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Periodical volume

Full text: Bericht zum Anerkennungsgesetz Issue 2016

Bericht zum
Anerkennungsgesetz 2016

Beschluss des Bundeskabinetts vom 8. Juni 2016

Die Bundesregierung beschließt den von der Bundesministerin für Bildung und Forschung vorgelegten
„Bericht zum Anerkennungsgesetz 2016“.

Wichtige Ergebnisse auf einen Blick
�
rte 

entie

m
 regle
Nicht
e
Beruf

5,2 %

3,6 %
7,1 %
11,4 %

64

44.000

3,1 %
14,9 %

Anträge auf Anerkennung
gestellt.
.385

tierte 
5,2 %

2.214

In über

30,7 %

77,8 %

64,1 %

160.000

rte 

entie

m
Regle
e
Beruf

Anerkennungsberatungen bei
den IQ-Erstanlaufstellen, der
Hotline beim BAMF und den
Kammern wurden zwischen 2012
und 2015 Anerkennungsinteressierte über die Voraussetzungen
eines Anerkennungsverfahrens
informiert oder bei der Beschaffung der Dokumente unterstützt.

3,1 %
14,9 %

385

4.146

3.420

82 %

11

838

Anzahl der Neuanträge auf Berufsanerkennung deutlich gestiegen

Von 2012 bis 2014 wurden allein
30,7 %
zu bundesrechtlich geregelten
3
Berufen insgesamt
als
3.45mehr
,1 %

82 %

ierte 

8.775

12.057

13.485

2012

2013

2014

Nicht reglementierte Berufe
Reglementierte Berufe

ement
fe

Etwas mehr als zwei Drittel der
von 2012 bis 2015 bei den IQ-Erstanlaufstellen Beratenen waren ohne

Zwei Drittel der von 2012 bis
3.420

4.146

2.214

2015 bei den IQ-Erstanlaufstellen
und bei der Hotline beim BAMF
Beratenen hatten mindestens einen

Abschluss

3,6 %

12.057

13.485

2012

2013

2014

Nicht reglementierte Berufe
Reglementierte Berufe

einer Hochschule, ein Drittel
verfügte über einen oder mehrere
14.838
Ausbildungsabschlüsse.

Von ihnen bezogen knapp 70

Nicht reglementierte 
Berufe

Prozent (ergänzend) Leistungen

5,2 %

7,1 %

Alle Berufe

8.775

Erwerbstätigkeit. 

3.453

11,4 %

nach SGB II und/oder III sowie dem
Asylbewerberleistungsgesetz. Am
häufigsten wurde zu den

30,7 %
64,1 %
3,1 %
3,6 %

14,9 %
7,1 %

Alle Berufe

11,4 %

11.385
82 %

77,8 %
14.838

Reglementierte 
Berufe

Nicht reglementierte 
Berufe

Zielberufen
5,2 %

3.453

30,7 %

64,1 %
Lehrer/in, Ingenieur/in,
Gesundheits3,1 %
pfleger/in sowie Ärztin/Arzt
beraten.
14,9 %
11.385
82 %

77,8 %

Reglementierte 
Berufe

Im Zuge des neuen IQ-Handlungsschwerpunkts „ESF-Qualifizierung
im Kontext des Anerkennungsgesetzes“ wurden 2015 über

4.700 Beratungen zu

Qualifizierungen
durchgeführt. Rund 2.400
Personen nahmen an Qualifizierungsmaßnahmen teil.

Knapp 20 Prozent der bei
den IQ-Erstanlaufstellen in der
zweiten Jahreshälfte 2015 Beratenen waren Flüchtlinge.
Syrerinnen und Syrer stellten

mit knapp 60 Prozent den
mit Abstand größten Anteil an
beratenen

Flüchtlingen.
�

Island
3
Finnland
12

Schweden 
12

Antragszahlen 2014 nach
Staatsangehörigkeiten (Europa)

Norwegen
3

Estland
15

1–100
Anträge

Dänemark
9

100–500 500–1.000 über 1.000
Anträge Anträge
Anträge

Lettland
111

Russische Föderation
564

Litauen
135
Irland
12

Antragszahlen 2014
nach Weltregionen
Europa (Kontinent)

14.202
2.166

Afrika

786

Südamerika

219

Australien und
Ozeanien

Vereinigtes
Königreich Belgien
48
42

Weißrussland
93
Polen
1.359

Deutschland
2.283
Tschechische 
Republik   321

Luxemburg 
24

Asien

Nord-, Mittelamerika &
Karibik

Niederlande
222

Frankreich
72

Österreich
405
Ungarn
675

Schweiz
81
Italien
513

150

Slowenien 
75

27
Portugal
156

Nordafrika 
609

Rumänien
1.446

Moldau
36

Serbien (ohne Kosovo)
3,6 % 516
Bulgarien
429
7,1 % Mazedonien 
147

Alle Berufe
Spanien
864

Ukraine
354

Slowakei
282

Monte­
negro
18
Bosnien und
Herzegowina
14.838
909
Albanien 
Kroatien 111
Kosovo
675
153

567

11,4 %

Griechenland
567

Türkei
414

Zypern 
27

77,8 %

Großteil der Anträge führte 2014 zur vollen Gleichwertigkeit

3,6 %

Nicht reglementierte 
Berufe
5,2 %

7,1 %

Alle Berufe

11,4 %

3.453

30,7 %
64,1 %
3,1 %

14.838

14,9 %
11.385
82 %

77,8 %

Reglementierte 
Berufe
volle Gleichwertigkeit
keine Gleichwertigkeit

Auflage einer Ausgleichsmaßnahme
teilweise Gleichwertigkeit

1

Inhalt
Vorwort

3

Zusammenfassung

4

1. Rechtsgrundlagen der Anerkennung weiterentwickelt –
Aufenthalts- und Asylrecht angepasst

8

1.1 Modernisierung der Anerkennungsverfahren – BQFG setzt den Auftakt auf Bundesebene..........................9

1.2 Modernisierung auch der Berufsgesetze des Bundes.......................................................................................... 10

1.3 Einheitliche Ansprechpartner und neues Beratungszentrum............................................................................ 13

1.4 Anerkennungs- und Berufsgesetze der Länder ebenfalls novelliert ................................................................ 14

1.5 Änderungen im Aufenthaltsrecht und die Inanspruchnahme des Anerkennungsgesetzes......................... 14


2. Information und Beratung – weiterhin hohes Interesse

16

2.1 Intensive Nutzung der etablierten Informationsangebote................................................................................ 17

2.2 Erstberatung bei IQ-Erstanlaufstellen und BAMF-Hotline stark nachgefragt.............................................. 18

2.3 Hohes Beratungsaufkommen bei den zuständigen Stellen ............................................................................... 22

2.4 Informations- und Beratungsangebote im Ausland werden weiter ausgebaut ............................................. 24


3. Amtliche Statistik – steigende Nachfrage bei sinkender Ablehnungsquote 26

3.1 Anträge bei nicht reglementierten Berufen und aus dem Ausland deutlich angestiegen ........................... 27

3.2 Antragstellende aus der EU überwiegen – Steigerung auch bei Drittstaaten ................................................ 28

3.3 Anerkennungsquoten auf hohem Niveau.............................................................................................................. 30

3.4 Zügige Gleichwertigkeitsverfahren und hohe Akzeptanz der Entscheidungen ............................................. 32


4. Anerkennungsverfahren – aktuelle Entwicklungen

33

4.1 Anerkennungsverfahren nehmen auch in den dualen Ausbildungsberufen zu ............................................ 34

4.2 Heilberufe – Wege zu einheitlichen Standards und Verfahren.......................................................................... 34

4.3 Anerkennung bei fehlenden oder unvollständigen Unterlagen........................................................................ 41


2

5. Kosten und Finanzierungsinstrumente

44

5.1 Verfahrensgebühren bilden mitunter nur kleineren Teil der Gesamtkosten .................................................. 45

5.2 Förder- und Finanzierungsinstrumente weiter ausgebaut................................................................................. 48

5.3 Finanzierungslücken .................................................................................................................................................. 51


6. Arbeitsmarktchancen erhöhen – Qualifizierungsangebote ausbauen

53

6.1 Großes Interesse an der neuen IQ-Qualifizierungsberatung ............................................................................ 54

6.2 IQ-Qualifizierungsmaßnahmen gut angenommen ............................................................................................. 58


7. Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden in den Arbeitsmarkt

60


7.1 Flüchtlinge und Asylsuchende können vom Anerkennungsgesetz profitieren.............................................. 61

7.2 Unterstützungsmöglichkeiten werden weiter ausgebaut .................................................................................. 61

7.3 Viele junge und gut qualifizierte Flüchtlinge in der IQ-Erstberatung............................................................. 63

7.4 Viele positive Anerkennungsbescheide.................................................................................................................. 67


Anhang

69


Datensatzbeschreibungen ................................................................................................................................................ 70

Abbildungsverzeichnis ...................................................................................................................................................... 72

Tabellenverzeichnis............................................................................................................................................................ 73

Abkürzungsverzeichnis ..................................................................................................................................................... 74

Literaturverzeichnis ........................................................................................................................................................... 75


Impressum

77

3

Vorwort
Bildung, Wissenschaft, Arbeit und Innovation sind
die Grundlagen unseres heutigen Wohlstands. Wir
verzeichnen einen erfreulich hohen Beschäftigungs­
stand, gleichzeitig herrscht in manchen Bereichen ein
akuter Fachkräftemangel. Daher müssen alle Hebel in
Bewegung gesetzt werden, um vorhandene Kompe­
tenzen und Qualifikationen jeder und jedes Einzelnen
auszuschöpfen und weiterzuentwickeln.
Hierzu trägt die Bundesregierung durch die Stärkung
der beruflichen Aus- und Weiterbildung bei, beispiels­
weise durch den Ausbau des Meister-BAföGs. Wirt­
schaft und Politik müssen aber ebenso dafür Sorge
tragen, dass vorhandene berufliche Qualifikationen
besser berücksichtigt und Perspektiven für eine
adäquate Beschäftigung eröffnet werden. Hier greifen
die neuen Regelungen zur Anerkennung ausländischer
Berufsabschlüsse: Seit Einführung des Anerkennungs­
gesetzes im Jahr 2012 haben sich diese zu einem wich­
tigen Baustein der Fachkräfte- und Integrationspolitik
entwickelt. Im Zusammenspiel mit einer Vielzahl
von unterstützenden Maßnahmen wird das deutsche
Anerkennungsgesetz von internationalen Beobachtern
als wegweisend und beispielgebend bewertet.
Das Jahr 2015 wurde entscheidend durch die vielen Asyl­
suchenden und Flüchtlinge geprägt, die in Deutschland
Schutz gesucht haben. Das beeindruckende gesellschaftli­
che Engagement unzähliger Ehren- und Hauptamtlicher,
Betriebe und Institutionen hat ihre erste Aufnahme
ermöglicht. Für diejenigen mit Bleibeperspektive kann
eine zügige Integration in Bildung und Arbeit gelingen,
wenn bewährte Instrumente wie die Regelungen zur Be­
rufsanerkennung eine konsequente Anwendung finden.
Darüber hinaus besteht auf dem deutschen Arbeitsmarkt
auch weiterhin Bedarf an qualifizierten Fachkräften aus
dem Ausland. Ein individuelles und transparentes Ver­
fahren zur Anerkennung bereits erworbener beruflicher

Qualifikationen ist ein ausschlaggebender Faktor für ihre
Zuwanderung nach Deutschland.
Aus dem Monitoring zum Anerkennungsgesetz der letz­
ten Jahre wissen wir bereits, dass eine zielgruppenspezi­
fische Information und Beratung der Schlüssel für eine
erfolgreiche Berufsanerkennung ist. Diese Angebote
wurden 2015 beständig nachgefragt und ausgebaut.
Eine wichtige Neuerung in diesem Zusammenhang ist
die Ausweitung der Qualifizierungsangebote im Förder­
programm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“.
Diese Angebote bauen eine Brücke für Personen, denen
im Anerkennungsverfahren noch keine volle Gleich­
wertigkeit ihres Abschlusses beschieden werden kann.
Insgesamt zeigt der vorliegende Bericht, dass die
Anerkennungsregelungen weiter modernisiert wurden
und sich das Anerkennungsgeschehen in Deutschland
positiv entwickelt hat. Das Interesse an den Aner­
kennungsverfahren hat noch einmal deutlich zuge­
nommen, die Beratungs- und Antragszahlen steigen
kontinuierlich. Gleichzeitig konnten die Verfahren
weiter vereinheitlicht und die Schnittstellen zu an­
deren Rechtsbereichen verbessert werden. Auf diesen
Erfolgen können wir aufbauen und gerade in Zeiten
einer erhöhten Zuwanderung möglichst vielen den
Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Die
Bundesregierung wird darauf mit allen Beteiligten im
Anerkennungsgeschehen hinwirken und gemeinsam
mit ihnen neuen Herausforderungen begegnen. Es ist
mein Ziel, eine Kultur der Berufsanerkennung in Wirt­
schaft, Verwaltung und Gesellschaft weiter zu stärken,
um vorhandene Potenziale zu nutzen und zusätzliche
Chancen zu eröffnen.

Prof. Dr. Johanna Wanka
Bundesministerin für Bildung und Forschung

4

Zusammenfassung

ZUSAMMENFASSUNG

Vorhandene Qualifikationen nutzen, Chancen
am Arbeitsmarkt umsetzen
Der vorliegende Bericht bestätigt erneut, dass das Aner­
kennungsgesetz ein wichtiger Baustein im Instrumen­
tenkasten zur Fachkräftesicherung in Deutschland ist,
indem es zur Entfaltung neuer Beschäftigungsperspek­
tiven und gesellschaftlicher Teilhabechancen beiträgt.
Zudem erweitert es die Möglichkeiten zur legalen
Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland.
Seit der Einführung des Anerkennungsgesetzes ist das
Interesse an der Berufsanerkennung stetig gewachsen.
Im Berichtsjahr wurden die Regelungen zum Anerken­
nungsverfahren vereinfacht und Aktivitäten zum ein­
heitlichen Vollzug vorbereitet. Weiterhin dokumentiert
der vorliegende Bericht, dass die Rahmenbedingungen
für Beratung und Verfahren weiter verbessert und ins­
besondere die Förderung von Anpassungsqualifizierun­
gen ausgebaut wurden.

Rechtsgrundlagen weiterentwickelt,
Anerkennungsverfahren vereinheitlichen
Im Jahr 2015 wurden Änderungen an den BQFG und
Berufsgesetzen von Bund und Ländern auf den Weg
gebracht, um die novellierte EU-Richtlinie umzusetzen.
Zu den Neuerungen gehören vor allem Vereinfachun­
gen beziehungsweise Verbesserungen für EU-Bürge­
rinnen und -Bürger. Die drei wichtigsten Neuerungen
sind die Einführung des Europäischen Berufsauswei­
ses, eines Vorwarnmechanismus sowie des partiellen
Berufszugangs.
Trotz mancher Unterschiede, bedingt durch die
föderale Grundstruktur, sind die Grundlagen für eine
weitere Vereinheitlichung der Anerkennungsverfahren
gelegt. Durch die im Januar 2016 neu eingerichtete
länderübergreifende Gutachtenstelle für die Gesund­
heitsberufe ist mehr Einheitlichkeit in der Umsetzung
der Anerkennungsverfahren zu erwarten. Die Aufgabe
der neuen Gutachtenstelle ist zunächst, eine einheit­
liche Umsetzung der vorhandenen Maßstäbe für die
Gleichwertigkeitsprüfung (zum Beispiel für Ärzte und
Gesundheits- und Krankenpfleger) zu gewährleisten.
Darüber hinaus bietet der ständige Austausch zwi­
schen Bund und Ländern sowie der Kammern wichtige
Impulse für weitere Vereinheitlichungen im Verwal­
tungsvollzug. So konnten zum Beispiel gemeinsam mit

5

den Ländern im Bereich der Gesundheitsberufe weitere
Verbesserungen insbesondere im Umgang mit Aus­
landsanträgen, bei den Antragsunterlagen und Sprach­
nachweisen sowie beim Umgang mit Flüchtlingen
erreicht werden.

Aufenthalts- und Asylrecht angepasst, Flüchtlinge
und Asylsuchende integrieren
Im Aufenthaltsrecht wurde eine Lücke geschlossen:
Seit August 2015 können Visa auch für Anpassungsqua­
lifizierungen im Rahmen von Anerkennungsverfahren,
insbesondere zum Erwerb der vollen Gleichwertigkeit
oder zum Ausgleich fehlender Spracherfordernisse er­
teilt werden. Damit werden die Möglichkeiten der lega­
len Zuwanderung für Fachkräfte weiter erhöht. Von der
im internationalen Vergleich weitreichenden Regelung
der sogenannten Qualifikationsanalyse können auch
Flüchtlinge und Asylsuchende mit formalem Abschluss
profitieren, wenn keine oder nicht ausreichend Unter­
lagen vorliegen. Auf Bundes- und Landesebene werden
weitreichende Unterstützungsmöglichkeiten für die
Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen und Asyl­
suchenden ausgebaut, unter anderem Sprachangebote
sowie frühzeitige arbeitsmarktliche Unterstützung,
die nicht zuletzt auch die Anerkennung ausländischer
Abschlüsse im Blick haben.
Diejenigen Flüchtlinge, die IQ-Erstanlaufstellen
aufsuchen, tun dies überwiegend bereits kurz nach
ihrer Ankunft in Deutschland. Viele sind jung und
hoch qualifiziert. Syrerinnen und Syrer stellen mit
gut 60 Prozent den mit Abstand größten Anteil an
beratenen Flüchtlingen dar. An zweiter und dritter
Stelle folgen iranische und afghanische Staatsange­
hörige. Von 2012 bis 2014 stellten Staatsangehörige
der Hauptherkunftsstaaten von Flüchtlingen in
Deutschland insgesamt über 2.800 Anträge nach dem
Anerkennungsgesetz des Bundes. Viele der Verfahren
wurden positiv beschieden, bei den Verfahren von
Syrerinnen und Syrern wurde bei mehr als drei Viertel
die volle Gleichwertigkeit festgestellt.

Hohes Interesse an Information und Beratung
Auch dieser Bericht zeigt, dass zielgruppenspezifi­
sche Informationen und Beratungen eine zentrale
Brücke in eine gelingende Berufsanerkennung und
Arbeitsmarktintegration sind. Die etablierten Infor­
mationsangebote „Anerkennung in Deutschland“

6

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

(Anerkennungs-Portal), anabin und BQ-Portal (Daten­
banken) werden intensiv genutzt. Die Zugriffszahlen
sind im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Für
die Bedürfnisse der Flüchtlinge und Asylsuchenden
werden zusätzliche Informations- und Serviceangebo­
te geschaffen, wie etwa die neue Anerkennungs-App
des Anerkennungs-Portals oder die Einführung eines
arabischen Sprachangebots.
Mit den IQ-Erstanlaufstellen und der BAMF-Hotline
bietet der Bund eine flächendeckende und qualitätsge­
sicherte Anerkennungsberatung an. Allein hier haben
seit Start des Anerkennungsgesetzes über 105.000 Per­
sonen Beratung in Anspruch genommen. Die BAMFHotline wird vermehrt vom Ausland aus kontaktiert.
Vor allem der Anteil an Anerkennungsinteressierten,
die ihren Wohnsitz in einem der Drittstaaten haben,
hat sich hier vervierfacht. Am häufigsten wird bei der
BAMF-Hotline und den IQ-Erstanlaufstellen zu Leh­
rerin und Lehrer, Ingenieurin und Ingenieur, Gesund­
heits- und Krankenpflegerin und -pfleger sowie Ärztin
und Arzt beraten.
Um dem steigenden Bedarf an Beratung bereits im
Ausland begegnen zu können, werden im Rahmen des
neuen Projekts „ProRecognition“ Beratungsstellen bei
acht Auslandshandelskammern und Delegationen der
deutschen Wirtschaft eingerichtet.

Anstieg der Antragszahlen
Zwischen 2012 und 2014 wurden mehr als 44.000 An­
träge auf Berufsanerkennung eines nach dem Aner­
kennungsgesetz des Bundes geregelten Berufs gestellt,
davon gut 17.600 Anträge im Jahr 2014. Hinzu kom­
men allein im Jahr 2014 über 6.600 Anerkennungs­
verfahren für landesrechtliche Berufe. 78 Prozent
der im Jahr 2014 erteilten rund 15.000 Bescheide zu
bundesrechtlichen Berufen stellten eine volle Gleich­
wertigkeit fest. Die Ablehnungsquote ist mit 3,6 Pro­
zent erneut äußerst niedrig. Der Anteil der Anträge
auf Anerkennung eines nicht reglementierten Refe­
renzberufs stieg auf gut 23 Prozent an. Die häufigsten
Ausbildungsstaaten der Neuantragstellenden waren
Polen, Rumänien sowie Bosnien und Herzegowina.
Mehr als 60 Prozent der Anträge 2014 bezogen sich auf
die Anerkennung als Ärztin beziehungsweise Arzt oder
Gesundheits- und Krankenpflegerin beziehungsweise
-pfleger, also auf Berufe mit hohem Fachkräftemangel.

Die Zahl durchgeführter Qualifikationsanalysen, die
im Rahmen der amtlichen Statistik gemeldet wurden,
ist von Jahr zu Jahr gestiegen. Der Blick auf die Ergeb­
nisse zeigt, dass rund 85 Prozent der Teilnehmenden
aufgrund der durchgeführten Qualifikationsanalyse
Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten nachweisen
konnten, die sie über erforderliche Dokumente nicht
belegen konnten.

Qualifizierungsangebote ausbauen, Finanzierungs­
instrumente stärken
Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizie­
rung (IQ)“ wurde in der Förderperiode 2015 bis 2018
um den Handlungsschwerpunkt „ESF-Qualifizierung
im Kontext des Anerkennungsgesetzes“ erweitert.
Im ersten Jahr wurden insgesamt 184 ESF-geförderte
Qualifizierungsmaßnahmen mit gut 2.500 Teilneh­
menden durchgeführt, mehr als 4.700 Interessierte
haben die neue Qualifizierungsberatung der IQAnlaufstellen in Anspruch genommen. Drei Viertel
der Maßnahmen waren Ausgleichsmaßnahmen im
reglementierten Bereich sowie Brückenmaßnahmen
für Akademikerinnen und Akademiker. Der Sprach­

ZUSAMMENFASSUNG

förderung kam in allen Qualifizierungsbereichen ein
großer Stellenwert zu.
Verfahrensgebühren machen nur einen Teil der
Gesamtkosten für eine Anerkennung aus. Es entste­
hen weitere Kosten, wie zum Beispiel Beschaffung
von Unterlagen für den Antrag oder für eine weitere
Qualifizierung zur Erreichung der (vollen) Anerken­
nung. Die bestehenden Finanzierungsinstrumente
wurden weiterentwickelt und zum Teil durch neue
Angebote ergänzt. Dazu zählen neue Förderinstru­
mente auf Landesebene wie zum Beispiel neben dem
etablierten Stipendienprogramm in Hamburg geplante
Programme in Berlin oder Baden-Württemberg. 2015
ist im Programm IQ neben den ESF-Qualifizierungen
im Kontext des Anerkennungsgesetzes die Individual­
förderung als Instrument auf Bundesebene hinzuge­
kommen. Dennoch können individuell weiter Finan­
zierungslücken bestehen, beispielsweise im Bereich
der Verfahrenskosten.

7

Fazit: Hohe Nachfrage und wirkungsvolle
Rahmenbedingungen
Die dargestellten Änderungen der Anerkennungs­
regelungen und die eingeleiteten Maßnahmen zur
notwendigen Vereinheitlichung der Verwaltungspraxis
werden die Wirkung des Anerkennungsgesetzes weiter
verstärken. Zur Entfaltung dieser Potenziale können
die beschriebenen Begleitprojekte beitragen, die es
weiter auszuweiten gilt. Vertiefte Untersuchungsergeb­
nisse zur Wirkung des Anerkennungsgesetzes werden
im Jahr 2017 mit einem gesonderten Evaluationsbe­
richt vorgelegt.
Perspektivisch ist nicht zuletzt angesichts steigender
Flüchtlingszahlen mit einem weiteren Zuwachs an
Anerkennungsverfahren zu rechnen. Der Bericht
zeigt auf, dass bereits heute förderliche Rahmenbe­
dingungen aufgebaut wurden, damit das Instrument
der Berufsanerkennung einen kraftvollen Beitrag zur
Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt
leisten kann.

8

1.

Rechtsgrundlagen der Anerkennung
weiterentwickelt – Aufenthalts- und
Asylrecht angepasst

RECHTSGRUNDLAGEN DER ANERKENNUNG WEITERENTWICKELT – AUFENTHALTS- UND ASYLRECHT ANGEPASST

Im zurückliegenden Jahr haben Bund und Länder eine
Modernisierung ihrer Berufsqualifikationsfeststellungs­
gesetze (BQFG) sowie der zahlreichen Berufsgesetze und
berufsbezogenen Rechtsverordnungen auf den Weg
gebracht. Die Weiterentwicklung des rechtlichen Rah­
mens war insbesondere zur Umsetzung der novellierten
EU-Berufsanerkennungsrichtlinie in nationales Recht
erforderlich.1 Die neue EU-Richtlinie zielt darauf ab, für
Bürgerinnen und Bürger den Arbeitsmarktzugang in
einem anderen EU-Mitgliedstaat zu vereinfachen.
Darüber hinaus sind Änderungen im Aufenthalts- und
Asylrecht in Kraft getreten, die unter anderem eine
engere Verzahnung zwischen Anerkennungs- und
Zuwanderungsrecht beinhalten. Sie ermöglichen die
Zuwanderung für Qualifizierungsmaßnahmen im
Kontext eines Anerkennungsverfahrens. Zudem sind –
bedingt durch die Flüchtlingszuwanderung – eine
Reihe von Änderungen vorgenommen worden, die
auch Auswirkungen auf die Berufsanerkennung haben.
Abbildung 1 veranschaulicht den Zusammenhang
zwischen den Änderungen.

1.1 Modernisierung der
Anerkennungsverfahren – BQFG
setzt den Auftakt auf Bundesebene
Die Novellierung der EU-Richtlinie 2005/36/EG über
die Anerkennung von Berufsqualifikationen durch die
Richtlinie 2013/55/EU2 musste in Deutschland sowohl
in den BQFG als auch in den Berufsgesetzen von Bund
und Ländern umgesetzt werden. Die aktuellen Neue­
rungen zielen im Wesentlichen darauf ab, Verbesserun­
gen für Personen zu erzielen, die in der EU qualifiziert
oder bereits anerkannt sind und in einem anderen
Mitgliedstaat arbeiten möchten. Dadurch soll die Mobi­
lität von Arbeitskräften innerhalb des Europäischen
Binnenmarktes erhöht werden. Entsprechend dem
Anwendungsbereich der EU-Richtlinie betreffen die
Änderungen primär reglementierte Berufe.
1	

Vgl. die Übersicht über den Änderungsbedarf im zweiten Bericht
zum Anerkennungsgesetz (BMBF 2015, S. 39 ff.).

2	

Richtlinie 2013/55/EU vom 20. November 2013 zur Änderung der
Richtlinie 2005/36/EG (ABl. L 354 vom 28. Dezember 2012, S. 132);
die Änderungsrichtlinie war bis zum 18. Januar 2016 in nationales
Recht der Mitgliedstaaten umzusetzen.

9

Manche Verfahrenserleichterungen werden durch das
elektronische Binnenmarkt-Informationssystem IMI
ermöglicht, an das nur EU- und EWR-Staaten ange­
schlossen sind. Andere Änderungen zur Verfahrens­
verbesserung gelten allerdings gleichermaßen auch
für Fachkräfte aus Drittstaaten. Es bleibt zu beobach­
ten, inwieweit sich hier noch weitergehende Fort­
schritte erzielen lassen werden.
Fristgerecht trat am 18. Januar 2016 das BQFG-Än­
derungsgesetz des Bundes zur Umsetzung der EUVorgaben im BQFG und in der Gewerbeordnung in
Kraft.3 Das dadurch aktualisierte Bundes-BQFG steht
weitgehend im Gleichklang mit den BQFG der Länder
und bietet eine Verweismöglichkeit für diejenigen
Fachgesetze und -verordnungen des Bundes, in denen
die Berufsanerkennung derzeit speziell geregelt wird.
Durch zahlreichere Verweise auf das BQFG könnte
nicht nur eine weitere Vereinheitlichung der Regelun­
gen bewirkt werden, sondern auch eine Erleichterung
für künftig notwendige Gesetzesänderungen.

Elektronische Antragstellung für die Anerkennung
von in Europa erworbenen Abschlüssen möglich
Aufgrund der Neuregelungen im EU-Recht können bei
reglementierten Berufen neben dem Anerkennungs­
antrag nunmehr auch die dazugehörigen Unterlagen
(Prüfungszeugnisse, Befähigungsnachweise etc.)
elektronisch übermittelt werden, sofern sie innerhalb
der Europäischen Union beziehungsweise des Europä­
ischen Wirtschaftsraums ausgestellt oder anerkannt
wurden. Damit kann für diese Berufe der gesamte An­
trag elektronisch eingereicht werden. Dies kann auch
beim sogenannten Einheitlichen Ansprechpartner des
Landes erfolgen, in dem der Beruf ausgeübt werden
soll. Er leitet die Unterlagen dann an die zuständige
Stelle weiter, die das Anerkennungsverfahren durch­
führt (vgl. Kap. 1.3).
Bei begründeten Zweifeln an der Echtheit der Unter­
lagen kann die zuständige Stelle über das elektronische
Binnenmarkt-Informationssystem IMI beim Her­
kunftsstaat Auskunft dazu erbitten oder sich von den
Antragstellenden beglaubigte Kopien vorlegen lassen.
3	

Gesetz zur Änderung des Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes
und anderer Gesetze (BQFG-ÄndG) vom 22. Dezember 2015, BGBl. I
Nr. 55, S. 2572, https://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/
de/1965_1964.php.

10

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Abbildung 1 Übersicht über die gesetzlichen Neuerungen
Nationale Umsetzung der Neuerungen
im EU-Berufsanerkennungsrecht

Veränderte Bedingungen der
Inanspruchnahme der Anerkennungsregeln

Berufs­
qualifikations­
feststellungsgesetz
des Bundes (BQFG)

Elektronisches
BinnenmarktInformations­
system
(IMI)-Verordnung
1024/2012

Anerkennungs­
regeln in den
Berufsgesetzen
des Bundes
(z. B. Heilberufe)

Änderungen
im Aufenthaltsund Asylrecht
des Bundes

Novellierung
der EU-Berufs­
anerkennungs­
richtlinie
2005/36/EG
16 BQFG
+ Berufsgesetze
der Länder

Quelle: BIBB

Mit der Möglichkeit der elektronischen Übermittlung
von Unterlagen können unter anderem Portokosten
eingespart und die Antragsverfahren beschleunigt
werden. Die Antragstellung per Post bleibt weiterhin
möglich.

Amtliche Statistik künftig
noch besser nutzbar
Darüber hinaus wurden in das BQFG nunmehr wei­
tergehende Übermittlungsmöglichkeiten von statis­
tischen Angaben an das Bundesinstitut für Berufsbil­
dung (BIBB) aufgenommen. Die Änderung dient dazu,
die gesetzlich vorgesehene Evaluation des Anerken­
nungsgesetzes zu unterstützen und die kontinuierli­
che Beobachtung der Anerkennungsregeln durch die
Bundesregierung zu ermöglichen.

1.2 Modernisierung auch
der Berufsgesetze des Bundes
Weitreichende Änderungen ergeben sich aus den neuen
EU-Vorgaben vor allem für die Heilberufe. Hierzu hat
die Bundesregierung ein Umsetzungsgesetz zu der
Richtlinie 2013/55/EU für bundesrechtlich geregelte
Heilberufe und andere Berufe vorgelegt. Es trat am
23. April 2016 in Kraft.4

4	

Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 2013/55/EU des Europä­
ischen Parlaments und des Rates vom 20. November 2013 zur
Änderung der Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von
Berufsqualifikationen und der Verordnung (EU) Nr. 1024/2012
über die Verwaltungszusammenarbeit mithilfe des BinnenmarktInformationssystems („IMI-Verordnung“) für bundesrechtlich
geregelte Heilberufe und andere Berufe vom 18. April 2016,
BGBl. I Nr. 19, S. 886, vgl. www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.
xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl116s0886.pdf.

RECHTSGRUNDLAGEN DER ANERKENNUNG WEITERENTWICKELT – AUFENTHALTS- UND ASYLRECHT ANGEPASST

Die drei wichtigsten Neuerungen infolge der EURichtlinie sind der Europäische Berufsausweis, ein
Vorwarnmechanismus sowie der partielle Berufszu­
gang. Weitere Änderungen betreffen unter anderem
Mindestanforderungen an die Ausbildung bestimmter
Berufe5 sowie den Wegfall der Ausbildungsdauer, un­
abhängig von den Ausbildungsinhalten als ausschlag­
gebendes Kriterium für den Begriff der „wesentlichen
Unterschiede“.

Europäischer Berufsausweis wird bereits genutzt
Neu eingeführt wird der sogenannte Europäische
Berufsausweis (EBA), der ein elektronisches Zertifikat
darstellt. Er wird im Rahmen eines EU-weit festgeleg­
ten Verfahrens und in einer bestehenden technischen
Umgebung – dem Binnenmarkt-Informationssystem
IMI – ausgestellt. Der EBA soll benutzerfreundlicher
als die herkömmlichen Dokumentationsprozesse in
Anerkennungsverfahren sein und schnellere Verfahren
mit weniger Verwaltungsaufwand ermöglichen.
Die EU hat diesen Ausweis zunächst für fünf Berufe
eingeführt: Gesundheits- und Krankenpfleger, Apothe­
ker, Physiotherapeut, Bergführer, Immobilienmakler.6
Er kann sowohl für vorübergehende Dienstleistungen
als auch für die Niederlassung genutzt werden.
Die Kommission hat angekündigt, den EBA auch für
weitere Berufe einzuführen. Daher wurde – neben den
derzeit genannten Änderungen bei den Heilberufen
– auch im BQFG und in der Gewerbeordnung jeweils
eine bisher nicht genutzte Verordnungsermächtigung
für den Ausweis eingefügt.7
In einem Online-Verfahren werden Anträge und Zeug­
nisse elektronisch eingereicht und zunächst von der
zuständigen Behörde im Herkunftsstaat auf Echtheit
und Vollständigkeit geprüft. Anschließend entschei­
det die zuständige Behörde des Aufnahmestaates

11

innerhalb festgelegter Fristen über die Anerkennung
der Qualifikationen und erteilt den Berufsausweis.
Für die Zulassung zur Berufsausübung sind – je nach
Beruf – noch weitere Nachweise vorzulegen, etwa über
die Sprachkenntnisse oder den Gesundheitszustand.
Da die formale Prüfung der Qualifikationsnachweise
im Aufnahmestaat entfällt, werden Antragsteller und
Behörden entlastet.
Bemerkenswert ist, dass die neue Möglichkeit des
vereinfachten Verfahrens schon unmittelbar nach
ihrer Einführung genutzt wurde. So verzeichneten die
Behörden8 trotz der sehr geringen Zahl an Berufen
innerhalb der ersten drei Wochen nach dem Start am
18. Januar 2016 EU-weit bereits über 242 EBA-Anträge,
vier von fünf Anträgen bezogen sich auf einen der drei
Heilberufe, am häufigsten auf die Physiotherapie.

Vorwarnmechanismus sorgt für Patienten­
sicherheit und Verbraucherschutz
Die EU-Vorgaben – und ihnen folgend die einzelnen
Berufsgesetze – sehen einen Vorwarnmechanismus
für zwei Fälle vor: einerseits, wenn nationale Behörden
Angehörigen bestimmter Berufe die Ausübung ihrer
Tätigkeit ganz, teilweise oder vorübergehend verbieten.
In solchen Fällen müssen die zuständigen Behörden al­
ler EU-Länder unterrichtet werden. Das gilt für Berufe
mit Auswirkungen auf die Patientensicherheit (Bei­
spiele siehe Fußnote 5), für Tierärzte sowie für Berufe
mit Auswirkungen auf die Sicherheit von Schutzbe­
fohlenen (zum Beispiel Erzieher). Andererseits gilt die
Informationspflicht auch, wenn gerichtlich festgestellt
wird, dass jemand in einem Anerkennungsverfahren
gefälschte Berufsqualifikationsnachweise verwendet
hat. Dies kommt für Angehörige aller Berufsgruppen in
Betracht. In beiden Fällen hat die Vorwarnung über das
Binnenmarktinformationssystem zu erfolgen, entwe­
der durch die zuständige Stelle oder durch das mit dem
Fall befasste Gericht (eine gesetzliche Grundlage dafür
ist in Vorbereitung).

5	

Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Hebammen, Gesundheits- und
Krankenpfleger sowie Architekten.

Partieller Berufszugang kann Zugangshürden
abbauen

6	

Durchführungsverordnung der EU 2015/983; ABl. L 159 vom 25. Juni
2015, S. 27.

7	

Von der Verordnungsermächtigung soll dann Gebrauch gemacht
werden, wenn durch einen Durchführungsrechtsakt der EU zur Fest­
legung der Berufe, für die ein Europäischer Berufsausweis eingeführt
wird, auch solche Berufe erfasst werden, deren Berufsrecht auf das
BQFG verweist oder die in der Gewerbeordnung reglementiert sind.

Ferner ermöglicht die Neuregelung einen „partiellen
Berufszugang“, wenn sich die jeweiligen Berufsbilder

8	

Anträge bis zum 8. Februar berücksichtigt; Quelle: Information der
EU-Kommission vom 9. Februar 2016.

12

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

und Ausbildungsgänge in den EU-Staaten unter­
scheiden. Voraussetzung ist, dass eine Gleichwer­
tigkeitsprüfung ergeben würde, dass der oder die
Antragstellende Ausgleichsmaßnahmen im Umfang
des vollständigen Ausbildungsprogramms absolvieren
müsste, um einen vollen Berufszugang im Aufnahme­
staat zu erhalten. Da dies eine zu hohe Hürde dar­
stellt, kann der Berufszugang auf denjenigen Teil des
Berufsbildes beschränkt werden, für den die Person
qualifiziert ist. Auf Bundesebene existiert der „par­
tielle Berufszugang“ bereits (siehe etwa § 8 Absatz 2
Handwerksordnung [HwO]) und wurde nun auch in
einzelnen bundesrechtlich geregelten Heilberufen
gesetzlich geregelt (Psychologische Psychotherapeu­
ten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, im
MTA-Gesetz9 geregelte Berufe).
Um die Nutzung der neuen Instrumente zu beobach­
ten, werden in der amtlichen Statistik nach § 17 BQFG,
beziehungsweise nach den Fachgesetzen, die auf § 17

9

Gesetz über technische Assistenten in der Medizin vom 2. August
1993 (BGBl. I S. 1402).

BQFG verweisen, für die Erhebung 2017 sowohl die
Entscheidung über einen „partiellen Berufszugang“ als
auch die Nutzung des „Europäischen Berufsausweises“
als neue Merkmalsausprägungen aufgenommen.

Weitere Verbesserungen in den Anerkennungs­
verfahren, die auch für Abschlüsse aus Drittstaaten
gelten
Im Rahmen der Umsetzung der Richtlinie 2013/55/EU
sind Verbesserungen in den Anerkennungsverfahren
erreicht worden. Folgende Änderungen gelten auch für
Abschlüsse aus Nicht-EU-Staaten:
Der Vorrang der Gleichwertigkeitsprüfung vor der
Prüfung der erforderlichen Sprachkenntnisse wird
gesetzlich gestärkt: Die Gleichwertigkeit des Abschlus­
ses ist in der Regel vor dem Nachweis der erforderli­
chen Sprachkenntnisse zu prüfen. Dies ist vor allem
für Anträge aus dem Ausland eine wichtige gesetzliche
Klarstellung. Auf Antrag hat die Behörde den Antragstellenden einen gesonderten Bescheid über die Gleich­
wertigkeit zu erteilen.

RECHTSGRUNDLAGEN DER ANERKENNUNG WEITERENTWICKELT – AUFENTHALTS- UND ASYLRECHT ANGEPASST

Der Begriff der „wesentlichen Unterschiede“ wird
nach den Vorgaben der Richtlinie modifiziert. Die
Ausbildungsdauer ist nicht mehr unabhängig von den
Ausbildungsinhalten als ausschlaggebendes Kriterium
vorgesehen.
Ferner wird festgelegt, dass den Antragstellenden in­
nerhalb einer Frist von sechs Monaten die Möglichkeit
zur Ablegung einer Eignungs- oder Kenntnisprüfung
zum Ausgleich wesentlicher Unterschiede angeboten
werden muss.

Weitere Anpassungen im Berufsrecht des Bundes
Zur Umsetzung der europäischen Vorgaben wurde
auch die EU/EWR-Handwerk-Verordnung10 neu ge­
fasst. Die Änderung trat am 1. April 2016 in Kraft, wobei
die Kammern die Vorschriften der Verordnung schon
ab dem Stichtag 18. Januar 2016 anwenden konnten.
Die Änderungen der Berufsgesetze für Tierärzte, Rechtsund Patentanwälte und andere Rechtsdienstleister
sind ebenfalls in Vorbereitung und sollen demnächst
abgeschlossen werden.
Die Änderung der Verordnung über die Anerkennung
europäischer Berufsqualifikationen als Laufbahnbefä­
higung11 ist bereits in Kraft. Sie gilt für Bundesbediens­
tete mit Qualifikationen aus anderen EU-Staaten. Auch
hier ist nunmehr ein partieller Berufszugang möglich.

1.3 Einheitliche Ansprechpartner und
neues Beratungszentrum
Eine weitere Neuerung durch die EU-Richtlinie ist,
dass der mit der EU-Dienstleistungsrichtlinie12 einge­

10	 Verordnung des BMWi über die für Staatsangehörige eines Mit­
gliedstaates der Europäischen Union oder eines anderen Vertrags­
staates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum
oder der Schweiz geltenden Voraussetzungen für die Ausübung
eines zulassungspflichtigen Handwerks (EU/EWR HwV) vom
18. März 2016, BGBl. I S. 509; vgl. www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.
xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl116s0509.pdf.
11	 Laufbahnbefähigungsanerkennungsverordnung, zuletzt geändert mit
Verordnung vom 5. Januar 2016 (BGBl. I S. 6).
12	 Richtlinie 2006/123/EG des Europäischen Parlaments und des Rates
über Dienstleistungen im Binnenmarkt (ABl. L 376 vom 27. Dezem­
ber 2006, S. 36; siehe auch Bundestags-Drucksache 18/5326.

13

führte Einheitliche Ansprechpartner (EA) nun auch für
Anerkennungsverfahren genutzt werden kann.13 Die EA
sind durch die Länder eingerichtet worden, zum Teil
bei Länderbehörden (Ministerien, Regierungspräsidien,
etc.) oder bei Berufskammern (Wirtschaftskammern)
oder Kammerverbänden. Ihre Aufgabe beschränkt sich
in der Regel auf die Bereitstellung von Informationen
und die Entgegennahme und Weiterleitung von An­
trägen und Verfahrenskorrespondenz. Auf dem Portal
„Anerkennung in Deutschland“ ist eine Übersicht aller
16 EA-Portale gebündelt abrufbar.14
Im Bereich der Anerkennung ausländischer Berufs­
qualifikationen erfolgt die Informationsbereitstel­
lung derzeit überwiegend durch die Verlinkung der
E-Government-Portale der Länder („Behördenfinder
Deutschland“), mit denen die EA arbeiten, auf das
Portal „Anerkennung in Deutschland“. Perspektivisch
ist eine Verknüpfung zwischen diesen beiden Systemen
über eine technische Schnittstelle zum gegenseitigen
Datenaustausch geplant.
Vor der Weiterleitung von Anträgen wird – neben dem
Datenschutz – eine erhebliche Herausforderung darin
bestehen, die Antragstellenden zur Inanspruchnah­
me einer Beratung zu bewegen (IQ-Erstanlaufstellen,
zuständige Stellen), da diese in der Regel nicht durch
die EA erfolgt. Das BQFG sieht die Einbindung der EA
gemäß der Richtlinie 2005/36/EG nur für die regle­
mentierten Berufe vor.

BIBB ist deutsches Beratungszentrum
Die Aufgabe des deutschen Beratungszentrums für Fra­
gen zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifika­
tionen auf EU-Ebene wurde zum 18. Januar 2016 dem
BIBB übertragen.15 Das neue Beratungszentrum gibt
EU-Bürgerinnen und -Bürgern sowie den Beratungs­
zentren der anderen Mitgliedstaaten Auskunft über die
Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen
in Deutschland.

13	 Vgl. Artikel 57 Richtlinie 2005/36/EG.
14	 Siehe www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/1951.php.
15	 Verwaltungsvereinbarung über die Nutzung der Informations- und
Servicestelle der Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen als Beratungszentrum nach Artikel 57b der
EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG, geschlossen zwi­
schen BMWi und BIBB am 14. Januar 2016.

14

1.4 Anerkennungs- und Berufsgesetze
der Länder ebenfalls novelliert
Ebenso wie auf Bundesebene waren in allen 16 Län­
dern die BQFG, Berufsgesetze und Rechtsverordnun­
gen zum 18. Januar 2016 zur Umsetzung der EU-Richt­
linie zu ändern. Grundlage der Änderungen war – wie
bereits 2013 bei der Erstellung der ersten BQFG des
Bundes und der Länder – ein zwischen Bund und Län­
dern abgestimmtes BQFG-Änderungs-Mustergesetz.
Es enthielt die notwendigen Änderungen zur Umset­
zung der EU-Richtlinie und wurde im Rahmen der AG
Koordinierende Ressorts der Länder unter Beteiligung
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF) erarbeitet. Entsprechend dem jeweiligen Gel­
tungsbereich weichen die BQFG-Änderungsgesetze des
Bundes und der Länder in Teilen voneinander ab.
Die Informationen zu den Änderungen sind im Portal
„Anerkennung in Deutschland“ zu finden und in die
Ergebnisseiten der einzelnen Berufe im sogenannten
Anerkennungs-Finder eingearbeitet.16

1.5 Änderungen im Aufenthaltsrecht
und die Inanspruchnahme des
Anerkennungsgesetzes
Rechtliche Neuerungen mit Bezug zur Berufsanerken­
nung (BeschV) gab es zudem im Bereich der Neuzu­
wanderung von Fachkräften sowie zur Vorbereitung
der Integration von Asyl- und Schutzsuchenden in den
Arbeitsmarkt.

Lücke im Aufenthaltsrecht für Qualifizierung
geschlossen
Die mit der Novellierung der Beschäftigungsverord­
nung (BeschV) im Jahr 2013 geschaffenen Möglichkei­
ten der Fachkräftezuwanderung für Nicht-Akademiker
in Mangelberufen wurden zunächst nur wenig in
Anspruch genommen. Bei den Visastellen und Auslän­
derbehörden bestand Unsicherheit darüber, ob und
welche Aufenthaltstitel im Kontext des § 8 BeschV für

16	 Siehe www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/laendergeset­
ze.php.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

die Teilnahme an einer Ausgleichsmaßnahme erteilt
werden können.17
Mit dem Inkrafttreten des geänderten Aufenthalts­
gesetzes (AufenthG) am 1. August 201518 ist ein ein­
heitlicher Titel für alle Anpassungsmaßnahmen
geschaffen worden, der die Schnittstellen zwischen
Anerkennungsgesetz und Aufenthaltsrecht optimiert
und Gesetzeslücken schließt. Der neue Aufenthaltstitel
nach § 17a AufenthG ermöglicht es Fachkräften aus
Drittstaaten, die im Rahmen eines Anerkennungsver­
fahrens festgestellten wesentlichen Unterschiede durch
Teilnahme an einer Bildungsmaßnahme (Anpassungs­
lehrgänge, Sprachkurse, Vorbereitungskurse auf die
Kenntnisprüfung) in Deutschland auszugleichen. Zur
Sicherung des Lebensunterhaltes während der Bil­
dungsmaßnahme können Antragstellende über diesen
Aufenthaltstitel außerdem eine begleitende Beschäf­
tigung in einem mit der Anerkennung im engen
Zusammenhang stehenden Bereich aufnehmen. Über
den Titel können sie auch eine Kenntnisprüfung im
Rahmen der Anerkennung ablegen und nach erfolg­
reichem Abschluss der Anpassungsmaßnahme bis zu
ein Jahr lang einen Arbeitsplatz suchen.19 Ausländische
Fachkräfte haben somit die Möglichkeit, sich für eine
volle Gleichwertigkeit zu qualifizieren und in den Ar­
beitsmarkt zu integrieren.
Insgesamt wurde mit den Änderungen, die in den letz­
ten Jahren im Aufenthalts- und Arbeitsmigrationsrecht
im Zusammenspiel mit den Anerkennungsregelungen
eingeführt wurden, ein Instrumentarium geschaffen,
das die Möglichkeiten der legalen Zuwanderung nach
Deutschland erweitert.

Frühzeitigere Erhebung der beruflichen Kenntnisse
von Flüchtlingen
Zugleich hat die Bundesregierung die Weichen da­
für gestellt, dass künftig besser an die beruflichen
Vorkenntnisse, die neuankommende Flüchtlinge

17	 BMBF 2015, S. 84 f.
18	 Geändert durch das Gesetz zur Neubestimmung des Bleiberechts
und der Aufenthaltsbeendigung vom 27. Juli 2015, BGBl. I Nr. 32
vom 31. Juli 2015, S. 1386.
19	 Zu den Regelungen im Einzelnen siehe das „Merkblatt § 17a
AufenthG“ der BA vom Oktober 2015 über die Beschäftigung von
drittstaatsangehörigen Ausländerinnen und Ausländern im Aner­
kennungsverfahren nach § 17a AufenthG.

RECHTSGRUNDLAGEN DER ANERKENNUNG WEITERENTWICKELT – AUFENTHALTS- UND ASYLRECHT ANGEPASST

15

Stefan Müller, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung (rechts), begrüßte am 25. September 2015
auf der Tagung zum Anerkennungsgesetz Fares Schammas (links), der nach der Anerkennung seines syrischen Berufsabschlusses in Baden-Württemberg
als Tischler tätig ist.

mitbringen, angeknüpft werden kann. So wird gleich­
zeitig mit der Einführung des neuen zentralen An­
kunftsnachweises durch das am 5. Februar 2016 in
Kraft getretene Datenaustauschverbesserungsgesetz20
auch die Erhebung von Daten zur Durchführung von
Integrationsmaßnahmen (insbesondere Schulbildung,
Studium, Ausbildung, Beruf und Sprachkenntnisse)
ermöglicht. Die Daten werden von den Registrierungs­
stellen an das Ausländerzentralregister (AZR) gemeldet
und der Bundesagentur für Arbeit (BA) und den für die
Durchführung der Grundsicherung für Arbeitsuchende
zuständigen Stellen zur Verfügung gestellt.
Hier bleibt zu beobachten, wie diese Datenerhebung in
der Praxis funktionieren wird. Wenn bei der Zielgruppe
20 Gesetz zur Verbesserung der Registrierung und des Datenaus­
tausches zu aufenthalts- und asylrechtlichen Zwecken (Daten­
austauschverbesserungsgesetz) vom 2. Februar 2016, BGBl. I Nr. 5
vom 4. Februar 2016, S. 130.

zu dem genannten Zeitpunkt der Einreise und unter
den entsprechenden Lebensumständen verwertbare
Angaben zu Ausbildung, Beruf und Kompetenzen in
deutscher Sprache erhoben werden sollen, erfordert
dies anspruchsvolle Verfahren.
Weitere gesetzliche Änderungen zur schnelleren Ar­
beitsmarktintegration von Flüchtlingen mit Auswir­
kungen auf die Berufsanerkennung wurden vor allem
im Rahmen des Asylverfahrensbeschleunigungsgesetzes
(AsylVfBG), des sogenannten Asylpakets I, eingeführt
(siehe dazu Ausführungen im Kap. 7). Dazu gehören
zum Beispiel die Sprachförderung sowie die frühzei­
tige Aktivierung für den Arbeitsmarkt, etwa durch die
Möglichkeit, schon in den Erstaufnahmeeinrichtungen
Kompetenzen zu erfassen und vermittlungsunterstüt­
zende Instrumente anzubieten.

16

2.

Information und Beratung –
weiterhin hohes Interesse

WEITERHIN HOHES INTERESSE AN INFORMATION UND BERATUNG

Die eingerichteten Informations- und Beratungsange­
bote zum Thema Anerkennung ausländischer Berufs­
abschlüsse sind nach wie vor von großer Bedeutung
und ein wesentlicher Erfolgsfaktor für eine gelingende
Berufsanerkennung sowie eine qualifikationsadäquate
Arbeitsmarktintegration. Bis Ende 2015 wurden die
Informationsangebote im Internet über 8 Millionen
Mal genutzt, über 160.000 Interessierte haben eine Erstoder Einstiegsberatung in Anspruch genommen (vgl.
Abbildung 2).

17

2.1 Intensive Nutzung der etablierten
Informationsangebote

Die aufgebauten Informationsangebote werden
immer häufiger in Anspruch genommen. So sind die
Zugriffszahlen des Internetportals „Anerkennung in
Deutschland“22, wie in den Jahren zuvor, erneut gestie­
gen und erreichten im Jahr 2015 knapp 1,5 Millionen
Besuche. 2014 hatte das Portal rund 1,1 Millionen
Besuche verzeichnet. Dies entspricht einer Steigerung
Die Zugriffszahlen21 der Informationsangebote (vgl.
um etwa ein Drittel. Über das Portal können umfas­
sende Informationen rund um das Thema Anerken­
Kap. 2.1) machen ebenso wie die Beratungsdaten (vgl.
nung von im Ausland erworbenen Qualifikationen
Kap. 2.2) deutlich, dass die Nachfrage sowohl im In- als
abgerufen werden. Mit dem sogenannten Anerkenauch aus dem Ausland stetig steigt.
nungs-Finder lässt sich zu
jedem deutschen Referenz­
Abbildung 2 Wege zum Antrag – Informations- und Beratungsaufkommen
beruf die jeweils zuständige
bei ausgewählten Institutionen 2012 bis 2015 (absolut)
Stelle ermitteln.
Das Portal richtet sich
zudem an einen internatio­
Entgegennahme des Antrags
durch die zuständige Stelle
nalen und mehrsprachigen
Nutzerkreis: Zusammen mit
Einstiegsberatung bei 
der arabischen Sprachver­
der zuständigen Stelle
sion, die seit dem Frühjahr
37.502
HWK: 
2016 angeboten wird, steht
IHK:  mind.  17.600
das Portal nunmehr in
insgesamt neun verschiede­
nen Sprachen23 zur Verfü­
Erstberatung
gung. Der Ausbau in weitere
IQ­Erstanlaufstellen: 62.256
Informationsangebote
Sprachversionen, darunter
BAMF­Hotline: 
43.041
Besucherzahlen
Portal AiD: 
rund  3.421.000
Russisch, ist in Vorbereitung.
Datenbank anabin:  rund  5.307.000
Darüber hinaus bietet das
Portal seit April 2016 eine
Quelle und Erläuterung: Darstellung des BIBB auf Basis verschiedener Datenquellen
(siehe in den folgenden Abschnitten). Stichtag: 31. Dezember 2015.
neue Anerkennungs-App
für Flüchtlinge an, über die
sie ein auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Infor­
Die Gesamtschau der Nutzung der Beratungsange­
mations- und Serviceangebot abrufen können. Die
bote zeigt: Sie wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes
internationale Ausrichtung zeigt zunehmend Wirkung:
insbesondere von Personen mit großem Arbeitsmarkt­
potenzial genutzt, die gut qualifiziert sind und beruf­
liche Abschlüsse mitbrachten, die auf dem deutschen
Arbeitsmarkt stark nachgefragt werden. Der Großteil
22	 „Anerkennung in Deutschland“ (www.anerkennung-in-deutschland.de)
ist das offizielle Internetportal der Bundesregierung zur Anerkennung
von ihnen war nicht älter als 34 Jahre.
21	 Aufgrund der teilweise inkonsistenten und unterschiedlichen
Methoden von Webanalysetools sind die hier im Folgenden ange­
gebenen Zugriffszahlen nicht vollständig vergleichbar. Für weitere
Informationen siehe BMBF 2015, S. 55 ff.

ausländischer Berufsqualifikationen. Für weitere Informationen siehe
BMBF 2015, S. 56 ff. und BMBF 2014, S. 26 ff. Erhebungszeitraum der
Zugriffsdaten: März 2012 bis Dezember 2015.

23	 Bei den angebotenen Sprachen handelt es sich um Deutsch, Eng­
lisch, Spanisch, Italienisch, Rumänisch, Polnisch, Türkisch, Griechisch
und Arabisch.

18

2015 erfolgten über die Hälfte der Portalbesuche vom
Ausland aus, vornehmlich aus Italien, der Türkei, den
USA und Indien.24
Über die Datenbank anabin stellt die Zentralstelle für
ausländisches Bildungswesen (ZAB)25 Behörden, Arbeit­
gebern, Bildungsinstitutionen (vor allem Hochschulen)
und Anerkennungsinteressierten detaillierte Infor­
mationen zu den nationalen Bildungssystemen von
180 Ländern im öffentlichen Bereich zur Verfügung.
Verzeichnet und bewertet sind hier knapp 30.000 Bil­
dungsinstitutionen, 25.000 Hochschulabschlüsse sowie
1.600 Sekundarabschlüsse. Im internen Bereich sind für
Anerkennungsstellen zusätzlich über 30.000 Mustergut­
achten abrufbar. Nahezu 2 Millionen Zugriffe wurden
2015 registriert, das sind mehr als doppelt so viele wie
im Jahr 2012.
Auch das BQ-Portal26, das vor allem für zuständige
Stellen und Unternehmen aktuell über 1.500 Berufs­
profile aus 70 Ländern sowie rund 70 Beschreibungen
ausländischer Berufsbildungssysteme im öffentlichen
sowie über 700 Prüfergebnisse im internen Bereich zur
Verfügung stellt27, wurde verstärkt frequentiert. Die
Besucherzahlen stiegen im monatlichen Durchschnitt
von rund 7.300 in 2014 auf über 10.000 in 2015 an. Ins­
besondere seit September 2015 ist ein starker Zuwachs
zu verzeichnen. Vor allem das syrische Berufsbildungs­
system wurde seitdem sehr häufig aufgerufen. In über
20 Prozent der Fälle erfolgte der Besuch des BQ-Portals
vom Ausland aus.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

2.2 Erstberatung bei IQ-Erstanlauf­
stellen und BAMF-Hotline stark
nachgefragt
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Erstanlauf­
stellen im Förderprogramm „Integration durch Quali­
fizierung (IQ)“ 28 sowie die Hotline des Bundesamts für
Migration und Flüchtlinge (BAMF-Hotline)29 infor­
mieren und beraten im Rahmen der Erstberatung seit
2012 zu grundlegenden Fragen und Voraussetzungen
für die Inanspruchnahme eines Anerkennungsver­
fahrens. Dabei ist zu beachten, dass die Angebote
unterschiedliche Beratungstiefen und Intensitäten
haben. Darüber hinaus werden Anerkennungsinte­
ressierte an die jeweils zuständige Stelle weitergelei­
tet.30 Die Erstberatung leistet damit einen zentralen
Beitrag für eine erfolgreiche Anerkennung, sowohl
hinsichtlich eines guten Erwartungsmanagements der
Anerkennungsinteressierten als auch, im Falle der IQErstanlaufstellen, einer vorbereitenden, begleitenden
und nachbereitenden Unterstützung. Um möglichst
vielen Anerkennungsinteressierten den Zugang zu
einer Erstberatung zu ermöglichen, werden neben den
Vor-Ort-Beratungsstellen der IQ-Netzwerke, die meist
in größeren Städten angesiedelt sind, auch mobile
IQ-Beratungsangebote zunehmend relevant. So gibt es
in kleineren Städten und ländlichen Gegenden mobile
Termine für die Erstberatung. Die Gespräche finden
in Schulen, Rathäusern oder etwa Volkshochschulen
statt.31

28	 Das Förderprogramm des Bundes wird in einigen Bundesländern
durch von den Ländern ganz oder teilweise finanzierte Beratungs­
angebote ergänzt. Einige Ländergesetze enthalten einen nachran­
gigen Beratungsanspruch, sofern die Inhaberinnen und Inhaber
ausländischer Berufsqualifikationen in diesem Bundesland wohnen
oder dort zu arbeiten beabsichtigen.
24	 2014 lag der Anteil der Portalbesuche aus dem Ausland bei etwa
47 Prozent.
25	 Zu den Aufgaben der ZAB vgl. BMBF 2015, S. 49 ff. und BMBF
2014, S. 28 ff. Erhebungszeitraum der Zugriffsdaten auf anabin:
2007 bis 2015.
26	 Weitere Informationen zum BQ-Portal vgl. BMBF 2015, S. 48 ff. und
BMBF 2014, S. 31. Erhebungszeitraum der Zugriffsdaten: März 2012
bis Dezember 2015.
27	 Stand: 31. Dezember 2015.

29	 Seit dem 1. Dezember 2014 wird die Anerkennungs-Hotline beim
BAMF im Rahmen der Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“
fortgeführt – eine ressortübergreifende Initiative von BMWi, BMI,
BMBF und der BA. Bei der Hotline wird neben der Anerkennung
auch zu den Themen Jobsuche, Arbeit und Beruf, Einreise und Auf­
enthalt sowie Deutsch lernen durch BAMF und ZAV beraten.
30	 Für weitere Informationen zur Erstberatung siehe BMBF 2015,
S. 48 f. und BMBF 2014, S. 68 ff.
31	 Good-Practice-Beispiel unter: www.netzwerk-iq.de/fileadmin/
Redaktion/Downloads/IQ_Publikationen/Good_Practice/
GP_Anerkennung_Mobile_Beratung.pdf.

WEITERHIN HOHES INTERESSE AN INFORMATION UND BERATUNG

19

Abbildung 3 Entwicklung des Beratungsaufkommens bei der BAMF-Hotline und den IQ-Erstanlaufstellen 2012 bis
2015 (absolute und durchschnittliche monatliche prozentuale Veränderung im Vergleich zum Vorjahr)
25.000

24.056
(+28%)

18.789
(+23,8%)

20.000
15.171
(+49,1%*)
15.000
8.831
(-7,5%*)

10.000

16.061
(+46,2%)
10.988
(+24,5%)

7.161
5.000

0

4.240

2012

2013

IQ-Erstanlaufstellen (Gesamt: 62.256)

2014

2015

BAMF-Hotline (Gesamt: 43.041)

* Da die Hotline ihre Beratungstätigkeit in 2012 zum 1. April und die IQ-Erstanlaufstellen zum 1. August aufgenommen haben,
wurde der Zuwachs für 2013 auf den Durchschnittswerten von neun beziehungsweise fünf Monaten berechnet.
Den Berechnungen des durchschnittlichen Zuwachses liegen für 2014 und 2015 jeweils zwölf Monate zugrunde.
Quelle und Erläuterung: Hotline-Beratungsdaten (Zeitraum: 1. April 2012 bis 31. Dezember 2015; n = 43.041) und IQ-Beratungsdaten
(Zeitraum: 1. August 2012 bis 31. Dezember 2015; n = 62.256). Berechnungen und Darstellung des BIBB.

Beratungsaufkommen bei IQ-Erstanlaufstellen
und BAMF-Hotline deutlich gestiegen

Wachsendes Interesse an Erstberatung
aus Drittstaaten bei der BAMF-Hotline

Die Anzahl der beratenen Personen nimmt sowohl
bei den IQ-Erstanlaufstellen als auch bei der BAMFHotline stetig zu (vgl. Abbildung 3).32 2015 ist bei den
IQ-Erstanlaufstellen das durchschnittliche monatliche
Aufkommen um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
gestiegen, die Hotline verzeichnete sogar einen Anstieg
von gut 46 Prozent. Insgesamt wurden seit 2012 mehr
als 105.000 Erstberatungen durchgeführt: über 62.20033
bei den IQ-Erstanlaufstellen und rund 43.000 bei der
Hotline.34

Bei den IQ-Erstanlaufstellen hatten im Zeitraum von
2012 bis 2015 insgesamt gut 5 Prozent der Beratenen
ihren Wohnsitz nicht in Deutschland. Die BAMF-Hot­
line verzeichnete demgegenüber einen Anteil von
knapp 33 Prozent. IQ-Erstanlaufstellen35 führen in ers­
ter Linie Face-to-Face-Beratungen durch, wohingegen
die Hotline36 insbesondere telefonisch berät – wodurch
sich der Unterschied in den Nutzerzahlen von Perso­
nen mit Wohnsitz außerhalb Deutschlands ein Stück
weit erklären lässt.

32	 Vgl. zu den Zahlen in Kapitel 2.2 auch Benzer u. a. 2016. Siehe darü­
ber hinaus auch die Datensatzbeschreibung zu den Beratungsdaten
im Anhang.
33	 Es handelt sich hierbei um die Menge an Personen, die „ihren ersten
Beratungskontakt mit einer IQ-Anlaufstelle [hatten]. Die Anzahl [al­
ler] durchgeführten Beratungen (Beratungsleistung) liegt allerdings
höher, da nach einem ersten Kontakt i. d. R. weitere Kontakte mit
den Ratsuchenden folgen“ (Benzer u. a. 2016, S. 18). Im Durchschnitt
finden pro Person 1,7 Beratungskontakte statt (vgl. ebenda).
34	 Alle in Kapitel 2.2 genannten Prozent- und Absolutwerte beziehen
sich nur auf gültige Angaben.

35	 Die Erstberatung bei den IQ-Erstanlaufstellen erfolgt neben face­
to-face auch telefonisch oder per E-Mail. Im gesamten Beobach­
tungszeitraum 2012 bis 2015 wurden 68 Prozent der Erstberatun­
gen face-to-face und gut 31 Prozent telefonisch oder per E-Mail
durchgeführt.
36	 Neben telefonischer Erstberatung bietet die BAMF-Hotline auch Be­
ratung per E-Mail oder Post an. Im gesamten Beobachtungszeitraum
2012 bis 2015 erfolgten 70 Prozent der Beratungen telefonisch,
knapp 30 Prozent per E-Mail und weit weniger als 1 Prozent auf
postalischem Wege.

20

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Abbildung 4 BAMF-Hotline: Entwicklung des Beratungsaufkommens von Personen mit Wohnsitz
außerhalb Deutschlands – gesamt und kategorisiert (absolut und in Prozent)
45%

6.938

40%
35%

3.453

30%

2.086

25%
3.350

20%
15%
10%
5%
0%

1.069

1.364
896

502
363
204

764

1.182

1.837
1.751

907

426
2012

2013

2014

2015

Bei der BAMF-Hotline Beratene mit Wohnsitz außerhalb Deutschlands (gesamt)
davon Drittstaaten
davon sonstiges Europa (inkl. Türkei)
davon EU28/EWR/Schweiz (ohne Deutschland)
Quelle und Erläuterung: Hotline-Beratungsdaten (Zeitraum: 1. April 2012 bis 31. Dezember 2015; n = 43.041). Zu 100 Prozent fehlend:
„Beratene mit Wohnsitz in Deutschland“, „Staatenlos“ und „Sonstige“. Berechnungen und Darstellung des BIBB.

Insbesondere bei der BAMF-Hotline ist die Zahl der
Kontakte vom Ausland aus seit 2012 deutlich gestiegen.
Abbildung 4 zeigt die Menge der von der Hotline Bera­
tenen mit einem Wohnsitz außerhalb Deutschlands im
Zeitverlauf, sowohl gesamt als auch für verschiedene
Länderkategorien. Daran wird deutlich, dass das Thema
Anerkennung auch für Personen mit ausländischem
Wohnsitz zunehmend an Bedeutung gewinnt. Vor
allem der Anteil an Anerkennungsinteressierten, der
den Wohnsitz zum Beratungszeitpunkt in einem Dritt­
staat hatte, ist hier von gut 5 Prozent im Jahr 2012 auf
über 21 Prozent in 2015 gestiegen und hat sich damit
vervierfacht. Zur stärkeren Nutzung der BAMF-Hotline
wird möglicherweise auch der speziell für das Ausland
konzipierte, mehrsprachige Informations-Flyer von
BAMF und BMBF beigetragen haben, in dem explizit
auf die Hotline als Erstinformationsangebot verwiesen
wird.37 Um dem wachsenden Bedarf an Anerkennungs­
beratung im Ausland Rechnung zu tragen, fördert das

37 Flyer unter: www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/
Flyer/AnerkennungBerufsabschluss/anerkennung-berufsabschluss.
html.

BMBF seit Oktober 2015 das Projekt „ProRecognition –
Professional & Vocational Qualifications for Germany“
des Deutschen Industrie- und Handelskammertags
(DIHK), über das in Kap. 2.4 berichtet wird.

Beratungssuchende meist erst seit Kurzem
in Deutschland
Über die Hälfte der Anerkennungsinteressierten, die
sich zum Beratungszeitpunkt in Deutschland aufge­
halten haben, war erst seit maximal zwei Jahren hier:
So wiesen bei der Hotline 51 Prozent und bei den
IQ-Erstanlaufstellen 42 Prozent eine Aufenthaltsdau­
er von unter einem Jahr auf. Seit ein bis zwei Jahren
waren 9 Prozent (BAMF-Hotline) beziehungsweise
gut 13 Prozent (IQ-Erstanlaufstellen) der Beratenen in
Deutschland. Seit drei bis fünf Jahren lebten 12 Prozent
(BAMF-Hotline) beziehungsweise knapp 16 Prozent
(IQ-Erstanlaufstellen) hier.
Im Zeitverlauf zeigt sich, dass Migrantinnen und
Migranten eine Erstberatung immer zeitnaher nach
ihrer Ankunft in Deutschland in Anspruch genom­
men haben: Wiesen bei den IQ-Erstanlaufstellen 2012

WEITERHIN HOHES INTERESSE AN INFORMATION UND BERATUNG

noch 32 Prozent von ihnen eine Aufenthaltsdauer
von maximal einem Jahr auf, so waren es 2015 bereits
fast 50 Prozent. Bei der BAMF-Hotline waren es 2012
38 Prozent, 2015 fast 57 Prozent.

Vermehrt Beratene mit indischer oder
syrischer Staatsangehörigkeit
10 Prozent der Anerkennungsinteressierten, die seit
2012 bei den IQ-Erstanlaufstellen oder der BAMFHotline eine Erstberatung in Anspruch genommen
haben, besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit.38 Der
überwiegende Teil waren hingegen Staatsangehörige
eines der weiteren EU-28 Staaten (inklusive Europä­
ischer Wirtschaftsraum (EWR) und Schweiz) oder
eines Drittstaates, beispielsweise Indiens oder Syriens
(vgl. Abbildung 5). Die Spannweite der verschiedenen
Staatsangehörigkeiten ist breit: Insgesamt wurden Per­
sonen mit 180 verschiedenen Staatsangehörigkeiten
beraten.

21

Deutsche mit ausländischem Berufsabschluss bilden
bei der BAMF-Hotline seit 2012 die größte Gruppe.
Allerdings hat sich ihr Anteil von knapp 18 Prozent
in 2012 auf 7 Prozent in 2015 mehr als halbiert, eine
Entwicklung, die ähnlich auch bei den Antragstellun­
gen zu beobachten ist (vgl. Kap. 3). Am zweithäufigsten
wurden im Jahr 2015 indische, am dritthäufigsten
polnische Staatsangehörige beraten. Besonders die
Anzahl der indischen Staatsangehörigen hat sich von
318 im Jahr 2014 auf 829 Beratungen in 2015 weit mehr
als verdoppelt.
Bei den IQ-Erstanlaufstellen ist seit 2013 ein deutlicher
Anstieg von Syrerinnen und Syrern zu erkennen. Hatte
diese Gruppe in 2012 und 2013 noch weniger als 3 Pro­
zent aller Beratungssuchenden dargestellt, so stieg ihr
Anteil von knapp 6 Prozent in 2014 auf gut 15 Prozent
in 2015. Mit 3.357 Beratungen in 2015 waren Anerken­
nungssuchende aus Syrien damit unter den Beratenen

Abbildung 5 Kategorisierte Staatsangehörigkeit der Beratenen bei den IQ-Erstanlaufstellen und der BAMF-Hotline
2012 bis 2015 (in Prozent)
IQ-Erstanlaufstellen	

BAMF-Hotline

10,6 %

10,0 %

35,1 %

20,7 %

33,5 %

Drittstaaten

34,7 %

23,5 %

31,7 %

EU28/EWR/Schweiz (ohne Deutschand)

sonstiges Europa (inkl. Türkei)

Deutschand

Quelle und Erläuterung: Hotline-Beratungsdaten (Zeitraum: 1. April 2012 bis 31. Dezember 2015; n = 38.157)

und IQ-Beratungsdaten (Zeitraum: 1. August 2012 bis 31. Dezember 2015; n = 59.864).

Zu 100 Prozent fehlend: jeweils „Staatenlos“ und „Sonstiges“. Berechnungen und Darstellung des BIBB.


38	 Die Angaben im Text sowie in der dazugehörigen Abbildung beziehen
sich auf die erste Staatsangehörigkeit. Auf die Auswertung der gele­
gentlichen Angaben zu einer zweiten Staatsangehörigkeit wurde hier
verzichtet.

22

am stärksten vertreten. An zweiter Stelle folgten pol­
nische und an dritter deutsche Staatsangehörige (siehe
auch Kap. 7.3).

Viele hoch qualifizierte und junge Anerkennungs­
interessierte
Seit der Etablierung der Beratungsangebote in 2012 hat
sich das Geschlechterverhältnis nahezu angeglichen.
Zudem sind die Beratungssuchenden im Durchschnitt
etwas jünger geworden: So ist der Anteil der unter
35-Jährigen bei den IQ-Erstanlaufstellen von 47 Pro­
zent in 2012 auf 57 Prozent in 2015 angestiegen. Bei
der Hotline hat sich der Anteil von 54 Prozent in 2012
auf 66 Prozent in 2015 erhöht. Der Anteil derer, die
zum Beratungszeitpunkt 35 Jahre und älter waren, ist
demgegenüber seit 2012 rückläufig.
Die Anerkennungsinteressierten bei Hotline und
IQ-Erstanlaufstellen weisen seit 2012 in Bezug auf
ihre formale Qualifikation ein durchgängig hohes
Niveau auf.39 Bei beiden hatten etwa je zwei Drittel
mindestens einen Hochschulabschluss, etwa jeweils
ein Drittel verfügte über einen oder mehrere Ausbil­
dungsabschlüsse.40 Insgesamt waren bei den IQ-Erst­
anlaufstellen trotz des hohen Qualifikationsniveaus
etwas mehr als zwei Drittel nicht erwerbstätig. Von ih­
nen bezogen knapp 70 Prozent (ergänzend) Leistungen
nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II und/oder SGB III
sowie nach dem Asylbewerberleistungsgesetz.
Die häufigsten Referenzberufe und Studienabschlüsse,
zu denen beraten wurde, waren Lehrerin und Lehrer,
Ingenieurin und Ingenieur, Gesundheits- und Kran­
kenpflegerin und -pfleger sowie Ärztin und Arzt (Er­
teilung der Approbation) (vgl. Tabelle 1). Bei den drei
zuletzt Genannten handelt es sich um Engpassberufe,

39	 In der Beratungsstatistik war von 2012 bis 2015 ausschließlich die
Erfassung formaler Abschlüsse möglich. Daher wird an dieser Stelle
lediglich zwischen Ausbildungs- und Hochschulabschluss unter­
schieden. Seit 2016 werden auch Beratene ohne formalen Abschluss
in der Beratungsstatistik erfasst. Diese Gruppe kann in zukünftigen
Berichten ausgewiesen werden.
40	 Knapp 30 Prozent (BAMF-Hotline) beziehungsweise 33 Prozent (IQErstanlaufstellen) der Beratenen hatten einen Ausbildungsabschluss,
knapp 66 Prozent (BAMF-Hotline) beziehungsweise 55 Prozent
(IQ-Erstanlaufstellen) einen Hochschulabschluss. Etwa 1 Prozent
(BAMF-Hotline) beziehungsweise 6 Prozent (IQ-Erstanlaufstellen)
hatten sowohl einen Ausbildungs- als auch einen Hochschulab­
schluss. Die übrigen Beratenen wiesen zwei oder mehr Ausbildungs­
und/oder Hochschulabschlüsse auf.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

in denen sich ein Fachkräftemangel abzeichnet oder
bereits existiert.41 Zu der Top-10-Liste gehören neben
bundes- und landesrechtlich geregelten Berufen
auch nicht reglementierte akademische Berufe (zum
Beispiel Informatikerin und Informatiker), für die es
kein gesetzlich geregeltes Anerkennungsverfahren,
sondern die Möglichkeit der Zeugnisbewertung durch
die ZAB nach der Lissabon-Konvention gibt. Das zeigt,
dass die Erstberatung durch die IQ-Beratungsstellen
und die Hotline von allen an Anerkennung inter­
essierten Personen in Anspruch genommen wird,
unabhängig vom Regelungsbereich.

Anerkennungsberatung der Arbeitsverwaltung
und Migrationsberatung für erwachsene
Zuwanderer (MBE)
Die Agenturen für Arbeit, die Jobcenter und die MBE
haben sich weiter als wichtige Akteure im Bereich der
Anerkennung ausländischer Abschlüsse etabliert. Die
Arbeitsverwaltungen sind nicht nur ein zentraler Kos­
tenträger (vgl. Kap. 5), sondern auch häufig Beratende
von Anerkennungsinteressierten. Auch die MBE beraten
und bieten unter anderem Unterstützung bei der Er­
mittlung der zuständigen Stelle an. 42 In vielen Fällen be­
steht bei allen drei Akteuren eine gute Vernetzung mit
den IQ-Beratungsstellen. Besonders die Vernetzung der
Arbeitsverwaltungen mit den IQ-Beratungsstellen stellt
im Vorfeld der Anerkennungsverfahren einen wichtigen
Faktor für die Einschätzung der Kostenübernahme dar.

2.3 Hohes Beratungsaufkommen
bei den zuständigen Stellen
Der Beratungsbedarf der Antragstellenden ist insge­
samt hoch und steigt beständig. Dies zeigt sich auch in
Rückmeldungen von Mitarbeitenden der zuständigen
Anerkennungsstellen für den Arzt- beziehungsweise
Gesundheits- und Krankenpflegeberuf. Sie berichteten,
dass durch das hohe Aufkommen an telefonischen und
persönlichen Nachfragen die Bearbeitung der Anträge

41	 Vgl. BA 2015a.
42	 Vgl. zum Thema Anerkennungsberatung durch Arbeitsverwaltung
und MBE auch BMBF 2015, S. 152 ff.; konkrete Zahlen der Anerken­
nungsberatung in der Arbeitsverwaltung und bei den MBE liegen
nicht vor.

WEITERHIN HOHES INTERESSE AN INFORMATION UND BERATUNG

23

Tabelle 1 Die zehn häufigsten Qualifikationen (Referenzberufe und Studienabschlüsse) in der Beratung bei den
IQ-Erstanlaufstellen und der BAMF-Hotline (absolut und in Prozent)
IQ-Erstanlaufstellen

absolut

%

BAMF-Hotline
Ingenieur/-in

3.659

9,0

Lehrer/-in

3.289

8,1

Lehrer/-in

6.689

11,0

Ingenieur/-in

5.210

8,5

absolut

%

Gesundheits- und Krankenpfleger/-in

2.371

3,9

Gesundheits- und Krankenpfleger/-in

3.100

7,7

Ärztin/Arzt

2.089

3,4

Ärztin/Arzt

2.535

6,3

Betriebswirt/-in

1.880

3,1

Betriebswirt/-in

1.631

4,0

Erzieher/-in

1.833

3,0

Erzieher/-in

1.415

3,5

Ökonom/-in

1.480

2,4

Zahnärztin/Zahnarzt

909

2,2

Wirtschaftswissenschaftler/-in

1.442

2,4

Informatiker/-in

843

2,1

Sozialpädagogin/Sozialpädagoge;
Sozialarbeiter/-in

1072

1,8

Sozialpädagogin/Sozialpädagoge;
Sozialarbeiter/-in

771

1,9

975

1,6

Rechtsanwältin/Rechtsanwalt

709

1,8

25.041

41,0

Top-10 gesamt

18.861

46,6

weitere Referenzberufe

21.600

53,4

Gesamt

40.461

100,0

Psychologin/Psychologe
Top-10 gesamt
weitere Referenzberufe

36.008

59,0

Gesamt

61.049

100,0

Quelle und Erläuterung: Hotline-Beratungsdaten (Zeitraum: 1. April 2012 bis 31. Dezember 2015; n = 40.461) und IQ-Beratungsdaten
(Zeitraum: 1. August 2012 bis 31. Dezember 2015; n = 61.049). Berechnungen der Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förderprogramm IQ.

mitunter nur noch zeitweise möglich sei.43 Hier wird
von einigen zuständigen Stellen dringender Bedarf
für eine Aufstockung des Personals in den Länder­
behörden gesehen.

Über 55.000 Einstiegsberatungen im Kammer­
bereich
Die Kammern bieten Einstiegsberatung44 zu im Ausland
erworbenen Berufsabschlüssen an, deren Anerkennung
in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich fällt.45 Die

43	 Ergebnisse der vom BIBB durchgeführten Workshops mit zuständi­
gen Stellen im Gesundheitsbereich (vgl. hierzu Kap. 4).
44	 Da es keine verbindliche Definition des Begriffs gibt, verwenden
unterschiedliche Kammerbereiche diesen Begriff möglicherweise
teilweise nicht deckungsgleich. Die Beratungszahlen der HWKn
werden durch das BIBB in enger Abstimmung mit dem ZDH
erhoben (siehe auch Datensatzbeschreibung im Anhang). Alle 53
Handwerkskammern haben eine Rückmeldung zur Einstiegsbera­
tung gegeben. Im IHK-Bereich wird das Beratungsaufkommen über
das Datenmanagement-Tool des DIHK erfasst. Dieses wird nicht
von allen IHKn genutzt (zum Beispiel nicht von der IHK FOSA).
Daher sind die Daten aus dem IHK-Bereich als Mindestzahl zu in­
terpretieren. Erhebungszeitraum der Beratungsdaten: 1. April 2012
bis 31. Dezember 2015.
45	 Handwerkliche, gewerblich-technische und kaufmännische Berufe,
die in Deutschland dual ausgebildet werden.

meisten Beratungen wurden in Nordrhein-Westfalen,
Bayern und Baden-Württemberg durchgeführt. Im
Rahmen dieser Einstiegsberatungen informieren die
Kammern über das Verfahren, rechtliche Grundlagen
und Anforderungen sowie mögliche Kosten und Finan­
zierungsmöglichkeiten, klären die Verfahrensziele und
zeigen bei Bedarf alternative Maßnahmen zu einem
Anerkennungsverfahren auf. Darüber hinaus werden in
den Einstiegsberatungen die vorliegenden Dokumente
gesichtet. Es handelt sich bei den Einstiegsberatungen
der Kammern um sogenannte individuelle, verfahrens­
vorbereitende Beratungen, die kostenfrei angeboten
werden. Sie sind mit dem Einsatz von erheblichen
Personalressourcen verbunden. Im Jahr 2015 führten die
Industrie- und Handelskammern (IHK) vor Ort mehr
als 4.00046 und die Handwerkskammern (HWK) über
11.000 Einstiegsberatungen durch. Insgesamt sind seit
dem 1. April 2012 über 55.000 Beratungen gemeldet
46	 Über das Datenmanagement-Tool des DIHK werden sowohl Ein­
stiegsberatungen als auch weitere Beratungsleistungen erfasst.
Nach Einschätzung des DIHK handelt es sich in etwa 80 Prozent
der Fälle um Einstiegsberatung. Daher liegt 2015 die Gesamt­
menge der im Datenmanagement-Tool erfassten Beratungen über
der hier angegebenen. Es wurden an dieser Stelle nur 80 Prozent
berücksichtigt.

24

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

worden, davon gut 17.600 durch die Vor-Ort-Kammern
der IHK und 37.500 durch die HWK. Zusätzlich wurden
zahlreiche Verweisberatungen sowie Beratungen zum
Bundesvertriebenengesetz (BVFG) durch die Kammern
durchgeführt. Im Bereich Industrie und Handel waren es
seit 2012 mehr als 20.000 Verweisberatungen und etwa
1.300 BVFG-Beratungen. Daten der Handwerkskam­
mern liegen hierzu nicht vor.47

2.4 Informations- und Beratungs­
angebote im Ausland werden weiter
ausgebaut
Seit Oktober 2015 wurden im Rahmen des neuen Pro­
jekts „ProRecognition“, ergänzend zu den Beratungs­
und Informationsmöglichkeiten in Deutschland,
erstmalig Beratungsstellen bei acht Auslandshandels­
kammern und Delegationen der deutschen Wirtschaft
(AHKs) eingerichtet (Ägypten, China/Shanghai, Indien,
Iran, Italien, Marokko, Polen und Vietnam). Ziel ist es,
vor Ort Beratung zu den Voraussetzungen und zum
Verfahren der Anerkennung von Berufsabschlüssen
in Deutschland anzubieten. Durch die qualifizierte
Beratung können sich interessierte Personen schon
dort für eine Anerkennung ihres Abschlusses entschei­
den, wodurch die Anzahl der Antragstellungen aus
dem Ausland weiter steigen könnte (vgl. Kap. 3). Damit
können die AHKs einen Beitrag zur qualifikationsna­
hen Arbeitsmarktintegration derjenigen leisten, die
aus beruflichen Gründen nach Deutschland kommen
wollen.
Die Motive für eine Anerkennung des eigenen Be­
rufsabschlusses sind dabei in den jeweiligen Ländern
sehr unterschiedlich – während einige Interessenten
langfristige berufliche Chancen in Deutschland sehen,
wollen andere die Möglichkeit eines temporären be­
ruflichen Aufenthalts in Deutschland als Sprungbrett
für ihre weitere Karriere nutzen. Dieses vom BMBF
geförderte Projekt wird vom DIHK durchgeführt und
läuft zunächst bis September 2018.

47	 Für ausführlichere Informationen des kammerspezifischen Bera­
tungs- und Verfahrensprozesses siehe BMBF 2015, S. 46 f. sowie
S. 69 ff. und BMBF 2014, S. 68 ff.

Um auch das Informationsangebot über die berufliche
Anerkennung für zuwanderungsinteressierte Fachkräf­
te im Internet auszubauen und zu verbessern, hat die
Informations- und Servicestelle der Bundesregierung
zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
beim BIBB im Auftrag des BMBF von Juli 2014 bis Juli
2015 eine Auslandskampagne zur Bewerbung des Aner­
kennungsportals umgesetzt. Zielsetzung der Kampagne
war es, zuwanderungsinteressierte Menschen über die
Möglichkeiten und Notwendigkeiten der Anerkennung
zu informieren. Die Kampagne fand in den Zielländern
Italien, Polen, Rumänien, Spanien, in der Türkei sowie
in Teilen auch online statt. Gemeinsamer Schwer­
punkt der Kampagne war die Zusammenarbeit mit
Multiplikatoren, die Zuwandererinnen und Zuwan­
derer beraten und in Kontakt mit diesen stehen. Dazu
gehören beispielsweise Auslandsvertretungen, Aus­
landshandelskammern, Goethe-Institute und Sprach­

WEITERHIN HOHES INTERESSE AN INFORMATION UND BERATUNG

25

Fernando Llusiá de Castro hat in Spanien ein Studium der Bauwissenschaften abgeschlossen. Nach der Anerkennung seines Ingenieurtitels arbeitet er
im Freistaat Sachsen als Bauingenieur.

schulen. Darüber hinaus fanden in einigen Zielländern
noch Online-Werbemaßnahmen und PR-Maßnahmen
vor Ort statt. Die Auslandskampagne hat insgesamt zu
einem erheblich höheren Interesse am Anerkennungs­
portal und an den Beratungsangeboten (zum Beispiel
BAMF-Hotline) geführt. Ebenso knüpfte die Informa­
tions- und Servicestelle erste Kontakte mit Botschaf­
ten, Auslandsvertretungen und weiteren Akteuren im
Ausland. Auf deren Grundlage können nun weitere
Angebote entwickelt werden. Ein dauerhaftes Ergebnis
der Auslandskampagne ist zudem der umfangreiche
mehrsprachige Ausbau des Informationsangebotes,
welches damit insgesamt noch näher an den Bedürf­
nissen der Anerkennungsinteressierten ausgerichtet
und damit auch nutzerfreundlicher ist.

Eine bedeutende Rolle in der Beratung ausländischer
Fachkräfte spielen zudem die Visastellen in den
Auslandsvertretungen. Da das Anerkennungsverfah­
ren zum Teil Voraussetzung für die Erteilung einer
Aufenthaltserlaubnis für ausländische Fachkräfte ist,
sollten Fragen der Anerkennung vor Einleitung eines
Visumverfahrens geklärt sein. Zur Sicherstellung der
Beratungsqualität wurden die Durchführungshinweise
im Visumhandbuch insbesondere zum neuen § 17a
AufenthG weiterentwickelt.

26

3.

 mtliche Statistik – steigende Nachfrage
A
bei sinkender Ablehnungsquote

AMTLICHE STATISTIK – STEIGENDE NACHFRAGE BEI SINKENDER ABLEHNUNGSQUOTE

Wie bereits bei den Darstellungen zu den Informa­
tions- und Beratungsangeboten deutlich wird, steigt
die Nachfrage nach Anerkennung von im Ausland
erworbenen Berufsqualifikationen stetig. Das ist auch
den Meldungen der zuständigen Stellen im Rahmen
der amtlichen Statistik für 2014 zu den Anträgen auf
Anerkennung zu entnehmen, welche am 30. Septem­
ber 2015 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht
wurde. Damit liegen nun Daten für drei Jahre vor. Da­
bei gilt es insgesamt zu beachten, dass auch aufgrund
alternativer Möglichkeiten der Nutzung vorhandener
Kompetenzen nicht jede Beratung zu einem Antrag auf
Berufsanerkennung führen muss.

3.1 Anträge bei nicht reglementierten
Berufen und aus dem Ausland
deutlich angestiegen

27

nicht reglementierten Berufen verzeichnet werden.
2014 wurden insgesamt 19.806 Verfahren bearbeitet,
bei 17.628 davon war der Antrag im selben Jahr gestellt
worden. Bei den weiteren 2.175 Anträgen handelte es
sich um Verfahren, die in den Vorjahren noch nicht
abgeschlossen werden konnten, weil beispielsweise
Unterlagen noch nicht vollständig vorlagen oder die
Anträge kurz vor Jahresende gestellt wurden.
Abbildung 6 Entwicklung der Antragszahlen
bei reglementierten und
nicht reglementierten Berufen 2012
bis 2014 (absolut und in Prozent)
18.000
16.000
3.420
22,1 %

14.000

4.146
23,5 %

12.000

Seit 2012 wurden allein zu bundesrechtlich geregel­
ten Berufen 44.094 Anträge48 auf Anerkennung ge­
stellt.49 Darüber hinaus wurden auch Anträge für
landesrechtlich geregelte Berufe gestellt, jedoch gibt
es zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine integrierte
Länderstatistik. Das gesamte Anerkennungsgeschehen
in Deutschland ist daher um einiges höher als hier dar­
gestellt.50 Die Anzahl der Anträge stieg jährlich (vgl. Ab­
bildung 6), auch wenn man berücksichtigt, dass sich die
Daten für 2012 nur auf neun Monate beziehen. Wurden
2012 durchschnittlich 1.221 Anträge pro Monat gestellt,
so waren es 2014 bereits 1.469. Steigerungen konnten
dabei sowohl bei den reglementierten als auch bei den

48	 Es besteht die Möglichkeit, dass eine Person zwei Anträge stellt, zum
Beispiel wenn nach der Feststellung einer teilweisen Gleichwertig­
keit bei nicht reglementierten Berufen eine Qualifizierungsmaßnah­
me durchgeführt wurde und dann ein neuer Antrag gestellt wird, um
die volle Gleichwertigkeit zu erhalten.
49	 Bei den in diesem Bericht referierten Absolutwerten der amtlichen
Statistik handelt es sich zum Zweck der Anonymisierung jeweils um
auf ein Vielfaches von 3 gerundete Werte. Gesamtwerte können von
der Summe der Einzelwerte abweichen, da Summen auf Basis der
Echtwerte gebildet und erst anschließend anonymisiert werden. Die
prozentualen Angaben wurden auf Basis der nicht gerundeten Werte
berechnet.
50	 Nach Informationen der Statistischen Landesämter wurden im Jahr
2014 für die Anerkennung dieser Berufe über 6.600 Verfahren durch­
geführt. Auch die Antragszahlen auf Bewertung einer ausländischen
(nicht reglementierten) Hochschulqualifikation bei der ZAB zeigen
das hohe Interesse. Die Anträge sind von 5.233 im Jahr 2012 auf
10.000 im Jahr 2015 angestiegen.

10.000

2.214
20,2 %

8.000
12.057

6.000
8.775
4.000

77,9 %

13.485
76,5 %

79,8 %

2.000
0

2012

2013

2014

nicht reglementierte Berufe
reglementierte Berufe
Quelle und Erläuterung: Auswertungen des Statistischen
Bundesamtes; Darstellung des BIBB. Gemeldete Anträge.

Der Anteil der Anträge zu nicht reglementierten Beru­
fen nahm 2014 weiter zu (von 20,2 Prozent in 2012 über
22,1 Prozent in 2013 auf 23,5 Prozent in 2014). Anträge
zu reglementierten Referenzberufen machten 2014
mehr als drei Viertel aller Neuanträge aus.
Bei den häufigsten Referenzberufen (vgl. Abbildung 7)
überwogen die medizinischen Gesundheitsberufe, vor
allem Ärztin und Arzt51 sowie Gesundheits- und Kran­
kenpflegerin und -pfleger. Diese beiden Referenzberufe
machten im Jahr 2014 61,0 Prozent aller Neuanträge
51	 Erteilung der Approbation.

28

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Abbildung 7 Anzahl der neu gestellten Anträge 2014 bei den zehn häufigsten Referenzberufen (absolut)
5.763

Ärztin/Arzt (Erteilung der Approbation)
Gesundheits- und Krankenpfleger/-in

4.986

Physiotherapeut/-in

639

Bürokauffrau/-kaufmann 360
Zahnärztin/Zahnarzt (Erteilung der Approbation) 354
Elektroniker/-in 345
Apotheker/-in (Erteilung der Approbation) 327
Kraftfahrzeugmechatroniker/-in

228

Tierärztin/Tierarzt (Erteilung der Approbation)

189

Elektroanlagenmonteur/-in

183
0

2.000

4.000

6.000

Quelle und Erläuterung: Auswertungen des Statistischen Bundesamtes; Darstellung des BIBB. Gemeldete Anträge.

aus. Beide Berufe zählen aktuell zu den Engpassberu­
fen, in denen ein akuter Fachkräftemangel herrscht.52
Damit wirkt das Gesetz dort, wo qualifiziertes Personal
benötigt wird.

3.2 Antragstellende aus der EU
überwiegen – Steigerung auch
bei Drittstaaten

Wie sich schon bei der Darstellung der Informations­
und Beratungsangebote andeutete, zeigt sich auch bei
der Anzahl der Anträge von Personen, die ihren Wohn­
sitz zum Zeitpunkt der Antragstellung im Ausland
hatten, ein deutlicher Anstieg. So wurden 2014 insge­
samt 2.082 Neuanträge von Personen gestellt, die ihren
Wohnsitz im Ausland hatten, was einer Steigerung
gegenüber dem Vorjahr um 51,9 Prozent entspricht
(2013: 1.371, 2012: 531 Anträge).

Beim Vergleich der Staaten, in denen die Antragstellenden ihre Qualifikation erworben haben53, stand 2014
der Ausbildungsraum EU, EWR und Schweiz mit einem
Anteil von 54,8 Prozent an erster Stelle. 23,9 Prozent
beendeten ihre Ausbildung in einem der übrigen euro­
päischen Länder und 12,9 Prozent in einem asiatischen
Staat.

52	 Vgl. BA 2015a, S. 13.

53	 Ausbildungsstaaten können auch Staaten sein, die zum jetzigen
Zeitpunkt nicht mehr existieren, wie zum Beispiel die Sowjetunion
(156 Anträge von Personen mit diesem Ausbildungsstaat im Jahr
2014) oder auch die Bundesrepublik Jugoslawien (66 Anträge in
2014). Da keine tiefer gehenden regionalen Informationen zu dem
Staat, in dem die Qualifikation erworben wurde, vorliegen, ist es
nicht möglich, diese Nennungen auf derzeit bestehende Staaten
aufzuteilen, was auch angesichts möglicherweise unterschiedlicher
Bildungssysteme nicht zweckmäßig wäre.

AMTLICHE STATISTIK – STEIGENDE NACHFRAGE BEI SINKENDER ABLEHNUNGSQUOTE

Polen (1.662 Anträge im Jahr 2014) und Rumänien
(1.614) befinden sich seit Inkrafttreten des Anerken­
nungsgesetzes an der Spitze der am häufigsten erfass­
ten Ausbildungsstaaten. Nach Bosnien und Herzego­
wina (1.020) sowie Spanien (921) folgte 2014 auf Platz
fünf die Russische Föderation, bei der sich die Zahl
von 906 Anträgen im Jahr 2012 auf 780 im Jahr 2014
verringerte.54
Abbildung 8 zeigt die Regionen, in denen die Antragstellenden des Jahres 2014 ihre Qualifikationen erwor­
ben hatten.
61,7 Prozent der Personen, die 2014 einen Antrag
stellten, besaßen zum Antragszeitpunkt die Staatsan­
gehörigkeit eines EU-/EWR-Staates oder der Schweiz,

29

18,8 Prozent eines der übrigen europäischen Staaten
und 12,3 Prozent eines asiatischen Staates.
Wie schon in den Jahren zuvor, war mit 2.283 Anträgen
die deutsche Staatsangehörigkeit bei den Antragstel­
lenden mit im Ausland erworbenen Qualifikationen
am häufigsten vertreten. Ihr Anteil an allen Anträgen
ging jedoch von 16 Prozent 2012 auf 13 Prozent 2014
zurück. Wie in den Vorjahren folgten auf Platz zwei
und drei rumänische und polnische Antragstellende
(1.446 beziehungsweise 1.359 Anträge). Die Zahl der
Neuanträge von Staatsangehörigen aus Bosnien und
Herzegowina hat sich von 357 im Jahr 2013 auf 909
im Jahr 2014 deutlich mehr als verdoppelt. Auf Platz
fünf folgte 2014 die spanische Staatsangehörigkeit mit
864 Anträgen.

Abbildung 8 Ausbildungsstaaten der Personen, die im Jahr 2014 einen Antrag gestellt haben, nach Regionen gruppiert
(absolut)
EU-Staaten (inkl. EWR und Schweiz)

9.669

Übriges Europa

4.215

Vorderasien

1.380

Nordafrika

705

Ost- und Zentralasien 456
Süd- und Südostasien 432
Südamerika

291

Mittelamerika und Karibik

111

Nordamerika

78

Sonstige Ausprägungen

69

Westafrika

66

Zentralafrika

51

Ostafrika

51

Australien und Ozeanien

36

Südliches Afrika

15
0

2.000

4.000

6.000

8.000

10.000

Quelle und Erläuterung: Auswertungen des Statistischen Bundesamtes; Darstellung des BIBB. Gemeldete Anträge.

54	 Weitere Informationen zu den Ausbildungsstaaten der Antragstel­
lenden sind unter https://www.anerkennung-in-deutschland.de/
html/de/statistik_zum_bundesgesetz.php zu finden.

30

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Abbildung 9 Anzahl der neu gestellten Anträge 2012 bis 2014 bei den zehn häufigsten Staatsangehörigkeiten (absolut)
2.283

Deutschland

1.764

Rumänien

996

Polen

225

Spanien

909

357

768

252

Kroatien

864

675

420

165

1.446

1.359
1.239

645

Bosnien und Herzegowina

1.212

2.466

675
597
561

Ungarn

Griechenland

432

567
549
564
648
696

Russische Föderation

Serbien (ohne Kosovo)

180

303

0

516

500
2014

1.000
2013

1.500

2.000

2.500

3.000

2012

Quelle und Erläuterung: Auswertungen des Statistischen Bundesamtes; Darstellung des BIBB. Gemeldete Anträge.

3.3 Anerkennungsquoten auf hohem
Niveau
Für das Jahr 2014 meldeten die zuständigen Stellen
14.838 erstellte Bescheide. Gegenüber dem Jahr 2013
entsprach das mit zusätzlichen 1.491 Bescheiden einer
Steigerung um 11,2 Prozent. Seit dem Inkrafttreten des
Gesetzes 2012 wurden 36.162 Bescheide erstellt.55
Abbildung 10 zeigt den Ausgang der Entscheidung bei
beschiedenen Verfahren differenziert nach reglemen­
tierten und nicht reglementierten Bundesberufen im
55	 Dies bedeutet jedoch nicht, dass auch so viele Verfahren beendet
wurden. Pro Verfahren kann es auch mehr als einen Bescheid geben,
zum Beispiel bei reglementierten Berufen, wenn eine Ausgleichs­
maßnahme auferlegt wird.

Jahr 2014. 77,8 Prozent aller Bescheide stellten eine vol­
le Gleichwertigkeit der im Ausland erworbenen Berufs­
qualifikation mit dem deutschen Referenzberuf fest.
Dies ist eine Steigerung von 3,1 Prozent im Vergleich
zu 2013 (74,7 Prozent). Insgesamt konnten von 2012 bis
2014 bereits 28.062 positive Bescheide56 erstellt werden.
Davon bezogen sich 23.523 Bescheide, also 83,8 Pro­
zent, auf reglementierte Berufe, bei denen die Anerken­
nung eine Voraussetzung für die Berufsausübung ist.
Die Ablehnungsquote sank weiter von 4,0 Prozent im
Jahr 2013 auf 3,6 Prozent im Jahr 2014.

56	 Volle Gleichwertigkeiten und beschränkter Berufszugang nach
Handwerksordnung (HwO). Die Ausnahmebewilligung zur Ein­
tragung in die Handwerksrolle wird auf wesentliche Tätigkeiten
beschränkt, für die eine Gleichwertigkeit festgestellt wird.

AMTLICHE STATISTIK – STEIGENDE NACHFRAGE BEI SINKENDER ABLEHNUNGSQUOTE

31

2014 64,1 Prozent. Ebenfalls leicht stieg der Anteil der
negativen Bescheide – das sind Bescheide über keine
Gleichwertigkeit sowie Bescheide über die Unaufklär­
barkeit des Sachverhaltes – von 4,4 Prozent in 2013
auf 5,2 Prozent in 2014. Von 32,8 Prozent auf 30,7 Pro­
zent sank hingegen der Anteil der Bescheide, die eine
teilweise Gleichwertigkeit feststellten. Dabei kann
auch ein Bescheid über eine teilweise Gleichwertigkeit
nützlich sein: Durch die Dokumentation der festge­
stellten wesentlichen Unterschiede zum deutschen
Referenzberuf können die Antragstellenden gezielt
an Anpassungsqualifizierungen teilnehmen (zumeist
Nachholen der praktischen Ausbildungselemente).
Indem der Bescheid die vorhandenen Qualifikationen
darstellt, bietet er darüber hinaus Transparenz für
Arbeitgeber und kann auf diese Weise die Integration
in Arbeit fördern.

11.385 Bescheide bezogen sich 2014 auf einen reglemen­
tierten Referenzberuf. Nur 3,1 Prozent der Bescheide
waren negativ. Im Jahr 2013 waren es noch 4,0 Prozent.
9.336 Bescheide beziehungsweise 82 Prozent stellten
hier eine volle Gleichwertigkeit der ausländischen
Qualifikation mit dem deutschen Referenzberuf fest.57
Bei 14,9 Prozent der Bescheide stand die auferlegte
Ausgleichsmaßnahme zum 31. Dezember 2014 noch
aus. Wenn die Antragstellenden die Ausgleichsmaßnah­
men (Prüfung oder Lehrgang) erfolgreich abgeschlossen
haben, können auch diese Fälle als voll gleichwertig
beschieden werden.
Für nicht reglementierte Berufe wurden 2014 insge­
samt 3.453 Bescheide erstellt. Auch bei diesen stieg der
Anteil der Bescheide über eine volle Gleichwertigkeit.
Lag dieser 2013 noch bei 62,9 Prozent, so betrug er

Abbildung 10 Ausgang der Entscheidung bei reglementierten und nicht reglementierten Berufen 2014 (in Prozent)
100 %
90 %
80 %

3,1 %

3,6 %
7,1 %

5,2 %

14,9 %

11,4 %

30,7 %

70 %
60 %
50 %
40 %

82,0 %

77,8 %

64,1 %

30 %
20 %
10 %
0%

alle Berufe
(14.838 Bescheide)

reglementierte Berufe
(11.385 Bescheide)

nicht reglementierte Berufe
(3.453 Bescheide)

keine Gleichwertigkeit (inkl. Unaufklärbarkeit des Sachverhaltes bei nicht reglementierten Berufen)
teilweise Gleichwertigkeit (nur nicht reglementierte Berufe)
Auflage einer Ausgleichsmaßnahme, welche zum 31.12.2014 noch nicht abgeschlossen war (nur reglementierte Berufe)
volle Gleichwertigkeit (inkl. beschränkter Berufszugang nach HwO bei reglementierten Berufen)
Quelle und Erläuterung: Auswertungen des Statistischen Bundesamtes; Darstellung des BIBB.
Gemeldete Bescheide 2014. Anteil volle Gleichwertigkeit beinhaltet Antragstellende,
die Ausgleichs- beziehungsweise Anpassungsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen haben.

57 Dieser kann eine erfolgreich absolvierte Ausgleichsmaßnahme
vorausgegangen sein.

32

3.4 Zügige Gleichwertigkeits­
verfahren und hohe Akzeptanz
der Entscheidungen
Die durchschnittliche Zeit vom Vorliegen der voll­
ständigen Unterlagen bis zum ersten rechtsmittel­
fähigen Bescheid betrug bei im Jahr 2014 beschiedenen
Verfahren durchschnittlich 79,9 Tage. Dabei bestanden
teilweise starke Unterschiede zwischen einzelnen
Referenzberufen.58 Die Spannweite reichte von durch­
schnittlich etwa 30 bis zu 171 Tagen.59

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Für 6.660 Verfahren, also 44,9 Prozent der beschiede­
nen Verfahren wurde 2014 laut den Meldungen der
zuständigen Stellen in weniger als einem Monat ein
(erster) Bescheid erstellt. In 62,1 Prozent der Fälle lag
in weniger als zwei Monaten ein Bescheid vor. In acht
von zehn Fällen dauerte das Verfahren bis zum ersten
rechtsmittelfähigen Bescheid weniger als vier Monate.
Aber auch wenn ein Verfahren länger als die vorgege­
benen Bearbeitungsfristen von drei beziehungsweise
vier Monaten dauerte, heißt dies noch nicht, dass
damit die gesetzliche Frist nicht eingehalten wur­
de. So kann es zu einer Fristverlängerung kommen,
zum Beispiel wenn sich im Laufe des Prüfverfahrens
herausstellt, dass die vorgelegten Unterlagen für
eine Gleichwertigkeitsprüfung nicht ausreichen und
dementsprechend Unterlagen nachgefordert werden
müssen. Im Jahr 2014 war dies bei 7.092 Bescheiden
zu reglementierten Referenzberufen und 264 zu nicht
reglementierten Berufen der Fall.
Gegen eine negative Entscheidung oder einen Be­
scheid mit der Feststellung einer teilweisen Gleich­
wertigkeit, einen Bescheid über die Auflage einer
Ausgleichsmaßnahme oder gegen einen beschränkten
Berufszugang nach HwO wurde im Jahr 2014 bei 15
Verfahren für nicht reglementierte Berufe und in 33
Fällen bei reglementierten Berufen ein Rechtsbehelf
eingelegt. Hier zeigt sich wie in den Jahren zuvor, dass
der Rechtsweg seitens der Antragstellenden äußerst
selten beschritten wird.

Łukasz Wesołowski arbeitet in Norddeutschland als Elektroniker für
Maschinen und Antriebstechnik. Sein polnischer Berufsabschluss als
Elektromechaniker wurde anerkannt, nachdem er einen Anpassungs­
lehrgang erfolgreich absolvierte.

58	 So dauerte ein Verfahren zum Beispiel bei Anträgen auf Anerken­
nung als Tierärztin/Tierarzt (174 Bescheide) durchschnittlich
30,4 Tage, bei Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement (57 Be­
scheide) durchschnittlich 51,4 Tage oder bei Hebamme/Entbin­
dungspfleger (75 Bescheide) durchschnittlich 133 Tage. Jedoch ist
die Dauer eines Verfahrens nicht nur vom Referenzberuf abhängig.
Weitere Einflussfaktoren können auch die Staatsangehörigkeit oder
der Ausbildungsstaat sein.
59	 Diese Spannweite umfasst nur Berufe mit mehr als 29 Bescheiden.
Darunter ist der Durchschnitt zu stark von Einzelfällen abhängig.

ANERKENNUNGSVERFAHREN – AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

4.

33

Anerkennungsverfahren – aktuelle Entwicklungen

34

4.1 Anerkennungsverfahren nehmen
auch in den dualen Ausbildungs­
berufen zu
Wie bereits dargestellt stieg der Bedarf an Beratung zur
Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen
auch im nicht reglementierten Bereich deutlich (vgl.
Kap. 2). Dabei zeigt sich die Bedeutung einer intensiven
Beratung auch anhand der amtlichen Statistik. So muss­
ten nur in weniger als 6 Prozent der 2014 durchgeführten
Verfahren für nicht reglementierte Berufe Unterlagen im
Rahmen des Verwaltungsverfahrens nachgefordert wer­
den – dies ist auch ein Beleg dafür, dass in der Einstiegs­
beratung wichtige Grundlagen für ein gelingendes und
zügiges Verfahren geschaffen werden.
Der Anteil der Anträge zur Anerkennung eines dualen
Ausbildungsberufs an allen Berufsgruppen steigt von
Jahr zu Jahr. 2014 wurden insgesamt 3.453 Bescheide
für nicht reglementierte Berufe erstellt. Dies ist eine
Steigerung von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dabei zeigt sich, dass in fast 95 Prozent der Bescheide
eine volle oder teilweise Gleichwertigkeit der erworbe­
nen Berufsqualifikation mit der deutschen Referenz­
qualifikation festgestellt werden konnte.
Von allen dualen Ausbildungsberufen wurde in 2014
am häufigsten eine Anerkennung für die Berufe Büro­
kauffrau und Bürokaufmann sowie Elektronikerin und
Elektroniker beantragt (siehe Abbildung 11).60

4.2 Heilberufe – Wege zu
einheitlichen Standards und
Verfahren

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

lich aus. Dies wird besonders bei den Heilberufen
deutlich.61 In diesen bundesrechtlichen Berufen ist ein
konsequentes Zusammenspiel von Bundesministeri­
um für Gesundheit (BMG) und Ländern notwendig,
um möglichst einheitliche Verfahren zu erreichen.
Die über 27.500 Anträge auf eine Anerkennung als
Ärztin und Arzt oder Gesundheits- und Krankenpfle­
gerin und -pfleger werden bisher auf Basis unter­
schiedlich umgesetzter Kriterien und Anforderungen
geprüft.
Dies zeigen unter anderem die Ergebnisse einer Ärzte­
befragung62 sowie durchgeführte Workshops mit den
zuständigen Anerkennungsstellen.
Das Monitoring-Team des BIBB hat von September
bis Dezember 2015 Workshops für die Mitarbeiten­
den von Länderbehörden durchgeführt, die für die
Ärzte- sowie Gesundheits- und Krankenpflegeran­
erkennung zuständig sind.63 Ziel der bundesweit an
verschiedenen Standorten abgehaltenen Workshops
war es, die Erfahrungen der zuständigen Stellen
einzuholen, den Austausch untereinander zu fördern
und damit Transparenz zu schaffen. Darüber hinaus
wurde der Fokus auf Verbesserungsmöglichkeiten
gelegt sowie auf die Herausforderungen rund um die
Einrichtung der länderübergreifenden Gutachtenstelle (vgl. Kap. 4.2.2).

4.2.1 Kriterien und Vorgehensweisen weiter
vereinheitlichen
Schon in den letzten beiden Berichten zum Anerken­
nungsgesetz wurde über uneinheitliche Vorgehenswei­
sen bei der Antragsprüfung berichtet. Auch die Work­
shops haben bestätigt, dass an verschiedenen Punkten
im Anerkennungsverfahren abgestimmte einheitliche
Vorgaben und Kriterien fehlen.

Auch vier Jahre nach Inkrafttreten des Anerkennungs­
gesetzes sieht die konkrete Umsetzung der Anerken­
nungsregelungen von Land zu Land noch unterschied­

60	 Dabei sanken die Antragszahlen für den erstgenannten Beruf
von 426 Anträgen im Jahr 2013 auf 360 im Jahr 2014. Dies kann
dadurch erklärt werden, dass am 1. August 2014 die drei Berufe
Bürokauffrau/-kaufmann, Kauffrau/Kaufmann für Bürokommuni­
kation sowie Fachangestellte/-r für Bürokommunikation zu dem
neuen Berufsbild Kauffrau/Kaufmann für Bürokommunikation zu­
sammengefasst wurden. Für das neue Berufsbild wurden zwischen
August und Dezember 2014 insgesamt 144 Anträge gestellt.

61	 Vgl. Böse und Wünsche 2015, S. 32 ff.
62	 Siehe dazu die Datensatzbeschreibung zu der Befragung von Ärztin­
nen und Ärzten im Anhang.
63	 Siehe dazu die Datensatzbeschreibung zu den Workshops im
Anhang.

ANERKENNUNGSVERFAHREN – AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

35

Abbildung 11 Die fünf dualen Ausbildungsberufe mit den meisten Neuanträgen in 2014 (absolut)
400
350

360

345

300
250
228

200

183

150

147

100
50
0

Bürokauffrau/-kaufmann

Elektroniker/-in

Kraftfahrzeug­
mechatroniker/-in

Elektroanlagen­
monteur/-in

Verkäufer/-in

Quelle und Erläuterung: Auswertungen des Statistischen Bundesamtes; Darstellung des BIBB. Gemeldete Anträge in dualen Ausbildungsberufen.

Die relevantesten Themenbereiche sind:
Zuständigkeitsprüfung/Antragsunterlagen: Um zu
klären, ob wirklich eine Zuständigkeit für den ein­
gereichten Antrag besteht, fordern die zuständigen
Behörden mit der Antragstellung unterschiedliche
Nachweise. Einigen Stellen reicht eine Absichtserklä­
rung aus, im entsprechenden Bundesland berufstätig
werden zu wollen. Andere fordern den Nachweis einer
festen Arbeitsplatzzusage und/oder eine persönliche
Vorsprache in der Behörde, auch Wohnortbescheini­
gungen werden teilweise vorausgesetzt. Eine Antrag­
stellung vom Ausland aus wird dadurch in diesen
Fällen unmöglich gemacht.
Die betreffenden zuständigen Stellen geben an, die
teilweise sehr „strenge“ Handhabung sei aufgrund der
großen Nachfrage notwendig. Ziel sei es, die Personen
herauszufiltern, die den Antrag ernsthaft verfolgten
und bei denen eine hohe Chance auf Integration in den
Arbeitsmarkt bestehe.
Die Anerkennungsregelungen sehen hierzu jedoch ein­
deutig vor, dass als Voraussetzung für die Antragstel­
lung keine sachfremden Kriterien gesetzt werden dür­
fen. Die gesetzlichen Vorschriften ermöglichen auch
die Antragstellung aus dem Ausland. Ausschlaggebend
für die regionale Zuständigkeit ist der Ort, an dem

der Beruf ausgeübt werden soll. Stellenzusage und
Wohnortbescheinigungen sind keine Voraussetzun­
gen für die Antragstellung.64 Die zuständigen Stellen
können verlangen, dass die Absicht, in dem örtlichen
Zuständigkeitsbereich arbeiten zu wollen, konkretisiert
dargelegt wird. Die Anforderungen dürfen aber nicht
so hoch angesetzt werden, dass das Recht der Antragstellenden auf Zugang zum Anerkennungsverfahren
ins Leere läuft. Das Erfordernis einer Arbeitsplatzzusage
vor erfolgter Anerkennung ist für die Antragstellenden
in den meisten Fällen unerfüllbar.
Das BMG und das BMBF haben gegenüber der Arbeits­
gemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehör­
den (AOLG) schriftlich auf diese Rechtslage hingewie­
sen und die Frage auch zum Gegenstand der Sitzung
der Arbeitsgruppe Berufe der AOLG am 18./19. Februar
2016 gemacht. Dort konnte weitgehender Konsens über
die dargelegte Rechtslage erzielt werden.
Uneinheitlichkeit besteht weiterhin im geforderten
Detailgrad bei Übersetzungen und Beglaubigungen. So
akzeptieren manche Stellen alle Übersetzerinnen und
Übersetzer, andere nur die in Deutschland vereidigten.
Ferner bestehen Unterschiede vor allem bei der Frage,

64 Vgl. BMBF 2015, S. 85.

36

welche Dokumente zu beglaubigen sind. In der AG
„Berufe des Gesundheitswesens“ der AOLG im Februar
2016 verständigten sich Bund und Länder darauf, einen
an den Vorgaben der ZAB orientierten Anforderungs­
katalog für Übersetzungen und Beglaubigungen als
gemeinsame Grundlage zu akzeptieren, der vom BMBF
vorbereitet wird.
Die Länder sind gefordert, auf entsprechende einheit­
liche Umsetzung durch die zuständigen Behörden
hinzuwirken, gegebenenfalls verwaltungsinterne
Vorgaben anzupassen oder entsprechende Erlasse
zu erteilen. Das BMG bereitet aktuell, basierend auf
entsprechenden Stellungnahmen der Länder, einen
Bericht über die Erfahrungen mit den bundesrechtli­
chen Regelungen zu den Anerkennungsverfahren vor.
Auf der Grundlage dieses Berichts kann dann geprüft
werden, ob darüber hinaus gesetzliche Anpassungen
erforderlich sind.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Echtheitsprüfung: Die zuständigen Stellen beschrei­
ben die Bewertung der Echtheit von Unterlagen als
große Herausforderung. Auch wenn die Unterlagen
beglaubigt seien (Legalisation/Apostille), bleibe in vie­
len Fällen die Vermutung, dass es sich um eine Gefäl­
ligkeitsbescheinigung handele. Dies sei vor allem dann
der Fall, wenn im Verlauf des Verfahrens eingereichte
Unterlagen (beispielsweise über Berufserfahrung)
genau die wesentlichen Unterschiede abdeckten, die
vorher im Erstbescheid formuliert wurden. Vermehrt
komme es auch vor, dass eingereichte Lehrpläne von
Universitäten in Drittstaaten sowohl in der Reihen­
folge der Fächerauflistungen als auch bei bestimmten
Inhalten den Lehrplänen der Vergleichscurricula
im Antragsbundesland entsprächen. Hier liege trotz
Legalisation zumindest die Vermutung nahe, dass die
Unterlagen ganz gezielt für eine Antragstellung auf
Anerkennung angepasst wurden.

Ana Poli arbeitet in einem Uniklinikum in Nordrhein-Westfalen als Gesundheits- und Krankenpflegerin, nachdem sie ihren griechischen Berufsabschluss
anerkennen ließ.

ANERKENNUNGSVERFAHREN – AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

Dokumente aus Syrien werden von der Botschaft Beirut
seit Oktober 2015 nicht mehr legalisiert, weil die Zahl
der Fälschungen von Approbationen und sonstigen
Abschlussdokumenten erheblich zugenommen hat.
Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat dies den
Landesgesundheitsbehörden schriftlich mitgeteilt. In
den Ländern wird in diesen Fällen überwiegend auf
die Möglichkeit der Kenntnisprüfung bei nicht oder
nicht hinreichend vorhandenen Unterlagen hingewie­
sen. Dieses Vorgehen erscheint angemessen, da eine
Echtheitsprüfung von den zuständigen Stellen in der
gegebenen schwierigen Situation nicht mehr leistbar ist.
Bewertungsgrundlagen: In Bezug auf die Prüfung der
Gleichwertigkeit von ausländischen Ärztequalifika­
tionen ist eine Uneinheitlichkeit der Prüfung bereits
systembedingt: Als Vergleichsdokument nutzt die
zuständige Stelle jeweils das Curriculum einer Uni­
versität ihres Bundeslandes. Die Curricula der Univer­
sitäten sind bundesweit nicht einheitlich. Hier wird
aktuell durch die neue zentrale Gutachtenstelle ein
einheitliches fachlich-inhaltliches Instrumentarium
zur Bewertung der Abschlüsse erarbeitet, auf das sich
die Länder einigen können. Auch die Bewertungsmaß­
stäbe sind nach wie vor nicht einheitlich: Die Frage,
was konkret als wesentlicher Unterschied zu bewerten
ist, wird bisher nicht einheitlich beantwortet. Einige
Stellen vergleichen ausschließlich die Stundenzahl der
absolvierten Fächer, also quantitativ. Abweichungen
von 15 bis 20 Prozent werden dann als wesentlicher
Unterschied bezeichnet. Andere prüfen inhaltlich, da
die Quantitäten allein nicht aussagekräftig seien und
damit keine ausschließliche Bewertungsgrundlage
darstellten. Zukünftig wird zu beachten sein, dass nach
den Vorgaben der umgesetzten Richtlinie 2013/55/EU
allein der Unterschied der Stundenzahl als Begrün­
dung eines wesentlichen Unterschiedes nicht mehr
ausreicht. Wesentliche Unterschiede müssen inhaltlich
begründet werden.
Einige zuständige Stellen bieten den Antragstellenden
aus bestimmten Drittstaaten an, ohne einen Doku­
mentenvergleich direkt in die Ausgleichsmaßnahme
zu gehen. Dieses Angebot wird in der Regel von jenen
Stellen ausgesprochen, deren Erfahrung es ist, dass
Anträge aus bestimmten Drittstaaten immer wesent­
liche Unterschiede aufweisen. Aufgrund dessen bieten
sie den Antragstellenden an, auf das Gutachtenverfah­

37

ren zu verzichten und dadurch möglicherweise auch
Aufwand und Kosten zu reduzieren, da kleinteilige
Übersetzungen, zum Beispiel von Stundenauflistungen,
damit unnötig werden. Die Antragstellenden gehen
dann direkt in eine Kenntnisprüfung. Für die Antragstellenden kann dies eine Option zur Beschleunigung
des Anerkennungsverfahrens sein, insbesondere wenn
konkret die Möglichkeit besteht, an einer Anpassungs­
maßnahme teilzunehmen.
Die Rechtsverordnung in den Heilberufen65 sieht
konkrete Vorgaben für die Inhalte der Bescheide vor,
die nach Abschluss der Dokumentenprüfung erstellt
werden und die unter anderem die Auflage enthalten,
an einer Ausgleichsmaßnahme teilzunehmen. Nach
geltender Rechtslage ist auf Basis der Prüfergebnisse
der vorgelegten Dokumente ein Bescheid zu erteilen.
Dieser kann die volle Gleichwertigkeit bestätigen oder
die Auflage zur Teilnahme an einer Ausgleichsmaßnah­
me enthalten.
Die Mitarbeitenden der zuständigen Stellen, die an
den Workshops teilgenommen haben, wünschen
sich eine Abstimmung und Einigung auf einheitliche
Bewertungsmaßstäbe der Länder sowie überwiegend
konkretere Handlungsvorgaben. Mit der Einrichtung
und Arbeitsaufnahme der länderübergreifenden Gut­
achtenstelle sollten diese notwendigen Schritte jetzt
zügig aufgenommen werden (vgl. Kap. 4.2.3).
Nachweis über Sprachkenntnisse: Aufgrund der Be­
mühungen der vergangenen Jahre ist im Gesundheits­
bereich insgesamt eine weitere Tendenz zur Verein­
heitlichung hinsichtlich des geforderten Sprachniveaus
zu verzeichnen. Entsprechend dem von der Gesund­
heitsministerkonferenz verfassten Eckpunktepapier66
zum Nachweis der erforderlichen Sprachkenntnisse in
den akademischen Heilberufen wird das Ablegen einer
Fachsprachprüfung auf dem Niveau C1 auf der Basis
eines Nachweises über das Niveau GER-B2 verlangt. Die
Praxis in der Umsetzung der Eckpunkte ist dabei aber
65 Verordnung zur Durchführung und zum Inhalt von Anpassungsmaß­
nahmen zur Erteilung der Berufserlaubnis in den Heilberufen des
Bundes vom 2. August 2013 (BGBl. I S. 3005).
66 87. GMK am 26./27. Juni 2014 „Eckpunkte zur Überprüfung der
für die Berufsausübung erforderlichen Deutschkenntnisse in den
akademischen Heilberufen“, vgl. www.gmkonline.de/documents/
TOP73BerichtP_Oeffentl_Bereich.pdf.

38

noch immer uneinheitlich. In einigen Ländern reicht
das Ablegen der Sprachprüfung auf C1-Niveau, da mit
diesem der Nachweis B2 als abgegolten betrachtet wird.
In anderen Ländern wird ein zusätzlicher Nachweis
nach B2 verlangt. Bei den Gesundheitsfachberufen ist
in der Regel das Niveau GER-B2 Voraussetzung für die
Zulassung.
Häufig wird der Sprachnachweis schon zu Verfahrens­
beginn mit den Antragsunterlagen gefordert. Die
Mitarbeitenden in den zuständigen Stellen erhoffen
sich dadurch eine reibungslosere Kommunikation mit
den Antragstellenden, die sonst nicht oder zum Teil nur
rudimentär möglich sei. Spätestens vor Beginn einer
Ausgleichsmaßnahme sollten aus Sicht der Mehr­
heit der Mitarbeitenden der zuständigen Stellen die
Sprachkenntnisse nachgewiesen werden, da diese auch
unverzichtbar für einen positiven Ausgang der Aus­
gleichsmaßnahme seien.
Bereits nach bestehender Rechtslage dürfen Sprach­
kenntnisse erst für die Berufszulassung/Approbation
gefordert werden und nicht bereits mit der Antrag­
stellung zum Anerkennungsverfahren.67 Im Rahmen
der Umsetzung der EU-Richtlinie 2013/55/EU in den
Heilberufen68 wird dieser Grundsatz gestärkt und
den Antragstellenden die Option eingeräumt, einen
Gleichwertigkeitsbescheid losgelöst vom Sprachnach­
weis zu beantragen. Die Antragstellenden haben damit
die Möglichkeit, auch noch während des Verfahrens die
notwendigen Sprachkenntnisse zu erwerben.

4.2.2 Kompetenzbündelung bei länder­
übergreifender Gutachtenstelle
Die Durchführung eines Anerkennungsverfahrens
ist anspruchsvoll. Gerade im Bereich der Heilberufe
sind die Anforderungen an die zuständigen Stellen
aufgrund des hohen Antragsaufkommens und einer
entsprechenden Nachfrage nach persönlicher Beratung
bei gleichzeitig begrenzten personellen Kapazitäten
besonders hoch. Außerdem tragen die zuständigen
Stellen besondere Verantwortung für die Gewährleis­
tung des Patientenschutzes.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Eine Prüfung aufgrund der reinen Aktenlage birgt
zwangsläufig Risiken, die auch von den Mitarbeitenden
der zuständigen Stellen formuliert werden. So sei eine
Einbeziehung der Originalunterlagen in der Regel nicht
möglich, wenn diese nur in anderen Schriftsystemen,
wie zum Beispiel Chinesisch, Koreanisch, Arabisch oder
Russisch, vorlägen. Die zuständige Behörde müsse oft
auf die deutsche Übersetzung vertrauen, die fachliche
Unschärfen und auch Fehler enthalten könne. Darüber
hinaus sei eine Echtheitsprüfung der Originalurkunden
durch Inaugenscheinnahme, ohne zusätzliche Recher­
chen, kaum sachgerecht möglich.
Mit der ZAB steht den Ländern ein Kompetenzzen­
trum für Fragen der Beschreibung, Bewertung und
Einstufung ausländischer Bildungsnachweise in das
Bildungssystem Deutschlands zur Verfügung. Zu des­
sen Kernaufgaben gehören die Beobachtung, Analyse
und Bewertung ausländischer Bildungssysteme sowie
die Dokumentation und Veröffentlichung dieser Infor­
mationen über die Datenbank anabin.69
Die ZAB verfügt über ein umfassendes Kontaktnetz zu
Bildungsinstitutionen und Behörden insbesondere in
Drittstaaten. Darauf aufbauend kann die neue zentrale
Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe, die in 2016
die Auftragsbearbeitung in einem neuen, erweiterten
Umfang aufnimmt, einen entscheidenden Beitrag dazu
leisten, die Behörden bei der Prüfung und Bewertung
der Unterlagen zu unterstützen und das Wissens­
management über ausländische Abschlüsse sowie die
Qualitätssicherung im Anerkennungsverfahren zu
verbessern. Auch unter dem Gesichtspunkt der Ein­
heitlichkeit der Verwaltungsentscheidungen und der
Nutzung von Synergieeffekten ist die Einrichtung einer
zentralen länderübergreifenden Gutachtenstelle ein
wichtiger Schritt. Das dargestellte Konzept stellt die Ar­
beit der Gutachtenstelle in der Pilotphase dar. Während
dieser Zeit wird die neue Gutachtenstelle durch eine
Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Gesundheitsmi­
nisterkonferenz (GMK), der Kultusministerkonferenz
(KMK) und der ZAB begleitet, um die Festlegungen im
Konzept zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassun­
gen vornehmen zu können.

67 Vgl. BMBF 2015, S. 107.

68 Die Richtlinie sieht eine Umsetzung zum 18. Januar 2016 vor. Zum 

Stand der Umsetzung in den Heilberufen des Bundes siehe Kap. 1.

69 Siehe http://anabin.kmk.org.

ANERKENNUNGSVERFAHREN – AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

39

Tabelle 2 Die länderübergreifende Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe beim Sekretariat der KMK/ZAB
Zeitplan
Januar 2016: Beginn der Aufbau- und Einarbeitungsphase
bis August 2016: Übergang zur Auftragsbearbeitung in der dreijährigen Pilotphase

Referenzberufe
Akademische Heilberufe

Gesundheitsfachberufe

Ärztin/Arzt

Altenpfleger/-in, Diätassistent/-in, Ergotherapeut/-in, Hebamme/Entbindungspfleger,
Gesundheits- und Krankenpfleger/-in, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in, Logo­
pädin/Logopäde, Masseur/-in und Medizinische/-r Bademeister/-in, Orthoptist/-in,
Physiotherapeut/-in, Podologe/-in, Pharmazeutisch-technische/-r Assistent/-in, Rettungs­
assistent/-in/Notfallsanitäter/-in, Technische Assistentinnen/Assistenten in der Medizin
(Medizinisch-technische/-r Assistent/-in für Funktionsdiagnostik; Medizinisch-technische/-r
Laboratoriumsassistent/-in; Medizinisch-technische/-r Radiologieassistent/-in

Zahnärztin/Zahnarzt
Apotheker/-in
Psychologische/-r Psychotherapeut/-in
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut/-in

Auftragsarten
Echtheitsprüfung

Die Echtheitsprüfung durch die ZAB ist dann sinnvoll, wenn Zweifel an der Authentizität der
vorgelegten Qualifikationsnachweise bestehen und die vorgelegten Dokumente durch die
zuständige Anerkennungsbehörde nicht geprüft werden können, weil zum Beispiel die not­
wendigen Sprach- und/oder Schriftkenntnisse nicht vorhanden sind. Auch der ZAB sind je nach
politischer Situation Grenzen bei der Einbeziehung von Einrichtungen im Ausland gesetzt.

Bestimmung der deutschen Referenzqualifikation Dieser Auftrag wird dann erteilt, wenn die Behörde, bei der der Antrag auf Anerkennung
gestellt wurde, den deutschen Referenzberuf selbst nicht zweifelsfrei bestimmen kann. Der
Referenzberuf bestimmt, welche Behörde für die Anerkennung zuständig ist.
Detailliertes Gutachten zur Gleichwertigkeit

Die Erstellung gliedert sich in drei Teile:
1. Die Erfassung der wesentlichen Merkmale der ausländischen Berufsqualifikation.
2. Ein qualifizierter Vergleich mit der deutschen Referenzqualifikation unter Darstellung und
Begründung der ermittelten wesentlichen Unterschiede.
3. Eine Empfehlung bezogen auf die Gleichwertigkeit zur deutschen Referenzqualifikation.

Dokumentation
Die Gutachten sowie die Entscheidungen der Behörden werden in der Datenbank anabin dokumentiert. Mehrfachbegutachtungen ähnlicher
Qualifikationen durch die ZAB sollen so vermieden und länderübergreifend für gleiche Qualifikationen einheitliche Anerkennungsentscheidungen
getroffen werden.

Auftragsvolumen
Gemäß Beschluss der 86. Gesundheitsministerkonferenz (GMK) vom 26./27. Juni 2013 zu TOP 7.1 Ziffer 4 soll die Gutachtenstelle während einer
Pilotphase von drei Jahren 3.000 Gutachten pro Jahr erstellen.

Aufwandserstattung
Die ZAB stellt der zuständigen Behörde den Aufwand abhängig von der Auftragsart in Rechnung:
Echtheitsprüfung: 145 Euro
Bestimmung des deutschen Referenzberufs: 206 Euro
Detailliertes Gutachten: 515 Euro
Gemäß Beschluss der 86. GMK vom 26./27. Juni 2013 müssen die laufenden Kosten der länderübergreifenden Gutachtenstelle durch die zuständi­
gen Behörden über die Erhebung von Auslagen möglichst weitgehend refinanzierbar sein. Für das erste Jahr ist eine Anschubfinanzierung durch die
Gesundheitsressorts nach dem Königsteiner Schlüssel vorgesehen. Die ZAB stellt der zuständigen Behörde, die den Auftrag erteilt, den Aufwand
abhängig von der Auftragsart in Rechnung. Die zuständige Behörde kann ihrerseits den der ZAB zu erstattenden Aufwand als Auslagen dem Antrag­
steller in Rechnung stellen.70
Quelle und Erläuterung: Konkretisiertes Konzept zur Einrichtung einer länderübergreifenden Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe
(akademische Heilberufe und Gesundheitsfachberufe) beim Sekretariat der Kultusministerkonferenz/ZAB. Gemeinsame
Arbeitsgruppe „Berufe des Gesundheitswesens“ der GMK und der KMK 9. März 2015. Darstellung des BIBB und der ZAB.

70 Zum Thema Kosten siehe auch Kap. 5.1.1.

40

4.2.3 Einheitliche Maßstäbe bei Gutachtenstelle
und Länderbehörden erforderlich
Eine vorrangige Aufgabe der neuen Gutachtenstelle
ist es, eine einheitliche Umsetzung der vorhandenen
Maßstäbe71 für die Gleichwertigkeitsprüfung in den
Heilberufen zu gewährleisten. Mit diesem Ziel ent­
wickelt die Gutachtenstelle derzeit ein einheitliches
fachlich-inhaltliches Instrumentarium zur Bewertung,
das mit den Ländern abgestimmt wird. Das Instrumen­
tarium sollte nach erfolgter Abstimmung den Mitar­
beitenden der zuständigen Stellen als einheitlicher
Beurteilungsmaßstab zur Verfügung gestellt werden.
Außerdem sollten einheitliche Handlungsleitfäden zur
Zusammenarbeit der zuständigen Stellen mit der ZAB
im Anerkennungsverfahren erarbeitet werden.
Die Gutachtenstelle ist auf die aktive Zusammenar­
beit mit den zuständigen Stellen angewiesen. Bereits
erstellte Gutachten, aber auch Gerichtsurteile sollten
der Gutachtenstelle zugänglich gemacht werden, damit
diese ausgewertet und in einem Wissensmanagement­
system (Datenbank anabin) dokumentiert werden
können. Sie sind somit für alle Stellen nutzbar.
Offen ist, in welchem Umfang die Gutachtenstelle in
der Praxis auch die Möglichkeit des Ausgleichs der fest­
gestellten Unterschiede durch Berufserfahrung prüfen
wird. Nach dem gemeinsamen Konzept von GMK und
KMK liegt der Schwerpunkt des Gutachtens auf einem
qualifizierten Vergleich der Abschlüsse und der Fest­
stellung der wesentlichen Unterschiede. Das Gutachten
kann zudem einen Hinweis auf die Möglichkeit des
Ausgleichs durch Berufserfahrung enthalten.
Die zuständigen Stellen, die an den Workshops des
Monitoringteams von September bis Dezember 2015
teilgenommen haben, beurteilen diesen Aspekt un­
terschiedlich. Einige erwarten nur dann eine effektive
Entlastung durch die Tätigkeit der Gutachtenstelle,
wenn diese auch die Berufserfahrung abschließend
prüft. Andere halten eine eigene Überprüfung der
Berufserfahrung auf der Basis des Gutachtens der ZAB
für unproblematisch. Wie sich die Tätigkeit der ZAB im
Zusammenspiel mit den zuständigen Stellen in dieser
71 Zum Beispiel muss, wie oben beschrieben, als Grundlage für die
Gleichwertigkeitsprüfungen der ausländischen Qualifikationen von
Ärztinnen und Ärzten zunächst ein einheitlich fachlich-inhaltliches
Instrumentarium entwickelt werden.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Frage entwickelt, wird mit Blick auf die angestrebte
Vereinheitlichung der Verfahren und Entlastung der
Behörden genau zu beobachten sein.

4.2.4 Unterstützungsbedarf bei der Umsetzung
von Ausgleichsmaßnahmen identifiziert
Die meisten zuständigen Stellen berichten, dass bei
Antragstellenden mit Ausbildungen aus Drittstaaten
oftmals wesentliche Unterschiede festgestellt werden
und daher Ausgleichsmaßnahmen notwendig sind, um
die volle Anerkennung erteilen zu können.72
Die Umsetzung der gesetzlichen Regelungen erweist
sich aber in der Praxis – zumindest in einem Teil der
Länder – als schwierig. Anpassungslehrgänge sind nach
Aussage von zuständigen Stellen nicht in allen Ländern
im Rahmen der Anerkennung von Gesundheits- und
Krankenpflegerinnen und -pflegern umsetzbar, da es
oft schwierig ist, Einrichtungen für die Durchführung
zu gewinnen. Teilweise gibt es lange Wartezeiten, bis
eine Aufnahme in einen Anpassungslehrgang möglich
wird. Einige Länder akzeptieren zudem nur Anpas­
sungslehrgänge, die im jeweiligen Antragsbundesland
durchgeführt werden. In der Sitzung der AG Berufe der
AOLG am 17./18. Februar 2016 wurde Einigkeit erzielt,
dass Angebote aus anderen Ländern im Rahmen der
rechtlichen Möglichkeiten genutzt und anerkannt
werden, wenn ländereigene Angebote nicht oder nicht
ausreichend vorhanden sind. Die Länder sind gefordert,
auf die entsprechende Umsetzung seitens der zuständi­
gen Stellen hinzuwirken.
Bei der Kenntnisprüfung für Ärztinnen und Ärzte
erweist sich die Besetzung der Prüfungsausschüsse teil­
weise als Problem. Eine Forderung seitens zuständiger
Stellen lautet, die Bundesärzteordnung an dieser Stelle
offener zu gestalten und damit den möglichen Prüferkreis zu erweitern.
Die zuständigen Stellen wünschen sich vor allem eine
Verbesserung der Mitwirkung der Einrichtungen, die
Kenntnisprüfungen und vor allem Anpassungslehrgän­
ge durchführen können, wie beispielsweise Kliniken
oder Krankenpflegeschulen.

72 Zur Begriffserläuterung von Anpassungsqualifizierung, Kenntnis­
prüfung, Eignungsprüfung etc. siehe BMBF 2015, S. 177 ff.

ANERKENNUNGSVERFAHREN – AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

Vor allem bei seltener nachgefragten Referenzberufen,
wie zum Beispiel dem Ergotherapeuten, ist die Organi­
sation von Ausgleichsmaßnahmen schwierig. Teilweise
ist sie sogar unmöglich, da aufgrund der zu geringen
Fallzahlen eine Durchführung in einem einzelnen Fall
für Schulen und Expertinnen und Experten als zu auf­
wendig betrachtet wird. Daher besteht von mehreren
Seiten der Wunsch, für diese Berufe eine zentrale Stelle,
insbesondere für die Organisation und Durchführung
von Ausgleichsmaßnahmen, zu schaffen. Denkbar
wären auch Spezialisierungen einzelner zuständiger
Stellen auf bestimmte Referenzberufe.

4.3 Anerkennung bei fehlenden oder
unvollständigen Unterlagen
Für viele Anerkennungsinteressierte ist es oft nicht
möglich, alle notwendigen Unterlagen zu beschaffen.
Dies gilt vor allem für Asyl- und Schutzsuchende aus
Kriegs- und Krisenländern. Auch für diese Fälle sehen
die Anerkennungsregelungen Möglichkeiten vor.
Voraussetzung ist aber immer ein formaler Berufsab­
schluss, auch wenn die Dokumente darüber nicht mehr
vorliegen.

4.3.1 Kenntnisprüfung bei fehlenden Nachweisen
in den Heilberufen
Die zuständigen Behörden für Gesundheitsberufe
gehen unterschiedlich mit Personen um, die einen
Antrag trotz fehlender oder nicht vollständiger Unter­
lagen stellen möchten. Während in mindestens einem
Bundesland Kompetenzfeststellungsverfahren mit
anschließendem Anpassungslehrgang stattfinden, sieht
sich die Mehrheit der Stellen nicht in der Lage, solche
Anträge anzunehmen.
Die Rechtslage der Anerkennungsregelungen ist ein­
deutig. Für diese Fälle sehen die Berufsanerkennungsre­
gelungen in den Heilberufen vor, dass der gleichwertige
Kenntnisstand durch eine Kenntnisprüfung nachzu­
weisen ist, um die Anerkennung zu erhalten (so zum
Beispiel Bundesärzteordnung (BÄO) § 3 Absatz 3 Satz 4,
Krankenpflegegesetz (KrPflG) § 2 Absatz 3 Satz 5). Auf
der Sitzung der AG Berufe der AOLG am 17./18. Februar
wurde grundlegend Einigkeit über diese Rechtslage
erzielt. Allerdings wird die Notwendigkeit gesehen,

41

im Interesse des Patientenschutzes eine Glaubhaft­
machung des Abschlusses zu verlangen, wenn keine
Dokumente vorgelegt werden können. Zum Teil wird
eine eidesstattliche Versicherung gefordert. Die Länder
sind gefordert, auf Einhaltung dieser abgestimmten
Rechtslage hinzuwirken.

4.3.2 Anerkennung mit Qualifikationsanalysen
bei fehlenden Nachweisen
Auch das BQFG bietet Möglichkeiten, wenn Unterlagen
fehlen oder unvollständig sind: Berufliche Kompeten­
zen, die nicht durch schriftliche Dokumente belegt
sind, können die Antragstellenden über sogenannte
„sonstige geeignete Verfahren“73 nachweisen – zum
Beispiel mittels Fachgespräch oder Arbeitsprobe. In
den Anerkennungsgesetzen der Länder ist jeweils ein
identischer Paragraf aufgenommen worden. Dieses
Verfahren wird in der Umsetzung als „Qualifikations­
analyse“ bezeichnet.74
Die Zahl durchgeführter Qualifikationsanalysen, die im
Rahmen der amtlichen Statistik gemeldet wurden, stieg
bislang von Jahr zu Jahr (vgl. Abbildung 12). Insgesamt ist
die Anzahl bislang durchgeführter Qualifikationsanalysen
noch recht gering. Teilweise berichten zuständige Stellen,
dass Antragstellende vor der Prüfungssituation einer
Qualifikationsanalyse zurückschrecken. Ein weiterer
wichtiger Grund für die bisherige Zurückhaltung ist
derzeit, dass Qualifikationsanalysen bei einigen zustän­
digen Stellen und bei Beratungseinrichtungen noch
nicht ausreichend bekannt sind. Auch sehen einige
Stellen Hürden wegen des als hoch eingeschätzten
Aufwands für die Organisation einer Qualifikationsana­
lyse. Für eine qualitätsgesicherte Durchführung müssen
Expertinnen und Experten gewonnen und Instrumente
und Aufgabenstellungen für den jeweiligen Einzelfall
erarbeitet werden. Die zuständigen Stellen, die bereits
Erfahrung gesammelt haben, berichten aber von einem
abnehmenden Aufwand, da vor allem die erste Entwick­
lungsarbeit umfangreich sei.75
Für die Referenzberufe Kraftfahrzeugmechatroniker,
Elektroniker sowie Tischler wurden diese Verfahren

73 Vgl. § 14 BQFG und § 50a Absatz 4 HwO.
74 Vgl. Oehme 2012.
75 Vgl. auch BMBF 2014.

42

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

bisher am häufigsten durchgeführt. Das Verfahren
wurde bislang weitaus häufiger von den Handwerks­
kammern eingesetzt. Bei weit über der Hälfte war
das Ergebnis eine volle Gleichwertigkeit. Ein weiteres
Drittel erhielt entweder einen Bescheid über eine
teilweise Gleichwertigkeit oder einen Bescheid mit der
Auflage, an einer Ausgleichsmaßnahme teilzunehmen
(bei reglementierten Meisterberufen).
Abbildung 12 „Sonstige geeignete Verfahren“
(Qualifikationsanalyse) bei
nicht reglementierten Berufen und
reglementierten Meisterberufen,
nach Anzahl in Jahren (Mitte) und
nach Entscheidungen (Kreis außen)
(absolut)76

3
24
3

102
60

66

69

126
2012

2013

2014

volle Gleichwertigkeit (inkl. beschränkter Berufs­
zugang nach HwO)
teilweise Gleichwertigkeit
Auflage einer Ausgleichsmaßnahme
keine Gleichwertigkeit

Mit dem Ziel, die Zahl der Qualifikationsanalysen zu
erhöhen, startete im Januar 2015 das dreijährige Projekt
„Prototyping Transfer – Anerkennung mit Qualifika­
tionsanalysen“. Die im Vorgängerprojekt „Prototyping“
entwickelten Verfahrensstandards sollen im Rahmen
von Prototyping Transfer verbreitet werden.77 Das Pro­
jekt wird vom BMBF gefördert, vom BIBB koordiniert
und von bisher sieben Projektpartnern umgesetzt: West­
deutscher Handwerkskammertag (WHKT), IHK FOSA
(Foreign Skills Approval), Handwerkskammern Hamburg
und Mannheim sowie Industrie- und Handelskammern
Köln, München und Saarland.78 Die erarbeiteten Ergeb­
nisse werden im kammerinternen Bereich des BQ-Por­
tals sowie im geschützten Bereich von Anerkennung in
Deutschland veröffentlicht.
Erste Erkenntnisse werden im Folgenden aufgeführt
und beruhen größtenteils auf der Auswertung der
40 im Jahr 2015 im Rahmen des Projekts gemeldeten
Qualifikationsanalysen.79
Kosten und Finanzierung: Die Kosten für eine Quali­
fikationsanalyse variieren je nach Dauer und gewähl­
tem Instrument sowie gegebenenfalls notwendigen
Werkstätten und/oder Material.80 Es zeigt sich, dass die
meisten davon durch die Arbeitsverwaltung oder von
den Teilnehmenden selbst finanziert wurden. „Proto­
typing Transfer“ bietet die Möglichkeit, im Einzelfall
und nach Prüfung die Kosten der Antragstellenden
für die Durchführung einer Qualifikationsanalyse zu
übernehmen, wenn diese sie nachweislich nicht selbst
tragen können und auch nicht nach SGB II/III von der
Arbeitsverwaltung übernommen werden. Den Son­
derfonds zur Finanzierung der Qualifikationsanalysen
im Rahmen von „Prototyping Transfer“ verwaltet der
WHKT. Bundesweit können alle nicht am Projekt betei­
ligten Kammern für Antragstellende eine Finanzierung
aus dem Sonderfonds beantragen.

Unaufklärbarkeit des Sachverhalts
Quelle und Erläuterung: Auswertungen des Statistischen
Bundesamts; Darstellung des BIBB. Für das Jahr 2012 wurden
neun Fälle aufgrund von unplausiblen Meldungen abgezogen.

77	 Vgl. www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/2012.php,
BMBF 2015, S. 50 und Böse, Tursarinow und Wünsche 2016, S. 20 ff.
78	 Die Tochter der IHK Saarland, „saarland.innovation&standort e.V.
(saar.is)“, und die IHK Saarland führen das Projekt als Gemein­
schaftsprojekt durch.

76	 Aufgrund einer am 1. März 2016 erfolgten Korrektur weichen die hier
dargestellten Werte geringfügig von bisherigen Veröffentlichungen
ab.

79	 Grundlage sind die Angaben der Projektpartner im Projekt „Proto­
typing Transfer“, die über jede in ihrer Kammer durchgeführte
Qualifikationsanalyse einen Meldebogen ausfüllen.
80	 Vgl. Böse, Schreiber und Lewalder 2014.

ANERKENNUNGSVERFAHREN – AKTUELLE ENTWICKLUNGEN

43

Jigar Hasso erwarb in Syrien seinen Berufsabschluss als Koch. Aufgrund seiner Dokumente konnte zunächst nur die theoretische Prüfung zum
deutschen Berufsbild anerkannt werden. Daher wies er im Rahmen einer Qualifikationsanalyse seine praktischen Kompetenzen nach – und arbeitet in
einem Hotel an der Nordsee.

Meist liegt ein Nachweis über den
Berufsabschluss vor
Die Projektpartner haben auch angegeben, welche
Dokumente von den Antragstellenden nicht erbracht
werden konnten und deren Fehlen damit die Durch­
führung einer Qualifikationsanalyse notwendig
machten. Es zeigt sich, dass in den meisten Fällen der
Ausbildungsnachweis selbst vorgelegt werden konnte
(in 33 der 40 Fälle). Für die Gleichwertigkeitsfeststellung
werden allerdings vertiefte Informationen über kon­
krete Inhalte und Rahmenbedingungen der Ausbildung
benötigt. In 34 von 40 Fällen konnten diese Informatio­
nen nicht beigebracht oder auf sonstige Weise ermittelt
werden, sodass die vorgelegten Abschlussdokumente
nicht im Rahmen einer Gleichwertigkeitsprüfung ge­
nutzt werden konnten. Außerdem lagen in acht Fällen
keine aussagekräftigen Nachweise über die Berufs­
erfahrung vor. In allen Fällen werden die individuell
erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten
mithilfe einer Qualifikationsanalyse festgestellt.

Arbeitsprobe und Fachgespräche am häufigsten
angewendet
Die beiden am häufigsten angewendeten Instrumente
zur Feststellung der beruflichen Fertigkeiten, Fähig­

keiten und Kenntnisse waren mit großem Abstand das
Fachgespräch und die Arbeitsprobe (37 beziehungs­
weise 32 Fälle). In 29 Fällen wurden beide Instrumente
in Kombination miteinander genutzt, indem eine Ar­
beitsprobe durchgeführt und anschließend im Fachge­
spräch Ablauf und Vorgehen erläutert und besprochen
wurden.81
Alle Projektpartner gehen davon aus, dass zukünftig
auch aufgrund der Flüchtlingszahlen mit weiter­
hin steigendem Interesse an Qualifikationsanalysen
insbesondere von neu zugewanderten Personen zu
rechnen ist. Daher ist es wichtig, aktiv Zugänge für
Flüchtlinge zu schaffen und darüber aufzuklären,
welche rechtlichen Möglichkeiten der Anerkennung
eines ausländischen Berufsabschlusses bestehen und
welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. Die­
se Strategie wird bereits von den zuständigen Stellen
und Beratungseinrichtungen verfolgt, beispielsweise in
Flüchtlingseinrichtungen oder bei den Sprachkursen
des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des BAMF.

81 Darüber hinaus wurden angewandt: Rollenspiel/Gesprächssimu­
lation/Präsentation (7 Fälle), Probearbeit im Betrieb (3 Fälle) und
Fallstudie (1 Fall).

44

5.

Kosten und Finanzierungsinstrumente

KOSTEN UND FINANZIERUNGSINSTRUMENTE

45

Zudem sind die Auswirkungen des am 1. Januar 2015 in
Kraft getretenen Mindestlohngesetzes auf praktische
Tätigkeiten in betrieblichen Ausgleichsmaßnahmen
und Anpassungsqualifizierungen zu beobachten.

Die bisherigen Erkenntnisse des Monitorings haben
gezeigt, dass die Finanzierung des Verfahrens oftmals
eine Hürde auf dem Weg zur beruflichen Anerkennung
darstellt.82 Im Folgenden werden neue empirische Er­
gebnisse zur Höhe der anfallenden Kosten vorgestellt.
Sie verdeutlichen, dass die Kosten der Anerkennung
je nach Einzelfall über die eigentlichen Verfahrensge­
bühren hinausgehen und die Gesamtkosten individuell
sehr unterschiedlich ausfallen.

5.1 Verfahrensgebühren bilden
mitunter nur kleineren Teil der
Gesamtkosten

Die vorhandenen Finanzierungsinstrumente wurden
im Berichtszeitraum weiterentwickelt und zum Teil
durch neue Angebote ergänzt. Dazu zählen beispiels­
weise neue Förderinstrumente auf Landesebene sowie
Änderungen bei der Förderung der Anerkennung
für Asylbewerberinnen und Asylbewerber. Im Januar
2015 ist mit den ESF-finanzierten Qualifizierungen im
Förderprogramm IQ im Kontext des Anerkennungsge­
setzes und den damit einhergehenden Individualförde­
rungen ein wichtiges Instrument hinzugekommen.

Im Rahmen von Anerkennungsverfahren fallen je nach
Einzelfall und abhängig davon, ob es sich um regle­
mentierte oder nicht reglementierte Berufe handelt,
nicht nur die Gebühren der zuständigen Stelle, sondern
noch weitere Kosten an (vgl. Abbildung 13).83 Diese
Kosten können den Antragstellenden etwa für die Be­
schaffung von Antragsunterlagen oder für eine weitere
Qualifizierung zur Erreichung der (vollen) Anerken­
nung entstehen. Je nach Beruf und individueller

Abbildung 13 Zusammensetzung möglicher Kosten für die Anerkennung – je nach Einzelfall
Gebühren für das Anerkennungsverfahren bei der zuständigen Stelle (inklusive Gutachten und Kenntnisprüfung)

Dokumentenbeschaffung (Porto/Telefonkosten; Fahrtkosten Dokumentenbeschaffung Ausland; Übersetzungen;
Beglaubigungen)

Unterlagen zur zuständigen Stelle senden, vorbeibringen oder abholen

Teilnahmegebühr (z. B. für Anpassungslehrgänge oder Vorbereitungskurse)*

Sprachkurse (inklusive der Überprüfung der Sprachkenntnisse)*

Gesamtkosten
* Diese Kosten können anfallen, wobei sich Unterschiede zwischen reglementiertem und nicht
reglementiertem Bereich, nach Berufen sowie nach individuellem Fall ergeben können.
Quelle: BIBB

82	 Die Finanzierung des Anerkennungsverfahrens ist ein Grund, warum
Anerkennungsinteressierte nach der Beratung keinen Antrag stellen.
Weitere Gründe sind unter anderem nicht ausreichende Deutsch­
kenntnisse, die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder dass alterna­
tive Verfahren angestrebt werden (siehe im Detail dazu BMBF 2015,
S. 133 ff. sowie 162 ff.).	

83 Siehe dazu ausführlicher BMBF 2014, Abbildung 28 und S. 121 f.

46

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines vom IQ-Netzwerk Nordrhein-Westfalen geförderten Seminars des mibeg-Instituts Medizin zur Vorbereitung
auf die Fachsprach- und Kenntnisprüfung.

Ausgangslage können diese Kosten mitunter ebenso
hoch oder sogar wesentlich höher sein als die eigent­
lichen Gebühren.
Eine repräsentative Auskunft über die tatsächlichen
Gesamtkosten liegt bisher nicht vor und ist auch auf­
grund der großen Unterschiede zwischen den Berufs­
bereichen und individuellen Fallkonstellationen nicht
zu realisieren. Doch lassen sich Untersuchungen zu
einzelnen Bereichen heranziehen. Der diesjährige Be­
richt beleuchtet auf Grundlage von zwei neuen BIBBBefragungen vertieft die Kosten der Anerkennung für
Ärztinnen und Ärzte. Hierbei ist zu berücksichtigen,
dass die Kosten für Ärzte insbesondere bei Abschlüs­
sen aus Drittstaaten besonders hoch ausfallen können
(hauptsächlich durch oftmals notwendige Anpassungs­
maßnahmen inklusive Vorbereitungskurse sowie die
anfallenden Sprachkurse und -prüfungen).
Zwei neue Entwicklungen der Anerkennungspraxis im
Gesundheitsbereich und im Kammerbereich bringen
mögliche Folgen für die Kosten der Dokumentenbe­
schaffung und für die Verfahrensgebühren mit sich.
Daher werden vor der Darstellung der Finanzierungs-

und Förderinstrumente zunächst die Entwicklungen in
diesem Bereich erläutert.

5.1.1 Zentrale Gutachtenstelle für Gesundheits­
berufe – Folgen für die Kosten
Nach dem der zentralen Gutachtenstelle zugrunde
liegenden Konzept84 von KMK und GMK sollen die
Kosten für die Antragstellenden dadurch minimiert
werden, dass die zuständigen Stellen über die anabinDatenbank auf detaillierte Informationen zu den
ausländischen Berufen sowie auf bereits angefertigte
Gutachten zurückgreifen können. Mehrfache Be­
gutachtungen ähnlicher oder identischer Abschlüsse
durch die Gutachtenstelle werden dadurch ent­
behrlich.
Der Aufwand, den die ZAB der jeweiligen zuständigen
Stelle in Rechnung stellt, kann von dieser grundsätzlich
nach dem Kostendeckungsprinzip auf die oder den
Antragstellenden umgelegt werden.

84 Zur neuen Gutachtenstelle bei der ZAB vgl. Kap. 4.

KOSTEN UND FINANZIERUNGSINSTRUMENTE

Bei der Umsetzung können die Länder in ihrer Ge­
setzgebung unterschiedliche Wege gehen: Es zeichnet
sich ab, dass die Gebühr meist antragsbezogen in
Rechnung gestellt wird. Zum Teil gibt es Überle­
gungen, die Kosten für das Gutachten auf mehrere
Antragstellende umzulegen. Dadurch soll vermieden
werden, dass ein Antragstellender die vollständigen
Kosten des ZAB-Gutachtens tragen muss, während
weitere ähnlich gelagerte Fälle ohne erneutes Gutach­
ten der ZAB entschieden werden können und damit
kostengünstiger sind.

5.1.2 Kostenreduzierung durch Wissens­
management – das BQ-Portal
Ein effektives Wissensmanagement hilft Aufwand
und Kosten für die Dokumentenbeschaffung und die
Gebühren für das Verfahren bei der zuständigen Stelle
zu vermeiden beziehungsweise zu reduzieren.85 Je mehr
Informationen zu ausländischen Bildungsgängen
und -abschlüssen für die zuständigen Stellen abrufbar
sind, desto weniger Unterlagen müssen sie von den
Antragstellenden fordern. Je geringer der Aufwand des
einzelnen Verfahrens für die zuständige Stelle ist, desto
weniger Gebühren müssen sie den Antragstellenden in
Rechnung stellen.
Dies leistet für die Gleichwertigkeitsprüfung beispiels­
weise das BQ-Portal, insbesondere im Bereich Hand­
werk. Dort werden neben Berufsinformationen auch
bereits in früheren Verfahren gesammelte Rechtsgrund­
lagen zu Ausbildungsgängen im jeweiligen Ausbildungs­
staat in deutscher Übersetzung hochgeladen.86 Stellt
jemand einen Antrag auf Gleichwertigkeitsprüfung
desselben Berufsabschlusses aus demselben Gültigkeits­
zeitraum, kann die Beschaffung und Übersetzung dieses
Dokuments entfallen – die individuellen Nachweise
müssen selbstverständlich weiterhin vorgelegt werden.
In solchen Fällen dürften die Beschaffungskosten deut­
lich niedriger ausfallen. Auch Anerkennungsinteressierte
und Beratungseinrichtungen können von jedem Ort der
Welt auf diese Dokumente zugreifen und den voraus­
sichtlichen Aufwand besser einschätzen.
85	 Vgl. die Forderung in BMBF 2014 und BMBF 2015.
86	 Beispiel für eine verfügbare Übersetzung aus dem Spanischen:
Königliche Verordnung 751/1994 zur Festlegung des Rahmen­
curriculums 1796/2008 zu Mindeststandards für die Ausbildung
zur Fachkraft höheren Grades für Zimmerei- und Holzprodukte;
www.bq-portal.de/de/db/berufsqualifikationen/3886.

47

Darüber hinaus können die zuständigen Stellen von den
im geschützten Bereich hinterlegten Ergebnissen bereits
durchgeführter Gleichwertigkeitsprüfungen profitie­
ren. Hierdurch verkürzt sich mit dem Aufwand für die
Prüfung auch die Bearbeitungszeit eines Anerkennungs­
antrags, wodurch sich die auf den Antragstellenden
umzulegenden Gebühren langfristig verringern sollten.
Diese wichtige Unterstützungsleistung für die zustän­
digen Stellen ist durch die Entscheidung des Bundes­
ministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), die
Förderung des BQ-Portals um mindestens weitere
drei Jahre bis Ende 2018 zu verlängern, weiterhin
gesichert.87 Das BQ-Portal wurde aufgrund der Mitwir­
kung der verschiedensten Akteure am kollaborativen
Wissensaufbau im November 2015 mit dem European
Public Sector Award (EPSA) für innovatives und effizi­
entes Verwaltungshandeln ausgezeichnet.

5.1.3 Hohe Kosten der Dokumentenbeschaffung
am Beispiel von Ärztinnen und Ärzten
Auf Grundlage der Ergebnisse zweier BIBB-Befragun­
gen, an der insgesamt 84 Ärztinnen und Ärzte teilnah­
men88, lässt sich exemplarisch aufzeigen, wie sich die
Finanzierung des Vorbereitungskurses für die Kennt­
nisprüfung, die Kosten für die Beschaffung von Doku­
menten sowie die Gesamtkosten der Anerkennung bei
Ärztinnen und Ärzten gestalten.89
Bei den befragten Ärztinnen und Ärzten, die an einem
Vorbereitungskurs auf die Kenntnisprüfung teilgenom­
men haben, erfolgte die Finanzierung dieses Kurses bei
mehr als der Hälfte der Befragten durch die Arbeits­
agentur beziehungsweise das Jobcenter. Rund ein Vier­
tel der Befragten gab an, dass das Projekt „IQuaMed“90
den Kurs finanzierte. „IQuaMed“ wird im Rahmen der
neuen, im Förderprogramm IQ erlassenen Förderricht­
linie „ESF-Qualifizierung im Kontext des Anerken­

87	 Vgl. die Mitteilung des BMWi in einem Schreiben vom 20. Januar
2016. Die Verlängerung erfolgte nach Abschluss der Evaluation
des BQ-Portals durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhr­
kontrolle (BAFA) im Auftrag des BMWi.
88	 Siehe dazu die Datensatzbeschreibungen zur Personenbefragung
und Befragung von Ärztinnen und Ärzten im Anhang.
89	 1. BIBB-Befragung von Ärztinnen und Ärzten 2015; n = 56; 2. BIBBBefragung von Personen mit einem abgeschlossenen Anerkennungs­
verfahren 2014 bis 2015, davon n = 28 Ärztinnen und Ärzte.
90 Informationen zum Projekt siehe www.anerkennung-nrw.de.

48

nungsgesetzes“ gefördert. Deutlich seltener gaben die
Befragten eine Finanzierung durch das eigene Budget
oder über andere Wege an (zum Beispiel Stipendium,
Ehepartner).
In den beiden BIBB-Befragungen wurde nach der Höhe
der Kosten für die Beschaffung der Unterlagen und
Dokumente gefragt. In diesen Angaben enthalten sind
sowohl die Kosten für die Beschaffung der gesetzlich
vorgeschriebenen individuellen Nachweise wie Zeugnis­
se als auch für weitere Unterlagen, die die zuständigen
Stellen im Rahmen der Mitwirkungspflicht fordern
können. Dazu zählen auch Kosten für Kopien, Überset­
zungen und Beglaubigungen. In beiden Befragungen
wurden am häufigsten Beschaffungskosten von bis zu
1.000 Euro angegeben. In etwa jedem dritten Fall kostete
die Dokumentenbeschaffung sogar zwischen 1.000 und
3.000 Euro.
Laut Angaben in der Personenbefragung variieren die
Gesamtkosten der Anerkennung von Ärztinnen und Ärz­
ten91 stark, wobei jeder Dritte Kosten von über 2.500 Euro
nannte. Die durchschnittlichen Gesamtkosten lagen
bei rund 2.200 Euro. Im Schnitt machten die Kosten der
Dokumentenbeschaffung (791 Euro) sowie für Sprachkurse
(938 Euro) den größten Anteil der Gesamtkosten bei dieser

Berufsgruppe aus. Die Kosten für das Anerkennungs­
verfahren bei der zuständigen Stelle einschließlich der
Gebühren und Auslagen betrugen im Schnitt 318 Euro,
während die Teilnahmegebühren an der Prüfung am ge­
ringsten waren (184 Euro). Die Kosten der Dokumenten­
beschaffung nahmen demnach bei Ärztinnen und Ärzten
einen hohen Anteil an den Gesamtkosten ein.

5.2 Förder- und Finanzierungs­
instrumente weiter ausgebaut
Im vergangenen Jahr haben sich zusätzliche Mög­
lichkeiten ergeben, um die Anerkennungskosten zu
finanzieren. Neben den Regelinstrumenten im Bereich
von SGB II und III sowie der anerkennungsspezifi­

91	 Zur Zusammensetzung der Gesamtkosten siehe Abbildung 14. Ein
Fall, der bei der Dokumentenbeschaffung 20.000 Euro angab, wurde
bei den Auswertungen nicht mit berücksichtigt, um Verzerrungen bei
den Auswertungen zu vermeiden (alle anderen Fälle gaben bei dieser
Frage Kosten von bis zu 1.500 Euro an).

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

schen Förderung des Bundes wurden beziehungsweise
werden dezentrale Förderinstrumente in den Län­
dern zur Förderung von Anerkennungsinteressierten
aufgebaut (Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg).
Schließlich werden seitens der Sozialpartner punktuell
finanzielle Unterstützungsleistungen angeboten.92

5.2.1 Regelinstrumente des Bundes – neue
Verzahnung von Arbeitsvermittlung und
Qualifizierung
Die Mittel der Arbeitsförderung (SGB III) und der
Grundsicherung (SGB II) stellen nach wie vor die
wichtigsten bundesweiten Instrumente dar, um die
Kosten zu finanzieren, die im Rahmen von Anerken­
nungsverfahren entstehen.93 Die Vermittlungs- und
die Integrationsfachkräfte in Arbeitsagenturen und
Jobcentern nutzen hierfür die gesetzlichen Förder­
möglichkeiten nach SGB II und SGB III.94 Weiterhin
informieren sie über die ESF-kofinanzierten Qualifi­
zierungsangebote im Förderprogramm „Integration
durch Qualifizierung (IQ)“.95
Vorhandene Fördermöglichkeiten mit gleichem Ziel,
wie beispielsweise Maßnahmen zur Aktivierung und
beruflichen Eingliederung oder die Förderung der
beruflichen Weiterbildung nach SGB III und SGB II,
sind vorrangig zu ESF-geförderten Qualifizierungen zu
nutzen. Das bedeutet, dass die ESF-Maßnahmen nur
gewählt werden, wenn die genannten Regelförderungen
im Einzelfall nicht infrage kommen. Die Vermittlungs­
und die Integrationsfachkräfte prüfen dann, inwieweit
sie Arbeitslosengeld oder Leistungen der Grundsiche­
rung während der Teilnahme an einer ESF-Qualifizie­
rung weitergewähren können. Die Maßnahme selbst
wird dagegen aus ESF- und IQ-Mitteln finanziert.

92	 So können speziell Flüchtlinge seit diesem Jahr auch eine finanzielle
Unterstützung aus Spenden des Vereins „Gewerkschaften helfen“
erhalten, der vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und
Mitgliedsgewerkschaften getragen wird. Dieser sammelt gezielt
Spenden für Flüchtlinge, unter anderem auch für die Unterstützung
bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen.
93	 Vgl. BMBF 2015.
94	 Grundlage hierfür ist die HEGA 03/2012; vgl. https://www.
arbeitsagentur.de/web/content/DE/Veroeffentlichungen/
Weisungen/Arbeitgeber/Detail/index.htm?dfContentId=L601
9022DSTBAI431814.
95	 HEGA 09/2015: https://www.arbeitsagentur.de/web/content/
DE/Veroeffentlichungen/Weisungen/Arbeitgeber/Detail/index.
htm?dfContentId=L6019022DSTBAI778264.

KOSTEN UND FINANZIERUNGSINSTRUMENTE

Seit dem 30. April 2015 wird die Datenbank KURSNET
der BA als zentrale Informationsplattform für diese
ESF-Qualifizierungsangebote genutzt. Die Angebote
lassen sich über die erweiterte Suche als Bildungsbe­
reich „Qualifizierungsmaßnahmen zur Anerkennung
ausländischer Abschlüsse“ aufrufen. Zugleich lassen
sich diese spezifischen Angebote auch über das Portal
„Anerkennung in Deutschland“ aufrufen.

49

Abbildung 14 Verteilung der Maßnahmen
der Individualförderung
im Förderprogramm IQ im
vierten Quartal 2015 (in Prozent)
1,0 %
1,5 %

5.2.2 Neue Ansätze des Bundes – Unterstützung
bei Qualifizierungen und der Integration in
den Arbeitsmarkt
Mit den im Jahr 2015 gestarteten, vom ESF kofinan­
zierten Qualifizierungen im Förderprogramm IQ bietet
die öffentliche Hand kostenlose Qualifizierungsmaß­
nahmen im Kontext des Anerkennungsgesetzes an
(ausführlich dazu siehe Kap. 6). Darüber hinaus kann IQ
im Rahmen der Individualförderung weitere Kosten
übernehmen, die zum Erreichen des Maßnahmenziels
erforderlich sind (zum Beispiel für die Fahrt oder die
Kinderbetreuung) sowie Kosten für ergänzende Maß­
nahmen (zum Beispiel berufsbezogene Sprachkurse).
Die Übernahme erfolgt im Rahmen von Einzelfallent­
scheidungen. Die Leistungen, die übernommen werden
können, variieren ebenso wie das Budget je nach Land.
Insgesamt wurden 130 Teilnehmende im vierten Quar­
tal 2015 durchschnittlich mit jeweils 332 Euro gefördert,
die Gesamtfördersumme betrug knapp 43.200 Euro.96
Der weitaus größte Anteil wurde für Fahrtkosten
ausgegeben (vgl. Abbildung 14). Dies liegt vermut­
lich daran, dass über 90 Prozent der Teilnehmenden
Präsenzangebote besuchten und so insbesondere in
den Flächenländern weite Wege zurücklegen mussten.
Die weitere Betrachtung der Teilnehmenden-Struktur
zeigt: Zu Beginn der Maßnahme waren über drei Vier­
tel der Teilnehmenden nicht erwerbstätig. Fast ein Drit­
tel kam als Flüchtling nach Deutschland. 20 Prozent
der Teilnehmenden haben ihren Abschluss in Syrien
erworben. Am häufigsten strebten die Teilnehmenden
eine Anerkennung als Ärztin und Arzt (23 Prozent) oder
Ingenieurin und Ingenieur (18 Prozent) an.

17,7 %

8,4 %

5,7 %

65,7 %

Ergänzende Maßnahmekosten
Kosten Lernmittel/Arbeitsausrüstung
Fahrtkosten
Unterbringungskosten
Kosten Lebensunterhaltssicherung
Kosten Kinderbetreuung
Quelle und Erläuterung: Daten aus Adacker, Döring und
Kirchner 2016; Darstellung des BIBB. Gesamtsumme
1. Oktober 2015 bis 31. Dezember 2015: 43.174 Euro.

Für Personen, die in Deutschland Asyl beantragt haben,
wurde 2015 neben der IQ-Förderung mit „Early Inter­
vention“ eine weitere Unterstützungsmöglichkeit an­
geboten. Im Projektzeitraum Januar 2014 bis Dezember
2015 wurden insgesamt 1.419 Personen in das Projekt
aufgenommen.97
Durch frühzeitige und intensive Begleitung konnten
insgesamt 161 teilnehmende Personen in sozialver­

96	 Alle Angaben zur Individualförderung im Förderprogramm IQ sind
der ersten Version des „Berichts über die Erfahrungen aus dem
Förderprogramm ‚Integration durch Qualifizierung (IQ)‘ zur Um­
setzung der Individualförderung“ mit Berichtsstand 29. Januar 2016
entnommen (Adacker, Döring und Kirchner 2016).

97	 Davon wechselten 460 bisher zu Trägern der Grundsicherung und
96 wurden abgemeldet, weil sie nicht mehr zu Beratungsterminen
erschienen. Im Dezember 2015 wurden 386 Personen in den drei
neuen Standorten des Modellprojekts betreut und nahmen daher
erst seit etwa einem Dreivierteljahr am Projekt teil.

50

sicherungspflichtige Arbeit (135) und Ausbildung (26)
vermittelt werden. Dies entspricht einer Quote von
11 Prozent.98 Die Ergebnisse sind nicht auf die Gesamt­
heit aller Flüchtlinge übertragbar, da der Fokus bei der
Teilnehmendenauswahl auf qualifizierten Asylbewer­
berinnen und Asylbewerbern lag. Im Modellprojekt
zeigt sich aber, dass Integrationserfolge in der Regel
erst dann zu verzeichnen sind, wenn wesentliche
sprachliche Hürden beseitigt oder verringert wurden.99

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Abbildung 15 Verteilung der Fördermaßnahmen
des Stipendienprogramms Hamburg
für das Jahr 2015 nach Kosten
(in Prozent)

10,4 %
3,2 %
29,7 %

Nach dem Auslaufen der Projektphase von „Early In­
tervention“ Ende 2015 sollen die gewonnenen Erfah­
rungen nun in die Regelabläufe der Arbeitsvermittlung
einfließen. Mit dem Asylpaket I wurden die gesetz­
lichen Grundlagen hierfür geschaffen. Zwei Beispiele
aus den Ländern: In Nordrhein-Westfalen wurden
beispielsweise sogenannte „Integration Points“ unter
Beteiligung mehrerer Einrichtungen wie der Arbeits­
agentur, dem Jobcenter und der IQ-Anerkennungsbe­
ratung eingerichtet. In Rheinland-Pfalz haben die BA,
Kommunalbehörden, die Caritas sowie die Wirtschafts­
kammern im Dezember 2015 in Koblenz ein Lotsenhaus als zentrale Anlaufstelle für die Arbeitsmarktin­
tegration von Flüchtlingen gegründet. Damit soll eine
kontinuierliche Betreuung der Kundinnen und Kunden
gewährleistet und Brüche in der Betreuung, die sich
bei einem Rechtskreiswechsel ergeben und sich in der
Praxis als Hürde erwiesen haben, vermieden werden.

5.2.3 Förderinstrumente der Länder –
das Hamburger Stipendienprogramm macht Schule
Seit Ende 2010 übernimmt das Stipendienprogramm
Hamburg die Kosten für ein Anerkennungsverfahren,
wenn eine Förderung durch die Regelinstrumente des
Bundes nicht möglich ist.100 Die Beantragung er­
folgt im Rahmen der Anerkennungsberatung bei der
Zentralen Anlaufstelle Anerkennung (ZAA). Im Jahr
2015 unterstützte das Programm 281 Personen mit
633 Einmalzuschüssen für Kosten, die im Rahmen eines

98 Informationen zu den 460 ehemaligen Projektteilnehmenden, die in
den Rechtskreis des SGB II gewechselt sind, liegen aktuell nicht vor,
könnten das Ergebnis aber noch verbessern.
99 Für weiterführende Informationen zum Projekt siehe BMBF 2015,
S. 51 f. und S. 124. Wissenschaftliche Analysen, zum Beispiel zu Fäl­
len der Integration aus der Grundsicherung, zur Nachhaltigkeit der
Integration und zu möglichen Effekten der Teilnahme am Modell­
projekt, sind nach Vorliegen weiterer Daten im Jahr 2017 geplant.
100 Vgl. BMBF 2015, S. 126 f.

24,8 %

6,5 %

17,1 %

3,8 %
2,7 %

Gebühren/Auslagen für Anerkennungsverfahren
Kosten Übersetzungen
Kosten Anpassungslehrgänge
Kosten Vorbereitungskurse für Kenntnis-/
Eignungsprüfungen
Kosten Lehrmaterial
Sprachkurse
Fahrtkosten
Stipendien zum Lebensunterhalt
Quelle und Erläuterung: Daten ZAA 2015; Darstellung des BIBB.

Gesamtsumme 2015: 680.081 Euro, Förderfälle n = 668.

Kosten, deren Anteil unter 1 Prozent liegt, werden hier nicht

abgebildet (Kosten für die Kenntnis- und Eignungsprüfung,

Kinderbetreuung und andere Kosten).


Anerkennungsverfahrens entstanden sind, und mit
35 Stipendien zur Finanzierung des Lebensunterhalts.101
Mit einer Gesamtfördersumme von rund 680.000 Euro
im Jahr 2015 stieg das Volumen gegenüber dem Vorjahr
um rund 39 Prozent. Mit knapp der Hälfte der Gesamt­
summe 2015 wurden Qualifizierungsmaßnahmen102
finanziert. Knapp ein Drittel der Mittel entfiel auf die
Stipendien zum Lebensunterhalt und nahezu ein Viertel
101 Insgesamt wurden von 2011 bis 2015 2.384 Einmalzuschüsse sowie
127 Stipendien zum Lebensunterhalt mit einem Gesamtfördervolumen
von 2.317.529 Euro gewährt.
102 Hierzu zählen: Kosten für Anpassungslehrgänge, Vorbereitungskurse,
Lehrmaterial und Sprachkurse (sowie auch Kosten für Kenntnis- und
Eignungsprüfungen).

KOSTEN UND FINANZIERUNGSINSTRUMENTE

auf Gebühren und Auslagen für Anerkennungsverfah­
ren sowie auf Übersetzungen (vgl. Abbildung 15). Im
Durchschnitt wurden für Anpassungslehrgänge, Kennt­
nis- beziehungsweise Eignungsprüfungen, Vorberei­
tungs- und Sprachkurse zwischen 1.000 und 1.800 Euro
beantragt. Für alle anderen Einmalzuschüsse waren es
im Schnitt unter 500 Euro.
In Anlehnung an das Hamburger Modell wird es mit
dem neuen „Stipendienprogramm Berufliche Aner­
kennung in Baden-Württemberg“103 eine solche För­
dermöglichkeit auch in einem Flächenland geben. Diese
Möglichkeit wird zunächst in Form eines Modellpro­
jekts der Baden-Württemberg Stiftung mit einer Lauf­
zeit von drei Jahren und einem finanziellen Rahmen
von 2 Millionen Euro für den gesamten Projektzeitraum
erprobt. Die ersten Bewerbungen für das Stipendium
soll das „Interkulturelle Bildungszentrum Mannheim
gGmbH – Ikubiz“, das als Projektträger für die BadenWürttemberg Stiftung tätig ist, ab Mitte des ersten
Halbjahres 2016 entgegennehmen und interessierte
Personen zu den Bewerbungsmodalitäten beraten. Das
„Ikubiz“ koordiniert im Rahmen des Förderprogramms
IQ insbesondere das IQ-Netzwerk Baden-Württemberg.
Die letztliche Vergabeentscheidung über die Stipendien
trifft die Baden-Württemberg Stiftung.
Wie in Hamburg kommen die Stipendien auch in
Baden-Württemberg nur zum Einsatz, wenn keine
Finanzierung über Mittel der Arbeitsförderung (SGB
III) oder der Grundsicherung (SGB II) möglich ist.
Antragsberechtigt sind Personen mit ausländischem
Berufs- oder Studienabschluss, die ihren Hauptwohn­
sitz seit mindestens drei Monaten in Baden-Württem­
berg haben oder versichern, dort eine Beschäftigung
anzustreben. Zudem müssen sie entweder Deutsche
oder Angehörige eines EU-Mitgliedstaates sein oder
über einen Aufenthaltstitel oder eine Aufenthaltsge­
stattung nach § 55 Asylverfahrensgesetz verfügen. Die
Stipendien zielen auf Kosten von 1. Anerkennungs­

103 Die Angaben zum Programm beruhen auf den Informationen der
Programmwebsite der Baden-Württemberg Stiftung (www.bwstif­
tung.de/berufliche-anerkennung-bw), der noch unveröffentlichten
Projektbeschreibung zum Modellprojekt mit Stand 28. Januar 2016,
mündlicher und schriftlicher Auskunft der Baden-Württemberg
Stiftung gGmbH vom 7. Januar und 2. Februar 2016 sowie der
Pressemitteilung vom 18. November 2015 zum Beschluss des
Aufsichtsrats (www.bwstiftung.de/newsroom/pressemitteilungen/
pressemitteilungen/40-mio-euro-fuer-projekte-2016/).

51

verfahren sowie Zeugnisbewertungen durch die ZAB,
2. Anpassungsmaßnahmen und Vorbereitungskursen
auf Kenntnis- und Eignungsprüfungen, 3. Sprachkur­
sen sowie 4. Brückenmaßnahmen für Personen mit
akademischen Abschlüssen in nicht reglementierten
Berufen. Es können Mittel für Kurs- und Prüfungsge­
bühren, Übersetzungskosten, Lehrmaterialien, Gebüh­
ren der zuständigen Stelle, Fahrtkosten, Kinderbetreu­
ungskosten bis hin zu Lebenshaltungskosten während
eines Lehrgangs berücksichtigt werden.
Auch in Berlin ist eine Förderrichtlinie in Vorbereitung:
Aus dem neuen Landesprogramm „Härtefallfonds
Berufsanerkennung Berlin“ sollen Zuschüsse an Per­
sonen gewährt werden, wenn diese „die Kosten der Ge­
bühren und Auslagen der Anerkennungsverfahren oder
Kosten der Ausgleichsmaßnahmen bei einer teilweisen
Anerkennung“ nicht aus eigenen Mitteln finanzieren
können. Auch hier wird die Förderung nur gewährt,
wenn die Antragstellenden hierfür weder Mittel des
Berufsausbildungsförderungsgesetzes (BAföG), der
Arbeitsförderung (SGB III), der Grundsicherung für Ar­
beitsuchende (SGB II) oder aus einem Landesprogramm
zur Beschäftigungsförderung noch Mittel aus einem
Bundesförderprogramm im Kontext der Anerken­
nungsgesetzgebung erhalten. Anders als in Hamburg
sind keine Leistungen zur Sicherung des Lebensunter­
halts vorgesehen. Für den sogenannten „Härtefallfonds
Berufsanerkennung Berlin“ sind für die Jahre 2016 und
2017 jeweils 200.000 Euro im Haushaltsplan vorgese­
hen. Für die administrative Umsetzung durch einen
externen Dienstleister stehen Mittel in Höhe von rund
50.000 Euro jährlich zur Verfügung. Die Annahme der
ersten Anträge soll im Laufe des Jahres 2016 erfolgen. 104

5.3 Finanzierungslücken
Die zurückliegenden Monitoringberichte zum
Anerkennungsgesetz aus den Jahren 2014 und 2015
haben aufgezeigt, dass die Gesamtkosten der Aner­

104 Angaben nach dem Schreiben der Senatsverwaltung für Arbeit,
Integration und Frauen vom 16. Oktober 2015 (www.parlament­
berlin.de/ados/17/Haupt/vorgang/h17-2294.A-v.pdf) sowie der
Beschlussvorlage zur Änderung des BQFG Berlin vom 15. März 2016
(www.parlament-berlin.de/ados/17/Wiss/vorgang/w17-0133-v.pdf,
Seite 78 Punkt E).

52

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

zierungsmaßnahmen in Ergänzung zu bestehenden
Angeboten notwendig sind (…)“.107
Neben öffentlichen Förderungen stehen den Antragstellenden zur Finanzierung der Verfahrensgebühren
grundsätzlich auch private Finanzierungsinstrumente
zur Verfügung, die sie individuell oder mit Unterstüt­
zung von Unternehmen nutzen können. Schließlich
handelt es sich bei einem positiven Ausgang der Gleich­
wertigkeitsprüfung um eine sinnvolle Investition in die
berufliche Karriere, da so eine qualifizierte Berufstätig­
keit gefördert wird. Wenn es dadurch gelingt, dauerhaft
ein höheres Einkommen zu erzielen, sind die individu­
ellen Erträge deutlich höher als die Gesamtkosten der
beruflichen Anerkennung.

Für seine Anpassungsqualifizierung hat Ledian Danga aus Albanien
seinen Job als Eisenflechter aufgegeben. Mit Unterstützung des Ham­
burger Stipendienprogramms wurde sein Berufsabschluss anerkannt. Er
arbeitet heute wieder als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und
Klimatechnik.

kennung und fehlende Finanzierungsmöglichkeiten
in der Praxis mitunter dazu führen können, dass
Interessierte doch keinen Antrag stellen oder einen
bereits gestellten Antrag zurückziehen. Auch die am
30. September 2015 vom Bundestagsausschuss für
Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
(BF-Ausschuss) angehörten Sachverständigen haben
Kosten und deren Finanzierung als wichtige Hürde in
der Umsetzungspraxis des Anerkennungsgesetzes des
Bundes benannt.105 Im Rahmen einer Fachtagung mit
200 Expertinnen und Experten am 25. September 2015
ist der Bedarf ebenfalls deutlich geworden.106
Schließlich hat sich der Deutsche Bundestag in einer
am 12. November 2015 angenommenen Empfehlung
des BF-Ausschusses dafür ausgesprochen, „dass die
Bundesregierung zügig prüft, inwiefern begleitende
finanzielle Unterstützungsangebote für Nachqualifi­

105 Siehe das Wortprotokoll der Sitzung unter www.bundestag.de/blob/3
95264/969927ffe5e5ed42f6689faa72a1d908/wortprotokoll-data.pdf.
106 Siehe Dokumentation der Fachtagung unter www.anerkennung-in­
deutschland.de/html/de/1897.php.

Bezogen auf vorhandene Förderinstrumente beste­
hen die Herausforderungen in der Praxis zum einen
bei Personen, die keine Förderung nach SGB II oder
SGB III erhalten. Das ist insbesondere der Fall bei
Personen, die mangels Anerkennung nicht in ihrem
Beruf arbeiten und stattdessen ihren Lebensunterhalt
mit Helfertätigkeiten oder anderen gering entlohnten
Beschäftigungen bestreiten. Hier reichen die finan­
ziellen Möglichkeiten vielfach nicht aus, ein Verfahren
mit allen verbundenen Kosten zu tragen oder auf
diese Einkommensquelle zu verzichten, um an einer
weiteren Qualifizierung teilzunehmen, die zur vollen
Anerkennung führt.
Für solche Beschäftigte ist grundsätzlich die IQ-Indivi­
dualförderung einschlägig. Aufgrund des regelmäßigen
Ausschlusses der eigentlichen Verfahrenskosten kann
hier aber nur ein Teil des Förderbedarfs abgedeckt wer­
den. Auch ist eine IQ-Förderung von Qualifizierungs­
maßnahmen vereinzelt nicht möglich, da Qualifizie­
rungsangebote innerhalb des Förderprogramms nicht
für alle Berufe flächendeckend vorhanden sind.
Zum anderen kann bei Arbeitslosen oder von Arbeits­
losigkeit bedrohten Arbeitsuchenden im Einzelfall eine
Finanzierungshürde entstehen, wenn die Arbeitsver­
waltung beispielsweise im Rahmen ihres Ermessens
die Gewährung entsprechender Leistungen ablehnt
oder wenn Weiterbildungen ohne AZAV-Zertifizierung
nachgefragt werden.
107 Siehe BT-Drs 18/6632 und BT-PlPr 18/136, S. 13373A.

53

6.

Arbeitsmarktchancen erhöhen –
Qualifizierungsangebote ausbauen

54

Wie bereits aus den Daten der amtlichen Statistik
hervorging, enden nicht alle Anerkennungsverfahren
bereits im ersten Schritt mit einer vollständigen Aner­
kennung der im Ausland erworbenen Berufsqualifika­
tion. Für den Weg zur vollen Gleichwertigkeit bedarf
es daher entsprechender Qualifizierungsangebote – im
reglementierten Bereich als Ausgleichsmaßnahme,
im nicht reglementierten Bereich als Anpassungs­
qualifizierung, wenn zumindest eine teilweise Gleich­
wertigkeit und damit anschlussfähige Kompetenzen
vorliegen. Um die Arbeitsmarktchancen für Menschen
mit Migrationshintergrund zu verbessern und dem
Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wurden deshalb
im Förderprogramm IQ die Beratungsstrukturen und
das Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen weiter
ausgebaut.
In der Förderperiode 2015 bis 2018 wurde das Pro­
gramm um den neuen Schwerpunkt „ESF-Qualifizie­
rung im Kontext des Anerkennungsgesetzes“ erweitert.
Die etablierten IQ-Anlaufstellen bieten flächendeckend
neben der eigentlichen Erstberatung zu den Möglich­
keiten der Anerkennung nun auch Qualifizierungsbera­
tung an. Die entsprechenden ESF-geförderten Qualifi­
zierungsmaßnahmen werden in den Teilprojekten der
16 Landesnetzwerke sowie bei der Fachstelle „Beratung
und Qualifizierung“ entwickelt und durchgeführt.
Bereits im ersten Jahr waren die neuen Angebote mit
über 4.700 Qualifizierungsberatungen und gut 2.500
an Qualifizierungsmaßnahmen Teilnehmenden stark
nachgefragt.108 Dabei wurde das Beratungsangebot nicht
nur von Personen genutzt, die für die Ausübung ihres
Berufes an einer Ausgleichsmaßnahme teilnehmen
müssen, sondern auch von Personen, denen eine teil­
weise Gleichwertigkeit in einem nicht reglementierten
Beruf beschieden worden war (siehe auch Kap. 6.1.1).
Darüber hinaus ließen sich auch Interessierte mit nicht
reglementierten Hochschulabschlüssen beraten. Die
Qualifizierungsmaßnahmen werden von unterschied­
lichen Anbietern durchgeführt. Dazu zählen neben den
Kammern auch Migrantenorganisationen, Wohlfahrts­
verbände, Unternehmen, Bildungsdienstleister sowie
Hoch-, Fach- und Berufsschulen.

108 Erhebungszeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2015.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Insgesamt konnte im zurückliegenden Jahr die bereits
gut etablierte Beratungsstruktur im Förderprogramm
IQ erfolgreich ausgeweitet werden. Die neue Qualifi­
zierungsberatung wurde dabei von Anerkennungsinte­
ressierten in allen Phasen eines Anerkennungsverfah­
rens in Anspruch genommen. Diese Erweiterung der
Beratungsstruktur sowie das zusätzliche Angebot von
Qualifizierungsmaßnahmen bilden damit entscheiden­
de Faktoren für das umfassende Gelingen von Aner­
kennungsverfahren.

6.1 Großes Interesse an der neuen
IQ-Qualifizierungsberatung
Im Rahmen der Qualifizierungsberatung helfen die IQAnlaufstellen unter anderem bei der Interpretation von
Anerkennungsbescheiden und zeigen Möglichkeiten
für den weiteren Qualifizierungsweg auf. Sie beraten zu
Qualifizierungsmaßnahmen bei Berufen, die unter die
Anerkennungsgesetze von Bund und Ländern fallen, zu
Brückenmaßnahmen für akademische Berufe sowie zur
Externenprüfung im dualen System. Darüber hinaus
informieren sie auch über finanzielle Unterstützungs­
möglichkeiten bei der Teilnahme an Qualifizierungs­
maßnahmen.109
Mehr als 4.700 Interessierte wurden im Jahr 2015 zum
Thema Qualifizierung beraten, davon waren gut drei
Viertel zwischen 25 und 44 Jahren alt.110 Der Frauen­
anteil lag insgesamt bei knapp 60 Prozent.111 Einer Quali­
fizierungsberatung kann, muss aber keine Erstberatung
vorausgegangen sein. Dennoch haben gut 70 Prozent
sowohl eine Erst- als auch eine Qualifizierungsberatung
in Anspruch genommen.112

109 Vgl. IQ-Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ (Hrsg.) 2016.
110 Alle in diesem Kapitel genannten Prozent- und Absolutwerte bezie­
hen sich nur auf gültige Angaben.
111 Der aktuelle Beobachtungszeitraum umfasst derzeit ein Jahr. Daher
weist die IQ-Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ darauf hin, dass
„in künftigen Berichten […] signifikante Verschiebungen von Ausprä­
gungen einzelner Merkmale nicht ausgeschlossen“ sind (Benzer u. a.
2016, S. 51). Darüber hinaus sind „Vergleiche von Zahlen der Qualifizie­
rungsberatung mit Zahlen der Anerkennungsberatung […] frühestens
ab dem Bericht zum ersten Quartal 2016 vorgesehen“ (ebenda).
112 Vgl. zu den Zahlen in Kapitel 6.1 auch Benzer u. a. 2016. Siehe darü­
ber hinaus die Datensatzbeschreibung zu den Daten der Qualifizie­
rungsberatung im Anhang.

ARBEITSMARKTCHANCEN ERHÖHEN – QUALIFIZIERUNGSANGEBOTE AUSBAUEN

55

Anerkennungsinteressierte aus der ganzen Welt werden von den IQ-Beratungsstellen unterstützt – wie hier bei der Augsburger „Tür an Tür“ gGmbH.

Dies zeigt, dass die Qualifizierungsberatung sinnvoll
auf das bereits etablierte Angebot des IQ-Netzwerks
sowie auf Beratungsangebote, die einige zuständige
Stellen bereithalten, aufbaut. Sie spricht insbesondere
Personen an, die noch mehrere Jahrzehnte Erwerbs­
tätigkeit vor sich haben und damit entscheidend von
einer Weiterqualifizierung profitieren können.

6.1.1 Starke Nachfrage nach Ausgleichsmaß­
nahmen, aber auch Beratungsbedarf bei nicht
reglementierten und akademischen Berufen
Bei 45 Prozent der 4.715 Beratungsfälle handelte es
sich um bundes- oder landesrechtlich reglementierte
Berufe, für deren Ausübung die volle Gleichwertigkeit
mit dem deutschen Referenzberuf festgestellt sein
muss. Dementsprechend ist es für die Betroffenen oft
unabdingbar, eine Beratung in Anspruch zu nehmen
und sich über Ausgleichsmaßnahmen zu informie­

ren. In 22 Prozent der Fälle handelte es sich um nicht
reglementierte Berufe, bei denen die Berufsausübung
nicht an den Ausgang der Gleichwertigkeitsprüfung
geknüpft ist. Dass diese Personen eine Qualifizierungs­
beratung in Anspruch genommen haben, belegt, dass
Anpassungsqualifizierungen auch hier eine hohe Rele­
vanz haben und entsprechender Beratungsbedarf dazu
besteht. Bei gut 12 Prozent handelte es sich um nicht
reglementierte akademische Berufe.
Am stärksten wurden im Jahr 2015 Qualifizierungs­
beratungen zu den Referenzberufen beziehungsweise
Studienabschlüssen Ingenieurin und Ingenieur, Lehre­
rin und Lehrer sowie Betriebswirtin und Betriebswirt
nachgefragt (vgl. Tabelle 3). Auf die zehn häufigsten
Referenzberufe und Studienabschlüsse entfielen
45 Prozent der Qualifizierungsberatungen.

56

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Tabelle 3 Die zehn häufigsten Qualifikationen (Referenzberufe und Studienabschlüsse)
in der Qualifizierungsberatung der IQ-Anlaufstellen (absolut und in Prozent)
Referenzberuf

absolut

%

Ingenieur/-in

421

9,5

Lehrer/-in

381

8,6

Betriebswirt/-in

226

5,1

Gesundheits- und Krankenpfleger/-in

223

5,0

Ärztin/Arzt

199

4,5

Erzieher/-in

147

3,3

Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement

80

1,8

Wirtschaftswissenschaftler/-in

74

1,7

Zahnärztin/Zahnarzt

65

1,5

Sozialpädagogin/Sozialpädagoge, Sozialarbeiter/-in

63

1,4

Top-10 Referenzberufe gesamt

1.879

42,5

weitere Referenzberufe

2.547

57,5

Gesamt

4.426

100

Quelle und Erläuterung: IQ-Qualifizierungsberatungsdaten (Zeitraum: 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2015; n = 4.426).
Berechnungen der Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förderprogramm IQ.

6.1.2 Beratung häufig vor Verfahren oder Bescheid
Interessierte können die Qualifizierungsberatung
unabhängig von einem tatsächlich gestellten Antrag
oder vom Ausgang des Anerkennungsverfahrens in
Anspruch nehmen. Knapp 1.600 Beratene (39 Prozent)
hatten zum Beratungszeitpunkt noch keinen Antrag
auf Anerkennung des ausländischen Berufsabschlusses
gestellt. Diese Personen wollten möglicherweise Defi­
zite, die bereits in der Erstberatung festgestellt worden
waren, schon vor oder während der Antragstellung
ausgleichen und damit das Verfahren beschleunigen.
Rund 850 Beratene (21 Prozent) hatten bereits einen
Bescheid über die Gleichwertigkeitsprüfung erhalten,
bei rund 370 (9 Prozent) lief das Verfahren noch. Bei
knapp 1.600 (gut 39 Prozent) Beratenen stand eine
Antragstellung noch aus. In rund 830 Fällen (knapp
21 Prozent) handelte es sich um Berufe, die nicht unter
die Anerkennungsgesetze fallen, sondern für die bei
entsprechender Antragstellung eine Zeugnisbewer­
tung durch die ZAB erfolgen kann. Für gut 17 Prozent
dieser Personen lag zum Zeitpunkt der Beratung
bereits eine Zeugnisbewertung vor, bei über 80 Prozent
war dies noch nicht der Fall.

6.1.3 Beratung über die in den Bescheiden fest­
gestellten wesentlichen Unterschiede hinaus
Es zeigt sich, dass auch Personen, die ihr Anerken­
nungsverfahren mit einer vollen Gleichwertigkeit
abschließen, Beratung zu Qualifizierungsmaßnahmen
in Anspruch nehmen. Möglicherweise möchten sie sich
darüber informieren, wie sie ihre Chancen auf dem
Arbeitsmarkt noch weiter verbessern können. In über
70 Prozent der Beratungen mit einem vorliegenden Be­
scheid waren entweder Ausgleichsmaßnahmen aufer­
legt (reglementierte Berufe) oder eine teilweise Gleich­
wertigkeit (nicht reglementierter Berufe) beschieden
worden (vgl. Abbildung 16). Jedoch muss an dieser Stel­
le bedacht werden, dass nicht alle Personen mit einem
Bescheid über keine oder eine teilweise Gleichwertig­
keit auch eine Beratung zu Qualifizierungsmöglich­
keiten in Anspruch nehmen. Hinweise dazu können
der HWK-Befragung aus dem Sommer 2015113 ent­

113 Siehe dazu die Datensatzbeschreibung zur Erhebung bei den Hand­
werkskammern im Anhang.

ARBEITSMARKTCHANCEN ERHÖHEN – QUALIFIZIERUNGSANGEBOTE AUSBAUEN

nommen werden.114 Bei gut 37 Prozent der Kammern
wurde ein Beratungswunsch zu Weiterqualifizierungs­
möglichkeiten bei dieser Personengruppe eher bis sehr
häufig vorgebracht. Jedoch gaben 60 Prozent der Kam­
mern an, dass eher selten bis nie eine solche Beratung
gewünscht wurde. Als Gründe, warum Personen, denen
eine Teilanerkennung beschieden worden ist, nicht an
Anpassungsqualifizierungen teilnehmen, schätzten die
HWKn vor allem nicht ausreichende Deutschkennt­
nisse, den zeitlichen und organisatorischen Aufwand
sowie Kosten und Finanzierung ein. Darüber hinaus
maßen sie auch der Tatsache, dass bei nicht reglemen­
tierten Berufen die Teilanerkennung für die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit ausreicht, Bedeutung bei (vgl.
Kap. 3.3). Meist wurde eine Kombination der genann­
ten Gründe als relevant erachtet.
Abbildung 16 Ergebnis der Gleichwertigkeitsprüfung
bei der Qualifizierungsberatung
von Personen mit Bescheid
(in Prozent)

7,9 %
20,6 %

23,2 %

48,3 %

volle Gleichwertigkeit
Auflage einer Ausgleichsmaßnahme (reglementiert)
teilweise Gleichwertigkeit (nicht reglementiert)
Ablehnung
Quelle und Erläuterung: IQ-Qualifizierungsberatungsdaten (Zeitraum:
1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2015; n = 783). Berechnungen der
Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förderprogramm IQ.
Darstellung des BIBB.

114 Einige zuständige Stellen führen Anpassungsqualifizierungen als
IQ-Teilprojekt oder auch selbstfinanziert durch.

57

Wenn eine Beratung von Personen erfolgt, die die
Auflage einer Ausgleichsmaßnahme oder teilweiser
Gleichwertigkeit erhalten haben, zielt diese auf die
Behebung der in den Bescheiden festgestellten wesent­
lichen Unterschiede. Darüber enthalten die Bescheide
jedoch mitunter keine genauen Angaben, wie bereits
im Bericht zum Anerkennungsgesetz 2015 für die
Heilberufe beschrieben wurde. 115 Die Ableitung von
konkreten Qualifizierungsinhalten aus den Bescheiden
kann daher schwierig sein. In solchen Fällen müssen
die theoretischen und praktischen Lernziele, welche
in der Anpassungsqualifizierung zu erreichen sind,
um eine volle Gleichwertigkeit zu erlangen, im Bera­
tungsgespräch bestimmt werden. 116 Hinzu können
sprachliche Defizite kommen, die nicht Gegenstand
des Anerkennungsverfahrens sein dürfen. So wird auch
in der aktuell laufenden Umsetzung der EU-Berufsan­
erkennungsrichtlinie in den Heilberufen gesetzlich117
klargestellt, dass im Rahmen der Berufsanerkennungs­
verfahren eine Gleichwertigkeit auch dann zu prüfen
ist, wenn noch keine Sprachkenntnisse vorliegen. Diese
werden dann nicht im Bescheid aufgeführt, sind jedoch
zum Beispiel bei einigen Heilberufen Voraussetzung
für die Berufszulassung beziehungsweise Approbation
und daher auch wichtiger Bestandteil der Qualifizie­
rungsberatung. Aber auch bei anderen Berufen sind
Deutschkenntnisse wichtiger Bestandteil der Beratung,
da IQ einen ganzheitlichen Ansatz der Integration in
den Arbeitsmarkt verfolgt.
Die in den Bescheiden oder Beratungen festgestellten
wesentlichen Unterschiede variieren je nach Art der
Berufskategorie: Während insbesondere bei den dualen
Berufen wesentliche Unterschiede im Bereich der
praktischen Fertigkeiten eine Rolle spielten, wurden
in den stärker akademisch geprägten Berufen häufiger
fehlende theoretische Kenntnisse neben praktischen
wesentlichen Unterschieden festgestellt. Zudem ist
zu berücksichtigen, dass sich die festgestellten Unter­
schiede oftmals auf mehr als einen Aspekt bezogen. So
kamen zum Beispiel sprachliche Defizite fast immer in

115 Vgl. BMBF 2015, S. 98ff.
116 So wird beispielsweise bei den IHKn vielfach Qualifizierungsbera­
tung von Mitarbeitenden durchgeführt, die auf Qualifizierungsmög­
lichkeiten beziehungsweise -maßnahmen spezialisiert sind und eine
entsprechende Expertise in diesem Bereich aufweisen.
117 Gesetzentwurf BT-Drs 18/6616.

58

Kombination mit mindestens einem weiteren Unter­
schied vor. Teilweise hatten Personen auch Defizite
beziehungsweise wesentliche Unterschiede in allen
drei Bereichen.
Insgesamt wird deutlich, dass die Qualifizierungsbe­
ratung zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Aner­
kennungsverfahrens genutzt wird. Zudem muss in der
Beratung auch auf spezifische Unterschiede in Bezug
auf den Ausgang des Anerkennungsverfahrens sowie
auf weitere Voraussetzungen für die Berufszulassung
beziehungsweise Approbation bei bestimmten Berufen
eingegangen werden.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

6.2 IQ-Qualifizierungsmaßnahmen
gut angenommen
Seit dem Start des neuen Handlungsschwerpunktes
„Qualifizierungsmaßnahmen im Kontext des Anerken­
nungsgesetzes“ im Förderprogramm IQ im Jahr 2015
haben die 16 Landesnetzwerke und die IQ-Fachstelle
„Beratung und Qualifizierung“ bereits insgesamt
184 Qualifizierungsmaßnahmen119 angeboten.120 Von
den 115 kursförmigen Qualifizierungen121 waren
86 Prozent Ausgleichsmaßnahmen für reglementierte
Berufe (Modul 1) und Brückenmaßnahmen für

Nach dem erfolgreichen Anerkennungsverfahren kann Sofiane Denane aus Algerien (Mitte) wieder in seinem gelernten Berufsbereich als Mechatroniker
für Kältetechnik arbeiten.

Die Beratungsangebote scheinen diesen vielfältigen
Anforderungen erfolgreich gerecht zu werden. Dies
zeigt sich daran, dass 86 Prozent der 3.332 beratenen
Personen, für die zum Stichtag 31. Dezember 2015
eine gültige Angabe vorlag, bereits zu einer passenden
Qualifizierungsmaßnahme verwiesen werden konnten.
Darunter waren 1.705 Personen, denen eine IQ-interne
Qualifizierungsmaßnahme empfohlen wurde.118

118 Für 14 Prozent der Beratenen konnte keine passende Maßnahme
gefunden werden. Aus den Daten ist aber nicht ersichtlich, ob der
Beratungsprozess bereits abgeschlossen ist oder nicht. Das heißt,
es kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob eine passende
Maßnahme noch nicht oder grundsätzlich nicht gefunden wurde.

119 Durch eine zum Teil differierende Interpretation bei der Dokumen­
tation von individuellen Qualifizierungen sind diese in den Auswer­
tungen tendenziell überrepräsentiert, sodass es gegebenenfalls bei
späteren Auswertungen zu einer geringen Varianz der Ergebnisse
kommen kann.
120 Zu den im Kapitel 6.2 enthaltenen Daten siehe die Datensatzbe­
schreibung „Daten der IQ-Qualifizierungen“ im Anhang.
121 „Als kursförmig werden dabei solche Qualifizierungen bezeichnet,
die in Form eines Kurses für eine bestimmte Teilnehmerzahl die
gleichen Inhalte anbieten. Diese können auch modular aufge­
baut sein, sodass von einzelnen Teilnehmenden je nach Bedarf
nur bestimmte Bausteine besucht werden können und für diese
Personen dann ein flexibler Einstieg möglich ist.“ (Hoffmann u. a.
2016, S. 35).

ARBEITSMARKTCHANCEN ERHÖHEN – QUALIFIZIERUNGSANGEBOTE AUSBAUEN

59

Abbildung 17 Die fünf häufigsten angestrebten Referenzberufe der Teilnehmenden der IQ-Qualifizierungsmaßnahmen
(in Prozent)
Ärztin/Arzt

20,7 %

Gesundheits- und Krankenpfleger/-in

14,9 %

Ingenieur/-in
Lehrer/-in
Betriebswirt/-in
0,0 %

9,1 %
5,2 %
4,6 %
5,0 %

10,0 %

15,0 %

20,0 %

25,0 %

Quelle und Erläuterung: Daten der IQ-Qualifizierungen (Zeitraum: 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2015; n = 1.956).
Berechnungen der Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förderprogramm IQ. Darstellung des BIBB.

Akademikerinnen und Akademiker (Modul 3). Fast die
Hälfte der 68 individuellen Qualifizierungen122 waren
Angebote für Berufe des dualen Systems (Modul 2).
Die Mehrheit der kursförmigen und der individuellen
Qualifizierungen war als Präsenzangebot konzipiert.
Während die kursförmigen Qualifizierungsangebote
vorwiegend auf die Vermittlung theoretischer Fachin­
halte zielen, zeichnen sich die individuellen Angebote
durch eine enge Verzahnung praktischer und theore­
tischer Fachinhalte sowie eine individuelle Begleitung
der Teilnehmenden aus. Die Qualifizierungsangebote
gehen zudem mit einem hohen Anteil berufsbezogener
Sprachlernangebote einher.123
Im Jahr 2015 besuchten gut 2.500 Personen IQ-Quali­
fizierungsmaßnahmen124, davon war etwas mehr als
die Hälfte weiblich. Das Durchschnittsalter lag bei rund
34 Jahren. Syrien war mit großem Abstand die häufigste
Staatsangehörigkeit, gefolgt von Polen, der Russischen
Föderation, Deutschland und der Ukraine. Die Teilneh­
menden sind mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus
in Deutschland: 12 Prozent gaben an, dass ihr Aufenthalt

122 „Im Unterschied dazu werden sogenannte individuelle Qualifizie­
rungen für eine Person geplant und durchgeführt. Charakteristisch
ist, dass die Teilnehmenden zu individuellen Zeitpunkten in die Qua­
lifizierung eintreten und unterschiedlich lange qualifiziert werden.“
(Hoffmann u. a. 2016 , S. 35).
123 Bei der Frage nach den Lerninhalten waren Mehrfachantworten
möglich, da eine Maßnahme mehrere Lerninhalte abdecken kann.
124 Zeitraum: 1. Januar bis 31. Dezember 2015; Stichtag des Datensatz­
downloads: 18. April 2016.

auf völkerrechtlichen, humanitären oder politischen
Gründen beruht (vgl. Kap. 7.3). Von dem neuen Aufent­
haltstitel zum Zwecke einer Anpassungsqualifizierung
oder einer Kenntnisprüfung nach § 17a AufenthG
(vgl. Kap. 1.3) machten 2 Prozent der Teilnehmenden
Gebrauch. Etwas mehr als ein Viertel waren freizügig­
keitsberechtigte Staatsbürgerinnen und Staatsbürger
der EU, des EWR oder der Schweiz. Jeder fünfte Teilneh­
mende strebte eine Anerkennung als Ärztin oder Arzt an,
jeder siebte als Gesundheits- und Krankenpflegerin oder
-pfleger (vgl. Abbildung 17) – in beiden Berufen besteht
nach wie vor ein Fachkräftebedarf. Über ein Sprachzer­
tifikat verfügten 80 Prozent der Teilnehmenden, davon
konnten die meisten das Niveau B1 oder B2 vorweisen.
Jeder sechste Teilnehmende mit Sprachzertifikat verfüg­
te sogar über C1- beziehungsweise C2-Niveau.
1.060 Teilnehmende hatten ihre Qualifizierung bis zum
31. Dezember 2015 bereits beendet. Eine volle Gleich­
wertigkeit erlangte gut die Hälfte der Teilnehmenden
von Modul 1 und Modul 2. Bei weiteren 33 Prozent
wird diese wahrscheinlich erreicht.125
Insgesamt zeigt sich, dass die Qualifizierungsmaß­
nahmen sowohl für freizügigkeitsberechtigte Personen
als auch für Personen mit befristetem Aufenthalts­
status relevant sind. Zudem verfügte der Großteil der
Teilnehmenden über ein hohes Qualifikations- und
Sprachniveau.
125 Alle Ergebnisse vgl. Hoffmann u. a. 2016.


60

7.

Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden
in den Arbeitsmarkt

INTEGRATION VON FLÜCHTLINGEN UND ASYLSUCHENDEN IN DEN ARBEITSMARKT

Die Anzahl der Menschen, die vor politischer Verfol­
gung und Krieg nach Deutschland fliehen, ist in den
vergangenen Jahren stark gestiegen. Viele von ihnen
werden in Deutschland bleiben, sodass die Integration
in Ausbildung, Studium und Arbeit zu einer zentra­
len Zukunftsaufgabe wird. Eine wichtige Brücke in
den Arbeitsmarkt bietet dabei die Anerkennung der
in den Herkunftsländern erworbenen Berufsqualifi­
kationen.

7.1 Flüchtlinge und Asylsuchende
können vom Anerkennungsgesetz
profitieren
Die Zielsetzung des Gesetzgebers beim Anerkennungs­
gesetz war es, durch die Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen auch für Flüchtlinge und Asylsu­
chende die Erfolgsaussichten auf dem Arbeitsmarkt zu
erhöhen. Der Rechtsanspruch auf ein Anerkennungs­
verfahren besteht daher unabhängig von Staatsange­
hörigkeit, Aufenthaltstitel oder Arbeitserlaubnis, sodass
auch Flüchtlinge, Asylsuchende oder Geduldete einen
Antrag auf Anerkennung stellen können.126
Diese Menschen können vom Anerkennungsgesetz
durch dessen auch im internationalen Vergleich weg­
weisende Regelung profitieren.127 So sieht § 14 BQFG
(und § 50 HwO) für Personen, die einen formalen Ab­
schluss erworben haben, darüber aber keine Zeugnisse
oder nur unzureichende Unterlagen vorlegen können,
die Möglichkeit vor, berufliche Qualifikationen durch
sogenannte Qualifikationsanalysen bewerten zu lassen
(vgl. Kap. 4). Auch in den Anerkennungsgesetzen der
Länder ist jeweils ein identischer Paragraf aufgenom­
men worden, der Qualifikationsanalysen bei Berufen,
soweit das jeweilige BQFG des Landes anwendbar ist,
ermöglicht. In den Heilberufen sehen die gesetzlichen
Regelungen vor, dass der gleichwertige Kenntnisstand
126 In den Erläuterungen zum Anerkennungsgesetz des BMBF heißt es
hierzu beispielsweise: „[D]er durch das Arbeitsmigrationssteuerungs­
gesetz von 2009 neu eingefügte § 18a AufenthG [ermöglicht es]
Geduldeten, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen, wenn sie eine
ihrem Abschluss entsprechende Beschäftigung finden. Die Eröffnung
des Anerkennungsverfahrens für Geduldete verhilft dieser Vorschrift,
die im Interesse der Sicherung des Fachkräftebedarfs eingeführt
wurde, zu mehr Wirksamkeit“ (BMBF 2012).
127 Vgl. OECD 2016, S. 34 ff.

61

durch eine Kenntnisprüfung nachzuweisen ist, um
eine Anerkennung zu erhalten, wenn keine oder nicht
ausreichende Unterlagen vorgelegt werden können.
Um diese Möglichkeiten, insbesondere die der Qua­
lifikationsanalysen, weiter auszubauen und breiter
bekannt zu machen, hat das BMBF gemeinsam mit den
Kammern das Projekt „Prototyping“ und „Prototyping
Transfer“ aufgelegt (vgl. Kap. 4).
Viele Asylsuchende und Flüchtlinge besitzen beruf­
liche Fähigkeiten und Kompetenzen, allerdings ohne
dass sie einen formalen oder staatlich anerkannten
Berufsabschluss128 erworben haben. Die Berufsaner­
kennungsverfahren sind hier nicht einschlägig, da ein
formaler Ausbildungsnachweis vorausgesetzt wird.
Um das vorhandene Potenzial trotzdem voll ausschöp­
fen zu können, stehen im Kammerbereich etablierte
alternative Verfahren, wie zum Beispiel die Externen­
prüfung, Umschulung beziehungsweise verkürzte
Ausbildung oder auch eine Weiterbildung zur Verfü­
gung.129 Darüber hinaus werden im Rahmen des neuen
vom BMBF geförderten Projekts „Abschlussbezogene
Validierung informeller und non-formaler Kompeten­
zen“ (ValiKom)130 Standards und Verfahren zur Fest­
stellung berufsrelevanter Kompetenzen im Vergleich
zu formalen Abschlüssen entwickelt, welche auch von
Flüchtlingen mit verwertbarer Berufserfahrung, aber
ohne formale Qualifikationen in Anspruch genommen
werden können. „ValiKom“ orientiert sich dabei an
den Erfahrungen, die im Projekt „Prototyping“ für die
Anerkennungsverfahren gemacht wurden.

7.2 Unterstützungsmöglichkeiten
werden weiter ausgebaut
Neben „ValiKom“ und „Prototyping Transfer“ gibt es
weitere Projekte und Maßnahmen, die die Potenziale
und Kompetenzen von Flüchtlingen und Asylsuchen­

128 Gemeint sind hier Abschlüsse, für die eine Gleichwertigkeitsfest­
stellung nach den Anerkennungsgesetzen beziehungsweise eine
Zeugnisbewertung durch die ZAB möglich sind.
129 Weitere Informationen zu alternativen Verfahren siehe BMBF 2015,
S. 172 ff. und BMBF 2014, S. 72 ff.
130 Pilotinitiative „ValiKom“ von BMBF, DIHK und dem Zentralverband
des Deutschen Handwerks (ZDH); weitere Informationen auf: www.
whkt.de/aus-und-weiterbildung/initiativen-des-whkt/valikom.html.

62

den erfassen, um eine schnelle Arbeitsmarktintegra­
tion zu ermöglichen. So wurden von 2014 bis 2015 im
Rahmen des Modellprojekts „Early Intervention“ von
BA, BAMF und dem Bundesministerium für Arbeit und
Soziales (BMAS) ausgesuchte Asylsuchende mit hoher
Bleibeperspektive131 frühzeitig besonders unterstützt.
Dies beinhaltete Kompetenzerhebungen ebenso wie
die Einleitung von Berufsanerkennungsverfahren. Das
Konzept „Early Intervention“ wurde mit dem Asylver­
fahrensbeschleunigungsgesetz132 im SGB III gesetzlich
verankert und für alle Flüchtlinge mit guter Bleibepers­
pektive geöffnet. Die BA bietet zudem seit Oktober 2015
im Rahmen von Maßnahmen zur Aktivierung und be­
ruflichen Eingliederung die Möglichkeit zur Teilnahme
an der Maßnahme „Perspektiven für Flüchtlinge (PerF)“,
um den Weg für eine nachhaltige Arbeitsmarktinteg­
ration zu ebnen. Ziel der Maßnahme ist es, berufliche
Kompetenzen von geflüchteten Menschen mit Arbeits­
marktzugang durch Maßnahmeteile im Echtbetrieb zu
identifizieren. Informationen über Bedingungen des
deutschen Arbeitsmarktes und die Anerkennung im
Ausland erworbener Abschlüsse gehören ebenso zum

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Maßnahmeinhalt, wie die Unterstützung bei Bewer­
bungsaktivitäten und die Vermittlung beziehungsweise
Vertiefung berufsbezogener Sprachkenntnisse. Über die
Teilnahme entscheiden die Vermittlungs- beziehungs­
weise Integrationsfachkräfte der Agenturen für Arbeit
beziehungsweise Jobcenter in jedem Einzelfall.
Der Erwerb von Deutschkenntnissen ist ein zentraler
Dreh- und Angelpunkt der Arbeitsmarktintegration.
Deshalb hat die Bundesregierung neben der Auf­
stockung der Integrationskurse auch das Angebot
berufsbezogener Sprachförderung auf eine neue
gesetzliche Grundlage gestellt (§ 45a AufenthG) und
erheblich ausgebaut. Die bundesfinanzierte berufsbe­
zogene Deutschsprachförderung wird im Rahmen des
„Gesamtprogramm Sprache“ im ersten Schritt in Basisund Spezialmodulen durchgeführt, die neben den
Abschlüssen der Sprachniveaus nach dem Gemeinsa­
men Europäischen Referenzrahmen für Sprachen auch
berufsspezifische und ausbildungsorientierte Kurse
sowie individuelle Förderung ermöglichen. Die Module
werden zeitlich und medial flexibel ausgestaltet. Damit
soll vor allem die Verknüpfung mit Instrumenten der
Arbeitsmarktpolitik ermöglicht werden. Im zweiten
Schritt wird die berufsbezogene Sprachförderung mit
den Integrationskursen zu einem modularen und mit­
einander verzahnten System zusammengeführt.
Auch auf Länderebene werden viele Maßnahmen
ergriffen, um die Arbeitsmarktintegration von Flücht­
lingen zu fördern. Ein Beispiel von vielen ist das neue
Projekt „W.I.R. – Work and integration for refugees“133
in Hamburg. Dabei kooperieren zentrale Institutionen
und Akteure, wie etwa Jobcenter, zuständige Behörden
sowie Träger der Flüchtlingshilfe miteinander, nicht zu­
letzt auch, um Flüchtlinge mit ausländischen Abschlüs­
sen schnell in die Berufsanerkennung zu bringen.134

In Syrien führte Wessal Alkhalil ihr eigenes Dentallabor. Dank des Pro­
jekts „Anpassungsqualifizierung in dualen Berufen“ im Hamburger Netz­
werk IQ – NOBI arbeitet sie auch in Deutschland als Zahntechnikerin.

131 Zum konkreten Auswahlprozess der Teilnehmenden siehe Daumann
u. a. 2015.
132 Das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz (BGBl. 2015 I S. 1722) ist
seit dem 24. Oktober 2015 in Kraft.

Um den zu erwartenden Anstieg von Anerkennungs­
interessierten begegnen zu können, wurden auch
die Angebote im Förderprogramm IQ ausgebaut
und erweitert: So wurden die IQ-Beratungsstellen
133 Weitere Informationen auf: www.diakonie-hamburg.de/
de/visitenkarte/zaa/Unterstuetzung-der-Vermittlung-von­
Fluechtlingen-in-Ausbildung-Studium-und-Arbeit.
134 Weitere Informationen zu den landesweiten Initiativen finden
Sie beispielsweise unter: http://www.kofa.de/themen-von-a-z/
fluechtlinge/initiativen.

INTEGRATION VON FLÜCHTLINGEN UND ASYLSUCHENDEN IN DEN ARBEITSMARKT

63

Abbildung 18 Alter der Flüchtlinge und aller anderen Beratenen bei IQ-Erstanlaufstellen im Zeitraum
1. Juni bis 31. Dezember 2015 (absolut und in Prozent)
60 %
1.565
50 %
4.964
40 %

30 %

3.299
639

20 %

10 %

276

254

897

1.240
33

0%

bis 24 Jahre
Flüchtlinge

25 bis 34 Jahre

35 bis 44 Jahre

45 bis 54 Jahre

234

55 bis 64 Jahre

4

13

65 Jahre und älter

alle anderen Beratenen
Quelle und Erläuterung: IQ-Beratungsdaten (Zeitraum 1. Juni 2015 bis 31. Dezember 2015; Flüchtlinge: n = 2.771,
alle anderen Beratenen: n = 10.647). Berechnungen und Darstellung des BIBB.

mit weiteren finanziellen Mitteln aufgestockt (siehe
auch Kap. 7.3). Der neue Handlungsschwerpunkt des
Förderprogramms IQ zur Qualifizierung, in dessen
Rahmen Anpassungsqualifizierungen, Sprachangebote
und Brückenmaßnahmen für Akademikerinnen und
Akademiker gefördert werden (vgl. Kap. 6), ist für die
Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen und Asyl­
suchenden ebenfalls von Bedeutung.
Zudem haben die Länder beschlossen, die ZAB um
16 neue Stellen zu ergänzen, um die zu erwartenden
Mehranträge für die Anerkennung von akademischen
Abschlüssen, Schulabschlüssen und Hochschulzu­
gangsberechtigungen zügig bearbeiten zu können.135
Die ZAB hatte bei Redaktionsschluss den Großteil die­
ser Stellen, insbesondere im Arbeitsbereich Arabische
Welt/Iran besetzt.

in Deutsch, Englisch und Arabisch zur Klärung der
Antragsberechtigung bei Antragstellenden ohne Do­
kumente konzipiert. Für Unternehmen werden kurze
Ländersteckbriefe mit den wichtigsten Zahlen und
Fakten zum Ausbildungssystem, Bildungsstand und
Zuwanderung zu den wichtigsten Asylherkunftslän­
dern erstellt.

7.3 Viele junge und gut qualifizierte
Flüchtlinge in der IQ-Erstberatung

Auch das BQ-Portal baut seine Informationen zu den
Flüchtlingsherkunftsländern für Anerkennungsstel­
len und Unternehmen aus: So wurde ein Fragebogen

Seit dem 1. Juni 2015 erfassen die IQ-Erstanlaufstellen
den Aufenthaltsstatus der Ratsuchenden, um auf diese
Weise Informationen zur Zielgruppe Flüchtlinge zu
erhalten.136 Es handelt sich hierbei um Personen, die in
der Erstberatung angegeben haben, dass ihr Aufenthalt
in Deutschland auf völkerrechtlichen, humanitären
oder politischen Gründen (§ 22 bis 26, 104a, 104b Auf­
enthG) beruhe beziehungsweise eine Aufenthaltsge­

135 Zusage der Länder im Rahmen der Besprechung der Bundeskanzlerin
mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder zur
Asyl- und Flüchtlingspolitik am 24. September 2015 (sogenannter
Asylgipfel).

136 Da das Merkmal „Aufenthaltsstatus“ erst seit dem 1. Juni 2015 in IQ
erhoben wird, ist zu beachten, dass die Fallzahlen bisher gering sind
und noch kein abschließendes Bild über die Personengruppe der
Flüchtlinge gemacht werden kann.

64

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Tabelle 4 Die zehn häufigsten Staatsangehörigkeiten von Flüchtlingen bei den IQ-Erstanlaufstellen
(absolut und in Prozent)
Staatsangehörigkeit

absolut

%

1.734

60,9

Iranisch

215

7,6

Afghanisch

119

4,2

Albanisch

89

3,1

Irakisch

68

2,4

Ukrainisch

62

2,2

Pakistanisch

57

2,0

Eritreisch

55

1,9

Staatsangehörige der Palästinensischen Gebiete

53

1,9

Staatsangehörige der Russischen Föderation

41

1,4

2.493

87,6

352

12,4

2.845

100,0

Syrisch

Top-10 Staatsangehörigkeiten gesamt
Beratene Flüchtlinge mit weiteren Staatsangehörigkeiten
Gesamt

Quelle und Erläuterung: IQ-Beratungsdaten (Zeitraum 1. Juni 2015 bis 31. Dezember 2015; n = 2.845).
Berechnungen der Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förderprogramm IQ.

stattung (§ 55 Absatz 1 Asylverfahrensgesetz (AsylVfG)
oder Duldung (§ 60a Absatz 4 AufenthG) vorläge.
Die IQ-Erstanlaufstellen haben im Zeitraum 1. Juni bis
31. Dezember 2015 insgesamt 2.869 Flüchtlinge zur An­
erkennung ausländischer Berufsabschlüsse beraten.137
Das sind gut 19 Prozent aller 14.443 in diesem Zeitraum
Beratenen. Zwei Drittel waren 34 Jahre und jünger,
über die Hälfte war zwischen 25 und 34 Jahre alt (vgl.
Abbildung 18).138 Mehr als drei Viertel waren männlich.
Dies entspricht der Altersstruktur aller Asylbewerber
in 2015: Über zwei Drittel (72 Prozent) waren unter
30 Jahre alt.

137 Vgl. zu den Zahlen in Kapitel 7.3 auch Benzer u. a. 2016. Siehe darü­
ber hinaus auch die Datensatzbeschreibung zu den Beratungsdaten
im Anhang.
138 Alle in diesem Kapitel genannten Prozent- und Absolutwerte bezie­
hen sich nur auf gültige Angaben.

Insgesamt zeigt sich, dass die IQ-Beratungsstellen
wichtige Anlaufpunkte für diejenigen sind, die sich
mittels der Anerkennung möglichst schnell in den Ar­
beitsmarkt integrieren möchten. Darüber hinaus haben
einzelne Bundesländer eigene Beratungsangebote für
die Zielgruppe der Flüchtlinge ausgebaut.
Syrerinnen und Syrer139 stellten mit gut 60 Prozent den
mit Abstand größten Anteil an beratenen Flüchtlingen.
An zweiter und dritter Stelle folgten iranische und
afghanische Staatsangehörige (vgl. Tabelle 4).
Das Qualifikationsniveau der Flüchtlinge, die sich bei
den IQ-Erstanlaufstellen beraten ließen, war insge­
samt sehr hoch: Von den Syrerinnen und Syrern sowie
139 Die Angaben im Text sowie in der dazugehörigen Tabelle beziehen
sich auf die erste Staatsangehörigkeit. Auf die Auswertung der gele­
gentlichen Angaben zu einer zweiten Staatsangehörigkeit wird hier
verzichtet.

INTEGRATION VON FLÜCHTLINGEN UND ASYLSUCHENDEN IN DEN ARBEITSMARKT

65

Abbildung 19 Berufliche Qualifikation der von den IQ-Erstanlaufstellen beratenen Flüchtlinge
nach den fünf häufigsten Staatsangehörigkeiten sowie gesamt (in Prozent)
Syrien (n = 1.730)

19,2

Iran (n = 215)

78,1

26,0

Afghanistan (n = 119)

69,3

32,8

Albanien (n = 89)

10 %

2,2

77,9

23,6

0%

1,7

59,6

19,1

Gesamt (n = 2.859)

4,7
65,5

38,2

Irak (n = 68)

2,7

2,9

73,3
20 %

30 %

40 %

50 %

60 %

3,0
70 %

80 %

100 %

90 %

Person hat einen oder mehrere Ausbildungsabschlüsse
Person hat einen oder mehrere Hochschulabschlüsse
Person hat sowohl einen oder mehrere Ausbildungs- als auch einen oder mehrere Hochschulabschlüsse
Quelle und Erläuterung: IQ-Beratungsdaten (Zeitraum: 1. Juni 2015 bis 31. Dezember 2015).
Berechnungen und Darstellung der Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förderprogramm IQ.

Tabelle 5 Die zehn häufigsten Qualifikationen (Referenzberufe und Studienabschlüsse) von Flüchtlingen
bei den IQ-Erstanlaufstellen (absolut und in Prozent)
Referenzberufe

absolut

%

Ingenieur/-in

436

14,9

Ärztin/Arzt

206

7,0

Lehrer/-in

188

6,4

Wirtschaftswissenschaftler/-in

104

3,6

Betriebswirt/-in

102

3,5

Apotheker/-in

89

3,0

Zahnärztin/Zahnarzt

80

2,7

Rechtsanwältin/Rechtsanwalt

78

2,7

Informatiker/-in

70

2,4

Gesundheits- und Krankenpfleger/-in

59

2,0

Top-10 der Referenzberufe gesamt

1.412

48,2

weitere Referenzberufe

1.516

51,8

Gesamt

2.928

100,0

Quelle und Erläuterung: IQ-Beratungsdaten (Zeitraum: 1. Juni 2015 bis 31. Dezember 2015; n = 2.928).
Berechnungen der Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förderprogramm IQ.

66

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

häufigsten wurden Beratungen zu den Berufen Inge­
nieurin und Ingenieur, Ärztin und Arzt (Erteilung der
Approbation) sowie Lehrerin und Lehrer durchgeführt,
also genau in den Berufen mit einer hohen Fachkräf­
tenachfrage in Deutschland.

Irakerinnen und Irakern wiesen jeweils mehr als drei
Viertel einen oder mehrere Hochschulabschlüsse auf.
Je 19 Prozent hatten einen oder mehrere Ausbildungs­
abschlüsse. Bei den Flüchtlingen aus Afghanistan und
Albanien waren es gut 32 Prozent beziehungsweise
38 Prozent, die einen oder mehrere Ausbildungsab­
schlüsse hatten (vgl. Abbildung 19). Es ist anzuneh­
men, dass es sich bei den beratenen Flüchtlingen
nicht um ein repräsentatives Abbild aller derzeit in
Deutschland lebenden Flüchtlinge handelt, da es sich
bei den hier Beratenen ausschließlich um Personen
handelt, die einen beruflichen Abschluss haben, der
anerkannt werden könnte. Andere Veröffentlichungen
weisen zwar einerseits auf den zum Teil hohen Anteil
an höherer Schul- beziehungsweise Hochschulbildung
von Asylantragstellenden hin, zeichnen aber ande­
rerseits auch hinsichtlich der Qualifikationsstruktur
ein insgesamt heterogenes Bild, bei dem der Anteil an
Hochqualifizierten deutlich geringer als im Kontext
der Anerkennungsberatung ist.140

Gut 81 Prozent der beratenen Flüchtlinge waren seit
maximal einem Jahr in Deutschland. Vor allem Flücht­
linge mit albanischer oder syrischer Staatsangehörig­
keit lebten in überwiegender Zahl erst seit Kurzem
in Deutschland, während sich vor allem Iranerinnen
und Iraner zum Teil seit längerer Zeit in Deutschland
aufhielten (vgl. Abbildung 20). Insgesamt bestätigt sich
damit, dass IQ die Flüchtlinge und Asylsuchenden
überwiegend sehr frühzeitig nach ihrer Ankunft in
Deutschland erreicht und sich die IQ-Erstanlaufstellen
daher als wichtiger Akteur für eine frühe Beratung und
Unterstützung zur Arbeitsmarktintegration von diesem
Personenkreis etabliert haben.
Interessant sind auch die in der IQ-Beratung angegebe­
nen Deutschkenntnisse der Flüchtlinge. Über 2.000, gut
73 Prozent der beratenen Flüchtlinge sprachen Deutsch
als Fremdsprache. Gut 25 Prozent verfügten über keine
Deutschkenntnisse, und weniger als 1 Prozent be­
herrschte Deutsch als Muttersprache. Bei etwas mehr

Das hohe Qualifikationsniveau der Flüchtlinge, die sich
bei den IQ-Erstanlaufstellen beraten ließen, spiegelt
sich auch in den Referenzberufen und Studienab­
schlüssen wider: Neun der zehn Berufe basierten auf
einer akademischen Ausbildung (vgl. Tabelle 5). Am

Abbildung 20 Aufenthaltsdauer gesamt und für die fünf häufigsten Staatsangehörigkeiten der von den
IQ-Erstanlaufstellen beratenen Flüchtlinge (in Prozent)
Syrien (n = 1.671)
Iran (n = 210)

43,3

30,0

Afghanistan (n = 113)

21,9

66,4

3,8

15,0

Albanien (n = 87)

17,7

1,1

63,2

Gesamt (n = 2.766)

5,9

14,7

81,3
10 %
bis zu 1 Jahr

20 %

30 %
1 bis 2 Jahre

40 %

8,8
9,9

50 %
3 bis 5 Jahre

1,0
0,9

98,9

Irak (n = 68)

0%

0,2
5,5 2,1 0,2

91,9

60 %

70 %
6 bis 10 Jahre

80 %

7,4
6,2

90 %

1,5
1,1
100 %

über 10 Jahre

Quelle und Erläuterung: IQ-Beratungsdaten (Zeitraum: 1. Juni 2015 bis 31. Dezember 2015).
Berechnungen und Darstellung der Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förderprogramm IQ.

140 Vgl. die BAMF-Kurzanalysen 1/2016 (Worbs und Bund 2016)
sowie 3/2016 (Rich 2016).

INTEGRATION VON FLÜCHTLINGEN UND ASYLSUCHENDEN IN DEN ARBEITSMARKT

67

Abbildung 21 Ergebnis der Gleichwertigkeitsprüfung nach Staatsangehörigkeit (Hauptherkunftsstaaten)
2012 bis 2014 (in Prozent)141

syrisch

iranisch

2,1 %

kosovarisch

4,7 %

12,1 %

20,4 %
23,7 %
0,9 %

24,2 %
76,7 %

56,0 %

64,2 %

7,4 %

7,7 %

albanisch

irakisch

2,8%

afghanisch

6,0 %

5,0 %

24,2 %
24,2 %
32,6 %
2,2 %

70,9 %

5,4 %

64,4 %

51,2 %

11,6 %

volle Gleichwertigkeit

teilweise Gleichwertigkeit

Auflage einer Ausgleichsmaßnahme

negativ

Quelle und Erläuterung: Daten der amtlichen Statistik von 2012 bis 2014. Syrisch (n = 1.350 Bescheide),

iranisch (n = 489 Bescheide), kosovarisch (n = 297 Bescheide), albanisch (n = 183 Bescheide),

irakisch (n = 150 Bescheide), afghanisch (n = 42 Bescheide). Auswertungen des Statistischen Bundesamtes.

Darstellung des BIBB.

als 1.100 lag darüber hinaus eine Information zum zerti­
fizierten Sprachniveau vor: Fast die Hälfte davon konnte
ein Sprachzertifikat auf B1-Niveau nachweisen. Ein
Zehntel hatte ein Sprachzertifikat auf B2-Niveau. Damit
unterscheidet sich diese Personengruppe nur gering von
allen Anerkennungssuchenden.

7.4 Viele positive Anerkennungs­
bescheide
Der gesetzliche Anspruch auf ein Verfahren zur Berufs­
anerkennung ist unabhängig vom Aufenthaltstitel. Da­
her wird der Aufenthaltstitel in der amtlichen Statistik
nicht erhoben. Auf Basis der aktuellen Datenlage kön­
nen somit keine genauen Aussagen darüber getroffen
werden, wie häufig Flüchtlinge oder Asylsuchende die

Möglichkeiten des Anerkennungsgesetzes in Anspruch
nehmen. Eine grobe Annäherung ist jedoch über die
Staatsangehörigkeit möglich. 142
Aktuell stehen im Fokus der Öffentlichkeit und Politik
die Herkunftsstaaten mit den meisten Asylanträgen
(Syrien, Albanien, Kosovo, Irak, Afghanistan) sowie die­
jenigen, die eine hohe Schutzquote aufweisen (Syrien,
Irak, Iran, Eritrea).143 Im Folgenden werden vor diesem
141 Vgl. BAMF 2016a und BAMF 2016b.
142 Bei dieser Annäherung ist zu berücksichtigen, dass die Antragstel­
lerinnen und Antragsteller trotz derselben Staatsangehörigkeit,
unterschiedliche Aufenthaltstitel haben können. So setzt sich diese
Gruppe vermutlich sowohl aus Personen mit Flüchtlingsstatus oder
Asylsuchenden als auch aus Personen mit dauerhaftem Aufenthalts­
recht und so weiter zusammen.
143 Aufgrund der geringen Fallzahlen liegen für Eritrea aus Daten­
schutzgründen keine Informationen zur Anzahl der Bescheide und
zum Ausgang der Verfahren vor.

68

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Das Netzwerk IQ bietet seine Informationen auch in den Sprachen der Flüchtlinge an.

Hintergrund die Verfahren zur Anerkennung auslän­
discher Berufsabschlüsse von Antragstellenden mit
einer Staatsangehörigkeit der oben genannten Länder
(Hauptherkunftsstaaten) näher betrachtet.
Von 2012 bis 2014 stellten Staatsangehörige der Haupt­
herkunftsstaaten über 2.800 Anträge nach dem An­
erkennungsgesetz des Bundes. Weitere Anerkennungs­
anträge dieser Staatsangehörigen wurden bei den
Ländern für die Länderberufe gestellt. Hierzu liegen
aber mangels integrierter Länderstatistik keine Zahlen
vor. Am häufigsten stellten Syrerinnen und Syrer (1.362),
Iranerinnen und Iraner (573) sowie Kosovarinnen und
Kosovaren (393) Anträge auf Anerkennung nach dem
Anerkennungsgesetz des Bundes. Eritreische Staats­
angehörige stellten lediglich neun Anträge.
Auch in der amtlichen Anerkennungsstatistik zeigt
sich, dass die häufigsten Referenzberufe bei den Staats­
angehörigen der Hauptherkunftsländer akademische
Heilberufe und Gesundheitsfachberufe waren. Bei den
Staatsangehörigen des Kosovo war darüber hinaus auch
der Referenzberuf Kraftfahrzeugmechatronikerin und
Kraftfahrzeugmechatroniker verstärkt vertreten.

Bei den beschiedenen Verfahren von Syrerinnen und
Syrern wurde bei mehr als drei Viertel der Verfahren
die volle Gleichwertigkeit festgestellt. Bei afghanischen
und kosovarischen Staatsangehörigen war dies bei
rund der Hälfte, bei irakischen, iranischen und alba­
nischen bei rund zwei Dritteln aller Verfahren der Fall
(vgl. Abbildung 21).
Die Zahlen der Beratungsstatistik bestätigen, und auch
die amtliche Statistik deutet darauf hin, dass die hier im
Kontext der Anerkennung betrachteten Flüchtlinge und
Asylsuchenden gute Qualifikationen mit nach Deutsch­
land bringen. Für sie können die Anerkennungsregeln
im Hinblick auf eine qualifikationsadäquate Arbeits­
marktintegration hilfreich sein. Angesichts der steigen­
den Zahlen der Asylzuwanderung ist davon auszugehen,
dass sich die Anzahl der Anerkennungsanträge künftig
erhöhen wird. Allerdings ist die Berufsanerkennung
für die meisten Flüchtlinge und Asylsuchenden nicht
die dringendste Angelegenheit nach ihrer Ankunft in
Deutschland. Zunächst haben Erstversorgung, Unter­
bringung und vor allem der vorrangig notwendige
Spracherwerb Priorität. Dementsprechend dürfte sich
eine Steigerung der Antragszahlen zur Berufsanerken­
nung erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen.

69

Anhang

70

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Datensatzbeschreibungen


liegen für den Zeitraum ab 1. April 2012 vor, die Daten
der IQ-Beratungsstellen ab 1. August 2012.

Workshops mit zuständigen Stellen im Gesund­
heitsbereich

Die Dokumentation der IQ-Beratungsstellen enthält
mehr Variablen als die der Hotline „Arbeiten und Leben
in Deutschland“, daher können in den Auswertungen
nicht an allen Stellen die Informationen für beide Do­
kumentationen ausgewiesen werden.

Insgesamt wurden vom BIBB sechs Workshops durch­
geführt, davon jeweils drei für zuständige Stellen im
Bereich der Anerkennung ausländischer Ärztequalifi­
kationen und drei für Stellen, die für die Anerkennung
von ausländischen Gesundheits- und Krankenpfle­
gerinnen und -pflegern zuständig sind. Diese fanden
am 29. September 2015 in Bonn, am 7. und 8. Oktober
2015 in Hamburg, am 4. und 5. November 2015 in
Leipzig und am 16. November 2015 in Schwetzingen
statt. Es nahmen 59 Mitarbeitende von zuständigen
Stellen aus nahezu allen Ländern an mindestens einem
Workshop teil.

Beratungsdaten der Hotline „Arbeiten und
Leben in Deutschland“ des BAMF144 und
der IQ-Erstanlaufstellen
Die Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im För­
derprogramm IQ, angesiedelt beim Forschungsinstitut
Betriebliche Bildung (f-bb) in Nürnberg, betreibt eine
zentrale Online-Datenbank, in der bundesweit alle IQBeratungsstellen ihre Fälle in der Erstberatung doku­
mentieren. Die Anerkennungs-Hotline beim BAMF,
die seit dem 1. Dezember 2014 im Rahmen der Hotline
„Arbeiten und Leben in Deutschland“– einer ressort­
übergreifenden Initiative von BMWi, BMI, BMBF und
der BA – fortgeführt wird, betreibt hierfür eine eigene
Datenbank. Die Fachstelle erstellt für Hotline und IQErstanlaufstellen quartalsweise Auswertungsberichte
über alle erfassten Merkmale sowie, nur für die IQ-Daten,
zusätzlich Jahresberichte. Die Fachstelle und die BAMFHotline stellen dem „Anerkennungsmonitoring“ beim
BIBB regelmäßig Daten über die von ihnen beratenen
Anerkennungsinteressierten zur Verfügung. Bis zum
31. Dezember 2015 wurden insgesamt 105.297 Bera­
tungsfälle dokumentiert, von denen 62.256 Fälle auf die
IQ-Beratungsstellen und 43.041 Fälle auf die Hotline ent­
fallen. Die Daten der Anerkennungs-Hotline beziehungs­
weise der Hotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“
144 Das Beratungsaufkommen der IQ-Anlaufstellen und der Hotline
„Arbeiten und Leben in Deutschland“, welches in diesem Bericht
dargestellt wird, bezieht sich nur auf die Beratungen zu beruflichen
Abschlüssen. Beratungen zu Schulabschlüssen, Führung akademi­
scher Grade usw. werden nicht berücksichtigt.

In den Analysen wird als Beratungszahl die Anzahl der
Erstkontakte zugrunde gelegt, da die Anzahl der Folge­
kontakte ausschließlich von den IQ-Beratungsstellen
angegeben wurden.

Daten der IQ-Qualifizierungsberatung
Die Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im För­
derprogramm IQ, angesiedelt beim Forschungsinstitut
für Betriebliche Bildung (f-bb) in Nürnberg, betreibt
eine zentrale Online-Datenbank, in der bundesweit alle
IQ-Beratungsstellen ihre Fälle in der Qualifizierungsbe­
ratung dokumentieren. Hierüber erstellt die Fachstelle
quartalsweise Auswertungsberichte über die erfassten
Merkmale. Die Fachstelle stellt dem „Anerkennungs­
monitoring“ beim BIBB regelmäßig Daten über die von
ihnen zur Qualifizierung Beratenen zur Verfügung. Die
Daten liegen ab dem 1. Januar 2015 vor. Bis zum 31. De­
zember 2015 wurden insgesamt 4.715 Beratungsfälle
dokumentiert. In den Analysen wird als Beratungszahl
die Anzahl der Erstkontakte zugrunde gelegt.

Daten der IQ-Qualifizierungen
Die Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im För­
derprogramm IQ, angesiedelt beim Forschungsinstitut
für Betriebliche Bildung (f-bb) in Nürnberg, betreibt
eine zentrale Online-Datenbank, in der bundesweit alle
IQ-Teilprojekte Angaben zu den Qualifizierungsmaß­
nahmen sowie zu den jeweiligen Teilnehmenden doku­
mentieren. Die Fachstelle hat dem „Anerkennungsmo­
nitoring“ beim BIBB diese Daten für den vorliegenden
Bericht erstmals zur Verfügung gestellt.
Die Daten liegen für den Zeitraum 1. Januar 2015 bis
31. Dezember 2015 vor. In diesem Zeitraum wurden
von den 16 Landesnetzwerken und der IQ-Fachstelle
„Beratung und Qualifizierung“ insgesamt 184 Qua­
lifizierungsmaßnahmen angeboten, an denen gut
2.500 Personen teilgenommen haben. Der Fragen­
katalog zur Dokumentation umfasst hinsichtlich der

ANHANG

Maßnahmen beispielsweise Angaben zur Modulzuord­
nung, Maßnahmenart, Beginn und Ende der Maßnah­
me sowie zu den angewandten Lernformen. Bei den
Teilnehmenden werden bei Maßnahmenbeginn unter
anderem folgende Informationen erhoben: Geschlecht,
Alter, Staatsangehörigkeit, angestrebter deutscher Refe­
renzberuf, Erwerbsland des ausländischen Abschlusses,
Art der beruflichen Qualifikation, Sprachzertifikat und
-niveau. Am Ende der Maßnahme werden der Erwerbs­
status, die Information, ob die Maßnahme abgebro­
chen oder erfolgreich abgeschlossen wurde, sowie
weitere Merkmale dokumentiert. Außerdem enthalten
die Daten Informationen darüber, ob im Falle einer
Ausgleichsmaßnahme für einen reglementierten oder
dualen Beruf (Modul 1 und Modul 2) eine volle Gleich­
wertigkeit (voraussichtlich) erreicht wird.

Erhebung bei den zuständigen Stellen –
Handwerkskammern
Das „Anerkennungsmonitoring“ beim BIBB hat in
enger Abstimmung mit dem ZDH in den Zeiträumen
März/April 2014, Dezember/Januar 2014/15, August/
September 2015 sowie Dezember/Januar 2015/16 Voll­
erhebungen bei den deutschen Handwerkskammern
durchgeführt. Alle 53 Handwerkskammern haben
teilgenommen. Bei der Erhebung im Sommer 2015
wurden den Handwerkskammern Sonderfragen zur
Nachfrage von Qualifizierungsberatung und Anpas­
sungsmaßnahmen gestellt.

Personenbefragung
Zwischen August 2014 und August 2015 wurden vom
BIBB Personen befragt, die ein Anerkennungsverfahren
beendet hatten. Dazu wurden die zuständigen Stellen
gebeten, den Personen, deren Anerkennungsverfahren
nach dem Anerkennungsgesetz des Bundes abgeschlos­
sen war, gemeinsam mit dem Anerkennungsbescheid
eine Einladung zur Teilnahme an der Befragung zu
übermitteln. Befragt wurden insgesamt 81 Personen in
akademischen und nicht akademischen Gesundheits­
berufen sowie in Kammerberufen. In den folgenden
Auswertungen werden ausschließlich die Angaben von
Ärztinnen und Ärzten (n = 28) berücksichtigt, um eine
Vergleichbarkeit zu der BIBB-Ärztebefragung zu er­
möglichen. Die Befragung wurde mittels eines Online­
tools durchgeführt.

71

Befragung von Ärztinnen und Ärzten
Die Personen für die Befragung wurden über die In­
stitute erreicht, die in Deutschland Integrationskurse
für ausländische Ärzte und Vorbereitungskurse auf die
Kenntnisprüfung anbieten. Folgende Träger sind nach
der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung der
Arbeitsförderung (AZAV) beziehungsweise der Aner­
kennungs- und Zulassungsverordnung – Weiterbildung
(AZWV) der BA zertifiziert: bfw Unternehmen für
Bildung (www.bfw.de), Gemeinnützige Gesellschaft für
berufsbildende Maßnahmen mbH Berlin (www.gfbm.
de), Kulturakademie Dresden (www.kulturakademie­
dresden.de), mibeg-Institut Medizin (www.mibeg.de),
VIA-Institut Nürnberg (www.via-institut.de).
Die Institute haben die Fragebögen in den im Juli 2015
stattgefundenen Vorbereitungskursen auf die Kennt­
nisprüfung verteilt. Zusätzlich wurden die Institute
gebeten, den Fragebogen per E-Mail an ehemalige Kurs­
teilnehmer zu versenden. Die ausgefüllten Fragebögen
wurden von den Instituten gesammelt und an das BIBB
geschickt, um die Anonymität zu wahren.
Um eine höhere Teilnahme an der Befragung bei Kurs­
teilnehmern zu erzielen, die noch kein gutes Deutsch
können, wurden die Fragebögen auf Deutsch, Englisch
sowie Russisch verfasst.
Insgesamt nahmen 91 Personen an der Befragung teil.
Da ein Großteil nicht die Frage zur Teilnahme an einer
Kenntnisprüfung beantwortete, werden ausschließlich
die gültigen Fälle zu dieser Frage bei den Auswertungen
berücksichtigt.
Rund drei Viertel der 56 Befragten bereiteten sich zum
Zeitpunkt der Befragung (Juni und Juli 2015) gerade auf
eine Kenntnisprüfung vor. Die anderen hatten bereits
daran teilgenommen und überwiegend bestanden. Von
ihnen hatten sieben bereits die Approbation erhalten
und zwei noch nicht. Drei Befragte hatten die erste
Kenntnisprüfung nicht bestanden und bereiteten sich
auf eine weitere Kenntnisprüfung vor. Die Mehrheit der
Befragten war zwischen 24 und 35 Jahre alt. Drei Viertel
leben seit bis zu drei Jahren in Deutschland, über die
Hälfte schloss das Medizinstudium im Ausland vor bis
zu acht Jahren ab. Fast alle Befragten haben bereits Be­
rufserfahrungen als Ärztin oder Arzt im Ausland erwor­
ben. 24 Befragte erwarben ihre Qualifikation in einem
ehemaligen GUS-Staat, 31 in einem anderen Drittstaat.

72

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Übersicht über die gesetzlichen Neuerungen ............................................................................................................... 10


Abbildung 2

Wege zum Antrag – Informations- und Beratungsaufkommen bei ausgewählten 

Institutionen 2012 bis 2015 (absolut)............................................................................................................................... 17


Abbildung 3

Entwicklung des Beratungsaufkommens bei der BAMF-Hotline und den IQ-Erstanlaufstellen 

2012 bis 2015 (absolute und durchschnittliche monatliche prozentuale Veränderung im Vergleich
zum Vorjahr) .............................................................................................................................................................................. 19


Abbildung 4

BAMF-Hotline: Entwicklung des Beratungsaufkommens von Personen mit Wohnsitz 

außerhalb Deutschlands – gesamt und kategorisiert (absolut und in Prozent) ................................................. 20


Abbildung 5

Kategorisierte Staatsangehörigkeit der Beratenen bei den IQ-Erstanlaufstellen und 

der BAMF-Hotline 2012 bis 2015 (in Prozent) .............................................................................................................. 21


Abbildung 6

Entwicklung der Antragszahlen bei reglementierten und nicht reglementierten 

Berufen 2012 bis 2014 (absolut und in Prozent) ........................................................................................................... 27


Abbildung 7

Anzahl der neu gestellten Anträge 2014 bei den zehn häufigsten Referenzberufen (absolut).................... 28


Abbildung 8

Ausbildungsstaaten der Personen, die im Jahr 2014 einen Antrag gestellt haben,

nach Regionen gruppiert (absolut) .................................................................................................................................... 29


Abbildung 9

Anzahl der neu gestellten Anträge 2012 bis 2014 bei den zehn häufigsten Staatsangehörigkeiten 

(absolut) ...................................................................................................................................................................................... 30


Abbildung 10

Ausgang der Entscheidung bei reglementierten und nicht reglementierten Berufen 2014 (in Prozent)........ 31


Abbildung 11

Die fünf dualen Ausbildungsberufe mit den meisten Neuanträgen in 2014 (absolut) .................................... 35


Abbildung 12

„Sonstige geeignete Verfahren“ (Qualifikationsanalyse) bei nicht reglementierten Berufen 

und reglementierten Meisterberufen, nach Anzahl in Jahren (Mitte) und nach Entscheidungen
(Kreis außen) (absolut) ........................................................................................................................................................... 42


Abbildung 13

Zusammensetzung möglicher Kosten für die Anerkennung – je nach Einzelfall .............................................. 45


Abbildung 14

Verteilung der Maßnahmen der Individualförderung im Förderprogramm IQ 

im vierten Quartal 2015 (in Prozent)................................................................................................................................. 49


Abbildung 15

Verteilung der Fördermaßnahmen des Stipendienprogramms Hamburg für das Jahr 2015 (in Prozent) ...... 50


Abbildung 16

Ergebnis der Gleichwertigkeitsprüfung bei der Qualifizierungsberatung von Personen mit Bescheid 

(in Prozent) ................................................................................................................................................................................ 57


Abbildung 17

Die fünf häufigsten angestrebten Referenzberufe der Teilnehmenden der 

IQ-Qualifizierungsmaßnahmen (in Prozent) ................................................................................................................. 59


Abbildung 18

Alter der Flüchtlinge und aller anderen Beratenen bei IQ-Erstanlaufstellen 

im Zeitraum 1. Juni bis 31. Dezember 2015 (absolut und in Prozent) ................................................................... 63


Abbildung 19

Berufliche Qualifikation der von den IQ-Erstanlaufstellen beratenen Flüchtlinge 

nach den fünf häufigsten Staatsangehörigkeiten sowie gesamt (in Prozent) ..................................................... 65


Abbildung 20

Aufenthaltsdauer gesamt und für die fünf häufigsten Staatsangehörigkeiten der von den 

IQ-Erstanlaufstellen beratenen Flüchtlinge (in Prozent) .......................................................................................... 66


Abbildung 21

Ergebnis der Gleichwertigkeitsprüfung nach Staatsangehörigkeit (Hauptherkunftsstaaten) 

2012 bis 2014 (in Prozent) .................................................................................................................................................... 67


ANHANG

73

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1	

Die zehn häufigsten Qualifikationen (Referenzberufe und Studienabschlüsse) in der Beratung 

bei den IQ-Erstanlaufstellen und der BAMF-Hotline (absolut und in Prozent) .......................................................... 23


Tabelle 2	

Die länderübergreifende Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe beim Sekretariat der KMK/ZAB..................... 39


Tabelle 3	

Die zehn häufigsten Qualifikationen (Referenzberufe und Studienabschlüsse) 

in der Qualifizierungsberatung der IQ-Anlaufstellen (absolut und in Prozent)........................................................... 56


Tabelle 4	

Die zehn häufigsten Staatsangehörigkeiten von Flüchtlingen bei den IQ-Erstanlaufstellen 

(absolut und in Prozent) .................................................................................................................................................................. 64


Tabelle 5	

Die zehn häufigsten Qualifikationen (Referenzberufe und Studienabschlüsse) 

von Flüchtlingen bei den IQ-Erstanlaufstellen (absolut und in Prozent) ...................................................................... 65


74

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung

Bedeutung

AiD
AufenthG

Portal „Anerkennung in Deutschland“
Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration
von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz)
Bundesagentur für Arbeit
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung
Bundesinstitut für Berufsbildung
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Bundesministerium für Gesundheit
Bundesministerium des Innern
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen
(Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz)
Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge
(Bundesvertriebenengesetz)
Deutscher Industrie- und Handelskammertag
Einheitliche Ansprechpartner
Europäischer Berufsausweis
Europäischer Sozialfonds
Europäischer Wirtschaftsraum
Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen
Gesundheitsministerkonferenz der Länder
Handlungsempfehlung/Geschäftsanweisung der Bundesagentur für Arbeit
Handwerkskammer
Handwerksordnung
Industrie- und Handelskammer
Öffentlich-rechtlicher Zusammenschluss von 76 der 80 Industrie- und
Handelskammern zur zentralen Entscheidung über Anträge zur Anerkennung
ausländischer Berufsqualifikationen (FOSA = foreign skills approval)
Interkulturelles Bildungszentrum Mannheim GmbH
Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung (IQ)“
Integration durch Qualifizierung und Anerkennung in medizinischen
Arbeitsfeldern (Programm in NRW)
Kapitel
Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland
(Kultusministerkonferenz)
Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
Gesetz über technische Assistenten in der Medizin
Sozialgesetzbuch
Abschlussbezogene Validierung informeller und non-formaler Kompetenzen (Projekt)
Westdeutscher Handwerkskammertag
Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (in Hamburg)
Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (im Sekretariat der KMK)
Zentralverband des Deutschen Handwerks

BA
BAMF
BF-Ausschuss
BIBB
BMBF
BMG
BMI
BMWi
BQFG
BVFG
DIHK
EA
EBA
ESF
EWR
GER
GMK
HEGA
HWK
HwO
IHK
IHK FOSA

Ikubiz
IQ
IQuaMed
Kap.
KMK
MBE
MTAG/MTA-Gesetz
SGB
ValiKom
WHKT
ZAA
ZAB
ZDH

ANHANG

75

Literaturverzeichnis

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durch Qualifizierung (IQ)“ zur Umsetzung der Individualförderung [Unveröffentlichtes Manuskript]. 2016.
Benzer, Ulrike; Hoffmann, Jana; Encheva, Atanaska; Vockentanz, Victoria: Auswertungsbericht 4/2015. Dokumentation
der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung [Unveröffentlichtes Manuskript]. 2016.
Böse, Carolin; Schreiber, Daniel; Lewalder, Anna Cristin: Die Rolle formaler, non-formaler und informeller Lernergebnisse
im Anerkennungsgesetz. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP), 43 (2014) 5, S. 30–33.
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aus „Prototyping Transfer“. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP), 45 (2016) 1, S. 20–23.
Böse, Carolin; Wünsche, Tom: Möglichkeiten zur Fachkräftesicherung in der Pflege durch das Anerkennungsgesetz. In:
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URL: http://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Fachkraeftebedarf-Stellen/
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Bundesagentur für Arbeit (BA): Merkblatt § 17a AufenthG. Beschäftigung von drittstaatsangehörigen Ausländerinnen und
Ausländern im Anerkennungsverfahren nach § 17a Aufenthaltsgesetz. 2015b. – URL: https://www.arbeitsagentur.de/web/
wcm/idc/groups/public/documents/webdatei/mdaw/mjg1/~edisp/l6019022dstbai788714.pdf (Abruf: 6. April 2016).
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Asylgeschäftsstatistik für den Monat Dezember 2015 und das
Berichtsjahr 2015. 2016. – URL: www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/201512­
statistik-anlage-asyl-geschaeftsbericht.pdf?__blob=publicationFile (Abruf: 18. Februar 2016).
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Asylgeschäftsstatistik für den Monat Januar 2016. 2016. –

URL: www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/Asyl/201601-statistik-anlage-asyl­
geschaeftsbericht.pdf?__blob=publicationFile (Abruf: 18. Februar 2016).

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF): Erläuterungen zum Anerkennungsgesetz des Bundes. 2012. –

URL: www.anerkennung-in-deutschland.de/media/20120320_erlaeuterungen_zum_anerkennungsg_bund.pdf

(Abruf: 18. Februar 2016).

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BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2016

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Rich, Anna-Katharina: Asylerstantragsteller in Deutschland im Jahr 2015. Sozialstruktur, Qualifikationsniveau und
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Worbs, Susanne; Bund, Eva: Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge in Deutschland. Qualifikationsstruktur,
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SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Kurzanalysen/kurzanalyse1_qualifikationsstruktur_asylberechtigte.pdf?__
blob=publicationFile (Abruf: 18. Februar 2016).

Impressum
Herausgeber
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Referat Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
11055 Berlin
Text/Autorinnen und Autoren
BMBF unter Mitarbeit des Bundesinstituts für Berufsbildung
(BIBB): Dr. Jessica Erbe und Tom Wünsche sowie Carolin Böse,
Ricarda Knöller, Robert Koch, Sandra Mundt, Peter Rehfeld,
Nadja Schmitz, Sabrina Inez Weller
Bestellungen
schriftlich an
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Fax: 030 18 10 272 272 11
Stand
Juli 2016
Druck
Silber Druck oHG
Gestaltung
W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld; Christiane Zay
Bildnachweis
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GettyImages/Hero Images: S. 8, 12; GettyImages/imagenavi: S. 6/7;
GettyImages/Jetta Productions: S. 60; GettyImages/Westend61: S. 4,
S. 44; Handwerkskammer Hamburg, Projekt IQ Netzwerk Hamburg
– NOBI/Ingo Johannsen: S. 52, 58, 62; IHK Emden: S. 43; iStock/
SnezaJokic: S. 53; iStock/sturti: S. 69; iStock/style-photographs:
S. 33; IQ Netzwerk Bremen/Linda Hoff: S. 68; mibeg-Institut
Medizin: S. 46; Portal „Anerkennung in Deutschland“/BIBB: Titel,
S. 24/25, 32, 36; Presse- und Informationsamt der Bundesregie­
rung/Steffen Kugler: Vorwort (Porträt Prof. Dr. Johanna Wanka)
S. 3; Thinkstock/Ingram Publishing: S. 26; vbw – Vereinigung der
Bayerischen Wirtschaft e.V., vbw Unternehmermagazin: S. 55

Titelbild: Judith Yawa Aggor-Edorh arbeitet in Baden-Württemberg als
Maßschneiderin. Die Anerkennung ihres ghanaischen Berufsabschlusses
erhielt sie, nachdem sie im Rahmen einer Qualifikationsanalyse ihre
beruflichen Kompetenzen praktisch nachgewiesen hatte.
Die Erfahrungen im Rahmen der Berufsanerkennung von
Frau Aggor-Edorh und anderen Fachkräften können Sie nachlesen
unter www.anerkennung-in-deutschland.de.

Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit
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