitte des Nordens

Wesermünde
Nord

Wesermarsch
in
ParklandBewegung
schaft
Ammerland

Südliches
Friesland

Nordseemarschen

KulturSteinfurter
landschaft
Land
AhausHeekLegden
Baumberge

Grafschaft
Bentheim

Moor
ohne
Grenzen

WattenmeerAchter

LEADER-Regionen
in Deutschland
2014-2020

Uthlande

IM FOKUS XXX

Mosel

Hunsrück

St.
Wendeler
Land

Rheinhessen

LandInForm 1/2016 

!

Stuttgart

Oberer
Neckar

Württembergisches
Allgäu

ReAL
West

bergaufland
Ostallgäu

Ammersee

Regio
Zugspitzregion

AuerberglandPfaffenwinkel

Begegnungsland
LechWertach
Kneippland®
Unterallgäu

Regionalentwicklung
Landkreis
Neu-Ulm

RegionalRegionalentwicklung entwicklung
Oberallgäu
WestallgäuBayerischer
Bodensee

Mittleres
Oberschwaben

Oberschwaben

Mittlere Alb

AltmühlJura

Regionalentwicklung
im
Landkreis
Schwandorf

Bad TölzWolfratshausen

Chiemgauer
Alpen

Chiemgauer
Seenplatte

TraunAlzSalzach

Gemeinden, die ganz oder
teilweise zwei Leader-Regionen
angehören

Gemeinden, die teilweise
einer Leader-Region angehören

Gemeinden, die vollständig
einer Leader-Region angehören

Landkreis
Freyung-Grafenau
Landkreis
Deggendorf
Regionalinitiative
Passauer Land

ARBERLAND

Berchtesgadener
Land

Landkreis
Rottal-Inn

DingolfingLandau

Mühldorfer
Netz

MangfalltalKreisInntal
entwicklung
Miesbacher
Land

München

!

Bayern

Cham

Regionalentwicklungsverein Straubing-Bogen
Landkreis
Landshut

Landkreis
Kehlheim

Regionalentwicklung im
Landkreis
Regensburg

Landkreis
Altbayerisches PfaffenDonaumoos hofen
an der
Ilm
Wittelsbacher
Land
Mittlere
Dachau
Isarregion
AGIL

Monheimer AltmühlDonau
Alb AltmühlJura

Schwäbisches
Donautal

Jagstregion

Brenzregion

Schwäbischer
Wald

Region
Hesselberg Altmühlfranken

AmbergSulzbach

Forum Neustadt Plus

REGINA-Neumarkt

Nürnberger
Land

ErLebenswelt
Roth

Landkreis
Fürth

Bayreuther
Land

InitiAKTIVKreis
Tirschenreuth

Tor zum Erzgebirge Vision 2020
FalkensteinSagenhaftes Vogtland!

© GeoBasis-DE / BKG 2014 / Kartenerstellung: Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) / Yellowfarm, agentur für grafik und design gmbh

Südschwarzwald

Heckengäu

Kraichgau

Aischgrund

Kulturerlebnis
Fränkische
Schweiz

Region
Bamberg

FichtelgebirgeInnovativ

Erzgebirge

Annaberger
Land
Erzgebirgsregion
Flöha- und Zschopautal

ZwönitztalGreifensteinregion

Westerzgebirge

Land

Land
Zwickauer

Vogtland

Greizer
Land

Landkreis Hof

SaaleOrla

Kulmbacher
Land

Landkreis
Kronach im
Frankenwald

SaalfeldRudolstadt

Region
Obermain

Coburg Stadt
und Land
aktiv
Haßberge

Südlicher
Steigerwald

Z.I.E.L.
Kitzingen

Schweinfurter
Land

HohenloheRegion
Tauber
an der
Romantischen
Straße

Badisch-Franken

Main4Eck
Miltenberg

NeckartalOdenwald
aktiv

Odenwald

DarmstadtDieburg

Spessart

Rhön-Grabfeld

Holzland

Thüringen

HildburghausenSonneberg

Kreis-Erfurt

Henneberger
Land

region

Bad Kissingen

Rhön

Wein, Wald,
Wasser

Fulda
Südwest
SPESSART
regional

Vogelsberg

Knüll

Hessen

Wetterau/
Oberhessen

Gießener
Land

Marburger
Land

Aue

Baden-Württemberg

Nordschwarzwald

Mittlerer
Schwarzwald

Ortenau

Mittelbaden/
Schwarzwaldhochstraße

Südpfalz

Donnersberger
und
RheinLautrer Land
Haardt

Pfälzerwald
plus

WestrichGlantal

Biosphärenreservat
Saar- Bliesgau

brücken

WarndtSaargau

Saarland

Merzig-Wadern

Moselfranken

Erbeskopf

SoonwaldNahe

Mainz

! Wiesbaden
!

Taunus

Rheingau

Welterbe
Oberes
Mittelrheintal

LahnTaunus

Lahn-DillWetzlar

LimburgWeilburg

Westerwald
RaiffeisenRheinRegion
Wied

Westerwald- 3Sieg
Länder- Lahn-DillBergland
Eck

Rheinland-Pfalz

Bitburg-Prüm

Vulkaneifel

Rhein-Eifel

Zülpicher
Börde

Eifel

an Inde
und Rur

IM FOKUS XXX

31

Die DVS –
für ländliche
Räume
Die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS)
macht sich für die Entwicklung der ländlichen Regionen in Deutschland stark.

Viele Themen – ein Ziel:
attraktive ländliche Räume

Der ELER gibt die inhaltlichen Schwerpunkte unserer
­Arbeit vor. In diesem Rahmen beschäftigen wir uns vor
allem mit folgenden Themenbereichen:
//

//

//


//

//

//

//


//


//


Förderpolitik zur Entwicklung des ländlichen Raums
nachhaltige Regionalentwicklung
demografischer Wandel, Daseinsvorsorge und Er­hal­
tung der Lebensqualität in den ländlichen Räumen
Dorferneuerung
Interkommunale Kooperation
LEADER und transnationale Kooperation
Wertschöpfungsketten für regionale Erzeugnisse
und Diversifizierung der ländlichen Wirtschaft
Wettbewerbsfähigkeit und Innovationen in
der Land- und Forstwirtschaft
Natur-, Umwelt- und Klimaschutz sowie
­Klima­anpassung

Bottom-up wird großgeschrieben

Die DVS arbeitet akteursorientiert und begleitet deshalb
neben LEADER auch die Umsetzung von EIP-Agri in
Deutschland. Die Europäische Innovationspartnerschaft
landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit
(EIP-Agri) fördert Kooperationen und Austausch zwischen
Landwirtschaft und Forschung. Ziel von EIP-Agri ist die
Entwicklung technischer, organisatorischer oder sozialer Innovationen zugunsten einer nachhaltigen Landund Forstwirtschaft.

Das tut die DVS konkret

Wir stellen wichtige Themen zur Diskussion und bringen
dafür relevante Akteure aus ländlichen Räumen zu­
sammen. Außerdem schaffen wir Transparenz über die
Fördermöglichkeiten des ELER. Dazu schauen wir auch
in andere Länder und sind in ganz Europa vernetzt.
Wir arbeiten in verschiedenen Gremien mit und initi­
ieren die Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Lokale
­Aktionsgruppen unterstützen wir bei der Arbeit und
­führen prozessbegleitend Veranstaltungen und Schulungen durch. Informationen zu den Themen der länd­
lichen Entwicklung und Projektbeispiele publizieren
wir in ­unseren ­Medien, neben LandInForm auch in
Sonder­pub­likationen, dem Newsletter land­aktuell und
auf ­unserer Website ­www.netzwerk-laendlicher-raum.de.

KONTAKT:
Deutsche Vernetzungsstelle
Ländliche Räume (DVS)
Bundesanstalt für Landwirt­
schaft und Ernährung (BLE)
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn
Telefon: 0228 6845-3722
dvs@ble.de

32  LandInForm 1/2016

Foto: jala/photocase.com

In jedem Land der Europäischen Union ist gemäß den
Anforderungen der ELER-Verordnung ein Nationales
Netzwerk für den ländlichen Raum (NLR) eingerichtet.
Dieses Netzwerk umfasst Organisationen, Akteure und
Verwaltungen, die im Bereich der ländlichen Entwicklung
tätig sind. Die DVS bildet als Informations- und Vernetzungsstelle einen Knotenpunkt im deutschen NLR.

Die Niederlande haben
Umwelttechnik und andere
­Innovationen im Blick.

Die Niederlande:
Innovationen
Mit der Agrarinvestitionsförderung wollen die Niederlande von
2014 bis 2020 Innovationen in allen landwirtschaftlichen Bereichen
­anreizen: durch Wissenstransfer und innovative Techniken.
Dabei sollen die Investi­tionen auch Entwicklungsimpulse für eine
nachhaltige Landwirtschaft geben und zum Verbraucher-, Tier-,
­Umwelt- und Klimaschutz beitragen.

Landwirte haben sich spezialisiert

Fotos: Holger Fechner/LWK NRW, Ruud Morijn/123rf.com

Import und Export landwirtschaftlicher Produkte ist ein wichtiger
Wirtschaftsbereich der Niederlande. Insgesamt exportiert das Land
mehr landwirtschaftliche Produkte als es einführt. Nach den USA
­gelten die Niederlande international als zweitwichtigster Exporteur
im land­wirtschaftlichen Bereich, das wichtigste Exportprodukt ist
Schweinefleisch. Importiert werden hauptsächlich Getreide und
Früchte. Dabei hat das Land nach Angaben des ENRD eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 1,9 Millionen Hektar – etwa 45 Prozent
der gesamten Landesfläche. Dort wirtschafteten laut Eurostat 2013
etwa 67 000 landwirtschaftliche Betriebe, und zwar durchschnittlich
auf einer Fläche von etwa 27,4 Hektar.
Die landwirtschaftlichen Betriebe in den Niederlanden sind stark
spezialisiert und deshalb anders strukturiert als in Deutschland:
Hierzulande bauen tierhaltende Betriebe ihr Futter oft selbst an,
um Kosten zu sparen; in den Niederlanden kaufen sie meist einen
­großen Teil des Futters bei reinen Futterbau-Betrieben ein.
­Tierhaltung und Futterherstellung sind häufig betrieblich getrennt
und Teil einer Produktionskette. Deshalb nimmt die Agrarinvestitionsförderung auch Handelsketten und Marktversagen in
den Blick – ihr Fokus liegt aber auf dem Einzelbetrieb. Die nieder­
ländischen Landwirte haben bereits in der letzten Förderperiode
­innovative Ansätze entwickelt: mit Precision Farming, der Wassereinsparung in Gewächshäusern oder im Projekt „Dairy Man”, bei dem
mit smarten Lösungen der CO2-Ausstoß und die Kosten in der Milchviehwirtschaft gesenkt werden sollen.

Provinzen legen die Kriterien fest

Der Schwerpunkt der Agrarförderung in den Niederlanden hat sich
seit der vergangenen Förderperiode leicht verschoben – von der
­Flächenoptimierung und der Ver­besserung der Wettbewerbsfähigkeit
hin zur Förderung von Innovationen, von Natur- und Landschaftsschutz, der Wasserregulation und -qualität sowie Verbraucher-,
­Klima- und Tierschutz. Es kann der Erwerb von Maschinen oder
die Moderni­sierung bestehender Gebäude sein, aber auch eine Auf-

wendung für Berater oder eine Machbarkeitsstudie – gefördert werden Investitionen dann, wenn sie zur Entwicklung von Innovationen
in mindestens einem von sieben Bereichen beitragen. Darunter wird
die Verlagerung des bisherigen Fokus auf Rationalisierung hin zu
­einer Mehrwertstrategie mit neuen Marktkon­zepten und Verdienstmodellen benannt, der Erhalt der Biodiverisät und der Umwelt­
qualtität sowie ein besseres Management von Produktionsrisiken.
In konkreten Förderaufrufen entscheiden die zwölf niederländischen
Provinzen darüber, welche Maßnahme sie anbieten und können
­darin weitere Kriterien benennen, die regionalen Zielen dienen.
Sie haben zudem die Möglichkeit, zu­sätzliche Kosten zu bezuschussen,
wie den Kauf von Computersoftware, Aufwendungen für Patente
oder eine nicht kompensationsfähige Umsatzsteuer. In jedem Fall
werden 40 Prozent der förderfähigen Aufwen­dungen übernommen.
In das Auswahlverfahren fließt zudem ein, ob ein Vorhaben mehrere
Zielbereiche in den Blick nimmt, ob es zu politischen Zielen beiträgt
und wie kosteneffizient es ist.

Viele Beteiligte

Die Agrarinvestitionsförderung gehört zur Maßnahme 4 des aktuellen
„Plattelandsontwikkelingsprogramma” (POP3). Darin stehen von 2014
bis 2020 insgesamt rund 1,65 Milliarden Euro zur Verfügung, bis zu
800 Millionen Euro fließen in die Investitionensförderung. Das Wirtschaftsministerium, Gemeinden und sogenannte Waterboards –
­Regierungsstellen, die sich um Wasserstraßen, die Wasserregulierung
und die Abwasserbehandlung kümmern – beteiligen sich an der Kofinanzierung. Daneben nutzen die Provinzen auch andere Strukturfonds
oder das europäische Forschungsprogramm von Horizon 2020 als
­Finanzierungsinstrumente. In die Ausgestaltung und Umsetzung
der Agrarinvesti­tionsförderung bringen sich viele externe Partner ein.
So werden landwirtschaftliche Beratungen und For­schungs­ein­rich­
tungen, wie die Wageningen Universität, eingebunden und die Waterboards sowie landwirtschaft­liche Interessenvertretungen, wie der
nieder­ländische Bauernverband LTO und dessen Jugendorganisation,
wirken aktiv mit.
C. W. (Kees) Anker
Regiebureau POP
National Rural Network in the Netherlands
c.anker@rb.agro.nl
www.regiebureau-pop.eu
www.netwerkplatteland.nl

LandInForm 1/2016 

33

1 Das Vieh steht in
Österreich oft nur wenige
­Monate im Stall.
2 Maschinen für die Mahd
steiler Hänge werden in
­Österreich bezuschusst.

1

2

Österreich:
flächendeckende Bewirtschaftung
aufrechterhalten
Im „Österreichischen Programm für ländliche Entwicklung 2014 bis 2020“ stehen pro Jahr 102 Millionen Euro
für die Agrarinvestitionsförderung zur Verfügung.
Hauptziel der Fördermaßnahme „Investitionen in die
landwirtschaftliche Erzeugung“ ist, landwirtschaftliche
Betriebe dabei zu unterstützen, ihre Wettbewerbs­
fähigkeit zu erhalten oder zu steigern sowie umweltund ressourceneffizienter zu wirtschaften. Darüber
hinaus sollen aber auch die Lebens- und Arbeits­
situation auf den Betrieben verbessert, das Tierwohl
erhöht und Hygiene- und Qualitätsbedingungen in
der landwirtschaftlichen Produktion optimiert werden.

Benachteiligt und bergig

Neue Investitions­
förderung für
landwirtschaftliche
Betriebe:
Es war eine der
Hauptaufgaben der
öster­reichischen
Agrarpolitik, die Konkurrenzfähigkeit der
Landwirtinnen und
Landwirte mit einem
maßgeschneiderten
Programm optimal
zu unterstützen.
Ministerium für
ein Lebenswertes
­Österreich, 2014

Etwa 2,9 Millionen Hektar, 34 Prozent der Gesamtfläche,
werden in Österreich landwirtschaftlich genutzt. Un­ge­
fähr die Hälfte davon dient dem Ackerbau. Im Westen
prägen die Alpen nicht nur das Landschaftsbild, sondern
auch die Landwirtschaft: Es dominiert Grünland mit
Milch­vieh- und Rinderhaltung. Milch hat den höchsten
Produktionswert, allerdings einen geringeren als in den
Nachbarländern: Die Milchleistung der österreichischen
Kuh lag 2011 mit rund 6 100 Kilogramm pro Jahr
weit unter der einer dänischen Kuh, die jährlich etwa
8 400 Kilogramm Milch gab. Auch die Hektarerträge
beim Weizen waren laut Branchenbericht von Bank­
Austria von 2005 bis 2011 um 30 Prozent niedriger als
die in Deutschland. Tatsächlich werden rund 64 Prozent
der Nutzfläche Österreichs als sogenanntes „benach­
teiligtes Gebiet” mit schwierigen natürlichen Standortvoraussetzungen eingestuft, in Deutschland sind es 52,
in Dänemark ein Prozent. Betriebe, die in diesen Regionen
liegen, werden mit einer Ausgleichzulage durch den
ELER besonders unterstützt.

Klein, familiär und bio

Die österreichische Landwirtschaft ist kleinstrukturiert.
Laut Eurostat gab es im Jahr 2013 rund 140 000 landund forstwirtschaftliche Betriebe, die durchschnittlich
jeweils 19 Hektar Fläche bewirtschafteten. Auch die
durchschnittlichen Viehbestände sind klein: beispielsweise etwa 29 Rinder pro Betrieb – in Deutschland

34  LandInForm 1/2016

sind es 70. Die Mehrzahl – über 92 Prozent aller Höfe in
Österreich – sind Einzelunternehmen und werden von
Familien geführt, über die Hälfte im Nebenerwerb.
Eine besondere Stellung nehmen die Biobetriebe ein:
Sie stellen rund 17 Prozent der landwirtschaftlichen
Unternehmen und bewirtschaften etwa 20 Prozent der
Flächen. Nach Dänemark und der Schweiz ist der Marktanteil von Bioprodukten in Österreich der höchste in
Europa.

Vielfältiges Förderspektrum

Mit einer breiten Palette an förderfähigen Maßnahmen
begegnet Österreich der Vielfalt seiner Höfe: So können
Betriebe Zuschüsse für bauliche und technische Inves­
titionen sowohl in Stall- und Wirtschaftsgebäude –
inklusive Geräten zur Innenmechanisierung – als auch
für die Be- und Verarbeitung sowie Vermarktung von
Produkten erhalten. Daneben werden Investitionen im
Almbereich, der Erwerb von selbstfahrenden Bergbauern-Spezialmaschinen sowie der Bau von Silo-, Düngesammel- und Biomasseheizanlagen unterstützt. Für
Investitionen in den Garten-, Obst- und Weinbau sowie
die Bienenwirtschaft können Landwirte ebenso eine
Förderung beantragen wie für gemeinschaftlich erworbene Geräte zur bodennahen Gülleausbringung, zu
Pflanzenschutz- und Direktaussaat sowie Erntemaschinen.
Übrigens wird auch gefördert, wer die Haltungsbedingungen der Rinder in bestehenden Anbindeställen
verbessert: Dafür muss er gegebenenfalls bauliche Auflagen erfüllen und nachweisen, dass die Tiere Auslauf
oder Weidegang bekommen. Beim Stallbau müssen
generell bauliche Standards erreicht werden, die über
die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen. Hinsichtlich Verbraucher-, Umwelt oder Klimaschutz legen die
österreichischen Bundesländer die Fördervoraussetz­
ungen fest. Das Burgenland fordert zum Beispiel
für bestimmte Betriebe Güllelagerkapazitäten von zehn
Monaten sowie baulich installierte Abdeckungen für
Gülle und Jauche und bindet die Viehhaltung an
die Flächennutzung in Übereinstimmung mit dem „Aktionsplan Nitrat 2012“.

Mehr für Bio, Junglandwirte und Berggebiete

Bund und Länder teilen sich die nationale Kofinanzierung:
60 Prozent sind Bundes-, 40 Prozent Länder-Mittel.
Die Förderung an sich bietet beispielsweise Oberösterreich
als Investitionszuschuss, als zinsvergünstigten Kredit
oder als Kombination aus beidem an.

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Je nach Fördergegenstand werden Investitionszu­
schüsse zwischen 20 und 40 Prozent gewährt: Den Höchst­
satz gibt es für bauliche und technische Investitionen
auf Almen und für Investitionen, die die Umweltwirkung
verbessern. Vorhaben für besonders tierfreundliche
Ställe – dazu gibt es ein eigenes Merkblatt – erhalten
25 Prozent, für konventionelle Ställe sind es 20 Prozent.
Zudem gibt es Zuschläge von fünf bis zehn Prozent:
für Biobetriebe, Jungübernehmer und Bergbauernbetriebe. Projekte mit hohem Innovationsgehalt werden
beim Auswahlverfahren bevorzugt.

Formalien

Fotos: Agrarmarkt-Austria-Marketing GmbH, DVS/Keelan, Richard Semik/123rf.com

Die maximal förderfähigen Investitionsvolumen dürfen
400 000 Euro nicht überschreiten und sind damit höher
als in der vergangenen Förderperiode. Zwischen 5 000
und 15 000 Euro müssen die Antragsteller mindestens
investieren: Das können sowohl natürliche und juris­
tische Personen als auch Betriebskooperationen sein.
Förderfähig sind sie dann, wenn sie im Jahr der För­der­
ung mindestens 0,3 betriebliche Arbeitskräfte stellen
und mindestens drei Hektar Nutzfläche bewirtschaften.
Einkünfte außerhalb der Landwirtschaft dürfen
90 750 Euro pro Jahr nicht überschreiten. Und es gibt
eine sogenannte Behaltefrist von fünf Jahren:
Der Investitionsgegenstand muss über diesen Zeitraum
hinweg den Zielen der Förderung entsprechend genutzt
und instand gehalten werden.
Manfred Watzinger
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft,
Umwelt und Wasserwirtschaft Österreich
manfred.watzinger@bmlfuw.gv.at
www.bmlfuw.gv.at

Frankreich:
anders produzieren
Die Agrarinvestitionsförderung soll in Frankreich dazu
beitragen, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze in
allen landwirtschaftlichen Sektoren, aber insbesondere
in der Tierhaltung, wiederherzustellen und zu verbessern. Sie zielt auch darauf ab, eine Transformation der
Landwirtschaft in Richtung Agrarökologie und nach­
haltiger Lebensmittelproduktion zu unterstützen.
Das Grundprinzip soll dabei sein, das Nachhaltigkeitsdreieck Ökonomie, Ökologie und Soziales anzustreben.
Neu ist: Regionale Besonderheiten können und sollen
berücksichtigt werden.

Zukunftssorgen

Frankreich ist der größte Agrarproduzent in Europa:
2014 erwirtschaftete es 18 Prozent des Gesamtwertes
europäischer Produkte, Deutschland rangierte mit etwa
13 Prozent auf Platz zwei. Die Grande Nation steht bei
verschiedenen ackerbaulichen Erzeugnissen sowie
bei Rind- und Geflügelfleisch an erster Stelle und ist
nach Deutschland der zweitgrößte Milcherzeuger.
Statistisch unterscheidet sich die französische Landwirtschaft nicht wesentlich von der deutschen: Nach
Angaben von Eurostat bewirtschaftete 2013 in beiden
Ländern ein Betrieb durchschnittlich etwa 59 Hektar.
Laut dem Länderbericht des BMEL 2014 werden fran­zö­
sische Betriebe allerdings zu knapp 30 Prozent von
mehreren Betriebsleitern geführt, in Deutschland sind
es etwa neun Prozent, und sie beschäftigen mehr familien­
fremde Arbeitskräfte. Dabei gibt es in Frankreich einen
allgemeinen Mindestlohn und eine staatlich regulierte
35-Stunden-Woche. Unser Nachbarland hatte 2013 rund
472 000 Betriebe – im Jahr 2010 waren es noch 516 100:
Durch den Strukturwandel verschwinden jährlich etwa
zwei Prozent der Höfe und mit ihnen Arbeitsplätze. Rund
30 Prozent der Landwirte beschreiben ihre Situation als
schlecht und 66 Prozent schätzen ihre Zukunft pessi­mi­
stisch ein. Zwischen 2002 und 2012 sind die Investitionen in landwirtschaftliche Gebäude um ein Viertel zurück­
gegangen. Bauernproteste aus Frankreich sorgen immer
wieder für Schlagzeilen, beispielsweise als Ende Februar
2016 wütende Landwirte den Stand des Agrarministers
auf der französischen Landwirtschaftsmesse demolierten.
LandInForm 1/2016 

35

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Frankreich möchte mit
seinem ­Programm
die Arbeitsbedingungen
in der Landwirtschaft
­verbessern.

Ein Rahmen, 27 Regionen

Frankreich hat in der Förderperiode 2014 bis 2020 ein
neues System eingeführt. Die Zentralregierung teilt
sich nun die Programmverantwortung und Finanzhoheit
im ELER mit 27 Regionalverwaltungen. Die Agrar­inves­
titions­förderung wird durch Regionalprogramme
­umgesetzt. Den Rahmen dafür setzt der nationale
„Plan für Wett­bewerbsfähigkeit und Anpassung
der landwirtschaft­lichen Betriebe“ – und zwar aus
allen Bereichen. Er benennt vier Prioritäten: An erster
Stelle steht die Modernisierung der Tierhaltung,
­insbesondere durch Investitionen in Gebäude, aber
auch, indem Arbeits­bedingungen verbessert und
­Tierhalter darin gestärkt werden, ihr Futter autonom
zu produzieren. Neu ist dabei, dass auch Geflügelund Schweinehalter förderfähig sind. Im Pflanzenbau
soll eine möglichst umweltschonende, ressourcen­
effiziente und zugleich ökonomische Bewirtschaftung
gefunden werden. Konkret geht es um Investitionen
in den Obstbau und in Gewächshäuser, aber auch
­darum, dem Verschwinden von Nischen wie dem Hanf-,
Flachs- oder Reisanbau entgegenzuwirken.
Eine weitere Priorität liegt im Bereich Energie:
Der Verbrauch soll gesenkt, die Effizienz erhöht und
erneuer­bare Energien inklusive Biogas stärker genutzt
werden. Eine Querschnittspriorität ist es, Modell­
projekte zu fördern, die agrarökologische Ansätze
­erproben. Dazu werden Kooperationen von Landwirten
und Öko­logie-Experten unterstützt.

36  LandInForm 1/2016

Regionaler Gestaltungsspielraum

Der Plan gibt Leitlinien vor. So soll eine nachhaltige
Tierhaltung erzielt werden, indem Gebäude so beschaffen sind, dass ihr negativer Umwelteinfluss reduziert,
die Sicherheit des Personals sowie das Tierwohl erhöht
und die Wirtschaftsfähigkeit gestärkt wird. Dazu gibt
es im Plan praktische Vorschläge wie Abwasser-­
Managementsysteme, Kommunikation und Gülleabdeckungen. Die Regionalverwaltungen können die
­Förderung entsprechend den regionalen Bedürf­nis­sen
und Besonderheiten konkretisieren. Vorgaben für
­Investitionen aus drei bestehenden nationalen Plänen,
dem zur Modernisierung von Ställen, zum umwelt­
verträglichen Gemüseanbau und zur Energie­nutzung,
­wurden außer Kraft gesetzt.
Frankreich plant von 2014 bis 2020 pro Jahr etwa
200 Millionen Euro aus dem ELER für sein Modernisierungsprogramm ein. An der Kofinanzierung der EU-­
Mittel beteiligen sich der Staat, die Regionen und
andere Geldgeber, beispielsweise die staatlichen Wasser­
agenturen. Zusätzlich stehen jährlich 56 Millionen Euro
an Krediten zur Verfügung. Die jeweiligen Fördersummen und -sätze, die konkreten Fördervoraussetz­ungen,
beispielsweise Auflagen hinsichtlich Verbraucher-,
­Umwelt- und Kimaschutz, oder auch die förderfähigen
Investitonsvolumen beschließen die Regionen.
Sie werden nicht zwangsläufig in den Regionalprogrammen zur ländlichen Entwicklung festgelegt, sondern in
kon­kreten Aufrufen.
Brice Besson
Coordination-Office for rural development
Ministry of Agriculture, Agrifood and Forestry
brice.besson@agriculture.gouv.fr
www.agriculture.gouv.fr/modernisation

„Frankreich weist in
seinem Partnerschaftsvertrag darauf
hin, dass die Agrarinvestitionsförderung
eine Garantie für Wettbewerbsfähigkeit war.
Dementsprechend
wurde auf nationaler
Ebene ein Plan für
Wettbewerbsfähigkeit
und Anpassung beschlossen. Die regionalen Verwaltungsbehörden haben die
Wahl, wie sie ihn umsetzen.”
Brice Besson,
Ministerium für
Landwirtschaft,
Lebensmittel und
Forsten Frankreich

Foto: budabar/123.fr.com

In dieser aufgeladenen Stimmung wirbt die Regierung
auf ihrer Internetseite unter dem Schlagwort „Modernisation” für ihren Fördersansatz, der Landwirten helfen
soll: die Agrarinvestitionsförderung.

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

Umweltverträgliche
Ställe?
Das Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP) schreibt vor,
dass für eine Förderung mindestens einer der Aspekte
­Verbraucher-, Klima- oder Umweltschutz beachtet werden muss.
Wie wirksam ist diese Vorgabe?

Ulrich Jasper ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e. V. Ihr Ziel ist es, dass
möglichst viele Bauern eigenbestimmt und unabhängig
wirtschaften können.

Herr Jasper, die Auflagen lesen sich vielver­
sprechend. Hält die Realität, was AFP verspricht?

Eigentlich
muss man das
heutige AFP
sofort stoppen“

AFP lässt potenziell eine sehr strenge Auslegung zu,
fordert sie aber nicht ein. Wenn auf dem Dach eine
Solaranlage installiert ist, gilt die Umweltvorgabe schon
als erfüllt. AFP hat bis heute das Ziel, die Rationalisierung voranzutreiben. Man hat Stroh als Kostenfaktor
wegrationalisiert und Fördermittel dafür eingesetzt,
dass Landwirte ihre Ställe auf Güllebasis bauen, weil
das arbeitssparend ist. Zudem hat sich die Tierhaltung
regional konzentriert, was in den Hotspot-Regionen
zu Umweltproblemen wie steigenden Nitratgehalten
im Grundwasser führt. Die Förderung hat auch insbe­
son­dere zum Wachstum der Schweinebestände bei­
getragen. Wir überschreiten nicht nur lokal, sondern
bundesweit die von der EU gesetzten Grenzen. Beim
Ammoniak muss Deutschland die Emissionen um
ein Fünftel, also 120 000 Tonnen pro Jahr reduzieren.

Wie müsste die Tierhaltung denn aussehen?

Zu Milchviehställen muss die Weide gehören. Schweineställe müssen eine Haltung mit ungekürztem Ringelschwanz ermöglichen. Dazu sind verschiedene Klima­
zonen, ein Außenklimabereich und eine planbefestigte
Fläche mit Einstreu erforderlich. Etwas platt gesagt: AFP
war 40 Jahre lang dafür da, Stroh aus den Ställen zu verbannen – jetzt gilt es, wieder Einstreusysteme durch­
zusetzen.

Aber ist das auch umweltschonender?
Schließlich hätte man wieder Mist statt Gülle.

Mist hält Nährstoffe fester als Gülle, düngt stärker über
den Boden und trägt zum Humusaufbau bei. Das ist auch
positiv für den Klimaschutz.

bringung energieaufwändiger sind als Gülle, muss man
beobachten. Aber man braucht keine Güllekeller und
aufwändige Lüftungstechnik mehr. Schweinehalter
berichten, dass sie Außenklimaställe mit deutlich weniger
Energie fahren als Hightech-Ställe mit Güllesystemen.
Die Umwelt spielt bei Stallsystemen nicht die Hauptrolle,
aber man kann den Aspekt mit entwickeln.

Geht mehr Umweltschutz nur mit mehr Tierwohl?

Wir brauchen Instrumente dafür, eine gesellschaftlich
akzeptierte Tierhaltung aufzubauen. Das betrifft sowohl
die Haltungsform als auch die Umwelt. Insbesondere
die Luftreinhaltung macht deutlich, dass die Förder­
politik auf das Ordnungsrecht nicht ausreichend
reagiert: Ist es klug, Wachstum in der Tierhaltung zu
fördern, wenn wir die Grenzwerte schon überschreiten?
Diese Frage müssen wir uns ideologiefrei stellen. Dabei
füllt das Bundeslandwirtschaftsministerium seine
wichtige Rolle als übergeordnete Instanz bisher nicht
genügend aus. Eigentlich muss man das heutige AFP
sofort stoppen: Eine Förderung in Systeme, die den
Heraus­forderungen der Gegenwart nicht gerecht werden,
ist herausgeschmissenes Geld und verleitet Betriebe
zu Fehlinvestitionen.

Müssen die Bauern die Tierhaltung der Zukunft
selbst vorantreiben?

Es gibt in der Schweinehaltung noch nicht hunderte,
aber dennoch zig Betriebe, die neue Stallsysteme ausprobieren, ohne und mit Förderung. Und einzelne Länder
haben heute schon konsequentere Kriterien festgelegt.
Das sind Vorarbeiten, die wir nutzen sollten. Bevor einfach weitergefördert wird, muss die Politik die Anfor­der­
ungen an Tier- und Umweltschutz definieren, denen
Ställe in fünf bis zehn Jahren mindestens gerecht werden
müssen. Das wäre verantwortungsvoll gegenüber Be­
trie­ben und Steuerzahlern.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Anja Rath.

Foto: privat

Mist ist arbeits- und energieintensiver. Ist das
nicht eine Kehrtwende?

Nein, es ist eine Weiterentwicklung: Es wird technische
Entmistungssysteme geben – nicht die Mistgabel zurück­
kehren. Ob die neuen Systeme unterm Strich in der AusLandInForm 1/2016 

37

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

„Wettbewerbsfähigkeit
mit Tierwohl verknüpfen“
Ein Statement von
Alfons Balmann

In seinem Gutachten „Wege zu einer gesellschaftlich
akzeptierten Nutztierhaltung“ vom März 2015 hat der
Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
eine Reihe von Leitlinien formuliert. Neben dem Angebot an ausreichend Platz umfassen sie den Zugang zu
verschiedenen Klimazonen, das Angebot unterschied­
licher Funktionsbereiche sowie von Reizen zur art­ge­
mäßen Beschäftigung. Für die Umsetzung der Leitlinien
ent­stün­den Kosten von jährlich drei bis fünf Milliarden
Euro. Besonders hoch werden sie im Bereich der
­Schweine- und Rindermast erwartet; weniger bei der
Milch­viehhaltung. Allerdings finden sich gerade in der
Milch­vieh­wirtschaft regional erhebliche agrarstruk­
turelle Defizite, beispielsweise die in Süddeutschland
immer noch weit verbreitete Anbindehaltung.

Herausforderung Tierwohl

Die Umsetzung der Leitlinien muss als Transforma­
tionsprozess verstanden werden, der die Tierhaltung in
Deutschland vor Herausforderungen stellt. Von der
Größenordnung wäre er vergleichbar mit der Transformation der ostdeutschen Landwirtschaft nach dem
Zusammenbruch der DDR. Würde die Landwirtschaft bei
diesem Anpassungsprozess keine Kompensations­
maßnahmen erfahren, dürften Verschärfungen der gesetzlichen Vorgaben zu einer erheblichen Abwanderung
der Produktion ins Ausland führen. Damit wäre dem
Tierschutz nicht gedient.
Allein aufgrund des zu erwartenden Kostenbedarfs kann
die Agrarinvestitionsförderung (AFP) die vom Beirat ge­
nann­ten Herausforderungen hinsichtlich des Tierschutzes nicht bewältigen. Auch kann sie keine Folgekosten
decken, die etwa aus einem höheren Futter- oder Betreuungsaufwand resultieren. Zur Kompensation der
Anpassungskosten ist eine stärkere Beteiligung der Verbraucher unvermeidbar, beispielweise durch Maßnahmen
wie die Brancheninitiative Tierwohl und Tierwohllabels.

38  LandInForm 1/2016

AFP als Impulsgeber

Allerdings kann AFP die Anpassungsprozesse in Richtung
eines besseren Tierschutzes durchaus unterstützen.
Das gilt zum einen für Modernisierungen. Zudem könnten
Neuinvestitionen dazu beitragen, strukturelle Defizite
zu mildern und die Tierhaltung räumlich zu entzerren.
Damit die Agrarinvestitionsförderung diese Unterstützung leisten kann, müssen sich jedoch die Anforder­
ungen ändern. Wichtige Teilziele von AFP sollten sein,
eine große Breitenwirkung ambitionierter Vorhaben
zu erzielen, Innovationen mit ambitionierten Tier­
schutzzielen zu fördern, sich an längerfristigen agrar­­
struktur­ellen Entwicklungen zu orientieren sowie
Mitnahme­effekte zu vermeiden. Daraus leiten sich
einige An­­forderungen an die Ausgestaltung der Förderprogramme ab.

Ambitioniertere Vorgaben setzen

Erstens: Die längerfristige Wettbewerbsfähigkeit hat
Priorität. Das gilt zum einen mit Blick auf künftig weiter
steigende Tierschutzanforderungen. Zum anderen findet
bereits heute ein Großteil der Produktion in Betrieben
mit einer weit überdurchschnittlichen Größe statt:
Rund 42 Prozent der Schweine in Deutschland stehen
in Beständen mit über 2 000 Tieren; in den neuen Bundesländern leben etwa 75 Prozent in Beständen mit über
5 000 Tieren. Für eine Breitenwirkung ist es unab­ding­­
bar, dass diese Betriebe mit AFP erreicht werden.
­Prosperitätsschwellen machen dabei wenig Sinn;
eine Kompensation oberhalb der Mehrkosten sollte
­jedoch vermieden werden.
Zweitens: Innovationen sollten besonders unterstützt
werden, beispielsweise gemeinsame experimentelle
Neuentwicklungen in Richtung eines deutlich ver­
besserten Tierschutzes mit Akteuren der vor- und
nachgelagerten Wirtschaft. Drittens sollten nur jene
Verbesserungen des Tierwohls gefördert werden,
die deutlich über derzeitige Mindeststandards hinaus­
gehen. Die vom Wissenschaftlichen Beirat vorgeschlagenen Leitlinien bieten hierfür eine Orientierung.
Eine weitere Basisförderung von Neubauten und Modernisierungen, die kaum über gängige Standards
hinausgeht, ist dagegen kontra­produktiv.

Foto: privat

Prof. Alfons Balmann ist seit 2002 Direktor am Leibniz-­
Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien
(IAMO) und leitet die Abteilung Strukturwandel. www.iamo.de

IM FOKUS Agrarinvestitionsförderung

„Dem Tierwohl ist mit
der jetzigen Förderung
nicht gedient“
Ein Statement von
Mathias Dralle
Mathias Dralle ist Prokurist und leitet bei
der Niedersächsischen Landgesellschaft
den Geschäftsbereich Grundstücksmanagement
und Agrarstruktur. www.nlg.de

Das heutige Agrarinvestitionsförderungsprogramm (AFP)
ist, wie seine Vorläufer, zielorientiert. Die Programme
haben über gesellschafts- und agrarpolitisch vorge­
gebene Förderkriterien zu jeder Zeit Betriebsentwick­
lungen selektiv beeinflusst. Für die wirtschaftliche
Tragbarkeit der allermeisten Vorhaben ist Förderung
unabdingbar. Sie muss höher ausfallen, wenn die Kriterien über die gesetzlichen Standards hinausgehen.
Für die Akzeptanz muss aber der Nutzen für Mensch,
Tier und Umwelt nachvollziehbar und letztlich auch
­öko­nomisch nachhaltig sein. Gute fachliche Beratung,
eine qualifizierte Planung und die Förderbetreuung
sind dafür unverzichtbar.

Tierschutz und Tierwohl keine neuen
Herausforderungen

Die Landgesellschaften betreuen fachkundig die Um­
setzung von AFP. Für sie ist der Bau artgerechter Ställe
eine Selbstverständlichkeit. Unter dem Begriff „Kuh­
komfort“ setzen sie sich seit 20 Jahren für besonders
artgerechte Haltungsformen im Milchviehbereich ein.
Anregungen davon sind in die „Baulichen Anforderungen
an eine besonders tiergerechte Haltung“ an AFP-geförderte Vorhaben eingeflossen. Während sie im Milchviehbereich bei nahezu allen von den Landgesellschaften
betreuten Stallbauvorhaben erfüllt wurden, war die
Akzeptanz in der Schweinehaltung sehr verhalten. Aus
Sicht der breiten Praxis waren die Anforderungen zu
hoch und es zeigten sich trotz Zusatzförderung schnell
Probleme mit der Wirtschaftlichkeit.

Foto: NLG

Ambivalente Erfahrungen aus der neuen
Förderperiode

Für eine Premiumförderung sind Voraussetzungen zu
erfüllen, die deutlich über dem Niveau der TierschutzNutztierhaltungsverordnung liegen. Milchviehhalter
nehmen sie insbesondere in Grünlandregionen mit
Weidehaltung in Anspruch. Eingeschränkt akzeptiert

sind die geforderten Dimensionen des Laufhofes, in
Althofsanierungen sind sie kaum realisierbar. In der
Schweinehaltung kommt die Premiumförderung nur
in Ausnahmefällen zum Tragen: Um die Anforderungen
zu realisieren, fehlen teilweise noch die Techniken
oder die technischen Voraussetzungen. Zudem hat
man sich offensichtlich zu wenig mit deren baulichen
Aus­­wirkungen befasst. Kritisch äußern sich die Praktiker
darüber, dass Anforderungen der Premiumförderung
ausschließlich das vermeintliche Tierwohl in den Vor­
der­grund stellen. Dabei werden Aspekte des Umweltund Emissionsschutzes vernachlässigt wie Zusammenhänge zwischen Tiefstreu und Abluft oder zwischen
Auslauf und Bodenversieglung. Der Mehrwert für das
Tierwohl durch die pauschale Erhöhung der Mindeststall­
fläche je Tier über die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung hinaus ist zweifelhaft – und auch nicht belegt.

Weniger Investitionen, weniger Tierwohl

Die AFP-Vorgaben wurden erhöht, gleichzeitig haben
zwei Bundesländer die Premiumförderung auf den
Basissatz gesenkt und teilweise gibt es derzeit Warte­
zeiten durch reduzierte Mittelvolumen. All dies führt
dazu, dass Stallinvestitionen nicht oder nur verzögert
durchgeführt werden. Über die Zahl kann spekuliert
werden. Der Ausschluss von Betrieben mit einem Tier­
besatz von mehr als zwei Großvieheinheiten je Hektar
(2 GV/ha entsprechen dem maximalen Tierbesatz im
Ökolandbau, Anm. d. Red.) oder die Begrenzung auf
bestimmte Tierbestandsobergrenzen entzieht der Förderung die Lenkungsmöglichkeit bei einer Vielzahl der
baulichen Investitionen. Dem Tierwohl insgesamt ist
damit wenig gedient.

Förderung setzt Impulse

Dabei ist in der Landwirtschaft die Bereitschaft zur Weiterentwicklung der Haltungsformen zu verspüren, wie
die Vereinbarung der Geflügelwirtschaft zum Verzicht
auf das Kürzen von Schnäbeln zeigt. Da der Markt eine
Produktion mit höheren Standards derzeit nur in wenigen
Ausnahmen honoriert, kommt der Förderung eine hohe
Bedeutung zu: Sie unterstützt die Entscheidung zur freiwilligen Umstellung auf höhere Standards erheblich und
bringt die erforderliche ökonomische Nachhaltigkeit.
LandInForm 1/2016 

39

AUS DER PRAXIS

Erdweg – eine
„essbare Gemeinde“
Gemüse und Obst für jedermann, gesund und kostenlos und direkt
vor der Haustür zum Selberernten. Was nach Schlaraffenland klingt,
wird an manchen Orten im Kleinen bereits praktiziert – so etwa in
der oberbayerischen Gemeinde Erdweg.  [ VON LAURENCE WAUTERS UND KATRIN HORVAT ]

Die Idee, Gemüse und Obst auf öffentlichen Flächen
anzubauen, um die Bevölkerung vor Ort mit Nahrungsmitteln zu versorgen, hat ihren Ursprung in den Städten
des 19. Jahrhunderts. Sie entstand aus einer puren
Notwendigkeit heraus: Da die Transportwege schlecht
waren und Möglichkeiten fehlten, die Lebensmittel
haltbar zu machen, konnten sie nicht aus entfernteren
Regionen, sondern nur aus der unmittelbaren Umgebung herbeigeschafft werden. Heute rückt das „Urban
Gardening“ wieder vermehrt ins öffentliche Interesse.
Nun, in Zeiten, in denen alle Lebensmittel zu jeder
Jahreszeit in scheinbar unbegrenzten Mengen zur Ver­
fügung stehen, geht es bei der lokalen Selbstversorgung darum, durch den Konsum vor Ort Ressourcen
ein­zusparen, gesund zu leben und einen neuen Bezug
zu Lebensmitteln zu gewinnen. Zahlreiche solcher
Projekte sind in den vergangenen Jahren entstanden,
unter anderem eine Initiative in Andernach, wo die
Stadt ihre Grünflächen in Obst- und Gemüsegärten für
die Bevölkerung umgewandelt hat, oder „Incredible
Edible“, das seit 2008 in England erfolgreich ist. Sie
gaben den Impuls für das Projekt „Essbare Gemeinde“,
das ein gemeinschaftliches Gärtnern und Ernten ermöglicht – und das für jeden, der Lust, Zeit und Freude
daran hat.

Eine städtische Initiative im ländlichen Raum

Die etwa 6 000 Einwohner zählende Gemeinde Erdweg
in der Nähe von München liegt im hügeligen Dachauer
Hinterland. Die 19 Dörfer und Weiler, die zur Gemeinde
gehören, sind teils noch ländlich geprägt, die Nähe zur
Großstadt, die nur 30 Kilometer entfernt ist, lässt sich
jedoch nicht leugnen. Alteingesessene leben hier zusammen mit „Zugroasten“ – wie es der Einheimische
zu sagen pflegt. Laurence Wauters ist mit ihrer Familie
vor einigen Jahren nach Eisenhofen, eines der ältesten
Dörfer der Gemeinde, gezogen. Ihr privates Interesse
an einer nachhaltigen Lebensweise hat sie aufhorchen
lassen, als sie von den Initiativen in Andernach und
England erfuhr. Sie setzte sich vor mehr als zwei
Jahren zum Ziel, auch in der Gemeinde Erdweg diese
Idee umzusetzen.

40  LandInForm 1/2016

Von der Idee zur Tat

Zunächst veröffentlichte sie einen Aufruf im Gemeindeblatt und stellte die Idee „Essbare Gemeinde Erdweg“
vor: Brachliegende öffentliche wie private Flächen
sollen mithilfe einer Gemeinschaft Gleichgesinnter zu
Gemüse- und Obstanbauflächen umgenutzt werden.
Jeder, der Interesse hat, kann sich einbringen, die Ernte
soll allen Bürgern kostenlos zur Verfügung stehen.
Nach diesem Aufruf meldeten sich die ersten Interessierten und mit der Zeit fanden sich etwa 30 Gleich­
gesinnte zusammen. Um geeignete Flächen für das
Projekt zu gewinnen, fragte die Initiative bei der
Gemeinde an. Diese stellte bereitwillig eine Pacht­
fläche in einem Kräutergarten und eine Grünfläche,
die ursprünglich als Kinderspielplatz geplant, aber
nie angelegt wurde, zur Verfügung. Ein Bauer war zudem damit einverstanden, Obstbäume am Rand seiner
Kuhweide zu pflanzen. Das Projekt konnte starten.

Vorhandenes nutzen

Auf der Pachtfläche päppelten die Projektteilnehmer
zunächst die Erdbeersträucher, die schon vorhanden
waren, auf und pflanzten Beerensträucher sowie verschiedene Gemüsesorten, die sie als Samen- oder
Pflanzenspenden zusammengetragen hatten. Da diese
Fläche etwas abseits liegt und keine intensive Pflege
möglich ist, wurden hier pflegeleichte Pflanzen und
Kräuter bevorzugt. Auf der Grünfläche, die mitten in
einem Wohngebiet liegt, bauten mehrere ansässige
Familien Hochbeete aus Europaletten, bepflanzten
und pflegten sie. Beerensträucher, die nach einem
Grundstücksverkauf übriggeblieben waren, wurden als
Begrenzung gepflanzt. Einen Teil der Fläche ließen die
Gärtner bewusst für Wildblumen frei, um Bienen und
anderen Insekten ein Habitat zu bieten. Geplant ist für
die kommende Saison ein Kräuterbeet. Auf der Kuhweide stehen nun drei Obstbäume, die Privatpersonen
gespendet hatten.

Die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Die „Essbare Gemeinde Erdweg“ konnte schon in der
ersten Saison Anbau- und Ernteerfolge verzeichnen.

AUS DER PRAXIS

2

1

3

1 Gemeinsam planen, gärtnern und ernten: ­Teilnehmer
des Projekts „Essbare Gemeinde Erdweg“ bearbeiten eine
­Brache für Gemüse- und Obstanbau.
2 Vorhandenes verwerten: Aus gespendeten ­Euro­paletten
­wurden die Hochbeete gebaut.
3 Von der Brache zur öffentlichen Nutzfläche: Dank bürger­
schaftlichen Engagements wachsen auf einem lange nicht
­genutzten Pachtgrundstück wieder Gemüse und Obst.

Fotos: Laurence Wauters

Doch nicht allein die Ernte steht im Mittelpunkt der Initiative, vielmehr geht es auch um den gemeinschaftlichen Austausch und darum, gemeinsam etwas zu erreichen. Die Teilnehmer bringen unterschiedliche Motivationen und Hintergründe mit, manche verfügen
über ein fundiertes Wissen und reichlich Erfahrung im Obst- und
Gemüseanbau, andere haben zuvor noch nie im Garten gearbeitet.
Da das Projekt allein durch Spenden finanziert wird und nur durch
bürgerschaft­liches Engagement am Leben erhalten werden kann,
ist eine genaue Planung besonders wichtig. Im regelmäßigen Austausch miteinander wird über die am besten geeigneten Anbausorten
und die möglichen Pflegemaßnahmen je nach Standort beraten,
um mit realis­tischem Aufwand Erfolge zu erzielen. Da jede Fläche
anders beschaffen ist, braucht es jeweils ein eigenes Konzept:
­Welche Pflanzen sind für den Standort ge­eignet? Wie intensiv kann
die Pflege vor Ort durch Freiwillige durchgeführt werden? Wo ist ein
regelmäßiges Gießen möglich und wer kann dies zuverlässig übernehmen? Wo gibt es zu viele Schnecken, sodass sich der Anbau
bestimmter Pflanzen nicht lohnt? Die Erfahrungen der Teilnehmer
bilden hierfür eine gute Basis, um Strategien zu entwickeln.
Darüber hinaus wird experimentiert und ausprobiert.
Auch die nachwachsende Generation profitiert vom Projekt: Einige
Kinder haben sich beim Aufbau der Hochbeete und Bepflanzen der
Flächen beteiligt und das Gedeihen der Pflanzen interessiert verfolgt.
Sie nahmen die Tomaten für das Mittagessen im Fahrradhelm mit
nach Hause und kosteten frische Erbsen. Es wurde schnell deutlich,
dass die Kinder ein anderes Verhältnis zu Gemüse und Obst als zu

den abgepackten Waren aus dem Supermarkt entwickeln: Die Wertschätzung gegenüber dem, was selbst gepflanzt und geerntet wird,
ist deutlich höher.

Pläne für die Zukunft

Um das Projekt noch besser in der Gemeinde zu verankern und
noch mehr Menschen dafür zu gewinnen, soll es im nächsten Schritt
von den Randbereichen stärker ins Zentrum gerückt werden. Geplant
ist ein Hochbeet vor dem Wirtshaus im Hauptort Erdweg, in dem
Kräuter für die Wirtshausküche angebaut werden sollen. Eine weitere
Schnittstelle hat sich bereits mit dem Helferkreis Asyl im Ort ergeben.
Zusammen mit in Erdweg lebenden Asylbewerbern haben die
­„Essbare Gemeinde“ und Ehrenamtliche des Helferkreises Hochbeete
vor der Flüchtlingsunterkunft aufgebaut, in denen die Geflüchteten
ihr eigenes Gemüse anbauen und pflegen. Weitere Beete neben der
Unterkunft sind in Planung. 

KONTAKT:
Laurence Wauters
Essbare Gemeinde Erdweg
Telefon: 0176 63718134
essbareserdweg@t-online.de
www.essbare-gemeinde.de

LandInForm 1/2016 

41

AUS DER PRAXIS

Kulturprojekte
als Anker
Halten Kulturprojekte junge Menschen im ländlichen Raum?
Nein, zeigt die Erfahrung des Kulturvereins schwarzwurzel im
thüringischen Steinach. Sie können aber ein Anker in der Heimat
sein und deshalb Anknüpfungspunkte für Rückkehrer bieten. 
[ VON TOBIAS KURTZ ]

Im Sommer 2015
präsentierte
das Volkstheater
schwarzwurzel
das Theaterstück
„Schlummerland
ist abgebrannt“.
Es handelt vom
Vorabend des
Zweiten Weltkriegs.

Die Ruine des alten Güterschuppens am Bahnhof war von den Steinachern lange als Schandfleck
empfunden worden: Sie vermittelte
Besuchern bei ihrer Ankunft keinen
positiven Eindruck der Stadt. Der
Abriss des leeren Güterschuppens
war daher seit langer Zeit beschlossene Sache. Als die Ruine an zwei
Abenden zur Theaterbühne wurde,
erkannten die Bürger den besonderen Charme dieses Bauwerks und
diskutierten über die Umnutzung
alter Gebäude.
Die Kunst als Wegbereiter für die
Auseinandersetzung mit Raum und
Heimat – der Verein schwarzwurzel
hat in den vergangenen Jahren in
Steinach viele solcher Projekte umgesetzt. Die ehemalige „Welthauptstadt der Schiefergriffelproduktion“
befindet sich in einem radikalen

42  LandInForm 1/2016

Wandel, denn fast alle historischen
Industriezweige sind verschwunden
und die Bevölkerung ist seit 1990
um fast 30 Prozent auf 4 000 Einwohner geschrumpft.
Auch die Architektin Karolin Leipold
hatte Steinach verlassen. Als sie
2010 nach einer Möglichkeit freien
künstlerischen Arbeitens suchte,
kam ihr die Idee, sich mit ihrem eigenen Heimatort neu zu befassen.
Gemeinsam mit einem Kollegen
entwickelte sie das Projekt
schwarzwurzel: Künstler und Architekten aus Steinach und anderen
Regionen beschäftigten sich zusammen mit Einheimischen mit der
Geschichte und den vielfältigen
Wahrnehmungsbildern der Stadt.
Gefördert von der Thüringischen
Kulturstiftung und dem Fonds Soziokultur erfragten sie in der ersten

Projektphase typische Merkmale
der Stadt, Geschichten und Sagen
und bereiteten sie auf. Im Rahmen
des Projekts brachten sie Graffitis
auf Schieferhäusern auf, fertigten
Schmuck aus Schiefer, präsentierten Zeichnungen, Fotos, Videos,
Texte und Installationen in einer
leer stehenden Fabrik sowie
in einem Buch. Da die Resonanz
des Publikums alle Erwartungen
übertraf, entschieden sich einige
der Organisatoren und Teilnehmer,
das Projekt fortzusetzen.

Herausforderungen
des ländlichen Raums auf
der Theaterbühne

Im Jahr 2011 wurde das Volkstheater
schwarzwurzel gegründet, um die
in der ersten Projektphase gesammelten Geschichten der Stadt auf
die Bühne zu bringen. Dazu wurden

Laienschauspieler
zwischen acht und
68 Jahren standen
2015 auf der Bühne
des Volkstheaters.
Die Theatergruppe
produzierte die
Texte, Kostüme und
das Bühnenbild
des Stückes selbst.

Menschen aus Steinach und Umgebung
eingeladen, selbst Schauspieler zu sein
und sich aktiv in die Umsetzung des Vor­
habens einzubringen. Die künstlerische
Leitung übernahmen professionelle Regisseure. Nach zwei Wochen intensiver Proben
zeigten 25 Laienschauspieler Aufführungen
an verschiedenen Orten in der Stadt,
in leer stehenden Gebäuden und auf dem
zentralen Marktplatz. Das Stück war eine
Revue unterschiedlicher kleiner Episoden,
die sich mit der Frage junger Menschen
nach dem Weggehen oder Dableiben
beschäftigten. Sie ließen die ehemaligen
Bewohner nun leer stehender Häuser
imaginär zu Wort kommen und veran­
schaulichten den Zusammenhang zwischen
Globalisierung und schrumpfender lokaler
Wirtschaft.

Kleinstädte eignen sich
für Kunstprojekte

Foto: Doris Hein, Bianca Metzner

Die Erfahrungen der ersten beiden Projektphasen hatten gezeigt, welche Möglich­
keiten eine kleine Stadt wie Steinach für
Kulturprojekte bietet: Unbewohnte Häuser
und daher günstige Räumlichkeiten, eine
Menge spannender Themen und ein interessiertes Publikum. Dadurch war die Umsetzung eigener Ideen für die Künstler, die das
Projekt initiiert hatten, viel einfacher als in
Großstädten. Sie waren von der Vorstellung,
eigene Kulturprojekte anzustoßen und
weiterzuentwickeln, begeistert und gründeten
im Herbst 2011 gemeinsam mit dem Laienschauspielensemble den Kulturverein
schwarzwurzel. Damit wurde eine gemein­
same Plattform für weitere Vorhaben
geschaffen und dem zunächst zeitlich klar
umgrenzten Projekt eine langfristige
Perspektive gegeben.

Ortsgeschichte in die öffentliche
Wahrnehmung bringen

Seit der Gründung des Vereins hat sich
in Steinach ein umfangreiches Kultur­
programm entwickelt. Die Ausstellungen,
Theateraufführungen, Konzerte, Sommer­

kino-Vorstellungen und Workshops sollen
zum einen den Austausch zwischen den
Generationen fördern, zum anderen aber
auch einen Perspektivwechsel ermöglichen
und den Stadtraum beleben. Von zentraler
Bedeutung sind daher für viele Projekte
die Veranstaltungsorte und -räume: Das
Publikum wird in unbewohnte, sonst nicht
wertgeschätzte oder auch nicht betretbare
Räume gelockt, um zu zeigen, dass diese nicht
nur Ruinen sind, sondern voller Geschichten
stecken und Potenzial für die Zukunft bieten.
2013 hat der Verein beispielsweise eine
Gruppe Jugendlicher unterstützt, die sich mit
der Geschichte der Straße „Am Ockerwerk“
beschäftigte. Die Provinz-Magistrale aus den
1950er-Jahren ist von viergeschossigen
­Plattenbauten gesäumt, die zu großen Teilen
leer stehen und sich in keinem guten Zustand befinden. Für die noch hier ­lebenden
Menschen sind die Häuser aber ein besonderer Teil ihrer Lebensgeschichte: Wer zu
DDR-Zeiten eine Wohnung haben wollte,
musste 700 Arbeitsstunden auf der Baustelle
der Gebäude ableisten. Die Jugendlichen
machten die Geschichte der Straße, mit der
sich ihre Bewohner stark verbunden fühlen,
durch Interviews, Fotos und ein Straßenfest
in der Öffentlichkeit zum Thema.

Chancen der Gestaltung und
Umnutzung aufzeigen

Der Kulturverein schwarzwurzel schafft
nicht nur Bewusstsein für unbeachtete Orte.
Bei einigen Projekten ging er sogar noch
einen Schritt weiter: Architekturstudierende
der Bauhaus Universität Weimar wurden
nach Steinach eingeladen, um konkrete
Vorschläge für die Umgestaltung von
leer stehenden Gebäuden und Plätzen –
beispielsweise der Straße am Ockerwerk
und des Bahnhofsumfeldes mit dem Güterschuppen – zu machen. Nicht alle Entwürfe
konnten umgesetzt werden – beim Ockerwerk spielte die Baugenossenschaft nicht
mit, beim Güterschuppen war die Bausubstanz für eine langfristige Erhaltung zu
marode –, die Initiative konnte den Verant-

wortlichen und Bürgern jedoch potenzielle
Möglichkeiten der Umgestaltung aufzeigen.
Und es gibt bei der Bekämpfung des Leerstands auch echte Erfolge: Die ehemalige
Christbaumschmuckfabrik etwa, die vom
Verein schwarzwurzel als Atelier und Ausstellungsraum genutzt wurde, ist derzeit als
­Lagerfläche an einen Onlinehändler vermietet.

Weggezogene einbinden

Mit der steigenden Zahl der Projekte
musste die organisatorische Arbeit des
Vereins auf mehrere Schultern verteilt
werden, da insbesondere die Finanzierung
der Projekte über Mittel der Kultur- oder
Jugendförderung viel Verwaltungsaufwand
mit sich bringt. Für viele der erwachsenen
Vereinsmitglieder und Besucher hat der
Kulturverein eine Lücke im kulturellen An­
gebot der Region geschlossen oder ist sogar
zum neuen sozialen Umfeld geworden.
Zu Beginn gab es auch einen regen Zulauf
junger Menschen, die durch das Theater und
künstlerische Angebote angezogen wurden,
mittlerweile aber alle für Studium oder Beruf
den Ort verlassen haben. Kulturprojekte
allein können also insbesondere junge
Menschen nicht an einen Ort binden. Sie
können aber Verbindungen zum kulturellen
Leben in der Stadt herstellen und sind für
Weggezogene ein Anker in der Heimat und
ein Anknüpfungspunkt für die Rückkehr.
Für den Verein selbst ist es die größte
Herausforderung, sich stetig zu erneuern,
um auch für die Weggezogenen attraktiv
zu bleiben. 

KONTAKT:
Tobias Kurtz
Kulturverein schwarzwurzel e. V.
Telefon: 0163 7329287
info@schwarzwurzel.net
www.schwarzwurzel.net
LandInForm 1/2016 

43

AUS DER PRAXIS

Lena Stevens übernimmt
in ihrem FSJ-Kultur
vielfältige Aufgaben:
auch die Konzert­ansagen
auf dem Charlottenhof.

Nordlicht für
ein Kultur-Jahr

Nach dem Abitur wollte ich gerne ein Jahr lang
Erfahrungen sammeln, an mir selbst wachsen und
Leute kennenlernen. Eher zufällig stieß ich im
Internet auf das FSJ Kultur. Gelandet bin ich hier
in Nordfriesland, in Klanxbüll. Und ich muss sagen,
mir gefällt es super hier. Ich kann mich allerdings
noch sehr gut an den Moment erinnern, als ich
Zuhause vor dem PC saß, „Klanxbüll“ bei Google Maps
eingetippte und mir dachte: Das ist ja wirklich
am Ende von Deutschland, umgeben von mehr oder
weniger nichts. Ursprünglich komme ich aus einem
Dorf nahe Augsburg, ich habe die Nähe zur Stadt
immer sehr geschätzt. Meine Schule war in Augsburg
und nach dem Unterricht konnte ich dort etwas
unternehmen, ins Café gehen oder ins Kino. Die
anfänglichen Sorgen, es könnte in Klanxbüll lang­
weilig und einsam sein, stellten sich jedoch bald
als unbegründet heraus. Auf dem Charlottenhof
finden regelmäßig Konzerte, Märkte, Impro-Theater
oder Poetry Slams statt. Bei meiner Arbeit helfen
mir ehrenamtliche Helfer aus dem Ort und so konnte
ich schnell viele Einheimische kennenlernen. Gerade
das finde ich besonders schön in Klanxbüll: Ich bin
hier nicht irgendeine anonyme Freiwillige, sondern
wurde sofort in die Gemeinschaft aufgenommen.
Ich bin auch begeistert von der Natur und der Weite
der Landschaft hier. Mit den anderen FSJlern
mache ich viele Ausflüge – nach Sylt, Dänemark, Husum
oder Flensburg. Deshalb bin ich sehr froh über
den Bahnhof direkt im Ort. Ich konnte mir schon vor
dem FSJ Kultur für die Zukunft ein Leben auf dem
Land vorstellen, meine Erfahrungen hier bestärken
mich noch mal darin.
[VON LENA STEVENS]

44  LandInForm 1/2016

Im FSJ Kultur engagieren sich junge Menschen zwischen
16 und 27 Jahren für ein geringes Taschengeld zwölf
Monate lang freiwillig in Kunstschulen, Musikschulen,
Theatern oder anderen kulturellen Einrichtungen.
Sie können im FSJ Kultur ihre Potenziale kennenlernen,
Teamfähigkeit erproben und sich gleichzeitig beruflich
orientieren.
„Bei uns können die Jugendlichen kreativ sein, plattdeutsches Theater und verschiedene Musik­richtungen
kennenlernen, Friesisch oder Dänisch lernen“, sagt Bärbel Nissen-Schütt, Leiterin des Charlottenhofs und Betreuerin von Lena Stevens. Auf dem Hof arbeitet jedes
Jahr einer von rund 85 Freiwilligen, die sich in Schleswig-Holstein engagieren. Für den Charlottenhof sind
die jungen FSJler, die aus allen Teilen der Bundesrepublik kommen, ein Gewinn: „Wenn man Kultur auf dem
Lande anbieten möchte, muss man auch die jüngeren
Bevölkerungsschichten ansprechen“, sagt Bärbel Nissen-­
Schütt. „Die jungen Leute sind eine ganz wichtige
Brücke zu den Jugendlichen im Ort. Sie können mit
neuen Medien umgehen, kennen auch andere
Künstlergruppen und bringen neue Ideen
KONTAKT:
ein.“ Nach dem FSJ Kultur halten viele EheBärbel Nissen-Schütt
malige den Kontakt zum Charlottenhof und
Charlottenhof Kulturschwärmen von der Region. „Ob sie ­später
und Tagungshaus
auf dem Land leben wollen, weiß ich nicht“,
Telefon: 04668 92100
sagt Bärbel Nissen-­Schütt, „aber das Vorinfo@dercharlottenhof.de
urteil, dass hier alle stur sind und keiner
www.dercharlottenhof.de
redet, wird ihnen genommen.“ Eine Neubürgerin in Klanxbüll kann der CharlotSven Karger
tenhof sogar bereits für sich ver­buchen:
Landesvereinigung Kulturelle
Eine junge Frau, die von 2010 bis 2011
Kinder- und Jugendbildung
ein FSJ Kultur auf dem Charlottenhof
Schleswig-Holstein e. V.
machte, ist nach ihrer BerufsausbilTelefon: 044331 4396493-95
dung nach ­Klanxbüll zurückgekehrt. 
fsjkultur@lkj-sh.de
[VON ISABELLA MAHLER]

www.lkj-sh.de/fsj-kultur
www.fsjkultur.de

Foto: Matthias Fichtner

Im Freiwilligen Sozialen Jahr Kultur, dem FSJ Kultur,
arbeiten junge Menschen im Kulturbereich – viele von
ihnen auch auf dem Land. Die 19-jährige Lena Stevens
engagiert sich seit September 2015 im Kulturhaus
Charlottenhof in Nordfriesland. Macht das Probejahr
Jugendlichen das Landleben schmackhaft?

AUS DER PRAXIS

Ulf Häbel (rechts) mit
einer Gruppe tat­
kräftiger Unterstützer,
darunter Flüchtlinge

Das Dorf
zusammenschmieden

Foto: DENKSTRUKTUREN, Florian Kern

Im hessischen Freienseen entsteht die DorfSchmiede, ein Gebäude­komplex,
der Angebote der Nahversorgung und betreutes Wohnen zusammenfassen soll.
Die Idee dazu entstand 2011 – das Großprojekt ist aber noch nicht fertiggestellt.
Wie gelingt es, die Aktiven bei der Stange zu halten? [VON ANDREA BIRRENBACH]
Richtfest in Freienseen: Als der Rohbau der DorfSchmiede Ende 2015
endlich fertig war, stießen Dorf­be­
wohner und Unterstützer miteinander an. „Engagierte wertzuschätzen,
heißt bei uns nicht, eine goldene
Ehrennadel anzustecken – wir feiern
Feste“, sagt Ulf Häbel, evan­gelischer
Pfarrer im Ruhestand und Geschäftsführer der DorfSchmiede Freienseen
gGmbH. Gemeinsam mit einer Handvoll Freienseener hatte er ange­sichts
des demografischen Wandels im
Jahr 2011 die Idee, wesentliche Bereiche der Daseinsvorsorge vor Ort
neu entstehen zu lassen. In einem
moderierten Prozess haben sie
herausgearbeitet, dass die medizi­
nische Grundversorgung, der Bedarf
an Demenzprävention, Tagespflege,
betreutem Wohnen und einer Begegnungsstätte, ergänzt durch einen
Dorfladen, zentral in der Ortsmitte
gebraucht wird. Seitdem hält Häbel
die Fäden der DorfSchmiede in
den Händen, koordiniert die Unter­
stützer – fast jeder vierte der rund
800 Freienseener ist Mitglied im für
das Projekt gegründeten Förderverein „Vogelsberger Generationennetzwerk / Nachbarschaftsfamilie“
– und in­tegriert auch Flüchtlinge in
das Projekt. „Es braucht drei Moti­
vationsstränge, wenn ein Projekt
erfolgreich laufen soll: erstens
einen Raumpionier, eine Schlüsse­l­
figur, zweitens Rudelbildung, denn
Menschen brauchen Kontakte zu
anderen und drittens erste Erfolge.
Man muss relativ schnell etwas
vorzeigen können.“

Menschen müssen sich
begegnen

Mit zwei leer stehenden, denkmalgeschützten Fachwerk­häusern samt
Scheune in der Ortsmitte war schnell
ein passendes Gebäude für die
DorfSchmiede gefunden. Dann passierte eine ganze Zeit lang wenig,
da Gelder beschafft und die nötigen
Genehmigungen eingeholt werden
mussten. „Wenn der Erfolg zu lange
auf sich warten lässt, verlieren die
Ehrenamtler ihre Energie“, sagt
Häbel. „Aber wenn man dann das
Gerüst abbaut und eine renovierte
Fassade zum Vorschein kommt, entsteht neue Motivation.“ Um diese
Motivation zu erhalten, haben die
Freienseener bereits vier Feste
miteinander gefeiert – immer dann,
wenn sich ihre DorfSchmiede einen
Schritt weiterentwickelt hat. Häbel:
„Menschen, die gemeinsam an
etwas arbeiten, müssen sich immer
wieder begegnen.“
Ohne die Unterstützung so vieler
Freienseener hätte das Projekt
­keine Aussicht auf Erfolg, ist er sich
sicher. „Das Entscheidende ist immer, ob man den nötigen Rückhalt
im Dorf bekommt.“ Um sich diese
Rücken­deckung zu sichern,
hat Häbel die Dorfbewohner
von Anfang an teilhaben lassen. „Die DorfSchmiede wurde
nicht einfach am Reißbrett
­erfunden, sondern die Leute
im Dorf wurden gefragt, was
sie brauchen: Altersvor­sorge
ist bei uns das wichtigste

Thema.“ Seitdem ist das Projekt fest
im Dorf verankert und die alte Scheune der DorfSchmiede, die früher
tatsächlich einmal als Schmiede
genutzt wurde, dient dazu, die Bewohner des Dorfes zusammen­­­zu­
schmie­den – indem sie sie gegen
die Herausforder­ungen des
demo­grafischen Wandels wappnet.

Schwierig, aber machbar

Insgesamt wird die DorfSchmiede
rund 2,3 Millionen Euro kosten,
90 Prozent davon werden durch
Förder­gelder gedeckt, zehn Prozent
müssen durch Eigenleistungen
und Spenden zusammenkommen.
„230 000 Euro in Eigenleistung
aufzubringen, ist für ein Dörfchen
schwie­rig, aber machbar“, sagt
­Häbel optimistisch. Rund 50 000 Euro
Spenden sind bereits ein­gegangen.
Tragen soll sich die DorfSchmiede
schlussendlich zu einem kleinen Teil
durch den Dorfladen, vor allem aber
durch die Tages­pflege und das betreute Wohnen. Mitte 2016 wird die
DorfSchmiede öffnen – mit einem
Fest, versteht sich.

KONTAKT:
Dr. Ulf Häbel
DorfSchmiede Freienseen gGmbH
Telefon: 06405 506673
info@dorfschmiede-freienseen.de
www.dorfschmiede-freienseen.de

LandInForm 1/2016 

45

AUS DER PRAXIS

Kunst am Maisfeld
Große Kunstobjekte säumen die Ränder von Mais- und Rapsfeldern
rund um Bayreuth. Die Region hat sich sechs Jahre lang auf vielfältige
Weise mit Bioenergie befasst – auch künstlerisch.  [ VON BERND ROTHAMMEL ]
In Sichtweite des Dorfes Wirbenz
wird auf einer Wiese die Energie
der Sonne in Poesie umgewandelt.
Auf dem Blattstängel eines riesigen
Spitzwegerichs steigen lyrische
Landschaftsbetrachtungen aus
­ver­schiedenen Epochen empor.
In den Blättern der neun Meter
­ho­hen Aluminiumskulptur des
Spitzwegerichs erscheint mithilfe
einer Fotovoltaik-Anlage eine LEDLaufschrift. Die poetischen Textvorschläge haben Bürger ausgewählt. Sie sollen zeigen, auf welch
unterschiedliche Weise der
Mensch die Natur wahrnimmt.
Die Kunstskulptur „Photosymbiose“
ist im Rahmen der Initiative
­„energy-in-art“ der Bioenergie­­­re­
gion Bayreuth entstanden. Energyin-art ist das Herzstück und verbindende Element zwischen den
Initiativen der Bioenergieregion
Bayreuth. Die oberfränkische Stadt
und ihr Landkreis qualifizierten
sich 2008 bei einem Wettbewerb
des Bundesministeriums für
­Ernährung und Landwirtschaft
(BMEL) als eine von bundesweit
25 Bioenergieregionen. Ziel ist
es, in der Bioenergieregion neben
dem allgemeinen Ausbau des Wirtschaftszweiges der Bioenergie,
insbesondere den umweltverträg­
lichen Ausbau der Bioenergie, die
Konfliktprävention und die Wissens­
vermittlung im Bereich Bioenergie
zu verbessern. Damit soll die
­Akzeptanz für Bioenergie in der
Bevölkerung gesteigert werden.
Für die Projektkoordination war
das Regionalmanagement Stadt
und Landkreis Bayreuth GbR
­verantwortlich.

Schwieriger Weg bis zur
Finanzierung

Nachdem die Gegend rund um Bayreuth als Bioenergie-Modellregion
anerkannt worden war, konnte zwar
mit den meisten Projekten sofort

46  LandInForm 4/2015
1/2016

begonnen werden, es dauerte aufgrund von Finanzierungsproblemen
allerdings drei Jahre bis energy-­inart konkrete Formen annahm. Für
die sechsjährige Projektphase standen 640 000 Euro an Bundesmitteln
zur Verfügung, die Kunstprojekte
benötigten jedoch zusätzliche finanzielle Unterstützung. Die Suche nach
Finanzierungspartnern war zeitaufwändig und reich an Rückschlägen.
Die Konzeption wurde mehrfach
überarbeitet, damit sie für verschiedene Stiftungen und Mittelgeber
förderfähig war. Hierbei standen
dem Regionalmanagement ehrenamtliche Kunstexperten und ein
professionelles Kulturmanage­
mentbüro zur Seite. Schließlich
konnte durch Förderzusagen dreier
Stift­ungen und vor allem durch
die Bewilligung von LEADER-Mitteln
der Weg zur Kunst geebnet werden.
Seit 2012 wurden drei Energiekunstwerke enthüllt. Sie greifen das
Thema der Bioenergienutzung auf
und wirken als Landmarken. Darüber hinaus wurden ein mobiles
Kunstwerk, 15 Energiekunst-Workshops, drei Kunst-Performances
bei Fachveranstaltungen und zahlreiche Internet-Aktionen realisiert.
Der Projektkoordination ist es während der Projektphase gelungen,
für die Bioenergie-Initiativen über
die Bundesmittel hinaus insgesamt
830 000 Euro von regionalen Partnern, sechs Stiftungen, aus LEADER­Mitteln und von Sponsoren einzuwerben. Des Weiteren erhielt die
Region Bayreuth 2010 ein Preisgeld
von 20 000 Euro aus dem Wettbewerb „Kommunaler Klimaschutz“.

Umweltbildung mit Spaß

„Es mangelt an anschaulichen
Lernmaterialien zum Thema Bioenergie.“ Das hatten Lehrer und
außerschulische Umweltbildner
aus der Region Bayreuth vor
­einiger Zeit geäußert. Um diesen

Mangel in der Bioenergieregion
zu beheben, entwickelte eine
Promotionsstudentin der Universität Bayreuth Lernzirkel, bei denen
Schüler verschiedene Stationen
durchlaufen, an denen sie sich
jeweils interaktiv mit verschie­den­
en Themen der Bioenergie be­
fassen. Für den Bau der Stationen
konnten Mittel aus dem bayerischen
Umweltfonds und dem Kultur­fonds
Bayern gewonnen werden.
Die inzwischen als Projekt der UNDekade „Bildung für nachhaltige
Entwicklung“ ausgezeichneten
Lernzirkel wurden bisher von über
5 000 Schülern absolviert. Durch
die wissenschaftliche Begleitung
konnte gezeigt werden, dass die
spielerische und interaktive
Wissensvermittlung der Zirkel
den Lernerfolg nachhaltig positiv
beeinflusst. 2015 wurde für die
Lernzirkel eine neue Station ent­
wickelt, die Grundschulkindern
das sperrige Thema „Energie aus
organischen Abfällen“ anschaulich
und spielerisch näherbringt.

Konflikte vermeiden und
Alternativen aufzeigen

In der Bioenergieregion Bayreuth
sollen nicht ausschließlich Kunst
und Lernmaterialien dazu bei­
tragen, das Image der Bioenergie
in der Region zu verbessern.
Dass der Anbau von Energiemais
in einzelnen Gemeinden rund
35 Prozent der Ackerfläche beansprucht – die Biogasanlagen in der
Bio­energie­region Bayreuth erzeugen mittlerweile Strom für etwa
30 000 Haushalte – führt vor Ort
­immer wieder zu Kritik. Diese Konflikte sollen mit dem Anbau von
ökologisch günstigeren Dauerkulturen entschärft werden. In der Bioenergieregion Bayreuth werden seit
2009 über ein For­schung­sprojekt
von Pedro Gerstberger von der
Universität Bayreuth Energiepflanzen-Dauerkulturen angebaut.

2

1

1 Die energy-in-art Skulptur„Indikator“ von Hannes Neubauer
­markiert den Verlauf einer Bio­energie-Nahwärme­leitung. Der Zeiger
der Skulptur folgt stets der Sonne und wird durch ein Solarmodul
im Sockel mit Energie versorgt.
2 Das Kunstwerk „Photosymbiose“ von David Mannstein und Maria
Vill ist einer Spitzwegerichpflanze nachempfunden.

Insbesondere die Becherpflanze
zeigt gute Ergebnisse. Ein Feld­
versuch in Kooperation mit Landwirten aus der Bioenergieregion
Bayreuth vollzieht seit 2013 den
nächsten Schritt hin zum Praxisanbau der Becherpflanze. Eine be­
gleitende politische Initiative zur
Aufnahme von Dauerkulturen in
das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) hat bereits
erste Erfolge gezeigt: In der neuen
Förderperiode wird der Anbau von
Dauerkulturen gegenüber Energiemais nicht mehr benachteiligt.

Fotos: Regionalmanagement Stadt und Landkreis Bayreuth GbR

Bayreuth ist nicht nur Wagner

Es ist gelungen, in der Projekt­
laufzeit die gesetzten Ziele der Bioenergieregion Bayreuth zu er­
reichen: Die Informationsangebote
und öffentliche Diskussion über die
Energiekunstprojekte haben in
der Bevölkerung das Bewusstsein
für die Vorteile der erneuerbaren
Energien gesteigert, die kommunale Wertschöpfung aus ErneuerbareEnergie-Anlagen wurde verbessert
und das Netzwerk aus Finanzierungs- und Kooperationspartnern
ist deutlich gewachsen. Über 100
Akteure, unter anderem aus den
Bereichen Regionalmanagement,
Forschung, Umweltbildung, Planung,
Kunst, Landwirtschaft und Tourismus beteiligten sich an den Projekten der Bioenergieregion Bayreuth.

Besonders intensiv war die Kooperation mit dem Zweckverband
Müllverwertung Schwandorf (ZMS),
der 2012 als sogenannte Zwillingsregion eine Partnerschaft mit
der Bioenergieregion Bayreuth
­einging. Der ZMS unterstützte die
Bayreuther bei Kunst- und Umweltbildungsprojekten sowie Planungen
für eine Bioabfallvergärungsanlage.
Bayreuth wird heute nicht mehr nur
mit Richard Wagner gleichgesetzt,
sondern auch als Kompetenzregion
für erneuerbare Energien wahr­
genommen, was den Zugang zu
Fördermitteln und zu neuen Netzwerkpartnern erleichtert. Beispielsweise wurde die Region 2015 in den
nationalen „Arbeitskreis Kommunaler Klimaschutz“ berufen. Und
Bayreuth ist als klimaaktive Region
auch international gefragt: In den
vergangenen zwei Jahren wurden
Mitarbeiter des Landkreises als Referenten zu Fachkonferenzen
zum kommunalen Klimaschutz
nach Mailand, Bergamo, Brüssel,
Budapest und Seoul eingeladen.

Fortführung mit neuen
Fördermitteln

Ganz ohne Fördermittel geht es
auch künftig nicht. Mittel aus der
Nationalen Klimaschutzinitiative
ermöglichen, dass die Personalstärke der Bioenergieregion

voraussichtlich bis Ende 2020
erhalten bleiben kann. Die neue
Förderung erlaubt, das Aufgabengebiet von der Bioenergie auf
alle erneuerbaren Energien und
den Klimaschutz auszuweiten. ­
Die bisherigen Projekte können
fort­gesetzt werden. 

SERVICE:

Weitere Infos zu
den Bioenergie-Regionen:
www.bioenergie-regionen.de
Die Abschlussbroschüre
„Bioenergie-Regionen
2009-2015“ fasst die Ergebnisse
der Bioenergie-Regionen
zusammen und ist
im Download verfügbar:
www.mediathek.fnr.de

KONTAKT:
Bernd Rothammel
Landratsamt Bayreuth
Telefon: 0921 728-340
bernd.rothammel@region-bayreuth.de
www.bioenergieregion-bayreuth.de

LandInForm 1/2016 

47

FORSCHUNG TRIFFT PRAXIS

Daseinsvorsorge
zukunftsfähig machen
Immer weniger Menschen, immer ältere Menschen: Viele Landkreise müssen sich
mit den Folgen des demografischen Wandels für die Versorgungsinfrastruktur
und den öffentlichen Nahverkehr auseinandersetzen. Ein Forschungsprojekt hat
untersucht, wie Regionen in Mitteldeutschland aufgestellt sein sollten, um auch
in Zukunft handlungsfähig zu bleiben. 
[ VON MARTIN ALBRECHT, MICHAEL GLATTHAAR, AXEL STEIN UND KNUD TRUBBACH ]

Die Bevölkerung im Gebiet des Mitteldeutschen Ver­
kehrsverbundes (MDV) schrumpft. In den fünf
Landkreisen, die dem Tarifgebiet angehören – die
Land­kreise Altenburger Land, Leipzig, Nordsachsen
sowie der Burgenland- und Saalekreis – wird die
Bevölkerung von 953 000 im Jahr 2011 voraussichtlich
um 17 Prozent auf 788 000 im Jahr 2030 zurückgehen.
Gleichzeitig wird sich die altersstrukturelle Zusammensetzung der Bevölkerung ändern und die Anzahl
der Menschen über 64 Jahre um 20 Prozent erhöhen.
Wie zukunftsfähig sind im Zuge dieser Entwicklungen
Schlüsselinfrastrukturen wie Schulen, Hausarztpraxen
und Lebensmittelnahversorger? In welchen Gegenden
besteht besonderer Handlungsbedarf? Das vom Bun­
desministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
(BMVI) finanzierte Forschungsprojekt „Regionalstrategie Daseinsvorsorge: Mobilität – Infrastrukturen“
widmete sich in einem Modellvorhaben diesen Fragen.
Ziel war es, den Zugang zu Einrichtungen und Leis­
tungen der Daseinsvorsorge mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Raum des MDV für das
Jahr 2030 abzuschätzen, damit auf diesen Grundlagen
weitere Planungsschritte eingeleitet werden können.
In einem ersten Schritt entwickelten die teilnehmenden
Wissenschaftler des Forschungsprojekts gemeinsam
mit dem MDV und den Landkreisen ein ÖPNV-Linienund Haltestellennetz, das schrittweise eingerichtet
werden und dann bis 2030 bestehen kann. Vorhandene,
aber nicht durchgehend bediente Linien sollen in diesem Netz in einem Ein- oder Zwei-Stunden-Takt und
während eines erweiterten Zeitfensters fahren. Eine
frühzeitige, zukunftsorientierte Weiterentwicklung des
ÖPNV-Netzes war Teil des Projekts, damit sich die
weiteren Standort- und Infrastrukturplanungen daran
orientieren können.
In einem zweiten Schritt bewerteten die Forscher auf
Grundlage des vorgeschlagenen ÖPNV-Netzes den Zugang der Siedlungsbereiche zu ÖPNV-Haltestellen und
die Verfügbarkeit von Schlüsselinfrastrukturen wie
Hausarztpraxen, Lebensmittelgeschäfte und Schulen.
Bei den Arztstandorten wurden Hausarztpraxen, die
ein Cluster bilden und auch Praxen, in denen mehrere

48  LandInForm 1/2016

Ärzte arbeiten, als zukunftssicherer eingeschätzt als
Einzelpraxen. Beim Lebensmitteleinzelhandel galt eine
Mindestverkaufsfläche von 400 Quadratmetern als
Indikator für Zukunftsfähigkeit. Um die Zukunftsfähigkeit der Schulstandorte zu beurteilen, wurden der
Berechnung die landesspezifischen Mindestschülerzahlen zugrunde gelegt. Ein Siedlungsbereich galt
dann als an den ÖPNV angebunden, wenn die maxi­
male Entfernung vom Wohnort zur Haltestelle
500 Meter betrug. Wenn sich an einem Siedlungsbereich Daseinsvorsorge-Infrastrukturen bündelten oder
zusätzlich eine ÖPNV-Haltestelle vorhanden war,
wurde der Standort als zukunftssicherer bewertet
als ein Standort ohne Infrastruktur-Bündelung und
ÖPNV-Anbindung. Die Bewertungsergebnisse bildeten
schließlich die Grundlage für eine Typisierung von
Siedlungsflächen, die zeigt, in welchen Räumen Handlungsbedarf besteht (siehe Abbildung).

60 Prozent gut angebunden, 40 Prozent nicht

Demnach sind im Jahr 2030 die Wohnorte von rund
60 Prozent der Bevölkerung in den fünf Landkreisen
durch das neu entwickelte Regionalnetz des ÖPNV
im Ein- und Zwei-Stunden-Takt gut erschlossen und
die Menschen haben entweder über das ÖPNV-Netz
oder in fußläufiger Reichweite einen Zugang zu den
Ver­sorgungsinfrastrukturen (Typ 1). Etwa 40 Prozent
der Bevölkerung in den fünf Landkreisen leben außerhalb der Haltestelleneinzugsgebiete des Regional­
netzes (Typ 2 und 3). Das bedeutet, dass die Bewohner von wohnortnaher Versorgungsinfrastruktur
abhängig sind oder Fahrten mit dem Pkw zurücklegen
müssen, um Einrichtungen der Daseinsvorsorge zu
erreichen. ­Sieben Prozent der Menschen wohnen in
verdichteten Gebieten außerhalb des Regionalnetzes
(Typ 2). Sie sind vergleichsweise gut versorgt –
ebenso wie die zwölf Prozent der Bevölkerung, die
zwar keinen Zu­gang zum Regionalnetz haben, dafür
aber in Siedlungen ­leben, die mit einzelnen oder
mehreren Schlüssel-­Infrastrukturen ausgestattet sind
(Typ 3a und 3b). 21 Prozent der Bevölkerung in den
ländlichen Gebieten werden 2030 keinen Zugang zum
Re­gionalnetz des ÖPNV und zu den Versorgungsinfrastrukturen haben (Typ 3c).

FORSCHUNG TRIFFT PRAXIS

1

21

27

Typ 1	 durch das Regionalnetz erschlossen
	
Regionalnetz 1, Einzugsbereich 300m (Typ 1a)
	
Regionalnetze 1+2, Einzugsbereich 500m (Typ 1b)
Typ 2	 außerhalb des Regionalnetzes (verdichtete Gebiete)
	
im Verdichtungsraum (Typ 2a)
	
in Kernstädten von Mittelzentren (Typ 2b)

7
5
3

4
33

Typ 3	 Außerhalb des Regionalnetzes (ländliche Gebiete)
	
Vollausgestattete Versorgungsorte (Typ 3a)
	
teilausgestattete Versorgungsorte (Typ 3b)
	
Siedlungsbereiche ohne Infrastruktur (Typ 3c)
2

1  Das Kartenmaterial verbildlicht den Zugang der Siedlungsbereiche zu Infrastrukturen der Daseinsvorsorge im Jahr 2030.
2 Anteil der Einwohner nach Siedlungstypen im Jahr 2030 in Prozent (Quelle: GGR/kcw)

Quelle: Kleinräumige Einwohnerschätzung © BBSR Bonn 2013, Grundlage: LOCAL © Nexiga 2013, ATKIS Basis DLM © BKG/GeoBasis-DE 2012

Bürgerengagement kann Abhilfe schaffen

Mithilfe der Siedlungstypisierung haben die Wissenschaftler Siedlungsbereiche mit ähnlichen zukünftigen
Herausforderungen identifiziert und Handlungsem­
pfehlungen entwickelt: Für Orte, die außerhalb der
­ÖPNV-Erschließung mit Voll- oder Teilausstattung liegen
(Typ 3a und 3b), ist die Vor-Ort-Versorgung von hoher
Bedeutung – insbesondere für weniger mobile Bevöl­
kerungsgruppen. Die Wissenschaftler raten deshalb
dazu, sie auch zukünftig aufrecht zu erhalten. In den
Kommunen und Landkreisen sollte daher geprüft
­werden, ob sich mithilfe von bürgerschaftlich getragenen Modellen, wie einem Genossenschaftsladen oder
einem Bürgerbus, die Infrastruktur eines Ortes erhalten
lässt, oder ob es Möglichkeiten gibt, beispielsweise die
Unternehmensnachfolge von Einzelhändlern und Ärzten
zu unterstützen. Alternative Versorgungs- und Erreichbarkeitskonzepte sollten auch für die weder durch den
ÖPNV angebundenen noch mit Versorgungsinfrastruktur
ausgestatteten Bereiche (Typ 3c) geprüft werden.
­Letztlich ist aber nicht auszuschließen, dass trotz aller
­Bemühungen Teilräume verbleiben, die dauerhaft von
einer guten oder akzeptablen ÖPNV-Anbindung aus­
geschlossen sind und auch nicht über fußläufig erreich­
bare Versorgungsinfrastrukturen verfügen. Sofern die
Bevölkerung dort nicht abwandert, müsste die Organisation von Mobilität und Versorgung zwangsläufig
über die lokale Zivilgesellschaft oder privat vorge­

nommen werden. Es wäre die Aufgabe von Aushandlungsprozessen auf regionaler Ebene zu
prüfen, unter welchen Bedingungen und in
welcher Größenordnung eine solche Entwicklung politisch akzeptiert werden kann.
Die Einrichtung des im Forschungsprojekt
entwickelten ÖPNV-Netzes und die
Um­setzung der erarbeiteten Handlungsempfehlungen für die verschiedenen
Siedlungsbereiche liegen nun bei den
fünf Landkreisen und ihren Kommunen.
Sie konnten im Rahmen des Projektes
gemeinsame Bewertungen und Schwerpunkte erarbeiten, detaillierte Strategien für Teilräume müssen aber auf
­lokaler Ebene innerhalb der Region
weiterentwickelt werden. 

SERVICE:

Die vollständige Studie
„Sicherung der Daseins­­
vorsorge durch regionale
Abstimmung von ÖPNVund Versorgungsstrategien“
ist online abrufbar:
www.kurzlink.de/BBSR_12_15

KONTAKT:
Dr. Axel Stein
KCW GmbH – Strategieund Managementberatung
Telefon: 030 4081768-88
stein@kcw-online.de

LandInForm 1/2016 

49

PERSPEKTIVEN Bildung & Forschung

Das Naturkapital
ländlicher Räume
Die Ökosysteme des ländlichen Raumes stellen der Gesellschaft
eine große Vielfalt an Leistungen bereit. Wie viel sind diese
Leistungen wert? Wie können sie erhalten und gefördert werden?
Eine Studie hat sich diesen Fragen gewidmet. 
[ VON CHRISTOPH SCHRÖTER-SCHLAACK UND URS MOESENFECHTEL ]

Die Natur im ländlichen Raum ist unentbehrlich für das
menschliche Wohlbefinden und die wirtschaftliche
­Entwicklung. Ackerböden sind die Grundlage für die Erzeu­
gung von Nahrungsmitteln und Energiepflanzen.
Wälder versorgen uns mit Holz und schützen durch
die Bindung von Kohlenstoffdioxid unser Klima.
­Naturnahe Flussauen mindern die Auswirkungen von
­Hochwasserereignissen und halten Nährstoffe zurück,
die sonst zu einer Eutrophierung der Meere, einer
­unerwünschten Anreicherung von Nährstoffen, beitragen. Schließlich besitzen die vielfältigen Naturräume
und Kulturlandschaften im ländlichen Raum oft einen
hohen ästhetischen Wert, bieten Erholungsmöglich­
keiten und vermitteln ein Gefühl von Heimat. All diese
Leistungen der Natur sind sogenannte Ökosystem­
leistungen, die als Zins eines intakten Kapitalstocks an
Natur begriffen werden können.

Mit dem Naturkapital in ländlichen Räumen haben sich
unter Leitung der Leibniz-Universität Hannover rund
130 Autoren in der Studie „Ökosystemleistungen in
ländlichen Räumen – Grundlage für menschliches Wohlergehen und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung“
beschäftigt. Die in der Studie gewählte ökonomische
Perspektive auf den Umgang des Menschen mit der Natur
kann dazu beitragen, ein stärkeres Bewusstsein für
die vielfältigen Leistungen der Natur zu gewinnen und
(Fehl-)Anreize und Entscheidungsdefizite aufzudecken,
die zum Rückgang der biologischen Vielfalt im ländlichen
Raum führen. Die Untersuchung ist Teil des Projekts
„Naturkapital Deutschland – TEEB DE“, das durch das
Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundes­
ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert und am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) koordiniert wird.

Verlust des Naturkapitals hat gesellschaftliche Folgen

Nutzen und Kosten des Umbruchs naturschutzfachlich wertvollen
Grünlands aus gesellschaftlicher Perspektive

Klimaschutz 700 – 2 240 Euro
Grundwasserschutz 40 – 120 Euro
Naturschutz 300 – 1 000 Euro
Versorgungsleistungen
für den Landwirt 370 – 600 Euro

-2 000 € -1 500 € -1 000 € -500 €
Kosten in Euro pro Hektar und Jahr

0 €

500 €

1 000 €

Nutzen in Euro pro Hektar und Jahr

Die Bandbreite der Nutzen und Kosten ergibt sich aus der Veränderung
­verschiedener Ökosystemleistungen und der Zahlungsbereitschaft der
­Bevölkerung für grünlandbezogenen Naturschutz (exemplarische Darstellung).
Quelle: Veränderte Darstellung nach Naturkapital Deutschland – TEEB DE, 2016

50  LandInForm 1/2016

Ländliche Räume besitzen ein breites Potenzial an Ökosystemleistungen. Nur wenige Bereiche, wie etwa die
­Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte, werden gezielt
gefördert – oft zu Lasten anderer Ökosystemleistungen.
Die Umweltprobleme, die gerade in intensiv genutzten
Agrarlandschaften auftreten, zeigen: Eine immer intensivere Landwirtschaft führt zum Verlust von Lebensräumen, zum Ausstoß von Klimagasen und einer übermäßigen Nährstoffbelastung der Gewässer und Meere.
Besonders deutlich wird diese Entwicklung am Beispiel
des Grünlands. Aufgrund der Flächeninanspruchnahme
für Siedlungs- und Verkehrszwecke, der Intensivierung
der Milchviehhaltung und der Steigerung des Energiepflanzenanbaus ist der Anteil des Grünlands an der
landwirtschaftlich genutzten Fläche in den vergangenen
20 Jahren beständig zurückgegangen. Viele Wiesen und
Weiden wurden umgebrochen und in Ackerland umgewandelt – auch naturschutzfachlich wertvolle Flächen
sind verschwunden. Mit dem Grünland gehen der Gesell­
schaft wertvolle Ökosystemleistungen verloren (siehe
Abbildung). Je Hektar und Jahr kosten der erhöhte
­Ausstoß der Klimagase von Acker- gegenüber Grünland,
die Verschlechterung der Grundwasserqualität und der
Verlust biologischer Vielfalt die Gesellschaft zwischen

Wälder erfüllen vielfältige
­Öko­systemleistungen:
Sie schützen beispielsweise
­Klima und Boden, versorgen
uns mit Holz und dienen
der Erholung.

440 und 3 000 Euro. Dieser Berechnung wurden die Schadenskosten
der Klimagasemissionen, die Kosten der Reinigungstechnologie
für Grundwasser und die Zahlungsbereitschaft der ­deutschen Bevölkerung für Grünlandschutz, die bei einer repräsentativen Umfrage
­ermittelt wurde, zugrunde gelegt.
Ein weiteres Problem sind die hohen Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft in die Oberflächengewässer und das Grundwasser. Sie erschweren in einigen Regionen Deutschlands die Trinkwassergewinnung erheblich. Laut Bericht der Bundesregierung wird an 14 Prozent
der nationalen Messstellen die zulässige Nitratkonzentration von
50 Milligramm pro Liter überschritten. Das Europäische Stickstoff-­
Assessment aus dem Jahr 2011 zeigt, dass die gesellschaftlichen Kosten
der landwirtschaftlichen Stickstoffüberschüsse, insbesondere durch
Schäden an der menschlichen Gesundheit infolge von Nitratbelastungen, bis zu drei Prozent des Europäischen Bruttoinlandsproduktes
ausmachen. Die Kosten für die Gesellschaft übersteigen damit den
Nutzen der ­erhöhten agrarischen Produktion, der überwiegend
landwirtschaft­lichen Unternehmen zu Gute kommt.

Nachhaltige Bewirtschaftung als kostengünstige Lösung

Um die Kosten der Trinkwasseraufbereitung zu senken, schließen
Wasserversorger und Landwirte in einigen Trinkwassergewinnungsgebieten Vereinbarungen über eine gewässerschonende Landwirtschaft.
Für die Landwirte bieten die vertraglichen Vereinbarungen ­einen
­finanziellen Ausgleich für Ertragseinbußen, die ihnen durch die schonende Bewirtschaftung entstehen ­können; für die Wasserversorger
bedeuten die Kooperationen mit den Landwirten reale Kosteneinsparungen, die sie letztlich auch an den Kunden weitergeben können.
So schätzen die Kommunalen Wasserwerke Leipzig, dass für sie diese
Kooperationen in den Einzugsgebieten ihrer Wasserbrunnen bis zu
sieben Mal günstiger ­ausfallen als eine technische Trinkwasseraufbereitung belasteten Grundwassers. Die Nährstoffbelastung von Oberflächengewässern kann auch dann wirksam reduziert werden, wenn

Landwirte beispielsweise Gewässerrandstreifen anlegen. Eine Studie
zum volkswirtschaftlichen Nutzen von Gewässerrandstreifen in Nieder­
sachsen zeigt: Der ökonomisch bewertbare Nutzen dieser Maßnahme
für die Fluss- und Meeresökosysteme und ihre Fisch­bestände übersteigen die Kosten für die Anlage und ­Unterhaltung der Randstreifen
um das 1,8-Fache.

Erhaltung des Naturkapitals besser honorieren

Die Studie „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ macht deutlich:
Im ländlichen Raum können oftmals bereits auf kleinen Flächen und
mit wenigen Maßnahmen wichtige Wirkungen für das Naturkapital
­erzielt werden. Die vom Naturkapital ausgehenden Ökosystemleistungen kommen der gesamten Gesellschaft zu Gute. Um beispielsweise
Hecken anzulegen oder zu pflegen, müssen verhältnismäßig kleine
Flächenanteile aus der Nutzung genommen werden – die positiven
Effekte auf den Boden- und Hochwasserschutz, das Landschaftsbild
und die biologische Vielfalt wirken sich aber auf einen viel größeren
Raum aus. Doch es werden dringend weitere Maßnahmen für den
dauerhaften Schutz des Naturkapitals ­benötigt. Die flächendeckende
Naturzerstörung muss abgemildert und sensible und besonders
wertvolle ­Bereiche der Natur sollten geschützt werden. Der Einsatz
öffentlicher Mittel sollte daher stärker als bisher an die Bereitstellung
eines gesellschaftlich ausgewogenen Bündels von Ökosystemleistungen
geknüpft werden. Dies lässt sich umsetzen, indem die Direktzahlungen
zur Einkommensstützung in der ersten Säule der Gemeinsamen
­Agrarpolitik (GAP) schrittweise abgeschafft werden und dafür verstärkt
Mittel in die zweite Säule der GAP fließen. Die öffentlichen Leistungen,
die viele Landwirte erbringen, könnten mit diesen Mitteln angemessen
und effizient honoriert werden. So kann ein umweltschonender Umbau in der Landbewirtschaftung erfolgen, der Landwirte in der Erhaltung gesellschaftlich wertvoller, aber über den Markt nicht ausreichend vergüteter Ökosystemleistungen, unterstützt. Ein solcher Umbau
würde nicht nur dem Naturschutz dienen, sondern eine zukunftsfähige
Landwirtschaft sichern. 

Foto: Peter Prokosch, www.grida.no

SERVICE:

Zum Weiterlesen:
Helmholtz-Zentrum für Umwelt­forschung und Leibniz Universität Hannover
(Hrsg.), 2016: Naturkapital Deutschland – TEEB DE. Ökosystemleistungen in
ländlichen Räumen – Grundlage für menschliches Wohlergehen und nachhaltige
wirtschaftliche Entwicklung. Schluss­folgerungen für Entscheidungsträger.
­Leipzig, Hannover.
Die Studie ist im Download verfügbar: www.naturkapital-teeb.de

KONTAKT:
Urs Moesenfechtel
Helmholtz-Zentrum für
Umweltforschung – Department
Ökonomie
Telefon: 0341 235 1680
urs.moesenfechtel@ufz.de
www.ufz.de

LandInForm 1/2016 

51

PERSPEKTIVEN Politik & Gesellschaft

Schnell,
einfallsreich,
flexibel
Ob groß oder klein:
Baden-Württemberg ist stolz auf
seine bäuerlichen Familienbetriebe.
[VON JOACHIM HAUCK]

Für jemanden, der wie der Autor vor
über 60 Jahren als eines von sechs
Kindern in einen drei Hektar großen
Realteilungsbetrieb in Baden-­
Württemberg hineingeboren wurde,
im Laufe seines Berufslebens hunderte
Betriebe kennenlernte, Anfang der
neunziger Jahre auch einige Betriebe
in Sachsen bei ihrer Entwicklung be­
gleiten durfte, ist Größe relativ. Mit
den richtigen Entscheidungen können
kleine und große Betriebe nachhaltig
und erfolgreich sein und zufriedene
Unternehmerfamilien haben.
Allerdings stehen viele Länder mit
kleinbetrieblichen Strukturen wie
Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz oder auch Österreich
und die Schweiz im ländlichen Raum
erfolgreicher da als Länder mit großen landwirtschaftlichen Strukturen
wie beispielweise in den östlichen
Bundesländern. Dort gibt es häufiger leere Landstriche mit wenigen
Arbeitsplätzen und hohe Landflucht.
Ist das nur ein historischer Zufall?
In Baden-Württemberg spielen die
kleinen Betriebe jedenfalls eine
große Rolle.

Überwiegend kleine Betriebe
in Familienhand

Ausgehend von einer äußerst kleinteiligen Agrarstruktur mit 350 000
Betrieben zu Beginn der 1950er-Jahre,
die durch das jahrhundertelang

52  LandInForm 1/2016

­geltende Realteilungserbrecht
entstanden war, hat sich Baden-­
Württembergs Landwirtschaft in den
vergangenen Jahrzehnten stark ge­
wandelt. 1985 waren es noch 135 000
Betriebe, heute sind es noch rund
42 000. Ihre Anzahl nimmt jährlich um
drei Prozent weiter ab. Die durchschnittliche Betriebsgröße stieg
von etwa elf Hektar im Jahr 1985 auf
rund 33,5 Hektar im Jahr 2014. Sie
liegt damit unter dem Durch­schnitt
in den westlichen Bundesländern
mit knapp 43 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche je Betrieb und
weit unter der durchschnittlichen
Betriebsgröße in den östlichen
Bundesländern mit rund 230 Hektar.
Neben zahlreichen leistungsfähigen
spezialisierten Betrieben mit hoher
Wettbewerbskraft prägen die ba­den-­
württembergische Landwirtschaft
standortangepasste mittlere und
kleine Familienbetriebe. Über
90 Prozent der landwirtschaftlichen
Betriebe sind in Familienhand und
werden in der Rechtsform als so
­genannte Einzelunternehmen geführt. Das heißt: Familien leiten,
­verantworten und finanzieren ihre
Betriebe weitgehend selbst. Die
­Familienmitglieder erbringen auch
die wesentlichen Arbeitsleistungen.
Familienleben und Betrieb sind
eng miteinander verbunden. Der
Betrieb wird von einer Generation zur
nächsten weitergegeben. Von den
rund 181 600 Arbeitskräften in der
Land- und Forstwirtschaft BadenWürttembergs sind 81 000 Familien-,
21 400 Fremd- und 79 200 Saison­
arbeitskräfte. Die baden-württembergische Landwirtschaft trägt mit
1,635 Milliarden Euro (2013) rund
neun Prozent zur landwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung von
Deutschland bei.

Nebenerwerb ist dauerhafte
Erwerbsform

Eine baden-württembergische Besonderheit ist mit etwa zwei Dritteln
der relativ große Anteil an Neben­
erwerbsbetrieben. Dabei ist der
Nebenerwerb kein Stadium zwischen
Haupterwerb und Betriebsaufgabe,
sondern eine dauerhafte und vollwertige Erwerbsform. Sie herrscht
vor allem an Standorten vor, an
denen die natürlichen Voraus­
setzungen schwierig sind und für
den Haupterwerb nur begrenzte
Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Da viele Nebenerwerbsland­
wirte auch noch Grenzertragsstandorte bewirtschaften, sind sie für
den Erhalt der Kulturlandschaft
unverzichtbar. Das vielfältige An­
gebot an Arbeitsplätzen außerhalb
der Landwirtschaft in Baden-Württemberg ermöglicht den Landwirten
im Nebenerwerb unterschiedliche
Einkommenskombinationen und
Produktionsrichtungen.

Betriebe gehen
verschiedene Wege

Die Kostenführerschaft und das
­Bestehen auf globalisierten Märkten
sind unter diesen Voraussetzungen
für die baden-württembergische
Landwirtschaft schwierig. Für einen
Teil der Betriebe ist dies dennoch
ein möglicher Weg – das beweisen
auch bäuerliche Familienbetriebe.
Andere Betriebe nutzen die Ver­
markt­ungspotenziale für hochwertige landwirtschaftliche Produkte vor
Ort. Kurze Transportwege, die Frische,
der Geschmack und nach­prüfbare
Produktionsverfahren – viele Verbraucher entdecken heute wieder
die Vorzüge der regional erzeugten
Agrarprodukte. Bäuerliche Familienbetriebe in Baden-Württemberg
profitieren von dieser Wiederbe­

Strukturunterschiede in der deutschen Landwirtschaft

74,7
273,5

Durchschnittliche landwirtschaftliche Nutzfläche
je Betrieb in Hektar
0 – 99 ha

100 – 199 ha

63,9

200 – 299 ha

∅ Deutschland	 58,3 ha

243,3

271,9
42,0

Anteil der Nebenerwerbsbetriebe in Prozent
	
30 – 39% 	
		
	
40 – 49%	
		
	
50 – 59%	
		
		
	
60 – 69%	
		

45,4

Niedersachen, Schleswig-Holstein
Nordrhein-Westfalen

145,8

223,1

37,4

Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern 	
Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Thüringen

59,6

Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen,
Saarland

33,7
33,6

∅ Deutschland 	 52%
Quelle: Statistisches Bundesamt

lebung des regionalen Bezugs und streben
nach der Qualitätsführerschaft. Das zeigen
beispielsweise Sonderkulturbetriebe,
­Ökobetriebe und Betriebe, die gemäß Tierwohl-Labels produzieren.
Zu den bekanntesten regionalen Spe­zia­li­
täten zählen Bauländer Grün­kern, Badischer
Spargel, Bühler Zwetschgen, Schwarzwälder
Kirschwasser, Linsen von der Alb und Obst
vom Bodensee. Einige Spezialitäten wie der
Allgäuer Emmentaler sind nach EU-Recht
geschützte geo­grafische Angaben. Mit dem
„Bio-Zeichen Baden-Württemberg“ und dem
„Qualitätszeichen Baden-­Württemberg“
­gekennzeichnete Pro­dukte garantieren eine
gesicherte Qualität in Verbindung mit der
regionalen Herkunft.
Für viele bäuerliche Familienbe­trie­be ist
die betriebliche Diversi­fi­zierung eine Strategie, um ein angemessenes Einkommen zu
er­zielen. Etwa ein Viertel der Betriebe erzeugt erneuerbare Energie, ungefähr sieben
Prozent sind in der Direktvermarktung,
­beispielsweise mit einem Hofladen aktiv,
rund vier Prozent betreiben Pensionspferdehaltung und etwa 3,5 Prozent haben sich
mit Agrotourismus ein weiteres Standbein
aufgebaut – Tendenz steigend. Dies zeugt
vom unternehmerischen Geschick,
­Marktchancen zu erkennen und die eigenen
­Ressourcen optimal zu nutzen.
Nicht allein der Größte, sondern auch der
Schnellste, Einfallsreichste und Flexibelste

kann heute auf dem Markt bestehen.
Viele bäuerliche Familienbetriebe in
­Baden-Württemberg zeichnen sich durch
eben diese Anpassungsfähigkeit aus.
Bei allen Chancen und Möglichkeiten darf
man jedoch nicht verkennen, dass die
­Diversifizierung besondere Anforderungen
an das Unter­nehmens- und insbesondere
an das Zeitmanagement der Unternehmerfamilie stellt.

Doppelstrategie stärkt
Familienbetriebe

Die Aufgabe der ländlichen Entwicklung allgemein ist es, den Struk­turwandel in der
Land­wirt­schaft ­abzufedern und den Menschen
im ländlichen Raum eine wirtschaft­liche
Zukunft in der Heimat zu ermöglichen.
­Damit dies weiterhin gelingt, verfolgt Baden-­
Württemberg mit seiner Agrar­politik eine
Doppelstrategie. Einerseits unterstützt das
Land die Bauern dabei, ihre Betriebe so
auszurichten, dass sie mit einem passenden
Betriebskonzept am Markt bestehen können.
Hierfür wurde die Beratung neu gestaltet
und ­gestärkt. Die Agrarinvestitionsförderung (AFP), die Förderung von Verarbeitung
und Vermarktung und die Diversifizierung
der Betriebe sind weitere wichtige Elemente.
Andererseits fordert und fördert BadenWürttemberg eine umweltgerechte Bewirtschaftung. Es zahlt den Bauern einen
­Ausgleich für die vielen gesellschaftlichen
Leistungen, die von ihnen erwartet, aber
am Markt nur ungenügend oder gar nicht
­honoriert werden. Dazu ­gehören die Agra-

rumwelt-, Ökolandbau-, Tierschutz- und
Weideprämien, Ausgleichszahlungen für
benachteiligte Gebiete, Landschaftspflegeund Vertragsnaturschutzprogramme,
­ebenso wie Inves­titions­förderungen speziell
für kleine Betriebe und Investitionen im
Bereich der Landschaftspflege.
Die zur Umsetzung beider Strategieansätze
notwendigen Anreize und Förderprogramme
sind im Maß­nahmen- und Entwicklungsplan
des Landes für den ländlichen Raum
(MEPL III) zusammengefasst. Nur wenn beides geschieht – Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und Zahlung von
Ausgleichszulagen für ökologische, soziale
und tierethische Leistungen – kann
Baden-Württemberg eine zukunfts­fähige
Landwirtschaft erhal­ten. Dafür ist das Land
gut aufgestellt. 

KONTAKT:
Joachim Hauck
Ministerium für Ländlichen Raum
und Verbraucherschutz
Baden-Württemberg
Telefon: 0711 126-2318
Joachim.Hauck@mlr.bwl.de
www.mlr.baden-wuerttemberg.de

LandInForm 1/2016 

53

PERSPEKTIVEN Partner & Experten

Kommunen
für Artenvielfalt
Innerhalb und außerhalb der Siedlungsbereiche tragen
­Kommunen eine große Verantwortung für den Erhalt
von Tier- und Pflanzenarten und ihren Lebensräumen.
Einige bilden zusammen das Bündnis „Kommunen
für ­biologische Vielfalt“. Was möchten sie erreichen?

Kommunen
sollten sich
klarmachen,
welchen
zusätzlichen
Nutzen Naturschutzprojekte
bieten.“

Herr Herbst, warum sind gerade Kommunen wichtige
Akteure für den Schutz der Artenvielfalt?
Durch die Intensivierung der Landwirtschaft oder die
Zerschneidung der Landschaft gehen auch außerhalb
des Siedlungsbereichs immer mehr Lebensräume ver­
loren. Kommunen können hier aufgrund ihrer großen
Strukturvielfalt mit Parks, Kleingärten, Straßenbegleitgrün, Gewässern und Gebäuden Ersatzlebensräume
bieten und verfügen somit über beste Voraussetzungen
für großen Artenreichtum. Kommunen besitzen auch
umfassende Kompetenzen in Planung, Verwaltung und
Politik. Sie können über den Umgang mit der Natur
und Landschaft vor Ort entscheiden und entsprechende
Rah­menbedingungen gestalten – beispielsweise in Land­
schafts-, Grünordnungs- und Bebauungsplänen. Die
Natur in den Kommunen bietet den Bürgern zudem
die Möglichkeit zum unmittelbaren Naturerleben. Erst
dadurch kann eine echte Wertschätzung für die Natur
entstehen, die dann wiederum auch Grundlage für den
Naturschutz außerhalb der Kommunen ist.
260 Landkreise, Städte und Gemeinden haben bisher
die Deklaration „Biologische Vielfalt in ­Kommunen“
­unterzeichnet, die das Bündnis initiiert hat. Wozu haben
sich die Unterzeichner­kommunen verpflichtet?
Die Deklaration ist eine freiwillige Selbstverpflichtung
der unterzeichnenden Kommunen, sich für den Schutz
der biologischen Vielfalt einzusetzen. In der Deklaration
sind hierzu vier Handlungsbereiche genannt: Arten- und
Biotopschutz, die nachhaltige Nutzung der natür­lichen
Lebensgrundlagen, Umweltbildung und Koopera­tion
sowie Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich.

54  LandInForm 1/2016

Zu jedem Handlungsfeld werden zudem Handlungs­
möglichkeiten aufgezeigt: Beispielsweise können sich
Kommunen zu einer naturnahen Pflege öffentlicher
Grün­flächen bekennen, weitgehend auf Pestizide und
Düng­ung verzichten, die Mahdfrequenz reduzieren
und bei Anpflanzungen auf gebietsheimisches Saatgut
zurückgreifen.
Welche Voraussetzungen müssen ländliche
Mitgliedskommunen schaffen, damit sich die Ziele
der Deklaration umsetzen lassen?
Für die Kommunen ist es nicht immer einfach über die
gesetzlichen Pflichtaufgaben hinaus auch noch frei­
willige Artenschutzmaßnahmen umzusetzen. Hierzu fehlen insbesondere in kleinen Kommunen oftmals die
finanziellen und personellen Möglichkeiten. Sie sollten
sich daher Partner und Verbündete suchen und sich
immer wieder klarmachen, welchen zusätzlichen Nutzen
Naturschutzprojekte bieten: beispielsweise im Sinne
des Hochwasserschutzes, der Naherholung oder einem
attraktiven Landschaftsbild für den Tourismus.
Welche Hilfestellung gibt das Bündnis seinen
Mitgliedern?
Die wichtigste Aufgabe des Bündnisses ist es, den Austausch zwischen den Mitgliedern zu organisieren,
die Akteure und Experten zu vernetzen und ihre Ideen
bekannt zu machen. Das versuchen wir mit der Projektdatenbank auf unserer Website, mit dem Newsletter
und mit Veranstaltungen zu verwirklichen. Um das
­Engagement, das in den Kommunen vorhanden ist,
­her­vorzuheben, haben wir dieses Jahr einen kleinen
Wettbewerb gestartet, bei dem wir zwei „Naturschutzprojekte des Jahres“ auszeichnen werden. Darüber
­hinaus initi­ieren wir selbst Projekte, etwa zum Thema
ökolo­gisches Grünflächenmanagement.
Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Isabella Mahler.

Foto: Holzmann/DUH

Tobias Herbst arbeitet in der Geschäftsstelle des
Bündnisses Kommunen für biologische Vielfalt e. V.
in Radolfzell. Dem Bündnis gehören deutschlandweit
108 Gemeinden, Landkreise und Städte an.
www.kommbio.de

Gründer
an die Hand
nehmen

Daniel Staiger (Zweiter von links) stellt in
seiner neu gegründeten Firma „DAST tec“
mit seinem Mitarbeiter Bernd Katt (Zweiter
von rechts) hoch­kom­plexe Frästeile her.
Martin Ragg (rechts) und Ortsvorsteher
Peter Engesser berieten ihn.

In der Schwarzwaldgemeinde Niedereschach wird der Gründergeist
auf neue Weise geweckt: Die Existenz­gründungsoffensive Niedereschach unterstützt Bürger, die den Schritt in die Selbstständigkeit
wagen möchten.   [VON MARTIN RAGG]
Niedereschach wäre ohne seine mittelständische Wirtschaft kaum
überlebensfähig. Für die Gemeinde mit knapp 6 000 Einwohnern ist
es deshalb wichtig, dass sich ihre Wirtschaftsbetriebe immer wieder
verjüngen. In kleineren ländlichen Gemeinden sind kreative Köpfe
aber oft auf sich allein gestellt, was sie jedoch brauchen, ist Rückenstärkung. Aus dieser Erkenntnis heraus haben Bürgermeister,
­Kommunalpolitiker und Unternehmer in Niedereschach die Existenzgründungsoffensive ­Niedereschach (EGON) gestartet. Sie will in der
Ge­meinde das unternehmerische Denken und die Fantasie zur
­Gründung eigener Firmen anregen. Die Initiative für Existenzgründung
und Unternehmensnachfolge (IFEX) beim Ministerium für Finanzen
und Wirtschaft des ­Landes Baden-Württemberg fördert das Projekt.
Zudem bestehen Kooperationen mit örtlichen Banken, Kammern,
der Agentur für Arbeit und weiteren Institutionen.

Bürgermeister und Lotsen begleiten Gründer

Foto: Albert Bantle

Der Bürgermeister persönlich ist der erste Ansprechpartner und
­Moderator für Gründungswillige, poten­zielle Unternehmensnachfolger
und Firmeninhaber, die sich in Niedereschach ansiedeln möchten.
Damit will die Gemeinde bewusst zeigen, welch großen Wert das Thema
für sie hat. Der Bürgermeister informiert sich über den Stand des
Gründungsvorhabens und vermittelt dem Gründer oder Jungunternehmer einen geeigneten Lotsen, der seinen Schützling bei der
­Firmengründung und dem Geschäftsaufbau begleitet.
Derzeit engagieren sich neun Ehrenamtliche in Niedereschach als
Lotsen. Sie sind beispielsweise ältere Unternehmer, die die Gründer
mit Berufserfahrung, Fachwissen und Kontakten zu geeigneten
Koopera­tionspartnern unterstützen können. Die Lotsen kennen sich
mit Behörden, Kammern und der Finanzierung aus und sie begleiten
die Gründer zu entscheidenden ­Terminen, wie etwa Bankgesprächen.
Bei schwierigen behördlichen Genehmigungsfragen geht der Bürgermeister persönlich mit den Gründern zu den zuständigen Ämtern.
Er hilft außerdem bei der Suche nach geeigneten Geschäftsräumen
oder Gewerbegrundstücken. Manchmal suchen die Gründer auch
menschlichen Rat: Die Familie hat Bedenken gegen die Firmengründung oder dem Interessenten fehlt noch das nötige Selbstvertrauen,

um den letzten Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Auch für
diese Hindernisse gibt es im Pool der Lotsen geeignete Vermittler
und Ansprech­partner für die Gründungswilligen.

Unternehmensgründer und
Interessenten werden vernetzt

Die persönliche Ebene des Lotsenprogramms hat sich für die Niedereschacher Gründungsinitiative als Erfolgsgeheimnis erwiesen:
Von 40 Beratenen haben bisher 19 ein Unternehmen gegründet,
­weitere befinden sich in den Gründungsvorbereitungen.
Zur Offensive gehört auch, die Unternehmer miteinander zu vernetzen
und die Öffentlichkeit auf die Möglich­keiten der Gründungsberatung
hinzuweisen. Die Gemeinde organisiert daher jedes Jahr auf einem
örtlichen Betrieb einen Existenzgründertag, veranstaltet Workshops
und Treffen, wie das Gründer-Grillen, und regt zur Beteiligung an
Gründer-Wettbewerben an. „Wir haben besonders von der Öffentlich­
keitsarbeit profitiert, die EGON für uns gemacht hat“, sagte Andreas
Veit, Neugründer eines Handwerkbetriebs für Ofenbau – der Bürgermeister hatte ihn als Neugründer in den lokalen ­Medien vorgestellt.
Das EGON-Konzept lässt sich auf andere ländliche Gemeinden übertragen. Es hat gezeigt, dass es nicht nötig sein muss, aufwendige
Strukturen wie Wirtschaftsförderungsstellen zu schaffen, um den
Gründergeist zu beleben und Gründer betreuen zu können. Ein kleines,
ehrenamtlich engagiertes Team aus örtlichen Kräften kann viel bewirken.

KONTAKT:
Martin Ragg
Existenzgründungsoffensive
Niedereschach (EGON)
Telefon: 07728 648-41
buergermeister@niedereschach.de
www.starten-mit-egon.de

LandInForm 1/2016 

55

PERSPEKTIVEN Die Position

DIE POSITION
Was braucht die zukunftsfähige Landschule?
Von Hermann-Josef Thoben, Vorstandsvorsitzender
der Akademie für die ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e. V.

Deutschland
benötigt nicht
unbedingt mehr
Finanzmittel,
um besser zu
werden.“

Die Bildungslandschaften in den ländlichen Regionen Deutschlands sind einerseits
von einem sich ständig ändernden Verständnis darüber geprägt, was gute Bildung
in Staat und Gesellschaft bedeutet. Andererseits stehen sie unter dem Einfluss
­unterschiedlicher demografischer Entwicklungen.
Aktuelle Studien im Bildungsbereich machen deutlich, dass Deutschland einen
erheb­lichen Nachholbedarf hat, um bei den Bildungsergebnissen zur weltweiten
­Spitzengruppe zu gehören. Insbesondere Kinder und Jugendliche aus sozial
schwachen Familien zeigen im Vergleich zu denen aus vielen anderen Staaten
deutliche Rückstände in der Bildung.
Der Vergleich mit anderen Ländern, wie Finnland, macht deutlich, dass wir nicht
unbedingt mehr Finanzmittel benötigen, um besser zu werden. Eine wesentliche
­Voraussetzung für eine nachhaltig gute Bildung ist – neben hoch qualifizierten und
­engagierten Pädagogen – ein hoher Stellenwert der Bildung in der Gesellschaft
und die frühzeitige Einbindung der Eltern, Kommunen und sonstiger Bildungsträger
in bildungsorientierte Entwicklungs­prozesse.
Verantwortliche im Bildungsbereich ländlicher Regionen sind stärker als in
den Städten mit demografisch bedingten Veränderungsprozessen konfrontiert.
Um zukunftsfähige Lösungen zu finden, benötigen die Kommunen eine
erfolgversprechende Strategie, die die individuelle Situation vor Ort berücksichtigt,
Funktionen bündelt und auf Kooper­ation setzt. Eine wesentliche Voraussetzung
dafür ist, dass die Ge­sellschaft einsieht, dass die bisherigen Strukturen nicht mehr
­ausreichend sind, um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen.
Deshalb müssen Bund und Länder stärker als bisher Anreize dafür schaffen,
dass Gemeinden und sonstige Schulträger einen individuell ausgerichteten Diskurs
initiieren. Dieser sollte zum Ziel haben, überholte Bilder zu guter Bildung durch
solche abzulösen, die auch die aktuellen Erkenntnisse der Bildungs- und
Gehirnforschung berück­sichtigen.

Stimmen Sie dem zu?
An dieser Stelle veröffentlichen wir Ihre Leserbriefe zur
­obenstehenden Position und zu den Inhalten unseres Magazins.
­Schicken Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an landinform@ble.de,
per Fax oder auch gerne per Post.
Ihre LandInForm-Redaktion
56  LandInForm 1/2016

Fotos: ALR Schleswig-Holstein e.V.

Oder sehen Sie es anders?

PERSPEKTIVEN Die Position

LESERBRIEF

Zu: Im Fokus „Zuwanderung – Chance und Aufgabe“, LandInForm 4.15, Seiten 10 – 33

Wo bleiben die kritischen Beiträge?

Leider stimmen auch Sie in den politisch vorgegebenen Medienchor „Wir schaffen das“
ein. Wo bleibt eigentlich ein einziger ausgewogener, vielleicht sogar kritischer Beitrag?
Denn Sie können doch selbst nicht ernsthaft glauben, was die im Heft sich selbst
­be­jubelnden Institutsprofiteure oder die klassischen Uralt-Statistiken (Seiten 14 – 15) uns
da weismachen wollen: Alles ist doch so nett!
Wie wäre es mal mit folgender Darstellung: Finanzmittel jedweder Art sollten nur den
nach festen Kriterien ausgewählten Einwanderern (vorzugsweise aus EU-Staaten) zugutekommen. Und alle Projekte, die sich bei Ihnen vorstellen, werden mal auf ihre tatsäch­
lichen, nachhaltig wirkenden Erfolge hin untersucht. Anstatt dauernde Selbstgefälligkeit
und ein durch die Politik vorgegebener Umerziehungsauftrag wäre mal etwas ehrliche
Selbstkritik an der Tagesordnung!
›› Andreas Bitz, Mainz

LESERBRIEFE

Zu: „Agrarinvestitionsförderung (AFP) – Wohl oder Übel?“, LandInForm 4.15, Seite 53

AFP ist ein Erfolgsmodell und
­Konjunkturprogramm für ländliche Räume

Die gemeinnützigen Landgesellschaften haben seit Beginn der
Investitionsförderung rund 58 000 Althofmodernisierungen und
20 000 Aussiedlungsverfahren in Planung, Umsetzung und
­Förderung betreut, zudem 4 000 Vorhaben in den neuen Ländern.
Der überwiegende Teil dieser Investitionsvorhaben betrifft den
Stallbau und die Modernisierung der Nutzviehhaltung. Tierwohl­
aspekte, Arbeitswirtschaft und Umweltschutz haben dabei
­immer eine zentrale Rolle in Planung und Ausführung gespielt.
Es wurde viel Gutes getan, bewirkt und auf den Weg gebracht.
Bei den betreuten Verfahren gab es nahezu keine Förderausfälle
und Anlastungsverfahren durch die EU.
In ersten Analysen und Zielbewertungen wurde ungenügend
differenziert: Allgemeiner Agrarkredit, Diversifikation und
betreute AFP-Vorhaben wurden in einen Topf geworfen.
Die Ergebnisse sind in einer Folgeanalyse betreuter Vorhaben
widerlegt worden. Zudem fehlt in den Evaluierungen stets eine
raum­bezogene Wirkungsanalyse, was schon öfter moniert, aber
noch nie qualifiziert aufgegriffen wurde. Jeder Euro Förderung
beim AFP löst mindestens vier Euro an weiteren Investitionen
aus. Rund 90 Prozent der durch das AFP ausgelösten Investi­
tionskosten werden für Investitionsgüter ausgegeben, die im
ländlichen Raum hergestellt werden – einschließlich der Bau­
arbeiten. In der Regel bleibt ein Drittel bis die Hälfte der Inves­
titionsausgaben in der Region. Dabei beträgt der Lohnkosten­
anteil rund 30 Prozent, was mehrere tausend Vollarbeitsplätze
im Baugewerbe und der Ausrüstung sichert. Über Lohn- und
Einkommensteuern fließen die bereitgestellten öffentlichen Mittel weitgehend wieder zurück. Auch die Sozialkassen bekommen
ihren Anteil ab. Das AFP ist insofern ein Konjunkturprogramm
für ländliche Räume.
›› Karl-Heinz Goetz, Bundesverband der gemeinnützigen

Landgesellschaften (BLG), Berlin

Der falsche Weg,
um Landwirte finanziell zu entlasten

AFP ist ein beliebtes Instrument der Agrarpolitiker jedweder
Couleur ihre Politik als die jeweils bessere in Szene zu setzen.
Finanzieren müssen diesen Blödsinn alle steuernzahlenden
Bürger. Die Effizienz dieser Subventionen für die Landwirtschaft
ist dabei weniger als dürftig. Vielmehr fördert sie die Gewinne
des produzierenden Gewerbes. Ich vertrete die These, dass die
Hersteller und Verkäufer der Ställe, Anlagen und Maschinen
durch das AFP motiviert werden, den geförderten Landwirten
ihre Produkte mit Förderaufschlägen verteuert zu verkaufen.
Nicht zu unterschätzen ist, welche Frustrationen die Bürokratie
von AFP durch zu lange Wartezeiten zwischen Antragstellung
und Bewilligung bei den Landwirten hervorruft – insbesondere
bei Stallbauvorhaben. Es wäre außerdem interessant, näher zu
beleuchten, welchen Verwaltungskostenanteil das AFP verursacht. Ob der neue Ansatz im ELER hier eine Besserung bringt,
halte ich für fraglich.
Wenn Steuergelder im Agrarbereich eingesetzt werden sollen,
dann nicht mehr produktionsfördernd, sondern nur noch für
soziale Maßnahmen im Agrarbereich. Wegen der sehr ungünstigen demografischen Entwicklung in der Landwirtschaft gibt es
zu hohe finanzielle Belastungen für die wirtschaftenden Landwirte als Leistungserbringer und, im Vergleich zur übrigen
Bevölkerung, sehr bescheidene Sozialleistungen für landwirtschaftliche Altenteiler als Leistungsempfänger. Wenn es die Politik mit einer wirtschaftlichen Entlastung der Landwirtschaft
wirklich ernst meinen würde, dann gäbe es im landwirtschaft­
lichen Sozialversicherungswesen wesentlich effizientere Möglichkeiten, Steuergelder einzusetzen und dabei auch noch soziale
Ungerechtigkeiten abzubauen, als durch die Agrar­investitions­
förderung. Es ist insofern höchste Zeit für die Akteure, die Subventionspolitik nicht nur im Agrarbereich zu evaluieren.
›› Heinrich Graf, Landwirt im Nebenerwerb, Twistetal

LandInForm 1/2016 

57

SERVICE

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BAND 41

Wärmewende in Kommunen
Leitfaden für den klimafreundlichen
Umbau der Wärmeversorgung

MORO Praxis

Sicherung des Fachkräfte­
angebotes im ländlichen Raum

Von Hans Hertle, Martin Pehnt, Benjamin Gugel,
Miriam Dingeldey und Kerstin Müller

MORO Praxis

Nr. 1 · 2015

Sicherung des Fachkräfteangebotes im ländlichen Raum

Zoom

1
2015

Fachkräftesicherung im ländlichen Raum

Leitfaden für klimafreundliche Kommunen

Fachkräfte zu gewinnen und zu halten, ist insbesondere
im ländlichen Raum eine Herausforderung. Warum das so
ist, wird in einem neuen Heft aus der Schriftenreihe
„Moro Praxis“ analysiert. Die Ergebnisse einer Daten- und
Lite­ratur­recherche zeigen: Die Probleme in ländlichen
­Regionen sind nicht einheitlich und auch der Fachkräftemangel besteht nicht überall. Jedoch gibt es in einigen
Berufs­feldern und Regionen bereits Engpässe, die insbesondere strukturschwache Räume in eine Abwärtsspirale
bringen können.
Zur Sicherung von Fachkräften identifizieren die Autoren
acht Handlungsfelder, angefangen bei der Bedarfs- und
­Bestandsanalyse über die Vernetzung relevanter Akteure
bis hin zur Erschließung vorhandener und Gewinnung
­externer Fachkräfte – auch mittels Öffentlichkeitsarbeit.
Als weitere Handlungsfelder werden die Unterstützung
der regionalen Unternehmen und die Schaffung eines
­attraktiven Lebens- und Arbeitsraums benannt. Die Handlungsfelder und einige vorgestellte Best-Practice-Beispiele
machen deutlich, wie vielschichtig das Thema ist.
Die Autoren sehen die Fachkräftesicherung deshalb als
Querschnittsaufgabe der Regionalentwicklung. Vor diesem
Hintergrund legen die Autoren einen besonderen Fokus
auf das Handlungsfeld „Vernetzung der relevanten Akteure“.
Dies spiegelt sich auch in der Auswahl von sechs Fall­
regionen wider, in denen sich Akteursnetzwerke im Bereich
Fachkräfte­sicher­ung gebildet haben – mit unterschiedlichen regionalen Herausforderungen und Lösungsansätzen.
Eine Stärke dieser Untersuchung ist die Fokussierung auf
den ländlichen Raum. Die Praxisbeispiele machen die
­Auseinandersetzung mit dem Thema lebendig – insgesamt
ist eine lesenswerte Lektüre entstanden. [ stm ]

Nach einer kurzen Einführung zu den politischen Zielen und
möglichen Szenarien einer Wärmewende gibt der Leitfaden
„Wärmewende in Kommunen“ einen kurzen Überblick über
die aktuelle Situation der Wärmeversorgung in Deutschland. Dabei geht es immer wieder um Effizienzmaßnahmen
wie Niedrigenergiebauweise, Wanddämmung und die Versorgung über erneuerbare Energiequellen. Je nach Bebauungsdichte der Kommune, freien Flächen und vorhandener
Versorgungsinfrastruktur ergeben sich vielfältige Kombinationsmöglichkeiten. Verschiedene Anwendungs­felder
von Solar- und oberflächennaher Geothermie, Biomasse
und der Kraft-Wärme-Kopplung werden kurz vor­gestellt,
die Grenzen ihrer Verfügbarkeit und die Problematik
der Energiespeicherung werden ebenfalls thema­tisiert.
Knapp gehaltene Beispiele aus den Bundesländern, aus
Städten und Dörfern erläutern Pläne zur Energienutzung,
stellen Fernwärmenetzpläne und ihre Umsetzung vor.
Die Autoren gehen zudem auf die Rolle von Kommunen
und Kreisen als Initiatoren und Koordinatoren ein.
Es gilt, eine Strategie zu entwickeln, die die Stadtplanung,
die Stadt­werke oder regionale Energieversorger, das Bauund Umweltamt sowie die Bürger und – falls vorhanden –
Bürgerenergiegenossenschaften mit ins Boot holt. In
diesem Kontext können auch die Dorfakteure und LEADERGruppen aktiv werden, die sich am Prozess beteiligen
möchten. Die abschließenden Kapitel bieten vor allem
Unterstützungsangebote – überwiegend Checklisten –
für den Einstieg in die Wärmewende zur schnellen Erfassung und Bewertung der Situation vor Ort.
Die Erkenntnis nach der Lektüre: Trotz der Defizite in der
Fläche passiert schon einiges im Land. Der Leitfaden bietet
eine erste Einführung ins Thema, weist auf vertiefende
Studien, Beispiele und Förderangebote hin und schafft
damit Zugänge für Planung und Umsetzung. [ jas ]

Bundesministerium für Verkehr
und digitale Infrastruktur (Hrsg.):
Sicherung des Fachkräfteangebots im ländlichen Raum,
Moro Praxis Heft 1, 2015, 84 Seiten,
kostenfrei bestellbar unter ref-1-1@bbr.bund.de
ISBN 978-3-87994985-4

Hans Hertle, Martin Pehnt, Miriam Dingeldey
und Benjamin Gugel:
Wärmewende in Kommunen – Leitfaden für den klima­
freundlichen Umbau der Wärmeversorgung,
Schriftenreihe Ökologie Band 41 der Heinrich-Böll-Stiftung,
2015, 120 Seiten, im Download verfügbar und kostenfrei
bestellbar unter www.boell.de
ISBN 978-3-86928-142-1

58  LandInForm 1/2016

SERVICE

angekündigt
Bioenergie-Kommune
des Jahres gesucht

Regionale Wertschöpfung
­steigern

Stillgelegte Bahnstrecken
­wieder nutzen

Drei besonders innovative Kommunen, die
ihre Bioenergiepotenziale auf vorbildliche
Weise nutzen, können beim bundesweiten
Wettbewerb „Bioenergie-Kommunen 2016“
auf eine Auszeichnung hoffen. Die drei mit
jeweils 10 000 Euro dotierten Preise werden
vom Bundesministerium für Ernährung und
Landwirtschaft (BMEL) ausgeschrieben, die
Preisgelder sollen für die Weiterentwicklung
der regionalen Bioenergiekonzepte zum
­Einsatz kommen. Der Wettbewerb richtet sich
an Orte im ländlichen Raum in Deutschland,
die mindestens 50 Prozent, und Städte,
die mindestens 30 Prozent ihres Strom- und
Wärmebedarfs aus regional erzeugter Biomasse decken. Bewertet werden der Versorgungsgrad mit Bioenergie, die intelligente
Nutzung von Biomasse in Systemen mit
­weiteren erneuerbaren Energien, zudem
­Effizienz, Nachhaltigkeit und Innovation sowie
die regionale Wertschöpfung und auch die
Beteiligung der Bevölkerung. Bewerbungsschluss ist der 15. Mai 2016. Die Umsetzung
des Wettbewerbs erfolgt durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
(FNR). [abb]

Der Bundespreis „REGIOkommune“ hat zum
Ziel, Beispiele für den Nutzen und den Mehrwert regionaler Vernetzungen sichtbar zu
­machen. Bis zum 15. Juni 2016 sind Städte
und Gemeinden dazu aufgerufen, innovative
Ansätze zur Steigerung der Erzeugung, der
Verarbeitung und des Absatzes von regionalen Produkten und Dienstleistungen vorzustellen, die sie in Zusammenarbeit mit der
örtlichen Wirtschaft, Institutionen, Regionalinitiativen und Verbänden umsetzen.
­Besonders erfolgreiche Konzepte werden mit
dem Bundespreis ausgezeichnet: Es wurde
ein Preisgeld von insgesamt 4 500 Euro
­ausgelobt, das auf mehrere Preisträger aufgeteilt werden kann. Die Wettbewerbsbeiträge
sollen anderen Kommunen einen Anreiz geben, regionale Produkte selbst zu vermarkten
oder im Bereich der Regionalvermarktung
aktiv zu werden und so eine nachhaltige Regio­
nalentwicklung zu unterstützen. Der Bundespreis ­REGIOkommune ist eine Initiative des
Bundesverbands der Regionalbewegung (BRB)
und wird durch das Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
­gefördert. [abb]

Seit 1994 wurden bundesweit rund 500 Bahnstrecken mit einer Gesamtlänge von über
5 000 Kilometern stillgelegt. Bereits stillgelegte, aber physisch noch vorhandene Bahnstrecken werden nun erneut unter die Lupe
genommen. Die DB Netz AG und der Deutsche
Bahnkunden-Verband e. V. (DBV) haben sich
dazu auf ein Prüfverfahren verständigt.
Es soll untersucht werden, ob moderne Regio­
nalzugverbindungen auf alten Trassen eine
sinnvolle ­Alternative zum Individual- oder
dem straßengebundenen Öffentlichen Nahver­
kehr darstellen könnten. Durch die Prüfung
möchte man verhindern, dass durch die
Zweckentfremdung der Bahntrassen Schäden
für die Zukunft entstehen, die zu einem
­späteren Zeitpunkt nicht mehr korrigiert
werden können. Regionen und Dörfer sind bis
30. Juni 2016 aufgerufen, sich an diesem
­Prozess zu beteiligen. Sie können dem DBV
mitteilen, welche derzeit stillgelegte
­Bahntrasse sich aus ihrer Sicht für eine
­Reaktivierung eignen könnte. Sofern möglich,
wird um nähere Angaben zum vorhandenen
Potenzial im Güter- und Personenverkehr
­gebeten. [abb]

www.bioenergie-kommunen.de
 

www.regiokommune.de
 

www.netzwerk-laendlicher-raumde/bahntrassen
 

bitte
freimachen

Institution
Vorname/Nachname
Straße/Hausnr.
PLZ/Ort
Telefon

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Bitte schicken Sie mir von jeder aktuellen Ausgabe Exemplare.

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume
Deichmanns Aue 29
53179 Bonn
LandInForm 1/2016 

59

ww
Im Fokus unserer nächsten Ausgabe:
Die Schule im Dorf lassen?

Termine
6. und 7. April

Regionalentwicklung finanzieren: Angebote –
Zugänge – Handhabung 
Praxistagung in Wernigerode
Infos auf Seite 9

DVS
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/
­finanzierung

14. April

Erfahrungen und Perspektiven des bäuerlichen
Naturschutzes in Deutschland 
Tagung in Berlin
Infos auf Seite 8

DVS und Deutscher Verband
für Landschaftspflege (DVL)
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/
­naturschutz

26. und 27. April Integration von Zugewanderten –
Ideen, Beispiele und Lösungen
für ländliche Räume 
Workshop in Arnsberg
Infos auf Seite 9

DVS
www.netzwerk-laendlicher-raum.de/
­integration

3. und 4. Juni

Bundestreffen der Regionalbewegung
Treffen in Hamburg

Bundesverband der Regionalbewegung e. V.
www.regionalbewegung.de/­
bundes­treffen-2016

14. und 15. Juni;
15. und 16. Juni

Biodiversitätserhalt durch Grünlandnutzung,
­ iodiversitätsschutz in Ackerbauregionen 
B
Exkursionen nach Nordrhein-Westfalen
Infos auf Seite 8

DVS, IBV, DVL, DBV, DNR
www.netzwerk-laendlicher-­­raum.de/­
biodiversitaet

11. und 12. Juli

24. C.A.R.M.E.N. – Symposium Energiefahrplan
2050 – Weichen stellen für morgen
Symposium in Würzburg

C.A.R.M.E.N. e. V.
www.carmen-ev.de

Unser Fokuscartoon
von Mele

60  LandInForm 1/2016
        
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