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Full text: Sozialbericht ... der Stadt Erlangen Issue 2009

11/2009

Sozialbericht 2009
der Stadt Erlangen

Stadt Erlangen, Abteilung Statistik und Stadtforschung

Vorwort
Liebe Erlangerinnen,
Liebe Erlanger,
nach den Berichten der Bundesregierung und
der Regierung des Freistaates Bayern legt nun
die Stadt Erlangen einen Bericht über die soziale
Lage innerhalb unserer Stadtgrenzen vor. Dieser Bericht wurde von der Abteilung für Statistik
und Stadtforschung in Zusammenarbeit mit dem
Sozialamt sowie dem Jugendamt erarbeitet.
Auch wenn Erlangen nach wie vor zu den – im Bundesvergleich - wohlhabenden Städten gehört, deren Bürger ein überdurchschnittliches Einkommen
und überdurchschnittlich hohes Bildungsniveau haben, ist es wichtig und notwendig, sich mit dem gesamten sozialen Spektrum zu beschäftigen. Auch
in unserer Stadt leben Menschen unter oder knapp über der Armutsgrenze,
erreichen nicht die Bildungsabschlüsse, die ihren Fähigkeiten entsprechen
und haben es daher schwer, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen.
Die generelle Tendenz und die monatlichen Zahlen beispielsweise zum
SGB II und SGB XII werden auch außerhalb eines Sozialberichtes engmaschig beobachtet und veröffentlicht. Sie sind wichtige Indikatoren für Politik,
interessierte Bürger und Verwaltung.
Dennoch hat dieser Bericht seine Berechtigung, da wir nun nicht nur aktualisierte Zahlen haben, sondern Zusammenhänge erkennen können: Bildung,
Nutzung von Informationstechnologie, Fragen zu Senioren oder Menschen
mit Migrationshintergrund werden ebenso beleuchtet wie das Herunterbrechen der Zahlen auf einzelne Stadtbezirke.
Der Bericht wird für die Arbeit in den betreffenden Ämtern, aber auch für Politik und engagierte Bürger, Vereine und Verbände eine solide Arbeitsgrundlage für die kommenden Jahre sein.
Erklärtes Ziel der Stadt Erlangen ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern, allen
Menschen in allen Generationen Vorraussetzungen zu bieten, dass sie ihre
Zukunft nicht nur selber planen können, sondern finanziell unabhängig sind
und damit möglichst wenig von Transferleistungen leben müssen. Auch hierfür sind die Leistungen aus dem Sozialamt und aus dem Jugendamt ein wichtiger Beitrag, denn beide Ämter helfen nicht nur finanziell, sondern stehen in
vielen Lebenssituationen mit Rat und Tat zur Seite.
Wir hoffen, dass dieser Sozialbericht eine informative Grundlage für die Arbeit
zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger sein wird.
Mit freundlichen Grüßen

Dr. Elisabeth Preuß
Bürgermeisterin und Sozialreferentin

Sozialbericht 2009 der Stadt Erlangen
Zusammenfassung
Der vorliegende Sozialbericht liefert Informationen
über die soziale Lage der Bevölkerung Erlangens.
Umfangreiches statistisches Datenmaterial wurde
dazu unter den Aspekten der Lebenslagen und der
Verteilung von Armut und Reichtum ausgewertet.
Die wichtigsten Ergebnisse:
•	 Das monatliche Pro-Kopf-Einkommen der Erlangerinnen und Erlanger beträgt durchschnittlich
rund 1.700 Euro.
•	 Wie überall in der Bundesrepublik Deutschland
gibt es auch in Erlangen eine große Kluft zwischen
Arm und Reich: Während ein Viertel der Erlanger
mit einem Einkommen von weniger als 1.070 Euro
lebt, verfügt ein weiteres Viertel über ein Einkommen von mehr als 2.200 Euro.
•	 Die niedrigsten Durchschnittseinkommen finden
sich im Tal (Bezirk 04), in Teilen Büchenbachs
(Bezirke 76 und 77) sowie in Bachfeld (Bezirk 44).
Spitzenreiter sind In der Reuth (Bezirk 71), der
Burgberg (Bezirk 20) und Loewenich (Bezirk 23).
•	 Wenn man die Erlanger mit einem Pro-Kopf-Einkommen von weniger als 755 Euro (Hälfte des
Median-Einkommens) als relativ einkommensarm definiert, so trifft dies auf rund 16 Prozent der
Bevölkerung zu. Jeder Fünfzehnte verfügt über
ein Pro-Kopf-Einkommen von unter 400 Euro.
•	 Zehn Prozent der Bevölkerung haben ein hohes
Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 2.830 Euro.
Diese findet man vor allem am Burgberg (Bezirk
20), in der Altstadt (Bezirk 01), in Loewenich
(Bezirk 23) und im Röthelheimpark (Bezirk 33).
•	 Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen von
Deutschen ist ein Viertel höher als das von NichtDeutschen. Letztere sind häufiger geringfügig
beschäftigt und seltener voll erwerbstätig. Deutsche leben zudem öfter in einem Doppelverdienerhaushalt und arbeiten häufiger in hoch dotierten Berufspositionen.
•	 Ein Vergleich der Pro-Kopf-Einkommen nach
Nationalität zeigt, dass unter den Nicht-Deutschen
nationalitätsspezifisch große Unterschiede bestehen. Während aus bestimmten Herkunftsländern
Spitzenverdiener in Erlangen ansässig sind, finden sich am anderen Ende des Spektrums Flüchtlinge, die oft auf Sozialleistungen angewiesen
sind. Der Bezug von Sozialleistungen kann ein
Ausweisungsgrund sein. Deshalb ist bei NichtDeutschen anzunehmen, dass häufig Sozialleistungen trotz formeller Anspruchsberechtigung
nicht in Anspruch genommen werden.
•	 Die Wohnbedingungen von Migranten sind tendenziell schlechter als die der deutschen Bevölkerung.

•	 Hohe Schulbildung und hohes Einkommen fördern sich gegenseitig. Die Chancen für höhere
Bildungsabschlüsse der Kinder sind größer, wenn
auch die Eltern über solche Abschlüsse verfügen.
Allerdings wird dies von einem Einkommenseffekt
überlagert: Kinder von einkommensschwachen
Eltern sind deutlich seltener auf Gymnasien zu
finden, auch wenn die Eltern über eine gute Schulbildung verfügen.
•	 Frauen arbeiten häufig in geringer bezahlten
Berufen im Vergleich zu Männern mit gleicher
schulischer Vorbildung. Sie verdienen dadurch im
Berufsleben weniger, zahlen geringere Beiträge
in die Rentenkasse und verfügen somit auch über
niedrigere Altersbezüge.
•	 Arbeitslosengeld I spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle, da die Anspruchsdauer durch die
Hartz-Reformen verkürzt wurde und Arbeitslose
schneller in den Rechtskreis des SGB II fallen, wo
sie Hartz IV-Empfänger werden. Auch bei Arbeitslosen gibt es räumliche Konzentrationen, hier vor
allem am Anger (Bezirk 40), in Bruck (Bezirke 42,
44, 45) sowie in Frauenaurach (Bezirk 61) und
Büchenbach Dorf (Bezirk 76).
•	 Sowohl beim Arbeitslosengeld I als auch bei
der Quote der Hartz IV-Empfänger ist Erlangen
im bayerischen Vergleich im untersten Bereich,
wobei es allerdings große Unterschiede zwischen
einzelnen Bevölkerungsgruppen und räumliche
Konzentrationen gibt.
•	 Auch in Erlangen sind Kinder überdurchschnittlich häufig von Hartz IV abhängig. Mehr als jedes
achte Kind unter drei Jahren in Erlangen ist
Hartz IV-Empfänger.
•	 Jeder vierte Alleinerziehendenhaushalt ist auf
Hartz IV angewiesen. Junge Familien und Alleinerziehende sind darüber hinaus überdurchschnittlich häufig auf geförderten Wohnraum angewiesen.
•	 Besonders hohe Anteile an Hartz IV-Empfängern
finden sich in einem Teilgebiet des Röthelheimparks (Bezirk 33), am Anger (Bezirk 40) und in
Büchenbach Nord (Bezirk 77). Am Anger und in
Büchenbach Nord finden sich auch bei den Kindern die höchsten Anteile.
•	 Bei der Grundsicherung im Alter sind unter der ausländischen Bevölkerung weitaus höhere Anteile zu
finden als unter der deutschen: Während nur gut
ein Prozent der Deutschen im Alter von 65 Jahren
oder älter Leistungen zur Grundsicherung bezieht,
sind es fast 14 Prozent der Nicht-Deutschen.
Unzureichende Altersbezüge bei Ausländern
sind auf gebrochene Erwerbsbiografien in Bezug
auf das deutsche Rentenversicherungssystem

Stadt Erlangen, Abteilung Statistik und Stadtforschung, Postfach 3160, 91051 Erlangen, Tel. (09131) - 86 2563
E-Mail: statistik@stadt.erlangen.de
Internet: www.erlangen.de/statistik
Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet

•	

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4

zurückzuführen sowie das allgemein niedrigere
Lohnniveau bei Ausländern.
Von niedrigen Einkommen sind unter den Senioren vor allem alleinstehende Frauen betroffen,
meist Witwen.
Den heutigen Senioren, die in der Zeit des „Wirtschaftswunders“ im Berufsleben standen, folgt
nach und nach eine Seniorengeneration, deren
Altersbezüge eher von wirtschaftlicher Rezession
geprägt sein werden. Es ist mit einem zunehmenden Anteil an Senioren mit unzureichender Altersvorsorge zu rechnen.
Alleinerziehende – in mehr als 90 Prozent der
Fälle handelt es sich um Frauen - sind überdurchschnittlich häufig von Einkommensarmut
betroffen. Hier liegen die Probleme vor allem in
der Vereinbarkeit von Kindererziehung und einer
Erwerbstätigkeit mit angemessenem Einkommen.
Alleinerziehende verfügen häufig über niedrigere
schulische und berufliche Bildungsabschlüsse
und somit auch über geringere Einkommen.
Außerdem haben sie häufig keine Möglichkeit,
einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen.
Dass Kinder ein Armutsrisiko darstellen, zeigt
auch die Situation der vollständigen Familien in
Erlangen. Das Pro-Kopf-Einkommen sinkt, je größer die Familie ist. Aus einer Befragung von Eltern
ergibt sich, dass das Haushaltseinkommen häufig
nur dann ausreicht, wenn - oft unfreiwillig - beide
Elternteile arbeiten.
Die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse und der Beschäftigung in „Mini“- und „Midi“Jobs und der Leiharbeit führt zur „Erwerbsarmut“
bzw. ist oft schon Ausdruck eines bereits bestehenden Armutsrisikos, denn immer häufiger wird
durch Nebenjobs das in der Haupterwerbstätigkeit
erzielte Einkommen aufgebessert.
Betrachtet man die Abweichung vom durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen nach verschiedenen soziodemografischen Merkmalen (Abb. 1),
so zeigen sich starke Abweichungen nach unten
in den Gruppen mit niedrigem schulischen und
beruflichen Bildungsgrad sowie bei Beschäftigung
in niedrigen Berufspositionen.
Die größten Abweichungen vom Durchschnittseinkommen nach oben ergeben sich bei den leitenden Angestellten und den männlichen Singles.
Ein Index für „soziale Belastung“ gibt Aufschluss
darüber, wo und bei welchen Bevölkerungsgruppen sich Problembelastungen tendenziell konzentrieren. In kleinräumiger Betrachtung zeigen sich
besonders starke Belastungen in Bachfeld (Bezirk
44), gefolgt von Büchenbach Dorf (Bezirk 76),
dem Anger (Bezirk 40), Schönfeld (Bezirk 42),
Rathenau (Bezirk 41) und Tal (Bezirk 04).
Geringe Belastungen finden sich in der Reuth
(Bezirk 71), in Dechsendorf Ost (Bezirk 81), Neuses (Bezirk 60), Tennenlohe (Bezirk 52), Dechsendorf West (Bezirk 80), am Burgberg (Bezirk
20) sowie in Sieglitzhof (Bezirk 22).

1.	 Einleitung
Die Sozialberichte von Bund und Land aus jüngster
Zeit haben über die letzten zwei bis drei Jahrzehnte
hinweg ein stetiges Anwachsen der Armutsquoten
in Deutschland ergeben – völlig unabhängig davon,
wer in Bonn oder Berlin gerade an der Regierung
war. Es ist deshalb nicht nur legitim, sondern sinnvoll
und notwendig, wenn sich die vor Ort Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Verbänden mit den
Ursachen dieser Entwicklung auseinandersetzen
und sich auf die Suche nach wirksamen Gegenstrategien machen.
Der vorliegende Sozialbericht für die Stadt Erlangen
hat das Ziel, möglichst umfassende Informationen
über die soziale Lage der Bevölkerung bereitzustellen. Eine Vielzahl statistischer Daten wird unter den
Aspekten der Lebenslagen, der Verteilung von Armut
und Reichtum sowie im Hinblick auf besondere
Armutsrisiken bei einzelnen Personengruppen analysiert. Es sollen ein umfassender Zugang zur sozialen Lage der Bevölkerung aus unterschiedlichen
Blickwinkeln ermöglicht und Anknüpfungspunkte für
weitere Untersuchungen gegeben werden. Dabei ist
es notwendig, räumliche Beziehungen darzustellen,
um ungleiche Lebensbedingungen in wirtschaftlicher
und sozialer Sicht innerhalb Erlangens aufzuzeigen.
Anhand statistischer Daten und deren Beziehungen
zueinander ist es möglich, sich der sozialen Lage der
Erlanger so anzunähern, dass ein umfassendes Bild
von Armut und Reichtum entsteht. Der Sozialbericht
soll darüber informieren, welche potentiellen und
tatsächlichen sozialen Problemlagen in Erlangen
vorhanden sind. Ein Augenmerk liegt auf Personengruppen, die besonderen Problemlagen ausgesetzt
sind.
Grundlage der statistischen Auswertungen sind
Datenbestände zum Stichtag 31.12.2008. Sollten
Daten zu diesem Stichtag nicht oder noch nicht
vorhanden sein, wurde auf Daten zum Stichtag
31.12.2007 zurückgegriffen.
Wichtige Datenquelle ist der Einwohnerbestand aus
dem Meldewesen; dieser dient als Grundlage für
die Berechnung der Haushaltestruktur als prägendes Strukturmerkmal der Lebenslage. Dabei können
auch sehr differenzierte Auswertungen für kleine
­Gebietseinheiten vorgenommen werden. Weiterhin kann auf einige Daten des Amts für Soziales,
Arbeit und Wohnen zurückgegriffen werden sowie
auf Informationen aus dem Stadtjugendamt. Die
Bundesagentur für Arbeit liefert Datensätze über
Hilfeempfänger nach SGB II sowie Zahlen über
Arbeitslosigkeit in Erlangen. Sehr hilfreich sind die
Befragungen, die von der Abteilung Statistik und
Stadtforschung regelmäßig durchführt werden. Bei
den seit 2001 stattfindenden Bürgerbefragungen
„Leben in Erlangen“ werden immer auch Sozialstruktur-Merkmale abgefragt. Hier liegen Daten in einer
Differenziertheit vor, wie sie momentan keine andere
Quelle bietet. Neben den allgemeinen Bürgerbefragungen liegt außerdem eine Befragung der Abteilung
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Männer
Frauen
Deutsche
Nicht-Deutsche
Singles männlich
Singles weiblich
Paare ohne Kind
Paare mit einem Kind
Paare mit zwei Kindern
Paare mit 3 und mehr Kindern
Alleinerziehende
Einwohner unter 15 Jahre
Einwohner im Alter 15 bis unter 25 Jahre
Einwohner im Alter 25 bis unter 35 Jahre
Einwohner im Alter 35 bis unter 50 Jahre
Einwohner ab 65 Jahre
geringfügig Beschäftigte
Teilzeitbeschäftigte
Vollerwerbstätige
Rentner
Selbständige
Leitende Angestellte
Mittlere Angestellte
Facharbeiter/innen
Einfache Angestellte
Un- und Angelernte
Personen mit Volks-/Hauptschulabschluss
Personen mit mittlerer Reife
Personen mit (Fach-)Hochschulreife
-60% -50% -40% -30% -20% -10%

+10% +20% +30% +40% +50% +60%

Abb. 1:	 Prozentuale Abweichung vom durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen

Statistik und Stadtforschung aus dem Jahr 2008 vor,
bei der im Auftrag des Stadtjugendamtes jede zweite
Familie mit Kindern unter 11 Jahren befragt wurde.
Viele Darstellungen erfolgen kleinräumig auf Basis
der statistischen Distrikte oder statistischen Bezirke
in Form von Karten. Die Stadt Erlangen ist zur Zeit in
40 statistische Bezirke unterteilt, wobei 39 bewohnt
sind. Statistische Distrikte sind eine weitere Unterteilung der Bezirke in kleinere Einheiten: Momentan
gibt es 115 bewohnte Distrikte in Erlangen. Übersichtskarten über die Einteilung des Stadtgebietes
in Bezirke und Distrikte finden sich am Ende dieses
Berichts.
Daten werden auf Basis von Distrikten ausgewiesen, wenn die Datenlage eine solche Differenzierung erlaubt; ansonsten erfolgt die Darstellung auf
Ebene der Bezirke. Regelmäßig kommt es vor, dass
die Fallzahlen in einzelnen Bezirken oder Distrikten
zu gering sind, so dass keine zuverlässigen Aussagen möglich sind. Dies kommt in Gebieten zustande,
die aufgrund ihres Zuschnitts nur wenige Einwohner
umfassen; so sind z.B. im Bezirk „Industriehafen“
momentan nur 48 Einwohner mit Hauptwohnsitz
gemeldet. Für solche Gebiete werden keine Werte
ausgewiesen; sie sind in den Karten grau dargestellt.
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

2.	 Bevölkerung
Zum 31.12.2008 lebten in Erlangen 104.542 Personen mit Hauptwohnsitz, davon 49 Prozent Männer
und 51 Prozent Frauen. Etwa zwei Drittel der Erlanger leben in den Stadtgebieten östlich der Regnitz,
jeder Zwölfte wohnt im Zentrum. Die Bevölkerungszahl ist dabei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und wird nach neuesten Prognoserechnungen innerhalb der nächsten 15 Jahre auf
knapp 110.000 Einwohner ansteigen.
Weiterhin sind in Erlangen zur Zeit 14.422 Personen mit Nebenwohnsitz gemeldet. Zusammen mit
der Hauptwohnungsbevölkerung ergeben sich so
118.964 Wohnberechtigte. Sämtliche Daten und
Analysen in diesem Bericht beziehen sich jedoch
lediglich auf die Personen, die mit Hauptwohnsitz
in Erlangen gemeldet sind, da Aussagen über die
Nebenwohnungsbevölkerung relativ unzuverlässig
sind. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei
der Nebenwohnungsbevölkerung überwiegend um
Studenten handelt: Fast jeder zweite Einwohner mit
Nebenwohnsitz in Erlangen ist zwischen 20 und 30
Jahre alt. Häufig kommt es vor, dass Studenten nach
Beendigung des Studiums Erlangen verlassen, ohne
ihren Nebenwohnsitz wieder abzumelden. Es ist also
5

davon auszugehen, dass sich unter der Bevölkerung
mit Nebenwohnsitz Personen verbergen, die längst
nicht mehr in Erlangen leben. Wie hoch dieser Anteil
ist, kann leider nicht abgeschätzt werden.
Abb. 2 zeigt den aktuellen Altersaufbau der Erlanger
Hauptwohnungsbevölkerung in Form einer Bevölkerungspyramide. Auf der horizontalen Achse ist die
Anzahl der Personen, auf der vertikalen das Alter
dargestellt. Die Alterspyramide zeigt die typische
Form, wie sie heutzutage üblich ist: Bei den Altersjahren um Mitte 60 ist ein Einbruch zu sehen, der
durch Geburtenausfälle infolge des zweiten Weltkrieges zustande gekommen ist. Bei den Altersjahren unter 40 zeichnet sich der allgemeine Geburtenrückgang ab, der Ende der 60er Jahre begonnen
hat („Pillenknick“). Diese Abnahme bei den unter
40-Jährigen wird überlagert von den stark besetzten
Altersjahren zwischen 20 und 30, was typisch ist für
eine Studentenstadt.
Im Wintersemester 2008/2009 studierten am
­Studienort Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität 19.928 Studenten. Obwohl ein beträchtlicher
Teil der Studenten nicht mit Hauptwohnsitz in Erlangen gemeldet ist oder auch gar nicht in Erlangen
wohnt, prägen die Studentenjahrgänge stark den
Altersaufbau in Erlangen.
Bei den 25- bis 50-Jährigen ist ein leichter Überschuss bei den Männern zu erkennen. Einen etwas
größeren Überschuss gibt es bei den Frauen ab 55
Jahren. Insbesondere bei den oberen Altersjahrgängen und den Hochbetagten überwiegen Frauen
stark. Hier spiegelt sich die höhere Lebenserwartung
der Frauen, die in Erlangen heute bei durchschnittlich 85,7 Jahren liegt. Die Lebensspanne der Frauen
ist somit im Schnitt mehr als fünf Jahre länger als
die der Männer, welche in Erlangen zur Zeit durchschnittlich 80,4 Jahre alt werden. Das Geschlechterverhältnis verändert sich bei Einwohnern über 80
Jahren so weit, dass in dieser Altersklasse auf einen
Mann zwei Frauen kommen.
Im Hinblick auf den Familienstand der Erlanger
Bevölkerung äußert sich der Frauenüberschuss
als besonders starke Ausprägung bei den Witwen
(Abb.  3). Unter den 7,6 Prozent der volljährigen Einwohner, die verwitwet sind, sind 83 Prozent weiblichen Geschlechts.
Unter Erlangens Bevölkerung ab 18 Jahren ist darüber hinaus ein gutes Drittel ledig. Im Stadtzentrum
ist der Anteil der Ledigen besonders hoch: sechs
von zehn Volljährigen sind dort unverheiratet. Etwa
die Hälfte der erwachsenen Erlanger ist verheiratet.
Acht Prozent sind geschieden.
Die Herkunft der Erlanger Bevölkerung lässt sich
unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten.
Die Staatsangehörigkeit ist dabei nach wie vor ein
wichtiges Merkmal. Neben der Staatsangehörigkeit
bekommt der Begriff des „Migrationshintergrundes“
eine zunehmende Bedeutung, da außer den „klassischen Ausländern“ - also Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit - weitere Personenkreise
6

90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
1000

500

500

Männer
Männerüberschuss

1000

Frauen
Frauenüberschuss

Abb. 2:	 Altersaufbau der Erlanger Bevölkerung zum
31.12.2008

Männer

Frauen
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

10

5
5
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

10

ledig
verheiratet
verwitwet
geschieden

Abb. 3:	 Hauptwohnungsbevölkerung zum
31.12.2008 nach Familienstand

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

mit Migrationserfahrung existieren. Dabei handelt es
sich um eingebürgerte Deutsche, optionspflichtige
Deutsche, Aussiedler sowie Familienangehörige von
Personen mit Migrationshintergrund.
Seit dem Jahr 2000 bekommen Kinder ausländischer
Eltern mit unbefristeter Aufenthaltserlaubnis die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn die Eltern seit mindestens acht Jahren in Deutschland leben. Neben
der deutschen Staatsangehörigkeit übernimmt das
Kind dann ebenfalls die Staatsangehörigkeit(en) der
Eltern. Nach dem Optionsmodell muss es sich jedoch
nach Erreichen der Volljährigkeit entscheiden, ob es
die deutsche oder die ausländische Staatsangehörigkeit behalten will.
Ausländer können eingebürgert werden, wenn sie
ein unbefristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland
haben und mindestens acht Jahre hier leben. Weitere Vorraussetzungen für eine Einbürgerung sind:
Die Person bzw. Familie muss ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können. Es müssen ausreichende Deutschkenntnisse vorhanden sein und ein
Einbürgerungstest abgelegt werden. Personen, die
eingebürgert werden möchten, dürfen nicht wegen
einer Straftat verurteilt sein und müssen sich zur
Grundordnung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bekennen. Ein Ausländer, der
eingebürgert wird, verliert dabei i.d.R. seine alte
Staatsangehörigkeit.
Als Aussiedler gilt, wer nach dem Bundesvertriebenengesetz „deutscher Staatsangehöriger“ oder
„deutscher Volkszugehöriger“ ist und u.a. in Zusammenhang mit den Ereignissen des zweiten Weltkrieges seinen Wohnsitz durch Vertreibung verloren
hat. Zu den Herkunftsländern von Aussiedlern zählen u.a. die ehemalige Sowjetunion, das ehemalige
Jugoslawien, die ehemalige Tschechoslowakei,
Polen, Ungarn und Rumänien. Aussiedler, die ab
1993 nach Deutschland kamen, werden als Spätaussiedler bezeichnet.
Da Aussiedler die deutsche Staatsangehörigkeit
haben und es auch nicht registriert ist, ob jemand
ausgesiedelt ist oder nicht, kann nur indirekt ermittelt werden, bei wem es sich um Aussiedler handelt.
Dies geschieht mittels verschiedener Merkmale wie
z.B. dem Geburtsort, anhand dessen man erkennen
kann, ob er in einem typischen Aussiedlerland liegt.
Bei den Angaben zu Aussiedlern handelt es sich
also um errechnete Werte, die auf Indizien basieren.
Zum Personenkreis mit Migrationshintergrund zählen darüber hinaus die Familienangehörigen von
Ausländern, Eingebürgerten und Aussiedlern,
sofern sie im selben Haushalt leben. Dies umfasst
Lebenspartner und Kinder.
Abb. 4 zeigt die Erlanger Bevölkerung mit deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit. Gut
13 Prozent der Erlanger haben eine nicht-deutsche
Staatsangehörigkeit. Der Ausländeranteil an der
Bevölkerung ist bei den 25- bis 30-Jährigen mit fast
23 Prozent am höchsten, wogegen die Anteile bei
Kindern und Senioren relativ gering sind.
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Männer

Frauen
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

10

5
5
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

10

ausländische Staatsangehörigkeit
deutsche Staatsangehörigkeit

Abb. 4:	 Hauptwohnungsbevölkerung mit deutscher
und nicht-deutscher erster Staatsangehörigkeit zum 31.12.2008

Männer

Frauen
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

20

15

10
5
10
5
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

15

20

ehemaliges Jugoslawien
Türkei
ehemalige Sowjetunion
Italien
Sonstige

Abb. 5:	 Einwohner mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit zum 31.12.2008

7

3.	 Haushalte, Familien und Formen
des Zusammenlebens
Während die Betrachtung der Bevölkerungsstruktur
auf personenbezogene Eigenschaften gerichtet ist,

stehen bei haushaltsbezogener Betrachtungsweise
Lebensgemeinschaften im Mittelpunkt. Ein Aspekt
gesellschaftlichen Wandels ist die Veränderung der
Formen des Zusammenlebens: diese wandeln sich
im Lauf der Zeit, neue Formen werden hervorgebracht und alte zurückgedrängt. Zunehmend verbreitet sind außerdem Haushalte von Alleinstehenden.
Folgende Formen von Haushalten werden in diesem
Bericht unterschieden:

Einpersonenhaushalte

Ehepaare und nichteheliche
Lebensgemeinschaften ohne Kind
Ehepaare und nichteheliche
Lebensgemeinschaften mit
mindestens einem Kind

Familien

Der Altersaufbau der ausländischen Bevölkerung ist
in Abb. 5 zu sehen. Dabei sind die Herkunftsländer
und Nationalitätengruppen hervorgehoben, die am
häufigsten anzutreffen sind.
Aus Ländern des ehemaligen Jugoslawien stammen
13,8 Prozent. Darunter sind Personen im Alter um
60 Jahre besonders stark vertreten. Weitere 13,6
Prozent der Ausländer stammen aus der Türkei.
Acht Prozent der ausländischen Bevölkerung kommen aus der ehemaligen Sowjetunion, wobei hohe
Anteile vor allem bei jungen Frauen im Alter von 25
bis 35 Jahren aufzufinden sind. Jeweils etwa sechs
Prozent stammen aus Italien und Österreich. Der
Rest verteilt sich auf weitere Länder, wobei Erlangen
mit Einwohnern aus rund 140 Ländern recht „bunt“
ist.
Unter den Personen mit Migrationshintergrund stellen die Ausländer die größte Gruppe dar (Abb. 6).
In Bezug auf die Gesamtbevölkerung Erlangens sind
knapp fünf Prozent Eingebürgerte, fast sechs Prozent Aussiedler und etwa acht Prozent der Erlanger
sind Familienangehörige von Personen mit Migrationshintergrund. Unter den minderjährigen Einwohner Erlangens befinden sich 3,7 Prozent mit Optionspflicht. Diese Kinder ausländischer Eltern müssen
sich mit Erreichen der Volljährigkeit entscheiden, ob
sie die deutsche Staatsangehörigkeit behalten wollen oder die ausländische annehmen möchten.
Insgesamt leben in Erlangen rund 33.850 Personen mit Migrationshintergrund, darunter etwa 8.100
Familienangehörige. Man kann also sagen, dass fast
jeder dritte Erlanger Migrationserfahrung hat.

Alleinerziehende

Sonstige Mehrpersonenhaushalte

Als Kinder zählen alle im Haushalt lebenden minderjährigen Nachkommen. Bei den sonstigen
Mehrpersonenhaushalten handelt es sich i.d.R. um
Wohngemeinschaften und um Haushalte, in denen
Eltern mit Nachkommen zusammenleben, die alle
bereits das 18. Lebensjahr vollendet haben. Unter
„Familien“ werden die Paarhaushalte mit mindestens einem Kind und die Alleinerziehendenhaushalte
zusammengefasst.

Optionsdeutsche
1,8%

Aussiedler
18,2%

Eingebürgerte
15,1%

Personen mit
Migrationshintergrund
32,4%
Personen ohne
Migrationshintergrund
67,6%

Ausländer
40,8%

Familienangehörige
24,0%

Abb. 6:	 Bevölkerung nach Migrationshintergrund zum 31.12.2008

8

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

49,7

46,0

10.147 Familien

50.791 Haushalte
29,2
4,8

11,4

4,3

39,0

15,7

Abb. 7:	 Haushaltstypen zum 31.12.2008

Die traditionelle Form der Ehe ist nach wie vor die
dominante Form des Zusammenlebens, ist jedoch
rückläufig. Waren im Jahr 1995 noch über 55 Prozent der erwachsenen Erlanger und Erlangerinnen
verheiratet, so ist deren Anteil innerhalb der kurzen
Zeitspanne bis heute kontinuierlich auf etwa 50 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der Geschiedenen
stieg hingegen im gleichen Zeitraum von sechs auf
rund acht Prozent.
Trotzdem ist der Anteil der nichtehelichen Lebensgemeinschaften nur gering. Nur jedes zehnte
zusammenlebende Paar ist nicht verheiratet. Nur
etwa jedes 16. Paar mit Kindern lebt in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft. Die 50 Prozent der
unverheirateten Erwachsenen resultieren hauptsächlich aus den 46 Prozent Einpersonenhaushalten
in Erlangen (Abb. 7).
Gut 29 Prozent der Haushalte bestehen aus Ehepaaren oder nichtehelichen Lebensgemeinschaften
ohne Kinder. In 15,7 Prozent der Erlanger Haushalte
leben Paare mit Kindern. Diese ergeben in Summe
mit den 4,3 Prozent der Alleinerziehendenhaushalte,
dass jeder fünfte Erlanger Haushalt ein Familienhaushalt ist, also Eltern oder Elternteile, die zusammen mit mindestens einem minderjährigen Kind im
Haushalt leben. Die übrigen knapp fünf Prozent der
Haushalte sind sonstige Mehrpersonenhaushalte.
Der durchschnittliche Haushalt besteht in Erlangen
rechnerisch aus 1,98 Personen. In den Familien
leben im Schnitt 1,64 Kinder. Bei fast der Hälfte der
Familien handelt es sich um Familien mit Einzelkindern (Abb. 8). In 39 Prozent der Familien leben zwei
Kinder. Etwa jede zehnte Familie umfasst drei oder
mehr Kinder.
Abb. 9 zeigt den Altersaufbau der Erlanger Hauptwohnungsbevölkerung zum 31.12.2008 differenziert nach Haushaltstypen. Es ist deutlich zu
erkennen, dass es sich bei den Haushalten der
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Abb. 8:	 Familien nach Kinderzahl zum 31.12.2008

Alleinerziehenden überwiegend um Frauen mit Kindern handelt; auf mehr als 90 Prozent der Alleinerziehenden trifft dies zu.
Bei den Einpersonenhaushalten zeigt sich, dass die
Anteile bei den erwachsenen Männern bis unter 60
Jahren höher sind als die der Frauen. Dabei handelt

Männer

Frauen
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

10

5
5
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

10

Einpersonenhaushalt
(Ehe-)paar ohne Kind
(Ehe-)paar mit Kind
Alleinierziehendenhaushalt
sonstiger Mehrpersonenhaushalt

Abb. 9:	 Altersaufbau nach Haushaltstypen zum
31.12.2008

9

es sich bei den 20- bis 30-Jährigen zum Teil um Studenten. Bei den 30- bis 60-jährigen Frauen bleiben
die Anteile in allen Altersjahren gleich. Ab 60 Jahren
steigt der Anteil der Einpersonenhaushalte bei den
Frauen an, wobei es sich - wie schon an anderer
Stelle gezeigt wurde – vor allem um alleinstehende
Witwen handelt, bedingt durch die höhere Lebenserwartung der Frauen.

4.	 Ökonomische Lage
Aussagen zur ökonomischen Lage der Bevölkerung
sind besonderen Schwierigkeiten unterworfen, die
auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind. Während
der Einzelne sehr wohl über die eigene ökonomische
Lage bescheid weiß, ist die Analyse ganzer Bevölkerungsgruppen methodischen Einschränkungen
unterworfen.
Die ökonomische Lage beschreibt den materiellen
Lebensaspekt, der für die Bestreitung des Lebensunterhalts und darüber hinaus gehender individueller
Ziele wesentlich ist. Sie setzt sich aus den Einkommen zusammen, welche einem Haushalt zur Verfügung stehen – also Erwerbseinkommen abhängig
Beschäftigter, Einkommen aus selbständiger Arbeit,
empfangene Transferleistungen wie Arbeitslosengeld oder Kindergeld sowie Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen.
Dieses Haushaltseinkommen muss in Bezug gesetzt
werden zur Größe und der Zusammensetzung des
Haushalts, der von diesem Einkommen lebt. Außerdem sollten im Idealfall die Kosten berücksichtigt
werden, die das Haushaltseinkommen regelmäßig
belasten sowie die evtl. zur Verfügung stehenden
Geld- und Sachvermögen.

4.1.	Einkommen
Da in den von der Abteilung Statistik und Stadtforschung seit 2001 regelmäßig durchgeführten Bürgerbefragungen „Leben in Erlangen“ auch soziodemografische Merkmale abgefragt werden, ist es hier
möglich, Aussagen über Haushaltsnettoeinkommen
zu machen, die auch kleinräumig ausgewertet werden können. Unter anderem wird hier regelmäßig das
Monatsnettoeinkommen des Haushaltes abgefragt,
wodurch die Einnahmeseite des Haushaltes abgebildet wird. Um Angaben über ein verfügbares Einkommen zu erhalten, müssten regelmäßige Ausgaben
wie z.B. Wohnungsmiete oder Unterhaltskosten für
Kraftfahrzeuge etc. abgezogen werden. Um die Ausgabenseite allerdings realistisch in Form eines Geldwertes abbilden zu können, wäre eine gesonderte
Haushaltsbefragung notwendig, welche detailliert
die Kosten des Haushaltes ermittelt. Solche Erhebungen liegen auf Ebene des Stadtgebietes bisher
leider nicht vor. Daten über Geld- und Sachvermögen liegen ebenfalls nicht vor. Weiterhin ist bei Empfängern von Leistungen nach SGB  II und SGB  XII
zu beachten, dass diese vom Haushaltseinkommen
10

keine Miete mehr bezahlen müssen. Bei diesen insgesamt rund 3.000 Bedarfsgemeinschaften müssten
die Kosten für die Unterkunft zum Haushaltseinkommen noch hinzugerechnet werden. Somit dürften die
in diesem Bericht angegebenen Durchschnittseinkommen in Wirklichkeit geringfügig höher liegen.
Neben dem Monatsnettoeinkommen werden in den
Erlanger Befragungen ebenfalls Informationen über
die Zusammensetzung des Haushaltes erfasst.
Damit kann ein Äquivalenzeinkommen berechnet
werden, worunter ein Einkommen zu verstehen ist,
welches anhand von Anzahl und Alter der Personen gewichtet wird, die von diesem Haushaltseinkommen leben. Daraus ergibt sich ein sogenanntes
Nettoäquivalenzeinkommen, welches davon ausgeht, dass mit zunehmender Haushaltsgröße auch
zusätzliche Einsparmöglichkeiten bestehen, da
bestimmte Ausstattungsgegenstände von mehreren
oder allen Haushaltsmitgliedern gemeinsam genutzt
werden können. Um z.B. den gleichen Lebensstandard zu erreichen wie ein Alleinstehender, benötigt
ein zusammen lebendes Paar nicht das doppelte
Einkommen des Alleinstehenden, sondern weniger.
Das Statistische Bundesamt zieht zur Gewichtung
des Nettoäquivalenzeinkommens die neue OECDSkala heran, die davon ausgeht, dass die erste
erwachsene Person im Haushalt den Gewichtungsfaktor 1 erhält, alle weiteren Personen ab 15 Jahren
den Faktor 0,5 und Kinder unter 15 Jahren den Faktor
0,3. Teilt man das Haushaltsnettoeinkommen durch
die Summe der Faktoren aller Haushaltsmitglieder,
so erhält man das Nettoäquivalenzeinkommen pro
Kopf. Wenn im Weiteren von „Einkommen“ oder
„Pro-Kopf-Einkommen“ die Rede ist, so ist damit das
Nettoäquivalenzeinkommen nach der neuen OECDSkala gemeint.
Die dargestellten Zahlen für die Stadt Erlangen ergeben sich auf dieser Grundlage und sind mit anderen Erhebungen zum Nettoäquivalenzeinkommen
nur bedingt vergleichbar. Dies liegt insbesondere an
der verwendeten Datengrundlage: Sozialberichte für
größere räumliche Einheiten wie Bundesländer oder
die Bundesrepublik beruhen in der Regel auf Daten
der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe oder
des Mikrozensus. Die Stichprobengrößen dieser
Datenerhebungen sind so klein, dass sie Aussagen
für kleinere räumliche Einheiten wie eine Stadt der
Größe Erlangens nicht zulassen, schon gar nicht für
kleinräumige Teilgebiete der Stadt. Darüber hinaus
wird z.B. die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe nur alle fünf Jahre durchgeführt; Ergebnisse
liegen ebenfalls erst Jahre später vor. Ein wirklich
korrekter Vergleich mit anderen Ergebnissen wäre
nur mit einer einheitlichen Datenquelle möglich.
Wenn also im Folgenden einzelne Ergebnisse anderer Studien angeführt werden, so ist dies unter diesem Vorbehalt zu betrachten. Häufig werden Sachverhalte verglichen, die eigentlich nicht vergleichbar
sind. Ohnehin soll es im vorliegenden Bericht in
erster Linie um die Unterschiede innerhalb der Stadt
Erlangen gehen und weniger um einen Vergleich mit
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

anderen Städten oder Regionen; für letzteren gibt es
auch zahlreiche Vergleichsringe.

Einige Begriffsdefinitionen im Überblick
•	 Haushaltsnettoeinkommen:
Summe
der
monatlichen Nettoeinkünfte aller Personen,
die in einem gemeinsamen Haushalt leben,
also Löhne und Gehälter, Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, öffentliche Unterstützungen, Einkommen aus Vermietung und Verpachtung, Kindergeld, Wohngeld.
•	 Verfügbares
Haushaltsnettoeinkommen:
Haushaltsnettoeinkommen abzüglich laufender Kosten wie Miete, Nebenkosten der
Wohnung, Kosten für Kraftfahrzeuge, Versicherungsbeiträge etc. Der Begriff des „verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens“ wird in
diesem Bericht nicht verwendet.
•	 Nettoäquivalenzeinkommen: Beim Nettoäquivalenzeinkommen wird das Haushaltsnettoeinkommen abhängig von der Haushaltszusammensetzung gewichtet („Bedarfsgewichtung“).
Im Gegensatz zum Haushaltsnettoeinkommen
sind Nettoäquivalenzeinkommen pro Person
miteinander vergleichbar.
•	 Median-Mittelwert der Nettoäquivalenzeinkommen: Einkommenswert, der die Bevölkerung in zwei Hälften teilt: Ein Hälfte verfügt
über ein Nettoäquivalenzeinkommen, welches
mindestens so groß wie der Median-Wert ist,
die andere Hälfte verfügt über ein niedrigeres
Einkommen.
Beispiel:
Haushalt bestehend aus Eltern mit zwei Kindern,
13 und 16 Jahre alt. Das Haushaltsnettoeinkommen beträgt 1.900,- Euro aus Erwerbstätigkeit
zuzüglich 328,- Euro Kindergeld ergibt 2.228,Euro. Der Gewichtungsfaktor für die Berechnung des Nettoäquivalenzeinkommens beträgt
2,3 (1 für den ersten Erwachsenen; jeweils 0,5
für weitere Personen ab 15 Jahren; 0,3 für das
13-jährige Kind). Es ergibt sich ein Nettoäquivalenzeinkommen von 2.228 : 2,3 = 969,- Euro je
Haushaltsangehörigem.

Viertel mit einem Einkommen höher als 2.200 Euro.
Die Hälfte der Erlanger verfügt über ein Nettoäquivalenzeinkommen von weniger als 1.510 Euro, die
andere Hälfte von mindestens 1.510 Euro monatlich
(sogenannter Median-Mittelwert).
Abb. 10 zeigt die räumliche Verteilung der Einkommen nach statistischem Bezirk. Für mache Bezirke
können keine verlässlichen Angaben gemacht werden; diese Bezirke sind grau unterlegt.
Die niedrigsten Einkommen finden sich am Anger
(Bezirk 40), wo das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen weniger als 1.200 Euro beträgt, weiterhin im Tal (Bezirk 04), in Büchenbach Dorf (Bezirk
76) und Büchenbach-Nord (Bezirk 77) mit rund 1.300
bis 1.400 Euro, in Bachfeld (Bezirk 44) mit knapp
über 1.400 Euro. Spitzenreiter bei den hohen Einkommen sind In der Reuth (Bezirk 71), der Burgberg
(Bezirk 20) und Loewenich (Bezirk 23).
Dass es jedoch eine mehr oder weniger große Streuung der Einkommen um den Mittelwert innerhalb der
Bezirke gibt, zeigt Abb. 11. Gerade der Bezirk Loewenich, der zu den einkommensstärksten gehört, zeigt
hier eine besonders große Streuung. Dies deutet
darauf hin, dass trotz eines hohen Durchschnittseinkommens Haushalte mit sehr hohen neben solchen
mit relativ niedrigen Einkommen zu finden sind. Eine
hohe Einkommensstreuung findet sich ebenfalls im
Bezirk Röthelheim (Bezirk 30), wo im Schnitt relativ
hohe Einkommen vorhanden sind. Die Einkommensspreizung ist in der Innenstadt durchgehend höher
als in den peripheren Gebieten.
Umgekehrt gibt es Gebiete, in denen eine nur
geringe Streuung der Einkommen aufzufinden ist.
Nettoäquivalenzeinkommen nach der OECD-Skala

unter 1.450 €
1.450 bis unter 1.600 €
1.600 bis unter 1.750 €

80

1.750 bis unter 1.900 €

81

1.900 € und mehr
82

70

76

73

Pro-Kopf-Einkommen beträgt 1.700 Euro
Das Nettoäquivalenzeinkommen lag in Erlangen im
Jahr 2008 bei durchschnittlich knapp 1.700 Euro pro
Monat. Als Vergleichswerte liegen Ergebnisse aus
dem „Zweiten Bericht der Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern“ von 2009 vor: Demnach lag das
Nettoäquivalenzeinkommen in Bayern im Jahr 2003
bei 1.732 Euro, in der Bundesrepublik bei 1.610
Euro.
Bei einem Mittelwert in Erlangen von rund 1.700
Euro lebte ein Viertel der Erlanger mit einem Einkommen niedriger als 1.070 Euro, ein weiteres
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

10 11

01

77

78

21

20

71

75

04

40

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

32

43

60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 10:	 Nettoäquivalenzeinkommen nach Bezirk

11

Relative Einkommensarmut (Einwohneranteil mit
Nettoäquivalenzeinkommen
kleiner als 50% des Medianeinkommens)

Nettoäquivalenzeinkommen (Standardabweichung innerhalb Distrikt)

80

niedrig
mittel
hoch

81

80

weniger als 8 Prozent
8 bis unter 13 Prozent
13 bis unter 18 Prozent
18 bis unter 23 Prozent
23 Prozent und mehr

81

82

82
20

71

70

10 11

01

77

78

76

73

21

75

04

40
41

61

44

40

22

23

02

24

25

03
12

33

30
41

42

74

32

43

60

61

45

62

44

45

62
50

51

52

Abb. 11:	 Streuung der Nettoäquivalenzeinkommen
nach Bezirk

Hierunter fallen auch teilweise die Bezirke, in denen
das Durchschnittseinkommen ebenfalls gering ist.
Dies deutet darauf hin, dass in solchen Bezirken ein
allgemein niedriges Einkommensniveau vorherrscht.
Andererseits gibt es Gebiete mit hohem Durchschnittseinkommen und geringer Einkommensstreuung. Durch ein solch allgemein hohes Einkommensniveau fällt der Bezirk 71 (In der Reuth) auf.

63

Abb. 12:	 Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoäquivalenzeinkommen kleiner als 50 Prozent
des Median-Einkommens nach Bezirk

ein Nettoäquivalenzeinkommen von monatlich mehr
als 2.830 Euro zu verstehen ist. Zehn Prozent der
Bevölkerung Erlangens verfügt über ein solches
Anteil der Bevölkerung mit hohem Einkommen
(über 2.830 Euro Nettoäquvalenzeinkommen)

Jeder sechste Erlanger relativ einkommensarm
Im Folgenden wird angenommen, dass eine Person,
die über weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens verfügt, in relativer Einkommensarmut lebt. Bei einem Durchschnitt
von monatlich 1.510 Euro (Median-Einkommen)
ergibt das für Erlangen einen Betrag von 755 Euro.
Dies trifft auf rund 16 Prozent aller Erlanger zu.
Betrachtet man kleinräumig die Bevölkerungsanteile, welche in relativer Einkommensarmut leben
(Abb. 12), so fallen hier wieder Gebiete am Anger
(Bezirk 40) und im Tal (Bezirk 04) auf. Ebenfalls
hohe Anteile finden sich in Büchenbach Dorf (Bezirk
76) und Büchenbach Nord (Bezirk 77), in Bruck
(Bezirke 42 und 44) sowie in der Markgrafenstadt
(Bezirk 02). In der Markgrafenstadt liegt das Durchschnittseinkommen zwar im Mittelfeld, die Einkommensstreuung ist aber ziemlich hoch, so dass hier
auch ein hoher Anteil an Haushalten mit niedrigem
Einkommen aufzufinden ist.
Auf der anderen Seite der Einkommensverteilung
stehen die sehr hohen Einkommen, wobei angenommen wird, dass unter einem sehr hohen Einkommen

52

51

50

63

12

01
04

75

32

43

60

76

73

30

42

74

33

10 11
77

78

24

25

03
12

70

22

23

02

21

20

71

80

unter 5 Prozent
5 bis unter 10 Prozent
10 bis unter 15 Prozent
15 bis unter 20 Prozent
20 Prozent und mehr

81

82

70

10 11

01

77

78

76

73

21

20

71

75

04

40

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

32

43

60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 13:	 Anteil der Bevölkerung mit hohem Nettoäquivalenzeinkommen nach Bezirk

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
unter
400€

400€ u. 1.000€

1.000€ u. 1.600€

1.600€ u. 2.200€

2.200€ u. 2.800€

2.800€ u. 3.400€

3.400€ u. 4.000€

4.000€ u. 4.600€

4.600€ und
mehr

Abb. 14:	 Verteilung der Nettoäquivalenzeinkommen

Einkommen und diese zehn Prozent konzentrieren
sich stark in bestimmten Stadtgebieten (Abb. 13). In
manchen Bezirken ist der Anteil an Haushalten mit
hohem Einkommen sehr hoch. So verfügt in den
Bezirken Burgberg (Bezirk 20), Altstadt (Bezirk 01),
Loewenich (Bezirk 23) und Röthelheimpark (Bezirk
33) etwa jeder Fünfte über ein hohes Einkommen.
Nur sehr wenige Personen mit hohem Einkommen
finden sich in Rathenau (Bezirk 41), am Anger (Bezirk
40), in Bachfeld (Bezirk 44) und Bierlach (Bezirk 45).

Alleinerziehende häufig einkommensschwach
In Abb. 15 ist die Aufteilung der Haushaltstypen auf
einkommensstarke und auf einkommensschwache
Haushalte dargestellt. Während gut 61 Prozent der
Einpersonenhaushalte zu den relativ einkommensstarken Haushalten zählen, ist das Verhältnis bei
den Paarhaushalten relativ ausgeglichen. Auffallend
ist die Einkommenssituation bei den Alleinerziehenden: Vier von fünf Alleinerziehendenhaushalten zählen zu den einkommensschwachen Haushalten.

Jeder 15. mit Pro-Kopf-Einkommen unter 400 Euro

Kinder als Armutsrisiko
Die Verteilung der Nettoäquivalenzeinkommen in
Dass vor allem größere Familien über weniger EinErlangen zeigt, dass die Klasse von 1.000 bis 1.600
kommen verfügen – das vielzitierte „Armutsrisiko
Euro besonders stark besetzt ist (Abb. 14); mehr als
durch Kinder“ – bestätigt sich in Abb.  16 auch für
jeder vierte Erlanger verfügt über solch ein EinkomErlangen. Bei den kinderreichen Haushalten mit drei
men. Etwa jeder Fünfzehnte verfügt aber über ein
Nettoäquivalenzeinkommen
von unter 400 Euro. In diesen
einkommensstarke Haushalte einkommensschwache Haushalte
Fällen spielen Transferleistun100%
gen eine große Rolle, wie noch
90%
zu sehen sein wird. Ein weite38,5
res Fünfzehntel der Erlanger
80%
49,4
51,5
verfügt über einen Betrag von
70%
69,1
mehr als 3.400 Euro.
79,1
60%
Im Weiteren soll die Struktur
50%
der Haushalte nach Höhe des
40%
Einkommens näher beleuch61,5
30%
tet werden. Dazu werden die
50,6
48,5
20%
Erlanger Haushalte in zwei
30,9
20,9
10%
Hälften aufgeteilt, nämlich eine
mit
unterdurchschnittlichem
0%
und eine mit überdurchschnittlichem Pro-Kopf-Einkommen.
Im Folgenden werden diese
sonstiger Mehr(Ehe-)Paar
AlleinerziehenEinpersonen(Ehe-)Paar
als „einkommensschwache“
personenhaushalt
ohne Kind
denhaushalt
haushalte
mit Kind
und
„einkommensstarke“
Abb. 15:	 Einkommensklassen nach Haushaltstypen
Haushalte bezeichnet.
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

13

einkommensstarke Haushalte
100%
90%
80%
70%

49,0

50,9

50,2

51,0

49,1

49,8

60%
50%
40%
30%
20%
10%
0%

Keine Kinder

Ein
Kind

im Stadtgebiet. Abb. 18 zeigt
nach statistischen Bezirken,
wie hoch der Anteil der Bevölkerung mit hohen Schulabschlüssen ist. Dahinter verbirgt
sich der Anteil der Einwohner
63,2
im Alter von 18 bis 80 Jahren
mit Hochschulreife oder Fachhochschulreife, sofern diese
sich nicht mehr in Schulausbildung befinden. Vergleicht man
36,8
diese Darstellung mit der Verteilung der Pro-Kopf-Einkommen (Abb. 10), so sind starke
Ähnlichkeiten zu erkennen. In
den Gebieten mit hohen BilDrei und mehr
dungsabschlüssen ist i.d.R.
Kinder
auch das Durchschnittseinkommen größer.
In Erlangen verfügen etwa 52
Prozent der 18- bis 80-Jährigen über die allgemeine oder
die fachgebundene Hochschulreife. Deutlich unterdurchschnittlich ist dieser Anteil in Büchenbach
Dorf (Bezirk 76), wo er bei etwa 35 Prozent liegt.
Geringfügig höhere Anteile als in Büchenbach Dorf
finden sich am Anger (Bezirk 40), in Frauenaurach
(Bezirk 61), Eltersdorf (Bezirk 50) sowie in Rathenau (Bezirk 41) und Teilen von Bruck (Bezirke 42
und 44). Mit rund 75 Prozent an der Spitze liegen
Stubenloh (Bezirk 25) und der Burgberg (Bezirk 20),
gefolgt von den übrigen innerstädtischen Gebieten,
in denen viele Studenten wohnen.
Während das Pro-Kopf-Einkommen durchschnittlich
knapp 1.700 Euro beträgt, liegt dieser Durchschnitt
bei denjenigen, die über die Fachhochschul- oder
allgemeine Hochschulreife verfügen im Schnitt bei
1.950 Euro.

einkommensschwache Haushalte

Zwei
Kinder

Abb. 16:	 Einkommensklassen nach Zahl der Kinder

oder mehr Kindern müssen bereits 63 Prozent ihren
Lebensunterhalt mit unterdurchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommen bestreiten.
Nicht-deutsche Haushalte häufiger
einkommensschwach
Die Verteilung der Einkommen auf Haushalte in
Abhängigkeit von der Nationalität ergibt Unterschiede zwischen deutschen und nicht-deutschen
Haushalten. Von den Haushalten, in denen mindestens eine Person eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit hat, gehören etwa nur 39 Prozent zu den
relativ einkommensstarken, 61 Prozent zu den relativ einkommensschwachen Haushalten.

4.2.	Bildung
Der Schulabschluss hat einen großen Einfluss auf
die Erwerbstätigkeit und somit auf das Einkommen
eines Haushaltes.

100%

Gute Bildung = gutes Einkommen
Abb. 17 zeigt die Verteilung der Schulabschlüsse der
18- bis 80-Jährigen nach dem Niveau des im Haushalt verfügbaren Einkommens. Die Unterschiede
sind hoch signifikant: Unter den relativ einkommensschwachen Haushalten verfügt etwa jede dritte Person im Alter von 18 bis 80 Jahren über einen Volksbzw. Hauptschulabschluss sowie etwas mehr als
jeder Vierte über die mittlere Reife. Knapp 39 Prozent verfügen über die Hochschul- oder Fachhochschulreife. Bei den einkommensstarken Haushalten
tendiert die Verteilung eindeutig in Richtung höherer
Schulabschlüsse. Hier verfügen gut 70 Prozent über
die (Fach-)Hochschulreife, während nur etwa jeder
Fünfte die mittlere Reife und jeder Zehnte den Volksoder Hauptschulabschluss hat.
Betrachtet man die Verteilung der Schulabschlüsse
kleinräumig, so zeigen sich klare Abgrenzungen
14

38,6

80%

60%

70,1
26,8

40%

20%

0%

20,4

32,2

9,4
einkommensstarke
Haushalte

einkommensschwache
Haushalte

kein Schulabschluss

Volks-/Hauptschule

Mittlere Reife

(Fach-)Hochschulreife

Abb. 17:	 Schulbildung nach Einkommensklassen

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Hohe Bildungsabschlüsse

80

weniger als 40 Prozent
40 bis unter 50 Prozent
50 bis unter 60 Prozent
60 bis unter 70 Prozent
70 Prozent und mehr

81

82

70

10 11

01

77

78

76

73

21

20

71

04

40

75

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

32

43

60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 18:	 Anteil der erwachsenen Bevölkerung mit
Hochschul- oder Fachhochschulreife

Ausländer mit geringeren Einkommen
Allerdings ist hier zu beachten, dass es auch innerhalb der Bevölkerungsgruppe mit hohen Bildungsabschlüssen starke Differenzierungen gibt. So liegt
z.B. das Pro-Kopf-Einkommen bei den Personen mit
hohen Schulabschlüssen und deutscher Staatsangehörigkeit bei 1.985 Euro. Einwohner mit ausländischer Staatsangehörigkeit verfügen demgegenüber trotz Abitur oder Fachabitur im Schnitt nur über

1.635 Euro und liegen somit unter dem städtischen
Gesamtdurchschnitt. Auf diese Zusammenhänge
wird an anderer Stelle noch genauer eingegangen.
Frauen verdienen weniger als Männer
Auch geschlechtsspezifisch zeigen sich Differenzierungen. Im Folgenden wird nur der Personenkreis
betrachtet, der voll erwerbstätig oder teilzeit beschäftigt, nicht jedoch geringfügig beschäftigt ist. Abb. 19
zeigt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen
nach Schulbildung und Geschlecht. Es zeigt sich,
dass das Nettoäquivalenzeinkommen über alle
Schulabschlüsse bei den Frauen niedriger ist als
bei den Männern. Während den Voll- und Teilzeitbeschäftigten im Schnitt ein Pro-Kopf-Einkommen
von 1.965 Euro zur Verfügung steht, beträgt dieses
bei den Männern 2.045 Euro, bei den Frauen 1.850
Euro. Männer verfügen somit über ein Nettoäquivalenzeinkommen, welches um mehr als zehn Prozent
höher liegt als das der Frauen. Diese geschlechterspezifische Einkommensdifferenz wird geringer, je
niedriger der Schulabschluss ist; zumindest gilt dies
für das Nettoäquivalenzeinkommen.
Die Nettoäquivalenzbeträge sagen allerdings nichts
über die real bezogenen Einkommen von Männern
und Frauen aus, da in den Äquivalenzeinkommen
die Zusammensetzung des Haushaltes berücksichtigt wurde. So ist z.B. in einem Doppelverdienerhaushalt ohne Kinder, in dem der eine Einkommensbezieher einen Nettoverdienst von 1.400 Euro
monatlich bezieht, der andere ein Einkommen von
1.600 Euro, das Pro-Kopf-Einkommen im Sinne
des Äquivalenzeinkommens eben nicht 1.500 Euro,
sondern 2.000 Euro, da die zweite erwachsene
Person mit einem Gewicht von 0,5 gezählt wird
und das Nettoäquivalenzeinkommen pro Person
somit 3.000  Euro  :  1,5 = 2.000 Euro beträgt. Beim
Nettoäquivalenzeinkommen fließen Elemente des

2.500€

männlich
2.000€

weiblich
insgesamt

1.500€

1.000€

500€

0€
kein Schulabschluss

Volks-/ Hauptschule

MittlereReife

(Fach-) Hochschulreife alle Schulabschlüsse

Abb. 19:	 Pro-Kopf-Einkommen Vollerwerbstätiger und Teilzeitbeschäftigter nach Schulbildung und Geschlecht

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

15

haushaltsstrukturabhängigen
Lebensstandards mit ein. Ein allein lebender
Erwerbstätiger hat bei einem Einkommen
3.000€
von 1.600 Euro einen geringeren Lebensmännlich
standard, da er bestimmte Gegenstände
weiblich
der Haushaltsausstattung sowie der lau2.500€
insgesamt
fenden Wohnungskosten von seinem
alleinigen Einkommen zu tragen hat,
während es im Doppelverdienerhaushalt
2.000€
Einsparmöglichkeiten gibt.
Die hier dargestellten Nettoäquiva1.500€
lenzeinkommen
nach
Schulbildung
und Geschlecht umfassen somit auch
eine Vielzahl von Doppelverdiener1.000€
Haushalten, aber auch sehr viele Haushalte mit mehreren Personen und nur
500€
einem Einkommen; dadurch werden die
geschlechtsspezifischen
Unterschiede
der tatsächlichen Einkommen teilweise
0€
verdeckt. Es ist zu erwarten, dass die
teilzeit beschäftigt
voll erwerbstätig
zusammen
Unterschiede bei den realen Einkommen
in Wirklichkeit höher ausfallen, als sich
Abb. 20:	 Pro-Kopf-Einkommen in Einpersonenhaushalten nach
dies hier äußert.
Erwerbstätigkeit und Geschlecht
Um Informationen über tatsächlich erhaltene Einkommen von Einzelpersonen zu
erlangen, muss auf die Einpersonenhausvor allem aus den Vollzeitbeschäftigten mit mittlerer
halte zurückgegriffen werden, da nur in diesen das
Reife oder Hauptschulabschluss.
Nettoäquivalenzeinkommen dem Haushaltsnettoeinkommen entspricht. Tatsächlich sind die UnterFrauen arbeiten in geringer bezahlten Berufen trotz
schiede bei den Einpersonenhaushalten deutlich
gleicher Vorbildung
größer, wie in Abb. 20 zu sehen ist. Während das
Betrachtet man nun die Vollzeitbeschäftigten mit mittdurchschnittliche Nettoeinkommen bei Frauen in
lerer Reife oder Hauptschulabschluss im Hinblick auf
Einpersonenhaushalten 2.155 Euro beträgt, liegt es
ihren beruflichen Bildungsabschluss näher, so zeibei Männern mit 2.690 Euro im Schnitt um fast ein
gen sich zwischen Männern und Frauen nur geringe
Viertel höher, wenn man die ­Vollerwerbstätigen und
Unterschiede: Etwa drei Viertel sowohl der Männer,
die Teilzeitbeschäftigten zusammen betrachtet. Bei
als auch der Frauen verfügen über eine beruflichden Vollerwerbstätigen beträgt die Differenz immer
betriebliche bzw. beruflich-schulische Ausbildung.
noch rund 18 Prozent.
Rund 18 Prozent der Männer haben den Abschluss
Die Größenordnung der Einkommensunterschiede
einer Fachschule (also Meister-, Techniker-, Wirtist abhängig von der schulischen Vorbildung. Bei
schafts-, Berufs- oder Fachakademieabschluss), bei
den voll erwerbstätigen Männern mit allgemeiner
den Frauen sind es gut 13 Prozent.
oder fachgebundener Hochschulreife liegt das EinIm Hinblick auf die Berufsgruppe zeigen sich bei den
kommen lediglich um vier Prozent höher als das der
Vollzeitbeschäftigten mit mittlerer Reife bzw. HauptFrauen mit gleicher Qualifikation. Die starke Einschulabschluss allerdings sehr wohl Unterschiede
kommensspreizung von rund 25 Prozent ergibt sich

Männer

11,5

Frauen

4,7 4,4
0%

4,4

33,5

46,3
20%
Selbständig
Facharbeiter

38,9

12,6
40%
60%
leitende Angestellte/Beamte
einfache Angestellte

4,2

27,6
80%
mittlere Angestellte/Beamte
un-/angelernte Arbeiter

7,4

4,6
100%

Abb. 21:	 Verteilung der Berufsgruppen Vollerwerbstätiger mit mittlerer Reife oder Hauptschulabschluss nach Geschlecht

16

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

(Abb. 21): Vor allem bei den einfachen Angestellten überwiegen die
Frauen. Während bei diesen über
27 Prozent der Berufsgruppe der
einfachen Angestellten zugerechnet
werden können, sind dies bei den
Männern nur gut vier Prozent. Trotz
gleicher schulischer Vorbildung arbeiten Frauen weitaus häufiger in geringer bezahlten Berufen.
Gutes Einkommen = gute Bildung

90%
80%
70%
60%
50%
40%
30%

Es sind also vielfältige Zusammen20%
hänge, die Einfluss auf das Einkom10%
men haben. Im Weiteren soll der
Frage nachgegangen werden, wie
0%
sich die soziale Herkunft der Eltern
einkommensschwache
Haushalte mit mittlerem
einkommensstarke
Haushalte
Einkommen
Haushalte
auf die Verwirklichungschancen der
nachfolgenden Generation auswirkt.
Eltern mit niedrigem Bildungsstatus
Eltern mit hohem Bildungsstatus
Welche Faktoren führen dazu, dass
ungünstige Voraussetzungen hinAbb. 22:	 Anteil der Kinder, die ein Gymnasium oder eine Fachoberschule
sichtlich Bildung, Einkommen und
besuchen (in Familien mit Kindern ab 10 Jahren)
beruflichem Status der Eltern als
„soziales Erbe“ an die Kinder weitergegeben werden?
auch wenn wenigstens ein Elternteil eine niedrigere
Schulbildung hat.
Dieser Frage kann sich angenähert werden anhand
der Schulabschlüsse bzw. Schulbesuche von Eltern
Bei den Eltern mit höherer Schulbildung und hohen
und Kindern. Tatsächlich zeigt sich ein signifikanEinkommen besucht in rund 78 Prozent der Fälle
ter Zusammenhang zwischen der Schulbildung der
mindestens ein Kind ein Gymnasium oder eine
Eltern und der der Kinder.
Fachoberschule. Auch bei Haushalten mit mittlerem
Einkommen liegt dieser Wert noch bei 78 Prozent, er
Im Folgenden werden die Erlanger Familien mit Kinsinkt jedoch bei den einkommensschwachen Hausdern im Alter zwischen 10 und 17 Jahren betrachtet.
halten auf etwa 50 Prozent.
Wenn mindestens ein Elternteil über die Hochschuloder Fachhochschulreife verfügt, dann besucht in
Kinder von Eltern mit hoher Schulbildung aus ein75 Prozent aller Fälle auch mindestens ein Kind ein
kommensschwachen Haushalten haben etwa die
Gymnasium oder eine Fachoberschule bzw. verfügt
selbe Chance, eine höhere Schulbildung zu bekombereits über das Abitur. In Familien, in denen minmen, wie die Kinder von Eltern mit niedriger Schuldestens ein Elternteil eine niedrigere Schulbildung
bildung aus einkommensstarken Haushalten. Wenn
hat, liegt dieser Wert bei nur 35 Prozent.
Vater oder Mutter einen niedrigen Bildungsstatus
haben, hat das Einkommen einen großen Einfluss
Neben dem Bildungsstatus der Eltern spielt das Einauf den Bildungsstatus des Kindes. Ein hoher Bilkommen eine Rolle, denn die Tendenz, dass Kinder
dungsstatus der Eltern wird dagegen überwiegend
von Eltern mit höherer Schulbildung ebenfalls ein
nur in einkommensschwachen Haushalten nicht an
Gymnasium besuchen, hängt zusätzlich vom Eindie Kinder „weitergegeben“.
kommen der Eltern ab.
Betrachtet man zusammenfassend den allgemeinen
Um diese Unterschiede zu erkennen, werden die
Schulabschluss, den beruflichen Bildungsabschluss
Familien mit Kindern zwischen 10 und 17 Jahren
sowie die Zugehörigkeit zur Berufsgruppe, so kann
nach ihrem Pro-Kopf-Einkommen aufgeteilt in ein
ein Indexwert gebildet werden, der eine Aussage
Viertel einkommensschwacher Haushalte, 50 Prozum Bildungs- und Berufsstatus erlaubt. In Abb. 23
zent Haushalte mit mittleren Einkommen sowie
sind die Anteile der erwerbstätigen Bevölkerung mit
einem Viertel einkommensstarker Haushalte.
hohem Berufs- und Bildungsstatus nach statistiWährend wie bereits gezeigt bei Eltern, die nicht
schen Bezirken dargestellt. Weiterhin zu sehen sind
über das Abitur oder das Fachabitur verfügen, nur in
die Grenzen der Grundschulsprengel.
35 Prozent der Fälle mindestens ein Kind ein GymVergleicht man die Übertritte der Schüler nach der
nasium oder eine Fachoberschule besucht, sinkt dievierten Jahrgangsstufe nach Schulsprengeln, so
ser Wert auf rund 20 Prozent, wenn man nur noch
zeigt sich auch hier wieder ganz deutlich, dass dort,
die einkommensschwachen Haushalte betrachtet
wo der Bildungs- und Berufsstatus der Eltern im
(Abb. 22).
Schnitt gering ist, auch weitaus weniger Schüler in
Bei den einkommensstarken Haushalten besucht
weiterführende Schulen übertreten.
dagegen in rund 50 Prozent der Fälle mindestens
ein Kind ein Gymnasium bzw. eine Fachoberschule,
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

17

Anteil Bevölkerung mit hohem Bildungs- und Berufsstatus

Übertritt aufs Gymnasium ist
einkommensabhängig

weniger als 30 Prozent
30 bis unter 40 Prozent

Noch deutlicher wird dies, wenn man die
Grundschulsprengel nach dem durchschnittlichen Einkommensniveau in eine
Rangfolge bringt: Die Spitze führen hier die
Schulsprengel Heinrich-Kirchner, Tennenlohe, Friedrich-Rückert und Adalbert-Stifter
an, am unteren Ende finden sich Pestalozzi,
An der Brucker Lache, Büchenbach-Nord
und Büchenbach. Bringt man die Schulen
in eine zweite Rangfolge nach dem Anteil
der Schüler, die nach der 4. Jahrgangsstufe auf ein Gymnasium wechseln, so
zeigt sich, dass zwischen beiden Rangfolgen nur geringe Unterschiede bestehen.
Es besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Einkommensniveau
und der Übertrittswahrscheinlichkeit auf
ein Gymnasium.
Bei den Grundschulen in einkommensstarken Sprengeln treten etwa 69 Prozent nach der vierten Jahrgangsstufe in
ein Gymnasium über (Abb. 24), lediglich
17,5 Prozent auf eine Hauptschule. In den
einkommensschwachen Schulsprengeln
sieht die Situation anders aus: Hier treten
nur knapp 35 Prozent auf ein Gymnasium
über, jedoch mehr als jeder Zweite auf eine
Hauptschule. Die Übertritte in eine sonderpädagogische Fördereinrichtung kommen
fast ausschließlich aus den einkommensschwachen Schulsprengeln.

40 bis unter 50 Prozent
50 bis unter 60 Prozent
60 Prozent und mehr
Dechsendorf

BüchenbachNord

Loschge

HermannHedenus

HeinrichKirchner
Büchenbach

AdalbertStifter

Pestalozzi

FriedrichRückert

Bruck
An der
Brucker
Lache

MichaelPoeschke

Frauenaurach
Eltersdorf

Tennenlohe

Abb. 23:	 Anteil der erwerbstätigen Bevölkerung mit hohem
Bildungs- und Berufsstatus nach Bezirk (Darstellung mit
Grenzen der Grundschulsprengel)

100%
90%
34,8

80%
70%
60%

53,9
69,1

56,6
8,4

50%
40%
30%
20%
10%

15,9

12,4
52,2

11,3

28,1

27,4

17,5

0%
einkommensstarke
Schulsprengel

sonstige Schulsprengel einkommensschwache
Schulsprengel

sonstige Schulen

Hauptschule

Realschule

Gesamt

Gymnasium

Abb. 24:	 Übertritte nach der vierten Jahrgangsstufe nach Schulsprengeln

18

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

5. Sozialstaatliche Absicherung
Laut Artikel 20 des Grundgesetztes definiert sich
die Bundesrepublik Deutschland als demokratischer und sozialer Bundesstaat. Um dem sozialen Aspekt gerecht zu werden, wurden zahlreiche
­sozialstaatliche Maßnahmen eingerichtet, die der
sozialen Gerechtigkeit dienen sollen. Der Sozialstaat
verfolgt das Ziel, Menschen zu unterstützen, wenn
diese unverschuldet in Notlagen geraten sind und
sich nicht aus eigener Kraft daraus befreien können.
Darüber hinaus spielen vorbeugende Maßnahmen
eine Rolle, die im Vorfeld verhindern sollen, dass
potentielle Notlagen eintreten. Ein wichtiges Prinzip
im Zusammenhang mit dem Sozialstaat ist das der
Subsidiarität. Dieses besagt, dass Selbstverantwortung und Selbsthilfe der staatlichen Verantwortung
vorgehen.
Das Angebot an sozialstaatlichen Leistungen ist
sehr vielfältig und teilweise undurchsichtig. Zu den
Leistungen gehören u.a. Leistungen aus dem Kreis
des Sozialgesetzbuches:
•	 SGB II („Grundsicherung für Arbeitssuchende“:
„Hartz IV“, Arbeitslosengeld II und Sozialgeld)
•	 SGB III („Arbeitsförderung“: Arbeitslosengeld I
etc.)
•	 SGB VIII („Kinder- und Jugendhilfe“: Förderung
der Erziehung in der Familie, Hilfe zur Erziehung,
Angebote der Jugendarbeit usw.)
•	 SGB IX („Rehabilitation und Teilhabe behinderter
Menschen“)
•	 SGB XII („Sozialhilfe“).
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Einzelleistungen,
die außerhalb des Sozialgesetzbuches geregelt sind:
Wohngeld, Kindergeld, Elterngeld, Ausbildungsförderung etc..
Der anspruchsberechtigte Personenkreis unterscheidet sich bei den einzelnen Leistungsarten ebenso wie
Anspruchsvoraussetzungen und Anspruchsdauer.
Gesetzliche Veränderungen - z.B. bei der Anspruchsberechtigung - können starken Einfluss auf die
Zahl der Leistungsempfänger ausüben. Vor allem
in der Arbeitslosenstatistik macht sich bemerkbar,
dass das berichtete Ausmaß der Betroffenheit von
Arbeitslosigkeit (die „amtliche Statistik“) immer wieder eine politisch motivierte Interpretation der Realität darstellt.
So wird beispielsweise die Zahl der Arbeitslosen
reduziert, indem man Teilgruppen aus der Statistik
fallen lässt: Im Jahr 2006 wurde z.B. ein Saisonkurzarbeitergeld eingeführt, welches an arbeitslose Bauarbeiter ausbezahlt wird, die somit nicht mehr wie
früher als Arbeitslose gezählt werden, obwohl sie im
Grunde saisonbedingt arbeitslos sind. Andere Neuregelungen lassen vor allem ältere Arbeitslose aus der
Statistik fallen, da diese als nicht mehr vermittelbar
gelten, obwohl sie noch arbeiten möchten: Wer 58
Jahre alt und arbeitslos ist und seit einem Jahr kein
Angebot mehr für eine sozialversicherungspflichtige
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Beschäftigung bekommen hat, gilt nicht mehr als
arbeitslos. Insofern ist auch die zeitliche Entwicklung der Arbeitslosenquote nur eingeschränkt
aussagekräftig.
Weiterhin wird vermutet, dass es ein Dunkelfeld
der Armut gibt, in dem Menschen unter der Armutsgrenze leben, ohne sozialstaatliche Unterstützung
in Anspruch zu nehmen. Wenn Anspruch auf Unterstützung besteht, dieser aber nicht wahrgenommen wird, dann spricht man folglich von „verdeckter
Armut“. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sicherlich ist
oft Scham ausschlaggebend dafür, Sozialleistungen
nicht in Anspruch zu nehmen. Als weitere Gründe
können Angst vor Stigmatisierung sowie Unkenntnis
über die Anspruchsberechtigung vermutet werden.
Das Ausmaß dieser „verdeckten“ bzw. „verschämten“ Armut ist jedoch deutlich zurückgegangen, seit
zum Jahr 2003 die Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung eingeführt wurde. Der Gesetzgeber hat hier weitgehend darauf verzichtet, einen
Rückgriff bei unterhaltspflichtigen Kindern vorzusehen, wenn Sozialleistungen an ältere Bedürftige
gezahlt werden.
Der Bezug von Sozialleistungen soll zwar das Existenzminimum sichern, schützt aber sicherlich nicht
in allen Fällen vor Armut. Der Gesetzgeber definiert
den notwendigen Lebensunterhalt in § 27 SGB XII so:
„Der notwendige Lebensunterhalt umfasst insbesondere Ernährung, Unterkunft, Kleidung, Körperpflege,
Hausrat, Heizung und persönliche Bedürfnisse des
Lebens. Zu den persönlichen Bedürfnissen des täglichen Lebens gehören in vertretbarem Umfang auch
Beziehungen zur Umwelt und eine Teilnahme am
kulturellen Leben“. Dies schließt zwar neben dem
physischen sogar ein soziokulturelles Existenzminimum ein, die Realität sieht jedoch so aus, dass
einem Haushaltsvorstand bzw. einem Alleinstehenden neben den Kosten für Unterkunft, Heizung und
Sozialversicherungsbeiträgen ein Regelsatz in Höhe
von zur Zeit 359,- Euro monatlich zur Verfügung
steht. Die Berechnung des Regelsatzes ergibt sich
aus dem durchschnittlichen Verbrauchsverhalten,
welches statistisch auf Basis der Einkommens- und
Verbrauchsstichprobe ermittelt wurde. Dabei handelt
es sich also um eine statistisch gemittelte Größe, die
den Regelfall abdeckt. Es wird vom Leistungsempfänger auch erwartet, dass er einen Teil der 359,Euro spart. So sind rund sieben Prozent des Regelsatzes für Möbel und Haushaltsgeräte vorgesehen,
auf die zurückgegriffen werden soll, wenn z.B. die
Waschmaschine defekt ist.
Im Folgenden sollen einige der oben beschriebenen
Sozialleistungen in Bezug auf die Stadt Erlangen
dargestellt werden. Die Kenntnislage ist bei einigen
Leistungsarten sehr gut und differenziert, bei anderen nur sehr allgemein.

19

5.1.	Arbeitslosengeld I
Beim Eintreten in die Erwerbslosigkeit kommen erst
einmal Leistungen der Arbeitslosenversicherung in
Betracht, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt
sind.
Das Arbeitslosengeld I ist im SGB III geregelt.
Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben demnach
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die arbeitslos
sind, sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden und gewisse Anwartschaftszeiten erfüllt haben.
Dabei gilt der Arbeitnehmer als arbeitslos, der nicht
in einem Beschäftigungsverhältnis steht und sich
bemüht, seine „Beschäftigungslosigkeit“ zu beenden. Außerdem muss er sich den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stellen, was bedeutet, eine zumutbare Beschäftigung
annehmen sowie an beruflichen Eingliederungsmaßnahmen teilnehmen zu müssen.
Wer mindestens ein Jahr innerhalb einer Rahmenfrist sozialversicherungspflichtig beschäftigt war,
erhält Arbeitslosengeld I für einen Zeitraum von
einem halben Jahr. Die Bezugsdauer erhöht sich bei
längerer Beschäftigungszeit stufenweise auf bis zu
ein Jahr, bei älteren Arbeitnehmern auf bis zu zwei
Jahre. Die Höhe des Arbeitslosengeldes beträgt 60
Prozent des pauschalierten Nettoentgelts, das sich
aus dem Bruttoentgelt ergibt, welches vom Arbeitslosen im Bemessungszeitraum erzielt wurde. Der Leistungssatz erhöht sich auf 67 Prozent bei Arbeitslosen mit Kindern.
Im Juni 2009 waren in Erlangen 2.529 Menschen
offiziell von Arbeitslosigkeit betroffen, darunter 1.058
im Rechtskreis des SGB III (also ALG I-Empfänger)
und 1.471 im Rechtskreis des SGB II (arbeitslose
„Hartz IV“-Empfänger, „ALG II“). Die Bundesagentur
für Arbeit errechnet daraus auf der Basis aller zivilen
Erwerbspersonen eine Arbeitslosenquote von insgesamt 4,4 Prozent.
Die Anteile der Arbeitslosengeldempfänger nach
dem SGB III sind heute geringer als früher, da
Arbeitslosengeldbezieher heute schneller aus dem
Bezug entlassen werden und somit in den Rechtskreis des SGB II fallen, wo sie zu Hartz IV-Empfängern werden.
Abb. 25 zeigt die Verteilung der Empfänger von
Arbeitslosengeld I gemessen an der Hauptwohnungsbevölkerung zwischen 15 und 65 Jahren nach
statistischem Bezirk zum 31.12.2008. Die größten
Anteile finden sich wieder in den Gebieten Anger
(Bezirk 40), Bruck (Bezirke 42, 44, 45) sowie in Frauenaurach (Bezirk 61) und Büchenbach Dorf (Bezirk
76). Geringe Anteile an Arbeitslosengeld I-Empfängern liegen hingegen in Dechsendorf Ost (Bezirk
81), in der Markgrafenstadt (Bezirk 02), in Stubenloh
(Bezirk 25) und am Burgberg (Bezirk 20) vor.
Unter den Beziehern von Arbeitslosengeld I befinden sich 56 Prozent Männer und 44 Prozent Frauen.
In einzelnen Altersklassen unterscheidet sich dieses Verhältnis: Von den 15- bis unter 25-jährigen
Empfängern von Arbeitslosengeld I sind knapp zwei
20

Anteil der SGB III-Empfänger (Alg I) an Hauptwohnungsbevölkerung im Alter 15 bis unter 65 Jahren

80

unter 0,6 Prozent
0,6 bis unter 0,9 Prozent
0,9 bis unter 1,2 Prozent
1,2 bis unter 1,5 Prozent
1,5 Prozent und höher

81

82

10 11

70

01

77

78

76

73

21

20

71

75

04

03
12

40

22

23

24

25

33

30
41

42

74

02

32

43

60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 25:	 Anteil der Empfänger von Arbeitslosengeld I
zum 31.12.2008

Drittel männlichen Geschlechts. Bei den älteren
ALG I-Beziehern ab 55 Jahren ist das Geschlechterverhältnis hingegen nahezu ausgeglichen.
Etwa jeder fünfte ALG I-Empfänger hat eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Gut acht Prozent der
Empfänger sind schwerbehindert.

5.2.	Hartz IV
Die im Jahr 2002 von der Bundesregierung eingesetzte Hartz-Kommission – benannt nach derem
Vorsitzenden Peter Hartz, der zu dieser Zeit Vorstandsmitglied der Volkswagen AG war – hatte zum
Ziel, Reformvorschläge zur Arbeitsmarktpolitik zu
erarbeiten. Die Ergebnisse der Kommission mündeten in die Gesetze für moderne Dienstleistungen
am Arbeitsmarkt, die sich im allgemeinen Sprachgebrauch als „Hartz I“ bis „Hartz IV“ durchgesetzt
haben, wobei vor allem „Hartz IV“ zum Schlagwort
wurde. Die ersten beiden Gesetze traten im Jahr
2003 in Kraft und regelten neue Formen der Arbeit,
Zeitarbeit in Personal-Service-Agenturen, Minijobs,
Ich-AG’s, die Einführung des Bildungsgutscheines
sowie die Errichtung von Job-Centern. Im Jahr darauf wurde mit dem dritten „Hartz-Gesetz“ im Zuge
einer Restrukturierung aus der Bundesanstalt die
Bundesagentur für Arbeit. „Hartz IV“ brachte schließlich im Jahr 2005 umfassende Veränderungen bei
Sozial- und Arbeitslosenhilfe.
Durch „Hartz IV“ wurden die Sozialhilfe und
die
Arbeitslosenhilfe
zusammengeführt
zum
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

nach dem SGB II anteilig getragen werden müssen.
Das neu festgelegte zweite Buch des Sozialgesetzbuches (SGB II - überschrieben mit „Grundsicherung
für Arbeitssuchende“) beschreibt in § 1 Aufgaben
und Ziele der Grundsicherung für Arbeitssuchende
folgendermaßen: „Die Grundsicherung für Arbeitsuchende soll die Eigenverantwortung von erwerbsfähigen Hilfebedürftigen und Personen, die mit ihnen in
einer Bedarfsgemeinschaft leben, stärken und dazu
beitragen, dass sie ihren Lebensunterhalt unabhängig von der Grundsicherung aus eigenen Mitteln und
Kräften bestreiten können. Sie soll erwerbsfähige
Hilfebedürftige bei der Aufnahme oder Beibehaltung
einer Erwerbstätigkeit unterstützen und den Lebensunterhalt sichern, soweit sie ihn nicht auf andere
Weise bestreiten können“. Der anspruchsberechtigte Personenkreis wird in §  7 näher definiert als
erwerbsfähige hilfsbedürftige Personen im Alter von
15 bis unter 65 Jahren („Arbeitslosengeld II“) sowie
Personen, die mit diesen in einer Bedarfsgemeinschaft leben („Sozialgeld“).
Zur Bedarfsgemeinschaft gehören neben dem
erwerbsfähigen Hilfsbedürftigen dessen Lebenspartner oder Ehegatte sowie im Haushalt lebende unverheiratete minderjährige Kinder, die für die Sicherung
ihres Lebensunterhaltes nicht selbst aufkommen
können. Personen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben, spielen in der Umsetzung von Hartz  IV
keine Rolle. Diese verbleiben bei Bedürftigkeit
neben Personen mit dauerhafter Erwerbsminderung
in der Sozialhilfe (SGB XII) und haben Anspruch auf
„Sicherung des Lebensunterhaltes im Alter“. Wenn
im Folgenden von „Hartz  IV-Empfängern“ gesprochen wird, so sind damit die Empfänger von „Grundsicherung für Arbeitssuchende“ nach dem SGB  II
gemeint, also Anspruchsberechtigte sowie deren
Angehörige in der Bedarfsgemeinschaft.
Zum 31.12.2007 lebten in der Stadt Erlangen insgesamt 5.015 Hartz IV-Empfänger. Gemessen an
der Hauptwohnungsbevölkerung im
Alter unter 65 Jahren ergibt dies eine
Quote von 5,9 Prozent. Im bayernweiten Vergleich nach kreisfreien Städten und Landkreisen zeigt sich, dass
die Erlanger Quote relativ niedrig ist
(Abb. 27). In den Landkreisen sind
die Quoten mit einigen Ausnahmen in
Oberfranken fast durchgehend niedriger als in den kreisfreien Städten.
Unter den kreisfreien Städten kann
nur die Stadt Memmingen mit 5,6 Prozent eine niedrigere Quote als Erlangen aufweisen.
Wer ist in Erlangen auf Hartz IV
angewiesen?

sogenannten Arbeitslosengeld II (ALG II). Was vor
Hartz IV noch Arbeitslosengeld hieß, wurde zum
Arbeitslosengeld I und in seiner Anspruchdauer
für unter 55-Jährige auf maximal ein Jahr verkürzt,
wobei nach einer Neuregelung Arbeitslose über 50
Jahre mittlerweile auch für einen Zeitraum von bis zu
zwei Jahren in den Genuss von Arbeitslosengeld  I
kommen können.
Die frühere Arbeitslosenhilfe wurde an Arbeitslose ausbezahlt, die dem Arbeitsmarkt als Arbeitssuchende zur Verfügung standen, jedoch keinen
Anspruch auf Arbeitslosengeld (mehr) hatten.
Die Anspruchsdauer auf Arbeitslosenhilfe war im
Grunde unbegrenzt, die Höhe betrug 53 bzw. – bei
Kindern im Haushalt - 57 Prozent des letzten Leistungsentgeltes. Das neue Arbeitslosengeld II wird
vermögens- und einkommensabhängig bewilligt und
liegt geringfügig höher als das bisherige Sozialhilfeniveau. Die Arbeitslosengeld II-Leistungen wurden
bisher im Regelfall von neu geschaffenen Stellen,
den sogenannten ARGEn (Arbeitsgemeinschaften von Arbeitsagentur und Kommune) ausbezahlt,
mit Ausnahme von 69 Kreisen und Städten, die die
Betreuung von Langzeitarbeitslosen eigenverantwortlich übernehmen. Zu diesen besagten „Optionskommunen“ gehört auch die Stadt Erlangen.
Die Hartz IV-Leistungen setzen sich zusammen aus
einem Regelsatz, dem Mehrbedarf z.B. für werdende
Mütter oder aus bestimmten gesundheitlichen Gründen, den Kosten für Unterkunft und Heizung sowie
diversen einmaligen Leistungen. Da die Leistungen
für die Kosten der Unterkunft zu etwa drei Vierteln
von der Kommune getragen werden müssen, sind
die Kosten für die Stadt mit der Einführung von
Hartz  IV sprunghaft angestiegen. Abb.  26 zeigt die
Entwicklung der Kosten für Wohngeld (also den Leistungen v.a. zum Mietzuschuss an einkommsschwache Menschen) und Kosten der Unterkunft, die ab
2003 von der Stadt für Grundsicherung im Alter und
bei Erwerbsunfähigkeit und ab 2005 für Leistungen
14.000.000 €
12.000.000 €

Stadt

10.000.000 €

Land
Bund

8.000.000 €
6.000.000 €
4.000.000 €
2.000.000 €
0€
2002

Viele Kinder von Hartz IV abhängig
2003

2004

2005

2006

Abb. 26:	 Entwicklung von Wohngeld und Kosten der Unterkunft

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

2007

Die Anteile der Erlanger Hartz IVEmpfänger sind sehr unterschiedlich je nach Alter. Wie in Abb. 28 zu
sehen ist, liegen die Anteile bei den
21

Bergisch Gladbach
Köln
Aachen

Anteil der Hartz IV-Empfänger an den unter 65-Jährigen
Siegen

Bonn

unter 18-Jährigen über dem Erlanger Durchschnitt, bei
allen anderen
Koblenz
Altersjahren sind sie unterdurchschnittlich. Die geringsten Anteile
sind bei den 20- bis 25-Jährigen
und
Wiesbaden
bei Einwohnern ab 60 JahrenMainz
zu verDarmstadt
Trier
zeichnen.
Bei den Kleinkindern sind
Würzburg
Maximalwerte festzustellen: Von den
Erlangen
Kindern unter 3 Jahren gehören fast
Mannheim
Ludwigshafen
13 Prozent zu den Hartz IV-EmpfänFürth Nürnberg
Heidelberg
gern; das ist mehr als jedes achte
Saarbrücken
Kind.
Ein Vergleich der Altersstruktur
mit
Regensburg
Karlsruhe
der Gesamtstadt (Abb. 29) nach
Geschlecht zeigt, dass bei Frauen
Ingolstadt
von Anfang 20 bis Ende 30 Jahre
eine größere Wahrscheinlichkeit
besteht, auf Leistungen nach dem
Augsburg
SGB II angewiesen zu sein. Bei Männern zwischen 40 und 50 Jahren sind
München
Freiburg im Breisgau
die Anteile ebenfalls
leicht erhöht.
Auffällig sind auch hier wieder die
hohen Anteile bei den Kindern und
Jugendlichen. Während 5,4 Prozent
der Erlanger Hauptwohnungsbevölkerung Kinder unter 6 Jahren sind,
weniger als 2,5 Prozent
fallen in diese Altersgruppe 13,7 Pro2,5 bis unter 5 Prozent
zent der Erlanger Hartz IV-Empfän5 bis unter 7,5 Prozent
Anteil der Hartz IV-Empfänger an den unter 65-Jährigen
7,5 bis unter 10 Prozent
ger. Jeder dritte Hartz IV-Empfänger
Stadt Erlangen
5,9
10 Prozent und mehr
ist unter 18 Jahre alt. Hier scheint
Stadt München
6,6
wieder das Thema „Armut durch KinStadt Ingolstadt
7,0
der“ eine Rolle zu spielen. Dies bestäStadt
Würzburg
7,9
Heilbronn
Dresden
Jena
Stuttgart
Reutlingen
Pforzheim
Chemnitz
Ulm
Offenbach
tigt sich auch, wenn man die durchErfurt
Frankfurt/Main
Gera
Stadt
Regensburg
9,0
schnittlichen Kinderzahlen betrachtet:
Stadt Fürth
10,4
Während Paarhaushalte mit Kindern
Stadt Augsburg
10,5
Stadt Nürnberg
12,7
gesamtstädtisch im Schnitt 1,7 Kinder
haben, sind es bei den BedarfsgeKreisfreie Städte Bayern
7,1
meinschaften von Hartz IV-EmpfänBayern insgesamt
5,0
Bundesrepublik insgesamt
10,5
gern 2. Bei den Alleinerziehenden
sind im städtischen Durchschnitt 1,4
Abb. 27:	 Anteil der Hartz IV-Empfänger an den unter 65-Jährigen zum
Kinder vorhanden, bei den alleiner31.12.2007
ziehenden Hartz IV-Empfängern 1,6.
Die
5.015
Hartz
IV-Empfänger
bilden
insgesamt
2.595
Bedarfsgemeinschaften. Neben dem Antragsteller
gehören zur Bedarfsgemeinschaft die im Haushalt
lebenden Partner sowie die Kinder, wobei im Falle
von Hartz IV auch nichteheliche Lebensgemein% (Alter)
schaften in Betracht gezogen werden.
14
Betrachtet man die „Bedarfsgemeinschaften“ von
12
Hartz IV-Empfängern nach Haushaltstyp, so zeigt
10
sich, dass es sich bei gut der Hälfte um EinperDurchschnitt Stadt Erlangen
8
sonenhaushalte handelt. Etwa 13,5 Prozent der
6
Bedarfsgemeinschaften sind Haushalte mit mehr als
4
drei Personen.
2

Alleinerziehende häufig Hartz IV-Empfänger

0
0

10

20

30

40

50

Abb. 28:	 Anteil der Erlanger Hartz IV-Empfänger
nach Alter

22

60
Alter

Wie verteilen sich Hartz IV-Empfänger auf die
verschiedenen Haushaltstypen im Vergleich zur
Gesamtstadt? Abb. 30 zeigt besonders große
Unterschiede bei den Paaren ohne Kinder sowie
bei den Alleinerziehendenhaushalten. Während
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Männer

Frauen

Männer

Frauen

90

90

80

80

70

70

60

60

50

50

40

40

30

30

20

20

10

10

0
15

10

0

5
5
10
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

15

20

15
10
5
5
10
15
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

Hartz IV-Empfänger zum 31.12.2007

Hartz IV-Empfänger: Alleinerziehendenhaushalte

Hauptwohnungsbevölkerung Erlangen zum 31.12.2007

Personen in Alleinerziehendenhaushalten
insgesamt zum 31.12.2007

Abb. 29:	 Altersstruktur der Hartz IV-Empfänger im
Vergleich zur Gesamtstadt

gesamtstädtisch etwa 29 Prozent aller Haushalte
Paarhaushalte ohne Kinder sind, sind unter den
Haushalten der Hartz IV-Empfänger nur knapp 8
Prozent Paarhaushalte ohne Kinder zu finden. Stark
betroffen sind hingegen die Alleinerziehendenhaushalte: Jeder 23. Haushalt in Erlangen ist ein Alleinerziehendenhaushalt, unter den Haushalten der
Hartz IV-Empfänger ist hingegen jeder fünfte Haushalt ein Alleinerziehendenhaushalt. Auf die Situation
von Alleinerziehenden wird an anderer Stelle in diesem Bericht noch genauer eingegangen.

20

Abb. 31:	 Altersstruktur der Hartz IV-Empfänger in
Alleinerziehendenhaushalten im Vergleich

Fast jeder vierte Alleinerziehendenhaushalt in Erlangen ist auf Hartz IV angewiesen. Der Vergleich der
Altersstruktur Alleinerziehender in der Gesamtstadt
mit derjenigen der Hartz IV-Empfänger in Alleinerziehendenhaushalten (Abb. 31) zeigt, dass insbesondere junge Alleinerziehende – fast ausschließlich
junge Frauen ab 20 Jahren – besonders stark betroffen sind. Das durchschnittliche Alter Alleinerziehender beträgt 40 Jahre; bei den Hartz IV-Empfängern
sind Alleinerziehende im Schnitt über fünf Jahre
jünger. Bei den Alleinerziehenden handelt es sich
gesamtstädtisch betrachtet bei etwa 90 Prozent um

60%
50%

Haushalte Hartz IV-Empfänger

40%

Haushalte insgesamt

30%
20%
10%
0%

Einpersonenhaushalte

(Ehe-)Paar ohne
Kind

(Ehe-)Paar
mit Kind

Alleinerziehendenhaushalt

sonstiger Mehrpersonenhaushalt

Abb. 30:	 Hartz IV-Empfänger nach Haushaltstypen

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

23

Männer

Männer

Frauen

Frauen

90

90

80

80

70

70

60

60

50

50

40

40

30

30

20

20

10

10
0

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25

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15
10
5
5
10
15
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

20

30

25

25

20

15 10 5
5
10 15 20
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

25

Hartz IV-Empfänger: (Ehe-)Paare mit Kindern

Hartz IV-Empfänger: Einpersonenhaushalte

(Ehe-)Paare mit Kindern insgesamt zum 31.12.2007

Einpersonenhaushalte insgesamt zum 31.12.2007

30

Abb. 33:	 Altersstruktur der Hartz IV-Empfänger in
Einpersonenhaushalten im Vergleich

Abb. 32:	 Altersstruktur der Hartz IV-Empfänger in
Paarhaushalten mit Kindern im Vergleich

Mütter mit Kindern, unter den Alleinerziehenden, die
auf Hartz IV angewiesen sind, finden sich hingegen
rund 95 Prozent Frauen.
Jüngere Familien häufiger auf Hartz IV angewiesen
Auch bei den „vollständigen“ Familien mit zwei
Erwachsenen zeigt sich die Tendenz, dass jüngere Familien bei den Hartz IV-Empfängern höhere
Anteile aufweisen als in der Gesamtstadt (Abb. 32).
Anders ist dies bei den Einpersonenhaushalten: Hier
ist vor allem die Bevölkerung ab 40 Jahren besonders stark betroffen; Männer überwiegen (Abb. 33).

Hartz IV und Schulbildung
Betrachtet man die Bildungsabschlüsse der Hartz IVEmpfänger, so zeigen sich gravierende Unterschiede
zur Gesamtbevölkerung (Abb. 34). Von den volljährigen Hartz IV-Empfängern verfügt mehr als jeder
Vierte über keinen Schulabschluss. Das bedeutet,
dass von den Erlangern, die über keinen Schulabschluss verfügen, zwei Drittel auf Hartz IV angewiesen sind.
Große Unterschiede auch bei den Erwachsenen mit Hauptschulabschluss: Unter den
Hartz  IV-Empfängern haben gut 38 Prozent einen

kein Schulabschluss
Hauptschulabschluss
Mittlere Reife
(Fachl-)Hochschulreife
Gesamtbevölkerung 18 bis 64 Jahre
k.A. oder sonstiges

Hartz IV-Empfänger ab 18 Jahre
0%

10%

20%

30%

40%

50%

60%

Abb. 34:	 Hartz IV-Empfänger und volljährige Gesamtbevölkerung unter 65 Jahre nach Schulabschluss

24

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Hauptschulabschluss, in der Gesamtbevölkerung
dagegen lediglich etwa 17 Prozent. Sieben Prozent aller erwachsenen Erlanger mit Hauptschulabschluss sind Hartz IV-Empfänger.
Bei den höheren Schulabschlüssen ist das Bild
umgekehrt, besonders bei denjenigen, die über
das Abitur oder die fachgebundene Hochschulreife
verfügen. Während dies auf etwa 54 Prozent der
erwachsenen Erlanger zutrifft, finden sich unter den
Hartz IV-Empfängern lediglich elf Prozent. Weniger
als ein Prozent der Erlanger mit Abitur oder Fachabitur ist Hartz IV-Empfänger.
Wer findet sich sonst noch unter den
Hartz IV-Empfängern?
Hartz IV und Nationalität

Männer

Frauen
90
80
70
60
50
40
30

20
Besonders stark betroffen sind Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Alter von 6 bis 14
10
Jahren: 22,5 Prozent dieser Gruppe sind Hartz IVEmpfänger. Bei den ausländischen Kindern unter 6
0
Jahren sind 17,4 Prozent unter den Hartz IV-Emp15
10
5
5
10
15
fängern zu finden, hingegen „nur“ 11,7 Prozent der
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung
unter 6-Jährigen mit deutscher Staatsangehörigkeit.
Hartz IV-Empfänger mit ausländischer Staatsangehörigkeit
Ebenfalls stark betroffen sind mit 10,8 Prozent die
Frauen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit im
Hartz IV-Empfänger mit deutscher Staatsangehörigkeit
Alter von 35 bis unter 65 Jahren.
Abb. 35:	 Altersstruktur der Hartz IV-Empfänger nach
In Abb. 35 ist ersichtlich, wie sich die ZusammenStaatsangehörigkeit
setzung der Empfänger von Hartz IV mit deutscher
Staatsangehörigkeit von derjenigen der ausländischen Empfänger unterscheidet. Deutlich ist zu
Kindern und Jugendlichen hoch. Fast jeder zweite
erkennen, dass bei den nicht-deutschen Hartz IVHartz IV-Empfänger mit afghanischer oder irakischer
Empfängern vor allem etwas „ältere“ Familien stärStaatsangehörigkeit ist ein Kind oder Jugendlicher.
ker vertreten sind, bei den deutschen vor allem junge
Auch bei den Hartz IV-Empfängern mit vietnamesiFamilien mit hohen Anteilen an Kleinkindern. Bei den
scher Staatsangehörigkeit ist der Anteil an Kindern
deutschen Hartz  IV-Empfängern finden sich unter
und Jugendlichen so hoch. Bei Hartz IV-Empfängern
den jungen Familien sehr viele Alleinerziehende,
mit deutscher Staatsangehörigkeit sind allerdings
was in der Abb. 35 an der Ausbuchtung bei den
ebenfalls 36 Prozent unter 18 Jahre alt. Dies trifft
20- bis 30-jährigen Frauen zu
erkennen ist.
Unter der Bevölkerung mit
Afghanistan
nicht-deutscher StaatsangeIrak
hörigkeit unterscheidet sich
Pakistan
das Ausmaß der BetroffenVietnam
heit nach dem Herkunftsland
Iran
(Abb. 36). Besonders hoch
Türkei
sind die Anteile bei der Bevölkerung aus den Ländern, in
ehemalige Sowjetunion
denen Krieg herrscht: Unter
Italien
den Erlanger Einwohnern aus
ehemaliges Jugoslawien
Afghanistan sind 67 Prozent
Griechenland
Hartz IV-Empfänger, bei MenRumänien
schen aus dem Irak sind es 29
Polen
Prozent. Hohe Anteile finden
Deutschland
sich auch unter der BevölkeBulgarien
rung aus Pakistan, Vietnam,
Spanien
Iran, der Türkei sowie aus der
ehemaligen Sowjetunion.
Indien
Unter den Hartz IV-Empfän0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
gern aus Afghanistan und
Abb. 36:	 Anteile der Hartz IV-Empfänger nach Nationalität
dem Irak ist auch der Anteil an

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

25

Anteil der Hartz IV-Empfänger an der
Hauptwohnungsbevölkerung unter 65 Jahren

auch auf 34 Prozent der Hartz IV-Empfänger mit
türkischer Staatsangehörigkeit zu. Bei Staatsangehörigen eines Landes der ehemaligen Sowjetunion
finden sich 18 Prozent Minderjährige.

80

Hartz IV-Empfänger in der Regel Deutsche
Betrachtet man Hartz IV-Empfänger nach Nationalität allerdings in absoluten Zahlen, so zeigt sich,
dass die meisten Hartz IV-Empfänger deutsche
Staatsbürger sind: 3.753 Personen haben die deutsche Staatsangehörigkeit – das sind drei Viertel der
Hartz IV-Empfänger -, 302 Hartz IV-Empfäger haben
die türkische Staatsangehörigkeit, 179 stammen aus
der ehemaligen Sowjetunion, 158 aus dem ehemaligen Jugoslawien; 47 Hartz IV-Empfänger kommen
aus dem Irak und 43 aus Afghanistan.
Wie verteilen sich Hartz IV-Empfänger über das
Stadtgebiet? Betrachtet man die Anteile der
Hartz IV-Empfänger an der Hauptwohnungsbevölkerung unter 65 Jahre nach Distrikt (Abb. 37), so sind
nun auch Gebiete mit hohen Anteilen an Hartz IVEmpfängern ersichtlich, die bei der Betrachtung der
Pro-Kopf-Einkommen im oberen Bereich lagen. Dies
liegt daran, dass die Einkommensverteilung nur auf
Basis der statistischen Bezirke ausgewertet werden
konnte, bei den Empfängern von Hartz IV jedoch
ein umfangreicheres Datenmaterial zur Verfügung
steht, welches auch eine Analyse auf Distrikt-Ebene
ermöglicht.
Unter den statistischen Distrikten mit sehr hohen
Anteilen liegt an der Spitze der Distrikt 333 – das
ist der westliche Teil im Röthelheimpark, der südlich
des Thymianweges gelegen ist. In diesem Gebiet
liegt die zum alten Wohnungsbestand des Röthelheimparks gehörende „Housing-Area“. Mehr als
jeder fünfte Einwohner unter 65 Jahre ist in diesem
Distrikt Hartz IV-Empfänger. Gleiches gilt für den Distrikt 401, der zwischen Frankenschnellweg, ÄußereBrucker-Straße und Paul-Gossen-Straße liegt. Hohe
Anteile sind ebenfalls im gesamten Bezirk Büchenbach Nord (Bezirk 77) zu finden, wo 15,7 Prozent der
Einwohner unter 65 Jahre Hartz IV-Empfänger sind.
Stark betroffen ist auch die Bevölkerung im Distrikt
441 in Bachfeld, der zwischen Frankenschnellweg,
Bahnlinie und Felix-Klein-Straße liegt und vor allem
das ehemalige FAG-Gelände umfasst, welches
innerhalb der kommenden fünf Jahre noch überwiegend mit Wohnblöcken bebaut werden soll. Der
gesamte Bezirk Bierlach (Bezirk 45) gehört mit 12,6
Prozent ebenfalls zu den stark betroffenen Gebieten.
So gut wie keine Hartz IV-Empfänger finden sich im
Meilwald (Bezirk 21), im Bezirk Forschungszentrum
(Bezirk 43), St. Egidien (Bezirk 51), Neuses (Bezirk
60), Kriegenbrunn (Bezirk 62), Hüttendorf (Bezirk
63), Kosbach (Bezirk 70), in der Reuth (Bezirk
71) sowie in Häusling (Bezirk 73) und in Steudach
(Bezirk 74).
Kinder in Büchenbach Nord stark betroffen
Betrachtet man die Hartz IV-Empfänger in den Distrikten nach Altersgruppen, so zeigen sich wieder
26

unter 2 Prozent
2 bis unter 5 Prozent
5 bis unter 8 Prozent
8 bis unter 11 Prozent
11 Prozent und mehr

81

82

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50

51

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63

Abb. 37:	 Anteil der Hartz IV-Empfänger an der Hauptwohnungsbevölkerung unter 65 Jahren nach
Distrikt

beträchtliche Unterschiede: Ein Vergleich der Abb. 38
bis 41 zeigt vor allem wieder die starke Betroffenheit
von Kindern. Bei den unter 15-Jährigen fallen wieder Büchenbach Nord (Bezirk 77) sowie der Distrikt
401 am Anger auf, da dort mehr als jedes dritte Kind
Hartz  IV-Empfänger ist. In fast allen Altersgruppen
finden sich hohe Anteile in Büchenbach Nord und in
Teilen des Angers (Bezirk 40). Bei den Hartz IV-Empfängern im Alter von 45 bis 64 Jahren ist neben den
Gebieten mit hohen Anteilen in allen Altersgruppen
auch noch der Bereich im nördlichen Röthelheimpark (nördlich der Allee am Röthelheimpark) sowie
Teile der Buckenhofer Siedlung (Bezirk 24, zwischen
Drausnickstr. und Schwabach) stark betroffen.
Da der Personenkreis der Hartz IV-Empfänger offenbar sehr vielschichtig ist, kann eine Typisierung noch
genauere Informationen darüber liefern, welche
Bevölkerungsteile betroffen sind. Zur Typisierung
wurde eine Clusteranalyse durchgeführt, bei der
jeweils diejenigen Distrikte gruppiert wurden, deren
Empfängerstruktur sich stark ähnelt. Das Ergebnis
zeigt vier eindeutig voneinander unterscheidbare
Typen (Abb. 42). Welche Personenkreise überwiegen bei den Empfängern von Leistungen nach
SGB II in den einzelnen Typen?
Typ 1- Ältere Menschen und Alleinstehende: Hier
sind vor allem ältere Menschen überrepräsentiert,
darunter mehr Männer als Frauen. Auch Einpersonenhaushalte sind in Typ 1 bei den Hartz IV-Empfängern weitaus überdurchschnittlich aufzufinden.
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Anteil der Hartz IV-Empfänger unter 15 Jahren

80

Anteil der Hartz IV-Empfänger 15 bis unter 25 Jahre

unter 2 Prozent
2 bis unter 5 Prozent
5 bis unter 8 Prozent
8 bis unter 11 Prozent
11 Prozent und mehr

81

80

unter 2 Prozent
2 bis unter 5 Prozent
5 bis unter 8 Prozent
8 bis unter 11 Prozent
11 Prozent und mehr

81

82

82
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01

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43

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30

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10 11
77

78

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03

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44

45

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52

51

50
63

52

51

50
63

Abb. 38:	 Anteil der Hartz IV-Empfänger in der Altersgruppe unter 15 Jahren nach Distrikt

Abb. 39:	 Anteil der Hartz IV-Empfänger in der Altersgruppe von 15 bis unter 25 Jahren nach
Distrikt

Anteil der Hartz IV-Empfänger 25 bis unter 45 Jahre

Anteil der Hartz IV-Empfänger 45 bis unter 65 Jahre

80

unter 2 Prozent
2 bis unter 5 Prozent
5 bis unter 8 Prozent
8 bis unter 11 Prozent
11 Prozent und mehr

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unter 2 Prozent
2 bis unter 5 Prozent
5 bis unter 8 Prozent
8 bis unter 11 Prozent
11 Prozent und mehr

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10 11

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10 11

01

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44

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50

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63

Abb. 40:	 Anteil der Hartz IV-Empfänger in der Altersgruppe von 25 bis unter 45 Jahren nach
Distrikt

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

50

51

52

63

Abb. 41:	 Anteil der Hartz IV-Empfänger in der Altersgruppe von 45 bis unter 65 Jahren nach
Distrikt

27

Hartz IV-Empfänger (Typisierung)

Typ 2 – Kinder, Alleinerziehende: Hier sind vor allem
Kinder sehr stark vertreten und ebenfalls sehr hohe
Anteile an Alleinerziehenden.
Typ 3 – Alleinstehende Männer: In Typ 3 sind unter
den Hartz IV-Empfängern vor allem Männer im
Alter von 25 bis 55 Jahren vorherrschend. Während
der Frauenanteil bei der Gesamtbevölkerung von
Typ 3 bei rund 48 Prozent liegt, sind nur 28 Prozent der Hartz  IV-Empfänger in Typ 3 weiblichen
Geschlechts. Hier sind auch die Singlehaushalte
unter den Hartz  IV-Empfängern stark überrepräsentiert: Während rund 28 Prozent der Bevölkerung
unter 65 Jahre in Typ 3 in einem Einpersonenhaushalt wohnen, ist dies bei den Hartz IV-Empfängern
dort bei mehr als zwei Dritteln der Fall.
Typ 4 – Kinder, Alleinerziehende, Nicht-Deutsche:
Die Struktur ist hier ähnlich wie in Typ 2, jedoch ist
der Bevölkerungsanteil mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit bei den Hartz IV-Empfängern stark
erhöht: Rund 32 Prozent der Hartz IV-Empfänger
verfügen in diesem Typ über eine nicht-deutsche
Staatsangehörigkeit, während insgesamt in diesem
Typ 22 Prozent der unter 65-Jährigen eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit haben.

5.3.	Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung
Seit dem Jahr 2003 gibt es das Grundsicherungsgesetz, welches eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung regelt und
mittlerweile Bestandteil des SGB XII ist. Ziel ist die
Absicherung des grundlegenden Lebensunterhalts
von Menschen, die endgültig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind und für ihren Lebensunterhalt aus eigenem Einkommen und Vermögen
nicht aufkommen können. Leistungsberechtigt sind
also Personen ab 65 Jahre sowie hilfebedürftige
Menschen ab 18 Jahren mit voller und dauerhafter
Erwerbsminderung.
Mit dem Grundsicherungsgesetz sollte auch der
Umstand der „verschämten Armut“ beseitigt werden: Wenn im Falle des Sozialhilfebezugs auf das
Einkommen und Vermögen der Kinder zurückgegriffen wird (sogenannter „Unterhaltsrückgriff“),
nehmen gerade ältere Menschen Leistungen nicht
in Anspruch, obwohl sie dazu berechtigt wären. Mit
Einführung des Grundsicherungsgesetzes wurde
eine Neuregelung geschaffen, bei der ein Unterhaltsrückgriff nur gegenüber Kindern (und Eltern) mit
einem hohen Jahreseinkommen von über 100.000
Euro stattfindet. Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt,
- also der Sozialhilfe zur Sicherung des Lebensunterhalts von Menschen unter 65 Jahren ohne dauerhafter Vollerwerbsminderung – findet dagegen
grundsätzlich ein Unterhaltsrückgriff statt.
Die Leistungen der Grundsicherung im Alter und
bei Erwerbsminderung entsprechen denen der Hilfe
zum Lebensunterhalt.
Zum 31.12.2008 bezogen 562 Personen Leistungen
28

80

1
2
3
4

81

Ältere Menschen und Alleinstehende
Kinder, Alleinerziehende
Alleinstehende Männer
Kinder, Alleinerziehende, Nicht-deutsche

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10 11

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52

63

Abb. 42:	 Hartz IV-Empfänger: Typisierung nach
Distrikt

zur „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“; darunter befinden sich 224 Personen unter 65
Jahren und 338, die 65 Jahre oder älter sind. Es ist
also davon auszugehen, dass 0,3 Prozent der Erlanger im Alter von 18 bis unter 65 Jahren Leistungen
aufgrund von dauerhafter Vollerwerbsminderung
beziehen und 1,7 Prozent der Erlanger im Alter von
65 Jahren oder älter Leistungen zur Grundsicherung
im Alter.
Während bei den unter 65-Jährigen die Anteile von
Frauen und Männern etwa ausgeglichen sind, sind
bei den älteren Leistungsempfängern etwa 60 Prozent weiblichen Geschlechts, was sicherlich mit der
höheren Lebenserwartung der Frauen zu tun hat.
Ein Vergleich nach Nationalität ergibt bei den unter
65-Jährigen keine Unterschiede, bei den Senioren
hingegen schon: Die Bevölkerung Erlangens zählt
966 Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit im Alter von 65 Jahren oder älter. Von diesen
sind 132 Empfänger von Grundsicherung im Alter,
was einem Anteil von 13,7 Prozent entspricht. Bei
den Einwohnern mit deutscher Staatsangehörigkeit
liegt der Anteil hingegen bei 1,1 Prozent. Die „Altersarmut“ ist also bei der ausländischen Bevölkerung
weiter verbreitet als unter der deutschen. Dies hängt
damit zusammen, dass unter der nicht-deutschen
Bevölkerung häufiger gebrochene Erwerbsbiografien
in Bezug auf Einzahlungen in das deutsche Rentenversicherungssystem vorliegen. Die erste Gastarbeitergeneration, die nun ins Rentenalter vorrückt, war
vor allem in Bereichen mit niedriger Entlohnung tätig.
Somit fallen nun auch die Rentenbezüge gering aus.
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Unter den nicht-deutschen Senioren, die auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind, stellen die größten Anteile Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion und der Türkei.
Die Verteilung der Empfänger von Grundsicherung im
Alter nach statistischem Bezirk ist in Abb. 43 dargestellt. In Büchenbach West (Bezirk 78), im Tal (Bezirk
04), am Anger (Bezirk 40) und in Büchenbach Nord
(Bezirk 77) finden sich die größten Anteile, wobei
mehr als zwei Drittel der Empfänger von Grundsicherung im Alter in den Bezirken Büchenbach Nord
und Anger leben. Insgesamt sind erhöhte Anteile in
den Bereichen Büchenbach, Innenstadt, Anger und
Bruck aufzufinden.

6.	 Wohnen
Die Wohnung als der zentrale Ort, an dem sich das
Privatleben abspielt, kann als räumlicher Lebensmittelpunkt betrachtet werden. Aus diesem Grund spielen die Wohnverhältnisse und das Wohnumfeld eine
wesentliche Rolle in Bezug auf die Lebenszufriedenheit. Wie wohnen die Erlanger?
In Erlangen existieren knapp 18.000 Wohngebäude;
das sind Gebäude, deren gesamte Gebäudefläche
Wohnfläche ist und solche Gebäude, die neben
Wohn- auch Nutzfläche enthalten, wobei jedoch der
Anteil der Wohnfläche überwiegt.
Bei knapp drei Viertel der Wohngebäude handelt es
Anteil der Leistungsempfänger nach dem Grundsicherungsgesetz ab
65 Jahre an der Hauptwohnungsbevölkerung ab 65 Jahren

80

sich um Ein- und Zweifamilienhäuser. Rund neun
Prozent sind Mehrfamilienhäuser mit drei bis fünf
Wohnungen, 13 Prozent größere Mehrfamilienhäuser mit sechs bis neun Wohnungen. Bei den übrigen
4,4 Prozent handelt es sich um größere Gebäude mit
mindestens zehn Wohnungen.
Jeder Vierte bewohnt ein Einfamilienhaus
Dies bedeutet, dass mehr als 26 Prozent der Erlangerinnen und Erlanger in einem Einfamilienhaus
wohnen und knapp 9 Prozent in einem Zweifamilienhaus. Etwa 23 Prozent leben hingegen in einem größeren Mehrfamilienhaus mit mindestens zehn Wohnungen; knapp neun Prozent der Erlanger bewohnen
Wohnblocks oder Hochhäuser mit 50 Wohneinheiten
oder mehr. Abb. 44 veranschaulicht, wie sich diese
Gebäude über das Stadtgebiet verteilen. In den statistischen Bezirken, die sozial stark „belastet“ sind also z.B. hohe Anteile an Sozialleistungsempfängern
und niedrige Durchschnittseinkommen aufweisen -,
konzentrieren sich die Problemlagen tendenziell
auf die Teilgebiete mit größeren Wohnblocks, auch
wenn dies nicht durchgehend der Fall ist.
Gut neun Prozent der Erlanger wohnen in Gebäuden,
die bis zum Jahr 1918 errichtet wurden. Diese finden
sich überwiegend in der Innenstadt (Abb. 45), aber
auch noch inmitten der Ortsteile, die bis heute eingemeindet wurden. Rund sieben Prozent der Erlanger
wohnen hingegen in neuen Gebäuden, die ab dem
Jahr 2000 errichtet wurden, zum größten Teil in den
Neubaugebieten im Röthelheimpark (Bezirk 33) und
in Büchenbach West (Bezirk 78).
durchschnittliche Anzahl der Wohnungen je Gebäude

unter 0,8 Prozent
0,8 bis unter 1,4 Prozent
1,4 bis unter 2 Prozent
2 bis unter 2,6 Prozent
2,6 Prozent und mehr

81

80

maximal 1 Wohnung
1 bis 2 Wohnungen
2 bis 4 Wohnungen
4 bis 10 Wohnungen
10 bis 50 Wohnungen
mehr als 50 Wohnungen

81

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82
20

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70

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61

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03

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78

21

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63

Abb. 43:	 Anteil der Empfänger von Grundsicherung
im Alter an der Hauptwohnungsbevölkerung
ab 65 Jahren nach Bezirk

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

50

51

63

Abb. 44:	 Bebauung nach Gebäudegrößenklassen
(durchschnittliche Gebäudegröße auf
Baublockebene)

29

Ausstattung von Mietwohnungen
In Bezug auf Mietwohnungen kann auch etwas über
die Ausstattung gesagt werden. Ausstattung und
Wohnumfeld von Mietwohnungen fallen sehr unterschiedlich aus. Abb. 46 zeigt die Anteile schlecht
ausgestatteter Mietwohnungen nach statistischem
Bezirk. Eine Wohnung gilt hier als umso schlechter ausgestattet, je mehr der folgenden Kriterien sie
erfüllt: Sie verfügt über Einzelofen-Heizung, keine
Heizmöglichkeit in Küche oder Bad, kein Badezimmer bzw. nur Waschgelegenheit, die Toilette befindet sich außerhalb der Wohnung, die Wohnung verfügt über keine Warmwasserversorgung, der Boden
besteht aus welligen Holzdielen, die Fenster sind
einfachverglast, die Wohnung liegt in einem Gebiet
mit dauernder Lärmbeeinträchtigung.
Die größten Anteile an schlecht ausgestatteten
Mietwohnungen finden sich in Büchenbach Dorf
(Bezirk 76), im Röthelheimpark (Bezirk 33), in Bachfeld (Bezirk 44) sowie im Innenstadtbereich. Der
hohe Anteil im Röthelheimpark kommt durch den
alten Wohnungsbestand in der Housing-Area sowie
dem Gebiet zwischen Artillerie- und Drausnickstraße
zustande; die Neubebauung umfasst zum großen
Teil keine Mietwohnungen, sondern Wohneigentum. Im Innenstadtbereich sowie in den Bezirken Tal
(Bezirk 04), Anger (Bezirk 40), Schönfeld (Bezirk 42)
und Bachfeld (Bezirk 44) spielt vor allem die Belästigung durch Verkehrslärm im Wohnumfeld eine
große Rolle.

Wenig Wohnfläche in Innenstadt, Anger, Bruck und
Büchenbach
Abb. 47 zeigt die durchschnittliche Wohnfläche pro
Kopf nach statistischen Distrikten; diese bezieht sich
auf Mietwohnungen und Wohneigentum. Die durchschnittliche Wohnfläche variiert zwischen 16  m²
und 53  m² pro Person. Geringe durchschnittliche
Wohnflächen finden sich natürlich vor allem dort, wo
viele bzw. große Heime sind, wie dies im Meilwald
(Bezirk 21) der Fall ist. Wenig Wohnfläche steht den
Bewohnern im Bereich der Housing-Area im Röthelheimpark (Bezirk 33) mit gut 26  m² pro Person zur
Verfügung. Relativ wenig Platz zum Leben haben
ebenfalls die Innenstadtbewohner: Wer in der Altstadt (Bezirk 01) oder der Markgrafenstadt (Bezirk
02) wohnt, verfügt im Schnitt über etwa 28 m² Wohnfläche. Dies kommt sicherlich durch die vielen Studenten in der Innenstadt zustande, die tendenziell
in kleinen Wohnungen leben oder einzelne Zimmer
in Wohngemeinschaften bewohnen. Dies zeigt sich
auch an der Vielzahl der Singlehaushalte in der
Innenstadt: Der Anteil an Einpersonenhaushalten
liegt in der Altstadt bei rund 72 Prozent, in der Markgrafenstadt bei etwa 69 Prozent; im gesamtstädtischen Vergleich sind hingegen nur 46 Prozent aller
Haushalte Einpersonenhaushalte.
Durch geringe Wohnflächen fallen weiterhin Teile
des Angers (Bezirk 40), einzelne Gebiete in Bruck
(Bezirke 42, 44 und 45) und in Büchenbach (Bezirke
76, 77 und 78) auf.
Auf der anderen Seite finden sich Wohngebiete mit
Ausstattung der Wohnungen

Baujahr
vor 1910

Anteil Mietwohnungen mit schlechter Ausstattung

niedrig
80

um 1960

80

81

81

hoch

ab 2000
82

82
20

71

10

70
78

76

75

01
11

77

73

21

04

03
12

40

25

33

24

41

60

44

75

32

Abb. 45:	 Gebäudebestand nach Baujahr (durchschnittliches Baujahr auf Blockebene)

30

03
12

40

22

23

24

25

33

30
41

32

44

45

62

51

63

02

43
61

45

52

01
04

42

74
60

62
50

76

73

43
61

10 11
77

78

30

42

74

23

02

71

70

22

21

20

50

51

52

63

Abb. 46:	 Ausstattung von Mietwohnungen nach
Bezirk

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

besonders großen durchschnittlichen Wohnflächen.
Spitzenreiter ist hier die Siedlung im westlichen
Sieglitzhof (Bezirk 22) mit etwa 53 m² Wohnfläche je
Einwohner. In der näheren Umgebung des Stadtzentrums finden sich große Wohnflächen auch im östlichen Teil des Burgbergs (Bezirk 20) mit 51 m² sowie
in Loewenich (Bezirk 23) östlich der Loewenichstraße mit gut 48 m². Auch im Tennenloher (Bezirk
52) Westen liegt die Pro-Kopf-Wohnfläche mit mehr
als 49 m² relativ hoch. Die Bewohner des Bezirkes 71
(In der Reuth) verfügen über durchschnittlich 48 m².
Wohnungsmieten
Abb. 48 zeigt, wie sich die Wohnungsmieten in
den statistischen Distrikten vom gesamtstädtischen Durchschnitt unterscheiden; dabei sind die
prozentualen Abweichungen angegeben. Die grau
unterlegten Distrikte sind diejenigen, für welche zu
wenig Informationen vorliegen bzw. in denen der
Wohnraum überwiegend Wohneigentum ist. Von der
Berechnung der Wohnungsmieten wurden Sozialmietwohnungen und Heime ausgeschlossen.
Die günstigsten Mieten finden sich in Bierlach
(Bezirk 45) südlich der Äußeren Tennenloher Straße.
Große Abweichungen vom Durchschnitt nach unten
finden sich auch bei Mietwohnungen in Sebaldus
(Bezirk 32) südlich der Breslauer Straße, im Bereich
der Housing-Area des Röthelheimparks (Bezirk
33) und in Teilen Frauenaurachs (Bezirk 61). In
Büchenbach Dorf (Bezirk 76) sind die Durchschnittsmieten relativ gering vor allem aufgrund niedriger

Mieten in den Wohnblocks und Hochhäusern im
Bereich Europakanal, Frauenauracher Straße und
Goldwitzerstraße.
Das andere Ende des Mietpreisspektrums führt der
nordöstliche Teil Stubenlohs (Bezirk 25) an, gefolgt
von den neu errichteten Mietwohnungen im Röthelheimpark (Bezirk 33) und den Mietwohnungen im
Bezirk 04 (Tal). Die hohen Durchschnittsmieten
kommen im Tal wie in der gesamten Innenstadt
auch durch den hohen Anteil an kleinen Wohnungen
zustande; bei diesen ist der Quadratmeterpreis allgemein höher; im Bezirk Tal ist der Anteil an Einpersonenhaushalten mit 60 Prozent überdurchschnittlich
hoch, wenn auch nicht ganz so hoch wie in Altstadt
und Markgrafenstadt. Überdurchschnittliche Mieten
finden sich darüber hinaus am Burgberg (Bezirk 20)
nördlich der Rathsberger Straße sowie in Büchenbach West (Bezirk 78).
Sozialmietwohnungen
Liegt das Gesamteinkommen eines Haushaltes
unterhalb einer vom Gesetzgeber festgelegten Einkommensgrenze, so besteht die Berechtigung, eine
Sozialmietwohnung zu beziehen. Zwar ist das Unterschreiten der Einkommensgrenze Voraussetzung für
den Bezug einer Sozialmietwohnung, ein Anspruch
darauf besteht deshalb jedoch nicht. Im Bayerischen Wohnraumförderungsgesetz sind die Ziele
der Wohnraumförderung so festgelegt: „Ziel der
Mietwohnraumförderung ist die Unterstützung von
Haushalten, die sich am Markt nicht angemessen
Wohnungsmieten

Wohnfläche pro Kopf

80

unter 32 qm
32 bis unter 37 qm
37 bis unter 42 qm
42 bis unter 47 qm
47 qm und mehr

81

80

mehr als -12 Prozent
-12 bis unter -6 Prozent
-6 bis unter +6 Prozent
+6 bis unter +12 Prozent
+12 Prozent und mehr

81

82

82
20

71

70

10 11

01

77

78

76

73

21

75

04

03
12

40

23

24

25

33

41

10 11

76

73

75

32

01

77

78

30

42

74

02

70

22

04
12

40

61

44

22

23

24

25

33

30
41

42

74

02
03

32

43

43

60

21

20

71

60

61

45

44

45

62

62
50

51

52

63

Abb. 47:	 Durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche
nach Distrikt

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

50

51

52

63

Abb. 48:	 Abweichung der durchschnittlichen
Wohnungsmieten in den Distrikten vom
gesamtstädtischen Durchschnitt

31

Sozialmietwohnungen nach Distrikt

7.000

keine
weniger als 15
15 bis unter 50
50 bis unter 100
100 bis unter 300
300 und mehr

6.000
5.000

80

4.000

81

3.000
2.000

82

76

73

Abb. 49:	 Anzahl der Sozialmietwohnungen in
Erlangen nach Jahr

10 11
04

02
03

12

75

40

22

23

24

25

33

30
41

42

74

32

43

60

mit Wohnraum versorgen können. Dabei unterstützt
die Förderung insbesondere Familien, Menschen mit
Behinderung, ältere Menschen und Studierende. Ziel
der Eigenwohnraumförderung ist die Bildung von
Wohneigentum durch Haushalte, die ohne Unterstützung dazu nicht in der Lage sind. Dabei unterstützt
die Förderung insbesondere Familien und Menschen
mit Behinderung. Ziel der Modernisierungsförderung
ist es, bestehenden Wohnraum an die Bedürfnisse
des Wohnungsmarktes sozialverträglich anzupassen sowie die städtebauliche Funktion älterer Wohnviertel zu erhalten oder wiederherzustellen.“
Zum 31.12.2008 gab es in Erlangen 3.712 geförderte Mietwohnungen. Dies sind etwas mehr als in
den beiden Jahren zuvor, allerdings war die Zahl der
Sozialmietwohnungen in den vergangenen Jahren
insgesamt stark rückläufig (Abb. 49).
Die Verteilung der Sozialwohnungen über das Stadtgebiet (Abb. 50) zeigt starke Konzentrationen in
manchen Gebieten. Rund 80 Prozent aller Sozialmietwohnungen finden sich in den Bezirken Anger
(Bezirk 40), Rathenau (Bezirk 41), Bachfeld (Bezirk
44) und Büchenbach (Bezirke 76, 77, 78); allein
auf Büchenbach entfallen knapp 37 Prozent der

01

77

78

21

20

71

70

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

1999

1998

1997

1996

1.000

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 50:	 Sozialmietwohnungen nach Distrikt

Sozialwohnungen, die sich überwiegend - zu 70 Prozent - in Büchenbach Nord (Bezirk 77) befinden.
Wer wohnt in Sozialmietwohnungen? Abb. 51 zeigt
die Aufteilung der Haushalte nach Haushaltstypen in
Sozialmietwohnungen im Vergleich zu allen Haushalten in der Gesamtstadt. Deutliche Unterschiede
zeigen sich bei den Einpersonenhaushalten: Während rund 30 Prozent der Haushalte in Sozialmietwohnungen Einpersonenhaushalte sind, sind es
gesamtstädtisch betrachtet 46 Prozent. Große
Unterschiede zeigen sich auch bei den Ehepaaren und nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit
Kindern: Sie stellen gut 23 Prozent der Haushalte

50%
40%

Haushalte in Sozialmietwohnungen

30%

Haushalte insgesamt

20%
10%
0%

Einpersonenhaushalte

(Ehe-)Paar ohne
Kind

(Ehe-)Paar
mit Kind

Alleinerziehendenhaushalt

sonstiger Mehrpersonenhaushalt

Abb. 51:	 Haushaltstypen in Sozialmietwohnungen im Vergleich

32

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

90%
80%
70%
60%

Haushalte in Sozialmietwohnungen

50%

Haushalte insgesamt

40%
30%
20%
10%
0%

Keine Kinder

Zwei
Kinder

Ein
Kind

Drei und mehr
Kinder

Abb. 52:	 Kinder in Sozialmietwohnungen

in Sozialwohnungen; gesamtstädtisch sind es nur
knapp 16 Prozent. Bei Alleinerziehenden fallen die
Unterschiede noch deutlicher aus: Während es sich
bei knapp 15 Prozent der Haushalte in Sozialmietwohnungen um Alleinerziehendenhaushalte handelt,
sind es gesamtstädtisch betrachtet 4,3 Prozent. Das
bedeutet, dass etwa jeder vierte Alleinerziehendenhaushalt eine Sozialmietwohnung bewohnt. In etwa
38 Prozent der Haushalte in Sozialmietwohnungen
leben Kinder; gesamtstädtisch ist das nur in jedem
fünften Haushalt der Fall (Abb. 52).

Männer

Frauen

Die Altersstruktur der in Sozialmietwohnungen lebenden Erlanger zeigt eine nahezu pyramidenförmige
Struktur (Abb. 53); vor allem bei den Minderjährigen
sind die Anteile größer als in der Gesamtbevölkerung. Erwachsene Männer bewohnen hingegen zu
geringeren Anteilen geförderten Wohnraum. Bei den
Frauen ähneln die Anteile denen der Gesamtstadt
mit Ausnahme der 60- bis 75-jährigen, die weniger
häufig in Sozialmietwohnungen leben.
Ein ganz anderes Bild zeigt sich, wenn man die
Altersstruktur gegliedert nach Haushaltstypen

Männer

90

90

80

80

70

70

60

60

50

50

40

40

30

30

20

20

10

10
0

0
10

Frauen

5
5
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

10

20

15

10
5
5
10
15
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

Bewohner von Sozialmietwohnungen 31.12.2008

Einpersonenhaushalte in Sozialmietwohnungen

Hauptwohnungsbevölkerung Erlangen zum 31.12.2008

Einpersonenhaushalte insgesamt zum 31.12.2008

Abb. 53:	 Altersstruktur der Bewohner von
Sozialmietwohnungen

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

20

Abb. 54:	 Altersstruktur von Einpersonenhaushalten in
Sozialmietwohnungen

33

aufzeigt. In Abb. 54 ist zu sehen, dass die Altersstruktur der in Sozialmietwohnungen lebenden Einpersonenhaushalte stark abweicht von derjenigen
der Gesamtbevölkerung. Singlehaushalte mit Erlangerinnen und Erlangern zwischen 20 und 40 Jahren
bewohnen Sozialwohnungen zu relativ geringen
Anteilen. Einen Großteil der Einpersonenhaushalte
in Sozialwohnungen stellen Personen ab 50 Jahren,
wobei vor allem alleinstehende Frauen stark überdurchschnittlich vertreten sind.
Bei den Ehepaaren und nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit Kindern zeigt sich (Abb. 55), dass
vor allem junge Familien mit Eltern im Alter zwischen
20 und 35 häufiger Sozialmietwohnungen bewohnen. Deutlich sichtbar ist dies auch bei den Alleinerziehenden (Abb. 56); unter den Alleinerziehendenhaushalten in Sozialmietwohnungen finden sich
größere Anteile bei den jungen Müttern zwischen 20
und 30 Jahren.
Wohnzufriedenheit
Wie zufrieden sind die Erlanger mit ihrer Wohnung
bzw. ihrem Einfamilienhaus und ihrem Wohnumfeld?
Dies wurde in einer repräsentativen Befragung im
Jahr 2004 ermittelt, indem die Befragten das Ausmaß ihrer Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit in
Bezug auf verschiedene Indikatoren angeben sollten. Dass manche dieser Indikatoren abhängig sind
vom Einkommen, zeigt Abb. 57. Die Bevölkerung
wird dabei in drei Einkommensgruppen aufgeteilt,
wobei eine Gruppe das Viertel der Einwohner mit

Männer

Frauen

den geringsten Einkommen, eine Gruppe das Viertel
der Einwohner mit den höchsten Einkommen und die
dritte Gruppe den Rest der Bevölkerung mit den mittleren Nettoäquivalenzeinkommen umfasst.
Große Unterschiede zeigen sich bei der Beurteilung
der Kosten für die Wohnung. Da in der Regel ein
beträchtlicher Teil des Haushaltseinkommens in die
Wohnungsmiete fließt, sind Menschen mit niedrigem
Einkommen besonders stark belastet, da die Wohnungsmiete im Vergleich zum niedrigen Einkommen
stärker ins Gewicht fällt. Fast ein Drittel der Bevölkerung mit niedrigem Einkommen ist deshalb nicht
zufrieden oder sehr unzufrieden mit den Kosten für
die Wohnung.
In Bezug auf Wohnung und Wohnumfeld ist zwar
der überwiegende Teil der Erlanger Bevölkerung
nicht unzufrieden, es sind doch eindeutige Unterschiede zwischen den Einkommensklassen festzustellen: Wer es sich nicht leisten kann, muss häufiger schlecht ausgestattete Wohnungen beziehen.
Etwa 15 Prozent der Erlangerinnen und Erlanger mit
geringem Einkommen sind mit der Ausstattung ihrer
Wohnung nicht zufrieden bzw. sehr unzufrieden,
während nur drei Prozent der Erlanger mit hohem
Einkommen über schlechte Ausstattung klagen.
Auch in Bezug auf das Wohnumfeld gibt es große
Unterschiede: Während 23 Prozent der einkommensarmen Erlanger über ihre Wohnumgebung klagen, schrumpft dieser Wert mit steigendem Einkommen auf 13 Prozent.

Männer

90

90

80

80

70

70

60

60

50

50

40

40

30

30

20

20

10

10

0
15

10
5
5
10
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

0
15

25

20

15
10
5
5
10
15
Auf Tausend der jeweiligen Bevölkerung

20

25

(Ehe-)Paare mit Kind in Sozialmietwohnungen

Alleinerziehendenhaushalte in Sozialmietwohnungen

(Ehe-)Paare mit Kind insgesamt zum 31.12.2008

Alleiinerziehendenhaushalte insgesamt zum 31.12.2008

Abb. 55:	 Altersstruktur von Paarhaushalten mit
Kindern in Sozialmietwohnungen

34

Frauen

Abb. 56:	 Altersstruktur von Alleinerziehendenhaushalten in Sozialmietwohnungen

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Kosten für die Wohnung
geringes Einkommen
mittleres Einkommen

10

21

30

11

14

44
42

hohes Einkommen

11
16

Kinderfreundlichkeit des Wohnumfelds
geringes Einkommen
mittleres Einkommen
hohes Einkommen

13

19

31

3 5
3 6

18
49

23

38

33

Wohnumgebung (Ruhe, Verkehrsbelastung)
geringes Einkommen

7

mittleres Einkommen
hohes Einkommen

6
4

16
10
9

34
34
35

20
28
33

Ausstattung der Wohnung
geringes Einkommen
mittleres Einkommen
hohes Einkommen

4

11

42
5
3

16
53

25
37

45

Wohnung allgemein
geringes Einkommen
mittleres Einkommen
hohes Einkommen

40%

8

20%
sehr unzufrieden

43
51
44

25
35
46

20%

40%

60%

nicht zufrieden

80%

zufrieden

100%

sehr zufrieden

Abb. 57:	 Zufriedenheit mit der Wohnung und dem Wohnumfeld nach Einkommensklassen
Wohnzufriedenheit Index (Befragung 2004)

Besonders große Unterschiede zeigen sich hinsichtlich der Kinderfreundlichkeit des Wohnumfelds:
Sind es in der oberen und der mittleren Einkommensklasse rund acht bis neun Prozent der Erlanger mit Kindern, die mit der Kinderfreundlichkeit des
Wohnumfeldes unzufrieden sind, so ist der Anteil der
Unzufriedenen bei Erlangern mit geringen Einkommen wesentlich höher: Fast jeder Dritte Erlanger mit
Kindern und geringem Einkommen ist unzufrieden
mit der Kinderfreundlichkeit des Wohnumfeldes. Wer
es sich nicht leisten kann, muss also auch häufiger
ein unzureichendes Wohnumfeld in Kauf nehmen.
Dies äußert sich auch im Hinblick auf die allgemeine
Lebenszufriedenheit in Erlangen. Auf die Frage, ob
sie gern in Erlangen oder lieber woanders wohnen
würden, gaben im Jahr 2008 rund 90 Prozent der
Erlangerinnen und Erlanger mit mittleren und hohen
Nettoäquivalenzeinkommen an, gern in Erlangen zu
wohnen. In den einkommensschwachen Haushalten
sagen nur noch gut 85 Prozent, sie würden gerne in
Erlangen wohnen.
In Abb. 58 ist die Zufriedenheit mit Wohnung und
Wohnumfeld auf Ebene der statistischen Distrikte
dargestellt. Dazu wurde aus den Beurteilungen
von Kosten und Ausstattung der Wohnung, Kinderfreundlichkeit, Wohnumgebung und Wohnung allgemein ein Indexwert gebildet. Die Unzufriedenheit ist
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

hohe Unzufriedenheit
80

81

hohe Zufriedenheit
82
71

70

10 11

01

77

78

76

73

21

20

75

04

40

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

32

43

60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 58:	 Zufriedenheit mit der Wohnung und dem
Wohnumfeld (Indexwert) nach Distrikt

35

am größten in einem Teilgebiet des Angers (Bezirk
40) zwischen Äußerer Brucker Straße und Frankenschnellweg, weiterhin in Gebieten Bachfelds (Bezirk
44) und im Tal (Bezirk 04). Viele Zufriedene finden
sich im Nordosten Tennenlohes (Bezirk 52), in der
Reuth (Bezirk 71), und in Alterlangen (Bezirk  11).

7.	 Gesellschaftliche Partizipation
Gesellschaftliche Partizipation steht als Überbegriff
für die Teilhabe am kulturellen, sozialen und politischen Leben. Sogar der Gesetzgeber sieht „die
Beziehungen zur Umwelt und eine Teilnahme am
kulturellen Leben“ (§  27 SGB XII) als Bestandteil
des notwendigen Lebensunterhalts, wenn auch „in
vertretbarem Umfang“, der an dieser Stelle nicht
näher definiert ist.
Tatsächlich ist die soziokulturelle Teilhabe unter
anderem auch abhängig von der finanziellen Situation eines Haushaltes. Ist das verfügbare Haushaltseinkommen so gering, dass es gerade für die allernotwendigsten Dinge des Lebens ausreicht, so bleibt
wenig übrig für darüber hinausgehende Bedürfnisse.
Materielle Armut kann somit gleichzeitig auch als
eine Ausgrenzung vom gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben empfunden werden.
Dieser Aspekt soll im Folgenden näher betrachtet
werden.
Da seit 2001 regelmäßig repräsentative Bürgerbefragungen in Erlangen durchgeführt werden, können
einige Gesichtspunkte gesellschaftlicher Partizipation dargestellt werden. Aus dem Jahr 2005 liegt eine
Befragung vor, in welcher die Nutzung der Erlanger
Stadtbücherei näher betrachtet wurde. Diese Befragung liefert ebenso Aspekte zur sozialen Teilhabe
wie die Befragung von 2008, die als zentrales Thema
das lebenslange Lernen sowie Fragen zur Nutzung
des Theaters Erlangen umfasste.
Darüber hinaus können als Indikator für politisches
und bürgerschaftliches Engagement die Wahlbeteiligung sowie die Befragung aus dem Jahr 2004
herangezogen werden, welche Fragen zum Thema
„Ehrenamt“ enthielt.

7.1.	Stadtbücherei
Die Aufgaben öffentlicher Bibliotheken können folgendermaßen umschrieben werden: Sie ermöglichen für jedermann den Zugang zu Informationen
und Literatur in Form von Printmedien und audiovisuellen Medien. Dadurch bieten sie die Möglichkeit
zur persönlichen Weiterbildung, unterstützen die
berufliche Fortbildung und sind Informationszentren. Außerdem können öffentliche Bibliotheken als
außerschulische Bildungseinrichtungen betrachtet
werden, die durch ein attraktives Medienangebot
Lese- und Medienkompetenz unterstützen.
Die Stadtbücherei Erlangen stellt ein vielfältiges
Medienangebot zur Verfügung, welches vor Ort
genutzt oder von Inhabern eines Leihausweises
36

ausgeliehen werden kann. Der Leihausweis ist
gegen eine Jahresgebühr erhältlich, die momentan
für einen volljährigen Erlanger 15,- Euro beträgt.
Schüler, Studenten, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger zahlen die Hälfte, während Kinder und
Jugendliche den Leihausweis kostenlos erhalten.
Es besteht die Möglichkeit des Zugangs zum Internet
ebenso wie ein speziell für Migranten zugeschnittenes Medienangebot. Neben Sprachkursen sind
fremdsprachige Zeitschriften, Bücher und Hörbücher vorhanden. Kinder-, Jugend- und Musikbücherei bieten umfangreiche Bestände für ausgewählte
Zielgruppen.
Die Stadtbücherei bietet also ein breites Angebot
an Medien für Unterhaltung und Freizeitgestaltung
sowie für Aus- und Weiterbildung und liefert freien
Zugang zu Informationen.
Im Jahr 2005 wurden die Erlanger zur Nutzung des
Angebotes der Stadtbücherei befragt. Bei den Antworten auf die Frage, wofür die Stadtbücherei hauptsächlich genutzt werde, zeigt sich eine verstärkte
Nutzung für Zwecke von Schule, Ausbildung und
Studium bei Erlangerinnen und Erlangern mit unterdurchschnittlichem Pro-Kopf-Einkommen.
Abb. 59 zeigt die Gründe für den Besuch der Stadtbücherei auf sowie das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen derjenigen, die diese Gründe
angaben. Geht man – wie an anderer Stelle bereits
dargelegt – von einem durchschnittlichen Pro-KopfEinkommen von etwa 1.500 Euro (Medianeinkommen) in Erlangen aus, so wird deutlich, dass die
Stadtbücherei bei Personen mit niedrigeren Einkommen durchaus einen Aspekt zur gesellschaftlichen
Teilhabe liefern kann, sofern sie denn genutzt wird.
Die Stadtbücherei ist tendenziell bei Personen mit
geringem Einkommen Treffpunkt und Informationsquelle. Häufiger wird bei diesem Personenkreis auch
die Möglichkeit der Internetnutzung in Anspruch
genommen, Software entliehen und die Zeitung
gelesen. Diejenigen, die Veranstaltungen in der
Stadtbücherei besuchen, haben hingegen tendenziell höhere Einkommen. Die Zufriedenheit mit den
Leistungen der Stadtbücherei ist über alle Einkommensklassen gleich.
Das Interesse für die unterschiedlichen Medienangebote der Stadtbücherei ist teilweise abhängig vom
Einkommen. Bei Büchereinutzern mit niedrigeren
Einkommen finden Gesellschaftsspiele, Zeitungen
und Zeitschriften, Musik-CD’s und CD-ROM’s ein
etwas größeres Interesse als bei Nutzern mit höheren Einkommen.
Bei der Frage nach dem Ausbau der Dienstleistungen der Erlanger Stadtbücherei steht die Ausweitung
des Buchangebotes an oberster Stelle. Die Erlanger
mit geringeren Einkommen wünschen sich verstärkt
Leseecken, Rückzugs- und Arbeitsmöglichkeiten,
die Einrichtung eines Lesecafés sowie ein verstärktes Angebot an Schulungen und Führungen.

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

ich treffe mich mit Freunden/Bekannten
ich nutze die Internetplätze
ich lese Zeitungen in der Bibliothek
ich entleihe CD-ROM/Sofware
ich erfrage Informationen
ich kopiere in der Bibliothek
ich lese Bücher/Zeitschriften in der Bibliothek
ich nutze Nachschlagewerke/Lexika
ich entleihe Musikkassetten/CDs
ich entleihe Videokassetten/DVDs
ich entleihe Bücher/Zeitschriften
ich nehme Broschüren mit
ich entleihe Hörbücher
ich besuche Ausstellungen
ich besuche Veranstaltungen

0€

200€

400€

600€

800€ 1.000€ 1.200€ 1.400€ 1.600€ 1.800€

Abb. 59:	 Durchschnittliches Nettoäquivalenzeinkommen der Befragten nach Gründen des Büchereibesuchs

7.2. Weiterbildung
Lebenslange und persönliche Weiterbildung wird als
immer wichtiger betrachtet angesichts des gesellschaftlichen Wandels. Dabei ist zu unterscheiden
zwischen persönlicher und beruflicher Weiterbildung.
Ziel der beruflichen Weiterbildung ist vor allem die
Anpassung an die wechselnden Anforderungen
eines Arbeitsmarktes, dessen Beschäftigungsstruktur zunehmend prekär wird. Bei der beruflichen
Weiterbildung geht es um die Erhöhung der Chancen von Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden auf
dem Arbeitsmarkt. Insofern ist der Zugang zu höher
qualifizierten Beschäftigungsverhältnissen bzw.
überhaupt der Zugang zu einem Beschäftigungsverhältnis eine Voraussetzung für gesellschaftliche
Teilhabe, da das Beschäftigungsverhältnis die materielle Voraussetzung schafft. Nicht zu verkennen
sind außerdem die sozialen Beziehungen, die der
Arbeitsplatz in der Regel bietet.
Persönliche Weiterbildung bietet darüber hinaus
unmittelbar Möglichkeiten der Teilhabe, z.B. durch
das Erlernen von Fremdsprachen, Weiterbildung im
Bereich neuer Medien, in Politik oder Kultur.

Im Jahr 2008 wurde eine Umfrage zum Thema „Weiterbildung“ durchgeführt. Wie in Abb. 60 ersichtlich
ist, ist die Nutzung von Weiterbildungsveranstaltungen unterschiedlich je nach Einkommen, denn Weiterbildungsveranstaltungen kosten in der Regel Geld.
Diejenigen, die in den vergangenen zwei Jahren eine
Bildungsveranstaltung zur persönlichen oder beruflichen Weiterbildung teilgenommen haben, verfügen
über ein überdurchschnittliches Einkommen.
Abb. 61 zeigt für die Bezirke den Anteil der Bevölkerung, die in den vergangenen zwei Jahren eine
Bildungsveranstaltung oder einen Kurs zur Weiterbildung besucht hat. Vergleicht man diese Verteilung
mit den Anteilen der Bevölkerung, die über ein hohes
Einkommen verfügt (Abb. 13), so zeigen sich starke
Ähnlichkeiten.
Weiterhin gab es Fragen zur Volkshochschule
Erlangen und den Gründen, warum Kurse besucht
bzw. nicht besucht wurden. Dabei zeigt sich, dass
diejenigen, die in den vergangenen beiden Jahren
kein Kursangebot der Volkshochschule Erlangen
wahrgenommen haben, weil ihnen nach eigenen
Angaben die Kursgebühren zu hoch waren, über ein
unterdurchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen von

an keiner Bildungsveranstaltung teilgenommen
persönliche und berufliche Weiterbildung
berufliche Weiterbildung
persönliche Weiterbildung

0€

500€

1.000€

1.500€

2.000€

2.500€

Abb. 60:	 Durchschnittliches Nettoäquivalenzeinkommen der Befragten nach Teilnahme an
Weiterbildungsveranstaltungen

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

37

etwa 1.200 Euro verfügen. Darunter befinden sich
größere Anteile bei den geringfügig Beschäftigten,
bei Personen, die sich in Berufsausbildung befinden,
Wehr- oder Zivildienst leisten, bei Schülern und Studenten sowie bei Arbeitslosen.
Eine große Rolle für die Teilnahme an Kursen zur
Weiterbildung spielt auch die Erreichbarkeit des
Unterrichtsortes. Je niedriger das Einkommen ist,
umso bedeutender wird die Frage, ob vor Beginn
und nach Ende des Kurses eine Busanbindung zwischen Unterrichtsort und Wohnort besteht.
Darüber hinaus wurde nach der Nutzung weiterer
Fortbildungsmöglichkeiten gefragt. Dazu zählen z.B.
Weiterbildung mittels moderner Medien, Vorträge,
Ausstellungen und Museumsbesuche. Bei der Nutzung dieser Fortbildungsmöglichkeiten zeigen sich
signifikante Unterschiede zwischen Personen aus
relativ einkommensschwachen Haushalten und solchen aus relativ einkommensstarken Haushalten
(Abb. 62).
So ist die Nutzung des Internets zur Weiterbildung
in einkommensstarken Haushalten stärker verbreitet
als in einkommensschwachen. Noch größer ist der
Unterschied bei der Weiterbildung über Vorträge,
Ausstellungen, Museums- und Theaterbesuchen.
Gut 22 Prozent der Erlanger im Alter von 18 bis unter
80 Jahren aus einkommensschwachen Haushalten
nutzen keine weiteren Fortbildungsmöglichkeiten.
Bei den einkommensstarken Haushalten ist dieser
Anteil nur halb so groß.
Dass die Nutzung von Weiterbildungsmöglichkeiten
oft nicht möglich ist, weil das verfügbare Einkommen
dazu nicht ausreicht, ist ein Aspekt, der jedoch nicht
vergessen lassen sollte, dass auch die kostenfreien
Weiterbildungsmöglichkeiten in einkommensschwachen Haushalten weniger genutzt werden.

7.3.	Theater
Im Schlussbericht der Enquete-Kommission des
Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“
heißt es: „Kunst und Kultur sowie die Teilnahme am
kulturellen Leben, ferner die durch die Teilnahme am
sozialen Leben vermittelten und damit verflochtenen

Anteil Bevölkerung, die in den vergangen zwei Jahren
Bildungsveranstaltung zur Weiterbildung besucht hat

80

weniger als 47 Prozent
47 bis unter 52 Prozent
52 bis unter 57 Prozent
57 bis unter 62 Prozent
62 Prozent und mehr

81

82

70

10 11

01

77

78

76

73

21

20

71

75

04

40

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

32

43

60

61

44

45

62
50

52

51

63

Abb. 61:	 Anteil der Bevölkerung, die in den vergangenen zwei Jahren eine Weiterbildungsveranstaltung besucht hat nach Bezirk

sozialen Erfahrungen nähren und entwickeln bei den
Individuen die handlungsleitenden Vorstellungen
vom guten und gelingenden Leben“. Es sei wichtig,
„den Menschen Gelegenheit zu geben, ihren eigenen
kulturellen Interessen zu folgen, ihre Fähigkeiten zu
entwickeln und am kulturellen Leben teilzunehmen.
Hierin findet auch die kulturelle Bildung ihre zentrale
Aufgabe. Kulturelle Bildung fördert die Lebensqualität und befähigt zur besseren Bewältigung der Herausforderungen der Zukunft“.
Dass die Verfolgung kultureller Interessen genau
wie die Nutzung von persönlichen und beruflichen
Weiterbildungsveranstaltungen je nach Einkommen
unterschiedlich stark ist, ergibt die Befragung aus
dem Jahr 2008 zur Nutzung des Theater Erlangen.

Interrnet
Vorträge/Ausstellungen
Museum/Theater
Kurse auf CD/DVD
keine Weiterbildungsmöglichkeit genutzt
0%

10%

20%

30%

einkommensstarke Haushalte

40%

50%

60%

70%

einkommensschwache Haushalte

Abb. 62:	 Nutzung sonstiger Weiterbildungsmöglichkeiten nach Einkommensklassen

38

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

nie
seltener
alle zwei bis drei Monate
ein Mal im Monat
mehrmals im Monat

0€

500€

1.000€

1.500€

2.000€

2.500€

2.000€

2.500€

Abb. 63:	 Durchschnittliches Nettoäquivalenzeinkommen nach Häufigkeit der Theaterbesuche

nie
selten
oft
immer

0€

500€

1.000€

1.500€

Abb. 64:	 Durchschnittliches Nettoäquivalenzeinkommen nach Nutzung der Theatereintrittskarte als VGN-Fahrschein

Abb. 63 zeigt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen nach der Häufigkeit der Theaterbesuche.
Erlanger, die über ein höheres Einkommen verfügen, gehen tendenziell auch häufiger in das Theater
Erlangen.
Es sind allerdings auch vor allem die Erlanger mit
niedrigem Einkommen, die angeben, dass sie das
Theater nicht besuchen, weil sie generell kein Interesse am Theater haben. Offenbar ist es so, dass
der Spielplan des Theaters auch einen schichtspezifischen Aspekt hat oder das Medium Theater bei
Menschen mit niedrigerem Einkommen oft auf ein
allgemein geringeres Interesse stößt.
Vergleicht man das Interesse an den einzelnen
Bestandteilen des Spielplanes (also Klassiker, Boulevardstücke, Kinder- und Jugendtheater, Oper, Operette etc.), so zeigt sich, dass in fast allen Bereichen
das Interesse mit zunehmendem Pro-Kopf-Einkommen steigt. Lediglich beim Kinder- und Jugendtheater ist das Interesse bei den mittleren Einkommen
am größten.
Die Eintrittskarten für das Theater Erlangen können
für die Hin- und Rückfahrt zur Vorstellung in den Verkehrsmitteln des VGN genutzt werden. Dieses Angebot kommt vor allem bei den einkommensschwächeren Theaterbesuchern gut an (Abb. 64). Je niedriger
das Einkommen, umso häufiger wird diese Möglichkeit in Anspruch genommen.

Die Ausstattung der Haushalte mit PC und Internet
in Erlangen ist seit 2001 Bestandteil fast jeder Bürgerbefragung. Seit dieser Zeit hat die PC-Nutzung
kontinuierlich zugenommen. Dies trifft auf alle Einkommensklassen zu (Abb. 65). Während bei den
einkommensschwächeren Haushalten in den Jahren
2002 bis 2008 der Anteil der Nutzer von rund 62 auf
76 Prozent relativ stark gestiegen ist, liegt er heute
trotzdem noch unter dem Anteil der einkommensstarken Nutzer des Jahres 2002. Bei diesen stieg der
Anteil von 80 auf 92 Prozent im Jahr 2008.
Dies spiegelt sich auch in der Nutzung des Internet
wieder (Abb. 66). Während im Jahr 2002 rund 53
Prozent der einkommensschwächeren Erlanger das
Internet nutzten, ist dieser Anteil bis heute auf 72 Prozent angestiegen. Ebenfalls starke Zuwächse gibt es
bei Erlangern mit mittleren und hohen Einkommen.
Letztere haben einen Nutzeranteil, der von 76 auf 89
Prozent angestiegen ist. Fast alle Erlanger, die einen

100%
90%
80%
70%
60%
50%
40%

7.4. Nutzung von
Informationstechnologie
Moderne Medien wie das Internet spielen heute
eine bedeutende Rolle beim Zugang zu Informationen. Voraussetzung dafür ist die Verfügbarkeit eines
Computers mit Internetzugang.
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

30%
20%
10%
0%
2002

einkommensschwache Haushalte
Haushalte mit mittlerem Einkommen
einkommensstarke Haushalte

2004

2006

2008

Abb. 65:	 PC-Nutzung nach Einkommen

39

100%
90%
80%
70%
60%
50%
40%
30%
20%
10%
0%
2002

einkommensschwache Haushalte
Haushalte mit mittlerem Einkommen
einkommensstarke Haushalte

2004

2006

Abb. 66:	 Internet-Nutzung nach Einkommen

2008

Internet, während es bei denjenigen mit (Fach-)
Hochschulreife 92 Prozent sind.
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind bei
Erlangern mit Hauptschulabschluss besonders stark
ausgeprägt: Während 65 Prozent der Männer mit
Hauptschulabschluss das Internet nutzen, sind es
bei den Frauen lediglich 45 Prozent. Je höher die
Schulbildung ist, desto geringer fallen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aus.
Betrachtet man nur die Vollerwerbstätigen (d.h.
Erwerbstätige mit einer wöchentlichen Arbeitszeit
von mindestens 35 Stunden), so nivellieren sich die
Unterschiede sehr stark. Unter diesen nutzen 82
Prozent mit Hauptschulabschluss und gut 97 Prozent mit Fachhochschulreife oder Abitur das Internet.
Auch die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sind bei den Vollerwerbstätigen relativ gering.

PC benutzen, nutzen also auch das Internet.
Rund 55 Prozent der Erlanger zwischen 18 und 80
7.5.	Bürgerschaftliches Engagement
Jahren aus Haushalten mit geringen Einkommen
nutzen das Internet täglich (Abb. 67), entweder
Bürgerschaftliches Engagement bezeichnet das auf
zuhause, am Arbeits- oder Ausbildungsplatz oder
das Gemeinwohl abzielende freiwillige Engagement
auch anderswo, z.B. in einem Internet-Café. Dieser
von Bürgern zur Erreichung gemeinsamer Ziele. Für
Anteil beträgt bei einkommensstarken Erlangern 73
die Enquete-Kommission „Zukunft des BürgerschaftProzent. Etwa 29 Prozent der einkommensschwalichen Engagement“ des Deutschen Bundestages ist
chen Erlanger nutzen hingegen das Internet nie.
die Kennzeichnung „bürgerschaftlich“ verknüpft „mit
der Betonung von bestimmten Motiven und WirkunUnterschiede in der Häufigkeit der PC- und Intergen wie etwa der Verantwortung für andere, dem
netnutzung sind geschlechts-, alters- und bildungsLernen von Gemeinschaftsfähigkeit oder dem Aktivspezifisch feststellbar. Während gut 89 Prozent aller
werden als Mitbürger. Bürgerschaftliches EngageMänner einen PC nutzen, sind es bei den Frauen nur
ment bleibt nicht allein der Mitwirkung in politischen
78 Prozent. Der Anteil der Internet-Nutzer beträgt 85
Parteien und Verbänden und der Beteiligung in OrgaProzent bei den Männern und gut 73 Prozent bei den
nisationen mit sozialen und politischen Zielen vorbeFrauen. Hier spielt sicherlich die geringere Erwerbshalten. Es kann sich ebenso im Zusammenhang von
beteiligung der Frauen eine Rolle, die zu geringeren
Freizeit, Sport und Geselligkeit entwickeln. Die nach
Anteilen an PC-Nutzerinnen am Arbeitsplatz führt.
wie vor große Bedeutung des Ehrenamtes und die
Die Anteile derjenigen, die PC und Internet nicht
positiven Wirkungen einer reichen Vereins- und Initinutzen, steigen mit dem Alter. Während gut 99 Proativkultur für die Bürgerschaft insgesamt sind heute
zent der 18- bis unter 25-jährigen Erlangerinnen
unbestritten.“ (Bericht der Enquete-Kommission).
und Erlanger einen PC nutzen, sinkt dieser Anteil
Politisches und bürgerschaftliches Engagement
mit zunehmendem Alter langsam. Bei den 45- bis
können als Handlungsformen verstanden werden,
unter 55-Jährigen liegt er noch bei rund 90 Prozent
und fällt dann stark ab auf 42
Prozent bei den 65- bis unter
100%
80-Jährigen.
11,3
21,8
Die Abhängigkeit der PC28,6
80%
12,8
und Internetnutzung von der
Schulbildung kann Abb. 68
17,2
11,6
60%
entnommen werden. Hier
zeigt sich auch deutlich, dass
die großen Unterschiede
40%
73,4
zwischen der Nutzungshäu57,8
54,7
figkeit von Erlangern mit
20%
Hauptschulabschluss
und
Erlangern mit Abitur oder
0%
Fachhochschulreife in den
einkommensstarke
einkommensschwache
Haushalte mit
vergangenen Jahren etwas
Haushalte
Haushalte
mittlerem Einkommen
abgenommen haben. Trotzdem nutzen auch heute nur
täglich
jede Woche
seltener
nie
54 Prozent der Erlanger mit
Abb. 67:	 Nutzungshäufigkeit des Internet nach Einkommensklassen
Hauptschulabschluss
das
40

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

100%
90%
80%
70%
60%
50%
40%
30%
20%

Volks/Hauptschule
(Fach-)Hochschulreife

10%
0%
2002

2004

mittlere Reife

2006

2008

Abb. 68:	 Internet-Nutzung nach Schulbildung

in denen der Einzelne an der Gestaltung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen partizipieren und mitwirken kann.
Aus dem Jahr 2004 liegt eine repräsentative Bürgerbefragung zum Thema „Ehrenamt in Erlangen“
vor, deren Ergebnisse hier näher betrachtet werden

sollen. Dabei wurden die 18- bis 80-Jährigen befragt.
„Ehrenamt“ wurde als freiwillige Tätigkeit definiert,
unabhängig davon, ob sie auf Dauer ausgerichtet ist
(wie z.B. im Rahmen eines Vereines), ob sie projektbezogen erfolgt (z.B. Aktionen und Initiativen) oder
aber ob es sich um eine Einzelfallhilfe handelt (z.B.
Nachbarschaftshilfe).
Rund 26 Prozent der Erlangerinnen und Erlanger sind
ehrenamtlich tätig. Dieser Anteil schwankt stark zwischen den einzelnen Einkommensklassen. Abb. 69
zeigt den Anteil der ehrenamtlich Tätigen nach dem
Nettoäquivalenzeinkommen. Dieser ist bei Personen
mit niedrigem Einkommen unterdurchschnittlich und
steigt dann mit zunehmenden Einkommen an. In der
Einkommensklasse von 1.600 bis 2.200 Euro ist er
am höchsten. Dort ist etwa jeder Dritte ehrenamtlich
tätig. Oberhalb dieser Einkommen geht der Anteil
der Ehrenamtlichen leicht zurück.
Unter denjenigen, die bisher kein Ehrenamt ausüben, ist knapp jeder Dritte generell durchaus an
ehrenamtlicher Tätigkeit interessiert. Betrachtet man
diesen Personenkreis wiederum nach dem Einkommen (Abb. 70), so findet man eine umgekehrte Verteilung. Unter den nicht ehrenamtlich Tätigen in den

35%
30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
unter
400€

400€ u. 1.000€

1.000€ u. 1.600€

1.600€ u. 2.200€

2.200€ u. 2.800€

2.800€ u. 3.400€

3.400€
und mehr

2.200€ u. 2.800€

2.800€ u. 3.400€

3.400€
und mehr

Abb. 69:	 Anteil ehrenamtlich Tätiger nach Nettoäquivalenzeinkommen

60%
50%
40%
30%
20%
10%
0%
unter
400€

400€ u. 1.000€

1.000€ u. 1.600€

1.600€ u. 2.200€

Abb. 70:	 Anteil der Erlanger, die kein Ehrenamt ausüben, jedoch daran interessiert sind nach
Nettoäquivalenzeinkommen

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

41

unteren Einkommensklassen ist die generelle Bereitschaft zur ehrenamtlichen Tätigkeit deutlich stärker
ausgeprägt als in den mittleren und hohen Einkommensbereichen. Dies bedeutet, dass Einwohner mit
mittleren und höheren Einkommen zu größeren Teilen ihr Interesse an einem Ehrenamt bereits verwirklicht haben, während bei Einwohnern mit geringen
Einkommen häufiger die Umsetzung des Interesses
(bisher) nicht möglich war. Die Gründe dafür sind leider nicht genau bekannt, so dass nur Vermutungen
darüber angestellt werden können. Der Mangel an
Geld könnte ein Grund sein, denn in vielen Fällen
ist es so, dass die Wahrnehmung eines Ehrenamtes erst einmal Geld erfordert für eine Mitgliedschaft;
es ist anzunehmen, dass das vor allem die Bereiche Sport, Kultur und Freizeit betrifft. Wie an anderer
Stelle erläutert wurde, besteht ein Zusammenhang
zwischen der Kinderzahl und dem Einkommen, so
dass anzunehmen ist, dass bei den Personen mit
niedrigerem Einkommen, die kein Ehrenamt ausüben, auch verstärkt größere Familien zu finden
sind. In diesen Fällen wird sicherlich Zeitmangel ein
Grund sein, der der Ausübung einer ehrenamtlichen
Tätigkeit im Wege steht. Die Daten bestätigen dies:
Während bei den an einem Ehrenamt Interessierten
mit einem Nettoäquivalenzeinkommen unter 1.500
Euro im Schnitt 0,60 Kinder im Haushalt leben, sind

es bei denen mit höherem Einkommen durchschnittlich 0,37 Kinder.
Betrachtet man das durchschnittliche Einkommen
der ehrenamtlich Engagierten nach verschiedenen
Tätigkeitsbereichen ehrenamtlichen Engagements,
so zeigen sich große Unterschiede. Unter den
ehrenamtlich Tätigen haben die in den Bereichen
„ausländische Mitbürger“ und „Umwelt“ Engagierten im Schnitt die niedrigsten Einkommen, gefolgt
von den Bereichen „Kinder und Jugend“, „Freizeit“
und „Menschen mit Behinderungen“. Am anderen
Ende ist der Bereich „Frauen“ zu finden; in keinem
anderen Bereich ist das Durchschnittseinkommen
so hoch wie bei den ehrenamtlich in eigener Sache
tätigen Frauen – dabei handelt es sich allerdings
lediglich um vier Prozent der ehrenamtlich Tätigen.
Weiter finden sich hier die Bereiche „Politik“, „Soziales“ und „Schule“. Betrachtet man gleichzeitig
das durchschnittliche Einkommen derjenigen, die
an einer ehrenamtlichen Tätigkeit interessiert sind,
bisher jedoch keine wahrnehmen, so zeigen sich
unterschiedlich starke Diskrepanzen (Abb. 71). Das
Durchschnittseinkommen derjenigen, die sich im
Bereich „Frauen“ gerne engagieren würden, ist um
750 Euro niedriger als bei den in diesem Bereich
bereits Tätigen. Ebenfalls große Abweichungen gibt
es in den Bereichen „Schule“ und „Rettungsdienste“.

Politik
Senioren
Kirche
Soziales
Umwelt
Sport
Freizeit
ausländische Mitbürger

tätig
interessiert

Kultur
Kinder und Jugend
Menschen mit Behinderungen
Schule
Rettungsdienste
Frauen
0€

500 €

1.000 €

1.500 €

2.000 €

2.500 €

Abb. 71:	 Nettoäquivalenzeinkommen der ehrenamtlich Engagierten und der nicht-engagierten Interessenten nach
Tätigkeitsbereich

42

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Kaum Abweichungen gibt es in den Bereichen „Senioren“, „Umwelt“, „Politik“, „Kirche“ und „ausländische Mitbürger“. Im Bereich „Politik“ sind vor allem
die Besserverdienenden ehrenamtlich tätig und
interessiert.
Da in der Bundesrepublik Deutschland keine Wahlpflicht besteht, kann die Ausübung des Wahlrechts
als Indikator für politisches Engagement herangezogen werden. Die Gründe für die Beteiligung oder
Nicht-Beteiligung an einer Wahl können individuell
sehr unterschiedlich sein. In einigen Fällen zeugt
eine Nicht-Beteiligung sicherlich auch von Parteiverdrossenheit und nicht unbedingt von Politikverdrossenheit und Desinteresse. Im Folgenden wird davon
ausgegangen, dass in der Regel vom Wahlrecht
deshalb kein Gebrauch gemacht, weil der oder die
Wahlberechtigte keine angemessene politische Meinungsvertretung finden kann bzw. weil die Distanz
zwischen der eigenen Lebenswelt und der politischen Sphäre als so groß empfunden wird, dass die
Wahl als sinnloser Akt angesehen wird.
Abb. 72 zeigt die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl 2008 nach Stimmbezirken. Niedrige Wahlbeteiligungen finden sich vor allem in den Bereichen
Anger, Bruck und Büchenbach-Nord, also wieder in
den Gegenden, in denen das Einkommensniveau
relativ niedrig ist (vgl. Abb. 10). Es besteht ein starker
Zusammenhang zwischen dem Einkommen und der
Wahlbeteiligung. Je größer in einem Wahlbezirk das
durchschnittliche Einkommen der Wahlberechtigten
ist, desto höher ist auch die Wahlbeteiligung. Das
Interesse an einer (wenn auch nur auf die Stimmabgabe beschränkte) Beteiligung am politischen Leben
sinkt tendenziell mit dem Einkommen.

8.	 Ausgewählte Personengruppen
Während die soziale Lage der Erlanger Bevölkerung
bisher eher thematisch beschrieben wurde, sollen
im Folgenden einzelne Personengruppen näher
betrachtet werden, die besonderen Belastungen
ausgesetzt sind. Einzelne Aspekte wurden dabei
schon in anderen Abschnitten angesprochen.

8.1.	Alleinerziehende
Derzeit gibt es in Erlangen 50.791 Haushalte. Darunter befinden sich 2.193 Haushalte mit Alleinerziehenden, was einem Anteil von 4,3 Prozent entspricht.
Das bedeutet, dass 5,6 Prozent aller Erlangerinnen
und Erlanger in einem Alleinerziehendenhaushalt
leben.
In zwei Dritteln aller Alleinerziehendenhaushalte lebt
neben dem Elternteil nur ein Kind, in einem Viertel
der Alleinerziehendenhaushalte sind es zwei, bei
gut sechs Prozent drei oder mehr Kinder. Bei dem
Elternteil handelt es sich zu 90,4 Prozent um die
Mutter. Das Durchschnittsalter der Alleinerziehenden liegt bei 39,6 Jahren.

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Wahlbeteiligung Landtagswahl 2008
unter 45 Prozent
45 bis unter 51 Prozent
51 bis unter 57 Prozent
57 bis unter 63 Prozent
63 Prozent und mehr

Abb. 72:	 Wahlbeteiligung zur Landtagswahl 2008
nach Stimmbezirken

Alleinerziehende Mütter waren bei der Geburt ihres
ersten Kindes mit durchschnittlich 28,7 Jahren rund
1,5 Jahre jünger als Mütter, die mit einem Partner
zusammenleben.
Das Nettoäquivalenzeinkommen beträgt in Alleinerziehendenhaushalten im Schnitt 1.020 Euro. Dieses
Pro-Kopf-Einkommen liegt in Paarhaushalten mit
Kindern um rund 500 Euro höher. In Paarhaushalten
ohne Kinder liegt es bei 1.710 Euro und in den Einpersonenhaushalten bei durchschnittlich 2.070 Euro.
Im Vergleich der Einkommensverteilung (Abb.  73)
zeigt sich, dass bei den Alleinerziehenden die niedrigen Einkommen stark überwiegen. Etwa 58 Prozent der Alleinerziehenden müssen mit einem Nettoäquivalenzeinkommen von weniger als 1.000 Euro
auskommen. Rund 16 Prozent der Erlanger leben
in relativer Einkommensarmut, wenn man die Hälfte
des durchschnittlichen (Median-)Einkommens – also
755 Euro - als Grenze für relative Einkommensarmut
annimmt. Von den Alleinerziehenden leben 42 Prozent unter dieser Grenze.
Die angespannte wirtschaftliche Situation bei Alleinerziehenden äußert sich dementsprechend in einer
stärkeren Abhängigkeit von Sozialleistungen. Mehr
als ein Viertel der Erlangerinnen und Erlanger, die
Leistungen nach dem SGB II beziehen („Hartz IV“),
lebt in einem Alleinerziehendenhaushalt. Umgekehrt
lässt sich feststellen, dass einer von vier Alleinerziehendenhaushalten in Erlangen auf Hartz IV angewiesen ist.
Bei der beruflichen und schulischen Bildung zeigen
sich Unterschiede, wenn man Alleinerziehende mit
43

50%
45%
40%

Gesamt

35%

Alleinerziehende

30%
25%
20%
15%
10%
5%
0%
unter
400€

400€ u. 1.000€

1.000€ u. 1.600€

1.600€ u. 2.200€

2.200€ u. 2.800€

2.800€ u. 3.400€

3.400€ u. 4.000€

4.000€ u. 4.600€

4.600€ und
mehr

Abb. 73:	 Nettoäquivalenzeinkommen Alleinerziehender im Vergleich zur Gesamtbevölkerung

der Gesamtbevölkerung vergleicht. In Abb. 74 sind
die beruflichen Bildungsabschlüsse der 18- bis unter
65-Jährigen der Alleinerziehenden im Vergleich zu
denen der Gesamtbevölkerung dargestellt. Während
fast ein Viertel der Alleinerziehenden über keinen
beruflichen Abschluss verfügt, sind das gesamtstädtisch betrachtet nur gut sieben Prozent. Dafür ist der
Anteil an Akademikern unter den Alleinerziehenden
mit 16,5 relativ gering – gesamtstädtisch liegt der
Akademikeranteil bei den 18- bis unter 65-Jährigen
bei 39,2 Prozent.
Eine ähnliche Verteilung zeigt Abb. 75 in Bezug auf
Schulabschlüsse.
Die im Durchschnitt niedrigeren Schul- und Bildungsabschlüsse bei Alleinerziehenden führen also
zu niedrigeren Einkommen, wobei gleichzeitig die
zeitliche Belastung Alleinerziehender einer vollen
Erwerbstätigkeit häufig im Wege steht.
Die Probleme liegen sicherlich bei der Vereinbarkeit
von Kindererziehung und Erwerbstätigkeit mit angemessenem Einkommen. Während von den 18- bis
unter 65-jährigen Erlangerinnen und Erlangern etwa
die Hälfte voll erwerbstätig ist, sind dies unter den
Alleinerziehenden etwa 30 Prozent. Demgegenüber
sind 29 Prozent der Alleinerziehenden teilzeitbeschäftigt und etwa 10 Prozent geringfügig beschäftigt. Im städtischen Durchschnitt liegt der Anteil der

Gesamt
Alleinerziehende

7,4

Teilzeitbeschäftigten hingegen bei rund 11 Prozent
und nur etwa 4,5 Prozent gehen einer geringfügigen
Tätigkeit nach.
Allerdings wendet sich dieses Bild wieder etwas,
wenn man nur Frauen betrachtet: Etwa 51 Prozent
der Erlanger Frauen unter 65 Jahren sind teilzeitbeschäftigt oder voll erwerbstätig, während es bei den
alleinerziehenden Frauen 59 Prozent sind. Während
rund 14 Prozent der Frauen aus Paarhaushalten mit
Kindern voll erwerbstätig sind, sind es bei den Alleinerziehenden Frauen 26 Prozent. Alleinerziehende
Frauen sind somit trotz ihrer Situation als Mütter
weitaus häufiger voll erwerbstätig als Mütter in Paarhaushalten, die sich die Kindererziehung mit ihrem
Partner teilen können.
Eine Befragung im Jahr 2008, bei der jede zweite
Familie in Erlangen mit Kindern unter 11 Jahren
befragt wurde, liefert weitere Erkenntnisse über die
Situation von Alleinerziehenden.
Von denjenigen, die ohne Partner mit Kindern unter
11 Jahren im Haushalt leben, gaben 77 Prozent
an, berufs- oder ausbildungsbedingt zeitlich gebunden zu sein. Dabei ergibt sich täglich eine zeitliche
Gebundenheit von durchschnittlich 6,7 Stunden,
zumeist außer Haus.
Um die Kindererziehung mit dem Berufsleben vereinbaren zu können, wären flexible Arbeitszeiten

38,7
23,4

0%
kein Beufsabschluss

14,7
49,8

20%
Ausbildung/Lehre

40%
Fachschule

39,2
10,3

16,5

60%
80%
100%
Hochschul-/Fachhochschulabschluss

Abb. 74:	 Beruflicher Bildungsabschluss Alleinerziehender im Vergleich zur Gesamtbevölkerung unter 65 Jahre

44

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

vorteilhaft. Dies ist nur bei der Hälfte der berufstätigen alleinerziehenden Frauen der Fall. Lediglich fünf
Prozent gaben an, in ihren Arbeitszeiten völlig flexibel
zu sein. Während etwa 50 Prozent der berufstätigen
alleinerziehenden Frauen keine flexiblen Arbeitszeiten haben, liegt dieser Wert bei berufstätigen Frauen
in Paarhaushalten bei 37 Prozent.
Wichtig ist bei erwerbstätigen Alleinerziehenden
zudem die Frage der Flexibilität des Arbeitgebers,
wenn die Vereinbarkeit von Kindern und Berufsalltag
einer besonderen Belastung ausgesetzt ist. Dies ist
beispielsweise dann der Fall, wenn ein Kind aufgrund einer Erkrankung die Kindertagesstätte nicht
besuchen kann. In solchen Fällen bedarf es einer
Flexibilität des Arbeitgebers, da schnelle Lösungen
zur Kinderbetreuung im Krankheitsfall nicht immer
bei der Hand sind. Auf die Frage, wie flexibel der
Arbeitgeber bzw. die Ausbildungsstätte bei Notfällen
ist, gaben 24 Prozent der berufstätigen Alleinerziehenden an, ihr Arbeitgeber sei völlig flexibel. Rund
59 Prozent der Arbeitgeber sind immerhin teilweise
flexibel, während etwa 17 Prozent völlig unflexibel
sind.
Rund 31 Prozent der berufstätigen Alleinerziehenden schätzen die Familienfreundlichkeit ihres Arbeitgebers bzw. ihrer Ausbildungsstätte als hoch bis
sehr hoch ein.
Der Betreuungsbedarf für Kinder ist bei Alleinerziehenden höher als in Paarhaushalten. Während
68 Prozent der Kinder aus Alleinerziehendenhaushalten in einer Einrichtung (also Kinderkrippe, Kindergarten, Hort, Lernstube, Mittags- oder Nachmittagsbetreuung an der Schule, Ganztagsschule,
Tagesmutter etc.) betreut werden, sind es bei den
Paarhaushalten nur 55 Prozent der Kinder. Erhöhter
Betreuungsbedarf in Einrichtungen besteht bei Kindern von Alleinerziehenden vor allem in der Mittagszeit und am Nachmittag.
Darüber hinaus spielt die Kinderbetreuung außerhalb von Einrichtungen durch sonstige Personen
eine große Rolle, wobei die Großeltern von großer
Bedeutung sind. Während rund 37 Prozent der Kinder aus Alleinerziehendenhaushalten auch außerhalb von Einrichtungen von sonstigen Personen
betreut werden, trifft dies auf rund 24 Prozent der
Kinder aus Paarhaushalten zu.
In welchem Umfang werden Kinder von sonstigen Personen betreut? Der Anteil der Kinder

Gesamt
Alleinerziehende

16,8

Alleinerziehender, die in den Abendstunden betreut
werden, ist mit etwa 15 Prozent doppelt so groß wie
bei Kindern aus Paarfamilien. Rund doppelt so groß
sind auch die Anteile bei der Vormittags- und Mittagsbetreuung. Eine tägliche Betreuung von Montag
bis Freitag nehmen 8,5 Prozent der Kinder Alleinerziehender in Anspruch, aber nur 2,7 Prozent der
Kinder aus Paarhaushalten. Starke Unterschiede
zeigen sich auch bei der Wochenendbetreuung:
Während 15 Prozent der Kinder aus Alleinerziehendenhaushalten am Wochenende Betreuung durch
Dritte in Anspruch nehmen, trifft dies auf nur gut zwei
Prozent der Kinder aus Paarhaushalten zu.
In der Inanspruchnahme von Betreuungsmöglichkeiten zeigen sich die Probleme der Vereinbarkeit
von Kindern und Berufsleben besonders: Etwa jedes
zweite Kind aus einem Alleinerziehendenhaushalt,
welches von Großeltern oder sonstigen Personen
betreut wird, wird aufgrund unzureichender Öffnungszeiten der Einrichtungen oder zu hoher Kosten nicht
in Einrichtungen betreut. Dieser Anteil ist bei Kindern
aus Paarfamilien nur halb so groß. Hier macht sich
auch die wirtschaftliche Situation Alleinerziehender
bemerkbar: An Betreuungskosten für die Kinder, die
momentan von Dritten betreut werden, obwohl die
Eltern eine Betreuung in einer Einrichtung vorziehen
würden, könnten Eltern in Paarhaushalten monatlich
rund 108 Euro aufbringen, Alleinerziehende hingegen lediglich durchschnittlich 57 Euro.

8.2.	Migranten
Wie an anderer Stelle bereits dargestellt wurde, verliert die „Staatsangehörigkeit“ als alleiniges Merkmal
heutzutage immer mehr an Bedeutung, wenn es um
die Situation von Migranten geht. Vielmehr wird der
umfassendere Begriff des „Migrationshintergrundes“
immer wichtiger, da neben Menschen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit auch noch andere Personengruppen mit Migrationserfahrung existieren.
Dabei handelt es sich um eingebürgerte Deutsche,
optionspflichtige Deutsche, Aussiedler sowie Familienangehörige von Personen mit Migrationshintergrund (nähere Erläuterungen dazu finden sich im
Abschnitt 2 auf Seite 7).
Zählt man die Familienangehörigen dazu - also im
Haushalt von Menschen mit Migrationshintergrund
lebende Kinder und Lebenspartner, die keinen eigenen Migrationshintergrund haben -, so haben knapp

22,9

23,8

0%
20%
40%
kein Schulabschluss Volks-/Hauptschule

59,0
42,2

32,3

60%
80%
Mittlere Reife (Fach-)Hochschulreife

100%

Abb. 75:	 Schulabschlüsse Alleinerziehender im Vergleich

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

45

ein Drittel der Erlanger Migrationserfah100%
rung (Abb. 6). Inwiefern sich der Migrationshintergrund auch sozial auswirkt,
90%
ist sicherlich sehr verschieden. So wird
80%
z.B. ein in Erlangen lebendes Kind einer
deutschen Mutter und eines Vaters mit
70%
österreichischer
Staatsangehörigkeit
60%
kaum Probleme aufgrund seines familiären Migrationshintergrundes haben.
50%
Die Anteile von Menschen mit Migrations40%
hintergrund an der Bevölkerung unterscheiden sich in den einzelnen Alters30%
jahren stark voneinander (Abb. 76). Bei
ohne Migrationshintergrund
Familienangehörige von Migranten
20%
Kindern unter 15 Jahren und bei den
nicht deutsch
eingebürgert
25- bis 38-Jährigen sind die Anteile an
10%
optionspflichtig
Aussiedler
Personen mit Migrationserfahrung über0%
durchschnittlich hoch. Unter den Kindern
0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85 90 95
und Jugendlichen mit Migrationserfahrung finden sich allerdings sehr viele
Abb. 76:	 Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund nach Alter
Menschen mit familiärem Migrationshinzum 31.12.2008
tergrund, also ohne unmittelbar eigenem
Migrationshintergrund. Häufig handelt
Auch bei Aussiedlern zeigt sich eine starke Ungleiches sich um Kinder aus Ehen, bei denen
verteilung
in den einzelnen Altersjahren; Aussiedler
ein Elternteil eigene Migrationserfahrung hat, der
sind
i.d.R.
über 60 Jahre alt.
andere jedoch nicht.
Leider können viele Aussagen nur in Bezug auf die
Die Anteile der Eingebürgerten sind über alle AltersStaatsangehörigkeit gemacht werden, da meist zu
jahre nahezu konstant, wenn man dazu die Kinder
wenig Informationen vorliegen, um auf den Migratiund Jugendlichen mit Optionspflicht zählt, die sich
onshintergrund differenzierter eingehen zu können.
ab dem achtzehnten Lebensjahr für die deutsche
Zumindest bei den 18- bis 63-jährigen Einwohnern
Staatsbürgerschaft entscheiden können.
mit Migrationserfahrung überwiegen jedoch die
Starke Unterschiede finden sich bei den „klassi„klassischen“ Ausländer. In jüngeren Altersjahren
schen“ Ausländern, also den Personen mit einer
sind es hingegen Familienangehörige mit Migratinicht-deutschen ersten Staatsangehörigkeit. Hier
onserfahrung, in älteren sind es Aussiedler.
sind die Altersjahre zwischen 20 und 40 relativ stark
Abb. 77 zeigt die Verteilung der Einwohner auf die
vertreten. Während rund 13 Prozent der Erlanger
verschiedenen Haushaltstypen getrennt nach PersoHauptwohnungsbevölkerung über keine deutsche
nen mit und ohne Migrationshintergrund, wobei zu
Staatsangehörigkeit verfügen, ist es bei den 31-jähden Personen mit Migrationshintergrund hier auch
rigen jeder Vierte.
die Familienangehörigen zählen. Es zeigen sich
große
Unterschiede
vor allem bei den Einpersonenhaushalten
45%
und den (Ehe-)Paaren
38,8
40%
37,1
mit Kindern. Der Anteil
32,9
35%
der allein Lebenden ist
ohne Migrationshintergrund
unter der Bevölkerung
27,7
30%
27,0
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshinter25%
grund fast doppelt so
hoch.
Demhingegen
20%
15,4
leben
knapp
39 Pro15%
zent der Einwohner mit
10%
Migrationshintergrund
6,3
6,1
4,9
3,9
in einem Paarhaushalt
5%
mit Kind, während dies
0%
auf nur rund 28 Prozent
der Bevölkerung ohne
Migrationshintergrund
zutrifft.
Einpersonen(Ehe-)Paar
(Ehe-)Paar
Alleinerziehensonstiger Mehrhaushalte
ohne Kind
mit Kind
denhaushalt
personenhaushalt
Abb. 78 zeigt die
räumliche Verteilung
Abb. 77:	 Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund nach Haushaltstypen
von
Personen
mit
46

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Migrationshintergrund. Hohe Migrantenanteile finden
sich in Teilgebieten der Bezirke Forschungszentrum
(Bezirk 43), Sebaldus (Bezirk 32), Anger (Bezirk
40), Bruck (Bezirke 42, 44 und 45), Röthelheimpark
(Bezirk 33), Tal (Bezirk 04) sowie Büchenbach Nord
und Dorf (Bezirke 77 und 76). Hinzu kommen hohe
Anteile in den Distrikten, die von Studentenwohnheimen dominiert werden, was vor allem im Innenstadtbereich der Fall ist.
Die Einkommenssituation von Einwohnern mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit ist schlechter als von
denen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Die folgenden Zusammenhänge beziehen sich auf das Nettoäquivalenzeinkommen, also das bedarfsgewichtete
Einkommen je Haushaltsmitglied und nicht auf das
unmittelbar aus Erwerbsarbeit erzielte Einkommen.
Während Deutsche im Jahr 2008 über ein durchschnittliches Nettoäquivalenzeinkommen von 1.725
Euro verfügen, sind es bei Nicht-Deutschen nur rund
1.375 Euro. Deutsche haben somit im Schnitt gut ein
Viertel mehr Pro-Kopf-Einkommen als Nicht-Deutsche. Vor allem bei den niedrigen und sehr niedrigen
Einkommen sind bei der nicht-deutschen Bevölkerung weitaus größere Anteile aufzufinden (Abb. 79).
Umgekehrt sieht die Situation hingegen bei den
hohen Einkommen über 2.800 Euro aus.
Ebenso deutliche Unterschiede sind ersichtlich,
wenn man die Durchschnittseinkommen zwischen
Deutschen und Nicht-Deutschen in Abhängigkeit
von der Schulbildung vergleicht. Betrachtet man nur
die Bevölkerung mit Abitur bzw. Fachabitur, so ergibt
sich ein Nettoäquivalenzeinkommen von 1.635 Euro
bei Nicht-Deutschen im Vergleich zu 1.985 Euro bei
den Deutschen. Bei niedrigerer Schulbildung wird die
Differenz noch größer: Mit rund 1.435 Euro verfügen
die Deutschen über ein Pro-Kopf-Einkommen, welches um die Hälfte über dem der Nicht-Deutschen
(970 Euro) liegt. Dies liegt sicherlich auch an der
Beschäftigungsstruktur, wie sie Abb. 80 zu entnehmen ist.
Diese Daten stammen aus Bürgerbefragungen und
sind unter dem Vorbehalt zu interpretieren, dass Ausländer i.d.R. eine geringere Bereitschaft zeigen, an

Anteil Personen mit Migrationshintergrund
(MIT Familienangehörigen)

80

unter 18 Prozent
18 bis unter 24 Prozent
24 bis unter 30 Prozent
30 bis unter 36 Prozent
36 Prozent und mehr

81

82

70

10 11

01

77

78

04
12

40

75

24

25

33

30
41

42

74

22

23

02
03

76

73

21

20

71

32

43

60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 78:	 Anteil von Personen mit Migrationshintergrund (mit Familienangehörigen) an der
Bevölkerung nach Distrikt

Bürgerbefragungen teilzunehmen und dies vor allem
dann, wenn sprachliche Barrieren vorhanden sind.
Es kann also davon ausgegangen werden, dass die
hier sichtbaren Unterschiede zwischen Deutschen
und Nicht-Deutschen tatsächlich noch etwas größer
ausfallen als dargestellt.
Nicht-Deutsche sind allgemein häufiger geringfügig
beschäftigt und zu geringeren Teilen voll erwerbstätig. Das niedrigere Pro-Kopf-Einkommen bei NichtDeutschen kommt teilweise auch durch den deutlich höheren Anteil der Hausfrauen und –männer
zustande. Bei knapp 10 Prozent der unter 65-Jährigen mit deutscher Staatsangehörigkeit handelt es
sich um Hausfrauen und –männer, bei Ausländern

35%
30%

Deutsche

25%

Nicht-Deutsche

20%
15%
10%
5%
0%
unter
400€

400€ u. 1.000€

1.000€ u. 1.600€

1.600€ u. 2.200€

2.200€ u. 2.800€

2.800€ und mehr

Abb. 79:	 Nettoäquivalenzeinkommen Deutscher und Nicht-Deutscher im Vergleich

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

47

geringfügig beschäftigt
Teilzeit beschäftigt

Nicht-deutsche

Deutsche

voll erwerbstätig
Hausfrau/mann
0%

10%

20%

30%

40%

50%

60%

Abb. 80:	 Beschäftigungsstruktur Deutscher und Nicht-Deutscher im Vergleich (Bevölkerung im Alter von 18 bis unter 65
Jahre)

sind es rund 17 Prozent. Dabei handelt es sich bei
den Deutschen zu 93 Prozent um Hausfrauen, bei
den Nicht-Deutschen nur zu 85 Prozent. Es kann
angenommen werden, dass Nicht-Deutsche seltener in einem Doppelverdienerhaushalt leben;
dadurch verringert sich ihr durchschnittliches
Nettoäquivalenzeinkommen.
Betrachtet man die Vollerwerbstätigen mit deutscher und nicht-deutscher Staatsangehörigkeit
nach Berufsgruppen (Abb. 81), so zeigt sich, dass
deutsche Vollerwerbstätige weitaus häufiger in besser dotierten Berufsgruppen zu finden sind als ausländische. Bei 23 Prozent der Vollerwerbstätigen
mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit handelt
es sich um einfache Angestellte oder um un- bzw.
angelernte Arbeiter und Arbeiterinnen. Unter den
deutschen Vollerwerbstätigen liegt dieser Anteil bei
lediglich knapp zehn Prozent. Dagegen handelt es
sich bei fast zwei Drittel der Vollerwerbstätigen mit
deutscher Staatsangehörigkeit um mittlere oder leitende Angestellte, während dieser Anteil bei Ausländern bei lediglich 45 Prozent liegt.
Die Nettoäquivalenzeinkommen unterscheiden sich
zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen innerhalb
der einzelnen Berufsgruppen voneinander (Abb. 82),
wobei Differenzen in beide Richtungen ersichtlich
sind. Während das Nettoäquivalenzeinkommen bei
den vollerwerbstätigen einfachen angestellten, leitenden angestellten und selbständigen Deutschen
deutlich höher liegt als bei Nicht-Deutschen, so ist es
bei Un- bzw. Angelernten, Facharbeitern und mittleren Angestellten bei den Deutschen etwas niedriger.

10,4

Deutsche

9,2

Nicht-Deutsche

0%

15,8

7,8

Warum dies so ist, kann hier nicht abschließend
geklärt werden. Die unterschiedliche Erwerbsbeteiligung der Frauen in den einzelnen Berufsgruppen
könnte dies zumindest teilweise erklären (Abb. 83).
Die Beschäftigungsstruktur von Deutschen und
Nicht-Deutschen müsste hier detailliert untersucht
werden, um genauere Aussagen machen zu können,
denn offenbar gibt es grundlegende Unterschiede.
In Abb. 84 ist das Nettoäquivalenzeinkommen
(Durchschnittswert der Jahre 2004 bis 2008) Deutscher und Nicht-Deutscher Erlangerinnen und Erlanger nach Nationalität dargestellt. Aufgeführt sind die
Nationalitäten, für die ausreichend Datenmaterial
vorhanden ist.
An der Spitze liegen die Franzosen mit einem ProKopf-Einkommen von gut 2.170 Euro, gefolgt von
den US-Amerikanern mit durchschnittlich 2.010 Euro
und den Österreichern mit 1.800 Euro. Während es
sich bei den Franzosen und Amerikanern zu einem
großen Teil um Vollerwerbstätige handelt, befinden
sich unter den Österreichern etwa 50 Prozent Vollerwerbstätige und ein Viertel Rentner.
Deutlich niedrigere Nettoäquivalenzeinkommen finden sich mit durchschnittlich 1.145 Euro bei Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, von denen
aber trotzdem noch mehr als die Hälfte voll erwerbstätig ist, häufig jedoch als un- bzw. angelernte Arbeiter oder einfache Angestellte. Unter den Einwohnern
mit einer Staatsangehörigkeit aus der ehemaligen
Sowjetunion ist der Anteil der Hausfrauen und –männer mit 28 Prozent überdurchschnittlich hoch und der
Anteil der Vollerwerbstätigen mit nur 15 Prozent sehr

50,0

13,9

37,0

20%
Selbständig
Facharbeiter

9,2

23,2

40%

60%
leitende Angestellte/Beamte
einfache Angestellte

7,1

13,7

80%

100%

mittlere Angestellte/Beamte
un-/angelernte Arbeiter

Abb. 81:	 Berufsgruppen deutscher und nicht-deutscher Vollerwerbstätiger im Vergleich

48

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

un-/angelernte Arbeiter

Deutsche

einfache Angestellte

Nicht-Deutsche
Facharbeiter
mittlere Angestellte/Beamte
leitende Angestellte/Beamte
Selbständig
0€

500 €

1.000 €

1.500 €

2.000 €

2.500 €

3.000 €

Nettoäquivalenzeinkommen (gemittelte Einkommen der Vollerwerbstätigen 2004 bis 2008)

Abb. 82:	 Nettoäquivalenzeinkommen deutscher und nicht-deutscher Vollerwerbstätiger nach Berufsgruppe

un-/angelernte Arbeiter
einfache Angestellte
Facharbeiter

deutsche Frauen
nicht-deutsche
Frauen

mittlere Angestellte/Beamte
leitende Angestellte/Beamte
Selbständig
0%

10%

20%

30%

40%

50%

60%

70%

Abb. 83:	 Frauenanteil bei deutschen und nicht-deutschen Vollerwerbstätigen in den einzelnen Berufsgruppen

Frankreich
USA
Österreich
Deutschland
ehemaliges Jugoslawien
Polen
Griechenland
Italien
ehemalige Sowjetunion
Türkei
China
0€

500 €

1.000 €

1.500 €

2.000 €

2.500 €

Nettoäquivalenzeinkommen (Durchschnitt 2004 bis 2008)

Abb. 84:	 Nettoäquivalenzeinkommen nach Staatsangehörigkeit	

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

49

18 bis unter 25

Deutsche
25 bis unter 30

Nicht-Deutsche

30 bis unter 35
35 bis unter 45
45 bis unter 65
65 bis 80
0€

250 €

500 €

750 €

1.000 €

1.250 €

1.500 €

1.750 €

2.000 €

Nettoäquivalenzeinkommen (Durchschnitt 2004 bis 2008)

Abb. 85:	 Nettoäquivalenzeinkommen Deutscher und Nicht-Deutscher nach Altersklassen

gering, was zu einem entsprechend niedrigen Nettoäquivalenzeinkommen von rund 1.000 Euro führt.
Unter den türkischen Staatsbürgern im Alter von
18 bis 80 finden sich 39 Prozent Vollerwerbstätige
und der Anteil der geringfügig Beschäftigten ist mit
21 Prozent überdurchschnittlich hoch. Da auch der
Anteil der Arbeitslosen unter den Türken relativ hoch
ist, bleiben im Schnitt nur 920 Euro pro Person mit
türkischer Staatsangehörigkeit.
Abb. 85 zeigt das durchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen nach Altersklassen. Auch hier zeigt
sich wieder, dass das Pro-Kopf-Einkommen bei der
nicht-deutschen Bevölkerung niedriger ist als bei der
deutschen, und zwar über alle Altersklassen hinweg.
Vor allem bei den jungen Erwachsenen im Alter von
18 bis unter 25 Jahren liegen deutsche Staatsbürger
mit 1.070 Euro um 40 Prozent höher als ausländische
Staatsangehörige, die über ein Nettoäquivalenzeinkommen von lediglich 760 Euro verfügen. In den oberen Altersklassen werden diese Unterschiede geringer.

Abb. 86 zeigt die Anteile der Hartz IV-Empfänger mit
ausländischer Staatsangehörigkeit an der Hauptwohnungsbevölkerung mit ausländischer Staatsangehörigkeit nach einzelnen Altersjahren. Vor allem
Minderjährige sind unter den Nicht-Deutschen sehr
häufig auf Hartz IV angewiesen. Während rund 16
Prozent der Nicht-Deutschen in ihrem ersten Lebensjahr bereits Hartz IV-Empfänger sind, steigt dieser
Anteil kontinuierlich auf bis zu knapp 24 Prozent bei
den Neunjährigen und fällt dann bei den älteren Kindern und Jugendlichen stark ab.
Die 23-jährigen Nicht-Deutschen sind mit vier Prozent am wenigsten von Hartz IV betroffen.
Hohe Anteile finden sich auch bei den mittleren
Altersjahren, besonders bei den 40- bis 50-Jährigen.
Vor allem bei Frauen Mitte 40 mit nicht-deutscher
Staatsangehörigkeit sind die Anteile recht hoch: rund
14 Prozent von ihnen sind auf Hartz IV angewiesen.
Bei den über 60-Jährigen steigen die Anteile ebenfalls wieder an. Von den Erlanger Nicht-Deutschen
ab 65 Jahren sind 13,7 Prozent auf
Grundsicherung im Alter angewiesen,
% (Alter)
wobei es sich zu einem großen Teil um
Menschen mit einer Staatsangehörig25
keit aus der ehemaligen Sowjetunion
sowie um türkische Staatsbürger han20
delt. Nicht-Deutsche stehen im Rentenalter häufiger vor dem Problem zu
15
geringer Rentenbezüge, da sie erst
seit dem Zeitpunkt des Zuzuges nach
10
Deutschland und der Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit Beiträge in das deutsche Rentenversicherungssystem ein5
gezahlt haben. Bei den Gastarbeitern,
die das Rentenalter erreicht haben,
0
kommt hinzu, dass sie vor allem in
0
10
20
30
40
50
60
Arbeitsbereichen mit niedrigen QualifiAlter
kationsanforderungen tätig waren; die
Abb. 86:	 Anteil ausländischer Hartz IV-Empfängern an allen Ausländern
geringe Entlohnung führt zu niedrigen
nach Alter
Altersbezügen.

50

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Es ist anzunehmen, dass die Dunkelziffer derjenigen, die auf Sozialleistungen verzichten, obwohl sie
ihnen zuständen, bei Ausländern höher ist als bei
Deutschen, da der Bezug von Sozialhilfe ein Ausweisungsgrund sein kann. So heißt es im § 55 des
Gesetzes über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit
und die Integration von Ausländern in das Bundesgebiet: „(1) Ein Ausländer kann ausgewiesen werden,
wenn sein Aufenthalt die öffentliche Sicherheit und
Ordnung oder sonstige erhebliche Interessen der
Bundesrepublik Deutschland beeinträchtigt. (2)  Ein
Ausländer kann nach Absatz 1 insbesondere ausgewiesen werden, wenn er [...] für sich, seine Familienangehörigen oder für sonstige Haushaltsangehörige
Sozialhilfe in Anspruch nimmt“, wobei es sich um
eine Ermessensentscheidung in Abhängigkeit von
Dauer des Aufenthalts und Folgen einer Abschiebung für die Familienangehörigen handelt. Ungeklärt
ist die Frage, ob es sich beim Sozialhilfebezug von
Ausländern um eine Beeinträchtigung von „Sicherheit“, „Ordnung“ oder „sonstigen erheblichen Interessen“ handelt. Unter Sozialhilfe ist laut § 8 SGB XII
zu verstehen: Hilfe zum Lebensunterhalt, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Hilfen
zur Gesundheit, Eingliederungshilfe für behinderte
Menschen, Hilfe zur Pflege, Hilfe zur Überwindung
besonderer sozialer Schwierigkeiten sowie Hilfe in
anderen Lebenslagen.
Betrachtet man die Anteile nicht-deutscher Hartz IVEmpfänger kleinräumig nach statistischem Distrikt
(Abb. 87), so zeigen sich hohe Anteile in einem Teilgebiet von Rathenau (Bezirk 41), in Büchenbach Nord
(Bezirk 77), dem Gebiet rund um die Housing-Area
Anteil ausländischer Hartz IV-Empfänger an Ausländern

80

keine
mehr als 0 bis unter 2 Prozent
2 bis unter 10 Prozent
10 bis unter 18 Prozent
18 Prozent und mehr

81

im Röthelheimpark (Bezirk 33) sowie in Teilgebieten von Anger (Bezirk 40), Bachfeld (Bezirk 44) und
Bierlach (Bezirk 45). In diesen Gebieten ist jeder
dritte bis vierte Nicht-Deutsche auf Hartz IV angewiesen. Jeder zweite Hartz IV-Empfänger mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit wohnt in einem der
Gebiete, die in Abb. 87 rot markiert sind.
Einige Indizien sprechen dafür, dass die Wohnbedingungen von Migranten schlechter sind als die der
Deutschen. So ist z.B. ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Migrantenanteil und der ProKopf-Wohnfläche zu beobachten, zumindest wenn
man die Durchschnittswerte der statistischen Distrikte betrachtet (Abb. 88): Je größer der Anteil an
Personen mit Migrationshintergrund in einem Distrikt
ist, umso geringer ist tendenziell die Pro-Kopf-Wohnfläche der Einwohner dieses Distrikts.
In der repräsentativen Bürgerbefragung aus dem
Jahr 2004 wurden Fragen zur Wohnung und zum
Wohnumfeld gestellt. Bei der Bewertung der Wohnung allgemein, der Kosten für die Wohnung, der
Größe und der Ausstattung der Wohnung zeigen
sich dabei signifikante Unterschiede zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen, während die Bewertungen in Bezug auf die Wohnumgebung (Ruhe, Verkehrsbelastung) und die Kinderfreundlichkeit des
Wohnumfeldes weniger deutlich ausfallen.
In Abb. 89 sind die Anteile derjenigen dargestellt,
die mit dem jeweiligen Kriterium zufrieden oder sehr
zufrieden sind. Sowohl bei Kosten, Größe und Ausstattung, als auch bei der Beurteilung der Wohnung
allgemein sind unter den Einwohnern mit deutscher
Staatsangehörigkeit weitaus mehr Zufriedene zu finden. Besonders hoch sind die Unterschiede bei der
Beurteilung der Wohnungsgröße: Während 76 Prozent der Deutschen mit ihrer Wohnfläche zufrieden
oder sehr zufrieden sind, sind es bei den Nicht-Deutschen nur 57 Prozent.

82

70

10 11

01

77

78

76

73

21

20

71

75

04

40

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

Wohnfläche

60 qm
50 qm

32

40 qm

43

60

61

44

30 qm

45

20 qm
62
50

51

52

63

10 qm
0 qm
0%

20%

40%

60%

80%

Migrantenanteil

Abb. 87:	 Anteile nicht-deutscher Hartz IV-Empfänger
an allen Nicht-Deutschen nach Distrikt

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Abb. 88:	 Wohnfläche pro Kopf und Migrantenanteil in
den statistischen Distrikten

51

Ausstattung der Wohnung
Größe der Wohnung

Deutsche
Kosten für die Wohnung

Nicht-Deutsche

Wohnung allgemein
0%

10%

20%

30%

40%

50%

60%

70%

80%

90%

Anteil Zufriedene und sehr Zufriedene

Abb. 89:	 Wohnzufriedenheit bei Deutschen und Nicht-Deutschen

8.3.	Senioren

52

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

wirtschaftlichen Wachstums und der Vollbeschäftigung erlebt hat.
Senioren sind die Altersgruppe mit dem größten
Da aber das sogenannte Wirtschaftswunder nur
Zuwachs. Abb. 90 zeigt die Veränderungen in der
ein temporäres Wunder war und seit 1974 zunehAltersstruktur, wie sie nach der letzten Bevölkerungsmend Massenarbeitslosigkeit einsetzte, kommt
prognose für den Zeitraum von 2007 bis 2023 erwarnach und nach die Generation ins Rentenalter, die
tet wird. Während heute noch rund 20.000 Erlanger
eine unterbrochene Erwerbsbiografie hat und unter
65 Jahre oder älter sind, werden es im Jahr 2023
niedrigen Löhnen auf einem Arbeitsmarkt mit hoher
voraussichtlich schon 23.000 Menschen sein. Durch
Konkurrenz leidet. Die Gruppe der Älteren, die in
die bisher kontinuierlich steigende Lebenserwartung
den vergangenen Jahren wegen ihrer Kaufkraft eine
sind auch immer mehr Hochbetagte zu finden. Ist
zunehmend wichtigere Rolle als Zielgruppe für Marheute noch etwa jeder zwanzigste Erlanger 80 Jahre
keting-Aktivitäten bekommen hatte, wird in Zukunft
oder älter, so wird es im Jahr 2023 bereits jeder
teilweise ersetzt werden durch Senioren mit unzureidreizehnte sein. Bei den 50- bis 65-Jährigen wird
chenden Altersbezügen.
es bis zum Jahr 2023 ebenfalls zu starken ZuwächIn gut einem Viertel der rund 51.000 Erlanger Haussen kommen, denn diese Jahrgänge sind heute
halte lebt mindestens ein Einwohner im Alter von 65
als Folge des Zweiten Weltkrieges relativ schwach
Jahren oder älter. Von diesen Haushalten ist etwa
besetzt. Somit kann mindestens für die kommenden
jeder Zweite ein Paarhaushalt ohne Kind. Bei 42
30 Jahre mit einem Zuwachs bei Einwohnern ab 65
Prozent handelt es sich um Einpersonenhaushalte.
Jahren gerechnet werden.
Der Frauenanteil liegt bei Alleinstehenden im SenioDie Situation der älteren Einwohner wird also in
renalter bei 75 Prozent.
Zukunft zunehmend in den Mittelpunkt rücken. Dabei
Wie unterscheiden sich die Haushaltseinkommen
spielt nicht nur die Zahl der Senioren eine Rolle,
von Senioren im Vergleich zu den Jüngeren? Der
sondern auch deren soziale Situation, die sich in
Durchschnittswert ist in diesem Fall nicht aussaZukunft kaum verbessern wird. Ein großer Teil der
gekräftig, da Senioren in der Regel nicht mehr mit
Menschen, die heute im Rentenalter sind, entstammt
Kindern im Haushalt zusammenleben; wie bereits an
der Wirtschaftswunder-Generation, die Zeiten des
anderer Stelle dargelegt, sind Kinder eine besondere
Belastung für das Haushaltseinkommen.
Aus
Bevölkerungszudiesem Grund werden
und -abnahme
nur Haushalte ohne Kin+600
der verglichen.
In Einpersonenhaushal+400
ten beträgt das Nettoäquivalenzeinkommen
+200
eines Erlangers im Alter
0
von 18 bis unter 65 JahAlter
ren rund 2.170 Euro und
-200
liegt damit rund 40 Prozent höher als das der
-400
Einpersonenhaushalte
ab 65 Jahren mit 1.555
-600
Euro. Betrachtet man
Abb. 90:	 Erwartete Veränderungen im Aufbau der Bevölkerungsstruktur zwischen 2007
hingegen nur Paarhausund 2023
halte ohne Kinder, so
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

sind kaum Unterschiede aufzufinden. Hier liegt das
Nettoäquivalenzeinkommen sowohl bei den Senioren, als auch bei den Jüngeren jeweils bei rund
1.700 Euro.
Von niedrigen Einkommen sind also bei den Senioren in erster Linie die Alleinstehenden betroffen.
Unter den alleinstehenden Senioren sind es wieder
die Frauen, die über ein geringeres Nettoäquivalenzeinkommen verfügen: Ihnen stehen 1.455 Euro
zur Verfügung im Gegensatz zu den männlichen
Senioren mit rund 1.860 Euro pro Kopf. Dies liegt
daran, dass Frauen häufiger allein auf eine Witwenrente angewiesen sind.
Es kann davon ausgegangen werden, dass der Anteil
der Bevölkerung ab 65 Jahren, der Leistungen zur
Grundsicherung im Alter bezieht, in Zukunft ansteigen wird. Zur Zeit beziehen etwa 1,7 Prozent der
Erlanger Seniorinnen und Senioren solche Leistungen. Darüber hinaus besteht Grund zur Vermutung,
dass die Dunkelziffer bei Senioren grundsätzlich
höher als bei anderen Personenkreisen ist und dass
eventuell Leistungen nicht beantragt werden, obwohl
ein Anspruch darauf besteht. Seit im Jahr 2003 die
Grundsicherung im Alter eingeführt wurde, ist diese
verdeckte Armut bei Senioren jedoch zurückgegangen, da im Grundsicherungsgesetz auf einen Unterhaltsrückgriff bei Angehörigen weitgehend verzichtet
wurde.
In der kleinräumigen Betrachtung zeigt sich, dass
vor allem in der Innenstadt und in den Neubaugebieten die Seniorenanteile unterdurchschnittlich sind
Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter
(ohne Heime)

80

unter 10 Prozent
10 bis unter 15 Prozent
15 bis unter 20 Prozent
20 bis unter 25 Prozent
25 Prozent und höher

81

82

70

10 11

01

77

78

76

73

21

20

71

75

04

40

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

32

43

60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 91:	 Anteile der Bevölkerung ab 65 Jahren zum
31.12.2008 (ohne Bevölkerung in Altenheimen) nach Distrikt

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

(Abb.  91). Klammert man die Altenheime aus, so
sind insgesamt rund 18 Prozent der Erlangerinnen
und Erlanger 65 Jahre oder älter. Demgegenüber
findet sich im Teilgebiet des Röthelheimparks südlich der Allee am Röthelheimpark ein Seniorenanteil
von lediglich drei Prozent. Im Bezirk Büchenbach
West liegt der Anteil bei 4,6 Prozent. In der engeren
Innenstadt, also den Bezirken 01, 02, 03 und 04 sind
lediglich neun von 100 Einwohnern Senioren.
Das andere Ende der Skala wird vom Bezirk 71 (In
der Reuth) angeführt, wo 37 Prozent der Bevölkerung im Seniorenalter sind. Im Bereich der FriedrichBauer-Straße im Bezirk Forschungszentrum (Bezirk
43) und im nordöstlichen Teil Tennenlohes (Bezirk
52) zählt etwa jeder Dritte zu den Senioren. Auch in
Sieglitzhof (Bezirk 22) ist der Anteil der Senioren mit
rund 28 Prozent auffällig hoch.

8.4.	Vollständige Familien
Während die Situation der Alleinerziehenden an
anderer Stelle bereits beschrieben wurde, sollen nun
die vollständigen Familien näher betrachtet werden.
Familien sind insbesondere in der Phase der Expansion – das sind Familien mit Kindern unter sechs
Jahren – besonderen Belastungen ausgesetzt, da
über einen längeren Zeitraum oft nur ein Elternteil ein Einkommen bezieht. Fällt ein Einkommen
weg, so reduziert sich das Pro-Kopf-Einkommen im
Haushalt stark. Alternativ dazu können theoretisch
beide Elternteile arbeiten gehen, wenn sie denn eine
Betreuungsmöglichkeit für ihr Kind oder ihre Kinder
haben und dies auch wünschen.
In Elterngeld, welches im Jahr 2007 eingeführt
wurde und seitdem das Bundeserziehungsgeld
ersetzt, wurden bei seiner Einführung hohe Erwartungen gesetzt. Es soll laut Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend „nach der
Geburt eines Kindes den notwendigen Schonraum
für einen guten Start in das gemeinsame Leben mit
dem neuen Familienmitglied“ schaffen. Denn: „Eine
nachhaltige Familienpolitik besteht aus Infrastruktur,
Zeit und Geld für Familien.“ (Homepage des Ministeriums). Als „notwendigen Schonraum“ sieht das
Gesetz einen Zeitraum von einem Jahr vor, der noch
um zwei Monate verlängert werden kann, wenn der
andere Elternteil auch Elternzeit antritt.
Das Elterngeld beträgt in der Regel 67 Prozent des
Einkommens, welches in den zwölf Monaten vor
Antragstellung durchschnittlich erzielt wurde, wobei
ein Mindestbetrag von 300 Euro gewährt und ein
Maximalbetrag von 1.800 Euro ausgezahlt wird.
Bei durchschnittlichen Monatseinkommen von unter
1.000 Euro beträgt der Prozentsatz nicht 67 Prozent,
sondern steigt linear um einen Prozentpunkt je 20
Euro unterhalb von 1.000 Euro auf maximal 100 Prozent an.
Problematisch wird die Situation, wenn ein weiteres Kind geboren wird, ohne dass der erziehende
Elternteil im Jahr vor der Geburt des Kindes wieder
53

einer Erwerbstätigkeit nachging und somit kein eigenes Einkommen erzielte. Dann erhält er lediglich
den Mindestsatz von 300 Euro, der jedoch unter
bestimmten Voraussetzungen – z.B. mindestens ein
weiteres Kind unter drei Jahren oder zwei Kinder
unter sechs Jahren – um zehn Prozent (bzw. mindestens 75 Euro) angehoben wird.
Zum Elterngeld hinzu kommt das Kindergeld, welches für das erste und zweite Kind zur Zeit jeweils
164 Euro beträgt.
An einem Rechenbeispiel soll verdeutlicht werden,
welche Einbußen Familien hinnehmen müssen,
wenn sie sich dafür entscheiden, dass ein Elternteil
nicht mehr erwerbstätig ist, sondern sich der Kindererziehung widmet. Nimmt man einen Doppelverdienerhaushalt ohne Kinder, in dem einer einen Nettoverdienst von 1.200 Euro, der andere von 1.400
Euro hat, so ergibt sich ein Haushaltsnettoeinkommen von insgesamt 2.600 Euro. Daraus errechnet
sich ein Nettoäquivalenzeinkommen von rund 1.733
Euro.
Dieser Doppelverdienerhaushalt bekommt Nachwuchs und der Elternteil, der bisher das Nettoeinkommen von 1.200 Euro erzielt hat, nimmt Elternzeit. Im ersten Lebensjahr des Kindes erhält die
Familie somit ein Elterngeld, welches 67 Prozent
von 1.200 Euro, also 804 Euro beträgt. Der Partner
mit Erwerbseinkommen wechselt in eine günstigere
Steuerklasse und bekommt nun Netto 1.680 Euro
anstatt 1.400 Euro.
Hinzu kommen 164 Euro Kindergeld. Insgesamt
ergibt sich also ein Haushaltsnettoeinkommen von
1.680 + 804 + 164 = 2.648 Euro und ein Nettoäquivalenzeinkommen von 1.471 Euro.
Nach Vollendung des ersten Lebensjahres (bzw.
nach 14 Monaten, wenn die Familie es sich leisten
kann, dass der andere Elternteil auch noch zwei
Monate Elternzeit nimmt) fallen die 804 Euro weg.
Der Familie verbleibt dann ein Haushaltsnettoeinkommen von nur noch 1.844 Euro, was einem Nettoäquivalenzeinkommen von 1.024 Euro entspricht.
Die Familie bekommt erneut Nachwuchs. Da der

erziehende Elternteil im Jahr vor der Geburt des zweiten Kindes kein Einkommen erzielt hat, bekommt die
Familie nun für zwölf Monate den Mindestsatz von
300 Euro Elterngeld, der um 75 Euro aufgestockt
wird, da das erste Kind noch keine drei Jahre alt ist.
Hinzu kommt ein zweites Kindergeld von 164 Euro.
Es ergibt sich ein Haushaltsnettoeinkommen von
1.680 + 375 + 164 + 164 = 2.383 Euro und ein Nettoäquivalenzeinkommen von 1.134 Euro.
Entscheidet sich der erziehende Elternteil nach
einem Jahr nun weiterhin dazu, die Kinder selbst zu
Hause zu betreuen, wird es knapp: Das Haushaltsnettoeinkommen fällt nun auf 1.956 Euro, woraus
sich ein Nettoäquivalenzeinkommen von 931 Euro
errechnet.
Hier wird wieder deutlich, was an anderer Stelle
bereits dargestellt wurde: Kinder sind ein Armutsrisiko. Wer Kinder großziehen will, braucht häufig zwei
Einkommen. Dass Alleinerziehende insofern fast
zwangsläufig ein hohes Armutsrisiko haben, braucht
hier nicht näher erläutert zu werden.
Was lässt sich über die Situation von vollständigen
Familien in Erlangen aussagen?
Bei rund 8.000 Haushalten in Erlangen handelt es
sich um Paarhaushalte mit Kindern; dies entspricht
15,7 Prozent aller Haushalte. Rund 45 Prozent der
vollständigen Familien umfassen ein einziges Kind,
42 Prozent zwei Kinder und knapp 13 Prozent drei
oder mehr Kinder. In 187 Familien leben vier oder
mehr Kinder.
In Paarhaushalten mit Kindern beträgt das Nettoäquivalenzeinkommen durchschnittlich 1.520 Euro.
Abb. 92 zeigt, wie sich die Einkommen in den vollständigen Familien verteilen im Vergleich zu den
übrigen Haushalten. Vor allem im mittleren Bereich
der Pro-Kopf-Einkommen von 1.000 bis 1.600 Euro
sind bei den Familien höhere Anteile zu verzeichnen:
Während ein knappes Drittel der vollständigen Familien in diese Einkommenskategorie fällt, sind es in
den anderen Haushaltsformen nur 27 Prozent. Sehr
hohe Nettoäquivalenzeinkommen von 2.800 Euro
und mehr werden in Familien nur in Ausnahmefällen

35%
30%

Paarhaushalte mit
mindestens einem Kind
sonstige Haushalte

25%
20%
15%
10%
5%
0%
unter
400€

400€ u. 1.000€

1.000€ u. 1.600€

1.600€ u. 2.200€

2.200€ u. 2.800€

2.800€ und mehr

Abb. 92:	 Nettoäquivalenzeinkommen vollständiger Familien im Vergleich

54

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Es sind also auch häufig beide Elternteile berufstätig,
wenn noch kleine Kinder unter 3 Jahren im Haushalt
sind. Etwa vier von zehn Kindern unter drei Jahren
werden institutionell betreut – also in einer Kinderkrippe, einem Kindergarten, von einer Tagesmutter
etc. Der Anteil der institutionell betreuten Kleinkinder
in den vollständigen Familien ist dabei unterschiedlich je nach Erwerbstätigkeit der Eltern. So werden
57 Prozent der Kleinkinder institutionell betreut,
wenn beide Elternteile berufsbedingt zeitlich gebunden sind. In den Familien, in denen nur ein Elternteil
berufstätig ist, liegt die Betreuungsquote der Kleinkinder bei 23 Prozent; sind beide Elternteile zeitlich
nicht gebunden – also in der Regel arbeitslos, ergibt
sich eine Quote von nur noch 14 Prozent.
Kleinkinder werden dabei häufig in Einrichtungen
betreut, obwohl dies von den Eltern nicht gewünscht
ist: Von den ganz Kleinen, die das erste Lebensjahr
noch nicht vollendet haben, werden rund zehn Prozent institutionell betreut. Auf die Frage, was nach
Meinung der Eltern die beste Betreuung für ein Kind
in diesem Alter sei, wenn sie ganz frei, also ganz
ohne finanzielle Einschränkungen entscheiden
könnten, gaben jedoch drei Viertel der Eltern dieser
betreuten Kinder an, dass ihnen eine ausschließliche Betreuung in der Familie lieber wäre.
Von den Einjährigen wird knapp ein Drittel institutionell betreut. Von den Eltern dieser betreuten Kinder
geben 22 Prozent an, dass sie ihre Kinder lieber in
der Familie betreuen würden.
Bei den Zweijährigen liegt die Betreuungsquote
bereits bei 68 Prozent, wobei acht Prozent der Eltern
dieser Kinder eine Betreuung zu Hause vorziehen
würden.
Von den Kindern unter elf Jahren aus vollständigen
Familien werden in Erlangen 24 Prozent außerhalb
von Einrichtungen betreut, d.h. oft von Großeltern.
Auf die Frage, warum die Kinder nicht in einer Einrichtung betreut werden, gaben 41 Prozent an, dass
ihnen die Betreuung in der Familie wichtiger sei
(Abb. 93). Bei knapp jedem sechsten Kind unter 11
Jahren ist eine institutionelle Betreuung nicht möglich, da die Öffnungszeiten der Einrichtungen unzureichend sind.
Etwa jedes zehnte Kind wird nicht-institutionell
betreut, weil den Eltern die Betreuungskosten zu
hoch sind.
Vom
„Armutsrisiko
Kinder“
wurde
bereits
mehrfach gesprochen. Betrachtet man die

erzielt. Bei rund drei Prozent der vollständigen Familien steht ein solch hohes Einkommen zur Verfügung; bei den übrigen Haushalten können gut 14
Prozent mit einem Einkommen in dieser Größenordnung rechnen.
Das Nettoäquivalenzeinkommen sinkt mit der Zahl
der Kinder: Beträgt es bei Familien mit einem Kind
rund 1.570 Euro, so sind es bei zwei Kindern 1.505
Euro und bei drei und mehr Kindern nur noch 1.415
Euro.
Vergleicht man diese Zahlen mit dem obigen
Rechenbeispiel, so scheinen Familien in Erlangen
zumindest im Durchschnitt finanziell relativ gut dazustehen; ein Nettoäquivalenzeinkommen von 1.570
Euro in einem Paarhaushalt mit einem Kind unter 15
Jahren bedeutet ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 2.826 Euro.
Allerdings variieren die tatsächlichen Einkommen
stark um die angegebenen Mittelwerte. Vergleicht
man die Nettoäquivalenzeinkommen der vollständigen Familien kleinräumig, so zeigen sich sehr große
Unterschiede. So leben Familien am Anger (Bezirk
40) mit durchschnittlich 750 Euro in relativer Einkommensarmut. Auch Büchenbach Nord (Bezirk 77) ist
mit einem Nettoäquivalenzeinkommen bei Familien
von 1.055 Euro stark unterdurchschnittlich, gefolgt
von Frauenaurach (Bezirk 61) mit 1.270 Euro und
Büchenbach Dorf (Bezirk 78) mit 1.280 Euro. Ebenso
liegt Bruck (Bezirke 42, 44, 45) mit 1.330 Euro unter
dem Durchschnitt.
Überdurchschnittliche Nettoäquivalenzeinkommen
in vollständigen Familien finden sich im Bereich Alterlangen und Dechsendorf mit rund 1.640 Euro sowie
in den Gegenden mit großen Neubaugebieten: 1.685
Euro in Büchenbach West (Bezirk 78), 1.715 Euro
im Röthelheimpark (Bezirk 33). Auch das Stadtzentrum (Bezirke 01, 02, 03, 04) liegt mit durchschnittlich
1.820 Euro weit vorne und wird nur noch vom Burgberg (Bezirk 20) mit 1.835 Euro übertroffen.
Im Jahr 2008 wurde eine Befragung zur Kinderbetreuung in Erlangen durchgeführt, wobei jede zweite
Erlanger Familie mit Kindern unter 11 Jahren im
Haushalt befragt wurde. Daraus geht hervor, dass
in etwa zwei Drittel der Familien, in denen alle Kinder mindestens drei Jahre alt sind, beide Elternteile
berufs- oder ausbildungsbedingt zeitlich gebunden
sind. In Familien mit Kleinkindern unter drei Jahren sind in 48 Prozent der Fälle beide Elternteile
berufstätig.

Förderung des Kindes in der Familie wichtiger
Öffnungszeiten nicht ausreichend
kein passendes Betreuungsangebot
Betreuungskosten zu hoch

0%

5%

10%

15%

20%

25%

30%

35%

40%

45%

Abb. 93:	 Gründe gegen eine Kinderbetreuung in Einrichtungen

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

55

der Paare mit drei Kindern zu den Hartz IVBedarfsgemeinschaften
gehören, sind es mehr
12%
als 14 Prozent der Paarhaushalte mit mehr als
9%
drei Kindern (Abb. 94).
Insgesamt sind knapp
6%
fünf Prozent der Paarhaushalte mit mindes3%
tens einem Kind auf
Hartz IV angewiesen.
0%
Befindet sich in der
Familie noch mindestens ein Kleinkind unter
Ein Kind
Zwei Kinder
Drei
Vier und mehr
drei Jahren, so liegt die
Kinder
Kinder
Empfängerquote bei 7,6
Abb. 94:	 Anteil von Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften bei Paarhaushalten mit Kindern
Prozent.
nach Anzahl der Kinder
In der kleinräumigen
Betrachtung (Abb. 95)
zeigen sich besonders
Hartz IV-Empfängerquoten, so zeigt sich, dass dies
hohe
Empfängerquoten
in
Bierlach
(Bezirk 45) mit
in Erlangen vor allem auf die größeren Familien
gut
zehn
Prozent,
im
Tal
(Bezirk
04)
mit
knapp zwölf
zutrifft. Während es sich bei gut fünf Prozent aller
Prozent
und
Rathenau
(Bezirk
41)
mit
13,5
Prozent.
Erlanger Haushalte um Hartz  IV - BedarfsgemeinDie
höchsten
Werte
finden
sich
am
Anger
(Bezirk
40)
schaften handelt, liegen die Empfängerquoten bei
und
in
Büchenbach
Nord
(Bezirk
77),
wo
etwa
jeder
Paarhaushalten mit ein oder zwei Kindern mit 3,9
sechste Paarhaushalt mit Kindern zu den Hartz IVbzw. 4,9 Prozent noch leicht unter dem Durchschnitt.
Bedarfsgemeinschaften gehört.
In 87 Prozent aller Erlanger Paarhaushalte mit Kin15%

dern leben weniger als drei Kinder. In den Familien
mit mehr als zwei Kindern steigen die Empfängerquoten allerdings stark an: Während gut 7 Prozent
Paarhaushalte mit Kindern: Anteil der Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften

80

unter 2 Prozent
2 bis unter 4 Prozent
4 bis unter 6 Prozent
6 bis unter 8 Prozent
8 Prozent und höher

81

82

10 11

70

01

77

78

76

73

21

20

71

75

04

40

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

32

43
60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 95:	 Anteil von Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften
bei Paarhaushalten mit Kindern nach Bezirk

56

9.	 Armut und Reichtum in Erlangen
Im Folgenden sollen die Ergebnisse dieses Berichts
zusammengefasst werden. Auf Ebene der statistischen Bezirke wird dabei ein Indexwert gebildet, der
als „sozialer Belastungsindex“ bezeichnet werden
kann. In den Belastungsindex fließen folgende Indikatoren ein:
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	
•	

Nettoäquivalenzeinkommen,
Bildungs- und Berufsstatus,
Hartz IV-Empfänger unter 15 Jahre,
Hartz IV-Empfänger 15 Jahre und älter,
Empfänger von Arbeitslosengeld I,
Empfänger von Grundsicherung im Alter,
Ausstattung der Wohnungen,
Pro-Kopf-Wohnfläche,
Wohnungsmieten sowie
Gebührenbefreiungen in Kindertagesstätten.

Als Ergebnis erhält man für die einzelnen statistischen Bezirke Indexwerte, die zwischen 0 und 10
variieren, wobei ein Wert von „0“ bedeutet, dass im
entsprechenden Bezirk eine sehr geringe Belastung
vorliegt, während „10“ eine sehr starke Belastung
ausdrückt. Je höher der soziale Belastungsindex in
einem Bezirk ist, umso mehr Faktoren sind dort aufzufinden, die auf eine Konzentration von Problemlagen hindeuten. Wenn im Folgenden von „negativen“
und „positiven“ Ausprägungen die Rede ist, so meint
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Sozialer Belastungsindex

„negativ“, dass Indikatoren in Richtung Problembelastung ausschlagen.
Die verwendeten Indikatoren können allerdings nicht
sämtliche Aspekte der sozialen Lage abbilden. So
wird es im Einzelfall z.B. einen großen Unterschied
machen, ob jemand über Wohneigentum verfügt
oder nicht.
Abb. 96 zeigt den sozialen Belastungsindex nach
statistischem Bezirk. Am geringsten problembelastet sind die Einwohner in der Reuth (Bezirk 71), in
Dechsendorf Ost (Bezirk 81) und in Neuses (Bezirk
60). In der Reuth sind vor allem das hohe Durchschnittseinkommen und die großen Wohnflächen
ausschlaggebend. In Dechsendorf Ost bewegen
sich alle Indikatoren leicht überdurchschnittlich
im positiven Bereich; Extremwerte finden sich hier
zwar kaum, Negativbewertungen jedoch gar nicht.
Gering belastet sind ebenfalls die Bezirke Tennenlohe (Bezirk 52), Dechsendorf West (Bezirk 80), der
Burgberg (Bezirk 20) sowie Sieglitzhof (Bezirk 22).
Am anderen Ende der Skala finden sich die statistischen Bezirke mit besonders hohen sozialen
Belastungen.
In Bachfeld (Bezirk 44) weichen sämtliche Indikatoren negativ vom Durchschnitt ab, allerdings schlägt
kein Indikator extrem negativ zu Buche.
Der Bezirk Büchenbach Dorf (Bezirk 76) ist geprägt
durch relativ niedrige Einkommen, geringem Anteil
an Einwohnern mit hohem Bildungs- und Berufsstatus, hohen Anteilen an Sozialleistungs-Empfängern
und schlecht ausgestatteten Mietwohnungen; allerdings sind die Wohnungsmieten in Büchenbach Dorf
relativ günstig.
Am Anger (Bezirk 40) ist auffällig, dass viele Indikatoren extrem negativ ausgeprägt sind: So ist der
Anger der Bezirk mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen; er hat sehr hohe Anteile bei den Hartz IVEmpfängern unter 15 Jahren und ist Spitzenreiter
bei den Hartz IV-Empfängern, die 15 Jahre oder
älter sind. Auch bei den Anteilen der Empfänger von
Arbeitslosengeld I und Grundsicherung im Alter liegt
der Anger weit vorne. Etwa die Hälfte der Kinder, die
am Anger eine Kindertagesstätte besuchen (also
Kinderkrippe, Kindergarten, Schulhort, Lernstube
etc.) sind von Gebühren befreit.
Letzteres gilt auch für Schönfeld (Bezirk 42). Auch
in Schönfeld sind fast alle Indikatoren negativ ausgeprägt. Ebenso wie am Anger sind hier lediglich
die Mieten unterdurchschnittlich und somit positiv
bewertet.
In Rathenau (Bezirk 41) ist die Lage etwas besser:
Zwar sind alle Indikatoren bis auf die Wohnungsmieten negativ ausgeprägt, es findet sich jedoch „nur“
ein Extremwert bei den Hartz IV-Empfängern: Jeder
vierte Einwohner unter 15 Jahre in Rathenau ist
Hartz IV-Empfänger.
Auch im Tal (Bezirk 04) und in Büchenbach Nord
(Bezirk 77) sind die Anteile bei den Empfängern von
Sozialleistungen stark überdurchschnittlich.
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

80

sehr geringe Belastung: kleiner als 2
geringe Belastung: 2 bis unter 4
mittlere Belastung: 4 bis unter 6
hohe Belastung: 6 bis unter 8
sehr hohe Belastung: 8 bis 10

81

82

10 11

70

01

77

78

76

73

21

20

71

75

04

40

33

30
41

42

74

24

25

03
12

22

23

02

32

43
60

61

44

45

62
50

51

52

63

Abb. 96:	 Sozialer Belastungsindex nach Bezirk

Aus den Indikatoren Pro-Kopf-Einkommen, Bildungsstatus, Berufsstatus und Empfängerquoten
von Sozialleistungen kann ein zusätzlicher Indexwert gebildet werden, der nach Alter und Geschlecht
auswertbar ist (Abb. 97). In dieser Darstellung wird
deutlich, bei welchen Altersgruppen besondere
Belastungen auftreten:
•	 Die starken Ausprägungen bei den Kindern und
Jugendlichen sind ein Hinweis auf das Armutsrisiko, welches in Familien durch Kinder entsteht.
Die Elterngeneration findet sich bei den 40- bis
50-Jährigen, wo ebenfalls stärkere Belastungen
zu erkennen sind.
•	 Unter den Männern sind diejenigen im Alter von
Anfang bis Mitte 30 den geringsten Belastungen
ausgesetzt.
•	 Bei den Frauen finden sich die geringsten Belastungen in den Altersjahren rund um 30.
•	 Bei den 32- bis 45-Jährigen ist unter den Frauen
eine leicht höhere Belastung festzustellen.
•	 In den Altersjahren von Mitte 40 bis Mitte 50 sind
Männer stärker belastet als Frauen.
•	 In den älteren Jahrgängen sind die Belastungen
für Frauen deutlich stärker.
Erwachsene Frauen sind also häufig stärker belastet
als Männer. Die Gründe liegen darin, dass Frauen
in ihrer Erwerbsbiografie in der Regel weitaus mehr
Brüche haben als Männer: Neben Mutterschaftszeiten bleiben häufig auch Kinder- und Familienarbeit
bei der Frau „hängen“. Andererseits sind jedoch die
sozialstaatlichen Sicherungssysteme eher auf die
„männliche“ Normalerwerbsbiografie zugeschnitten.
57

58

2007

2005

2003

2001

1999

1997

1995

1993

1991

1989

1987

1985

1983

1981

1979

1977

1975

1973

Alter

weniger Beiträge einzahlen, da sie einerseits geringere Durchschnittseinkommen, andererseits oft kürMänner
Frauen
zere Beitragszeiten haben.
80
Darüber hinaus besteht eine Tendenz zu immer
mehr Arbeitsplätzen in Form von Mini-Jobs, im Nied70
riglohnsektor und der Leiharbeit („Zeitarbeit“), durch
welche nur geringe oder gar keine Sozialversicherungsbeiträge wirksam werden.
60
Immer mehr Beschäftigungsverhältnisse werden
zudem unsicher. So ist im Bereich der Leiharbeit
50
die Beschäftigungsstabilität geringer, die Löhne sind
niedriger und Betriebsräte sind auch selten zu finden.
40
Die Zahl der Leiharbeitnehmer hat sich in der Bundesrepublik seit 2005 mehr als verdoppelt (Abb. 98).
Dabei sind Zeitarbeiter im Metall- und Elektrobereich
30
im Gegensatz zu früher nicht mehr die dominierende
Gruppe unter den Leiharbeitnehmern; heute ist es
20
Dienstleistungs- und Hilfspersonal.
Die Zahl der geringfügigen Beschäftigungen („Mini10
Jobs“) ist in den letzten Jahren angestiegen. Geringfügig Beschäftigte verdienen maximal 400 Euro und
0
erwerben allein durch die geringfügige Beschäftigung keinen Anspruch auf Krankenversicherung. Die
10
5
0
0
5
10
Zahl der in Erlangen lebenden geringfügig BeschäfSozialer Belastungsindex
tigten ist seit dem Jahr 2000 von rund 4.900 um
Abb. 97:	 Sozialer Belastungsindex nach Alter und
über 20 Prozent auf 5.900 angestiegen (Abb. 99).
Geschlecht
Hinzu kommen die in einem Nebenjob geringfügig
Beschäftigten.
Im Bereich der sogenannten Midi-Jobs ist ebenfalls
Dies führt zu durchschnittlich geringeren Sozialversiein starker Anstieg zu verzeichnen. Unter Midi-Jobs
cherungsleistungen bei Frauen. Hinzu kommt, dass
versteht man sozialversicherungspflichtige TätigkeiFrauen im Berufsleben weniger verdienen als Mänten im Niedriglohnsektor mit einem Arbeitsentgelt von
ner. Durch niedrigere Durchschnittseinkommen und
mehr als 400 bis maximal 800 Euro. Die Arbeitnehunzusammenhängende Erwerbszeiten verringern
merbeiträge für die Sozialversicherung entsprechen
sich auch die Lohnersatzleistungen und Altersbebei Midi-Jobs jedoch nicht den regulären Beitragszüge von Frauen. Hinzu kommt, dass ältere Frauen
sätzen, sondern sind niedriger. Diese Beschäfhäufig allein auf die Witwenrente angewiesen sind.
tigungsverhältnisse verdoppelten sich in Bayern
Zudem leben ältere Frauen auch häufiger allein.
von rund 90.000 im Jahr 2003 auf 181.000 im Jahr
Das Problem unzureichender Renten betrifft auch
2007. Gut die Hälfte der in Midi-Jobs Beschäftigten
stark Menschen mit Migrationshintergrund, die in
sind Frauen mit Teilzeittätigkeit, ein weiteres Viertel
die deutsche Rentenversicherung in der Regel
Frauen in Vollzeittätigkeit.
Mit den „Gesetzen für
moderne Dienstleistun900.000
gen am Arbeitsmarkt“
800.000
wurden im Jahr 2003
(„Hartz I“ und „Hartz II“)
700.000
die Rahmenbedingungen
600.000
für Zeitarbeitsfirmen flexibler gestaltet. Außer500.000
dem wurde vor allem die
Leiharbeitnehmer insgesamt
400.000
Beschäftigung im NiedrigLeiharbeitnehmer: nur Frauen
lohnbereich neu geregelt.
300.000
Wie sich jedoch bereits
200.000
gezeigt hat, sind die daraus entstehenden Mini100.000
Jobs meist kein Sprung0
brett für Arbeitslose in
eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
und sie sichern keinen
Abb. 98:	 Entwicklung der Leiharbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland
Lebensunterhalt.
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

7.000
6.000
5.000
4.000
3.000
2.000
1.000
2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

0

Abb. 99:	 Geringfügig Beschäftigte mit Wohnort
Erlangen (ohne geringfügig Beschäftigte im
Nebenjob)

Haushaltseinkommen aufbessern, indem sie einer
geringfügigen Beschäftigung nachgehen. Es ist
davon auszugehen, dass häufig eine geringfügige
Tätigkeit zusätzlich ausgeübt wird, um aufgrund
des unzureichenden Haushaltseinkommens nicht
in den Sozialleistungsbezug abzurutschen. Die Zahl
der geringfügig Beschäftigten im Nebenjob hat sich
dementsprechend im Zeitraum von 2003 bis 2007
in Bayern von 260.000 auf knapp 400.000 erhöht.
Unter den Arbeitnehmern in Bayern, die mehr als
400, jedoch maximal 800 Euro verdienen, sind mehr
als zehn Prozent zusätzlich auf Hartz  IV angewiesen. Sicherlich sind auch viele Haushalte, deren
Einkommen so hoch ist, dass kein Anspruch auf
Hartz IV-Leistungen besteht, trotz Erwerbstätigkeit
auf andere Leistungen angewiesen, wie z.B. das
Wohngeld.
Wie an anderer Stelle bereits gezeigt wurde, existiert
ein Kreislauf von Einkommen und Bildung, der eine
„soziale Vererbung“ des sozialen Status bedingt.
Das heißt einerseits: Je höher die schulische und
berufliche Ausbildung, umso höher das durchschnittliche Einkommen. Andererseits jedoch: Je höher
das Einkommen der Eltern, desto höher die Schulbildung der Kinder. Die Bildungschancen der Kinder
von Eltern mit geringem Bildungsgrad erhöhen sich
mit dem Einkommen der Eltern. Weniger problematisch ist die Situation bei den Eltern mit höherem Bildungsgrad: Deren Kinder haben größere Bildungschancen auch bei mittleren Einkommen, wobei die
Bildungschancen auch hier absinken in Haushalten,
die besonders einkommensarm sind.
Dieser Kreislauf könnte durchbrochen werden. Auf
Seite der Bildung ginge es darum, den Zusammenhang zwischen Bildung von Eltern und Kindern
aufzuheben in dem Sinn, dass Kinder und Jugendliche tatsächlich entsprechend ihrer individuellen
Fähigkeiten gefördert werden. Die Realität ist häufig

Wenn ein Vollzeitbeschäftigter so wenig verdient,
dass sein notwendiger Lebensunterhalt nur mit
zusätzlichen Sozialleistungen gesichert werden
kann, dann ist dies angesichts der gesetzlichen
Regelsätze sicherlich kein Zeichen für zu hohe Sozialleistungen, sondern für zu niedrige Löhne. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Erwerbsarmut („Working Poor“).
Diese Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt seit dem
Inkrafttreten der „Gesetze für moderne Dienstleistungen“ soll noch anhand von Zahlen für das Bundesland Bayern verdeutlicht werden. Misst man
die geringfügig Beschäftigten zusammen mit den
Beschäftigten in Midi-Jobs an den Beschäftigten insgesamt, so bekommt man im Jahr 2003 einen Anteil
von 20 Prozent, der bis 2007 auf 24 Prozent ansteigt
(Abb. 100). Etwa jedes Vierte Beschäftigungsverhältnis in Bayern wird also gering entlohnt. Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der Leiharbeitnehmer an
den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von
einem auf drei Prozent gestiegen.
Im Jahr 2007 finden sich
unter den bayerischen
Hartz
IV-Empfängern
gut ein Viertel erwerbs24%
tätige Leistungsbezieher. Etwa vier Prozent
20%
der in Bayern geringfügig Beschäftigten sind
16%
Hartz
IV-Empfänger.
Diese Zahl ist vermut12%
lich aus dem Grund
relativ niedrig, da sich
8%
unter den geringfügig
4%
Beschäftigten
einerseits viele Erwerbstätige
0%
befinden, die zusätzlich
2003
2004
2005
2006
2007
zu ihrer regulären sozialversicherungspflichtiAnteil Beschäftigte in Midi-Jobs an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
gen Tätigkeit (die verAnteil geringfügig entlohnt Beschäftigte an Beschäftigten insgesamt
mutlich schlecht bezahlt
Anteil geringfügig entlohnt Beschäftigte und Beschäftigte in Midi-Jobs an Beschäftigten insgesamt
ist) eine geringfügige
Anteil Leiharbeitnehmer an sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
Tätigkeit
ausüben,
andererseits
HausAbb. 100:	 Beschäftigte in Bayern
haltsmitglieder, die das
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

59

anders und führt z.B. dazu, dass Kinder aus sozial
schwächeren Familien bei gleichen Leistungen weniger Übertrittsempfehlungen in höhere Schulformen
erhalten als Kinder aus besser gestellten Familien.
Die traditionelle, gegliederte Struktur des bayerischen Schulsystems verfügt über Selektionsmechanismen, die zur Benachteiligung von Kindern aus
sozial schwachen Familien und von Kindern aus
Familien mit Migrationshintergrund führen. In integrativen Schulsystemen hingegen sind solche Mechanismen weitaus weniger wirksam.
Da die Struktur des bayerischen Schulsystems bislang sehr zurückhaltend gegenüber Veränderungen war und auch kaum Experimentierfreudigkeit
besteht, gilt es auf kommunaler Ebene nach geeigneten zusätzlichen Maßnahmen zu suchen. Dabei
spielt sicherlich die Erwachsenenbildung eine große
Rolle wie auch ernstgemeinte Integrationsbemühungen bei Menschen mit Migrationshintergrund.
Das gegebene Schulsystem ist nicht voraussetzungslos: Bestimmte Kompetenzen werden von
Kindern beim Eintritt in ihre Schullaufbahn bereits
erwartet. Diese sind in der Regel bei sozial benachteiligten Kindern weniger stark ausgeprägt. Besondere Bedeutung haben gute Kenntnisse der deutschen Sprache. Eine entsprechende Förderung
im Elementarbereich könnte helfen, die durch das
Schulsystem verstärkte Ungleichheit im Vorfeld zu
verringern.
Es sind viele verschiedene Faktoren, die zu sozialer
Ungleichheit führen. Ebenso vielfältig sind die Folgen. Armut und Reichtum lassen sich nicht allein auf
den Faktor „Einkommen“ reduzieren. Es handelt sich
um komplexe Lebenslagen. Der Schweizer Sozialwissenschaftler Peter Tschümperlin hat dies sehr
anschaulich in einem Modell zusammengefasst,
dem „Pentagon der Armut“.
Tschümperlin nennt dabei fünf Ebenen: „Biografie und Persönlichkeit“, „soziale Netze“, „Arbeit und
Einkommen“, „Kosten und Konsum“ sowie „gesellschaftliche Werthaltungen“. Diese Ebenen bilden die
Eckpunkte eines aufeinander bezogenen Gebildes,
welches negativ beeinflusst wird, sobald es auch nur
an einer Stelle zu Einschnitten kommt.
Vor allem steht die Vernetztheit der Lebensbereiche
im Mittelpunkt. Die einzelnen Ebenen geben einen
umfassenden Überblick über die Facetten der Armut,
welche hier abschließend dargestellt werden sollen.

Das „Pentagon der Armut“ nach Peter
Tschümperlin
Biografie und Persönlichkeit:
•	 Alter; Krankheit; Behinderung; Gebrechlichkeit
•	 Mangelnde intellektuelle Fähigkeiten
•	 Sozialisationsdefizite
•	 Stigmata; Diskriminierung
•	 Passivität; Fatalismus; Suchtverhalten
•	 Fehlender Zeithorizont; Frustrationsintoleranz
•	 Übertriebene Anspruchshaltung; mangelnde Leistungsbereitschaft
Soziale Netze:
•	 Bedeutungsverlust von Familie und Verwandtschaft
•	 Krisenanfälligkeit der Kleinfamilie; Scheidung
•	 Alleinerziehung
•	 Anonymes Wohnen ohne Nachbarschaftsbeziehungen
•	 Fehlende Beziehungen am Arbeitsplatz
Arbeit und Einkommen:
•	 Mangelnde Bildung/Ausbildung
•	 Rationalisierung von Arbeitsprozessen; weniger
Nischen für Leistungsschwache; Verengung des
Marktes für Ungelernte – niedrigere Löhne
•	 Hohe geografische und professionelle Mobilitätsanforderungen
•	 Schlechte Arbeitsverteilung; zu wenig Teilzeitstellen
•	 Lücken im Sozialversicherungssystem; kleine
oder uneinbringliche Alimente; geringe Kinderzulagen
•	 Arbeitslosigkeit
Kosten und Konsum:
•	 Aggressive Werbung; übertriebenes Konsumbedürfnis
•	 Verschuldung; Konsumentenkredite
•	 Steigende Freizeitkosten
•	 Zu hohe Kosten für die Befriedigung von Grundbedürfnissen
(Wohnen,
Sozialversicherung,
Ernährung)
•	 Fehlende Zeit zum preisbewussten Einkaufen
•	 Hohe Kosten für professionelle Fremdbetreuung
der Kinder
Gesellschaftliche Werthaltungen:
•	 Wandel von natürlicher zu künstlicher (rechtlicher) Subsidiarität – Sozialrechte statt zwischenmenschlicher Verantwortlichkeit
•	 Auf persönliche Autonomie zielendes Selbstverwirklichungsstreben
•	 Gewinn von Status und Selbstwertgefühl über
Konsum
•	 Extreme Leistungsbezogenheit

60

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Biografie/
Persönlichkeit

Soziale
Netze

Arbeit/
Einkommen

Gesellschaftliche
Werthaltungen

Kosten/
Konsum

Gerhard Plietsch, 08/2009
Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

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Statistische Bezirke der Stadt Erlangen
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62

Altstadt
Markgrafenstadt
Rathausplatz
Tal
Heiligenloh
Alterlangen
Steinforst
Burgberg
Meilwald
Sieglitzhof
Loewenich
Buckenhofer Siedlung
Stubenloh
Röthelheim
Sebaldus
Röthelheimpark
Anger
Rathenau
Schönfeld
Forschungszentrum

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50	
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60	
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70	
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73	
74	
75	
76	
77	
78	
80	
81	
82	

Bachfeld
Bierlach
Eltersdorf
St. Egidien
Tennenlohe
Neuses
Frauenaurach
Kriegenbrunn
Hüttendorf
Kosbach
In der Reuth
Häusling
Steudach
Industriehafen
Büchenbach Dorf
Büchenbach Nord
Büchenbach West
Dechsendorf West
Dechsendorf Ost
Mönau

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

Statistische Distrikte der Stadt Erlangen

Stadt Erlangen, Statistik aktuell 11/2009

63

Stadt Erlangen
Abteilung Statistik und Stadtforschung
Postfach 3160
91051 Erlangen
(09131) - 86 2563
statistik@stadt.erlangen.de
www.erlangen.de/statistik
        
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