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Full text: Positionen des Deutschen Städtetages zur Flüchtlingspolitik

Positionen des Deutschen Städtetages zur Flüchtlingspolitik
Vielerorts sind die Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge erschöpft und die Grenzen der
Leistungsfähigkeit erreicht. Deswegen macht der Deutsche Städtetag folgende Positionen zur
Flüchtlingspolitik geltend:

-

Zuwanderung steuern und reduzieren
Kommunen nicht überfordern
Integration neu ausrichten

Die deutschen Städte sehen sich auch weiterhin gemeinsam mit Bund und Ländern in der
Verantwortung, Bürgerkriegsflüchtlinge und politisch Verfolgte, die schutzbedürftig sind, bei
sich aufzunehmen und angemessen zu versorgen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den
Kommunalverwaltungen ebenso wie viele Ehrenamtliche leisten Hervorragendes, um die
Flüchtlingszuwanderung zu bewältigen. Die Kommunen in Deutschland sind es, die die
Hauptlast bei der Aufnahme der Flüchtlinge zu leisten haben. Es muss daher im ureigensten
Interesse von Bund und Ländern sein, die Kommunen bei der Erfüllung dieser Aufgabe nach
Kräften zu unterstützen.

Flüchtlingsaufnahme nur zu bewältigen, wenn Zuwanderung gesteuert und
reduziert wird


Die Kapazitäten zur Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen
stoßen vielerorts an ihre Grenzen. Eine weitere Zuwanderung wird nur zu bewältigen
sein, wenn sie unter besonderer Berücksichtigung des Familiennachzugs wirkungsvoller
gesteuert und reduziert wird.

Fluchtursachen beseitigen, Zuwanderung nach Europa steuern, für gerechte
Verteilung in Europa sorgen


Deutschland muss sich mit allen seinen Partnern dafür einsetzen, dass die kriegerischen
Auseinandersetzungen in den Herkunftsländern der Flüchtlinge beendet und andere
Fluchtursachen beseitigt werden.



Die Aufnahme von Flüchtlingen in Nachbarländern muss Vorrang vor Fluchtbewegungen
nach Europa behalten. Daher müssen diese Länder nachhaltig unterstützt und dazu
bewogen werden, Flüchtlingen akzeptable Lebensbedingungen ggf. auch für längere
Zeiträume zu bieten.



Die Außengrenzen der Europäischen Union müssen besser geschützt werden. Hierzu und
zum Aufbau europäischer Erstaufnahmeeinrichtungen („Hotspots“) müssen die
Mitgliedsstaaten das erforderliche Personal bereitstellen.

-2

Die Mitgliedsstaaten der EU bleiben dringend aufgefordert, einen neuen Rechtsrahmen
und einen Konsens über eine gerechte Verteilung von Asylbewerbern und Flüchtlingen in
der EU zu finden. In den Augen der deutschen Städte ist dies ein entscheidender Prüfstein
für den solidarischen Zusammenhalt in der Europäischen Union.

Ungeregelte und unbegrenzte Zuwanderung verhindern


Bereits an den Außengrenzen der EU ist für eine wirkungsvolle Registrierung von Asylbewerbern und Flüchtlingen zu sorgen. Es darf nicht länger zugelassen werden, dass sich
Hunderttausende von Flüchtlingen unregistriert in Europa aufhalten.



Die Asylbegehren insbesondere von Menschen aus sicheren Herkunftsländern wie den
Westbalkanstaaten sollten wie von der Regierungskoalition beabsichtigt in besonderen
Aufnahmeeinrichtungen in einem beschleunigten Verfahren geprüft und entschieden
werden.



Erforderliche Rückführungen müssen erheblich wirkungsvoller durchgeführt werden als
in der Vergangenheit.



Bund und Wirtschaft sind gefordert, möglichen Asylbewerbern insbesondere aus den
Westbalkanstaaten den Weg über legale Zuwanderung zur Aufnahme einer
Beschäftigung zu ermöglichen.

Bearbeitungskapazitäten bei Bund und Ländern ausbauen


Nachdem der bisherige Ausbau der Entscheider-Kapazitäten beim Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge (BAMF) nur schleppend verlief, bleibt die Bundesregierung
aufgefordert, hier rasch und umfassend für Abhilfe zu sorgen. Die Entscheider-Kapazitäten des BAMF bleiben Dreh- und Angelpunkt für die dringend gebotene
Beschleunigung der Asylverfahren.



Asylbewerber müssen solange in Erstaufnahmeeinrichtungen verbleiben, bis ihr Bleiberechtsstatus geklärt ist. Die erforderlichen Kapazitäten in Erstaufnahmeeinrichtungen
müssen dringend weiter ausgebaut werden. Das Angebot des Bundes, hierzu Bundeseinrichtungen zur Verfügung zu stellen, ist zu begrüßen. Die Länder bleiben aufgefordert,
unter Berücksichtigung der Aufnahmekapazität der aufnehmenden Städte den Ausbau
eigener Kapazitäten energisch fortzusetzen.



Der vorgesehene Flüchtlingsausweis wird erheblich zur Verfahrensvereinfachung
beitragen und ist einschließlich der erforderlichen Dateninfrastruktur rasch einzuführen.

Für angemessene Finanzierung der kommunalen Ausgaben sorgen


Die Länder bleiben aufgefordert, die vom Bund im Rahmen des Asylpaketes 1 bewilligte
Unterstützung in Höhe einer Pro-Kopf-Pauschale von zunächst 670 Euro aufgabenbezogen an die Kommunen weiterzugeben. Eine Verrechnung mit den bisher von den
Ländern geleisteten Refinanzierungsmitteln darf nur insoweit erfolgen, als eine
vollständige Kostenerstattung gesichert bleibt.

-3

Die Städte erwarten einen hohen Anstieg bei den Ausgaben für die Kosten der Unterkunft
im SGB II. Der Bund wird aufgefordert, den flüchtlingsbedingten Anstieg der Kosten der
Unterkunft im SGB II vollständig zu übernehmen.

Integration neu ausrichten


Die Aufwendungen von Bund und Ländern für Maßnahmen der Integration müssen
erheblich ausgeweitet werden, um schon rein quantitativ den steigenden Bedürfnissen
nach Integrationsleistungen gerecht zu werden. Dies betrifft die Ausweitung des
Angebots an Sprach- und Integrationskursen, der Förderung von Kindern und
Jugendlichen in Kindertagesbetreuung und Schulen, die Nachholung von Ausbildungsabschlüssen und der Weiterbildung. Hinzu kommen die erforderlichen Maßnahmen zur
Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt und zur
Mobilisierung eines ausreichenden Angebots an Wohnraum. Integrationsangebote sollten
grundsätzlich verpflichtend ausgestaltet werden. Insgesamt werden Bund und Länder
aufgefordert, die Kommunen finanziell in die Lage zu versetzen, die notwendigen
Integrationsleistungen zu erbringen.



Die Jobcenter müssen finanziell in die Lage versetzt werden, die große Zahl von
Flüchtlingen, die ins SGB II-System kommen werden, in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Neben der finanziellen Ausstattung bedarf es darüber hinaus spezifischer Arbeitsmarktinstrumente.



Die Integrationspolitik von Bund, Ländern und Kommunen muss auf die Besonderheiten
zumal der Flüchtlinge aus den arabischen Ländern neu ausgerichtet werden. Dies betrifft
den Stand an formaler Ausbildung und beruflichen Fertigkeiten, aber etwa auch die
kulturelle Prägung der Zuwanderer.



Insgesamt schlägt der Deutsche Städtetag eine „Gemeinschaftsinitiative Integration“ vor,
die eine Mehr-Ebenen-Strategie entwickelt und realisiert, so dass die Handlungsebenen
von Bund, Ländern und Kommunen kooperativ verbunden werden.

Hauptgeschäftsstelle Berlin, Hausvogteiplatz 1, 10117 Berlin, Tel. 030 37711-0, Fax 030 37711-139
Hauptgeschäftsstelle Köln, Gereonstraße 18 - 32, 50670 Köln, Tel. 0221 3771-0, Fax 0221 3771-128
Internet: www.staedtetag.de, E-Mail: post@staedtetag.de
        
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