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Full text: Handbuch Auf- und Ausbau der Marzahn-Hellersdorfer Präventionskette / Möllmann-Bardak, Andrea

Handbuch
Auf- und Ausbau der
Marzahn-Hellersdorfer
Präventionskette

Handbuch
Auf- und Ausbau der Marzahn-Hellersdorfer
Präventionskette

IMPRESSUM
Herausgeber

Redaktion

Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V.
Friedrichstraße 231, 10969 Berlin
Tel. (030) 44319060

Dagmar Lettner
Danielle Dobberstein
Lisa Rösch
Maren Janella
Myriam Gerullis
Ruta Bagotyriute
V.i.S.d.P. Andrea Möllmann-Bardak

www.gesundheitbb.de

1

Stand: 9.10.2014

Inhalt

Grußwort	

3

1.	 „Gesundes Aufwachsen“, was ist das?	

5

2.	 Wie ist die Ausgangssituation in Marzahn-Hellersdorf?	

7

3.	 Den Herausforderungen begegnen: Präventionskette als Strategie	

8

	 3.1 Was bedeutet Präventionskette?	

8

	 3.2 Was bringt es? Nutzen und Wirksamkeit der Präventionskette	

10

	 3.3 Wo wollen wir hin? Ziele der Präventionskette	

11

	 3.4 Anknüpfen an bestehende Strukturen	

12

	 3.5 Bausteine der Präventionskette	

12

4.	Umsetzung konkret! Präventionsketten zielgerichtet und
qualitätsorientiert ausbauen	

15

	 4.1 Bestandsaufnahme: Wie erheben wir Bedarfe und Ressourcen?	

15

	 4.2 Zielsetzung und Maßnahmenplanung: Wer wird beteiligt und wie arbeiten wir
zielorientiert?	

17

	 4.3 Durchführung und Umsetzung: Wie bringen wir gemeinsam
Prozesse auf den Weg?	

19

	 4.4 Auswertung und Evaluation: Wie überprüfen wir unsere Arbeit?	

19

	 4.5 Verstetigung: Wie gelingt die nachhaltige Verankerung?	

21

5.	 Koordination der Präventionskette	

21

Literatur	

22

2

n  Grußwort
Im Mittelpunkt des Handelns aller Akteurinnen und Akteure stehen die Menschen in ihrem
Bezirk Marzahn-Hellersdorf – so wird es im Rahmen des „Strategiepapiers Marzahn-Hellersdorf
– Politische Schwerpunkte 2012-2016“ dargestellt. „Marzahn-Hellersdorf soll bis 2020 ein noch
attraktiverer und weiter wachsender Bezirk werden. Hier sollen Menschen gern leben und arbeiten können und in einem energie- und klimabewussten Umfeld aufwachsen können. (…) Bürgerinnen und Bürger sollen den öffentlichen Raum als ihren Raum begreifen und die Vorteile des
Bezirks selbstbewusst nach außen vertreten können, denn sie sind die besten Botschafterinnen
und Botschafter des Bezirks. Dazu müssen Bezirkspolitik und Verwaltung die Voraussetzungen
schaffen“ (Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin, 2012a, S.1). Mit dieser Vision und dem
Blick auf die hier lebenden Menschen ist auch die Kernidee der Präventionskette verbunden,
die Familie und die gute Entwicklung der Kinder in den Mittelpunkt aller Aktivitäten stellt. Damit
wird aus der Sicht der im Bezirk lebenden Familien auf die bezirklichen Strukturen und Angebote geschaut und die Orientierung an ihren Ressourcen und Bedarfen zum zentralen Prüfkriterium des Handelns gemacht.

Herausforderungen in Marzahn-Hellersdorf
n	umfassender demographischer Wandel der Bevölkerung mit einer hohen Zahl an Familien
mit Kindern unter 6 Jahren und gleichzeitigem Anstieg der Zahl in der älteren Generation
(>65 Jahre)
n	hoher Anteil von Alleinerziehenden und von Familien mit mehr als zwei Kindern,
n	verstärkter Zuzug von Familien,
n	hoher Anteil an Menschen mit Transferleistungsbezug,
n	hohe Arbeitslosigkeit und damit häufig verbunden multiple Vermittlungshemmnisse
Marzahn-Hellersdorf steht damit vor anspruchsvolleren Herausforderungen als andere Berliner
Bezirke. Im Rahmen seiner politischen Schwerpunkte definiert der Bezirk vier strategische Politikfelder:
n	herausfordernder demographischer Wandel,
n	zukunftsfähiger Bildungsstandort,
n	innovativer Industrie- und Gesundheitsstandort,
n	dynamischer Stadt- und Lebensraum.
Vor dem Hintergrund komplexer Lebenslagen von Familien reicht es nicht aus, die Politikfelder getrennt voneinander zu betrachten und Probleme isoliert lösen zu wollen. Mehr denn je
ist ressortübergreifendes Arbeiten unerlässlich. Dieses wird im Bezirk an vielen Stellen bereits
praktiziert und spiegelt sich in zahlreichen existierenden Bündnissen und Netzwerken wieder.

3

Eine Präventionskette bietet die Chance, Klammer und Gesamtstrategie des Handels zu sein
und ist eine hilfreiche Maßnahme, um die Visionen der bezirklichen Akteurinnen und Akteure für
einen attraktiven und zukunftsfähigen Standort für die Familien und die Wirtschaft umzusetzen.
Die Strategie der Präventionskette ist die konsequente Fortsetzung von ressortübergreifendem
Handeln.
Mit dem Blick auf Familie hat, vor dem Hintergrund der mannigfaltigen Schnittstellen der Abteilungen Jugend, Familie und Gesundheit, die ressortübergreifende Zusammenarbeit Tradition im
Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf. Das Instrument der Präventionskette konnte an existierenden
Netzwerken und Kooperationen anknüpfen und hat diese, im Sinne einer integrierten kommunalen Strategie für ein gesundes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen sowie zur Unterstützung von Familien, weiterentwickelt. Mit dem Handbuch zum Auf- und Ausbau der MarzahnHellersdorfer Präventionskette liegt ein Leitfaden zur Orientierung vor, der im Modellvorhaben
„Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf“ und im Folgeprojekt „Gesund durchs Leben in
Marzahn-Hellersdorf“ entwickelt wurde. Das engagierte Miteinander von Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern unterschiedlicher Ressorts und Einrichtungen in kommunaler und freier Trägerschaft unter Regie von Gesundheit Berlin-Brandenburg hat dies ermöglicht. Allen Mitwirkenden
dafür unser herzliches Dankeschön!
Strategisches Ziel politischen und fachlichen Handelns ist die Ausdehnung auf alle Ressorts.
Dieser Prozess kann nur gemeinsam gelingen.

Dagmar Pohle	
Juliane Witt
Bezirksstadträtin für Gesundheit 	Bezirksstadträtin für Jugend und
und Soziales	
Familie, Weiterbildung und Kultur

4

„Jede lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt“
(chinesisches Sprichwort)
Im Rahmen von „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf – Modellvorhaben Präventionskette“ (Laufzeit September 2010 bis September 2013) und „Gesund durchs Leben in MarzahnHellersdorf“ (Laufzeit September 2013 bis Dezember 2014) hat Gesundheit Berlin-Brandenburg
gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus Marzahn-Hellersdorf den Aufbau einer bezirklichen Präventionskette für gesundes Aufwachsen begleitet. In diesem Handbuch wird erläutert, wie die Präventionskette weiter Eingang in die bezirklichen Strukturen finden, wie dabei
weiter an existierende Netzwerke, Kooperationen und Bündnisse angeknüpft werden kann und
Marzahn-Hellersdorf sich weiter als innovativer und für die Belange der Bürgerinnen und Bürger
offener Bezirk entwickeln kann.
Ziel des Handbuchs ist es, einen Überblick zu den Voraussetzungen, Chancen und Herausforderungen beim Ausbau der Präventionskette zu geben und dabei, unter Einbezug der konkreten
Bedingungen im Bezirk, die notwendigen, zum Teil bereits bestehenden Strukturen, Ansätze
und Schnittstellen zu benennen. Das Handbuch möchte dabei eine Arbeitshilfe sein, die als Diskussionsgrundlage herangezogen werden kann. Es dient der Orientierung und gibt Hilfestellung hinsichtlich der Bausteine, Strukturentwicklung sowie Prozessgestaltung beim Ausbau der
bezirklichen Präventionskette. Das Handbuch richtet sich an die Fachkräfte, die diesen Prozess
im Bezirk planen, koordinieren und steuern. Seine Form als flexibler Ordner unterstreicht, dass
mit ihm gearbeitet, darin ergänzt, daraus entnommen und aktualisiert werden kann.

n  1. „Gesundes Aufwachsen“, was ist das?
Gesundheit und eine gute Entwicklung, das wünschen sich alle Eltern für ihre Kinder – unabhängig von ihrer sozialen Lage. Die Grundsteine für ein gesundes Leben werden schon in den frühen Stadien der kindlichen Entwicklung gelegt. Unterstützende Angebote im direkten Umfeld der
Familie(n) nehmen dabei für die gesunde Entwicklung eine zentrale Stellung ein. Wenn Unterstützungsangebote, die Eltern in ihren Kompetenzen stärken, früh bzw. rechtzeitig greifen und wenn
gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen in der Kommune ausgebaut sind, haben Kinder und
Jugendliche besonders gute Chancen für ei­ne gute und gesunde Ent­wick­lung.

5

Gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen ausbauen bedeutet
n	die Ressourcen von Familien in den Fokus stellen,
n	allen Familien mit wertschätzender Haltung begegnen,
n	soziale Netzwerke unter Eltern stärken,
n	ressourcenorientierte und bedarfsgerechte Beratungs- und Unterstützungsangebote im
direkten Wohnumfeld als Regelangebote etablieren,
n	Zugänge zu diesen Unterstützungsangeboten für alle Familien ermöglichen,
n	gesunde Lebenswelten schaffen: Familienzentren, Kitas, Schulen, Stadtteile,
n	stabile Lebensumstände für Familien schaffen (finanzielle Sicherheit, Wohnung, Zugang zu
Versorgungsangeboten),
n	Familienorientierung bei Fachkräften, Trägern und Arbeitgebern zu etablieren.
Zur gesunden Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gehört es, die in jeder Altersstufe
anstehenden Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Mädchen und Jungen müssen spezifische
Kompetenzen erwerben, die zentral für ein Aufwachsen in Wohlbefinden sind (Weiß, 2010). Im
Rahmen der Präventionskette werden Angebote so geplant und umgesetzt, dass sie Kinder und
Jugendliche in allen Altersphasen bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben unterstützen
und so das gesunde Aufwachsen für alle Kinder und Jugendliche im Bezirk fördern.

Entwicklungsaufgaben von
Kindern und Jugendlichen

Aneignen und
Gestalten,
Beziehungen
eingehen und sich
bewähren

Sich entscheiden,
Intimität leben,
Verantwortung
übernehmen
Körper spüren,
Grenzen suchen,
Identität finden

Sprechen, Bewegen
und Achtsamkeit
Bindung und
Autonomie

Kinder unter
3 Jahren

Kinder von 3 bis
unter 6 Jahren

Kinder von 6 bis
unter 12 Jahren

Jugendliche von
12 bis 18 Jahren

Jugendliche von
18 bis 27 Jahren

Abb. 1: Entwicklungsaufgaben von Kindern und Jugendlichen (eigene Darstellung nach dem 13. Kinder- und
Jugendbericht 2009, S.35, 80)

6

n  2. Wie ist die Ausgangssituation in Marzahn-Hellersdorf?
Für Familien ist ein unterstützendes und gesundheitsförderliches Umfeld wichtig, vor allem für
Familien in belastenden Lebenslagen. Die schwierige sozioökonomische Lage vieler Familien,
die in Marzahn-Hellersdorf leben, macht den Bedarf an früh- bzw. rechtzeitig greifenden Unterstützungsangeboten deutlich: Marzahn-Hellersdorf gehört zu den Bezirken, die hinsichtlich
sozialer Rahmenbedingungen vor besonders große Herausforderungen gestellt sind. Vor allem
die soziale Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen ist deutlich stärker ausgeprägt als
im Berliner Durchschnitt. 41,2 % aller Kinder unter 15 Jahren wachsen in Familien auf, die Hartz
IV beziehen. Bei den unter 6-jährigen sind es sogar 45 % (Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von
Berlin, 2014).

Armutslagen als Risikofaktor für gesundes Aufwachsen
Kinder und Jugendliche sind in ihren Lebensbedingungen stark von der Lebenslage der Eltern
abhängig. Armut ist dabei der größte Risikofaktor für eine Entwicklung in Wohlergehen.
Je früher und je länger Kinder unter Armutsbedingungen aufwachsen, desto größer sind
die negativen Auswirkungen auf ihren Entwicklungsverlauf und auf ihre Zukunftschancen.
Die Ergebnisse einer Langzeitstudie der AWO und des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (AWO-ISS Studie) belegen diesen Sachverhalt eindrücklich (Laubstein, Holz, Dittmann &
Sthamer, 2012). In Marzahn-Hellersdorf leben viele Kinder und Jugendliche in Armutslagen und
sind damit überdurchschnittlich hohen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt (Kommunalpolitisches Forum, 2010).

Die Folgen in Zahlen
Die Folgen sozialer Belastung werden u.a. an Zahlen des Jugendamtes zu Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe für Familien deutlich:
n	Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 21 Jahren, die Hilfen zur Erziehung benötigen, liegt in Marzahn-Hellersdorf mit 5,1 % höher als in allen anderen Berliner Bezirken
(Bezirks­amt Marzahn-Hellersdorf von Berlin, 2014).
Die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchungen zeigen:
n	Etwa die Hälfte (49,8 %) aller Kinder in Marzahn-Hellersdorf weisen motorische, sprachliche, kognitive und/oder sozial-emotionale Entwicklungsstörungen auf.
n	Im Bereich Körperkoordination haben 18 % der Kinder in Marzahn-Hellersdorf auffällige
Befunde. Der Bezirk liegt mit diesem Ergebnis auf Platz eins, vor allen anderen Berliner
Bezirken (Berliner Durchschnitt 11 %).
n	Im Bereich der Visomotorik haben 24 % der Kinder auffällige Befunde (Berliner Durchschnitt 15 %) (Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin, 2012b).

7

Der größte Förderbedarf besteht im sprachlichen Bereich, das zeigt sich in den Sprachstandstests,
die in den Kitas durchgeführt werden:
n	21 % der Marzahn-Hellersdorfer Kinder haben einen Sprachförderbedarf (Berliner
Durchschnitt 17 %).
n	16,3 % der Kinder deutscher Herkunft haben einen Sprachförderbedarf. Das ist der höchste
Wert aller Berliner Bezirke (Berliner Durchschnitt 8,6%).
n	74,3 % der Kinder mit Migrationshintergrund haben einen Sprachförderbedarf (Berliner
Durchschnitt 34,4 %) (Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin, 2012b).
Für Akteurinnen und Akteure ist es oft frustrierend, dass trotz aller Anstrengungen und erfolgreicher Strategien, die bereits unternommen wurden und werden, nach wie vor dieser Handlungsbedarf besteht. Die Zahlen bedürfen daher auch der Einordnung in gesamtgesellschaftliche
Zusammenhänge, wie erhöhtem Siedlungsdruck aus den Innenstadtbereichen, etc.

n  3. Den Herausforderungen begegnen:
Präventionskette als Strategie
Um den Herausforderungen zu begegnen, braucht es gesamtstrategisches Denken und Handeln, es braucht eine integrierte kommunale Strategie für gesundes Aufwachsen zum Auf- und
Ausbaus einer Präventionskette.
Ziel der Präventionskette ist es, allen Marzahn-Hellersdorfer Kindern, Jugendlichen und Familien ein Aufwachsen in Wohlergehen, trotz Armutslagen zu ermöglichen. Vor dem Hintergrund
der herausfordernden sozialen Rahmenbedingungen von Familien in Marzahn-Hellersdorf und
ihren Ressourcen und Bedürfnissen geht es darum, im Bezirk nachhaltig kinder-, jugend- und
familienfreundliche Strukturen zu schaffen, die Kindern und Jugendlichen einen guten und
gesunden Start ins Leben ermöglichen und die sie in ihren Lebenskompetenzen stärken.
Wichtig zu betonen ist, dass es im Bezirk bereits eine Vielzahl von Ansätzen und Angeboten,
Netzwerkstrukturen und engagierten Akteurinnen und Akteuren gibt, an die im Zuge des Modellvorhabens angeknüpft werden konnte.

3.1 Was bedeutet Präventionskette?
„Der Begriff Präventionskette steht für eine Neuorientierung und Neustrukturierung der Hilfe­
systeme mit der Absicht, allen Kindern und Jugendlichen positive Lebens- und Teilhabebedingungen zu eröffnen“ (Holz, Schöttel & Berg, 2011, S.8). Mit dieser Neuorientierung und
Neustrukturierung wird ein umfassendes und tragfähiges Netz für Familien in ihrem direkten
Wohnumfeld geschaffen.

8

Leitgedanken der Präventionskette sind:
n  B
  isher voneinander getrennt erbrachte Leistungen und Angebote werden sinnvoll aufeinander abgestimmt, damit sie ineinandergreifen und sich gegenseitig ergänzen.
n   Alle relevanten Akteurinnen und Akteure aus den unterschiedlichen Bereichen werden einbezogen, nicht zuletzt die Familien, Kinder und Jugendlichen selbst.
n   Bestehende Netzwerke werden auf ihre (thematische und/oder zielgruppenspezifische)
Ausrichtung sowie ihren spezifischen Beitrag hinsichtlich der Präventionskette beleuchtet,
um zielgerichtetes Arbeiten zu ermöglichen.
Die folgende Abbildung illustriert die Merkmale der Präventionskette.

Prävention
statt Krisenintervention

Familienzentriert

Lebenslaufbezogen

Partizipativ

Lebensweltbzw.
Sozialraumorientiert

Ressourcenorientierung

Abb.2: Merkmale der Präventionskette (eigene Darstellung)

Eine Präventionskette ist auf Gesundheitsförderung und Prävention statt auf Krisenintervention fokussiert. Familien erhalten so früh bzw. rechtzeitig wie möglich Unterstützung, um familiäre Ressourcen zu stärken und Belastungen zu verringern. Das Unterstützungssystem reagiert
nicht erst, wenn bereits Schwierigkeiten aufgetreten sind.
Eine Präventionskette ist ressourcenorientiert: Die vorhandenen Ressourcen von Kindern,
Jugendlichen und ihren Familien stehen im Mittelpunkt. Ressourcenorientierung heißt außerdem, die vorhandenen strukturellen, personellen und finanziellen Ressourcen vor Ort zu nutzen,
um somit bestehende gute Ansätze und Angebote weiterzuentwickeln und parallele Strukturen
zu vermeiden (Holz, Schöttel & Berg, 2011).
Eine Präventionskette geht lebenslaufbezogen vor: Die jeweiligen Entwicklungsphasen von
Kindern und Jugendlichen und die Übergänge zwischen diesen Lebensphasen sind Ausgangspunkt. Die erfolgreiche Bewältigung der Übergänge trägt maßgeblich zur Entwicklung gesundheitlicher Ressourcen und zur Stärkung individueller und familiärer Kompetenzen bei. Ein nicht
gelingender bzw. ein mit Belastung und Überforderung einhergehender Übergang dagegen
kann zu einem Risikofaktor für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen werden (Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit, 2013b).

9

Eine Präventionskette ist familienzentriert angelegt: Die Perspektive von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien steht im Mittelpunkt. Ziel ist es, Fachkräfte für den systematischen
Blick auf die Ressourcen und Bedarfe der Familienmitglieder zu sensibilisieren und bestehende
Angebote, die präventiv und „Stärken stärkend“ wirken miteinander zu verzahnen.
Eine Präventionskette orientiert sich an der Lebenswelt bzw. am sozialräumlichen Kontext:
Angebote und Aktivitäten werden so geplant, dass sie den Bedingungen des Wohnumfeldes entsprechen. Kleinräumig erhobene Sozial-und Gesundheitsdaten geben Auskunft darüber, wo im
Bezirk wie viele Menschen unter besonderen Belastungen leben und wo Zugangsschwellen zu
Unterstützungsangeboten bestehen. Zu einer gelungenen Lebensweltorientierung gehört auch,
dass die vorhandenen Unterstützungsangebote niedrigschwellig sind, d.h. kostengünstig und
gut erreichbar im direkten Wohnumfeld liegen (Richter-Kornweitz & Utermark, 2013).
Eine Präventionskette geht partizipativ vor: Alle Akteurinnen und Akteure, einschließlich Eltern,
Bezugspersonen, Kinder und Jugendliche beteiligen sich an der Gestaltung von Angeboten. Partizipation und Empowerment zählen zu den wichtigsten Kriterien einer Neuorientierung und
Neustrukturierung kommunaler Strategien und sind Schlüsselgrößen für erfolgreiche Gesundheitsförderung und Prävention (SVR, 2007).

3.2 Was bringt es? Nutzen und Wirksamkeit der Präventionskette
Ohne Ressourcen geht es nicht
Der Auf- und Ausbau sowie die Koordination einer Präventionskette erfordern den Einsatz von
finanziellen, personellen, und zeitlichen Ressourcen – das ist unumstritten. Sie müssen aber
unbedingt in einem Verhältnis zum Nutzen gesehen werden, denn durch eine gute Koordination
können sinnvolle Kooperationen geknüpft, Ressourcen gebündelt und parallel arbeitende
Strukturen und Prozesse aufgedeckt und integriert werden. Voneinander wissen und miteinander
handeln ist ein erster Schritt, der bereits Synergien schafft.

Frühe Investitionen lohnen sich
Langzeitstudien aus den USA belegen einen positiven Effekt frühzeitiger Interventionen auf die
Entwicklungschancen von Kindern sowie auf Bildung und Gesundheit im weiteren Lebensverlauf. Investitionen rechnen sich dabei umso stärker, je früher sie im Lebensverlauf ansetzen
(Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit, 2013a). Für Deutschland gibt es
zwar noch keine Studien speziell zur Wirksamkeit von Präventionsketten, jedoch Untersuchungen, die die Wirksamkeit früher Unterstützungsangebote belegen. Eine Analyse des Nationalen
Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) zu Kosten und Nutzen der Investitionen in Frühe Hilfen zeigt, dass
eine frühzeitige Unterstützung von Familien Folgekosten einspart, die ohne diese Maßnahmen
zu erwarten gewesen wären (z.B. Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder medizinische Leistungen).
Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass jeder in Frühe Hilfen investierte Euro zwischen 13 und
34 Euro an Folgekosten einspart (NZFH, 2011).

10

Prävention ist eine kluge Investition
Wie hoch soziale Folgekosten aufgrund fehlender Unterstützungsangebote sein können, wird
auch an den Zahlen einer Berechnung der Prognos AG eindrücklich dargestellt. Die Studie
gibt einen Überblick zu den sozialen Folgekosten im Land Nordrhein-Westfalen und bilanziert
darüber hinaus, in welchem Umfang sich diese Ausgaben einsparen ließen, wenn präventive
Ansätze im Kindes- und Jugendbereich gestärkt werden würden. Das Ergebnis macht deutlich,
dass in der Altersgruppe der unter 25-jährigen im Jahr 2009 soziale Folgekosten in Höhe von
2,47 Mrd. Euro anfielen. Etwa die Hälfte dieser Kosten (1,146 Mrd. Euro) entsteht im Bereich der
Kinder- und Jugendhilfe. Darunter fallen Inobhutnahmen, stationäre Hilfen zur Erziehung, familienersetzende bzw. -ergänzende Maßnahmen und Heimunterbringung. Die sozialen Folgekosten
werden vom Bund, den Ländern, der Kommune und der Gesellschaft getragen. In der Kinderund Jugendhilfe trägt vor allem die Kommune eine beträchtliche Kostenlast. Die Untersuchung
macht weiter deutlich, dass es durch die Investition in präventive Unterstützungsangebote für
Kinder, Jugendliche und Familien im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ein mittelfristiges Einsparpotenzial von fast 2,5 Mrd. Euro jährlich gibt (Prognos AG, 2011).

Die Investition in den Auf- und Ausbau der Präventionskette zahlt sich
(vor allem) mittel- und langfristig aus
Das zeigt sich z. B. in der Stadt Monheim, die seit 2002 mit dem Modell „Mo.Ki.-Monheim für
Kinder“ am Aufbau einer Präventionskette arbeitet. Holz et al. (2011, S.11) schreiben über die
Erfolge in Monheim: „Prävention rechnet sich gesellschaftlich, sozial und finanziell“ und
benennen damit verschiedene Wirkungsdimensionen.
Erfolge zeigen sich auch in der Stadt Dormagen, die seit 2006 in den Aufbau einer kommunalen Präventionskette investiert.
n	Reduzierung der kostenintensiven stationären Hilfen um die Hälfte bei gleichzeitigem
Anstieg der ambulanten (günstigeren) Hilfen auf ein Verhältnis von 17 % zu 83 % (Durchschnitt NRW: 47 % stationär, 53 % ambulant).
n	starker Rückgang der Inobhutnahme von Kindern unter sechs Jahren und der Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen sowie der Sorgerechtsentzüge.
n	Einsparungen im Bereich der Hilfen zur Erziehung.
n	starke Steigerung der Teilnahme an Elternbildungsangeboten und Elternkompetenztrainings.
Der ehemalige Bürgermeister von Dormagen, Heinz Hilgers und der Präventionsbeauftragte
der Stadt, Uwe Sandvoss ziehen daraus den Schluss: „Wir können es uns nicht leisten, nicht
zu investieren!“ (o.D., S. 31).

3.3 Wo wollen wir hin? Ziele der Präventionskette
Die Präventionskette hat zum Ziel, Strukturen und Angebote im Bezirk so auszubauen, dass Kinder und Jugendliche bestmöglich in einem gesunden Aufwachsen unterstützt und Eltern in ihren
Erziehungskompetenzen gestärkt werden. Perspektivisch ist der Ausbau der Präventionskette
auf alle Lebensphasen bis zum Alter sinnvoll.

11

Ressourcen und Bedürfnisse von Familien stehen im Mittelpunkt
Beim Ausbau von Strukturen und Angeboten sind die Ressourcen und Bedürfnisse von Kindern,
1
Jugendlichen und ihren Familien Dreh- und Angelpunkt. In den Elternbefragungen , die im Rahmen des Modellvorhabens „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf“ durchgeführt worden
sind, wurde deutlich, wie Eltern ihre eigene Situation einschätzen und was Familien an Unterstützung und Begleitung aus ihrem Umfeld an stabilen und gesundheitsfördernden Lebensbedingungen brauchen. Neben familiärer Unterstützung und tragfähigen sozialen Netzwerken
ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Transparenz über und der Zugang zu
Unterstützungs-, Beratungs- und Freizeitangeboten von großer Bedeutung. Darunter fallen
insbesondere niedrigschwellige, wohnortnahe und kostengünstige Angebote zur Stärkung von
Elternkompetenzen. Desweiteren wünschen sich Eltern Informationen, die einheitlich von allen
Fachkräften gegeben werden, bzw. zentrale Anlaufstellen, die Informationen gebündelt zur Verfügung stellen. Ressourcen und Bedürfnisse von Familien in den Mittelpunkt zu stellen erfordert
von Fachkräften die Kompetenz einen Perspektivenwechsel zu vollziehen und daraus entsprechendes Handeln zu entwickeln.

3.4 Anknüpfen an bestehende Strukturen
Zu den oben beschriebenen Bedürfnissen gibt es im Bezirk Marzahn-Hellersdorf bereits eine
Vielzahl von gelingenden Ansätzen und Angeboten. Sie werden von unterschiedlichen Bereichen und verschiedenen Einrichtungen bereitgestellt. Nicht immer ist für Familien, aber auch
für Fachkräfte transparent (genug), wer wo welches Angebot bereit hält. Informationen über
Einrichtungen werden häufig zufällig gefunden und nicht als Folge gezielter Vermittlung aufgesucht. Nicht immer gelingt es, Familien passende Unterstützung anzubieten bzw. die Zugänge
für Familien, Kinder und Jugendliche niedrigschwellig zu gestalten.

Die Herausforderungen bestehen vor allem darin
n	mehr Transparenz zu schaffen über bestehende Angebote und Strukturen (für Fachkräfte
und für Familien), und diese sinnvoll aufeinander abzustimmen,
n	die vorhandenen Ressourcen (personell, zeitlich und finanziell) optimal zu nutzen,
n	koordiniert und zielorientiert sowie bereichs- und professionsübergreifend zusammenzuarbeiten,
n	Kinder, Jugendliche und Familien direkt und partizipativ an der Entwicklung und Gestaltung
von Angeboten zu beteiligen,
n	Zugänge zu Angeboten für Familie, Kinder und Jugendliche zu verbessern.

3.5 Bausteine der Präventionskette
Auf der Grundlage der Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Familien und in enger Zusammenarbeit mit den Fachkräften (im Rahmen von Steuerungsrunden, Werkstätten und Fachaustauschen) wurden im Rahmen des Modellvorhabens die bestehenden oder auszubauenden
1 Anfang 2011 (für die Phasen rund um die Geburt und Kita), Anfang 2012 (für die Phase Jugendliche), Ende 2013 (für die Phase
Übergang Grund­schule/Oberschule)

12

Strukturen und Angebote analysiert, strukturiert und daraus die Bausteine der Präventionskette
entwickelt. Diese Bausteine bilden das Gerüst der Präventionskette:
n	medizinische Versorgung
n	Einrichtungen mit integrierten Angeboten
n	einheitliche, bedarfsgerechte Informationen für Familien
n	Angebote zur Ressourcenstärkung von Eltern, Kindern, Jugendlichen (Komm- und Gehstrukturen)
n	gesunde Lebenswelten wie Stadtteil, Kita, Schule
n	Sicherung der Grundbedürfnisse (materielle Grundversorgung, Einkommen, dem Bedarf
angepasste Transferleistungen, Wohnraum, Ausstattung, Kleidung, Essen/ Ernährung,
sichere Nachbarschaft, …)
Das Schaubild zu den Bausteinen der Präventionskette fasst die Bausteine bezogen auf die
einzelnen Lebensphasen in einer kompakten Matrix zusammen. Im Rahmen einer integrierten
kommunalen Strategie für gesundes Aufwachsen zeigt es die notwendigen Strukturen und Qualitätsmerkmale von Einrichtungen und Angeboten auf, die (regelhaft) bereitzuhalten bzw. auszubauen sind. Es kann so Planungsgrundlage für die lebensphasenbezogene und sozialräumlich gegliederte Umsetzung der Präventionskette sein.
Im Anhang finden sich entsprechend ausgefüllte Schaubilder zu den jeweiligen Lebensphasen
und den Übergängen. Deutlich ist zu sehen, dass im Bezirk Marzahn-Hellersdorf viele Bausteine
bereits vorhanden, andere noch bereitzustellen/zu entwickeln sind. Es bietet sich also kein fertiger, statischer Rahmen – vielmehr erfordert es fortlaufende Koordination (vergleiche Kapitel
5, S. 21), immer wieder zu überprüfen, welche Bausteine benötigt werden: Haben sich Bedarfe
der Familien, Kinder und Jugendlichen geändert? Müssen neue Bausteine umgesetzt werden?
Was funktioniert gut, welche Lücken sind zu identifizieren? Welche Angebote müssen ausgebaut (ggfs. im Rahmen welcher Projekte), welche besser aufeinander abgestimmt werden? In
welche Richtung muss die Qualität von Angeboten weiterentwickelt werden?

Zur Arbeit mit den Schaubildern:
Es ist wünschenswert, dass das „Füllen“ der Schaubilder als lebendiger und fortlaufender
Prozess in Fachsteuerungen, (sozialräumlichen) Vernetzungsrunden, Einrichtungen, etc.
geführt werden kann. Der begleitende Fragenkatalog lässt ggf. die Bausteine deutlicher werden („Was verstehe ich unter Einrichtungen mit integrierten Angeboten?“), kann die Diskussion anregen und dazu beitragen, diesen Prozess konkreter werden zu lassen.

Arbeitsmaterialien im Anhang
n	Bausteine der Präventionskette
n	Bausteine der Präventionskette Phase rund um die Geburt
n	Bausteine der Präventionskette Phase Kita
n	Bausteine der Präventionskette Phase Grundschule
n	Bausteine der Präventionskette Phase Oberschule
n	Begleitende Fragen zu den Bausteinen der Präventionskette

13

Abb.3: Schaubild Bausteine der Präventionskette (eigene Darstellung) Stand: 5.5.2014

14

j

&

P
R
Ä
V
E
N
T
I
O
N

Sicherung der Grundbedürfnisse

gesunde Lebenswelten

3) Jugendlichen

2) Kindern

1) Eltern

Angebote zur
Ressourcen­stärkung von

einheitliche,
bedarfsgerechte Informationen

Einrichtungen ­
mit integrierten Angeboten

medizinische ­Versorgung

Qualitätserfordernisse/
Bausteine
Schwanger­
schaft
und Geburt

Übergang
in die
Familie

0 Jahre bis
Übergang
in die Kita

Kita

Übergang
Kita in
die Grund­
schule

Lebensphasen
Grund­
schule

Übergang
Grund­
schule in
die Oberschule

Oberschule-

Übergang
Oberschule
in den
Beruf

n  4. Umsetzung konkret! Präventionsketten zielgerichtet und
qualitätsorientiert ausbauen
Orientierung für zielgerichtetes, qualitätsorientiertes Arbeiten beim Ausbau der Präventionskette bietet der Public Health Action Cycle („Aktionszyklus“), in dem Bestandsaufnahme, Zielsetzung und Maßnahmenplanung, die Umsetzung der Maßnahmen, ihre Bewertung und die Verstetigung guter Ansätze systematisch aufeinander folgen.

Bestandsaufnahme

Zielsetzung,
Maßnahmenplanung

Verstetigung,
Sicherung neuer
Ideen

Durchführung und
Umsetzung der
Maßnahme(n)

Auswertung,
Evaluation

Abb. 4: Public Health Action Cycle (eigene Darstellung)

4.1 Bestandsaufnahme: Wie erheben wir Bedarfe, Bedürfnisse und
Ressourcen?
Eine umfassende und systematische Bestandsaufnahme stellt die Grundlage für die Planung
und Umsetzung von Maßnahmen im Rahmen der Präventionskette dar. In die Bestandsaufnahme einbezogen werden objektive Bedarfe aus Sicht von Fachkräften und subjektive Bedürfnisse der Zielgruppe(n).

15

Erhebung von objektiven Bedarfen
Bei der Erhebung von objektiven Bedarfen werden Daten zur Gesundheits- und Sozialbericht­
erstattung zusammengetragen, analysiert und bewertet. Auf dieser Grundlage können Prioritäten gesetzt und Handlungsbedarfe abgeleitet werden. Für Marzahn-Hellersdorf gibt es eine Vielfalt von Daten. Die Herausforderung besteht darin, sie zusammenzuführen, auszuwerten und
in einem fachübergreifenden Prozess zu diskutieren (Kommunalpolitisches Forum, 2010). Ein
gutes Instrument ist die Erstellung von Bezirksregionenprofilen. Sie schaffen eine einheitliche
und abgestimmte Informationsbasis und erleichtern das fachübergreifende, sozialraumorientierte Planen und Handeln im Bezirksamt. In die Bezirksregionenprofile werden folgende Daten
einbezogen:
n	demographische Struktur und Bevölkerungsentwicklung
n	soziale Situation (Beschäftigung, Transferleistungen)
n	Bildungssituation
n	gesundheitliche Situation
n	Wirtschafts- und Gewerbestruktur
n	Wohnsituation
n	soziale Infrastruktur
n	grüne Infrastruktur und öffentlicher Raum
n	Mobilität
n	Umwelt (Lärmbelastung, Luftbelastung)
n	Förderprogramme und Projekte
n	Partizipation: Strukturen der Akteursvernetzung und Bürgerbeteiligung
(Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, 2012)

Erhebung von subjektiven Bedürfnissen der Zielgruppe(n)
Neben den quantitativen Daten der Gesundheits- und Sozialberichterstattung werden die Sichtweisen der Zielgruppe(n) und der Fachkräfte in den Planungsprozess einbezogen. Voraussetzung dafür ist es, die Ressourcen der Zielgruppe(n) mittels partizipativer Prozesse zu erfahren.
Geeignete Methoden sind z. B. Fokusgruppengespräche oder Interviews. Ebenso das Wissen der
Fachkräfte muss partizipativ in den Planungs- und Umsetzungsprozess eingebunden werden.
Im Mittelpunkt steht die Frage von Fachkräften an die Familien(mitglieder): „Was braucht ihr,
damit...?“

16

Blitzlicht Partiziption
Die Beteiligung der Zielgruppe(n) ist ein entscheidendes Grundprinzip beim Ausbau von
Präventionsketten. Durch die aktive Einbindung von Familien in den Planungs- und Entscheidungsprozess wird an ihren Ressourcen angesetzt und durch die Möglichkeit sich einzubringen werden Kompetenzen und Selbstvertrauen gestärkt. Außerdem können Angebote dann
passgenau an Bedürfnissen ausgerichtet werden. Partizipation lohnt sich! Die Umsetzung
kann zu Beginn ungewohnt sein. Partizipative Prozesse erfordern neben Kenntnis geeigneter Methoden auch Erfahrung und den Mut, eigenes Handeln in Frage zu stellen. Aber es
kann bald wiederum ungewohnt erscheinen, ein Angebot „auf dem Papier“ zu entwickeln,
ohne vorher den genauen Bedarf der Zielgruppe zu kennen. Auf den Internetseiten der partizipativen Qualitätsentwicklung findet sich ein Methodenkoffer zu partizipativen Verfahren
(www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de).

Arbeitsmaterialien im Anhang
n	Bausteine der Präventionskette
n	Methodenbeschreibung Fokusgruppe
n	Leitfragen Fokusgruppe Phase Kita – als Anregung für eigene Fragestellungen
n	Interviewleitfragen Phase rund um die Geburt – als Anregung für eigene Fragestellungen

4.2 Zielsetzung und Maßnahmenplanung:
Wer wird beteiligt und wie arbeiten wir zielorientiert?
Nach der Bestandsaufnahme folgt die Zielsetzung und Maßnahmenplanung. Möglichst unter
Einbezug von allen relevanten Akteurinnen und Akteuren sowie unter Berücksichtigung der Ressourcen der Zielgruppe(n) werden gemeinsame Ziele formuliert und konkrete Strategien ent­
wickelt. Dafür eignen sich Werkstätten oder Auftaktworkshops, in deren Rahmen Ziele formuliert und Umsetzungsschritte festgelegt werden.

Wie werden Ziele formuliert?
Smart-Kriterien der Zielformulierung

Spezifisch 	
Messbar	
Akzeptiert	
Realistisch	
Terminiert	

Es ist klar, was genau bewirkt und erreicht werden soll.
Es ist festgelegt, wie die Zielerreichung überprüft werden soll.
Die Beteiligten sind mit der Vereinbarung des Ziels einverstanden.
Das Ziel ist erreichbar und nicht zu anspruchsvoll.
Es ist festgelegt, in welchem Zeitraum das Ziel erreicht werden soll.

17

Wer sind die relevanten Akteurinnen und Akteure und wie kommen
alle an einen Tisch?
Prävention ist eine gemeinsame Aufgabe, die in einem koordinierten Zusammenspiel aller tangierenden Politikbereiche stattfinden muss. Dann kann es gelingen, ein multiperspektivisches,
gesamtstrategisches Denken und Handeln und somit eine integrierte kommunale Gesamtstrategie zu entwickeln. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche ist sowohl auf bezirklicher
als auch auf lokaler Ebene wichtig für einen gelingenden Auf- und Ausbau der Präventionskette.

Abb. 5: Prävention als gemeinsame Aufgabe (eigene Darstellung)

Blitzlicht Netzwerkarbeit
In Marzahn-Hellersdorf gibt es bereits viele Netzwerke, die an Themen und Bausteinen der
Präventionskette arbeiten. Es ist eine Herausforderung, den Überblick über alle Netzwerke
und ihre beteiligten Akteurinnen und Akteure zu behalten. Aber dieser Überblick ist wichtig,
um parallel laufende Entwicklungen zu erkennen und um den Aufbau von Doppelstrukturen zu
vermeiden. Es ist Aufgabe der Koordination, sich diesen Überblick zu verschaffen, die Schnittstellen in den verschiedenen Netzwerken herauszustellen und das Thema Präventionskette
als Querschnittsthema zu verankern. Die einzelnen Netzwerke können dann (auch temporär!)
einzelne Arbeitsschwerpunkte bearbeiten, weiterentwickeln und reflektieren. Netzwerkarbeit im Sinne der Präventionskette ist ziel- und produktorientiert. Damit das gelingen kann,
muss genau überlegt werden, wer zu welchem Thema, zur Weiterentwicklung eines Produktes
oder zum Ausbau einer Struktur einbezogen werden muss. Eine Checkliste zu den im Bezirk
arbeitenden Netzwerken, Akteurinnen und Akteuren sowie zu Strukturen und Angeboten
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit) findet sich im Anhang. Sie soll in ihrer Komplexität nicht
abschrecken, sondern Anregungen bieten, mögliche Partnerinnen und Partner sowie Anknüpfungspunkte zu finden.

Arbeitsmaterialien im Anhang
n	Checkliste mit Akteurinnen und Akteuren, Netzwerken, Strukturen und Angeboten
n	Good Practice Werkstatt rund um die Geburt

18

4.3 Durchführung und Umsetzung:
Wie bringen wir gemeinsam Prozesse auf den Weg?
Nach der Zielsetzung und Maßnahmenplanung folgt die Umsetzung. Wie bereits bei der Zielfindung ist dabei die Einbeziehung der unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure wichtig. Die
Erfahrungen aus dem Modellvorhaben zeigen, dass die Zusammenarbeit in temporären Arbeitsgruppen zur Umsetzung eines Produkts oder zur Begleitung eines Prozesses sinnvoll ist. Die
Arbeit an konkreten Produkten schafft eine „win-win-Situation“ für alle Beteiligten und zeigt
Sinn und Nutzen ressortübergreifender Zusammenarbeit. Produkte, die in Zusammenarbeit
und aus einem konkreten Bedarf heraus entwickelt worden sind, können oft erfolgreich in die
bestehenden Strukturen integriert werden.
Folgende Produkte wurden u. a. im Rahmen des Modellvorhabens gemeinsam geplant und
umgesetzt:
n	Fahrplan „Was ist wichtig in der Zeit rund um die Geburt? (Informationen für werdende
Eltern in Marzahn-Hellersdorf)
n	KitaFibel (Tipps und Anregungen für einen guten Kita-Start)
n	Kitatransfertage
n	Praxishandreichung: Wie können Erziehungspartnerschaften in der Praxis gelingen?
n	Elternkompass (Informationen für Eltern im Übergang Grundschule-Oberschule)

Arbeitsmaterialien im Anhang
n	Konzept der Kitatransfertage
n	Produkte der Marzahn-Hellersdorfer Präventionskette

4.4 Auswertung und Evaluation:
Wie überprüfen wir unsere Arbeit?
Abschließend werden die Ergebnisse und Wirkungen sowie Prozesse und Strukturen überprüft
und bewertet. Ziel ist es, die Wirksamkeit von Maßnahmen aufzuzeigen und deutlich zu machen,
was gut funktioniert hat und wo es noch Schwierigkeiten gibt. Für die Qualitätsentwicklung und
-sicherung beim Ausbau der Präventionskette sind neben der Wirksamkeit von Maßnahmen vor
allem auch die Entwicklung von Strukturen und die Qualität von Prozessen entscheidend.

Blitzlicht Qualität
Die Wirksamkeit und Qualität gesundheitsförderlicher Angebote und Prozesse lässt sich eher
schwer nachweisen. Zum einen, weil oft erst nach einem mittel- bis langfristigen Zeitraum
Effekte festzustellen sind und zum anderen, weil Angebote meist auf verschiedenen Ebenen
ansetzen, daher komplex und in der Folge schwer messbar sind. Aber: Qualität muss von
Anfang an mitgedacht und entwickelt werden. Sie stellt sich nicht automatisch ein.

19

Good Practice Kriterien in der Gesundheitsförderung
Eine gute Möglichkeit für Qualitätsentwicklung bietet der Good Practice-Ansatz in der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten, der vom Kooperationsverbund Gesundheitliche
Chancengleichheit in Zusammenarbeit mit einem beratenden Arbeitskreis der Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) entwickelt worden ist. Das Konzept besteht aus 12 Kriterien guter Praxis, die Praktikerinnen und Praktikern bei der Qualitätsentwicklung in ihren Maßnahmen und Projekten Orientierungshilfe geben können (BZgA, 2011). Neben den Good Practice Kriterien der BZgA gibt es weitere Instrumente und Qualitätskriterien für die Entwicklung,
Durchführung und Evaluation von Projekten und Strategien in der Gesundheitsförderung und
Prävention. Einen guten Überblick und Arbeitsmaterialien finden sich z.B. auch auf den Internetseiten von „Quint-Essenz“ (www.quint-essenz.ch/de).

Qualifizierung von Fachkräften
Qualität entwickeln bedeutet auch, dass unter Fachkräften ein wechselseitiges Verständnis
dafür besteht, wie die eigene Arbeit weiterentwickelt, verbessert und den Bedürfnissen der
Familien entsprechend angepasst werden kann. Dafür sind gemeinsame Qualitätsdialoge und
die Entwicklung gemeinsamer Qualitätskriterien notwendig.
Beispiele zur Qualitätsentwicklung aus dem Modellvorhaben:
n	Good Practice Werkstatt rund um die Geburt
n	Praxishandreichung „Wie können Erziehungspartnerschaften in der Praxis gelingen?“
n	Kitatransfertage
n	Fachaustausche im Rahmen bestehender Netzwerke
n	Fachtagungen zu bestimmten Themen
n	Qualifizierungsangebote für Fachkräfte
n	Evaluation des Fahrplans „Was ist wichtig in der Zeit rund um die Geburt?“, der Kita-Fibel
sowie des Elternkompasses.

Arbeitsmaterialien im Anhang
n	Die Good Practice Kriterien der Gesundheitsförderung
n	Ziele- und Maßnahmentabelle
n	Fragebogen Evaluation Kita-Fibel

20

4.5 Verstetigung: Wie gelingt die nachhaltige Verankerung?
Abschließend geht es um die Verstetigung und den Transfer guter Ansätze. Dies ist ein
anspruchsvoller Prozess, gerade innerhalb einer Förderlogik, die neue und innovative Ansätze
bevorzugt. Damit Verstetigung gelingt und Maßnahmen bzw. Produkte langfristig etabliert werden können, sollten bestehende Strukturen genutzt bzw. ausgebaut werden.
Beispielhafte Maßnahmen der Fortführung und des Transfers aus dem Modellvorhaben sind:
n	Kooperationsvereinbarung zur Durchführung der Kitatransfertage
n	Anbindung des Fahrplans „Was ist wichtig in der Zeit rund um die Geburt?“ an den Bereich
Frühe Hilfen im Bezirk (im Rahmen der Bundesinitiative Frühe Hilfen) und an das Netzwerk
„Rund um die Geburt Marzahn-Hellersdorf“
n	Übertragung des Fahrplans „Was ist wichtig in der Zeit rund um die Geburt?“ auf andere
Berliner Bezirke und Weiterentwicklung zur berlinweiten App.
n	Etablierung des Programms ELTERN-AG in allen 6 Bezirksregionen (Angebunden an die
Kinder,- Jugend- und Familienzentren)

Arbeitsmaterialien im Anhang
n	Profil Koordination Präventionskette

n  5. Koordination der Präventionskette
Der Auf- und Ausbau der Präventionskette braucht langfristig Ressourcen für Planung, Koordination, Steuerung und Weiterentwicklung. Wichtig ist, dass alle Prozesse zusammenlaufen
(entweder bei einer Person oder bei einer zentralen Steuerungsgruppe bestehend aus mehreren Personen) und von dort aus systematisch gesteuert werden. Denn ohne eine übergreifende
Koordination, die die Einzelmaßnahmen kennt, zusammenführt und aufeinander abstimmt,
besteht die Gefahr, dass nebeneinander her gearbeitet wird und nicht die volle Wirksamkeit
entfaltet werden kann. Hinsichtlich der personellen und zeitlichen Ressourcen im Bezirksamt
ist es eher unwahrscheinlich, dass eine einzelne Person die gesamte Präventionskette von der
Schwangerschaft bis zum Eintritt in das Berufsleben koordinieren kann und wird. Denkbar ist
die Aufteilung in Lebensphasen bezogene Koordinationen, die die „Roten Fäden“ in der Hand
halten und die „Rückendeckung“ aus allen beteiligten Ressorts genießen (vergleiche Abb. 4,
Prävention als Gesamtaufgabe). Es muss auf der politischen Ebene entschieden werden, ob
und inwiefern bestehende Ressourcen für koordinierende Tätigkeiten auf der Verwaltungsebene für den Ausbau der bezirklichen Präventionskette zur Verfügung gestellt werden (können).

21

Literatur
Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin (2012a). Strategiepapier Marzahn-Hellersdorf, Politische Schwerpunkte 2012-2016 (Stand 04.09.12).
Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin (2012b). Ergebnisse der Einschulungs-untersuchungen Schuljahr 2011/2012. Online verfügbar unter: www.berlin.de/imperia/md/content/
bamarzahnhellersdorf/publikationen/gesundheit/gessozplanung/esu_2011.pdf?start&ts=1
351695059&file=esu_2011.pdf [Zugriff: 4.4.2014]
Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf von Berlin (2014). Sozialbericht 2012 Marzahn-Hellersdorf.
Online verfügbar unter: www.berlin.de/imperia/md/content/bamarzahnhellersdorf/publikationen/gesundheit/gessozplanung/sozialbericht_2012.pdf?start&ts=1395060832&file=
sozialbericht_2012.pdf [Zugriff: 4.4.2014] 
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2009). 13. Kinder- und
Jugendbericht. Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistung der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Berlin.Online verfügbar unter: www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/13-kinder-jugendbericht,property=pdf,bereich=
bmfsfj,rwb=true.pdf [Zugriff: 16.7.2014] 
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.) (2011). Kriterien guter Praxis in
der Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten. 5. Erweiterte und überarbeitete Auflage. Köln.
Gesundheit Berlin-Brandenburg (2012a). Aktiv werden für Gesundheit. Arbeitshilfen für Prävention und Gesundheitsförderung im Quartier. Heft 5, Erfahrungen Nutzen – Qualität stärken.
Online verfügbar unter: www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/gesundheitsfoerderung-im-quartier/aktiv-werden-fuer-gesundheit-arbeitshilfen/teil-5-erfahrungen-nutzen/
qualitaetssicherung-als-systematischer-prozess/ [Zugriff: 1.7.2013] 
Hilgers, H., Sandvoss, U., Jasper, C. M. (o.D.). Von der Verwaltung der Kinderarmut zur frühen
umfassenden Hilfe. Das Dormagener Modell: Was es beinhaltet und was man von ihm lernen
kann. In M. Wolfram, Dr. A. Osener (Hrsg.), Handbuch Kommunalpolitik , Berlin, Raabe Verlag. Online verfügbar unter: www.familien-mit-zukunft.de/doc/doc_download.cfm?uuid=E7
5D5EA6C2975CC8A9E3584F149D6360&&IRACER_AUTOLINK&&
Holz, G., Schöttel, M., Berg, A. (2011). Fachliche Maßstäbe zum Auf- und Ausbau von Präventionsketten in Kommunen: Strukturansatz zur Förderung des „Aufwachsens in Wohlergehen“ für alle Kinder und Jugendliche. Frankfurt am Main, Monheim. Online verfügbar unter:
www.awo-nr.de/fileadmin/DAM/Sozial_Politisches_Engagement/Impulspapier_Praeventionsketten_13.10.2011.pdf [Zugriff: 1.7.2013] 
Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit (Hrsg.) (2013a). Zur Wirksamkeit (früher) Unterstützungsangebote für Kinder, Jugendliche und ihre Familien. Stand Januar 2013.
Online verfügbar unter: www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/zur-wirksamkeit-frueher-unterstuetzungsangebote/ [Zugriff: 1.7.2013] 
Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit (Hrsg.) (2013b). Übergänge und Transitionen: Bedeutung, fachliche Konzepte und Beispiele. Stand Dezember 2013.
Online verfügbar unter: www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/uebergaenge-und-transitionen/ [Zugriff: 10.4.2014] 

22

Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) (Hrsg.) (2011). Kosten und Nutzen Früher Hilfen. Eine
Kosten-Nutzen-Analyse im Projekt „Guter Start ins Kinderleben“. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung , Köln. Online verfügbar unter: www.fruehehilfen.de/fileadmin/user_
upload/fruehehilfen.de/pdf/Kosten_und_Nutzen_Frueher_Hilfen.pdf [Zugriff: 1.7.2013] 
Kommunalpolitisches Forum e.V. (2010). Zur sozialen Lage von Kindern und Jugendlichen in
Marzahn-Hellersdorf – Ein Beitrag zur integrierten Sozialberichterstattung. Berlin. Online
verfügbar unter: www.kommunalpolitik-berlin.de/pdf/Broschuere_soziale_Lage_Kinder_
Jugend_Marzahn_Hellersdorf.pdf [Zugriff: 1.7.2013] 
Prognos AG (Hrsg.) (2011). Gutachten Soziale Prävention Bilanzierung der sozialen Folgekosten
in Nordrhein-Westfalen. Basel. Online verfügbar unter: www.prognos.com/fileadmin/pdf/
aktuelles/2011_03_24_Gutachten_Soziale_Praevsention.pdf [Zugriff: 16.4.2014] 
Richter-Kornweitz, A., Utermark, K. (2013). Werkbuch Präventionskette. Herausforderungen und
Chancen beim Aufbau von Präventionsketten in Kommunen. Landesvereinigung für Gesundheit & Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V., Hannover.
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt (Oktober 2012). Ergebnisbericht zur
modellhaften Erstellung von Bezirksregionenprofilen in den Bezirken Mitte und MarzahnHellersdorf.
Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) (2007).
Gutachten 2007 Kooperation und Verantwortung – Voraussetzungen einer zielorientierten
Gesundheitsversorgung. Berlin. Online verfügbar unter: http://dipbt.bundestag.de/dip21/
btd/16/063/1606339.pdf [Zugriff: 1.7.2013] 
Weiß, Reinhard (2010). Was brauchen Kinder? Leben- und Entwicklungsbedürfnisse von Kindern. In: G. Holz, A. Richter-Kornweitz. Kinderarmut und ihre Folgen. Wie kann Prävention
gelingen? Ernst Reinhard Verlag, München, S. 149-158.

Internetquellen
n	www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/berlin/gesund-aufwachsen-in-marzahnhellersdorf/
n	www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/gesundheitsfoerderung-bei-kindern-undjugendlichen/gute-praxis/werkstatt-rudg/
n	www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/good-practice-kriterien/
n	www.netzwerk-rund-um-die-geburt.de/rund_um_die_geburt_projekte.php
n	www.partizipation.at/methoden.html
n	www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de
n	http://www.quint-essenz.ch/de

23

Weiterführende Literatur
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA (2001). Band 15 Qualitätsmanagement in
Gesundheitsförderung und Prävention – Grundsätze, Methoden und Anforderungen. Köln.
Online verfügbar unter: www.bzga.de/botmed_60615000.html [Zugriff: 13.8.2013] 
Gesundheit Berlin-Brandenburg (2012). Integrierter Handlungsleitfaden Gesundheitsförderung
und Prävention rund um die Geburt. Online verfügbar unter: www.gesundheitlichechancengleichheit.de/berlin/gesund-aufwachsen-in-marzahn-hellersdorf [Zugriff: 1.7.2013] 
Heckman, James J. (2006). Skill Formation and the Economics of Investing in Disadvantaged
Children. In: Science Vol. 312, S. 1900-1902. Online verfügbar unter: http://jenni.uchicago.
edu/papers/Heckman_Science_v312_2006.pdf [Zugriff: 1.7.2013] 
Wright, M. T. (2012). Partizipative Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung und Prävention. Verlag Hans Huber, Göttingen.

24

Das Handbuch zum Auf- und Ausbau der Marzahn-Hellersdorfer Präventionskette wurde von
Gesundheit Berlin-Brandenburg im Rahmen von „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf –
Modellvorhaben Präventionskette“ (Oktober 2010 – Oktober 2013) und „Gesund durchs Leben
in Marzahn-Hellersdorf“ (Oktober 2013 – Dezember 2014) formuliert. Es ist in Zusammenarbeit
mit Fachkräften aus dem Bezirk diskutiert und entwickelt worden. Das Modellvorhaben in
Trägerschaft von Gesundheit Berlin-Brandenburg wird im Rahmen der Berliner Initiative
plus
durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, die
Aktionsräume
Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales und die Arbeitsgemeinschaft der gesetzlichen
Krankenkassen und Krankenkassenverbänden in Berlin gefördert.

Bestandsaufnahme
n	 B
 austeine der Präventionskette
n	 Begleitende Fragen zu den Bausteinen der
Präventionsketten
n	 Stufen der Partizipation
n	 Methodenbeschreibung Fokusgruppe
n	 Leitfragen Fokusgruppe Phase Kita
n	 Interviewleitfragen Phase rund um die Geburt

Zielsetzung und Maßnahmenplanung
n	 Checkliste mit Akteurinnen und Akteuren, Netzwerken,
Strukturen und Angebote

Anhang
Arbeitsmaterialien

n	 Good Practice Werkstatt rund um die Geburt

Durchführung und Umsetzung der
Maßnahme(n)
n	 Konzept der Kitatransfertage
n	 Produkte Marzahn-Hellersdorfer Präventionskette

Auswertung, Evaluation
n	 Die Good Practice Kriterien der Gesundheitsförderung
n	 Ziele- und Maßnahmentabelle
n	 Fragebogen Evaluation Kita-Fibel

Verstetigung, Sicherung neuer Ideen
n	 Profil Koordination Präventionskette

Bausteine der Präventionskette

Lebensphasen
Qualitätserfordernisse/
Bausteine
medizinische
Versorgung

P Einrichtungen mit
P
integrierten
Angeboten
R
Ä
einheitliche,
V bedarfsgerechte
E
Informationen
N
Angebote zur
T
RessourcenI
stärkung von
O
N 1) Eltern/
anderen
Bezugspersonen
2) Kindern
3) Jugendlichen
gesunde
Lebenswelten

&

Sicherung der
Grundbedürfnisse

Schwangerschaft
und Geburt

Übergang
in die
Familie

0 Jahre bis
Übergang
in die
Kita

Kita

Übergang
Grundschule Übergang
Kita
Grundschule
in die
in die
Grundschule
Oberschule

Oberschule

Übergang
Oberschule
in den
Beruf

Bausteine der Präventionskette (Phase rund um die Geburt)
Qualitätserfordernisse/
Bausteine
medizinische
Versorgung
Einrichtungen mit
integrierten
Angeboten

P
R
Ä
V
E
N
T
I
O
N

einheitliche,
bedarfsgerechte
Informationen
Angebote
zur Ressourcenstärkung von
1) Eltern/anderen
Bezugspersonen

Lebensphasen
Schwangerschaft und Geburt
Vorsorgeuntersuchungen

Wochenbettbetreuung

medizinische Versorgung während der
Geburt

Rückbildungskurse

0 Jahre bis Übergang in die Kita
U-Untersuchungen

Kinder-, Jugend,- und Familienzentren, Stadtteilzentren, Kita, Geburtseinrichtungen, gynäkologische Praxen

Fahrplan „Was ist wichtig in der Zeit
rund um die Geburt?“

Willkommenspaket

Kita-Fibel

Ersthausbesuch (KJGD)

Ehrenamtsprojekte

Familiengutschein

Angebote des Jugendamtes

Zentrale Anlaufstellen (KJFZs, Familienzentren,
Infopoints, …)

Elternkurse (ELTERN_AG, …)

Datenbank Netzwerk „Rund um die
Geburt“
Aufsuchende Elternhilfe
(JUNO, Familienhebammen, …)
Schwangerschaftsberatung
Vorbereitungskurse

Elterncafés
Onlineangebote

2) Kindern

Eltern-Kind-Kurse
familienfreundlicher Arbeitsplatz

gesunde
Lebenswelten

Übergang in die Familie

„Babyfreundliches Krankenhaus“

Bewegungsförderlicher Stadtteil
(öffentliche Sporthallen, Spielplätze,
Grünflächen)

niedrigschwellige Bewegungsangebote, Schulung BLiQ-Trainer/innen bzw. Bewegungspat/-innen, Projekt „Bildung kommt ins
Gleichgewicht“, familienfreundlicher Arbeitsplatz

&

Sicherung der
Grundbedürfnisse

Wohnraum, staatliche Hilfen (Elternzeit, Mutterschaftsgeld, Kindergeld, ALG II, Erstausstattungsbeihilfe, Stiftungshilfen, Elterngeld,
Unterhaltsvorschuss, Wohngeld, Kitaplatzgarantie, …)

Bausteine der Präventionskette (Phase Kita)
Qualitätserfordernisse/
Bausteine
medizinische
Versorgung

Lebensphasen
0 Jahre bis Übergang in die Kita
U-Untersuchungen

U-Untersuchungen

zahnmedizinische Untersuchungen

zahnmedizinische Untersuchungen

zahnmedizinische Untersuchungen

Reihenuntersuchungen (Kitas)

Schuleingangsuntersuchungen (ESU)

(Integrations-)Kitas, Kinder-, Jugend,- und Familienzentren, Stadtteilzentren, Familienzentren am Standort Kita

Kita-Fibel
einheitliche,
bedarfsgerechte
Informationen

Angebote
zur Ressourcenstärkung von
1) Eltern/anderen
Bezugspersonen

Übergang Kita in die Grundschule

U-Untersuchungen

Einrichtungen mit
integrierten
Angeboten

P
R
Ä
V
E
N
T
I
O
N

Kita

Willkommensmappe

Materialien des Jugendamtes, ( Familienwegweiser, Formulare zur Kitaanmeldung,
Onlinelistung der Kitas, Informationen zur
Erziehungs-und Familienberatung, …)
Flyer des Bezirkselternausschusses Kita (BEAK),
Informationen zu Angebote der
Tagesbetreuung

Angebote des Jugendamtes im Rahmen
der Frühförderung (z.B. Eltern-AG)

Familienzentren am Standort Kita mit
verschiedenen Angeboten

Angebote von Familienzentren (z.B.
„Spiel- und Krabbelgruppen“)

Projekte zur Resilienzstärkung

bezirkliche Handreichung zur Gestaltung
der Zusammenarbeit zwischen Kita und
Grundschule
Flyer des BEAK zum Übergang in die
Schule „Informationen zur
Schulanmeldung“
Kooperationsvereinbarungen zwischen
Kitas und Schulen

Elternkurse, Elterncafés, Ehrenamtsprojekte

2) Kindern
Bewegungsfreundliche Kitas
gesunde
Lebenswelten

&

Sicherung der
Grundbedürfnisse

niedrigschwellige Bewegungsangebote, Schulung BLiQ-Trainer/innen bzw. Bewegungspat/-innen, Projekt „Bildung kommt ins
Gleichgewicht“, familienfreundlicher Arbeitsplatz
Wohnraum, staatliche Hilfen (Elternzeit, Mutterschaftsgeld, Kindergeld, ALG II, Erstausstattungsbeihilfe, Stiftungshilfen, Elterngeld,
Unterhaltsvorschuss, Wohngeld, Kitaplatzgarantie, …)

Bausteine der Präventionskette (Phase Grundschule)

Qualitätserfordernisse/
Bausteine

Lebensphasen
Übergang in die Grundschule

Grundschule

Übergang in die Oberschule
Frühe Jugendphase

Einschulungsuntersuchung
medizinische
Versorgung

U10 (die Kosten werden ggf. nicht von allen
Krankenkassen übernommen)

Vorsorgeuntersuchungen
U10 (7-8 Jahre), U11 (9-10 Jahre)

Vorsorgeuntersuchungen
J1 (12-14 Jahre)

zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen in der Schule
allgemeine Gesundheitsvorsorge und Aufklärung

P
R
Ä
V
E
N
T
I
O
N

Bedarfsgerechte
und ressortübergreifende
Einrichtungen

Grund- und Oberschulen, Kinder-, Jugend- und Familienzentren, Stadtteilzentren, Einrichtungen für „Lückekinder“ und
Jugendfreizeiteinrichtungen, Treffpunkte migr. Familien, Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstellen, Kinderarztpraxen, Kultur- und
Bildungseinrichtungen (z.B. Tschechow-Theater, Bibliotheken, , Musikschulen Volkshochschule, ...), Sportvereine

einheitliche,
bedarfsgerechte
Informationen

Grundschulbroschüre
Flyer zur Einschulungsuntersuchung

schulspezifische, sozialräumliche Informationen
(z.B. „Hallo Eltern!“ Marzahn-Nord,
Kinderstadtpläne)

Oberschulbroschüre mit Checkliste zur
Schulwahl
„Elternkompass“
Elternabend im Rahmen von „komm auf
Tour“

Familienwegweiser, thematische Elterninfos der AG IPSE
Angebote
zur Ressourcenstärkung von
1) Eltern/ anderen
Bezugspersonen

Veranstaltungen für Eltern zum
Übergang Kita-GS

Elternkurse (z.B. ELTERN-AG für Eltern 10-14
jährige Kinder)
Eltern-Kind-Kurse (z.B. FuN Familie)
Angeleitete/moderierte Gruppen zum Austausch
(Selbsthilfe, im Rahmen der Familienhilfe (z.B.
„Mütter in Kontakt“) und für gemeinsame
gesundheitsförderliche Aktivitäten
Offene Angebote zum Austausch auf
Elternabenden und in Elterncafés an Schulen
und außerhalb von Schulen (z.B. „So ein

Veranstaltungen für Eltern zum Übergang
GS-OS

Theater – Bühne Familie“)
Ehrenamtsprojekte für Eltern
2) Kindern &
Jugendlichen

&

Schulische und außerschulische Angebote von
Jugendverbänden und -gruppen,
Jugendinitiativen, Vereinen und Trägern der
Jugendhilfe (z.B. Zukunftsdiplom,
Klassencoach)

Angebote für Kinder zum Übergang GS-OS;
(z.B. Stadtteilrallye zum gemeinsamen
Kennenlernen der neuen Schulen)

gesunde
Lebenswelten
für Kinder &
Jugendliche

Gestaltung der Schule und der soziokulturellen Infrastruktur als gesundheitsförderlicher Lebensraum (z.B. „Bildung kommt ins
Gleichgewicht“, „Gute, gesunde Schule“, „Gut drauf!“), bewegungsförderlicher Stadtteil (Spielplätze, ggfs. mit Betreuung, Grünflächen,
öffentliche Sporthallen),

gesunde
Lebenswelten
für Eltern

Familienfreundliche Arbeitskultur, unter besonderer Berücksichtung Alleinerziehender, soziokulturelle Infrastruktur

Sicherung der
Grundbedürfnisse

Wohnraum, staatliche Hilfen (ALG II, Bildungs- und Teilhabepaket, Wohngeld, …), Sprach- und Kulturvermittlung, Integration, Mobilität

selbstbestimmte Rückzugräume

Bausteine der Präventionskette (Phase Oberschule)

Qualitätserfordernis
se/
Bausteine

Lebensphasen
Schulzeit an der Oberschule
Mittlere Jugendphase
Vorsorgeuntersuchung J1 (12-14 Jahre)

medizinische
Versorgung

P
R
Ä Bedarfsgerechte
V und ressortübergreifende
E
Einrichtungen
N
T
I einheitliche,
O bedarfsgerechte
N Informationen

Vorsorgeuntersuchung J2 (16-17 Jahre)
(wird nicht von allen Kassen übernommen)

Übergang Oberschule in die
Ausbildung/den Beruf

Junge Erwachsene, selbstbestimmtes,
eigenverantwortliches Leben

Vorsorgeuntersuchung J2
(16-17 Jahre)
(wird nicht von allen Kassen
übernommen)

Untersuchung nach
Jugendarbeitsschutzgesetz
(§32 JArbSchG)
allgemeine Gesundheitsvorsorge und Aufklärung, Angebote zur Familienplanung
Oberschulen und weiterführende Schulen (OSZ, Berufsschulen, etc.), Kinder-,
Jugend- und Familienzentren, Stadtteilzentren, Jugendfreizeiteinrichtungen,
Jugendberatungsstellen, Jugendberufsberatung, Treffpunkte migr. Familien,
Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstellen, Jugend-/Hausarztpraxen, Kultur- und
Bildungseinrichtungen (z.B. Tschechow-Theater, Bibliotheken, , Musikschulen
Volkshochschule, ...), Sportvereine
„Elternkompass“
Infoportale (z.B. www.tschuessmutti.de)
Nutzung (über soziale Netzwerke, per Chat, Mail und telefonisch)
Infoveranstaltungen zur Berufsorientierung in der Schule und
Schullaufbahnberatung
Familienwegweiser

Stadtteilzentren, Treffpunkte migr. Familien, Selbsthilfe-,
Kontakt- und Beratungsstellen, ggf. Kinder,- Jugend- und
Familienzentren

Angebote
zur
Ressourcenstärkung von
1) Eltern/
anderen
Bezugsperson
en

Elternkurse (z.B. Medienkompetenz)
Eltern-Kind-Kurse (z.B. FuN Beruf)
Angeleitete/moderierte Gruppen zum Austausch
(Selbsthilfe, im Rahmen der Familienhilfe (z.B.
„Mütter in Kontakt“) und für gemeinsame
gesundheitsförderliche Aktivitäten, Angebote zur
berufl. Neuorientierung nach der Familienphase
Offene Angebote zum Austausch auf
Elternabenden und in Elterncafés
Ehrenamtsprojekte

2) Kindern &
Jugendlichen

gesunde
Lebenswelten für
Jugendliche &
Eltern

&

Sicherung der
Grundbedürfn
isse

Schulische, außerschulische und arbeitsweltbezogene Angebote von
Jugendverbänden und -gruppen, (Sport-)Vereine, Jugendinitiativen, Trägern der
Jugendhilfe und Jugendberufshilfe
(z.B. Komm auf tour, Klassenrat, PULScamp, Peer Helper, Wohnprojekt Jule,
„Wohnführerschein“)
Gestaltung der Schule und der soziokulturellen Infrastruktur als gesundheitsförderlicher Lebensraum (z.B. „Gute, gesunde Schule“, „Gut
drauf!“),
bewegungsförderlicher Stadtteil (Spielplätze, ggfs. mit Betreuung, Grünflächen, öffentliche Sporthallen), selbstbestimmte Rückzugräume,
gesunde Arbeits- und Ausbildungsplätze, Familienfreundliche Arbeitskultur, unter besonderer Berücksichtigung Alleinerziehender
Wohnraum (auch Jugendwohngruppen), staatliche Hilfen zur Existenzsicherung (Kindergeld, ALG II, Ausbildungsförderung, Wohngeld),
Maßnahmen zur Erlangung von Schulabschluss und Ausbildung, Kultur- und Sprachmittlung, Inklusion, Mobilität

Begleitende Fragestellungen zu den Bausteinen der Präventionskette
Mit den nachfolgenden Fragestellungen zu den Bausteinen der Präventionskette soll der praktische Anspruch des Handbuchs unterstrichen werden:
Die entwickelten Fragen verstehen sich als eine Sammlung von Aspekten zu den verschiedenen Bereichen, die bei der Beschäftigung mit der Präventionskette wichtig
sein können. Denn vor allem das Gespräch, der Dialog, das gemeinsame Nachdenken und Bearbeiten ist entscheidend für die Entwicklung eines gemeinsamen
Verständnisses und Qualitätsentwicklungsprozesses. In diesem Sinne erhebt der Fragenkatalog keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern kann vielmehr als
Ausgangspunkt und Impuls gesehen werden. Ob in der eigenen Einrichtung, der Vernetzungsrunde oder der Fachkonferenz, wählen Sie die passenden Fragen zur
Diskussion aus und lassen Sie sich dadurch inspirieren.

Baustein
Medizinische
Versorgung

Fragestellungen
Sozialräumliche Ausstattung
 Ist eine gute bis ausreichende medizinische Versorgung von Schwangeren, Kindern und Jugendlichen mit Ärzte/innen, Hebammen,
Therapeut/innen im Sozialraum sichergestellt?
o Ist die Entfernung zur medizinischen Versorgungsinstitution angemessen (,,Kinderwagenradius“)?
o Sind die Wartezeiten angemessen?
o Ist ein Hausbesuch von Ärzten/innen im Notfall möglich?
Menschen in besonderen Lebenslagen
 Gibt es eine Sprach-/Kulturmittlung im Rahmen der medizinischen Versorgung und mehrsprachige/kultursensible Angebote?
 Welche medizinische Versorgung können nicht Versicherte erhalten?
Vorsorge
 Wie werden Eltern über die Angebote der Vorsorge informiert (z.B. über die J1 oder über ihren Leistungsanspruch bei den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft)?
 Werden die U-/J-Untersuchungen von den Familien wahrgenommen?
 Gibt es ein verbindliches Einlade-/Erinnerungswesen? Sind die Schreiben wertschätzend formuliert?
Vernetzung der Institutionen
 Wie sind Ärzte/innen und medizinische Versorgungseinrichtungen in die Präventionskette eingebunden, z.B. als Multiplikatoren/innen in
der Vermittlung (z.B. Fahrplan „Rund um die Geburt“) oder als Teilnehmende in Netzwerken?

1

Information
 Wie werden die Menschen über die Angebote des öffentlichen Gesundheitsdienstes informiert (z.B. KJGD, KJPD, Zentrum für sex.
Gesundheit, …)?
 Sind die Angebote der Vorsorge des ÖGD den Fachkräften bekannt, die mit Eltern * Kindern * Jugendlichen arbeiten, sind sie
entsprechend vernetzt?
 Wie sind Eltern * Kinder * Jugendliche über Umfang und Ablauf der obligaten Untersuchungen des ÖGD (Einschulungsunterschubhunge,
Zahngesundheit,…) informiert und wissen, was sie erwartet?
Einrichtungen
mit integrierten
Angeboten

Orientierung an den Ressourcen und Bedarfen





Wie setzt sich die Einrichtung mit den Bedarfen ihrer Zielgruppe auseinander?
Wie werden diese Bedarfe erhoben?
o Welche Themen sind für Familien * Kinder * Jugendliche relevant?
o Welche Öffnungszeiten/Angebotszeiten sind für Familien * Kinder * Jugendliche passend?
o Wie wünschen sich Familien * Kinder * Jugendliche die Ausstattung des Ortes?
o Wie können sich Familien * Kinder * Jugendliche an der Gestaltung der Angebote in den o.g. Punkten beteiligen?
o Wie können Familien * Kinder * Jugendliche eine Rückmeldung zu den Angeboten geben?
Gibt es eine Sprach-/Kulturmittlung und mehrsprachige/kultursensible Angebote?

„Alles unter einem Dach“ und „Der kurze Weg“
Ressortübergreifende Angebote



Sieht sich die Einrichtung als Anlaufstelle, die über ihren spezifisches Angebot hinaus Menschen ganzheitlich sieht, auch in ihren sozialen
und familiären Kontexten, und beraten kann?
Welche Möglichkeiten nutzt die Einrichtung (wie z.B. Familienzentrum, Jugendberatungshaus, Migrationsberatung, JobCenter, etc.), um
die Bedarfe der Zielgruppe abzudecken?
o Angebote in einem Haus - „Tür an Tür“
o eine zeitweise Anwesenheit in anderen Einrichtungen und von anderen Einrichtungen (Sprechstunden vor Ort)
o ein „virtuelles Dach“: Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, begleitete Weitergabe von Informationsmaterial
(z.B. Fahrplan „Was ist wichtig in der Zeit rund um die Geburt?“)

Haltung und Ansprache


Beschäftigt sich die Einrichtung z.B. im Rahmen eines Leitbildes mit dem wertschätzenden Umgang mit Menschen (Kunden/Klienten/
Besucher und Mitarbeiter/innen) in der Einrichtung?

2





Wie wird dieses umgesetzt, welche Qualifizierungen finden ggf. statt?
Haben Mitarbeiter/innen Zeit und (auch räumliche) Gelegenheit für ein „offenes Ohr“ für die Anliegen von Eltern * Kindern *
Jugendlichen?
Wie können Familien * Kinder * Jugendliche eine Rückmeldung zur Ansprache und Umgang geben?

Der Wert des persönlichen Kontaktes


Wie gelingt es, die Erstkontakte und persönliche Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den Familien * Kindern * Jugendlichen
wertzuschätzen und zu nutzen?

Persönliche Ebene der Mitarbeiter/in












Was stützt die Mitarbeiter/innen bei ihrem Kontakt mit den Familien, deren belastende Situationen auch sie belasten können? Gibt es
Supervision und/oder kollegiale Beratung?
Haben die Mitarbeiter/innen ausreichend Informationen, Kontakt und Vertrauen in die Institution, der sie ihre „Schützlinge“ anvertrauen?
Wie gelingt es, andere Professionen anzuerkennen und ihre Arbeit als eine Entlastung für die eigene Arbeit zu sehen? Sind die
gegenseitigen Erwartungen und Handlungsspielräume geklärt?
Welche Hinderungsgründe gibt es für ressortübergreifende Zusammenarbeit? Können diese in der Institution thematisiert werden?
Institutionelle Ebene/RahmenbedingungenWelche Regelungen und Kooperationsvereinbarungen gibt es für die Vernetzung?
Wie wird die Weitergabe von Daten hinsichtlich datenschutzrechtlicher Bestimmungen geregelt?
Wie ist die Einrichtung in die fachliche und sozialräumliche Vernetzung eingebunden (z.B. Vernetzungsrunden, fachliche Vernetzung AG
78?)
Wie gelingt die ressort- und institutionsübergreifende Zusammenarbeit, z.B. in Steuerungsrunden und multiprofessionelle Teams?
Welchen Prozess zur gemeinsamen Qualitätsentwicklung gibt es in der Vernetzung (z.B. Qualitätszirkel HzE)?
Wie werden die Synergien in der Zusammenarbeit mit den bezirklichen Stellen genutzt (z.B. im Rahmen der Zielvereinbarungsgespräche)
Zusammen wirken: Welche gemeinsamen Projekte fördern die regionale Zusammenarbeit? Welche Möglichkeiten und Ressourcen kann
hier die bezirkliche Koordination anbieten?

Qualifizierte Vermittlung






Wie sind und werden die Mitarbeiter/innen über die Angebote in der eigenen Einrichtung und anderen Einrichtungen informiert?
Welche Ressourcen/Regelungen/Absprachen haben sie für die Zusammenarbeit und Vermittlung?
Wie werden Multiplikatoren und Lotsen eingebunden? Welche Qualifizierungen und Informationen benötigen diese?
Sind die verwendeten Informationen und Verteiler spezifisch, vollständig und aktuell?
Sind die verwendeten Begrifflichkeiten und Fachtermini allen beteiligten Personen (Fachkräfte und Zielgruppe) klar und verständlich? Ist

3




es ausdrücklich erlaubt, nachzufragen?
Wie gelingt es, die zur Klärung einer bestimmten Fragestellung alle beteiligten Fachkräfte „an einen Tisch“ zu holen? Welche existierenden
Strukturen (Fach-/Fall-/Ressourcenteams) sind bekannt und können ggfs. genutzt werden?
Wie werden die beteiligten Familien * Kinder * Jugendliche in den Prozess miteinbezogen?

Willkommenskultur und Orientierung:





Wie werden die Gäste der Einrichtung empfangen, gibt es einen zentralen Orientierungspunkt und/oder persönliche Ansprache/
Begrüßung? Wie ist der Eingangsbereich gestaltet?
Wie barrierefrei ist die Einrichtung (z.B. rollstuhlgerecht, aber auch Sprechanlagen)?
Gibt es eine einladende und angemessene Beschilderung, die die Orientierung erleichtert?
Perspektivwechsel: Zu Gast in der eigenen Einrichtung
Wie kann das eigene Angebot gefunden werden vor Ort? Wie ist der Weg dorthin gestaltet (z.B. Wegeleitsystem), welche Hürden sind
ggfs. zu überwinden? Wie fühlt sich das Betreten der eigenen Einrichtung durch „fremde Augen“ an?

Öffentlichkeitsarbeit und Internetpräsenz




Wie kann das eigene Angebot durch Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Internetpräsenz, Flyer, Verlinkung,…) gefunden werden?
Ist die Darstellung des Angebots für die Zielgruppe verständlich und präzise?
Können Eltern * Kinder * Jugendliche bei der Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit mitwirken und eine Rückmeldung geben?

Informationsmaterial für Gäste der Einrichtung



Einheitliche,
bedarfsgerechte
Informationen

Gibt es ansprechende „schwarze Bretter“ sowie ausliegendes Infomaterial, die sich an den Bedarfen der Familien orientieren?
Nach welchen Kriterien wird das Informationsmaterial ausgewählt, gibt es einen Verantwortlichen für Strukturierung, Bestellung und
Aktualisierung dieses Informationsangebotes?
Sind die Angebote/Texte/Aushänge attraktiv und frei von Stigmatisierung formuliert und gestaltet?

Entwicklung des Materials
 Welche Informationen sind Familien in welcher Lebensphase relevant, was brauchen Kinder/Jugendliche/Eltern?
 Welches Medium eignet sich für das Produkt (Flyer, Broschüre, Website, App, …), mit welcher Form erreicht man welche Zielgruppe?
 Welche Fachkräfte können und müssen an der Entwicklung der Informationen beteiligt werden?
 Wie können die Familien in die bedarfsgerechte Entwicklung der Materialien eingebunden werden?
 Mögliche Qualitätskriterien:
o wertschätzende, verständliche, einfache Sprache
o altersgerechte Ansprache

4

o
o
o
o
o

ggf. mehrsprachig
so kurz wie möglich, so ausführlich wie nötig
ressourcenorientiert, kompakt und strukturiert
auf Nachhaltigkeit angelegt, d.h. aktualisierbar
Fokus auf Ressourcen und nicht auf Defizite

Verbreitung der Informationen
 Wie können die Informationen an die Familien übermittelt werden? (Beratungsgespräche, Elternabende, Websites,…)
 Wie werden die Fachkräfte über das Material informiert?
 Wie werden die Informationen konkret verteilt (herunterladen, versenden, abholen ect.)?
Kompetenzstärkende
Angebote

Inhaltliche Gestaltung
 Sind die Angebote so gestaltet, dass Kinder und Jugendliche durch die Angebote bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben
unterstützt und ihre Ressourcen gestärkt werden?
 Werden Eltern durch die Angebote in ihren Erziehungskompetenzen unterstützt?
 Aktivieren die Angebote die Selbstbestimmung, -verantwortung und -wirksamkeit der Zielgruppe?
 Werden durch die Angebote soziale Netzwerke der Teilnehmenden gestärkt?
 Welche Möglichkeiten werden genutzt, um diese Wirkungen bei den Teilnehmenden zu messen/zu erfragen?
Beteiligung und Bedarfsorientierung
 Sind die Angebote niederschwellig (gut zu erreichen, wohnortnah, kostengünstig) und entsprechen dem Bedarf der Zielgruppe/der
Lebensphase? Z.B.
o aufsuchende Angebote für junge Familien
o günstige Zeiten für Elternkurse
o online-Angebote für Jugendliche
o …
 Wie können die Angebote partizipativ gestaltet und von den Nutzer/innen bewertet werden?

Gesunde
Lebenswelten

Gestaltung von gesundheitsförderlichen Orten zum Leben, Wohnen, Lernen, Arbeiten
Familienfreundliche Arbeitswelt
 Wie kann familienfreundliche Arbeitskultur in den Einrichtungen gefördert werden, insbesondere mit Fokus auf Alleinerziehende (flexible
Arbeitszeitmodelle, Regelungen für kranke Kinder, Rückkehr in den Beruf, etc.)

5



Welche Infrastruktur steht Familien für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur Verfügung (Kitaplätze, Ganztagsbetreuung in der
Schule, Angebote für „Lücke“-Kinder, Freizeit- und Ferienprogramm, ambulante Pflege, …)

Einrichtungen als gesunde Lebenswelten







Wie versteht sich die Einrichtung als „Gesunde Lebenswelt“? Wie wird Gesundheit(sförderung) in Konzept, Selbstverständnis und
Gestaltung integriert? Welchen Stellenwert und welche Lobby hat Gesundheit in der Einrichtung, wie kann dies gesteigert werden?
o Wie wird Gesundheit zielgerichtet gefördert, sowohl für die Zielgruppe als auch für die Mitarbeitenden? (Verhaltens- und
Verhältnisprävention)
o Sind die gesundheitsförderlichen Maßnahmen in ein Gesamtkonzept eingebettet?
o Welche Unterstützung finden die Mitarbeiter/innen in gesundheitlich belastenden Situationen?
Wie werden Einrichtungen bei der Gestaltung gesundheitsförderlicher Organisationskultur unterstützt?
Sind die Einrichtungen über mögliche Zertifizierungen informiert, die eine gesundheitsförderliche Organisationskultur fördern?
Z.B.:
o Babyfreundliches Krankenhaus
o Bewegungsfreundliche Kita, Gute, gesunde Kita
o Gute, Gesunde Schule
o Gut drauf!
o Betriebliche Gesundheitförderung
Was wird getan, um Gesundheitsbelastungen wie z.B. Lärmbelastung in Schulen zu reduzieren?

Bewegungsförderlicher Stadtteil





Gibt es ausreichend Spiel- und Sportplätze für Kinder und Jugendliche? Sind diese in einem guten Zustand?
Welche Möglichkeiten gibt es für Kinder und Jugendliche, an der Gestaltung des öffentlichen Raumes und ihrer Freizeit- und
Rückzugsräume mitzuwirken?
Welche Möglichkeiten gibt es zur Nutzung von Sporthallen und Schulhöfen für den Vereinssport und dem nicht im Verein organisieren
Sport?
Welche Angebote gibt es, Sport und Bewegung in Einrichtungen und im öffentlichen Raum zu fördern (Bewegungspat/inn/en), Angebote
der Streetwork, etc.)?

Literaturhinweis: Weitere Fragen und Anregungen finden sich in „Inklusion vor Ort – der Kommunale Index für Inklusion – ein Praxishandbuch.“, Montag
Stiftung (Hrsg.), 2011

6

Stufen der Partizipation

9
8
7
6
5
4
3
2
1

Selbstorganisation

über Partizipation hinaus

Entscheidungsmacht

teilweise Entscheidungskompetenz

Partizipation

Mitbestimmung

Einbeziehung

Anhörung

Vorstufen der Partizipation

Information

Anweisung

Nicht-Partizipation

Instrumentalisierung
Abb. Stufen der Partizipation (nach Wright, Block & Unger)

Quelle: www.partizipative-qualitaetsentwicklung.de/partizipation/stufen-derpartizipation.html

1

Methodenbeschreibung Fokusgruppe
Kurzbeschreibung
Eine Fokusgruppe ist eine moderierte Gruppendiskussion von 6-10 Personen, die ein im
Voraus festgelegtes Thema zielgerichtet bearbeitet. Die Diskussion dauert 1-2 Stunden.
Fokusgruppen haben das Ziel Rückmeldungen zu allen Phasen der Planung und
Durchführung eines Projekts von Personen aus der Zielgruppe zu bekommen.
Voraussetzungen
 Ein Ort, an dem die Gruppe ohne Störung diskutieren kann
 Erfahrungen in der Moderation von Gruppengesprächen
 Ein klar definiertes Thema
Anwendungsbereiche
 Feststellung des Bedarfs einer Zielgruppe
 Testen eines Projektkonzepts
 Entwicklung neuer Ideen für die Projektarbeit
 Überprüfung der Akzeptanz eines Angebots
 Untersuchung der Wirkung eines Angebots
Überblick über die Arbeitsschritte
 Festlegen eines Themas für die Diskussion
 Entwicklung eines Leitfadens für die Diskussion
 Organisation eines Ortes
 Zusammensetzung der Gruppe festlegen
 Personen aus der Zielgruppe für die Teilnahme an der Fokusgruppe gewinnen
 Durchführung der Diskussion (Moderation und Festhalten der Ergebnisse)
 Auswertung der Ergebnisse
Aufwand
Zeit
Die Durchführung der Diskussion dauert 1-2 Stunden. Die Planungsdauer (Arbeitsschritte 13) ist von den projektinternen Prozessen abhängig. Die Dauer der Auswertung variiert je
nach Umfang und Komplexität der Fragestellung sowie mit den Ansprüchen der Einrichtung.
Personal
Mindestens ein/e Mitarbeiter/in ist für die Durchführung der Fokusgruppe erforderlich.
Idealerweise sind zwei Mitarbeiter/innen an der Durchführung beteiligt: eine/r ist für die
Moderation, der/die andere für das Protokollieren der Ergebnisse sowie für organisatorische
Arbeiten (wie Bsp. Audioaufzeichnung) zuständig.
Material
Ein Schreibblock für das Protokollieren des Gesprächs. Von Vorteil ist auch ein
Tonaufnahmegerät für die Aufzeichnung der Diskussion.
Andere Kosten
Als Anreiz für die Teilnahme an der Diskussion können z.B. Gutscheine oder eine
Aufwandsentschädigung angeboten werden. Sollte dieses finanziell nicht möglich sein, so ist
es wichtig die Wertschätzung der Teilnahme zum Ausdruck zu bringen.
Getränke und Kleinigkeiten zum Essen können während der Diskussion zur Verfügung
gestellt werden. Eine Transkription (Verschriftlichung) des auf dem Tonträger
aufgenommenen Gruppengesprächs sollte geplant werden.

Achtung !
 Die Fokusgruppe ist kein offener Ideenaustausch, sondern eine geleitete Diskussion
mit einer klaren Zielsetzung (nämlich Rückmeldungen zu einem bestimmten Thema
zu bekommen).
 Die Fokusgruppe ist keine allgemeine Feedbackrunde zur Arbeit des Projekts (die
Moderation sollte also darauf achten, dass das Gespräch nicht zu sehr abdriftet).
 Die Fokusgruppe ist eine Methode der Diskussionsführung, kein Frage-Antwort-Spiel.
Ein Kennzeichen einer erfolgreichen Fokusgruppe ist ein lebendiges Gespräch, das in
erster Linie von den Teilnehmer/inne/n getragen wird (d.h. die Moderation sollte
nicht zu strikt am Leitfaden hängen, sondern diesen flexibel benutzen um die
Diskussion zu stimulieren).
 Ein schriftliches Protokoll bietet eine sehr eingeschränkte Grundlage für die
Auswertung, da oft viele wichtige Details verloren gehen. Auch wenn keine
Transkription möglich ist, sollte das Gespräch auch mittels Tonaufzeichnung
festgehalten werden. Im Protokoll sollten möglichst viele „O-Töne“ (anonymisierte
Zitate) aus dem Gespräch protokolliert werden, um die Ergebnisse nachvollziehbarer
und konkreter zu machen.
Quelle:
http://www.partizipativequalitaetsentwicklung.de/subnavi/methodenkoffer/fokusgruppe.html

LEITFRAGEN FÜR FOKUSGRUPPEN MIT ELTERN VON KINDERN IM ALTER VON EINEM BIS DREI
JAHREN, DIE NOCH NICHT IN KITAS SIND

Datum:
Von:

Schwerpunkt:
- Aufbau, Verbreitung und Optimierung von Angeboten für Familien mit Kindern im Alter von
einem bis drei Jahren, die nicht in Kitas sind (Elternkompetenzstärkung, Stärkung von
Akteuren, Aufbau eines familien- und bewegungsfreundlichen Stadtteils)

Ziele:
- Ermittlung des Bedarfes der Zielgruppe
- Erfassung, Optimierung und Verbreitung bestehender Angebote
- Entwicklung bedarfsgerechter Angebote
Zielgruppe:
- Familien mit Kindern im Alter von einem bis drei Jahren, die nicht in Kitas sind und auch
sonst keine anderen Betreuungsangebote (z.B. Tagesmutter) wahrnehmen
Themenblöcke:
I. Alltag
II. Kita
III. Unterstützungsangebote
IV. Elternkompetenzen

Grundsatzfragen:
I. Welche Schwierigkeiten gibt es im Alltag von Familien in schwieriger sozialer Lage?
Ziel: Belastungen und Ressourcen (personale, soziale und materielle) erfragen
II. Inanspruchnahme von Kitaleistungen
Ziel: Welche Gründe verhindern die Inanspruchnahme von Kitaleistungen vor dem dritten
Lebensjahr?
III. Unterstützungsangebote
Ziele: Wie erfahren diese Familien von Unterstützungsangeboten? Welche
Unterstützungsangebote würden diese Familien gerne in Anspruch nehmen? Wie müssten
die Angebote gestaltet werden?
IV. Elternkompetenzen
Ziele: Über welche kindbezogenen, kontextbezogenen und selbstbezogenen Kompetenzen
verfügen die Teilnehmer/innen?
(Wie wird die Familie als früher Bildungsort verstanden, wenn das Kind nicht in der Kita ist?
Wie kommt das Kind dennoch mit anderen Kindern in Kontakt? Welche Angebote – zur
Bewegungsförderung - werden in Anspruch genommen?)

Fragen an die Fokusgruppe zum Themenblock I Alltag:

1. Beschreiben Sie einmal einen typischen Tag bei Ihnen zuhause!
2. Der Alltag mit kleinen Kindern ist sicherlich nicht immer einfach. Beschreiben Sie einmal
eine typische Situation, die dabei besonders stressig ist!
3. Erhalten Sie von Ihrer Familie und Ihren Freunden Unterstützung, wenn sie Hilfe
brauchen? Wie sieht diese Hilfe aus? An wen wenden Sie sich, wenn Sie Hilfe brauchen?
4. Reichen Ihre finanziellen Mittel aus, um ohne Schwierigkeiten den Alltag gestalten zu
können (Nahrung, Kleidung, Spielzeug, Freizeit)?
5. Welche Unterstützung würden Sie sich wünschen um Ihren Alltag gut gestalten zu
können?
6. Haben Sie bereits schwierige Situationen erlebt, die Sie erfolgreich bewältigen konnten?
Können Sie diese kurz beschreiben?

Fragen an die Fokusgruppe zum Themenblock II Kita:

1. Geht Ihr Kind/gehen Ihre Kinder in die Kita? (als Einstieg auch wenn da nur Personen
sitzen mit Kinder/Geschwisterteilen, die nicht in Kitas sind) Nehmen Sie eine Tagesmutter in
Anspruch?
2. Was ist der Grund warum Ihr Kind keine Kita besucht?
3. Sind in Ihrem direkten Umfeld (Nachbarschaft,…) die Kinder vor dem dritten Lebensjahr in
Kitas?
4. Was ist Ihre grundsätzliche Meinung zur Kita? Welche Aufgaben hat Ihrer Meinung nach
die Kita für die Entwicklung Ihres Kindes?

Fragen an die Fokusgruppe zum Themenblock III Unterstützungsmöglichkeiten:
1. Nehmen Sie mit Ihrem Kind an Angeboten in Ihrem Bezirk teil? (ja: welche?, nein:
Hinderungsgründe?)
2. Wie erfahren Sie von diesen Unterstützungsangeboten?
3. Gibt es (darüber hinausgehend) Angebote, die Sie gerne in Anspruch nehmen würden?
Welche Angebote fehlen Ihnen?
4. Wie müssten Angebote gestaltet sein, damit Sie sie wahrnehmen?
5. Haben Sie den Familiengutschein des Bezirksamtes erhalten? Welche Angebote haben Sie
in Anspruch genommen?

Fragen an die Fokusgruppe zum Themenblock IV Elternkompetenzen:
1. Was ist aus Ihrer Sicht wichtig für eine gesunde Entwicklung Ihres Kindes in der
Altersphase von 1-3 Jahren?
Wie fördern Sie Ihr Kind, damit es auf den späteren Kita-/Schulbesuch vorbereitet ist?
2. Welche Bewegungsmöglichkeiten stehen Ihnen für Ihr Kind zur Verfügung, damit es sich
austoben kann und wie oft kann es diese nutzen?
Welche Möglichkeit gibt es für Ihr Kind Kontakte zu anderen Kindern aufzunehmen?
3. Was sind aus Ihrer Sicht wichtige Grundeigenschaften, die Eltern haben sollten?
(4. Was kann Eltern dabei unterstützen, mit Spaß und Freude ihre Elternrolle
wahrzunehmen?)

Interview-Leitfragen
Für „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf – Modellvorhaben Präventionskette“
(Phase rund um die Geburt)
Interview-ID: ___________
Datum
Ort
Kontakt über
Interviewerin

Audiomitschnitt:

ja 

nein 

_______________________________________________________________
_______________________________________________________________
_______________________________________________________________
_______________________________________________________________

Bemerkungen _______________________________________________________________
_______________________________________________________________
_______________________________________________________________
_______________________________________________________________
_______________________________________________________________
 Einleitung: Wir möchten erfahren, wie Sie während Ihrer Schwangerschaft und in

der Zeit nach der Geburt unterstützt werden.
Fragen 5.2 – 5.4 zum Einstieg

1

Bedarf

1.1 Welche Unterstützungsangebote nehmen Sie jetzt wahr/ haben Sie
wahrgenommen?
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________

Vorsorgeuntersuchungen

Ersthausbesuch
des KJGD


Schwangerschaftsberatung

Elternkurs


Datenbank des
Netzwerks RudG


andere


Geburtsvorbereitung

Angebote zu
finanziellen
und
rechtlichen
Fragen

keine


Wochenbettbetreuung

finanzielle
Unterstützung
nach SGB II
(Babyerstausstattung, etc.)


Rückbildungskurs

Familiengutschein

1.1.1 Sind es muttersprachliche Angebote?
 ja

 nein

 teilweise

1

1.1.2 Sind die Angebote kostenlos?
 ja

 nein

 teilweise

 Weiterführende Fragen:
- Haben Sie Anmerkungen zu den Angeboten, die Sie wahrnehmen?
- Wie hilfreich war der Ersthausbesuch des KJGD?
1.2 Welche Angebote fehlen Ihnen/ haben Ihnen gefehlt? Welche Angebote
wünschen Sie sich?
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________

Vorsorgeuntersuchung

Elternkurs


Schwangerschaftsberatung

Angebote zu
finanziellen und
rechtlichen
Fragen


Geburtsvorbereitung


Wochenbettbetreuung


Rückbildungskurs


finanzielle
Unterstützung
nach SGB II
(Babyerstausstattung, etc.)


andere


keine

1.3 An wen wenden Sie sich, wenn Sie Fragen zu Ihrer Schwangerschaft oder zu
Ihrem Kind haben? Zu wem haben Sie das größte Vertrauen?
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________

Partnerin/
Partner

Hebamme


Familie/
Mutter/
Schwester

Mitarbeiter/in des
KJGD


Freundinnen/
Freunde


Gynäkologin/
Gynäkologe



Sozialarbeiter/in andere

2


Kinderärztin/
Kinderarzt

niemanden

2

Zugang

2.1 Wie haben Sie Informationen zur Schwangerschaft und für die Zeit nach der
Geburt erhalten?
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________

Partnerin/
Partner

Hebamme


Internet


Familie/
Mutter/
Schwester

Mitarbeiter/in
des KJGD


Freundinnen/
Freunde


Gynäkologin/
Gynäkologe


Kinderärztin/
Kinderarzt


Sozialarbeiter/in


Schwangerschaftsberatungsstellen


TV


Familiengutschein


Datenbank des
Netzwerks RudG


Informationsbroschüren/
Bücher/
Zeitschriften

sonstige


gar nicht
 Weiterführende Fragen:
- Welche Informationen haben Sie erhalten?
- Welche Informationen waren hilfreich?
2.2 Gab es für Sie Hindernisse, die dazu geführt haben, dass Sie ein Angebot
nicht in Anspruch genommen haben?
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________

Angebote waren
nicht bekannt

fehlendes
Interesse

nein


zeitliche Gründe

Angebote waren zu
weit weg


sprachliche
Gründe

Hemmungen/
Bedenken

3


finanzielle
Gründe

andere

3

Ressourcen/ Elternkompetenzen

3.1 Was glauben Sie, ist wichtig, damit sich Ihr Kind gut entwickeln kann?
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
 Die Schwangerschaft, bzw. die neue Lebenssituation (wenn das Kind da ist) führt zu

vielen Veränderungen im Alltag:

3.2 Was erleben Sie als besonders schön an Ihrer neuen Lebenssituation?
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
3.3 Was erleben Sie als besonders schwierig an Ihrer neuen Lebenssituation?
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
3.4 Wie gehen Sie mit diesen Schwierigkeiten um?
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________
________________________________________________________________

4

4

Abschlussfrage

Gibt es noch etwas Wichtiges zum Thema, was noch nicht angesprochen wurde?
Was möchten Sie noch anmerken?
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________

5

5

Sozioökonomische Daten

5.1 Wie alt sind Sie?
____ Jahre
5.2 Wie viele Kinder haben Sie?
____ Kinder
5.3 Wie alt sind Ihre Kinder?
1. Kind:

____ Monate/ Jahre

2. Kind:

____ Monate/ Jahre

3. Kind:

____ Monate/ Jahre

5.4 Sind Sie momentan schwanger?
 ja

 nein

5.5 Welchen Familienstand haben Sie?

ledig


verheiratet


geschieden


in einer Partnerschaft lebend

5.6 Leben Sie mit Ihrem Partner/ Ihrer Partnerin zusammen?
 ja

 nein

5.7 Sind Sie alleinerziehend?
 ja

 nein

5.8 Welchen Schulabschluss haben Sie?

keinen


Hauptschule


Realschule


Abitur

6


Abschluss angestrebt

5.9

In welcher Berufssituation sind Sie?


in der Ausbildung


arbeitssuchend


berufstätig

5.10 Beziehen Sie Transferleistungen nach dem SGB II, SGB XII oder SGB VIII?
(direkte vom Staat bezahlte Sozialleistungen, z.B. Leistungen der Hilfe zum
Lebensunterhalt nach SGB XII und Leistungen des Arbeitslosengeldes II und des
Sozialgeldes nach SGB II/ ALG II).
 ja

 nein

5.11 Migrationshintergrund
(Wo sind Sie geboren?)
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________
___________________________________________________________________________

Vietnamesisch


Russisch


keinen


andere

5.12 Deutschkenntnisse

keine


wenig


gute

…. vielen Dank für das Gespräch!

7

Im Überblick: Akteurinnen und Akteure, Netzwerke und Strukturen in
Marzahn-Hellersdorf
Auf den folgenden Seiten ist eine Auswahl von möglichen Akteurinnen und Akteuren, Netzwerken
und Strukturen der Präventionskette zusammengestellt - eine umfangreiche Liste, die noch nicht
einmal vollständig ist. Es ist enorm, wie viele Personen, Ressorts, Institutionen versammelt sind.
Zudem gibt es eine Vielzahl von Vernetzungsstrukturen, innerhalb der Ämter und Einrichtungen
oder ressortübergreifend, formell und informell.
Die Idee dieser Liste ist keinesfalls, sie umfassend abzuarbeiten. Das ist kaum möglich und
nimmt von vorherein den Atem. Die Komplexität eines gewachsenen Sozialsystems ist schwer zu
verstehen und zu durchdringen – das geht nicht nur den Eltern und Familien so, sondern oft auch
den Fachkräften.
Jeder Veränderungsprozess beginnt mit einer kleinen Gruppe von Personen. Das
können schon 2 bis 3 Menschen sein, die etwas bewirken möchten. Diese Gruppe, der „inneren
Kreis“ oder „Container“ (nach dem dialogic chance model) überlegt gemeinsam, wer für den
weiteren Prozessverlauf gebraucht wird und stellt den „Kreis der direkt am Dialog Beteiligten“
zusammen. Der Kreis öffnet sich strategisch für die dritte Ebene, „der am Dialog beteiligten
Institutionen“. In diesem Prozess ist zu berücksichtigen, wer in jedem Fall zu beteiligen ist, um
dem Vorhaben den wichtigen und nötigen Einfluss zu verschaffen.

Abb. Kommunikationsebenen in einem idealtypischen Stakeholder Dialog-System
(Graphik aus: Künkel et al. (2011) Stakeholder Dialoge-Manual, Eschborn).

In diesem Sinne kann die Liste hoffentlich Ideen an die Hand geben: Welche
Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner beteiligt werden, an welchen Stationen Eltern, Kinder
und Jugendliche erreicht werden, welche existierenden Netzwerke genutzt werden können, wer
als Interessenten für eine Veranstaltung auf dem Verteiler berücksichtigt werden könnte.

1

2

Kategorie

Bewohnerschaft

Eltern und ihre Vertretungen
• Elternvertreter/innen
• Bezirkselternausschuss (Kita und Schule)
Kinder und ihre Vertretungen
• Kinderbeteiligung in der Kita und Grundschule
• Kinder- und Jugendbüro
Jugendliche und ihre Vertretungen
• Schüler/innen/vertretungen an der Oberschulen
• Bezirksschülerausschuss, Beteiligung im Bezirksschulbeirat
• Jugend-BVV
• Servicestelle Jugendbeteiligung (WEP)
Selbstorganisierte Initiativen und Ehrenamt
• Selbsthilfegruppen (z.B. Selbsthilfe-, Kontakt- und Beratungsstelle Marzahn-Hellersdorf)
• Migrantenselbstorganisationen (z.B. Reistrommel e.V., Vision e.V., Babel e.V.)
• Ehrenamts- und Freiwilligenagenturen (z.B. AllerEhrenwert, Kontaktstelle Pflegeengagement)
• Arbeitsloseninitiativen (z.B. Ball e.V.)
Weitere Formen der Bürgerbeteiligung
• Bürgerhaushalt

Ämter und Behörden

Bezirksamt
Abteilung Schule, Sport, Finanzen und Personal
• Schul- und Sportamt
 Baukoordination und Immobilienangelegenheiten der Schulen
 Schulplanung/-organisation (Schulentwicklungsplanung, Einzugsbereiche) -> in Abgrenzung zur

Schulaufsicht

 Schülerbetreuung (Schulpflicht, Schulessen, Bildungs- und Teilhabepaket)
 Sportförderung (Sportanlagen, Sporthallenvergabe)
•
•
•
•

Datenschutzbeauftragte/r
Behindertenbeauftragte/r
Integrationsbeauftragte/r
Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte/r

Abteilung Gesundheit und Soziales
• Gesundheitsamt
 Kinder- und Jugendgesundheitsdienst (KJGD)
- Ersthausbesuche
- Einschulungsuntersuchungen
 Kinder- und Jugendpsychiatrischer Dienst (KJPD)
 Sozialpsychiatrischer Dienst (SpD) (für Personen ab 18)
 Zahnärztlicher Dienst (ZäD)
 Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung
 Qualitätsentwicklung, Planung und Koordination des öffentlichen Gesundheitsdienstes (QPK)
- Koordination Gesundheitsförderung, Gesunde-Städte-Netzwerk
- Koordination des Suchthilfeverbundes
- Psychiatriekoordination
- Integrierte Gesundheits- und Sozialberichterstattung
• Amt für Soziales
 Sozialdienst ( in Abgrenzung zum Regionalen Sozialen Dienst des Jugendamtes) Leistungen nach
SGB XII
 Lebensunterhalt, Grundsicherung und Leistungen für Asylsuchende

1

Abteilung Jugend und Familie, Weiterbildung und Kultur
• Jugendamt
 Regionale Soziale Dienste ( in Abgrenzung zum Sozialdienst des Sozialamts)
 Zentrale Dienstleistungsstellen für Eltern und Jugendliche
- Kita-/Hort-Anmeldung, Gutscheine
- Elterngeld
- Unterhaltsvorschuss
- Wirtschaftliche Jugendhilfe
- Eingliederungshilfe


Psychosoziale Dienste
- Bezirkliche Erziehungs- und Familienberatung
(öffentliche Trägerschaft)
- Erziehungs- und Familienberatungsstellen in freier Trägerschaft



Fachsteuerung (siehe Vernetzungsstrukturen nach §78)
- Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie
-  Koordination Netzwerk Frühe Hilfen
- Tagesbetreuung/-pflege
- Hilfen zur Erziehung
- Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit
- Arbeitsweltbezogene Jugendarbeit
- Kinder-/Jugendschutzkoordination
-  Koordination Schule-Jugendhilfe

• Amt für Weiterbildung und Kultur
 Volkshochschule
 Bibliotheken
Abteilung Wirtschaft und Stadtentwicklung
• Stadtentwicklungsamt, Stadtumbau
• Straßen- und Grünflächenamt
• Wirtschaftsförderung  Bezirkliches Bündnis für Wirtschaft und Arbeit Marzahn-Hellersdorf (BBWA)
Abteilung Bürgerdienste und Facility Management
• Amt für Bürgerdienste
Agentur für Arbeit
• Berufsberatung
• Arbeitsvermittlung
• Entgeltersatzleistungen (Arbeitslosen- ,Insolvenz-, Kurzarbeitergeld)
•

Aktive Arbeitsförderung (Eingliederungs-, Lohnkosten-, Gründungszuschuss)

•

Förderung der Berufsausbildung (Berufsvorbereitende Bildung, ausbildungsbegleitende Hilfen,
außerbetriebliche Ausbildung)

•

Familienkasse (Kindergeld)

JobCenter (ARGE) als gemeinsame Einrichtung von Bezirksamt und Arbeitsagentur
•
•

Eingangszone
Leistungen nach SGB II (Arbeitslosengeld II), Mehrbedarf, Bildung und Teilhabe

•

Beratung und Vermittlung für Menschen unter (U25) , über 25 (Ü25) und über 50 (Ü50) Jahre

•

Berufsorientierung, Förderung der Berufsausbildung, Ausbildungsvorbereitung, Weiterbildung

• Förderungen von Integrationen, öffentlich geförderte Beschäftigung (Arbeitsgelegenheit mit
• Mehraufwandsentschädigung)
• Beschäftigungsorientiertes Fallmanagement
 kommunale Steuerungsstelle SGB II für die Maßnahmen der Arbeitsgelegenheiten
(Agh)
2

• Träger von Maßnahmen der Arbeitsförderung
 Matchpoint (Schnittstelle zwischen Schulen und Unternehmen mit Beteiligung Bezirksamt, Agentur für

3

Arbeit und Jobcenter, im Rahmen des Masterplans)

Medizinische Versorgung

Hebammen
Niedergelassene Ärztinnen/Ärzte
• Gynäkolog/inne/en
• Kinder- und Jugendärztinnen/ -ärzte
Therapeut/inn/en (Psycho-, Ergo-, Logo-, Lern- etc.)
Krankenhäuser, Kliniken (z.B. Vivantes Klinikum Hellersdorf, Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth
Herzberge KEH, Unfallkrankenhaus Berlin UKB)
Geburtshaus
Sozialpädiatrisches Zentrum
Träger ambulanter, teilstationärer und stationärer Pflege
Leistungsträger und Einrichtungen zur Rehabilitation (beruflich und sozial)
Gesetzliche und private Krankenkassen
Pflegekassen, Unfallkasse

4

Bildungseinrichtungen
Tagespflege/Tagesgroßpflege
Kitas und ihre Träger
Schulen
• Grund- und Oberschulen, Oberstufenzentren
• Schulhorte
• Schulsozialarbeit an Schulen
• Initiativen, Ehrenamt, Projekte an Schulen
Schulaufsicht (Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Außenstelle Marzahn-Hellersdorf)  in Abgrenzung zum Schul- und Sportamt
Regionale Fortbildung, Zentrum für Innovation in Schule (ZIS)
Multiplikatorinnen für die Schule
• Schulische Prävention („Gute, gesunde Schule“, Gewalt, Suchthilfe)
• Übergänge
• Gesundheit von Lehrer/innen und Erzieher/innen
• Ganztag
• …
Beratungs- und Unterstützungszentrum Schule ( in Abgrenzung zum Schulpsychologischen Dienst)
INKA-Koordination (Inklusive Schule)
Hochschule (z.B. Alice-Salomon-HS)

5

Treffpunkte/ Einrichtungen im Stadtteil
(Kinder-, Jugend- ) und Familienzentren im Stadtteil
Elterncafés und Familienzentren in Kitas und Schulen
Stadtteilzentren
Nachbarschaftstreffs (Wohnbaugesellschaften), Seniorentreffs
Treffs der Migrantenselbstorganisationen
Jugendclubs, Jugendfreizeiteinrichtungen und ihre Träger
Öffentlicher Raum
• (betreute) Spiel- und Sportplätze, Winterspielplätze
• Gärten, Parks, Brachen
• Läden, Einkaufspassagen und -center
• …
3

Beratungsstellen (Komm-Strukturen)
• Erziehungs- und Familienberatungsstellen
• Schulpsychologischer Dienst
• Infopoints des Netzwerks für Alleinerziehende
• Spezifische Beratungsstellen
 Schwangerschaft, Sexualität,
 Suchthilfe
 Schulden,
 Medienkompetenz
 Pflegestützpunkt
 …
• Sprach- und Kulturmittlung
• Migrationsdienst, Jugendmigrationsdienst
Aufsuchende Angebote (Geh-Strukturen)
Aufsuchende Angebote der Familienbildung und -beratung
• Familienhebammen
• Ersthausbesuch des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes
• Hausbesuch von Kita und Schule
• Aufsuchende Hilfen zur Erziehung
 Familienhelfer,
 Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung
Streetwork und ihre Träger
Betreuungseinrichtungen

6

• Stationäre Wohngruppen des Kinder- und Jugendwohnen (HzE)
• Betreute Wohngruppen
• Wohn und Pflegeheime

Wirtschaft und Arbeitswelt
Industrie und Handwerk, Gastronomie
Marzahn-Hellersdorf Wirtschaftskreis
 Regionaler Ausbildungsverbund (RAW)
• Unternehmerstammtische
Wohnungsbaugesellschaften
Industrie- und Handwerkskammer IHK, Berufsgenossenschaften
Jugendberufshilfe und ihre Träger
• Beratung, Begleitung und Betreuung
• Berufsorientierung, Berufsvorbereitung
• sozialpädagogisch begleitete Berufsausbildung
• sozialpädagogisch begleitete Wohnformen der Jugendberufshilfe

7

Vereine, Verbände, Stiftungen
Religiöse Gemeinschaften,
Jugendweiheverband, Humanistischer Verband Berlin
Bezirkssportbund, Sportvereine (siehe Bezirks-Schul- und Sportam t)
Kulturvereine
Kinderschutzbund

8

Politik
Bezirksverordnetenversammlung (BVV)
Jugendhilfeausschuss (JHA)
Kommunalpolitiker/innen, Mitglieder von BVV, Ausschüssen und Ortsvereinen
4

9

Medien
Lokale Zeitungen und Wochenblätter
Aushänge, Infotafeln, Beschilderung, Wegweiser etc.
Lokales Radio und TV
Internetseiten, Newsletter, Apps

10

Vernetzungs- und AG-Strukturen
Thematische Arbeitsgruppen des Jugendamtes nach § 78 SGB VIII:
• AG „Tagesbetreuung von Kindern“
• AG „ Übergang Kita-Grundschule“
• AG „Erziehungs- und Familienberatung“
• AG „Hilfen zur Erziehung“
• AG „Familienförderung“
• AG "Geschlechterdifferenzierte Kinder- und Jugendarbeit Berlin Marzahn-Hellersdorf“
• AG "Kinder- und Jugendarbeit Marzahn-Hellersdorf"
• AG "Mobile Jugendsozialarbeit"
• AG „Jugendsozialarbeit an Schulen in Marzahn-Hellersdorf“
• AG „Bunter Tisch - Jugendkultur(aufbruch) Marzahn-Hellersdorf“
• AG "Prävention des Suchtverbundes"
• AG "Jugend und Arbeitswelt“
Regionale Vernetzungsrunden des Jugendamtes nach § 78 SGB VIII in den
Sozialraumregionen
Weitere bezirkliche Arbeitsgruppen und Gremien
• AG „Bewegungsfreundliche Kita / Wahrnehmung Bewegung und Entspannung“
• AG „Integration von behinderten und nicht behinderten Kindern“
• Netzwerk Kinderschutz
• AG „Jugendschutz“
o Präventionsrat Marzahn-Hellersdorf
o Bündnis für Kinder Marzahn-Hellersdorf
o AG IPSE – Lokales Bündnis für Familie in Marzahn-Hellersdorf
o Netzwerk Alleinerziehende
o Forum Chancen – Netzwerk im Übergang Schule-Beruf
Gremien und Ausschüsse
• Schulleiter/innen/runden

 Bezirksschulbeirat (Lehrer/innen, Eltern, Schüler)

Bezirkslehrerausschuss

Bezirksschülerausschuss

Bezirkselternausschuss
Regionale Vernetzung und Koordination
• Quartiersmanagement
• Lokale Bündnisse (z.B. Netzwerk „Starke Kinder“ in Hellersdorf Nord)

5

Good Practice Werkstatt rund um die Geburt
Die „Good Practice Werkstatt rund um die Geburt“ ist von der Koordinierungsstelle
Gesundheitliche Chancengleichheit Berlin für das Modellvorhaben entwickelt worden. Sie ist
in der Referenzregion Hellersdorf-Nord im Januar 2012 als Auftakt zur gemeinsamen
Zielfindung und Maßnahmenplanung durchgeführt worden. Vorrangig geht es darum zu:
Klären

Was ist mein/ unser Anliegen in unserem Stadtteil/ in unserem Bezirk?
Welchen Bedarf habe ich als Akteur/in in meinem Arbeitsfeld und in der Zusammenarbeit mit anderen Professionen?
 Welchen Bedarf haben die Familien?
Erarbeiten
 Welche Schritte/ Maßnahmen/ Vorhaben können wir mit den zur Verfügung
stehenden Ressourcen umsetzen?
 Welche guten Ansätze können wie ausgebaut werden?
 Wie gelingt der Zugang zu Familien in belastenden Lebenslagen?
Formulieren
 Was sind die Ziele der eigenen und gemeinsamen Arbeit, um Familien in der Phase
rund um die Geburt bedarfsgerecht zu unterstützen?
 Was sind Meilensteine und Indikatoren für die Zielerreichung?
 An welchen Zielen wird bereits gearbeitet?
 Welche Ziele können gemeinsam formuliert werden?
 Welche Indikatoren zur Zielerreichung sind uns wichtig?
Vereinbaren
 Wer kann welche Ressourcen zur Verfügung stellen/ welche Aufgaben übernehmen?



www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/gesundheitsfoerderung-bei-kindern-undjugendlichen/gute-praxis/werkstatt-rudg/

A

KURZKONZEPT KITATRANSFERTAGE (ARBEITSVERSION)
Stand: Oktober 2013
Hintergrund
„Die Frage, ob wir krank werden oder gesund bleiben, entscheidet sich vor allem dort, wo
wir wohnen, spielen, lernen oder arbeiten. Kindertagesstätten befinden sich daher in einer
wichtigen Schlüsselposition. Sie können das gesunde Aufwachsen von Mädchen und Jungen
schon früh beeinflussen. Gesundheitsförderung ist für Kindertagesstätten daher hochaktuell.
[…] Gesundheitsförderung im Setting Kindertagesstätte schließt das Klassische ein und geht
weit darüber hinaus. Sie sieht die Kindertagesstätte nicht nur als Ort, über den möglichst
viele Kinder und Eltern erreicht werden können, sondern auch als Arbeitsplatz mit typischen
Belastungen und Ressourcen und als wichtigen Kooperationspartner im Gemeinwesen“
(Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachen e.V.
(2010) Gesunde Kita für alle, Leitfaden zur Gesundheitsförderung im Setting
Kindertagesstätte, S. 5).
In Marzahn-Hellersdorf leben insgesamt 244.637 Menschen, davon 13.406 Kinder im Alter
von null bis sechs Jahren. Marzahn-Hellersdorf hat 78 Kindertagestätten, in denen aktuell
9.314 Kinder betreut werden. Darüber hinaus gibt es in Marzahn-Hellersdorf 46
Tagespflegestellen, die aktuell 217 Kinder betreuen.
Die Inanspruchnahme der Kitaleistungen in Marzahn-Hellersdorf stellt sich folgendermaßen
dar:
 insgesamt 71 % der Kinder im Alter von 0-6 Jahren werden in Marzahn-Hellersdorf in
Kitas und Tagespflege betreut
 97 % der Kinder im Vorschulalter (3-6 Jahre) werden in Kitas und Tagespflege
betreut
 86 % der Kinder werden länger als zwei Jahre in Kitas und Tagespflege betreut
 nur 44 % der Kinder vor dem dritten Lebensjahr werden in Kitas und Tagespflege
betreut
 (Stichtag 31.12.2010, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg)
„Trotz einer insgesamt positiven Bilanz der Kindergesundheit in Deutschland gibt es bei etwa
20 % der Heranwachsenden gesundheitliche Auffälligkeiten.[…] Betroffen sind Kinder vor
allem, wenn ihre Familien unter Mehrfachbelastungen stehen (wie niedriges Einkommen,
Arbeitslosigkeit, hohe Kinderzahl, soziale Isolation, Migrationsgeschichte, schwieriges
Wohnumfeld). Die daraus resultierenden Lebensbedingungen beeinflussen die körperliche,
psychische und soziale Entwicklung. Für sozial benachteiligte Mädchen und Jungen sind sie
mit Risiken verbunden, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen im späteren
Lebensverlauf führen können“ (Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für
Sozialmedizin Niedersachen e.V. (2010) Gesunde Kita für alle, Leitfaden zur
Gesundheitsförderung im Setting Kindertagesstätte, S. 11).
In Marzahn-Hellersdof werden 36 % der Einschüler/innen der unteren sozialen Schicht und
21 % der oberen sozialen Schicht zugeordnet.
97 % der Kinder haben eine Kita besucht, dennoch kommen vor allem Kinder aus sozial
schwachen und bildungsfernen Familien mit Entwicklungsrückständen und -defiziten in die
Schule. Wenn das Elternhaus die notwendigen Anregungen nicht leisten kann, die das Kind
für eine altersgerechte Entwicklung braucht, sind Kita und Schule gefragt.

(Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf (2009) Ergebnisse der Ergebnisse der
Einschulungsuntersuchungen Schuljahr 2008/2009)
„Bildung, Erziehung und Betreuung in Krippen und Kindertagesstätten sollen dazu beitragen,
dass jedes einzelne Kind gleiche Rechte und gute Chancen für eine lebenswerte Perspektive
in dieser Gesellschaft hat, gleich welchem Geschlecht es angehört, gleich, in welcher sozialen
und ökonomischen Situation seine Eltern leben, gleich, welcher ethnischen-kulturellen
Gruppe es selbst und die Mitglieder seiner Gruppe angehören (…)“ (Senatsverwaltung für
Bildung, Jugend und Sport (2004) Das Berliner Bildungsprogramm für die Bildung, Erziehung
und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem Schuleintritt, S. 18).
Das Berliner Bildungsprogramm unterstützt die Kindertagesstätten in ihrer täglichen Arbeit.
Untergliedert ist das Bildungsprogramm in die sieben Bildungsbereiche:
 Körper, Bewegung und Gesundheit
 Soziale und kulturelle Umwelt
 Kommunikation: Sprachen, Schriftkultur und Medien
 Bildnerisches Gestalten
 Musik
 Mathematische Grunderfahrungen
 Naturwissenschaftliche und technische Grundfragen
(Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport (2004) Das Berliner Bildungsprogramm für
die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem
Schuleintritt, S. 40-98)
Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf - Modellvorhaben Präventionskette
In Marzahn-Hellersdorf gibt es bereits eine Vielzahl von Beispielen guter Praxis, die Familien
in schwieriger sozialer Lage dabei unterstützen können, ihren Kindern ein gesundes
Aufwachsen zu ermöglichen. Viele dieser vorbildlichen Ansätze werden von
Kindertagesstätten umgesetzt, so z.B. das Konzept der bewegungsfreundlichen Kitas, mit
dessen Leitlinien Qualitätsstandards entwickelt werden konnten.
Fragen, die in der täglichen Arbeit immer wieder auftauchen:
 Wie gelingt der Zugang zu Familien in schwieriger sozialer Lage?
 Wie können Eltern-Erzieher/innen-Partnerschaften gelingen?
 Wie können Eltern in ihrer Kompetenz wahrgenommen und gefördert werden?
Umsetzung
Innerhalb des Modellvorhaben „Gesund aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf“ sollen die
Ansätze guter Praxis in Marzahn-Hellersdorf sichtbar gemacht und verbreitet werden! Die
Formulierung gemeinsamer Qualitätserfordernisse für die Arbeit mit Familien in
schwierigier sozialer Lage soll dabei das zentrale Ziel sein.
Innerhalb von sogenannten Kitatransfertagen1 soll dieses Ziel umgesetzt werden. Im
Rahmen von Kitatransfertagen werden die Fragen nach:
geeigneten Zugängen zu Familien in schwieriger sozialer Lage
 guten Ansätzen der Elternarbeit
 bewährten Ansätzen zur Förderung der Elternkompetenz
1

Die Kitatransfertage finden in Anlehnung an die in Brandenburg bereits etablierten Transfertage statt, die dort
im Rahmen der Arbeit des Netzwerkes „Gesunde Kita“
(http://www.masf.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.214935.de) umgesetzt werden.

Seite 2 von 3



… (weitere Themen möglich, z.B. Übergang Familie/Kita, Übergang Kita/Grundschule)

aufgegriffen und bearbeitet. Eine Kindertagesstätte stellt ihre Arbeit dabei exemplarisch vor
und interessierte Enrichtungen können sich im Anschluss innerhalb einer (kurzen)
Hospitation ein Bild von der Umsetzung machen. Im Anschluss findet ein moderierter
Erfahrungsaustausch statt.
Das Vorgehen noch einmal etwas ausführlicher dargestellt:
1. Impulsbeitrag: Eine Kindertagesstätte stellt ihre Arbeit als „Expertin eines
speziellen Themenfeldes“ vor (z.B. professionelle Haltung im Umgang mit Eltern in
schwieriger sozialer Lage)
2. Hospitation: Im Anschluss haben die Teilnehmer/innen (Vertreter/innen aus
anderen Kindertagesstätten) die Möglichkeit, die Einrichtung zu besichtigen
3. Erfahrungsaustausch: Nach dem Rundgang folgt eine moderierte Diskussion über
Erfolgsindikatoren und Barrieren
4. Formulierung gemeinsamer Qualitätserfordernisse: Im Anschluss an die
jeweiligen Transfertage besteht die Möglichkeit, mit einzelnen Vertreter/innen der
Einrichtungen gemeinsam Qualitätserfordernisse für die tägliche Arbeit zu formulieren
(Bsp: Welche Möglichkeiten der Beteiligung von Eltern im Kitalltag haben sich
bewährt?) und diese in Form von Handreichungen o.ä. anderen Einrichtungen zur
Verfügung zu stellen.
Kitatransfertage, die bereits umgesetzt werden konnten:
1.
2.
3.
4.
5.
6.

Wie können Eltern-Erzieher/innen-Partnerschaften gelingen?
Wie kann eine Kita zu einer zentralen Begegnungsstätte im Stadtteil werden?
Zugangswege zu Familien mit Migrationshintergrund
Zugang zu Sprache schaffen!
Sprache im Alltag fördern!
Bewegungsförderung – ein integrativer Anspruch der täglichen Arbeit

Nachhaltigkeit
Kindertagesstätten die Möglichkeit zu geben, zu verschiedensten Themen die die tägliche
Arbeit bewegen, in einen moderierten Erfahrungsaustausch einzusteigen, ist von den
Kindertagesstätten in Marzahn-Hellersdorf mit großem Interesse angenommen worden (die
letzten Transfertage fanden aufgrund der hohen Anmeldezahlen jeweils doppelt statt). Die
Teilnehmenden haben die Transfertage als große Bereicherung ihrer täglichen Arbeit erlebt.
Aus diesem Grund wurde für das Jahr 2014 eine Kooperationsvereinbarung zwischen der
Alice Salomon Hochschule (wissenschaftliche Prozessbegleitung), dem Bezirksamt MarzahnHellersdorf/Jugendamt (fachliche Begleitung und Moderation), dem bezirklichen Träger AWO
pro:mensch (fachliche Begleitung und Moderation) und Gesundheit Berlin-Brandenburg
(Projektträger/Prozessbegleitung) geschlossen. Die Transfertage werden seit Mitte 2014 in
Eigenregie der Kooperationspartner durchgeführt.
Kontakt für Nachfragen:
Projektträger des Modellvorhabens „Gesund Aufwachsen in Marzahn-Hellersdorf
Gesundheit Berlin Brandenburg
Ansprechpartnerin: Maren Janella, Tel.: 030-44319076, Mail: janella@gesundheitbb.de

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Produkte der Marzahn-Hellersdorfer Präventionskette
Auf dieser Seite sind die Produkte zusammengestellt, die im Rahmen des Modellvorhabens
gemeinsam von bezirklichen Akteurinnen und Akteuren und Gesundheit BerlinBrandenburg entwickelt wurden. Die Veröffentlichungen* stehen Ihnen unter
www.berlin.de und www.gesundheitliche-chancengleichheit.de als download zur Verfügung.
Fahrplan „Was ist wichtig in der Zeit rund um die
Geburt?“
Der Fahrplan „Was ist wichtig in der Zeit rund um die Geburt?“
richtet sich an (werdende) Eltern. Er enthält Informationen dazu,
was in der Zeit der Schwangerschaft und nach der Geburt des
Kindes erledigt werden muss und welche finanziellen und
materiellen Hilfen wann und wo beantragt werden können.

Kita-Fibel
Die Kita-Fibel gibt Tipps und Anregungen für einen guten Kita
Start. Sie informiert über Themen, die für einen gelingenden
Übergang in die Kita von Bedeutung sind. Z.B. die Auswahl der
Kita, die Anmeldung in der Kita und die gute Vorbereitung auf die
Kita.

Handreichung „Wie können Erziehungspartnerschaften in
der Praxis gelingen?“
Mit dieser Handreichung erhalten interessierte Erzieher/innen und
weitere Partner/innen auf ansprechende und praxisnahe Art und
Weise Anregungen und Tipps für den Alltag: Wie gelingt der Zugang zu Eltern? Wie können Eltern in ihren Kompetenzen
wahrgenommen und gefördert werden? Wie gelingt der Aufbau
einer vertrauensvollen Beziehung zu Eltern?

Elternkompass
Der Elternkompass umfasst Informationen für Eltern und ihre
Kinder am Übergang von der Grundschule in die Oberschule:
neben Informationen aus der Schule finden Eltern Material zur
Berufsorientierung und zum gesunden Heranwachsen in der
Pubertät sowie zu Freizeit- und Unterstützungsangeboten.

* beim Elternkompass derzeit noch in der Umsetzung

Good Practice Kriterien in der Gesundheitsförderung

Quelle: www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/good-practice/good-practice-kriterien/

1

Um Ergebnisse und Prozesse gut planen und anschließend überprüfen zu können ist eine klare Beschreibung von Zielen und Maßnahmen
sinnvoll. So kann im Prozessverlauf immer wieder kontrolliert werden, was bereits erreicht worden ist und wo ggf. auch neue Ziele und
Meilensteine formuliert werden müssen/können. Die Ziele-und Maßnahmentabelle kann Vorlage sein und soll als Anregung dienen.

Ziele- und Maßnahmentabelle
Ziele

Zeitplan

Indikatoren
(Prozess/ Ergebnis)

Produkt

verantwortlich

Partner

Ziel 1
Der im Modellvorhaben entwickelte lokale Fahrplan: „Was ist wichtig in der Zeit rund um die Geburt?“ wird mit Partner/innen überarbeitet, für die Verbreitung
auf der Bezirksebene aufbereitet und von Fachkräften an Familien rund um die Geburt übermittelt.

Meilenstein 1a
Der Fahrplan „Was ist wichtig
in der Zeit rund um die Geburt?“ liegt den Akteur/innen
rund um die Geburt vor und
wird an Schwangere und
junge Familien übermittelt.

Meilenstein 1b
Ziel 2
Meilenstein 2a
Meilenstein 2b
Meilenstein 2c
Ziel 3
Meilenstein 3a
Meilenstein 3b

Druck Fahrplan:
Januar 2014
Verteilung Fahrplan:
Februar 2014

weiterentwickelter, auf den
Bezirk übertragener Fahrplan
liegt vor und wird von
Akteur/innen eingesetzt

Fahrplan: „Was ist
wichtig in der Zeit rund
um die Geburt?“

Netzwerk „ Rund
um die Geburt“

Fragebogen zur Rückmeldung der Kita-Fibel
1. Ihre Einrichtung ist ein/e:
Bürgeramt
Familienzentrum
Kinder-, Jugend- und Familienzentrum
Kinderarztpraxis
Kita
Kitagutscheinstelle
Sonstiges
2. Besitzen Sie bereits Exemplare der Kita-Fibel in Ihrer Institution?
Nein
Nein, aber wir möchten gerne Exemplare erhalten
Ja
Wenn „Ja“, an welche Zielgruppe(n) haben Sie die Kitafibel verteilt?
Eltern
Fachkräfte
Andere Institutionen /Einrichtungen:
Sonstige
Wenn „ja“, bei welchem Anlass haben Sie die Fibeln weitergereicht bzw. weiterempfohlen?
auf Nachfrage
bei Beratungen
bei Ersthausbesuchen
Fibeln sind in unserer Einrichtung ausgelegte Informationsbroschüren
Sonstiges
Wenn „ja“, schätzen Sie bitte ein wie oft die Kita-Fibel in Ihrer Einrichtung verteilt wird:
(mehrmals) täglich

(mehrmals) wöchentlich

(mehrmals) monatlich

3. Inwieweit hilft bzw. unterstützt die Kita-Fibel Sie bei der Arbeit?
sehr gut

gut

mittelmäßig

kaum

gar nicht

…bitte wenden…

Kein Urteil möglich

4. Welches Feedback erhielten Sie von Nutzer/innen (z.B. Eltern) der Kita-Fibel?
sehr gut

gut

mittelmäßig

unzufrieden

schlecht

Kein Urteil möglich

Wir haben Kita-Fibeln an Bürgerämter, Familienzentren, Kinder-, Jugend- und Familienzentren,
Kinderarztpraxen, Kitas sowie Kitagutscheinstellen verteilt. Kennen Sie weitere Akteure, die von
der Fibel profitieren könnten und diese bislang nicht erhalten haben?

5. Benötigen Sie (weitere) Exemplare der Kita-Fibel?
Nein
Ja
Wenn „ja“ in:

deutscher Sprache
russischer Sprache
vietnamesischer Sprache
(Mehrfachnennungen möglich)

Weitere Anmerkungen zur Kita-Fibel:

Gerne können Sie hier Ihre Adresse und Telefonnummer angeben, damit wir mit Ihnen in Kontakt
treten bzw. Ihnen Kita-Fibeln zusenden können (ansonsten können Sie diesen Fragebogen auch
anonym ausfüllen):

Vielen Dank für Ihre Teilnahme!

Bitte senden oder faxen Sie den Bogen zurück an: Gesundheit Berlin-Brandenburg, z.Hd. Maren
Janella, Friedrichstraße 231, 10969 Berlin, oder per Fax:: 443 190 63 oder per Mail an
janella@gesundheitbb.de. Rückfragen jederzeit gerne unter: Tel.: 443 190 76.

Profil Koordination der Präventionskette
Funktion

 Sicherung einer bedarfsgerechten Angebotsstruktur und eines

niedrigschwelligen Zugangs zu Unterstützungsangeboten für alle
Familien (insbesondere für Familien in belastenden Lebenslagen)

 nachhaltige Etablierung von interdisziplinären Netzwerken

Aufgabenprofil

 Steuerung, Koordination und Weiterentwicklung bezirklicher

Netzwerkstrukturen

 Entwicklung eines Kooperations- und Kommunikationsrahmens

zum Auf- und Ausbau der Präventionskette

 Erarbeitung von Qualitätsstandards zur Umsetzung der

Präventionskette (z. B. Erstellung von Kompetenzprofilen für
Fachkräfte, Formulierung von Qualitätsanforderungen für
Angebote, Formulierung und Umsetzung von Gesundheitszielen)

 Organisation von Fort- und Weiterbildungen bzw. Qualifizierung

von Fachkräften (z. B. Vorbereitung und Koordination von
Fachaustauschen, Fortbildungen usw.)

 Erstellung, Auswertung und Aufbereitung von Bestands-

aufnahmen und Übersichten (auf Grundlage von Daten der GBE)
zur Dokumentation, Identifizierung von Lücken und als
Planungsgrundlage zur Konzeption und Umsetzung von
Unterstützungsangeboten

 Planung und Steuerung des Ausbaus von Unterstützungs-

angeboten für Familien

 Umsetzung partizipativer Methoden zur Einbeziehung der

Zielgruppen (z. B. Elternbefragungen, Beteiligung der
Zielgruppen an Netzwerktreffen)

 Dokumentation und Evaluation der Arbeit
 Teilnahme und Mitwirkung an bezirklichen Veranstaltungen
 Öffentlichkeitsarbeit

Qualifikationen



Fachkenntnisse im Bereich der Gesundheitsförderung und der
Kinder- und Jugendhilfe



Kenntnisse über die Strukturen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf



Moderationskompetenzen



Erfahrung in der Netzwerkarbeit und der Kooperation in
multidisziplinären Teams
        
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