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Full text: Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Mitglieder
Sachverständigenrat für Umweltfragen
Stand: Februar 2016

Prof. Dr. Martin Faulstich
(Vorsitzender)

Professor für Umwelt- und Energietechnik
an der Technischen Universität Clausthal und
Geschäftsführer des CUTEC Instituts

Prof. Dr. Karin Holm-Müller
(stellvertretende Vorsitzende)

Professorin für Ressourcen- und Umweltökonomik
an der landwirtschaftlichen Fakultät
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Prof. Dr. Harald Bradke

Leiter des Competence Centers Energietechnologien und
Energiesysteme im Fraunhofer-Institut für System- und
Innovationsforschung ISI in Karlsruhe

Umwelt und Freihandel:
TTIP umweltverträglich gestalten

Prof. Dr. Christian Calliess

Professor für öffentliches Recht und Europarecht
am Fachbereich Rechtswissenschaft
der Freien Universität Berlin

Prof. Dr. Heidi Foth
Professorin für Umwelttoxikologie und
Direktorin des Instituts für Umwelttoxikologie
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Prof. Dr. Manfred Niekisch

Professor für Internationalen Naturschutz
an der Goethe-Universität Frankfurt und
Direktor des Frankfurter Zoos

Prof. Dr. Miranda Schreurs

Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft und
Leiterin des Forschungszentrums für Umweltpolitik
an der Freien Universität Berlin

Stellungnahme

Sachverständigenrat für Umweltfragen
Geschäftsstelle
Luisenstraße 46
10117 Berlin

Telefon: (030) 26 36 96-0
E-Mail: info@umweltrat.de
Internet: www.umweltrat.de

Diese Stellungnahme ist im Internet abrufbar oder über die Geschäftsstelle
zu beziehen. © SRU 2016
ISSN 1612-2968

Februar 2016

Nr.

NV

ISSN 1612-2968

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Danksagung
Der SRU dankt allen Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Forschung und Interessenverbänden, die zum
Gelingen dieser Stellungnahme beigetragen haben. Dank gebührt auch dem Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
(BMWi) für den kritischen Review. Ihre Unterstützung im Rahmen der Anhörung, von Expertengesprächen und
der Textkommentierung war von großer Bedeutung. In einem Rechtsgutachten zum Transatlantischen
Freihandelsabkommen TTIP hat Prof. Dr. Stoll zudem die geplante Regulierungszusammenarbeit und den
Investitionsschutz insbesondere unter verfassungs- und europarechtlicher Perspektive untersucht.

Der SRU dankt insbesondere:

Henner Gött, Georg-August-Universität, Göttingen
Prof. Dr. Steffen Hindelang, Freie Universität Berlin
Gabriele Hoffmann, Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau
Dr. Till Patrik Holterhus, Georg-August-Universität, Göttingen
Prof. Dr. Markus Krajewski, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. Gertrude Lübbe-Wolff, Universität Bielefeld
Dr. Nils Meyer-Ohlendorf, Ecologic Institut, Berlin
Dr. Stormy-Annika Mildner, Bundesverband der Deutschen Industrie, Berlin
Dr. Bettina Rudloff, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin
Prof. Dr. Peter-Tobias Stoll, Georg-August-Universität, Göttingen

Die volle Verantwortung für diese Stellungnahme übernehmen die Mitglieder des Sachverständigenrates für
Umweltfragen.
(Redaktionsschluss: Dezember 2015)

1

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Inhaltsverzeichnis

1

Einleitung ................................................................................................................................... 5

2

Überblick über TTIP ................................................................................................................ 6

2.1
2.2
2.3

Ökonomische Bewertungen von TTIP ........................................................................................ 8
Umweltrelevanz von TTIP ........................................................................................................ 13
Verhältnis von TTIP zur WTO.................................................................................................. 14

3

Regulatorische Kooperation ................................................................................................... 16

3.1
3.2
3.3
3.4
3.5
3.6
3.7
3.8
3.9
3.10

Ziele der regulatorischen Kooperation in TTIP......................................................................... 17
Mechanismen der regulatorischen Kooperation ........................................................................ 17
Institutionen und Umfang der Verrechtlichung der Regulierungskooperation ......................... 19
Mögliche Auswirkungen der Regulierungskooperation auf die Umwelt .................................. 21
Risikobewertung im Handelsrecht ............................................................................................ 24
Exkurs: Das Vorsorgeprinzip im US-amerikanischen Recht .................................................... 26
Nachhaltigkeitskapitel ............................................................................................................... 27
Demokratieprinzip..................................................................................................................... 28
Beteiligung und Zivilgesellschaft.............................................................................................. 30
Zusammenfassung ..................................................................................................................... 30

4

Investitionsschutz und Investor-Staat-Streitbeilegung ........................................................ 31

4.1
4.1.1
4.1.2
4.2
4.2.1
4.2.2
4.2.3
4.2.4
4.2.5
4.3

Materielle Investitionsschutzregelungen ................................................................................... 34
Gerechte und billige Behandlung und das Recht zu regulieren................................................. 34
Enteignung ................................................................................................................................ 36
Prozedurale Investitionsschutzregelungen ................................................................................ 36
Der Vorschlag der Europäischen Kommission:
Ein ständiger Gerichtshof mit Rechtsmittelinstanz ................................................................... 37
Vertragsausschuss ..................................................................................................................... 38
Transparenz und Zivilgesellschaft ............................................................................................ 38
Wahl des Rechtswegs und Kostentragung ................................................................................ 38
Treaty Shopping ........................................................................................................................ 39
Zusammenfassung ..................................................................................................................... 40

5

Empfehlungen für eine umweltgerechte Ausgestaltung von TTIP ..................................... 40

5.1
5.2

Empfehlungen im Hinblick auf die regulatorische Kooperation ............................................... 40
Empfehlungen im Hinblick auf den Investitionsschutz und ISDS ............................................ 41

6

Ausblick: Politische Perspektive von TTIP entfalten........................................................... 42

Literatur .................................................................................................................................................. 44
Abkürzungsverzeichnis ........................................................................................................................... 55

3

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Nicht-tarifäre Handelshemmnisse im transatlantischen Handel ........................................ 7

Abbildung 2

Mechanismen der regulatorischen Kooperation .............................................................. 18

Abbildung 3

Regulierungszusammenarbeit in TTIP ............................................................................ 20

Abbildung 4

Bestimmung von Handlungsbedarf und Vorsorgemaßnahmen ....................................... 24

Abbildung 5

Am Zustandekommen von TTIP beteiligte Institutionen ................................................. 29

Abbildung 6

Absolute Zahl der von ICSID registrierten Klagen nach Jahren ...................................... 32

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1

Auswirkungen von TTIP auf das BIP der EU
in ausgewählten Szenarien ökonomischer Studien ............................................................ 9

Tabelle 2

TTIP-Effekte bei unterschiedlichen Berechnungen
für Handelskosten von nicht-tarifären Handelshemmnissen............................................. 10

4

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

1

Einleitung

1.
Seit Juni 2013 verhandeln die EU und die
USA über ein Freihandels- und Investitionsschutzabkommen. Die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (kurz TTIP – Transatlantic Trade
and Investment Partnership) hat von der Politik eher
unerwartet (HUMMER 2015, S. 22) eine breite gesellschaftliche Diskussion angestoßen (vgl. das
Positionspapier von 79 deutschen NGOs: Forum
Umwelt und Entwicklung et al. 2014). Ähnlich verhält
es sich in den USA (CIEL 2014), wo zusätzlich die
Transpazifische Handelspartnerschaft (TPP), die Anfang Oktober 2015 abgeschlossen wurde, für öffentliche Diskussionen sorgt.
2.
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen
(SRU) untersucht in dieser Stellungnahme (soweit
dies auf Basis der bisher veröffentlichten Verhandlungspositionen möglich ist), welche Auswirkungen
das geplante TTIP-Abkommen auf die deutschen und
europäischen Umweltschutzstandards haben kann. Er
hat dabei die Verhandlungspositionen, die bis Mitte
Dezember 2015 veröffentlicht wurden, in sein Gutachten einbezogen. Die gegenwärtige Diskussion über
TTIP zeigt, dass das in Fachkreisen seit langem erörterte Spannungsfeld zwischen Handelsliberalisierung
und Umweltschutz inzwischen auch von der breiten
Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
3.
TTIP stellt eine Fortentwicklung der Regierungszusammenarbeit zwischen der EU und den USA
in den letzten 25 Jahren dar. Die Zusammenarbeit der
Vertragsparteien in Regulierungsfragen (im Abkommen als regulatorische Kooperation bezeichnet) ist
somit keine Neuerung, die durch TTIP eingeführt
wird. Die Empfehlung, ein Freihandelsabkommen zu
verhandeln, gab das High-Level Forum for Regulatory
Cooperation im Rahmen des seit 2007 bestehenden
Transatlantic Economic Councils (TEC). Dabei
handelt es sich um ein jährlich tagendes Gremium
hochrangiger Regierungsvertreter der USA und der
EU unter Vorsitz des Handelskommissars und eines
Sicherheitsbeauftragten der USA (Überblick bei
ALEMANNO 2014, S. 25–40; MEUWESE 2009;
AHEARN 2009, S. 15–19 und 20–23).
Die beiden Vertragspartner streben mit dem Abkommen vor allem eine „tiefe Integration“ an, neben allgemeinen Zielen wie dem Abbau von Tarifen und
administrativen Hürden bei der Zollabwicklung und
der öffentlichen Beschaffung. Sie soll deutlich über
die Abschaffung von Zöllen hinausgehen und sogenannte nicht-tarifäre Handelshemmnisse abbauen
(STOLL et al. 2014, S. 388). Unter diesen Handelshemmnissen versteht man höchst unterschiedliche
Anforderungen an Waren und Dienstleistungen, die
unter anderem den Produktionsprozess, die Zusammensetzung, die Eigenschaften, die Qualität, den zugelassenen Gebrauch und die Handhabung betreffen
können. Dazu zählen auch Gesetze und untergesetzliches Regelwerk sowie nicht-staatliche Normierungen
und technische Normen. Oft dienen solche Regeln

dem Schutz von Gesundheit, Umwelt und
Verbrauchern. Im Rahmen von TTIP soll der Handel
auch durch die gegenseitige Anerkennung oder Angleichung solcher Regulierungen erleichtert werden.
Das Abkommen soll zudem Regelungen zum Schutz
von Investitionen sowie einen Streitschlichtungsmechanismus zwischen Staat und Investor bei Verletzung dieser Bestimmungen enthalten. Die USA
streben an, die Verhandlungen noch vor Ende der
Amtszeit von Präsident Obama abzuschließen, das
heißt bis zum 1. Januar 2017 (USTR 2013). Ob dies
gelingt, ist jedoch noch offen. An die Verhandlungen
wird sich die Ratifizierung durch das Europäische
Parlament und – soweit vorgesehen – die nationalen
Parlamente anschließen (vgl. Abb. 5).
4.
Befürworter des Abkommens heben seine
erwarteten wirtschaftlichen Vorteile hervor (BDI
2014b; DIHK 2015; TREIER und WERNICKE 2015).
In TTIP würden die beiden größten Volkswirtschaften
der Welt enger kooperieren (MILDNER und
SCHMUCKER 2013, S. 2). Die EU und die USA
erwirtschaften fast 50 % des Weltsozialproduktes (BIP
2014, vorläufiges Ergebnis) und ihr Handel umfasst
gemittelt ein Drittel des weltweiten Handels mit Waren und Dienstleistungen (UNCTAD 2015; WTO
2015b). Gut 60 % der globalen ausländischen Direktinvestitionen (OUTWARD, 2014) erfolgten durch EU
und USA (UNCTAD 2015). Zudem hielten die EUMitgliedstaaten Ende 2011 knapp 1,6 Mrd. USD an
Investitionsbeständen in den USA, die US-Direktinvestitionen in der EU betrugen knapp 2,1 Mrd. USD
(Auswärtiges Amt 2014).
Aus diesen Gründen werden mit dem Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse durch regulatorische
Kooperation positive Effekte auf Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt erwartet. Dabei sollen 80 % der
Wohlfahrtsgewinne von TTIP durch den Abbau von
nicht-tarifären Handelshemmnissen erzielt werden
(BARKER und WORKMAN 2013). Befürworter
heben hervor, dass es auch darum geht, hohe Schutzstandards für den globalen Handel zu etablieren.
Insoweit soll TTIP weltweit Vorbildcharakter zukommen (TREIER und WERNICKE 2015).
5.
Kritiker befürchten dagegen, dass das
Abkommen den Weg zu einem reduzierten Schutz von
Umwelt, Gesundheit und Arbeitsbedingungen bereitet,
und zwar sowohl in der EU als auch in den USA
(AKHTAR und JONES 2014, S. 10). Sie nehmen an,
dass das Schutzniveau im Umwelt- und Gesundheitsbereich sinken könne oder sich geplante Regulierungen in diesem Bereich nicht mehr oder schwerer
durchsetzen lassen. Sie hegen auch Bedenken, dass die
Streitschlichtung von Unternehmen genutzt werden
kann, um gegen solche gemeinwohlorientierte Gesetze
vorzugehen.
6.
Diesen Bedenken soll in diesem Gutachten
nachgegangen werden. Kapitel 2 gibt nachfolgend
zunächst einen einleitenden Überblick über das geplante Abkommen. Darin werden die ökonomischen
5

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Studien vorgestellt, die die wirtschaftlichen Effekte
von TTIP abschätzen (Kap. 2.1). Dann wird erläutert,
unter welchen Aspekten das geplante Abkommen für
die Umwelt relevant sein könnte (Kap. 2.2). Anschließend wird kurz dargestellt, wie sich das bilaterale
Handelsabkommen in die internationale Architektur
des Welthandels einfügt (Kap. 2.3). Danach werden
zwei besonders kontroverse Verhandlungsbereiche des
Abkommens unter Umweltgesichtspunkten genauer
betrachtet: die regulatorische Kooperation (Kap. 3)
und die Investitionsschutzbestimmungen mit dem
darauf
beruhenden
Investor-Staat-Streitschlichtungsmechanismus (Kap. 4). Kapitel 5 gibt Empfehlungen für eine Ausgestaltung von TTIP, die den
Umweltbesorgnissen Rechnung tragen. Kapitel 6
richtet das Augenmerk schließlich auf die politischen
Perspektiven von TTIP, die es nach Auffassung des
SRU zu entfalten gilt. Der Stellungnahme liegen die
von der Europäischen Kommission veröffentlichten
Verhandlungspositionen zugrunde. Die USA stützen
die Verhandlungen auf ihre bestehenden Freihandelsabkommen (USTR o. J.) bzw. das Modell-Investitionsschutzabkommen (U.S. Department of State
2012), die öffentlich verfügbar sind. Die US-Verhandlungspositionen werden dagegen nicht veröffentlicht. Auch auf der anderen Seite des Atlantiks wird
über TTIP eine kritische Diskussion geführt, die hier
vor allem aus Platzgründen nur kursorisch erwähnt
werden kann.

2

Überblick über TTIP

7.
Freihandelsabkommen dienen dazu, den
Handel zwischen Ländern zu erleichtern. Während zu
Beginn der Liberalisierung des internationalen Handels durch das GATT (General Agreement on Tariffs
and Trade) zunächst der Abbau von Zöllen im Mittelpunkt stand, rückte im Laufe der Jahre zunehmend der
Abbau anderer Handelshemmnisse in den Fokus.
Das zwischen den USA und der EU geplante Freihandelsabkommen soll drei Schwerpunktbereiche
behandeln: Marktzugang (market access), Regulierungszusammenarbeit (regulatory cooperation) und
allgemeine Regeln (rules).
Der erste Bereich „Marktzugang“ umfasst vor allem
Zoll- und Handelserleichterungen (customs and trade
facilitation), die Regelungen zu Dienstleistungen
(z. B. Finanzdienstleistungen) und die öffentliche
Auftragsvergabe. Die Zölle zwischen den USA und
der EU sind in vielen Bereichen bereits sehr niedrig:
Der gewichtete Durchschnittszoll zwischen den
Ländern betrug im Jahr 2007 nur noch 2,8 %
(FELBERMAYR et al. 2013b, S. 3). Eine Ausnahme
ist der Agrarbereich, der auf beiden Seiten nach wie
vor teilweise stark abgeschottet ist. Für Einfuhren von
Agrarprodukten in die EU gilt ein durchschnittlicher

6

Zoll von 13 %, mit Spitzenzöllen für einzelne Produktgruppen wie Milchprodukte mit durchschnittlich
über 50 % (RUDLOFF 2014, S. 1). Auch in einzelnen
anderen Sektoren wird der Markt noch durch Spitzenzölle geschützt. Dies gilt für Fahrzeuge, Textilien,
Bekleidung sowie Leder und Schuhe.
Der zweite Teil des Abkommens soll sich mit der
Regulierungskooperation beschäftigen und sieht
gegenwärtig zwölf Unterkapitel vor. In diesem
Bereich liegt der Schwerpunkt der Verhandlungen,
denn der transatlantische Handel soll vor allem durch
den Abbau von nicht-tarifären Maßnahmen erleichtert
werden (FELBERMAYR et al. 2013b; BARKER und
WORKMAN 2013).
Neben dem übergeordneten Kapitel zur Regulierungskooperation wird über technische Handelshemmnisse,
sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen (solche, die
die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen
betreffen) sowie über einzelne Industriezweige (Chemikalien, Kosmetika, Maschinenbau, Medizintechnik,
Pestizide, Informations- und Kommunikationstechnik,
Arzneimittel, Textilien, Automobile) verhandelt. Die
Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und
Entwicklung unterscheidet 115 Kategorien von nichttarifären Maßnahmen (UNCTAT 2013a). Dazu zählen
zum Beispiel Grenzwerte, Kennzeichnungs- und Verpackungsvorschriften, Hygieneanforderungen, Bestimmungen über die Herstellung, Prüfung und Verarbeitung von Produkten sowie Genehmigungen und
Zertifizierungen. Somit handelt es sich oftmals um
Anforderungen, die Inhalt gesetzlicher Regelungen
sind (Beispiele aus der Praxis bei: LESTER und
BARBEE 2013). Aus den unterschiedlich ausgestalteten Regulierungen in einzelnen Bereichen ergeben
sich Belastungen des Handels (s. Abb. 1). Die Schätzungen von BERDEN et al. (2009b) beruhen auf einer
Befragung von Handelsexperten. Hohe Handelskosten
spiegeln aus Sicht der Wirtschaft hohe nicht-tarifäre
Handelshemmnisse wider. Diese können (wenn auch
nicht notwendig und ausschließlich) daraus resultieren, dass die Bereiche unterschiedlich reguliert sind.
Damit stellt die Abbildung indirekt auch dar, in welchen Bereichen eine Annäherung der Regulierungen
einerseits aus Wirtschaftssicht besonders gewinnbringend sein kann, andererseits aus Sicht des Umwelt- und Verbraucherschutzes auch problematisch.
Ein Beispiel dafür bietet der Chemikaliensektor, in
dem die Regulierungen sehr stark voneinander abweichen. Anders als in vielen anderen Abkommen soll die
Regulierungszusammenarbeit zusätzlich durch Ausschüsse unterstützt werden, insbesondere durch einen
institutionalisierten
Regulierungsrat
(Regulatory
Cooperation Body). Dieser dient dem umfassenden
Austausch über geplante Regulierungen (s. Kap. 2.3)
und stellt eine Fortentwicklung des Transatlantic
Economic Council dar.

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Ab b i ld u n g 1
Nic ht - t a rif ä re H a n del s he mmn i s s e i m t ra n sa t l a nt i sc he n H a n de l

Quelle: BDI 2015c, S. 41; basierend auf BERDEN et al. 2009b

7

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Der dritte Teil des geplanten Abkommens soll
„Regeln“ enthalten. Vorgesehen sind unter anderem
Kapitel über Energie und Rohstoffe, Wettbewerbskontrolle, geistiges Eigentum und Herkunftsbezeichnungen. Dieser Teil soll auch ein Kapitel zur zwischenstaatlichen Streitschlichtung (GovernmentGovernment Dispute Settlement) enthalten sowie zum
Schutz von Investitionen und zur hochumstrittenen
Investor-Staat-Streitschlichtung (s. Kap. 3). In diesem
Teil des Abkommens ist auch ein Kapitel über nachhaltige Entwicklung vorgesehen (s. vertieft Kap. 3.7).
Die in den letzten zwanzig Jahren abgeschlossenen
Freihandelsabkommen enthalten ganz überwiegend
solche Umwelt- oder Nachhaltigkeitskapitel (STOLL
et al. 2014). Regelmäßig wurden darin drei Aussagen
verankert: erstens, dass die Vertragsparteien das Recht
haben, ihr Umweltschutzniveau und die Prioritäten
ihrer Entwicklung jeweils selbst festzulegen; zweitens,
dass ein hohes Schutzniveau für die Umwelt und eine
Verbesserung der entsprechenden Vorschriften angestrebt wird und drittens, dass das Umweltrecht effektiv
durchgesetzt werden soll (Nachweise für die einzelnen
Abkommen STOLL et al. 2014, Fn. 32–34;
BOURGEOIS et al. 2007, S. 59–94). Auch der Entwurf des TTIP-Nachhaltigkeitskapitels sieht entsprechende Bestimmungen vor. Darüber hinaus gibt es
zahlreiche andere, die sich auf multilaterale Umweltabkommen beziehen (Europäische Kommission
2015f; vgl. auch Europäische Kommission 2014a;
LEAL-ARCAS und WILMARTH 2016).

2.1

Ökonomische Bewertungen von TTIP

8.
In der Diskussion über TTIP spielen die wirtschaftlichen Vorteile, die mit dem Abkommen verbunden werden, eine wichtige Rolle. Nachfolgend
sollen deshalb die wenigen wissenschaftlichen Studien
dargestellt werden, die solche potenziellen ökonomischen Auswirkungen eines liberalisierten Handels
zwischen der EU und den USA untersuchen. Die Studien berechnen unter anderem mögliche Effekte auf
den Handel, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und den
Arbeitsmarkt.
Zwei häufig zitierte Studien, FRANCOIS et al. (2013,
nachfolgend: CEPR-Studie) und BERDEN et al.
(2009b, nachfolgend: ECORYS-Studie) wurden im
Auftrag der EU-Kommission durchgeführt. Wie auch
die Studie von FONTAGNÉ et al. (2013, nachfolgend:
CEPII-Studie) prognostizieren sie in der Tendenz
positive, wenn auch teilweise sehr moderate ökonomische Wirkungen. Die Berechnung der Handelseffekte durch die geplante Liberalisierung erfolgt hier
basierend auf sogenannten allgemeinen Gleichgewichtsmodellen (kurz CGE-Modelle). Die Ifo-BMWiStudie (FELBERMAYR et al. 2013b), die für das
Bundeswirtschaftsministerium durchgeführt wurde,
verfolgt teilweise einen anderen methodischen Ansatz.
Im Vergleich zu den oben genannten Studien kommt
sie zu stark nach oben abweichenden Ergebnissen.
Das Ifo-Institut hat noch zahlreiche weitere Studien zu
TTIP vorgelegt, auf die teilweise später Bezug ge8

nommen wird. Zu erwähnen ist außerdem eine Studie
der Tufts Universität (CAPALDO 2014), die einige
Beachtung erfahren hat, aber auch erheblich kritisiert
wird (PERSSON 2015; RODRIK 2015; BAUER und
ERIXON 2015). Sie kommt im Gegensatz zu den
oben genannten Studien zu deutlich negativen Ergebnissen hinsichtlich der ökonomischen Auswirkungen
von TTIP (CAPALDO 2014, S. 14). Dies lässt sich
durch die Wahl eines gänzlich anderen Modelltyps mit
abweichenden Annahmen über die ökonomischen
Reaktionsmuster erklären (BAUER und ERIXON
2015).
9.
Die in den Studien verwendeten Untersuchungsansätze sowie die Deutung und Darstellung
der Ergebnisse haben Anlass für Kontroversen gegeben. Das ist zunächst nicht verwunderlich, stellen
ökonomische Modelle doch immer eine Abstraktion
und damit eine starke Vereinfachung der Wirklichkeit
dar. Das gilt besonders für solche Untersuchungen, die
globale, gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge abbilden, wie sie bei der Handelsliberalisierung im
Rahmen von TTIP relevant sind. Die Autoren der
ökonomischen Studien grenzen deshalb die Aussagekraft ihrer Ergebnisse von vornherein stark ein (z. B.
FELBERMAYR et al. 2013b, S. 14 f.). Nichtsdestotrotz werden ökonomische Analysen dieser Art zur
Vorhersage grober Tendenzen und zum Vergleich der
Effekte unterschiedlicher Politiken verwendet. Die
Ergebnisse werden dann im politischen Diskurs zur
wissenschaftlichen Legitimierung unterschiedlicher
Positionen zu TTIP angeführt.
Er g eb ni s se d er Lib er a li s ier u n g ss ze na r ie n
10.
Im Hinblick auf die Methodik gilt: Das Modell und damit die Annahmen über zugrundeliegende
ökonomische Zusammenhänge und Verhaltensannahmen beeinflussen die berechneten Ergebnisse
maßgeblich. Gleiches gilt für die Wahl der Indikatoren
und ihre Berechnungsweisen. Dadurch lassen sich
auch die Unterschiede zwischen den Studien erklären.
Auf methodische Einzelfragen kann allerdings an
dieser Stelle nicht vertieft eingegangen werden. Für
eine kritische Würdigung der Analysen und
methodischen Details siehe RAZA et al. (2014),
MYANT und O´BRIEN (2015, S. 17) und STEPHAN
(2014).
11.
Im Ergebnis zeigen alle Untersuchungen,
dass langfristig gesehen, das heißt nach einer Übergangszeit von mindestens zehn Jahren, der bilaterale
Abbau von Zöllen und nicht-tarifären Handelshemmnissen zu einer Ausweitung des Handels und zu Wohlfahrtsgewinnen für die EU als Ganzes führen würde.
Die Ifo/BMWI-Studie und die CEPII-Studie weisen
für Deutschland gesondert Ergebnisse aus und kommen auch auf dieser Ebene zu positiven Effekten. Alle
Studien verwenden verschiedene Szenarien, die unterschiedliche Liberalisierungstiefen abbilden. Wie zu
erwarten, weichen die Ergebnisse zwischen den verschiedenen Szenarien voneinander ab (Tab. 1).

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Die Auswirkungen auf das BIP sind bei den Liberalisierungsszenarien, die sich auf den Zollabbau beschränken, sehr gering. Das CEPR errechnet hier keinerlei BIP-Zugewinne. Das CEPII kommt zu einer
Steigerung von nur 0,1 % im Jahr 2025 im Vergleich
zu einem Entwicklungspfad ohne bilateralen Zollabbau. Auch die Ifo/BMWI-Studie errechnet nur einen
sehr moderaten Zuwachs. Nach vollständiger Entfaltung der Wirkung wäre das reale BIP pro Kopf um
0,3 % höher als ohne diese Liberalisierungsmaßnahme.
Die Maximalszenarien umfassen den vollständigen
Zollabbau in Kombination mit einer je nach Szenario
unterschiedlichen, teilweise erheblichen Absenkung
der nicht-tarifären Handelshemmnisse. Das CEPII
geht in seinem „Harmonization Spill-over“-Szenario
außerdem von positiven Effekten für Drittländer aus
(vgl. Tz. 17), was auch den Abkommenspartnern
zugutekommt. Die Ergebnisse der Maximalszenarien
unterscheiden sich deutlich. Sie variieren zwischen 0,5
% in den Maximalszenarien der CEPR-Studie und der
CEPII-Studie einerseits und 6,2 % im Binnenmarkt-

szenario der Ifo/BMWi-Studie. Allerdings sehen
selbst die Autoren das Binnenmarktszenario als unrealistisch an. Aber auch das Hauptszenario der
Ifo/BMWI-Studie
(Non-Tariff-Barrier-Szenario)
kommt zu einem deutlich höheren Zugewinn als die
anderen genannten Studien. Die Spannweite der Ergebnisse zeigt somit auch, wie entscheidend die Frage
ist, ob mit TTIP nicht-tarifäre Handelshemmnisse
substanziell abgebaut werden.
Wie stark die Modellergebnisse von der Annahme der
Handelskostenhöhe für nicht-tarifäre Handelshemmnisse abhängen, zeigt der Vergleich zweier Szenarien
der CEPII-Studie (Tab. 2). Beiden Berechnungen liegt
das Referenzszenario der Studie zugrunde. Sie unterscheiden sich darin, dass das CEPII in seinen eigenen
Berechnungen die durch nicht-tarifäre Handelshemmnisse implizierten Handelskosten höher einschätzt als
ECORYS (FONTAGNÉ et al. 2013, S. 8). In der
Folge führt ihr Abbau auch zu deutlich höheren Exportzunahmen und stärkeren Effekten auf das Realeinkommen.

T ab elle 1
Au sw ir ku ng en v o n T T I P a uf da s B IP der E U
in a u sg ew ä h lt e n Sze na r ien ö ko no mi sc he r St u d i en
ZollSzenario

Mittleres
Szenario

MaximalSzenario

2027,

0,101

0,272

0,483

CEPII (%-Unterschied des Realeinkommens im Zieljahr 2025,
im Vergleich zum Entwicklungspfad ohne TTIP)

0,004

0,305

0,506

0,327

0,728

1,6710

6,1811

CEPR (%-Unterschied des BIP im Zieljahr
im Vergleich zum Entwicklungspfad ohne TTIP)

ECORYS 2009 (%-Unterschied des Realeinkommens nach 10
Jahren Umsetzungszeit, im Vergleich zum Entwicklungspfad
ohne TTIP)
Ifo/BMWi (%-Unterschied des real BIP/Kopf wenn TTIP volle
Wirkung entfaltet im Vergleich zum Entwicklungspfad ohne
TTIP)

0,139

CEPR: 1Tariffs only: 98 % Zollabbau; 2Less ambitious: 98 % Zollabbau, 10 % der nicht-tarifären Maßnahmen (NTMs)
für Güter und Dienstleistungen, 25 % der NTMs für Beschaffung; 3Ambitious: 100 % der Zölle, 25 % der NTMs für
Güter und Dienstleistungen; 50 % der NTMs für Beschaffung
CEPII: 4Tariffs only: 100 % Zollabbau; 5Reference Scenario: 100 % Zollabbau; 25 % Abbau NTMs für Produkte und
Dienstleistungen, ausgenommen öffentliche Beschaffung und audiovisuelle Dienstleistungen; 6Harmonization-Spillover: d. h. Referenzszenario ergänzt um. Rückgang der Handelskosten durch NTMs für Drittländer um 5 %
ECORYS 2009: 7Limited Scenario (long run): kein Zollabbau, ca. 50 % Abbau aller „actionable“ NTMs in allen
Sektoren; 8Ambitious Scenario (long run): kein Zollabbau, vollständiger Abbau aller „actionable“ NTMs in allen
Sektoren
Ifo/BMWi: 9Zollszenario: 100 % Zollabbau; 10Non-Tariff-Barriers-Szenario: 100 % Zollabbau, Reduktion der
effektiven gesamten variablen Handelsbarrieren auf das Durchschnittsniveau in beobachteten Freihandelsabkommen;
langfristige Handelsschaffungsgewinne von mind. 67 %; 11Binnenmarktszenario: 100 % Zollabbau, Reduktion der
effektiven variablen Handelsbarrieren auf das imputierte Niveau zwischen Deutschland und der EU.
SRU/SG 2016/Tab. 1;
Datenquellen: FONTAGNÉ et al. 2013, S. 11; FRANCOIS et al. 2013, S. 45;
BERDEN et al. 2009b, S. 26; FELBERMAYR et al. 2013b, S. 97

9

SRU-Stellungnahme Nr. 19

T ab elle 2
T T IP - Ef f e kt e b ei u nt er sc hi ed li ch en B ere ch n u ng e n f ür H a n del s ko st e n
v o n nic ht - t a rif ä re n H a nd el s he mmn i s se n
Referenzszenario*
Handelskosten für NTMs1 Handelskosten für NTMs1
durch CEPII berechnet
aus ECORYS 2009-Studie
übernommen

EU

Exporte (in Volumen)

2,3

1,3

Realeinkommen
(%-Unterschied
des
BIP
im Zieljahr 2025, im Vergleich zum Entwicklungspfad ohne TTIP)

0,3

0,1

* 100 % Zollabbau und 25 % Abbau nicht-tarifärer Maßnahmen (NTMs1) für Produkte und Dienstleistungen, ausgenommen
öffentliche Beschaffung und audiovisuelle Dienstleistungen.
SRU/SG 2016/Tab. 2; Datenquelle: FONTAGNÉ et al. 2013, S. 11

12.
Die Studie von CAPALDO (2014) kommt zu
deutlich negativen Effekten für Deutschland, wenn der
Handel zwischen der EU und den USA umfassend
liberalisiert wird. So werden für Deutschland im Jahr
2025 unter anderem ein niedrigeres BIP (- 0,29 %),
ein Rückgang der Arbeitsplätze (- 134.000) und geringere Arbeitseinkommen (- 3.400 Euro je Arbeitnehmer), im Vergleich zu einem Entwicklungspfad
ohne TTIP, berechnet (ebd., S. 14). Der Autor erläutert aber, dass mit dem von ihm verwendeten Modell
nicht die Absenkung der Handelskosten berechnet
werden kann. Die Schätzungen für die Handelskosten
übernimmt er aus Studien zu TTIP von anderen Autoren. Er verweist auch auf die in der vorliegenden
Stellungnahme referierten Arbeiten (ebd., S. 12), erläutert aber nicht, welches konkrete Szenario aus welcher Studie er für seine Berechnungen zugrunde legt.
U ns ic he r hei te n
13.
Die Ergebnisse der ökonomischen Studien zu
den Auswirkungen von TTIP sind mit hohen Unsicherheiten behaftet. Eine besondere methodische
Herausforderung stellt die Berechnung der Handelskosten von nicht-tarifären Handelshemmnissen dar.
Die Untersuchungen klassifizieren unterschiedliche
Maßnahmen als nicht-tarifäre Handelshemmnisse.
Aufgrund der Vielzahl, Vielfältigkeit und Natur der
Maßnahmen (s. Tz. 7 und Abb. 1) sind die damit verbundenen Handelskosten nur sehr begrenzt objektiv
messbar, womit die Studien unterschiedlich umgehen.
Alle Autoren betonen diese Schwierigkeiten (u. a.
FELBERMAYR et al. 2013b, S. 42; FRANCOIS et al.
2013, S. 16).
14.
BUREAU et al. (2014) erläutern am Beispiel
der Landwirtschaft die Schwierigkeit beziehungsweise
die methodischen Grenzen, nicht-tarifäre Handelshemmnisse adäquat in Handelsmodellen abzubilden.
In der Regel werden diese Handelshemmnisse in Zolläquivalente umgerechnet (nur in der Ifo/BMWI-Studie
wird anders vorgegangen). Dieses methodische Verfahren führt dazu, dass ausschließlich die ökono10

mischen Ziele einer handelshemmenden Maßnahme in
den Modellen berücksichtigt werden können. Anders
als Zölle haben solche Handelshemmnisse oft andere
Ziele als den Schutz der inländischen Wirtschaft durch
Begrenzung des Marktzugangs und die Generierung
von öffentlichen Geldern. Regulierungen, um die es in
der TTIP-Debatte geht, haben häufig das Ziel, gewisse
Qualitätsstandards für Produkte oder Prozesse sicherzustellen. Die Handelsmodelle bilden auch nicht alle
Arten von Produktdifferenzierungen ab, die durch
nicht-tarifäre Handelshemmnisse adressiert werden.
Als Beispiel wird Hormonfleisch genannt (Tz. 27).
Besonders komplexe Politiken, zum Beispiel im Bereich Zucker und Biokraftstoffe, können ebenfalls in
diesen Handelsmodellen nicht akkurat modelliert
werden. Die gesellschaftlichen Kosten, die beim Abbau solcher Maßnahmen entstehen, können mit der
Methode der Zolläquivalente nicht in den Modellen
abgebildet werden. (vgl. Tz. 14). BUREAU et al.
weisen deshalb ausdrücklich darauf hin, dass diese
Begrenzungen bei der Interpretation der Modellergebnisse zu berücksichtigen sind (2014, S. 33).
Die ökonomischen Studien gehen implizit davon aus,
dass die Harmonisierung der Regulierung (regulatory
harmonisation) nicht zu einer Verschlechterung der
Regelungsqualität (regulatory quality) führt. Diese
Annahme kann jedoch bezweifelt werden (s. Kap. 3;
s. a. RAZA et al. 2014, S. 11 und 19 f; ebenso
MYANT und O´BRIEN 2015, S. 14). Kritiker gehen
davon aus, dass sich die Regelungsqualität durchaus
verschlechtern könnte, insbesondere bei einer großen
Liberalisierungstiefe. In diesem Fall müsste eine Absenkung des Schutzniveaus in Form von gesellschaftlichen Kosten in die Modellrechnungen eingehen. Die
Ausführungen von JOSLING und TANGERMANN
(2014, S. 20 ff.) zur Komplexität des Abbaus nichttarifärer Handelshemmnisse im Agrar- und Lebensmittelbereich verdeutlichen die Problematik. In Bereichen, in denen das Schutzniveau unterschiedlich ist,
bringt jeder Abbau gesellschaftliche Kosten mit sich.
Diese können einerseits indirekt sein, wenn gesell-

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

schaftliche Präferenzen hinsichtlich Gesundheits- oder
Umweltschutzniveaus nicht mehr erfüllt werden oder
wenn der Staat mit Steuergeldern finanzierte GegenMaßnahmen ergreift, um das gewünschte Schutzniveau dennoch zu halten. Andererseits können Kosten durch Strafzahlungen bzw. das Freikaufen von
Liberalisierungsverpflichtungen oder alternative handelsbezogene Zugeständnisse entstehen (s. Tz. 27).
Dies muss bedacht werden, wenn in der Diskussion
über die anzustrebende Tiefe der regulatorischen
Kooperation auf die ökonomischen Studien Bezug
genommen wird.
15.
Zudem werden variierende Annahmen
darüber getroffen, inwieweit die Hemmnisse im
Rahmen von TTIP abgebaut werden können. Zum
Beispiel geht das „Binnenmarktszenario“ der
Ifo/BMWI-Studie von einer Handelsschaffung durch
TTIP aus, die mit den Effekten des EU-Binnenmarktes
vergleichbar ist. Dieses Verständnis reicht deutlich
weiter als die Maximalszenarien der anderen Studien
und wird von den Autoren selbst als problematisch
bewertet.
Dass die Verhandlungen wirklich zu einem umfassenden Abbau nicht-tarifärer Handelshemmnisse führen,
wird angezweifelt (MYANT und O´BRIEN 2015,
S. 12 f.; RAZA et al. 2014; STEPHAN 2014). Nichtsdestotrotz werden gerade die Ergebnisse, die auf der
Annahme einer sehr umfassenden Liberalisierung
beruhen, regelmäßig in der Diskussion verwandt.
Zudem ist festzustellen, dass die mit hohen Unsicherheiten behafteten Prognosen im politischen Diskurs
eher als Fakten präsentiert werden. Beides kann zu
überzogenen Erwartungen führen.
Het er o ge ne Au s wi r k u n g en a u f d ie Se k to r e n
u nd E U -M it g li ed sta ate n
16.
Ein differenzierter Blick zeigt, dass die Auswirkungen sowohl auf Ebene der Sektoren als auch
auf der der EU-Mitgliedstaaten heterogen sind. Wettbewerbsfähigere Sektoren profitieren grundsätzlich
stärker von der Liberalisierung. Das Reference-Szenario der CEPII-Studie nimmt einen vollständigen Zollabbau und einen Abbau von 25 % der nicht-tarifären
Handelshemmnisse an. Dieses Szenario ergibt für den
Landwirtschaftssektor der EU-27 insgesamt (also nach
vollständiger Umsetzung dieser Liberalisierung) einen
leichten mengenmäßigen und wertmäßigen Anstieg
der Exporte (+ 1 % bzw. + 2,3 Mrd. USD). Gleichzeitig sinkt in den Berechnungen aber der Beitrag des
Sektors zum BIP um 0,8 % beziehungsweise 5,8 Mrd.
USD. Gewinner wären nach diesem Szenario in der
EU der Maschinenbausektor und der Sektor Transportzubehör, während der Chemiesektor negative
Effekte zu verzeichnen hätte (FONTAGNÉ et al.
2013, S. 10 ff. und Anhang S. A.5 und A.7).
In einer Studie für das Europäische Parlament wurden
potenzielle Auswirkungen verschiedener Szenarien
der bilateralen Handelsliberalisierung auf den Agrarsektor untersucht. Im Hauptszenario, das dem Referenzszenario der CEPII-Studie ähnlich ist, wird relativ

gesehen eine erhebliche Zunahme des Handels prognostiziert. Der absolute Beitrag zum BIP ist aber aufgrund des geringen Handels mit Agrarprodukten vernachlässigbar. Der Effekt für die Bruttowertschöpfung
des gesamten Agrarsektors der EU sinkt in diesem
Szenario, ähnlich wie in der CEPII-Studie (minus
0,5 %). Der Zuwachs an Importen aus den USA ist
deutlich größer als die Exportsteigerung der EU in die
USA (BUREAU et al. 2014, S. 36–47). Die Effekte
variieren aber je nach Produktgruppen. Erwähnenswert sind insbesondere die prognostizierten Auswirkungen auf den Rindfleischsektor und damit auf die
Mutterkuhhaltung. Hier sehen die Autoren ein großes
Risiko, da im Vergleich zur Produktion in den USA
diese in der EU vielerorts nicht wettbewerbsfähig ist
(kleine Herden, hohe Landpreise usw.). Vor dem
Hintergrund, dass von der extensiven Grünlandnutzung in der Rinderhaltung positive ökologische
Externalitäten ausgehen, werden hier auch nachteilige
Effekte auf das Gemeinwohl, insbesondere den Naturschutz, gesehen (ebd., S. 54–56).
Zwischen den EU-Mitgliedstaaten variieren die
Effekte auf den gesamten Handel und das BIP entsprechend den Handelsverflechtungen mit den USA
und der Relevanz der verschiedenen Sektoren. So
berechnen FONTAGNÉ et al. (2013, S. 8), dass die
britischen Exporte im Referenzszenario mit 4 % deutlich stärker ansteigen als der Durchschnitt der Mitgliedstaaten, während Deutschland in dem Szenario
mit 2 % im Mittelfeld liegt. Auch laut FELBERMAYR (2013b) liegt Deutschland ungefähr im
Mittelfeld der BIP-Effekte. Für Schweden und vor
allem Großbritannien sind deutlich stärkere Effekte, in
Frankreich sowie Österreich dagegen klar geringere
Anstiege zu erwarten. Auch die CEPII-Studie berechnet Vorteile bei Exporten und BIP-Zuwächse vor
allem für Länder, die bereits sehr wettbewerbsfähige
Exportsektoren haben. Für Süd- und Osteuropa werden vergleichsweise geringere Effekte berechnet
(FONTAGNÉ et al. 2013, Anhang S. A.7–A.8).
W ir k u n ge n a u f Dr it tl ä nd er
17.
Alle Studien weisen darauf hin, dass durch
TTIP der bilaterale Handel zwischen den USA und der
EU steigt. Die Folge ist, dass der Intra-EU-Handel
abnimmt: im Szenario „tiefgehende Liberalisierung“
der Ifo/BMWI-Studie um 900 Mrd. USD (2013a).
Hinsichtlich der Effekte auf Drittländer variieren die
Ergebnisse zwischen den Studien. Zentral ist die
Frage, ob sogenannte Spill-over-Effekte der bilateralen Liberalisierung für Drittländer auftreten, das
heißt, deren Handelskosten ebenfalls sinken. Die
Autoren der CEPR-Studie argumentieren, dass eine
Verbesserung bzw. Vereinfachung der Regulierungen
in der EU und den USA auch den Marktzugang für
Exporteure aus Drittländern erleichtert. Falls aus TTIP
globale Maßstäbe erwachsen, würde dies auch zu
einer Absenkung der nicht-tarifären Handelshemmnisse von Drittländern führen. Davon profitierten die
EU und die USA. Aber auch zwischen den Drittländern wird von einem Anstieg des Handels ausge11

SRU-Stellungnahme Nr. 19

gangen (FRANCOIS et al. 2013, S. 28 f.). In einer
neueren Studie zeigt das Ifo-Institut außerdem, dass
die Höhe der berechneten Handels- und Wohlfahrtseffekte auch dadurch beeinflusst wird, auf welcher
räumlichen Aggregationsebene die in das Modell
eingehenden Daten liegen. Wird die EU aggregiert mit
nur einem Datensatz berücksichtigt, fallen die negativen Effekte für Drittländer geringer aus als wenn für
alle EU-Mitgliedstaaten einzelne Datensätze eingehen
(FELBERMAYR et al. 2014, S. 37 f.). In diesen zwei
Punkten liegen denn auch die großen Unterschiede
zwischen den Studien des Ifo-Instituts einerseits und
der CEPR-Studie und der CEPII-Studie andererseits.
Die beiden letztgenannten berechnen Drittländereffekte auf Basis aggregierter räumlicher Daten für die
EU. In der CEPR-Studie wird außerdem grundsätzlich
von den genannten Spill-over-Effekten ausgegangen.
Die CEPII-Studie enthält auch ein Szenario, in dem
Spill-over-Effekte zugrunde gelegt werden. In diesem
Szenario ergeben sich, wie auch in der CEPR-Studie
positive Effekte von TTIP auf die Exporte und das
Realeinkommen bzw. das BIP des „Rests der Welt“
sowie für ausgewählte Drittländer oder Weltregionen
(FONTAGNÉ et al. 2013, S. 10; FRANCOIS et al.
2013, S. 81–83).
Das Ifo-Institut kommt in verschiedenen Studien zu
anderen Ergebnissen, die aber ihrerseits heterogen
sind: In der Ifo/BMWI-Studie und in FELBERMAYR
et al. (2014, S. 37 f.) wird, mit Berufung auf fehlende
empirische Nachweise, nicht von nennenswerten
Spill-over-Effekten ausgegangen. Außerdem werden
räumlich disaggregierte Daten zugrunde gelegt. Die
Studien ergeben, dass das Real-BIP in vielen Drittländern in Folge von TTIP sinken würde. Dies gilt insbesondere für solche Länder, die derzeit starke Handelsverflechtungen mit den USA und der EU aufweisen
und die durch bestehende Abkommen einen privilegierten Marktzugang haben. Negative Wohlfahrtseffekte werden mithin zum Beispiel für Kanada, Norwegen, Mexiko und Russland berechnet. Beide
Studien kommen vor allem auch für viele Entwicklungs- und Schwellenländern zu negativen Effekten
(FELBERMAYR et al. 2014, S. 38; 2013b, S. 76).
Zwei weitere Ifo-Studien befassen sich spezifisch mit
den Effekten für Entwicklungs- und Schwellenländern. Sie zeichnen ein etwas positiveres Bild und
sehen für einige dieser Länder auch mögliche Vorteile. Von besonderer Relevanz ist hier die Einbindung
in transatlantische Wertschöpfungsketten (FELBERMAYR et al. 2015; AICHELE et al. 2014).
Grundsätzlich betonen die Ifo-Autoren, dass zunächst
nachteilige Auswirkungen auf den Handel und das
BIP von Drittländern langfristig auch einen Anreiz für
die betreffenden Ländergruppen darstellen, die eigenen Standards den TTIP-Standards anzupassen oder
selber verstärkt bilaterale Freihandelsabkommen einzugehen (FELBERMAYR et al. 2013b, S. 29;
FELBERMAYR und LARCH 2013).

12

Ver t ei l u n gs e f fe k te i n ner ha lb d er EU
b ezie h u n g s we is e D e ut sc hl a nd s
18.
In den verschiedenen Studien werden Durchschnittseffekte genannt, zum Beispiel „in Preisen des
Jahres 2011 […] bedeutet dies einen durchschnittlichen jährlichen Einkommenszuwachs von etwa 500
Euro pro Kopf“ genannt (ebd., S. 99). Ähnliches gilt
für die Studie von ECORYS, die ein Plus von
12.300 Euro pro Haushalt für die gesamte Lebensarbeitszeit
prognostizieren
(Maximalszenario)
(BERDEN et al. 2009b, S. xiv). Auch das CEPR berechnet im Szenario „ambitious experiment“ einen
jährlichen Einkommenszuwachs pro Vierpersonenhaushalt in Höhe von 545 Euro, wenn TTIP im Jahr
2027 seine volle Wirkung entfaltet hat. Gleichzeitig
bleibt die Frage der Verteilungseffekte in allen Studien unbeantwortet. FELBERMAYR et al. (2013b,
S. 14 f.) weisen denn auch ausdrücklich darauf hin,
dass diese aufgrund der kurzen Zeitfrist nicht beantwortet werden konnte.
In der Argumentation für TTIP werden diese Durchschnittszahlen dann jedoch beispielsweise durch die
Politik und Wirtschaft angeführt. Die breite Teilhabe
der Gesellschaft an den prognostizierten Wachstumseffekten, die damit suggeriert wird, erscheint allerdings sehr fraglich. MYANT und O‘BRIEN (2015,
S. 13) kritisieren in diesem Zusammenhang die implizite Annahme der CEPR-Studie, dass Lohnsteigerungen zukünftig im gleichen Takt wie die Produktivitätsund BIP-Steigerung erfolgen würden. Das würde
voraussetzen, dass die Verteilung der Produktivitätssteigerungen auf Löhne und Renditen in Zukunft konstant bleibt, was in den vergangenen dreißig Jahren
regelmäßig nicht der Fall war. Tatsächlich ist der
Lohnanteil am BIP deutlich gesunken (ebd.). Wahrscheinlicher ist, dass eine bilaterale Handelsliberalisierung mit nennenswertem Abbau von nicht-tarifären
Handelshemmnissen auch in Deutschland Gewinner
und Verlierer zur Folge haben wird. Das legen schon
die Ausführungen zu den differenzierten Effekten für
die verschiedenen Sektoren nahe (Tz. 16).
Effekte auf die Arbeitsmärkte sind auch ein Indikator
für eine potenzielle Verteilungswirkung. Die CEPIIStudie betrachtet dies nicht. Die CEPR-Studie und die
ECORYS-Studie nehmen ein konstantes Arbeitsangebot an, Effekte der Handelspolitik auf den Umfang der
Beschäftigung werden in diesen Modellen daher nicht
berechnet. Die dahinter stehende Annahme sehr hoher
Mobilität der Arbeit wird unter anderem von RAZA
et al (2014; mit Verweis auf EuroMemo Group 2013)
stark kritisiert. In der Ifo/BMWI-Studie werden die
langfristigen positiven Gesamteffekte für den Arbeitsmarkt hervorgehoben (FELBERMAYR et al.
2013b, S. 17). Gleichwohl sehen sie kurzfristig potenziell negative Beschäftigungseffekte, da der Abbau
von Arbeitsplätzen in schrumpfenden und ausscheidenden Firmen deutlich schneller vor sich geht,
als der Ausbau der Beschäftigung in exportorientierten
Firmen. Auch kann mit dem Modell keine Aussage

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

über die Lohnspreizung zwischen den Beschäftigten
getroffen werden (ebd. 2013b, S. 86 f.).

nunmehr eine Annäherung dieser Regulierungen angestrebt.

In der Gesamtheit sind moderate positive Wohlfahrtseffekte eines vertieften transatlantischen Handels
durchaus plausibel, für einige Sektoren auch in relevanter Höhe. Die dargestellten Studienergebnisse sind
jedoch in hohem Maße durch die Wahl der Modelle
und die Annahmen, beispielsweise über den Abbau
der nicht-tarifären Handelshemmnisse bedingt.
Darüber, welche Liberalisierungstiefe in den verschiedenen Bereichen erreichbar ist, besteht noch große
Unklarheit. Insgesamt ist die Größenordnung der
Effekte daher höchst unsicher. Die potenziellen Verteilungseffekte sind noch unzureichend untersucht. Es
gibt aber Anzeichen dafür, dass eine bilaterale Liberalisierung sowohl innerhalb der Partnerländer als auch
in Drittländern durchaus Gewinner und Verlierer
haben würde.

20.
Studien – unter anderem für den Umweltausschuss des Europäischen Parlaments – identifizieren Bereiche, in denen das Schutzniveau in der EU
und in den USA unterschiedlich ist (detaillierter
Überblick bei BERDEN et al. 2009a, Annex IX).
Dabei wird von Kritikern der Verdacht geäußert, dass
in einigen dieser Bereiche durch eine Annäherung der
Regulierung auch das im Umweltbereich bestehende
Schutzniveau infrage gestellt werden könnte.
Befürchtet wird auch, dass sich die Rechtssetzung
neuer anspruchsvoller Regulierungen verzögert oder
dass sie ganz unterbleibt. Auch wird angenommen,
dass Gesetzesverschärfungen dazu führen können,
dass Investoren Schadensersatzklagen erheben können, weil sich ihr Investitionsumfeld verschlechtert
hat. Dadurch kann der Gesetzgeber abgehalten werden, ein höheres Umweltschutzniveau anzustreben
(sog. regulatory chill). Einige dieser Bereiche sollen
nachfolgend kurz angerissen werden.

2.2

Umweltrelevanz von TTIP

19.
Der Begriff „Umwelt“ soll im geplanten
Abkommen nach Auffassung der Europäischen Kommission in verschiedenen Artikeln eine Rolle spielen:
in erster Linie im vorgesehenen Nachhaltigkeitskapitel, in dem ökologische und soziale Fragen ausführlich angesprochen werden (Europäische Kommission 2013a; 2015f). In den Entwürfen der EU
findet sich der Begriff Umwelt zudem in den Artikeln,
in denen die regulatorische Kooperation in bestimmten Sektoren oder das staatliche Recht auf Regulierung
erwähnt wird. Darüber hinaus wird die Umwelt in den
Artikeln genannt, die die Ziele der jeweiligen Verhandlungskapitel darlegen (z. B. Abschn. I Art. 1
Nr. 1 lit. a des EU-Verhandlungsentwurfs für die
regulatorische Kooperation).
Zum anderen spielt Umweltschutz in TTIP aber auch
dann eine Rolle, wenn der Begriff nicht ausdrücklich
im Vertragstext erwähnt wird. Das ist der Fall, wenn
durch die geplante Angleichung auch Umwelt- oder
Gesundheitsschutzbestimmungen betroffen sind. Zwar
ist eine abschließende Bewertung der Umweltrelevanz
des Freihandelsabkommens noch nicht möglich, aber
es können durchaus bereits Regelungsbereiche identifiziert werden, in denen TTIP große Auswirkungen
haben kann, weil die betroffenen Regulierungen sehr
unterschiedlich sind.
Das Ziel der regulatorischen Kooperation ist ausweislich des Verhandlungsentwurfs der Kommission vom
Mai 2015: „promoting the compatibility of envisaged
and existing EU and US regulatory acts“ (Europäische
Kommission 2015l, S. 2). Angestrebt wird mithin eine
Kompatibilität der Regulierungen auch im Bereich der
Umwelt. Diese Kooperation würde in ihrer Reichweite
deutlich über die seit den 1980er-Jahren geführte
Diskussion zu Welthandel und Umwelt hinausgehen
(HORVATHY 2014). Denn während es bislang im
internationalen Handelsrecht vor allem um die Zulässigkeit nationaler Umweltregulierungen ging, wird

21.
Kosmetika unterliegen in der EU einer
obligatorischen Anzeige- und Zulassungspflicht, während in den USA teilweise keine Registrierungspflichten bestehen und Sicherheitstests freiwillig
erfolgen (MUDGAL et al. 2014, S. 77). Andererseits
gelten einzelne Produktgruppen wie beispielsweise
Sonnenmilch in den USA als Medikament. Die
Unterschiede zwischen Regelungen im Lebensmittelbereich sind ebenfalls groß. Dies gilt einerseits bei den
Verfahren, andererseits auch bei der Einschätzung von
Risiken, die teilweise grundsätzlich voneinander
abweicht (Überblick bei RUDLOFF 2014, S. 6). Die
EU plant beispielsweise Rechtsakte, durch die der
Einsatz der Klontechnik bei landwirtschaftlichen
Nutztieren verboten werden soll. Das Verbot soll auch
die Einfuhr von Klonen betreffen (Europäische
Kommission 2013d) sowie das Inverkehrbringen von
Lebensmitteln aus Klontieren (Europäische Kommission 2013c). In den USA gibt es dagegen kein
Verbot auf Bundesebene.
Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) unterliegen in der EU einer Zulassungspflicht. Bevor sie in
Lebens- oder Futtermitteln auf den Markt kommen,
durchlaufen sie verschiedene Zulassungsverfahren auf
nationaler und europäischer Ebene (BfN 2015). In der
EU sind zurzeit 58 GVO für die Verwendung in
Lebens- bzw. Futtermitteln zugelassen, die in einem
öffentlich zugänglichen Register erfasst sind
(Europäische Kommission 2015e). Neben dem eigenen Anbau importiert die EU erhebliche Mengen an
GVO-Futtermitteln (Europäische Kommission 2015g).
Sowohl Lebensmittel als auch Futtermittel müssen
gekennzeichnet sein, wenn sie mehr als 0,9 % GVO
enthalten, aus solchen bestehen oder aus solchen hergestellt sind und deren Anteil nicht zufällig vorliegt
oder technisch zu vermeiden ist (Verordnung (EG)
Nr. 1829/2003 über genetisch veränderte Lebensmittel
und Futtermittel). Durch Einführen der Opt-outRegelung auf EU-Ebene im Jahr 2015 können nun13

SRU-Stellungnahme Nr. 19

mehr die Mitgliedstaaten den Anbau von gentechnisch
veränderten Organismen (GVO) auf ihrem Territorium
gänzlich untersagen (Richtlinie 2015/412/EU zu der
den Mitgliedstaaten eingeräumten Möglichkeit, den
Anbau von GVO in ihrem Hoheitsgebiet zu beschränken oder zu untersagen). In den USA werden gentechnisch veränderte Lebensmittel dagegen regelmäßig
nicht gekennzeichnet (dazu HANSEN-KUHN und
SUPPAN 2013). HOFFMEISTER (2015, S. 49), der
ehemalige stellvertretende Kabinettschef des damaligen EU-Handelskommissars Karel de Gucht vertritt
die Auffassung, dass TTIP an der bestehenden „materiellen“ Rechtslage nichts ändern würde. Dagegen hat
der US-amerikanische Landwirtschaftsminister in
einem Interview mit der Financial Times deutlich zum
Ausdruck gebracht, dass eine Verabschiedung der
Opt-out-Regelung aus seiner Sicht die TTIPVerhandlungen ernsthaft in Frage stellt (Financial
Times vom 7. Mai 2015).
Große Unterschiede bestehen generell bei Regulierungen, die unter dem Oberbegriff sanitäre und
phytosanitäre Maßnahmen zusammengefasst werden
(sanitary and phytosanitary measures – SPS). Darunter
fallen Maßnahmen, die die Lebensmittelsicherheit und
die Tier- und Pflanzengesundheit betreffen und damit
zahlreiche Aspekte, die unter Umweltgesichtspunkten
relevant sind (MUDGAL et al. 2014; GERSTETTER
et al. 2013; RUDLOFF 2014, S. 6; JOSLING und
TANGERMANN 2014, S. 20 ff.; DIELS und
THORUN 2014). In der EU sind Pflanzenschutzmittel
und Biozide, die persistente, bioakkumulierbare und
toxische Stoffe (PBT-Stoffe) oder krebserregende,
erbgutverändernde und fortpflanzungsschädigende
Stoffe (CMR-Stoffe) enthalten – anders als in den
USA – nicht zulassungsfähig (UBA 2015b, S. 4).
Sehr unterschiedlich stellt sich auch die Regulierung
im Bereich Chemikalien dar (KARLSSON 2015). Die
EU besitzt mit der REACH-Verordnung (EG)
Nr. 1907/2006 eines der strengsten Chemikaliengesetze der Welt, das die Registrierung, Bewertung
Zulassung und gegebenenfalls Beschränkung von
Chemikalien regelt und dem das Vorsorgeprinzip
zugrundeliegt (SRU 2011, S. 201). Die deutsche chemische Industrie hebt hervor, dass der Schutzstandard
von REACH und der des Toxic Substances Control
Act der USA (TSCA) nicht vergleichbar sind. Sie geht
davon aus, dass sich die Regelungen nicht für eine
Angleichung eignen (VCI 2014, S. 5). Demgegenüber
warnen insbesondere US-amerikanische Nichtregierungsorganisationen (CIEL 2014), aber auch das
BMUB (FLYNN 2015) davor, dass die Weiterentwicklung der Chemikalienregulierung durch TTIP
gefährdet werden kann.
In allen diesen Beispielen besteht nach Auffassung
von Kritikern die Gefahr, dass eine Angleichung des
Schutzniveaus „nach unten“ erfolgen kann oder dass
Produkte des Vertragspartners importiert werden, die
den gesetzlichen Anforderungen nicht entsprechen.
22.
Berichte des Trade Representative dokumentieren den wiederholten Einspruch der US-Industrie
14

und die Vorbehalte des US-amerikanischen Handelsbeauftragten gegen zahlreiche geplante bzw. bestehende Regulierungen der Europäischen Kommission
(zuletzt USTR 2014). Erwähnt werden darin zum
Beispiel Vorhaben zur Regulierung von fluorierten
Treibhausgasen in Kühlschränken und von hormonaktiven Stoffen, die REACH-, die ErneuerbareEnergie-Richtlinie 2009/28/EG, die EU-Richtlinien
über die Qualität von Otto- und Dieselkraftstoffen
(Fuel Quality Directives) und Kennzeichnungspflichten für Lebensmittel (USTR 2014, S. 66 ff.). Die
Vermutung liegt nahe, dass die USA auch in Zukunft
versuchen werden, dass diese umweltrelevanten
Regulierungen oder Regulierungsvorhaben auch
Gegenstand zukünftiger Bemühungen der USA zur
regulatorischen Angleichung bzw. dem Verhindern
von neuen ambitionierten Regelungen im Rahmen von
TTIP sein werden.

2.3

Verhältnis von TTIP zur WTO

23.
Das geplante Freihandelsabkommen muss
sich in das bestehende Welthandelssystem mit seinen
zahlreichen multi- und bilateralen handelsrechtlichen
Verträgen einfügen. Dazu zählt vor allem die Welthandelsorganisation (WTO) mit dem allgemeinen
Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs
and Trade – GATT) und den dazugehörigen Nebenabkommen, insbesondere dem Übereinkommen über
technische Handelshemmnisse (TBT-Übereinkommen) und dem Abkommen über sanitäre und
phytosanitäre Maßnahmen (SPS-Abkommen). Hinzu
kommt eine Reihe bilateraler Abkommen und bereits
bestehender Mechanismen zwischen den USA und der
EU. Beispiele sind das US-EU-Veterinärabkommen
sowie die multi- und bilateralen Verträge, die die USA
bzw. die EU geschlossen haben, etwa zur wechselseitigen Anerkennung von Konformitätsprüfungen
(vgl. GERSTETTER et al. 2014, S. 16–20; zur
Einbettung von TTIP in das internationale
Handelsregime MEUNIER und MORIN 2015).
24.
Eine generelle Darstellung des Welthandelsrechts und seines Verhältnisses zum Umweltschutz
kann an dieser Stelle nicht geleistet werden. Die Diskussion geht zurück in die 1990er-Jahre (s. nur ESTY
1994) und ist seitdem zunehmend komplexer geworden. Das GATT – später zur WTO fortentwickelt –
legt fest, dass Zölle, Abgaben und andere Hemmnisse
im internationalen Handel abgebaut werden müssen.
Dies erfolgt vor allem durch zwei Prinzipien: Erstens
durch die Meistbegünstigungsklausel (Gleichbehandlungsgebot), nach der ein Land allen GATT-Vertragspartnern die gleichen Zollvergünstigungen gewähren
muss. Zweitens durch das Verbot der Diskriminierung. Werden Ausnahmen vom Verbot mengenmäßiger Beschränkungen erlassen, müssen diese für alle
gelten. Daneben enthält das GATT in Art. XX Ausnahmen, unter anderem für Maßnahmen, die zum
Schutz des Lebens oder der Gesundheit von Personen
und Tieren oder die Erhaltung des Pflanzenwuchses
erforderlich sind (Art. XX b GATT). Ausnahmen von

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

den GATT-Prinzipien sind möglich. Dies gilt zum
Beispiel für das Meistbegünstigungsprinzip, von dem
mit der Rechtfertigung des Bestehens einer Zollunion
oder Freihandelszone – wie etwa der Europäischen
Union – abgewichen werden kann. Auch Nachbarländern und Entwicklungsländern können besondere
Handelsvorteile eingeräumt werden.
25.
TTIP reiht sich in einen Trend zu sogenannten Mega-Regionals ein. Das sind Abkommen, die
Länder und Regionen mit einem großen Anteil am
Welthandel und den globalen Investitionen umfassen
(SCHMUCKER 2014, S. 18). Das Abkommen soll
zum einen Verpflichtungen fortentwickeln, die sich
aus der WTO ergeben (sog. WTO+). Das betrifft die
Bereiche Handel mit Waren und Dienstleistungen,
geistige Eigentumsrechte und öffentliche Beschaffung.
Zum anderen soll es Bereiche betreffen, die bislang
nicht Gegenstand der WTO waren (sog. WTO X),
zum Beispiel Investitionsschutz, Wettbewerbsschutz
sowie regulatorische Kohärenz (KRAJEWSKI 2014a).
26.
Die für den Umweltbereich bedeutenden
TBT- und SPS-Übereinkommen der WTO enthalten
bereits strenge Anforderungen an Regulierungen, die
den Handel beeinträchtigen können (STOLL et al.
2014, S. 392). Das TBT-Übereinkommen behandelt
hoheitliche, zwingende und freiwillige technische
Standards und berührt damit den produktbezogenen
Umweltschutz. Das SPS-Übereinkommen setzt die
Regeln fest, denen WTO-Mitglieder folgen müssen,
wenn sie Vorschriften im Hinblick auf Lebensmittelsicherheit, Tier- und Pflanzengesundheit erlassen
(s. Tz. 54). Beide Abkommen sind auch relevant für
prozessbezogene Regelungen. Dies sind Anforderungen, die sich nicht unmittelbar im Produkt niederschlagen wie die Produktion von Strom aus erneuer-

baren Energien, der dadurch zu „grünem Strom“ wird.
Auch in diesen Vertragswerken sind Klauseln zur
gegenseitigen Anerkennung und Harmonisierung von
technischen bzw. sanitären und phytosanitären Maßnahmen enthalten. In vielen Freihandelsabkommen
wird ausdrücklich auf die WTO-Abkommen Bezug
genommen. Dies ist auch in den Kommissionsentwürfen zu TTIP (wie es auch allgemein in Freihandelsverträgen nach Art. XXIV GATT üblich ist) vorgesehen. Das in TTIP vorgesehene TBT-Kapitel erklärt
das entsprechenden WTO-Abkommen zu TBT zum
integralen Bestandteil des Vertragstextes (Art. 2
Abs. 1 EU-Vorschlag zu TBT, Europäische
Kommission 2015j). Im SPS-Kapitel ist vorgesehen,
dass TTIP die Umsetzung des WTO-SPS-Abkommens
fördern soll (Art. 2 Nr. 3 des EU-Vorschlags zum
SPS-Kapitel, Europäische Kommission 2015i). Wie
auch das GATT führten die WTO-Unterabkommen
bereits zu einer Reihe von wichtigen Entscheidungen
zur Zulässigkeit von Handelsbeschränkungen, die
ihrer Begründung nach dem Umweltschutz dienen
sollen (WTO-Entscheidungen, die die EU betreffen:
DE VILLE 2014, S. 278).
Das GATT und die beiden Nebenabkommen SPS und
TBT enthalten Beschränkungen für die nationale
Gesetzgebung der Vertragsstaaten. Dies betrifft
Gesetze, die den internationalen Handel beschränken,
zum Beispiel indem sie die Einfuhr von Produkten
verbieten, die bestimmten Anforderungen nicht genügen (ausf. Tz. 49 ff.). Gerade im sensiblen und öffentlich diskutierten Bereich der Lebensmittel gilt bereits
jetzt in weiten Teilen, dass eine Regulierung nur auf
der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen
erfolgen darf, die eine Gesundheitsgefahr eindeutig
belegen.

Der EU-US-Hormonfleischfall
27.
Streit über die Harmonisierung und Angleichung von Produktionsstandards für Lebensmittel gibt es
nicht erst seit den Verhandlungen zu TTIP. Ein Beispiel dafür bietet die Auseinandersetzung über die
Verwendung von Wachstumshormonen in der Rinderzucht zwischen der EU und den USA. Die Auseinandersetzung darüber reicht in die 1980er-Jahre zurück. Die EU erließ 1981 die erste Richtlinie, die den Einsatz
von Anabolika in der Viehzucht verbot. Die Richtlinie untersagte den Einsatz synthetischer Hormone und
beschränkte die Anwendung von natürlichen Wachstumsstoffen auf medizinische Ausnahmefälle. Der Import
von Tieren und Fleisch, die mit Hilfe von Masthormonen gezüchtet worden waren, wurde vollständig verboten.
Hintergrund waren sowohl Besorgnisse hinsichtlich der schädlichen Gesundheitswirkung als auch die Tatsache,
dass europäische Konsumenten das „Hormonfleisch“ ablehnten. Die USA – als Großproduzent von Rindfleisch
– erreichte durch Proteste zwar, dass sich das endgültige Inkrafttreten des Einfuhrverbotes bis zum 1. Januar
1989 verzögerte, konnte dieses aber nicht verhindern.
Begründet wurde das Einfuhrverbot mit dem Vorsorgeprinzip: Die natürlichen Wachstumshormone (17βOestradiol, Testosteron und Progesteron) sowie deren synthetischen Äquivalente (Zeranol, Trenbolonacetat und
Melengestrolacetat) stünden auf der Basis erster Studien im Verdacht, eine gesundheitsschädigende Wirkung auf
den Verbraucher zu haben.
Die USA reagierten auf das Importverbot, indem sie einen 100 %igen Wertzoll in Höhe von jährlich 93 Mio.
USD auf europäische Agrarexportgüter erhoben. Der Strafzoll blieb bis zum Mai 1996 in Kraft. Der Codex
Alimentarius, auf den das zusammen mit dem GATT 1995 in Kraft getretene SPS-Abkommen verweist,
verzichtete auf die Festlegung einer Maximalgrenze für natürliche Hormone. Beim Codex Alimentarius handelt
es sich um eine Sammlung von Normen für die Lebensmittelsicherheit und -produktqualität, die seit 1963 von
der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) und der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten
15

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Nationen (WHO) herausgegeben werden. Die Normen bestimmen, welche Maßnahmen nicht als Handelshemmnis verstanden werden dürfen.
Die USA begründen ihre Gegenmaßnahmen damit, dass diese Hormone sowohl im menschlichen als auch
tierischen Körper ohnehin vorhanden seien. Für synthetische Anabolika definieren sie zudem eine
Maximalgrenze. Dies bot den USA – unterstützt durch Kanada und Neuseeland – einen rechtlichen
Ausgangspunkt für eine Klage gegen die EU vor der WTO. Die USA klagten, weil die EU durch die
Aufrechterhaltung des Importverbots WTO-Verpflichtungen verletzt habe. Das WTO-Schlichtungspanel gab der
Klage 1997 statt und erlegte der EU auf, die streitige Richtlinie in Übereinstimmung mit ihren Verpflichtungen
aus dem SPS-Abkommen zu bringen (WTO 2009, Rn. 9.2). Gerügt wurde insbesondere der Verstoß gegen
Art. 3.1, 5.1 und 5.5 des SPS-Abkommens, da die EU es unterlassen habe, wissenschaftliche Gutachten
vorzulegen, die das Gesundheitsrisiko ausreichend belegen.
Das WTO-Berufungsgericht hielt die Bewertung im Kern aufrecht. Obwohl die Berufungsinstanz die ernsthaften
Besorgnisse über die Gesundheitsschädlichkeit der Hormone anerkannte, hielt es die vorgelegten Studien nicht
für ausreichend, um den Verdacht zu stützen. Ein vorsorgliches Verbot wäre nach dem SPS-Abkommen
lediglich vorübergehend möglich gewesen (WTO 1998).
Nachdem die EU dieser Entscheidung nicht nachkam, erließ der US Trade Representative Strafzölle gegen
europäische Importgüter der EU-15 (mit der Ausnahme Großbritanniens) im Umfang von jährlich 116,8 Mio.
USD. Kanada folgte mit Sanktionen in Höhe von rund 8,5 Mio. USD pro Jahr. 2009 wurden die Wertzölle
abermals erhöht und auf die neuen Mitgliedstaaten der EU ausgedehnt. Ein vorläufiger Kompromiss in dem seit
fast drei Jahrzehnten andauernden Streit fand sich erst 2009: Die europäische Importquote für USamerikanisches Rindfleisch aus nichthormoneller Produktion wurde erhöht. Im Gegenzug hoben die USA alle
Strafzölle auf. Ein endgültiger Konsens auf politischer Ebene ist bisher allerdings nicht absehbar. Die EU hält an
ihren Regelungen fest, obwohl diese durch die WTO-Rechtsprechung als unzulässig bewertet worden waren und
verteidigt so ihre Regulierungsphilosophie.
28.
Die steigende Anzahl von Freihandelsabkommen stellt auch eine Reaktion auf die Stagnation in der
aktuellen Verhandlungsrunde der WTO, der DohaRunde dar (VIJU et al. 2010, S. 6; ZAGEL 2015,
S. 108). Freihandelsabkommen, die von der EU und
den USA mit Drittstaaten geschlossen werden, beziehen zunehmend regulatorische Fragen ein (HORN
et al. 2010, S. 1587). Ziel ist es dabei auch, in den
Abkommen regionsübergreifend Regeln zu setzen, die
wegen der stockenden Verhandlungen in der WTO
nicht zur Sprache kommen. Vor allem die Europäer
führen ausdrücklich das Argument an, durch TTIP
könnten auch Regeln für den globalen Handel gesetzt
werden (SCHMUCKER 2014, S. 20). Die EU und die
USA hatten zuvor versucht, diese Regulierungsfragen
in WTO-Regelungen einfließen zu lassen, waren damit aber am Widerstand von Schwellen- und Entwicklungsländern gescheitert (HORN et al. 2010).
Dementsprechend befürchten China, Indien und andere Schwellenländer als Folge der regionalen Freihandelsabkommen und insbesondere als Folge von
TTIP, künftig Standards akzeptieren zu müssen, ohne
ein Mitspracherecht bei deren Entstehung zu haben
(PERTHES 2014).

3

Regulatorische Kooperation

29.
Regulatorische Kooperation hat das Ziel,
Regulierungen so zu gestalten, dass sie besser aufeinander abgestimmt sind, um damit den Handel zu
fördern. Sie findet in erster Linie zwischen Regierungen statt. Es sind ganz unterschiedliche Formen von
Regulierungen betroffenen, was durch die häufig ver16

wendete Formulierung, es würden „Standards“ angeglichen, nicht wiedergegeben wird.
Die Regulierungszusammenarbeit kann erstens Regelungen betreffen, die der Gesetzgeber erlässt, also
Gesetze bzw. auf EU-Ebene Richtlinien und EU-Verordnungen. Zweitens erstreckt sie sich auf Regulierungen, die auf Seiten der EU bzw. der Mitgliedstaaten durch die Exekutive erlassen werden. Dabei
handelt es sich in Deutschland um Rechtsverordnungen und in der EU um delegierte Rechtsakte oder
Durchführungsrechtsakte, die die Kommission erlässt.
Vielfach geht es drittens nicht um Recht im materiellen Sinne, sondern um technische Normen und Standards. Diese werden oftmals von Normungsorganisationen wie dem Deutschen Institut für Normung
(DIN) entwickelt (GABLER 2014), in der EU durch
das European Committee for Standardization (CEN)
und das European Committee for Electrotechnical
Standardization (CENELEC). Alle diese unterschiedlichen „Regelwerke“ enthalten „Standards“ im Sinne
von Schutzstandards (zu Definitionen und der
Gesetzgebung sowie privater Normsetzung in der EU
und den USA vgl. BDI 2015b, S. 7–17).
Die Möglichkeiten der Kooperation reichen grundsätzlich von einem Austausch von Informationen über
die gegenseitige Anerkennung bis hin zur Harmonisierung (AHEARN 2009; vgl. Abb. 2). Für TTIP nennt
die Europäische Kommission als Ziel der regulatorischen Kooperation ausdrücklich, dass abweichende
Anforderungen an Handel und Investitionen verringert
werden sollen, indem die Vereinbarkeit geplanter und
bestehender Rechtsakte der EU und der USA gefördert
wird (Europäische Kommission 2014a, S. 2). Sie

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

schätzt, dass bestehende regulative Handelshürden
einem Zoll von zehn bis zwanzig Prozent entsprechen
(Europäische Kommission 2014b, S. 1). Die Europäische Kommission beschreibt TTIP als ein auf Fortentwicklung angelegtes Abkommen (living agreement), das einen eigenen Auftrag (inbuilt agenda) hat
und es ermöglichen soll, im Laufe der Jahre auch neue
Themen einzubeziehen (Europäische Kommission
2013b, S. 4).

3.1

Ziele der regulatorischen Kooperation
in TTIP

30.
Zur Annäherung der Regulierungen werden
Kapitel zu einzelnen Branchen, nämlich Chemikalien,
Kosmetika, Maschinenbau, Medizintechnik, Pestizide,
Informations- und Kommunikationstechnik, Arzneimittel, Textilien und Fahrzeuge verhandelt. Neben
diesen branchenspezifischen Kapiteln sind drei übergreifende Kapitel geplant: eines zu technischen Handelsbarrieren (TBT), eines zu sanitären und phytosanitären Maßnahmen (SPS) und ein allgemeines über
die regulatorische Zusammenarbeit. Die Regelungen
zur Kooperation in den speziellen Kapiteln sowie dem
TBT- und dem SPS-Kapitel sollen gegenüber dem
„allgemeinen Teil“ vorrangig gelten.
31.
Anfang Mai 2015 hat die Europäische Kommission einen überarbeiteten Textvorschlag für das
Kapitel zur regulatorischen Zusammenarbeit in TTIP
veröffentlicht (Europäische Kommission 2015l, nachfolgend Regulierungskapitel) sowie Erläuterungen zu
diesem Kapitel (Europäische Kommission 2015d).
Der Entwurf stellt die allgemeinen Ziele einer regulatorischen Zusammenarbeit aus europäischer Sicht dar.
Dabei hebt er die Bedeutung von Regulierung zur
Erreichung legitimer gesamtgesellschaftlicher Ziele
(public policy objectives) hervor. Er betont das Recht
auf Regulierung (right to regulate). Aus diesem
Entwurf, den Texten für die Präambel und zahlreichen
Vorschriften der WTO, auf die in TTIP Bezug
genommen wird, lassen sich der Regulierungskooperation übergeordnete Ziele ableiten, die ein hohes
Schutzniveau anerkennen und den Versuch einer Balance zwischen (Umwelt-)Schutzzielen und Handelszielen erkennen lassen:
– Wachstum und Beschäftigung stärken, indem
Handel und Investitionen durch regulative Zusammenarbeit erleichtert werden (Art. 1 Abs. 1
lit. a Regulierungskapitel);
– unnötig belastende, doppelte oder abweichende
regulative Anforderungen, die den Handel oder
Investitionen betreffen, reduzieren, indem die
Kompatibilität von geplanten oder bestehenden
Rechtsakten gefördert wird (Art. 1 Abs. 1 lit. a
Regulierungskapitel);
– Effektivität und Effizienz von Regulierungen erhöhen, indem pro-wettbewerbliche regulatorische
Rahmenbedingungen gefördert werden, die transparent und vorhersehbar für Bürger und Wirt-

schaftsteilnehmer sind (Art. 1 Abs. 1 lit. c Regulierungskapitel);
– ein hohes Schutzniveau für die Umwelt und weitere Schutzgüter verfolgen (Art. 1 Abs. 1 lit. a
Regulierungskapitel). Recht auf Regulierung (right
to regulate) anerkennen und Bedeutung von Regulierung zur Verfolgung von Gemeinwohlzielen
hervorheben (Präambel);
– die Entwicklung, Verabschiedung und Stärkung
von internationalen Abkommen fördern ebenso
wie ihre zeitnahe Umsetzung und Anwendung, um
so die Zusammenarbeit auch mit Drittstaaten zu
stärken und kohärente regulatorische Ergebnisse
zu erzielen;
– außerdem sollen „gute regulative Prinzipien und
Praktiken“ verwendet und gefördert werden (Art. 1
Abs. 1 lit. d 4. Regulierungskapitel).

3.2

Mechanismen der regulatorischen
Kooperation

32.
Die Regulierungszusammenarbeit ist breit
angelegt und betrifft handelsbezogene Regulierungen
von Waren und Dienstleistungen. Nach Art. 3 des EUTextvorschlags gilt der Abschnitt II (good regulatory
practices) für Regulierungen auf Ebene der EU bzw.
der US-Bundesebene, die produkt- und dienstleistungsbezogen sind (Art. 3 Abs. 1 lit. a und b),
wenn diese nicht generell vom Anwendungsbereich
des Kapitels ausgenommen sind. Der Abschnitt III gilt
zusätzlich auch für Regulierung auf „dezentraler
Ebene“, also auch auf der der Mitgliedstaaten und der
US-Bundestaaten. Die betroffenen Regulierungen
müssen zusätzlich die Kriterien des Art. 1 des Vorschlags erfüllen (vgl. common interest nach Art. 1
Abs. 2) und bereits oder in der Zukunft Auswirkungen
auf den gemeinsamen Handel haben (Europäische
Kommission 2015l). Der Begriff des „common interest“ macht deutlich, dass die Kooperation erfolgen
soll, wenn sie im beiderseitigen Interesse liegt. Eine
Ablehnung des Austausches ist daher möglich, muss
aber der anderen Seite begründet werden.
In die Regulierungskooperation sollen sowohl Rechtsakte auf „zentraler Ebene“ als auch teilweise auf
„dezentraler Ebene“ einbezogen werden. Das umfasst
zunächst Rechtsakte der EU und der US-Regierung.
Eingeschlossen sind aber auch Bestimmungen von
EU-Mitgliedstaaten auf nationaler Ebene (also nicht
Gesetze von deutschen Bundesländern) sowie Gesetze
und Verordnungen von US-Bundesstaaten. Nur
wenige Bereiche wie audiovisuelle Dienstleistungen
sind ausdrücklich ausgenommen. Die Regulierungszusammenarbeit kann auf verschiedene Arten erfolgen, die auch auf internationaler Ebene (insbesondere
in der WTO sowie in internationalen Normungsorganisationen) bekannt sind. Die Ansätze sind nach
dem (abnehmenden) Grad der Tiefe der Kooperation
dargestellt (vgl. Abb. 2).

17

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Ab b i ld u n g 2
M echa n is me n de r reg u l a t o ri sc he n K o o pera t io n

Quelle: DIELS und THORUN 2014, S. 14, verändert

Har mo n is ier u n g
33.
Die weitreichendste Methode der Regulierungszusammenarbeit ist die Schaffung gemeinsamer
Regelungen bzw. Standards, die in beiden Wirtschaftsräumen gelten und unter Umständen bestehende nationale Regelungen ablösen. Eine solche
Harmonisierung ist anspruchsvoll und auf internationaler Ebene eher die Ausnahme. Eine Harmonisierung
findet am ehesten durch die Ausrichtung nationaler
Regulierungen an zuvor durch internationale Organisationen festgelegten Standards statt (Art. 10 Abs. 2
lit. b i. Regulierungskapitel). Harmonisierungen dieser

Art finden sich vor allem im Bereich technischer
Normen durch die Internationale Organisation für
Normung (ISO) oder andere Organisationen, die Teile
der internationalen Normungsstruktur sind (CEN, IEC,
ITU, CENELEC, ETSI). Während ungefähr 31 % der
europäischen Normen ISO-Normen sind (im Bereich
Elektrotechnik sogar 75 %), werden in den USA ISONormen nicht in einem vergleichbaren Umfang verwendet (GABLER 2014). Für das Welthandelsrecht ist
im Bereich der Standards für sanitäre und
phytosanitäre Maßnahmen vor allem der Codex
Alimentarius entscheidend.

Beispiel für die bisherige Kooperation im Bereich Chemikalien
34.
Im Bereich der Testung und Prüfung von Chemikalien gibt es im Rahmen der OECD bereits eine Reihe
von Kooperationen zwischen Deutschland bzw. Europa und den USA. Dabei werden gemeinsame Methoden zur
Prüfung von Chemikalien (sog. Test-Guidelines) entwickelt. Eine formelle Kooperation gibt es auch im Bereich
Sicherheitsforschung von Nanomaterialien. Diese technische Zusammenarbeit erfolgt nach Aussage des
Umweltbundesamtes (UBA) in aller Regel konstruktiv.
Die Zusammenarbeit wird aber nach Auffassung des Umweltbundesamtes (UBA 2015a) dann schwierig, wenn
es um die Bewertung von Chemikalien geht. Zum Beispiel bestand im Hinblick auf Pflanzenschutzmittel eine
Kooperation zwischen den Staaten der OECD. In diesem Rahmen sollten die verschiedenen Bewertungen, die zu
einem Wirkstoff vorliegen, jeweils von unterschiedlichen OECD-Staaten angefertigt werden und dann in ein
gemeinsames Dossier einfließen. Was als Arbeitsteilung gedacht war, gestaltete sich aber in der Praxis sehr
zeitintensiv, unter anderem durch aufwendige Abstimmungs- und Kommunikationswege. Die Kooperation
führte auch zu keiner nennenswerten Harmonisierung der Bewertung und wurde nach Auswertung der
Erfahrungen schließlich eingestellt (gekürzt übernommen aus UBA 2015a).
18

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Ge ge n se it i ge An er ke n n u n g
35.
Häufiger als die Harmonisierung ist die
gegenseitige Anerkennung von Produktanforderungen
und technischen Standards sowie Verfahren. Beide
Vertragspartner behalten dabei ihre Regulierungen
bei, erklären aber, dass die Anforderungen der anderen
Vertragspartei das gewünschte Regulierungsziel ebenfalls erreichen. Die betroffenen Produkte oder Dienstleistungen dürfen deshalb importiert werden, ohne ein
weiteres Zulassungsverfahren zu durchlaufen. Das
TTIP-Regulierungskapitel behandelt die gegenseitige
Anerkennung in Art. 10 Abs. 2 lit. a. Dieser Artikel
betrifft die vollständige oder teilweise gegenseitige
Anerkennung der Gleichwertigkeit von Rechtsakten
auf der Grundlage des Nachweises, dass sie die von
den Parteien verfolgten öffentlichen Ziele gleichwertig
erfüllen. Er lautet: „Mutual recognition of equivalence
of regulatory acts, in full or in part, based on
evidence that the relevant regulatory acts achieve
equivalent outcomes as regards the fulfilment of the
public goals pursued by both Parties.“ Ein Produkt
darf dann auch importiert werden, wenn es die
Vorschriften des Im-portstaats nicht im Einzelnen
einhält. Ein Beispiel dafür ist das Abkommen
zwischen den USA und der EU über die
gegenseitige Anerkennung von Bio-Produkten von
2012. Danach gelten Produkte aus ökologischer
Produktion, die nach der EU-Öko-Verordnung
bzw. dem National Organic Program zertifiziert
sind, als „bio“ und können als solche ver-kauft und
gekennzeichnet werden. Eine Ausnahme besteht
für in den USA zertifizierte Produkte, die
Antibiotika enthalten.
Ko n fo r mi tä tsp r ü f u n ge n u nd
Ko n fo r mi tä tsb e we r t u n g s st el le n
36.
Betroffen sind hier zwei unterschiedliche
Verfahren: die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsprüfungsstellen und die gegenseitige Anerkennung von Prüfkriterien. Bei ersterer werden Stellen
in dem einen Land (in Deutschland z. B. TÜV oder
Dekra) als Konformitätsprüfungsstellen von der
anderen Seite anerkannt, sodass sie Konformitätsbewertungen vornehmen können, die akzeptiert werden.
Konformitätsbewertungen erbringen den Nachweis,
dass ein Prozess oder Produkt bestimmte Anforderungen erfüllt, die sich durch Gesetze, Regulierungen
oder Normen ergeben. Sie dienen der Qualitätsprüfung
und Sicherheit. In der EU wird der Konformitätsnachweis oftmals durch eine Herstellerselbsterklärung
(supplier’s declaration) erbracht. Manchmal muss die
Prüfung durch Dritte erfolgen. Der Hersteller kann zur
Prüfung, ob die geltenden Anforderungen eingehalten
werden, harmonisierte Normen heranziehen. Die Herstellererklärung wird durch die CE-Kennzeichnung
nachgewiesen (BDI 2015b, S. 15).
In den USA müssen Hersteller zum Nachweis, dass
ein Produkt die Vorgaben einer Norm erfüllt, oftmals
Prüfzeichen eines unabhängigen Testlabors erwerben,

die wiederum von der US-Behörde für Arbeitsplatzsicherheit (Occupational Safety & Health Administration, OSHA) anerkannt werden. Die Testlabore prüfen
und zertifizieren ausschließlich nach nationalen USamerikanischen Normen. Es besteht keine Verpflichtung der Testlabore, ihre Prüfergebnisse gegenseitig
anzuerkennen (BDI 2015b, S. 16).
Die gegenseitige Anerkennung von Prüfkriterien führt
dazu, dass die Ergebnisse von ausländischen
Konformitätsprüfungen als gleichwertig akzeptiert
werden. Das 1999 zwischen der EU und den USA
abgeschlossene Mutual Recognition Agreement betrifft zum Beispiel die gegenseitige Anerkennung von
Konformitätsprüfungen in den Bereichen Telekommunikation, medizinische Geräte und Freizeitgeräte
(Agreement on mutual recognition between the European Community and the United States of America,
OJ L 31/3 v. 4. Februar 1999).
I n fo r ma t io n sa u sta u s c h
37.
Die Kooperation im Rahmen von TTIP soll
vor allem aber auch geplante Regulierungsvorhaben
umfassen. Sie sollen jährlich der anderen Seite bekannt gegeben werden (Art. 5 Regulierungskapitel).
Der anderen Seite wird dann die Möglichkeit gegeben,
die geplanten Vorhaben zu kommentieren. Dabei soll
eine Verzögerung der Gesetzgebung ausdrücklich
vermieden werden (ausf. Tz. 45).
Ver e i n fac h u n g
38.
Die Vereinfachung von Regulierungen ist
eine weitere Form der Regulierungszusammenarbeit,
die das Regulierungskapitel als Unterfall der Harmonisierung anführt (Art. 10 Abs. 2 lit. c Regulierungskapitel). Dieser Begriff stammt eher aus dem Zusammenhang Verwaltungsvereinfachung und Bürokratieabbau. Dementsprechend wird in dem Kapitel in
Art. 1 Abs. 4 auch ausdrücklich auf die Empfehlungen
des OECD-Ausschusses über Regulierungspolitik und
Governance vom 22. März 2012 verwiesen (OECD
2012). Angestrebt wird hier wohl die beidseitige
Änderung von Regulierungen mit dem Ziel der Vereinfachung beispielsweise durch Abbau von Formalitäten, Nachweisverpflichtungen und Genehmigungsanforderungen.

3.3

Institutionen und Umfang der
Verrechtlichung
der Regulierungskooperation

I n st it u tio n e n
39.
Die regulatorische Kooperation soll im Kern
durch verschiedene Ausschüsse erfolgen, die mit
Regierungsvertretern beider Seiten besetzt werden.
Dabei soll die EU durch die Europäische Kommission
und Vertreter des „non-central level“, also der Mitgliedstaaten repräsentiert werden (Art. 16 Abs. 1
Regulierungskapitel). In TTIP ist ein Hauptausschuss
vorgesehen (Joint Ministerial Body), dem Minister
bzw. Kommissare angehören sollen und der die ge19

SRU-Stellungnahme Nr. 19

samte Verwaltung und Umsetzung des Freihandelsabkommens koordiniert. Für die Regulierungszusammenarbeit soll ein gesonderter Regulierungsrat
zuständig sein (Regulatory Cooperation Body), der
seinerseits weitere Unterausschüsse einrichten kann
(Art. 14; s. Abb. 3).
Ein Modell für den in TTIP vorgesehenen Regulierungsrat ist der US-kanadische Regulatory Cooperation Council, den LESTER und BARBEE (2013) als
pragmatischen Ansatz bewerteten, die „low hanging
fruits“ zu ernten. Er zeichne sich insbesondere durch
eine breite und frühzeitige Einbeziehung aller
Stakeholder aus, sodass eine Vereinnahmung durch
Industrieinteressen vermieden würde (ebd., S. 860 ff.).
Auch bei dem Comprehensive Trade and Economic
Agreement (CETA), das zwischen Kanada und der EU
verhandelt wurde, und von den am Vertrag beteiligten
Staaten noch nicht ratifiziert worden ist, ist umstritten,
ob die einzurichtenden Ausschüsse verbindliche

Beschlüsse fassen können. Der TTIP-Regulierungsrat
soll jedenfalls nach derzeitigem Stand keine solchen
Befugnisse erhalten. Ebenfalls unklar ist bislang, ob
der TTIP-Hauptausschuss entsprechende Kompetenzen haben wird.
Ver r e c ht lic h u n g
40.
Da bislang lediglich Verhandlungsentwürfe
vorliegen, steht noch nicht fest, in welchem Ausmaß
die Regulierungskooperation in TTIP verrechtlicht
wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann noch nicht
mit Sicherheit gesagt werden, inwieweit die regulatorische Kooperation möglicherweise zu bindenden,
durchsetzbaren Beschlüssen führen könnte, die Einfluss auf europäische Gesetze und Standards nehmen
(oder nehmen können). Hinweise lassen sich jedoch
dem Verhandlungsstand entnehmen (Stand: Mitte
Dezember 2015).

Ab b i ld u n g 3
Reg ul ier u ng s zu sa mme n a rbe it in T T IP

SRU/SG 2016/Abb. 3

41.
Der Entwurf des Regulierungskapitels der
Europäischen Kommission enthält in eckigen Klammern den Hinweis, dass der Regulierungsrat keine
20

Befugnis besitzen wird, Rechtsakte zu verabschieden
(Art. 14 Abs. 2 lit. c Platzhalter, so auch ausdrücklich
die Erläuterungen der Europäischen Kommission

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

2015d, S. 12; HOFFMEISTER 2015, S. 46). Überdies
geht die Kommission gegenwärtig davon aus, dass die
Regeln über die Regulierungszusammenarbeit nicht
den Streitschlichtungsmechanismen unterfallen werden (General Notes 4. Regulierungskapitel). Auch
Art. 1 Abs. 2 des Regulierungskapitels betont, dass
keine Verpflichtung der Vertragsparteien besteht, ein
bestimmtes regulatorisches Ergebnis zu erzielen.
Schließlich ist die bilaterale Regulierungszusammenarbeit generell darauf angewiesen, dass beide Seiten
einem Vorschlag zustimmen. Somit ist wohl davon
auszugehen, dass zukünftig keine bindenden einzelnen
Beschlüsse durch TTIP-Organe gefasst werden können.
Andererseits enthält das Regulierungskapitel durchaus
(weichere) verpflichtende Bestimmungen. Dazu zählt
die Verpflichtung, mindestens einmal jährlich eine
Liste geplanter Gesetzesvorhaben zu veröffentlichen,
wie dies in der EU bereits jetzt geschieht. Dabei soll
auch mitgeteilt werden, ob für diese Vorhaben eine
Gesetzesfolgenabschätzung geplant ist (Art. 5 Regulierungskapitel). Soweit eine Seite dieses wünscht, soll
ein Austausch über die geplanten Vorhaben geführt
werden, bei dem die darum gebetene Vertragspartei
auf jeden substanziellen Kritikpunkt antworten muss.
Wird ein Austausch abgelehnt, muss dies begründet
werden. Führen die Vertragsparteien eine Gesetzesfolgenabschätzung durch, so sollen unter anderem die
Regulierungsansätze der anderen Vertragspartei einbezogen und die Auswirkungen auf Handel und
Investitionen untersucht werden (Art. 7 Regulierungskapitel).
Einerseits wird darauf hingewiesen, dass die genannten Verfahrensschritte auf EU-Seite zum Teil bereits
geltende Praxis sind (Veröffentlichung geplanter Vorhaben, sowie das durch die Better Regulation Agenda
der Europäischen Kommission umfangreich ausgestaltete Impact Assessment). Andererseits wird
eingewandt, dass es bislang nicht Praxis ist, sich
schriftlich und dezidiert mit der Kritik der USA bzw.
der EU an geplanten Regulierungsvorhaben zu befassen. In den USA sieht das Verwaltungsverfahrensrecht
vor, dass auch Regulierungsentwürfe auf der untergesetzlichen Ebene umfassend von Vertretern der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft kommentiert werden
(sog. notice and comment-Prozess). Behörden sollen
der Öffentlichkeit ermöglichen, jede vorgeschlagene
Regulierung zu kommentieren und dafür einen Zeitraum von nicht weniger als 60 Tagen vorsehen (vgl.
BDI 2015b mit Nachweisen). Dies bietet Verzögerungsmöglichkeiten im Vorfeld von rechtlich verbindlichen Verfahrensschritten und -fristen. Da dies vor
einem Gesetzgebungsprozess geschieht, eröffnen sich
damit Möglichkeiten, ein Gesetzgebungsvorhaben der
Vertragspartei zu beeinflussen. Auch die Zusammenarbeit an sich kann politischen Druck aufbauen, im
Rahmen von Regulierungen die Wünsche der Vertragspartei einzubeziehen. Die Aussicht, dass sich
geplante Regulierungen zusätzlich durch den bilateralen Austausch verzögern oder erschweren, kann zudem abschreckende Wirkung auf die Regulierer haben

oder dazu führen, dass von vornherein die weniger
anspruchsvolle Lösung gewählt wird. Dies kann vor
allem dort der Fall sein, wo die öffentliche Aufmerksamkeit gering ist.
Besondere Regelungen gelten im Bereich der SPSMaßnahmen. Art. 9 Abs. 1 des EU-Entwurfs des SPSKapitels in TTIP sieht vor, dass das Importland die
SPS-Maßnahmen des Exportlandes als gleichwertig
anerkennen soll, wenn letzteres „objektiv nachweist“,
dass seine Maßnahmen einen gleichwertigen Schutz
erreichen. Diese Anforderung ist nicht spezifiziert.

3.4

Mögliche Auswirkungen der
Regulierungskooperation auf die
Umwelt

42.
Der vorgesehene Regulierungsrat wird nach
derzeitigem Stand keine Kompetenzen besitzen,
unmittelbar und direkt das gesetzliche Schutzniveau
im Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherbereich)
zu senken, also bestehendes Recht zu ändern
(s. Tz. 41). Denn gegenwärtig gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass TTIP die bestehenden gesetzlichen
Entscheidungsmechanismen verändern kann. Soweit
es nach EU- oder US-Recht der Beteiligung des
Gesetzgebers bedarf, ist deshalb davon auszugehen,
dass dies auch mit TTIP so bleibt. Dafür spricht neben
dem Vertragstext auch, dass weder die vorgesehenen
gemeinsamen Gremien noch die darin vertretenen
staatlichen Institutionen – die Europäische Kommission und US-amerikanische Bundesbehörden –
berechtigt sind, solche Änderungen eigenständig
vorzunehmen (für die Bereiche Kosmetika und
Chemikalien exemplarisch GERSTETTER et al. 2014,
S. 28–31; s. auch Abb. 3).
Grundsätzlich besteht aber ein Problem der regulatorischen Kooperation darin, dass in zahlreichen relevanten Regelungsbereichen in der EU und in den USA
sehr unterschiedliche Regulierungsphilosophien herrschen (s. Abschn. 3.6). Außerdem sind die Mandate
der beteiligten Institutionen (US-amerikanische
Bundesbehörden, Europäische Kommission, Vertreter
der Mitgliedstaaten) sehr unterschiedlich. Oft ist nicht
ersichtlich, wie diese Regulierungsphilosophien
einander angenähert werden könnten, ohne Errungenschaften beispielsweise des Umwelt- oder Verbraucherschutzes aufzugeben. Durch den Harmonisierungsdruck könnten somit Regelungstraditionen
gebrochen werden (GODT 2014, S. 411).
Außerdem unterliegen EU-Richtlinien und -Verordnungen regelmäßigen Revisionsprozessen und sind
auch Gegenstand des von der Kommission initiierten
Regulatory Fitness and Performance Programmes
(REFIT). Dort werden sie mit dem Ziel überprüft,
„regulatorische Belastungen zu reduzieren und
bestehende Gesetze zu vereinfachen“ (Europäische
Kommission 2015a; vgl. SRU 2016, Kap. 1). Es ist
denkbar, dass in REFIT die vom Handelspartner
geltend gemachten Handelshemmnisse vorrangig
thematisiert und evaluiert werden.
21

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Zudem gibt es Bereiche, in denen ohne unmittelbare
Beteiligung des Gesetzgebers Regeln aufgestellt
werden (sog. untergesetzliches Regelwerk). In manchen Bereichen hat die EU-Kommission bereits heute
weitreichende Kompetenzen, die es ihr erlauben, ohne
Einbeziehung des Parlaments geltendes EU-Recht
umzusetzen (sog. delegierte Rechtsakte oder Durchführungsrechtsakte). Überdies werden technische
Standards schon heute ohne Beteiligung des Gesetzgebers auf der Ebene von Normungsorganisationen
wie DIN, CEN oder ISO unter Einbeziehung von
Experten, insbesondere aus der Industrie, entwickelt.
43.
Es besteht jedoch faktisch die Möglichkeit,
dass die Schutzstandards einer Vertragspartei geschwächt und unterlaufen werden. So kann Waren mit
anderen Produkt- und Prozessstandards als den heimischen der Marktzugang im Zuge einer gegenseitigen
Anerkennung gewährt werden (s. Tz. 35 f; GODT
2014, S. 411). Die Kompromissfindung über diese
Anerkennung erfolgt in kleinen Gruppen von administrativen Fachvertretern. Eine Einigung wird erleichtert, da beide Seiten formal ihre Standards beibehalten
können, ohne über deren Berechtigung einen ausdrücklichen Diskurs führen zu müssen (STOLL und
KRÜGER 2014, S. 11).
Die gegenseitige Anerkennung ist somit in bestimmten Feldern kritisch zu bewerten. Auch wenn die
Arbeit des Regulierungsrates transparent und offen
erfolgen soll, ist es möglich, dass dies nicht in allen
Unterausschüssen so konsequent erfolgt. Insbesondere
dort, wo sich Fachleute mit scheinbar rein technischen
Fragen wie der Überprüfung der Vergleichbarkeit von
nicht gesetzlich geregelten Produktanforderungen
befassen, besteht die Gefahr, dass mit einem eher
technokratischen Ansatz geprüft wird. Dann können
unter Umständen die der Regulierung zugrundeliegenden sozio-ökonomischen Faktoren und kulturellen und
ökologischen Präferenzen ausgeblendet werden. Es ist
aber darauf hinzuweisen, dass diese Bewertung stark
von der betroffenen Branche und dem konkreten
Inhalt abhängig ist.
Ein höheres Schutzniveau kann mit höheren Produktionskosten verbunden sein. Importierte Waren können dann günstiger angeboten werden als die im Inland produzierten. Möglich ist, dass nationale Hersteller dann aus Wettbewerbsgründen politischen
Druck ausüben, um eine Senkung von Schutzstandards
zu erreichen (DIELS und THORUN 2014, S. 16). So
weisen BUREAU et al. (2014, S. 49) darauf hin, dass
Produzenten im EU-Landwirtschaftssektor Angst vor
Wettbewerbsverzerrungen haben. Diese können entstehen, wenn Zölle gesenkt werden, obwohl die Produzenten strengeren Anforderungen (z. B. im Hinblick
auf Biotechnologie, Chemikalien sowie Umwelt- und
Tierwohlregeln) genügen müssen als ihre Konkurrenten in den USA. Dies kann zu Forderungen nach
einem „level playing field“ führen. In der EU wird
diese Gefahr durchaus gesehen, sodass ihr durch eine
Bestimmung im Verhandlungsmandat vorgebeugt
werden soll (Rat der Europäischen Union 2013). Auch
22

das Europäische Parlament hat eigens gefordert, dass
keine Angleichung nach unten stattfinden darf
(Europäisches Parlament 2014).
44.
Gestützt werden solche Befürchtungen durch
die Vorstellungen, die Teile der amerikanischen
Industrie von der gegenseitigen Anerkennung unter
TTIP haben. Vertreter der amerikanischen Industrie
und die amerikanische Handelskammer schlagen vor,
dass Regulierer und Stakeholder (in diesem Fall vor
allem die Industrie) berechtigt sein sollen, ganze
Sektoren und Rechtsakte für die gegenseitige Anerkennung vorzuschlagen. Diese sollen dann daraufhin
evaluiert werden, ob sie pauschal für kompatibel erklärt werden können (U.S. Chamber of Commerce und
BUSINESSEUROPE 2012, S. 3). Dagegen sind die
großen deutschen Wirtschaftsverbände der Auffassung, dass im Einzelfall geprüft werden muss, ob
die Regelungen vergleichbar sind (BDI 2015b).
Ver zö g er u n gsp o te n zia l
45.
Großen Einfluss können Kooperationsmechanismen vor allem auf zukünftige Regulierungen haben.
So könnte die regulatorische Kooperation genutzt
werden, um Handelshemmnisse, die durch zukünftige
Rechtsakte entstehen, zu problematisieren. Auch wenn
im Verhandlungsentwurf der EU ausdrücklich festgeschrieben wird, dass durch die Konsultationen keine
Verzögerungen in Rechtssetzungsprozessen entstehen
sollen, wird genau dies von US-amerikanischen und
europäischen Umweltverbänden befürchtet (sog.
chilling oder freezing effect). Durch die Kooperation
kann sich die Seite, die eine neue Regelung plant,
unter Druck gesetzt fühlen, die Regelung zu unterlassen oder zumindest zunächst die Einwände des
Vertragspartners
auszuräumen
(CIEL
2014;
GERSTETTER 2014, S. 39). Eine – wie in dem Entwurf vorgesehen – sehr frühe Diskussion von geplanten Rechtsakten zwischen den Handelspartnern kann
Druck in den frühen Phasen des politischen Entscheidungsprozesses ausüben (MEUWESE 2009). Auch
die US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde
(CPSC) und die US-Umweltbehörde (US-EPA)
äußerten im Juni 2014 öffentlich, dass die Regulierungskooperation, insbesondere wenn sie mit der Einrichtung eines Regulierungsrates verbunden ist, den
Erlass von Regulierungen zum Schutz von Verbrauchern erschweren und verzögern kann (STAMOULIS
2014). Auch das UBA identifiziert in einer nicht veröffentlichten Untersuchung einzelne Umweltbereiche,
in denen Regulierungen weltweit oder in den USA
durch den Einfluss der US-amerikanischen Industrie
verzögert wurden (Tz. 46).
Dass die Befürchtung, Regulierungen könnten verzögert werden, durchaus berechtigt ist, belegen die Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Erlass der
europäischen REACH-Verordnung. Die US-Regierung hatte – teils wörtlich die Forderungen der USamerikanischen Chemieindustrie übernehmend –
massiven Druck gegen den Erlass der Verordnung
ausgeübt (ausführlich beschrieben in: WAXMAN

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

2004; s. a. Trans Atlantic Consumer Dialog 2004;
MEUWESE 2009). Der Druck auf die EU, REACH zu
ändern, hat seitdem nicht nachgelassen, wie der Bericht über technische Handelshemmnisse des Handels-

beauftragten der USA (USTR) von 2014 belegt. Der
Bericht führt aus, dass die USA bei jedem Treffen des
TBT-Ausschusses der WTO seit 2003 Einwände
gegen REACH vorgebracht haben (USTR 2014, S. 70)

Umweltschädliches Kältemittel in Klimaanlagen von Pkw
46.
Fluorierte Treibhausgase wirken stark klimaschädlich und ihre Emissionen müssen daher verringert
werden (UBA 2010a). Diese Gase werden vor allem als Kältemittel eingesetzt. Eines der ersten Verbote
fluorierter Treibhausgase erließ die EU im Jahr 2006 für Kältemittel in Pkw-Klimaanlagen. In Europa wurde seit
2003 vorrangig an der Entwicklung von Anlagen gearbeitet, die CO2 statt fluorierte Treibhausgase als
Kältemittel verwenden. CO2 ist nicht brennbar, preisgünstig und weltweit verfügbar – im Gegensatz zu einem
neuen fluorierten Produkt von US-Chemiefirmen, das stark umweltschädlich wirkt.
In den USA ist, anders als in Europa, für Kältemittel eine gesonderte Zulassung erforderlich. Die USamerikanische Umweltbehörde EPA hatte der Europäischen Kommission im Jahr 2003 die schnelle Zulassung
von CO2 als Kältemittel für Pkw in Aussicht gestellt, veröffentlichte diese jedoch erst Mitte 2012. Noch vor der
CO2-Zulassung erfolgte nach nur drei Jahren im März 2011 die EPA-Zulassung für das fluorierte brennbare USKältemittel mit eher moderaten Anforderungen.
Die Zulassung des Kältemittels CO2 für Pkw-Klimaanlagen wurde von der EPA um fast ein Jahrzehnt
hinausgezögert, womit wirtschaftliche Interessen von US-Unternehmen geschützt wurden. Gleichzeitig wurde
die Verwendung treibhausgasintensiver Kältemittel deutlich verlängert. Die europäischen Produzenten sahen es
nicht als wirtschaftlich an, die innovative CO2-Technik in Pkw einzuführen, solange dieses nicht auch in den
USA als wichtigem Pkw-Leitmarkt zulässig war. Die über viele Jahre unklaren US-Anforderungen an den CO2Einsatz stellten ein erhebliches Entwicklungsrisiko dar. Die im Jahr 2012 verabschiedeten Regeln legen nun
unnötig strenge Grenzwerte für den CO2-Einsatz fest. Zur Erfüllung ist ein erhöhter technischer Aufwand nötig
und dies verteuert die CO2-Klimatechnik weiter. Die Serieneinführung in Pkw steht bis heute aus – zu Gunsten
eines brennbaren US-amerikanischen Produktes, bei dem massive Sicherheitsbedenken bestehen (UBA 2010b;
2014; 2015a). Ein großer Fahrzeughersteller hat nunmehr angekündigt, die mit großem Aufwand entwickelten
CO2-Klimaanlagen in ihrem Luxussegment einzuführen („Sichere Erfüllung von Klimaschutzzielen: MercedesBenz wird erste Fahrzeugmodelle mit CO2-Klimaanlage ausrüsten“, Pressemitteilung der Daimler AG vom
20. Oktober 2015). Das Beispiel zeigt die massiven Umweltauswirkungen, die von einer verzögerten
Regulierung ausgehen können.

I mp act As se ss me nt
47.
Durchaus vergleichbare Befürchtungen werden mit der prominenten Rolle verbunden, die der
Folgenabschätzung (Impact Assessment) im Vorschlag der Europäischen Kommission für das Regulierungskapitel zugewiesen wird. Das Impact Assessment soll sich insbesondere mit den Auswirkungen auf
den Handel und Investitionen beschäftigen und den
jeweiligen regulatorischen Ansatz der Vertragspartei
einbeziehen. Zwar ist der Einfluss eines zukünftigen
Rechtsaktes auf den internationalen Handel und
grenzüberschreitende Investitionen schon jetzt ein
Aspekt des Impact Assessment. Dort wird untersucht,
ob das Gesetzesvorhaben Unterschiede im Rechtsrahmen zwischen EU-Unternehmen und Wettbewerbern in Nicht-EU-Ländern verstärkt oder verringert
(Europäische Kommission 2009, S. 38).
Nach dem EU-Entwurf sollen Handelsinteressen bei
der Erarbeitung jedes Rechtsakts in die Überlegungen
einbezogen werden. Sie können dann auch Gegenstand von Diskussionen mit dem Handelspartner sein.
Dies kann dazu führen, dass zukünftige und verschärfte Standards einem verstärkten Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sind (KRAJEWSKI 2014a, S. 5).
Insbesondere gilt dies unter dem Gesichtspunkt der

Kosten-Nutzen-Bewertung, die bereits jetzt in den
USA eine zentrale Rolle im Impact Assessment einnimmt (s. Tz. 58 sowie The White House – Office of
Management and Budget 2011).
Aus einem kürzlich ergangenen EuG-Urteil kann gefolgert werden, dass der Folgenabschätzung nach
Auffassung des EuG kein Wert an sich zukommt, um
den Erlass oder nicht-Erlass von Rechtsakten zu rechtfertigen. Im Dezember 2015 urteilte der EuG in einem
Verfahren Schwedens gegen die Europäische
Kommission wegen des Nichterlasses eines delegierten Rechtsakts, mit dem die Verordnung (EU)
Nr. 528/2012 über Biozidprodukte umgesetzt werden
sollte. Der Gerichtshof weist darauf hin, dass in der
Verordnung über Biozidprodukte kein Impact
Assessment vorgesehen ist und dass die Kommission
die verspätete Umsetzung der Verordnung nicht damit
begründen kann, dass eine Folgenabschätzung erforderlich gewesen sei (EuG, Urteil vom 16. Dezember
2015 – T-521/14).

23

SRU-Stellungnahme Nr. 19

48.
Die Forschung hat gezeigt, dass die Folgenabschätzung ein inhaltlich sehr offenes Instrument ist,
dessen Funktion und Ergebnisse stark vom jeweiligen
Kontext (Methoden, Analyseprozess, politische Prioritäten etc.) abhängen (RADAELLI 2005; HERTIN
et al. 2009). Ein starker Fokus auf quantitative Abschätzungen – insbesondere Kosten-Nutzen-Analyse
und Erfüllungsaufwand – führt tendenziell dazu, dass
kurzfristige Kosten gegenüber langfristigen und
schwer quantifizierbaren Umweltaspekten an Gewicht
gewinnen (HERTIN et al. 2009). Insofern besteht das
Risiko einer Verzerrung, womit das Ziel einer umfassenden Rationalisierung der Diskussion durch Folgenabschätzungen verfehlt würde. Damit könnte sich „das
diskursive Feld der Auseinandersetzung um künftige
Politiken zu Gunsten von Handel“ verschieben
(GERSTETTER 2014, S. 39).

3.5

Risikobewertung im Handelsrecht

49.
Regulierungen dienen nicht zuletzt dem
Zweck, Gefahren und Risiken von Umwelt und Verbrauchern abzuwenden. Für diese Schutzgüter kommt
es bei der regulatorischen Zusammenarbeit entscheidend darauf an, welcher Maßstab an die Risikobewertung angelegt und wie mit wissenschaftlichen
Ungewissheiten umgegangen wird.
50.
Das europäische Umweltrecht ist vom Vorsorgeprinzip geprägt, das staatliches Handeln zur
Abwehr von Umweltrisiken auch bei unsicherer Erkenntnislage legitimiert (Art. 191 Abs. 2 Satz 2 des
Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen
Union, AEUV). Dadurch kann der Staat Schutzmaßnahmen und Restriktionen bereits dann vorsehen,
wenn der wissenschaftliche Nachweis der Umweltschädlichkeit (noch) nicht erbracht ist, jedoch aufgrund einer vorläufigen und objektiven wissenschaftlichen Risikobewertung Anlass zur abstrakten Besorgnis besteht (CALLIESS in: CALLIESS/RUFFERT

2011, Art. 191 AEUV). Das Vorsorgeprinzip erlaubt
es also aus Gründen der Vorsicht mehr zu tun, als es
die zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits nachgewiesenen Gefahren verlangen (Abb. 4). Bei der
Anwendung des Vorsorgeprinzips sind die Gesichtspunkte der Umweltvorsorge mit anderen Belangen
abzuwägen, etwa mit der ökonomischen Zweckmäßigkeit. Zudem müssen die getroffenen Maßnahmen verhältnismäßig und diskriminierungsfrei sein
(Europäische Kommission 2000).
Als Gegenmodell zum Vorsorgeprinzip gilt der sogenannte wissenschaftsbasierte Ansatz (science-based
approach), der eine eher beweisorientierte Sichtweise
einnimmt (z. B. SUNSTEIN 2005; MARCHANT
2001). Diese international übliche Bezeichnung darf
nicht dahingehend missverstanden werden, dass dieses
Modell für eine wissenschaftliche Herangehensweise
steht, während das Vorsorgeprinzip einen nichtwissenschaftlichen Charakter aufweist. Vielmehr
verlangt auch die Anwendung des Vorsorgeprinzips,
dass „aufgrund einer objektiven wissenschaftlichen
Bewertung berechtigter Grund für die Besorgnis besteht, dass die möglichen Gefahren für die Umwelt
und die Gesundheit von Menschen, Tieren oder
Pflanzen nicht hinnehmbar oder mit dem hohen
Schutzniveau der Gemeinschaft unvereinbar sein
könnten“ (Europäische Kommission 2000). Der
Unterschied zwischen beiden Modellen besteht darin,
wie mit Wissenslücken umgegangen wird und welche
Anforderungen an den Beweis eines Umweltrisikos
gestellt werden. Tendenziell lässt der wissenschaftsbasierte Ansatz weniger Spielraum für umweltschutzorientierte Regulierungsentscheidungen als das Vorsorgeprinzip, solange ein Umweltrisiko wissenschaftlich nicht oder nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist.

Ab b i ld u n g 4
B est i mmu ng v o n H a n d l ung s be da rf u nd Vo r so r g e ma ßna h me n

Quelle: SRU 2011, Abb. 5-1

24

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

51.
Im Welthandelsrecht hat das Vorsorgeprinzip
keine besondere Bedeutung erlangt. Dies ist zunächst
dem Umstand zuzuschreiben, dass Handelsverträge
naturgemäß die Förderung des internationalen Handels
zum Gegenstand haben, nicht aber den Schutz der
Umwelt und andere Gemeinwohlinteressen. Diese
werden aus der Perspektive des Welthandelsrechts
lediglich als Rechtfertigungsmöglichkeit für Ausnahmetatbestände betrachtet. Ob dem Vorsorgegrundsatz Rechnung getragen wird, richtet sich danach,
inwieweit diese Ausnahmetatbestände die Ergreifung
vorsorgeorientierter Schutzmaßnahmen, auch wenn sie
den Handel einschränken, gestatten. Auch in den Entwürfen der Europäischen Kommission für TTIP wird
das Vorsorgeprinzip bislang nicht erwähnt.
52.
Allerdings lässt sich – zumindest im
internationalen Handelsrecht – weder für das Vorsorgeprinzip noch für den wissenschaftsbasierten
Ansatz ein einheitliches Verständnis feststellen
(WEISS 2003). Im WTO-Recht machen die Einzelübereinkommen unterschiedliche Vorgaben. Das
GATT enthält Ausnahmetatbestände unter anderem
für Maßnahmen zur Bewirtschaftung erschöpfbarer
natürlicher Ressourcen, zum Schutz von Leben und
Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanzen sowie der
öffentlichen Moral (Art. XX lit. a, b und g). Diese
Ausnahmemöglichkeiten sind im Vergleich zu den
anderen GATT-Abkommen relativ offen formuliert
(ZANDER 2010), in Streitschlichtungsverfahren
allerdings unterschiedlich bewertet worden (vgl. nur
die Facetten des Tuna/Dolphin-Falls zwischen Mexiko
und den USA: WTO 2015a).
53.
Enger ist demgegenüber die Regelung im
TBT-Übereinkommen, das über einen Verweis
unmittelbar Vertragsbestandteil von TTIP werden soll
(vgl. Art. 2 des Textvorschlags der Kommission zum
TBT-Kapitel, Europäische Kommission 2015j). Laut
TBT-Übereinkommen dürfen technische Vorschriften
nicht handelsbeschränkender sein als notwendig, um
das berechtigte Ziel unter Berücksichtigung der
Risiken, die eine Nichterfüllung schaffen würde, zu
erreichen (Verhältnismäßigkeitsprinzip). Als berechtigte Ziele werden der Schutz der Gesundheit oder
Sicherheit der Menschen, des Lebens oder Gesundheit
von Tieren und Pflanzen oder der Umwelt genannt.
Die technischen Vorschriften sollen aber „unter anderem auf verfügbare wissenschaftliche und technische
Informationen gestützt“ werden (Art. 2.2 TBT-Übereinkommen). Diese Formulierung ist für die Anwendung des Vorsorgeprinzips deshalb relevant, weil
dieses nach europäischem Verständnis auch Maßnahmen in solchen Fällen legitimieren soll, in denen ein
wissenschaftlicher Beweis für eine Gefahr (noch)
nicht geführt werden kann, aber begründete Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Gefahr bestehen. Das
TBT-Übereinkommen ist im Vergleich zum Vorsorgeprinzip enger gefasst, auch wenn die Norm nach
allgemeiner Ansicht Spielräume für Vorsorgemaßnahmen lässt (ZANDER 2010).

54.
Noch weitaus restriktiver sind dagegen die
Regelungen im SPS-Übereinkommen, das die Zulässigkeit von Maßnahmen im Bereich von Agrargütern
und Lebensmitteln regelt und daher den Umwelt-,
Gesundheits- und Verbraucherschutz unmittelbar
berührt. Das SPS-Abkommen soll laut Verweis in
Art. 3 des Textvorschlags der Kommission zum SPSKapitel in TTIP „bestätigt“ werden (Europäische
Kommission 2015i). Dies ist wohl so aufzufassen,
dass für TTIP die Vorschriften des SPS-Abkommens
maßgeblich sein sollen. Laut SPS-Abkommen sollen
sich handelbeschränkende Maßnahmen vor allem auf
die verfügbaren internationalen Normen, Richtlinien
und Empfehlungen stützen, etwa die Arbeiten der
Codex-Alimentarius-Kommission der FAO/WHO und
des Internationalen Tierseuchenamts. Soweit diese
Gremien keine konkreten Empfehlungen erarbeitet
haben, müssen Maßnahmen nach Art. 2 Abs. 2 und
Art. 5 Abs. 1-3 des SPS-Übereinkommens auf einer
wissenschaftlichen Grundlage beruhen. Sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch unzureichend,
erlaubt Art. 5.7 SPS-Abkommen es lediglich, vorübergehende Maßnahmen zu ergreifen. Man könnte
daher die Regelung im SPS-Abkommen als
schwächste Ausprägung des Vorsorgegedankens bezeichnen.
Die Anforderungen des SPS-Abkommens haben in der
Vergangenheit zu Konflikten zwischen der EU einerseits und Kanada bzw. den USA andererseits geführt,
in denen es um die Anwendung des Vorsorgeprinzips
ging. Im Falle der Hormonmast von Kälbern sind die
entsprechenden Verbote der EU bezüglich einiger
Hormonsubstanzen als ungerechtfertigt angesehen
worden, weil diese nach Ansicht des WTO-Schlichtungspanels wissenschaftlich nicht ausreichend
substanziiert werden konnten (vgl. Tz. 27). Die EU hat
auf eine nach dem SPS-Übereinkommen mögliche
Rechtfertigung als provisorische Maßnahme verzichtet
und stattdessen – allerdings erfolglos – versucht, ihre
Maßnahmen mit einem internationalen Prinzip der
Vorsorge zu rechtfertigen (WTO 2009). Auch in der
WTO-Entscheidung über die europäische Gentechnikregelung spielte das Vorsorgeprinzip eine Rolle. Die
EU ist mit dem Versuch gescheitert, sich auf die Vorsorgevorschrift aus dem Cartagena-Protokoll zur biologischen Sicherheit zu berufen (WTO 2008), um über
die vorübergehend zulässigen Maßnahmen des
Art. 5.7 SPS-Abkommens hinaus Schritte ergreifen zu
können.
Der Textvorschlag der Kommission zum SPS-Kapitel
besagt in Art. 2, dass durch die SPS-Vorschriften im
Rahmen von TTIP die Regulierungssysteme der Vertragsparteien einschließlich der Risikobewertung und
des Risikomanagements „respektiert“ werden sollen
(Art. 2 Nr. 1 SPS-Kapitel). Es ist allerdings unklar,
wie eine derartige Generalklausel ein effektives
Gegengewicht zu den Spezialvorschriften zur Risikobewertung nach dem Muster des WTO-SPSAbkommens bilden können soll.

25

SRU-Stellungnahme Nr. 19

55.
Im Kommissionsentwurf des Kapitels über
regulatorische Kooperation wird der Begriff der Vorsorge ebenfalls nicht erwähnt. Dort wird lediglich
darauf verwiesen, dass die Vertragsparteien ein hohes
Schutzniveau für Umwelt, Gesundheit, Sicherheit
sowie für Tiere und Pflanzen verfolgen (Art. 1 Abs. 1
lit. a). Eine Anmerkung zu Art. 1 besagt zudem, dass
die Bestimmungen des Regulierungskapitels nicht so
ausgelegt oder angewendet werden dürfen, dass eine
Vertragspartei dazu verpflichtet wäre, ihre grundlegenden Regulierungsprinzipien zu ändern. Sie benennt dabei explizit die Risikobewertung und das
Risikomanagement (Fn. 2 zu Art. 1 des Entwurfs).
Gleichzeitig weist der europäische Entwurf an vielen
Stellen aber eine eher wissenschaftsbasierte Herangehensweise auf. So nimmt er Bezug auf die
Empfehlungen der OECD zur Regulierungspolitik
(Recommendation of the Council on Regulatory
Policy and Governance in Art. 1 Abs. 4 Regulierungskapitel). In diesen wird der Fokus sehr stark auf die
Effektivität von Regulierungsmaßnahmen, KostenNutzen-Bewertungen und Risikobewertung gelegt
(vgl. Empfehlungen 1, 4, 5 und 9 in OECD 2012). Im
Rahmen der Bewertung von Regulierungen nach
Art. 7 des Regulierungskapitels werden für die
geforderte Gesetzesfolgenabschätzung vor allem die
Auswirkungen auf Handel und Investitionen sowie der
Austausch von Informationen über Beweismittel und
Daten in den Vordergrund gestellt. Es sollen dabei
auch Informationen über die Methoden und
ökonomischen Annahmen ausgetauscht werden (Art. 7
Abs. 3 lit. b). Die Aussage der Kommission, dass das
Vorsorgeprinzip durch das Regulierungskapitel nicht
betroffen ist, läßt sich textlich im Vorschlag der EU
nicht abstützen (Europäische Kommission 2015d).
56.
Der im November 2015 in die Verhandlung
eingebrachte, überarbeitete Vorschlag der EUKommission zum Nachhaltigkeitskapitel verwendet
den Begriff „Vorsorgeansätze“ (precautionary
approaches) gleichwertig neben dem des risikobasierten Ansatzes im Kontext des Arbeitsschutzes
(Art. 4 Abs. 2 lit. a: „[…] and promotion of a
preventative safety and health culture and the adoption
of risk-based and precautionary approaches“)
(Europäische Kommission 2015f). Vergleichbar wird
im Entwurf das Begriffspaar nebeneinander in Art. 18
über Transparenz und Öffentlichkeitsbeteiligung
erwähnt („take account of relevant scientific and
technical information and international standards,
guidelines or recommendations if they exist, including
on risk management and precautionary approaches“).
Damit soll offensichtich vermieden werden, dass ein
Ansatz vorrangig gilt.

3.6

Exkurs:
Das Vorsorgeprinzip im USamerikanischen Recht

57.
Obwohl TTIP keineswegs dazu führt, dass
die Normen des US-amerikanischen Rechts generell
und ohne weiteres in der EU anzuwenden oder auch
26

nur anzuerkennen wären, spielen die vorgeblich niedrigeren „US-Standards“ in der öffentlichen Debatte
eine zentrale Rolle. Die tatsächliche Rechtslage ist
jedoch weniger eindeutig als es die oft vereinfachte
Darstellung vermuten lässt. Das US-Recht kennt im
Gegensatz zum europäischen Recht (Tz. 50) kein
übergeordnetes Vorsorgeprinzip im Umweltrecht. Sein
Fehlen mag darauf zurückzuführen sein, dass die USA
über ein strenges Schadensersatzrecht mit sehr hohen
Strafen verfügen, sodass dort eher erwartet wird, dass
Firmen schon aus Eigeninteresse keine riskanten
Produkte auf den Markt bringen (RENN und
ELLIOTT 2011). Des Weiteren gibt es im amerikanischen Recht generell weniger übergeordnete
Rechtsprinzipien als im europäischen. Daher könnte
ein vertraglich festzuschreibendes Vorsorgeprinzip in
den USA auch anders aufgefasst werden als in Europa
– als geschriebenes und strikt anzuwendendes Recht,
während es in Europa eher eine Zielsetzung darstellt,
die mit anderen Aspekten abzuwägen ist (WIENER
und ROGERS 2002).
58.
Auch wenn das Vorsorgeprinzip nicht kodifiziert ist, kommen die darin verkörperten Wertungen
aber auch bei der Rechtsetzung in den USA zum
Tragen. Tatsächlich wird in der Literatur häufig die
Ansicht vertreten, dass der Vorsorgeansatz in den
1970er-Jahren zuerst in den USA aufkam und dort bis
in die 1980er-Jahre hinein auch anspruchsvoller als in
Europa angewandt wurde (LÖFSTEDT 2003;
ASHFORD 2007; VOGEL 2012). In der Folgezeit
engten jedoch die Rechtsprechung und das veränderte
politische Umfeld den Spielraum für Vorsorgeerwägungen erheblich ein. Hatte es bis dahin oft keine
oder nur ungenaue Vorgaben zur Bewertung eines
potenziellen Umweltrisikos gegeben, wurde der Prozess der Risikoabschätzung durch detaillierte Regelwerke formalisiert und systematisiert (ZANDER
2010). Dies betrifft neben der wissenschaftlichen
Risikoeinschätzung auch das Risikomanagement
sowie Kosten-Nutzen-Analysen. Diesen Verfahrensvorschriften kommt bei Regulierungsentscheidungen
in den USA großes Gewicht zu. Viele Beobachter
halten dem zugute, dass das formalisierte Bewertungsverfahren den Entscheidungsprozess rationalisiert und vorhersehbar macht sowie eine gleichmäßige Rechtsanwendung ermöglicht (ZANDER
2010; MARCHANT 2001). Allerdings wird kritisiert,
dass das Instrument der Kosten-Nutzen-Analyse zu
Bewertungsverzerrungen führe und daher unzuverlässige Ergebnisse erziele (ASHFORD 2007, S. 41;
SATERSON 2011; de SADELEER 2007). Die
monetäre Erfassung sowohl des Nutzens als auch des
Schadens einer möglichen Regulierungsentscheidung
hängt von vielen Annahmen und Parametern ab. Dies
gilt insbesondere für Umweltschäden, deren Art und
Ausmaß noch ungewiss sind und die oft über einen
langen Zeithorizont auftreten. Kritiker sehen die
Gefahr, dass der Langzeitnutzen einer intakten Umwelt nicht angemessen gewichtet und mit den erwarteten wirtschaftlichen Gewinnen „verrechnet“ wird
(ASHFORD 2007).

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

59.
Im Ergebnis entspricht das US-amerikanische
Vorgehen nach Ansicht der Literatur eher dem sogenannten wissenschaftsbasierten Ansatz, wie er auch
das Welthandelsrecht dominiert (z. B. SUNSTEIN
2005; MARCHANT 2001). Ein prägnantes Beispiel
für diese Regulierungsphilosophie bildet das amerikanische Chemikalienrecht, insbesondere dessen Umgang mit bereits auf dem Markt befindlichen Chemikalien. Bei diesen trägt nach dem Toxic Substances
Control Act (TSCA) die amerikanische Umweltbehörde die Beweislast dafür, dass eine Gefährdung
der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt besteht
und eine bestimmte Chemikalie daher zu verbieten ist.
Diese Verfahrensanforderung, die von der Rechtsprechung eher streng ausgelegt wird (RENN und
ELLIOTT 2011), stellt in der Praxis auch deshalb eine
sehr hohe Hürde dar, weil der Umweltbehörde die für
den wissenschaftlichen Nachweis notwendigen Daten
oft nicht vorliegen. Sie kann die Unternehmen auch
nur schwerlich zur Erhebung der entsprechenden
Daten verpflichten. Der TSCA wird aus diesen Gründen in der Literatur ganz überwiegend als unzureichend kritisiert (U.S. Government Accountability
Office 2007; KASS 2014; RENN und ELLIOTT
2011). Demgegenüber muss nach der auf dem Vorsorgeprinzip basierenden Chemikalienverordnung
REACH (EG) Nr. 1907/2006 dem Grundsatz nach der
Hersteller bzw. das importierende Unternehmen die
Unbedenklichkeit des Stoffes nachweisen, damit
dieser in Verkehr gebracht werden darf. Die Unternehmen sind viel weitgehender als nach dem TSCA
dazu verpflichtet, die hierzu erforderlichen Daten zu
erheben und gegebenenfalls nachträglich zu ergänzen
(U.S. Government Accountability Office 2007).
60.
Ob diese unterschiedliche Bedeutung des
Vorsorgeansatzes allgemein zur Folge hat, dass in den
USA weniger strenge Umweltschutzvorschriften
gelten als in Europa, wird in der Literatur jedoch
unterschiedlich bewertet. Teilweise wird in der Tat die
Ansicht vertreten, dass Vorsorge und Risikominimierung in der EU heute mehr Gewicht besitzen als in den
USA (VOGEL 2012; ASHFORD 2007; LÖFSTEDT
2003). Als Beispiel kann der unterschiedliche Umgang
mit genmanipulierten Pflanzen genannt werden
(CANTLEY und LEX 2011), die in den USA teilweise fehlende behördliche Prüfung von Lebensmittelzusätzen (MAGNUSON et al. 2013) oder die in
Europa eher restriktive Zulassung leistungssteigernder
Hormone in der tierischen Erzeugung (GRAY et al.
2011; s. Tz. 27). Andere Autoren bestreiten dies
(ZANDER 2010; WIENER 2011, der allerdings einen
sehr weiten Vorsorgebegriff anwendet und zum
Beispiel auch Terrorabwehr und Anti-TabakGesetzgebung einschließt).
Unstrittig dürfte auch sein, dass die EU das Vorsorgeprinzip nicht kohärent auf alle Umweltrisiken mit der
gleichen Stringenz anwendet (sehr kritisch LÖFSTEDT 2014; „willkürliche Anwendung“: ZANDER
2010, S. 146–148). Dieser Ansicht nach stellen sich
unterschiedliche Regulierungsentscheidungen als
primär situationsbedingt dar und weniger als Folge

unterschiedlicher Rechtssysteme. Ausschlaggebend
seien vor allem die wirtschaftlichen Auswirkungen
einer Entscheidung, die
Verfügbarkeit
von
Alternativen sowie gesellschaftliche Sensibilitäten. So
beschreibt FREESTONE (2001), wie die USA bei
internationalen
Fischereiabkommen
den
Vorsorgeansatz deutlich ambitionierter verfolgten als
die EU, die hier Rücksicht auf ihre Fischereiflotte und
die wirtschaftliche Bedeutung der Hochseefischerei
nahm. Als Beispiel dafür, wie sich unterschiedliche
gesellschaftliche Risikowahrnehmungen in unterschiedlichen Schutzstandards niederschlagen, nennt
WALSH (2011) die Regulierung von Autoabgasen. So
richtete sich die öffentliche Aufmerksamkeit in den
USA früher als in Europa auf die gesundheitlichen
Risiken durch Straßenverkehrsemissionen (Blei,
Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Stickstoffoxide
und Feinstaub). Gegen diese wurden früher und – teils
bis heute – strengere Emissionsgrenzwerte als in der
EU erlassen. Umgekehrt thematisierten die europäische Öffentlichkeit und die EU ab den 1990er-Jahren
verstärkt die Bedrohung durch den Klimawandel, was
zu weitaus strengeren technischen Standards bezüglich
der CO2-Emissionen von Kraftfahrzeugen führte
(ebd.).
61.
Im Ergebnis lässt sich daher nicht sagen, dass
die USA keine Vorsorgeerwägungen bei der Risikoregulierung anstellen würden oder dass die EU generell strengere Umweltstandards erließe. In einigen
Regelungsbereichen handelt aber die eine Seite durchaus vorsorgeorientierter als die andere. Auf beiden
Seiten des Atlantiks kann es passieren, dass sogar
wissenschaftlich belegte Risiken regulativ nicht adressiert werden.

3.7

Nachhaltigkeitskapitel

62.
Die in den letzten zwanzig Jahren ausgehandelten Freihandelsabkommen enthalten in der Regel
ein Nachhaltigkeits- oder Umweltschutzkapitel. Dies
gilt für die US-Freihandelsabkommen seit dem
Nebenabkommen zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA). Die EU hat ein entsprechendes Kapitel erstmals im Abkommen mit Tunesien
aufgenommen, das 1995 in Kraft trat (abgelöst durch
das Europa-Mittelmeer-Assoziationsabkommen mit
Tunesien).
Die Europäische Kommission hat am 6. November
2015 einen Textvorschlag für das Nachhaltigkeitskapitel veröffentlicht (Europäische Kommission
2015f), der Gegenstand der Verhandlungsrunde mit
den USA im Oktober 2015 war. Bereits im Oktober
2015 wurde auch eine neue europäische Handelsstrategie vorgelegt (Europäische Kommission 2015k),
die Bezug auf die 2030 Agenda for Sustainable
Development nimmt (United Nations – General
Assembly 2015).
Das Nachhaltigkeitskapitel betrifft vor allem den
Arbeits- und Umweltschutz. Das Kapitel verweist
eingangs auf übergreifende Prinzipien. Die in Art. 2
27

SRU-Stellungnahme Nr. 19

des EU-Entwurfs dargestellten Ziele des Nachhaltigkeitskapitels sind weitreichend und umfassen unter
anderem:
– den positiven Beitrag des Nachhaltigkeitskapitels
zu TTIP zu stärken,
– die Umwelt- und Arbeitsschutzziele der Vertragsparteien im Rahmen von stärker liberalisierten,
offeneren und transparenten Handels- und Investitionsbeziehungen zu bestätigen,
– Politiken zu formulieren und umzusetzen, die zur
Erreichung der im Oktober 2015 von der UN verabschiedeten
globalen
Nachhaltigkeitsziele
(Sustainable Development Goals) beitragen und
– den Dialog und die Kooperation zwischen den
Vertragspartnern im Hinblick auf Umwelt- und
Arbeitsschutzfragen, die relevant für Handel und
Investitionsschutz sind auch im Hinblick auf dritte
Staaten zu fördern.
Art. 3 hebt das Recht der Vertragspartner hervor, ihre
Nachhaltigkeitsziele zu bestimmen und zu verfolgen.
Das Recht der Vertragsparteien, das Niveau ihres
Umwelt- und Arbeitsschutzes zu regulieren, soll durch
TTIP nicht eingeschränkt werden. Es soll aber in
Übereinstimmung mit den relevanten internationalen
Arbeitsschutz- und Umweltschutzabkommen ausgeübt
werden.
Der Vorsorgeansatz (precautionary approach) wird an
zwei Stellen im Text erwähnt, allerdings nicht ausdrücklich im Zusammenhang mit dem Umweltschutz.
Von einem Vorsorgeprinzip ist nicht die Rede. Art. 10
hebt die Bedeutung von multilateralen Umweltabkommen hervor. Die Vertragsparteien sollen sich
überdies verpflichten, ihre nationalen Umweltschutzbestimmungen effektiv umzusetzen. Art. 11 betrifft
die biologische Vielfalt, Art. 12 CITES und Art. 13
die nachhaltige Holzproduktion. Eigene Artikel sind
auch der nachhaltigen Fischereipolitik sowie Chemikalien und Abfall gewidmet. Art. 16 widmet sich allgemein dem Zusammenspiel von Umwelt und Handel.
In Art. 20 wird die Bedeutung der Unternehmensverantwortung unterstrichen. Im Gegensatz zum vorherigen Entwurf werden aber die Themen Klimawandel, Montreal-Protokoll und erneuerbare Energien
nicht mehr erwähnt. Zudem nimmt der EU-Entwurf zu
den kritischen Fragen des Verhältnisses von Welthandel und Umweltschutz nicht Stellung (z. B. Zulässigkeit von Handelsbeschränkungen für nicht-zertifiziertes Tropenholz oder Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel).

28

Offen ist, ob der bilaterale Austausch über Nachhaltigkeitsfragen integraler Bestandteil der Regulierungszusammenarbeit wird, weil er nach Wunsch der
EU nicht dem regulären zwischenstaatlichen Streitbeilegungsmechanismus unterworfen wird und die
Integration in die Regulierungszusammenarbeit nicht
ausdrücklich geregelt ist. Der EU-Entwurf des Nachhaltigkeitskapitels enthält gegenwärtig ausdrücklich
keine Regelung zur Streitbeilegung (state-to-statedispute settlement) (Europäische Kommission 2015f).
Die USA und die EU verfolgen traditionell unterschiedliche Herangehensweisen bei der Umsetzung
der Nachhaltigkeitskapitel. Während die USA einen
sanktionsbewehrten Ansatz verfolgen, setzt die EU auf
einen eigenständigen Schlichtungsmechanismus. Ein
solcher Ansatz ist geeignet, die qualitativen Fragen
der Umsetzung von Arbeits- und Umweltschutzvorschriften spezifisch aufzugreifen. Die EU glaubt,
dass ein Dialog – abgesichert durch einen Ad-hocSchlichtungsmechanismus und verbunden mit einer
öffentlichen Überprüfung – dem Vorankommen bei
Sozial- und Umweltfragen förderlicher ist. Die USA
sind dagegen der Auffassung, dass auch diese Verpflichtungen sanktionsbewehrt sein sollen. Dagegen
spricht, dass der Entwurf des Nachhaltigkeitskapitels
kaum Bestimmungen enthält, die einer Klage zugänglich sein könnten. Dafür spricht allerdings, dass nur so
die in Art. 2 und 3 angelegte Verzahnung der Umweltschutzbestimmungen mit den Handels- und Arbeitsschutzprinzipien auch durchgesetzt werden kann.

3.8

Demokratieprinzip

63.
Bei TTIP wird es sich nach mittlerweile überwiegender Meinung um ein sogenanntes gemischtes
Abkommen handeln (Deutscher Bundestag 2014a,
S. 8; DE GUCHT 2014; TREIER und WERNICKE
2015; RATHKE 2014; ebenso für CETA: MAYER
2014; FISCHER-LESCANO und HORST 2014; a. A.
HOFFMEISTER 2015, S. 54 ff.; s. zu TTIP auch
vertieft STOLL et al. 2016). Dies bedeutet, dass das
Abkommen auch Materien betrifft, für die die EU
keine oder keine ausschließliche Zuständigkeit besitzt
(vgl. Prüfung für CETA bei MAYER 2014). Insofern
würde TTIP in die Kompetenz der Mitgliedstaaten
eingreifen (MAYER und ERMES 2014). Aus diesem
Grund ist es für das Inkrafttreten von TTIP voraussichtlich erforderlich, dass außer dem Europäischen
Parlament auch fast alle nationalen Parlamente der
Mitgliedstaaten (außer Malta) dem Abkommen zustimmen, soweit dies nach nationalem Verfassungsrecht vorgesehen ist (s. Abb. 5).

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Ab b i ld u n g 5
A m Zu s t a nd e ko mme n v o n T TI P bet e il ig t e I n st it ut io ne n

Quelle: Spiegel Online 2015

Davon getrennt zu betrachten ist die Frage, wie sich
die künftige Regulierungszusammenarbeit nach
Abschluss des Ratifizierungsverfahrens in das institutionelle Gefüge der EU einpasst und ob bzw. wann
eine Rückbindung an das Europäische Parlament als
demokratisch gewählte Volksvertretung hergestellt
werden soll. Ebenso ist unklar, wie die Mitgliedstaaten
angemessen eingebunden werden können, soweit
Fragen betroffen sind, die in ihre Zuständigkeit fallen.
Diese Fragen sind nicht Gegenstand des TTIPAbkommens selbst, da sie den Ablauf der Willensbildung innerhalb der EU betreffen.
De mo kr a ti sc h e Le gi ti ma tio n a u f d er EU Eb e ne
64.
Das Demokratieprinzip schließt es nicht von
vornherein aus, im Rahmen der internationalen
Zusammenarbeit Entscheidungsbefugnisse auf internationale Gremien zu übertragen. Das zum auswär-

tigen Handeln legitimierte Organ erhält zum Zwecke
einer effektiven Außenpolitik einen gewissen Gestaltungsspielraum bei der weiteren Anwendung des abgeschlossenen Vertrages (CALLIESS 2006, Rn. 48).
So sieht auch das EU-Recht für das auswärtige
Handeln in völkervertraglichen Gremien nach Abschluss des jeweiligen Vertrages, abgesehen von
Informationspflichten, keine Beteiligung des EUParlamentes vor (vgl. Art. 218 Abs. 9 und 10 AEUV).
Vielmehr legt allein der Ministerrat die Standpunkte
und das Stimmverhalten der EU in den völkerrechtlichen Gremien fest.
Kritisch zu bewerten ist das geplante Abkommen
jedoch unter zwei Gesichtspunkten: erstens im Hinblick auf die demokratische Willensbildung bei seinem Zustandekommen, zweitens bezüglich seiner im
Vertrag angelegten Fortentwicklungsmöglichkeiten.
29

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Zum ersten müssen im Rahmen der Ratifizierung von
TTIP zwar das Europäische Parlament und auch fast
alle nationalen Parlamente zustimmen. Jedoch können
die Parlamente das Abkommen nur noch als Ganzes
billigen oder ablehnen (vgl. dazu grundsätzlich
CALLIESS 2006, Rn. 30). Darüber hinaus liegt ein
Demokratieproblem darin, dass die Parlamente nur
äußerst eingeschränkten Informationszugang zum
Gang der Vertragsverhandlungen haben (LÜBBEWOLFF 2016). Dies betrifft insbesondere die Verhandlungspositionen der US-Regierung. Die Kommission veröffentlicht inzwischen eigene Verhandlungsziele und Textvorschläge. Im Übrigen werden
Verhandlungsdokumente aber den Parlamenten nur
unter restriktiven, eine umfassende und detaillierte
Beurteilung ausschließenden Bedingungen und nur
vertraulich zugänglich gemacht. Sie können infolgedessen nicht zum Gegenstand öffentlicher Diskussion
gemacht werden. Parlamente und Öffentlichkeit haben
keine Möglichkeit, sich rechtzeitig ein umfassendes
Bild von den komplexen Zusammenhängen des
äußerst umfangreichen Abkommens zu machen und
damit verbundene Risiken einigermaßen verlässlich
einzuschätzen. Diese Intransparenz sei – so wird kritisiert – „nicht demokratieverträglich“ (LÜBBEWOLFF 2016).
Die begrenzte Beteiligung des Europäischen Parlaments ist zum zweiten auch im Hinblick darauf
kritisch zu beurteilen, dass TTIP als living agreement
angelegt ist und als solches durch zusätzliche
Beschlüsse erweitert werden kann. Fraglich ist, ob die
einmalige Abstimmung im Europäischen Parlament
insoweit eine hinreichende demokratische Legitimation vermitteln kann. Dies hängt von der Ausgestaltung der künftigen regulatorischen Kooperation ab
sowie von den konkret betroffenen Regelungsmaterien
und der Reichweite der Entscheidungen (vgl. vertieft
STOLL et al. 2016). Grundsätzlich ist nicht vorgesehen, durch das TTIP-Abkommen die Gesetzgebungsverfahren, einschließlich der darin vorgesehenen
Beteiligungs- und Zustimmungserfordernisse des EUParlaments, zu verändern. Anders wäre es lediglich,
wenn die von TTIP vorgesehenen Gremien Beschlüsse
zu Regulierungsfragen fassen könnten, die für die
Vertragsparteien verbindlich wären. Dasselbe gilt für
denkbare Befugnisse, die Anhänge, Anlagen, Protokolle und Anmerkungen zum Abkommen nachträglich
zu ändern.

3.9

Beteiligung und Zivilgesellschaft

65.
Nach Vorstellung der Europäischen Kommission sollen im Rahmen der Regulierungszusammenarbeit auch nicht-staatliche Akteure beteiligt werden.
In Art. 15 des Regulierungskapitels ist die Beteiligung
von Stakeholdern an der Arbeit des Regulierungsrates
geregelt. Vorgesehen ist, dass Stakeholder mindestens
einmal im Jahr die Möglichkeit haben, an einer
Sitzung teilzunehmen. An der Vorbereitung dieses
Treffens soll die bislang in den Entwürfen lediglich
kursorisch erwähnte Civil Society Contact Group
30

beteiligt werden. Damit soll eine ausgewogene Beteiligung von Vertretern von Wirtschaft, Verbrauchern,
Gesundheitswesen, Gewerkschaften, Umweltverbänden und anderen öffentlichen Interessensgruppen
sichergestellt werden. Das Positionspapier der Kommission zu dem Kapitel über Handel und nachhaltige
Entwicklung enthält ebenfalls einige sehr allgemein
gehaltene Aussagen zur Beteiligung der Zivilgesellschaft. Stakeholder sollen die Möglichkeit erhalten,
Eingaben in den Regulierungsrat bzw. in die relevanten sektoralen Unterarbeitsgruppen zu machen. Die
Vertragsparteien müssen sich mit konkreten Vorschlägen schriftlich auseinandersetzen und die Antworten
veröffentlichen.
66.
Positiv im Vergleich zu CETA ist, dass die
Beteiligung der Zivilgesellschaft nicht auf das Nachhaltigkeitskapitel beschränkt wird, sondern zentral an
der Regulierungszusammenarbeit anknüpft. Eine
lediglich jährliche Beteiligung kann allerdings nicht
ausreichen, um eine kontinuierliche Einbeziehung von
Gemeinwohlinteressen sicherzustellen. Hinzuweisen
ist auch darauf, dass die formell gleichgewichtige
Repräsentation von Stakeholdern auch zu einer ungleichgewichtigen Vertretung von Interessen führen
kann, wenn zum Beispiel die Wirtschaftsvertreter über
wesentlich mehr Ressourcen verfügen, um ihre Eingaben und Anliegen vorzubereiten und zu vertreten.
Eine wirksame Einbeziehung von Gemeinwohlinteressen setzt voraus, dass die Vertreter dieser Interessen
die notwendigen Kapazitäten haben, sich in die
sektorspezifischen Fragestellungen einzuarbeiten und
einen Überblick über die Gremien und Prozesse behalten können. Sonst könnte sich das schon auf EUEbene relevante Problem einer möglichen „Übermacht“ ressourcenstarker Lobbygruppen auch in den
weiterentwickelten Beteiligungsmodellen in Freihandelsabkommen verfestigen (GÖTT 2015).
67.
Das Regulierungskapitel betrifft ebenfalls die
Einbeziehung von nicht-staatlichen Akteuren in die
Gesetzgebungstätigkeit der Vertragsparteien, die in
der EU wie in den USA ohnehin vorgesehen ist. Art. 6
des Regulierungskapitels sieht vor, dass jede interessierte natürliche und juristische Person (also auch eine
im Land des Vertragspartners ansässige) die Möglichkeit haben muss, sich im Rahmen von Konsultationsprozessen zu geplanten Regulierungen zu äußern. Die
Äußerungen sollen von den Vertragsparteien berücksichtigt werden. Eine Fußnote erläutert, dass dies nicht
bedeutet, dass Vorschläge auch umgesetzt werden
müssen. Für die Beteiligung sollen – wo möglich –
elektronische Kommunikationsformen genutzt werden. Die vorgesehene Beteiligung ist zunächst vom
Ansatz her positiv zu bewerten, insbesondere das
Erfordernis, die Eingaben der Stakeholder schriftlich
zu beantworten.

3.10

Zusammenfassung

68.
TTIP soll die Zusammenarbeit zwischen der
EU und den USA in Regulierungsfragen vertiefen.
Während sich die Befürworter von TTIP davon erheb-

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

liche ökonomische Vorteile erhoffen, gehen Kritiker
des Abkommens davon aus, dass der wirtschaftliche
Nutzen gering ist. Studien kommen zu dem Ergebnis,
dass zwar insgesamt moderate positive Wohlfahrtseffekte eines vertieften transatlantischen Handels zu
erwarten sind. Die Studienergebnisse sind jedoch in
hohem Maße von der Wahl der Modelle und der
Grundannahmen abhängig. Da unklar ist, welche
Liberalisierungstiefe in den verschiedenen Sektoren
erreicht werden kann, ist die Größe der Effekte höchst
unsicher. Verteilungseffekte wurden noch nicht hinreichend untersucht. Es gibt Anzeichen dafür, dass
eine bilaterale Liberalisierung sowohl innerhalb der
USA und der EU als auch in Drittländern sowohl
Gewinner als auch Verlierer hätte.
Es ist noch offen, inwieweit aus TTIP faktisch eine
Angleichung von Regulierungen resultieren wird.
Umweltrelevante Sektoren (z. B. Lebensmittel, Chemikalien und Kosmetika) sind in den USA und der EU
unterschiedlich anspruchsvoll reguliert. Negative
Umweltauswirkungen können deshalb nur vermieden
werden, wenn eine Angleichung auf hohem Niveau
gelingt. Dies gilt insbesondere, wenn zukünftig neue
Gesetze oder Maßnahmen zum Schutz der Umwelt
ergriffen werden sollen, die wirtschaftlichen Einzelinteressen entgegenlaufen. Auch das untergesetzliche
Regelwerk und private Normierungen können erhebliche Umweltrelevanz haben. Das Beispiel der manipulierten Stickstoffoxidemissionen von Fahrzeugen
zeigt, wie wichtig selbst die scheinbar technische
Frage der effektiven Überprüfung von Abgasemissionen für den Umweltschutz ist.
Unter Umweltgesichtspunkten ist zudem relevant, mit
welchem Maßstab Risiken bewertet werden, und wie
mit wissenschaftlicher Unsicherheit umgegangen
wird. Das im deutschen und europäischen Recht verankerte Vorsorgeprinzip findet sich in dieser Form
weder im US-amerikanischen noch im internationalen
Handelsrecht, wo Maßnahmen aus Vorsorgegründen
nur eingeschränkt zulässig sind. Das Vorsorgeprinzip
sollte deshalb ausdrücklich in TTIP verankert werden.
Das geplante Nachhaltigkeitskapitel blendet wichtige
Bereiche wie den Klimaschutz aus. Zudem sollen die
Bestimmungen dieses Kapitels nach Ansicht der
Europäischen Kommission nicht wie der restliche
Vertrag der zwischenstaatlichen Streitschlichtung
unterliegen, womit sie nicht rechtlich durchsetzbar
wären.
Da davon ausgegangen wird, dass es sich bei TTIP um
ein sogenanntes gemischtes Abkommen handelt, werden neben dem Europäischen Parlament auch die
nationalen Parlamente ganz überwiegend dem Vertrag
zustimmen müssen. Parlamente und Öffentlichkeit
aber haben keine Möglichkeit, sich rechtzeitig ein
umfassendes Bild von den komplexen Zusammenhängen des äußerst umfangreichen Abkommens zu
machen und damit verbundene Risiken einigermaßen
verlässlich einzuschätzen. Diese Intransparenz ist
nicht demokratieverträglich.

4

Investitionsschutz und InvestorStaat-Streitbeilegung

69.
Zu den kontrovers diskutierten Aspekten von
TTIP zählen auch die im Vertrag geplanten Regelungen zum Investitionsschutz und die Durchsetzung
dieser Regeln im Rahmen der Investor-Staat-Streitbeilegung (ISDS). Während es bei der regulatorischen
Kooperation darum geht, Regulierungen kompatibler
zu gestalten, wird im Hinblick auf die ISDS kritisiert,
dass, auch wenn keine Harmonisierung stattfindet,
Investoren klagen könnten, soweit ihre Investitionen
durch eine staatliche Regulierung nachteilig betroffen
sind. Unter Umweltgesichtspunkten wurde der Investitionsschutz vor allem unter dem Aspekt problematisiert, er könne dazu führen, dass staatliche
Regulierung durch hohe Entschädigungszahlungen
sanktioniert bzw. umweltschützende Maßnahmen
nicht erlassen werden (regulatory chill). In Ausnahmefällen könnten Entscheidungen, die dem Umweltschutz dienen, auch rückgängig gemacht werden
(z. B. im Rahmen eines Vergleichs; s. Tz. 82). Wegen
der öffentlichen Kritik führte die Europäische Kommission im Sommer 2014 zunächst eine öffentliche
Konsultation zum Investitionsschutz in TTIP durch
(Europäische Kommission 2015c). Mitte September
2015 entschloss sie sich „Neuland zu betreten“ und
legte einen Vorschlag für die Einrichtung eines TTIPInvestitionsgerichtshofs vor (Europäische Kommission 2015b, nachfolgend: Kommissionsentwurf).
Der Vorschlag, der zunächst innerhalb der EU erörtert
wurde, betrifft sowohl die materiellen Regelungen des
Investitionsschutzes als auch das Verfahren
(Diskriminierungsverbote sind in einem gesonderten
Dokument enthalten).
F u n kt io n d e s I n v es ti tio n s sc h ut ze s
70.
Dass völkerrechtliche Verträge mit dem Ziel
abgeschlossen werden, ausländische Investitionen zu
schützen, ist nicht neu. So sollen stabile Investitionsbedingungen gewährleistet und damit ausländische
Investitionen angezogen werden. Das erste Abkommen dieser Art kam im Jahr 1959 zwischen Deutschland und Pakistan zustande. Im Zuge der wirtschaftlichen Globalisierung ist die Anzahl der sogenannten
bilateralen Investitionsschutzabkommen stark gestiegen (ELKINS et al. 2006, S. 843). Außer Irland haben
alle EU-Staaten solche Verträge geschlossen,
Deutschland allein 129 (BMWi 2014), insgesamt
existieren über 1.300 (Europäische Kommission
2014b, S. 10). Klassischerweise wurden Investitionsschutzabkommen zwischen kapitalexportierenden
Industrie- und kapitalimportierenden Entwicklungsländern abgeschlossen. Dementsprechend haben die
USA in der EU bisher nur mit den osteuropäischen
Staaten derartige Abkommen getroffen. Deutschland
hat 14 Investitionsförder- und Schutzverträge mit
anderen Mitgliedstaaten der EU abgeschlossen (sog.
Intra-EU-BITs). EU-weit bestehen 190 solcher Investitionsschutzabkommen zwischen Mitgliedstaaten
(TIETJE 2011, S. 6). Inzwischen ist die Europäische
31

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Kommission der Auffassung, dass die Mitgliedstaaten
untereinander keine Investitionsschutzverträge mehr
abschließen sollen und dass die bestehenden zu kündigen sind. Diese Auffassung hat sie auch in ihrem Beitritt als Amicus Curiae zum Vattenfall I-Verfahren
ARB 12/12 zum Ausdruck gebracht (Deutscher
Bundestag 2014b, S. 1).
71.
Die
Investor-Staat-Streitbeilegung
stellt
neben der klassischen Streitschlichtung zwischen den
(staatlichen) Vertragsparteien eine zusätzliche, private
Klagemöglichkeit dar. Der ausländische Investor
erhält die Möglichkeit, ein Schiedsgericht anzurufen,
wenn er der Auffassung ist, dass der Gaststaat die im
Investitionsschutzvertrag festgelegten materiellen
Schutzstandards verletzt hat. Damit steht dem Investor
ein (in der Regel) zusätzlicher Rechtsschutzmechanismus zur Verfügung, der ihn gegenüber inländischen
Investoren privilegiert (KRAJEWSKI 2015b, S. 1).
Dies ist im Völkerrecht ungewöhnlich, in dem im
Allgemeinen keine Klagemöglichkeiten von Privatpersonen gegen Staaten bestehen (mit der Ausnahme
der Klagen auf Einhaltung von Menschenrechten,
z. B. Individualklage nach Art. 34 EMRK vor dem
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte). Privatpersonen sind üblicherweise bei Rechtsverletzungen durch fremde Staaten auf die innerstaatlichen
Klagemöglichkeiten bzw. auf den diplomatischen

Schutz ihres Heimatlandes angewiesen. Die InvestorStaat-Streitbeilegung wurde ursprünglich geschaffen,
um Investitionsstreitigkeiten zu entpolitisieren und
dem Investor ein unabhängiges und neutrales Forum
in einem Verfahren zur Verfügung zu stellen, über das
die Vertragsparteien durch die Ernennung von
Schiedsrichtern
erhebliche
Kontrolle
haben
(UNCTAD 2013b, S. 2). Während früher der Schutz
vor willkürlicher Enteignung von Investoren im Fokus
stand, sind nun mehr und mehr Fälle zu verzeichnen,
bei denen es um die Änderung von gesetzlichen Rahmenbedingungen geht.
72.
Anders als in Verfahren vor den nationalen
Gerichten kann der Investor in der Regel lediglich
Schadensersatz einklagen. Er kann aber nicht verlangen, dass die beanstandete staatliche Maßnahme rückgängig gemacht wird. Die Schiedsverfahren werden
bislang von Ad-hoc-Schiedsgerichten entschieden, für
die in der Regel drei fachkundige Experten berufen
werden. Diese entscheiden erst- und letztinstanzlich,
weil in diesen Verfahren keine Berufungsinstanz
besteht. Die Zahl der Investor-Staats-Schiedsverfahren
hat in den letzten Jahren stark zugenommen und überhaupt erst in den letzten 15 Jahren erhebliche Bedeutung erlangt (ICSID 2014; s. Abb. 6).

Ab b i ld u n g 6
Ab so l ut e Za h l der v o n IC S ID reg ist ri ert e n K l a g en na c h J a hre n

Quelle: ICSID 2016

32

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

P o sit io ne n z u m I n ve s ti ti o n s sc h ut z
73.
Die Befürworter des Investitionsschutzes in
TTIP vertreten die Auffassung, dass ein Freihandelsabkommen ohne effektiven Streitbeilegungsmechanismus speziell im Hinblick auf den Investitionsschutz
ohne Wert ist, weil die materiellen Regelungen sonst
in der Praxis nicht durchsetzbar seien (BDI 2014a;
GRIEBEL 2014; Pro- und Contra-Argumente: ZHAN
2015). Dies gelte umso mehr, als die Vertragsbestimmungen (als Völkerrecht) nicht in jedem Land direkt
anwendbar sind. Sie weisen überdies darauf hin, dass
die Schiedsgerichtsbarkeit nur so gut sein kann wie
die Vertragsbestimmungen (also das materielle
Recht), die es anzuwenden gilt (GRIEBEL 2014). Es
komme daher vor allem darauf an, die generalklauselartigen Investitionsschutzbestimmungen präziser zu fassen, um das Problem der sehr weiten
Interpretationsspielräume zu vermeiden.
Weiterhin wird zugunsten des Investitionsschutzes
argumentiert, auch rechtsstaatliche Systeme wie die
USA wären nicht vor einer Diskriminierung von
Investoren gefeit (MALMSTRÖM 2015; KUIJPER
2014). Die Klagemöglichkeit diene insbesondere der
Absicherung des europäischen Mittelstands, zumal
bereits heute vor allem europäische Unternehmen
Klagen anstrengten (VCI 2014).
74.
Dennoch heben auch Befürworter von
Investitionsschutzregelungen die Schwächen des bestehenden Systems hervor. Ihrer Ansicht nach bietet
eine moderne Investitionsschutzregelung in TTIP
gerade deshalb eine Chance für die Reform der internationalen
Investor-Staat-Schiedsgerichtsklauseln
(GRIEBEL 2014; VOß 2014). Sie können damit
weltweit bessere Standards etablieren (BUNGENBERG 2012; HOFFMEISTER 2015). Dazu haben
BDI und DIHK auch konkrete Vorschläge vorgelegt
(BDI 2014a; HINDELANG und WERNICKE 2015a).
Strategisch sei zu bedenken, dass bei der Verhandlung
von Investitionsschutzverträgen mit rechtsstaatlich
nicht entwickelten Staaten (wie z. B. China) zukünftig
nicht glaubwürdig ein ISDS gefordert werden kann,
wenn im Abkommen zwischen den USA und EU
keine entsprechende Regelung enthalten ist (Global
Politics vom 7. Juni 2015). Daneben wird darauf
hingewiesen, dass neue investitionsschutzrechtliche
Regelungen in TTIP auch aus politischen Gründen
gewünscht werden, da mehrere osteuropäische
Mitgliedstaaten andernfalls an den Status quo
gebunden blieben, der gegenüber TTIP ungünstiger ist
(VOß 2014, S. 4).
75.
Dagegen halten Kritiker die Investor-StaatSchiedsgerichtsbarkeit in Verträgen zwischen Staaten
mit einem entwickelten und unparteiischen Rechtssystem für überflüssig (MEUNIER und MORIN
2015). Die Kritik lautet, dass Klagen sich zunehmend
auch gegen Gesetze richten, die demokratisch, im
öffentlichen Interesse und im Einklang mit nationalem
Recht verfasst worden sind (EBERHARDT 2014).
Gefährlich sind dieser Auffassung zufolge nicht unbe-

dingt die Klagen an sich, sondern ihr erhebliches
finanzielles Drohpotenzial (s. o. die ähnliche Diskussion zur Regulierungskooperation, Tz. 41). Dieses
Potenzial kann Staaten davon abhalten, gemeinwohlorientierte Regulierungen zu treffen, sofern diese den
Wert einer Investition mindern und daher einen Investor möglicherweise zu einer Klage veranlassen
können (KRAJEWSKI 2014d). Die Klagemöglichkeit
stellt sich so gesehen als ein Eingriff in die Regulierungsautonomie der Staaten dar (GERSTETTER und
MEYER-OHLENDORF 2013).
76.
Kritiker monieren überdies, dass Investitionsschutzregeln die öffentlichen Finanzen durch sehr
hohe drohende Schadensersatzklagen gefährden können. Vielzitiertes Beispiel ist die Vattenfall-II-Klage,
die der schwedische Energiekonzern Vattenfall AB
gegen die Bundesregierung wegen der zurückgenommenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke
erhoben hat. In dem Verfahren, das noch nicht entschieden ist, soll sich die geforderte Summe auf
4,7 Mrd. Euro belaufen (zur Geheimhaltung des
Verfahrens vgl. Deutscher Bundestag 2015). Die
Kosten des Verfahrens für den Bundeshaushalt beliefen sich Anfang März 2015 bereits auf ungefähr
4,1 Mio. Euro, überwiegend für Anwaltskosten
(BMWi 2015a). Eine qualitative Studie für die britische Regierung ergab, dass ein EU-US-Investitionsschutzvertrag mit ISDS für Großbritannien ökonomisch und politisch kaum Vorteile, aber erhebliche
ökonomische und politische Kosten mit sich bringen
würde (POULSEN et al. 2013). Anders als die Dachverbände BDI, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und der Zentralverband des Deutschen
Handwerks (ZdH) lehnt ein Teil des deutschen Mittelstands den geplanten Investitionsschutz ab, weil kleine
und mittlere Unternehmen weder die finanziellen
Ressourcen noch die Zeit hätten, langwierige Schiedsverfahren zu führen (BVMW 2014). Dem System der
Schiedsgerichtsklagen wird zudem vorgeworfen, die
nationale Rechtsordnung zu umgehen, ohne dabei
selbst rechtsstaatliche Verfahren zur Verfügung zu
stellen. Hierfür werden insbesondere die nicht ausreichend demokratisch legitimierte Auswahl der Richter,
die fehlende Rechtsmittelinstanz und das nicht-öffentliche Verfahren angeführt (Abschn. 4.2).
77.
Selbst Befürworter tendieren teilweise eher
zu einem multilateralen Ansatz und schlagen vor, das
Investitionsschutzkapitel aus TTIP zu streichen
(GRIEBEL 2014). Die Tatsache, dass auch die USA
und Australien in ihrem Freihandelsabkommen von
2004 auf die Verankerung einer Investor-StaatsSchiedsgerichtsbarkeit verzichtet haben (KLEINHEISTERKAMP 2014), zeigt, dass ein bilaterales
Freihandelsabkommen ohne ISDS durchaus nicht
ungewöhnlich ist, auch wenn die Transpazifischen
Handelspartnerschaft (TPP), in der unter anderem die
USA und Australien Vertragsparteien sind, ein ISDS
vorsieht.

33

SRU-Stellungnahme Nr. 19

4.1

Materielle
Investitionsschutzregelungen

78.
Materiell-rechtliche Bestimmungen in von
Deutschland abgeschlossenen Investitionsschutzabkommen wurden in der Vergangenheit sehr offen
und allgemein formuliert und sind von Schiedsgerichten weit ausgelegt worden (KRAJEWSKI
2014b, S. 7). Anders war dies in US-amerikanischen
Investitionsschutzverträgen
(vgl. den ModellInvestitionsschutzvertrag der USA: U.S. Department
of State 2012). Investitionsschutzverträge enthalten
regelmäßig Standardklauseln, mit denen sichergestellt
werden soll, dass die Investitionen eines ausländischen
Investors ausreichend geschützt werden. Materiellrechtlich wird der Investitionsschutz durch verschiedene Faktoren bestimmt. Dazu zählen: Der Umfang
des Investitionsschutzes (der vor allem durch die Definition der Begriffe „Investition“ und „Investor“
bestimmt wird), die Ausgestaltung der Klauseln über
Meistbegünstigung (most-favoured-nation treatment)
und über die gerechte und billige Behandlung (fair and
equitable treatment), die Definition der direkten und
indirekten Enteignung und schließlich das Recht zu
regulieren (right to regulate). Nachfolgend sollen drei
der Klauseln, die aus Umweltsicht besonders relevant
sind, kursorisch diskutiert werden: die Klausel über
die gerechte und billige Behandlung, die Enteignungsklausel sowie das (völkerrechtlich selbstverständliche)
Recht zu regulieren. Experten sind sich weitgehend
darüber einig, dass Schiedsgerichte bisher öffentliche
Interessen nicht immer ausreichend einbezogen haben,
wenn sie Bestimmungen in Investitionsschutzverträgen auszulegen hatten (HINDELANG 2014, S. 73 mit
umfangreichen Nachweisen).
4.1.1

Gerechte und billige Behandlung
und das Recht zu regulieren

79.
Die Anforderung, dass ein Investor gerecht
und billig, also fair behandelt werden soll, scheint
zunächst selbstverständlich und findet sich in praktisch allen Investitionsschutzverträgen. Die Klausel
wird in der Mehrzahl der Schiedsgerichtsfälle geltend
gemacht. Unter Umweltschutzgesichtspunkten ist sie
vor allem deshalb problematisch, weil Schiedsgerichte
diese Bestimmung in der Vergangenheit oft sehr weit
ausgelegt haben (BRONFMAN 2006, S. 678) und ein
weites Spektrum an legitimen Erwartungen des Investors davon umfasst sahen (HIRSCH 2011). Diese
Erwartungen können sich auf das rechtliche Umfeld
oder bestimmte Zusagen von Amtsträgern beziehen.

34

80.
Ein Beispiel für eine Definition des Begriffs
der gerechten und billigen Behandlung durch ein
Schiedsgericht stellt der Fall Tecmed versus Mexico
dar, in dem es um den Betrieb einer Sondermülldeponie ging. Das Schiedsgericht befand, dass der
Gaststaat dem Investor gegenüber konsistent, frei von
Mehrdeutigkeit und vollständig transparent handeln
muss, sodass diesem von Anfang an alle Regeln und
Regulierungen bekannt sind, die seine Investitionen
betreffen (Tecmed v. Mexico, ICSID Case No.
ARB(AF)/00/02, 29. Mai 2003, Abs. 154, ähnlich
LG&E Energy v. Argentina, ICSID Case No.
ARB/02/1, 3. Oktober 2006, Abs. 131). Eine spätere
Rücknahme einer Genehmigung aus Umweltschutzgründen wurde in diesem Fall als eine Verletzung des
Investitionsschutzabkommens gewertet. Die Klausel
kann daher nicht nur im Hinblick auf eine Verschärfung von Regulierungen zum Schutz der Umwelt
problematisch sein, sondern auch dann, wenn eine
Zusage, die einem Investor im Hinblick auf eine Genehmigung gemacht worden ist, aus umweltrechtlichen Gründen zurückgenommen wird.
Auch wenn es präzisere Auslegungen der Klausel gibt
und Schiedsgerichte das staatliche Recht auf Regulierung in manchen Fällen auch gestärkt haben (Überblick über Entscheidungen in Investor-Staat-Schiedsverfahren z. B. bei DOUGLAS 2009, m. w. N.;
Überblick über die Fälle unter deutscher Beteiligung
bei: International Investment Law Centre Cologne
2015), ist gerade diese Entscheidung häufig als
Präzedenzfall herangezogen worden (DOUGLAS
2006, S. 27 f.).
81.
Das Beispiel zeigt zudem das Spannungsfeld
der Interessen auf, die bei allen Entscheidungen berücksichtigt werden müssen. Auf der einen Seite steht
ein aus ökonomischer Sicht berechtigtes Interesse des
Investors, der sich auf staatliche Zusagen verlassen
können möchte. Auf der anderen Seite steht das Interesse einer demokratisch legitimierten Institution
(z. B. der Regierung), die politische Entscheidungen
auch revidieren können will. Die Frage, wie ein angemessener Ausgleich zwischen diesen Interessen
geschaffen werden kann, darf nicht einseitig zulasten
des staatlichen (und damit regelmäßig Gemeinwohl-)
Interesses entschieden werden. So ist es dem Investor
zum Beispiel zumutbar, dass er sich vergewissert, dass
die staatliche Institution, die ihm eine Zusage macht,
auch im Rahmen ihrer Zuständigkeit handelt und dass
die Zusage im Einklang mit dem nationalen Recht
steht.

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Moorburg – Schwächung des Umweltschutzes zugunsten des Investors?
82.
Der Vattenfall I-Fall, in dem es um die Genehmigung eines von Vattenfall in Hamburg-Moorburg
beantragten Kohlekraftwerks ging, verdeutlicht ein Problem der Schiedsgerichtsbarkeit: Das materielle
Investitionsschutzrecht erlaubt es Unternehmen unter Umständen, sich auf Zusagen zu berufen, auf die nach dem
nationalen Recht gar nicht vertraut werden darf.
In diesem Fall wandte sich das schwedische Unternehmen dagegen, dass die endgültige Genehmigung für ein in
Hamburg-Moorburg beantragtes Kohlekraftwerk unter zahlreichen Beschränkungen und Auflagen im Hinblick
auf die Entnahme und Wiedereinleitung von Wasser aus der Elbe zur Kühlung erteilt wurde. Damit wurde von
der Vattenfall erteilten Zulassung des vorzeitigen Beginns nach § 8a BImSchG abgewichen. Bei der Zulassung
des vorzeitigen Beginns handelt es sich (anders als der Wortlaut vermuten lässt) nicht um eine Art vorläufiger
Genehmigung. Nach § 8a Abs. 2 BImSchG kann die Zulassung jederzeit widerrufen werden, sie kann mit
Auflagen verbunden oder unter dem Vorbehalt nachträglicher Auflagen erteilt werden. In dem Bescheid war
außerdem ausdrücklich vermerkt, dass die Zulassung vorbehaltlich der – immer in einem gesonderten Verfahren
ergehenden – wasserrechtlichen Erlaubnis erteilt wurde. Im Hinblick auf die wasserrechtliche Bewertung der
Situation hätte der Bescheid daher beim Investor kein Vertrauen erwecken dürfen.
Das Unternehmen ging vor dem Verwaltungsgericht gegen die Genehmigung vor und rief zusätzlich ein
Schiedsgericht nach ICSID-Regeln auf der Grundlage der Energiecharta an (Vattenfall AB u. a. v. Federal
Republic of Germany, ICSID Case No. ARB/09/6). Vor dem Oberverwaltungsgericht Hamburg wurde ein nichtöffentlicher Vergleich geschlossen. Dieser nahm einen Teil der erteilten wasserrechtlichen Auflagen zurück. Das
ebenfalls nicht-öffentliche Schiedsgerichtsverfahren wurde dann unter Bezugnahme auf den Vergleich beendet.
Nach Auffassung von Beobachtern erhöhte das Schiedsgerichtsverfahren den Druck auf die Hamburger
Behörden, einem Vergleich zuzustimmen. Selbst wenn es aber bei dem Streit vor dem Schiedsgericht um
„legitime Erwartungen“ ging, so hätten solche nach dem deutschen Recht nicht bestanden. Der Fall offenbart
also, dass auch solche Zusagen von Investitionsschutz umfasst sein können, die nach dem nationalen Recht
problematisch waren.
2015 leitete die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland ein, weil sie die
wasserrechtliche Genehmigung wegen Verletzung der FFH-Richtlinie 92/43/EWG als einen Verstoß gegen das
Europarecht betrachtete. Die vorgesehene Entnahme und Wiedereinleitung von Kühlwasser kann nach
Auffassung der Kommission unter Schutz stehende Fischarten gefährden (KRAJEWSKI 2014c, S. 398 f.;
BERNASCONI-OSTERWALDER und HOFFMANN 2012, S. 4; VERHEYEN 2012; Freie und Hansestadt
Hamburg – Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt o. J.; Europäische Kommission 2015m).
83.
Der Kommissionsentwurf von Mitte September 2015 schlägt eine abgeschlossene Aufzählung von
Tatbeständen vor, die eine Verletzung der gerechten
und billigen Behandlung darstellen können. Dazu
zählt unter anderem die Rechtsverweigerung in
Gerichtsverfahren, offensichtliche Willkür, gezielte
Diskriminierung, sowie die missbräuchliche Behandlung von Investoren durch Zwang, Belästigung und
Nötigung (Abschn. 2 Art. 3 Abs. 3 des Vorschlags).
Ein solcher Ansatz wird für sinnvoll erachtet, um die
Klausel einzuengen und darauf hinzuwirken, dass sie
gemeinwohlorientierte Regulierungen nicht zu stark
hemmt (KRAJEWSKI 2014b, S. 12). Allerdings wird
auch darauf hingewiesen, dass in der Regel die gewählten Tatbestände weiterhin offen formuliert sind
und von Schiedsgerichten wiederum weit ausgelegt
werden können (SCHEPEL et al. 2014). Zudem bringen neue Rechtsbegriffe auch immer die Unsicherheit
mit sich, dass es keine bestehende Auslegung dazu
gibt. Im Hinblick auf staatliche Zusagen sieht Art. 7
des Vorschlags vor, dass schriftliche vertragliche
Zusagen einzuhalten sind, wenn diese rechtlich
bindend sind. Dies löst allerdings nicht das Problem
rechtswidrig zustande gekommener Zusagen oder
solcher, die gegen das nationale Recht verstoßen.

Vor allem hält auch der Kommissionsvorschlag an
dem diffusen Begriff der legitimen Erwartungen
(legitimate expectations) fest. Der Investitionsgerichtshof soll bei der Auslegung der abschließend
aufgeführten Tatbestände in seine Erwägungen einbeziehen, ob der Gaststaat dem ausländischen Investor
besondere Zusagen gemacht hat, die er ausschließlich
enttäuscht hat (Abschn. 2 Art. 3 Abs. 4 des Vorschlags, s. a. Europäische Kommission 2015h). Diese
Bestimmung würde jedoch den Haftungstatbestand
wieder ausweiten (s. Tz. 82). Der für das Bundeswirtschaftsministerium erarbeitete Modell-Investitionsschutzvertrag schlägt deshalb vor, auf den Begriff der
legitimen
Erwartungen
ganz
zu
verzichten
(KRAJEWSKI 2015a, S. 11).
Das Recht zu regulieren ist Ausdruck staatlicher Souveränität und völkerrechtlich selbstverständlich.
Gleichwohl dienen Investitionsschutzabkommen dazu,
eben dieses Recht zugunsten des Investors einzuschränken. Trotzdem kann als Novum gelten, dass die
Kommission in Abschn. 2 Art. 2 Abs. 1 des Vorschlags das Recht der Vertragsstaaten, ihre Gemeinwohlinteressen durch wirksame Regulierung zu erreichen, ausdrücklich festgeschrieben hat. Danach soll
TTIP so verstanden werden, dass die Vertragsparteien
den rechtlichen und regulatorischen Rahmen ändern
35

SRU-Stellungnahme Nr. 19

können, auch wenn dies die Investitionen eines Investors negativ betrifft. Die nicht abschließende Liste
der in Abschn. 2 Art. 2 Abs. 1 genannten Gemeinwohlgüter umfasst unter anderem öffentliche Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.
Soweit für die investitionsschutzrechtliche Bewertung
einer hoheitlichen Maßnahme der konkrete Inhalt
einer bestimmten Vorschrift des nationalen oder europäischen Rechts relevant ist, muss der Gerichtshof
sich außerdem ausschließlich auf die Auslegung der
nationalen und europäischen Gerichte stützen
(Abschn. 3 Art. 13 Abs. 2-4).
84.
Schon bevor ein Schiedsspruch ergeht, kann
er bereits faktisch Auswirkungen auf das Recht zu
regulieren haben. Ein Beispiel für eine solche Wirkung war die von der neuseeländischen Regierung
geplante „plain packaging regulation“. Diese sollte
vorschreiben, dass Tabakprodukte ohne Logos in
neutralen Verpackungen verkauft werden müssen. Die
neuseeländische Regierung stellte das In-Kraft-Treten
der Regulierung zurück, um abzuwarten, wie das anhängige Schiedsgerichtsverfahren zwischen Philip
Morris und Australien über eine vergleichbare Regelung ausfallen würde (HINDELANG 2014, S. 74).
Bereits durch drohende Investorenklagen kann zudem
auf die betroffenen Regierungen bzw. die EU indirekt
Druck ausgeübt werden, eine möglicherweise für ein
Schiedsverfahren anfällige Regulierungsentscheidung
oder einen Verwaltungsakt nicht zu erlassen. Auch
wenn es an empirischen Untersuchungen dieses
Phänomens mangelt (zumal sie naturgemäß schwer zu
erfassen sind), geht eine solche Wirkung nicht von
einer einzelnen Klausel in Investitionsschutzverträgen
aus. Sie wird vielmehr durch das Zusammenspiel
verschiedener Klauseln hervorgerufen, insbesondere
der Fair-and-equitabel-treatment-Klausel und der
Bestimmung über Enteignung sowie durch die Unvorhersehbarkeit der auf diesen Klauseln beruhenden
Schiedssprüche (umfassend TIETJE und BAETENS
2014).
4.1.2

Enteignung

85.
In allen Investitionsschutzverträgen finden
sich Klauseln über Enteignung, die bereits in zahlreichen Schiedsverfahren eine Rolle gespielt haben.
Unter Umweltschutzgesichtspunkten ist insbesondere
der Begriff der indirekten Enteignung problematisch,
weil er dahingehend ausgelegt worden ist, dass er auch
Änderungen des geltenden Rechts erfasst. Besonders
bedeutsam für den Investor ist daher die Stabilität des
Investitionsumfelds, zumal wenn dem Investor bestimmte Zusicherungen gemacht worden sind
(JOHNSON und VOLKOV 2013, S. 362; NEWCOMBE 2005). Zur Auslegung des Begriffs der
indirekten Enteignung sind der Umfang, die Dauer,
die Auswirkung und die Natur der Maßnahme herangezogen worden, aber auch die Verhältnismäßigkeit
der Maßnahme und ob sie einen legitimen Zweck
verfolgte (OECD 2004; GERSTETTER und MEYEROHLENDORF 2013).
36

86.
Die Europäische Kommission spezifiziert den
Enteignungsbegriff in einem Annex I des Vorschlags.
Art. 3 Abs. 3 des Annex führt aus, dass alle nichtdiskriminierenden Maßnahmen zum Schutz von Gemeinwohlinteressen wie dem Umweltschutz nicht vom
Enteignungsbegriff erfasst sein sollen. Nur wenn die
Auswirkungen einer Maßnahme so schwer sind, dass
die Maßnahme offensichtlich unverhältnismäßig
(manifestly excessive) zu sein scheint, kann ausnahmsweise auch die Einstufung einer nicht-diskriminierenden Maßnahme als Enteignung in Betracht
kommen. Der Annex I sieht zudem in Art. 2 und 3
eine Art Verhältnismäßigkeitsprüfung vor.

4.2

Prozedurale
Investitionsschutzregelungen

87.
Neben den materiellen Regelungen, die den
Inhalt einer Schiedsgerichtsentscheidung bestimmen,
sind unter Umweltgesichtspunkten auch die prozeduralen Aspekte von großer Bedeutung.
88.
Die bislang übliche Auswahl der Schiedsrichter und die Zusammensetzung der Schiedsgerichte
wird kritisiert (SMIT 2010; EBERHARDT und
OLIVET 2014; PUIG 2014). Da es sich bisher um Adhoc-Gerichte handelt, werden die Richter nur für die
Entscheidung des jeweiligen Falls berufen. Die
Schiedsgerichte bestehen traditionell aus drei Schiedsrichtern, von denen je einer von den Parteien und der
dritte von den beiden Vertragsparteien gemeinsam
ernannt werden. Die Schiedsrichter arbeiten nicht
hauptberuflich als Richter, sondern sind in der Regel
hochspezialisierte Fachleute im Investitionsschutzrecht. Es werden neben Professoren und ehemaligen
Regierungsbeamten oftmals Anwälte aus wenigen
großen Anwaltskanzleien als Schiedsrichter berufen,
die daneben regelmäßig auch Unternehmen in entsprechenden Verfahren vertreten. Dadurch können sie
Gefahr laufen, sich übermäßig mit den in Frage stehenden Wirtschaftsinteressen zu identifizieren (VAN
HARTEN 2014, S. 40 f.). Zudem haben sie unter
Umständen ein Interesse daran, dass Klagen zugunsten
der Investoren entschieden werden, weil damit die
Erhebung vergleichbarer Klagen angeregt wird und
sich damit weitere Fälle auftun (GAUKRODGER und
GORDON 2012, S. 47). Juristen, die sich lediglich mit
internationalem Investitionsschutzrecht beschäftigen,
haben regelmäßig keine Expertise hinsichtlich der
nationalen Gesetze, über die sie (implizit) urteilen
(BASEDOW 2015). International handelt es sich nur
um eine kleine Anzahl von Schiedsrichtern, die den
überwiegenden Teil der Verfahren entscheidet. Zwischen den Schiedsrichtern und den mit solchen Fällen
befassten Anwälten besteht eine erhebliche Überschneidung (PUIG 2014, S. 402). Eine Studie weist
nach, dass nur 15 Schiedsrichter 247 der 450 bis Ende
2011 bekannten Fälle (55 %) entschieden haben und
dass diese Personen sowohl als Schiedsrichter in
Schiedsverfahren als auch teilweise in anderen Fällen
als Anwälte für (die gleichen) Unternehmen tätig
waren oder sind (EBERHARDT und OLIVET 2014).

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

89.
Kritisiert wird auch die bisher mangelhafte
Beteiligung Dritter und der Öffentlichkeit und die
mangelnde Konsistenz der Rechtsprechung (vgl. dazu
HINDELANG 2014) sowie ihre fehlende Überprüfungsmöglichkeit. Fraglich ist, ob Verfahrensregeln
verhindern können, dass Schiedsgerichte missbräuchlich angerufen werden, obwohl die Voraussetzungen
für eine Klage eigentlich nicht bestehen. In prozeduraler Hinsicht sind somit unter Umweltgesichtspunkten verschiedene Aspekte relevant, die nachfolgend
diskutiert werden sollen. Gegen die Investitionsschiedsgerichtsbarkeit werden zudem erhebliche verfassungs- und europarechtliche Bedenken vorgebracht.
Diese haben STOLL et al. (2016) in einem Gutachten
für den SRU vertieft untersucht. Dazu gehört
insbesondere die Tatsache, dass inländische gegenüber
ausländischen Investoren durch den Abschluss eines
investitionsschutzrechtlichen Abkommens benachteiligt werden, weil sie keine zusätzlichen Rechtsschutzmöglichkeiten durch Schiedsgerichtsverfahren
haben (DOLZER und SCHREUER 2012, S. 44).
Damit verbunden ist die Frage, ob dies nach Art. 3
Abs. 1 Grundgesetz (GG) und Art. 81 AEUV bzw.
Art. 21 Abs. 2 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung darstellt. Dies bedarf der weiteren Diskussion. Anderer Auffassung – mit Verweis auf die
Klagemöglichkeit von EU-Unternehmen in den USA
ohne Entsprechung für US-Unternehmen (Reziprozität) – ist HOFFMEISTER (2015, S. 51).
4.2.1

Der Vorschlag der Europäischen
Kommission:
Ein ständiger Gerichtshof mit
Rechtsmittelinstanz

90.
In Reaktion auf die starke Kritik am bisherigen System der Schiedsgerichtsbarkeit hat die Europäische Kommission im September 2015 einen Vorschlag für einen ständigen europäisch-amerikanischen
Handelsgerichtshof veröffentlicht. Dieser Vorschlag
wurde zunächst innerhalb der EU diskutiert
(Europäische Kommission 2015b) und im November
2015 als EU-Position in die Verhandlungen mit den
USA eingebracht (erste Bewertungen: HOLTERHUS
2015; BDI 2015a; HINDELANG und WERNICKE
2015b).
Die Europäische Kommission schlägt darin ein ständiges Gericht mit zwei Instanzen vor, das ausschließlich für die aus TTIP entstehenden Streitigkeiten zuständig sein soll (vgl. dazu grundsätzlich
KRAJEWSKI 2014b). Dieses soll als dauerhaftes
bilaterales Gericht eingerichtet werden, das jedoch
nicht ständig tagen soll, sondern nur, wenn ein Fall
anhängig gemacht wird (vergleichbar dem Internationalen Seegerichtshof). Das sogenannte Tribunal of
First Instance soll erstinstanzlich zuständig sein. Eine
Rechtsmittelinstanz (Appeal Tribunal) kann Entscheidungen überprüfen.
91.
Durch TTIP wird mit der Investor-StaatSchiedsgerichtsbarkeit zunächst eine zusätzliche

Klagemöglichkeit für Unternehmen geschaffen. Ein
TTIP-Gerichtshof kann je nach seiner Rechtsprechungspraxis für Unternehmen oder Regierungen
vorteilhaft sein. Dies hängt, wie oben dargestellt, auch
von der Ausgestaltung der materiellen Investitionsschutzregelungen ab. Ein Vorteil für Unternehmen
und Staaten könnte die bessere Vorhersehbarkeit der
Entscheidungen sein, die aus den Entscheidungen
einer Berufungsinstanz sowie der Möglichkeit der
Vertragsparteien den Vertrag bindend auszulegen,
folgt. Allerdings bestehen für Unternehmen in den
USA und der EU aufgrund von existierenden Investitionsschutzverträgen, wie zum Beispiel der Energiecharta, weit vorteilhaftere Klagemöglichkeiten, die
nicht entfallen. Daher wird auch vertreten, die bilaterale Lösung müsste langfristig zu einem multilateralen
internationalen Investitionsgerichtshof weiterentwickelt werden (GRIEBEL 2014).
Der Kommissionsentwurf sieht vor, dass regierungsnahe oder als Anwalt in Investitionsschutzstreitigkeiten tätige Personen von der Ernennung zu Schiedsrichtern ausgeschlossen sein sollen (Abschn. 3 Art. 11
Abs. 1). Bestehen bleibt allerdings die Möglichkeit,
dass Schiedsrichter außerhalb von TTIP in anderen
Fällen berufen werden (vgl. HINDELANG und
WERNICKE 2015b). Das könnte dazu führen, dass
eine bestimmte Auslegung als „Quasi-Präzedenzfall“
in TTIP übernommen wird. Es entstünde damit die
Gefahr, dass sich eine Rechtsauslegung, die Gemeinwohlaspekte besser einbezieht, auch unter TTIP nicht
durchsetzen kann.
Die Richter sollen überdies nicht mehr durch die
Streitparteien benannt, sondern durch Rotation aus
einem bestehenden Pool ermittelt werden (Abschn. 3
Art. 9 Abs. 7, Art. 10 Abs. 9). In erster Linie soll damit dem Vorwurf begegnet werden, einige Schiedsrichter, die unter Umständen als Anwälte in anderen
Fällen auch Investoren vertreten, würden zugunsten
von Investoren entscheiden. Durch die Berufung für
eine feste Dauer von sechs Jahren (bzw. einmalig neun
Jahren für die Hälfte der Richter) und Bezahlung
könne zudem die Unabhängigkeit der Schiedsrichter
besser gewahrt werden (zu einzelnen Aspekten vgl.
HINDELANG und WERNICKE 2015a).
Der Vorschlag wirft allerdings berechtigte Fragen auf.
Fraglich ist, ob er sich gegenüber den USA durchsetzen lässt, wie das Verhältnis zur ISDS in anderen
Investitionsschutzabkommen zu gestalten ist (z. B.
Energiecharta und CETA) und ob die bestehenden
1.400 bilateralen Investitionsschutzabkommen entsprechend angeglichen werden können (s. CARTA
2015).
92.
Mit dem Vorschlag der Kommission für eine
Rechtsmittelinstanz (Appeal Tribunal) wird vor allem
die Kritik aufgegriffen, dass es für einmal getroffene
Schiedsgerichtsentscheidungen in Investor-StaatSchiedsverfahren üblicherweise keine grundsätzliche
Korrekturmöglichkeiten gibt. Zwar stellt ICSID ein
Annullierungsverfahren für Entscheidungen vor
(Art. 52 ICSID-Konvention), dieses steht aber nur bei
37

SRU-Stellungnahme Nr. 19

extrem fehlerhaften Entscheidungen zur Verfügung.
Vorbild für eine solche zweite Instanz ist der
Appellate Body der WTO. Dieser stellt eine weithin
akzeptierte Institution dar, die nach Auffassung von
Experten maßgeblich zur Einheitlichkeit der Auslegung des WTO-Rechts beigetragen hat (STOLL und
SCHORKOPF 2006, Rn. 226; deutlich kritischer unter
Einbeziehung der Konstitutionalisierungsdiskussion:
von BOGDANDY 2002). Ein ständiges Gericht kann
zur Vorhersehbarkeit, gleichmäßigen Rechtsanwendung und Glaubwürdigkeit der Entscheidungen innerhalb eines Abkommens beitragen (HINDELANG
2014, S. 62). Das sechsköpfige Appeal Tribunal soll
ebenfalls mit unabhängigen Richtern auf Zeit besetzt
werden. Auch international wird die Idee einer Berufungsinstanz für Investor-Staat-Streitigkeiten bereits
seit einiger Zeit intensiv diskutiert (UNCTAD 2013b,
S. 8; ANDELIC 2015; LEGUM 2015; PARK 2015;
BOTTINI 2015; LEE 2015; STEGER 2012).

State 2012) waren, wurden doch Schiedsgerichtsverfahren weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt (MAUPIN 2013). Dies ist insbesondere dann problematisch, wenn in den Verfahren
Regulierungsmaßnahmen beurteilt werden, denen
Gemeinwohlinteressen zugrunde liegen (HAFNERBURTON et al. 2015; BASEDOW 2015). Exemplarisch zeigt sich dies am Vattenfall II-Fall, in dem
Vattenfall wegen des Atomausstiegs gegen die Bundesrepublik Deutschland klagt und in dem das gesamte Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit
stattfindet. International gibt es bereits einen Trend zu
mehr Transparenz in Schiedsgerichtsverfahren, zum
Beispiel hinsichtlich der Zulassung von Stellungnahmen dritter Personen, die nicht am Streit beteiligt
sind (sog. Amicus Curiae Briefs) (KNAHR 2007;
BASTIN 2014; zum Beitritt der Europäischen
Kommission als Amicus Curiae im genannten
Verfahren vgl. Deutscher Bundestag 2014b).

93.
Gegen eine Berufungsinstanz wird allerdings
eingewandt, dass einem solchen Gericht eine bedeutende Machtposition zukommen würde, die ein einzelnes Schiedsgericht nicht für sich beanspruchen kann.
So waren die Mitgliedstaaten der WTO über die
Wirkmächtigkeit überrascht, die die Berufungsinstanz
der WTO entwickelte (TIETJE 2015, S. 8).

94.
Der Kommissionsentwurf sieht die Möglichkeit vor, die Auslegung des Begriffs der billigen und
gerechten Behandlung für die Schiedsgerichte bindend
fortzuentwickeln (Abschn. 2 Art. 3 Abs. 3). Ein Unterausschuss soll seine Vorschläge für die Auslegung bei
einem Trade Committee einreichen, das empfehlen
kann, den Vertrag entsprechend zu ändern. Dies gibt
den Vertragsparteien die Möglichkeit, die Rechtsprechung der Schiedsgerichte und des Appeal
Tribunal zu korrigieren. Dies soll Entscheidungen
konsistenter und vorhersagbarer machen. Allerdings
bedeutet es nicht zwingend, dass sich damit die umweltfreundlichste Auslegung durchsetzen wird.

Nach dem Entwurf des Verhandlungstextes der Europäischen Kommission in Abschn. 3 Art. 18 sollen die
Transparency Rules der UN-Kommission für internationales Handelsrecht von 2014 in modifizierter
Form zum Vertragsbestandteil gemacht werden
(UNCITRAL 2014). Diese Regeln sehen gegenüber
der gegenwärtigen Praxis sehr weitgehende Transparenz der Verfahren vor. Alle wichtigen Verfahrensunterlagen sollen öffentlich gemacht werden (Art. 3
UNCITRAL-Regeln), Verhandlungen sollen öffentlich sein (Art. 4 und Art. 6 UNCITRAL-Regeln) und
Stellungnahmen dritter Personen, die nicht am Streit
beteiligt sind, sollen zugelassen werden können (Art. 5
UNCITRAL-Regeln). Die Europäische Kommission
will hinsichtlich der Veröffentlichung von Dokumenten sogar noch über die Regeln der UNCITRAL hinausgehen. Alle dem Appeal Tribunal vorgelegten
Dokumente, einschließlich einer Vereinbarung, eine
Mediation durchzuführen, sollen veröffentlicht werden. Auch die Zulassung von Stellungnahmen vor
Gericht von am Streitfall unbeteiligten Dritten sieht
der Kommissionsentwurf in Abschn. 3 Art. 23 vor
(sog. Amicus Curiae Briefs). Von der Öffentlichkeit
des Verfahrens kann das Schiedsgericht allerdings
Ausnahmen zulassen, wenn Geschäftsinformationen
geschützt werden sollen. Die UNCITRAL-Regeln
werden als die am weitesten gehenden Transparenzvorschriften bewertet, die im Investitionsschutzrecht existieren. Sie gehen deutlich über das
hinaus, was im deutschen Recht vor Gerichten zulässig und üblich ist. Ihre Einbeziehung in TTIP würde
deshalb das Investitionsschutzregime der EU erheblich
verbessern.

4.2.3

4.2.4

Die Vorteile eines institutionalisierten Gerichts sind
allerdings erheblich. Die bislang oftmals in Frage
stehende Unabhängigkeit der Richter in Schiedsgerichtsverfahren kann besser gewährleistet werden,
die Auslegung von Bestimmungen (von TTIP) kann
konsistent und kohärent erfolgen. Eine Berufungsinstanz kann fehlerhafte Entscheidungen korrigieren.
Gleichzeitig erhöht eine zweite Instanz den Druck auf
die Richter, eine Entscheidung zu fällen, die einer
Überprüfung stand hält.
4.2.2

Vertragsausschuss

Transparenz und Zivilgesellschaft

95.
Auch wenn die Regelungen in Investitionsschutzverträgen unterschiedlich ausgestaltet sind und
US-amerikanische Investitionsschutzverträge bereits
bislang deutlich transparenter als die deutschen bzw.
die der meisten EU-Mitgliedstaaten (vgl. MusterInvestitionsschutzvertrag unter U.S. Department of
38

Wahl des Rechtswegs und Kostentragung

96.
Anders als in anderen Bereichen des Völkerrechts ist im Investitionsschutzrecht die Erschöpfung
des nationalen Rechtswegs regelmäßig keine Voraussetzung für die Anrufung eines Schiedsgerichts
(HINDELANG 2014, S. 43; GODT 2014, S. 411).
Ebenso verhält es sich in dem Vertragsentwurf der
Kommission. Er sieht in Abschn. 3 Art. 14 vor, dass

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

der Investor, bevor er eine Klage vor dem Schiedsgericht erheben kann, entweder den nationalen
Rechtsweg zuvor ausgeschöpft oder aber auf sein
Recht auf Rechtsschutz vor nationalen Gerichten
dauerhaft verzichtet hat (sog. No-U-Turn-Klausel)
(HOLTERHUS 2015). Der Investor muss sich also
nicht für einen Rechtsweg entscheiden, sondern kann
auch noch beschließen, ein Schiedsgericht anzurufen,
wenn er vor dem nationalen Gericht gescheitert ist. Er
kann sich aber auch auf die Anrufung des TTIPGerichtshofs beschränken.
97.
Das Erfordernis der Rechtswegerschöpfung
hat Vor- und Nachteile. Nachteilig ist, dass, wenn der
Investor nach Ausschöpfung des nationalen Rechtswegs weiterklagt, dies zwangsläufig zur Folge hat,
dass das Schiedsgericht damit implizit auch das letztinstanzliche innerstaatliche Urteil überprüft. Es stellt
damit gleichsam eine völkerrechtliche Berufungsbzw. Revisionsinstanz dar (TIETJE 2015, S. 8 f.).
Damit kann es zu politisch brisanten Justizkonflikten
im Mehrebenensystem kommen.
Dass völkerrechtliche Entscheidungen grundsätzlich
eine solche Wirkung haben, ist aber zunächst nicht
ungewöhnlich und die Grundlage dafür, dass es Institutionen wie den Internationalen Gerichtshof, den
Internationalen Strafgerichtshof, den Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte oder den Seegerichtshof überhaupt gibt. Das Spannungsfeld zwischen dem deutschen und dem europäischen Recht
wird seit Jahren zwischen dem Bundesverfassungsgericht und dem Gerichtshof der EU thematisiert
(Solange I-, Solange II-, Maastricht- und LissabonUrteil).
Für das Erfordernis einer Rechtswegerschöpfungsklausel in TTIP spricht vor allem, dass es sich bei den
USA und der EU um rechtsstaatliche, hochentwickelte
Rechtssysteme handelt, die einen Schutz von Investitionen bereits vorsehen. Es ist dem Investor daher
zuzumuten, dass er sich zunächst auf den Schutz beschränkt, den ein innerstaatlicher Investor erhalten
würde. Für eine darüber hinausgehende Privilegierung
besteht nur dann ein Grund, wenn der innerstaatliche
Rechtsschutz ausnahmsweise unzureichend ist
(HINDELANG und WERNICKE 2015a).
Ko s te n tr a g u n g d ur c h d i e u n ter le ge n e P ar t ei
98.
Nach Abschn. 3 Art. 28 Abs. 4 S. 1 des Kommissionsentwurfs soll in TTIP-Verfahren zukünftig
die unterliegende Partei die Kosten tragen. Bislang
mussten in der überwiegenden Zahl der Fälle – wie im
allgemeinen Völkerrecht üblich – die Parteien ihre
Kosten selbst tragen, was nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für den beklagten Staat zu einer
erheblichen finanziellen Belastung führen kann. Die
dadurch drohende Kostenbelastung, unabhängig vom
Ausgang des Verfahrens, kann dazu beitragen, dass
staatlicherseits Anstrengungen unternommen werden,
ein Schiedsgerichtsverfahren durch Rücknahme von
Verwaltungsakten oder gesetzlichen Bestimmungen
zu vermeiden. Untersuchungen der OECD haben ge-

zeigt, dass die Kosten der Beteiligten in einem ISDSVerfahren durchschnittlich 8 Mio. USD betrugen,
wobei die Kosten einzelner Verfahren 30 Mio. USD
überstiegen. Von diesen Kosten entfielen durchschnittlich 82 % auf die Experten- und Anwaltskosten
(GAUKRODGER und GORDON 2012, S. 19). Die
Kommission will mit ihrem Entwurf damit das Risiko
verringern, dass aussichtslose Fälle vor ein Schiedsgericht gebracht werden, um damit gegen die beklagte
Seite Druck zu erzeugen. Die Wirkung einer solchen
Kostenverteilung auf die Regelungsautonomie von
Staaten
wird
allerdings
skeptisch
beurteilt
(KRAJEWSKI 2014b, S. 19).
4.2.5

Treaty Shopping

99.
Treaty Shopping bezeichnet den Tatbestand,
dass sich Unternehmen einen bestimmten Investitionsschutzvertrag aussuchen, um in den Genuss von günstigen materiellen bzw. prozeduralen Bestimmungen zu
kommen. Im Fokus steht die Klageerhebung über
Tochtergesellschaften des Unternehmens, die eigentlich gar nicht geschädigt sind, die aber in einem Land
residieren, das mit dem beklagten Land einen – oder
einen weitergehenden – Investitionsschutzvertrag mit
ISDS-Klausel abgeschlossen hat. Das kanadische Ölund Gasförderunternehmen Lone Pine nutzte zum
Beispiel den NAFTA-Vertrag gegen die eigene Regierung, die in Quebec ein Fracking-Moratorium erlassen
hatte,
für eine Klage
seiner US-Tochter
(NEWCOMBE 2015). Teilweise haben Unternehmen
eigens Tochterfirmen in bestimmten Ländern zu diesem Zweck benutzt. So ging das Unternehmen Philip
Morris über seine Niederlassung in Hongkong gegen
die australischen Plain-Packaging-Bestimmungen vor
(Australian Government – Attorney-General´s
Department 2015). Eine Analyse zahlreicher abgeschlossener Fälle ergab, dass Unternehmen ihr
Treaty Shopping oftmals erfolgreich vor dem angerufenen Schiedsgericht durchsetzen konnten (KLODT
und LANG 2015, S. 485). Um diesem Problem zu
begegnen, ist vor allem von Bedeutung, wie der Begriff des Investors definiert wird (vgl. die Definition
von „Investor“, die dem Kommissionsvorschlag
vorangestellt ist).
T r eat y S ho p p i n g u nd W elt h a nd el sr ec ht
100.
Aus der Umweltperspektive weist der Vorschlag der Kommission zu den ISDS-Regeln im
Vergleich zum bisher üblichen Investitionsschutzrecht
Verbesserungen auf. Umgekehrt würde der Vorschlag
für Unternehmen bedeuten, dass sie sich mit einer
Klage eher schlechter stellen würden, als unter einem
der bestehenden Investitionsschutzverträge (z. B. der
Energiecharta). Durch Treaty Shopping können die
Unternehmen diesem engeren Investitionsschutzrecht
ausweichen.
Diesem Problem lässt sich nicht allein durch die Ausgestaltung von TTIP begegnen, weil Investoren in der
Regel aus einer Vielzahl von Investitionsschutzverträgen „auswählen“ können. So sind gegenwärtig
39

SRU-Stellungnahme Nr. 19

in der EU 129 (überwiegend) bilaterale Investitionsschutzverträge in Kraft, von denen die Mehrzahl eine
ISDS-Regelung enthält (Stand 23. September 2015,
Überblick bei BMWi 2015b). Noch weitergehend
muss konstatiert werden, dass auch CETA Klagemöglichkeiten für Unternehmen eröffnet, wenn auch
eingeschränkt durch das nicht näher spezifizierte
Erfordernis der substantial business activity. Jedes
große US-Unternehmen, das eine Niederlassung in
Kanada besitzt, kann daher auch unter CETA klagen.

4.3

Zusammenfassung

101.
Die
Investor-Staat-Schiedsgerichtsbarkeit
stellt privaten Personen im Rahmen eines Investitionsschutzabkommens ein im Völkerrecht eher unübliches
Klageverfahren zur Verfügung, das ausländische gegenüber den inländischen Investoren privilegiert.
Investoren nutzten diese Klageverfahren in den letzten
15 Jahren zunehmend, um gegen Änderungen der
gesetzlichen Rahmenbedingungen durch nationale
Gesetzgeber vorzugehen. Dies betrifft auch Umweltregulierungen. Experten sind sich weitgehend darüber
einig, dass Schiedsgerichte bisher öffentliche Interessen nicht immer ausreichend einbezogen haben, wenn
sie Bestimmungen in Investitionsschutzverträgen
auszulegen hatten (HINDELANG 2014, S. 73 mit
umfangreichen Nachweisen).
Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommission in den Verhandlungen mit den USA einen
innovativen Vorschlag für einen TTIP-Gerichtshof
vorgelegt. Ein solcher Gerichtshof würde einen Teil
der Bedenken, die aus Gemeinwohlsicht gegen die
Investor-Staat-Schiedsgerichtsbarkeit
vorgebracht
werden, ausräumen. Er könnte darüber hinaus als
Vorbild für vergleichbare Abkommen dienen und
sollte insbesondere Eingang in das europäisch-kanadische Abkommen CETA finden. Ganz grundsätzlich
bleibt freilich die Frage bestehen, ob solche privaten
Schiedsgerichte zwischen rechtstaatlichen Industrienationen überhaupt erforderlich sind.

5

Empfehlungen für eine umweltgerechte Ausgestaltung von TTIP

102.
Seinem umweltpolitischen Auftrag gemäß hat
der SRU das geplante Transatlantische Trade and
Investment Partnership Abkommen (TTIP) aus Umweltsicht betrachtet. Er hat dabei die geplante regulatorische Kooperation und die Investor-Staat-Schiedsgerichtsbarkeit untersucht, soweit der Verhandlungsstand dies bereits erlaubte (Stand vom 31. Dezember
2015). Dabei hat er seinen Blick insbesondere auf die
Vorschläge der Europäischen Kommission gerichtet,
wohl wissend, dass diese nicht notwendig das endgültige Ergebnis der Verhandlungen wiedergeben. Die
nachfolgenden Empfehlungen beanspruchen deshalb
keinesfalls allen Fragen nachzugehen, die sich bei den
Verhandlungen eines Freihandelsabkommens stellen.

40

5.1

Empfehlungen im Hinblick
auf die regulatorische Kooperation

103.
Die regulatorische Kooperation in TTIP stellt
in der Tiefe, in der sie von der Europäischen Kommission in ihrem Entwurf vom Mai 2015 vorgeschlagen
wird, eine Neuheit dar. In der Öffentlichkeit hat dieser
Vorschlag Bedenken und Ängste hervorgerufen, die
teilweise überzogen, teilweise aber auch nicht von der
Hand zu weisen sind. Die Verhandlungspartner sollten
Einwände nicht leichtfertig übergehen, sondern die
Bedenken aufgreifen und ihnen durch ausgewogene
Regelungen entgegentreten.
Ge me i n wo h li n ter es se n
104.
Konkret empfiehlt der SRU im Hinblick auf
die Wahrung von Gemeinwohlinteressen bei der Ausgestaltung der Bestimmungen der Regulierungskooperation:
– Das Vorsorgeprinzip sollte in den Vertragstexten
explizit verankert und konkretisiert werden (zu
Möglichkeiten der Konkretisierung s. SRU 2011,
S. 49 ff.). Die im Vorschlag der Kommission zum
Regulierungskapitel vorgesehene allgemein formulierte Ausnahme, die Maßnahmen zum Schutz
bestimmter Gemeinwohlinteressen für zulässig erklärt, sollte dahingehend ausgestaltet werden, dass
Regulierungen, die auf dem Vorsorgeprinzip beruhen, als Schranken der Handelsliberalisierung bzw.
des Investorenschutzes gelten.
– Das Recht zu regulieren (right to regulate) sollte,
wie im Kommissionsentwurf vorgesehen, an geeigneter Stelle und nicht nur in der Präambel hervorgehoben werden.
– Die vom Kommissionsentwurf vorgesehene explizite Möglichkeit einer einseitigen Schutzverstärkung im Gemeinwohlinteresse im Kontext
der Harmonisierung und gegenseitigen Anerkennung sollte Eingang in den Vertragstext finden.
De mo kr a ti sc h e Le gi ti ma tio n
105.
Um sicherzustellen, dass die Regulierungskooperation ausreichend demokratisch legitimiert ist,
empfiehlt der SRU:
– Das Europäische Parlament sollte einer Ratifikation von TTIP nur unter der Bedingung zustimmen, dass wesentliche Maßnahmen der Regulierungszusammenarbeit, die in die Zuständigkeit der
EU fallen und für deren Umsetzung ein förmliches
Gesetzgebungsverfahren auf EU-Ebene vorgesehen ist, nicht allein von einem Beschluss im
Ministerrat, sondern auch von der Zustimmung des
Europäischen Parlamentes abhängig sind.
– Die Art und Weise der Gremientätigkeit der Europäischen Kommission in mitgliedstaatlichen Kompetenzbereichen der Regulierungszusammenarbeit
sollte durch eine gesonderte Vereinbarung
zwischen den EU-Institutionen und den Mitgliedstaaten ausdrücklich geregelt werden. Eine solche

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Vereinbarung sollte zum einen der geschlossenen
EU-Außenvertretung, zum anderen aber auch den
gerechtfertigten Interessen der Mitgliedstaaten hinreichend Rechnung tragen.
B ete il i g u n g d er Zi v il ge s ell sc h a ft
106.
Vor dem Hintergrund, dass TTIP die Regulierungskooperation zwischen den USA und der EU auf
eine neue Stufe stellen will, gewinnt die Beteiligung
der Zivilgesellschaft eine besondere Bedeutung. Der
SRU empfiehlt deshalb:
– Die Beteiligung der Zivilgesellschaft sollte sich
inhaltlich auf die gesamte Regulierungszusammenarbeit erstrecken und sich nicht von vornherein
auf das allgemeine Kapitel zur Regulierungskooperation beschränken. Für die Einbindung der
Zivilgesellschaft sollte deshalb auch in den Bereichen ein kontinuierlicher organisatorischer Rahmen geschaffen werden, in denen das noch nicht
vorgesehen ist. Ein regelmäßiger (nicht nur jährlicher) Austausch zwischen den Ausschüssen und
der Zivilgesellschaft sollte sichergestellt sein.
– Es sollte das Ziel einer ausgewogenen und repräsentativen Besetzung der zivilgesellschaftlichen
Gremien vorgegeben werden. Dabei sollten vertragliche Vorgaben die Begriffe „ausgewogen“
und „repräsentativ“ genauer bestimmen, zum Beispiel in Form von nicht-abschließenden Kriterien
oder Regelbeispielen. Eine abschließende Konkretisierung sollte vermieden werden, um Flexibilität
zu bewahren. Es sollte sichergestellt werden, dass
auch ressourcenschwache Akteure die Möglichkeit
haben, ihre Position hinreichend einzubringen.
Nac h ha lt i g ke it s kap it el
107.
In den letzten zwanzig Jahren sind
Nachhaltigkeitskapitel in neu verhandelte Freihandelsabkommen aufgenommen worden. TTIP sollte
deshalb die Gelegenheit nutzen, eine anspruchsvolle
Regelung zu schaffen. Der SRU empfiehlt deshalb im
Hinblick auf das Nachhaltigkeitskapitel:
– In dem Nachhaltigkeitskapitel sollten sich die
Parteien deutlich auf das Ziel hoher Schutzniveaus
verpflichten und sich nicht auf den Verweis auf
bestehende multilaterale und internationale Abkommen im Bereich Umwelt und Soziales beschränken.
– Die Durchsetzungsmöglichkeiten des Nachhaltigkeitskapitels sollten verbessert und seine Bestimmungen nicht vom allgemeinen Streitbeilegungsmechanismus ausgeschlossen werden. Zudem
sollte die Möglichkeit bestehen, bei der Verletzung
des Nachhaltigkeitskapitels, wie in US-Abkommen
üblich, Handelssanktionen zu verhängen.

5.2

Empfehlungen im Hinblick
auf den Investitionsschutz und ISDS

108.
Der Vorschlag der Europäischen Kommission zum Investitionsschutz ist innovativ und in
weiten Teilen zu begrüßen. Vor allem die Präzisierung
des materiellen Investitionsschutzes, um das Recht auf
Regulierung wirksam zu verankern, ist sinnvoll. Mit
dem Vorschlag eines TTIP-Gerichtshofs mit Rechtsmittelinstanz betritt die Europäische Kommission
tatsächlich Neuland. Erweist sich der Kommissionsvorschlag als nicht durchsetzbar, so entspräche der
vollständige Verzicht auf eine Investor-Staat-Schiedsgerichtsbarkeit in TTIP dem Mandat des Europäischen
Rates. Dieser hat die Einbeziehung des Investitionsschutzes und der Streitbeilegung zwischen Investor
und Staat ausdrücklich davon abhängig gemacht, dass
die Bestimmungen des Abkommens sicherstellen, dass
das Recht der EU und der Mitgliedstaaten unberührt
bleibt, Maßnahmen zugunsten (u. a.) der Umwelt zu
ergreifen (Rat der Europäischen Union 2013, Abs. 22
und 23).
Mat er ie ll e I n ve s ti tio n s s ch u tzr e gel u n g e n
109.
Auch wenn die Verfahrensaspekte –
insbesondere der Vorschlag für einen Investitionsgerichtshof mit Berufungsinstanz – für TTIP von
großer Bedeutung sind, bleiben die materiellen Investitionsschutzregelungen maßgeblich für die Entscheidungen, die zukünftig von einem solchen Gericht
getroffen werden. Der SRU empfiehlt im Hinblick auf
die materiellen Investitionsschutzregelungen deshalb:
– Der Vorschlag der Kommission zur gerechten und
billigen Behandlung von Investoren ist sehr differenziert. Auch der Enteignungsbegriff und das
Recht auf Regulierung sind in dem Entwurf sehr
umfangreich und anspruchsvoll ausgestaltet. Der
Begriff der legitimen Erwartungen sollte aber dahingehend präzisiert werden, dass der Investor sich
nur auf solche Zusagen verlassen können darf, die
auch im nationalen Recht des Staates, in dem
investiert wird, rechtlich bindend vorgesehen sind.
P r o zed u r al e I n ve st it io n s sc h u tzr e g el u n ge n
110.
Ein ständiger TTIP-Gerichtshof und ein Berufungsgericht vergleichbar der WTO-Streitbeilegung
stellen eine weitreichende Neuerung dar, die der SRU
begrüßt. Seine Entwicklung sollte konstruktiv begleitet werden. Der SRU empfiehlt darüber hinaus:
– Wenngleich dies nach dem Vorbild der WTO nicht
zwingend erscheint, sprechen doch aus rechtsstaatlicher Perspektive gute Gründe dafür, dass –
anders als von der Europäischen Kommission vorgesehen – der Zugang zum TTIP-Gerichtshof erst
eröffnet sein sollte, wenn der jeweilige nationale
Rechtsweg erschöpft ist.
– Erweist sich ein ständiges TTIP-Gericht als politisch nicht durchsetzbar, sollte der Bereich des
Investitionsschutzes aus TTIP ausgeklammert
werden. Denn insoweit ist schon in grundsätzlicher
41

SRU-Stellungnahme Nr. 19

Hinsicht fraglich, ob eine, den privaten ausländischen Investor gegenüber inländischen Unternehmen privilegierende Investor-Staat-Schiedsgerichtsbarkeit hier überhaupt notwendig ist. Denn
es handelt sich bei der EU und den USA um demokratische Verfassungsstaaten, die zugleich der
Herrschaft des Rechts verpflichtet sind und – wirtschaftlich betrachtet – kapitalexportierende Industrienationen darstellen.

6

Ausblick: Politische Perspektive
von TTIP entfalten

111.
TTIP stellt das erste Abkommen dar, bei dem
die EU mit einem in wirtschaftlicher Hinsicht gleichgewichtigen Partner verhandelt. Die EU drängt schon
länger auf eine stärkere transatlantische Integration.
Wirtschaftspolitisch steht dahinter der europäische
Wille, global wettbewerbsfähig zu bleiben. TTIP muss
daher auch im Kontext der globalen Liberalisierungsbemühungen vor allem im Asien-Pazifik-Raum gesehen werden (SCHMUCKER 2014, S. 21 und 23).
Da die Zölle weltweit bereits weitgehend reduziert
worden sind, sind für die weitere Liberalisierung des
Handels die nicht-tarifären Maßnahmen in den Fokus
gerückt. Bei diesen handelt es sich oftmals um Anforderungen an Produkte und Dienstleistungen, die dem
Schutz von öffentlichen Interessen, also zum Beispiel
dem Schutz der Umwelt, der menschlichen Gesundheit oder des Verbrauchers dienen. In diesen Gemeinwohlbelangen kulminiert jedoch ein latentes
Spannungsverhältnis zwischen Freihandel und
(demokratischer) Gestaltungsfähigkeit der staatlichen
Gesetzgeber.
Spätestens seit der resignativen Rede des französischen Politologen und Diplomaten GUÉHENNO vom
„Ende der Demokratie“ (1996; s. a. die Beiträge in
BRUNKHORST 2009) ist das Spannungsverhältnis
zwischen Globalisierung und Demokratie ein Thema
(nicht
nur)
der
Demokratiedebatte.
Dieses
Spannungsverhältnis hat seinen Ursprung in der
Koppelung von Markt und Demokratie im Staat: Mit
der
auf
freiem
Wettbewerb
basierenden
Industriegesellschaft entwickelte sich der moderne
Staat mit seiner Fähigkeit, den im Markt konkurrierenden Unternehmen im Interesse des Gemeinwohls
Mindestbedingungen der sozial- und umweltverträglichen Produktion vorzuschreiben.
Jene historische Symbiose von marktwirtschaftlichem
Wettbewerb und staatlicher Regulierung war im Nationalstaat trotz aller Konflikte und Defizite grundsätzlich funktionsfähig, solange es gelang, die den Unternehmen auferlegten Anforderungen in gleicher Weise
gegenüber allen Konkurrenten im Markt durchzusetzen und damit den Wettbewerb einheitlich zu flankieren. Jedoch wurde und wird die Möglichkeit nationaler Maßnahmen zur Behebung von Konflikten und
Defiziten der Marktwirtschaft in dem Maße eingeschränkt, wie die ökonomischen Zusammenhänge sich
internationalisieren und miteinander verflechten. Die
42

damit einhergehende Entgrenzung des Staates führt
solchermaßen zu einem Spannungsverhältnis zwischen Markt und Demokratie.
In der EU ließ sich dieser Prozess wie in einem
Brennglas in besonderer Weise beobachten. Mit der
Öffnung der Grenzen für Waren, Dienstleistungen,
Kapital und Arbeitnehmer wurden individuelle Freiheitsgewinne, die mobile Individuen und Unternehmen begünstigen, geschaffen, ohne dass diese zunächst durch demokratische Gegenprozesse aufgefangen werden konnten. Denn die Entgrenzung
beschränkte die staatlichen Möglichkeiten zur ordnungspolitischen Flankierung des Marktes, etwa im
Bereich des Umwelt- und Verbraucherschutzes. Von
nationalen Parlamenten beschlossene Gesetze stehen
in der Folge als potenzielle Wettbewerbsverzerrung
„unter Generalverdacht“.
Hinzu kommt eine problematische Form des Regulierungswettbewerbs, die auch in globalisierten Märkten
auftritt: Wenn nationale Unternehmen im europäischen Binnenmarkt oder aber auch in einer (weniger
integrierten) Freihandelszone auf Konkurrenten treffen, die – zusätzlich zu vielfach niedrigeren Arbeitskosten – nicht den gleichen Produktions- oder Produktanforderungen unterworfen sind, können die im
nationalen Markt (unter gleichen Wettbewerbsbedingungen) noch verkraftbaren Belastungen zum
existenzbedrohenden Wettbewerbsnachteil werden
(SCHARPF 1989, S. 13 ff. m. w. N.).
Vor allem Vorrang und Sperrwirkung des Rechts der
EU erzeugen im Verbund mit den zugunsten der
Bürger unmittelbar anwendbaren Marktfreiheiten eine
Dynamik, im Zuge derer der nationale Gesetzgeber
die heimischen Produzenten nicht mehr ohne Weiteres
vor dem Wettbewerb ausländischer Anbieter schützen
kann.
SCHARPF (1989, S. 16 m. w. N.) beschrieb dies als
einen Zustand, den „[...] man je nach Standpunkt entweder als neoliberalen Wunschtraum oder als ordnungspolitischen Alptraum charakterisieren könnte:
Die ungehinderte Konkurrenz zwischen den Unternehmen zieht dann einen Wettbewerb der Standortbedingungen der Produktion und somit auch zwischen
den dort jeweils geltenden Ordnungssystemen nach
sich, bei dem am Ende der Markt und nicht mehr die
Politik darüber entscheidet, welche Regelungen
durchgesetzt bzw. weiter durchgehalten werden
können.“
Bereits auf europäischer Ebene, zwischen den Mitgliedstaaten der EU, können die national gewählten
Lösungen zwischen den Ländern aus historischen,
sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gründen
erheblich voneinander abweichen. Will man darüber
hinaus den Welthandel weiter liberalisieren, dann geht
es auch darum, mit der weitaus größeren Heterogenität
in der Staatengemeinschaft umzugehen. Dabei handelt
es sich um eine inhärent politische Fragestellung.
112.
Demgegenüber ist das Welthandelsrecht stark
auf eine entpolitisierte Liberalisierung des Handels

Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

ausgerichtet. Eine systematische Einbeziehung und
Angleichung von Schutzpolitiken ist darin nicht vorgesehen. Für eine entsprechende Gesetzgebung fehlt
es beispielsweise im WTO-Übereinkommen oder in
einem der anderen Abkommen an einer Ermächtigung
(von BOGDANDY 2002). Zudem besteht keine
demokratische Legitimation von Institutionen des
Welthandels (wie der WTO) für eine solche Aufgabe
(KRAJEWSKI 2001). Auch die bestehenden handelsrechtlichen Vorgaben – insbesondere im SPS- und
TBT-Abkommen – erlauben es nur in begrenztem
Umfang, Schutzinteressen
zu berücksichtigen
(Abschn. 3.5). Die internationalen Organisationen, die
sich wie die WHO mit dem Schutz von Gesundheits-,
Verbraucher- und Umweltinteressen beschäftigen,
haben wiederum keine Kompetenzen im Hinblick auf
den Handel (vgl. zu der Diskussion um democratic
global governance: ZENGERLING 2013, S. 11 ff. und
327 ff. m. w. N.).
Dieser Befund lässt sich auch auf TTIP übertragen:
Als Freihandelsabkommen ist TTIP darauf ausgelegt,
Regulierungsfragen primär unter dem Gesichtspunkt
der Erleichterung des Handels zu betrachten, nicht
aber mit Blick auf die damit verfolgten Schutzzwecke.
Zudem lässt TTIP eine Verengung zugunsten einer
sogenannten wissensbasierten, auf Kosten-NutzenAspekte fokussierten Betrachtung befürchten, die vorsorgeorientierte Schutzansätze eher zurückstellt. In der
globalisierten Wirtschaft, die durch Freihandelszonen
und -verträge sowie Investitionsschutzabkommen
zunehmend verrechtlichte Ansprüche auf den freien
Marktzugang aufweist, wiederholt sich das für die EU
skizzierte und dort Schritt für Schritt im Laufe der Zeit
gelöste Spannungsverhältnis zwischen Markt und
Staat. Hier wuchs die Erkenntnis, dass der Wettbewerb von Normen im Bereich der technischen Standards und Verfahren im Wege der gegenseitigen Anerkennung bei entsprechender Verbraucherinformation
noch einen vertretbaren Weg zur indirekten Vereinheitlichung darstellen kann. Dieser wird aber schon im
Bereich der produktbezogenen Gesundheits-, der
Umwelt- und Verbraucherschutznormen fragwürdig
und droht gegenüber den Schutzzwecken von
Umwelt- oder Arbeitssicherheitsnormen gänzlich zu
versagen. Denn der Markt ist zumindest im Hinblick
auf diese Schutzzwecke eher unsensibel, da sie sich
nicht auf das Produkt selbst, sondern ausschließlich
auf das Produktionsverfahren beziehen. In der Folge
birgt ein Wettbewerb der Systeme die Gefahr, dass die
teurere durch die kostengünstigere Norm verdrängt
wird. Die unterschiedliche „Sensibilität des Marktes“
(SCHARPF 1989, S. 17) erlaubt daher allenfalls teilweise einen Wettbewerb der Normen.

Vor diesem Hintergrund ergab sich für die EU aus der
wirtschaftlichen Integration zum Binnenmarkt ein
zentrales Regelungs- und Harmonisierungsbedürfnis
in den flankierenden Politikbereichen. Bestimmte
Aufgaben zur Sicherung des Gemeinwohls mussten
durch die EU geregelt werden. Damit der europäische
Binnenmarkt nicht an unterschiedlichen nationalen
Standards im Bereich des Umwelt-, Gesundheits- oder
Verbraucherschutzes scheiterte, war seine entsprechende Flankierung zwingend erforderlich. Diese
Politikbereiche wurden folgerichtig im Interesse des
durch sie definierten Gemeinwohls auf die europäische Ebene „hochgezont“ (zur Diskussion: JOERGES
1991). Der europäische Binnenmarkt war dementsprechend niemals ein Selbstzweck oder ein Vertragsziel, das gegenüber den anderen Zielen rechtlichen
Vorrang genießt. Die Ziele und Vorgaben des
Binnenmarktes sind im Sinne praktischer Konkordanz
mit den sonstigen, insbesondere den sozialen und
ökologischen Vertragszielen in Ausgleich zu bringen
(KAHL in: CALLIESS/RUFFERT, EUV/AEUV
2011, Art. 26 AEUV Rn. 30). Dies geschieht in einem
Gesetzgebungsprozess, in dem das von den Bürgern
direkt gewählte Europäische Parlament und der Rat
der Europäischen Union auf Initiative der Europäischen Kommission in einem demokratischen Verfahren unter Beteiligung von Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft entscheiden.
Auch im Rahmen von TTIP als Freihandelsabkommen, so lehrt uns die Erfahrung mit dem Binnenmarkt
der EU, werden Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutzinteressen nur dann gleichwertig neben
Handelsinteressen verwirklicht werden können, wenn
Schutzinteressen einen vergleichbaren Status genießen
und die in TTIP angelegten Harmonisierungsbestrebungen auch auf eine Angleichung von Schutzpolitiken auf einem hohen Schutzniveau ausgedehnt
werden. Im zunehmend entgrenzten Marktraum des
globalen Freihandels fehlt es aber an grenzüberschreitenden Mechanismen der Demokratie.
Wenn die EU das Spannungsverhältnis zwischen
Freihandel und Demokratie somit dahingehend beantwortet hat, dass sie sich für ein „Mehr“ an Demokratie
entschieden hat und dafür, den Markt politisch zu
flankieren, so ließe sich dies langfristig auch für TTIP
fordern: Einer ökonomischen Integration muss eine
den Markt flankierende politische Integration folgen.
In diesem Sinne sollte TTIP, vor allem dann, wenn
sich die regulatorische Kooperation vertiefen sollte,
um einen demokratisch legitimierten institutionellen
politischen Rahmen ergänzt werden, der geeignet ist,
die den Markt flankierenden Schutzpolitiken abzusichern und solchermaßen einem transatlantischen
„Markt ohne Staat“ entgegenzuwirken.

43

SRU-Stellungnahme Nr. 19

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Umwelt und Freihandel: TTIP umweltverträglich gestalten

Abkürzungsverzeichnis
AEUV

=

Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union

BDI

=

Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.

BImSchG

=

Bundes-Immissionsschutzgesetz

BIP

=

Bruttoinlandsprodukt

BIT

=

Bilateraler Investitionsschutzvertrag (Bilateral Investment Treaty)

BMUB

=

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

CEKennzeichnung

=

Mit der CE-Kennzeichnung erklärt der Hersteller, Inverkehrbringer oder EUBevollmächtigte gemäß EU-Verordnung Nr. 765/2008, dass das Produkt den geltenden
Anforderungen genügt, die in den Harmonisierungsrechtsvorschriften der Gemeinschaft
über ihre Anbringung festgelegt sind.

CEN

=

Europäisches Komitee für Normung (European Committee for Standardization)

CENELEC

=

Europäisches Komitee für elektrotechnische Normung (European Committee for
Electrotechnical Standardization)

CEPII

=

Centre d'Etudes Prospectives et d'Informations Internationales

CEPR

=

Centre for Economic Policy Research

CETA

=

Comprehensive Economic and Trade Agreement

CGE-Modelle

=

allgemeine Gleichgewichtsmodelle (Computable General Equilibrium)

CMR-Stoffe

=

krebserregende, erbgutverändernde und fortpflanzungsschädigende Stoffe

CPSC

=

US-amerikanische Verbraucherschutzbehörde (Consumer Product Safety Commission)

Dekra

=

Deutscher Kraftfahrzeug-Überwachungs-Verein

DIHK

=

Deutscher Industrie- und Handelskammertag

DIN

=

Deutsches Institut für Normung

EMRK

=

Europäische Menschenrechtskonvention

ETSI

=

Europäisches Institut für Telekommunikationsnormen (European Telecommunications
Standards Institute)

EU

=

Europäische Union

EuG

=

Gericht der Europäischen Union (vormals Gericht Erster Instanz)

FAO

=

Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen
(Food and Agriculture Organization of the United Nations)

Fn.

=

Fußnote

GATT

=

Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen (General Agreement on Tariffs and Trade)

GG

=

Grundgesetz

GVO

=

gentechnisch veränderte Organismen

ICSID

=

Internationales Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (International
Centre for Settlement of Investment Disputes)

IEC

=

Internationale Elektrotechnische Kommission (International Electrotechnical
Commission)

ISDS

=

Investor-Staat-Streitbeilegung (investor-state-dispute-settlement)

ISO

=

Internationale Organisation für Standardisierung (International Organization for
Standardization)

ITU

=

Internationale Fernmeldeunion (International Telecommunication Union)
55

SRU-Stellungnahme Nr. 19

NAFTA

=

Nordamerikanisches Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement)

NGO

=

Nichtregierungsorganisation (non-governmental organization)

NTM

=

nicht-tarifäre Maßnahmen (non-tariff measures)

OECD

=

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for
Economic Co-operation and Development)

OSHA

=

US-Behörde für Arbeitsplatzsicherheit (Occupational Safety & Health administration)

PBT-Stoffe

=

persistente, bioakkumulierbare und toxische Stoffe

REACH

=

Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals

REFIT

=

Regulatory Fitness and Performance Programme

SPS-Abkommen

=

WTO-Abkommen über sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen

SRU

=

Sachverständigenrat für Umweltfragen

TBTÜbereinkommen

=

Übereinkommen über technische Handelshemmnisse

TEC

=

Transatlantischer Wirtschaftsrat (Transatlantic Economic Council)

TPP

=

Transpazifische Handelspartnerschaft (Trans-Pacific Partnership)

TSCA

=

US-amerikanisches Chemikalienrecht (Toxic Substances Control Act der USA)

TTIP

=

Transatlantisches Freihandelsabkommen (Transatlantic Trade and Investment
Partnership)

TÜV

=

Technischer Überwachungsverein

Tz.

=

Textziffer

UBA

=

Umweltbundesamt

UNCITRAL

=

Kommission der Vereinten Nationen für internationales Handelsrecht (United Nations
Commission on International Trade Law)

UNECE

=

Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (United Nations Economic
Commission for Europe)

USD

=

US-Dollar

US-EPA

=

US-amerikanische Umweltbehörde (Environmental Protection Agency)

USTR

=

US Handelsbeauftragter (United States Trade Representative)

WHO

=

Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization)

WTO

=

Welthandelsorganisation (World Trade Organization)

ZdH

=

Zentralverband des Deutschen Handwerks

56

Mitglieder
Sachverständigenrat für Umweltfragen
Stand: Februar 2016

Prof. Dr. Martin Faulstich
(Vorsitzender)

Professor für Umwelt- und Energietechnik
an der Technischen Universität Clausthal und
Geschäftsführer des CUTEC Instituts

Prof. Dr. Karin Holm-Müller
(stellvertretende Vorsitzende)

Professorin für Ressourcen- und Umweltökonomik
an der landwirtschaftlichen Fakultät
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Prof. Dr. Harald Bradke

Leiter des Competence Centers Energietechnologien und
Energiesysteme im Fraunhofer-Institut für System- und
Innovationsforschung ISI in Karlsruhe

Umwelt und Freihandel:
TTIP umweltverträglich gestalten

Prof. Dr. Christian Calliess

Professor für öffentliches Recht und Europarecht
am Fachbereich Rechtswissenschaft
der Freien Universität Berlin

Prof. Dr. Heidi Foth
Professorin für Umwelttoxikologie und
Direktorin des Instituts für Umwelttoxikologie
der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Prof. Dr. Manfred Niekisch

Professor für Internationalen Naturschutz
an der Goethe-Universität Frankfurt und
Direktor des Frankfurter Zoos

Prof. Dr. Miranda Schreurs

Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft und
Leiterin des Forschungszentrums für Umweltpolitik
an der Freien Universität Berlin

Stellungnahme

Sachverständigenrat für Umweltfragen
Geschäftsstelle
Luisenstraße 46
10117 Berlin

Telefon: (030) 26 36 96-0
E-Mail: info@umweltrat.de
Internet: www.umweltrat.de

Diese Stellungnahme ist im Internet abrufbar oder über die Geschäftsstelle
zu beziehen. © SRU 2016
ISSN 1612-2968

Dezember 2015

Nr.

NV

ISSN 1612-2968
        
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