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Full text: Bericht zum Anerkennungsgesetz Issue 2015

Bericht zum
Anerkennungsgesetz 2015

Beschluss des Bundeskabinetts vom 10. Juni 2015
Die Bundesregierung beschließt den von der Bundesministerin für Bildung
und Forschung vorgelegten „Bericht zum Anerkennungsgesetz 2015“.

INHALTSVERZEICHNIS

1

Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Ministerin

12

I

14


Drei Jahre Anerkennungsgesetz des Bundes – Bilanz und Perspektiven

Einleitung zu den Teilen II bis IV


32

1.	

Einleitung

33


2.	

Danksagung

35


II	

Entwicklung der Rechtsgrundlagen und Akteure im
Anerkennungsprozess

1.

2.

36


Die Anerkennungsgesetzgebung von Bund und Ländern und angrenzende Rechtsgebiete

37


1.1	

Anerkennungsgesetz des Bundes

37


1.2	

Anerkennungsgesetze der Länder

38


1.3	

Entwicklungen des EU-Rechts und Folgen für den deutschen Rechtsrahmen

39


1.4	

Anerkennung und Aufenthalts- sowie Beschäftigungsrecht

41


1.4.1	 Umsetzung	der	Hochqualifizierten-Richtlinie	zum	1. August	2012

41

1.4.2	 Zuwanderung in Berufen mit Fachkräftemangel – Die neue Beschäftigungsverordnung

43


1.4.3	 Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge

43


1.5	

45


Fazit

Akteure im Anerkennungsprozess	

46


2.1	

Bündelungen von Zuständigkeiten für die Gleichwertigkeitsprüfung

46


2.2	

Informations- und Beratungsangebote

47


2.3	

Vernetzung der Akteure

52


III

Aktuelle Entwicklungen im Anerkennungsgeschehen	

1.	

Information und Beratung

55


1.1	

56


Information

54


1.1.1	 Portal „Anerkennung in Deutschland“

56


1.1.2	 Zentralstelle	für	ausländisches	Bildungswesen

60


1.1.3	 BQ-Portal

62


1.2	

Beratung durch IQ-Erstanlaufstellen und BAMF-Hotline/Hotline Arbeiten und Leben
in Deutschland

64


2

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

1.2.1 Beratungsaufkommen	

64


1.2.2	 Soziodemografische	Daten	der	Beratungsinteressierten	

67


1.2.3 Top Ten der Referenzberufe	

69


1.3

69


Einstiegsberatung bei den Kammern	

2.	

Die amtliche Statistik für bundesrechtlich geregelte Berufe

71


3.	

Bundeseinheitlicher Verwaltungsvollzug des Anerkennungsgesetzes? –

Ein Blick auf ausgewählte Bereiche

82


3.1	

Antragstellung aus dem Ausland – unabhängig von Aufenthaltstitel, Wohnort und
Arbeitsstelle?

84


Gleichwertigkeitsfeststellung – notwendige Unterlagen für den Vergleich mit dem
deutschen Referenzberuf

85


Die Rolle externer Sachverständiger im Bereich ausgewählter reglementierter
Gesundheitsberufe

87


3.4	

Die Berufserfahrung zum Ausgleich wesentlicher Unterschiede

89


3.5	

Gleichwertigkeitsprüfung mithilfe „sonstiger geeigneter Verfahren“

91


3.6	

Ausgleichsmaßnahmen bei reglementierten Berufen

92


3.7	

Neue Regelungen in den Gesundheitsberufen des Bundes

95


3.2	
3.3	

4.	

3.7.1	 Bescheid	mit	der	Auflage	an	Ausgleichsmaßnahmen	teilzunehmen	

98


3.7.2	 Auswirkungen der neuen Regelungen auf Ausgleichsmaßnahmen

99


3.7.3	 Berufserlaubnis	

101


3.8	

103


Sprachkenntnisse	–	auf	dem	Weg	zu	einheitlichen	Regelungen?	

3.8.1	 Aktuelle	Entwicklungen	in	den	akademischen	Heilberufen	

103


3.8.2	 Zeitpunkt	–	Nachweis	Sprachkenntnisse	

106


3.9	

107


Ende	der	Verfahren	ohne	Bescheid:	Zurückgezogene	Anträge	

3.10	 Fachärztliche	Weiterbildung	

108


3.11	 Altenpflege	–	wenig	Entfaltungsspielraum	für	das	Anerkennungsgesetz	

109


3.12	 Fazit	

110


Weitere	Qualifizierung

112


4.1	

112


Anpassungsqualifizierungen	im	Kammerbereich

4.1.1	 Nachfrage	nach	Beratung	zu	Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten

113


4.1.2	 Angebot	an	Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten

115


4.1.3	 Anpassungsqualifizierungen	aus	Sicht	der	Jobcenter

115


4.2

116


Weiterbildungsanbieter	

INHALTSVERZEICHNIS

5.

6.	

3

Kosten und Finanzierung	

119


5.1	

Verfahrensgebühren	im	Überblick	

120


5.2

Entwicklung der vorliegenden Finanzierungsinstrumente seit dem letzten Bericht

122


5.2.1 Regelinstrumente des Bundes	

123


5.2.2	 Anerkennungsspezifische	Förderinstrumente	des	Bundes	

124


5.2.3	 Förderinstrumente	der	Länder	

126


5.2.4	 Finanzierung	durch	Betriebe	und	weitere	Möglichkeiten	

127


5.3	

128


Befragungsergebnisse zu Kosten und Finanzierung

5.3.1	 Jobcenter:	Verfahrenskosten	und	Finanzierung	

128


5.3.2	 MBE: Verfahrenskosten und Finanzierung

131


5.3.3	 Finanzierung als Grund, keinen Antrag zu stellen

133


5.4	

135


Fazit

Betriebe

137


6.1	

Bekanntheit der Anerkennungsgesetze

137


6.2	

Beschäftigung von Personen mit ausländischen Berufsabschlüssen und die Rolle 

der Anerkennung

138


6.3	

Beschäftigung	und	Beschäftigungsmöglichkeiten	der	Zielgruppe	

142


6.4	

Weitere Stärkung der Betriebsperspektive

143


IV	 Detailstudien zum Anerkennungsgeschehen

144


1.

2.	

Entwicklung der Zielgruppe	

145


1.1

Zuzug nach Deutschland	

145


1.2	

Alter	und	Qualifikation	der	Zugezogenen	

148


1.3	

Fazit

151


Beratung zum Thema Anerkennung durch die Jobcenter und Migrationsberatung 

für erwachsene Zuwanderer

152


2.1	

153


Jobcenter	

2.1.1	 Informationsstand zum Thema Anerkennung und Nutzung von Informationsangeboten

154


2.1.2	 Bestandteile der Beratung zum Thema Anerkennung

154


2.1.3	 Sprache in der Beratung

156


2.1.4	 Einschätzungen zu Bescheiden und zum Verbleib der Kundinnen und Kunden

156


2.1.5	 Unterstützungsbedarf

157


2.2	

157


Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer

2.2.1	 Informationsstand zum Thema Anerkennung und Nutzung von Informationsangeboten

157


4

3.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

2.2.2 Bestandteile der Beratung zum Thema Anerkennung

158


2.2.3	 Sprache	in	der	Beratung	

160


2.2.4	 Einschätzungen	zu	Bescheiden	und	zum	Verbleib	der	Kundinnen	und	Kunden	

160


2.2.5	 Unterstützungsbedarf	

160


Von der Beratung zum Antrag

162


3.1

Das Verhältnis von Beratungen zu Anträgen

163


3.2

Gründe, keinen Antrag zu stellen, aus der Sicht unterschiedlicher Akteure

164


3.2.1 Gründe aus der Sicht der Kammern (HWK – IHK)

165


3.2.2 Gründe aus der Sicht der zuständigen Stellen für die Berufe Ärztin und Arzt
sowie	Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	und	-pfleger	

167


3.2.3	 Gründe	aus	der	Sicht	der	Jobcenter	und	MBE	

169


3.3	

Angrenzende	Rechtsgrundlagen	

170


3.4	

Alternative	Verfahren	und	Möglichkeiten	

172


Anhang

176


A1

Glossar

177

A2

Datensatzbeschreibungen

186

A3

Tabellen

191

Literaturverzeichnis

192

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

5

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Übersicht über die Anerkennungsgesetzgebung in Deutschland (Daten des Inkrafttretens 

der Gesetze von Bund und Ländern) .....................................................................................................

38


Abbildung 2 Änderungsbedarf infolge der Novellierung der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie .................. 	 40

Abbildung 3 Informations- und Beratungsaufkommen bei ausgewählten Institutionen – ein Überblick ..

56


Abbildung	4	 Besuche	und	Seitenaufrufe	von	anerkennung-in-deutschland.de	von	2012	bis	2014
	
(absolut)........................................................................................................................................................

57


Abbildung	5	 Entwicklung	der	Besuchszahlen	der	Datenbank	anabin	von	2007	bis	Ende	2014	(absolut)....

61


Abbildung	6	 Entwicklung	der	schriftlichen	Anfragen	im	Gutachtenbereich	bei	der	ZAB	von	2006
	
bis	Ende	2014	sowie	der	Anteil	der	schriftlichen	Anfragen	von	Privatpersonen	(absolut).......

61


Abbildung	7	 Entwicklung	der	Anträge	auf	Zeugnisbewertung	bei	der	ZAB	von	2010	bis	2014	(absolut)....

62


Abbildung	8	 Besuche	von	bq-portal.de	von	2012	bis	2014	(absolut) ....................................................................

63


Abbildung 9 Entwicklung der Anfragen mit intensiven Recherche- und Abstimmungstätigkeiten 

des BQ-Portals pro Monat (absolut)......................................................................................................

64


Abbildung	10	 Beratungsaufkommen	bei	den	Hotlines	und	den	IQ-Erstanlaufstellen	im	Zeitverlauf	
unterteilt nach Angebot (absolut) ..........................................................................................................

65


Abbildung 11 Beratungsaufkommen bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen im Zeitverlauf 

unterteilt	nach	Staatsangehörigkeit	(Europa/nicht	Europa)	(absolut)...........................................

66


Abbildung 12 Beratungsart bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen (in Prozent)..................................

66


Abbildung 13 Alter (kategorisiert) bei Erstkontakt mit den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen 

(absolut)........................................................................................................................................................

67


Abbildung 14 Aufenthaltsdauer (kategorisiert) der von den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen 

beratenen Personen in Deutschland (absolut)....................................................................................

68


Abbildung 15 Verteilung der Verfahren und Bescheide auf reglementierte und nicht reglementierte 

Berufe	für	2012	und	2013	(absolut	und	in	Prozent)...........................................................................

72


Abbildung	16	 Überjährige	Verfahren	von	2012/2013	(absolut	und	in	Prozent)....................................................

73


Abbildung 17 Ergebnisse der beschiedenen Verfahren bei reglementierten und nicht reglementierten 

Berufen	für	2013	(absolut	und	in	Prozent)...........................................................................................

74


Abbildung	18	 Die	20	häufigsten	Referenzberufe	im	Jahr	2013	(absolut)................................................................

75


Abbildung	19	 Ergebnisse	der	beschiedenen	Verfahren	bei	den	drei	häufigsten	reglementierten
	
Referenzberufen	für	2013	(absolut	und	in	Prozent) ..........................................................................

76


Abbildung	20	 Ergebnisse	der	beschiedenen	Verfahren	bei	den	drei	häufigsten	nicht	reglementierten
	
Referenzberufen	im	Jahr	2013	(absolut	und	in	Prozent) ..................................................................

76


Abbildung	21	 Die	20	häufigsten	Staatsangehörigkeiten	der	Personen,	deren	Verfahren	im	Jahr	2013
	
bearbeitet wurde (absolut).......................................................................................................................

77


6

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	22	 Ausbildungsstaaten	der	Personen,	deren	Verfahren	im	Jahr	2013	bearbeitet	wurde,	
nach Regionen gruppiert (absolut).........................................................................................................

78


Abbildung	23	 Die	20	häufigsten	Ausbildungsstaaten	der	Personen,	deren	Verfahren	im	Jahr	2013
	
bearbeitet wurde (absolut).......................................................................................................................

79


Abbildung	24	 Dauer	der	bereits	beschiedenen	Anerkennungsverfahren	im	Jahr	2013	in	Monaten
	
(absolut)........................................................................................................................................................ 	 80

Abbildung 25 Nachforderungen von Unterlagen im nicht reglementierten und reglementierten Bereich 

(in Prozent)...................................................................................................................................................

86


Abbildung	26	 Aussage:	Nur	externe	Sachverständige	können	die	Gleichwertigkeitsprüfung	durchführen,	
da sie „vom Fach“ sind. (absolut) ............................................................................................................

87


Abbildung 27 Berücksichtigung der Berufserfahrung bei abgeschlossenen Verfahren im nicht 

reglementierten und reglementierten Bereich (in Prozent)............................................................. 	 90

Abbildung 28 Gründe, warum die Berufserfahrung bei den befragten zuständigen Stellen für 

Gesundheitsberufe nicht berücksichtigt wird (absolut).................................................................... 	 90

Abbildung	29	 Art	der	Entscheidung	bei	positivem	Verfahrensausgang	in	reglementierten	Berufen	2013
	
(absolut)........................................................................................................................................................

93


Abbildung	30	 Häufigkeit,	dass	bei	Drittstaatsabschlüssen	wesentliche	Unterschiede	vorliegen	(absolut) ...

94


Abbildung 31 Aussage: Die neue BMG-Verordnung hilft dabei, bundeseinheitliche Verfahren 

gewährleisten	zu	können.	(absolut) .......................................................................................................

98


Abbildung 32 Dauer der erteilten Berufserlaubnis (absolut) ..................................................................................... 	 102

Abbildung 33 Anforderung zum Termin des Nachweises der Sprachkenntnisse (absolut) ................................ 	 106

Abbildung	34	 Nachfrage	nach	Beratung	zu	Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten	bei	Personen
	
mit keiner beziehungsweise teilweiser Gleichwertigkeit (absolut)................................................. 114

Abbildung	35	 Empfehlung:	Tendenz	Anpassungsqualifizierung	und	Tendenz	Arbeitsmarktintegration	
(absolut)........................................................................................................................................................ 116

Abbildung 36 Art der Weiterbildungsangebote (in Prozent) ..................................................................................... 117

Abbildung 37 Anzahl der Teilnehmenden an Weiterbildungskursen im Rahmen von Anerkennungen 

(in Prozent)................................................................................................................................................... 118

Abbildung 38 Vorausschau auf die zentralen Finanzierungsinstrumente für Kosten der Anerkennung 

ab	2015 ......................................................................................................................................................... 123

Abbildung	39	 Bewilligte	IQ-Förderprojekte	für	die	Qualifizierung	von	Migrantinnen	und	Migranten
	
im Kontext des Anerkennungsgesetzes (Verteilung der 146 Teilprojekte) ................................... 125

Abbildung	40	 Jobcenter:	Zustimmung	zur	Aussage	„Die	Kosten	des	Verfahrens	sind	meist	vorhersehbar.“	
(in Prozent)................................................................................................................................................... 128

Abbildung	41	 Jobcenter:	Berechnung	der	Kosten,	die	ein	Verfahren	mit	sich	bringen	kann	(in	Prozent) ...... 129


ABBILDUNGSVERZEICHNIS

7

Abbildung	42	 Jobcenter:	Finanzierung	von	Weiterqualifizierungen	und	Ausgleichsmaßnahmen	(in	Prozent) .. 	 130

Abbildung	43	 Jobcenter:	Genutzte	beziehungsweise	empfohlene	Förderinstrumente	(in	Prozent) ............... 131

Abbildung 44 MBE: Zustimmung zur Aussage „Die Kosten des Verfahrens sind meist vorhersehbar.“

(in Prozent)................................................................................................................................................... 132

Abbildung 45 MBE: Schätzung der Kosten, die ein Verfahren mit sich bringen kann (in Prozent) .................. 132

Abbildung 46 MBE: Empfohlene Finanzierungsinstrumente (in Prozent) ............................................................. 133

Abbildung	47	 Jobcenter,	MBE,	HWKn	und	IHKn:	Kosten	und	Finanzierung	als	Grund,	keinen	Antrag
	
zu stellen (Anzahl und Anteile der Nennungen in unterschiedlichen BIBB-Befragungen)...... 134

Abbildung	48	 Länderbehörden:	Kosten	und	Finanzierung	als	Grund	keinen	Antrag	zu	stellen	(Anzahl	
und Anteile der Nennungen) ................................................................................................................... 135

Abbildung 49 Bekanntheit der Anerkennungsgesetze bei den befragten Betrieben (in Prozent) .................... 138

Abbildung	50	 Derzeitige	Beschäftigung	von	Personen	mit	einem	im	Ausland	erworbenen	Berufsabschluss in den befragten Betrieben (in Prozent) ............................................................................ 139

Abbildung 51 Zeitpunkt der Durchführung des Anerkennungsverfahrens bei Betrieben, die Personen 

beschäftigen, die ein Anerkennungsverfahren durchlaufen haben (in Prozent) ......................... 	 140

Abbildung 52 Art der Unterstützung von Beschäftigten im Anerkennungsverfahren durch Betriebe,

die Personen beschäftigen, die während ihrer Zeit im Betrieb ein Anerkennungsverfahren 

durchlaufen (haben) (in Prozent)............................................................................................................ 	 140

Abbildung 53 Änderungen für Beschäftigte nach einem Anerkennungsverfahren in Betrieben,

in denen sich für Beschäftigte, die während ihrer Beschäftigung ein Anerkennungs­
verfahren durchlaufen haben, etwas geändert hat (in Prozent)...................................................... 141

Abbildung 54 Gründe für die Einstellung von Personen, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben
haben,	bei	Betrieben,	die	in	den	Jahren	2013/2014	Personen	mit	im	Ausland	erworbenem	
Berufsabschluss eingestellt haben (in Prozent) .................................................................................. 142

Abbildung 55 Zuzüge von Ausländerinnen und Ausländern nach Deutschland nach Herkunftsgebieten 

(absolut)........................................................................................................................................................ 146

Abbildung	56	 Verhältnis	der	Zuzüge	von	Ausländerinnen	und	Ausländern	des	Jahres	2013
	
gegenüber	2006	nach	Herkunftsgebieten............................................................................................ 147

Abbildung	57	 Zusammensetzung	der	Zuzüge	von	Ausländerinnen	und	Ausländern	2013	nach	
Herkunftsgebieten (in Prozent) .............................................................................................................. 148

Abbildung	58	 Zugezogene	Ausländerinnen	und	Ausländer	im	Jahr	2013	nach	Herkunftsländern/-regionen	
und Altersgruppen (in Prozent) .............................................................................................................. 149

Abbildung 59 Zugezogene 18- bis 49-jährige Ausländerinnen und Ausländer nach Herkunft und 

Qualifikation	(in	Prozent) ......................................................................................................................... 	 150

Abbildung	60	 Jobcenter:	Einschätzung	der	Häufigkeit	der	Beratungsbestandteile	zum	Thema
	
Anerkennung (in Prozent) ........................................................................................................................ 155


8

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	61	 MBE:	Einschätzung	der	Häufigkeit	der	Beratungsbestandteile	zum	Thema	Anerkennung	
(in Prozent)................................................................................................................................................... 159

Abbildung 62 Das Verhältnis von Beratungen zu Anträgen nach Zuständigkeitsbereichen (Schätzung) ....... 163

Abbildung 63 Gründe, warum kein Antrag gestellt wird, aus Sicht der Handwerkskammern (absolut)......... 165

Abbildung 64 Gründe, warum kein Antrag gestellt wird, aus Sicht der Industrie- und Handelskammern 

(absolut)........................................................................................................................................................ 166

Abbildung 65 Gründe, warum kein Antrag gestellt wird, aus Sicht der zuständigen Stellen für Ärztin 

und Arzt (absolut)....................................................................................................................................... 168

Abbildung 66 Gründe, warum kein Antrag gestellt wird, aus Sicht der zuständigen Stellen für 

Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	und	-pfleger	(absolut)............................................................ 169

Abbildung	67	 Einreise	von	Spätaussiedlerinnen	und	Spätaussiedlern	und	ihrer	Angehörigen	nach
	
Deutschland	im	Zeitverlauf	von	2001	bis	2014	(absolut) ................................................................. 171

Abbildung	68	 Handwerk	sowie	Industrie	und	Handel:	Häufigkeit,	dass	bei	einem	Ausbildungsberuf
	
zu	alternativen	Möglichkeiten	geraten	wird	(absolut)....................................................................... 173

Abbildung	69	 Handwerk:	Häufigkeit,	dass	bei	einer	Meisterqualifikation	zu	alternativen	Möglichkeiten
	
geraten wird (absolut) ............................................................................................................................... 174


TABELLENVERZEICHNIS

9

Tabellenverzeichnis

Tabelle	1	 	
Tabelle	2	 	
Tabelle 3	
Tabelle 4	
Tabelle 5	
Tabelle	6	 	
Tabelle	7	 	

Top	Ten	der	Herkunftsländer	der	Besuche	von	anerkennung-in-deutschland.de	2014
	
(absolut)........................................................................................................................................................

57


Nutzung	des	mehrsprachigen	Angebots	auf	anerkennung-in-deutschland.de	von	Juli
	
bis	Dezember	2014	(absolut)...................................................................................................................

58


Gründe für ein Interesse an Anerkennung von Besucherinnen und Besuchern auf 

anerkennung-in-deutschland.de (in Prozent) .....................................................................................

58


Aufenthaltsdauer in Deutschland von Besucherinnen und Besuchern auf 

anerkennung-in-deutschland.de (in Prozent) .....................................................................................

58


Arbeitssituation von Besucherinnen und Besuchern auf anerkennung-in-deutschland.de 

(in Prozent)...................................................................................................................................................

59


Nutzung	der	deutschen	und	englischen	Berufsprofile	auf	anerkennung-in-deutschland.de
	
(jeweils	die	Zugriffszahlen	auf	die	Startseiten	der	Berufsprofile)	2014	(absolut).......................

59


Die	zehn	häufigsten	Berufe	in	der	Beratung	bei	den	Hotlines	und	den	IQ-Erstanlauf-	
stellen nach Wohnsitz (absolut und in Prozent) .................................................................................

69


Tabelle	8	 	

Beratungen	im	Kammerbereich	seit	1. April	2012	(absolut) ............................................................ 	 70


Tabelle	9	 	

Ergebnisse	der	Verfahren	im	Jahr	2013	im	Bereich	der	nicht	reglementierten	Berufe,
	
in denen auf ein „sonstiges geeignetes Verfahren“ zurückgegriffen wurde (absolut) ...............

92


Tabelle	10	

Die	neuen	Regelungen	in	den	Heilberufen	des	Bundes	im	Überblick ..........................................

96


Tabelle 11

Festgelegte Sprachniveaus im Rahmen der Eckpunkte der GMK .................................................. 	 104


Tabelle 12

Übersicht der geforderten Sprachkenntnisse nach Ländern für den Beruf Ärztin 

beziehungsweise	Arzt	im	Vergleich	2013	und	2014........................................................................... 	 105


Tabelle	13	

Angebot	an	Anpassungsqualifizierungsmaßnahmen	in	der	Region	für	Personen
	
mit keiner beziehungsweise teilweiser Gleichwertigkeit (absolut)................................................. 115


Tabelle 14	

Abschlüsse der augenblicklich in den befragten Betrieben beschäftigten Personen 

mit	einer	im	Ausland	erworbenen	Berufsqualifikation	(in	Prozent)............................................... 139


Tabelle 15	

Übersicht zum Stand der Anerkennungsgesetzgebung in den Ländern 

(Stand:	1. Juli	2014).................................................................................................................................... 191


10

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abkürzungsverzeichnis

Abkürzung

Bedeutung

AA

AG „Koordinierende Ressorts“


Auswärtiges Amt

Arbeitsgruppe der für die Anerkennung im Ausland erworbener Berufs­

qualifikationen koordinierend zuständigen Ressorts der Länder
(Arbeitsgruppe „Koordinierende Ressorts“)
Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden
Programm „Akademikerinnen und Akademiker qualifizieren sich
für den Arbeitsmarkt“ [beendet am 30.09.2013]
Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration
von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz)
Arbeits­ und Sozialministerkonferenz
Asylverfahrensgesetz
Bundesagentur für Arbeit
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
Bundesausbildungsförderungsgesetz
Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben
Bundesärzteordnung
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
Berufsbildungsgesetz
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
Verordnung über die Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern
(Beschäftigungsverordnung)
Beschäftigungsverfahrensverordnung
Bundesinstitut für Berufsbildung
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Bundesministerium für Gesundheit
Bundesministerium des Innern
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen
(Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz) – siehe auch Glossar (Anhang A1) –
Berufsqualifikationsprüfungsgebührenverordnung
Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge
(Bundesvertriebenengesetz) – siehe auch Glossar (Anhang A1) –
Deutscher Industrie­ und Handelskammertag
Einheitlicher Ansprechpartner
Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung
Europäischer Sozialfonds
Europäischer Wirtschaftsraum – siehe auch Glossar (Anhang A1) –
Finanzministerkonferenz
Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen
Gesundheitsministerkonferenz der Länder

AOLG

AQUA

AufenthG

ASMK

AsylVfG

BA

BAFA

BAföG

BAFzA

BÄO

BAMF

BBiG

BDA

BeschV

BeschVerfV

BIBB

BMAS

BMBF

BMFSFJ

BMG

BMI

BMWi

BQFG

BQPGebVO

BVFG

DIHK

EA

EGovG

ESF

EWR

FMK

GER

GMK


ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

11

Abkürzung

Bedeutung

HEGA
HWK
HwO
IAB
IHK
IHK FOSA

Handlungsempfehlung/Geschäftsanweisung der Bundesagentur für Arbeit
Handwerkskammer
Handwerksordnung
Institut für Arbeitsmarkt­ und Berufsforschung
Industrie­ und Handelskammer
Öffentlich­rechtlicher Zusammenschluss von 77 der 80 Industrie­ und
Handelskammern zur zentralen Entscheidung über Anträge zur Anerkennung
ausländischer Berufsqualifikationen (FOSA = foreign skills approval)
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
Integration durch Qualifizierung – siehe auch Glossar (Anhang A1) –
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Jugendmigrationsdienst
Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik
Deutschland (Kultusministerkonferenz)
Kleine und mittlere Unternehmen
Krankenpflegegesetz
Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
(im Bericht wird die Abkürzung auch stellvertretend für „Stellen der MBE“
verwendet) – siehe auch Glossar (Anhang A1) –
Ministerpräsidentenkonferenz
Patientenkommunikationstest
Richtlinie
Rechtsverordnung
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (Berlin)
Sozialgesetzbuch
Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration
Verband der Landwirtschaftskammern e.V.
Verwaltungsverfahrensgesetz
Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Unternehmen
Westdeutscher Handwerkskammertag
Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (in Hamburg)
Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (im Sekretariat der KMK
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
Zentrale Auslands­ und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
Zentralverband des Deutschen Handwerks

IQ
IW Köln
JMD
KMK
KMU
KrPflG
MBE

MPK
PKT
RL
RVO
SenBJW
SGB
SVR
VLK
VwVfG
WeGebAU
WHKT
ZAA
ZAB
ZAV
ZDH

12

Vorwort
Auch drei Jahre nach Inkrafttreten des Anerkennungs­
gesetzes ist die Attraktivität der Anerkennungsver­
fahren ungebrochen. Die Nachfrage nach den Infor­
mations­ und Beratungsangeboten steigt stetig und
die Zahl der Anerkennungsverfahren entwickelt sich
weiter positiv. Vor dem Hintergrund der wachsen­
den Zuwanderungs­ und Flüchtlingszahlen sind die
Möglichkeiten, die die Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen bietet, ein wichtiger Beitrag, die
Potenziale der nach Deutschland kommenden Men­
schen für den Arbeitsmarkt zu erschließen und ihnen
eine Lebensperspektive zu eröffnen.
Ziel des am 1. April 2012 in Kraft getretenen Anerken­
nungsgesetzes ist es, Strukturen und Verfahren zur
Bewertung und Nutzung von im Ausland erworbenen
Qualifikationen für weitere Zielgruppen zu öffnen, zu
vereinfachen und zu verbessern. Das Gesetz und seine
Anwendung nehmen mit breitem politischem und
gesellschaftlichem Konsens einen Paradigmenwechsel
vor – weg von einer defizit- und problemorientierten
Sichtweise hin zu einer Betonung der Chancen und
Potenziale von Zuwanderinnen und Zuwanderern. Die
Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ist ein
zentrales Element der Fachkräftesicherung. Das 2012
neu geschaffene Anerkennungsgesetz hat auch interna­
tional Beachtung gefunden. So bewertet die OECD den
neuen rechtlichen Rahmen für die Anerkennung in
Deutschland positiv, da er die Möglichkeiten verbessert,
Fachkräfte auch mit den gefragten Kompetenzen des
mittleren Qualifikationsniveaus im Ausland zu finden.

Zudem hat die Bundesregierung in den vergangenen
Jahren aktiv die Zuwanderungs­ und Arbeitsmög­
lichkeiten für ausländische Fachkräfte verbessert und
engagiert sich für die Etablierung einer Willkommens­
und Anerkennungskultur in Deutschland.
Zur kontinuierlichen Beobachtung des Anerkennungs­
geschehens und der Anwendung der gesetzlichen Rege­
lungen hat die Bundesregierung – entsprechend ihrer
Zusicherung an die Länder im Gesetzgebungsverfahren
zum Anerkennungsgesetz – das Bundesinstitut für
Berufsbildung (BIBB) mit dem Monitoring beauftragt.
Dessen neue Ergebnisse werden in diesem Bericht
vorgestellt. Der erste Bericht zum Anerkennungsgesetz
wurde Anfang April 2014 veröffentlicht und zog erstmals
Bilanz. Seine Ergebnisse wurden auf einer Fachtagung
am 28. April 2014 auf breiter Basis mit den beteiligten
Akteuren von Ländern, Wirtschaft, Arbeitsverwaltung,
Beratungseinrichtungen und Sozialpartnern sowie
zuständigen Anerkennungsstellen diskutiert. Hiervon
gingen wichtige Impulse für die weitere Entwicklung
der Anerkennungspraxis aus. Der vorliegende zweite
Bericht zieht erneut eine Zwischenbilanz zu Regelungen
und Umsetzung des Anerkennungsgesetzes des Bundes.
Er stellt auch Ergebnisse der wissenschaftlichen Beglei­
tung durch die Fach­ und Berichtsstelle zur Anerken­
nung ausländischer Berufsqualifikationen beim BIBB
vor sowie einen Ausblick auf künftige Aufgaben.
Der aktuelle Bericht zeigt: Die mit dem Anerkennungs­
gesetz geschaffenen Möglichkeiten zur besseren

VORWORT

Verwertung der im Ausland erworbenen Berufsqualifi­
kationen in Deutschland greifen und Umsetzung und
Anwendung der Regelungen funktionieren im Wesent­
lichen. Das belegen die amtliche Statistik sowie das
Monitoring. Es werden neben den bisherigen Erfolgen
aber auch die weiteren kurz­, mittel­ und langfristigen
Handlungsbedarfe aufgezeigt. Dies sind vor allem die
weitere Verbesserung und Vereinheitlichung des Ver­
waltungsvollzugs in den Länderbehörden, die bessere
Verknüpfung von Zuwanderungs­ und Anerkennungs­
regeln und deren Vollzug für den Fachkräftezuzug aus
Drittstaaten, der Ausbau der Angebote für Anpassungs­
qualifizierungen sowie die Verstärkung der Rolle der
Betriebe im Anerkennungsverfahren.
Aufgabe des wissenschaftlichen Monitorings durch das
BIBB und der nach vier Jahren vorgesehenen Gesetzes­
evaluation wird es sein, fortlaufend detaillierte Kenntnis
über die Integrationswirkung der Anerkennungsregeln
und ihrer Umsetzung für die Zielgruppe in den Arbeits­
markt zu erlangen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse
wird es gemeinsames Ziel aller Beteiligten im Anerken­
nungsgeschehen sein, die bestehenden und künftigen
Herausforderungen zu definieren und konsequent
anzugehen.

Prof. Dr. Johanna Wanka
Bundesministerin für Bildung und Forschung

13

14

I

Drei Jahre Anerkennungsgesetz
des Bundes – Bilanz und Perspektiven

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

15

1. Anerkennung als Beitrag zur Fachkräftesicherung

Für ausländische Fachkräfte entwickelt sich die Attrak­
tivität des deutschen Arbeitsstandortes erfreulich posi­
tiv. Die Netto­Zuwanderung ist im vierten Jahr infolge
auf 429.000 in 2013 gestiegen1 und OECD­weit liegt
Deutschland seit einigen Jahren in Bezug auf dauerhaf­
te Zuwanderungen an zweiter Stelle der beliebtesten
Einwanderungsländer nach den USA. Der Internatio­
nale Migrationsausblick der OECD für 20142 zeigt, dass
die vielen Zugewanderten nach Deutschland in erster
Linie aus der EU kommen, bedingt insbesondere durch
die sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwick­
lungen in den Mitgliedsstaaten. Aber auch der Zuzug
aus sogenannten Drittstaaten gewinnt an Bedeutung.
Die Herausforderungen zur Fachkräftesicherung in
Deutschland bleiben hoch, da die Zahl der Erwerbsper­
sonen trotz hoher Zuwanderung sinken wird.3 Zudem
wird sich der weltweite Wettbewerb um qualifizierte
Fachkräfte in Zukunft noch verstärken, da nicht nur
OECD­Länder, sondern auch Entwicklungsländer
und aufstrebende Volkswirtschaften um Talente und
qualifizierte Fachkräfte konkurrieren. Zugleich nutzen
zahlreiche Staaten die Erleichterungen internatio­
naler Mobilität dazu, ausländische Arbeitsmärkte zu
erschließen.

Deutschland ist auf die Zuwanderung von
Fachkräften angewiesen
Je nachdem, wie sich die wirtschaftliche Situation in
den übrigen Mitgliedsstaaten der EU weiter entwickelt,
wird gerade die Zuwanderung von qualifizierten Fach­
kräften aus Drittstaaten eine zunehmend wichtige Rol­
le bei der Deckung des Fachkräftebedarfs inländischer
Unternehmen spielen. Einer aktuellen Studie des IAB4
zufolge müssten bis 2050 jährlich durchschnittlich bis
zu 491.000 Menschen aus Drittstaaten einwandern, um
das Erwerbspersonenpotenzial konstant zu halten (zum
Vergleich: in den vergangenen zehn Jahren waren es

durchschnittlich etwa 100.000). Neben der steigenden
Nachfrage nach Akademikerinnen und Akademikern
ist insbesondere der prognostizierte Bedarf an qualifi­
zierten Arbeitskräften mit erlerntem Ausbildungsberuf
hoch. Bis 2030 wird mehr als die Hälfte von ihnen aus
Altersgründen aus dem Erwerbsleben ausscheiden
und muss ersetzt werden. Auch bei einer Steigerung
des inländischen Erwerbspersonenpotenzials, zum
Beispiel durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von
Frauen oder die Anhebung des Rentenalters, bleibt eine
Nettozuwanderung aus dem Ausland zur Deckung des
Fachkräftebedarfs notwendig. Gerade für Personen mit
einer mittleren Qualifikation ist laut IAB-Studie die
erleichterte Anerkennung von Berufsabschlüssen dabei
besonders wichtig.
Auf diese Entwicklungen und Bedarfe hat Deutsch­
land reagiert, indem es neben Erleichterungen bei der
Zuwanderung auch die Regelungen zur Anerkennung
ausländischer Berufsabschlüsse reformierte, um den
bereits Zugewanderten und Neuzuwanderern eine
möglichst qualifikationsnahe Arbeitsmarktintegration
zu ermöglichen beziehungsweise zu erleichtern. Ein
modernes und transparentes Recht zur Anerkennung
ausländischer Berufsqualifikationen ist notwendige
Voraussetzung und erheblicher Standortvorteil bei
der Sicherung der Fachkräftebasis im internatio­
nalen Umfeld. Das Anerkennungsgesetz erleichtert
die Zuwanderung und die Arbeitsmarktintegration
– neben den Hochqualifizierten – insbesondere auch
den beruflich qualifizierten Fachkräften. Es etabliert
sich zunehmend als erfolgreiches Instrument zur
Arbeitsmarktintegration ausländischer Fachkräfte.5
Damit ist es eine gute Basis für die Integration der
Neu­Zugewanderten der letzten Jahre, die vielfach
gut qualifiziert und im erwerbsfähigen Alter sind. Fast
80 Prozent der 2013 nach Deutschland Zugewanderten
waren zwischen 18 und 49 Jahren und mehr als die
Hälfte von ihnen bringt einen Ausbildungsabschluss
oder einen Hochschulabschluss aus dem Ausland mit.6

1	

Migrationsbericht	2013	des	Bundesamtes	für	Migration	und	Flücht­
linge	im	Auftrag	der	Bundesregierung	(2015).

2	

Internationaler	Migrationsausblick	der	OECD	(2014),	S. 17	ff.

5	

3	

Fortschrittsbericht	2014	zum	Fachkräftekonzept	der	Bundesregie­
rung	(BMAS	2015).

Jahreswirtschaftsbericht	des	Bundesministeriums	für	Wirtschaft	und	
Energie	(2015),	S. 40.

6	

4

IAB-Studie, Zuwanderungsbedarf aus Drittstaaten in Deutschland
bis	2050	(Bertelsmann	Stiftung	2015).

Unter	den	jüngeren	Zugewanderten	(18	bis	24	Jahre)	befinden	sich	
vermutlich viele ausländische Studierende an deutschen Universi­
täten.

16

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Betrachtet man die Altersgruppe der 25­ bis 64­Jäh­
rigen, haben etwa zwei Drittel der Zugewanderten
eine berufliche Ausbildung oder einen Hochschulab­
schluss. Aus den Herkunftsländern mit den meisten
Zuwanderern (insbesondere Polen, Rumänien, Ungarn)
kommen überdurchschnittlich viele Personen mit
einem nicht akademischen beruflichen Ausbildungs­
abschluss, für die das Anerkennungsgesetz eine neue
gesetzliche Möglichkeit zur Gleichwertigkeitsfeststel­
lung eingeführt hat.7

nicht unterhalb der Qualifikation beschäftigt zu sein,
sowie auf die Höhe des Verdienstes.10 Die gesamtge­
sellschaftliche Bedeutung einer verbesserten Arbeits­
marktintegration und die Verbesserung des subjektiven
Integrationsgefühls der Zielgruppe insbesondere durch
die Verabschiedung des Anerkennungsgesetzes betont
auch der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für
Integration und Migration (SVR) in seinem Jahresgut­
achten für 2014.11

Positive	Wirkung	der	beruflichen	Anerkennung

Rechtsrahmen für Fachkräftezuwanderung wird
modernisiert	und	flexibilisiert

Mittlerweile belegen mehrere Studien den individuel­
len und gesamtwirtschaftlichen Nutzen einer verbes­
serten Arbeitsmarktintegration beziehungsweise einer
Anerkennung ausländischer Abschlüsse:

Um die Möglichkeiten der Fachkräftezuwanderung aus
Drittstaaten nach Deutschland besser erschließen zu
können, wurde der Rechtsrahmen in den letzten Jahren
entscheidend verbessert:

Nach einer Studie des ZEW aus dem Jahr 20148 können
hier lebende Ausländerinnen und Ausländer aufgrund
ihrer deutlich jüngeren Altersstruktur gegenüber der
deutschen Wohnbevölkerung den deutschen Staats­
haushalt bei den Kosten des demografischen Wandels
fiskalisch entlasten. Sie tragen schon jetzt mehr zu den
öffentlichen Haushalten bei, als sie von diesen in Form
von Transferleistungen empfangen. Ein stetiger Zuzug
von Fachkräften mit mindestens mittlerer Qualifika­
tion könne die künftigen fiskalischen Lasten der älter
werdenden Bevölkerung hierzulande deutlich verrin­
gern. Dieser Effekt könne analog der Verbesserung der
Arbeitsmarktposition der Zugewanderten gesteigert
werden, wozu ein verbesserter Bildungstransfer durch
die Anerkennung der im Ausland erworbenen Quali­
fikation zweifellos beiträgt. Auch der Lagebericht der
Integrationsbeauftragten 2014 stellt fest: Eine Anerken­
nung zu ermöglichen ist für den aufnehmenden Staat
wirtschaftlicher als eine erneute Ausbildung im Inland
zu finanzieren.9 Andere Studien enthalten Hinweise
auf den Nutzen der rechtlichen Anerkennung des im
Ausland erworbenen Abschlusses für den Einzelnen,
und zwar sowohl im Hinblick auf die Erwerbsbetei­
ligung an sich als auch auf die Wahrscheinlichkeit,

Für hochqualifizierte Akademiker und ihre Familienan­
gehörigen wurde mit der Blauen Karte EU ein attrak­
tiver Aufenthaltstitel geschaffen, den zwischen August
2012 und Dezember 2014 rund 25.000 Hochqualifizierte
genutzt haben. Es wird zu prüfen sein, ob eine weitere
Anpassung dieses Instruments im Hinblick auf Perso­
nen mit langjähriger Berufserfahrung sinnvoll wäre.
Die neue Beschäftigungsverordnung vom 1. Juli 2013
hat den Arbeitsmarkt erstmalig im Sinne einer arbeits­
marktorientiert gesteuerten Zuwanderung auch für
Drittstaatsangehörige mit einer ausländischen Berufs­
ausbildung geöffnet.12 Möglich ist nun eine Zuwan­
derung für Personen mit einem Gleichwertigkeits­
feststellungsbescheid, wenn eine Arbeitsplatzzusage
vorliegt und der Beruf zu einem der Engpassberufe in
Deutschland zählt. Auch Ausgleichsmaßnahmen bei
festgestellten Defiziten in der Ausbildung oder bei den
Sprachkenntnissen können nun in Deutschland durch­
geführt werden. Damit wird eine enge Verknüpfung des
Aufenthalts­, Beschäftigungs­ und Anerkennungsrechts
hergestellt, die ein starkes Signal an Fachkräfte aus
Drittstaaten darstellt. Wenngleich die Zahl der aufgrund
dieser Regelungen tatsächlich Beschäftigten bislang

7

Vgl. zur Zielgruppenentwicklung allgemein IV-1.2.

10	 IAB-Kurzbericht, Anerkannte Abschlüsse und Deutschkenntnisse
lohnen	sich	(Brücker	u.	a.	2014).

8

ZEW-Studie, Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwande­
rung	zum	deutschen	Staatshaushalt	(Bonin	2014).

9	

Vgl.	10.	Bericht	der	Beauftragten	der	Bundesregierung	für	Migration,	
Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und
Ausländer	in	Deutschland	(2014)	–	im	Weiteren:	Lagebericht,	S. 215.

11	 Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Mi­
gration, Deutschlands Wandel zum modernen Einwanderungsland
(2014),	S. 19.
12	 §§	6	und	8	Beschäftigungsverordnung	vom	6.	Juni	2013	(BGBl.	I	
S. 1499).

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

17

noch relativ gering ist13, stellt die Regelung nicht zuletzt
aufgrund des erheblichen Bedarfs eine wesentliche Ver­
besserung des Rechtsrahmens dar und ist zudem eine
gute Vorbereitung auf absehbare Entwicklungen hin zu
einem Fachkräftemangel, der über punktuelle Engpässe
hinausgeht.

Das Modellprojekt „Jeder Mensch hat Potenzial –
Arbeitsmarktintegration von Asylbewerberinnen und
Asylbewerbern“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) und
des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
probt in mehreren Städten, wie frühzeitig Potenziale
für den Arbeitsmarkt identifiziert werden können.

Weitere Verbesserungen werden von dem von der
Bundesregierung am 3. Dezember 2014 beschlosse­
nen Gesetzentwurf zur Neubestimmung des Blei­
berechts und der Aufenthaltsbeendigung14 erwartet.
Der Entwurf des neuen Aufenthaltstitels in § 17a
AufenthG sieht vor, ausländischen Fachkräften den
Aufenthalt für 18 Monate zur Durchführung aller
Bildungsmaßnahmen zu ermöglichen, die im Kon­
text eines Anerkennungsverfahrens infrage kommen,
zum Beispiel Anpassungslehrgänge, Vorbereitungs­
kurse auf Prüfungen, Sprachkurse oder betriebliche
Weiterbildungen. Der geplante neue Aufenthaltstitel
berechtigt künftig auch zur Einreise zwecks Ablegens
einer Kenntnisprüfung im Kontext Anerkennung so­
wie zur begleitenden Beschäftigung, was vor allem in
den Pflegeberufen zu weiteren Verbesserungen führen
wird. Der neue Aufenthaltstitel des § 17a wird damit
ein wichtiger Baustein für die Gewinnung ausländi­
scher Fachkräfte sein.15

Speziell für die Anerkennung bietet das BQFG für
Flüchtlinge und andere Personen, die unverschuldet
über keine Unterlagen oder Nachweise mehr verfügen,
durch Qualifikationsanalysen17 ein sehr gutes Instru­
ment, die Feststellung der beruflichen Qualifikationen
zu ermöglichen. Das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) unterstützt die zuständigen
Stellen mit einem Förderprojekt bei der Durchführung
des mitunter gerade bei der erstmaligen Durchführung
eines Verfahrens aufwendigen Aufbaus von Wissen
und Arbeitsroutinen sowie bei der Entwicklung von
Standardmaterialien. Auch können Antragstellende
über das Projekt finanzielle Hilfe für die Verfahrenskosten erhalten.18 Ziel ist es, noch mehr Menschen,
insbesondere Flüchtlinge, von den Chancen profitieren
zu lassen, die mit dem Anerkennungsgesetz geschaffen
wurden.

Flüchtlinge und Asylbewerber im Fokus
Ein weiteres Thema ist im vergangenen Berichtsjahr
stärker in den Fokus geraten: die steigenden Zahlen
von Flüchtlingen aus den Krisengebieten dieser Welt.
Ziel der Bundesregierung ist es, dieser Personengruppe
mit einem sinnvollen Zusammenspiel aus Anerken­
nungs- und Zuwanderungsregeln auch eine berufliche
Perspektive zu bieten. Ein wichtiger Schritt in diese
Richtung war die Erleichterung des Arbeitsmarktzu­
gangs von Asylbewerbern und Geduldeten im Novem­
ber 2014.16

Mit Blick auf die prognostizierten mindestens 450.000
Flüchtlingsanträge in 201519 ist es eine zentrale gesamt­
gesellschaftliche Aufgabe, die Flüchtlinge mit einer
hohen Bleibeperspektive möglichst frühzeitig bei der
Integration in Ausbildung und Arbeit zu unterstützen.
Wichtige Eckpfeiler für eine erfolgreiche zügige Inte­
gration bilden dabei unter anderem die Absicherung
des Aufenthalts während der Ausbildung, die frühzeiti­
ge Unterstützung bei der Anerkennung ausländischer
Qualifikationen und die Förderung des Spracherwerbs
so früh wie möglich.

13		 Im	Jahr	2014	erteilte	die	Bundesagentur	für	Arbeit	482	Zustimmun­
gen nach § 6 Absatz 2 Nr. 2 und § 8 BeschV.
14	 Gesetzentwurf	der	Bundesregierung,	BTag-Drs.	18/4097.
15 So auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf
vom	6.	Februar	2015,	BRat-	Drs.	642/14	(Beschluss).
16	 „Gesetz zur Einstufung weiterer Staaten als sichere Herkunftsstaaten
und zur Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Asylbewerber
und	geduldete	Ausländer“	(seit	November	2014	in	Kraft).

17		 § 14	BQFG	beziehungsweise	§ 50b	Absatz	4	HwO	„sonstige	ge­
eignete Verfahren“, wenn Unterlagen nicht oder nicht ausreichend
vorgelegt	werden	können.
18	 Projekt	„Prototyping	Transfer	–	Berufsanerkennung	mit	Qualifikationsanalysen“, vgl. II-2.2.
19	 Prognoseschreiben	des	BAMF	vom	7.	Mai	2015,	www.bamf.de

18

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

2. Weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Anerkennung
im Berichtszeitraum
Seit dem ersten Bericht trat eine Reihe rechtlicher Än­
derungen der Anerkennungsregelungen in Kraft, die zu
einer weiteren Verbesserung und Vereinheitlichung der
Anerkennungsmöglichkeiten in Deutschland beigetra­
gen haben:

Alle Länder-Anerkennungsgesetze sind in Kraft
Seit Mitte 2014 sind in allen 16 Ländern umfangreiche
gesetzliche Grundlagen für die Durchführung von
Anerkennungsverfahren für landesrechtlich geregel­
te Berufe in Kraft getreten. Das BQFG­Mustergesetz,
auf das sich die Länder geeinigt hatten und das unter
Beteiligung des BMBF erarbeitet worden war, ist vom
Geist eines möglichst weitgehenden Gleichklangs der
Anerkennungsregeln von Bund und Ländern ge­
tragen. Damit wird erstmalig von Bund und Ländern
ein einheitlicher Rechtsanspruch auf Feststellung der
Gleichwertigkeit im Ausland erworbener Berufsquali­
fikationen etabliert und ein länderübergreifendes
einheitliches Anerkennungsverfahren mit transparen­
ten Abläufen und Fristen geschaffen. Jedoch variieren
die verabschiedeten Landesgesetze in der konkreten
Umsetzung insbesondere bei der wichtigen Frage der
Ein­ beziehungsweise Ausbeziehung einzelner fachge­
setzlicher Regelungen in das jeweilige Landes­BQFG.
Einzelne Berufe sind in den Ländern systematisch
nicht in die BQFGs einbezogen worden. So bedauert
die Bundesregierung, dass einige Länder insbesondere
Ingenieur- und Lehramtsqualifikationen aus ihrem
Anwendungsbereich ausgenommen haben.
Als Folge unterschiedlicher Regelungen sowie der zwi­
schen den Ländern uneinheitlichen Anwendung der
Bundesregelungen gibt es Hinweise auf einen begin­
nenden Anerkennungstourismus zwischen den Län­
dern.20 Schon jetzt tauschen sich Personen in Internet­
foren darüber aus, wo die Hürden am geringsten sind
und Verfahren am leichtesten abgeschlossen werden
können. Dies kann zur Verschiebung der Antragslasten
in den jeweiligen Länderbehörden führen und damit
wiederum unmittelbare Auswirkungen auf die Verfah­

20 Vgl. III-3.

rensbearbeitung und ­dauer haben. Dies sollte Ansporn
für eine weitere Vereinheitlichung der Regelungen und
Verfahren sein. Der Bund begrüßt daher die Bestrebun­
gen der Länder, künftige Gesetzesänderungsverfahren
zu nutzen, um das weitere Vereinheitlichungspotenzial
in Bezug auf die Anerkennungsverfahren rechts­ und
verfahrensvereinfachend und eine Ausdehnung der
Anwendung der Berufsqualifikationsfeststellungsgesetze der Länder zu prüfen.
Auch auf gesetzlicher Ebene des Bundes gab es eine
Reihe von Veränderungen, die zu weiteren verfahrens­
rechtlichen Vereinfachungen und Vereinheitlichungen
führten:

Änderungen im BQFG
Eine erste Änderung des BQFG wurde durch Ein­
führung technischer Erleichterungen für die An­
tragstellung vollzogen, die auf der Umsetzung des
E­Government­Gesetzes des Bundes im Jahre 2013
beruht: Seit dem 1. August 2013 kann die Antragstellung
auch per E­Mail erfolgen, zuvor war eine Schriftform
erforderlich.
Mit dem am 1. April 2015 vom Bundeskabinett be­
schlossenen Gesetz zur Änderung des Berufsquali­
fikationsfeststellungsgesetzes und anderer Gesetze
wird derjenige Änderungsbedarf aus der novellierten
EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG um­
gesetzt, der in den sachlichen Anwendungsbereich des
BQFG und der Gewerbeordnung fällt. Ziel der geän­
derten Richtlinie ist es, die Verfahren zur Anerkennung
beruflicher Qualifikationen in reglementierten Berufen
weiter zu modernisieren, zu vereinfachen und die Mo­
bilität zwischen den EU­Mitgliedsstaaten zu erleich­
tern. Durch die Änderung des BQFG wird vor allem
die Möglichkeit zur elektronischen Übermittlung von
Anträgen und Unterlagen innerhalb der EU und des
EWR erleichtert sowie die Einsetzung des Einheitlichen
Ansprechpartners zur Entgegennahme und Weitergabe
von Anträgen im Anerkennungsverfahren eingeführt.
Die Anpassung des BQFG wurde gemeinsam mit den
Ländern im Rahmen eines gemeinsamen Mustergeset­

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

19

zes erarbeitet. Sie ist die erste gesetzliche Regelung zur
Umsetzung der novellierten EU­Richtlinie und damit
Vorbild und Orientierung für die ebenso notwendigen
Anpassungen in den berufsrechtlichen Fachgesetzen.
Sie soll nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens
Anfang 2016 in Kraft treten.
Der gemeinsam von BMBF und Ländern erstellte
Mustergesetzentwurf ist auch Grundlage für die An­
passungen in den Länder­BQFG. Damit wird erneut
ein weitgehender Gleichklang zwischen bundes­ und
landesrechtlichen Regelungen im Sinne möglichst
einheitlicher Verfahren und Kriterien angestrebt.
Der Mustergesetzentwurf sieht zudem für die Länder­
BQFG die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen
für den Aufbau einer koordinierten Länderstatistik
vor. Durch die Zusammenschau aller Statistiken von
Bund und Ländern wäre eine Abbildung des gesamten
Anerkennungsgeschehens in Deutschland möglich.
Bundesseitig wird auch begrüßt, dass die Länder sich in
der Arbeitsgruppe der für die Anerkennung im Ausland
erworbener Berufsqualifikationen koordinierend
zuständigen Ressorts der Länder (AG „Koordinierende
Ressorts“) mit der Frage des Aufbaus eines Anerken­
nungsmonitorings in den Ländern hinsichtlich ihrer
Anerkennungspraxis bei landesrechtlich geregelten
Berufen befassen. Hierdurch könnte perspektivisch
ein Gleichklang in der Betrachtung und Begleitung
der Anerkennungsverfahren erreicht werden. Nicht
zuletzt deshalb sieht der Bund die AG „Koordinieren­
de Ressorts“ der Länder als wichtigen und zentralen
Ansprechpartner auf Länderseite an, dessen koordinie­
rende Arbeit fortgesetzt werden sollte.
Der Entwurf des BQFG­Änderungsgesetzes des Bundes
enthält darüber hinaus eine Regelung, die dem BIBB
den Zugang zu den Daten der amtlichen Statistik nach
§ 17 BQFG ermöglicht. Als Vorbild dienten die Rege­
lungen zur Berufsbildungsstatistik. Die vorgesehene
Ergänzung dient der verbesserten Umsetzung der im
Gesetzgebungsverfahren zur Verabschiedung des Aner­
kennungsgesetzes an den Bundesrat gegebenen Zusage,
eine kontinuierliche Beobachtung des Gesetzesvollzugs
und eine zeitnahe Aus­ und Bewertung sicherzustellen.

Vereinheitlichungen auch bei den
Gesundheitsberufen
Bedeutsame Änderungen bei den fachgesetzlichen
Regelungen für den Verwaltungsvollzug der Gesund­
heitsberufe wurden darüber hinaus durch die am
1. Januar 2014 in Kraft getretene Rechtsverordnung
zur „Durchführung und zum Inhalt von Anpassungs­
maßnahmen sowie zur Erteilung und Verlängerung von
Berufserlaubnissen in den Heilberufen des Bundes“ des
Bundesgesundheitsministeriums (BMG) eingeführt. Sie
haben aus Sicht der hierfür zuständigen Stellen zu einer
deutlichen Vereinheitlichung der sehr unterschiedlichen
Vorgehensweise insbesondere bei Anpassungsmaßnah­
men beigetragen. Die Ergebnisse der entsprechenden
Befragung werden im Bericht im Einzelnen vorgestellt.21
Von großer praktischer Relevanz ist auch die Neurege­
lung der landesrechtlichen Anerkennung der Facharzt­
ausbildung für Drittstaatsabsolventen, die durch die
Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekam­
mer im Juni 2013 einheitlich verabschiedet ist und in
den Weiterbildungsordnungen der Länder sukzessive
umgesetzt wird.22 Die zuständigen Stellen sind jetzt
aufgefordert, vor allem von dem eröffneten Ermessens­
spielraum bei der Verlängerung der Berufserlaubnis in
Härtefällen Gebrauch zu machen.

21 Vgl. III-3.7.
22	 Vgl.	III-3.10.

20

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

3. Amtliche Statistik 2013 des Bundes: Zahl der Anerkennungen
ausländischer Abschlüsse steigt, hohe Anerkennungsquoten und
viele Verfahren bei den nachgefragten Gesundheitsberufen
Die Antragszahlen für 2013, dem ersten vollständi­
gen Kalenderjahr der statistischen Erfassung, zeigen
weiterhin ein großes Interesse an der Anerkennung
von im Ausland erworbenen Qualifikationen. Insge­
samt wurden vom 1. April 2012 bis zum 31. Dezem­
ber 2013 26.466 Anträge auf Anerkennung einer im
Ausland erworbenen Berufsqualifikation nach dem
Anerkennungsgesetz des Bundes23 gestellt, was für
ein relativ neues Gesetz sehr beachtlich ist. Dies geht
aus der aktuellen amtlichen Statistik des Statistischen
Bundesamts hervor, die am 12. Dezember 2014 veröffentlicht wurde.24

Die Statistik belegt erneut: Die Anerkennungs­
verfahren funktionieren
Nahezu 96 Prozent aller in 2013 beschiedenen Verfahren
wurden mit der Feststellung einer vollen oder teilweisen
Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses
beendet. Insgesamt konnten 9.969 Qualifikationen als
voll gleichwertig anerkannt werden. Das entspricht rund
75 Prozent aller beschiedenen Verfahren. Die Ableh­
nungsquote liegt bei äußerst geringen 4 Prozent.
Das Verhältnis zwischen den Verfahren für regle­
mentierte und nicht reglementierte Berufe hat sich
gegenüber dem Vorjahr leicht zugunsten der nicht
reglementierten Berufe verschoben: Von den neu­
en Anträgen in 2013 entfielen mit rund 78 Prozent
weiterhin die meisten Anerkennungsverfahren auf die
reglementierten Berufe, bei denen der Bescheid den
Zugang zum Arbeitsmarkt erst eröffnet. Hoch ist – wie
im Vorjahr – die Nachfrage bei den medizinischen Ge­

23	 Abgebildet werden nur die Verfahren für die bundesrechtlich gere­
gelten Referenzberufe. Die Anerkennungsverfahren der Länderbe­
rufe sind nicht Gegenstand der Statistik nach § 17 BQFG-Bund. Für
die Referenzberufe der Länder (zum Beispiel Erzieher, Lehrer, Sozi­
alberufe) haben einige statistische Ämter der Länder (zum Beispiel
Rheinland-Pfalz)	auch	Zahlen	für	2013	veröffentlicht,	die	ebenfalls	
eine hohe Zahl von bearbeiteten Anträgen zu den Länderberufen
zeigen.
24 BMBF und Statistisches Bundesamt arbeiten gemeinsam daran,
künftig ein frühzeitiges Erscheinen im September des jeweiligen
Folgejahres	zu	ermöglichen.

sundheitsberufen, insbesondere Ärztinnen und Ärzte,
Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger.
Allein in dieser Berufsgruppe wurden rund 9.900 volle
Gleichwertigkeiten oder Ausgleichsmaßnahmen, mit
denen eine volle Anerkennung erreicht werden kann,
ausgesprochen; darunter 6.030 für Ärztinnen und Ärz­
te. Das Gesetz zeigt also genau dort Wirkung, wo bereits
nachweislich ein hoher Fachkräftemangel herrscht.
Rund 22 Prozent (rund 3.600 Anträge) betrafen 2013
nicht reglementierte gewerblich­technische, kauf­
männische und handwerkliche Ausbildungsberufe im
dualen System. Rund 63 Prozent der hierzu beschie­
denen Anträge endeten mit einer vollen und rund
33 Prozent mit einer teilweisen Gleichwertigkeit. Das
ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Auch der Anteil der negativen Bescheide ist von über
24 Prozent in 2012 auf 4 Prozent in 2013 gefallen. Diese
hohen Anerkennungsquoten zeigen eine hohe Erfolgs­
wahrscheinlichkeit für diejenigen, welche sich für die
Durchführung eines Verfahrens entscheiden.
Beachtlich ist auch der hohe Anteil der Verfahren, bei
denen die Berufserfahrung der Antragstellenden eine
maßgebliche Rolle spielte. Diese Möglichkeit wurde vor
dem Hintergrund der deutschen dualen Ausbildung
mit ihrem großen praktischen Anteil mit dem BQFG
neu eingeführt und findet international Beachtung.
In über 95 Prozent der Verfahren in den nicht regle­
mentierten Berufen, bei denen für die Prüfung der
Gleichwertigkeit die Berufserfahrung herangezogen
wurde, führte das Verfahren im Ergebnis zu einer vol­
len Gleichwertigkeit, was die Bedeutung dieser neuen
Regelung unterstreicht.
Ebenso positiv ist die deutliche Abnahme der Verfah­
rensdauer auf durchschnittlich 59 Tage, was einem Er­
fahrungszuwachs bei den zuständigen Stellen und den
Beratungseinrichtungen sowie dem funktionierenden
Erwartungsmanagement und der besseren Antrags­
vorbereitung bei den Anerkennungsinteressierten
zugeschrieben werden kann.

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

Weitere Steigerungen sind zu erwarten
Trotz dieser erfreulichen Entwicklung ist eine weitere
Steigerung der Anerkennungsverfahren in allen Be­
rufen, ob reglementiert oder nicht reglementiert, zur
Fachkräftesicherung und zur Arbeitsmarktintegration
von nach Deutschland Zugewanderten sinnvoll.
Angesichts der Zuwanderungs­ und Flüchtlingsbewe­
gungen ist ein zunehmendes Interesse an Anerken­
nungsverfahren zu erwarten. Die Bundesregierung
unterstützt die zielgruppenspezifische und passgenaue
Information im In­ und Ausland und insbesondere in
Betrieben, Betriebsräten und Personalvertretungen
zur besseren Nutzung der Möglichkeiten der Anerken­
nung.25
Obwohl für 2013 die gemeldeten Verfahren als Un­
tergrenze anzusehen sind, konnte die Qualität der

25 Vgl. III-6.4.

21

amtlichen Statistik im Vergleich zu den Daten für 2012
erhöht werden. Zur weiteren Verbesserung der Quali­
tät der Meldungen und Erhebung der Statistik ist ein
konstruktiver Abstimmungsprozess zwischen zustän­
digen Stellen, den statistischen Ämtern der Länder
und dem Statistischen Bundesamt unter Einbeziehung
der Fach­ und Berichtsstelle zum Anerkennungsgesetz
beim BIBB etabliert worden. Ein erstes Ergebnis wird
die Einführung einer neuen Merkmalsausprägung der
Statistik ab 2015 sein, wonach auch „sonstige Erledi­
gungen“, also zum Beispiel zurückgezogene Anträge
erfasst werden. Dadurch kann der Verwaltungs­ und
Beratungsaufwand der zuständigen Stellen auch dann
dargestellt werden, wenn das Verfahren nicht mit
einem Bescheid endet.

22

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

4. Gute Information und Beratung, Vernetzung der Akteure: Der Schlüssel
für Anerkennung und qualifikationsnahe Beschäftigung

Das Interesse an der Anerkennung von im Ausland
erworbenen Berufsabschlüssen und die Inanspruchnah­
me von Beratungsleistungen sind auch nach drei Jahren
ungebrochen. Das Gesetz und seine Begleitstrukturen
werden von der Zielgruppe als wesentliche Verbesserung
ihrer Arbeitsmarktintegration wahrgenommen, doku­
mentiert nicht zuletzt durch die kontinuierlich wachsen­
de Inanspruchnahme der Einstiegsberatung der zustän­
digen Stellen sowie die Nutzung der Beratungsstellen
des Netzwerks „Integration durch Qualifizierung – IQ“,
der Telefonhotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“
sowie der Informationsangebote im Internet.
Auch dieser Bericht bestätigt, dass passgenaue Infor­
mations­ und Beratungsangebote ein wesentlicher
Schlüssel für die Anerkennung ausländischer Berufs­
qualifikationen und eine qualifikationsadäquate Ar­
beitsmarktintegration sind. Dem liegt eine vollständige
Auswertung der Besuchszahlen des Internetportals
„Anerkennung in Deutschland“, der Datenbank anabin
der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen
(ZAB) der KMK, des BQ­Portals, der Telefonhotline
sowie der Beratungen durch die Kammern und die IQ­
Erstanlaufstellen zugrunde.26

für die Informationsangebote fort und entspricht der
Bitte der Länder in der Ministerpräsidentenkonferenz
2013, die im Zusammenhang mit Anerkennungsent­
scheidungen genutzten Datenbanken aufeinander abzu­
stimmen und einheitlich qualitätsgesichert zu betreiben.
Aktuell wird zudem eine Kooperation zwischen dem
Portal „Anerkennung in Deutschland“ und den Einheit­
lichen Ansprechpartnern geprüft und entwickelt, die
nach der novellierten EU­Berufsanerkennungsrichtlinie
auch spezifische Informationen bereitstellen müssen.
Dafür soll das umfangreiche Informationsangebot des
Anerkennungsportals inklusive der dahinter stehenden
Aktualisierungs­ und Qualitätssicherungsprozesse ge­
nutzt und gegebenenfalls um zusätzliche Detailinforma­
tionen ergänzt werden. Diese Ergänzungen werden auch
den Nutzern des Portals zugutekommen.

Die Zahl der Nutzer der Internetangebote zur Anerken­
nung ausländischer Berufsabschlüsse ist 2014 wiederum
stark gestiegen. Die zielgruppenspezifischen Portale
„Anerkennung in Deutschland“, BQ­Portal und anabin
werden künftig ihre Kommunikation hinsichtlich der
eigenen Angebote und der Angebote der Partnerportale
noch besser aufeinander abstimmen und miteinander
verzahnen. Dies setzt die im ersten Bericht zum Aner­
kennungsgesetz formulierte Entwicklungsperspektive

Hinsichtlich der Entwicklung der Besuchszahlen ver­
zeichnete allein das Portal „Anerkennung in Deutsch­
land“ 2014 nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem
Vorjahr auf mehr als eine Million Besuche. Die neu
eingerichtete Service­ und Informationsstelle zum
Anerkennungsgesetz beim BIBB gewährleistet auch
in Zukunft ein dauerhaft qualitätsgesichertes Angebot
der relevanten Informationen zu Anerkennungsver­
fahren und zuständigen Stellen und von umfänglichen
Verweisen zu Begleitstrukturen von der Erstberatung
bis zur Weiterbildung. Die 2014 gestartete internatio­
nale Kampagne des Anerkennungsportals hat zu einem
deutlichen Anstieg der Besuchszahlen geführt. Besucher
können sich über die Möglichkeiten der Anerkennung
ihrer Berufsabschlüsse in Deutschland in mittlerweile
acht Sprachen informieren. Nahezu die Hälfte von ihnen
kommt inzwischen aus dem Ausland, was zeigt, dass
das Ziel einer möglichst frühzeitigen Ansprache und
Information der Zielgruppe des Gesetzes erreicht wird.27
Zur stärkeren Nutzung der Möglichkeiten des Aner­
kennungsgesetzes, Anträge direkt aus dem Ausland zu
stellen, würden zusätzlich Vor­Ort­Beratungsstrukturen
in den wichtigsten Zielländern beitragen. Der Anteil der
aus dem Ausland gestellten Anträge betrug nach der

26 Vgl. ausführlich II-2.1.

27 Vgl. II-2.1.

Umfangreiche Informationsangebote im Internet
Die seitens des Bundes zur Verfügung gestellten
Angebote wurden kontinuierlich ausgebaut und die
Zusammenarbeit und Vernetzung der Akteure an den
Schnittstellen ihrer Arbeit weiterentwickelt:

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

amtlichen Statistik 2013 rund 9 Prozent. Diese Verfahren
dauern bislang im Schnitt länger als solche, die von An­
tragstellenden mit Sitz im Inland gestellt werden.28 Hier
könnten Erstanlaufstellen im Ausland eine Unterstüt­
zung bieten, wodurch es im Fall einer bereits geplanten
Auswanderung nach Deutschland einfacher würde,
bereits vor Ort die Voraussetzungen und den Nutzen für
eine Anerkennung des Berufsabschlusses zu prüfen oder
das Verfahren sogar schon vollständig durchzuführen.
Die Schwelle für eine Zuwanderung von Fachkräften
wird dadurch gesenkt und die Zeitdauer für die Integra­
tion in den Arbeitsmarkt minimiert.
Die Besuchszahlen der Datenbank anabin zeigen
ebenfalls ein deutlich gesteigertes Interesse an Infor­
mationen zum ausländischen Bildungswesen und an
der Bewertung ausländischer Bildungsnachweise. Im
vergangenen Jahr wurden rund 1,4 Millionen Besuche
registriert. Dies wirkt sich auch auf die Gutachtentätig­
keit der ZAB sowie auf das Antragsaufkommen bei
der Zeugnisbewertung für Hochschulqualifikationen
nach dem Lissabon­Anerkennungsübereinkommen
aus. Hier bedarf es seitens der Länder dringend einer
Verstetigung sowie eines weiteren, bedarfsorientierten
Ausbaus der personellen Kapazitäten. Dies würde nicht
zuletzt zu einer Beschleunigung des Zuwanderungs­
verfahrens durch die Auslandsvertretungen führen, die
auf die Bewertungen der ZAB (Zeugnisbewertung und
Einträge in anabin) zurückgreifen.

Telefon-Hotline wurde ausgeweitet
Eine Bündelung beziehungsweise Erweiterung des
telefonischen Beratungsangebots der Bundesregierung
zum Thema Anerkennung erfolgte am 1. Dezember
2014 mit der zentralen Fachkräftehotline „Arbeiten
und Leben in Deutschland“. Unter der bestehenden
Telefonnummer der Anerkennungshotline sowie per E­
Mail erhalten Interessierte nunmehr aus dem In­ und
Ausland auf Deutsch und Englisch Informationen rund
um die Themen Anerkennung ausländischer Berufs­
abschlüsse, Jobsuche, Arbeit und Beruf, Einreise und
Aufenthalt sowie Deutsch lernen. In den ersten beiden
Monaten des Jahres 2015 ließen sich 2.675 Interessierte
zum Thema Anerkennung beraten. Anerkennung stellt
damit bislang den größten Anteil der Beratungen ins­

28	 Vgl. III-2.

23

gesamt (rund 62 Prozent). Die zentrale InformationsHotline wird als Maßnahme der Demografiestrategie
der Bundesregierung gemeinsam vom BAMF und der
Bundesagentur für Arbeit (BA) im Rahmen einer res­
sortübergreifenden Kooperation zwischen dem Bun­
desministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi),
dem Bundesministerium des Innern (BMI), dem BMBF
und der BA betrieben.

Steigende Zahl von Anerkennungsberatungen
Als weitere wichtige Akteure bei der Beratung von Aner­
kennungsinteressierten haben sich die Arbeitsagentu­
ren und Jobcenter etabliert. Im Rahmen des 4­Phasen­
Modells der Integrationsarbeit werden Frage­ und
Problemstellungen aus dem Bereich „Anerkennung von
im Ausland erworbenen Abschlüssen“ mit den Kundin­
nen und Kunden erörtert, soweit diese für die Integ­
ration in Ausbildung und Beschäftigung von Relevanz
sind.29 Eine 2014 vom BIBB durchgeführte Befragung
von Beratungsfachkräften in Jobcentern ergab, dass
es jedenfalls im reglementierten Bereich nicht einfach
ist, Kundinnen und Kunden auch ohne Anerkennung
in eine Erwerbstätigkeit zu vermitteln. Dies belegt die
Bedeutung der Anerkennungsbescheide für die Arbeits­
marktintegration. Zentrales Element ist bei den Bera­
tungen durch die Arbeitsverwaltung auch die jeweilige
Klärung der Übernahme der Kosten von Anerkennungs­
verfahren.30 Der Grad der Vernetzung mit anderen Ak­
teuren der Beratung ist, wie die BIBB­Befragung zeigt, in
einigen Regionen ausbaufähig. Bei den Jobcentern sieht
laut der Befragung zudem die Hälfte der Befragten noch
Unterstützungsbedarf im Bereich Wissensmanagement
und Schulungen unter anderem zum Thema Aufenthalt,
Arbeitsmarktzugang und Anerkennung, wie sie im Rah­
men des Förderprogramms „Integration durch Qualifi­
zierung – IQ“ durchgeführt werden.
Das Beratungsnetzwerk des Förderprogramms „Inte­
gration durch Qualifizierung – IQ“ bietet bundesweit
eine kostenlose und flächendeckende Anerkennungs­
beratung an. Die Erstanlaufstellen verzeichnen einen
konstant hohen Bedarf an persönlichen und telefoni­
schen Beratungen. Das Aufkommen im Jahr 2014 ist

29		 Regelung	für	Arbeitsagenturen	und	Jobcenter	(gemeinsame	Ein­
richtungen)	gemäß	HEGA	03/2012–17	–	Anerkennungsgesetz	und	
IV-2.2.
30 Vgl. III-5.

24

im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, insgesamt wurden
von August 2012 bis Ende 2014 fast 38.000 Personen
beraten.31 Am 1. Januar 2015 ist die neue Förderperio­
de für die 16 Landesnetzwerke, fünf Fachstellen und
zahlreiche Teilprojekte gestartet. Die Anerkennungsbe­
ratung wurde mit der neuen Förderperiode seit Beginn
des Jahres 2015 zu einer für Anerkennungsinteressierte
kostenlosen Verfahrensbegleitung und Qualifizierungs­
beratung weiterentwickelt. Die IQ­Beratungsstellen
haben sich insbesondere für ein gutes Erwartungsma­
nagement der Anerkennungsinteressierten im Vorfeld
einer Antragstellung sowie für eine begleitende und
nachbereitende Unterstützung als wichtig erwiesen.
Im Bereich der Handwerks- sowie der Industrie- und
Handelskammern, die die Einstiegsberatungen im
Vorfeld der Antragstellung als eigenes Angebot bereit­
stellen, steigt die Zahl der Beratungen kontinuierlich.
Zwischen April 2012 und 31. Dezember 2014 wurden
rund 40.000 Beratungen durchgeführt. Der Bericht
geht in einer Detailstudie32 der Frage nach, warum es
in vielen Fällen trotz der intensiven Beratung letztlich
nicht zu einer Antragstellung kommt. Im Bereich der
Handwerksberufe beziehungsweise Industrie und
Handel führt nur jeder fünfte beziehungsweise zweite
Beratene letztlich ein Verfahren durch. Die Gründe
dafür erweisen sich nach einer BIBB­Befragung als
heterogen: Ein Grund liegt etwa darin, dass kammer­
seitig ein umfassender Beratungsansatz verfolgt wird,

der auch Alternativen zum Anerkennungsverfahren
umfasst, zum Beispiel das Nachholen einer Ausbildung,
Umschulung oder die Externenprüfung. Die Gleich­
wertigkeit ist nicht immer der allein zielführende Weg
für eine möglichst qualifikations- und interessenad­
äquate Arbeitsmarktintegration.

Rolle der Auslandsvertretungen
Auch die Auslandsvertretungen informieren im Zusam­
menhang mit der Visaerteilung über Anerkennungs­
fragen. Damit die neue Verknüpfung der Zuwanderungs­
mit den Anerkennungsregeln in der Praxis ihre Wirkung
für eine Fachkräftezuwanderung noch besser entfalten
kann, muss das Wissen und die Nutzung dieser Mög­
lichkeiten in den Auslandsvertretungen und bei den
potenziellen Erwerbsmigranten noch verstärkt und eine
gelebte Anerkennungs­ und Willkommenskultur weiter
etabliert werden; dies hängt auch von einer klaren und
transparenten Umsetzung der Anerkennungsregelun­
gen ab. Für Fachkräfte, die an einer Zuwanderung nach
Deutschland interessiert sind, müssen auf den Internet­
seiten der deutschen Auslandsvertretungen umfassende,
einheitliche und klare Informationen darüber enthal­
ten sein, welche Fragen vor einer Anerkennung der im
Ausland erworbenen Berufsqualifikation zu beantwor­
ten sind.33 Im Rahmen der internationalen Kampagne
des BIBB werden daher auch die Auslandsvertretungen
eingebunden, um einheitliche und konsistente Informa­
tionsangebote bereitzustellen.

31 Vgl. III-1.2.
32 Teil IV-3 (Detailstudie „Von der Beratung zum Antrag“).

33	 10.	Lagebericht	(2014),	S. 221.

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

25

5. Anerkennungsverfahren: Fortschritte auf dem Weg zum einheitlichen
Vollzug, weitere Vereinheitlichungen der Verfahren notwendig
Nach Ablauf von drei Jahren seit Inkrafttreten des
Anerkennungsgesetzes des Bundes lässt sich feststellen,
dass sich bei den zuständigen Stellen Verfahrensabläufe
weiter etabliert und Erfahrungswerte und ­routinen
eingestellt haben. Die hohen Anerkennungsquoten in
nahezu allen Berufen zeigen, dass die Anerkennungs­
verfahren funktionieren und die Zielsetzungen des
Anerkennungsgesetzes erreicht werden.
Wie auch die AG „Koordinierende Ressorts“ der Länder
wiederholt festgestellt hat, sind jedoch noch erhebliche
Anstrengungen erforderlich, um die Anerkennungs­
prozesse länderübergreifend einheitlicher zu gestalten.
Hierzu würde vor allem eine weitere Bündelung nicht
nur von Wissen, sondern auch von Kompetenzen und
Zuständigkeiten beitragen. Bundesweit einheitliche
Verfahren und Anerkennungsstandards vereinfachen
und beschleunigen die Anerkennungsverfahren. Die
Bündelung von Kompetenzen und Expertenwissen
entlastet gerade die Verwaltungen, die nur punktuell
mit Anerkennungsfragen befasst sind. Die zentrale
zuständige Stelle IHK FOSA (Foreign Skills Approval)
für die IHK­Berufe ist ein positives Beispiel für eine
solche strukturelle Konzentration von Wissens­ und
Verfahrens­Know­how.
Zu begrüßen ist, dass durch den Landesgesetzgeber
Berlin der rechtliche Status des Sekretariats der Kul­
tusministerkonferenz (KMK) als Landesbehörde im
Februar 2014 klargestellt und damit die Voraussetzung
geschaffen wurde, dass die Länder Zuständigkeiten
für Anerkennungsverfahren für nicht reglementierte
landesrechtlich geregelte schulische Berufsabschlüsse
direkt an die ZAB der KMK übertragen können. Dies
haben bislang drei Länder (Baden­Württemberg, Berlin
und Niedersachsen) vollzogen, weitere Übertragungen
wären wünschenswert.

Stärkere Bündelung und Vereinheitlichung
in den Gesundheitsberufen erforderlich
Unter Bündelungs­ und Vereinheitlichungsaspekten
ist auch die bereits 2012 von der Gesundheitsminister­
konferenz und Kultusministerkonferenz beschlossene
Einrichtung einer zentralen Gutachtenstelle für die
Gesundheitsberufe dringend erforderlich und muss
endlich finanziell und mit einer entsprechenden Stel­
lenausstattung seitens der Länder umgesetzt werden.
Die damit verbundene zu erwartende Beschleunigung
und Vereinheitlichung ist ein wichtiger Schritt zur Ver­
besserung der Anerkennungsverfahren. Alle Beteiligten
sollten sich daher dringend für ihre zügige Realisierung
einsetzen. Die Befragungen des Monitorings zeigen,
dass die zuständigen Stellen für die Gesundheitsbe­
rufe einen Unterstützungsbedarf durch eine zentrale
Gutachtenstelle nicht nur für formale Qualifikationen,
sondern auch zur Bewertung der Berufserfahrung der
Antragstellenden als sinnvoll und erforderlich erach­
ten und der Einrichtung einer Gutachtenstelle positiv
gegenüberstehen.34
Gerade im wichtigen Bereich der Anerkennung von
Gesundheitsberufen zeichnet sich durch die neuen
BMG­Rechtsverordnungen, die am 1. Januar 2014 in
Kraft getreten waren, ein wichtiger Schritt zur Verein­
heitlichung der Verfahren ab. Diese enthalten Vorgaben
für Anpassungsmaßnahmen und die Voraussetzungen
zur Erteilung der Berufserlaubnis. Sie werden vor
diesem Hintergrund von den zuständigen Stellen
grundsätzlich positiv und hilfreich für ihre Arbeit
bewertet.35 Allerdings werden auch nachvollziehbare
Anfangsschwierigkeiten bei der konkreten Umsetzung
deutlich, insbesondere was eine verordnungskonfor­
me, Transparenz fördernde Bescheidgestaltung angeht.

34 Vgl. III-3.2.
35 Vgl. III-3.7.

26

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Besonderheiten aus dem Verwaltungsvollzug
Das Monitoring macht auch in diesem Berichtszeit­
raum einige besondere Aspekte des Vollzugs deutlich:
	 Positiv fällt auf, dass es kaum Nachforderungen
von Unterlagen während der Anerkennungsver­
fahren aufgrund von Zweifeln an der Echtheit oder
inhaltlichen Richtigkeit der vorgelegten Unterlagen
gibt. Zwar ist das Problem gefälschter Nachweise bei
den zuständigen Stellen nach wie vor existent, ein
Massenphänomen, wie teilweise vermutet wurde, ist
jedoch nicht zu erkennen.
	 Im Rahmen der Befragungen wird beim Ländervoll­
zug aber auch weiterhin von uneinheitlichen Vorge­
hensweisen berichtet: Insbesondere das geforderte
Niveau der Sprachkenntnisse und der Zeitpunkt
ihrer Erbringung in den Gesundheitsberufen bleibt
zwischen den Ländern trotz Vereinheitlichungs­
bestrebungen in der Praxis sehr unterschiedlich.
Ebenso wird die Inanspruchnahme von Gutachtern
für die Gleichwertigkeitsprüfung sehr unterschied­
lich gehandhabt. Bei den reglementierten Berufen
im Gesundheitsbereich zum Beispiel greift ein Teil
der zuständigen Stellen grundsätzlich auf deren
Expertise zurück, andere nur in komplizierten Fäl­
len, was für die Antragstellenden im Verfahren und
auch unter Kostengesichtspunkten durchaus einen
Unterschied bedeuten kann. Auch werden bei An­
tragstellungen aus dem Ausland von zuständigen
Stellen noch vereinzelt Stellenzusagen oder Wohn­
ortbescheinigungen verlangt – was den gesetzlichen
Vorgaben widerspricht. Diese rechtswidrige Praxis
muss länderseitig dringend geändert werden.
	 Unterschiede zeigen sich auch bei der Berücksichti­
gung der Berufserfahrung. Während 2013 insbeson­
dere bei den Ausbildungsberufen im dualen System
in über 40 Prozent der beschiedenen Verfahren die
Berufserfahrung als (mit­)entscheidendes Kriteri­
um für eine Anerkennung hinzugezogen wurde,
ist dies bei den meisten reglementierten Berufen
bislang eher selten der Fall. Eine zentrale Gutach­
tenstelle könnte in diesem Punkt Abhilfe schaffen,
indem Wissen zur Bewertung praktischer Erfahrung
gebündelt und Kriterien für die Anforderungen an
deren Nachweis entwickelt werden. Ein denkbares
Angebot zu Wissensbündelung und Transfer an die
für die reglementierten Berufe zuständigen Stellen
wäre auch eine IT­gestützte Sammlung und Doku­

	

	

	

mentation früherer Prüfergebnisse und Unterlagen
wie ausländische Curricula, ähnlich wie es mit
dem BQ­Portal insbesondere von den Handwerks­
kammern genutzt wird. Dies wäre auch eine gute
Hilfestellung im Hinblick auf die Antragstellenden,
die bei der Beschaffung der Unterlagen, insbesonde­
re was die ausländischen Curricula, wie detaillierte
Fächeraufstellungen angeht, je nach Ausbildungs­
land und dort erworbener Qualifikation große
Schwierigkeiten haben.
Bei reglementierten Berufen aus Drittstaaten
werden bei einigen zuständigen Stellen Ausgleichs­
maßnahmen (zum Beispiel bei Ärztinnen und
Ärzten eine Kenntnisprüfung) auferlegt, ohne eine
vorausgegangene Gleichwertigkeitsprüfung. Dies
entspricht nicht der Intention und Ausgestaltung
der zugrundeliegenden gesetzlichen Regelungen.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass diese Entschei­
dung allein vor dem Hintergrund eines Abschlusses
aus einem Drittstaat getroffen wird. Diese teilweise
bestehende Verwaltungspraxis ist zwingend zu
ändern.
Wenig nachvollziehbar ist auch, dass einzelne Be­
hörden nach wie vor – entgegen der Vorgaben der
neuen Rechtsverordnungen des BMG – bei Antrag­
stellenden aus Drittstaaten auf die Bescheidform
verzichten und den Antragstellenden formlos per
E­Mail eine abschlägige Nachricht der fehlenden
Gleichwertigkeit schicken, verbunden mit dem pau­
schalen Hinweis auf eine notwendige Ausgleichs­
maßnahme. Dies weist darauf hin, dass die Rechts­
verordnungen noch besser in der Praxis ankommen
und Anwendung finden müssen. Bund und Länder
sind hier weiterhin im engen Austausch.
Von Beratungsfachkräften der Arbeitsverwaltungen,
der Anerkennungsberatungsstellen und der Migra­
tionsberatungsstellen sowie der Visastellen wird
eine bessere Verständlichkeit und Transparenz der
Bescheide, insbesondere bei Teilanerkennungen
und der damit verbundenen Auswahl passender
Nachqualifizierungen gewünscht. Einerseits müssen
die zuständigen Stellen die gesetzlich vorgegebenen
Anforderungen an die Bescheide erfüllen, anderer­
seits gibt es gute Beispiele für Hilfestellungen vor
allem zur weiteren Nutzung für weitere Qualifizie­
rungen durch die zuständigen Stellen. Diese sollten
als Best Practice weitergegeben und aktiv kommuni­
ziert werden.

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

	

	

Standardisierte Qualifikationsanalysen sind 2013
nach der amtlichen Statistik erst in 60 Fällen durch­
geführt worden. Von dieser Möglichkeit sollten
sowohl die zuständigen Stellen als auch die Anerken­
nungsinteressierten stärker Gebrauch machen. Im
BMBF­geförderten Verbundvorhaben „Prototyping“
wurden bis Januar 2014 Standards entwickelt und
erprobt, die zu einer Vereinfachung der Verfahren
führen; es ist zu vermuten, dass eine gewisse Zurück­
haltung der zuständigen Stellen, das Verfahren an­
zubieten, auf einem vergleichsweise hohen Aufwand
bei der Durchführung beruht. Im Hinblick auf die
Bemühung, die vorgenannte Personengruppe leichter
in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wird seit Januar
2015 der bundesweite Transfer der Verfahren über das
BMBF­Projekt „Prototyping Transfer – Berufsaner­
kennung mit Qualifikationsanalysen“ unterstützt.
In der Altenpflege werden trotz des hohen Bedarfs
an Fachkräften und der großen Nachfrage nach
Informationen die Möglichkeiten der Anerken­
nungsverfahren nicht genügend ausgeschöpft.

27

Insbesondere wenn entsprechende Berufserfah­
rung vorhanden ist, sollte die Altenpflege verstärkt
von den zuständigen Stellen als Referenzberuf im
Anerkennungsverfahren herangezogen und Aus­
gleichsmaßnahmen in diesem Bereich ermöglicht
werden.
Weitere Vereinheitlichungen im Verwaltungsvollzug
könnten in einigen Bereichen durch einen intensive­
ren Austausch der zuständigen Stellen in Netzwerken
oder Foren erreicht werden. Dazu könnten die zum Teil
bereits bestehenden Kooperationen mit dem IQ­Netz­
werk genutzt oder die Angebote des Anerkennungspor­
tals ausgeweitet werden. Zudem werden in diesem Jahr
durch das BIBB verschiedene zielgruppenspezifische
Workshops, insbesondere zusammen mit zuständigen
Stellen im Gesundheitsbereich, mit dem Ziel durch­
geführt, Erfahrungen und Best Practice­Beispiele
auszutauschen, Informationsbedarfe zu ermitteln und
sich zu vernetzen.

28

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

6. Verfahrensgebühren und Kosten sollten weiter vereinheitlicht
und Finanzierungsmöglichkeiten gesichert werden
Die Höhe der Gebühren für die Anerkennungsverfah­
ren richtet sich nach den Gebührenregelungen der
Länder beziehungsweise der Kammern und hängt vom
individuellen Aufwand für die Durchführung des Ver­
fahrens ab. Im Kammerbereich haben sich einheitliche
Gebührenrahmen (100 bis 600 Euro) für nicht regle­
mentierte Berufe etabliert, in den Länderbehörden ist
die Varianz größer und uneinheitlicher. Weitere Kosten
können für die Beschaffung individueller Nachweise,
weiterer Unterlagen einschließlich Beglaubigungen
und Übersetzungen sowie für die Vorbereitungen auf
Prüfungen oder für Anpassungslehrgänge entstehen.36

Auswirkungen der Kosten auf die Antragstellung
Die Erhebungen des Monitorings zeigen, dass die Grün­
de, keinen Antrag zu stellen, zwar stark vom individu­
ellen Werdegang und der aktuellen Lebenssituation
des Anerkennungssuchenden abhängen. Nicht selten
können nach einer Kosten­Nutzen­Abwägung auch
die Kosten für die Durchführung eines Anerken­
nungsverfahrens Interessierte davon abhalten, eine
Anerkennung zu beantragen. Dies dürfte insbesondere
für Personen mit geringen Einkommen gelten, die mit
weniger eindeutigen Bildungsrenditen rechnen als
zum Beispiel Ärzte und die nicht von den zahlreichen
Fördermöglichkeiten insbesondere der BA profitieren.
Aus Sicht der Bundesregierung wäre es daher begrü­
ßenswert, die Kosten für Anerkennungsverfahren
im Sinne einer größtmöglichen Transparenz stärker
bereichsspezifisch zu vereinheitlichen beziehungswei­
se einen einheitlichen Gebührenkorridor einzuführen
und die Gebühren sozialverträglich auszugestalten.
Bei nicht individuellen Nachweisen, wie zum Beispiel
bei Übersetzung ausländischer Curricula, könnten in
einzelnen Bereichen die Kosten ebenfalls durch Ein­
richtung eines übergreifenden Wissensmanagements
bei den zuständigen Stellen minimiert werden.

36 Eine ausführliche Darstellung erfolgte im ersten Bericht zum Aner­
kennungsgesetz,	BMBF	(2014),	S. 121	ff.

Bestehende Finanzierungsmöglichkeiten
Bei der Frage der Übernahme der Kosten stellen die
Finanzierungsmöglichkeiten der Grundsicherung bezie­
hungsweise Arbeitsförderung im Rahmen des Sozialge­
setzbuchs – SGB II und III – das zentrale Finanzierungs­
instrument dar. Die Arbeitsagenturen, kommunalen
Jobcenter und gemeinsamen Einrichtungen von Bund
und Kommunen haben sich nicht nur als ein wichtiger
Berater in Anerkennungsfragen etabliert, sie sind auch
häufig Träger der Verfahrenskosten. Darüber hinaus
übernehmen sie in vielen Fällen die Finanzierung von
Weiter- und Anpassungsqualifizierungen. Allerdings
haben die Untersuchungen für den Bericht noch eine
unterschiedliche Umsetzungspraxis ergeben. Hier wä­
ren zentrale Aktivitäten der Arbeitsverwaltung hilfreich
(zum Beispiel Arbeitshilfen zur Anerkennung und ein
fachlicher Austausch unter anderem mit Workshops
zum Thema Migration). Der Bericht stellt diese und wei­
tere Möglichkeiten der staatlichen Kostenübernahme
vor.37 Insbesondere vor dem Hintergrund der ersten
Erfahrung der 2015 gestarteten Förderung von Quali­
fizierungsmaßnahmen im Förderprogramm IQ wird
die Bundesregierung prüfen, ob ergänzend mittelfristig
weiterer Bedarf für die Einrichtung eines Stipendien­
programms des Bundes besteht. Länderseitig bestand
im Berichtszeitraum nur in Hamburg ein entsprechen­
des Stipendienangebot. Es wäre zu begrüßen, wenn
auch hier entsprechende Unterstützungsangebote ge­
prüft und entwickelt würden. Zudem sind die Arbeitge­
ber bei der Unterstützung im Anerkennungsverfahren
stärker zu motivieren.

37 Vgl. III-5.3.

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

29

7. Das Angebot für Anpassungsqualifizierungen wird bedarfsgerecht ausgebaut
	
Die Nachfrage nach und die Angebote für Anpassungs­
qualifizierungen steigen.38 Aus den Befragungen der
Handwerks­ sowie Industrie­ und Handelskammern
zeigt der Bericht eine steigende Nachfrage von Perso­
nen, die einen Bescheid mit teilweiser Gleichwertigkeit
erhalten haben, nach den Möglichkeiten der Anpas­
sungsqualifizierung. Laut den Kammern können hierzu
bereits regionale Angebote unterbreitet werden.39

Zusätzliche Unterstützungsangebote des Bundes
Zudem schafft die Bundesregierung neue Möglichkei­
ten für Nachqualifizierungen: Im Förderprogramm
„Integration durch Qualifizierung – IQ“ werden im
neuen Handlungsschwerpunkt „Qualifizierung von
Migrantinnen und Migranten im Kontext des Anerken­
nungsgesetzes“ seit 2015 Angebote für Anpassungsmaß­
nahmen für reglementierte und nicht reglementierte
Berufe, Brückenmaßnahmen für Akademikerinnen und
Akademiker sowie Sprachkurse entwickelt und angebo­
ten und damit die Chancen auf eine volle Anerkennung
verbessert. Dafür stellt das BMAS in den Jahren 2015 bis
2018 gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds
(ESF) insgesamt etwa 188 Millionen Euro bereit. In
146 IQ­Teilprojekten werden bundesweit Angebots­
entwicklungen gefördert, wovon rund 40 Prozent auf
reglementierte Berufe und 25 Prozent auf nicht regle­
mentierte Berufe entfallen. Es wird abzuwarten sein, ob
und wie sich die Angebotsentwicklung mit dem Bedarf
an Anpassungsqualifizierungen künftig decken wird.40

Angebote der Weiterbildungsanbieter steigen
Auch die über 2.000 befragten, am Markt aktiven
Weiterbildungsanbieter scheinen sich weiter auf die
neue Zielgruppe der Anerkennungsinteressierten,
die teilweise sehr heterogen ist und mit spezifischem
Qualifizierungsbedarf an sie herantritt, einzustellen
und ihr Angebot zunehmend daran auszurichten.41

38	 Im	Jahr	2013	ist	der	Anteil	an	Verfahren,	die	mit	einer	teilweisen	
Gleichwertigkeit	endeten,	auf	knapp	33 Prozent	gestiegen	(im	Vor­
jahr	waren	es	rund	9 Prozent).
39 Vgl. III-4.1.
40 Vgl. dazu die Entwicklung der Statistik, III-2.
41	 Vgl.	dazu	Kapitel	„Weitere	Qualifizierung“,	III-4.

Zudem wurde die Zusammenarbeit zwischen Weiter­
bildungsanbietern und zuständigen Stellen ausgebaut.
Die Entwicklung marktgängiger Angebote wird weiter
zu beobachten sein.
In Deutschland ist das Portal KURSNET der BA ein
zentrales Internetangebot zur beruflichen Weiter­
bildung. Hier werden neben einer Vielzahl von Bil­
dungsangeboten auch Qualifizierungsmaßnahmen
im Kontext „Anerkennung von ausländischen Berufs­
qualifikationen“, insbesondere die neuen Angebote
im Rahmen des Förderprogramms IQ veröffentlicht.
Um Anerkennungssuchende gezielt zu erreichen, soll
dieses Informationsangebot von KURSNET auch über
das Portal „Anerkennung in Deutschland“ zugänglich
gemacht werden.

30

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

8. Betriebliche Anerkennungskultur: Die Rolle der Arbeitgeber
und Betriebe stärken
Über den Bekanntheitsgrad der gesetzlichen Anerken­
nungsmöglichkeiten ausländischer Berufsabschlüsse
bei Arbeitgebern und Betrieben gibt es verschiedene
Aussagen.

Repräsentative Betriebsbefragung
In einer repräsentativen Befragung des BIBB im Jahr
2014 bei rund 5.300 Betrieben gaben über 40 Prozent an,
die Anerkennungsgesetze zu kennen.42 Dies ist ange­
sichts der immer noch relativen Neuheit der Regelungen
eine sehr beachtliche Zahl. Allerdings haben sich von
diesen bislang nur etwa 6 Prozent intensiver mit dem
Thema beschäftigt oder schon selbst Erfahrungen mit
Anerkennungsverfahren gemacht. Arbeitgeber bezie­
hungsweise Personalverantwortliche in Unternehmen
sind dabei nicht nur die Adressaten der Anerkennungs­
bescheide, aufgrund derer sie die Entscheidung über die
Einstellung einer Person mit ausländischen Qualifikatio­
nen treffen. Sie haben auch ein zusätzliches Instrument,
um das Potenzial ihrer Belegschaft im Hinblick auf
Übertragung zusätzlicher Verantwortungs­ und Aufga­
benbereiche sowie Aufstiegsmöglichkeiten richtig einzu­
schätzen und ihr Personal langfristig an sich zu binden.

Unterstützung durch die Betriebe
Für die Arbeitgeber öffnet sich hier ein weites Feld
denkbarer – ideeller, organisatorischer und auch mate­
rieller – Hilfestellungen. Die in der Betriebsbefragung
geäußerte Unterstützungsbereitschaft der befragten
Betriebe ist erfreulich groß: Fast 80 Prozent haben
keine Bedenken, Personen mit einer ausländischen
Berufsqualifikation einzustellen, und rund zwei Drittel
der befragten Betriebe wären zu einer Unterstützung
im Anerkennungsverfahren bereit. Diese vorhandene
Bereitschaft sollte in konkrete Maßnahmen umgewan­
delt werden, um die Chancen auf eine qualifikationsna­
he Beschäftigung der Mitarbeiter und die Integration
ausländischer Fachkräfte weiter zu erhöhen.
Es spricht also sehr viel dafür, dass eine passgenaue
Information insbesondere kleiner und mittlerer Be­
triebe über die Vorteile eines Anerkennungsverfahrens
zu einem Nutzen für den Betrieb und die Belegschaft
und letztlich zu mehr betrieblichem Engagement führt.
Hierdurch würde Potenzial der Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer in Bezug auf ihre formale Qualifika­
tion entdeckt und nutzbar gemacht sowie eine gelebte
Anerkennungskultur als Teil eines aktiven Diversity
Managements in den Betrieben gestärkt. Voraussetzung
ist allerdings, dass gerade kleinere Betriebe selbst eine
professionelle Beratung und Unterstützung in diesem
Prozess erhalten, die sie aufgrund ihrer Betriebsstruk­
turen selbst oft nicht leisten können.

Der BIBB­Betriebsbefragung zufolge sind insbesondere
große Unternehmen personell und strukturell besser
in der Lage, die teilweise komplizierten Rekrutierungs­
prozesse, insbesondere aus dem Ausland, zu bewälti­
gen, bei denen unter Umständen auch die Frage einer
Anerkennung des Berufsabschlusses mitzudenken ist.
Nichtsdestotrotz bietet, darauf wurde bereits im ersten
Bericht 2014 hingewiesen, gerade für kleine und mitt­
lere Unternehmen ohne professionalisierte betriebliche
Personalgewinnungs­ und ­entwicklungskonzepte die
Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüs­
sen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gute
Möglichkeit, ihren spezifischen Fachkräftebedarf mit­
tels eines Anerkennungsverfahrens bei neu einzustel­
lendem Personal zu decken oder hierdurch ein in ihrer
Belegschaft vorhandenes Potenzial durch eine formale
Anerkennung zu erschließen.

In diesen Maßnahmen zur Erhöhung der Aktivität der
Betriebe im Kontext des Anerkennungsgesetzes wird

42	 Auswertung	der	BIBB-Betriebsbefragung	(2014),	III-6.

43 Siehe III-6.4.

Das BMBF unterstützt daher Projekte zur Sensibi­
lisierung und Unterstützung von Arbeitgebern und
Betriebsräten43 und wird diese Aktivitäten 2015 weiter
ausweiten und intensivieren. Ergänzend bietet das
BQ­Portal einen guten ersten Überblick für Unterneh­
men über die Ziele und Vorteile der Anerkennung und
informiert über Best Practice­Beispiele aus Unterneh­
mersicht.

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN

ein erhebliches Potenzial zur Ansprache qualifizierter
Fachkräfte gesehen, die für beide Seiten – Arbeitgeber
und Arbeitnehmer – erhebliche Vorteile bringt.
Weitere Aktivitäten auf Bundesebene, die Betriebe bei
dem Ziel der Fachkräftesicherung und der Rekrutie­
rung von Personal aus dem Ausland unterstützen, sind
die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Ener­
gie unterstützte Internetplattform Kompetenzzentrum
Fachkräftesicherung (KOFA) sowie die „Qualifizierungs­
beratung“ der BA.

9. Fazit
Obgleich das Anerkennungsgesetz des Bundes erst seit
drei Jahren in Kraft ist, hat es sich in der Praxis bereits
vielfach bewährt: Laut amtlicher Statistik wurden von
April 2012 bis Dezember 2013 rund 26.500 Anträge
gestellt, von denen fast alle mit der Feststellung einer
vollen oder teilweisen Gleichwertigkeit der ausländi­
schen Berufsqualifikation beendet wurden.
Die Bundesregierung unternimmt große Anstrengun­
gen, damit noch mehr Menschen mit ausländischen
Abschlüssen von den Möglichkeiten der Anerkennung
profitieren können: Zur Information und für die Be­
ratung werden sehr umfangreiche und mehrsprachige
Angebote vorgehalten und im In­ und Ausland bewor­
ben. Die vorliegenden Daten zeigen, dass diese Ange­
bote sehr gut nachgefragt sind, der Informations­ und
Beratungsbedarf stetig steigt und damit die Grundlage
für eine erfolgreiche Anerkennung gelegt ist. Deshalb
wird der Bund die Informations­ und Beratungsange­
bote fortführen und weiterentwickeln.
Auch der Rechtsrahmen und die Bedingungen für
die Zuwanderung werden laufend verbessert, denn es
herrscht Einigkeit: Deutschland braucht ausländische
Fachkräfte. Ein zentrales Element für eine gelingende
Integration in den Arbeitsmarkt ist die Anerkennung
ihrer beruflichen Qualifikationen. Und viele Zuge­
wanderte und Flüchtlinge bringen einen Hochschul­
abschluss oder eine berufliche Ausbildung mit nach
Deutschland. Um die Zuwanderung dieser Fachkräfte
aus Drittstaaten weiter zu verbessern, ist die Verknüp­
fung der Anerkennungs­ und Zuwanderungsregeln

31

stärker in der Praxis der Auslandsvertretungen, der
Ausländerbehörden, der Arbeitsverwaltung und der
zuständigen Anerkennungsstellen zu etablieren und
mit einer gelebten Anerkennungs­ und Willkommens­
kultur auszufüllen.
Der Bericht zeigt zugleich: Nicht jede Beratung führt
zu einem Antrag. Die Gründe dafür sind unterschied­
lich – manche brauchen keine förmliche Anerkennung,
um in den Arbeitsmarkt zu kommen, andere brauchen
noch mehr Informationen über ihre Möglichkeiten
und Chancen, andere Ermutigung oder auch finanzielle
Unterstützung. Manchmal werden aber auch alternati­
ve Wege sinnvoller sein. Hierfür ist eine professionelle
Beratung, wie sie schon jetzt angeboten wird, entschei­
dend. Trotzdem können insbesondere Betriebe durch
bessere Informationen und gezielte Ansprache sowie
durch eine gelebte Anerkennungskultur eine größere
Rolle im Anerkennungsgeschehen spielen. Dafür wer­
den mit Unterstützung des Bundes mehr Arbeitgeber
gezielt über die Chancen der Anerkennung für ihre
Betriebe informiert.
Die größte Herausforderung liegt weiterhin in der
Vereinheitlichung des Verwaltungsvollzugs in einigen
Bereichen. Dafür bedarf es weiterer Bündelungen von
Kompetenzen und Zuständigkeiten – insbesondere die
zentrale Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe durch
die Länder ist jetzt schnell einzurichten. Bereits gestar­
tet ist eine Verbesserung des Angebots für diejenigen
Antragsteller, deren Qualifikationen nur eine teilweise
Gleichwertigkeit bescheinigt wurde: Für sie werden
die Angebote für Anpassungsqualifizierung ausgebaut.
Dafür wird die Bundesregierung im Förderprogramm
IQ gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds in
den nächsten Jahren insgesamt etwa 188 Millionen
Euro bereitstellen.
Die Bundesregierung stellt sich ungeachtet der bisher
erreichten Erfolge den bestehenden Herausforderun­
gen und wird sich auch weiterhin für die Verbesserung
der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
zur Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland
einsetzen.

32

Einleitung zu den Teilen II bis IV

EINLEITUNG ZU DEN TEILEN II BIS IV

33

1. Einleitung

Drei Jahre nach dem Inkrafttreten des Anerkennungs­
gesetzes des Bundes legt das BIBB mit den Teilen II
bis IV dieses Berichts den zweiten Fachbericht zu den
Ergebnissen seiner im Auftrag des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführten
Untersuchungen zur Umsetzung des Gesetzes vor.
Der Auftrag, der Untersuchungsansatz – nach dem die
Perspektiven der verschiedenen Beteiligten zu einem
Gesamtbild der Praxis zusammenfügt werden – sowie
die methodische Herangehensweise wurden bereits
im ersten Bericht ausführlich dargestellt (siehe Erbe
u. a. 2014, S. 38 f.). Für den zweiten Bericht wurde eine
Reihe weiterer empirischer Untersuchungen durchge­
führt. Sie sind in den jeweiligen Kapiteln sowie in der
Datensatzbeschreibung im Anhang A2 beschrieben.
Der Bericht konzentriert sich erneut überwiegend auf
die Betrachtung der Bundesberufe. Der Fokus liegt
in diesem Berichtszeitraum wieder auf den bereits
in Deutschland lebenden Fachkräften mit einer im
Ausland erworbenen Qualifikation. Zusätzlich werden
erste Erkenntnisse zur Antragstellung aus dem Aus­
land berichtet. Der Schwerpunkt der Untersuchungen
lag in diesem Berichtszeitraum ebenfalls erneut auf
der Perspektive der zuständigen Stellen sowie der
Beratungseinrichtungen, wobei bei beiden zusätzliche
Akteure einbezogen wurden. Neu hinzugekommen ist
die Perspektive der Betriebe sowie punktuell die Per­
spektive der Anerkennungsinteressierten.
Die Teile II bis IV sind wie folgt aufgebaut: Die Teile II
und III aktualisieren die im ersten Bericht enthaltenen
Informationen und stellen somit jährlich wiederkeh­
rende Faktenberichte zu den Kernaspekten des Aner­
kennungsgeschehens dar. Teil IV enthält Detailanalysen

zu jährlich wechselnden, ausgewählten Fragestellungen
der Anerkennungspraxis sowie damit zusammenhän­
genden Entwicklungen (siehe Abbildung unten).
Die Abbildung gibt in stark reduzierter Form die ver­
schiedenen Schritte des Anerkennungsprozesses wie­
der, die im Detail auch Inhalt des vorliegenden Berichts
sind. Über jedem Kapitel findet sich die Darstellung
wieder und verdeutlicht, welcher der Schritte Inhalt
des jeweils vorliegenden Kapitels ist.
Teil II zeichnet die Entwicklung der Rechtsgrundlagen
der beruflichen Anerkennung seit dem ersten Bericht
nach (Kapitel 1) und aktualisiert den Überblick über die
Akteure der Umsetzung der Gesetze (Kapitel 2).
Teil III beleuchtet aktuelle Entwicklungen im An­
erkennungsgeschehen und orientiert sich dabei an
den Prozessen, die Personen beim Erwerb der Aner­
kennung ihrer im Ausland erworbenen Qualifikation
durchlaufen: vom Einholen der ersten Informationen
über Beratung bis zum Antrag bei der zuständigen
Stelle, dem Bescheid und eventuell sinnvollen An­
passungsqualifizierungen und schließlich bis zur
Verwertung des Gleichwertigkeitsbescheids auf dem
Arbeitsmarkt.
Kapitel 1 „Information und Beratung“ gibt einen Über­
blick darüber, welche Informations­ und Beratungs­
möglichkeiten von welchen Personengruppen genutzt
wurden. Berücksichtigt werden hierbei die Beratungs­
daten des Portals „Anerkennung in Deutschland“, der
Anerkennungshotline des Bundesamts für Migration
und Flüchtlinge (BAMF), der neuen Hotline „Arbeiten

Übergreifende Aspekte (rechtliche Grundlagen, Akteure, Kosten)

Zielgruppe

Information &
Beratung

Verfahren

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

34

und Leben in Deutschland“, der IQ­Erstanlaufstellen
und natürlich auch der Industrie­ und Handelskam­
mern sowie der Handwerkskammern. Darüber hinaus
bietet das Kapitel Informationen zur Nutzung des BQ­
Portals sowie der ZAB und anabin.
Kapitel 2 „Die amtliche Statistik für bundesrechtlich
geregelte Berufe“ zeigt ausgewählte Ergebnisse der auf
Grundlage des § 17 Berufsqualifikationsfeststellungs­
gesetzes (BQFG) (sowie der Regelungen im Fachrecht,
die auf § 17 BQFG verweisen) erhobenen Daten, für die
Jahre 2012 und 2013.
Kapitel 3 „Bundeseinheitlicher Verwaltungsvollzug
des Anerkennungsgesetzes? – Ein Blick auf ausgewähl­
te Bereiche“ geht der im Titel gestellten Frage nach.
Dazu wird die praktische Umsetzung der gesetzlichen
Regelungen im Verwaltungsvollzug näher betrachtet.
Ergebnisse der amtlichen Statistik werden in diesem
Kapitel um jene der eigenen qualitativen und quantita­
tiven Befragungen ergänzt.
Kapitel 4 „Weitere Qualifizierung“ beleuchtet insbeson­
dere die Möglichkeiten, die sich für Antragstellende
bei nicht reglementierten Berufen ergeben, wenn eine
teilweise Gleichwertigkeit festgestellt wird. Darüber
hinaus werden Ergebnisse der wbmonitor­Befragung
2014 dargestellt, die darüber Auskunft geben, inwieweit
bei den befragten Weiterbildungsanbietern auch Wei­
terbildungen im Rahmen der Anerkennung ausländi­
scher Berufsqualifikationen eine Rolle spielen.
Kapitel 5 „Kosten und Finanzierung“ gibt einen Über­
blick über anfallende Kosten im Rahmen einer Aner­
kennung sowie über die Entwicklung und die Nutzung
von Finanzierungsinstrumenten.
Kapitel 6 „Betriebe“ präsentiert die Ergebnisse der im
Auftrag des BIBB durchgeführten repräsentativen
telefonischen Befragung von 5.286 Betrieben. Hier­
bei stehen Fragen nach der Bekanntheit der sowie
Erfahrungen mit den Anerkennungsmöglichkeiten
bei Betrieben, nach der Beschäftigung von Personen
mit im Ausland erworbenem Berufsabschluss sowie
die Beschäftigungsmöglichkeiten der Zielgruppe im
Vordergrund.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

In Teil IV werden im Rahmen von Detailstudien einzel­
ne Fragestellungen näher untersucht; hierfür werden
Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenge­
führt.
Kapitel 1 „Entwicklung der Zielgruppe“ untersucht, wie
sich der Zuzug beruflich qualifizierter Ausländerinnen
und Ausländer nach Deutschland in den vergangenen
Jahren verändert hat und welche Auswirkungen sich
daraus für die Zielgruppe des Anerkennungsgesetzes
ergeben.
Kapitel 2 beleuchtet die „Beratung zum Thema Aner­
kennung durch die Migrationsberatung für erwachsene
Zuwanderer und die Jobcenter“.
In Kapitel 3 „Von der Beratung zum Antrag“ wird Grün­
den für die Diskrepanz zwischen den Beratungszahlen
und den Antragszahlen nachgegangen.

EINLEITUNG ZU DEN TEILEN II BIS IV

2. Danksagung

Als Team des BIBB­Anerkennungsmonitorings bedan­
ken wir uns ganz herzlich bei all jenen, die unsere Be­
fragungen und weiteren Untersuchungen unterstützt
haben beziehungsweise derzeit noch unterstützen und
auf diese Weise dazu beitragen, umfangreiche Er­
kenntnisse zur Umsetzung des Anerkennungsgesetzes
des Bundes zu gewinnen sowie Unterstützungs­ und
Anpassungsbedarf zu identifizieren.
Unser besonderer Dank geht an
	 die Kammerdachverbände ZDH und DIHK, die Vor­
Ort­Kammern in den Regionen sowie die IHK FOSA,
die unsere Befragung unterstützt beziehungsweise
sich daran beteiligt haben;
	 die für die Gesundheitsberufe zuständigen Länder­
behörden, die an unserer Befragung teilgenommen
haben;
	 die durchführenden Wohlfahrtsverbände der MBE
(DRK – Generalsekretariat, AWO Bundesverband
e.V., Deutscher Caritasverband, Evangelisches Werk
für Diakonie und Entwicklung e.V., Paritätischer
Gesamtverband, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden
in Deutschland e.V., Bund der Vertriebenen), die die
MBE in ihrer Trägerschaft gebeten haben, an der Be­
fragung teilzunehmen, sowie ganz besonders allen
MBE, die sich an unserer Befragung beteiligt haben;
	 die Koordinierungsstelle Migration der BA sowie die
Jobcenter und die Arbeitsagentur, die an der Befra­
gung teilgenommen haben;
	 das f­bb und das BAMF dafür, dass sie uns die Bera­
tungsdaten für weitere Auswertungen zur Verfü­
gung stellen;
	 die Fachstellen „Beratung und Qualifizierung“ und
„berufsbezogenes Deutsch“ im Förderprogramm
IQ – stellvertretend für verschiedene Akteure im IQ­
Netzwerk – für die vielfältige gute Zusammenarbeit.
Außerdem bedanken wir uns bei den Mitgliedern un­
seres Projektbeirats für die Beratung hinsichtlich der
durchgeführten Erhebungen und Ergebnisverwertung.

35

36

II

Entwicklung der Rechtsgrundlagen
und Akteure im Anerkennungsprozess

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

37

1. Die Anerkennungsgesetzgebung von Bund und Ländern und
angrenzende Rechtsgebiete

Übergreifende Aspekte (rechtliche Grundlagen & Akteure)

Zielgruppe

Information &
Beratung

Verfahren

Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entwick­
lung des rechtlichen Rahmens zur Anerkennung aus­
ländischer Berufsqualifikationen. Dargestellt werden
das Anerkennungsgesetz des Bundes mit den jüngsten
Änderungen, der Stand der Ländergesetzgebung sowie
die Entwicklung des EU­Rechts mit den Folgen für den
deutschen Rechtsrahmen. Auch die Rolle des Themas
Anerkennung im Rahmen des Aufenthalts­ und Be­
schäftigungsrechts wird in diesem Kapitel erläutert.

1.1 Anerkennungsgesetz des Bundes
Seit dem 1. April 2012 gilt das „Gesetz zur Verbesse­
rung der Feststellung und Anerkennung im Ausland
erworbener Berufsqualifikationen“ – kurz: Anerken­
nungsgesetz – des Bundes. Es schafft einen allgemeinen
Rechtsanspruch auf Prüfung der Gleichwertigkeit von
im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen für die
rund 600 Berufe in der Zuständigkeit des Bundes und
legt die Verfahren dafür fest.
Das Anerkennungsgesetz ist ein sogenanntes Artikelge­
setz. Neben dem in Artikel 1 neu eingeführten „Gesetz
über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufs­
qualifikationen“ – kurz: Berufsqualifikationsfeststel­
lungsgesetz (BQFG) – umfasst es in den Folgeartikeln 2
bis 61 Änderungen beziehungsweise Anpassungen in
den berufsrechtlichen Gesetzen und Verordnungen
wie beispielsweise der Bundesärzteordnung (BÄO) oder
dem Krankenpflegegesetz (KrPflG) (Fachrecht). Die Ziele
– Arbeitsmarktintegration und Fachkräftesicherung –
und die Inhalte des Gesetzes sowie seine Struktur und
Abgrenzung zu anderen Rechtsgrundlagen der berufli­

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

chen Anerkennung sind im ersten Bericht zum Aner­
kennungsgesetz erläutert (siehe Erbe u. a. 2014, S. 22 ff.).
Eine erstmalige Änderung des BQFG des Bundes erfolg­
te mit dem Inkrafttreten des E­Government­Gesetzes
des Bundes (EGovG) am 1. August 2013: Zum einen
wurde in der Regelung des Verfahrens, nach der der An­
trag schriftlich zu stellen war (§ 6 Absatz 1 Satz 2 BQFG),
das Wort „schriftlich“ gestrichen, sodass Anerkennungs­
verfahren nunmehr auch per E­Mail beantragt werden
können. Eine analoge Änderung erfolgte im Verwal­
tungsverfahrensgesetz (vgl. § 3a VwVfG elektronische
Kommunikation). Diese Änderung in § 6 Absatz 1 Satz 2
BQFG bezieht sich nur auf die Antragstellung. Die Form
der einzureichenden Unterlagen richtet sich weiterhin
nach §§ 5 und 12 Absatz 2 und 3, wonach Originale
oder beglaubigte Kopien vorzulegen sind, es sei denn,
die zuständige Behörde lässt auch einfache Kopien zu.
Zum anderen ergänzte das EGovG die Liste der von
den zuständigen Stellen zu meldenden Merkmale der
amtlichen Statistik um den Wohnort der Antragstellen­
den (§ 17 Absatz 2 Nr. 1 BQFG). Damit werden ab dem
Erhebungsjahr 2013 künftig Auswertungen ermöglicht,
wie beispielsweise zu regionalen Verteilungen oder dem
Anteil von Anträgen aus dem Ausland.
Im Bereich des Fachrechts hat der Bund zudem
ergänzende Rechtsverordnungen erlassen, um einem
deutlich gewordenen Regelungsbedarf Rechnung zu
tragen. So traten am 1. Januar 2014 zwei Verordnungen
des Bundesministeriums für Gesundheit in Kraft, die
bundeseinheitliche Verfahren zum Ziel haben (siehe im
Detail III­3.7):

38

	

	

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

die Bezeichnungen und Fundstellen der Gesetze in der
Tabelle 15 im Anhang). In weitgehender Übereinstim­
mung mit dem Bundesgesetz und mit dem Ziel, die
Verfahren zu vereinheitlichen, enthalten die Landesge­
setze in Artikel 1 die gleichen Rahmenbedingungen, die
auch für das BQFG des Bundes gelten.

Verordnung zur Durchführung und zum Inhalt von
Anpassungsmaßnahmen sowie zur Erteilung und
Verlängerung von Berufserlaubnissen in Heilberu­
fen des Bundes vom 2. August 2013 (BGBl. I, S. 3005),
Ausbildungs­ und Prüfungsverordnung für Notfall­
sanitäterinnen und Notfallsanitäter vom 16. Dezem­
ber 2013 (BGBl. I, S. 4280).

Der Anwendungsbereich der Landes­Anerkennungsge­
setze ist unterschiedlich, da sich die Länder für unter­
schiedliche Reichweiten entschieden haben (sogenann­
ter Ein­ und Ausbezug von Berufen aus dem jeweiligen
Landes­BQFG). Alle Länder haben übereinstimmend in
ihren BQFG geregelt, dass die BQFG der Länder jeweils
vorrangig gelten. Die Nichtanwendung des BQFG­Land
erfordert eine entsprechende Änderung des speziellen
Berufsgesetzes, in der erklärt wird, dass das BQFG nicht
anzuwenden ist (eingeschränkte Subsidiarität durch
erforderlichen Ausbezug). Auch bei Ausbezug von der
Anwendung des BQFG ist es jedoch möglich, dass im je­
weiligen Fachgesetz dem BQFG analoge Anerkennungs­
regelungen erfolgen. Betrachtet man beispielsweise

Bis zum Ende des diesjährigen Berichtszeitraumes am
31. Dezember 2014 befanden sich zudem weitere Ände­
rungen des Bundesgesetzes in Vorbereitung, mit denen
die Fortentwicklung des EU­Rechts umgesetzt werden
soll (siehe II­1.3).

1.2 Anerkennungsgesetze der Länder
Für die Berufe in Zuständigkeit der Länder sind im
Zeitraum zwischen 1. August 2012 und 1. Juli 2014 in
allen 16 Ländern Landes-Anerkennungsgesetze in
Kraft getreten (vgl. die Übersicht über die Daten des
Inkrafttretens in Abbildung 1 sowie die Übersicht über

Abbildung 1 Übersicht über die Anerkennungsgesetzgebung in Deutschland (Daten des Inkrafttretens der Gesetze
von Bund und Ländern)
2012

2013

2014

2015

2016

Sachsen-Anhalt	01.07.14
Schleswig-Holstein	27.06.14
Thüringen	01.05.14
Berlin	20.02.14
Bremen	06.02.14
Baden-Württemberg	11.01.14
Brandenburg	01.01.14
Sachsen 31.12.13
Rheinland-Pfalz	16.10.13
Bayern	01.08.13
Nordrhein-Westfalen	15.06.13
Mecklenburg-Vorpommern 29.12.12
Hessen 21.12.12
Niedersachsen 19.12.12
Saarland	30.11.12
Hamburg	01.08.12
Bundesgesetz	01.04.12
Quelle: Angaben nach Tabelle 15 im Anhang; Darstellung des BIBB.

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

die in der Beratung stark nachgefragten Berufe, wurde
der Ein­ oder Ausbezug wie folgt44 geregelt: Beim Beruf
Erzieherin und Erzieher erfolgt die Anerkennung weit­
gehend einheitlich nach den BQFG der Länder. Beim
Beruf Lehrerin und Lehrer übernehmen sieben Länder
die Anerkennungsverfahren des Bundes, während neun
Länder davon abweichen (Baden­Württemberg, Bayern,
Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland­Pfalz, Saar­
land, Sachsen­Anhalt und Schleswig­Holstein). So sieht
Bayern keine Anerkennungsmöglichkeit für Drittstaats­
angehörige vor und NRW lässt Drittstaatsangehörige
nur zum Vorbereitungsdienst zu. Bei der Berufsbe­
zeichnung Ingenieurin und Ingenieur übernehmen
sieben Länder die Anerkennungsverfahren des Bundes,
während neun Länder davon abweichen.
Wie auch beim Bundes­Anerkennungsgesetz erfordert
die notwendige Umsetzung der EU­Richtlinie 2013/55/
EU Anpassungen in allen Länder­Anerkennungsrege­
lungen bis zum Januar 2016 (siehe II­1.3).

1.3 Entwicklungen des EU-Rechts und Folgen
für den deutschen Rechtsrahmen
Seit rund zehn Jahren gilt in der Europäischen Union die
Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikati­
onen 2005/36/EG, kurz: Berufsanerkennungsrichtlinie.
Sie konsolidiert die früheren Regeln zur gegenseitigen
Anerkennung und schafft die Voraussetzung dafür, dass
die Unionsbürgerinnen und Unionsbürger ihre Rechte
auf Arbeitnehmerfreizügigkeit, Niederlassungs­ und
Dienstleistungsfreiheit in allen EU­Mitgliedsstaaten
ausüben können. Zur Umsetzung der Richtlinie hatten
die Mitgliedsstaaten Gesetze erlassen oder geändert, um
diesem Personenkreis die entsprechenden Rechte einzu­
räumen. In Deutschland haben die Anerkennungsgeset­
ze von Bund und Ländern aus den Jahren 2011 bis 2014
diesen Rechtsanspruch teilweise auf alle ausländischen
Berufsqualifikationen ausgeweitet.
Mit dem Ziel, das Wirtschaftswachstum in der EU zu
fördern, sowie aufgrund von festgestellten Hindernissen
bei der praktischen Inanspruchnahme der Rechte hat
die EU im Jahr 2013 eine umfassende Novellierung der
Regeln vorgenommen. Sie trat am 17. Januar 2014 mit

44 Angaben nach einer Präsentation des BMBF beim Dialoggremium
der	IQ-Fachstelle	„Qualifizierung“	in	Berlin	am	8. Oktober	2014.

39

der Richtlinie 2013/55/EU zur Änderung der Richtlinie
von 2005 in Kraft.45 Zur Umsetzung der Novelle sind
wiederum Änderungen des nationalen Rechts erforder­
lich, welche bis zum 18. Januar 2016 in Kraft getreten
sein müssen. In Deutschland ergibt sich daraus ein
Änderungsbedarf in den BQFG von Bund und Ländern
sowie in allen Berufsgesetzen und ­verordnungen, die
die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
regeln. Mit dem Ziel eines abgestimmten Vorgehens von
Bund und Ländern berieten verschiedene Gremien46
auch im Laufe des Jahres 2014 über die erforderlichen
Änderungen. Für den Bund hat das BMBF im Februar
2015 den Entwurf eines BQFG­Änderungsgesetzes
vorgelegt, der am 1. April 2015 vom Bundeskabinett
beschlossen wurde.47 Damit wird der Regelungsbedarf
der Richtlinie, der in den Anwendungsbereich des
BQFG und der Gewerbeordnung fällt, umgesetzt. Das
parlamentarische Verfahren soll bis Ende 2015 abge­
schlossen sein, damit ein Inkrafttreten bis zum Ablauf
der Umsetzungsfrist gewährleistet ist.
Abbildung 2 gibt einen Überblick über die Neuerungen
der Richtlinien­Novelle mit dem Anpassungsbedarf
im nationalen Recht. Vor dem Hintergrund des An­
wendungsbereichs der EU­Richtlinie beziehen sich die
Neuerungen überwiegend auf die Regelungen zu regle­
mentierten Berufen und Abschlüssen aus der EU, dem
Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und der Schweiz.
Mit dem Ziel, einheitliche Verfahren und Rechte analog
zum Anerkennungsgesetz zu ermöglichen, wurde eine
entsprechende Ausweitung auf alle ausländischen
Berufsqualifikationen diskutiert, insbesondere aus tech­
nischen Gründen (keine Teilnahme von Drittstaaten am
Binnenmarkt­Informationssystem IMI). In den meisten
Fällen wird eine Ausweitung wohl nicht erfolgen.

45		 Richtlinie	2013/55/EU	des	Europäischen	Parlaments	und	des	Rates	
vom	20. November	2013	zur	Änderung	der	Richtlinie	2005/36/EG	
über	die	Anerkennung	von	Berufsqualifikationen	und	der	Verord­
nung	(EU)	Nr.	1024/2012	über	die	Verwaltungszusammenarbeit	
mithilfe des Binnenmarkt-Informationssystems („IMI-Verordnung“),
Amtsblatt	der	Europäischen	Union	L 354	vom	28. Dezember	2012.	
Die Richtlinie sieht für reglementierte Berufe zudem ein Stufen­
modell mit einer Bestandsaufnahme und einem Aktionsplan jedes
Mitgliedsstaats vor („Transparenzinitiative“).
46	 Darüber berieten zum einen die Unterarbeitsgruppe „Rechtsetzung“
(UAG 1) der AG „Koordinierende Ressorts“ und zum anderen die
vom federführenden BMBF einberufene Arbeitsgruppe Vollzug, an
der einige Akteure der Umsetzungspraxis beteiligt sind. Zu beiden
Gremien	vgl.	Erbe	u.	a.	(2014,	S. 34).
47	 Entwurf	eines	Gesetzes	zur	Änderung	des	Berufsqualifikationsfest­
stellungsgesetzes und anderer Gesetze.

40

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 2 Änderungsbedarf infolge der Novellierung der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie
Inhalte der novellierten Richtlinie 2005/36/EG

Erforderliche Anpassungen im deutschen Rechtsrahmen

für	einige	Berufe	(zunächst	Krankenpfleger,	Apothekerin,	
Physiotherapeut, Bergführer und Immobilienmaklerin)
wird ein Europäischer Berufsausweis eingeführt

Umsetzung	in	BQFG	bzw.	Berufsgesetzen***,	
teilweise durch Verordnungsermächtigung

ein partieller Zugang zu einem Beruf	soll	ermöglicht	werden*

Umsetzung in Berufsgesetzen

erforderliche deutsche Sprachkenntnisse dürfen erst
nach Feststellung der Gleichwertigkeit geprüft werden

Umsetzung in Berufsgesetzen (vgl. III-3.8 Verfahren);
BQFG enthält keine solchen Regelungen

zuständige Stellen müssen eine Eignungsprüfung innerhalb
von 6 Monaten	nach	der	Entscheidung	ermöglichen

Umsetzung	in	BQFG	bzw.	Berufsgesetzen***

Anträge nehmen auf Wunsch künftig auch die Einheitlichen
Ansprechpartner (EA) aus der Dienstleistungs-RL entgegen und
leiten sie an zuständige Stellen weiter

EA sind im Verwaltungsverfahren bereits eingeführt,
ihre	Zuständigkeit	ist	in	BQFG	bzw.	Berufsgesetzen***	
anzuordnen

Anerkennungsverfahren sollen „leicht aus der Ferne und
elektronisch“	beantragt	und	abgewickelt	werden	können**

Umsetzung	in	BQFG	bzw.	Berufsgesetzen***	
(über die eGovG-Änderung hinaus)

Einführung eines Vorwarnmechanismus bei Verwendung gefälschter
Nachweise	über	Berufsqualifikationen	im	Anerkennungsverfahren

Umsetzung	in	BQFG	bzw.	Berufsgesetzen***

	*	

	Bei	den	reglementierten	Berufen	kann	bisher	keine	Teilanerkennung	erfolgen.	Sofern	wesentliche	Unterschiede	festgestellt	werden,	sind	diese	
über eine Ausgleichsmaßnahme zu kompensieren, damit eine volle Anerkennung ausgesprochen werden kann.
**	 Im	Fall	begründeter	Zweifel	an	der	Echtheit	der	Unterlagen	können	auch	beglaubigte	Kopien	verlangt	werden.
***	 Soweit	das	BQFG	nicht	anwendbar	ist.
Quelle:	Darstellung	des	BIBB	anhand	des	Entwurfs	eines	Gesetzes	zur	Änderung	des	Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes	
und	anderer	Gesetze	vom	1.	April	2015	sowie	der	Darstellung	des	BMBF	„Wichtige	übergreifende	Änderungen	der	RL	2005/36/EG	
ohne	Umsetzungsbedarf	im	BQFG“	für	die	AG	Vollzug	vom	22.	September	2014.

Der Gesetzentwurf zur Änderung des BQFG und der
Gewerbeordnung enthält unter anderem die Einfüh­
rung der Option einer elektronischen Übermittlung
von Anträgen und Unterlagen innerhalb der EU und
des EWR sowie die Einführung einer Frist von sechs
Monaten für die Ablegung von Eignungsprüfungen,
die erforderlich sind, um die volle Gleichwertigkeit der
ausländischen Berufsqualifikation zu erreichen.
Ein wesentliches Anliegen der Richtlinien­Novelle ist
die Vereinfachung der Informationsbeschaffung und
Antragstellung aus dem Ausland: Die Einheitlichen An­
sprechpartner48 können nun auch für Anerkennungs­
verfahren genutzt werden. Sie wurden in Umsetzung

48	 Vgl.	http://einheitlicher-ansprechpartner.info	(Abruf:	18. März	2015).

der Dienstleistungsrichtlinie (DLRL) durch die dafür
zuständigen Länder eingerichtet für alle Verwaltungs­
verfahren, die unter die Dienstleistungsrichtlinie fallen.
Dafür wurde in den Verwaltungsverfahrensgesetzen
von Bund und Ländern das „Verfahren über eine
einheitliche Stelle“ eingeführt. Die länderspezifische
Ausgestaltung ist in Gesetzen zu den Einheitlichen An­
sprechpartnern geregelt. Die Zuständigkeitsverteilung
und Befugnisse zwischen beteiligten Behörden werden
nicht berührt. Dem Einheitlichen Ansprechpartner
kommt lediglich die Rolle eines „Verfahrensmittlers“
zu, der mit den zuständigen Behörden zusammenar­
beiten und die nötigen Informationen online bereit­
stellen muss.

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

Zur Fortführung der von Bund und Ländern gemein­
sam verfolgten Einheitlichkeit des Rechtsrahmens
wurde auch zum Umsetzungsbedarf der EU­Berufs­
anerkennungsrichtlinie entsprechend des MPK­
Beschlusses vom 15. Dezember 2010 ein gemeinsames
Muster­BQFG­Änderungsgesetz zwischen Bund und
Ländern entworfen. Aufgrund der unterschiedlichen
Zuständigkeiten in der föderalen Grundordnung sowie
der unterschiedlichen Anwendungsbereiche der BQFGs
wird es in den Änderungsgesetzen der Länder und des
Bundes bei einzelnen Regelungen unterschiedliche
Ausgestaltungen geben.

1.4 Anerkennung und Aufenthalts- sowie
Beschäftigungsrecht
Damit das Anerkennungsgesetz seine Wirkung entfal­
ten kann und eine qualifikationsnahe Beschäftigung
möglich wird, ist die Verknüpfung der Anerkennungs­
regelungen mit dem Aufenthalts­ und Beschäftigungs­
recht von hoher Relevanz. Die Anerkennung auslän­
discher Berufsqualifikationen wird von den Personen
beantragt, die (qualifikationsnah) in Deutschland
berufstätig werden möchten. Anträge auf Anerken­
nung können zwar unabhängig vom Aufenthaltstitel,
der Staatsangehörigkeit und des Wohnsitzes gestellt
werden, es besteht aber dennoch eine wechselseitige
Abhängigkeit zwischen Aufenthalts­ beziehungswei­
se Beschäftigungsrecht und der Anerkennung einer
ausländischen Berufsqualifikation. Personen aus einem
sogenannten Drittstaat dürfen in Deutschland grund­
sätzlich nur dann arbeiten, wenn dies in der Aufent­
haltserlaubnis ausdrücklich vermerkt ist.49 Gleichzeitig
kann die Entscheidung für die Erteilung eines Auf­
enthaltstitels von der erfolgreichen Anerkennung der
Berufsqualifikation abhängig sein. Im Folgenden soll
ein Überblick über die in diesem Zusammenhang rele­
vanten Regelungen gegeben werden. Dabei werden die
rechtlichen Änderungen der letzten drei Jahre (2012 bis
2014) berücksichtigt, die der Gesetzgeber zur Erleichte­
rung der Fachkräftezuwanderung von Drittstaatsange­
hörigen vorgenommen hat.

41

1.4.1	Umsetzung	der	Hochqualifizierten-Richtlinie	
zum	1. August	2012
Durch das Gesetz zur Umsetzung der Hochqualifizier­
ten­Richtlinie der Europäischen Union50, das dem Ziel
dient, den Standort Deutschland für gut ausgebildete
Fachkräfte attraktiver zu gestalten, haben sich Ände­
rungen für den Bereich des Arbeitsmarktzugangs für
Drittstaatsangehörige ergeben.
Mit der Blauen Karte EU (§ 19a Aufenthaltsgesetz
(AufenthG)) wurde im August 2012 ein neuer Aufent­
haltstitel für Drittstaatsangehörige mit akademischem
Abschluss und einem konkreten Arbeitsplatzangebot
eingeführt. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes, in
Deutschland anerkanntes Hochschulstudium51 und
ein Arbeitsvertrag beziehungsweise eine verbindliche
Stellenzusage mit einem bestimmten Jahresbruttoge­
halt.52 Für Inhaberinnen und Inhaber der Blauen Karte
EU besteht die Möglichkeit auf Erteilung eines unbe­
fristeten Aufenthaltstitels (Niederlassungserlaubnis)
nach 33 Monaten hochqualifizierter Beschäftigung.
Wenn sie ausreichende Sprachkenntnisse53 besitzen,
verkürzt sich die Frist auf 21 Monate. Die Einreise für
Familienmitglieder von Inhaberinnen und Inhabern
der Blauen Karte EU wird dadurch erleichtert, dass
diese vor der Einreise keine deutschen Sprachkenntnis­
se vorweisen müssen.54 Die für die Familienmitglieder
von Inhaberinnen und Inhabern einer Blauen Karte EU
privilegierende Möglichkeit, sofort uneingeschränkt
erwerbstätig werden zu können55, gilt inzwischen für
alle Familienangehörigen mit einem Aufenthaltstitel
zum Familiennachzug.
Mit § 18c AufenthG wurde ein Aufenthaltstitel zur Ar­
beitsplatzsuche eingeführt. Die bisher übliche Verbin­
dung von Arbeitsstelle und Aufenthaltsgenehmigung

50		 BGBl.	I	2012,	S. 1224.	Am	1. August	2012	ist	das	Umsetzungsgesetz	
zur	Hochqualifizierten-Richtlinie	(Richtlinie	2009/50/EG)	in	Kraft	
getreten.	Durch	dieses	Gesetz	wird	unter	anderem	mit	§ 19a	Auf­
enthG die Blaue Karte EU als neuer Aufenthaltstitel eingeführt.
51	 Wenn der Hochschulabschluss nicht in Deutschland erworben
wurde, muss der Abschluss entweder anerkannt oder mit einem
deutschen	Hochschulabschluss	vergleichbar	sein	(§ 19a	Absatz 1	
Nr. 1a	AufenthG).
52	 Die	Höhe	ergibt	sich	aus	§ 2	BeschV.	2014	musste	das	Jahresbrutto­
gehalt	mindestens	47.600 Euro	betragen.
53 Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER).

49		 Für	EU-Bürgerinnen	und	-Bürger	und	Staatsangehörige	aus	EWRStaaten sowie der Schweiz gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit.

54	 Vgl.	§ 30	I	2	Nr. 5	AufenthG.
55	 Vgl.	§ 29	V	Nr. 2	AufenthG	a.	F.

42

wird mit dieser Änderung aufgehoben und ein befris­
tetes Aufenthaltsrecht für Arbeitsuchende eingeführt,
das nicht einen Nachweis über ein bereits bestehendes
Beschäftigungsangebot voraussetzt. Mit dieser Rege­
lung können akademisch qualifizierte Personen eine
Aufenthaltserlaubnis für sechs Monate erhalten, wenn
sie nachweisen, dass sie über ausreichende finanziel­
le Mittel verfügen, um ihren Lebensunterhalt selbst
zu bestreiten. Der ausländische Hochschulabschluss
muss – wie auch bei Beantragung der Blauen Karte EU –
anerkannt oder einem deutschen Abschluss vergleich­
bar sein. Die Aufenthaltserlaubnis berechtigt nicht zur
Erwerbstätigkeit.
Für beide Aufenthaltstitel nach § 19a und § 18c
AufenthG ist Tatbestandsvoraussetzung ein anerkann­
ter oder ein einem deutschen Hochschulabschluss
vergleichbarer ausländischer Hochschulabschluss.
Für die Visaerteilung ist geübte Verwaltungspraxis der
Visastellen, die Vergleichbarkeit durch Abgleich mit der
Datenbank anabin56 festzustellen oder, falls dort nicht
auffindbar, den Antragstellenden auf eine Zeugnisbe­
wertung im Einzelfall nach der sogenannten Lissabon­
Konvention durch die Zentralstelle für ausländisches
Bildungswesen (ZAB) zu verweisen. Zudem wird ge­
prüft, wieweit darüber hinaus vorliegende Erkenntnisse
der Auslandsvertretung vor Ort über einzelne Studien­
gänge und ­abschlüsse, die von besonderem Interesse
wären und gegebenenfalls bereits durch OECD­Part­
nerstaaten als vergleichbar eingestuft werden, ebenfalls
Grundlage für eine Prüfung der Vergleichbarkeit durch
die Visastelle bilden können.
Bei reglementierten Berufen muss zwischen dem
Berufszugang und dem zugrunde liegenden Hoch­
schulabschluss unterschieden werden. In den Fällen, in
denen die Akademikerinnen oder Akademiker in dem
reglementierten Beruf arbeiten wollen (zum Beispiel
Ärztinnen und Ärzte oder Lehrerinnen und Lehrer),
ist die Anerkennung des Abschlusses notwendig, um
die Blaue Karte EU erhalten zu können. In diesen
Fällen ist die Anerkennung bei der zuständigen Stelle
in Deutschland zu beantragen. In den sonstigen Fällen
(zum Beispiel für eine medizinische Tätigkeit in der
Forschung beziehungsweise bei einer Versicherung
oder für die Erteilung einer Berufserlaubnis bei akade­

56		 Vgl.	http://anabin.kmk.org	(Abruf:	18. März	2015).

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

mischen Heilberufen) ist eine Einstufung der Gleich­
wertigkeit nach der Datenbank anabin der ZAB wie bei
nicht reglementierten Berufen ausreichend.
Eine der „Qualifikation angemessene Beschäftigung“
im Sinne von § 19a AufenthG bedeutet nicht zwangs­
läufig die Beschäftigung in diesem reglementierten
Beruf (zum Beispiel als Ärztin oder Arzt), sondern eine
Beschäftigung, die erstens üblicherweise nur mit einem
Hochschulabschluss ausgeübt werden kann und zwei­
tens einen Zusammenhang mit den in der Hochschul­
ausbildung erworbenen Kenntnissen erkennen lässt
beziehungsweise die mit der Hochschulausbildung
erworbenen Kenntnisse zumindest teilweise oder mit­
telbar benötigt werden. Insofern kann zum Beispiel ein
Arzt auch in der Pharmabranche beschäftigt werden.
Insgesamt wurden 15.308 Blaue Karten EU (nach § 19a
Absatz 1 AufenthG)57 seit Inkrafttreten am 1. August
2012 bis 31. Dezember 2013 in Deutschland erteilt
(BAMF 2015a, S. 78), bis 31. Dezember 2014 waren es
25.165. Zum selben Stichtag waren davon noch 20.421
Personen im Besitz der Blauen Karte EU.58 Unter die­
sen befanden sich 14.577 Fachkräfte (71,4 Prozent),
die erstmals eine (hochqualifizierte) Beschäftigung
in Deutschland aufgenommen haben, darunter 9.665
Neu­Zugewanderte und 4.912 Drittstaatsangehörige,
die in Deutschland ein Studium oder eine Aus­ und
Weiterbildung absolviert hatten. Hauptherkunftslän­
der sind Indien (21,2 Prozent), China (8,5 Prozent) und
die Russische Föderation (7,8 Prozent) (BAMF 2015b).
Damit ist Deutschland innerhalb der EU Spitzenreiter
bei der Blauen Karte EU. Laut Sachverständigenrat
deutscher Stiftungen für Integration und Migration
(SVR) ist das Potenzial der Blauen Karte EU als Instru­
ment, Europa als Einwanderungskontinent attraktiver
zu machen, gesamteuropäisch betrachtet bei Weitem
noch nicht ausgeschöpft (vgl. SVR 2014a).

57		 Damit	befindet	sich	diese	Zahl	in	einer	ähnlichen	Größenordnung	
wie die positiv beschiedenen Verfahren im Rahmen des Anerken­
nungsgesetzes des Bundes.
58	 3.714 Ausländerinnen und Ausländer, die zuvor eine Blaue Karte EU
besaßen, haben von den günstigen Regelungen zum Erhalt eines
Daueraufenthaltsrechts	profitiert	und	inzwischen	eine	Niederlas­
sungserlaubnis erhalten.

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

1.4.2 Zuwanderung in Berufen mit Fachkräfte­
mangel – Die neue Beschäftigungsverordnung
Zum 1. Juli 2013 ist eine Neufassung der Beschäfti­
gungsverordnung (BeschV)59 in Kraft getreten, die die
bisherige BeschV und die Beschäftigungsverfahrens­
ordnung (BeschVerfV) ersetzt und die Zulassung aller
Migrantinnen und Migranten zum Arbeitsmarkt re­
gelt.60 Ziel der Verordnung ist es, das Ausländerbeschäf­
tigungsrecht übersichtlicher zu gestalten und damit die
Fachkräftebasis zu sichern.
Vor allem aber öffnen die Regelungen den Arbeits­
markt erstmalig allgemein für Drittstaatsangehörige,
die im Ausland eine Berufsausbildung abgeschlossen
haben (§ 6 BeschV). Bis dahin hatten nicht akade­
mische Fachkräfte nur die Möglichkeit, im Rahmen
von bestehenden Vermittlungsabsprachen zwischen
Deutschland und einem Drittstaat einen Arbeitsmarkt­
zugang zu erhalten. Mit der neuen BeschV ist eine
arbeitsmarktbedarfsbezogene Zuwanderung nun auch
in den Ausbildungsberufen möglich. Voraussetzung
dafür ist die Feststellung der Gleichwertigkeit des aus­
ländischen Bildungsabschlusses nach dem BQFG61, eine
Arbeitsplatzzusage und ein Engpass auf dem deutschen
Arbeitsmarkt in dem entsprechenden Beruf.62 Hat die
Bundesagentur für Arbeit (BA) einen solchen Engpass
identifiziert, erteilt sie die Zustimmung zur Erwerbs­
tätigkeit in Deutschland ohne vorherige Vorrangprü­
fung.63 Wenn für die Feststellung der Gleichwertigkeit
eine befristete praktische Tätigkeit erforderlich ist (zum

59	 BGBl.	I	2013,	S. 1499.
60 Bisher war der Arbeitsmarktzugang für neueinreisende sowie
bereits im Inland lebende Ausländerinnen und Ausländer in diesen
zwei Verordnungen geregelt: Verordnung über die Zulassung von
neueinreisenden Ausländern zur Ausübung einer Beschäftigung
(Beschäftigungsverordnung	–	BeschV)	vom	22. November	2004	
(BGBl.	I,	S. 2937);	Verordnung	über	das	Verfahren	und	die	Zulassung	
von im Inland lebenden Ausländern zur Ausübung einer Beschäf­
tigung (Beschäftigungsverfahrensverordnung – BeschVerfV) vom
22. November	2004	(BGBl.	I,	S. 2934).
61	 Die ausländischen Fachkräfte müssen einen Bildungsabschluss
nachweisen, der mit einer deutschen, mindestens zweijährigen
Ausbildung vergleichbar ist.
62	 Die Engpassberufe werden von der BA in ihrer Positivliste geführt:
http://www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/web/wcm/idc/
groups/public/documents/webdatei/mdaw/mta4/~edisp/
l6019022dstbai447048.pdf	(Abruf:	18. März	2015).
63	 Feststellung, dass für den betreffenden Arbeitsplatz keine Deutsche
beziehungsweise kein Deutscher oder keine sonst bevorrechtigte
Arbeitnehmerin beziehungsweise kein sonst bevorrechtigter Arbeit­
nehmer aus der EU/EWR/Schweiz zur Verfügung steht.

43

Beispiel Praktikum, betrieblicher Anpassungslehrgang),
kann nach § 8 BeschV die BA die Zustimmung für die­
sen Zeitraum erteilen.
Antragstellende aus dem Ausland haben damit die
Möglichkeit, einen Aufenthaltstitel zum Zweck der
Weiterbildung nach § 17 AufenthG zu beantragen. Als
gesetzliche Neuerung ist geplant, einen neuen Aufent­
haltstitel (§ 17a AufenthG) einzuführen, der sämtliche
Bildungsmaßnahmen im Kontext von Anerkennungs­
verfahren abdeckt und gleichzeitig die Möglichkeit
bietet, eine begleitende Beschäftigung in einem mit
dem geplanten Beruf zusammenhängenden Bereich
auszuüben64 (siehe III­3.1). Für bestimmte Berufe
besteht eine Sonderregelung, die einen sogenannten
„brain drain“ in sensiblen Bereichen der öffentlichen
Daseinsvorsorge verhindern soll. So darf Gesundheits­
personal aus den 57 Ländern, in denen nach den Fest­
legungen der Weltgesundheitsorganisation selbst ein
Mangel an Personal besteht, in Deutschland nur dann
arbeiten, wenn sich die interessierten Fachkräfte selbst
eine Arbeitsstelle gesucht haben.65

1.4.3 Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge
Die Neufassung der BeschV enthält auch grundlegende
Erleichterungen beim Arbeitsmarktzugang für Asyl­
suchende mit einer Aufenthaltsgestattung und für
Migrantinnen und Migranten mit einer Aufenthalts­
erlaubnis aus völkerrechtlichen, humanitären oder
politischen Gründen. Personen, denen aus humanitä­
ren Gründen eine Aufenthaltserlaubnis (§§ 22 bis 25
AufenthG) erteilt wurde, können jetzt eine uneinge­
schränkte Arbeitserlaubnis erhalten, die die Ausländer­
behörden erteilen. Die bisher notwendige Zustimmung
der BA und die damit verbundene Vorrangprüfung
entfallen.
Auch für Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung
wurde der Arbeitsmarktzugang erleichtert. Die Warte­
frist in § 61 Absatz 2 Asylverfahrensgesetz (AsylVfG)
wurde durch Artikel 1 Nr. 1 des Gesetzes zur Einstufung
weiterer Staaten als sichere Herkunftsstaaten und zur

64		 Gesetzentwurf	der	Bundesregierung	vom	3. Dezember	2014,	BRatDrs 642/14.
65		 Die	Verordnung	zur	Änderung	der	BeschV	vom	7. November	2013	
schließt die Anwerbung und private Arbeitsvermittlung von Gesund­
heitspersonal aus diesen Ländern aus.

44

Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Asylbewerber
und geduldete Ausländer mit Wirkung zum 6. Novem­
ber 2014 von neun auf drei Monate verkürzt.
Nach Ende der dreimonatigen Wartefrist ist im Regel­
fall die Zustimmung der BA notwendig und an das
Vorliegen bestimmter Voraussetzungen geknüpft.66 Al­
lerdings ist auch für Asylbewerberinnen und ­bewerber
der Zugang zu Berufsausbildungen und für Hoch­
qualifizierte zu Beschäftigung nach den Regelungen
der Blauen Karte EU zustimmungsfrei. Für Fachkräfte
nach § 2 BeschV (Hochqualifizierte) oder Fachkräfte in
Engpassberufen (§§ 6 und 8 BeschV) entfällt die Vor­
rangprüfung bereits mit Arbeitsmarktzugang. Für alle
anderen entfällt die Vorrangprüfung nach 15­monati­
gem rechtmäßigem Aufenthalt in Deutschland.
Unabhängig von Staatsangehörigkeit und Aufenthalts­
titel können Flüchtlinge eine im Ausland erworbene
Berufsqualifikation nach dem Anerkennungsgesetz des
Bundes auf Gleichwertigkeit mit der entsprechenden
deutschen Qualifikation prüfen lassen.
Ausdrückliche Intention des Gesetzgebers war es,
durch die Möglichkeit der Anerkennung der auslän­
dischen Berufsqualifikation auch für Flüchtlinge die
Erfolgsaussichten auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen
beziehungsweise bei bundesrechtlich reglementierten
Berufen (wie zum Beispiel Gesundheits­ und Kranken­
pflegerin und -pfleger) einen Zugang zum Arbeitsmarkt
im betreffenden Beruf überhaupt erst zu ermöglichen.
In den „Erläuterungen zum Anerkennungsgesetz“ des
BMBF heißt es hierzu:
„[D]er durch das Arbeitsmigrationssteuerungsgesetz
von 2009 neu eingefügte § 18a AufenthG [ermöglicht es]
Geduldeten, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen,
wenn sie eine ihrem Abschluss entsprechende Beschäfti­
gung finden. Die Eröffnung des Anerkennungsverfahrens
für Geduldete verhilft dieser Vorschrift, die im Interesse
der Sicherung des Fachkräftebedarfs eingeführt wurde, zu
mehr Wirksamkeit.“ (BMBF 2012, S. 16).

66 Zum Beispiel wird bei der Vorrangprüfung festgestellt, ob eine
bestimmte Arbeitnehmerin beziehungsweise ein bestimmter Arbeit­
nehmer für den konkreten Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Bevor­
rechtigt sind insbesondere Deutsche, EU-Bürgerinnen und -Bürger
und sonstige Ausländerinnen und Ausländer, denen aufgrund ihres
Aufenthaltstitels	die	Erwerbstätigkeit	gestattet	ist	(§ 39	Absatz 2	
Nr. 1b	AufenthG).

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Die frühzeitige arbeitsmarktbezogene Unterstützung
für Flüchtlinge ist auch Ziel des Modellprojekts „Jeder
Mensch hat Potenzial – Arbeitsmarktintegration von
Asylbewerberinnen und Asylbewerbern“, das die BA,
das BAMF und das vom Europäischen Sozialfonds
(ESF) geförderte Bundesprogramm „XENOS – Arbeits­
marktrechtliche Unterstützung für Bleibeberechtigte
und Flüchtlinge“ initiiert haben und welches bis Ende
2015 verlängert wurde. Das Projekt verfolgt das Ziel,
frühzeitig Potenziale für den Arbeitsmarkt zu iden­
tifizieren und gezielt Vermittlungsdienstleistungen
bereitzustellen. Nach dem Prinzip „Early Intervention“
können Asylbewerberinnen und Asylbewerber so früh­
zeitig und zugeschnitten auf ihr Qualifikationsprofil
in Prozesse und Maßnahmen der Arbeitsmarktinte­
gration einbezogen werden (siehe II­2.2 und III­5.2.2).
Das Unterstützungsangebot in dem Projekt beinhaltet
auch die Verweisberatung zu Fragen der Anerkennung
im Ausland erworbener Abschlüsse. Um Asylbewerbe­
rinnen beziehungsweise ­bewerber und Geduldete, die
nach Ablauf einer Wartezeit von drei Monaten einen
Arbeitsmarktzugang und damit einen Anspruch auf
Vermittlung67 haben und denen vielfältige Unterstüt­
zungsmöglichkeiten durch die arbeitsmarktpolitischen
Förderinstrumente der Arbeitslosenversicherung
offenstehen, erreichen zu können, werden ergänzend
zum Modellprojekt „Early Intervention“ auch Ansätze
für weniger qualifizierte Asylbewerber mit hoher Blei­
bewahrscheinlichkeit benötigt. Darüber hinaus wird es
auch darauf ankommen, dass der Arbeitsmarktzugang
möglichst vielen Betroffenen durch gemeinnützige
Initiativen ermöglicht wird.
Zur Unterstützung von Flüchtlingen, die keine oder
nicht ausreichend Unterlagen zur Durchführung der
Anerkennungsverfahren vorlegen können, besteht die
Möglichkeit mithilfe von Qualifikationsanalysen die vor­
handenen Kompetenzen nachzuweisen (vgl. Teil III­3.5).

67 Anspruch auf Beratung besteht auch schon während der dreimona­
tigen Wartefrist.

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

1.5 Fazit
In Bund und Ländern sind seit Mitte 2014 mit den
Anerkennungsgesetzen die rechtlichen Grundla­
gen der Anerkennung geschaffen und in der Praxis
etabliert. Zugleich wurden erste Rechtsvorschriften
im Bundes­ und Landesrecht entwickelt oder ange­
passt. Nicht zuletzt wegen neuer Anforderungen der
2013 novellierten EU-Berufsqualifikationsrichtlinie
ist bereits eine Weiterentwicklung der rechtlichen
Grundlagen in Vorbereitung beziehungsweise bereits
im Gesetzgebungsverfahren. Auch wenn die Anpassung
an die Vorgaben der EU­Richtlinie keine grundlegen­
den Änderungen der Anerkennungsregelungen mit
sich bringt, wird zu beobachten sein, wie die neuen
Regelungen in der Praxis aufgegriffen und welche
Auswirkungen sie haben. Insbesondere wird die Praxis
zeigen, wie die zuständigen Stellen mit dem Wegfall
des Schrifterfordernisses bei der Antragsentgegennah­
me umgehen werden und zugleich ihrem Bedarf an
Echtheitsnachweis von Urkunden nachkommen. Auch
die neue Rolle der Einheitlichen Ansprechpartner im
Anerkennungsgeschehen und die Frage, ob und wie sie
die ihnen zugewiesenen Aufgaben erfüllen werden, gilt
es weiter zu verfolgen.
In den letzten drei Jahren hat der Gesetzgeber die
bereits vor 15 Jahren mit der Greencard begonnene
Politik der Erleichterung der Fachkräftezuwande­
rung (vgl. SVR 2014b, S. 72 f.) auch auf die Fachkräfte
im mittleren Qualifikationsniveau erweitert und mit
den neuen Möglichkeiten des Anerkennungsgesetzes
verknüpft. Demnach ist die Anerkennung des auslän­
dischen Berufsabschlusses in bestimmten Konstellatio­
nen Voraussetzung für ein Einreisevisum oder einen
Aufenthaltstitel. Hierfür muss die Antragsberechtigung
vom Aufenthaltsstatus losgelöst sein. Wie in den empi­
rischen Untersuchungen und Rückmeldungen aus der
Praxis deutlich wurde, sind jedoch noch Umsetzungs­
defizite in der Praxis zu beobachten, insbesondere
hinsichtlich der Anträge aus dem Ausland (siehe III­3.1)
und hinsichtlich des Zeitpunktes der Feststellung der
Sprachkenntnisse (siehe III­3.8). Gemeinsame Aufgabe
aller Beteiligten sollte es sein, vor allem auch vor dem
Hintergrund der notwendigen Sicherung des Fach­
kräftebedarfs, Umsetzungsdefizite zu beseitigen und
damit die Attraktivität Deutschlands für ausländische
Fachkräfte zu erhöhen.

45

46

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

2. Akteure im Anerkennungsprozess


Übergreifende Aspekte (rechtliche Grundlagen & Akteure)

Zielgruppe

Information &
Beratung

Verfahren

Im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz wurden
anhand der drei Phasen Orientierung, Vollzug und Ver­
wertung die Akteure, die an unterschiedlichen Stellen
des Anerkennungsprozesses relevant sind, sowie deren
Aufgaben und Funktionen dargestellt. Im vorliegenden
Bericht liegt der Blick vor allem auf den Akteuren und
deren teilweise neuen und/oder erweiterten Aufgaben­
bereichen. Konkrete Inhalte und Abläufe von Informa­
tion, Beratung und Verfahren werden in Teil III des
Berichts näher beleuchtet.
Wie bereits im ersten Bericht dargestellt, übernehmen
einige Akteure Aufgaben in mehreren Phasen. So bieten
beispielweise die Handwerkskammern (HWKn) Bera­
tungen an, führen aber auch die Verfahren durch und
unterstützen bei einer möglichen Anpassungsqualifi­
zierung. Im Vergleich zum ersten Jahr der Umsetzung
des Anerkennungsgesetzes zeigt sich, dass Angebote
von verschiedenen Akteuren ganzheitlicher angelegt
sind. So bieten die IQ­Erstanlaufstellen im Rahmen der
Anerkennung nicht mehr ausschließlich Erstberatun­
gen zur Anerkennung an, sondern führen seit 1. Januar
2015 auch Qualifizierungsberatungen durch.

2.1 Bündelungen von Zuständigkeiten für
die Gleichwertigkeitsprüfung
Zuständigkeit im Bereich Industrie und Handel
Die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) führt als eigen­
ständige Körperschaft des öffentlichen Rechts für 77
von 80 Industrie­ und Handelskammern (IHKn) die
Gleichwertigkeitsprüfung für die Berufe durch, die
durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt sind.

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

Nur die Kammern Wuppertal­Solingen­Remscheid,
Hannover und Braunschweig beteiligen sich nicht,
wobei die IHK Braunschweig die Aufgaben nach dem
BQFG auf die IHK Hannover übertragen hat (vgl. Erbe
u. a. 2014, S. 32).
Alle Industrie­ und Handelskammern bieten Antrags­
interessierten eine Einstiegsberatung vor Ort an. Die
Bearbeitung des Antrags übernimmt bei den 77 Indus­
trie­ und Handelskammern die IHK FOSA. Für Bera­
tungen zu möglichen Anpassungsqualifizierungen oder
auch für die Durchführung von Qualifikationsanalysen
nach § 14 BQFG sind die regionalen Industrie- und
Handelskammern zuständig.

Zuständigkeit im Bereich Handwerk
Im Handwerk sind die Vor­Ort­Kammern für alle
Aufgaben rund um das Anerkennungsgesetz zuständig:
Sie beraten im Vorfeld und prüfen die Gleichwertigkeit.
Ebenfalls führen sie Qualifikationsanalysen nach § 14
BQFG durch und unterstützen die Organisation und
Durchführung von Anpassungslehrgängen. Um trotz
des dezentralen Ansatzes einen möglichst einheitlichen
Vollzug zu gewährleisten, wurde das Leitkammer­
system installiert, ein auf Freiwilligkeit basierendes,
arbeitsteiliges Vorgehen der Handwerkskammern. Die
Leitkammern bündeln dabei die Expertise zu bestimm­
ten Herkunftsländern und übernehmen auf Antrag ei­
ner Vor­Ort­Handwerkskammer die Gleichwertigkeits­
prüfung. Für die abschließende Beurteilung und damit
auch für die Bescheiderteilung bleibt die Vor­Ort­HWK
zuständig (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 32).

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

Zuständigkeitsbündelungen bei Kammern
der Freien Berufe
Seit dem ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz hat
zusätzlich die Landessteuerberaterkammer Thüringen
ihre Zuständigkeit nach dem BQFG für das Berufsbild
der Steuerfachangestellten auf die Steuerberaterkam­
mer Niedersachsen übertragen, die damit derzeit für
insgesamt elf Landessteuerberaterkammern die Gleich­
wertigkeitsprüfung durchführt.
Die Zahnärztekammer Westfalen­Lippe führt weiter­
hin für 14 Landeszahnärztekammern die Gleichwertig­
keitsprüfung für das Berufsbild der zahnmedizinischen
Fachangestellten durch.
Für die Anerkennungsverfahren für medizinische Fach­
angestellte gibt es eine Bündelung bei der Ärztekammer
Westfalen­Lippe, die für elf Landesärztekammern die
Verfahren übernimmt.
14 Apothekerkammern haben ihre Zuständigkeit nach
BQFG für das Berufsbild der pharmazeutisch­kaufmän­
nischen Angestellten auf die Landesapothekerkammer
Brandenburg übertragen.
Im Bereich der Landwirtschaft gab es seit der Ver­
abschiedung des BQFG bislang keine überregional
relevanten Empfehlungen oder Entscheidungen der
zuständigen Stellen. Gleichwertigkeitsfeststellungen
werden von den einzelnen zuständigen Stellen vorge­
nommen, und es gibt dafür keine überregional geregel­
ten Verfahren.

2.2 Informations- und Beratungsangebote68
„Anerkennung in Deutschland“ – das Portal der
Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen69
Die mehrsprachige Website „Anerkennung in Deutsch­
land“ informiert im Auftrag des BMBF seit April 2012
über die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüs­

68 Im Kapitel wird sich um Vollständigkeit bemüht, diese kann aber
nicht garantiert werden.
69	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S. 28.

47

se.70 Hauptdienstleistung des Portals ist das Online­
Tool „Anerkennungs­Finder“, welches die Recherche
des deutschen Referenzberufes ermöglicht, berufsspe­
zifische Informationen zum Anerkennungsverfahren
anbietet, die gesetzlichen Grundlagen nennt und –
abhängig vom gewünschten Arbeitsort – die für die An­
erkennung zuständige Stelle anzeigt. Diese komplexe
Dienstleistung ist das Alleinstellungsmerkmal des „An­
erkennungs­Finders“, dessen Datenbank zurzeit über
700 Berufsprofile und rund 1.500 Adressdatensätze der
zuständigen Stellen umfasst. Für die Qualitätssicherung
des Adressbestands und der Berufezuständigkeiten
sorgt dabei die sogenannte „Aktualisierungsroutine“ 71,
in die alle relevanten Akteure einbezogen werden.
(Haupt­)Zielgruppe des Portals sind interessierte
Fachkräfte mit einer ausländischen Berufsqualifikation,
es unterstützt aber auch Mitarbeiterinnen und Mitar­
beiter in Anerkennungsberatungsstellen, Jobcentern
oder Arbeitsagenturen in ihrer täglichen Arbeit. Es
bündelt alle Informationen zu rechtlichen Grundlagen
der Anerkennungsverfahren. Im „Profi-Filter“ können
Beratungsfachkräfte nach zuständigen Stellen und
Berufen suchen. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des Förderprogramms „Integration durch Qualifizie­
rung (IQ)“ hält das Portal ein Forum für die Anerken­
nungsberatung bereit.
Nachdem das Portal im Juli 2012 auf Englisch online
gegangen ist, stehen seit Mitte 2014 die wichtigsten
Informationsseiten auf Italienisch, Polnisch, Rumänisch,
Spanisch und Türkisch zur Verfügung, im März 2015
kam eine griechische Portalversion hinzu. Damit werden
die Informationen in insgesamt acht Sprachen angebo­
ten (zur Entwicklung der Zugriffszahlen siehe III­1.1.1).

70	 Das	BMBF	hat	das	BIBB	mit	der	Herausgabe	dieses	offiziellen	
Informationsportals zum Anerkennungsgesetz des Bundes betraut.
Das	Projekt	wurde	in	der	ersten	Projektphase	von	2011	bis	2014	im	
Rahmen	des	Förderprogramms	„Integration	durch	Qualifizierung	
(IQ)“	finanziert.	In	der	zweiten	Projektphase	2015	bis	2018	ist	das	
BMBF alleiniger Mittelgeber.
71 Zwischen den Ländern wurde insbesondere mit Beschluss der AG
Koordinierende	Ressorts	der	Länder	vom	19.	April	2012	ein	Melde­
verfahren für die Aktualisierung der Daten der für die Anerkennung
zuständigen Stellen vereinbart, um die Aktualität und Richtigkeit des
Datenbestands zu gewährleisten, der Grundlage ist für die Erhebung
der Statistik nach § 17 BQFG und den entsprechenden Regelungen
in den Ländergesetzen sowie für die Zuständigkeitsnachweise in
der Datenbank anabin der ZAB und dem Anerkennungsportal www.
anerkennung-in-deutschland.de des Bundes. Die Aufgabe der Be­
treuung und Durchführung der Aktualisierung wurde seit 15. Sep­
tember	2012	dem	BIBB	übertragen.

48

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Neben der kontinuierlichen Bekanntmachung des Por­
tals bei Anerkennungsinteressierten im Inland wurden
in 2014 erstmals gezielte Maßnahmen zur Bekanntma­
chung des Portals im Ausland gestartet. Die Aktivitäten
finden statt in den Pilotländern Italien, Polen, Rumä­
nien, Spanien, Türkei sowie allgemein international
(dort nur online). Schwerpunkt der Aktivitäten ist die
Zusammenarbeit mit Multiplikatoren, die vor Ort Aus­
wandererinnen und Auswanderer beraten. Bei seinen
Auslandsaktivitäten kooperiert das Projekt mit dem
Willkommensportal „Make it in Germany“, welches
Informationen zum Arbeiten und Leben in Deutsch­
land bereitstellt.

YY Weitere Informationen:

www.anerkennung-in-deutschland.de

BQ-Portal
Das BQ-Portal, finanziert durch das Bundesministe­
rium für Wirtschaft und Energie (BMWi), unterstützt
zuständige Stellen und Arbeitgeber bei der Bewertung
ausländischer Berufsabschlüsse mit umfassenden Infor­
mationen zu ausländischen Berufsqualifikationen und
Berufsbildungssystemen mit dem Ziel zu Transparenz
und Einheitlichkeit beizutragen. Die Länder­ und Berufs­
profile (für anerkannte Ausbildungsberufe laut BBiG/
Handwerksordnung (HwO) und korrespondierende
Fortbildungsberufe) werden vom Institut der deutschen
Wirtschaft Köln (IW Köln) erstellt und in den öffentli­
chen Bereich des BQ­Portals eingestellt.72 Die Kammern
können Berufsprofile in diesen sowie Ergebnisse ihrer
Gleichwertigkeitsprüfungen selbst in den internen
Bereich des Portals eintragen. Letzterer dient insofern
insbesondere als Arbeitsinstrument der zuständigen
Kammermitarbeitenden. Das BQ­Portal wird kontinu­
ierlich weiterentwickelt. So werden die Nutzerinnen und
Nutzer seit Februar 2014 automatisch benachrichtigt,
sobald ein neuer Inhalt im Portal angelegt wird. Zudem
wurde das Navigieren zu einem gewünschten Länder­
profil durch das Einbinden einer Weltkarte vereinfacht.
Auch für Unternehmen sind 2014 weitere Unterstüt­
zungsangebote hinzugekommen, wie zum Beispiel
eine Orientierungshilfe zum Einschätzen ausländischer
Berufsqualifikationen sowie die Möglichkeit Inhalte

72	 Von	September	2012	bis	Mai	2014	unterstützte	das	BIBB	die	Erstel­
lung	der	Länder-	und	Berufsprofile.

ausländischer Berufsqualifikationen direkt als PDFDokument herunterzuladen. Das BQ­Portal wird derzeit
vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
(BAFA) im Auftrag des BMWi evaluiert (Evaluierungszeit­
raum: März 2012 bis Dezember 2014). Bis Mai 2015 sind
weitere Erhebungsschritte geplant. Der Endbericht soll
spätestens im September 2015 vorliegen.

YY Weitere Informationen: www.bq-portal.de
Internetportal „Make it in Germany“
„Make it in Germany“ ist das mehrsprachige Will­
kommensportal für internationale Fachkräfte. Es wird
vom BMWi umgesetzt. Das Portal informiert über das
Thema Anerkennung ausländischer Berufsqualifikatio­
nen hinaus alle zuwanderungsinteressierten Fachkräfte
über ihre Karrierechancen und zeigt, wie sie erfolgreich
ihren Weg nach Deutschland gestalten können und
warum es sich lohnt, hier zu arbeiten und zu leben.
Das Willkommensportal enthält aktuelle Jobangebo­
te in Engpassberufen und Informationen darüber, in
welchen Branchen Fachkräfte gesucht werden. Zudem
stellen sich internationale Fachkräfte vor, die bereits
hierzulande erfolgreich Karriere machen. Arbeitgeber
in Deutschland erhalten Tipps bei der Rekrutierung
internationaler Fachkräfte. Eine Fortführung und
Weiterentwicklung des Willkommensportals wird der­
zeit umgesetzt. Neben der deutschen und englischen
Version werden die Informationen in Kürze auch auf
Spanisch abrufbar sein. Kurze Informationen stehen
derzeit bereits in den Landessprachen für Vietnam,
Indien, Indonesien, Russland, Serbien, Italien sowie
für spanisch­ und portugiesischsprachige Länder zur
Verfügung. Das Portal flankiert die Maßnahmen der
Bundesregierung, die eine offene Willkommenskultur
und gezielte Zuwanderung von Fachkräften fördern.

YY Weitere Informationen:

www.make-it-in-germany.com

Telefon-Hotline „Arbeiten und Leben in
Deutschland“
Am 1. Dezember 2014 wurde die Anerkennungs-Hotline
des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
zur „Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland“
ausgeweitet. Die neue deutsch­ und englischsprachige

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

Telefon­Hotline bietet ein umfassendes Angebot zu Fra­
gen der Zuwanderung und Integration. Zugewanderte
und zuwanderungsinteressierte Fachkräfte, Studierende
und Auszubildende erhalten eine persönliche Beratung
zu den Themen Arbeitssuche, Anerkennung ausländi­
scher Berufsabschlüsse, Einreise und Aufenthalt sowie
Deutsch lernen. Sie ist eine Maßnahme im Rahmen der
Demografiestrategie der Bundesregierung. Das BAMF
und die Zentrale Auslands­ und Fachvermittlung (ZAV)
der BA haben hierfür ihre bestehenden Hotlines im
Rahmen einer ressortübergreifenden Kooperation zwi­
schen dem BMBF, dem Bundesministerium des Innern
(BMI), dem BMWi und der BA zusammengeschlossen.
Die Telefon­Hotline begleitet die bestehenden Infor­
mationsangebote von www.make-it-in-germany.com,
www.anerkennung-in-deutschland.de, www.bamf.de,
www.arbeitsagentur.de und www.zav.de.

YY Weitere Informationen:

www.make-it-in-germany.com/hotline

Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen
(ZAB)
Die ZAB der Kultusministerkonferenz (KMK) ist das
Kompetenzzentrum der Länder zur Anerkennung
ausländischer Bildungsnachweise. Die Kernaufgaben
sind die Beobachtung, Analyse und Bewertung aus­
ländischer Bildungssysteme sowie die Dokumentation
und Veröffentlichung dieser Informationen auf dem
Internetportal anabin (http://anabin.kmk.org)73
zur Nutzung für Behörden und Privatpersonen. Auf
Anfrage von zuständigen Behörden erstellt die ZAB
Gutachten ausländischer Bildungsnachweise. Auf
Anfrage von Privatpersonen stellt die ZAB Zeugnis­
bewertungen für ausländische Hochschulabschlüsse
nach dem Lissabonner Anerkennungsübereinkommen
weltweit aus. Die ZAB ist zudem Nationale Infor­
mationsstelle für die Berufsanerkennungsrichtlinie
2005/36/EG (Informationen über Zuständigkeiten
und Verfahren, Empfehlungen zur Anwendung der
Richtlinie für Länderbehörden). Seit Inkrafttreten der
Anerkennungsgesetze hat die ZAB neue Aufgaben
übernommen, die aus den Anerkennungsgesetzen
von Bund und Ländern resultieren: die Begutachtung

73 Die Datenbank anabin (http://anabin.kmk.org/) stellt Informationen
zur	Bewertung	von	ausländischen	Bildungsnachweisen	zu	über	180	
Ländern und deren Bildungsinstitutionen und Abschlüssen bereit.

49

von Drittstaatsqualifikationen für die zuständigen
Anerkennungsstellen der Länder sowie die Ausstel­
lung von Gleichwertigkeitsbescheiden für einige nicht
reglementierte landesrechtlich geregelte schulische
Berufe, deren Zuständigkeit von den Ländern Baden­
Württemberg, Berlin und Niedersachsen an die ZAB
übertragen wurden.
Auf Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz soll
in Abstimmung mit der Kultusministerkonferenz eine
länderübergreifende Gutachtenstelle für Gesundheits­
berufe (akademische Heilberufe und Gesundheits­
fachberufe) errichtet werden. Derzeit wird das dazu
erarbeitete Konzept in den beteiligten Fachminister­
konferenzen beraten.

YY Weitere Informationen:

http://www.kmk.org/zab/unsere-aufgaben.html

Förderprogramm	Integration	durch	Qualifizierung	
(IQ)
Bundesweit gibt es im Rahmen des Förderprogramms
„Integration durch Qualifizierung (IQ)“ bereits seit
der vergangenen Förderphase (2011 bis 2014) rund
70 IQ­Erstanlaufstellen für die Anerkennung aus­
ländischer Berufsqualifikationen. Zielgruppe sind
Personen mit ausländischen Berufsabschlüssen und
anfragende Multiplikatoren und Betriebe (vgl. Erbe u. a.
2014, S. 29). Das Förderprogramm IQ wird durch das
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
in enger Kooperation mit dem BMBF und der BA seit
dem 1. Januar 2015 um den Handlungsschwerpunkt
„Qualifizierungsmaßnahmen im Kontext des Anerken­
nungsgesetzes“ weiterentwickelt und ausgebaut. Die
Erweiterung des bundesweiten Förderprogramms IQ
erfolgt im Rahmen der neuen ESF­Förderphase (2014
bis 2020). Die Finanzierung des Programms für die
Handlungsschwerpunkte 1 (Anerkennungs­ und Quali­
fizierungsberatung) und 2 (Entwicklung von Qualifizie­
rungsmaßnahmen) erfolgt mit Mitteln des BMAS sowie
des ESF, der Handlungsschwerpunkt 3 (Interkulturelle
Öffnung) wird ausschließlich aus nationalen Mitteln
des BMAS finanziert.
Ziel der neuen Förderrichtlinie ist es, Personen mit
Migrationshintergrund zu den erforderlichen Quali­
fizierungen zu verhelfen, die zur vollen Anerkennung

50

ihrer ausländischen Berufsqualifikationen benötigt
werden oder die eine berufsbildungsadäquate Er­
werbstätigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
ermöglichen. Aufgaben sind insbesondere: der Ausbau
der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung,
Entwicklung von Qualifizierungsmaßnahmen bei
reglementierten Berufen sowie von Anpassungsquali­
fizierungen im Bereich des dualen Systems, Brücken­
maßnahmen für Akademikerinnen und Akademiker
sowie Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Exter­
nenprüfung bei negativem Ausgang oder negativer
Prognose des Anerkennungsverfahrens. Vor allem
zwei Handlungsschwerpunkte (HSP) sind im Anerken­
nungsprozess relevant: HSP 1 „Anerkennungs­ und
Qualifizierungsberatung“, in dem 95 IQ-Teilprojekte74
aktiv werden, sowie HSP 2 „Entwicklung von Qualifi­
zierungsmaßnahmen“, in dessen Rahmen 146 IQ­
Teilprojekte bundesweit gefördert werden (siehe dazu
III­5.2.2).75

YY Weitere Informationen: http://www.netzwerk-iq.de
Prototyping Transfer: Berufsanerkennung mit
Qualifikationsanalysen
Von August 2011 bis Januar 2014 wurden im Rahmen
eines vom BMBF geförderten Verbundprojektes zur
Entwicklung von Qualifikationsanalysen (Projekt
Prototyping) Standards und Materialien für geeignete
Verfahren zur Feststellung beruflicher Handlungskom­
petenzen im Rahmen des § 14 BQFG erarbeitet (vgl.
Erbe u. a., S. 30).76

74	 23 dieser Projekte führen ausschließlich Anerkennungsberatung
durch	und	29	ausschließlich	Qualifizierungsberatung.	46	Projekte	
sind	sowohl	für	die	Anerkennungs-	als	auch	die	Qualifizierungsbera­
tung zuständig.
Hinweis: Die Summe der angegebenen Zahlen (98) übersteigt das im
Text genannte „n“ (95) um drei Teilprojekte. Dies lässt sich dadurch
erklären,	dass	eine	zweifache	Nennung	möglich	war.	Davon	haben	
drei TP im LNW Bayern Gebrauch gemacht, die sowohl Anerken­
nungsberatung	als	auch	Qualifizierungsberatung	anbieten,	jedoch	
als getrennte Leistungen.
75 Das IQ Multiplikatoren-Projekt Transfer (MUT) organisiert auf
Bundesebene	das	Förderprogramm	IQ.	Vgl.	http://www.netzwerk-iq.
de/netzwerk-iq.html	(Abruf:	10.	April	2015).	
76	 Die Projektergebnisse umfassen die Darstellung von Musterverfah­
ren, Empfehlungen an die zuständigen Stellen inklusive Arbeitsma­
terialien wie zum Beispiel Checklisten, Merkblätter und Muster­
aufgaben sowie ein Schulungskonzept. Weitere Informationen zu
den Ergebnissen des Projekts unter: http://www.handwerk-nrw.
de/aus-und-weiterbildung/initiativen-des-whkt/prototyping.html,
Abruf:	18. März	2015.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Nach Ende des Projektes ergibt sich ein sehr wichti­
ger Handlungs­ und Transferbedarf, da bisher kaum
zuständige Stellen die Qualifikationsanalysen syste­
matisch anbieten und nur wenige Menschen die Qua­
lifikationsanalysen nutzen. Eine wichtige Zielgruppe
sind Flüchtlinge, die aufgrund fehlender Dokumente
ihre Qualifikationen auf diesem Wege nachweisen
können. Deshalb sollen im Rahmen eines Transfer­
projektes die modellhaft entwickelten Instrumente
und Verfahren bundesweit zugänglich gemacht und
Kammern bei Bedarf bei der Implementierung der
Verfahren unterstützt werden. Es werden nicht nur
die notwendigen Arbeitshilfen zur Verfügung gestellt
und weiterentwickelt, sondern es sind auch finanzielle
Mittel zur Finanzierung der Qualifikationsanalysen
in besonderen Härtefällen vorgesehen. Das Transfer­
projekt ist zum 1. Januar 2015 mit einer Laufzeit von
drei Jahren gestartet. Am Projekt sind Kammern aus
Industrie und Handel sowie dem Handwerk beteiligt,
die Koordination erfolgt durch das Bundesinstitut für
Berufsbildung (BIBB).

YY Weitere Informationen: www.anerkennung-in­
deutschland.de/qualifikationsanalyse

Arbeitsverwaltung (Agenturen für Arbeit
und Jobcenter)
Die Agenturen für Arbeit und Jobcenter77 bieten Ar­
beitsmarkt­ und Berufsberatung für Arbeitgeber sowie
für junge Menschen und Erwachsene an. Für Agen­
turen für Arbeit und die Jobcenter in gemeinsamer
Einrichtung werden Kunden mit im Ausland erwor­
benen Qualifikationen in das Profiling im Rahmen des
4­Phasen­Modells der Integrationsarbeit einbezogen.
Dabei ist insbesondere interessant, inwieweit die im
Ausland erworbene Qualifikation auf dem deutschen
Arbeitsmarkt verwertbar ist. Im Sprachgebrauch der
Agenturen für Arbeit und der Jobcenter in gemeinsa­
mer Einrichtung wird dies als Arbeitsmarktberatung
mit Bezug zur Anerkennung des ausländischen Ab­
schlusses bezeichnet (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 29). Konkret
haben die Beraterinnen und Berater der Agenturen für

77	 Neben	den	303	Jobcentern	in	gemeinsamer	Einrichtung,	die	von	den	
Agenturen für Arbeit vor Ort mit kreisfreien Städten beziehungswei­
se Landkreisen gebildet worden sind, und 156 Agenturen für Arbeit
übernehmen	zusätzlich	106	Kommunen	die	Arbeit	der	Jobcenter	
(zugelassene kommunale Träger).

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

51

Arbeit und der Jobcenter die Aufgabe, die ausbildungs­
adäquaten Integrationschancen in den deutschen Ar­
beitsmarkt auf Grundlage der im Ausland erworbenen
Qualifikation (mit/ohne Anerkennung) einzuschätzen
und gegebenenfalls Hinweise auf die für die Anerken­
nung zuständige Stelle (inkl. Vorklärung des möglichen
deutschen Referenzberufs) zu geben.

Projekt „Anerkannt – Anerkennung von im Ausland
erworbenen	Qualifikationen	in	der	Arbeitswelt	
durch Arbeitnehmendenvertretungen fördern“ des
Gemeinnützigen Bildungswerks des Deutschen
Gewerkschaftsbundes	e.V.	(Laufzeit:	1. Januar	2014	
bis	31. Dezember	2015)

YY Weitere Informationen:

Mit dem vom BMBF geförderten Projekt „Anerkannt“
sollen die Möglichkeiten, die eine formale Anerken­
nung der Berufsqualifikationen bietet, insbesondere
bei Betriebs­ und Personalräten, Jugend­ und Auszu­

bildendenvertretungen und Vertrauenspersonen etc.

verbreitet werden. Es soll eine Anerkennungskultur 

in Betrieben geschaffen und unterstützt werden. Um 

diese Ziele zu erreichen, übernimmt das Projekt insbe­

sondere die folgenden Aufgaben:

 Entwicklung einer Ausbildung zur „betrieblichen 

Fachkraft Anerkennung“,
	 Ausbildung von Arbeitnehmendenvertretungen
zu Mittlern zwischen Beschäftigten und Anerken­
nungsstellen,
	 Angebote von Fachgesprächen als Austausch von
Multiplikatoren sowie Expertinnen und Experten
aus Politik, Wissenschaft und Praxis,
	 Durchführung von handlungsorientierten Work­
shops für betriebliche Akteure und Interessierte aus
unterschiedlichen Netzwerken und Institutionen.

http://www.anerkennung-in-deutschland.de/
html/de/arbeitsvermittler.php

Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
(MBE)
Die über 700 Beratungsstellen der MBE, die vom
BMI finanziert werden und für deren Durchführung
das BAMF zuständig ist, bieten Beratung für (Neu­)
Zugewanderte an. Ziel ist es, den Integrationsprozess zu
fördern und zu begleiten, um hierdurch Zuwanderin­
nen und Zuwanderer zu selbstständigem Handeln in
allen Angelegenheiten des täglichen Lebens zu befähi­
gen.78 Die Personen werden dabei an die bestehenden
themenspezifischen Unterstützungs- und Beratungs­
angebote herangeführt. Die Umsetzung der MBE wird
durch die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege
(Arbeiterwohlfahrt, Deutscher Caritasverband, Deut­
scher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Deutsches
Rotes Kreuz, Diakonisches Werk der EKD, Zentralwohl­
fahrtsstelle der Juden in Deutschland) sowie durch den
Bund der Vertriebenen gewährleistet. Es handelt sich
um ein zeitlich befristetes, bedarfsorientiertes, indivi­
duelles Grundberatungsangebot. Zuwanderinnen und
Zuwanderer können die MBE höchstens drei Jahre lang
in Anspruch nehmen.

YY Weitere Informationen: http://www.bamf.de/DE/

Willkommen/InformationBeratung/Erwachsene
Beratung/erwachseneberatung-node.html

78	 Das	Angebot	der	MBE	richtet	sich	an	Personen	über	27	Jahren.	Die	
Migrationsberatung der jugendlichen und jungen erwachsenen
Zuwandererinnen und Zuwanderer bis zum 27. Lebensjahr führen
die	über	420	Jugendmigrationsdienste	(JMD)	durch.

YY Weitere Informationen und Ergebnisse aus dem
Projekt:
www.migration-online.de/dossier_anerkannt

Modellprojekt: „Jeder Mensch hat Potenzial –
Arbeitsmarktintegration von Asylbewerberinnen
und Asylbewerbern“ der BA
Die BA, das BAMF und das BMAS (insbesondere das
vom ESF geförderte Netzwerk des Bundesprogramms
„XENOS – Arbeitsmarktliche Unterstützung für Blei­
beberechtigte und Flüchtlinge“) haben gemeinsam
ein Modellprojekt zur Arbeitsmarktintegration von
Asylbewerberinnen und Asylbewerbern in Deutsch­
land initiiert. Ziel des Projekts ist es, frühzeitig Poten­
ziale für den Arbeitsmarkt zu identifizieren und gezielt
Vermittlungsdienstleistungen bereitzustellen. Nach
dem Prinzip „Early Intervention“ können Asylbewer­
berinnen und Asylbewerber so frühzeitig und zuge­
schnitten auf ihr Qualifikationsprofil in Prozesse und

52

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration einbezogen
werden (vgl. III­5.2.2). Weitere Projektziele sind es, erste
Erfahrungen mit einer frühzeitigen Betreuung der
Asylantragstellenden zu gewinnen, Kenntnisse über
mögliche Hürden im Hinblick auf einen erfolgreichen
Arbeitsmarktzugang zu sammeln und Strategien für
eine nachhaltige Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ent­
wickeln.
Das Modellprojekt wurde vorerst im Zeitraum von
Januar bis Dezember 2014 an den sechs Modellstand­
orten Augsburg, Bremen, Dresden, Freiburg, Hamburg
und Köln durchgeführt und durch das Institut für
Arbeitsmarkt­ und Berufsforschung (IAB) mit einer
Evaluation begleitet. Der Verwaltungsrat der BA hat
am 26. September 2014 die Weiterführung des Modell­
projekts bis Ende 2015 beschlossen. Zudem wird das
Projekt auf drei neue Standorte (Berlin, Ludwigshafen
und Hannover) ausgeweitet.

YY Weitere Informationen:

www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/
DE/2014/20140403-mensch-potenzial.html und
www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Presse/
Presseinformationen/Sonstiges/Detail/index.htm
?dfContentId=L6019022DSTBAI686796

2.3 Vernetzung der Akteure
Eine sinnvolle und zielgerichtete Vernetzung der un­
terschiedlichen Akteure ist eine grundlegende Voraus­
setzung für eine schnelle und gelungene Umsetzung
des Anerkennungsgesetzes und der anschließenden
erfolgreichen Integration der Zielgruppe in den Ar­
beitsmarkt. Dazu gehört sowohl die Kommunikation
zwischen den Akteuren als auch die Abstimmung der
Informations­ und Beratungsangebote.
Wie bei einem Arbeitstreffen Ende 2014 bekräftigt wur­
de, werden aus diesem Grund die Portale „Anerken­
nung in Deutschland“, „BQ­Portal“ und „anabin“ ihre
Angebote künftig noch besser aufeinander abstimmen.
Dabei sollen die unterschiedlichen Profile der Portale
stärker betont werden, um mögliche Verwirrungen vor
allem bei Multiplikatoren zu vermeiden. „Anerkennung
in Deutschland“ soll unter anderem als allgemeiner
Einstieg ins Thema und Wegweiser fungieren, während
das BQ­Portal und anabin als Fachportale ein spezi­

fisches Unterstützungsangebot für die zuständigen
Anerkennungsstellen und ­behörden sowie Informa­
tionen für bestimmte Zielgruppen bereithalten.
Das Förderprogramm IQ ist mit 16 Landesnetzwerken
in allen 16 Ländern aktiv. Denn eine weitere zentrale
Aufgabe von IQ ist die Verzahnung der auf die Ar­
beitsmarktintegration von Migrantinnen und Mig­
ranten gerichteten Unterstützungsleistungen in der
Region im Sinne einer „Prozesskette der beruflichen
Integration“.79 Dieses Modell sieht die arbeitsteilige
Zusammenarbeit unterschiedlicher lokaler Akteure
in den Regionen vor. Ziel ist dabei, Menschen mit
Migrationshintergrund so zu unterstützen, dass sie
notwendige und passgenaue Unterstützung erhalten,
damit die berufliche Integration in den Arbeitsmarkt
gelingt. Aus diesem Grund bieten die Landesnetzwerke
unter anderem spezifische Schulungsangebote schwer­
punktmäßig für Fachkräfte der Arbeitsverwaltung
und von Beratungseinrichtungen (zum Beispiel MBE)
an. Die durchgeführte standardisierte Befragung80
von Jobcentern und MBE ergibt, dass 48 Prozent der
Jobcenter und 53 Prozent der MBE bereits an einer
Schulung durch das IQ­Netzwerk zum Thema Aner­
kennung teilgenommen haben.81 Die Evaluation des
Förderprogramms IQ82 stellt außerdem fest, dass die
Anerkennungsberatung der IQ­Beratungsstellen den
Integrationskräften sehr helfe und damit in vielen
Ämtern einen Bedarf bediene (Univation 2014, S. 12).
Entsprechend der Aufgabenteilung, die zwischen den
beteiligten Institutionen und den Ministerien abge­
stimmt wurde, verweisen Agenturen für Arbeit und
Jobcenter bei Bedarf Kundinnen und Kunden zur
vertieften Anerkennungsberatung an die regionale IQ­
Beratungsstelle, die eine Einschätzung hinsichtlich des
Ausgangs eines Anerkennungsverfahrens abgibt. Die
BA hat alle relevanten Informationen zum Anerken­
nungsgesetz – auch Vernetzungsmöglichkeiten und
Schnittstellen – für die Arbeitsvermittlerinnen und

79		 Vgl.	http://www.iq-netzwerk-sh.de/das-iq-modell-beruflicherintegration/vernetzung-der-angebote-die-iq-prozesskette (Abruf:
18. März	2015).
80 Vgl. Datensatzbeschreibung im Anhang A2.
81	 Mehrfachantworten	möglich.	Die	Prozentangaben	beziehen	sich	nur	
auf	die	Jobcenter	(n	=	136)	beziehungsweise	MBE	(n	=	200),	die	diese	
Frage beantwortet haben.
82	 Die	Evaluation	des	Förderprogramms	IQ	wurde	von	Univation	–	
Institut	für	Evaluation	im	Zeitraum	Sommer/Herbst	2014	durchge­
führt.

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS

53

­vermittler in der Handlungsempfehlung und Ge­
schäftsanweiseung (HEGA) der BA HEGA 03/2012 –1783
zusammengestellt. Auch viele MBE verfahren nach
diesem Muster im Rahmen ihres Case Managements
und verweisen zur Anerkennungsberatung an die
IQ­Beratungsstellen.84 Insgesamt bescheinigen die
Ergebnisse der Evaluation von IQ den angebotenen
regionalen Vernetzungsmöglichkeiten (unter anderem
durch Schulungen zum Thema Anerkennung, Diversi­
ty/interkulturelle Öffnung) eine positive Wirkung für
die Integration von Migrantinnen und Migranten in
Gesellschaft und Arbeitsmarkt (Univation 2014, S. 20).

aussichten der Verfahren einschätzen zu lassen. Ein
regelmäßiger Austausch mit Beraterinnen und Bera­
tern, Fallbearbeiterinnen und Fallbearbeitern, Sachbear­
beiterinnen und Sachbearbeitern aus anderen Einrich­
tungen spielt eine geringere Rolle: Rund 29 Prozent der
befragten Jobcenter geben an, einen solchen Austausch
zum Thema Anerkennung mit anderen Einrichtungen
zu betreiben. Auch rund 39 Prozent der MBE nehmen
an regelmäßigen Austauschtreffen teil. Etwa 62 Prozent
der befragten MBE und auch der befragten Jobcenter
verteilen Informationsmaterialien anderer Einrichtun­
gen an Anerkennungsinteressierte.

Die Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“85 hat im
Dezember 2014 eine Abfrage zur Zusammenarbeit mit
den zuständigen Stellen auf Landesebene durchgeführt,
die zeigt, dass eine gute Kooperation der IQ­Landes­
netzwerke und den zuständigen Stellen in den Ländern
ein wichtiges Ziel im Förderprogramm IQ darstellt. Die
Zusammenarbeit hat in den letzten Jahren kontinuier­
lich zugenommen und funktioniert größtenteils, auch
wenn es regionale Unterschiede gibt. Eine Intensivie­
rung der Zusammenarbeit wird als besonders nützlich
für die Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und
Migranten angesehen.

Die Länderbehörden, die für die Anerkennung der Ärz­
tinnen und Ärzte, der Apothekerinnen und Apotheker,
der Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie der Gesund­
heits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger zustän­
dig sind, wurden nach der Relevanz des Austausches
beziehungsweise der Kooperationen zwischen den
Behörden befragt. Von den 38 befragten Stellen halten
13 solche Kontakte für wichtig und 17 für eher wichtig.
Acht Länderbehörden finden eine solche Zusammenar­
beit eher unwichtig. Die Frage nach den bereits existie­
renden Kontakten dieser Art ergibt, dass 27 zuständige
Stellen nach eigenen Aussagen über solche Kontakte
verfügen, elf hingegen noch nicht.

Die schriftlichen BIBB­Befragungen86 der Jobcenter und
MBE zu Kontakten und Kooperationen zum Thema
„Anerkennung“ geben Hinweise auf deren regionale
Vernetzung: Von den befragten Jobcentern, für die eine
Begleitung des Anerkennungsverfahrens nicht zu ihren
Aufgaben gehört, geben immerhin rund 47 Prozent
an, bei Bedarf selbst Kontakt zur zuständigen Stelle
aufzunehmen. Auch MBE suchen oftmals (67 Prozent)
direkten Kontakt mit der zuständigen Stelle, beispiels­
weise um den Referenzberuf zu klären oder die Erfolgs­

83		 Vgl.	HEGA	03/2012–17	–	Anerkennungsgesetz;	Auswirkungen	auf	
die Arbeitsmarktberatung (http://www.arbeitsagentur.de/web/
content/DE/Veroeffentlichungen/Weisungen/Arbeitgeber/Detail/
index.htm?dfContentId=L6019022DSTBAI431814,	Abruf:	19. Mai	
2015).	Gilt	nur	für	Agenturen	für	Arbeit	und	Jobcenter	in	gemeinsamer Einrichtung.
84 Ergebnis der qualitativen Interviews mit den MBE.
85	 Die	fünf	Handlungsfelder	im	Förderprogramm	IQ	werden	bundes­
weit jeweils von einer Fachstelle bearbeitet und (weiter-)entwickelt.
Die Fachstellen übernehmen neben der fachlichen Beratung und Be­
gleitung der Landesnetzwerke vor allem die Qualitätssicherung für
Angebote und Maßnahmen im jeweiligen Themenfeld. Vgl. http://
www.netzwerk-iq.de/fachstellen.html	(Abruf:	18. März	2015).
86	 Vgl.	Datensatzbeschreibung	im	Anhang	A2.	Jobcenter:	n	=	181;	MBE:	
n	=	248.	Mehrfachantworten	möglich.

Grundsätzlich dienen Netzwerke und (über­)regionale
Kooperationen der Vermeidung von Doppelstruktu­
ren und der Bündelung von Ressourcen. Gerade im
Länderbereich soll dazu im weiteren Projektverlauf im
Rahmen von Workshops geprüft werden, inwieweit
unter anderem die Generierung und Pflege eines ge­
meinsamen Wissenspools (zum Beispiel über bisherige
Prüfergebnisse) sinnvoll ist.

54

III

Aktuelle Entwicklungen
im Anerkennungsgeschehen

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

55

1. Information und Beratung


Zielgruppe

Information &
Beratung

Verfahren

Das Wichtigste in Kürze:
 Das Interesse an Themen rund um die Anerken­













nung von im Ausland erworbenen Berufsab­
schlüssen und die Inanspruchnahme von Bera­
tung dazu ist weiterhin hoch.
Die Besuchszahlen des Portals „Anerkennung in
Deutschland“ sind von ca. 257.000 im Jahr 2012
auf ca. 1.117.000 (mit 5.341.793 Seitenaufrufen) im
Jahr 2014 gestiegen.87
Zwischen 2012 und 2014 sind die Besuchszahlen
der Datenbank anabin von etwa 907.000 (2012) auf
rund 1.360.000 (2014) gestiegen.
Im Durchschnitt besuchen monatlich rund 7.300
Besucherinnen und Besucher aus dem In­ und
Ausland die Seiten des BQ­Portals.
Die IQ­Erstanlaufstellen haben zwischen August
2012 und Dezember 2014 fast 38.000 Personen
beraten.
Die Anerkennungs­Hotline des BAMF hat von
April 2012 bis Dezember 2014 insgesamt fast
27.000 Erstberatungen durchgeführt.88
Bei der Erstberatung durch die IQ­Erstanlauf­
stellen und die Anerkennungs­Hotline zeigt sich
ein hohes Qualifikationsniveau der beratenen

87	 Die Daten des Portals „Anerkennung in Deutschland“ werden
mit dem Analysetool PIWIK erfasst, das Portal „anabin“ ermittelt
seine Zugriffszahlen mit der CMS-Ergänzung „Statistic“. Aufgrund
der teilweise inkonsistenten und unterschiedlichen Methoden
von Webanalysetools sind die hier angegebenen Zugriffszahlen
nicht vollständig vergleichbar. Dies wird insbesondere durch die
Positionierung und Unterschiede des Trackingcodes im jeweiligen
Tool,	durch	unterschiedliche	Definition	von	bestimmten	Kennzahlen	
(in diesem Fall „Besuche“), durch abweichende Filterregeln oder
durch unterschiedliche Cookies erschwert. Die angegebenen Zahlen
stammen aus den Analysetools der jeweiligen Portale und sind vor
allem für portalimmanente Analysen geeignet.
88	 Das Beratungsaufkommen des BAMF, welches in diesem Teil des
Berichts dargestellt wird, bezieht sich nur auf die Beratungen zu
beruflichen	Abschlüssen.	Beratungen	zu	Schulabschlüssen,	Führung	
akademischer Grade usw. werden nicht betrachtet.

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

Personen: Etwa zwei Drittel der Beratungssuchen­
den haben einen Hochschulabschluss beziehungs­
weise eine Ausbildung und einen Hochschulab­
schluss.
 Mehr als die Hälfte der Personen in der Erstbera­
tung sind jünger als 35 Jahre.
 Auch die Zahl der Beratungen durch die Kammern
steigt kontinuierlich. Diese haben seit Inkrafttreten
des Gesetzes bis zum Dezember 2014 mindestens
40.000 Einstiegsberatungen durchgeführt.
Neben Anzahl und Ergebnis der Anträge ist auch die
Inanspruchnahme von Beratung bei den einschlägigen
Institutionen ein wichtiger Indikator zur Beurtei­
lung der Umsetzung des Anerkennungsgesetzes. Die
Zielgruppe der hier dargestellten Informations­ und
Beratungsangebote sind nicht ausschließlich Privat­
personen mit einem Interesse an Anerkennung. So
richtet sich zum Beispiel der Profi-Filter des Portals
„Anerkennung in Deutschland“ an die Zielgruppe der
Fachleute (beispielsweise Beratende in Kammern oder
anderen Einrichtungen). Auch die ZAB stellt, wie unter
II­2.2 beschrieben, Informationen und Dienstleistun­
gen sowohl für Privatpersonen als auch für zuständige
Stellen, Arbeitgeber und Hochschulen zur Verfügung.
Das Angebot des BQ­Portals richtet sich hauptsächlich
an zuständige Stellen und Arbeitgeber.
Im Folgenden wird ein Überblick über die quantitative
Entwicklung der Informations­ und Beratungsleistung
von zentralen Akteuren im Kontext des Anerkennungs­
gesetzes gegeben. Sowohl die Beratungen der Jobcenter/
Arbeitsagenturen als auch die der MBE werden hier
nicht thematisiert, da von diesen keine Gesamtzahlen
zu Beratungen mit Anerkennungsbezug vorliegen. Ihre
Beratung wird jedoch an anderen Stellen des Berichts
anhand der Befragungsergebnisse behandelt (siehe III­4,
III­5 und IV­2).

56

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Die Reihenfolge der Darstellung orientiert sich an
Abbildung 3. Zuerst werden die Informationsangebo­
te, anschließend die Daten der Erstberatungen und
danach Zahlen zu den Einstiegsberatungen bei den
Kammern dargestellt. Auch die Länderbehörden für
reglementierte Berufe wurden zum Beratungsaufkom­
men befragt, allerdings ergaben die Rückmeldungen
keine belastbare Datenbasis, da sich nicht ausreichend
zuständige Stellen beteiligten und eine Hochrech­
nung der vorhandenen Werte aufgrund der stark
unterschiedlichen Zahlen der einzelnen Stellen nicht
möglich ist.89
90

1.1 Information
1.1.1 Portal „Anerkennung in Deutschland“
„Anerkennung in Deutschland“ ist das offizielle
Internetportal der Bundesregierung und informiert
seit 2012 rund um das Thema Anerkennung von im
Ausland erworbenen Qualifikationen (siehe II-2.2). Das
BIBB hat das Portal 2011 entwickelt und betreibt es im
Auftrag des BMBF. Es richtet sich an Anerkennungsin­
teressierte und beratende Personen aus dem In­ und
Ausland.

Abbildung 3 Informations- und Beratungsaufkommen bei ausgewählten Institutionen – ein Überblick90

Entgegennahme des Antrags durch die zuständige Stelle

Einstiegsberatungen	(April	2012	bis	Dezember	2014)
Einstiegsberatung
bei der zuständigen Stelle

Handwerk:
Industrie	und	Handel:	

26.425
mind.	13.508

Erstberatungen	(April/August	2012	bis	Dezember	2014)
Erstberatung

IQ-Erstanlaufstellen und BAMF-Hotline/
Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland:

64.926

Besuchszahlen	(2014)
Informationsangebote

Portal	AiD:	
Datenbank	anabin:	

rund	1.117.000	
rund	1.360.000

Quelle: Angaben siehe folgende Abschnitte; Darstellung des BIBB.

89	 In Abschnitt IV-3 kann anhand anderer Befragungsergebnisse ge­
zeigt werden, dass fast auf jede Beratung ein Antrag folgt. In diesen
Bereichen, so auch die Rückmeldungen aus den Interviews mit den
entsprechenden zuständigen Stellen, scheint das Beratungsaufkom­
men relativ stark mit dem Antragsverhalten von Anerkennungsinter­
essierten zu korrespondieren.
90	 Siehe Fußnote 87 zu den Angaben zum Portal „Anerkennung in
Deutschland“ sowie zur Datenbank „anabin“.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

57

Abbildung 4 Besuche und Seitenaufrufe von anerkennung-in-deutschland.de von 2012 bis 2014 (absolut)
700.000
600.000
500.000
400.000
300.000
200.000
100.000


Seitenaufrufe

Dez 14

Nov 14

Sep 14

Okt 14

Jul	14

Aug 14

Jun	14

Apr 14

Mai 14

Mrz 14

Jan	14

Feb 14

Dez 13

Nov 13

Sep 13

Okt 13

Jul	13

Aug 13

Jun	13

Apr 13

Mai 13

Mrz 13

Jan	13

Feb 13

Dez 12

Nov 12

Sep 12

Okt 12

Jul	12

Aug 12

Jun	12

Apr 12

Mai 12

Mrz 12

0


Besuche

Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. Alle Nutzungszahlen des Portals wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt. Darstellung des BIBB.

In Abbildung 4 wird die Entwicklung der Zugriffszah­
len (Seitenansichten und Besuche91) auf das Angebot
seit April 2012 dargestellt. Das Portal verzeichnet
eine kontinuierliche Steigerung der Besuchszahlen:
Waren es im Jahr 2012 insgesamt ca. 257.000 und
2013 ca. 560.000 Besuche, wurde es im Jahr 2014
rund 1.117.000­mal besucht. Diese Entwicklung
entspricht in etwa einer Verdopplung pro Jahr. Auch
die Anzahl der getätigten Seitenansichten weist eine
steigende Tendenz auf. Im Dezember 2014 erreichen
die Nutzungszahlen die höchsten Werte seit dem
Onlinegang: rund 133.000 Besuche mit rund 623.000
Seitenaufrufen. Seit der Online­Schaltung des Portals
im April 2012 wurde es insgesamt fast 2 Millionen
Mal besucht, wobei über 10 Millionen Seitenan­
sichten erfolgten.
Das große Interesse an dem Thema Anerkennung zeigt
sich auch an dem hohen Anteil an Besuchen aus dem
Ausland: Im Jahresdurchschnitt 2014 sind 47 Prozent
der Besuche von „Anerkennung in Deutschland“ aus
dem Ausland erfolgt. Tabelle 1 stellt die häufigsten

91 Ein Besuch bedeutet, dass ein Besucher die Website besucht und
Seiten aufruft beziehungsweise Aktionen durchführt. Das Analyse­
tool PIWIK zählt einen neuen Besuch, wenn ein Besucher die Websi­
te	nach	30	Minuten	Inaktivität	nochmals	besucht.

Herkunftsländer dar: Die meisten Besuche kamen aus
Italien und der Russischen Föderation.
Tabelle 1 Top Ten der Herkunftsländer der Besuche
von anerkennung-in-deutschland.de 2014
(absolut)
Land
Deutschland

Besuche
589.856

Italien

47.767

Russische	Föderation

42.609

USA

34.171

Ägypten

28.625

Polen

22.722

Spanien

20.714

Großbritannien

20.492

Indien

15.677

Rumänien

13.908

Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. Alle Nutzungszahlen des
Portals wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

58

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Seit Juli 2014 wird das Portal (neben Deutsch und
Englisch) in fünf weiteren Sprachen angeboten.92
Tabelle 2 zeigt die Seitenansichten in der jeweiligen
Sprachversion. Parallel zu der Entwicklung der Besuche
aus dem Ausland wird auch die italienische Version mit
über 130.000 Seitenansichten am häufigsten frequen­
tiert. Mit etwas Abstand folgen der spanische und der
polnische Auftritt. Vergleichsweise seltener werden die
rumänische und türkische Version des Portals besucht.
Tabelle 2 Nutzung des mehrsprachigen Angebots auf
anerkennung-in-deutschland.de von Juli bis
Dezember 2014 (absolut)
Sprachversion

Seitenansichten

Deutsch

1.623.792

Englisch

470.857

Italienisch

132.162

Spanisch

83.338

Polnisch

27.362

Rumänisch

14.620

Türkisch

14.362

Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. Alle Nutzungszahlen des
Portals wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

Über das Kontaktformular werden an das Portal
„Anerkennung in Deutschland“ zudem Anfragen vor
allem von Privatpersonen zum Anerkennungsthema
gerichtet. Im Jahr 2014 erreichten das Portal ca. 3.380
Anfragen aus dem Inland und Ausland, die unter ande­
rem in Kooperation mit der BAMF­Hotline beantwor­
tet wurden.
Im Rahmen des Besuches des Portals haben die Nutze­
rinnen und Nutzer seit Herbst 2013 die Möglichkeit an
themenspezifischen Befragungen teilzunehmen.93 Sie
wurden zu den Themen Interesse an einer Anerken­
nung, Aufenthaltsdauer und derzeitige Arbeitssituation
befragt. Die Fragen bilden dabei keine geschlossene
Befragung: Besucherinnen und Besucher mit einem
spezifischen Interesse, beispielsweise an Themen wie
Jobsuche oder berufliche Anerkennung, werden auf

92	 Seit	März	2015	wird	es	auch	auf	Griechisch	angeboten.	
93 Die Fragen erscheinen bei jeder Person, die ausgewählte Seiten
besucht. Dargestellt werden im Folgenden die Ergebnisse bis De­
zember	2014.

den jeweiligen Seiten nach ihrer persönlichen Lage
befragt. Durch den themenspezifischen Zugang zu den
Fragen kann es vorkommen, dass einzelne Personen
nur auf eine Frage antworten.
Tabelle 3 Gründe für ein Interesse an Anerkennung
von Besucherinnen und Besuchern auf
anerkennung-in-deutschland.de
(in Prozent)
Warum	sind	Sie	an	einer	Anerkennung	Ihrer	Qualifikation	
interessiert?
Weil	ich	mehr	verdienen	möchte.

8%

Weil ich mich bewerben will und damit meine Chancen
erhöhen	möchte.

40	%

Weil ich die Anerkennung zwingend brauche
(mein Beruf ist reglementiert).

33 %

Ich	möchte	mich	weiter	qualifizieren.

18 %

Quelle:	anerkennung-in-deutschland.de.	n	=	2.619.	Zu	100	Prozent	
fehlend	=	offene	Angabe.	Jeweils	auf	volle	Prozentangaben	gerundete	
Werte,	daher	kann	die	Summe	mehr	oder	weniger	als	100	Prozent	
ergeben. Alle Nutzungszahlen des Portals wurden über
das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

Das Hauptmotiv (keine Mehrfachnennung) der be­
fragten Besucherinnen und Besucher des Portals ist es
durch eine Anerkennung bessere Chancen bei der Be­
werbung auf eine (neue) Stelle zu erzielen (40 Prozent).
Ein Drittel der Befragten gibt an, dass sie die Anerken­
nung für ihre Berufsausübung in einem reglemen­
tierten Bereich brauchen. 18 Prozent möchten sich im
Anschluss an eine Anerkennung ihres erlernten Berufs
weiter qualifizieren. Das Motiv, mehr Geld zu verdie­
nen, spielt für 8 Prozent der befragten Besucherinnen
und Besucher die Hauptrolle.
Tabelle 4 Aufenthaltsdauer in Deutschland von
Besucherinnen und Besuchern auf
anerkennung-in-deutschland.de
(in Prozent)
Leben Sie in Deutschland?
Nein.

29 %

Ja,	weniger	als	1	Jahr.

24 %

Ja,	mehr	als	2	Jahre.

19 %

Ja,	mehr	als	5	Jahre.

10	%

Ja,	mehr	als	10	Jahre.

18 %

Quelle:	anerkennung-in-deutschland.de.	n	=	4.017.	Jeweils	auf	volle	
Prozentangaben gerundete Werte, daher kann die Summe mehr oder
weniger	als	100	Prozent	ergeben.	Alle	Nutzungszahlen	des	Portals	
wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Die befragten Besucherinnen und Besucher des Portals
leben überwiegend in Deutschland. Etwa ein Viertel
hält sich weniger als ein Jahr hier auf. Mehr als zwei
Jahre leben 19 Prozent der Befragten in Deutschland
und 10 Prozent mehr als fünf Jahre. Fast ein Fünftel der
Befragten lebt länger als zehn Jahre hier. Fast 30 Pro­
zent leben nicht in Deutschland.
Tabelle 5 Arbeitssituation von Besucherinnen
und Besuchern auf anerkennung-in­
deutschland.de (in Prozent)
Wie sieht Ihre derzeitige Arbeitssituation aus?
Arbeit im gelernten Beruf

34 %

Arbeit in einem anderen Beruf

17 %

Arbeitslos

36 %

In einer Fortbildung

4%

Anderes

10	%

Quelle:	anerkennung-in-deutschland.de.	n	=	5.597.	Jeweils	auf	volle	
Prozentangaben gerundete Werte, daher kann die Summe mehr oder
weniger	als	100	Prozent	ergeben.	Alle	Nutzungszahlen	des	Portals	
wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

Jeweils mehr als ein Drittel der befragten Besucherin­
nen und Besucher ist entweder arbeitslos oder arbei­
tet im erlernten Beruf. 17 Prozent arbeiten in einem
anderen Beruf und 4 Prozent befinden sich in einer
Fortbildung.

59

Zusammengefasst belegen die einzelnen Ergebnisse,
dass das Internetangebot des Anerkennungsportals
von sehr heterogenen Gruppen, was ihre Motive, ihren
Aufenthalt oder ihre Erwerbssituation betrifft, genutzt
wird.
Der Anerkennungs-Finder ist die zentrale Dienst­
leistung des Portals. Das Online­Tool wurde für die
Hauptzielgruppe des Portals entwickelt, das heißt
für Personen, die über kein oder kaum Vorwissen im
Bereich der Anerkennung und des deutschen Bildungs­
systems verfügen. Der Anerkennungs­Finder bietet den
Anerkennungsinteressierten zum einen die Möglich­
keit, einen ihrer ausländischen Qualifikation entspre­
chenden deutschen Referenzberuf zu ermitteln. Die
Datenbank umfasst aktuell über 700 Berufsprofile mit
der Möglichkeit der Volltextsuche und zusätzlicher
berufsfachlicher Verschlagwortung, die in der zweiten
Jahreshälfte 2014 für reglementierte Berufe in Bundes­
und Länderzuständigkeit um Berufsbezeichnungen
in 23 Sprachen erweitert wurde. Durch diese Such­
funktion soll jene Zielgruppe aufgefangen werden, die
insbesondere Schwierigkeiten mit der Identifizierung
der deutsch­ oder englischsprachigen Berufsbezeich­
nung hat. Zum anderen ermöglicht der Anerkennungs­
Finder durch wenige Klicks zu einer umfangreichen In­
formationsseite über Modalitäten der Anerkennung in
dem gewünschten Beruf (berufsspezifische Verfahren,

Tabelle	6	 Nutzung
	
	der	deutschen	und	englischen	Berufsprofile	auf	anerkennung-in-deutschland.de	
(jeweils	die	Zugriffszahlen	auf	die	Startseiten	der	Berufsprofile)	2014	(absolut)
Deutsche	Berufsprofile

Seitenansichten

Englische	Berufsprofile

Seitenansichten

Lehrer/-in

19.843

Ingenieur/-in

14.353

Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in

17.877

Ärztin/Arzt (Erteilung der Approbation)

5.496

Ingenieur/-in

15.522

Fachärztin/Facharzt für Allgemeinmedizin

4.410

Ärztin/Arzt (Erteilung der Approbation)

14.521

Zahnärztin/Zahnarzt (Erteilung der Approbation)

3.923

Erzieher/-in

11.035

Apotheker/-in (Erteilung der Approbation)

3.475

Sozialpädagogin/Sozialpädagoge, Sozialarbeiter/-in

6.053

Lehrer/-in

3.375

Altenpfleger/-in

5.368

Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in

2.920

Betriebswirt/-in

4.807

Fachinformatiker/-in

2.607

Zahnärztin/Zahnarzt (Erteilung der Approbation)

4.782

Beratende/-r Ingenieur/-in

2.060

Psychologin/Psychologe

4.320

Architekt/-in

1.928

Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. Alle Nutzungszahlen des Portals wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

60

Bewertungskriterien, erforderliche Unterlagen, ein­
schlägige Gesetzgebung, nächste Beratungsstelle etc.)
zu gelangen. Auf dieser Seite wird auch – abhängig von
dem gewünschten Arbeitsort – die für die Anerken­
nung zuständige Stelle angezeigt. Zurzeit sind in der
dazugehörigen Datenbank über 1.500 Adressdatensätze
hinterlegt, die auch auf ihre Aktualität und Korrektheit
geprüft und gepflegt werden. Unter anderem geschieht
das durch ein Aktualisierungs­ und Qualitätssiche­
rungsverfahren, das vom Portal in Zusammenarbeit
mit den Ländern, Berufsverbänden und zuständigen
Stellen umgesetzt wird.
Etwa die Hälfte der getätigten Seitenansichten entfällt
im Jahresdurchschnitt in 2014 auf den Anerkennungs­
Finder, was eine starke Nachfrage an den dort hinter­
legten Inhalten zeigt. Die am häufigsten aufgerufenen
Berufsprofile auf Deutsch und Englisch sind in Tabel­
le 6 aufgeführt.
Das stärkste Interesse bei der Recherche im Anerken­
nungs­Finder besteht an dem in Deutschland reg­
lementierten Bereich, das heißt an den Berufen, bei
denen die Gleichwertigkeitsfeststellung eine unabding­
bare Voraussetzung für den Berufszugang bildet (Ta­
belle 6). Bei den deutschen Berufsprofilen werden vor
allem landesrechtlich geregelte Berufe (Lehrerin und
Lehrer (an erster Stelle), Ingenieurin und Ingenieur (an
dritter Stelle) und Erzieherin und Erzieher (an fünfter
Stelle)) eingesehen. Auch bundesrechtlich geregelte, re­
glementierte Berufe werden häufig aufgerufen (hier vor
allem Gesundheits- und Krankenpflegerin und -pfleger
(an zweiter Stelle), Ärztin und Arzt (an vierter Stelle) so­
wie Altenpflegerin und Altenpfleger (an siebter Stelle)).
Bei den englischen Berufsprofilen besteht vor allem ein
Interesse am Beruf Ingenieurin und Ingenieur, gefolgt
von unterschiedlichen Ärzteberufen und der Apothe­
kerin und dem Apotheker. In der deutschen wie auch
in der englischen Version spielen nicht reglementierte
Ausbildungsberufe und Meisterqualifikationen eine
untergeordnete Rolle.
Seit März 2013 ergänzt der Profi-Filter den Anerken­
nungs-Finder. Der Profi-Filter stellt diverse ExpertenSuchfunktionen für zuständige Stellen und Berufe
zur Verfügung. Er umfasst beispielsweise eine Fil­
termöglichkeit nach Regelungen (zum Beispiel Lan­
des­ oder Bundesregelung) oder nach Berufsgruppen.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Die Suchfunktion nach Berufsgruppen basiert auf der
einheitlichen nationalen Klassifikation der Berufe 2010
(KldB 2010). Dieser Filter ist eine Besonderheit im An­
erkennungsbereich: Er erlaubt eine erste Einschätzung
über mögliche Referenzberufe in einem bestimmten
Beschäftigungsfeld. Die ca. 290.000 Seitenansichten im
Jahr 2014 deuten darauf hin, dass der Filter von seiner
Experten­Zielgruppe (zum Beispiel Beratungsfachkräf­
te) gut genutzt wird.

1.1.2 Zentralstelle für ausländisches
Bildungswesen
Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen
(ZAB) stellt als zentrale Gutachtenstelle in Deutsch­
land Informationen zur Anerkennung ausländischer
Bildungsnachweise aus allen Nationalstaaten bereit.
Zu dieser und weiteren Aufgaben der ZAB siehe II­2.2.
Über die Datenbank anabin (http://anabin.kmk.org)
stellt die ZAB Behörden, Arbeitgebern, Bildungsinsti­
tutionen (vor allem Hochschulen) und Anerkennungs­
interessierten Informationen über die nationalen
Bildungssysteme und zur Bewertung ausländischer
Bildungsnachweise zur Verfügung. Die Datenbank
enthält über 100.000 Einträge zu Bildungsinstitutionen,
Abschlüssen und bewerteten Einzelfällen aus über 180
Ländern. Wer in anabin die zuständigen Stellen im Be­
reich der beruflichen Anerkennung sucht, nutzt dabei
den Anerkennungsfinder des Portals „Anerkennung in
Deutschland“.
Wie die Entwicklung der Zugriffszahlen auf die Daten­
bank anabin zeigt, ist das Interesse an Informationen
zum ausländischen Bildungswesen und an der Bewer­
tung ausländischer Bildungsnachweise in den letzten
Jahren deutlich angestiegen. Während in 2007 knapp
350.000 Besuche der Datenbank registriert wurden,
waren es 2014 mit rund 1.360.000 bereits über 1 Million
mehr (Abbildung 5).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

61

Abbildung 5 Entwicklung der Besuchszahlen der Datenbank anabin von 2007 bis Ende 2014 (absolut)94
1.600.000
1.400.000
1.200.000
1.000.000
800.000
600.000
400.000
200.000
0

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014
Quelle:	ZAB	2015.

94

Abbildung 6 Entwicklung der schriftlichen Anfragen im Gutachtenbereich bei der ZAB von 2006 bis Ende 2014
sowie der Anteil der schriftlichen Anfragen von Privatpersonen (absolut)
20.000
18.000
16.000
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000
0

2006

2007

Private Anfragen

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

Anfragen gesamt
Quelle:	ZAB	2015.

94 Anzahl der Besuche auf der Site innerhalb eines Monats. Bei einem
Besuch	können	beliebig	viele	Seiten	abgerufen	werden.	Ein	Besuch	
endet	nach	30–120	Minuten.	Weitere	Seitenabrufe	zählen	dann	als	
neuer Besuch. Ein Besucher kann innerhalb eines Monats 1 – n Be­
suche machen.

62

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Im Bereich der Gutachtentätigkeiten ist die Anzahl der
bearbeiteten Anfragen ebenfalls kontinuierlich ange­
stiegen. Wurden 2006 etwa 12.000 Anfragen bearbeitet,
erhöhte sich die Anzahl der erstellten Gutachten bis
2014 auf 17.500 pro Jahr. Die Anfragen von Privatper­
sonen stiegen im genannten Zeitraum sogar um ca.
130 Prozent von 2.050 auf ca. 4.700 Anfragen (siehe
Abbildung 6). Neben den schriftlichen Eingängen
wurden in 2014 weitere 13.800 telefonische Anfragen
beantwortet, von denen ca. 6.000 auf Privatpersonen
entfielen.
Auch die vor allem für ausländische Fachkräfte wich­
tige Bewertung von Hochschulqualifikationen auf
Grundlage der „Lissabon­Konvention“ wurde in den
letzten Jahren sehr stark nachgefragt. So erhöhte sich
die Anzahl der bei der ZAB eingehenden Anträge auf
Ausstellung einer „Zeugnisbewertung“ seit 2010 um
ca. 300 Prozent, von knapp 2.700 auf über 8.000 in 2014
(siehe Abbildung 7).
Die ZAB wird von den Ländern nach dem Königsteiner
Schlüssel finanziert, ebenso die Datenbank anabin. Die
Modernisierung der Datenbank erfolgte in den Jahren
2009 und 2010 mit finanzieller Unterstützung des Aus­
wärtigen Amtes.

1.1.3 BQ-Portal
Das BQ­Portal richtet sich als Informationsangebot zu
ausländischen Berufsqualifikationen in Deutschland
vorrangig an die zuständigen Stellen für die Anerken­
nung von bundeseinheitlich geregelten, vorwiegend
nicht reglementierten Berufen und bestimmten regle­
mentierten Berufen wie zum Beispiel Handwerksmeis­
terin und Handwerksmeister sowie Unternehmen. Es
unterstützt Kammern – vor allem im Handwerk – und
Arbeitgeber bei der Bewertung ausländischer Berufsab­
schlüsse. Zu dieser und weiteren Aufgaben des BQ­
Portals siehe II­2.2.
Im BQ­Portal waren zum Stichtag 31. Dezember 2014
insgesamt 69 Länderprofile, 958 ausländische Berufs­
profile aus 60 Ländern im öffentlichen Bereich und
386 Prüfergebnisse im internen Bereich veröffent­
licht. Im Jahr 2014 wurden 24 neue Länderprofile und
326 neue Berufsprofile erstellt. Damit werden rund
96 Prozent der Länder, aus denen Antragstellerin­
nen und Antragsteller kommen, abgedeckt. Auch bei
den eingestellten Prüfergebnissen zeichnet sich eine
deutliche Steigerung im Vergleich zum ersten Bericht
zum Anerkennungsgesetz ab (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 31).
Im Durchschnitt wird das BQ­Portal monatlich rund
6.100­mal aus dem In­ und Ausland besucht.

Abbildung 7 Entwicklung der Anträge auf Zeugnisbewertung bei der ZAB von 2010 bis 2014 (absolut)
9.000
8.000
7.000
6.000
5.000
4.000
3.000
2.000
1.000
0

2010

2011

2012

2013

2014
Quelle:	ZAB	2015.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

63

Abbildung 8 Besuche von bq-portal.de von 2012 bis 2014 (absolut)95
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000


Dez 14

Nov 14

Sep 14

Okt 14

Jul	14

Aug 14

Jun	14

Apr 14

Mai 14

Mrz 14

Jan	14

Feb 14

Dez 13

Nov 13

Sep 13

Okt 13

Jul	13

Aug 13

Jun	13

Apr 13

Mai 13

Mrz 13

Jan	13

Feb 13

Dez 12

Nov 12

Sep 12

Okt 12

Jul	12

Aug 12

Jun	12

Apr 12

Mai 12

Mrz 12

0


Quelle:	IW	Köln.

95

In Abbildung 8 wird die Entwicklung der Besuchs­
zahlen dargestellt. Das Portal verzeichnet eine konti­
nuierliche Steigerung der Besuchszahlen So sind die
durchschnittlichen monatlichen Besuchszahlen von
rund 4.200 im Jahr 2012 auf rund 7.300 im Jahr 2014
angestiegen. Die Zahl der Seitenaufrufe lag 2014 im
Durchschnitt bei 36.400 und erreichte mit 40.400 im
Februar ihren Höchststand. Zudem hat das Projekt­
team im Jahr 2014 gut 1.200 substanzielle Anfragen
von Kammermitarbeitenden rund um die Recherche
zu ausländischen Berufsabschlüssen sowie Fragen zu
Länder- und Berufsprofilen, zur Registrierung und zur
Dateneingabe beantwortet. Im Folgenden werden drei
Anfragetypen unterschieden (Zeitraum: 1. April 2012
bis 31. Dezember 2014):
	 Anfragen allgemeiner Natur (zum Beispiel techni­
sche Fragen, Fragen zu Nutzerzugängen):
ca. 15 pro Monat96 (per E­Mail oder telefonisch),
	 fachliche Anfragen an die Länderexpertinnen und
Länderexperten aus dem Projektteam: ca. 65 pro
Monat (per E­Mail oder telefonisch),

95	 Ein Besuch bedeutet, dass ein Besucher die Website besucht und
Seiten aufruft beziehungsweise Aktionen durchführt. Das Analy­
setool etracker zählt einen neuen Besuch, wenn ein Besucher die
Website	nach	30	Minuten	Inaktivität	nochmals	besucht.
96	 Hier	und	im	Folgenden:	Durchschnittliche	auf	das	Kalenderjahr	2014	
bezogene Anzahl der Anfragen pro Monat.

	

Anfragen von zuständigen Stellen, die intensi­
ve Recherche­ und Abstimmungstätigkeiten des
Projektteams im In­ und Ausland in Interaktion mit
den zuständigen Stellen nach sich ziehen (mit einem
Zeitaufwand von mehreren Tagen bis hin zu mehre­
ren Monaten): ca. 22 pro Monat.

Der in Abbildung 9 dargestellte Verlauf bezieht sich
auf den Zeitraum vom 1. April 2012 bis zum 31. De­
zember 2014 und bildet nur die Anfragen ab, die mit
einem intensiven Recherche­ und Abstimmungsauf­
wand verbunden waren. In 2014 wurden 265 solcher
Anfragen von Kammern an das BQ­Portal gerichtet. In
der Abbildung sind die oben genannten Anfragetypen
(Anfragen allgemeiner Natur sowie fachliche Anfragen
an die Länderexpertinnen und Länderexperten) nicht
enthalten.
Nach Aussagen des IW Köln hängt der leichte Rück­
gang des Anfragenaufkommens im vergangenen Jahr
nicht mit der Anzahl der Antragstellungen zusammen,
denn diese ist weiter gestiegen, was sich auch in der
gestiegenen Zahl an dokumentierten Prüfergebnissen
im internen Bereich des BQ­Portals niederschlägt. Es
ist vielmehr Folge von weiteren Aktivitäten des BQ­
Portals, wie Unterstützungs­ und Aktivierungsmaß­
nahmen, beispielsweise im Rahmen von Schulungen,

64

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 9 Entwicklung der Anfragen mit intensiven Recherche- und Abstimmungstätigkeiten des BQ-Portals
pro Monat (absolut)
40
35
30
25
20
15
10

Dez 14

Nov 14

Sep 14

Okt 14

Jul	14

Aug 14

Jun	14

Apr 14

Mai 14

Mrz 14

Jan	14

Feb 14

Dez 13

Nov 13

Sep 13

Okt 13

Jul	13

Aug 13

Jun	13

Apr 13

Mai 13

Mrz 13

Jan	13

Feb 13

Dez 12

Nov 12

Sep 12

Okt 12

Jul	12


Aug 12

Jun	12


Apr 12


0

Mai 12


5

Quelle:	IW	Köln.

Telefonberatungen und Workshops, die die selbst­
ständige Vorgehensweise der zuständigen Kammern
fördern.

1.2 Beratung durch IQ-Erstanlaufstellen und
BAMF-Hotline/Hotline Arbeiten und Leben in
Deutschland
Die Erstanlaufstellen, insbesondere die Beratungs­
stellen des Förderprogramms IQ sowie IQ­externe
Beratungsstellen und die BAMF­Hotline97 bieten
Anerkennungsinteressierten Grundinformationen im
Sinne einer Erstberatung.98 Am 1. Dezember 2014 wur­
de die Anerkennungs­Hotline des BAMF zur „Hotline
Arbeiten und Leben in Deutschland“99 ausgeweitet.

Ratsuchenden erhalten Informationen zum Verfahren
und der entsprechende deutsche Referenzberuf wird,
im Sinne einer Vorklärung, identifiziert. Im Vorfeld der
Antragstellung unterstützt die Erstberatung bei der Be­
schaffung der notwendigen Dokumente. Des Weiteren
wird eine „Verweisberatung“ an die entsprechende zu­
ständige Stelle durchgeführt.100 Zu dieser und weiteren
Aufgaben der Erstanlaufstellen siehe II­2.2.
Die vorliegenden Daten der IQ­Beratungsstellen und
der Hotlines (siehe Datensatzbeschreibung im Anhang
A2) liefern Informationen zum Beratungsaufkommen
bei den Erstanlaufstellen.

1.2.1 Beratungsaufkommen

Gegenstand der Erstberatung ist die Klärung des
Anerkennungsanliegens sowie die Feststellung, ob die
notwendigen Voraussetzungen für die Inanspruchnah­
me eines Anerkennungsverfahrens gegeben sind. Die

Seit April 2012 beziehungsweise August 2012 doku­
mentierten die Hotlines und die IQ­Beratungsstellen
fast 65.000 Beratungen. Abbildung 10 stellt das Bera­
tungsaufkommen der Hotlines und der IQ-Beratungs­
stellen im Zeitverlauf dar.

97	 Das Beratungsaufkommen des BAMF, welches in diesem Teil des
Berichts dargestellt wird, bezieht sich nur auf die Beratungen zu
beruflichen	Abschlüssen.	Beratungen	zu	Schulabschlüssen,	Führung	
akademischer Grade usw. werden nicht betrachtet.

Wie die Daten zum Zeitverlauf des Beratungsaufkom­
mens deutlich zeigen, wurden bei den IQ­Erstanlauf­

98 Dabei muss beachtet werden, dass die Angebote unterschiedliche
Beratungstiefen und Intensitäten haben. Siehe dazu II-2.2.
99 Daher wird im Folgenden von den Hotlines gesprochen. Siehe dazu
auch II-2.2.

100 Für eine detaillierte Beschreibung der Erstberatung siehe Erbe u. a.
2014,	S. 68	ff.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

65

Abbildung 10 Beratungsaufkommen bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen im Zeitverlauf unterteilt
nach Angebot (absolut)
2.000
1.800
1.600
1.400
1.200
1.000

800

600

400

200


IQ-Erstanlaufstellen

Dez 14

Okt 14

Aug 14

Jun	14

Apr 14

Feb 14

Dez 13

Okt 13

Aug 13

Jun	13

Apr 13

Feb 13

Dez 12

Okt 12

Aug 12

Jun	12

Apr 12

0

Hotlines

Quelle:	Hotline-Beratungsdaten	(1.	April	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	1.	Januar	2015)	und	IQ-Beratungsdaten	
(1.	August	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	24.	Februar	2015);	n	=	64.926;	Berechnungen	und	Darstellung	des	BIBB.

stellen und bei den Hotlines im Jahr 2014 mehr Perso­
nen in Fragen zur Anerkennung im Ausland erworbener
Berufsabschlüsse beraten als in den Jahren zuvor.
Auch bei der BAMF­Anerkennungs­Hotline (zu diesem
Zeitpunkt gab es die „Hotline Arbeiten und Leben in
Deutschland“ noch nicht, daher nur bei der BAMF­
Hotline) erfolgte nach dem Jahreswechsel 2013 zu 2014
ein Anstieg der durchgeführten Beratungen, allerdings
gab es weniger Anfragen zwischen April und Septem­
ber 2014. Darüber hinaus ist abermals, wie schon im
Dezember 2012, für Dezember 2013 ein urlaubs­ und
feiertagsbedingter zwischenzeitlicher Rückgang der
Erstberatungen festzustellen. Der Anstieg im Dezember
2014 bei der Hotline ist wohl auf deren Neuausrichtung
und Erweiterung sowie verstärkte Marketingaktivitä­
ten (unter anderem durch das Portal „Anerkennung
in Deutschland“) zurückzuführen (vgl. Hoffmann und
Tatarlieva 2014, S. 12 f. und 42 f.).
Auffällig ist der fast parallele Verlauf des Beratungs­
aufkommens für europäische Staatsbürgerinnen und
­bürger sowie Staatsangehörige eines Staates außerhalb

Europas (siehe Abbildung 11). Zwar liegen die Bera­
tungszahlen für die nicht europäischen Staatsangehöri­
gen zu jedem Zeitpunkt unter denen der europäischen
Staatsangehörigen, das Aufkommen steigt jedoch in
ähnlicher Weise stetig. Zum Jahreswechsel 2013 zu 2014
kommt es bei beiden Staatsangehörigkeitsgruppen zu
einem Anstieg der Anfragen; allerdings ist der Anstieg
bei den europäischen Staatsangehörigen intensiver als
bei den anderen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Bera­
tungsaufkommen im Rahmen der Erstberatung bei den
IQ­Erstanlaufstellen und den Hotlines im Vergleich zum
ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz gestiegen ist.
Bei der Art der Beratung zeigen sich deutliche Unter­
schiede zwischen den beiden Angeboten. Dies liegt
vor allem an den unterschiedlichen Typen der Be­
ratungsangebote.101 Während die Hotlines in erster
Linie telefonische Beratung durchführen (73 Prozent
der Beratungen), bieten die IQ­Erstanlaufstellen vor

101 So wird von den Hotlines keine Face-to-Face-Beratung angeboten.

66

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 11 Beratungsaufkommen bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen im Zeitverlauf unterteilt
nach Staatsangehörigkeit (Europa/nicht Europa) (absolut)
1.800
1.600
1.400
1.200
1.000
800
600
400
200

Dez 14

Nov 14

Sep 14

Okt 14

Jul	14

Aug 14

Jun	14

Apr 14

Mai 14

Mrz 14

Jan	14

Feb 14

Dez 13

Nov 13

Sep 13

Okt 13

Jul	13

Aug 13

Jun	13

Apr 13

Mai 13

Mrz 13

Jan	13

nicht Europa

Feb 13

Dez 12

Nov 12

Sep 12

Okt 12

Jul	12


Aug 12

Jun	12


Apr 12


Mai 12


0

Europa

Quelle:	Hotline-Beratungsdaten	(1.	April	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	1.	Januar	2015)	und	IQ-Beratungsdaten	
(1.	August	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	24.	Februar	2015);	n	=	58.813;	Berechnungen	und	Darstellung	des	BIBB.

Abbildung 12 Beratungsart bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen (in Prozent)
IQ-Erstanlaufstellen

Hotlines

27 %
35 %

65 %
73 %

Face-to-face

telefonische Beratung

telefonische oder E-Mail-Beratung

E-Mail-Beratung

Quelle:	Hotline-Beratungsdaten	(1.	April	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	1.	Januar	2015)	und	IQ-Beratungsdaten	
(1.	August	2012	bis	31.	Dezember	2014	Stichtag:	24.	Februar	2015);	n	=	64.926;	Berechnungen	und	Darstellung	des	BIBB.

allem Gespräche vor Ort an. So macht bei diesen die
Face­to­Face­Beratung mit fast zwei Dritteln auch den
größeren Anteil der Beratungsleistung aus. Das andere
Drittel entfällt auf die telefonische oder E­Mail­Be­

ratung (siehe Abbildung 12). Im Vergleich zum ersten
Bericht zum Anerkennungsgesetz ist der Anteil der
persönlichen Beratung leicht angestiegen (vgl. Erbe
u. a. 2014, S. 74).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

1.2.2	Soziodemografische	Daten	der	Beratungsinteressierten
In Hinblick auf das Geschlecht der Beratenen zeigt
sich, dass die Erstberatung von den IQ­Erstanlaufstel­
len und den Hotlines häufiger von Frauen in Anspruch
genommen wird (61 Prozent). Männer machen mit
39 Prozent den weitaus kleineren Anteil in der Bera­
tung aus.
Der Blick auf die Altersstruktur (siehe Abbildung 13)
zeigt, dass die 25- bis 34-Jährigen mit 45 Prozent die
größte Gruppe der Beratungsinteressierten darstellt,
gefolgt von den 35- bis 44-Jährigen mit 31 Prozent.
Insgesamt zeigen sich kleinere Unterschiede zwischen
den beiden Beratungsangeboten. Bei den Hotlines sind
etwa 12 Prozent der Beratenen jünger als 25 Jahre, bei
den IQ-Erstanlaufstellen etwa 9 Prozent. Insgesamt
betrachtet sind 54 Prozent der Anerkennungsinteres­
sierten zum Zeitpunkt des Erstkontakts 34 Jahre oder
jünger. Dieses sind Personen, für die sich eine Aner­

67

kennung besonders lohnt, da sie noch ein langes Er­
werbsleben vor sich haben (vgl. Hoffmann 2014, S. 46).
Gleich niedrig ist bei beiden Angeboten der Anteil von
beratenen Personen, die 55 Jahre und älter sind (etwa
2,5 Prozent).
12 Prozent der Beratenen haben die deutsche Staatsan­
gehörigkeit und bilden damit die größte Gruppe (dies
ähnelt den in Abschnitt III­2 dargestellten Verteilungen
bei den Antragstellenden). Darauf folgen die Staats­
angehörigen Polens mit 9 Prozent, der Russischen
Föderation mit 8 Prozent, Rumäniens mit 5 Prozent
und der Türkei mit 5 Prozent. Weniger als die Hälfte der
Beratungsinteressierten sind Staatsangehörige eines
EU28-Landes (etwa 46 Prozent). Dieses bedeutet einen
relativ hohen Anstieg innerhalb dieser Gruppe.102
Der Großteil der Beratungssuchenden hat seinen
Wohnort in Deutschland (86 Prozent). Jedoch gibt es
deutliche Unterschiede zwischen den Angeboten. Wäh­
rend ein Viertel der von den Hotlines beratenen

Abbildung 13 Alter (kategorisiert) bei Erstkontakt mit den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen (absolut)
20.000
18.000

18.689

16.000
14.000
12.722

12.000
10.000
8.000
6.000

5.221

4.000
3.494
2.000
0

339
unter	20	Jahre

20	bis	24	Jahre

25	bis	34	Jahre

35	bis	44	Jahre

45	bis	54	Jahre

995

58

55	bis	64	Jahre

65	Jahre	oder	
älter

Quelle:	Hotline-Beratungsdaten	(1.	April	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	1.	Januar	2015)	und	IQ-Beratungsdaten	
(1.	August	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	24.	Februar	2015);	n	=	41.518;	Berechnungen	und	Darstellung	des	BIBB.

102 Im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz macht die Gruppe der
EU27-Staatsangehörigen	35 Prozent	aus	(Erbe	u.	a.	2014).	Durch	den	
Beitritt	Kroatiens	am	1. Juli	2013	fallen	diese	Staatsangehörigen	in	
diesem Bericht in die Gruppe der Mitgliedsstaaten der Europäischen
Union.

68

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 14 Aufenthaltsdauer (kategorisiert) der von den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen beratenen
Personen in Deutschland (absolut)
25.000
22.843
20.000

15.000

10.000
8.387
5.000

0

bis	zu	2	Jahre

6.351

6.049

3	bis	5	Jahre

6	bis	10	Jahre

über	10	Jahre

Quelle:	Hotline-Beratungsdaten	(1.	April	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	1.	Januar	2015)	und	IQ-Beratungsdaten	
(1.	August	2012	bis	31.	Dezember	2014	Stichtag:	24.	Februar	2015);	n	=	43.630;	Berechnungen	und	Darstellung	des	BIBB.

Personen ihren Wohnsitz nicht in Deutschland haben,
sind es bei den IQ­Erstberatungsstellen weniger als
6 Prozent (vgl. Hoffmann und Tatarlieva 2014, S. 50).
Die ausländischen Beratungsgesuche entfallen auf
148 weitere Staaten. Von denen, die einen Wohnort im
Ausland angegeben haben, kommen die häufigsten
Beratungswünsche aus Indien (fast 6 Prozent) sowie
Polen, Bosnien und Herzegowina und der Türkei mit
jeweils 5 Prozent. Die Mitgliedsstaaten der EU bilden
mit etwa 36 Prozent den größten Anteil.
Die Hälfte der Beratungssuchenden hält sich erst seit
Kurzem in Deutschland auf; 52 Prozent sind seit bis zu
zwei Jahren in Deutschland. 19 Prozent sind länger als
zehn Jahre in Deutschland (siehe Abbildung 14) (eben­
da, S. 20 und 51).
Die IQ­Erstanlaufstellen dokumentieren bei ihrer
Beratung auch den Erwerbsstatus. Der Anteil ihrer Be­
ratungsinteressierten, die zum Zeitpunkt der Beratung
nicht erwerbstätig beziehungsweise arbeitssuchend
sind, ist mit über zwei Drittel (67 Prozent) hoch. Von
dieser Gruppe ist fast die Hälfte der Personen (49 Pro­
zent) im SGB II-Bezug. 11 Prozent sind im SGB IIIBezug. Ein Drittel der Nichterwerbstätigen (31 Prozent)
erhält keine Leistungen. Nur etwa jede/r sechste Bera­

tungsinteressierte (16 Prozent) ging zum Zeitpunkt der
Beratung einer sozialversicherungspflichtigen abhängi­
gen Beschäftigung nach (ebenda, S. 40 f.).
Die Beratungssuchenden weisen ein hohes Qualifika­
tionsniveau auf. Etwa zwei Drittel der Beratungssu­
chenden haben einen Hochschulabschluss (61 Prozent)
beziehungsweise eine Ausbildung und einen Hoch­
schulabschluss (5 Prozent). Bei etwa einem Drittel wur­
de eine Ausbildung als höchster beruflicher Abschluss
dokumentiert (34 Prozent) (ebenda, S. 24). Deutlich
werden Unterschiede zwischen den Angeboten. Bei
den Hotlines haben mehr als zwei Drittel der Berate­
nen einen Hochschulabschluss, etwa 1 Prozent einen
Hochschulabschluss und eine berufliche Ausbildung103
und weniger als ein Drittel ausschließlich eine Aus­
bildung. Bei den IQ­Erstanlaufstellen sind es weniger
als 60 Prozent, die ausschließlich einen Hochschulab­
schluss haben, etwas mehr als 7 Prozent, die sowohl
einen Hochschulabschluss als auch eine Ausbildung
vorweisen, und mehr als ein Drittel, die ausschließlich
eine berufliche Ausbildung haben.

103	 Die	BAMF-Hotline	hat	erst	seit	dem	1. Januar	2014	die	Möglichkeit	
mehrere Abschlüsse pro Person zu erfassen.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Das hohe Qualifikationsniveau spiegelt sich auch in der
Top Ten der Referenzberufe wider, zu denen beraten
wurde.

69

Berufe eine hohe Zahl von Beratungen durchführen
(siehe III­1.3).

1.3 Einstiegsberatung bei den Kammern
1.2.3 Top Ten der Referenzberufe
Bei Beratungsinteressierten mit Wohnsitz in Deutsch­
land zeigt sich eine andere Reihenfolge der am häu­
figsten nachgefragten Referenzberufe als bei jenen mit
Wohnsitz im Ausland.
Die Verteilung der zehn häufigsten Berufe104 in der
Erstberatung ist in Tabelle 7 ersichtlich. Die „Top Ten­
Berufe“ der Personen mit Wohnsitz in Deutschland
machen insgesamt 41 Prozent aller für diese Gruppe
identifizierten Referenzberufe aus, das heißt die Berufe
ab Platz elf machen 59 Prozent aus. Die „Top Ten-Be­
rufe“ der Personen mit Wohnsitz im Ausland hingegen
machen 56 Prozent aller Referenzberufe dieser Perso­
nengruppe aus. Insgesamt überwiegen reglementierte
Berufe – hier insbesondere die landesrechtlich geregel­
ten – in der Beratung von IQ­Erstanlaufstellen und den
Hotlines. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass auch
die Kammern im Bereich der nicht reglementierten

Die Kammern bieten im Vorfeld der Antragstellung
eine eigene Einstiegsberatung für Anerkennungsin­
teressierte an. Ziel der Einstiegsberatung ist es, Aner­
kennungsinteressierte im Vorfeld der Antragstellung
über den Referenzberuf, das Anerkennungsverfahren,
die rechtlichen Grundlagen und die Anforderungen,
beispielsweise hinsichtlich der zu erbringenden Unter­
lagen zu informieren.
Die Einstiegsberatung ist als eine individuelle, verfah­
rensvorbereitende Beratung angelegt. Zunächst findet
in beiden Kammerbereichen eine Vorklärung des
Anliegens der Anerkennungsinteressierten statt; dazu
gehört die Ermittlung der Zuständigkeit und eine Klä­
rung des Anerkennungsanliegens und des Verfahrens­
anspruchs. Im Bereich der Industrie­ und Handelskam­
mern erfolgt die Entscheidung über die Zuständigkeit
und das Bestehen eines Anspruches auf

Tabelle	7	 Die
	 	zehn	häufigsten	Berufe	in	der	Beratung	bei	den	Hotlines	und	den	IQ-Erstanlaufstellen	
nach Wohnsitz (absolut und in Prozent)
Wohnsitz in Deutschland

Wohnsitz im Ausland

Lehrer/-in

5.824

28,0	%

Ärztin/Arzt

1.099

23,3 %

Ingenieur/-in

3.708

17,9 %

Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in

924

19,5 %

Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in

2.494

12,0	%

Ingenieur/-in

923

19,5 %

Erzieher/-in

1.979

9,5 %

Lehrer/-in

504

10,7	%

Betriebswirt/-in

1.674

8,1 %

Zahnärztin/Zahnarzt

372

7,9 %

Ärztin/Arzt

1.395

6,7 %

Erzieher/-in

202

4,3 %

Sozialpädagogin/Sozialpädagoge

1.028

5,0	%

Physiotherapeut/-in

189

4,0	%

Ökonom/-in

1.018

4,9 %

Betriebswirt/-in

187

4,0	%

Bürokauffrau/Bürokaufmann

850

4,1 %

Informatiker/-in

171

3,6 %

Psychologin/Psychologe

785

3,8 %

Apotheker/-in

155

3,3 %

20.755

100	%

4.726

100	%

Quelle:	Hotline-Beratungsdaten	(1.	April	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	1.	Januar	2015)	und	IQ-Beratungsdaten	
(1.	August	2012	bis	31.	Dezember	2014;	Stichtag:	24.	Februar	2015);	n	=	59.675;	Berechnungen	des	BIBB.

104 Berücksichtigt werden sowohl landesrechtlich als auch bundesrecht­
lich geregelte Berufe. Unter den landesrechtlichen Berufen sind in
der Berufeliste in der Datenbank nur landesrechtlich reglementierte
Berufe enthalten.

70

ein Verfahren nach dem BQFG durch die IHK FOSA.
Sollte sich herausstellen, dass andere Verfahren besser
zu den Zielen der Anerkennungsinteressierten passen,
beraten die Kammern auch zu alternativen Verfahren
(siehe IV­3.3 und IV­3.4).
Darauf folgt eine verfahrensbezogene Beratung. Diese
beinhaltet die Weitergabe von grundlegenden Informa­
tionen zum Anerkennungsverfahren und die Identifika­
tion und Festlegung des Referenzberufs für die Antrag­
stellung. Die finale Festlegung des Referenzberufs erfolgt
durch die IHK FOSA. Im Rahmen der Beratung wird
auch eine Vorprüfung auf Vollständigkeit der zu erbrin­
genden Dokumente durchgeführt. Der Abschluss der
Beratung beinhaltet eine Planung der nächsten Schritte
der Anerkennungsinteressierten mit dem Ziel, einen
Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung zu stellen.105
Im Handwerksbereich sind die Vor­Ort­Kammern für
die Beratung und die Gleichwertigkeitsfeststellung
verantwortlich. Im IHK­Bereich bieten die Vor­Ort­
Kammern die Einstiegsberatung an. Die Gleichwertig­
keitsprüfung wird für 77 von 80 Kammern durch die
IHK FOSA durchgeführt (vgl. II­2.1).

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

ab, die länger als zehn Minuten dauern. Verweisbera­
tungen fallen nach Aussagen der Handwerkskammern
unter die „Zehn­Minuten­Grenze“.
Die meisten Beratungen wurden in Nordrhein­West­
falen durchgeführt. Auf den Handwerksbereich ent­
fallen dabei über 5.000 und auf den IHK­Bereich weit
über 3.000 Beratungen. Im Handwerk folgen die Länder
Baden­Württemberg, Hessen und Bayern als weitere
beratungsintensive Regionen. Bei den Industrie­ und
Handelskammern sind es vor allem die Länder Bayern,
Baden­Württemberg und die Stadtstaaten, wo sich eine
hohe Nachfrage an Beratung abzeichnet.
106 107

Tabelle 8 Beratungen im Kammerbereich seit
1. April 2012106 (absolut)
IHK
1.878

4.972

Bayern

2.420

4.389

Brandenburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern

8

310

1.337

4.446

19

29

Niedersachsen

2.362

1.066

NRW

3.225

5.167

110

1.552

Rheinland-Pfalz
Saarland*

Im Kammerbereich wurden seit 1. April 2012 fast
40.000 Beratungen gemeldet. Auf den Handwerksbe­
reich entfallen davon 26.425 Beratungen. Im Bereich
Industrie und Handel ist die IHK FOSA – bis auf die
Kammern Wuppertal­Solingen­Remscheid, Hannover
und Braunschweig – die zuständige Stelle. Für die Bera­
tung im Vorfeld der Antragstellung und auch für even­
tuelle Folgeberatungen sind die Vor­Ort­Kammern
verantwortlich. Sie dokumentierten 13.508 Beratungen
(siehe Tabelle 8).
Von den Industrie­ und Handelskammern wurden,
über die Einstiegsberatungen zum BQFG hinaus, mehr
als 8.500 Verweisberatungen zu anderen Stellen und
etwa 600 Beratungen zum Bundesvertriebenengesetz
(BVFG) durchgeführt.
Bei den Handwerkskammern wurden keine Daten zur
Verweisberatung zu anderen Stellen erhoben; die hier
erfassten Daten im Handwerk bilden nur Beratungen

105 Für eine detaillierte Beschreibung der Erstberatung siehe Erbe u. a.
2014,	S. 68	ff.

HWK

Baden-Württemberg

Sachsen
Sachsen-Anhalt

443
113

641

42

203

1.926

2.461

Schleswig-Holstein

53

643

Thüringen

15

103

13.508

26.425

Stadtstaaten**

Gesamt

*		 Für	den	IHK-Bereich	liegt	aus	diesem	Land	keine	Meldung	vor.
**	Berlin,	Bremen	und	Hamburg.107	
Quelle: DIHK-Sonderauswertung des Archiv- und Dokumentations­
systems	für	Anerkennungsberatungen	(Stichtag:	31.	Dezember	2014)	
und	BIBB-Befragung	(2014)	der	Industrie-	und	Handelskammern;	
BIBB-/ZDH-Befragung	(2014)	der	Handwerkskammern;	
(Stichtag:	31.	Dezember	2014);	Berechnungen	des	BIBB.

106	 Insgesamt	haben	68	von	80	Industrie-	und	Handelskammern	eine	
Rückmeldung zum Beratungsaufkommen gegeben. Das Datenma­
nagement-Tool des Deutschen Industrie- und Handelskammertags
(DIHK) wird derzeit von 63 IHKn genutzt. Bei fünf weiteren IHKn
wurden über die BIBB-Befragung Daten zur Beratung erfasst (Stich­
tag:	31. März	2014).	Die	Industrie-	und	Handelskammer	zu	Hannover	
ist	Projektnehmer	im	Rahmen	des	Förderprogramms	IQ.	Insgesamt	
sind daher die dargestellten Daten aus dem IHK Bereich als Mindest­
zahl zu interpretieren.
Alle 53 Handwerkskammern haben eine Rückmeldung zur Einstiegs­
beratung gegeben. Die Handwerkskammern wurden in Absprache mit
dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gebeten, Anga­
ben	zur	Häufigkeit	der	durchgeführten	Einstiegsberatung	zu	machen.
107 Da die Beratungsdaten zum Teil im Rahmen von ausführlicheren
Befragungen erhoben wurden, sollten diese drei Staaten beim Land
nur „Stadtstaat“ angeben, um die Anonymität zu gewährleisten.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

71

2. Die amtliche Statistik für bundesrechtlich geregelte Berufe108

Zielgruppe

Information &
Beratung

Verfahren

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

108

Das Wichtigste in Kürze:
	 Die häufigsten Ausbildungsstaaten sind Polen,

Y Insgesamt wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes
am 1. April 2012 bis zum 31. Dezember 2013 be­
reits 26.466 Anträge auf die Anerkennung einer im
Ausland erworbenen Berufsqualifikation gestellt.
 Im Jahr 2013 wurden insgesamt 16.695109 Ver­
fahren von den zuständigen Stellen bearbeitet,
darunter waren 15.477 neue Anträge.
 Von den neuen Anträgen im Jahr 2013
bezogen sich 77,9 Prozent auf einen regle­
mentierten und 22,1 Prozent auf einen nicht
reglementierten Referenzberuf.
Y 13.344 Verfahren wurden im Jahr 2013 von den
zuständigen Stellen beschieden.
 Insgesamt 9.969 Qualifikationen konnten als
voll gleichwertig anerkannt werden (74,7 Pro­
zent der beschiedenen Verfahren).
 Die Ablehnungsquote bei den Bescheiden
(keine Gleichwertigkeit sowie Unaufklärbar­
keit des Sachverhaltes) ist mit 4,0 Prozent
weiterhin niedrig.

Im Bereich der nicht reglementierten Be­
rufe ist der Anteil der negativ beschiedenen
Verfahren (keine Gleichwertigkeit sowie
Unaufklärbarkeit des Sachverhaltes) von
24,9 Prozent im Jahr 2012 auf 4,4 Prozent
im Jahr 2013 gefallen.
 Die meisten Verfahren wurden mit 78,2 Prozent
in den reglementierten Berufen durchgeführt.
Dabei entfielen allein 62,9 Prozent aller Verfahren
auf die Referenzberufe Ärztin und Arzt (Approba­
tion) sowie Gesundheits- und Krankenpflegerin
und -pfleger.

108 Bei den hier referierten Absolutwerten handelt es sich jeweils um
auf ein Vielfaches von 3 gerundete Werte.
109 Diese Angaben sind als Untergrenze zu verstehen, da die Meldungen
einiger zuständiger Stellen nicht vollständig erfolgten.

Rumänien sowie die Russische Föderation.

 Bei 9,4 Prozent der Verfahren hatten die Antrag­


stellenden ihren Wohnsitz im Ausland.

	 Durchschnittlich dauerte ein Anerkennungsver­
fahren vom Vorliegen der vollständigen Unterla­
gen bis zum ersten rechtsmittelfähigen Bescheid
59 Tage.
Mittlerweile liegen Ergebnisse der amtlichen Statistik
für die Jahre 2012 (1. April bis 31. Dezember) sowie
2013 (1. Januar bis 31. Dezember) vor.110 Rechtliche
Grundlage für die Erhebung der Daten sind § 17 BQFG
sowie die Regelungen im Fachrecht, die auf § 17 BQFG
verweisen. Im Vergleich zu 2012 hat sich in Bezug auf
die Erhebungsmerkmale (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 42) kei­
ne Änderung ergeben. Das heißt unter anderem, dass
auch in der Statistik für 2013 keine Informationen über
zurückgezogene Anträge vorhanden sind. Diese werden
ab der Erhebung für 2015, welche in 2016 stattfindet,
Bestandteil der amtlichen Statistik sein.

110	 Wie	im	ersten	„Bericht	zum	Anerkennungsgesetz“	(Erbe	u.	a.	2014,	
S. 42	f.)	dargestellt	wurde,	gab	es	bei	den	Daten	für	2012	noch	
einige Unplausibilitäten. Durch die Entwicklung weiterer Plausibi­
litätsfilter	sowie	die	Anpassung	der	„Begriffe	und	Erläuterungen“	
(vgl.	Statistisches	Bundesamt	2014)	zur	Statistik	konnte	die	Zahl	
unplausibler Angaben verringert werden. Dennoch sind auch in den
Daten	für	2013	wieder	Meldungen	enthalten,	die	Merkmalsausprä­
gungen	kombinieren,	die	inhaltlich	nicht	möglich	sind.	So	wurden	
zum Beispiel 159 Fälle bei reglementierten Berufen gemeldet,
bei denen eine Entscheidung sowohl unter Berücksichtigung
der Berufserfahrung als auch gleichzeitig als eine automatische
Anerkennung im Sektorenberuf erfolgte. In diesen Fällen wird die
Gleichwertigkeit	der	Berufsqualifikation	nach	den	Vorgaben	der	Be­
rufsanerkennungsrichtlinie (Titel III, Kapitel III) und der jeweiligen
Umsetzung im Fachgesetz automatisch anerkannt. Daher muss die
Berufserfahrung nicht berücksichtigt werden, weshalb es sich um
Falschmeldungen handeln muss. Es wird laufend daran gearbeitet,
unplausible	Meldungen	in	den	kommenden	Jahren	weitestgehend	
auszuschließen. Zudem kommt es bei einer vergleichsweise jungen
Statistik in den ersten Erhebungsjahren erfahrungsgemäß noch zu
fehlerhaften Meldungen.

72

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Die hier dargestellten Ergebnisse der amtlichen Statis­
tik beziehen sich ausschließlich auf bundesrechtlich
geregelte Berufe. Für die landesrechtlich geregelten
Berufe gibt es bisher noch keine koordinierte Statistik,
sodass eine zusammenhängende Abbildung des gesam­
ten Anerkennungsgeschehens in Deutschland noch
nicht möglich ist. Diese wird jedoch angestrebt.
Für das Berichtsjahr 2013 wurden dem Statistischen
Bundesamt insgesamt 16.695 Verfahren auf Anerken­
nung einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation
in den Bundesberufen gemeldet. Davon waren 15.477
Meldungen neue Anträge, die im Jahr 2013 erstmalig
gestellt wurden. Die verbleibenden 1.218 Meldungen
des Jahres 2013 beziehen sich auf Anträge, die bereits
im Jahr 2012 gestellt und in 2012 nicht abschließend
bearbeitet wurden.
Vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 wurden insge­
samt 13.344 Verfahren beschieden. Abbildung 15 zeigt,
wie sich die Anträge und die Bescheide auf reglemen­
tierte und nicht reglementierte Berufe in den Berichts­
jahren 2012 und 2013 verteilen.

Dabei wird deutlich, dass sowohl 2012 als auch 2013
mehr als drei Viertel aller Anträge für die Anerkennung
eines reglementierten Referenzberufes gestellt wurden.
Dies ist vor allem darin begründet, dass bei reglemen­
tierten Berufen eine erfolgreiche Anerkennung der Be­
rufsqualifikation die Voraussetzung zur Ausübung des
Berufes in Deutschland ist. Im Bereich der reglemen­
tierten Berufe wurden 2013 80,3 Prozent der Verfahren
beschieden (2012 waren es 81,8 Prozent), im Bereich
der nicht reglementierten Berufe waren es 78,5 Prozent
(im Jahr 2012 waren es 36,1 Prozent). Bei den übrigen
Anträgen stand zum Stichtag 31. Dezember 2013 eine
Entscheidung noch aus. Es zeigt sich also, dass sich der
Anteil der abgeschlossenen Verfahren im Bereich der
nicht reglementierten Berufe mehr als verdoppelt hat.
Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass sich nach
der Anfangsphase und dem Aufbau neuer Strukturen
für die neuen Verfahren nach dem BQFG die Abläufe
bei den zuständigen Stellen etabliert haben und damit
zügigere Verfahren bereitgehalten werden können.
Von den insgesamt 3.009 im Jahr 2012 nicht abschlie­
ßend bearbeiteten Anträgen (offene Verfahren) wurden
im Jahr 2013 die Bescheide für 1.209 Anträge erteilt

Abbildung 15 Verteilung der Verfahren und Bescheide auf reglementierte und nicht reglementierte Berufe
für 2012 und 2013 (absolut und in Prozent)
18.000
16.000
21,8 %

14.000

22,1 %

12.000
10.000

21,4 %
20,2	%

8.000

10,0	%
77,9 %

6.000
4.000

79,8 %

78,2 %
78,6 %

90,0	%

2.000
0

gemeldete Verfahren
2012	insgesamt
reglementierte Berufe

Bescheide	2012

neue	Verfahren	2013

gemeldete Verfahren
2013	insgesamt

Bescheide	2013	
gesamt

nicht reglementierte Berufe

Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	gemeldete	Verfahren	2012	und	2013;	bei	Verfahren	2012	N	=	10.989,	bei	Bescheiden	2012	
N	=	7.980,	bei	neuen	Verfahren	2013	N	=	15.477,	bei	gemeldeten	Verfahren	2013	N	=	16.695	bei	Bescheiden	2013	N	=	13.344.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Abbildung 16 Überjährige Verfahren von 2012/2013
(absolut und in Prozent)
3.000
2.500
47,0	%
2.000
1.500
18,4 %

1.000
53,0	%
500
0

81,6 %

offene	Verfahren	2012

überjährige Verfahren aus
2012	in	2013	abgeschlossen

reglementierte Berufe
nicht reglementierte Berufe
Quelle: Statistisches Bundesamt, Darstellung des BIBB,
gemeldete	Verfahren	2013.

(vgl. Abbildung 16). Darunter sind die Anträge mit
reglementierten Referenzberufen stark überrepräsen­
tiert. Nahezu zwei Drittel der offenen Verfahren mit
reglementiertem Referenzberuf aus 2012 wurden 2013
beschieden, während es bei Anträgen mit nicht reg­
lementiertem Referenzberuf weniger als ein Sechstel
waren. Folglich wurden von den nicht abgeschlossenen
Verfahren bei nicht reglementierten Referenzberufen
aus dem Jahr 2012 über 80 Prozent auch im Jahr 2013
nicht beschieden (bei reglementierten Berufen weniger
als 40 Prozent).
Diese Verfahren wurden entweder beendet, weil der
Antrag zurückgezogen wurde, oder sie befinden sich
weiterhin in der Bearbeitung. In beiden Fällen er­
folgt keine Meldung an die Statistischen Ämter. Da
die Statistik bis einschließlich zum Berichtsjahr 2014
zurückgezogene Anträge nicht dokumentiert (siehe
III­3.9), kann über den Verbleib der übrigen offenen
Verfahren des Berichtsjahres 2012 (N = 1.800) keine zu­
verlässige Aussage gemacht werden. Auffällig ist jedoch,
dass Verfahren mit reglementierten Referenzberufen
deutlich häufiger zum Abschluss gekommen sind als
Verfahren mit nicht reglementierten Referenzberufen.
Hier kommt möglicherweise nochmals zum Ausdruck,
dass die Anerkennung in reglementierten Berufen eine

73

Schlüsselrolle beim Arbeitsmarktzugang besitzt und
somit für die Antragstellenden von großer Bedeutung
sein kann. Die Zahlen werden in den kommenden
Jahren weiter beobachtet.111
Die dokumentierten überjährigen Verfahren sind durch
eine auffällig lange Verfahrensdauer gekennzeichnet.112
Sie beträgt im Durchschnitt aller überjährigen Verfah­
ren 232 Tage. Demgegenüber lag der Durchschnitt aller
Verfahren 2013 bei 59 Tagen. Das ist ein Indiz dafür,
dass es sich bei den überjährigen Verfahren zum Teil um
Anträge handelt, die einen höheren Bearbeitungsauf­
wand verursachen, oder um Verfahren, die aus anderen
Gründen mehr Zeit in Anspruch nehmen. Dafür spricht
auch, dass mit 16 Prozent deutlich mehr Antragstellen­
de ihren Wohnsitz im Ausland hatten (gegenüber ca.
9 Prozent im Gesamtdurchschnitt) und ein sehr hoher
Anteil von Drittstaaten sowohl bei der Staatsangehö­
rigkeit (55 Prozent gegenüber 38 Prozent im Gesamt­
durchschnitt) als auch den Ausbildungsstaaten (60 Pro­
zent gegenüber 46 Prozent im Gesamtdurchschnitt)
vorliegt. Bei diesen Verfahren können in der Regel keine
automatischen Anerkennungen nach der EU­Berufsan­
erkennungsrichtlinie zur Anwendung kommen.
Die Verfahrensdauer ist bei Anträgen aus dem Ausland
im Durchschnitt höher als bei Antragstellenden, die
ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Während die
abgeschlossenen Verfahren von Antragstellenden mit
Wohnsitz in Deutschland zu 12,3 Prozent erst nach
mehr als vier Monaten und zu 5,6 Prozent nach mehr
als sieben Monaten entschieden werden konnten, wa­
ren es bei Antragstellenden mit Wohnsitz im Ausland
16,0 Prozent nach mehr als vier und 12,1 Prozent nach
mehr als sieben Monaten. Besonders betroffen sind
Antragstellende mit Wohnsitz außerhalb der EU, dem
EWR oder der Schweiz. Etwa die Hälfte dieser Verfah­
ren wurde in bis zu vier Monaten noch nicht entschie­
den. Auch nach sieben Monaten waren 45 Prozent
dieser Verfahren noch offen.

111 Bei dieser vergleichsweise jungen Statistik muss in den ersten
Erhebungsjahren noch mit nicht plausiblen Meldungen gerechnet
werden.	So	besteht	die	Möglichkeit,	dass	überjährige	Verfahren	nicht	
als solche in Erscheinung treten, wenn beispielsweise das Datum der
Antragstellung falsch gemeldet wird.
112 Die dargestellten Auffälligkeiten von überjährigen Verfahren sind
nicht kausal auf die Überjährigkeit zurückzuführen. Lang andauernde
Verfahren	haben	vielmehr	eine	erhöhte	Wahrscheinlichkeit	bis	zum	
Jahresende	noch	nicht	abschließend	bearbeitet	zu	sein	und	gelten	
damit als überjährig.

74

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Diese Diskrepanz zeigt sich auch, aber weniger stark
ausgeprägt, wenn man die Ausbildungsstaaten der An­
tragstellenden betrachtet. Liegen diese außerhalb der
EU, dem EWR und der Schweiz, dauert mehr als jedes
sechste Verfahren (17,5 Prozent) länger als vier Monate
und fast jedes zehnte (9,6 Prozent) Verfahren dauert
länger als sieben Monate. Zum Vergleich: Liegt der
Ausbildungsstaat innerhalb der EU, dem EWR oder der
Schweiz, dauert weniger als jedes zehnte (8,6 Prozent)
Verfahren länger als vier Monate und nur etwa jedes
dreißigste (3,4 Prozent) Verfahren länger als sieben
Monate.
Abbildung 17 zeigt die Art und den Gegenstand der
Entscheidung bei reglementierten und nicht regle­
mentierten Berufen. Es werden deutliche Unterschiede
Abbildung 17 Ergebnisse der beschiedenen Verfahren
bei reglementierten und nicht
reglementierten Berufen für 2013
(absolut und in Prozent)
100	%
90	%

414

54

72

1.899

80	%

936

70	%
60	%
50	%
40	%

8.172
1.797

30	%
20	%
10	%
0	%

reglementierte Berufe

nicht reglementierte Berufe

Unaufklärbarkeit des Sachverhaltes
(nur bei nicht reglementierten Berufen)
keine Gleichwertigkeit
	 Auflage
	
	einer	Ausgleichsmaßnahme	
(nur bei reglementierten Berufen)
teilweise Gleichwertigkeit
(nur bei nicht reglementierten Berufen)
volle Gleichwertigkeit (inkl. positiv-beschränkter Berufs­
zugang nach HwO bei reglementierten Berufen)
Quelle: Statistisches Bundesamt, Darstellung des BIBB,
beschiedene	Verfahren	2013.

zwischen diesen beiden Berufskategorien sichtbar. Von
den bereits beschiedenen Anträgen für reglementierte
Berufe wurde bei 77,9 Prozent eine volle Gleichwer­
tigkeit der Berufsqualifikation festgestellt. Dabei ist
jedoch zu beachten, dass dieser vollen Anerkennung
in 1.287 Fällen die Absolvierung einer Ausgleichsmaß­
nahme vorausgegangen ist. Für 18,1 Prozent steht diese
noch aus (Bescheide mit „Auflage“). Nur 4,0 Prozent der
Bescheide sind Ablehnungen, das heißt es besteht keine
Gleichwertigkeit. Insgesamt zeigt sich also eine gering­
fügige Verschiebung gegenüber 2012. Diese bezieht sich
vor allem auf Bescheide mit „Auflage“ (von 12,7 Prozent
im Jahr 2012 auf 18,1 Prozent im Jahr 2013). Da bei diesen Verfahren erst nach bestandener Eignungs­ oder
Kenntnisprüfung beziehungsweise durchgeführtem
Anpassungslehrgang die volle Gleichwertigkeit be­
scheinigt werden kann, ist dies jedoch keine inhaltliche
Verschiebung, sondern zeigt nur an, dass der Anteil
derer, die zum Jahresende die Auflage noch nicht erfüllt
haben, gestiegen ist. Der Anteil der negativen Beschei­
de ist dagegen nur minimal um 0,5 Prozentpunkte
gestiegen.
Von den bereits entschiedenen Verfahren für nicht re­
glementierte Berufe konnte bei 62,9 Prozent eine volle
Gleichwertigkeit festgestellt und beschieden werden.
Bei 32,8 Prozent wurde eine teilweise Anerkennung
ausgesprochen, das heißt es wurden wesentliche Un­
terschiede zwischen der Berufsqualifikation der antrag­
stellenden Person und dem deutschen Referenzberuf
festgestellt. In einem solchen Fall erhält die antragstel­
lende Person einen Bescheid, in dem „die vorhandenen
Berufsqualifikationen der Antragstellerin oder des An­
tragstellers sowie die wesentlichen Unterschiede zwi­
schen den vorhandenen Berufsqualifikationen und der
entsprechenden inländischen Berufsbildung darzule­
gen“ (BQFG § 7 Absatz 2) sind. 2,5 Prozent der Beschei­
de stellen keine (volle oder teilweise) Gleichwertigkeit
fest. Bei 1,9 Prozent der abschließend bearbeiteten Fälle
wurde der Antrag wegen Unaufklärbarkeit des Sach­
verhaltes abgelehnt. Damit zeigt sich für diesen Bereich
eine deutliche Verschiebung. Wurde im Jahr 2012 noch
in 21,0 Prozent der Verfahren in diesem Bereich keine
(volle oder teilweise) Gleichwertigkeit festgestellt, so
waren dies 2013 nur noch 2,5 Prozent. Deutlich ge­
stiegen ist dagegen der Anteil der Bescheide, die eine
teilweise Gleichwertigkeit feststellen (von 9,1 Prozent
auf 32,8 Prozent). Da bei nicht reglementierten Berufen,

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

75

Abbildung	18	 Die	20	häufigsten	Referenzberufe	im	Jahr	2013	(absolut)
Ärztin/Arzt (Erteilung der Approbation)

6.687

Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in

3.810

Physiotherapeut/-in 579
Bürokauffrau/-kaufmann 429
Zahnärztin/Zahnarzt (Erteilung der Approbation)

294

Elektroniker/-in

195

Industriemechaniker/-in

189

Apotheker/-in (Erteilung der Approbation)

186

Tierärztin/Tierarzt (Erteilung der Approbation)

162

Logopädin/Logopäde

159

Kraftfahrzeugmechatroniker/-in

156

Hebamme/Entbindungspfleger

156

Verkäufer/-in

141

Medizinisch-technische/-r Laboratoriumsassistent/-in

117

Pharmazeutisch-technische/-r Assistent/-in

114

Friseur/-in

114

Elektroanlagenmonteur/-in

105

Masseur/-in und medizinische/-r Bademeister/-in

105

Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel 102
Elektroniker/-in für Betriebstechnik

99
0

2.000

4.000

6.000

8.000

Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	gemeldete	Verfahren	2013.

wie oben dargestellt, auch im Falle einer festgestellten
teilweisen Gleichwertigkeit vorhandene Qualifikatio­
nen und Kompetenzen dokumentiert werden, können
solche Bescheide den Personen eine gezielte Nachqua­
lifizierung ermöglichen, aufgrund der damit gegebenen
Transparenz für (potenzielle) Arbeitgeber die Chancen
auf dem Arbeitsmarkt erhöhen oder die Aufgabenüber­
tragung der aktuell ausgeübten beruflichen Tätigkeit
positiv beeinflussen.
Die Berufshauptgruppe 113, in der die meisten Verfah­
ren bearbeitet wurden, ist auch im Jahr 2013 die der

113	 Die	Klassifikation	der	Berufe	2010	besitzt	fünf	hierarchische	Glie­
derungsebenen:	10	Berufsbereiche,	37	Berufshauptgruppen,	144	
Berufsgruppen,	700	Berufsuntergruppen	und	1.286	Berufsgattungen.

medizinischen Gesundheitsberufe114 mit einem Anteil
von 76,3 Prozent an allen Verfahren. Das ist ein leich­
ter Rückgang gegenüber 2012 mit 78,2 Prozent. Die

114 Medizinische Gesundheitsberufe, für die bereits Anerkennungs­
verfahren gemeldet wurden: Medizinische/-r Fachangestellte/-r;
Zahnmedizinische/-r Fachangestellte/-r; Podologin/Podologe;
Tiermedizinische/-r Fachangestellte/-r; Medizinisch-techni­
sche/-r Laboratoriumsassistent/-in; Medizinisch-technische/-r
Assistent/-in für Funktionsdiagnostik; Medizinisch-technische/-r
Radiologieassistent/-in; Veterinärmedizinisch-technische/-r
Assistent/-in;	Gesundheits-	und	Kinderkrankenpfleger/-in;	Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in;	Rettungsassistent/-in;	Hebamme/Ent­
bindungspfleger;	Ärztin/Arzt	(Erteilung	der	Approbation);	Zahnärztin/
Zahnarzt (Erteilung der Approbation); Tierärztin/Tierarzt (Erteilung
der Approbation); psychologische/-r Psychotherapeut/-in (Erteilung
der Approbation); Masseur/-in und medizinische/-r Bademeister/-in;
Physiotherapeut/-in; Ergotherapeut/-in; Logopädin/Logopäde;
Diätassistent/-in; Apotheker/-in (Erteilung der Approbation);
Pharmazeutisch-technische/-r Assistent/-in; Pharmareferent/-in.

76

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	19	 Ergebnisse
	
	der	beschiedenen	Verfahren	bei	den	drei	häufigsten	reglementierten	Referenzberufen	
für 2013 (absolut und in Prozent)
100	%

69

15

165
1.017

90	%

75

534

80	%
70	%
60	%
50	%
5.016

40	%

318

1.869

30	%
20	%
10	%
0	%

Ärztin/Arzt
(Erteilung der Approbation)

Gesundheits- und
Krankenpfleger/-in

Physiotherapeut/-in

volle Gleichwertigkeit (inkl. positiv-beschränkter Berufszugang nach HwO)
	 	Auflage	einer	Ausgleichsmaßnahme	
keine Gleichwertigkeit
Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	beschiedene	Verfahren	2013.

Abbildung	20	 	Ergebnisse	der	beschiedenen	Verfahren	bei	den	drei	häufigsten	nicht	reglementierten	Referenzberufen im Jahr 2013 (absolut und in Prozent)
100	%

3

6

90	%

12

99
80	%

69

70	%

30

60	%
50	%
40	%
249
30	%

96

60

Industriemechaniker/-in

Elektroniker/-in

20	%
10	%
0	%

Bürokauffrau/-mann
volle Gleichwertigkeit

keine Gleichwertigkeit

teilweise Gleichwertigkeit

Unaufklärbarkeit des Sachverhaltes
Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	beschiedene	Verfahren	2013.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

77

Abbildung	21	 Die
	 	20	häufigsten	Staatsangehörigkeiten	der	Personen,	deren	Verfahren	im	Jahr	2013	bearbeitet	
wurde (absolut)
Deutsch

2.601

Polnisch

1.320

Rumänisch

1.293
798

Spanisch

723

Russisch

627

Ungarisch

585

Griechisch
Syrisch

525

Türkisch

504
444

Kroatisch

429

Ukrainisch
Bulgarisch

393

Bosnien und Herzegowina

390

Österreichisch

387

Serbisch (ohne Kosovo)

339

Ägyptisch

339

Niederländisch

285

Tschechisch

273

Libysch

273

Slowakisch

258
0

500

1.000

1.500

2.000

2.500


3.000

Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	gemeldete	Verfahren	2013.


Dominanz dieser Berufshauptgruppe wird besonders
deutlich, wenn die Referenzberufe betrachtet werden,
in denen die meisten Anträge gestellt wurden (siehe
Abbildung 18). Die ersten drei Berufe der Rangliste
stammen aus dieser Berufshauptgruppe und vereinen
mehr als 11.000 Verfahren auf sich. Das sind bereits
etwa zwei Drittel aller Verfahren.
6.687 und damit mit Abstand die meisten Verfahren
auf Anerkennung wurden für den Referenzberuf Ärztin
und Arzt gemeldet. Das entspricht etwa 40 Prozent
aller Verfahren, während es im Vorjahr noch etwa die
Hälfte war. Daneben sind vor allem die Gesundheits­
und Krankenpflegerinnen und -pfleger von großer
Bedeutung. Mit 3.810 Verfahren stellen sie 2013 fast
23 Prozent aller Verfahren. Im Bereich der nicht regle­
mentierten Berufe ist Bürokauffrau beziehungsweise
Bürokaufmann mit 429 Verfahren der am häufigsten
nachgefragte Referenzberuf.

Bei Art und Gegenstand der Entscheidungen zeigen
sich zwischen reglementierten und nicht reglementier­
ten Berufen moderate Unterschiede (vgl. Abbildung 19
und Abbildung 20). Während bei Anträgen auf Appro­
bation zur Ärztin oder zum Arzt nur etwas mehr als
1 Prozent der Bescheide Ablehnungen waren, waren es
bei Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfle­
gern 6,4 Prozent. Auch der Anteil der Bescheide mit der
„Auflage“ einer Ausgleichsmaßnahme ist bei Gesund­
heits- und Krankenpflegerinnen beziehungsweise
-pflegern etwas höher. Bei den Physiotherapeutinnen
und ­therapeuten liegen die Anteile jeweils dazwischen.
Insgesamt sind die Unterschiede zwischen den Beru­
fen geringer als im Berichtsjahr 2012, was vor allem
auf eine andere Verteilung der Entscheidungen bei
Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern
zurückgeführt werden kann. Während im Jahr 2012 für
diesen Referenzberuf noch 11,5 Prozent der Bescheide
keine Gleichwertigkeit festgestellt haben, waren es 2013

78

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	22	 Ausbildungsstaaten
	
	der	Personen,	deren	Verfahren	im	Jahr	2013	bearbeitet	wurde,	
nach Regionen gruppiert (absolut)
EU-Staaten (inkl. EWR und Schweiz)

9.009

Sonstiges Europa

2.841

Vorderasien

1.452
1.050

EU-Kandidatenländer

840

Nordafrika

Ost- und Zentralasien 543
Süd- und Südostasien

285

Südamerika

264

Nordamerika

96

Mittelamerika und Karibik

87

Westafrika 66
Sonstige Ausprägungen 39
Ostafrika 39
Australien und Ozeanien 33
Zentralafrika 30
Südliches Afrika 21
0

2.000

4.000

6.000

8.000

10.000

Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	gemeldete	Verfahren	2013.

nur noch die genannten 6,4 Prozent. Zudem sank der
Anteil der Personen, deren Ausgleichsmaßnahme zum
31. Dezember noch ausstand (20,8 Prozent gegenüber
29,8 Prozent im Berichtsjahr 2012).

17 Prozent Angehörige eines der übrigen europäischen
Staaten waren. Jede/r achte Antragstellerin beziehungs­
weise Antragsteller hat die Staatsangehörigkeit eines
asiatischen Staates.115

Bei den drei häufigsten nicht reglementierten Berufen
sind etwas größere Unterschiede zu erkennen. Mindes­
tens in der Hälfte der Fälle wird bei allen drei Beru­
fen die volle Gleichwertigkeit beschieden. Unter den
Bürokaufleuten sind es mit über zwei Dritteln jedoch
deutlich mehr. Auffällig ist vor allem, dass Ablehnun­
gen (keine Gleichwertigkeit oder Unaufklärbarkeit des
Sachverhaltes) bei Bürokaufleuten und Industrieme­
chanikerinnen und ­mechanikern kaum von Bedeu­
tung sind, während bei den Elektronikerinnen und
Elektronikern etwa ein Sechstel der Bescheide auf diese
Kategorien entfällt.

Wie bereits 2012 waren deutsche Staatsangehörige in
2013 am häufigsten vertreten. Ein großer Teil dieser
Personen hat seinen Wohnsitz in Deutschland und
steht dem hiesigen Arbeitsmarkt damit bereits zur
Verfügung. Mit der Anerkennung ihrer Berufsqualifi­
kationen eröffnen sich den Mitgliedern dieser Gruppe
deshalb unmittelbar verbesserte Möglichkeiten zur
Verwertung ihrer Qualifikationen.

In Bezug auf die Staatsangehörigkeit der Personen,
deren Verfahren bearbeitet wurde (Abbildung 21), zeigt
sich, dass 2013 mehr als 60 Prozent Staatsangehörige
eines EU­/EWR­Staates oder der Schweiz und über

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei den Staaten, in
denen die Personen, deren Verfahren 2013 lief, ihre
Ausbildung absolviert haben (Abbildung 22 und Abbil­

115 Russland wird Europa zugerechnet (vgl. Staats- und Gebietssyste­
matik des Statistischen Bundesamtes): https://www.destatis.de/DE/
Methoden/Klassifikationen/Bevoelkerung/StaatsangehoerigkeitGe­
bietsschluessel.html	(Abruf:	18. März	2015).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

79

Abbildung	23	 Die
	 	20	häufigsten	Ausbildungsstaaten	der	Personen,	deren	Verfahren	im	Jahr	2013	bearbeitet	
wurde (absolut)
Polen

1.653

Rumänien

1.503

Russische	Föderation

1.008
813

Spanien
699

Ungarn

690

Österreich
627

Niederlande
Griechenland

564

Türkei

561
522

Ukraine

501

Syrien

462

Bosnien und Herzegowina
Bulgarien

420

Ägypten

417
327

Kroatien

312

Kasachstan

309

Tschechische Republik

288

Serbien (ohne Kosovo)

282

Libyen

243

Slowakei
0

200

400

600

800

1.000

1.200

1.400

1.600

1.800

Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	gemeldete	Verfahren	2013.

dung 23).116 Auch hier bezogen sich weit mehr als die
Hälfte aller Verfahren auf Personen, die ihre Berufsqua­
lifikation in einem EU-/EWR-Staat oder der Schweiz
erlangt haben. Fast ein Viertel der Berufsabschlüsse
wurde in anderen europäischen Ländern erworben.
Polen war 2013 mit 1.653 Verfahren der häufigste
Ausbildungsstaat, dicht gefolgt von Rumänien als
zweithäufigstem Ausbildungsstaat mit 1.503 Anträgen.
Hier spiegeln sich möglicherweise die stark gestiegenen
Zuwanderungszahlen aus Rumänien wider (siehe IV­1).

mit dem Vorliegen der vollständigen Unterlagen die
jeweiligen Verfahren in der Regel nach drei Monaten
abzuschließen sind.117 Es kann eine „Hemmung des
Fristablaufs“ erfolgen, wenn die vorgelegten Unterlagen
für die materiell­rechtliche Gleichwertigkeitsprüfung
nicht ausreichen oder weil Zweifel an der Echtheit oder
Richtigkeit der vorgelegten Unterlagen bestehen.118
Auch kann die Frist bei schwierig zu entscheidenden
Fällen einmalig angemessen verlängert werden, zum
Beispiel wenn externer Sachverstand eingeholt werden
muss. Ebenfalls „gehemmt“ ist die Entscheidungsfrist,
wenn zur Entscheidungsfindung Qualifikationsanaly­

Von hohem Interesse – insbesondere für die Antrag­
stellenden – ist die Dauer des Verfahrens. Seit 1. De­
zember 2012 ist die Regelung in Kraft, dass beginnend

116 Abweichend von der Staatsbürgerschaft kann dabei Deutschland
nicht genannt werden, da das Anerkennungsgesetz nur im Ausland
erworbene	Berufsqualifikationen	erfasst.

117 Artikel 62 Absatz 2 des Anerkennungsgesetzes in Verbindung mit
§ 6	Absatz	2	BQFG	(BGBl.	2011,	S. 2515	ff.);	im	Fachrecht	zum	Teil	
Verfahrensfrist von vier Monaten.
118	 Vgl.	§ 5	Absatz	5	und	§ 12	Absatz	5	BQFG	sowie	vergleichbare	Rege­
lungen im Fachrecht.

80

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 24 Dauer der bereits beschiedenen Anerkennungsverfahren im Jahr 2013 in Monaten (absolut)
8.000
7.000
6.000
5.000
4.000
3.000
2.000
1.000
0

unter 1

1 bis
unter 2

2 bis
unter 3

3 bis
unter 4

4 bis
unter 5

5 bis
unter 6

6 bis
unter 7

7 bis
unter 8

8 bis
9 bis
10	bis	
11 bis
12 und
unter 9 unter	10 unter 11 unter 12 darüber

Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	beschiedene	Verfahren	2013;	N	=	13.344.

sen durchzuführen sind.119 Zu beachten ist dabei, dass
sich die Dauer des Verfahrens auf den Zeitraum zwi­
schen dem Vorliegen der vollständigen Unterlagen und
dem ersten rechtsmittelfähigen Bescheid bezieht. Dies
bedeutet zum Beispiel, dass der Zeitraum der Absolvie­
rung einer Ausgleichsmaßnahme nicht enthalten ist.
Im Jahr 2013 wurden über 80 Prozent der beschiedenen
Anträge innerhalb der Dreimonatsfrist abschließend
bearbeitet und etwas mehr als die Hälfte sogar inner­
halb eines Monats (vgl. Abbildung 24). Bei etwa 10 Pro­
zent der beschiedenen Anträge dauerte das Verfahren
länger als fünf Monate, was unter Umständen auf die
Komplexität des Einzelfalles oder auf Nachforderungen
von Unterlagen zurückgeführt werden kann. Mit zu­
nehmender Erfahrung in den Anerkennungsverfahren,
insbesondere in Bezug auf schwierig zu recherchieren­
de Berufsqualifikationen oder Länderinformationen,
ist davon auszugehen, dass sich die durchschnittliche
Verfahrensdauer weiter verkürzen wird.
Zwischen den einzelnen Referenzberufen gibt es (teil­
weise deutliche) Unterschiede bei der durchschnitt­
lichen Verfahrensdauer.

119	 Vgl.	§ 6	Absatz 3	und	§ 13	Absatz 3	BQFG	sowie	vergleichbare	Rege­
lungen im Fachrecht.

Insgesamt liegt der Durchschnitt aller Verfahren bei
59,1 Tagen. Dies zeigt, dass die überwiegende Mehrheit
der Verfahren eine moderate Verfahrensdauer aufweist
und lange Verfahren eher die Ausnahme sind. Dabei
variiert die durchschnittliche Verfahrensdauer je nach
Referenzberuf teilweise sehr stark. Insgesamt reicht die
Spannweite von durchschnittlich etwa 18 Tagen bis zu
durchschnittlich etwa 225 Tagen.120 Wie Abbildung 24
zeigt, ist jedoch nur ein kleiner Teil der Verfahren
durch eine sehr lange Verfahrensdauer gekennzeichnet.
Die Dauer eines Verfahrens hängt von unterschied­
lichen Faktoren ab. In den Sektorenberufen121 können
die Verfahren sehr schnell abgeschlossen werden,
wenn eine automatische Anerkennung möglich ist. In
diesen Fällen muss keine Prüfung der Ausbildungsin­
halte durchgeführt werden. Wenn keine automatische
Anerkennung in Betracht kommt, können verschiede­
ne Faktoren, wie zum Beispiel die Nachforderung von
Unterlagen, das Verfahren verzögern.

120	 In	der	Auswahl	befinden	sich	ausschließlich	Referenzberufe	mit	
mindestens	30	abgeschlossenen	Verfahren.
121 Bei den sogenannten Sektorenberufen erfolgt nach der EUBerufsanerkennungsrichtlinie eine automatische Anerkennung. Zu
den	Sektorenberufen	gehören:	Ärztin/Arzt,	Zahnärztin/Zahnarzt,	
Tierärztin/Tierarzt, Apothekerin/Apotheker, Gesundheits- und
Krankenpflegerin/-pfleger,	Hebamme/Entbindungshelfer,	Architek­
tin/Architekt.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Einen Einfluss auf die Dauer der Verfahren hat natür­
lich die Qualität der vorzulegenden Unterlagen. Bei
insgesamt 35,5 Prozent der Verfahren mussten von den
zuständigen Stellen Unterlagen im Rahmen des Ver­
waltungsverfahrens nachgefordert werden. Dieser Wert
beinhaltet nur Nachforderungen, die nach dem Vorlie­
gen und Prüfen der vorgelegten Unterlagen, das heißt
nach der Antragstellung durch die Anerkennungsin­
teressierten erfolgt sind. Demgegenüber wurden bei
lediglich etwa 0,5 Prozent der Verfahren Unterlagen
aufgrund von Zweifeln an der Echtheit oder inhalt­
lichen Richtigkeit nachgefordert.
Die durchschnittliche Verfahrensdauer beträgt bei Ver­
fahren ohne Besonderheiten 51,4 Tage. Wenn während
des Verfahrens Unterlagen nachgefordert wurden, be­
trug die durchschnittliche Verfahrensdauer 72,4 Tage.
Bei einer Fristverlängerung dauerten die Verfahren
durchschnittlich 118,4 Tage, bei der Entscheidung
durch sonstige geeignete Verfahren 78,0 Tage und bei
der Entscheidung unter Berücksichtigung von Berufs­
erfahrung 80,6 Tage.
Es zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Antrags­
zahlen der einzelnen Länder. Die vier Länder mit den
in absoluten Zahlen meisten Anträgen sind Nordrhein­
Westfalen, Bayern, Hessen und Baden­Württemberg.
69 Prozent aller Anträge wurden dort gestellt.122
Der Rechtsweg wird seitens der Antragstellenden selten
beschritten (ohne eigene Abbildung). Bei 2,9 Prozent der
Bescheide, die eine teilweise oder keine Gleichwertigkeit
beschieden (0,3 Prozent aller Bescheide), wurde von den
Antragstellenden Rechtsbehelf gegen die Entscheidung
der zuständigen Stelle eingelegt. Diese Anteile entspre­
chen denen des Jahres 2012.

122	 In	diesen	vier	Ländern	leben	insgesamt	knapp	70 Prozent	der	Bevöl­
kerung mit Migrationshintergrund.

81

82

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

3. Bundeseinheitlicher Verwaltungsvollzug des Anerkennungsgesetzes? –
Ein Blick auf ausgewählte Bereiche

Zielgruppe

Information &
Beratung

Das Wichtigste in Kürze:
	 Die Anerkennungsverfahren funktionieren ganz

überwiegend. Seit dem letzten Bericht wurden
Fortschritte auf dem Weg zu einem einheitlichen
Vollzug gemacht.
	 In der Praxis werden bei Anträgen aus dem
Ausland in einigen Fällen eine Stellenzusage
oder eine Wohnortbescheinigung als Antragsvo­
raussetzung verlangt. Dies entspricht nicht den
gesetzlichen Vorgaben – eine Antragstellung aus
dem Ausland ist vom Gesetzgeber explizit ge­
wünscht, um die Anerkennung für ausländische
Fachkräfte zu verbessern.
	 In vielen Fällen reichen die mit Antragstellung
vorgelegten Unterlagen nicht aus, um die Gleich­
wertigkeitsprüfung durchzuführen. So wurden
2013 bei 35,5 Prozent der Verfahren Unterlagen
nachgefordert. Der Unterschied ist bei reglemen­
tierten Berufen (42,9 Prozent Nachforderungen)
und nicht reglementierten Berufen (9,0 Prozent
Nachforderungen) erheblich.
	 Es gibt kaum Nachforderungen aufgrund von
Zweifeln an Echtheit oder inhaltlicher Richtigkeit
der vorgelegten Unterlagen.
	 Der Unterstützungsbedarf durch externe Sach­
verständige variiert je nach Behörde. In kom­
plizierten Fällen greifen nahezu alle befragten,
für die reglementierten Berufe zuständigen
Stellen auf diese zurück. Die geplante zentrale
Gutachtenstelle für die Gesundheitsberufe wird
daher befürwortet und könnte die Aufgaben
übernehmen, die derzeit von Begutachtenden
unterschiedlicher Einrichtungen (zum Beispiel
Hochschullehrerinnen und ­lehrer unterschied­
lichster Hochschulen) bearbeitet werden. Dies

Verfahren

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

wäre ein wichtiger Schritt zur Qualitätssicherung
der Verfahren.
	 Insbesondere im Bereich der Anerkennung nicht
reglementierter Berufe ist die Berücksichtigung
der Berufserfahrung von großer Bedeutung. Sie
wurde im Jahr 2013 bei 42,1 Prozent der abge­
schlossenen Verfahren zum Ausgleich wesentli­
cher Unterschiede hinzugezogen. Im Bereich der
reglementierten Berufe war dies in 9,7 Prozent
der abgeschlossenen Verfahren der Fall. Wird
Berufserfahrung hinzugezogen, dann kann diese
zumeist festgestellte wesentliche Unterschiede
ausgleichen.
	 1.287 Anträge auf Anerkennung eines reglemen­
tierten Berufes konnten 2013 nach Durchführung
einer Ausgleichsmaßnahme positiv beschieden
werden. Für eine zielgerichtete Umsetzung der
Ausgleichsmaßnahmen ist flächendeckend so­
wohl ein qualitativ als auch quantitativ ausrei­
chendes Angebot notwendig. Hier wäre mögli­
cherweise eine überregionale Zusammenarbeit
von zuständigen Stellen sinnvoll, um regionale
Disparität bei der Zahl der Teilnehmenden auszu­
gleichen.
	 Die am 1. Januar 2014 in Kraft getretene Ver­
ordnung des BMG zur „Durchführung und zum
Inhalt von Anpassungsmaßnahmen zur Erteilung
der Berufserlaubnis in den Heilberufen des Bun­
des“ wird von den befragten zuständigen Stellen
grundsätzlich positiv gesehen, da damit ein wei­
terer Schritt zu bundeseinheitlichen Verfahren
gemacht wurde. Jedoch wird der Umstellungsauf­
wand als nicht unerheblich beschrieben.
	 Insbesondere bei Ärztinnen und Ärzten hat die
Erteilung der Berufserlaubnis einen großen
Stellenwert bei der Vorbereitung auf die Kennt­

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

nisprüfung. Jedoch muss durch Beratung im
Vorfeld sichergestellt werden, dass die dadurch
ermöglichte Erwerbstätigkeit in Verbindung mit
theoretischer Vorbereitung auch wirklich als Prü­
fungsvorbereitung genutzt werden kann.
	 In Bezug auf die geforderten Sprachkenntnisse
und die Frage, ob diese bereits zum Zeitpunkt der
Antragstellung oder erst im Verlauf des Verfah­
rens nachzuweisen sind, zeigt sich für die aka­
demischen Gesundheitsberufe immer noch ein
uneinheitliches Vorgehen der einzelnen Stellen.
Weitere Vereinheitlichungen sind notwendig.
	 Die Gründe, Anträge während des Verfahrens
zurückzuziehen, sind vielfältig. Bei nicht regle­
mentierten Berufen werden Schwierigkeiten bei
der Beschaffung der geforderten Unterlagen und
die Inanspruchnahme von alternativen Verfahren
genannt. Bei reglementierten Berufen sind die
meistgenannten Gründe der Wechsel der Antrag­
stellenden in ein anderes Bundesland oder die
fehlende Bereitschaft an einer Ausgleichsmaß­
nahme teilzunehmen.
 Für den Beruf Altenpflegerin und Altenpfleger
zeigt sich, dass die Möglichkeiten des Anerken­
nungsgesetzes noch nicht ausreichend genutzt
werden können. Dies liegt vor allem daran, dass
aus Sicht der zuständigen Stellen eine Vergleich­
barkeit der ausländischen Qualifikation mit dem
deutschen Anforderungsprofil nicht gegeben
ist. In diesem Bereich müssen weitere Anstren­
gungen unternommen werden (zum Beispiel die
stärkere Einbeziehung der Berufserfahrung), um
dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Die im Titel dieses Kapitels gestellte Frage nach einer
möglichst einheitlichen Umsetzung kann mit den
Ergebnissen der amtlichen Statistik nicht beantwor­
tet werden. Daher wurden ergänzend im Jahr 2014
22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zuständigen
Stellen und von Beratungseinrichtungen mithilfe von
leitfadengestützten Interviews befragt. Darüber hinaus
wurden fünf Personen interviewt, die sich selbst in
einem Anerkennungsverfahren befanden. Zusätzlich
liegen Angaben ausgewählter zuständiger Stellen aus
standardisierten Befragungen zu verfahrensbezogenen
Themengebieten vor (siehe Datensatzbeschreibung im
Anhang A2).

83

Dem vorliegenden Bericht liegen mehr als drei Jahre
Erfahrung mit der Umsetzung der Regelungen des
Anerkennungsgesetzes zugrunde. Dieses Kapitel des
Berichts wird neue Entwicklungen und Regelungen
vorstellen und die Umsetzung der Verfahren, vorhan­
dene Standards und Vorgehensweisen beleuchten.
Der Aufbau dieses Kapitels orientiert sich an den
Schritten, die ein Anerkennungsverfahren beinhaltet.
Es beginnt mit der Antragstellung (vgl. III­3.1) und der
Prüfung und gegebenenfalls der Nachforderung von
Unterlagen (vgl. III­3.2). Die zuständigen Stellen haben
die Möglichkeit auch externe Sachverständige für
die Prüfung der Gleichwertigkeit hinzuzuziehen (vgl.
III­3.3). Vorhandene Berufserfahrung kann dabei zum
Ausgleich festgestellter wesentlicher Unterschiede die­
nen (vgl. III­3.4). Wenn Personen nicht die Möglichkeit
haben, Nachweise über ihre Qualifikation zu erbringen,
zum Beispiel weil sie Flüchtlinge sind, können „sonsti­
ge geeignete“ Verfahren (sogenannte „Qualifikations­
analyse“) zur Feststellung der beruflichen Fertigkeiten,
Kenntnisse und Fähigkeiten eingesetzt werden (vgl.
III­3.5). Bei festgestellten wesentlichen Unterschie­
den in reglementierten Berufen können diese durch
Ausgleichsmaßnahmen ausgeglichen werden, die in
einem Bescheid auferlegt werden (vgl. III­3.6). Um
Grundlagen für eine möglichst einheitliche Durch­
führungspraxis zu schaffen, wurden neue Regelungen
für die Heilberufe des Bundes123 geschaffen, mit denen
zuständige Stellen konkretere Vorgaben unter anderem
darüber erhalten, wie Ausgleichsmaßnahmen in den
Gesundheitsberufen zu gestalten und durchzuführen
sind (vgl. III­3.7). Aktuelle Entwicklungen zum Thema
Sprachanforderungen an die Antragstellenden, die ins­
besondere in den Gesundheitsberufen eine übergeord­
nete Rolle spielen, werden in entsprechenden Gremien
diskutiert und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet (vgl.
III­3.8). Verfahren können auch ohne Bescheid beendet
werden, wenn Anträge seitens der Antragstellenden
zurückgezogen werden (vgl. III­3.9). Im Jahr 2013 hat
die Bundesärztekammer eine neue Musterweiterbil­
dungsordnung verabschiedet und die Anerkennung
ausländischer Fachärzte aus Nicht­EU­Staaten auf eine
neue Grundlage gestellt (vgl. III­3.10). Bei der Anerken­
nung von Altenpflegerinnen und Altenpflegern zeigt

123 Verordnung zur Durchführung und zum Inhalt von Anpassungsmaß­
nahmen zur Erteilung der Berufserlaubnis in den Heilberufen des
Bundes	vom	2. August	2013	(BGBl.	I,	S. 3005).

84

sich Handlungsbedarf, da dieser Bereich anscheinend
derzeit nur eingeschränkten Entfaltungsspielraum für
das Anerkennungsgesetz bietet (vgl. III-3.11).
Alle Interviewten, gleich ob zuständige Stelle, Be­
ratungseinrichtung, Bildungsanbieter oder Betrieb,
sind sich über die Notwendigkeit des Anerkennungs­
gesetzes und seines Nutzens an sich einig. Kritische
Einschätzungen beziehen sich daher in der Regel
weniger auf die gesetzlichen Regelungen, sondern auf
deren teilweise noch uneinheitliche Umsetzung und
Anwendung, insbesondere im reglementierten Bereich.
Aussagen zur Uneinheitlichkeit im Verwaltungsvollzug
treffen aber nicht auf alle Berufsbereiche zu. Gerade
in den nicht reglementierten Berufen wurden durch
Bündelungen von Zuständigkeiten und Kompetenzen
Voraussetzungen für eine einheitliche Umsetzung der
Regelungen geschaffen (vgl. II­2.1).

3.1 Antragstellung aus dem Ausland – unabhängig
von	Aufenthaltstitel,	Wohnort	und	Arbeitsstelle?
Personen, die einen Antrag auf die Anerkennung ihrer
im Ausland erworbenen Berufsqualifikation stellen
wollen, können dies grundsätzlich unabhängig davon
tun, ob sie sich bereits in Deutschland befinden oder
nicht. Die Antragstellung aus dem Ausland wurde vom
Gesetzgeber explizit vorgesehen und erwünscht, um
die Möglichkeiten der Anerkennung für ausländische
Fachkräfte zu verbessern (vgl. BMBF 2012 und Bun­
desrat 2012). Auch ein gesicherter Aufenthaltstitel ist
nach dem Willen des Gesetzgebers nicht Voraussetzung
für ein Verfahren. Die Entkoppelung der Antragsbe­
rechtigung vom Aufenthaltsstatus sollte dem Umstand
Rechnung tragen, dass die Anerkennung des ausländi­
schen Berufsabschlusses in bestimmten Konstellatio­
nen Voraussetzung für ein Einreisevisum oder einen
Aufenthaltstitel ist (siehe II­1.4).
Nach der amtlichen Statistik hatten 9,4 Prozent der
Personen, deren Verfahren 2013 bearbeitet wurden,
ihren Wohnort zum Zeitpunkt der Antragstellung
nicht in Deutschland. Fast drei Viertel dieser Personen
wohnten bei der Antragstellung in einem Staat der
Europäischen Union. Der Anteil von Antragstellenden
mit einem Wohnort im Ausland ist bei reglementierten
Berufen mit 10,6 Prozent deutlich höher als bei nicht
reglementierten Berufen mit 4,7 Prozent.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Beratungsstellen und Antragstellende124 berichteten
jedoch von Fällen, in denen im Bereich des Ländervoll­
zugs die zuständigen Stellen von Antragstellenden aus
dem Ausland eine Wohnortbescheinigung in Deutsch­
land und/oder Stellenzusage forderten, da sich nur
daraus die örtliche Zuständigkeit ableiten lasse. Ohne
diese Nachweise würden die Anträge seitens dieser
zuständigen Stellen nicht angenommen.
Die örtliche Zuständigkeit ergibt sich für die Anerken­
nungsverfahren aus § 3 VwVfG, das heißt nach dem
Ort, an dem ein Beruf ausgeübt wird oder werden
soll.125 Auch für die Gesundheitsberufe ist entsprechend
§ 3 Absatz 1 Nr. 2 VwVfG die örtliche Zuständigkeit
dann begründet, wenn die Antragstellenden die Absicht
erklären, in dem betreffenden Bundesland arbeiten
zu wollen. Aus diesem Grund sind Auslandsanträge in
diesen Fällen zu bearbeiten, auch wenn keine Wohn­
ortbescheinigung oder Stellenzusage vorliegt.
Eine weitere Schwierigkeit bei Anträgen aus dem
Ausland ergibt sich dann, wenn bei reglementierten
Berufen ein Antrag als nicht gleichwertig beschieden
wird und Ausgleichsmaßnahmen zur Erlangung der
vollen Gleichwertigkeit nötig werden. Bei den Visastel­
len beziehungsweise den Ausländerbehörden stellt sich
in diesen Fällen die Frage, ob und welche Aufenthalts­
erlaubnis im Kontext des § 8 BeschV126 für die Teil­
nahme an einer Ausgleichsmaßnahme erteilt werden
kann. Vor allem liegen dann über den zu erteilenden
Aufenthaltstitel Unsicherheiten vor, wenn die Antrag­
stellenden eine Kenntnisprüfung absolvieren müssen
und dafür an einem Vorbereitungslehrgang teilnehmen
wollen.
Auf Initiative des BMBF haben die betroffenen Bun­
desressorts (BMBF, BMAS, BMI, Bundesministerium
für Gesundheit (BMG), Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Auswärtiges
Amt (AA)) und die BA eine gemeinsame Empfehlung
für die Behandlung von Auslandsanträgen erarbei­

124 Interviews mit Beratungseinrichtungen sowie Eingaben von poten­
ziellen Antragstellenden bei Ministerien.
125	 § 3	Absatz	1	Nr. 2	VwVfG:	„Örtlich	zuständig	ist	[…]	in	Angelegenhei­
ten,	die	sich	[…]	auf	die	Ausübung	eines	Berufs	oder	auf	eine	andere	
dauernde	Tätigkeit	beziehen,	die	Behörde,	in	deren	Bezirk	[….]	der	
Beruf oder die Tätigkeit ausgeübt wird oder werden soll.“
126	 § 8	BeschV:	Praktische	Tätigkeiten	als	Voraussetzung	für	die	Aner­
kennung	ausländischer	Berufsqualifikationen.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

85

tet, um eine möglichst einheitliche und reibungslose
Verwaltungspraxis sicherzustellen. Darin wurde unter
anderem auch das Problem der örtlichen Zuständigkeit
behandelt und klargestellt, dass Stellenzusage oder
Wohnortbescheinigung keine Voraussetzungen für
die Antragstellung sind. Die Empfehlung wurde an die
ausführenden Stellen weitergegeben.

Fachkraft künftig während des Sprachkurses bereits
als Krankenpflegehelferin beziehungsweise -helfer
arbeiten.128

In der gemeinsamen Empfehlung wird auch fest­
gehalten, dass § 17 AufenthG (betriebliche Aus- und
Weiterbildung) bei überwiegend praktisch ausgerich­
teten Anpassungslehrgängen, hingegen § 16 Absatz 5
AufenthG (Schulbesuch) bei überwiegend fachtheo­
retischen Anpassungslehrgängen als Aufenthaltstitel
für eine Anpassungsmaßnahme in Betracht kommt.
Hieraus ergeben sich derzeit Schwierigkeiten, insbe­
sondere wenn die Sicherung des Lebensunterhalts bei
überwiegend fachtheoretischen Lehrgängen von den
Antragstellenden nachzuweisen ist.

Das Anerkennungsgesetz sieht vor, dass im Rahmen
des Anerkennungsverfahrens geprüft wird, ob durch
Dokumente die Gleichwertigkeit eines ausländischen
mit einem aktuellen deutschen Berufsabschluss (dem
sogenannten „Referenzberuf“) festgestellt werden kann.
Die Grundlage für die Gleichwertigkeitsprüfung ist der
Nachweis über einen ausländischen Berufsabschluss.
In diesem ersten Schritt werden damit Lernergebnisse
formalen Lernens für die Beurteilung der Gleichwertig­
keit berücksichtigt. Durch die von den Antragstellenden
vorgelegten Nachweise der erfolgreichen Teilnahme am
jeweiligen Ausbildungsgang ist durch Dritte versichert,
dass die Qualifikation der Antragstellenden vorhanden
ist. Zentral ist dabei immer die Frage, ob wesentliche
inhaltliche und zeitliche Unterschiede zwischen der
ausländischen Berufsqualifikation und dem inländi­
schen Referenzberuf bestehen (vgl. Böse, Schreiber und
Lewalder 2014). Bei festgestellten wesentlichen Unter­
schieden wird in einem zweiten Schritt geprüft, ob diese
durch Berufserfahrung oder weitere Befähigungsnach­
weise ausgeglichen werden können (vgl. III­3.4).

Am 3. Dezember 2014 hat das Bundeskabinett den
Entwurf eines Gesetzes zur Neubestimmung des
Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung beschlos­
sen.127 Enthalten sind darin auch aufenthaltsrechtliche
Verbesserungen im Kontext der Anerkennung auslän­
discher Berufsqualifikationen. In § 17a AufenthGE wird
eine neue Möglichkeit für ausländische (auch nicht
akademische) Fachkräfte geschaffen, eine Anpas­
sungsqualifizierung in Deutschland durchzuführen.
Die Neuregelung schafft dabei einen Aufenthaltstitel
für alle Bildungsmaßnahmen, die im Kontext eines
Anerkennungsverfahrens infrage kommen, wie zum
Beispiel Anpassungslehrgänge, Vorbereitungskurse auf
Prüfungen und auch für Sprachkurse. § 17a AufenthGE
berechtigt darüber hinaus auch zur Einreise zwecks
Absolvierung einer Kenntnisprüfung (siehe II­1.4). Der
geplante Aufenthaltstitel soll es künftig auch ermögli­
chen, begleitend zu einer Anpassungsmaßnahme eine
Beschäftigung aufzunehmen, die im Zusammenhang
mit dem angestrebten Beruf steht. Dies wird vor allem
in den Pflegeberufen zu weiteren Verbesserungen füh­
ren. Wird beispielsweise die Anerkennung als Gesund­
heits- und Krankenpflegerin oder -pfleger beantragt
und fehlen Deutschkenntnisse, kann die ausländische

127 Bundesrats-Drucksache: 642/14. Der Bundesrat hat diese neue
Regelung	in	seinem	Beschluss	vom	6. Februar	2015	(BRat-Drs	
642/14(Beschluss)) explizit als positive Ergänzung für Antragstellende aus dem Ausland begrüßt.

3.2 Gleichwertigkeitsfeststellung – notwendige
Unterlagen für den Vergleich mit dem deutschen
Referenzberuf

Damit der ausländische Berufsabschluss mit dem deut­
schen Referenzberuf inhaltlich und zeitlich verglichen
werden kann, benötigen die zuständigen Stellen neben
dem Ausbildungsnachweis, der in der Regel nur in
Form eines Prüfungszeugnisses oder einer Abschluss­
bescheinigung vorliegt, häufig weitere Unterlagen (zum
Beispiel Ausbildungsvorschriften oder Stunden­ und
Fächerauflistungen der Ausbildungsinhalte). Dies kann
sowohl vor Beginn des Verfahrens der Fall sein129, als
auch später während des laufenden Verfahrens. § 15
BQFG legt fest, dass die Antragstellenden die Pflicht
haben, bei der Sachstandsermittlung mitzuwirken.

128 Vgl. www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/955_1569.php
(Abruf:	18. März	2015).
129 Die Frist für die Bearbeitung der von der antragstellenden Person
eingereichten Unterlagen durch die zuständige Stelle beginnt nach
§ 6	Absatz 3	BQFG	beziehungsweise	§ 13	Absatz 3	BQFG	mit	dem	
Eingang der vollständigen Unterlagen; sie kann einmal verlängert
werden.

86

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 25 Nachforderungen von Unterlagen im nicht reglementierten und reglementierten Bereich (in Prozent)
reglementierte Berufe

nicht reglementierte Berufe

9,0	%

42,9	%
57,1	%

91,0	%
keine Nachforderung
Nachforderungen erfolgten
Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	Daten	für	2013,	bei	nicht	reglementierten	Berufen	N	=	3.642,	bei	reglementierten	Berufen	N	=	13.050.

In der amtlichen Statistik nach § 17 BQFG werden die
Fälle erfasst, bei denen Nachforderungen von Unterla­
gen im Rahmen des Verwaltungsverfahrens erfolgen.130
Außerdem gibt sie darüber Auskunft, in welchen Fällen
weitere Unterlagen aufgrund begründeter Zweifel an
der Echtheit oder der inhaltlichen Richtigkeit der vor­
gelegten Nachweise gefordert wurden.
Bei den in 2013 bearbeiteten Anträgen wurden insge­
samt von den zuständigen Stellen in 35,5 Prozent der
Fälle im laufenden Verfahren Unterlagen nachgefor­
dert. Dabei waren es bei reglementierten Berufen sogar
42,9 Prozent der Verfahren, bei denen Unterlagen nach­
gefordert wurden. Im Bereich der nicht reglementierten
Berufe waren Nachforderungen seltener notwendig.
Lediglich in 9,0 Prozent der bearbeiteten Anträge
wurden die Antragstellenden dazu aufgefordert, weitere
Nachweise zu erbringen (siehe Abbildung 25).
Möglicherweise ist die vergleichsweise geringe An­
zahl an Nachforderungen während des Verfahrens
im Bereich der nicht reglementierten Berufe auf die
intensive Einstiegsberatung durch die Industrie­ und
Handelskammern und durch die Handwerkskammern
zurückführen (vgl. III­1.3). Welche Unterlagen benötigt

130	 Vgl.	§ 12	Absatz 4	und	§ 13	Absatz 4	BQFG	beziehungsweise	Fach­
recht	(für	reglementierte	Berufe)	und	§ 5	Absatz 4	und	§ 6	Absatz 4	
BQFG (für nicht reglementierte Berufe).

werden, wird im Rahmen der Beratung bereits vor An­
tragstellung im Detail abgeklärt, sodass diese schon zu
Beginn des Verfahrens vorgelegt werden können.
Die Daten der amtlichen Statistik sowie die standardi­
sierte Befragung der zuständigen Stellen zeigen, dass
nur selten Nachforderungen wegen Echtheits­ und
Richtigkeitszweifeln an vorgelegten Unterlagen auftre­
ten.131 Möglicherweise liegt dies daran, dass sich viele
zuständige Stellen absichern, indem sie die Dokumente
in legalisierter Form von Botschaft oder Konsulat be­
glaubigt und/oder von einem in Deutschland beeidig­
ten Übersetzer fordern.
Die Beschaffung der Unterlagen ist in der Praxis für
Antragstellende, wie im ersten Bericht zum Anerken­
nungsgesetz ausführlich dargestellt, häufig eine große
Herausforderung (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 93 f.). Vor allem
detaillierte Fächerauflistungen mit dazugehörigen
absolvierten Stunden seien im Nachhinein äußerst
schwierig zu bekommen. Die Beschaffung sei mit
hohem zeitlichem und finanziellem Aufwand für die
Antragstellenden verbunden – beispielsweise durch

131 Zu Nachforderungen aufgrund von Zweifeln an der Echtheit oder
der inhaltlichen Richtigkeit der vorgelegten Unterlagen kam es nur
bei	insgesamt	90	Verfahren	(davon	33	bei	nicht	reglementierten	
Berufen	und	57	bei	reglementierten	Berufen),	dies	sind	etwa	0,5	%	
der Verfahren.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

87

Abbildung	26	 Aussage:
	
	Nur	externe	Sachverständige	können	die	Gleichwertigkeitsprüfung	durchführen,	
da sie „vom Fach“ sind. (absolut)
8

6

4

2

0

Ärztinnen und Ärzte

Zustimmung

Gesundheits- und
Krankenpflegerinnen	
und	-pfleger

Zahnärztinnen
und -ärzte

Apothekerinnen
und Apotheker

mehrere
Zuständigkeiten

Ablehnung

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	von	zuständigen	Stellen	in	den	Gesundheitsberufen	(n	=	38).	Die	Antwortmöglichkeiten	„stimme	voll	zu“	und	
„stimme	eher	zu“	wurden	zur	Kategorie	„Zustimmung“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„stimme	eher	nicht	zu“	und	„stimme	nicht	zu“	
zur	Kategorie	„Ablehnung“,	zur	Gesamtzahl	fehlend	=	keine	Angabe.

Kosten für Übersetzung oder notwendige Reisen ins
Herkunftsland (vgl. zur Übernahme der Kosten III­5).132

3.3	Die	Rolle	externer	Sachverständiger	im	Bereich	
ausgewählter reglementierter Gesundheitsberufe
Zuständige Stellen haben die Möglichkeit, für die
Gleichwertigkeitsprüfung auf die Kompetenz externer
Sachverständiger zurückzugreifen. In der Regel werden
die Kosten für externe Sachverständige den Antragstel­
lenden zusätzlich als Verfahrenskosten auferlegt (vgl.
III-5.1 sowie Erbe u. a. 2014, S. 122 ff.).
Informationen über die Inanspruchnahme dieser
Möglichkeit gibt es in der amtlichen Statistik nicht.

132		 Zudem	kam	es	vor,	dass	eine	zuständige	Behörde	nach	erfolgreich	
absolvierter Kenntnisprüfung für die Erteilung der Approbation
einen Nachweis über eine Arbeitsstelle forderte. Dies mündet vor
allem	dann	fast	zwangsläufig	in	eine	unauflösbare	Situation	für	
die Antragstellenden, wenn die Berufserlaubnis bereits abgelaufen
ist, da sie der Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung diente (vgl.
III-3.7.3).	In	dieser	Situation	einen	Arbeitgeber	zu	finden,	ist	für	
die betroffenen Personen nahezu aussichtslos, da für potenzielle
Arbeitgeber der Nachweis über die Approbation Voraussetzung für
eine Anstellung ist.

Daher wurden hierzu eine standardisierte Befragung
der zuständigen Stellen für die ausgewählten Ge­
sundheitsberufe133 sowie Interviews durchgeführt
(siehe Datensatzbeschreibung im Anhang A2). Die
Relevanz externer Sachverständiger bei der Gleich­
wertigkeitsfeststellung wird von den befragten
zuständigen Stellen unterschiedlich eingeschätzt.
Abbildung 26 zeigt, dass es bei allen Berufen zu­
ständige Stellen gibt, nach deren Einschätzung die
Gleichwertigkeitsprüfung aufgrund der notwendigen
Kompetenzen nur von externen Sachverständigen
durchgeführt werden kann.
Noch deutlicher wird es, wenn speziell nach dem
Umgang mit komplizierten Fällen134 gefragt wird. 25
von 34 zuständigen Stellen im Gesundheitsbereich
geben an, dass in diesen Fällen externe Sachverständige

133 Diese Berufe wurden ausgewählt, da hier eine hohe Nachfrage nach
Anerkennung	ausländischer	Berufsqualifikationen	besteht.	Es	liegen	
38	ausgefüllte	Fragebögen	vor.
134 Als „komplizierte Fälle“ werden zum Beispiel Ausbildungen bezeich­
net, die in Ländern erworben wurden, über deren Berufsbildungssys­
tem und -einrichtungen wenige Informationen vorliegen.

88

besonders wichtig sind. Hier wird also deutlich, dass
die zuständigen Stellen bei bestimmten Fällen externen
Sachverstand hinzuziehen, um die Gleichwertigkeits­
prüfung adäquat durchführen zu können.
„Das Einzige, was ich als Handicap empfinde ist, ich sitze
hier als Verwaltungsbeamtin. In keinem der Berufe, die
ich überprüfe, bin ich eine Fachkraft. Deshalb ist es na­
türlich für jemanden Außenstehenden, der in den Berufen
nicht drin steckt, immer relativ schwierig, einen Abgleich
zu machen.“135
Fast alle zuständigen Stellen greifen, nach eigenen Aus­
sagen, zumindest gelegentlich auf die Unterstützung
durch Gutachterinnen und Gutachter zurück. Vier für
die Approbation von Ärztinnen und Ärzten zuständige
Behörden geben an, immer bis eher häufig mit Univer­
sitätsprofessorinnen oder ­professoren zusammenzu­
arbeiten. Bei drei Stellen wird immer bis eher häufig die
ZAB hinzugezogen und bei zwei Stellen die jeweilige
Ärztekammer. Dass mehrere Gutachtertypen von einer
Stelle immer bis eher häufig eingeschaltet werden,
kommt hingegen kaum vor.
Etwas anders zeigt sich das Bild bei den zuständigen
Stellen für Gesundheits- und Krankenpflegerinnen
beziehungsweise -pfleger. Jeweils vier Stellen geben
an, die Berufsfachschulen für die nicht akademischen
Gesundheitsberufe beziehungsweise die ZAB immer bis
eher häufig einzubeziehen, darunter drei, die dies für
beide Gutachtenstellen angaben. Hier scheint es also
aus Sicht der zuständigen Stellen sinnvoll zu sein, die
Gutachtenstellen je nach Fall zu wählen.
Von zuständigen Stellen für Gesundheits­ und Kran­
kenpflegerinnen beziehungsweise -pfleger wurde auch
berichtet, dass man gelegentlich auf „kurzem Weg“
Sachverständige hinzuziehe, zum Beispiel indem man
bei einer bekannten Berufsfachschule der Region an­
rufe und Fragen kurz am Telefon kläre. In diesen Fällen
fielen auch keine zusätzlichen Kosten für die Antrag­
stellenden an. Diese unkomplizierte Möglichkeit biete
sich jedoch nur in Einzelfällen.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Die durchgeführte standardisierte Befragung zeigt
deutlich, dass eine zentrale Gutachtenstelle seitens der
zuständigen Stellen für Gesundheitsberufe mehrheit­
lich befürwortet wird. 32 Stellen stimmen der Aussage
zu, dass es eine zentrale Gutachtenstelle (bei der ZAB)
geben solle, nur vier stimmen nicht zu. Vor allem wird
Wert auf die Bewertung des formalen ausländischen
Abschlusses gelegt. 18 Stellen wünschen sich zudem
aber auch die Bewertung der Berufserfahrung durch
die geplante zentrale Gutachtenstelle.
In Interviews mit zuständigen Stellen wurde hinsicht­
lich der ZAB geäußert, dass man diese zwar gern
einschalten würde, sie jedoch aufgrund der bisher
unzureichenden personellen Ausstattung derzeit in der
Regel für die Bearbeitung der angeforderten Gutachten
so viel Zeit benötige, dass die gesetzlich vorgeschrie­
bene Frist für die Gleichwertigkeitsprüfung nicht ein­
zuhalten sei. Deshalb greife man auf diese Möglichkeit
nur in komplizierteren Fällen zurück.
Auch der Marburger Bund136 fordert ausdrücklich
die Einrichtung einer zentralen Gutachtenstelle, um
mehr Einheitlichkeit in der Umsetzung der Aner­
kennungsverfahren sicherzustellen. Ein effizientes,
faires und vor allem transparentes Prüfverfahren zur
Gleichwertigkeit sei nur durch eine Bündelung von
Sachverstand zu etablieren und würde außerdem
ausländischen Ärztinnen und Ärzten mehr Rechts­
sicherheit gewähren.137 Der Marburger Bund befür­
wortet zudem die Prüfung der Berufserfahrung durch
die zentrale Gutachtenstelle.
Bis heute konnte die Einrichtung der von Bund,
Länderfachseite und zuständigen Stellen stark befür­
worteten zentralen Gutachtenstelle „Gesundheitsbe­
rufe“ beim Sekretariat der KMK noch nicht umgesetzt
werden, da über die Finanzierung bisher nicht abschlie­
ßend entschieden wurde. Die Finanzministerkonferenz
(FMK) hat in Aussicht gestellt, sich mit dem konkreti­
sierten Finanzierungskonzept Anfang 2015 zu befassen.
Mit einem Schreiben vom 7. Oktober 2014 hat sich der

136 Der Marburger Bund – Verband der angestellten und beamteten
Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e. V. ist ein Interessenverband
und eine Fachgewerkschaft für Mediziner in Deutschland mit Sitz in
Berlin.
135 Aussage einer Mitarbeiterin einer zuständigen Stelle für Heil- und
Gesundheitsberufe.

137		 Vgl.	Beschluss	Nr. 1	im	Rahmen	der	123.	Hauptversammlung	des	
Marburger	Bunds	am	25./26.05.2013	in	Hannover.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Verwaltungsrat der BA an die Ministerpräsidentinnen
und Ministerpräsidenten mit der Bitte gewandt, die
Entscheidung zu beschleunigen.138
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Unter­
stützungsbedarf durch externe Sachverständige im
Gesundheitsbereich je nach Behörde variiert. Einig
ist man sich, dass es Fälle gibt, für deren Bearbeitung
externe Gutachterinnen oder Gutachter „vom Fach“
unverzichtbar sind. Die Einrichtung der zentralen
Gutachtenstelle, die von nahezu allen Seiten befürwor­
tet wird, könnte die Aufgaben übernehmen, die derzeit
von unterschiedlichen Gutachtertypen je nach Bundes­
land und zuständiger Stelle übernommen werden. Dies
wäre auch ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung
Vereinheitlichung der Verfahren und würde auch An­
tragstellenden deutlich mehr Transparenz bieten.

3.4 Die Berufserfahrung zum Ausgleich
wesentlicher Unterschiede
Das Anerkennungsgesetz ermöglicht erstmals die
Einbeziehung vorhandener Berufserfahrung zum
Ausgleich von in der formalen Prüfung festgestellten
wesentlichen Unterschieden. Viele Anerkennungsinte­
ressierte haben neben ihrem im Ausland erworbenen
Berufsabschluss auch Berufserfahrung im In­ und Aus­
land gesammelt. Aber kann die Berufserfahrung auch
in der Praxis zum Ausgleich wesentlicher Unterschiede
genutzt werden?
Antwort auf diese Frage gibt die amtliche Statistik: Ob
die Berufserfahrung zum Ausgleich wesentlicher Unter­
schiede berücksichtigt wird, hängt stark vom Zuständig­
keitsbereich ab. Bei den nicht reglementierten Berufen
wurde im Jahr 2013 in 42,1 Prozent aller abgeschlosse­
nen Verfahren die Berufserfahrung hinzugezogen (siehe
Abbildung 27). In 95,2 Prozent der Verfahren, in denen
bei nicht reglementierten Berufen die Entscheidung
unter Berücksichtigung der Berufserfahrung getroffen
wurde, wurde eine volle Gleichwertigkeit bescheinigt.
Nur in sechs Fällen konnte trotz der Berufserfahrung
keine Gleichwertigkeit und bei 51 Verfahren eine teil­
weise Gleichwertigkeit festgestellt werden.

138 Vgl. 3. Bericht der Arbeitsgruppe „Koordinierende Ressorts“ mit
Beschluss	der	220.	Amtschefkonferenz	der	Kultusministerkonferenz	
der	Länder	in	der	Bundesrepublik	Deutschland	vom	6. November	
2014,	S. 9.

89

Im reglementierten Bereich dagegen spielt die Be­
rufserfahrung nur eine vergleichsweise geringe Rolle;
sie wurde in 9,7 Prozent139 der beschiedenen Fälle im
Rahmen der Gleichwertigkeitsprüfung berücksichtigt.
In Bezug auf die erstellten Bescheide zeigt sich ein ähn­
liches Bild. Dort wurde bei 75,3 Prozent der Verfahren,
in denen die Berufserfahrung berücksichtigt wurde,
eine volle Gleichwertigkeit ohne Ausgleichsmaßnahme
festgestellt.
Die Gründe, warum bei den reglementierten Berufen im
Gesundheitsbereich vorhandene Berufserfahrung nicht
berücksichtigt werden kann, werden in Abbildung 28
dargestellt. Zwischen den Berufen, für die die Befragung
durchgeführt wurde, zeigen sich nur bei dem Grund
„Die Berufserfahrung liegt zu lange zurück“ deutliche
Unterschiede. Während dazu nur eine Stelle für die
Approbation von Ärztinnen und Ärzten angibt, dass dies
immer bis eher häufig der Fall ist, sind es bei den Stellen
für Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger
zehn von zwölf. Wenn Berufserfahrung vorhanden ist,
kann diese oftmals nicht berücksichtigt werden, weil der
Zeitraum zu kurz ist, oder auch weil damit Tätigkeiten
dokumentiert sind, die sich nicht auf die festgestellten
wesentlichen Unterschiede beziehen. Problematisch ist
zudem, dass oft keine ausreichenden Nachweise und
Dokumente über die Berufserfahrung vorliegen.
Etwa ein Drittel der befragten zuständigen Stellen für
die ausgewählten reglementierten Gesundheitsberufe
gibt an, dass immer bis eher häufig die Berufserfahrung
deshalb nicht herangezogen werde, weil schon aus der
formalen Prüfung hervorgehe, dass Ausgleichsmaß­
nahmen notwendig seien. Aus den Experteninterviews
ist abzuleiten, dass dies vor allem bei Abschlüssen aus
Drittstaaten der Fall ist. Es gibt Hinweise darauf, dass
bei diesen Abschlüssen die Gleichwertigkeitsprüfung
eher oberflächlich gehalten wird, da die Antragstellen­
den sowieso eine Ausgleichsmaßnahme absolvieren
müssen (vgl. III­3.2).

139 Für reglementierte Berufe wurden insgesamt 1.173 Fälle gemeldet,
bei denen eine Entscheidung unter Berücksichtigung der Berufser­
fahrung erfolgte, jedoch waren darunter 159 Fälle, bei denen eine
automatische Anerkennung im Sektorenberuf erfolgte. In diesen
Fällen	wird	die	Gleichwertigkeit	der	Berufsqualifikation	nach	den	
Vorgaben der Berufsanerkennungsrichtlinie und der jeweiligen
Umsetzung im Fachgesetz automatisch anerkannt. Daher muss die
Berufserfahrung nicht berücksichtigt werden, weshalb diese Fälle
von der Gesamtzahl abgezogen wurden, da es sich um Falschmel­
dungen handeln muss.

90

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 27 Berücksichtigung der Berufserfahrung bei abgeschlossenen Verfahren im nicht reglementierten und
reglementierten Bereich (in Prozent)
reglementierte Berufe

nicht reglementierte Berufe

9,7	%

42,1	%
47,9	%

90,3	%

Berufserfahrung wurde nicht berücksichtigt
Berufserfahrung wurde berücksichtigt
Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	Daten	für	2013,	bei	nicht	reglementierten	Berufen	N	=	2.859,	bei	reglementierten	Berufen	N	=	10.485.

Abbildung	28	 Gründe,
	
	warum	die	Berufserfahrung	bei	den	befragten	zuständigen	Stellen	für	Gesundheitsberufe	
nicht berücksichtigt wird (absolut)

30

Der Zeitraum der Berufserfahrung ist zu kurz.

Es gibt keine oder nur unbrauchbare Nachweise
über die Berufserfahrung.

4

27

Die Berufserfahrung bezieht sich auf
eine andere Tätigkeit und nicht auf die wesentlichen
Unterschiede zum Referenzberuf.

7

24

9

21

Es liegt keine Berufserfahrung vor.

12

13

Die Berufserfahrung liegt zu lange zurück.
Die	Einbeziehung	der	Berufserfahrung	ist	nicht	nötig	
(z. B. weil sich bereits aus der formalen Prüfung ergibt,
dass Ausgleichsmaßnahmen notwendig sind).
0

21

11

20

10
	 immer	–	eher	häufig

20

30

40

eher selten – nie

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	von	zuständigen	Stellen	in	den	Gesundheitsberufen	(n	=	38).	Die	Antwortmöglichkeiten	„immer“,	„häufig“	und	
„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	„immer	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	zur	Kategorie	„eher	selten	bis	nie“,	
jeweils	zur	Gesamtzahl	fehlend	=	keine	Angabe.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Von etwa der Hälfte der befragten Handwerkskam­
mern und auch der Hälfte der zuständigen Stellen
für Gesundheitsberufe wird die Prüfung der Berufs­
erfahrung als aufwendig und zeitintensiv empfun­
den. Ein Grund dafür sei, so berichten die befragten
Anerkennungsstellen in den geführten Interviews,
dass die vorgelegten Dokumente häufig zunächst
nicht aussagekräftig genug seien, um die vorhandene
Berufserfahrung für den Ausgleich von wesentlichen
Unterschieden nutzen zu können. Die konkreten
beruflichen Tätigkeiten und Erfahrungen könnten oft
nicht problemlos durch Dokumente nachgewiesen
werden. Die informell erworbenen Lernergebnisse
müssten aber aus den Unterlagen ableitbar sein. Im
Gegensatz zu Deutschland werden in anderen Ländern
berufliche Tätigkeit und Erfahrung nicht stets durch
Dokumente belegt. Arbeitszeugnisse, insbesondere
in der Form, in der sie in Deutschland bekannt sind,
gibt es häufig nicht. Wenn doch, dann weisen sie zwar
eine bestimmte Zeit in einem Unternehmen nach,
allerdings gehen sie weder auf Inhalte und Dauer der
Tätigkeiten ein noch enthalten sie Informationen zur
Qualität der Arbeit (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 93 f.). Diese
aus den Experteninterviews gewonnenen Erkenntnis­
se spiegeln sich auch in der standardisierten Befragung
der Handwerkskammern wider: Oftmals sind die
vorgelegten Dokumente wenig aussagekräftig. Liegen
Nachweise nur in unzureichender Form vor, müssen
die zuständigen Stellen entsprechende Dokumente
nachfordern, was wiederum den zeitlichen Aufwand
des Verfahrens erhöht. Vor allem auch für die An­
tragstellenden hat dies einen Mehraufwand an Zeit
und Kosten zur Folge, weil sie unter Umständen ihre
ehemaligen Arbeitgeber um weitere Nachweise bitten
und diese gegebenenfalls auch noch übersetzt werden
müssen. Zudem kann auch ein Auslandsaufenthalt zur
Beschaffung der Unterlagen im Herkunftsland nötig
werden (vgl. III­3.2).
Von den zuständigen Stellen im Gesundheitsbereich
geben 18 von 31 an, dass auch die Berufserfahrung
durch eine zentrale Gutachtenstelle geprüft werden
sollte. Wie zu vermuten war, wird dies insbesonde­
re von den zuständigen Stellen gewünscht, die die
Berücksichtigung der Berufserfahrung als aufwendig
betrachten, und die angeben, dass die Dokumente und
Unterlagen selten aussagekräftig seien.

91

Für den Bereich der nicht reglementierten Berufe (in
der Regel die dualen Ausbildungsberufe) belegen die
Ergebnisse sowohl der amtlichen Statistik als auch der
eigenen Befragungen, dass ein durch das BQFG neu
eingeführtes und wesentliches Element, nämlich die
Berücksichtigung von Berufserfahrung, bei der Aner­
kennung Wirkung zeigt. Es wird jedoch deutlich, dass
diese Möglichkeit nach wie vor bei bundesrechtlich
reglementierten Berufen von den zuständigen Länder­
behörden wesentlich seltener genutzt wird.

3.5 Gleichwertigkeitsprüfung mithilfe „sonstiger
geeigneter Verfahren“
Nicht immer haben die Antragstellenden die Möglich­
keit, Nachweise über die vorhandenen Qualifikationen
zu erbringen, zum Beispiel weil sie Flüchtlinge sind
und aussagekräftige Dokumente daher nicht (mehr)
vorlegen können. In solchen Fällen können „sonstige
geeignete“ Verfahren nach § 14 BQFG beziehungsweise
§ 50b HwO (sogenannte „Qualifikationsanalyse“) zur
Feststellung der beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
und Fähigkeiten eingesetzt werden.
Wie Tabelle 9 zeigt, wurden durch die amtliche Statistik
für das Jahr 2013 60 Verfahren bei nicht reglementier­
ten Berufen140 gemeldet, bei denen die zuständige
Stelle die für einen Vergleich mit der entsprechenden
inländischen Berufsbildung maßgeblichen beruflichen
Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten Antragstellen­
der durch sonstige geeignete Verfahren festgestellt hat.
Die durchgeführte standardisierte Befragung von
53 Handwerkskammern im Jahr 2014 zeigt, dass vor
allem auf folgende Methoden bei der Qualifikations­
analyse zurückgegriffen wird (Rangfolge):
 Arbeitsproben
 Fachgespräche
 Rollenspiel, Gesprächssimulation
 Präsentation von Arbeitsergebnissen, Probearbeit im
Betrieb.

140	 „Sonstige	geeignete	Verfahren“	nach	§ 14	BQFG-Bund	sind	systema­
tisch	nicht	auf	die	nicht	reglementierten	Berufe	beschränkt,	finden	
aber	mangels	Regelung	in	den	meisten	beruflichen	Fachgesetzen	
kaum Anwendung bei den reglementierten Berufen (Ausnahme:
Handwerksordnung).

92

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Tabelle	9	 Ergebnisse
	
	der	Verfahren	im	Jahr	2013	im	Bereich	der	nicht	reglementierten	Berufe,	in	denen	auf	ein	
„sonstiges geeignetes Verfahren“ zurückgegriffen wurde (absolut)
Entscheidung vor Rechtsbehelf
davon
Anzahl

Entscheidung durch
sonstige geeignete
Verfahren

	60

negativ
positiv – volle
Gleichwertigkeit

keine
teilweise
Gleichwertigkeit der Gleichwertigkeit der
Berufsqualifikation
	
Berufsqualifikation

27

9

24

Unaufklärbarkeit
des Sachverhalts
–

noch keine
Entscheidung

0

Quelle: Statistisches Bundesamt.

Im Bereich Industrie und Handel entscheidet die IHK
FOSA über die Durchführung einer Qualifikationsana­
lyse. Für die Umsetzung sind die Vor­Ort­Kammern
verantwortlich.

der Qualifikationsanalyse, Handreichung für Expertin­
nen und Experten zur Durchführung einer Qualifikationsanalyse, Qualitätsstandards für eine Qualifikationsanalyse.

Die Experteninterviews, in denen nach ersten Erfah­
rungen mit der Durchführung von Qualifikations­
analysen gefragt wurde, machen deutlich, dass der
organisatorische Aufwand für die zuständigen Stellen
hoch ist. Zwar wird mit zunehmender Durchführungs­
praxis der Aufwand geringer bewertet, doch ist jede
Qualifikationsanalyse letztlich individuell zu gestalten:
Expertinnen und Experten sind ins Verfahren einzu­
weisen und je nach Methode werden auch Werkstätten
und spezifisches Material benötigt. Die Kosten für die
Durchführung sind variabel, können aber abhängig
vom Aufwand relativ hoch sein: Die Spannweite reicht
von zweistelligen Eurobeträgen (zum Beispiel bei
Bürokaufleuten) bis hin zu vierstelligen Eurobeträgen
(zum Beispiel im Bereich Metall; vgl. Erbe u. a. 2014,
S. 125). Bei Leistungsempfängern nach SGB II/III kön­
nen die Kosten von der Arbeitsverwaltung im Einzelfall
nach Ermessen übernommen werden (vgl. III­5).

Im Januar 2015 ist das dreijährige, ebenfalls aus Mitteln
des BMBF finanzierte Transferprojekt „Prototyping
Transfer“ gestartet. Die entwickelten Verfahren sollen
bundesweit bekannter gemacht und praktisch einge­
führt werden; zuständige Stellen sollen unterstützt
und potenzielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer
gewonnen werden. Darüber hinaus wird ein internet­
gestütztes Austauschforum zum Thema auf dem Portal
Anerkennung in Deutschland eingerichtet. Auf diese
Weise soll die Anzahl an qualitätsgesicherten Qualifika­
tionsanalysen erhöht werden (vgl. II­2.2).

Im ehemaligen vom BMBF geförderten Verbundprojekt
Prototyping wurden von August 2011 bis Januar 2014
Standards und Materialien für geeignete Verfahren zur
Feststellung beruflicher Handlungskompetenzen im
Rahmen des § 14 BQFG („sonstige geeignete Verfah­
ren“) erarbeitet, um die für die Durchführung von
Gleichwertigkeitsprüfungen zuständigen Stellen bei
ihrer Aufgabenwahrnehmung zu unterstützen. Unter
anderem wurden folgende Materialien entwickelt und
bundesweit vertrieben: Empfehlung zur Umsetzung

3.6 Ausgleichsmaßnahmen bei reglementierten
Berufen
Von den im Jahr 2013 beschiedenen Verfahren bei
reglementierten Berufen endeten 30,4 Prozent mit
einem positiven Bescheid nach einer Ausgleichsmaß­
nahme beziehungsweise mit der Auflage noch an
einer Ausgleichsmaßnahme teilzunehmen. Formale
Ausgleichsmaßnahmen (Eignungsprüfung oder An­
passungslehrgang) sind nur für reglementierte Berufe
aufgrund der Vorgaben in Richtlinie (RL) 2005/36/
EG gesetzlich geregelt.141 Das Anerkennungsgesetz
141 Aufgrund des Regelungsziels der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie
(2005/36/EG),	die	Arbeitnehmerfreizügigkeit/Dienstleistungsfreiheit	
zu	gewährleisten	und	der	damit	zwingenden	Ermöglichung	des	Be­
rufszugangs sieht das Europarecht bei wesentlichen Unterschieden
von	Qualifikationen	zwingend	Ausgleichsmaßnahmen	(Eignungsprü­
fung oder Anpassungslehrgang) vor.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

93

Abbildung 29 Art der Entscheidung bei positivem Verfahrensausgang in reglementierten Berufen 2013 (absolut)
4.000
3.567
3.000

3.204

2.000

1.000

0

1.113

6
automatische
Anerkennung
Sektorenberuf

Anerkennung
der Berufserfahrung
im Handwerk

ohne Ausgleichs­
maßnahme

mit Eignungs­
prüfung/
Kenntnisprüfung

174
mit Anpassungs­
lehrgang

108
positiv – beschränkter
Berufszugang
nach HwO

Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	Daten	für	2013,	N	=	8.172.

erweitert diese Regelungen soweit möglich auch auf
Inhaberinnen und Inhaber von Drittstaatsabschlüssen:
Durch Ausgleichsmaßnahmen können festgestellte
wesentliche Unterschiede ausgeglichen werden. Je nach
Beruf und rechtlicher Regelung kann das ein Anpas­
sungslehrgang (mit oder ohne abschließende Prüfung,
die sich auf die Inhalte des Lehrgangs bezieht) oder
eine Prüfung (Kenntnis­ oder Eignungsprüfung) sein
(vgl. Erbe u. a. 2014, S. 114 f.).
Die Relevanz von Ausgleichsmaßnahmen zeigt sich
bei der Betrachtung der Entscheidungsgrundlagen der
8.172 Verfahren, die über alle Berufsbereiche und Aus­
bildungsstaaten hinweg bei reglementierten Berufen
positiv beschieden wurden (siehe Abbildung 29).
Am häufigsten wurde eine volle Gleichwertigkeit ohne
die Durchführung einer Ausgleichsmaßnahme festge­
stellt, gefolgt von den automatischen Anerkennungen
in Sektorenberufen.142 Insgesamt 1.287 positive Be­
scheide basierten auf einer durchgeführten Ausgleichs­
maßnahme. Dabei geht die erfolgreiche Ablegung einer
142 Bei den sogenannten Sektorenberufen erfolgt nach der EUBerufsanerkennungsrichtlinie eine automatische Anerkennung. Zu
den	Sektorenberufen	gehören:	Ärztin/Arzt,	Zahnärztin/Zahnarzt,	
Tierärztin/Tierarzt, Apothekerin/Apotheker, Gesundheits- und
Krankenpflegerin/-pfleger,	Hebamme/Entbindungshelfer,	Architek­
tin/Architekt.

Kenntnis­ beziehungsweise Eignungsprüfung wesent­
lich häufiger einem positiven Bescheid voraus als ein
Anpassungslehrgang.143
Abbildung 30 zeigt anhand der Ergebnisse der eigenen
Befragung der zuständigen Stellen für die Gesund­
heitsberufe, dass bei Drittstaatsabschlüssen zumeist
wesentliche Unterschiede vorliegen und somit eine
Ausgleichsmaßnahme zur Erlangung der vollen Gleich­
wertigkeit notwendig ist. Bei einigen Stellen ist dies
sogar immer der Fall. Auf den ersten Blick ist dies ein
Widerspruch zu den Ergebnissen der amtlichen Statis­
tik. Denn die Bescheide für Personen mit Abschlüssen
aus Drittstaaten in den in Abbildung 30 aufgeführten
Berufen im Jahr 2013 stellten in mehr als einem Drittel
der Fälle eine volle Gleichwertigkeit ohne Auflage einer
Ausgleichsmaßnahme fest. Jedoch besteht die Möglich­
keit, dass es sich dabei auch um Qualifikationen han­
delte, die bereits in einem Staat der EU/EWR/Schweiz
anerkannt waren.

143 Bei der Interpretation der Ergebnisse ist jedoch zu berücksichtigen,
dass	in	den	akademischen	Heilberufen	keine	Wahlmöglichkeit	be­
steht, sondern nur eine Kenntnis- beziehungsweise Eignungsprüfung
durchgeführt werden kann.

94

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	30	 Häufigkeit,
	
	dass	bei	Drittstaatsabschlüssen	wesentliche	Unterschiede	vorliegen	(absolut)
10

8

6

4

2

0

Ärztinnen und Ärzte

immer

Gesundheits- und
Krankenpflegerinnen	
und	-pfleger
	 häufig

Zahnärztinnen
und -ärzte

	 eher	häufig

Apothekerinnen
und Apotheker

eher selten

mehrere
Zuständigkeiten

nie

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	von	zuständigen	Stellen	in	den	Gesundheitsberufen	(n	=	38),	zur	Gesamtzahl	fehlend	=	keine	Angabe.

Der wesentliche Unterschied beruht nach Aussagen der
befragten zuständigen Stellen bei den akademischen
Heilberufen eher selten auf einer unterschiedlichen
Dauer der Ausbildung, sondern ergibt sich häufig auf­
grund sich unterscheidender Fächer(­kombinationen).
Bei den Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und
-pflegern beruht der wesentliche Unterschied fast
ebenso häufig auf der Dauer der Ausbildung wie aus
unterschiedlichen Inhalten. Die Pflegeberufe werden
im Ausland zumeist akademisch ausgebildet und prak­
tische Anteile erfolgen oft nur in Form von zumeist
kurzfristigen Praktika. Dies kann ein Grund dafür sein,
dass wesentliche Unterschiede auf fehlende Praxisan­
teile der Ausbildung zurückzuführen sind.
In Interviews berichteten Ärztinnen und Ärzte mit
laufendem Anerkennungsverfahren, dass zuständi­
ge Stellen den Antragstellern anheimstellten, ohne
Überprüfung der Gleichwertigkeit der Ausbildung in
eine Kenntnisprüfung zu gehen. Dann müssten nicht
alle Unterlagen (wie zum Beispiel Stundenauflistun­
gen) eingereicht und der damit zusammenhängende
Aufwand könne somit begrenzt werden. Sollte die Wahl

auf die Gleichwertigkeitsprüfung fallen, könne das
Ergebnis der Prüfung dennoch eine Kenntnisprüfung
notwendig machen. Zwar eröffnen die Fachgesetze
die Möglichkeit in Fällen, in denen das Beibringen der
entscheidungsrelevanten Unterlagen nur mit unange­
messenem zeitlichen und sachlichen Aufwand möglich
ist, eine Kenntnisprüfung zu absolvieren (zum Beispiel
§ 3 Absatz 2 Satz 4 BÄO). Dies ist aber nur für Aus­
nahmefälle (zum Beispiel) bei unangemessenem, den
Normalfall übersteigenden Aufwand vorgesehen und
sollte nicht der Regelfall sein. Kann auch die einschlä­
gige Berufserfahrung die festgestellten wesentlichen
Unterschiede nicht ausgleichen, wird ein Bescheid auf
Basis der Gleichwertigkeitsprüfung erteilt, der die we­
sentlichen Unterschiede darstellt und begründet. Kon­
sequenz ist dann die Teilnahme an einer Ausgleichs­
maßnahme. Dies zeigt einmal mehr, dass es für eine
zielgerichtete Umsetzung der Ausgleichsmaßnahmen
wichtig ist, ausreichende und passgenaue Angebote
in den Regionen zu entwickeln und zur Verfügung zu
stellen (vgl. II­2.2 zur neuen Ausrichtung des Förder­
programms IQ).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

3.7 Neue Regelungen in den Gesundheitsberufen
des Bundes
Die am 1. Januar 2014144 in Kraft getretene Verordnung
des BMG vom 2. August 2013 zur „Durchführung und
zum Inhalt von Anpassungsmaßnahmen zur Erteilung
der Berufserlaubnis in den Heilberufen des Bundes“
betrifft mit zwei Ausnahmen alle auf Bundesebene
geregelten Gesundheitsberufe. Für Notfallsanitäte­
rinnen und ­sanitäter wurden die entsprechenden
Regelungen mit der gleichfalls am 1. Januar 2014 in
Kraft getretenen Ausbildungs­ und Prüfungsverord­
nung (NotSan­APrV) eingeführt. Für die Zahnärztin­
nen und Zahnärzte sind entsprechende Vorgaben im
Rahmen einer Neuregelung der Approbationsordnung
vorgesehen.
Hintergrund für den Erlass der Verordnung ist die
Feststellung, dass die Praxis, insbesondere bei der
Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen und der
Erteilung der Berufserlaubnis von Land zu Land sehr
unterschiedlich gehandhabt wird (vgl. Erbe u. a. 2014,
S. 114 f.). Mit den Regelungen sollen die Grundlagen
für eine möglichst einheitliche Durchführungspraxis
geschaffen werden.
So wies auch die Bundesärztekammer in ihrer Stel­
lungnahme vom 21. Mai 2013 zum Regierungs­
entwurf der Verordnung darauf hin, dass sie selbst
häufig Ansprechpartner für Antragstellende sei und
begründen müsse, warum andere Antragstellende mit
denselben Berufsabschlüssen von derselben Fakultät
und zum selben Zeitpunkt in anderen Bundesländern
gar keine oder geringere Ausgleichsmaßnahmen als sie
selbst durchführen müssten. Ziel müsse es sein, solche
Situationen durch eine konsequente und einheitliche
Verwaltungspraxis zu vermeiden. Die Bundesärzte­
kammer begrüßte daher in der Stellungnahme zum
Entwurf, dass der Verordnungsgeber beabsichtigte,
„die Voraussetzungen des ärztlichen Berufszugangs für

144 Die Umsetzung der neuen Rechtsverordnung befand sich zum
Zeitpunkt	der	Befragungen	im	ersten	Jahr,	weshalb	in	diesem	
Bericht	nur	erste	Erfahrungen	dargestellt	werden	können.	Auf	Basis	
der	vorliegenden	amtlichen	Statistik	nach	§ 17	BQFG	können	derzeit	
keine	Aussagen	getroffen	werden,	da	sich	diese	auf	das	Jahr	2013	
bezieht. Alle in diesem Kapitel gemachten Aussagen beruhen auf
Ergebnissen der standardisierten Befragung der zuständigen Stellen
im Gesundheitsbereich sowie aus qualitativen Interviews mit diesen
und Ärztinnen und Ärzten im Anerkennungsverfahren.

95

Antragsteller aus dem Ausland – unabhängig von ihrer
jeweiligen Staatsangehörigkeit – zu vereinheitlichen“
(Bundesärztekammer 2013, S. 2).
Mit dieser Rechtsverordnung erhalten die zuständigen
Stellen in den Ländern nun konkretere Vorgaben, wie
Anpassungsmaßnahmen in den Gesundheitsberufen
zu gestalten und durchzuführen sind. Auch die Ertei­
lung der Berufserlaubnis145 wird mit der Verordnung
näher geregelt.
In Tabelle 10 sind die neuen Regelungen dargestellt.
Da Ausbildungen von Ärztinnen und Ärzten sowie Ge­
sundheits- und Krankenpflegerinnen beziehungsweise
-pflegern aus EU-Staaten oder gleichgestellten Staaten
(Mitgliedsstaaten des EWR und der Schweiz) in der Re­
gel automatisch anerkannt werden, gilt die Rechtsver­
ordnung hier nur in bestimmten Fällen. Betroffen von
den neuen Regelungen sind zum einen Ausbildungen,
die vor EU­Beitritt des Ausbildungsstaates begonnen
wurden und die nicht über sogenannte erworbene
Rechte anerkannt werden können. Zum anderen gilt
die Regelung für Ausbildungen aus Nicht­EU­Staaten.
Abbildung 31 zeigt, dass die neue BMG­Verordnung
von den zuständigen Stellen eher positiv gesehen wird.
Mehr Stellen stimmen der Aussage zu, dass durch die
Verordnung die Verfahren einheitlicher werden. Trotz­
dem wird der Umstellungsaufwand von vielen zustän­
digen Stellen als hoch angesehen.
Aufgrund entsprechender Vorschriften in den einzel­
nen Heilberufsgesetzen (zum Beispiel § 3 Absatz 8 BÄO,
§ 2 Absatz 9 KrPflG) hat die Bundesregierung die Rege­
lungen zu den Anerkennungsverfahren zu überprüfen
und dem Deutschen Bundestag nach Ablauf von drei
Jahren nach ihrem Inkrafttreten darüber zu berich­
ten. Dazu hat das BMG eine Befragung der obersten
Landesgesundheitsbehörden zur Umsetzung der neuen
Regelungen durchgeführt.

145 Um den ärztlichen Beruf in der Bundesrepublik Deutschland ohne
Approbation als Ärztin oder Arzt auszuüben, ist eine Berufserlaubnis
notwendig.	Sie	kann	für	maximal	zwei	Jahre	erteilt	werden	und	soll	
in den Anerkennungsverfahren der Vorbereitung auf die Kenntnis­
prüfung dienen (vgl. III-3.7.3).

96

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Tabelle 10 Die neuen Regelungen in den Heilberufen des Bundes im Überblick
Ärztin/Arzt

Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in

EU- oder EU gleichgestellte Ausbildung aus Drittstaaten EU- oder EU gleichgestellte Ausbildung aus Drittstaaten
Ausbildung
Ausbildung
Bescheid

Folgende Angaben muss der Bescheid enthalten:
1. 	Das	Niveau	der	in	Deutschland	verlangten	Qualifikation	und	das	Niveau	der	von	den	Antragstellenden	vorgelegten	
Qualifikation	gemäß	der	Klassifizierung	in	Artikel	11	der	Richtlinie	2005/36/EG	in	der	jeweils	geltenden	Fassung.
2. Die Fächer einschließlich der Querschnittsbereiche, bei denen wesentliche Unterschiede festgestellt wurden, dabei ist
auch anzugeben, welche Fächer oder Querschnittsbereiche für die Prüfung relevant sind.
3. Eine inhaltliche Erläuterung der wesentlichen Unterschiede sowie die Begründung, warum diese dazu führen, dass
der Antragsteller nicht in ausreichender Form über die in Deutschland zur Ausübung des Berufs notwendigen Kennt­
nisse und Fähigkeiten verfügt, und
4. Eine Begründung, warum die wesentlichen Unterschiede nicht durch Berufserfahrung ausgeglichen werden konnten.

Eignungsprüfung Nur Eignungsprüfung
Prüfung bezieht sich auf die
und
Kenntnisprüfung Fächer einschließlich der
Querschnittbereiche, in de­
nen wesentliche Unterschie­
de festgestellt wurden.

Nur Kenntnisprüfung
Prüfung bezieht sich auf die
Fächer Innere Medizin und
Chirurgie, wobei die Frage­
stellungen festgelegte wei­
tere Aspekte berücksichtigen
sollen. Zusätzlich kann ein
weiteres Fach beziehungs­
weise ein weiterer Quer­
schnittsbereich vorgegeben
werden, in dem wesentliche
Unterschiede festgestellt
wurden.

Mündlich-praktische Prüfung Mündlich-praktische
Prüfung mit Patientenvor­
mit Patientenvorstellung.
stellung.

Nur Eignungsprüfung
Prüfung bezieht sich auf
die Bereiche, in denen
wesentliche Unterschiede
festgestellt wurden.

Nur Kenntnisprüfung
Prüfung bezieht sich auf
ausgewählte Bereiche der
Abschlussprüfung, die in der
mündlichen Prüfung geprüft
werden.

Praktische Prüfung verbun­
den mit Prüfungsgespräch.

Prüfung umfasst mündlichen
und praktischen Teil.

Praktischer Teil: In min­
destens einer, maximal vier
Pflegesituationen	müssen	
Kenntnisse und Fähigkeiten
nachgewiesen werden.

Patientenvorstellung bein­
haltet die Untersuchung der
Patientin/des Patienten, eine
Anamneseerhebung und die
Erstellung eines Berichts.

Patientenvorstellung bein­
haltet die Untersuchung der
Patientin/des Patienten, eine
Anamneseerhebung und die
Erstellung eines Berichts.

In mindestens einer, maxi­
mal	vier	Pflegesituationen	
müssen Kenntnisse und
Fähigkeiten nachgewiesen
werden.

Eintägig,	mindestens	30,	
höchstens	90	Minuten.	

Eintägig,	mindestens	60,	
höchstens	90	Minuten.

Pro	Pflegesituation	maximal	 Pro	Pflegesituation	maximal	
120	Minuten.	Mündlicher	
120	Minuten.	
Teil:	15	bis	60	Minuten.	

Soll mindestens zweimal
jährlich angeboten werden.

Soll mindestens zweimal
jährlich angeboten werden.

Soll mindestens zweimal
jährlich angeboten werden.

Soll mindestens zweimal
jährlich angeboten werden.

Kann in jedem Fach ein­
schließlich der Querschnitts­
bereiche jeweils zweimal
wiederholt werden.

Kann zweimal wiederholt
werden.

Kann	in	jeder	Pflegesituation, die nicht bestanden
wurde, einmal wiederholt
werden.

Darf im mündlichen Teil
sowie	in	jeder	Pflegesitua­
tion des praktischen Teils,
die nicht bestanden wurde,
einmal wiederholt werden.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Ärztin/Arzt

97

Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in

EU- oder EU gleichgestellte Ausbildung aus Drittstaaten EU- oder EU gleichgestellte Ausbildung aus Drittstaaten
Ausbildung
Ausbildung
Anpassungs­
lehrgang

Nicht	möglich

Berufserlaubnis

Möglichkeit,	für	begrenzten	Zeitraum	ohne	Approbation	in	
Deutschland ärztlich tätig zu sein.
Voraussetzung	ist	ein	fachspezifischer	Hochschulabschluss	
sowie die fachliche Eignung für die beabsichtigte Tätigkeit.
Dabei ist Berufserfahrung zu berücksichtigen. Anders als im
Rahmen des Approbationsverfahrens wird nicht geprüft, ob
der ausländische Abschluss mit dem inländischen gleich­
wertig ist.
Erteilung	im	Regelfall	für	zwei	Jahre.	
Über	den	Antrag	muss	die	Approbationsbehörde	innerhalb	
von drei Monaten nach Eingang der vollständigen Unterla­
gen entscheiden. Die Erlaubnis kann bei ihrer erstmaligen
Erteilung	nur	dann	auf	weniger	als	zwei	Jahre	befristet	
werden, wenn dies im Einzelfall erforderlich ist.

Dient dem Ausgleich der
festgestellten wesentlichen
Unterschiede.

Dient zusammen mit
dem Abschlussgespräch
der Feststellung, dass die
Antragstellenden über die
zur Ausübung des Berufs
erforderlichen Kenntnisse
und Fähigkeiten verfügen.

Anpassungslehrgang
wird entsprechend dem
Lehrgangsziel in Form von
theoretischem und prak­
tischem Unterricht, einer
praktischen Ausbildung mit
theoretischer Unterweisung
oder beidem an Einrich­
tungen	(nach	§ 4	Absatz 2	
Satz 1	oder	Satz 3	KrPflG)	
oder an von der zuständigen
Behörde	als	vergleichbar	
anerkannten Einrichtung
durchgeführt. Die Ableistung
des Anpassungslehrgangs
ist durch eine Bescheinigung
nachzuweisen.

Anpassungslehrgang wird
entsprechend dem Lehr­
gangsziel in Form von theo­
retischem und praktischem
Unterricht, einer praktischen
Ausbildung mit theoretischer
Unterweisung oder beidem
an	Einrichtungen	(nach	§ 4	
Absatz 2	Satz 1	oder	Satz 3	
KrPflG)	oder	an	von	der	
zuständigen	Behörde	als	
vergleichbar anerkannten
Einrichtung durchgeführt
und schließt mit einer
Prüfung über den Inhalt des
Lehrgangs ab.

Die	zuständige	Behörde	
legt Dauer und Inhalt so
fest, dass das Lehrgangsziel
erreicht werden kann.

Die	zuständige	Behörde	
legt Dauer und Inhalt so
fest, dass das Lehrgangsziel
erreicht werden kann.

Nicht	möglich

Quelle: Verordnung zur Durchführung und zum Inhalt von Anpassungsmaßnahmen zur Erteilung der Berufserlaubnis in den Heilberufen
des	Bundes	vom	2. August	2013	(BGBl.	I,	S. 3005).

98

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	31	 	Aussage:	Die	neue	BMG-Verordnung	hilft	dabei,	bundeseinheitliche	Verfahren	gewährleisten	
zu können. (absolut)
10

8

6

4

2

0

Ärztinnen und Ärzte

Zustimmung

Gesundheits- und
Krankenpflegerinnen	
und	-pfleger

Zahnärztinnen
und -ärzte

Apothekerinnen
und Apotheker

Ablehnung

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	von	zuständigen	Stellen	in	den	Gesundheitsberufen	(n	=	38).	Die	Antwortmöglichkeiten	„stimme	voll	zu“	und	„stimme	
eher	zu“	wurden	zur	Kategorie	„Zustimmung“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„stimme	eher	nicht	zu“	und	„stimme	nicht	zu“	zur	Kategorie	
„Ablehnung“,	zur	Gesamtzahl	fehlend	=	keine	Angabe.

3.7.1	Bescheid	mit	der	Auflage	an	Ausgleichsmaßnahmen teilzunehmen
Die neue Rechtsverordnung in den Heilberufen sieht
ganz konkrete Vorgaben für die Inhalte der Bescheide
vor: das Qualifikationsniveau, die Fächer, bei denen
wesentliche Unterschiede festgestellt wurden sowie die
Fächer, die für die Prüfung relevant sind, eine inhalt­
liche Erläuterung der wesentlichen Unterschiede und
die Begründung, warum diese nicht durch Berufserfah­
rung ausgeglichen werden konnten (siehe Tabelle 10).
In den Interviews wurde seitens der befragten zustän­
digen Stellen für Gesundheitsberufe berichtet, dass
man seit Inkrafttreten der neuen Rechtsverordnung
versuche, die Bescheide ausführlicher zu formulieren
und sich bemühe im Detail auf die geforderten Punkte
(wie zum Beispiel wesentliche Unterschiede oder
Grund dafür, dass Berufserfahrung diese nicht ausglei­
chen kann) einzugehen, auch wenn dies nicht immer
einfach sei.

Der erste Punkt, der festlegt, dass „das Niveau der in
Deutschland verlangten Qualifikation und das Niveau
der von den Antragstellenden vorgelegten Qualifikati­
on gemäß der Klassifizierung in Artikel 11 der Richtli­
nie 2005/36/EG in der jeweils geltenden Fassung“146 in
den Bescheid aufgenommen werden soll, sei besonders
bei Abschlüssen aus Drittstaaten kaum umsetzbar. Bei
EU­Ländern sei dies machbar, da man Bescheinigun­
gen aus den Ländern anfordern könne, die das Quali­
fikationsniveau entsprechend der Richtlinie meldeten.
Da dies bei Abschlüssen aus Drittstaaten aber nicht
möglich sei und man das konkrete Niveau nicht ermit­
teln könne, versuche man die entsprechende Ausbil­
dung auf andere Weise näher darzustellen.
Als große Herausforderung wird auch die Vorgabe be­
schrieben, konkret Dauer und Inhalt der Anpassungs­
lehrgänge im Bescheid zu formulieren. Insbesondere
dann, wenn die Dokumente nicht entsprechend Aus­
kunft über absolvierte Stunden (Stundennachweise)

146	 BGBl.	I	2013,	S. 3017	und	3076.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

geben, ist für die zuständige Stelle die Festlegung der
Dauer nicht einfach und kann sich häufig erst im Rah­
men des Anpassungslehrgangs abzeichnen. So komme
es auch zu dem Fall, dass ein Anpassungslehrgang auf
Anraten des Krankenhauses hin noch mal verlängert
werde.147 Auch eine Befragung der IQ­Fachstelle „Be­
ratung und Qualifizierung“ zur Zusammenarbeit der
IQ­Beratungsstellen mit den zuständigen Stellen, die
im Dezember 2014 durchgeführt wurde, ergibt unter
anderem, dass in den Bescheiden häufig nähere Anga­
ben zu den wesentlichen Unterschieden beziehungs­
weise Erläuterungen zu den Lehr­ und Lernzielen im
Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme fehlten.
In der standardisierten Befragung der zuständigen Stel­
len für Gesundheitsberufe stimmen 24 von 33 Stellen
der Aussage zu beziehungsweise eher zu, dass durch die
Umstellung auf die Regelungen der neuen Rechtsver­
ordnung der Verwaltungsaufwand dauerhaft erhöht
wurde. Dies liegt, den Informationen aus den vertieften
Interviews folgend, vor allem an den konkreten Vorga­
ben für die Formulierung der Bescheide. Gleichzeitig
wird aber auch angegeben, dass die konkreteren Dar­
stellungen sowohl den Antragstellenden als auch den
Stellen nutzen, die die Anpassungslehrgänge durchfüh­
ren (zum Beispiel Krankenhäusern, Berufsfachschulen).
Dennoch gibt es noch immer einzelne Behörden, die
entgegen der gesetzlichen Regelungen an dieser Stelle
des Verfahrens keinen Bescheid, mit der Auflage an
einer Ausgleichsmaßnahme teilzunehmen, ausstellen.
Mehrfach wurde davon berichtet, dass teilweise nur
eine Information per E­Mail an die Antragstellenden
verschickt werde, dass keine Gleichwertigkeit festge­
stellt werden könne und eine Ausgleichsmaßnahme
notwendig sei. Berichtet wird auch von „Bescheiden“ in
Form einer E­Mail. Dies ist insofern problematisch, als
es sich hierbei nur dann um einen rechtsmittelfähigen
Bescheid handelt, wenn er unter anderem eine qualifi­
zierte elektronische Signatur enthält.148

147 Eine zuständige Stelle berichtete auch davon, dass der Anpassungs­
lehrgang	in	der	Gesundheits-	und	Krankenpflege	oft	auch	nur	zu	
einer	Krankenpflegehelferanerkennung	führe.
148	 Nach	§ 7	BQFG	ist	die	Schriftform	erforderlich,	weswegen	die	Formerfordernisse	der	§ 3a	Absatz	2,	§ 37	Absatz 3	VwVfG	zu	beachten	
sind.

99

3.7.2 Auswirkungen der neuen Regelungen auf
Ausgleichsmaßnahmen
Mit Inkrafttreten der neuen BMG­Rechtsverordnung
erhielten die zuständigen Stellen in den Ländern auch
konkretere Vorgaben, wie Ausgleichsmaßnahmen in
den Gesundheitsberufen zu gestalten und durchzufüh­
ren sind.
Da sich die Umsetzung der neuen Regelungen noch im
ersten Jahr befindet, werden nachfolgend erste sich ab­
zeichnende Tendenzen dargestellt. Vertiefte Interviews
wurden hierzu ausschließlich mit zuständigen Stellen
für die Anerkennung von Gesundheits­ und Kranken­
pflegerinnen und -pflegern durchgeführt. Die Informa­
tionen über die Umsetzung von Kenntnisprüfungen
bei Ärztinnen und Ärzten nach der neuen Rechtsver­
ordnung stammen aus Interviews mit Ärztinnen und
Ärzten im Anerkennungsverfahren.
Auch wenn der größte Teil der zuständigen Stellen der
Aussage zustimmt, dass sich der Verwaltungsaufwand
durch die neue Rechtsverordnung erhöht hat, wird sie
insgesamt als positiv bewertet, da sie dabei helfe, die
Umsetzung bundeseinheitlicher zu gestalten.
Der Umstellungsaufwand lag – wie bereits dargestellt
– vor allem in den neuen Vorgaben für die Formulie­
rungen in den Bescheiden beziehungsweise der damit
zusammenhängenden Feststellung der wesentlichen
Unterschiede und der Darstellung des Qualifizierungs­
bedarfs. Während im Bereich der Anerkennung von
Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern
vorher oft das Krankenhaus, das den Lehrgang ange­
boten hat, die Defizite konkret ermittelt hat, bemühen
sich jetzt die Behörden darum. Für die Krankenhäuser,
in denen der Anpassungslehrgang absolviert wird,
werden seitens der befragten zuständigen Stellen die
neuen Vorgaben positiv bewertet. Man sei sehr zufrie­
den damit, dass man nun besser einschätzen könne, wo
wesentliche Unterschiede und damit auch Qualifizie­
rungsbedarf vorlägen.
„Ja, vorher hat man halt einfach nur immer den Antrag­
stellern gesagt ‘ihr müsst einen Anpassungslehrgang
oder die Kenntnisprüfung machen‘, man hat nicht genau
gesagt, wie und was und wo, in welchen Bereichen und
wie lang, sondern es war eher alles immer ein bisschen

100

oberflächlich, sag ich jetzt mal. Und jetzt ist man halt
tiefer in die Materie gegangen, also, man sagt den Leuten
einfach nähere Informationen. Wie lang sie in welchem
Bereich arbeiten müssten und in welchen Bereichen sie
arbeiten müssten.“149
Um den Vorgaben zu entsprechen, benötigten die
Behörden zur Prüfung allerdings häufig detaillierte
Nachweise, insbesondere Stunden­ und Fächerauf­
listungen (vgl. III­3.2).
Die zuständigen Stellen berichten davon, dass man in
der Regel mit einigen ausgewählten Krankenhäusern
und auch Berufsfachschulen kooperiere und norma­
lerweise die Antragstellenden an diese verweise. Man
könne sich dann auch bei Bedarf auf „kurzem Weg“ mit
der Einrichtung in Verbindung setzen. Grundsätzlich
setzten die Krankenhäuser aufgrund des Mangels an
Pflegekräften gern Anpassungslehrgänge um.
Als Problem wird jedoch von drei Viertel der zuständi­
gen Stellen benannt, eine adäquate Schule beziehungs­
weise Ausbildungsstätte für den theoretischen Teil der
Anpassungsqualifizierung zu finden. Zudem gibt die
Hälfte der Befragten an, dass die Kooperationen von
zuständigen Stellen mit Schulen oder vergleichbaren
Einrichtungen nicht immer unproblematisch seien.
Laut neuer Rechtsverordnung sind für die Kenntnis­
prüfung mindestens zwei Termine jährlich anzusetzen.
Während in einem Land davon berichtet wird, dass eine
zweimal jährlich stattfindende Kenntnisprüfung keinen
Sinn ergebe, weil man gar nicht ausreichend Antragstel­
lerinnen und Antragsteller habe, die daran teilnehmen
könnten, wird von einer zuständigen Stelle in einem an­
deren Land von der erfolgreichen Umsetzung zweimal
monatlich mit 15 bis 20 Teilnehmenden gesprochen. Die
Region und das damit zusammenhängende Antrags­
volumen spielt eine Rolle bei der Frage, inwieweit diese
Regelung umgesetzt werden kann. Aus Sicht der Antrag­
stellenden ist die Vorgabe von regelmäßigen Prüfungs­
terminen in jedem Fall sinnvoll, da von der ungünstigen
Situation langer Wartezeiten auf den Prüfungstermin
berichtet wurde. Auch aus aufenthaltsrechtlicher Sicht
müsste dies eine Erleichterung darstellen.

149 Aussage einer Mitarbeiterin einer zuständigen Stelle für Gesund­
heitsberufe.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Den Aussagen der zuständigen Stellen in den quali­
tativen Interviews zufolge, bevorzugen Personen aus
Drittstaaten, die einen Antrag auf die Anerkennung als
Gesundheits- und Krankenpflegerin oder -pfleger stel­
len, oftmals die Teilnahme an einem Anpassungslehr­
gang. Da sich die Kenntnisprüfung auf die Inhalte der
staatlichen Prüfung bezieht, schreckten die Antragstel­
lenden davor eher zurück. Tatsächlich ist die gesetzlich
vorgeschriebene Wahlmöglichkeit zwischen Anpas­
sungslehrgang und Kenntnisprüfung nicht immer
gegeben: Eine zuständige Stelle berichtet selbst, dass
kein Anpassungslehrgang angeboten werde, weil dieses
Verfahren zu aufwendig sei. Da es sich hier immer um
individuelle Maßnahmen für Einzelfälle handele, mit
auf die jeweilige Person zugeschnittenen Inhalten und
daher unterschiedlicher Dauer, sei dies für die Schu­
len schlichtweg zu aufwendig und zu kostenintensiv.
Insbesondere durch die Vorgabe den Theorie­ und den
Praxisbereich abzudecken, sei der Aufwand für die
Einrichtungen zu groß und daher auch entsprechende
Angebote nicht immer vorhanden.
Im Bereich der Ärztinnen und Ärzte gibt es die Mög­
lichkeit des Anpassungslehrgangs nicht, weshalb hier
für Drittstaatsangehörige bei festgestellten wesent­
lichen Unterschieden eine Kenntnisprüfung durchge­
führt werden muss. Ein entsprechender Vorbereitungs­
kurs auf die Kenntnisprüfung ist den Antragstellenden
aus Sicht der zuständigen Stellen sehr zu empfehlen.
Im Bereich der Anerkennung von Ärzten wird vor al­
lem begrüßt, dass es durch die neue Rechtsverordnung
konkrete Vorgaben zu den abzuprüfenden Fächern gibt
(vgl. III­3.7). Dies erleichtere die Vorbereitung erheblich.
Folgende Umsetzungsprobleme beziehungsweise Un­
einheitlichkeiten werden im Bereich der Anerkennung
von Ärztinnen und Ärzten genannt: Die neuen Rege­
lungen werden noch nicht umfassend bei der inhalt­
lichen Gestaltung der Kenntnisprüfung berücksichtigt.
So darf sich laut Rechtsverordnung die Prüfung auf die
Fächer Innere Medizin und Chirurgie beziehen. Zusätz­
lich kann ein weiteres Fach beziehungsweise ein Quer­
schnittsbereich vorgegeben werden, in dem wesentli­
che Unterschiede festgestellt wurden. Berichtet wird
von der Prüfung weiterer Fächer, die vorab nicht im
Bescheid mit der Auflage an der Ausgleichsmaßnahme
teilzunehmen, genannt wurden. Auch die vorgegebene

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Dauer der Prüfung werde teilweise nicht eingehalten.
So wurde unter anderem von einer Prüfung berichtet,
die sechs Stunden umfasste.
Ein großes Problem aus Sicht der zuständigen Stellen
ist, dass es Ärztinnen und Ärzte gibt, die unvorbereitet in
eine Kenntnisprüfung gehen. Teilweise gehen die Per­
sonen davon aus, dass nach einer Zeit der Tätigkeit mit
Berufserlaubnis die Prüfung machbar sei, was in der Re­
gel allerdings nicht zutreffe (vgl. III­3.7.3), da zum Beispiel
während der Zeit im Krankenhaus bestimmtes theoreti­
sches Wissen, welches in der Kenntnisprüfung abgefragt
wird, nicht vermittelt wird. Hier bedarf es im Vorfeld
einer besseren Information über die Anforderungen.

3.7.3 Berufserlaubnis
Wer in Deutschland bestimmte Gesundheitsberufe150
ausüben will, bedarf dazu einer staatlichen Erlaub­
nis. Diese wird auf Antrag in Form einer Approbation
unbefristet erteilt und berechtigt zur selbstständigen
Berufsausübung. Die Berufserlaubnis hingegen ermög­
licht es, für einen begrenzten Zeitraum und gege­
benenfalls mit bestimmten Einschränkungen ohne
Approbation in Deutschland tätig zu sein. Sie kann für
maximal zwei Jahre erteilt werden. Voraussetzung da­
für ist ein fachspezifischer Hochschulabschluss sowie
die fachliche Eignung für die beabsichtigte Tätigkeit.
Für die Erteilung der Berufserlaubnis ist keine Gleich­
wertigkeitsprüfung erforderlich.
Die neue BMG­Verordnung (vgl. III­3.7) lässt der zu­
ständigen Behörde einen Ermessensspielraum bezüg­
lich der festzulegenden Dauer der Berufserlaubnis.
Diese soll im Rahmen der Anerkennung insbesondere
der Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung dienen. Der
optimale Ablauf wäre es daher, zunächst die Appro­
bation zu beantragen und im Falle von wesentlichen
Unterschieden im Rahmen der Berufserlaubnis tätig
zu werden, um auf diese Weise eine optimale Vorberei­
tung auf die Kenntnisprüfung zu erzielen.

101

sen ist. Oft müssen Unterlagen nachgereicht oder
Sprachkenntnisse erworben werden (siehe III­3.2 und
III­3.8.2). Auch das Hinzuziehen von externen Sachver­
ständigen kann das Verfahren verlängern und damit die
Zeit, in der die Antragstellenden nicht berufstätig werden
könnten. Zum anderen bietet die Tätigkeit im Rahmen
der Berufserlaubnis nicht zwangsläufig eine sinnvolle
Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung. Wird sie für zwei
Jahre ausgeübt, kann dies sogar kontraproduktiv sein,
nämlich dann, wenn Antragstellende in einem für die
Kenntnisprüfung nicht relevanten Bereich eingesetzt
sind und neben der Berufstätigkeit kaum Zeit für eine
notwendige intensive Vorbereitung auf die Prüfung
bleibt. So ermöglicht die Tätigkeit im Rahmen der Be­
rufserlaubnis sicherlich das Kennenlernen des deutschen
Klinikablaufs und damit bessere Chancen bei späteren
Bewerbungen. Da die Kenntnisprüfung insbesondere
aber auch theoretisches Wissen abfragt, ist in der Regel
auch eine intensive theoretische Vorbereitung not­
wendig. Für die Prüfung relevantes Wissen kann in den
meisten Fällen nicht ausschließlich durch Berufstätigkeit
erlangt werden.
Andererseits ist für die Ärztinnen und Ärzte in der Re­
gel oberstes Ziel, schnellstmöglich erwerbstätig werden
zu können. Für sie ist eine zweijährige Berufserlaubnis
zunächst ausschließlich positiv. Berichtet wurde auch,
dass zuständige Stellen, die die Berufserlaubnis für zwei
Jahre erteilen, den Antragstellenden mitteilen, dass
danach die Kenntnisprüfung zu bestehen sei. Gerade
aber bei den Ärztinnen und Ärzten, die zwei Jahre
im Rahmen einer Berufserlaubnis tätig waren, diese
dann nicht verlängern können und gegebenenfalls die
Kenntnisprüfung nicht bestehen, ist das Unverständnis
groß; insbesondere dann, wenn das Feedback seitens
Klinik und Patientinnen beziehungsweise Patienten
zur Arbeitsleistung durchweg positiv war.

In der Praxis ist dieses Modell jedoch schwieriger umzu­
setzen: Denn zum einen dauert es in der Regel mehrere
Monate, bis die Gleichwertigkeitsfeststellung abgeschlos­

Um dies zu verhindern, ist eine intensive und rechtzeitige
Beratung und Aufklärung der Ärztinnen und Ärzte über
Prüfungsumfang und ­inhalte unumgänglich. Die Appro­
bation sollte – um das dargestellte Dilemma zu verhin­
dern – möglichst zügig beantragt werden. Eine Beratung
über die Anforderungen an die Kenntnisprüfung und
Möglichkeiten der Vorbereitung darauf ist elementar.151

150 Apothekerin/Apotheker, Ärztin/Arzt, Psychologische/-r
Psychotherapeut/-in,	Kinder-	und	Jugendlichenpsychotherapeut/-in	
oder Zahnärztin/Zahnarzt.

151 Abhilfe schaffen gegebenenfalls auch die neuen Regelungen in der
Umsetzung der neuen EU-RL, nach der die Ableistung der Eignungs­
prüfung	innerhalb	von	sechs	Monaten	ermöglicht	werden	muss.

102

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 32 Dauer der erteilten Berufserlaubnis (absolut)
10

8

6

4

2

0

Ärztinnen und Ärzte

	 10	Monate

Gesundheits- und
Krankenpflegerinnen	
und	-pfleger
12 Monate

18 Monate

Zahnärztinnen
und -ärzte
24 Monate

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	von	zuständigen	Stellen	in	den	Gesundheitsberufen,	einbezogen	wurden	nur	die	zuständigen	Stellen	für	Ärztinnen	und	
Ärzte,	Zahnärztinnen	und	Zahnärzte	sowie	Apothekerinnen	und	Apotheker	(n	=	24),	zur	Gesamtzahl	fehlend	=	keine	Angabe.

Nach Angaben der zuständigen Stellen wird von
Personen, die einen Drittstaatsabschluss im Bereich
der akademischen Heilberufe haben, häufig zunächst
ein Antrag auf die Erteilung zur vorübergehenden
Ausübung des Berufes gestellt. Dies ist vor allem auch
dann notwendig, wenn sich die Antragstellenden auf
die Kenntnisprüfung im Rahmen eines Lehrgangs bei
einer Bildungseinrichtung vorbereiten. Ein solcher
Lehrgang umfasst in der Regel auch ein mehrmo­
natiges Praktikum in einem Krankenhaus, das die
Berufserlaubnis voraussetzt. Für die Teilnehmenden
an solchen Kursen stellt die Berufserlaubnis sozusagen
die „Eintrittskarte“ dar.
Festzustellen ist, dass es im Hinblick auf die Berufser­
laubnis kein einheitliches Vorgehen der zuständigen
Stellen gibt. Abbildung 32 zeigt, dass der Zeitraum, für
den diese erteilt wird, von Behörde zu Behörde variiert.
So wird die Dauer zum Beispiel für Ärztinnen und
Ärzte von zehn Monaten bis 24 Monate angegeben.
Ähnliches zeigt sich bei Zahnärztinnen und ­ärzten
sowie Apothekerinnen und Apothekern. Nach Anga­
ben der Interviewten kann eine Berufserlaubnis unter
einem Jahr die Arbeitssuche teilweise erschweren.

Des Weiteren deuten die Befragungen auf unterschied­

liche Vorgehensweisen bei der Entscheidung über die 

Erteilung der Berufserlaubnis hin:

 Von mindestens einer Behörde ist bekannt, dass sie 

keine Berufserlaubnis mehr erteilt, sondern jeden
Antrag im Rahmen eines gutachterlichen Verfahrens
prüft.
	 Es wird auch von Fällen berichtet, in denen es zu
einer Verlängerung der Berufserlaubnis über zwei
Jahre hinaus gekommen ist.
	 Von mindestens einer zuständigen Stelle ist zudem
bekannt, dass sie erst dann bereit ist, einen Antrag
auf Approbation anzunehmen, wenn die Ärztin oder
der Arzt ein Jahr lang im Rahmen der Berufserlaub­
nis im entsprechenden Bundesland tätig war.
Dass die Erteilung der Berufserlaubnis relativ unein­
heitlich gehandhabt wird, hat auch zur Folge, dass
Antragstellende – so wurde berichtet – aus Kollegen­
und Freundeskreisen, aber auch von Beratungs­ und
Weiterbildungseinrichtungen Informationen darüber
erhalten, wo die Berufserlaubnis am unkomplizier­
testen für einen möglichst langen Zeitraum zu
erhalten ist.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Zusätzlich kommt es vor, dass Ärztinnen und Ärzte, die
mit einer Berufserlaubnis beschäftigt werden, kein volles
Tarifgehalt erhalten. Der Marburger Bund berichtet von
Fällen, in denen diese Ärzte gar kein oder nur ein sehr
geringes Gehalt für ihre Tätigkeiten erhielten. Außerdem
wird in einigen Ländern die Zeit der Berufserlaubnis
nicht auf die fachärztliche Weiterbildung angerechnet;
Voraussetzung für eine fachärztliche Weiterbildung ist
dort die Anerkennung beziehungsweise Approbation. In
den anderen Ländern kann die Zeit der Berufserlaubnis
auf fachärztliche Weiterbildung dagegen angerechnet
werden, allerdings wird in der Regel erwartet, dass der
Nachweis des gleichwertigen Kenntnisstands innerhalb
der zweijährigen Befristung erfolgt.152 Darüber hinaus
kann es auch zu aufenthaltsrechtlichen Problemen
kommen, wenn die Antragstellenden aufgrund von
abgelaufener Berufserlaubnis und noch nicht erteilter
Approbation nicht berufstätig sein können.
Es zeigt sich, dass die Berufserlaubnis für die Vorberei­
tung auf die Kenntnisprüfung eine besondere Bedeu­
tung hat, auch wenn sie faktisch keinen Teil des Aner­
kennungsverfahrens darstellt. Jedoch ist es notwendig,
dass sie von den Antragstellenden zielgerichtet genutzt
werden kann. Dafür ist – wie die Best Practice­Fälle zei­
gen – neben einer engen Verzahnung der Krankenhäu­
ser, der Weiterbildungsanbieter und der zuständigen
Stellen auch eine intensive Beratung der Antragstellen­
den erforderlich. Idealerweise sollte die Berufspraxis
mit einem Vorbereitungslehrgang kombiniert werden,
um die teilweise sehr theoretisch ausgerichtete Kennt­
nisprüfung absolvieren zu können.

103

Die Feststellung der Gleichwertigkeit der Berufsqualifi­
kation selbst darf wegen unzureichender Sprachkennt­
nisse grundsätzlich nicht verweigert werden, diese sind
jedoch Voraussetzung für die Berufszulassung bezie­
hungsweise die Approbation.
Bei den nicht reglementierten Berufen, etwa den
Ausbildungsberufen im Dualen System, enthalten
die Ausbildungsordnungen keine Anforderungen an
Sprachkenntnisse, womit eine Prüfung des Sprachni­
veaus auch nicht Bestandteil der Gleichwertigkeitsprü­
fung sein kann.
Für die einzelnen reglementierten Berufe sind die
Anforderungen an die für die Berufsausübung er­
forderlichen Sprachkenntnisse in den Fachgesetzen
geregelt (zum Beispiel als gesonderte Voraussetzung für
die Arztapprobation). Die Formulierungen sind sowohl
in der BÄO als auch im KrPflG sehr offen gehalten. Die
Antragstellenden müssen über „die für die Ausübung
der Berufstätigkeit erforderlichen Kenntnisse der deut­
schen Sprache verfügen“154.
Im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz wurde
dargestellt, dass es bezüglich der konkret geforderten
Sprachkenntnisse und obligatorischen Nachweise
darüber kein bundesweit einheitliches Vorgehen gibt
(vgl. Erbe u. a. 2014, S. 100). Es wurde ebenfalls darauf
hingewiesen, dass Bestrebungen in Richtung Verein­
heitlichung der Sprachanforderungen bestehen. Die
letzten Entwicklungen und der aktuelle Stand werden
im Folgenden dargestellt.

3.8 Sprachkenntnisse – auf dem Weg zu
einheitlichen Regelungen?

3.8.1 Aktuelle Entwicklungen in den akademischen
Heilberufen

Nach Artikel 53 der RL 2005/36/EG müssen die An­
tragstellenden bei reglementierten Berufen über die
Sprachkenntnisse verfügen, die für die „Ausübung ihrer
Berufstätigkeit erforderlich“ sind. Die Überprüfung
der Sprachkenntnisse muss dabei unabhängig von der
Überprüfung der Gleichwertigkeit der Berufsqualifika­
tionen in einem gesonderten Prüfvorgang erfolgen.153

Für eine Vereinheitlichung der Sprachanforderungen
und der Nachweise darüber wurden vor allem im Zu­
sammenhang mit der Anerkennung von akademischen
Heilberufen im letzten Jahr Entwicklungen angesto­
ßen. Deshalb soll vor allem dieser Bereich exemplarisch
dargestellt werden. Ähnliche Diskussionen werden
derzeit auch für die nicht akademischen Gesundheits­
berufe geführt.155

152	 Länderabfrage	des	BMG	vom	Oktober	2012:	In	Baden-Württemberg,	
Sachsen, Nordrhein-Westfalen wird die Approbation für den Beginn
der fachärztlichen Weiterbildung vorausgesetzt.
153 Vgl. Titel IV, Artikel 53 der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie
2005/36/EG.

154	 Vgl.	§ 3	Absatz 1	Nr. 5	BÄO	und	§ 2	Absatz 1	Nr. 4	KrPflG.

155 Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Arbeits- und Sozialministerkon­
ferenz (ASMK) und GMK ist eingerichtet mit dem Ziel, Eckpunkte zu
erarbeiten.

104

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Im Rahmen der 86. Sitzung der Gesundheitsminister­
konferenz (GMK) am 26./27. Juni 2013 wurde bereits
festgestellt, dass „Personen, die in Deutschland in
einem akademischen Heilberuf tätig werden wollen,
über ausreichende Kenntnisse sowohl der deutschen
Umgangssprache als auch der medizinischen Fach­
sprache verfügen müssen“156. Die Praxis habe gezeigt,
dass die von Sprachinstituten angebotenen allgemein­
sprachlichen Zertifikate für die Überprüfung der für
die Berufsausübung erforderlichen Sprachkenntnisse
nicht geeignet seien.
Zur zukünftigen Überprüfung der für die Berufs­
ausübung erforderlichen Deutschkenntnisse in den
akademischen Heilberufen wurden im Rahmen der
87. GMK am 26./27. Juni 2014 Eckpunkte festgelegt,
die die für den Berufsalltag in der jeweiligen Berufs­
gruppe typischerweise erforderlichen Anforderungen
an die Sprachkompetenz näher konkretisieren. Diese
Eckpunkte haben Empfehlungscharakter für die Län­
der, sind jedoch rechtlich nicht bindend. Für die fünf
aufgeführten Berufe bedeutet dies konkret folgende
Voraussetzung:
157 158

Tabelle 11 Festgelegte Sprachniveaus im Rahmen
der Eckpunkte der GMK157
Ärztin/Arzt
Zahnärztin/Zahnarzt
Apothekerin/Apotheker
Psychologische Psycho­
therapeutin/-therapeut
Kinder-	und	Jugendlichenpsychotherapeutin/-therapeut

Müssen auf der nachge­
wiesenen Grundlage eines
GER158-B2 über Fachsprach­
kenntnisse im berufsspezi­
fischen	Kontext	orientiert	am	
Sprachniveau C1 verfügen.
Müssen auf der nachge­
wiesenen Grundlage eines
GER-B2 über Fachsprach­
kenntnisse im berufsspezi­
fischen	Kontext	orientiert	am	
Sprachniveau C2 verfügen.

Quelle:	87.	GMK	am	26./27.	Juni	2014,	Eckpunktepapier.

156 „Eckpunkte zur Überprüfung der für die Berufsausübung erforder­
lichen Deutschkenntnisse in den akademischen Heilberufen“ vgl.
https://www.gmkonline.de/documents/TOP73BerichtP_Oeffentl_
Bereich.pdf	(Abruf:	18. März	2015).
157 Die Regelungen sollten dem Eckpunktepapier folgend aber nicht
zwangsläufig	dazu	führen,	dass	von	den	Antragstellenden	zwei	
Sprachtests	verpflichtend	gefordert	werden.
158 Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen (GER)
des Europarats legt eine für Sprachlernende und -lehrende umfang­
reiche Empfehlung vor, die den Spracherwerb, die Sprachanwendung
und die Sprachkompetenz von Lernenden transparent und vergleich­
bar macht. Sie ist in Form von sechs Kompetenzniveaus formuliert:
von	A1	für	Anfänger	bis	C2	für	das	höchste	sprachliche	Niveau.

Für die Erteilung der Berufserlaubnis gelten dieselben
sprachlichen Anforderungen wie für die Erteilung der
Approbation. Wenn aber die Erlaubnis auf bestimmte
Tätigkeiten beschränkt wird und eine Gefährdung des
Patientenwohls ausgeschlossen werden kann, können
diese Anforderungen ausnahmsweise unterschritten
werden.
In den Eckpunkten sind auch konkrete Mindestanfor­
derungen für den einstündigen Sprachtest formuliert.
Dieser soll ein simuliertes Patientengespräch (20 Mi­
nuten), das Anfertigen eines in der ärztlichen, zahn­
ärztlichen, pharmazeutischen oder psychotherapeuti­
schen Berufsausübung üblicherweise vorkommenden
Schriftstückes (zum Beispiel Kurz­Arztbrief) (20 Mi­
nuten) sowie ein Gespräch mit einer beziehungsweise
einem Angehörigen derselben Berufsgruppe beinhal­
ten (20 Minuten). Weiterhin wird festgehalten, dass der
Sprachtest in Form einer Einzelprüfung stattfinden
und die Bewertung durch mindestens zwei Prüferin­
nen und Prüfer vorgenommen werden soll. Die Hälfte
von ihnen muss dabei derselben Berufsgruppe wie die
oder der Antragstellende angehören. Der Sprachtest
kann als Ganzes unbegrenzt wiederholt werden.
Die Länder können festlegen, ob der Sprachtest bei der
zuständigen Behörde oder einer Heilberufekammer
abgelegt werden muss. Bewerten diese die Deutsch­
kenntnisse als ausreichend, hat diese Entscheidung
bundesweit Gültigkeit.
Es bleibt die Frage, wie die Regelungen konkret ausge­
legt und umgesetzt werden. Der Marburger Bund159, der
zwei Sprachnachweise gefordert hatte, stellt konkret
die Frage, ob zukünftig auch die allgemeinsprachli­
chen Fähigkeiten während der Fachsprachenprüfung
abgelegt würden. Sollte dies der Fall sein, sei es nicht
nachvollziehbar, dass nur eine Stunde für die Prüfung

159 Der Marburger Bund hat auf seiner 122. Hauptversammlung am
2./3. November	2012	in	Berlin	beschlossen,	dass	zur	Erteilung	einer	
Berufserlaubnis oder Approbation eine anerkannte allgemeinsprach­
liche Prüfung auf der Niveaustufe B2 vorliegen sollte. Als Testinsti­
tutionen für die allgemeinsprachliche Prüfung schlug der Marburger
Bund die Mitglieder der „Association of Language Testers in Europe“,
also Goethe-Institut, telc gGmbH oder TestDaf Institut vor. Ferner
setzte sich der Marburger Bund dafür ein, dass ausländische Ärzte
eine anerkannte Fachsprachenprüfung vorweisen müssen, und
forderte die Länder auf, eine (Muster-) Prüfungsordnung für eine
Fachsprachenprüfung zu erstellen, Testzentren zuzulassen und diese
regelmäßig	zu	überprüfen	(Marburger	Bund	2012).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

105

Tabelle 12 Übersicht der geforderten Sprachkenntnisse nach Ländern für den Beruf Ärztin beziehungsweise Arzt
im Vergleich 2013 und 2014
gefordertes Sprachniveau
Land

Ärztin/Arzt – 2013

Ärztin/Arzt – 2014
B2;	Fachsprachkenntnisse	in	C1*3)

Bayern

B2; bestandener Sprachtest „Patientenkommunika­
tion“
B2	*1)/k.A.	*2)

Berlin

B2

k.A.

Brandenburg

B2

B2

Bremen

B2

B2

Hamburg

B2

B2

Hessen

B2 (Nicht-EU-Bürger/-innen)
C1 (EU-Bürger/-innen)
ausgestellt durch Goethe-Institut oder ein anderes
telc-zertifiziertes	Sprachinstitut

Mecklenburg-Vorpommern

B2

Für Antragstellung B2 ausreichend, für Erteilung der
Approbation:	Goethe-Institut	C1	oder	telc-Zertifikat	
C1	Deutsch	oder	telc-Zertifikat	Deutsch	B2-C1	Me­
dizin mit Gesamtnote C1 oder Sprachzeugnis „Fit für
den	Job“	des	RPZ*4) oder Zeugnis über den Patien­
tenkommunikationstest Deutsch (PKT). Zum PKT ist
immer B2 des Goethe-Instituts oder telc erforderlich.
B2

Niedersachsen

B2

B2*5)

Nordrhein-Westfalen

B2

B2*6)/B2	und	mündliche	Fachsprachenprüfung*7)

Rheinland-Pfalz

Prüfung über die Bezirksärztekammer Rheinhessen

Prüfung über die Bezirksärztekammer Rheinhessen

Saarland

B2

B2

Sachsen

B2

B2

Sachsen-Anhalt

B2

Schleswig-Holstein

k.A.

B2,	seit	1.	Oktober	2014	werden	nur	Sprachzertifikate	
des Goethe-Institutes, des TestDaF-Institutes, telcSprachzertifikate	und	das	Österreichische	Sprachdi­
plom anerkannt.
k.A.

Thüringen

B2; bestandener Sprachtest „Patientenkommunika­
tion“ (PKT)

B2; bestandener Sprachtest „Patientenkommunika­
tion“ (PKT)

Baden-Württemberg

B2

*1) Regierung von Oberbayern.
*2) Regierung von Unterfranken.
*3)	Approbationsbehörde	verlangt	den	Fachsprachentest	der	„Freiburg	International	Academy“	(PKT).
*4) Dr. Reinfried-Pohl-Zentrum f. medizinische Lehre der Uni Marburg.
*5)		Hinweis	auf	der	Webseite:	Es	ist	aber	nicht	unwahrscheinlich,	dass	das	Anforderungsniveau	an	Deutschkenntnisse	in	Zukunft	erhöht	wird.	Empfeh­
lenswert ist daher die Absolvierung eines Deutschkurses für Mediziner (solche Kurse werden bereits von verschiedenen Einrichtungen angeboten).
*6) Bezirksregierung Düsseldorf.
*7)		Bezirksregierungen	Arnsberg,	Detmold,	Köln,	Münster	(die	Fachsprachprüfung	nimmt	die	zuständige	Ärztekammer	ab).	
Die BR Arnsberg und Münster weisen darauf hin, dass sich der Fachsprachtest an Niveau C1 orientiert.
Die BR Detmold weist darauf hin, dass bei der Teilnahme an einer Kenntnisprüfung der Nachweis und die Prüfung entfallen.
Quelle: Webanalyse des BIBB (vgl. Datensatzbeschreibung im Anhang A2).

angesetzt werde, da allein allgemeinsprachliche Prü­
fungen von anerkannten Testanbietern zwischen 2,5
und 4,5 Stunden dauerten (vgl. Wichmann 2014).
Im Oktober 2014 wurde von der AOLG der Sachstand
zur Umsetzung des Eckpunktepapiers der 87. GMK
erfragt. Die Abfrage bei den Ländern macht den Inter­

pretationsspielraum, den die Regelungen nach wie vor
bieten, deutlich und zeigt, wie unterschiedlich die in
den Eckpunkten formulierten Regelungen verstanden
und ausgelegt werden (können). An dieser Stelle sollen
nur die auffälligsten Umsetzungsabsichten in ihrer
Unterschiedlichkeit dargestellt werden:

106

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Auf die Frage, was die jeweiligen Länder als „nachge­
wiesene Grundlage eines GER­B2“ verstehen, gibt es
verschiedene Antworten: Sieben Länder verstehen
darunter, dass weiterhin ein GER-B2-Zertifikat vor­
zulegen ist, während fünf Länder die Passage nur als
Klarstellung verstehen, dass die für die Berufsausübung
erforderlichen Sprachkenntnisse über einem GER­B2
Niveau liegen müssen. Dies bedeutet, dass in den erst­
genannten sieben Ländern weiterhin ein Nachweis über
GER­B2­Niveau verlangt und die Fachsprachenprüfung
zusätzlich stattfinden würde, während bei den zuletzt
genannten fünf Ländern der Nachweis über GER­B2
Niveau nicht zwingend als Voraussetzung für die Fach­
sprachprüfung notwendig wäre.
Darüber hinaus ergibt die Abfrage, dass neun Länder
beabsichtigen, die jeweilige Heilberufekammer mit
dem Fachsprachtest zu beauftragen („exklusive Beauf­
tragung“), in weiteren drei Ländern ist dies nicht inklu­
diert. Vier Länder beabsichtigen eine Anerkennung von
Zertifikaten bestimmter privater Sprachtestanbieter.
Auch auf die Frage, ob eine bestandene Eignungs­ be­
ziehungsweise Kenntnisprüfung den Fachsprachtest
ersetzen könne, gibt es bundesweit unterschiedliche
Antworten. Fünf Länder plädieren in diesem Fall von

einer weiteren Prüfung abzusehen. Weitere fünf Länder
gehen davon aus, dass die Sprachkenntnisse bereits
vor der Zulassung zur Eignungs­ beziehungsweise
Kenntnisprüfung überprüft werden. Dieses Vorgehen
ist jedoch mit Artikel 53 Absatz 3 RL 2005/36/EG nicht
kompatibel, denn demnach muss die Überprüfung
der Sprachkenntnisse unabhängig von der Überprü­
fung der Gleichwertigkeit der Berufsqualifikationen in
einem gesonderten Prüfvorgang erfolgen.
Wie auch für den letzten Bericht zum Anerkennungs­
gesetz wurde eine Recherche auf den Webseiten der
zuständigen Stellen durchgeführt (vgl. Tabelle 12). Es
zeigt sich, dass auf den Internetseiten der Behörden
zum Teil bereits neue Anforderungen an die geforder­
ten Sprachkenntnisse aufgezeigt werden. Auch die nach
wie vor bestehenden uneinheitlichen Regelungen für
Ärztinnen und Ärzte werden deutlich.

3.8.2 Zeitpunkt – Nachweis Sprachkenntnisse
Unabhängig von den oben beschriebenen differie­
renden Sprachanforderungen wurden die zuständi­
gen Stellen im Rahmen der Befragung um Auskunft
dazu gebeten, wann Antragstellende die geforderten
Sprachkenntnisse nachweisen müssen. Auch hier zeigt

Abbildung 33 Anforderung zum Termin des Nachweises der Sprachkenntnisse (absolut)
12

10

8

6

4

2

0

Ärztinnen und Ärzte

Gesundheits- und
Krankenpflegerinnen	
und	-pfleger

Sprachkenntnisse müssen mit Antragstellung
nachgewiesen werden

Zahnärztinnen
und -ärzte

Apothekerinnen
und Apotheker

mehrere
Zuständigkeiten

	 	Sprachkenntnisse	können	noch	während	des	Verfahrens	
erworben werden

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	von	zuständigen	Stellen	in	den	Gesundheitsberufen	(n	=	38),	zur	Gesamtzahl	fehlend	=	keine	Angabe.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

sich ein uneinheitliches Vorgehen (siehe Abbildung 33).
Während die antwortenden zuständigen Stellen für
Zahnärztinnen und ­ärzte sowie für Apothekerinnen
und Apotheker einheitlich angeben, dass der Sprach­
nachweis bereits mit Antragstellung vorzulegen sei, va­
riiert dies sowohl bei Anträgen auf die Approbation als
Ärztin und Arzt als auch bei Anträgen auf die Anerken­
nung als Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und
-pfleger. Abhängig von der jeweils zuständigen Stelle
können die Sprachkenntnisse auch erst im Verlauf des
Verfahrens erworben werden. In diesen Fällen kann
der Zeitraum bis zur Anerkennung für die Antragstel­
lenden deutlich verkürzt werden, da Sprachausbildung
und Sprachtest nicht schon abgeschlossen sein müssen,
bevor der Antrag gestellt werden kann.
Die Länder sind durch das BMG darauf hingewiesen
worden, dass nach der RL 2005/36/EG eine Verknüp­
fung von Berufszulassung/Approbation und Aner­
kennung der Ausbildungsnachweise unzulässig sei.
Um den EU­Vorgaben Rechnung zu tragen, müsse
bei Nichterteilung der Berufszulassung/Approbation
aus anderen Gründen (zum Beispiel fehlende Sprach­
kenntnisse) ein gesonderter Anerkennungsbescheid
(Zwischenbescheid) über die Anerkennung der Berufs­
qualifikation erlassen werden. Auch die Vorgaben zu
den inhaltlichen Anforderungen der Bescheide, die die
neue BMG­Verordnung festlegt, nennen keine sprach­
lichen Voraussetzungen. Das bedeutet, dass Sprach­
kenntnisse erst für die Berufszulassung/Approbation
benötigt werden und nicht bereits mit Antragstellung
gefordert werden dürften. Gerade auch für Anträge aus
dem Ausland ist diese Regelung zwingend notwendig.
Denn wenn bei unzureichenden Sprachkenntnissen
kein Bescheid über die festgestellte Gleichwertigkeit
der Qualifikation vorgelegt wird, kann auch kein Auf­
enthaltstitel beantragt werden.
Insgesamt ist festzustellen, dass die Umsetzung sowohl
hinsichtlich der geforderten Nachweise als auch des
Zeitpunktes uneinheitlich ist. Weitere Bestrebungen
der Vereinheitlichung sind daher notwendig.

3.9 Ende der Verfahren ohne Bescheid:
Zurückgezogene Anträge
Nicht jeder gestellte Antrag führt auch zu einem
Bescheid. So kann ein Verfahren beispielsweise auch

107

dadurch beendet werden, dass die antragstellende Per­
son den Antrag zurückzieht. Fälle in denen das Verwal­
tungsverfahren ohne einen Bescheid beendet wurde,
werden augenblicklich noch nicht durch die amtliche
Statistik erfasst.
Im Rahmen der Befragungen von zuständigen Stellen
sowohl im Handwerksbereich als auch in den Gesund­
heitsberufen zeigt sich, dass der Anteil der Verfahren,
die ohne Bescheid beendet wurden, stark variiert.
Zudem wurden die Stellen auch um Auskunft dazu
gebeten, welches aus ihrer Sicht die wichtigsten bezie­
hungsweise häufigsten Gründe dafür sind, dass Anträge
zurückgezogen werden. Hier zeigen sich deutliche
Unterschiede zwischen reglementierten und nicht
reglementierten Berufen.
Bei nicht reglementierten Berufen wird am häufigs­
ten genannt, dass die Beschaffung der notwendigen
Unterlagen durch die Antragstellenden zu aufwendig
ist. Teilweise fehlt auch die Bereitschaft zum Ablegen
der Qualifikationsanalyse. Dies kann beispielsweise
in mangelnden Deutschkenntnissen oder auch in
den Kosten der Qualifikationsanalyse begründet sein.
Teilweise wird auch während des Verfahrens festge­
stellt, dass alternative Verfahren besser geeignet sind,
die Ziele der Antragstellenden zu erreichen. Hier wäre
es notwendig, dass die Antragstellenden vor Antrag­
stellung die vorhandenen Beratungsangebote nutzen,
damit schon dort die möglichen Alternativen aufge­
zeigt werden. Dies würde sowohl den Antragstellen­
den als auch den zuständigen Stellen Zeitaufwand
und Arbeit ersparen. Ebenfalls ein wichtiger Grund,
warum Anträge im Bereich der nicht reglementierten
Berufe zurückgezogen werden, sind geringe Erfolgs­
aussichten für den Antrag. Damit ist es den Personen
möglich, die Verfahrenskosten gering zu halten,
wenn deutlich wird, dass es nicht zu einer vollen oder
teilweisen Gleichwertigkeit kommen wird. In solchen
Fällen kann eine Beratung vor Antragstellung nur
in Einzelfällen helfen, da es passieren kann, dass die
geringen Erfolgsaussichten erst durch die Dokumen­
tenprüfung im Verfahren deutlich werden. Die Pro­
blematik der Gebühren und Finanzierung, aber auch
die Möglichkeiten der Kostenerstattung werden im
Kapitel „Kosten und Finanzierung“ vertieft dargestellt
(vgl. III­5).

108

Anders stellt sich die Situation im Bereich der regle­
mentierten Berufe, insbesondere in den näher unter­
suchten Berufen (Ärztinnen und Ärzte, Gesundheits­
und Krankenpflegerinnen und -pfleger etc.) dar. Als
einen der häufigsten Gründe für das Zurückziehen
eines Antrages geben die zuständigen Stellen hier an,
dass ein Wechsel der Antragstellenden in ein anderes
Bundesland erfolgt ist. Ob dies schon die ersten An­
zeichen eines „Anerkennungstourismus“ sind, kann
anhand der vorliegenden Daten nicht abschließend
überprüft werden, ist aber auch nicht auszuschließen.
Ein weiterer benannter Grund ist, dass vonseiten der
Antragstellenden keine Bereitschaft besteht, an einer
Kenntnisprüfung teilzunehmen. Hier scheinen die
Erwartungen der Antragstellenden vor dem Verfahren
nicht realistisch gewesen zu sein, sondern es scheint
mit einer vollen Gleichwertigkeit ohne Kenntnisprü­
fung gerechnet worden zu sein. Dass dies insbeson­
dere bei Personen mit einer Drittstaatsausbildung
jedoch nur selten möglich ist, wurde bereits beschrie­
ben (vgl. III­3.6).

3.10 Fachärztliche Weiterbildung
Die Bundesärztekammer hat am 28. Juni 2013 eine neue
Musterweiterbildungsordnung verabschiedet und die
Anerkennung ausländischer Fachärzte aus Nicht­EU­
Staaten auf eine neue Grundlage gestellt. Bis dahin
mussten Fachärzte mit Abschlüssen aus Nicht­EU­Staa­
ten nach verpflichtender einjähriger ärztlicher Tätigkeit
in Deutschland die deutsche Facharztprüfung ablegen.
Nach der Änderung erfolgt die landesrechtlich gere­
gelte Facharztanerkennung nach den gleichen Grund­
sätzen wie die bundesrechtlich geregelte Ärzteaner­
kennung: Nur wesentliche Unterschiede rechtfertigen
die Ablehnung; Berufserfahrung ist ausgleichend zu
berücksichtigen. Wenn wesentliche Unterschiede fest­
gestellt wurden, besteht die Möglichkeit eine Eignungs­
prüfung (Defizitprüfung) abzulegen. Bislang haben
Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg­
Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen die Muster­
weiterbildungsordnung in ihre Weiterbildungsordnung
übernommen. NRW sieht abweichend davon vor, dass
Drittstaatsabsolventen bei nur teilweiser Gleichwertig­
keit zwischen Kenntnisprüfung und Anpassungslehr­
gang wählen können.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Für Drittstaatsabsolventen, die in Deutschland ihre
Facharztweiterbildung absolvieren wollen oder ab­
solviert haben, ergibt sich die Schwierigkeit, dass die
Facharztanerkennung die Approbation nicht ersetzt.
Dies trifft insbesondere die ausländischen Ärztinnen
und Ärzte, die vor Inkrafttreten des Anerkennungs­
gesetzes in Deutschland ihre Facharztausbildung in
Deutschland absolviert haben und auf der Grundlage
einer befristeten Berufserlaubnis als Ärztinnen oder
Ärzte tätig waren. Ohne Approbation und mit Blick auf
eine auslaufende Berufserlaubnis sahen viele gerade
mit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes ihre
berufliche Existenz in Deutschland gefährdet. Vielfach
wurde zum Beispiel seitens des Marburger Bundes und
der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberver­
bände (BDA) für die sogenannten Altfälle die Möglich­
keit einer unbefristeten Berufserlaubnis gefordert.
Dieser Forderung ist das BMG beim Erlass der Rechts­
verordnung zur Durchführung der Kenntnisprüfung
in den Heilberufen des Bundes und zur Regelung der
Berufserlaubnis nicht gefolgt. Verwiesen wird darauf,
dass auch die neuen Regelungen zur Berufserlaub­
nis Möglichkeiten für Verlängerungen vorsehen und
damit Ermessensspielräume für Härtefallregelungen
enthalten. Die Beschwerden von Betroffenen beim
Marburger Bund sind inzwischen – mehr als zwei
Jahre nach Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes –
zurückgegangen.160
Von Klinikseite wird zum Teil gefordert, Drittstaats­
absolventen mit anerkannter ausländischer Fach­
arztweiterbildung oder einer inländischen Fach­
arztweiterbildung die Approbation ohne weitere
Gleichwertigkeitsprüfung zu erteilen, da die doppelte
Belastung zwischen Facharzttätigkeit, Facharztweiter­
bildung und Vorbereitung für die Kenntnisprüfung
ausländische Fachärzte verunsichere. Das BMG sieht
allerdings keine Möglichkeit, vom Erfordernis der Ap­
probation in diesen Fällen abzuweichen: Die Approba­
tion stelle gegenüber der Facharztanerkennung nicht
die deutlich niedrigere Qualifikation, sondern ein Aliud
– also etwas anderes – dar. Aus Gründen des Patien­
tenschutzes müsse neben der Spezialisierung auch das
Vorhandensein einer breiten medizinischen Grundaus­
bildung nachgewiesen werden.

160	 Auskunft	Marburger	Bund	am	23. Februar	2015.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

3.11	Altenpflege	–	wenig	Entfaltungsspielraum	
für das Anerkennungsgesetz
Das Anerkennungsgesetz kann derzeit nur wenig zur
Fachkräftesicherung in der Altenpflege beitragen (vgl.
Böse und Wünsche 2015, S. 31).
Der bereits im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz
thematisierte Sonderfall Altenpflege hat sich auch bei
den weiteren Untersuchungen zum Gesundheitsbe­
reich als Herausforderung in der Praxis erwiesen.
Der Informationsbedarf seitens der Anerkennungsinte­
ressierten bleibt weiterhin hoch: Beim Portal „Aner­
kennung in Deutschland“ liegt der Beruf der Alten­
pflegerin beziehungsweise des Altenpflegers an fünfter
Stelle der aufgerufenen Berufsprofile (5.368 Aufrufe im
Jahr 2014) (vgl. III­1.1.1).
Auf der anderen Seite sind die Einrichtungen der
Altenhilfe akut vom Mangel an Pflegekräften betroffen.
Seitens der befragten Beratungsstellen, die mit Pfle­
geeinrichtungen, wie zum Beispiel Seniorenheimen
kooperieren, wird auch darauf hingewiesen, dass die
Einrichtungen häufig vor dem Problem stehen, die
seitens der Kassen vorgegebene Quote an qualifiziertem
Personal nicht erfüllen zu können. Um Altenpflegefach­
kräfte möglichst schnell in der ordnungsrechtlichen
Fachkraftquote berücksichtigen zu können und diesen
die Arbeitsaufnahme zügig zu ermöglichen, können
beispielsweise in Bayern Altenpflegefachkräfte nach
der Feststellung der fachlichen Gleichwertigkeit durch
die zuständige Behörde für eine Übergangszeit von
sechs Monaten auch ohne Nachweis ausreichender
Sprachkenntnisse tätig werden, sofern der Arbeitgeber
beziehungsweise die Pflegekraft den berufsbegleitenden
Erwerb ausreichender Sprachkenntnisse sicherstellt
und nachweist (Zwischenbericht zur Ausbildungs­ und
Qualifizierungsoffensive Altenpflege 2015, S. 81). Im
Rahmen der Ausbildungs- und Qualifizierungsoffen­
sive Altenpflege (2012 bis 2015) der Bundesregierung
unter Federführung des BMFSFJ bildet die „Verbesserte
Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen
im Pflegebereich“ das Handlungsfeld V. Die Partner der
Offensive, bestehend aus Bund, Ländern und Verbän­
den sowie weiteren Akteuren aus dem Tätigkeitsfeld
Altenpflege stimmen darin überein, dass mehr Pflege­
kräfte mit ausländischen Berufsqualifikationen für die

109

Pflege älterer Menschen gewonnen werden und dass
die Möglichkeiten der Anerkennung hierfür genutzt
werden sollten.161
Laut amtlicher Statistik nach § 17 BQFG gab es seit
Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes lediglich
99 Anträge auf Anerkennung als Altenpflegerin und
Altenpfleger, davon wurden bis Ende 2013 45 Anträge,
also fast die Hälfte, negativ beschieden. Den geführten
Interviews mit zuständigen Stellen für die Anerken­
nung von Altenpflegerinnen und Altenpflegern zufolge,
werden Anträge auf Anerkennung für diesen Beruf nur
selten vorgenommen. Weil im internationalen Umfeld
in der Regel keine speziell auf die Altenpflege ausge­
richteten Studiengänge beziehungsweise Ausbildungs­
berufe existieren, bedeutet dies für die zuständigen
Stellen, dass eine Vergleichbarkeit zum inländischen
Anforderungsprofil „examinierte/-r Altenpflegerin
beziehungsweise Altenpfleger“ nicht gegeben ist. Die
Zugangsvoraussetzung einer abgeschlossenen Berufs­
ausbildung kann aus Sicht der befragten zuständigen
Stellen faktisch nicht erfüllt werden. Die Antrag­
stellenden werden häufig dahingehend beraten, den
Referenzberuf Gesundheits- und Krankenpflege dem
Anerkennungsverfahren zugrunde zu legen.
Nach Auskunft der interviewten Beratungseinrichtun­
gen, die in engem Kontakt zu den Anerkennungsinte­
ressierten stehen und über Erfahrung in dem Bereich
verfügen, ergeben sich daraus für die Altenpflege
verschiedene Schwierigkeiten:
Zum einen haben die ausländischen Pflegekräfte häufig
eine mehrjährige universitäre Ausbildung absolviert. In
einigen Herkunftsländern gehen die Aufgabengebiete
weit über die der Gesundheits- und Krankenpflegerin­
nen und -pfleger hinaus. Diese Personen werden in der
Regel in einem Krankenhaus ihre Tätigkeit aufnehmen,
da hier eine bessere Bezahlung und spezialisierte Ein­
satzbereiche in Aussicht stehen. Begünstigt wird dies
durch die Tatsache, dass Anpassungslehrgänge gegen­
wärtig eher selten in Altenpflegeheimen oder in der
ambulanten Pflege stattfinden, sondern für gewöhnlich
in einem Krankenhaus abgeleistet werden. Für Arbeit­
geber aus der Altenpflege bedeutet dies, dass zum einen

161	 Vgl.	http://www.altenpflegeausbildung.net/ausbildungsoffensive/
vereinbarungstext.html sowie den Zwischenbericht zur Ausbildungs­
und	Qualifizierungsoffensive	Altenpflege	2015,	S.	76	ff.

110

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

bei fortlaufenden Gehaltszahlungen mit einem länger­
fristigen Ausfall der Fachkraft gerechnet werden muss.
Zum anderen besteht die Gefahr, dass die (anerkannte)
Fachkraft im Krankenhaus abgeworben wird, da auch
hier bekanntlich Mangel an Fachkräften herrscht.

Pflegeausbildung mit einem Berufsabschluss zusam­
mengelegt werden. Der neue Pflegeberuf als Referenz­
beruf im Anerkennungsverfahren würde die Personal­
gewinnung auch im Altenpflegebereich erleichtern und
stärken.

Eine befragte zuständige Stelle versucht den Altenpfle­
geeinrichtungen entgegenzukommen: Sofern bereits
ein Arbeitsverhältnis besteht, versucht die zuständige
Stelle den Anpassungslehrgang so weit wie möglich in
der entsprechenden Altenpflegeeinrichtung zu ermög­
lichen. Ausschließlich die Teile, die nicht in einer statio­
nären oder ambulanten Pflegeeinrichtung abgedeckt
werden können, müssen dann in einem Krankenhaus
abgeleistet werden. Der Anpassungslehrgang wird in
diesem Fall in zwei Einrichtungen durchgeführt. Das
bedeutet, dass am Ende des Lehrgangs auch in beiden
Einrichtungen die Abschlussgespräche geführt werden.
Dieses Beispiel könnte ein gutes Vorbild für andere
zuständige Stellen sein.

3.12 Fazit

Verschiedene Beratungseinrichtungen, die in dem
Feld sehr aktiv sind und mit Altenpflegeeinrichtungen
kooperieren, sind der Ansicht, dass insbesondere dann,
wenn einschlägige Berufserfahrung in der Altenpflege
vorliege, eine Gleichwertigkeitsprüfung mit dem Beruf
der Altenpflegerin oder des Altenpflegers durchge­
führt werden sollte. Die zuständigen Stellen könnten
entsprechende Auflagen für Ausgleichsmaßnahmen
erteilen. Erste Bemühungen dazu laufen bereits: „Die
Länder setzen sich verstärkt dafür ein, dass bei der
Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
die im Altenpflegebereich erworbene Berufspraxis
verstärkt berücksichtigt wird.“ (Zwischenbericht zur
Ausbildungs- und Qualifizierungsinitiative Altenpflege
2015, S. 80) Auch rechtlich bietet das Altenpflegegesetz
diese entsprechende Möglichkeit bereits jetzt. Um dem
hohen Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegen­
zuwirken, wäre dies ein wichtiger Schritt.
Die aktuell angestrebte Reform der Pflegeausbildung,
die im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode
vereinbart wurde, würde den Entfaltungsspielraum des
Anerkennungsgesetzes auch in den Einrichtungen der
Altenpflege erweitern. Die bislang getrennt geregelten
Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und
Krankenpflege und der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sollen demnach zu einer einheitlichen

Die gestellte Frage nach der bundeseinheitlichen Um­
setzung der Verfahren kann nicht pauschal beantwor­
tet werden. Je nach Zuständigkeitsbereich und vorhan­
denen Maßnahmen zur Bündelung von Kompetenzen
ist die einheitliche Umsetzung unterschiedlich stark
ausgeprägt. Dies ist unter anderem auf die Ermessens­
und vor allem auch Interpretationsspielräume zurück­
zuführen, die gesetzliche Vorschriften als abstrakte
generelle Regelungen immer bieten. In diesem Kapitel
wurden vorhandene Ermessensspielräume und darauf
basierende Uneinheitlichkeiten in der Umsetzung
sowie Strategien dargestellt, die dazu dienen sollen,
möglichst einheitliche Kriterien und Standards für die
Umsetzung zu erreichen. Es wurde aber auch gezeigt,
dass über den Ermessensspielraum hinaus in einigen
Fällen Vorgehensweisen bestehen, die den gesetzlichen
Regelungen nicht entsprechen und somit in ein geset­
zeskonformes Handeln geändert werden müssen.
Eine komplette Vereinheitlichung der Verfahren kann
nicht als Ziel gesehen werden, denn zwischen Zustän­
digkeitsbereichen, Berufen oder auch verschiedenen
Ausbildungsstaaten der Antragstellenden und vor
allem bei der Behandlung von hoch individuellen
Einzelfällen wird es immer Unterschiede bei Gleich­
wertigkeitsprüfungen geben. Im Hinblick auf die Ziele
des Anerkennungsgesetzes, das Qualifikationspotenzial
hier lebender Menschen besser zu nutzen, qualifika­
tionsadäquate Beschäftigung zu erreichen, die Inte­
gration in Arbeitswelt und Gesellschaft zu fördern und
Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen (vgl. BMBF
2012), ist aber weiterhin eine größtmögliche Verein­
heitlichung erstrebenswert. Entscheidend ist, dass Ver­
gleichsmaßstäbe und Beurteilungsstandards entwickelt
werden, die sicherstellen, dass über gleich gelagerte
Sachverhalte auch nachvollziehbar gleich entschieden
wird. Für Antragstellende ist dies notwendig, damit
die Verfahren so einfach wie möglich gestaltet werden
können und darüber hinaus transparent sind. Pro­
blematisch ist es zum Beispiel, wenn sich Antragstel­

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

lende über ihr Verfahren austauschen und feststellen
müssen, dass unterschiedliche Stellen bei identischen
Qualifikationen (derselbe Ort des Erwerbs und auch
derselbe Zeitpunkt) unterschiedlich entscheiden. Dies
ist nicht nur für die Antragstellenden unverständlich
und wirkt einer gelebten Anerkennungs­ und Willkom­
menskultur entgegen. Zudem sollte vermieden werden,
dass zwischen den einzelnen Ländern ein „Anerken­
nungstourismus“ entsteht. Interessierte Personen
tauschen sich bereits jetzt in Internetforen darüber aus,
wo die Anforderungen am geringsten erscheinen und
wo die Verfahren am leichtesten abgeschlossen werden
können. Dies kann bedeuten, dass bei zuständigen Stel­
len in den Ländern, in denen geringere Anforderungen
an die Vollzugspraxis bestehen, deutlich mehr Anträge
eingehen als bei anderen, was eine Verlängerung der
Verfahrensdauer verursachen kann. Auch für Betriebe
sind transparente Verfahrensabläufe notwendig, damit
diesen ersichtlich wird, auf welcher Basis Entschei­
dungen über die Gleichwertigkeit einer im Ausland
erworbenen Berufsqualifikation getroffen wurden. Dies
würde es den Personalverantwortlichen erleichtern
die Potenziale von Personen mit diesen Abschlüssen
einzuschätzen.
Im Rahmen von Arbeitsgruppen, durch Vereinbarun­
gen und Beschlüsse oder Verordnungen bemühen sich
Bund und Länder fortlaufend darum, mehr Einheit­
lichkeit des Vollzugs zu erreichen. Diese Bestrebungen
sollten auch in den kommenden Jahren beibehalten
werden, um den komplexen Verfahren gerecht zu wer­
den. Zudem können weitere Vereinheitlichungen auch
zur Entlastung der zuständigen Stellen beitragen.

111

112

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

4. Weitere Qualifizierung
	

Zielgruppe

Information &
Beratung

Das Wichtigste in Kürze:
 Drei Jahre nach Inkrafttreten des Anerkennungs­











gesetzes lässt sich nach Rückmeldungen der
Handwerkskammern und Industrie­ und Han­
delskammern bilanzieren, dass es vermehrt
Nachfragen von Personen, die einen Bescheid
mit teilweise festgestellter Gleichwertigkeit er­
halten haben, zu Möglichkeiten der Anpassungs­
qualifizierung gibt.
Es kann eine positive Zwischenbilanz hinsicht­
lich des Anpassungsqualifizierungsangebots in
den Regionen gezogen werden. Wenn es Nach­
fragen gibt, kann ein Großteil der Kammern
nach eigenen Angaben für ihre Region Angebote
zur Anpassungsqualifizierung unterbreiten oder
benennen, wo diese absolviert werden können.
Im Rahmen ihrer arbeitsmarktbezogenen Bera­
tung geben Jobcenter nach eigenen Angaben in
der Tendenz die Empfehlung, bei einer teilweisen
Gleichwertigkeit im Anschluss eine Anpassungs­
qualifizierungsmaßnahme zu absolvieren.
Der Anteil der befragten Weiterbildungsanbieter,
die Personen weitergebildet haben, die aufgrund
eines Anerkennungsverfahrens eine Qualifizie­
rung benötigten, ist von 6 Prozent (2013) auf
mehr als 9 Prozent (2014) angestiegen.
Die befragten Weiterbildungsanbieter scheinen
sich zunehmend auf die speziellen Bedürfnisse
dieser Zielgruppe einzustellen und Angebote
anzupassen beziehungsweise zu entwickeln.
Die Zusammenarbeit zwischen Weiterbildungs­
anbietern und zuständigen Stellen wurde aus­
gebaut.

Wie in der oben stehenden Grafik zu erkennen ist,
werden in diesem Kapitel sowohl Weiterbildungen im
Rahmen von Verfahren für reglementierte Berufe als

Verfahren

ggf. Anpassungsqualifizierung

Nutzung
für den Beruf

auch Weiterbildungen nach einem Verfahren für einen
nicht reglementierten Beruf untersucht.162 Abschnitt
4.1 befasst sich mit Anpassungsqualifizierungen im
Bereich der nicht reglementierten Berufe. Diese werden
notwendig, wenn die Gleichwertigkeitsprüfung eine
teilweise Gleichwertigkeit ergeben hat. Datenquellen für
diese Analysen sind die standardisierten Befragungen
der Kammern (siehe Datensatzbeschreibung im Anhang
A2). Abschnitt 4.2, welcher Daten aus der wbmonitor
Befragung 2014163 analysiert (siehe Datensatzbeschrei­
bung im Anhang A2), befasst sich dann auch wieder
mit den Ausgleichsmaßnahmen im reglementierten
Bereich, die Teil des Anerkennungsverfahrens sind.

4.1	Anpassungsqualifizierungen	im	
Kammerbereich
Mit der amtlichen Statistik zum Anerkennungsgesetz
für das Jahr 2013 ist hinsichtlich der Struktur der Er­
gebnisse der Gleichwertigkeitsprüfungen im Kammer­
bereich eine deutliche Verschiebung zu beobachten: In
2012 war der Anteil von Bescheiden über eine teilweise
Gleichwertigkeit mit etwa 9 Prozent noch vergleichs­
weise klein. Mit 21 Prozent war der Anteil von Beschei­
den mit keiner Gleichwertigkeit wesentlich höher. Für
2013 zeigt sich, dass sich die Vorzeichen umgekehrt
haben: Während der Anteil von Bescheiden mit keiner
Gleichwertigkeit auf 2,5 Prozent gesunken ist, wurden
erheblich mehr Bescheide mit einer teilweisen Gleich­
wertigkeit erteilt; ihr Anteil lag in 2013 bei fast 33 Pro­
zent (siehe dazu III­2).

162 Zu Ausgleichsmaßnahmen bei reglementierten Berufen siehe insbe­
sondere auch III-3.6.
163 Der wbmonitor ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem BIBB und
dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung – Leibniz-Zentrum
für	Lebenslanges	Lernen	(DIE)	und	stellt	die	größte	regelmäßig	in	
Deutschland durchgeführte bundesweite Befragung unter Weiterbil­
dungsanbietern dar. Vgl. https://wbmonitor.bibb.de/index.php
(Abruf:	18. März	2015).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Für das Thema Anpassungsqualifizierung hat diese Ent­
wicklung eine große Bedeutung. Der Gesetzgeber sieht
vor, dass Personen auch mit einer teilweisen Gleichwer­
tigkeit auf dem Arbeitsmarkt integriert werden können.
Mit dem Anstieg des Anteils an Personen mit einem Be­
scheid über eine teilweise Gleichwertigkeit wächst gleich­
zeitig das Interesse an Maßnahmen, die es ermöglichen,
die fehlenden Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten
zu erwerben, die Anerkennungsinteressierten zu einer
vollen Gleichwertigkeit fehlen. Waren es in 2012 nur etwa
70 Fälle, in denen eine teilweise Gleichwertigkeit beschie­
den wurde, sind es mit Anstieg an diesen Bescheiden in
2013 durch den weitaus größeren Umfang an abgeschlos­
senen Verfahren insgesamt 936 Personen164, die für eine
Anpassungsqualifizierung infrage kommen.165

113

Qualifizierung im Zuge des Anerkennungsgesetzes166
im nicht reglementierten Bereich erstellt. Der Leitfa­
den stellt dar, wie individuelle Qualifizierungsbedarfe
erhoben werden können, wie bei der Planung und
Umsetzung solcher Maßnahmen vorgegangen und wie
der Erfolg von Qualifizierungsmaßnahmen festgestellt
werden kann.
Für die bessere Arbeitsmarktintegration von Personen
mit einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation
hat die Bundesregierung im Rahmen des Förderpro­
gramms IQ einen zusätzlichen Handlungsschwerpunkt
zur „Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten
im Kontext des Anerkennungsgesetzes“ geschaffen.
Neben Maßnahmen zur Unterstützung von Aner­
kennungsinteressierten im reglementierten Bereich,
Brückenmaßnahmen für Akademikerinnen und
Akademiker sowie der Unterstützung von Personen,
die eine Externenprüfung anstreben, wird ein weiterer
Schwerpunkt sein, Qualifizierungsangebote im nicht
reglementierten Bereich zu fördern. Ziel dabei ist es,
Personen mit einer teilweisen Gleichwertigkeit so
zu qualifizieren, dass die wesentlichen Unterschiede
ausgeglichen und eine volle Gleichwertigkeit erreicht
werden kann. Die Maßnahmen sollen dabei an die indi­
viduellen Voraussetzungen der Anerkennungsinteres­
sierten anschließen und praxisnah, in Kooperation mit
Betrieben, Kammern und weiteren Akteuren gestaltet
werden. Ergänzend soll im Rahmen der Anerkennungs­
beratung das Thema Qualifizierungsberatung ausge­
baut werden.167 Die Förderung im Rahmen des neuen
Handlungsschwerpunktes hat Anfang 2015 begonnen
(siehe II­2.2, III­5.2.2 und III­5.4).

Auch die fachliche Diskussion über die Gestaltung von
Anpassungsqualifizierungen für Personen mit einer
teilweisen Gleichwertigkeit nimmt zu. Beispielsweise
wird seitens der Unternehmen die fehlende Transpa­
renz bei Angeboten zu Anpassungsqualifizierungen be­
klagt (Brenning u. a. 2014, S. 186). Berghausen, Gohlisch
und Oehme (2014) stellen unterschiedliche Varianten
dar, wie im Anschluss an ein Anerkennungsverfahren
mit dem Ergebnis einer teilweisen Gleichwertigkeit die
fehlenden Ausbildungsinhalte nachträglich erworben
werden können. Neben der Teilnahme an Weiterbil­
dungsmaßnahmen, die auf die individuellen Defizite
eingehen, wird der Erwerb von fehlenden Kenntnissen,
Fertigkeiten und Fähigkeiten im Rahmen von Be­
triebspraktika diskutiert. Eine weitere Variante stellt
aus Sicht der Autoren die Aufnahme einer (verkürz­
ten) Ausbildung dar, um fehlende Ausbildungsinhalte
bezüglich des deutschen Referenzberufs zu kompen­
sieren, mit der Option die Abschluss­ beziehungsweise
Gesellenprüfung zu absolvieren (ebenda).

4.1.1 Nachfrage nach Beratung zu Anpassungs­
qualifizierungsmöglichkeiten

Als Unterstützung für Bildungsanbieter, die noch
wenig Erfahrung bei der Umsetzung von Anpassungs­
qualifizierungen gesammelt haben, hat die Fachstelle
Beratung und Qualifizierung des Netzwerks „Integration durch Qualifizierung“ einen Leitfaden für die

Vor dem Hintergrund der Angaben aus der amtlichen
Statistik 2012 und 2013, die einen erheblichen Zuwachs
an Personen mit einer teilweisen Gleichwertigkeit zeigen,
stellt sich die Frage, ob bei diesen Personen Interesse an
Möglichkeiten der Anpassungsqualifizierung besteht.

164 Aus Datenschutzgründen sind alle Daten (Absolutwerte) der amt­
lichen Statistik jeweils auf ein Vielfaches von drei gerundet.
165 Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Personen mit einem Bescheid über
keine Gleichwertigkeit bei der zuständigen Stelle zwecks Anpas­
sungsqualifizierung	melden,	ist	nach	Aussagen	in	den	Interviews,	
die	mit	Kammern	in	2013	geführt	wurden,	erfahrungsgemäß	eher	
gering.

166 Vgl. http://www.f-bb.de/publikationen/leitfaden-fuer-die-bildungs­
praxis/leitfaden-fuer-die-bildungspraxis/pubinfo/qualifizierungenim-zuge-des-anerkennungsgesetzes-bei-nicht-reglementierten­
berufen.html	(Abruf:	18. März	2015).
167 Vgl. http://www.esf.de/portal/SharedDocs/PDFs/DE/Aktuel­
les/2014/2014_10_21_richtlinie_iq.pdf?__blob=publicationFile&v=1.

114

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Um sich der Beantwortung dieser Frage anzunähern,
wurden im Rahmen der BIBB­Befragungen die Kam­
mern um Auskunft darüber gebeten, ob Personen auf
sie zukommen, die einen Bescheid über keine oder eine
teilweise Gleichwertigkeit erhalten haben und zu An­
passungsqualifizierungsmöglichkeiten beraten werden
möchten (siehe Abbildung 34).168

qualifizierung angesprochen werden.170 Bei der großen
Mehrheit kommt es nach Einschätzung der befragten
Kammern eher selten bis nie (35 Handwerkskammern
und 40 Industrie­ und Handelskammern) vor, dass
Personen mit keiner oder teilweiser Gleichwertigkeit
zu Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten beraten
werden möchten.171

Der Umfang an Kontaktaufnahmen von Personen mit
dem Anliegen, sich zu Anpassungsqualifizierungsmög­
lichkeiten zu informieren, variiert je nach Kammer­
bereich.169 Ein gutes Viertel aller Handwerkskammern
und gut ein Sechstel der befragten Industrie­ und
Handelskammern gibt an, dass sie sehr häufig bis eher
häufig von Personen zu Möglichkeiten der Anpassungs-

Die Befragungsergebnisse geben zwar lediglich Ein­
schätzungen hinsichtlich der Häufigkeit der Ansprache
durch diesen Personenkreis an, jedoch deuten sie auf
ein gewisses, nicht näher quantifizierbares Interesse
von Personen mit keiner oder teilweiser Gleichwertig­
keit hin. Um den genauen Anteil an Personen mit dem
Wunsch nach einer Anpassungsqualifizierung zu

Abbildung	34	 Nachfrage
	
	nach	Beratung	zu	Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten	bei	Personen	mit	keiner	
beziehungsweise teilweiser Gleichwertigkeit (absolut)
Handwerk

Industrie und Handel

9
14

35
40

	 sehr	häufig	bis	eher	häufig	
eher selten bis nie
Quelle:	Handwerk:	BIBB-/ZDH-Befragung	(2014)	der	Handwerkskammern	(n	=	49);	Industrie	und	Handel:	BIBB-Befragung	(2014)	
der	Industrie-	und	Handelskammern	(n	=	49).	Die	Antwortmöglichkeiten	„sehr	häufig“,	„häufig“	und	„eher	häufig“	wurden	
zur	Kategorie	„sehr	häufig	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	zur	Kategorie	„eher	selten	bis	nie“.

168	 Die	Befragung	wurde	zum	Stichtag	31. März	2014	durchgeführt.	Das	
bedeutet, dass die Teilgruppe von Personen mit keiner oder teilwei­
ser	Gleichwertigkeit	zum	Befragungsstichtag	bereits	hätte	größer	
sein	können	als	durch	die	Angaben	der	amtlichen	Statistik	2012	und	
2013	(siehe	oben)	abgebildet.	
169 An der BIBB-/ZDH-Befragung haben alle 53 Handwerkskammern
teilgenommen.	Von	insgesamt	80	Industrie-	und	Handelskammern	
haben 52 an der BIBB-Befragung teilgenommen. Zu dieser Frage
haben in beiden Bereichen je 49 Kammern eine Einschätzung abge­
geben.

170	 Die	Antwortmöglichkeiten	dieser	Ordinalskala	reichten	von	„sehr	
häufig“,	„häufig“,	„eher	häufig“,	„eher	selten“,	„selten“	bis	zu	„nie“.	Für	
die Darstellung in diesem Bericht wurden die ersten drei Antwort­
möglichkeiten	zu	„sehr	häufig	bis	eher	häufig“	und	die	letzten	drei	
Antwortmöglichkeiten	zu	„eher	selten	bis	nie“	zusammengefasst.	
Die	Antwortmöglichkeiten	„weiß	nicht“	und	„keine	Angabe“	werden	
nicht dargestellt.
171 Bei den Handwerkskammern, die vermehrt teilweise Gleichwertig­
keiten	beschieden	haben,	gehen	auch	häufiger	Rückfragen	zu	Anpas­
sungsqualifizierungen	ein	(Grundlage	hierfür	ist	die	Abfrage	bei	den	
HWKn	im	Zeitraum	September	bis	einschließlich	März	2014).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

ermitteln, müsste die Anzahl der Beratungen hierzu
erhoben werden. Darüber hinaus wäre interessant
zu wissen, wie viele Personen nach einer Beratung
tatsächlich an Anpassungsqualifizierungsmaßnahmen
teilnehmen und ob sie einen weiteren Versuch starten,
eine volle Gleichwertigkeit zu erhalten.

4.1.2	Angebot	an	Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten

115

In vielen Regionen ist nach Aussage der Kammern
mittlerweile ein Angebot zu Anpassungsqualifizie­
rungen vorhanden. Von den 53 Handwerkskammern
haben 35172 zurückgemeldet, dass es Qualifizierungs­
möglichkeiten in der Region gibt. Von den 52 befragten
Industrie­ und Handelskammern geben 40 an, dass
Angebote in der Region bestehen. Lediglich zwei Vor­
Ort­IHKn geben an, dass es noch kein Angebot gibt.173

Neben dem Beratungsbedarf von Anerkennungs­
interessierten zu Qualifizierungsmöglichkeiten im
Anschluss an ein Anerkennungsverfahren ist die Frage
naheliegend, ob dieser Nachfrage ein ausreichendes
Angebot gegenübersteht.

Bei der Betrachtung des Angebotsumfangs fällt auf, dass
im Handwerk vier Kammern melden, dass sie die ein­
zigen Anbieter in der Region sind. Zehn der befragten
Industrie­ und Handelskammern vor Ort bieten selbst
keine Anpassungsqualifizierungen an; das Angebot wird
ausschließlich von anderen Anbietern abgedeckt.

Die Interviewergebnisse im ersten Bericht zum An­
erkennungsgesetz zeigten, dass bei den interviewten
Kammern überwiegend noch kein explizites Angebot
vorhanden war (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 119). Vor diesem
Hintergrund wurde bei den BIBB­Befragungen der
Handwerkskammern sowie der Vor­Ort­Industrie­ und
Handelskammern nach dem aktuellen Stand des Ange­
bots an Anpassungsqualifizierungsmaßnahmen gefragt
(siehe Tabelle 13).

Vor dem Hintergrund der Informationen aus dem
ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz und den hier
dargestellten Ergebnissen kann von einer Weiterent­
wicklung des Angebots ausgegangen werden. Kommt
es zu einer Ansprache durch Personen mit keiner oder
teilweiser Gleichwertigkeit, so können ein Großteil der
Kammern für ihre Region Angebote zur Anpassungs­
qualifizierung unterbreiten oder benennen, wo diese
absolviert werden können.

Tabelle	13	 	Angebot	an	Anpassungsqualifizierungs­
maßnahmen in der Region für Personen
mit keiner beziehungsweise teilweiser
Gleichwertigkeit (absolut)
Handwerk

Industrieund Handel

In unserer Region sind wir die einzigen
Anbieter.

4

0

In unserer Region gibt es neben uns
noch viele andere Anbieter.

6

5

In unserer Region gibt es neben uns
noch andere Anbieter.

21

17

In unserer Region gibt es neben uns
noch wenige andere Anbieter.

4

8

In unserer Region gibt es ausschließlich
andere Anbieter.

0

10

35

40

0

2

Summe Angebot in Region
In unserer Region gibt es überhaupt
keine Angebote.

Quelle:	Handwerk:	BIBB-/ZDH-Befragung	(2014)	
der	Handwerkskammern	(n	=	35);	Industrie	und	Handel:	
BIBB-Befragung	(2014)	der	Industrie-	und	Handelskammern	(n	=	42).

4.1.3	Anpassungsqualifizierungen	aus	Sicht	
der Jobcenter
Wie beurteilen Jobcenter das Thema Anpassungsquali­
fizierung im Bereich der nicht reglementierten Berufe?
Im Rahmen ihrer arbeitsmarktbezogenen Beratung
(siehe IV­2.1) haben Jobcenter Kontakt zu Personen, die
ein Anerkennungsverfahren durchlaufen haben.
Die Rückmeldungen der Jobcenter sind für das Thema
Anpassungsqualifizierung von besonderem Interes­
se, da sie Erfahrungen mit Bescheiden von Personen
haben, die ein Anerkennungsverfahren durchlaufen
haben und sich danach wieder an diese Beratungsstelle
wenden, um die nächsten Schritte einzuleiten. Im Rah­
men ihrer arbeitsmarktbezogenen Beratung sichten
Jobcenter die Bescheide und leiten daraus Folgeaktivi­
täten für ihre Klientinnen und Klienten ab.

172 Die restlichen 18 Handwerkskammern haben bei dieser Frage keine
Angabe gemacht.
173 Zehn Vor-Ort-IHKn haben bei dieser Frage keine Angabe gemacht.

116

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	35	 Empfehlung:	Tendenz	Anpassungsqualifizierung	und	Tendenz	Arbeitsmarktintegration	(absolut)

Empfehlung	Anpassungsqualifizierung

75

Empfehlung Arbeiten mit teilweiser
Gleichwertigkeit

20

35

0

60

20

40

	 sehr	häufig	bis	eher	häufig	

60

80

100

eher selten bis nie

Quelle:	Statistisches	Bundesamt,	Darstellung	des	BIBB,	gemeldete	Verfahren	2013.

Dabei geht mit der Beratung zu Folgeaktivitäten auch
die Entscheidung über die Übernahme von gegebe­
nenfalls anfallenden Kosten einher. Folgeaktivitäten
können einerseits Maßnahmen zur Arbeitsmarktinte­
gration sein, wie beispielsweise die direkte Vermittlung
in eine Erwerbstätigkeit; andererseits bietet es sich im
nicht reglementierten Bereich – insbesondere bei einer
teilweisen Gleichwertigkeit – an, weiterzuqualifizieren,
um die Chancen auf eine spätere Arbeitsmarktintegra­
tion zu erhöhen.
Im Folgenden wird dargestellt, welche Erfahrungen
Jobcenter hinsichtlich der Entscheidungen zu Folgeak­
tivitäten gesammelt haben. Gibt es aus ihrer Sicht eher
eine Tendenz in Richtung Anpassungsqualifizierung
oder in Richtung Integration in den Arbeitsmarkt mit
einer teilweisen Gleichwertigkeit?
Über drei Viertel der Jobcenter, die zu dieser Frage
Stellung bezogen haben, empfehlen eine Anpassungs­
qualifizierungsmaßnahme sehr häufig bis eher häufig.
Weitergehend befragt sprechen nur gut ein Drittel der
Jobcenter die Empfehlung, mit einer teilweisen Gleich­
wertigkeit (direkt) zu arbeiten, sehr häufig bis eher
häufig aus (vgl. Abbildung 35).
Ob eine Anpassungsqualifizierung zielführend ist
oder ob auch eine teilweise Gleichwertigkeit auf dem
Arbeitsmarkt zählt, lässt sich anhand der Rückmeldun­
gen der Jobcenter nicht abschließend beurteilen. Die
Jobcenter empfehlen eher den Weg, den Abschluss über
eine Qualifizierung vollständig anerkennen zu lassen;

nur wenige empfehlen die Aufnahme einer Tätigkeit
mit einer teilweisen Gleichwertigkeit.

4.2 Weiterbildungsanbieter
Wie schon im Vorjahr wurden im Rahmen der wbmo­
nitor­Befragung 2014 (siehe Datensatzbeschreibung
im Anhang A2) Weiterbildungsanbieter um Auskunft
gebeten, in welchem Maße bei ihnen Weiterbildung im
Rahmen der Anerkennung von ausländischen Berufs­
qualifikationen angeboten beziehungsweise durch­
geführt wird. Im Jahr 2014 beteiligten sich insgesamt
2.040 Anbieter an der Befragung.174
Während im Jahr 2013 etwas mehr als 6 Prozent der
Anbieter angaben, Personen, die aufgrund eines Aner­
kennungsverfahrens eine Qualifizierung benötigten,
weitergebildet zu haben, sind es im Jahr 2014 mehr als
9 Prozent. Wird die inhaltliche Ausrichtung der Kurse,
an denen diese Personengruppe teilgenommen hat,
betrachtet, so zeigt sich, dass sich Sprachkurse (zum
Beispiel berufsbezogenes Deutsch) mit 39 Prozent und
berufsfachliche Kurse mit 38 Prozent in etwa die Waage
halten. 23 Prozent führen Kurse beider inhaltlicher
Ausrichtungen durch.

174	 Zur	Befragung	2014	wurden	rund	21.250	dem	wbmonitor	zu	diesem	
Zeitpunkt bekannte, auf dem Markt aktive Weiterbildungsanbie­
ter eingeladen. Ein Gewichtungs- und Hochrechnungsverfahren
ermöglicht	die	Projektion	der	Daten	der	Befragungsteilnehmerinnen	
und -teilnehmer auf alle dem wbmonitor bekannten Anbieter. Im
Folgenden werden gewichtete Angaben dargestellt.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

117

Abbildung 36 Art der Weiterbildungsangebote (in Prozent)
80	%
70	%

72,5 %

60	%
58,0	%
50	%
40	%
30	%
20	%

21,2 %
14,1 %

10	%
0	%

Teilnahme nur am regulären Angebot
	 2013

11,0	%

Teilnahme sowohl am regulären Angebot
als auch an speziellen Angeboten

11,4 %

Teilnahme nur an speziellen Angeboten

	 2014
Basis:	Weiterbildungsanbieter;	gewichtete	Ergebnisse,	ungewichtete	Fallzahlen:	2013	n	=	90,	2014	n	=	199.
Quelle:	wbmonitor-Befragungen	2013	und	2014;	Berechnungen	und	Darstellung	des	BIBB;	zu	100	Prozent	fehlend:	„weiß	nicht“.

In Bezug auf die Art der Einrichtungen, die solche
Weiterbildungen durchführen, wird deutlich, dass es
sich zu über 60 Prozent um private Einrichtungen, die
entweder kommerziell oder gemeinnützig tätig sind,
oder um Volkshochschulen handelt.175
Die Weiterbildungsanbieter wurden befragt, wie die
Anpassungsqualifizierungen, Ausgleichsmaßnahmen
oder Vorbereitungen auf Prüfungen (Kenntnisprü­
fungen), die Personen aufgrund eines Anerkennungs­
verfahrens ihrer ausländischen Berufsqualifikation
benötigten, organisiert sind. Dabei wird unterschieden,
ob diese über das reguläre Angebot ihrer Einrichtung
abgedeckt wurden oder ob die Personen an speziellen
Angeboten mit dem Ziel der Anerkennung ausländi­
scher Berufsqualifikationen teilgenommen haben.
Der Anteil der Institutionen, die Angebote für diese
Personengruppe über ihre regulären Angebote abde­
cken, ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken (vgl. Abbil­
dung 36). Dagegen ist der Anteil der Anbieter gestiegen,

175 Die restlichen Prozente verteilen sich auf „betriebliche Bildungsein­
richtung“;	„berufliche	Schule“;	„Fachhoch-/Hochschule,	Akademie“;	
„wirtschaftsnahe Einrichtung (wie Kammer, Innung, Berufsverband
oder Ableger davon“; „Einrichtung einer Kirche, Partei, Gewerk­
schaft, Stiftung eines Verbandes oder Vereins“ sowie „Sonstiges“.

die spezielle Angebote für diese Zielgruppe vorhalten
(sowohl in Verbindung mit regulären Angeboten als
auch ausschließlich spezielle). Die befragten Weiterbil­
dungsanbieter scheinen sich also zunehmend auf die
speziellen Bedürfnisse dieser Zielgruppe einzustellen
und Angebote anzupassen beziehungsweise zu entwi­
ckeln. Wenn spezielle Angebote für diese Zielgruppe
vorgehalten werden, dann sind dies zum Beispiel spezi­
fische Sprachkurse, spezifische Integrationskurse oder
auch fachspezifische Kurse.
Während noch 2013 nur 4 Prozent der Anbieter an­
gaben, dass eine Kooperation mit zuständigen Stellen
besteht oder in Planung ist, sind es 2014 schon mehr als
7 Prozent. Davon gibt mehr als ein Fünftel an, dass es
sich dabei um ein Qualifizierungsangebot in Koopera­
tion mit einer solchen Stelle handelt. Oft werden auch
Personen mit Qualifizierungsbedarf von den zuständi­
gen Stellen direkt an die Einrichtungen verwiesen. Dies
setzt voraus, dass den zuständigen Stellen bekannt ist,
welche Angebote die Einrichtungen vorhalten.
Des Weiteren wurden die Weiterbildungsanbieter
dazu befragt, wie viele Personen, die aufgrund eines
Anerkennungsverfahrens ihrer ausländischen Berufs­
qualifikation eine Anpassungsqualifizierung, Aus­

118

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 37 Anzahl der Teilnehmenden an Weiterbildungskursen im Rahmen von Anerkennungen (in Prozent)
35 %
30	%
28,7 %
25 %
22,9 %
20	%

20,8	%
17,3 %

15 %
10	%

10,2	%

5%
0	%

unter 5
Teilnehmende

5 bis 9
Teilnehmende

10	bis	19	
Teilnehmende

20	bis	29	
Teilnehmende

30	und	mehr	
Teilnehmende

Basis:	Weiterbildungsanbieter;	gewichtete	Ergebnisse,	ungewichtete	Fallzahl	n	=	131.
Quelle:	wbmonitor-Befragung	2014;	Berechnungen	und	Darstellung	des	BIBB.

gleichsmaßnahme oder Vorbereitung auf eine Prüfung
(Kenntnisprüfung) benötigten, insgesamt in den letzten
zwölf Monaten an entsprechender Weiterbildung in
ihrer Einrichtung teilgenommen haben.
Die Gesamtzahl der Personen, die an einer Weiterqua­
lifizierung teilgenommen haben, ist je nach Einrich­
tung sehr unterschiedlich (vgl. Abbildung 37). Bei fast
30 Prozent der Einrichtungen waren es aber 30 Teilneh­
mende oder mehr. Jedoch scheint es auch Einrich­
tungen zu geben, die solche Angebote bei niedrigeren
Teilnehmendenzahlen durchführen.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

119

5. Kosten und Finanzierung

Übergreifende	Aspekte	(rechtliche	Grundlagen,	Akteure,	Kosten)

Zielgruppe

Information &
Beratung

Verfahren

Das Wichtigste in Kürze:
	 Die Gebühren für Anerkennungsverfahren im

Bereich der nicht reglementierten Berufe des
BQFG sind weitgehend unverändert geblieben. Bei
der IHK FOSA und den Handwerkskammern gilt
ein Gebührenkorridor von 100 bis 600 Euro; bei der
IHK Hannover kostet das Anerkennungsverfahren
bei einer Beurteilung auf der Basis von Dokumen­
ten pauschal 300 Euro. Für Qualifikationsanalysen
fallen höhere Gebühren an.
	 Die Gebühren für die Anerkennungsverfahren bei
reglementierten Berufen regeln die Länder noch
sehr unterschiedlich. Der Regelungsprozess ist
noch nicht abgeschlossen; die Mehrheit der Länder
scheint eine Obergrenze von 600 Euro vorzusehen
beziehungsweise diese nicht zu überschreiten.
	 Bei den bundesrechtlich geregelten Gesundheits­
berufen unterscheiden sich die Gebühren nach wie
vor je nach zuständiger Stelle.
 Die Gebühr für die Zeugnisbewertung einer aus­
ländischen Hochschulqualifikation durch die ZAB
stieg ab dem 30. April 2014 von 100 auf 200 Euro.
	 Die Übernahme der Finanzierung von anfal­
lenden Kosten für das Anerkennungsverfahren

durch die Jobcenter hängt unter anderem vom
zu erwartenden Erfolg der Anerkennung und der
anschließenden Arbeitsmarktintegration ab.
Von den befragten Jobcentern empfiehlt bezie­
hungsweise nutzt ein Großteil die Möglichkeiten
von SGB II (Eingliederungstitel sowie Vermitt­
lungsbudget) zur Finanzierung der Anerkennung
ausländischer Qualifikationen.
	 Die Finanzierung des Bundes von Kosten der An­
erkennung bei Fachkräften aus der EU, MobiPro­
EU, stand für Neuanträge ab dem Frühjahr 2014
nicht mehr zur Verfügung. Auf Länderseite gibt es

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

eine spezifische Finanzierung nach wie vor nur in
Hamburg. Für bestimmte Zielgruppen sowie für
bestimmte Kostenarten stehen aber Fördermöglich­
keiten zur Verfügung (Modellprojekte; ESF­BAMF­
Programm).
	 Qualifizierungen im Kontext der Anerkennungs­
verfahren werden ab 2015 im Rahmen des neuen
Handlungsschwerpunkts Qualifizierung im IQProgramm gefördert.
	 Es gibt verschiedene finanzielle Unterstützungsan­
gebote. Trotzdem bleibt die Finanzierung der Kos­
ten des Anerkennungsverfahrens ein Grund unter
anderen keinen Antrag zu stellen. Die Bedeutung
dieses Grundes wird von den befragten Akteuren
unterschiedlich beurteilt (IHKn, HWKn, Länderbe­
hörden, MBE und Jobcenter).
Das vorliegende Kapitel beschreibt, wie sich die
Verfahrensgebühren seit dem ersten Bericht zum
Anerkennungsgesetz entwickelt haben und wie sich
die ersten qualitativ gewonnenen Erkenntnisse zu
Kostenfragen des ersten Berichts bei weiterführender
Analyse darstellen. Darüber hinaus stellt es die Ent­
wicklung der Instrumente zur Finanzierung der Kos­
ten sowie Erkenntnisse über deren Inanspruchnahme
dar. Hierfür hat das BIBB eine Reihe von empirischen
Erhebungen durchgeführt und ausgewertet.176

176 Siehe die Datensatzbeschreibung im Anhang A2; im Einzelnen waren
dies:	1. Webanalyse	von	Homepages	von	zuständigen	Stellen	(zum	
einen bei zuständigen Stellen für Gesundheitsberufe, zum anderen
bei weiteren zuständigen Stellen wie ZAB, IHK FOSA und weiteren
IHKn, HWKn sowie für freie Berufe bei der Ärztekammer Westfa­
len	Lippe);	2. quantitative	Befragungen	von	zuständigen	Stellen	in	
den	Gesundheitsberufen,	von	IHKn	sowie	HWKn;	3. quantitative	
Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Beratungsein­
richtungen (Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE)
und	Jobcenter)	sowie	4. Experteninterviews	in	diesen	Beratungs­
einrichtungen; 5. Analyse von Sekundärquellen sowie Hinweise aus
weiteren Untersuchungen.

120

Mit welchen Kosten die Anerkennungsverfahren ver­
bunden sind, hängt im Einzelfall von den Verfahrens­
gebühren der zuständigen Stellen und von weiteren
Kostenarten ab: Das sind zum einen die Ausgaben für
die Beschaffung, Übersetzung und Beglaubigung der
gesetzlich vorgesehenen Antragsunterlagen (wie indi­
viduelle Ausbildungsnachweise, Arbeitszeugnisse und
Ähnliches) als auch der weiteren Antragsunterlagen,
welche die zuständigen Stellen von den Antragstellen­
den im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht einfordern
können (wie etwa Ausbildungs­ oder Studienordnun­
gen und Curricula aus dem Ausbildungsstaat). Zum
anderen können Ausgaben und gegebenenfalls auch
Einkommensausfälle für die weitere Qualifizierung
hinzukommen (zur Übersicht über alle Kostenarten
vgl. Erbe u. a. 2014, S. 121–128).

5.1 Verfahrensgebühren im Überblick
Im IHK­Bereich kam es im Vergleich zum Vorjahr zu
keinen Änderungen bei den Verfahrensgebühren. Bei
der IHK FOSA beträgt der Gebührenkorridor, wie auch
im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz dargestellt,
zwischen 100 und 600 Euro. Durchschnittlich kos­
tet ein Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren eines
Ausbildungsabschlusses ca. 420 Euro, bei einem Fortbil­
dungsabschluss fällt eine Gebühr in Höhe von ungefähr
550 Euro an.177 Auch die Gebühren der nicht an der FOSA
beteiligten IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid (100
bis 600 Euro in Abhängigkeit vom Aufwand)178 und der
IHK Hannover, die in den IHK­Bezirken Hannover und
Braunschweig zuständig ist (300 Euro bei Beurteilung auf
Basis vorhandener Dokumente und 800 Euro bei Durch­
führung von Kompetenzfeststellungsverfahren)179, haben
sich nicht verändert.
Auch der Gebührenrahmen der 53 Handwerkskam­
mern in Deutschland ist mit 100 bis 600 Euro unverän­

177 Siehe http://www.ihk-fosa.de/fuer-antragsteller/gebuehren/ (Abruf:
18. März	2015).
178 Vgl. http://www.wuppertal.ihk24.de/servicemarken/wir_ue­
ber_uns/finanzen/gebuehren/905892/gebuehrentarif.html	(Abruf:	
18. März 2015).
179 Vgl. Gebührentarif der Industrie- und Handelskammer Hannover in
der	Fassung	vom	2. Dezember	2013,	III-3	Beurteilung	nach	BQFG.	
Siehe	http://www.hannover.ihk.de/fileadmin/data/Dokumente/
Satzungen__Beitraege__Gebuehren/20140308_Gebührentarif_02.pdf	
(Abruf:	18. März 2015).

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

dert geblieben.180 Der Zentralverband des Deutschen
Handwerks (ZDH) gab an, dass es aktuell keine Diskus­
sionen zum bestehenden Gebührenrahmen gibt. Es gab
im Jahr 2014 aber einen ersten Erfahrungsaustausch
zum Kostenerstattungsverfahren für die Qualifikationsanalyse. Aufgrund der unterschiedlichen Organi­
sationsmodelle werde diesbezüglich keine bundesweite
Abstimmung angestrebt.181
Gemäß dem Verband der Landwirtschaftskammern
(VLK) richtet sich die Gebührenhöhe nach dem konkre­
ten Verwaltungsaufwand im Einzelfall. Nach bisherigen
Erfahrungen berechnen die zuständigen Stellen Ge­
bühren von bis zu 800 Euro und im Regelfall zwischen
300 und 500 Euro.182
Hinsichtlich der Gebühren bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe, die für alle Länder mit Ausnahme von
Brandenburg, Bayern, Sachsen und Sachsen­Anhalt für
die Anerkennung des freien Berufs der Medizinischen
Fachangestellten zuständig ist, gab es ebenfalls keine
Veränderungen gegenüber dem ersten Bericht zum
Anerkennungsgesetz. Die Gebühren für die Dokumen­
tenprüfung betragen 125 Euro und zusätzlich 175 Euro,
falls eine Qualifikationsanalyse durchgeführt wird.183
Hinsichtlich der von Landesbehörden durchgeführten
Anerkennungsverfahren waren die Jahre 2013 und 2014
von Überlegungen der Länder zur Festlegung von Ge­
bührenrahmen beziehungsweise ­obergrenzen geprägt.
In der Frage haben die Länder unterschiedliche Wege
eingeschlagen, wie bereits die Rückmeldungen auf eine

180 „Der Gebührenrahmen ist in der Gebührenordnung der Handwerks­
kammer festgelegt. Da der Aufwand für die Durchführung der
Verfahren vom jeweiligen Einzelfall abhängt, gibt es keine einheitlich
festgelegte Gebühr. Über die voraussichtlichen Kosten des Verfah­
rens informiert die Handwerkskammer individuell. Soweit neben der
Überprüfung	schriftlicher	Nachweise	eine	Qualifikationsanalyse	er­
forderlich ist, werden die dadurch entstehenden Kosten als Auslagen
gesondert in Rechnung gestellt.“ Siehe http://www.handwerk-nrw.
de/beratung/anerkennung/bewertung-auslaendischer-berufsab­
schluesse-durch-die-handwerkskammer.html	(Abruf:	18. März 2015)	
sowie Rückmeldung des ZDH zur BIBB-Abfrage bei den Verbänden
vom	3. Dezember	2014.
181 Rückmeldung des ZDH zur BIBB-Abfrage bei den Verbänden vom
3. Dezember	2014.
182 Rückmeldung des VLK zur BIBB-Abfrage bei den Verbänden vom
3. Dezember	2014	und	Ergänzung	vom	12. März	2015.
183		 Siehe	http://www.aekwl.de/fileadmin/arzthelferinnen/doc/Merk­
blatt_zum_BQFG_11-2012.pdf	(Abruf:	18. März	2015).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Umfrage des Landes Berlin im Februar 2014184 sowie
eine Internetrecherche im Februar und März 2015
durch das BIBB­Anerkennungsmonitoring belegen.
Unterschiede bestehen bereits hinsichtlich der Form
der Festlegung: So werden Gebühren teils im Landes­
anerkennungsgesetz (zum Beispiel in Sachsen­An­
halt185), teils in spezifischen Rechtsverordnungen (RVO)
für Anerkennungstatbestände (zum Beispiel in Baden­
Württemberg186), teils in unterschiedlichen RVO (zum
Beispiel in Hessen187) festgelegt. Die SenBJW­Umfrage
scheint zu bestätigen, dass ein Betrag von 600 Euro als
Obergrenze für die Verfahrensgebühr in den Ländern
am häufigsten ist oder zumindest geplant wird. In
Berlin beispielsweise sieht die seit dem 30. April 2014
geltende Berufsqualifikationsprüfungsgebührenver­
ordnung (BQPGebVO) einen Gebührenkorridor von

184 Zur Vorbereitung einer Gebührenordnung für das Land Berlin hat die
Senatsverwaltung	für	Bildung,	Jugend	und	Wissenschaft	(SenBJW)	
im	Februar	2014	eine	kurze	Umfrage	unter	den	Mitgliedern	der	AG	
„Koordinierende Ressorts“ zu Gebührenrahmen beziehungsweise
-obergrenzen hinsichtlich der Anerkennungsverfahren durchgeführt.
Für die Zurverfügungstellung der Ergebnis-Synopse mit Stand vom
7. Februar	2014	sei	der	Senatsverwaltung	freundlich	gedankt.	Die	Er­
gebnisse sind nur als Zwischenstand zu verstehen, da zum einen der
Gesetzgebungsprozess zu diesem Zeitpunkt in mehreren Ländern
noch nicht abgeschlossen war und da zum anderen die anlassbe­
zogene Synopse nur die bis dahin eingegangenen Rückmeldungen
von 13 der 16 Länder berücksichtigen konnte und zudem nicht alle
Rückmeldungen für jeweils alle Fachressorts des Landes galten.
185		 Siehe	dazu	§ 20	Absatz 1	des	„Gesetzes	über	die	Anerkennung	im	
Ausland	erworbener	Berufsqualifikationen	im	Land	Sachsen-Anhalt“.	
Siehe	http://www.mw.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Po­
litik_und_Verwaltung/MW/Service/Laendergesetzgebung_ST_GVBl.
pdf	(Abruf:	18. März	2015).
186 Siehe dazu unter anderem „Verordnung des Integrationsminis­
teriums	über	die	Festsetzung	der	Gebührensätze	für	öffentliche	
Leistungen	der	staatlichen	Behörden	für	den	Geschäftsbereich	des	
Integrationsministeriums“	vom	29. Januar	2015,	Anlage	„Gebüh­
renverzeichnis“.	Hier	wird	eine	Obergrenze	von	630 Euro	festgelegt.	
Siehe http://www.landesrecht-bw.de/jportal/portal/t/hl5/page/
bsbawueprod.psml/action/portlets.jw.MainAction?p1=2&event
Submit_doNavigate=searchInSubtreeTOC&showdoccase=1&doc.
hl=0&doc.id=jlr-IntMinGebVBWpAnlage&doc.part=G&toc.
poskey=#focuspoint	(Abruf:	18. März	2015).
187		 Siehe	dazu	unter	anderem	§ 1	der	„Verwaltungskostenordnung	für	
den Geschäftsbereich des Kultusministeriums“, Anlage „Verwal­
tungskostenverzeichnis“. Siehe http://www.rv.hessenrecht.hessen.
de/jportal/portal/t/1lxq/page/bshesprod.psml?pid=Dokument
anzeige&showdoccase=1&js_peid=Trefferliste&fromdoctodoc=
yes&doc.id=jlr-KMVwKostOHE2013rahmen&doc.part=X&doc.
price=0.0&doc.hl=0#focuspoint	(Abruf:	18. März	2015)	oder	„Verwaltungskostenordnung für den Geschäftsbereich des Ministeriums
für Soziales und Integration“, Anlage „Übersicht zum Verwaltungs­
kostenverzeichnis“. Siehe: http://www.rv.hessenrecht.hessen.de/
jportal/portal/t/1mbp/page/bshesprod.psml?pid=Dokumentan
zeige&showdoccase=1&js_peid=Trefferliste&fromdoctodoc=yes
&doc.id=jlr-SozMinVwKostOHE2012rahmen&doc.part=X&doc.
price=0.0&doc.hl=0#focuspoint	(Abruf:	18. März	2015).	

121

100 bis 600 Euro vor.188 In Mecklenburg­Vorpommern
und Schleswig­Holstein wurden nach der Umfrage
Gebühren bis zu 150 Euro erhoben. Die angestrebte
Obergrenze von 600 Euro wird hier bisher also nicht
erreicht. Bei der Diskussion um die Höhe der Gebüh­
renrahmen stehen auf der einen Seite der Wunsch,
die Inanspruchnahme der Anerkennungsregeln nicht
durch zu hohe Kosten zu erschweren, und auf der an­
deren Seite die Einhaltung des Kostendeckungsprin­
zips der Verwaltung einander gegenüber.
Wie bereits im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz
festgestellt, variieren die Verfahrensgebühren weiterhin
nicht nur zwischen den Berufen, sondern auch inner­
halb eines Berufs zwischen den verschiedenen zustän­
digen Stellen. Die für den ersten Bericht durchgeführte
Webanalyse189 für die Berufe Ärztin und Arzt sowie Ge­
sundheits- und Krankenpflegerin und -pfleger wurde
von August bis September 2014 wiederholt und um die
Berufe Zahnärztin und Zahnarzt sowie Apothekerin
und Apotheker erweitert.
Die Gebühren für die Erteilung einer Approbation als
Ärztin oder Arzt liegen laut den Angaben der Webseiten
zwischen 100 und 1.000 Euro. Somit ist die Untergrenze
im Vergleich zur ersten Webanalyse 2013 von 80 Euro
auf 100 Euro leicht gestiegen, während die Obergrenze
gleich geblieben ist (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 159). Nach
wie vor nennen einige zuständige Stellen festgesetzte
Beträge, deutlich häufiger wird ein Gebührenkorridor
angegeben. In einigen Fällen unterscheidet sich die
Höhe der Gebühren je nachdem, ob die Ausbildung in
einem EU­ oder EWR­Staat oder in einem Drittstaat
absolviert wurde. Einige zuständige Stellen machen auf
ihren Webseiten keine Angaben zur Höhe der Gebüh­
ren, wobei eine zuständige Stelle angab, die Gebühr
nach dem Aufwand der Bearbeitung zu ermitteln.

188	 „Verordnung	über	Gebühren	bei	der	Prüfung	von	Berufsqualifikatio­
nen	und	von	Bewertungen	ausländischer	Hochschulqualifikationen	
(Berufsqualifikationsprüfungsgebührenverordnung	–	BQPGebVO)“	
vom	15. April	2014;	http://gesetze.berlin.de/jportal/?quelle=jlink&q
uery=BQPGebV+BE+Anlage&psml=bsbeprod.psml&max=true
(Abruf:	18. März	2015).	
189 Dies waren bundesweit 23 zuständige Stellen für die Berufe
Ärztin und Arzt, Zahnärztin und Zahnarzt sowie Apothekerin und
Apotheker und bundesweit 25 zuständige Stellen für den Beruf
Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	und	-pfleger.	Häufig	ist	eine	
Verwaltungsbehörde	für	mehrere	Berufe	zuständige	Stelle.	So	sind	
beispielsweise 13 Stellen für alle vier genannten Berufe gleicherma­
ßen	zuständig.	Daher	sind	es	insgesamt	37	Länderbehörden	in	den	
Gesundheitsberufen.

122

Sind zuständige Stellen neben dem Beruf Ärztin und
Arzt zudem für mindestens einen der Berufe Zahn­
ärztin und Zahnarzt oder Apothekerin und Apotheker
zuständig, so werden auf der Webseite die gleichen
Gebühren der Approbation für diese Berufe angegeben.
Da die Mehrheit der zuständigen Stellen für alle drei
Berufe zuständig ist, gibt es hinsichtlich der Gebüh­
rengestaltung keine großen Unterschiede im Vergleich
zum Beruf Ärztin und Arzt.
Die Webanalyse zeigte zudem, dass sich die Angaben
zu Gebühren für das Anerkennungsverfahren von
Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und -pflegern
kaum geändert haben. Die Gebühren bewegen sich mit
einer Ausnahme (in Höhe von 1.060 Euro) zwischen 25
und 350 Euro. Nach wie vor ist die Angabe von Gebüh­
renkorridoren etwas häufiger als die Angabe festge­
setzter Beträge. Ein großer Teil der für diesen Beruf
zuständigen Stellen (15 von 25) macht nach wie vor
keine Angaben zu Gebühren auf der Webseite.
Im Rahmen der standardisierten Befragung der zu­
ständigen Stellen für Gesundheitsberufe wurden die
Teilnehmenden um Angaben zu den Gebühren in
der Praxis gebeten. Da die Fragen zu den Kosten nur
von einer geringen Anzahl der Befragten beantwor­
tet wurden, können sie nur als Anhaltspunkt dienen.
Dabei zeigt sich, dass die durchschnittlichen Kosten
auch bei Zuständigkeit für denselben Beruf sehr
unterschiedlich zu sein scheinen. Die bisher erhal­
tenen Informationen zeigen bezüglich der Kosten
für die unterschiedlichen Verfahren (Gleichwertig­
keitsprüfung durch die Verwaltungsbehörde, Gleich­
wertigkeitsprüfung durch externe Sachverständige
beziehungsweise Durchführung einer Ausgleichsmaß­
nahme) kein einheitliches Bild. Insgesamt bedarf es
dazu weiterer Untersuchungen.
Hinsichtlich der Kosten für Sprachtests stellt sich die
Lage wie folgt dar: Für die Erteilung einer Approba­
tion (zum Beispiel für den Beruf Ärztin und Arzt, siehe
§ 3 BÄO) oder einer Berufszulassung (zum Beispiel
Gesundheits- und Krankenpflegerin und -pfleger, siehe
§ 2 KrPflG) müssen unter anderem auch Deutschkennt­
nisse in der Regel auf B2­Niveau nachgewiesen werden
(siehe III­3.8). Teilweise geben die zuständigen Stellen
wie die Regierungspräsidien Baden­Württemberg an,
von welchen Sprachtestanbietern (beispielsweise Telc)

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

sie Zertifikate akzeptieren.190 Zum Teil bieten zuständi­
ge Stellen wie beispielsweise die Bezirksärztekammer
Rheinhessen selbst Sprachtests an. Letztere erhebt für
die Teilnahme an der Deutschkenntnisprüfung eine
Gebühr von 160 Euro.191
Zum Vergleich: Im Laufe der Jahre 2014 und 2015 hat
die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen die
Ausstellung von Gleichwertigkeitsbescheiden für nicht
reglementierte landesrechtlich geregelte schulische
Berufe der Länder Baden-Württemberg (seit 13. August
2014), Berlin (seit 20. Februar 2014) und Niedersach­
sen (seit 1. Februar 2015) übernommen. Die rechtliche
Grundlage dafür bilden die Anerkennungsgesetze der
Länder. Die ZAB erhebt für die Ausstellung der Be­
scheide eine Gebühr von 485 Euro.192
Die Gebühr der ZAB für die Zeugnisbewertung aus­
ländischer Hochschulqualifikationen stieg für Anträge,
die ab dem 30. April 2014 eingehen, von 100 Euro auf
200 Euro.193

5.2 Entwicklung der vorliegenden Finanzierungs­
instrumente seit dem letzten Bericht
Die den Antragstellenden entstehenden Kosten für ein
Anerkennungsverfahren können in bestimmten Fällen
ganz oder teilweise von Dritten übernommen werden.
Zu den Kosten zählen neben Verfahrensgebühren auch
Kosten für die Unterlagenbeschaffung und mögliche
Ausgleichsmaßnahmen.194 Die Übernahmemög­
lichkeiten sind je nach berechtigtem Personenkreis
(etwa hinsichtlich des Alters, der Herkunft oder des
Bildungsziels), Kostenart und Region unterschiedlich.
Ein Überblick über die im Zeitraum April 2012 bis
September 2013 bestehenden Möglichkeiten der Kos­
tenübernahme liegt bereits vor (siehe Erbe u. a. 2014,
S. 128 ff.). Im Folgenden wird die Entwicklung der

190 Vgl. http://www.rp.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/
menu/1351118/index.html	(Abruf:	18. März	2015).
191 Vgl. http://www.aerztekammer-mainz.de/pdf/diverse/Hinweise­
Deutschkenntnispruefung.pdf	(Abruf:	18. März	2015).
192 Vgl. http://www.kmk.org/zab/gleichwertigkeitsbescheide-fuer­
nicht-reglementierte-landesrechtlich-geregelte-berufe.html (Abruf:
18. März	2015).
193	 Vgl.	http://www.kmk.org/zab/zeugnisbewertung-hochschulqualifi­
kationen/gebuehren-und-antrag.html	(Abruf:	18. März	2015)	sowie	
das	Gebührenverzeichnis	zur	BQPGebVO,	Tarifstelle	300.
194		 Auch	im	nicht	reglementierten	Bereich	können	zum	Erreichen	der	
vollen	Gleichwertigkeit	Anpassungsqualifizierungen	nötig	sein.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Finanzierungsinstrumente und weiteren Übernahme­
möglichkeiten im Berichtszeitraum September 2013
bis Dezember 2014 dargestellt.195 Abbildung 38 gibt
eine Vorausschau auf die wichtigsten Finanzierungsin­
strumente ab 2015.

5.2.1 Regelinstrumente des Bundes
An den für die Finanzierung von Kosten der An­
erkennung heranzuziehenden Regelinstrumenten
des Bundes hat sich seit dem letzten Bericht nichts
geändert. Hierbei handelt es sich zum einen um Mittel
der Arbeitsförderung (SGB III) oder Mittel der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II), darunter vor
allem die Förderung von beruflicher Weiterbildung im

123

Rahmen des Eingliederungstitels der BA sowie um
das Vermittlungsbudget (etwa zur Übernahme von
Verfahrensgebühren und Übersetzungs­ und Beglau­
bigungskosten). Die Leistungen stehen für Personen
im Leistungsbezug bei Vorliegen der gesetzlichen
Voraussetzungen zur Verfügung. Neben Arbeitslosen
können jedoch unter bestimmten Voraussetzungen
auch von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen, die sich
arbeitssuchend melden, manche der Leistungen er­
halten. In jedem Fall handelt es sich bei der Übernah­
me von Kosten um eine Ermessensentscheidung. Für
die praktische Anwendung durch die Vermittlerinnen
und Vermittler in den Arbeitsverwaltungen ist bis
31. Dezember 2016 weiterhin die Handlungsempfeh­
lung und Geschäftsanweisung (HEGA) der BA HEGA

Abbildung 38 Vorausschau auf die zentralen Finanzierungsinstrumente für Kosten der Anerkennung ab 2015

Regelinstrumente des Bundes

Anerkennungsspezifische	
Instrumente des Bundes

Mittel der Arbeits­
förderung	(SGB	III)	und	
der Grundsicherung (SGB II)
über die Arbeitsagenturen
und	Jobcenter

ESF-Qualifizierung	
im	Kontext	
des Anerkennungsgesetzes
im neuen Handlungs­
schwerpunkt 2
des IQ-Programms

Mittel der individuellen
Bildungsfinanzierung	
(z.	B.	Meister-BAföG,	
Bildungsprämie)

Förderung	der	Anerkennung	
und des Spracherwerbs
für Asylbewerber/-innen
im Modellprojekt
„Early Intervention“

Förderinstrumente der Länder
Förderprogramme	
der Länder: Hamburger
Stipendienprogramm zur
Förderung	der	Anerkennung	
ausländischer Abschlüsse

Sonstige

Betriebliche Unterstützung
für Anerkennungsverfahren
ihrer Beschäftigten,
z. B. durch Übernahme
der Verfahrenskosten
oder	Qualifizierung
Ggf. Berücksichtigung
von Kosten der
Anerkennung im Rahmen
der Einkommensteuer­
erklärung

Förderung	der	
Qualifikationsanalysen	
einschließlich Härtefall­
fonds im Projekt
„Prototyping Transfer“

Quelle:	Angaben	aus	den	folgenden	Abschnitten	(Planungsstand:	12.	März	2015);	Darstellung	des	BIBB.

195	 Grundlage	der	Angaben	sind	Sekundärquellen,	insbesondere	För­
derrichtlinien, aber auch Gremienprotokolle, Beiträge bei Veranstal­
tungen sowie weitere Angaben von Akteuren. Wie auch im ersten
Bericht	wird	nur	auf	individuelle	Förderung	eingegangen	und	nicht	
auf die Gesamtkosten für die gesetzesbegleitenden Maßnahmen wie
Informations- und Beratungsstrukturen oder auf volkswirtschaft­
liche Gesamtrechnungen zur Zuwanderung (stellvertretend hierfür
vgl.	das	Steuer-Transfer-Modell	in	Bonin	2014).	

124

03/2012 maßgeblich (siehe II­2.2). Mit der Anwendung
der Förderinstrumente in der Praxis und „möglichen
Umsetzungshürden, die einer Willkommenskultur
entgegenstehen“196, hat sich der Verwaltungsrat der
BA am 26. September 2014 und am 16. Januar 2015
befasst.
Zum anderen kommen je nach Personenkreis auch die
Instrumente der Bildungsfinanzierung wie BAföG/
Meister­BAföG und Bildungsprämie für eine Finanzie­
rung infrage. Die Bedeutung der einzelnen Instrumen­
te aus Sicht von beratenden Personen in Jobcentern
und in Beratungsstellen der Migrationsberatung für
erwachsene Zuwanderer (MBE) wird in den Erhebun­
gen in Abschnitt 5.4 deutlich.

5.2.2	Anerkennungsspezifische	Förderinstrumente	
des Bundes
Das Sonderprogramm MobiPro-EU des BMAS un­
terstützt seit Januar 2013 junge Menschen aus der
Europäischen Union bei der Aufnahme einer betrieb­
lichen Berufsausbildung in Deutschland. Bis zum
8. April 2014 konnten auch qualifizierte Fachkräfte in
Engpassberufen eine Förderung beantragen, so zum
Beispiel für ein Anerkennungsverfahren. Wegen der
großen Nachfrage nach MobiPro­EU­Mitteln kam es
im Frühjahr 2014 zu einem Förderstopp. Vom Pro­
grammstart bis zum 31. Dezember 2014 beantragten
insgesamt 9.263 Personen eine Förderung durch
MobiPro-EU, davon 2.730 (29 Prozent) im Fachkräf­
tesegment. Da eine Person mehrere Anträge stellen
kann, lag die Gesamtzahl der Anträge in diesem Zeit­
raum bei 49.967, davon 7.408 im Segment Fachkraft.
In 1.266 der 7.408 Anträge (17 Prozent) beantragten
die EU-Fachkräfte eine finanzielle Förderung ihres
Anerkennungsverfahrens. Die anderen Anträge im
Fachkräftesegment bezogen sich überwiegend auf die
Förderung von Deutschkursen im Herkunftsland oder
berufsbegleitend in Deutschland (zusammen 44 Pro­
zent) sowie auf Reisekosten für das Bewerbungsge­
spräch oder für die Arbeitsaufnahme (zusammen
39 Prozent). Der größte Teil der Antragstellungen im
Fachkräftesegment entfiel auf Bayern (1.442), Nord­
rhein­Westfalen (759), Baden­Württemberg (703) und

196	 Zitat	nach	der	unveröffentlichten	Beratungsunterlage	134/2014	vom	
14. November	2014.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Niedersachsen (678).197 Seit 2015 wird MobiPro­EU in
neuer Form fortgeführt, wobei Anerkennungsverfah­
ren nicht mehr gefördert werden, da sich das Sonder­
programm auf die Zielgruppe der Ausbildungsinteres­
sierten konzentriert.
Bis Ende 2014 finanzierte der Bund zudem regionale
Modellprojekte zur Qualifizierung im Rahmen des
Förderprogramms IQ. Dabei wurden die Maßnah­
mekosten über das IQ-Programm finanziert, während
der Lebensunterhalt der Teilnehmenden im Einzelfall
durch die Jobcenter oder Arbeitsagenturen über die
Fortzahlung der Lebensunterhaltssicherung nach
SGB II oder III gewährleistet wurde. So entwickelte
beispielsweise die Handwerkskammer Hamburg die
Umsetzung von Anpassungsqualifizierungen im Kon­
text des Anerkennungsgesetzes. Für die Teilnehmenden
wurden hier in den Bescheiden über teilweise Gleich­
wertigkeit nicht nur die wesentlichen Unterschiede,
sondern auch konkrete Lernziele benannt, um diese
auszugleichen. Um die Lernzielerreichung anschlie­
ßend zu unterstützen, nutzte das Projekt systematisch
die Elemente der Erstausbildung des dualen Systems
einschließlich der betrieblichen Qualifizierung.198
Speziell für den Personenkreis der Asylbewerberinnen
und Asylbewerber erproben BA, BAMF und das BMAS
mit „Early Intervention“ (vgl. II­2.2) ein neues Modell­
vorhaben. Seit 2014 können damit Asylsuchende mit
einer hohen Bleibeperspektive an sechs Modellstand­
orten und seit 2015 an drei neuen Modellstandorten
frühzeitig bei der Arbeitssuche unterstützt werden.
Nach einer ersten Kompetenzerhebung werden die
Teilnehmenden in den regulären Vermittlungspro­
zess der BA einbezogen und erhalten entsprechende
Unterstützung und Begleitung. Zu den möglichen
Handlungsstrategien im Modellprojekt können die An­
erkennung ausländischer Abschlüsse und der Erwerb
deutscher Sprachkenntnisse zählen. Für die praktische
Umsetzung sollen dann von den Regelinstrumenten

197 Berechnung des BIBB anhand der Angaben von BMAS und ZAV
der	BA	für	eine	Befassung	des	BIBB-Hauptausschusses	am	26. Juni	
2014,	aktualisiert	mit	Schreiben	des	BMAS	vom	17. März	2015.	Vgl.	
auch http://www.bmas.de/DE/Service/Presse/Pressemitteilungen/
mobipro-eu-neue-foerderperiode-gestartet.html	(Stand:	15. Januar	
2015,	Abruf:	18. März	2015).
198 Vgl. die Projektbeschreibung des IQ-Netzwerks Hamburg – NOBI,
Anerkennung	im	Handwerk:	Beratung	&	Qualifizierung	vom	26. Mai	
2014.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

125

Abbildung	39	 Bewilligte
	
	IQ-Förderprojekte	für	die	Qualifizierung	von	Migrantinnen	und	Migranten	im	Kontext	des	
Anerkennungsgesetzes (Verteilung der 146 Teilprojekte)

Modul 1: Anpassungsmaßnahmen für reglementierte Berufe

60 Teilprojekte

Modul 2: Anpassungsmaßnahmen für Berufe im dualen System (BBiG/HwO)

37 Teilprojekte

Modul 3: Brückenmaßnahmen für Akademikerinnen und Akademiker

39 Teilprojekte

Modul 4: Vorbereitung auf die Externenprüfung bei negativem Ausgang/
negativer Prognose des Anerkennungsverfahrens

10 Teilprojekte

Option:	

25 Teilprojekte

Berufsbezogene	Sprachförderung	

Quelle:	Angaben	nach	der	IQ-Teilprojektübersicht	(siehe	Fußnote	202);	Darstellung	des	BIBB.	Jedes	Teilprojekt	kann	in	bis	zu	
zwei	der	vier	Module	und/oder	der	Option	berufsbezogene	Sprachförderung	tätig	sein	(Mehrfachnennung).

der BA wie dem Vermittlungsbudget auch Kosten wie
die für Übersetzung und Beglaubigung von Zeugnissen
übernommen werden.199 Im Dezember 2014 wurden
insgesamt knapp 500 Teilnehmerinnen und Teilneh­
mer im Projekt betreut. Etwa 180 Personen wurden in
einem Anerkennungsverfahren unterstützt (einschließ­
lich Verweisberatung). Über die Anzahl abgeschlossener
Verfahren liegen noch keine Angaben vor. Die quali­
tative Begleitforschung liefert jedoch bereits konkrete
Hinweise auf Erfolge und zeigt Handlungsfelder auf
(Daumann u. a. 2014).
Flüchtlinge können aufgrund ihrer Fluchtsituation
vielfach keine Dokumente für die Gleichwertigkeits­
prüfung beibringen. Insbesondere für diesen Perso­
nenkreis unterstützt das Projekt Prototyping Transfer
(siehe II­2.2) die Kammern bei der bundesweiten
Implementierung der zuvor modellhaft entwickelten
Instrumente und Verfahren der sogenannten Qualifi­
kationsanalyse. Neben diesen strukturellen Maßnah­
men sind auch Mittel zur Finanzierung der Kosten
für die – vergleichsweise aufwendigeren – Qualifika-

199 Angaben nach dem Projektsteckbrief sowie nach einem Expertenin­
terview mit dem Projekt-Ansprechpartner im Fachbereich Markt und
Integration	der	Zentrale	der	BA	am	17. Dezember	2014.

tionsanalysen in besonderen Fällen vorgesehen.200 Das
Projekt startete zum 1. Januar 2015 mit einer Laufzeit
von drei Jahren.
Im Jahr 2014 wurde die Vorbereitungsphase für ein
bundesweites Instrument des Bundes zur Finanzierung
von weiteren Qualifizierungen (Anpassungsqualifi­
zierungen und Ausgleichsmaßnahmen), die auf im
Ausland erworbenen Berufsqualifikationen aufbauen,
erfolgreich abgeschlossen. Die Förderrichtlinie für einen
zusätzlichen Handlungsschwerpunkt zur Qualifizie­
rung von Migrantinnen und Migranten im Kontext des
„Anerkennungsgesetzes“ im Förderprogramm IQ wurde
am 15. Oktober 2014 erlassen, kurz: ESF-Qualifizierung
im Kontext Anerkennungsgesetz.201 Förderanträge
konnten die IQ­Landeskoordinatorinnen und ­Lan­
deskoordinatoren bis zum 31. Oktober 2014 einreichen.
Im Dezember entschied das federführende BMAS über
die eingereichten Anträge und bewilligte insgesamt

200	 Siehe	die	Pressemitteilung	des	BMBF	vom	1. April	2015;	http://
www.bmbf.de/_media/press/PM_0401-038.pdf	(Abruf:	1. April	
2015).
201	 Sie	wurde	im	Bundesanzeiger	veröffentlicht	(BAnz	AT	21. Oktober	
2014	B5)	und	ergeht	im	Rahmen	des	Operationellen	Programms	
des	Bundes	für	den	ESF	in	der	Förderperiode	2014	bis	2020	(ESFQualifizierung	im	Kontext	Anerkennungsgesetz).	Vgl.	auch	Abschnitt	
II-2.2.

126

146 IQ­Teilprojekte im Handlungsschwerpunkt 2. Diese
beschäftigen sich mit der Entwicklung und Durchfüh­
rung von Qualifizierungsmaßnahmen, die vier unter­
schiedlichen Modulen und/oder der Option Sprachför­
derung zugeordnet werden können (siehe Abbildung
39): Mit 41 Prozent entfällt der größte Anteil davon auf
Modul 1, die Ausgleichsmaßnahmen für reglementierte
Berufe. In Modul 2 führen 25 Prozent der Teilprojekte
Anpassungsmaßnahmen für Berufe im dualen System
durch. Weitere 27 Prozent bieten in Modul 3 Brücken­
maßnahmen für Akademikerinnen und Akademiker an.
Ein kleiner Anteil von 8 Prozent widmet sich der Vorbe­
reitung auf die Externenprüfung in Modul 4. 17 Prozent
dienen der berufsbezogenen Sprachförderung.202 Die
erste Förderrunde hat im Januar 2015 begonnen und
endet am 31. Dezember 2018. Bei erfolgreichem Verlauf
der ersten Förderrunde ist eine anschließende Förder­
runde vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2022
geplant. Antragstellende können die Angebote bun­
desweit und unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit
oder ihrem Aufenthaltsstatus kostenlos in Anspruch
nehmen. Die hierdurch entwickelten Qualifizierungsan­
gebote sollen künftig auch über die Datenbank KURS­
NET der BA abrufbar sein und so den Anerkennungsin­
teressierten zugänglich gemacht werden.
In der Koalitionsvereinbarung hat die Bundesregierung
angekündigt, mittelfristig und ergänzend zum ESF­
geförderten Qualifizierungsschwerpunkt im IQ-Pro­
gramm die Einrichtung eines Stipendienprogramms
des Bundes zu prüfen. Grundlage der Prüfung sind die
frühestens Ende 2015 vorliegenden ersten Erfahrungen
zu den tatsächlichen Bedarfen und valide Zahlen aus
dem erst im Januar 2015 gestarteten Handlungsschwer­
punkt „Qualifzierung im Kontext des Anerkennungsge­
setzes“ im IQ­Förderprogramm.203
Für die Durchführung von Sprachkursen, die im Zusam­
menhang mit Anerkennungsverfahren stehen, ist zudem
das sogenannte ESF-BAMF-Programm zur berufsbezo­

202 Angaben nach der Teilprojektübersicht, die die Entwicklungsgesell­
schaft	für	berufliche	Bildung	mbH	(ebb)	als	Multiplikatorenprojekt	
Transfer	im	Förderprogramm	IQ	für	die	IQ-Steuerungsgruppe	am	
10./11. Februar	2015	in	Berlin	erstellt	hat.	(Bei	den	Teilprojekten	
ist	eine	zweifache	Nennung	möglich,	deshalb	ist	die	Summe	der	
Prozentwerte	größer	als	100.)
203 Angaben nach der Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs
beim	BMBF,	Stefan	Müller,	vom	5. Februar	2015	an	MdB	Kai	Gehring	
von	BÜNDNIS	90/DIE	GRÜNEN.	

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

genen Sprachförderung für Menschen mit Migrations­
hintergrund von Bedeutung, das auch in der neuen ESF­
Förderperiode 2014 bis 2020 bis Ende 2017 fortgesetzt
wird. Am 16. Januar 2014 unterzeichneten BAMF und
BA eine Verwaltungsvereinbarung zur Durchführung
der berufsbezogenen Sprachförderung in den Jahren
2014 bis 2020. Dabei handelte es sich um die Neuauflage
des im August 2008 gestarteten bundesweiten Sprach­
förderangebots zur Verbesserung der berufsbezogenen
Deutschkenntnisse. Die Kurse des ESF­BAMF­Pro­
gramms, das von ausgewählten Bildungseinrichtungen
flächendeckend in Deutschland zur Verfügung steht,
umfassen bis zu 730 Unterrichtseinheiten. Die Kurse se­
hen neben dem berufsbezogenen Sprachunterricht auch
einen Fachunterricht und ein Praktikum vor. Potenzielle
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Kreis der
SGB II­ und SGB III­Leistungsbezieher werden dem
BAMF von den Jobcentern und Arbeitsagenturen gemel­
det. Die Kurse stehen aber prinzipiell auch arbeitsuchen­
den Nichtleistungsempfängerinnen und ­empfängern
und zum Teil Asylbewerberinnen und Asylbewerbern,
soweit sie am Bundesprogramm „ESF­Integrationsricht­
linie Bund“ teilnehmen, offen. Beschäftigte können an
den Kursen teilnehmen, wenn sie oder ihre Arbeitgeber
die Kosten tragen. Die Kurse werden in allen relevanten
Fachrichtungen angeboten, wie etwa für soziale Berufe,
Heil- und Pflegeberufe oder den gewerblich-technischen
Bereich. Angeboten werden auch berufsorientierende
Kurse.204 Angesichts der geringeren Mittelausstattung
des Programms in der neuen ESF­Förderperiode ist es
aus Sicht der Projektpartner BA und BAMF „notwendig,
jetzt die Weichen für ausreichend finanzielle Mittel und
eine dauerhafte rechtliche Grundlage der berufsbezoge­
nen Deutschkurse für die Zukunft zu stellen“205.

5.2.3 Förderinstrumente der Länder
Im Berichtszeitraum lag auf regionaler Ebene nur für
Antragstellende in einem Land ein Anerkennungs­
spezifisches Förderinstrument vor: das Stipendien­
programm Hamburg. Mit dem Programm wurden bis
Ende 2014 etwa 10 Prozent der bis dahin 4.908 von der

204 Vgl. http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/
Broschueren/broschuere-esf-bamf-programm.html	(Abruf:	18. März	
2015).
205	 Pressemitteilung	des	BAMF	vom	12. September	2014	http://www.
bamf.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2014/201409120024-pressemitteilung-ba-arbeitsmarktintegration-asylbewerber.
html	(Abruf:	18. März	2015).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

hamburgischen Zentralen Anlaufstelle Anerkennung
(ZAA) beratenen Anerkennungsinteressierten geför­
dert. Im Jahr 2014 wurden 231 Personen mit einem
Gesamtfördervolumen von insgesamt 489.614 Euro
unterstützt. Die Förderung erfolgte über Einmalzu­
schüsse zu Kosten im Anerkennungsverfahren und für
Anpassungsqualifizierungen (maximal 12.000 Euro pro
Person) sowie über Stipendien zum Lebensunterhalt
während einer Anpassungsmaßnahme.206
Daneben gab es in verschiedenen Ländern Überlegun­
gen, solche Stipendien einzurichten. In Baden­Würt­
temberg beispielsweise hat die Baden­Württemberg
Stiftung im Sommer 2014 zu einem Expertenhearing
eingeladen, um Möglichkeiten eines Stipendienpro­
gramms zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse
auszuloten. Der Aufsichtsrat der Baden­Württemberg
Stiftung hat sich im Oktober 2014 und Februar 2015
ausführlich mit dem Thema befasst und der Geschäfts­
führung den Auftrag erteilt, bis Herbst 2015 ein be­
schlussfähiges Konzept zu erarbeiten.207
In Berlin liegt seit Juli 2014 ein parlamentarischer Auf­
trag an den Berliner Senat vor, zur Frage eines Stipen­
dienprogramms zum Berliner Anerkennungsgesetz
Stellung zu nehmen. Seitdem werden in den beteiligten
Senatsverwaltungen konkrete Überlegungen zur Aufle­
gung einer Förderung in Anlehnung an das Hamburger
Modell vorgenommen. Dies könnte nach aktuellem
Diskussionsstand in Form einer Kombination von
mehreren Maßnahmen umgesetzt werden, darunter
ein Härtefallfonds zur Schließung von Finanzierungs­
lücken.208
206 Angaben nach dem Vortrag von Michael Gwodz von der ZAA des
Diakonischen Werks zum Stipendienprogramm beim Expertenhea­
ring der Baden-Württemberg Stiftung „Anerkennung ausländischer
Berufsabschlüsse“	am	3. Juli	2014	in	Stuttgart	sowie	nach	Auskunft	
der	ZAA-Projektleitung	in	einer	E-Mail	vom	13. März	2015.	Siehe	die	
Richtlinie	der	Behörde	für	Arbeit,	Soziales,	Familie	und	Integration	
zur	Gewährung	von	Stipendien	und	Zuschüssen	zur	Förderung	der	
Anerkennung	im	Ausland	erworbener	Berufsqualifikationen;	http://
www.ifbhh.de/fileadmin/pdf/IFB_Download/IFB_Foerderrichtlinien/
FoeRi_Stipendienprogramm.pdf	(Abruf:	18. März	2015).
207 Angaben nach Präsentationen beim Expertenhearing der BadenWürttemberg Stiftung „Anerkennung ausländischer Berufsabschlüs­
se“	am	3. Juli	2014	in	Stuttgart	sowie	nach	Auskunft	der	BadenWürttemberg	Stiftung	in	einer	E-Mail	vom	13. März	2015.
208 Antrag der Fraktionen SPD und CDU über ein Stipendienprogramm
zum Berliner Anerkennungsgesetz (BQFG Berlin) – Drucksache
Nr. 17/1737–51.	Sitzung	des	Abgeordnetenhauses	vom	3. Juli	2014	
sowie mündliche Auskunft der Fachabteilung Integration der Senats­
verwaltung	für	Arbeit,	Integration	und	Frauen	mit	Stand	vom	4. März	
2015.

127

5.2.4 Finanzierung durch Betriebe und weitere
Möglichkeiten
Wie die BIBB­Betriebsbefragung im Jahr 2014 belegt
(vgl. III­6.2), besteht bei einem Teil von Betrieben, die
bereits mit Anerkennung zu tun haben, durchaus die
Bereitschaft zur Unterstützung: Auf die Frage, welche
Arten der Unterstützung Betriebe ihren Beschäftigten,
die ein Verfahren durchlaufen (haben), anbieten, geben
fast 30 Prozent an, sich an den Kosten des Verfahrens
zu beteiligen. Auch bei Behördengängen, beim Ver­
stehen und Ausfüllen der Antragsformulare sowie bei
Vorbereitungen auf Ausgleichsmaßnahmen unterstüt­
zen manche Betriebe ihre Beschäftigten.
Im Rahmen einer Studie zu Kleinen und Mittleren
Unternehmen (KMU) im Auftrag des BMWi wurden
260 internationale Fachkräfte unter anderem nach
einer Unterstützung durch ihre Betriebe beim Einleben
in Deutschland befragt (Ekert u. a. 2014). Auch wenn die
nicht repräsentative Befragung an dieser Stelle nicht
explizit auf die Finanzierung von Anerkennungsverfah­
ren abzielt, so macht sie doch deutlich, dass im befrag­
ten Personenkreis 40 Prozent angeben, Hilfe erfahren
zu haben. Zu den von den Unternehmen ergriffenen
Maßnahmen zählt allen voran die Unterstützung bei
Behördengängen, gefolgt von Deutschkursen und
anderen Maßnahmen. Inwieweit sich dieses Potenzial
betrieblicher Unterstützungsbereitschaft weiter für
das Thema Anerkennung nutzen lässt, wird sich in der
Praxis zeigen müssen.
In einem vom BMBF geförderten Pilotprojekt der IHK
Nürnberg wurden Ende 2014/Anfang 2015 gezielt
Betriebe in der eigenen Region über die Möglichkeiten
der Anerkennung von Qualifikationen ihrer Beschäf­
tigten informiert.
Neben den genannten Finanzierungswegen haben
Steuerpflichtige bei entsprechendem Einkommen die
Möglichkeit, die steuerliche Berücksichtigung der
Kosten eines Anerkennungsverfahrens im Rahmen
ihrer Einkommensteuererklärung zu beantragen.
Wie auch bei Weiterbildungsinvestitionen dürfte mit
einem Anerkennungsverfahren auch die Hoffnung
verbunden sein, dass sich die Kosten dafür langfristig
durch ein höheres Einkommen amortisieren. Erste

128

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Hinweise auf die Auswirkungen einer Anerkennung
von ausländischen Abschlüssen auf das Einkommen
zeigen sich in der Analyse der IAB­SOEP­Migrations­
stichprobe: Bei den dort ausgewerteten Fällen ergab
eine Schätzung unter Kontrolle anderer Merkmale, dass
die Löhne von Personen, deren Abschlüsse vollständig
anerkannt sind, um 28 Prozent gegenüber Personen,
die keinen Anerkennungsantrag gestellt haben, steigen
(vgl. Brücker u. a. 2014).

5.3 Befragungsergebnisse zu Kosten und
Finanzierung
In diesem Unterkapitel werden Aussagen von Bera­
tungsfachkräften zur Vorhersehbarkeit und Berech­
nung der bei Anerkennungsverfahren entstehenden
Kosten sowie zur Entscheidung über deren Finanzie­
rung durch die Jobcenter sowie die Empfehlung von
Finanzierungsinstrumenten dargestellt. Anschließend
wird der Frage nachgegangen, ob die Finanzierung ein
Grund ist, keinen Antrag zu stellen.

5.3.1 Jobcenter: Verfahrenskosten und
Finanzierung
Im Rahmen der standardisierten Befragung wurden
Jobcenter unter anderem zu Kosten und Finanzie­
rungsmöglichkeiten von Anerkennungsverfahren
befragt. Bei den 181 Jobcentern, die an der Befragung
teilgenommen haben, handelt es sich um 159 gemein­
same Einrichtungen und um 22 Jobcenter in kom­
munaler Trägerschaft.209 Unter den teilnehmenden
Befragten von Jobcentern waren Personen mit unter­
schiedlichen Funktionen (siehe Datensatzbeschreibung
im Anhang A2).
Da die Höhe der Verfahrenskosten für die Jobcenter bei
der Entscheidung über die Förderung ein relevanter
Aspekt ist, spielt die Vorhersehbarkeit der Kosten eine
entscheidende Rolle. Mehr als die Hälfte der Befragten
(ca. 54 Prozent) schätzen die Kosten als meist vorsehbar
ein. Etwas weniger als die Hälfte der Befragten lehnt
die Aussage ab (vgl. Abbildung 40).

Abbildung 40 Jobcenter: Zustimmung zur Aussage „Die Kosten des Verfahrens sind meist vorhersehbar.“ (in Prozent)
60

43 %

40

36 %

20

11 %

0

stimme voll zu

10	%

stimme eher zu

stimme eher nicht zu

stimme nicht zu

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	Jobcenter	(n	=	181;	davon	machten	55	keine	Angabe).

209	 Jobcenter	in	gemeinsamer	Einrichtung	sind	von	den	Agenturen	für	
Arbeit vor Ort mit kreisfreien Städten beziehungsweise Landkreisen
gebildet worden. Andernorts übernehmen Kommunen die Arbeit der
Jobcenter	(zugelassene	kommunale	Träger).	Da	keine	signifikanten	
Unterschiede im Antwortverhalten zwischen diesen beiden Träger­
schaften	festgestellt	werden	können,	werden	diese	im	Folgenden	
nicht weiter differenziert.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

129

Abbildung	41	 Jobcenter:	Berechnung	der	Kosten,	die	ein	Verfahren	mit	sich	bringen	kann	(in	Prozent)
60

40
33 %

20
18 %
14 %

14 %

11 %
0

immer

10	%

häufig

eher	häufig

eher selten

selten

nie

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	Jobcenter	(n	=	181,	davon	46	keine	Angabe).

Nach den gesetzlichen Voraussetzungen des SGB III
wird die Finanzierung des Anerkennungsverfahrens
übernommen, wenn das Jobcenter vom Arbeitsmarkt­
erfolg überzeugt ist. Dies zeigt sich auch in den Befra­
gungen. Hierbei stimmen 81 Prozent210 der Aussage zu,
„Um eine Finanzierung zusagen zu können, ist es für
mich wichtig schon vorher vom Arbeitsmarkterfolg des
Verfahrens überzeugt zu sein“.

Anerkennungsverfahrens und einer direkten Arbeits­
marktintegration in eine nicht qualifikationsadäquate
Stelle. 213 Dies beschreibt ein Mitarbeiter einer Arbeits­
verwaltung wie folgt: „Der Fallmanager steht tatsächlich
vor der Qual der Wahl […] Vermittle ich den Menschen in
einen […] nicht­adäquaten […] Beruf, der eben unterhalb
seiner eigentlichen Fähigkeiten liegt […] oder übernehme
ich die Kosten für die Anerkennung.“214

Neben der Aussicht auf eine erfolgreiche Arbeits­
marktintegration spielt bei der Entscheidung über
die Finanzierung auch der erfolgreiche Ausgang des
Anerkennungsverfahrens eine wichtige Rolle, wie die
qualitativen Experteninterviews zeigen. Ein Befragter
eines Jobcenters verdeutlicht: „Grundsätzlich ist es so,
dass der Ausgang des Verfahrens natürlich schon eine Fi­
nanzierungsgrundlage ist“.211 Einschätzungen bezüglich
des Anerkennungserfolgs erhalten die Mitarbeitenden
der Jobcenter dabei insbesondere von den Beratungs­
stellen des IQ­Netzwerks.

Ein Jobcenter und eine MBE beschreiben, dass eine
Übernahme von im Rahmen des Anerkennungsverfah­
rens entstehenden Kosten, einschließlich weiterer Qua­
lifizierungsmaßnahmen, durch Jobcenter auch gute
Sprachkenntnisse voraussetzen. Das Jobcenter führt
hierfür Sprachtests selbst durch. Wenn die Sprach­
kenntnisse nicht vorhanden sind, müssen diese erst
nachgeholt werden, bevor die Finanzierung bewilligt
wird. Die Finanzierung der Sprachkurse erfolgt nach
Aussagen einer MBE jedoch oft nur bis zum Sprachni­
veau B1.215

Zudem wird in den Interviews mit Mitarbeitenden von
drei Jobcentern212 deutlich, dass diese häufig in einem
Dilemma stecken zwischen einer Finanzierung eines
213 Dabei gelten die üblichen gesetzlichen Voraussetzungen nach SGB II
und SGB III.
210	 n	=	181,	davon	48	keine	Angabe.

214 Aussage von interviewten Personen einer Arbeitsverwaltung.

211 Aussage von interviewten Personen einer Arbeitsverwaltung.

215	 Das	geforderte	Sprachniveau	von	Gesundheits-	und	Krankenpflege­
rin	und	-pfleger	ist	B2	(vgl.	Datensatzbeschreibung	zur	Webanalyse	
im Anhang A2).

212 Eine Arbeitsverwaltung steht in enger Kooperation mit einem IQNetzwerk.

130

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	42	 Jobcenter:	Finanzierung	von	Weiterqualifizierungen	und	Ausgleichsmaßnahmen	(in	Prozent)
70
63 %

60

57 %
50
40
30
20
19 %
10
0

10	%

18 %
13 %
9%

8%

3%

0	%
in allen Fällen
	 Weiterqualifizierung

in de meisten Fällen

in etwa der Hälfte
der Fälle

in den wenigsten
Fällen

nie

Ausgleichsmaßnahme
Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	Jobcenter	zu	Weiterqualifizierungen	(n	=	181,	davon	111	keine	Angabe)	
und	zu	Ausgleichsmaßnahmen	(n	=	181,	davon	120	keine	Angabe).

Die Jobcenter wurden weiterhin gebeten anzugeben,
wie häufig sie im Rahmen der Beratung von Kun­
dinnen und Kunden mit im Ausland erworbenen
Berufsqualifikationen die Kosten berechnen, die ein
Verfahren mit sich bringen kann. Auch wenn die
Kostenberechnung nicht in ihrem Aufgabengebiet liegt
– hier ist eine Auskunft seitens der zuständigen Stelle
oder eine Einschätzung seitens einer IQ­Beratungsstel­
le notwendig –, übernehmen 11 Prozent der Jobcenter
trotzdem diese zusätzliche Aufgabe (vgl. Abbildung 41).

Auch zur Häufigkeit der Finanzierung von Ausgleichs­
maßnahmen geben lediglich rund 34 Prozent der Be­
fragten eine Antwort. Davon geben 57 Prozent an, dies
in den meisten Fällen zu übernehmen. Nahezu kein
Befragter gab an, die Finanzierung nie zu übernehmen.

Die Jobcenter wurden zudem gebeten, Auskunft
darüber zu geben, in wie vielen Fällen sie dann die
Weiterqualifizierung oder Ausgleichsmaßnahme finan­
zieren.216 Nur rund 38 Prozent der Befragten haben zur
Häufigkeit der Finanzierung von Weiterqualifizierun­
gen eine Antwort gegeben. Davon äußert die Mehrheit
von fast 63 Prozent dies in den meisten Fällen zu über­
nehmen. Nur knapp 9 Prozent geben an, die Finanzie­
rung in den wenigsten Fällen zu übernehmen.

Die Jobcenter wurden gebeten anzugeben, welche In­
strumente oder Titel sie zur Finanzierung von Anerken­
nungsverfahren empfehlen.217 Dabei wurde deutlich,
dass diesbezüglich vor allem der Eingliederungstitel im
Allgemeinen218 (von fast 25 Prozent der Befragten)219 und
speziell das Vermittlungsbudget220 (von fast 48 Prozent

216 Wenn die zuständige Stelle wesentliche Unterschiede zum Refe­
renzberuf	festgestellt	hat,	hängt	die	Wahl	der	Qualifizierungsart	
davon ab, ob der Referenzberuf reglementiert ist oder nicht. Im
Glossar	(siehe	Anhang	A1)	wird	zwischen	Anpassungsqualifizierung	
(hier	Weiterqualifizierung)	für	die	Anerkennung	von	nicht	reglemen­
tierten Berufen und Ausgleichsmaßnahme für die Anerkennung von
reglementierten Berufen unterschieden.

Zusammenfassend zeigt sich, dass die Mehrzahl der
befragten Jobcenter überwiegend Weiterqualifizie­
rungen und Ausgleichsmaßnahmen finanzieren (vgl.
Abbildung 42).

217	 Mehrfachantworten	möglich.

218 Formal gelten Eingliederungstitel, Vermittlungsbudget und

WeGebAU	für	SGB	III.	Jobcenter	orientieren	sich	im	Sinne	einer	
einheitlichen Rechtsanwendung auch an SGB III.
219 An dieser Stelle wird von der bisherigen Berechnung der Prozentzahlen (nur Berücksichtigung derer, die die Frage beantwortet
haben) abgewichen, da wir hier davon ausgehen, dass Befragte, die
keine Angaben machen, überwiegend die Finanzierungsinstrumente
kennen, aber nicht nutzen.
220 Das Vermittlungsbudget ist Bestandteil des Eingliederungstitels.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

131

Abbildung 43 Jobcenter: Genutzte beziehungsweise empfohlene Förderinstrumente (in Prozent)
60

48 %
40

20

25 %

9%
0

3%
Eingliederungs­
titel

1%
Vermittlungsbudget

bereits empfohlen

4%

4%

WeGebAU

8%

3%
BAföG/
Meister-BAföG

4%
3%
MobiPro-EU

3%
Bildungsprämie

6%

4%

Finanzamt/
Steuererklärung

kenne ich nicht
Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	Jobcenter	(n	=	181,	davon	89	keine	Angabe).	

der Befragten) genannt wurden. Die weiteren genann­
ten Finanzierungsinstrumente wie WeGebAU (4 Pro­
zent), BAföG und/oder Meister-BAföG (9 Prozent),
MobiPro-EU (3 Prozent), Bildungsprämie (8 Prozent)
und Finanzamt/Steuererklärung (6 Prozent) spielen
demnach zumindest zum jetzigen Zeitpunkt eine deut­
lich geringere Rolle in der Beratungspraxis. Die häufigere
Nennung des Eingliederungstitels und des Vermittlungs­
budgets lässt sich darauf zurückführen, dass diese beiden
Finanzierungsinstrumente den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern von Jobcentern direkt zur Nutzung zur
Verfügung stehen (vgl. HEGA 03/2012). Dabei fällt auf,
dass 4 Prozent der Befragten angeben, diese beiden
Instrumente nicht zu kennen. Zwar wird auch das Son­
derprogramm „Weiterbildung Geringqualifizierter und
beschäftigter älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeit­
nehmer in Unternehmen“ (WeGebAU) im Rahmen des
SGB III geregelt, doch ist hier ebenso wie bei den ande­
ren genannten Fördermaßnahmen der Kreis der Berech­
tigten von vornherein auf bestimmte Zielgruppen be­
schränkt, etwa hinsichtlich des Alters, der Betriebsgröße,
des Herkunftslandes oder Ähnliches. Insofern kommen
sie auch nur für einen kleineren Personenkreis als etwa
das Vermittlungsbudget und der Eingliederungstitel
infrage. Zwischen 1 und 4 Prozent der Befragten äußern,
die einzelnen Finanzierungsinstrumente jeweils nicht zu
kennen (vgl. Abbildung 43).

5.3.2 MBE: Verfahrenskosten und Finanzierung
Zudem wurden im Rahmen der standardisierten Befra­
gung von Beratungseinrichtungen auch Mitarbeiterin­
nen und Mitarbeiter von Stellen der MBE zu Kosten und
Finanzierungsmöglichkeiten von Anerkennungsverfah­
ren befragt. Dabei kamen 248 Fragebögen zurück.
Im Rahmen der Anerkennungsberatung schätzen die
MBE die Verfahrenskosten, um den Anerkennungsin­
teressierten eine Entscheidungsgrundlage zu geben.
Bezüglich der Aussage „Die Kosten des Verfahrens sind
meist vorhersehbar“ äußert etwas mehr als die Hälfte
der Befragten (ca. 56 Prozent) ihre Zustimmung. Etwas
weniger als die Hälfte der Befragten lehnt die Aussage
ab (vgl. Abbildung 44).
Weiterhin sollten die Befragten angeben, wie häufig die
Schätzung der Verfahrenskosten Bestandteil der Bera­
tung ist. Ungefähr 65 Prozent der Befragten äußern, die
Kosten immer bis eher häufig zu schätzen (vgl. Abbil­
dung 45).
Auf die Frage, welche Finanzierungsinstrumente sie
ihren Klientinnen und Klienten empfehlen, nennen221

221	 Mehrfachantworten	möglich.

132

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 44 MBE: Zustimmung zur Aussage „Die Kosten des Verfahrens sind meist vorhersehbar.“ (in Prozent)
60

50	%
40
35 %

20

9%
6%
0

stimme voll zu

stimme eher zu

stimme eher nicht zu

stimme nicht zu

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	MBE	(n	=	248,	davon	machten	49	keine	Angabe).

Abbildung	45	 MBE:	Schätzung	der	Kosten,	die	ein	Verfahren	mit	sich	bringen	kann	(in	Prozent)
60

40

29 %
20
18 %

0

immer

18 %

häufig

eher	häufig

18 %

eher selten

8%

8%

selten

nie

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	MBE	(n	=	248,	davon	46	keine	Angabe).

die Beratenden der MBE das Vermittlungsbudget
(60 Prozent)222 am häufigsten. Ebenso werden das
BAföG und/oder Meister-BAföG (52 Prozent), die
Bildungsprämie (40 Prozent) und Finanzamt/Steuer-

222 An dieser Stelle wird von der bisherigen Berechnung der Prozentzahlen (nur Berücksichtigung derer, die die Frage beantwortet
haben) abgewichen, da hier davon ausgegangen wird, dass Befragte,
die keine Angaben machten, überwiegend die Finanzierungsinstru­
mente kennen, aber nicht nutzen.

erklärung (36 Prozent) häufig genannt. Selten ange­
führt werden der Eingliederungstitel (27 Prozent) und
das Sonderprogramm WeGebAU (11 Prozent). MBE-Be­
raterinnen und -Berater geben auffällig häufig an, die
einzelnen Finanzierungsinstrumente nicht zu kennen.
Die Nennungen geben allerdings keinen Aufschluss
darüber, ob die Beratenen die empfohlenen Finanzie­
rungsinstrumente schlussendlich tatsächlich nutzen
konnten (vgl. Abbildung 46).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

133

Abbildung 46 MBE: Empfohlene Finanzierungsinstrumente (in Prozent)
60

60	%
52 %
48 %
44 %

40

40	%
36 %
32 %
27 %

20
18 %
9%
0

Eingliederungstitel

Vermittlungsbudget

bereits empfohlen

10	%

WeGebAU

10	%

BAföG/
Meister-BAföG

17 %

11 %

MobiPro-EU

Bildungsprämie

Finanzamt/
Steuererklärung

kenne ich nicht
Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	MBE	(n	=	248,	davon	61	keine	Angabe).	

Aus den Antworten auf eine offene Frage nach sons­
tigen Fördermöglichkeiten geht hervor, dass manche
MBE bei der Finanzierungsfrage arbeitsteilig vorgehen:
Wenn sie keine eigenen Finanzierungsempfehlungen
geben können, verweisen sie an andere Einrichtungen
vor Ort, wie vor allem Arbeitsagenturen, Jobcenter und
IQ­Beratungsstellen.

5.3.3	Finanzierung	als	Grund,	keinen	Antrag	zu	
stellen
Des Weiteren wurden die Mitarbeiterinnen und Mit­
arbeiter von MBE, Jobcentern, Handwerkskammern
(HWKn) und Industrie- und Handelskammern (IHKn)
gebeten, verschiedene Faktoren danach zu bewerten,
wie häufig diese der Grund dafür sind, dass kein Antrag
auf Gleichwertigkeitsfeststellung gestellt wird. In der
Detailstudie „Von der Beratung zum Antrag“ (siehe
IV­3) wird Kosten und Finanzierung als ein Grund im
Zusammenhang mit weiteren Gründen dargestellt.
Der folgende Abschnitt geht genauer auf den Grund
„Kosten und Finanzierung“ ein.
Das Antwortverhalten der Befragten unterscheidet sich
deutlich. So geben die Befragten der MBE zu fast drei

Viertel an, dass Kosten und Finanzierung sehr häufig
bis eher häufig ein solcher Grund ist. Dies wurde jedoch
nur von etwa einem Viertel der Befragten von Jobcen­
tern so gesehen. Über die Hälfte der Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter von HWKn gibt an, dass Kosten und
Finanzierung ihrer Ansicht nach eher selten bis nie ein
Grund für die Anerkennungsinteressierten ist, keinen
Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung zu stellen.
Mehr als ein Viertel der Befragten findet, dies sei sehr
häufig bis eher häufig ein Grund. Mitarbeitende von
IHKn sehen im Vergleich zu denen der HWKn in Kos­
ten und Finanzierung deutlich häufiger einen Grund
dafür, dass die Anerkennungsinteressierten keinen 

Antrag stellen. Drei Viertel der Mitarbeitenden sind 

der Ansicht, dass Kosten und Finanzierung sehr häufig
bis eher häufig ein Grund sei. In der bereits erwähnten
Detailstudie (siehe IV­3) wird dargestellt, dass bei den
IHKn Kosten und Finanzierung auch im Vergleich
zu den anderen Gründen der am häufigste genannte
Grund ist, keinen Antrag zu stellen.
Nach einer Rückmeldung des Bauernverbands be­
richten auch die zuständigen Stellen für Berufe der
Landwirtschaft, dass die Gebühren „in vielen Fällen ein
Hemmnis“ darstellen, einen Antrag auf Gleichwertig­

134

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	47	 	Jobcenter,	MBE,	HWKn	und	IHKn:	Kosten	und	Finanzierung	als	Grund,	keinen	Antrag	zu	stellen	
(Anzahl und Anteile der Nennungen in unterschiedlichen BIBB-Befragungen)
Jobcenter 3

11

19

28

35

14
	 sehr	häufig

MBE

50

49

46

34

16 1

	 häufig
	 eher	häufig

HWK

4

IHK

6
7

0

10

19

11

12

1/4

1/2

7
5
3/4

3

eher selten
selten

5

nie
1

Anteile
Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	Jobcenter	(n	=	181,	davon	71	keine	Angabe/weiß	nicht)	und	MBE	(n	=	248,	davon	52	keine	Angabe/weiß	nicht)	
sowie	BIBB-/ZDH-Befragung	(2014)	der	Handwerkskammern	(n	=	53,	davon	4	keine	Angabe/weiß	nicht)	und	BIBB-Befragung	(2014)	
der	Industrie-	und	Handelskammern	(n	=	52,	davon	12	keine	Angabe/weiß	nicht).224

keitsfeststellung tatsächlich zu stellen, „weil diese für
viele der betroffenen Menschen als zu teuer erachtet“
würden.223
224

Zudem wurden auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der zuständigen Stellen für ausgewählte Gesund­
heitsberufe225, die für die Approbation bei den Berufen
Ärztin und Arzt, Zahnärztin und Zahnarzt, Apothekerin
und Apotheker sowie den Beruf Gesundheits­ und

223 Rückmeldung des VLK zur BIBB-Abfrage bei den Verbänden vom
3. Dezember	2014	und	Ergänzung	vom	12. März	2015.
224 Die angegebenen Werte entsprechen der Anzahl der Befragten mit
dieser Antwort und sind auf einer Achse als Anteil der Befragten,
die	auf	die	Frage	geantwortet	haben,	abgebildet.	Lesebeispiel:	40	
der an der Befragung teilnehmenden 48 IHKn haben die Frage nach
den Gründen, keinen Antrag zu stellen, beantwortet. Drei Viertel von
ihnen	geben	an,	dass	Kosten	und	Finanzierung	eher	bis	sehr	häufig	
einen solchen Grund darstellen. Nach Angabe des anderen Viertels
ist dies eher selten bis selten ein Grund.
225 Bundesweit gibt es jeweils 23 Stellen, die für die Vergabe der Ap­
probation bei den Berufen Ärztin und Arzt, Zahnärztin und Zahnarzt
sowie Apothekerin und Apotheker zuständig sind. Weiterhin gibt es
25	zuständige	Stellen	für	den	Beruf	Gesundheits-	und	Krankenpfle­
gerin	und	-pfleger.	Häufig	ist	eine	Verwaltungsbehörde	für	mehrere	
Berufe zuständige Stelle. So sind beispielsweise 13 Stellen für alle
vier genannten Berufe gleichermaßen zuständig. Insgesamt gibt es
deshalb	lediglich	37	zuständige	Länderbehörden.	In	den	Behörden	
sind jedoch für die verschiedenen Berufe unterschiedliche Abtei­
lungen, Referate oder Personen verantwortlich. Insgesamt wurden
somit 94 potenzielle Auskunftgebende angeschrieben. 38 Personen
haben an der Erhebung teilgenommen (siehe dazu auch die Daten­
satzbeschreibung im Anhang A2), davon 13 zuständig für Ärztin und
Arzt,	zwölf	für	Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	und	-pfleger,	
fünf für Zahnärztin und Zahnarzt sowie sechs für Apothekerin und
Apotheker; zwei Befragte waren für mehrere Berufe gleichzeitig
zuständig (deren Antworten bezüglich Kosten und Finanzierung
wurden nicht in die Auswertung einbezogen, da sie keinem Beruf
zugeordnet werden konnten).

Krankenpflegerin und -pfleger zuständig sind, um
Beurteilung gebeten, ob Kosten und Finanzierung für
die Anerkennungsinteressierten ein Grund ist, keinen
Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung zu stellen.
Die Antworten der Personen der Länderbehörden, die
an der Befragung teilgenommen haben, deuten darauf
hin, dass Kosten und Finanzierung bei Ärztinnen und
Ärzten sowie bei Apothekerinnen und Apothekern für
eine Mehrzahl der Stellen selten oder nie ein Grund
ist, keinen Antrag zu stellen. Bei Zahnärztinnen und
Zahnärzten verteilen sich die Antworten gleichmäßig
zwischen eher häufig bis selten und scheinen daher
verglichen mit den beiden zuvor betrachteten Berufen
häufiger relevant zu sein. Bei den Gesundheits- und
Krankenpflegerinnen und -pflegern zeigt sich, dass
Kosten und Finanzierung vergleichsweise einen
größeren Einfluss auf die Entscheidung haben, einen
Antrag zu stellen. Dies könnte möglicherweise an der
vergleichsweise geringeren Bildungsrendite oder am
geringeren Einkommen liegen, das für die Finanzie­
rung der Anerkennungskosten zur Verfügung steht.
Die Bedeutung der Kostenfrage für die Entscheidung,
einen Antrag zu stellen oder nicht, spiegelt sich auch in
mehreren Verbleibstudien einzelner Beratungsstellen
oder regionaler Netzwerke des Förderprogramms IQ
wider. Zwar wenden diese Studien unterschiedliche
Methoden an und beanspruchen keine überregionale
Repräsentativität, doch liefern sie für die Situation vor
Ort wichtige Hinweise. So hatten beispielsweise 40 Pro­

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

135

Abbildung 48 Länderbehörden: Kosten und Finanzierung als Grund keinen Antrag zu stellen
(Anzahl und Anteile der Nennungen)
Apothekerinnen und Apotheker

1

Zahnärztinnen und -ärzte

1

Gesundheits- und Kranken­
pflegerinnen	und	-pfleger

2
1

1

2

Ärztinnen und Ärzte

1
0

3
2
2

	 häufig
3

2

2

2

4

	 eher	häufig

3

eher selten
selten

4
6

nie
8

10

Anzahl
Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	zuständigen	Stellen	in	den	Gesundheitsberufen	(gesamt	n	=	38,	davon	7	keine	Angabe/weiß	nicht;	Ärztin	und	Arzt	
(n	=	13),	Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	und	-pfleger	(n	=	12),	Zahnärztin	und	Zahnarzt	(n	=	5),	Apothekerin	und	Apotheker	(n	=	6)).

zent der Beratenen, die an einer Nachbefragung der
„Erstanlaufstelle und Kompetenzzentrum für Anerken­
nungsberatung Stuttgart“ der AWO Stuttgart im Förder­
programm IQ im Herbst 2013 teilnahmen (Rücklaufquo­
te 10,5 Prozent bei 960 Befragten), nach der Beratung
keinen Antrag gestellt. Sie wurden mit einer Reihe
von möglichen Gründen (Mehrfachnennung) danach
gefragt, weshalb sie von einer Antragstellung abgesehen
hatten. Für knapp ein Drittel war das Verfahren zu teuer
(32 Prozent), für 29 Prozent war das Verfahren zu kom­
pliziert, 16 Prozent waren noch dabei, die notwendigen
Unterlagen zu besorgen, 13 Prozent hatten aus privaten
Gründen von einer Antragstellung abgesehen, gefolgt
von weiteren Gründen.226 Eine qualitative Studie der
Hochschule der BA kommt ebenfalls zu dem Ergebnis,
dass finanzielle Aspekte der Anerkennung nach Aussa­
gen der im Jahr 2013 interviewten Beratenden außer­
halb der Arbeitsverwaltung sowie vieler BA­Beraterin­
nen und ­Berater für die potenziellen Antragstellenden
grundsätzlich ein wichtiges Thema sind (Müller und
Ayan 2014, S. 58).227 Auch die sehr umfassende empiri­
sche Studie zu ausländischen Fachkräften, die Anerken­
nungsberatungsangebote in Bayern nutzten, belegt die
im vorliegenden Bericht geschilderten Herausforderun­
gen (vgl. Englmann und Müller­Wacker 2014).

226 Angaben nach dem Auswertungsbericht „Umfrage des ‚Erstanlauf­
und Kompetenzzentrums für Anerkennungsberatung Stuttgart‘
zur Wirkung und Nachhaltigkeit der Anerkennungsberatung“ des
IQ-Netzwerks	Baden-Württemberg	vom	Oktober	2013.	88	der	101	
ausgefüllten	Fragebögen	konnten	ausgewertet	werden.
227	 Von	Interesse	sind	hier	auch	die	möglichen	Gründe	für	die	Einschät­
zung, Kosten spielten keine Rolle (ebenda).

5.4 Fazit
Die Monitoring­Erhebungen und weitere Rückmel­
dungen aus der Praxis bestätigen die Ergebnisse des
ersten Berichts zum Anerkennungsgesetz: Es gibt eine
Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten. Trotzdem
können die mit einem Anerkennungsverfahren ver­
bundenen Kosten zumindest für einen Teil der Aner­
kennungsinteressierten eine Hürde darstellen. Dies gilt
insbesondere in den Fällen, in denen nicht genügend
Startkapital vorhanden ist, um diese Kosten mit Blick
auf eine spätere Bildungsrendite zu investieren – etwa
bei geringqualifizierter Beschäftigung oder bei Zuzug
aus Ländern mit niedrigem Einkommensniveau (vgl.
Englmann und Müller­Wacker 2014) – oder wenn die
Kosten nicht von Dritten übernommen werden, etwa
bei Personen außerhalb des SGB II­ oder III­Leistungs­
bezugs oder nach negativer Ermessensentscheidung
der Integrationsfachkraft der Arbeitsverwaltung. Zu­
mindest bei einem Teil der Betroffenen führt dies nach
Einschätzung von Beratungsfachkräften in zuständi­
gen Stellen, Jobcentern und MBE dazu, dass sie darauf
verzichten, ihren Rechtsanspruch auf ein Verfahren
geltend zu machen und entweder gar nicht erst einen
Antrag stellen oder diesen wieder zurückziehen. Der
Anteil dieser Personen an allen Interessierten variiert
allerdings je nach Berufsbereich.
Einem weiteren Ergebnis nach stehen die Beratungs­
fachkräfte in den Arbeitsverwaltungen bei der Ent­
scheidung über die Finanzierung von Kosten der An­

136

erkennungsverfahren mitunter in einem Zielkonflikt
zwischen kurzfristiger Vermittlung und mittelfristiger
Unterstützung bei einem Verfahren (gegebenenfalls
einschließlich Qualifizierung). In solchen Fällen würde
ihnen eine klare Handlungsempfehlung die Entschei­
dung erleichtern (vgl. IV­2.1).
Bei den Finanzierungsinstrumenten, die Antragstellen­
de unterstützen können, hat sich im Berichtszeitraum
nach der Einstellung des Programms „Akademikerin­
nen und Akademiker qualifizieren sich für den Ar­
beitsmarkt“ (AQUA) und MobiPro­EU (für Fachkräfte)
eine Veränderung der im ersten Bericht geschilderten
Situation ergeben. Ab 2015 bringt der neue Förder­
schwerpunkt Qualifizierung im IQ-Programm mit etwa
188 Millionen Euro eine wesentliche Verbesserung.
Auch sind Bestrebungen der Länder, eigene Stipendi­
enprogramme, die Lücken zur Arbeitsförderung schlie­
ßen und beispielsweise Übersetzungs­ und Beglaubi­
gungskosten abdecken, zu begrüßen. Mit Ausnahme
des Landes Hamburg war dies im Berichtszeitraum
allerdings noch nicht umgesetzt.228 Es ist davon auszu­
gehen, dass eine bessere Finanzierbarkeit der Kosten
auch zu einer Ausweitung der Antragszahlen führen
würde, was wiederum den Beitrag des Anerkennungs­
gesetzes zur Fachkräftesicherung sowie zur qualifi­
kationsadäquaten Integration in den Arbeitsmarkt
ausbauen würde.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Mitwirkungspflicht der oder des Einzelnen, ein Verfah­
ren zu beantragen oder abzuschließen. Insofern sind
Angebote wie das BQ­Portal, in dem zuständige Stellen
insbesondere im Handwerk frühere Prüfergebnisse und
Unterlagen wie Curricula füreinander dokumentieren,
von zentraler Bedeutung. Im Rahmen der Evaluation
des BQ­Portals (vgl. II­2.2) befragte das BAFA im Herbst
2014 Nutzerinnen und Nutzer des Portals – vorrangig
in Kammern –, welche Folgen es für ihre Arbeit hätte,
wenn ihnen das BQ­Portal nicht mehr zur Verfügung
stünde. Aus den Antworten ergab sich unter anderem,
dass die Antragstellenden verstärkt selbst Informa­
tionen besorgen und vorlegen müssten und dass die
Verfahrenskosten steigen würden.229 Ein vergleichbares
Instrument scheint auch für den Bereich der regle­
mentierten Berufe zur Einrichtung eines bundesweiten
Wissensmanagements dringend erforderlich. Es würde
zum einen die zuständigen Stellen entlasten und zum
anderen die Kosten und den Aufwand für die Antrag­
stellenden verringern. Ein solches Instrument ließe
sich beispielsweise im Zusammenhang mit der geplan­
ten zentralen Gutachtenstelle für die Gesundheitsberu­
fe einrichten (vgl. II­2.2 und III­3.3).

Darüber hinaus sollte allen Möglichkeiten der Kos­
tenvermeidung und -reduzierung weiterhin viel
Aufmerksamkeit gewidmet werden. Hierfür kommt
dem Wissensmanagement in den und für die zustän­
digen Stellen eine zentrale Bedeutung zu. Eine zentrale
Bearbeitung von Anträgen wie etwa bei der IHK FOSA
ermöglicht eine Bündelung von Know­how und damit
eine Erleichterung. Denn je geringer der Aufwand des
einzelnen Verfahrens für die zuständigen Stellen ist,
desto weniger Gebühren müssen sie den Antragstellen­
den in Rechnung stellen, und je mehr Informationen
zu ausländischen Bildungsgängen systematisch für sie
abrufbar sind, desto weniger Unterlagen müssen sie
von den Antragstellenden fordern. Neben den Ver­
fahrensgebühren erschweren vielfach die Kosten der

228 Für dieses Stipendienprogramm in Hamburg zeigt sich im Rahmen
einer	Verbleibstudie	von	Brussig,	Mill	und	Zink	(2013),	dass	zwei	
Drittel der Personen mit einer teilweisen Anerkennung das Stipen­
dienprogramm nutzen konnten.

229 Angaben nach der Präsentation der Zwischenergebnisse der Evalua­
tion	beim	Runden	Tisch	BQ-Portal	am	18. Dezember	2014	in	Berlin.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

137

6. Betriebe


Zielgruppe

Information &
Beratung

Das Wichtigste in Kürze:
 Im Rahmen der BIBB­Betriebsbefragung 2014 ge­













ben mehr als 40 Prozent der befragten Betriebe an,
die Möglichkeiten der Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen durch die Anerkennungs­
gesetze des Bundes und der Länder zu kennen
oder bereits Erfahrung mit Personen mit einem
Anerkennungsverfahren gemacht zu haben.
Aus Sicht der Betriebe, die die Möglichkeiten
kennen, wird dadurch insbesondere die Personal­
rekrutierung erleichtert.
Wenn Mitarbeitende ein Anerkennungsverfahren
durchlaufen haben, dann bislang zumeist vor Auf­
nahme der Beschäftigung im Betrieb. Als Perso­
nalentwicklungsmaßnahme für bereits im Betrieb
tätige Mitarbeitende werden Anerkennungsver­
fahren dagegen selten genutzt.
Betriebe, bei denen Mitarbeitende ein Anerken­
nungsverfahren während ihrer Beschäftigung
durchführen beziehungsweise durchgeführt
haben, sind sehr aktiv, wenn es um die Unterstüt­
zung von Mitarbeitenden im Verfahren geht. Für
die Beschäftigten führt die Anerkennung meist zu
verbesserten Arbeitsbedingungen.
Firmen, die Arbeitnehmerüberlassung betreiben,
schätzen die Möglichkeiten der Anerkennung
sowohl für sich selbst sehr positiv ein als auch
für die Übernahme von Beschäftigten durch den
ausleihenden Betrieb.
Zwei Drittel der befragten Betriebe wären bereit,
Mitarbeitende bei einem Anerkennungsverfahren
zu unterstützen.
Fast 80 Prozent der befragten Betriebe haben
keine Bedenken, Personen mit einer im Ausland
erworbenen Berufsqualifikation einzustellen, bei
den restlichen 20 Prozent bestehen oftmals Sorgen
in Bezug auf Sprachkenntnisse.
(Quelle:	Betriebsbefragung	des	BIBB	2014)

Verfahren

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

Darüber, ob nach einer formalen Anerkennung durch
eine positive Gleichwertigkeitsprüfung auch eine
faktische Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt erfolgt,
entscheiden vor allem die Betriebe. Dies geschieht
beispielsweise durch ihre Rekrutierungspraxis oder
bei Mitarbeitenden, die schon vor dem Anerken­
nungsverfahren im Betrieb waren, durch positive
Veränderungen für die Beschäftigten (zum Beispiel die
Übertragung höherwertiger Tätigkeiten oder bessere
Bezahlung).
Um mehr Informationen über die betriebliche Sicht zu
gewinnen, wurde im Herbst 2014 im Auftrag des BIBB
eine repräsentative telefonische Befragung von 5.286
Betrieben durchgeführt.230 Dabei wurde nicht zwi­
schen dem Anerkennungsgesetz des Bundes und den
Anerkennungsgesetzen der Länder unterschieden, da
davon auszugehen ist, dass aus Sicht der Betriebe diese
Unterscheidung von untergeordneter Bedeutung und
daher in Bezug auf konkrete Fälle nicht immer bekannt
sein dürfte.231

6.1 Bekanntheit der Anerkennungsgesetze
Die Ergebnisse der Befragung im Herbst 2014 zeigen,
dass die Anerkennungsgesetze einer größeren Anzahl
von Betrieben bekannt sind. 35 Prozent der Betriebe
haben bereits von den Anerkennungsgesetzen gehört
und zudem haben sich jeweils mehr als 3 Prozent
intensiver damit beschäftigt oder sogar schon bei der
Personalrekrutierung damit Erfahrungen gemacht

230 Weitere Informationen dazu sowie auch Erläuterungen zum Befra­
gungsinstrument sind in der Datensatzbeschreibung im Anhang A2
zu	finden.	Im	Folgenden	werden	ausschließlich	nach	Wirtschaftsab­
schnitt	und	Betriebsgrößenklasse	gewichtete	Ergebnisse	präsentiert.
Befragt wurden Personalverantwortliche in den Betrieben. Zur
besseren Lesbarkeit wird im Folgenden von Betrieben gesprochen.
231 Aus diesem Grund wird im Folgenden von den Anerkennungsgeset­
zen gesprochen.

138

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 49 Bekanntheit der Anerkennungsgesetze bei den befragten Betrieben (in Prozent)
100	%
90	%
80	%
70	%
60	%
50	%
40	%
30	%
20	%
10	%
0	%

Gesamt

1 bis 9 Beschäftigte

10	bis	49	Beschäftigte

50	bis	249	Beschäftigte	

mehr als 249
Beschäftigte

	 Ja,	damit	habe	ich	schon	Erfahrungen	bei	der	Personalrekrutierung	gemacht.

	 Ja,	damit	habe	ich	mich	schon	näher	auseinandergesetzt.

	 Ja,
	 	davon	habe	ich	schon	mal	gehört.
	
	 Nein,
	
	davon	habe	ich	noch	nicht	gehört.
	
Quelle:	Betriebsbefragung	des	BIBB	(2014);	gewichtete	Ergebnisse.	Es	wurden	nur	Betriebe	betrachtet,	die	diese	Frage	beantwortet	haben;	
ungewichtete	Fallzahl	n	=	5.254.

(vgl. Abbildung 49). Bei den Betrieben mit mehr als
249 Mitarbeitenden sind es sogar über 47 Prozent, die
davon gehört und über 10 Prozent, die bereits damit
Erfahrung bei der Personalrekrutierung gemacht ha­
ben. Insgesamt zeigt die Grafik, dass mit zunehmender
Beschäftigtenzahl auch die Bekanntheit der Gesetze
beziehungsweise die Erfahrungen damit steigen.
Besonders hoch ist die Bekanntheit der Gesetze in den
Wirtschaftsabschnitten (erste Ebene der Klassifikation
der Wirtschaftszweige Ausgabe 2008 (WZ 2008, vgl.
Statistisches Bundesamt 2007)) „Wasserversorgung;
Abwasser­ und Abfallentsorgung und Beseitigung von
Umweltverschmutzungen“, „Öffentliche Verwaltung,
Verteidigung; Sozialversicherung“ sowie „Erziehung
und Unterricht“. Dort liegt der Anteil der Betriebe, die
die Gesetze nicht kennen, jeweils unter 50 Prozent.
Die Betriebe, denen die Gesetze bekannt sind bezie­
hungsweise die bereits Erfahrung mit Personen mit
einer Anerkennung haben, wurden weitergehend
befragt, wie sie die Möglichkeiten der Anerkennung

einschätzen. Mehr als 50 Prozent geben an, dass diese
Möglichkeiten die Einstellung von Personen mit im
Ausland erworbenen Abschlüssen und ihre Personal­
entwicklung erleichtern. Ebenfalls mehr als die Hälfte
meint aber auch, dass ein solches Verfahren vor allem
den Personen selbst Vorteile bringe. Ein Viertel sieht
sogar keinerlei Vorteile durch die Möglichkeiten der
Anerkennung für den Betrieb. Hier scheint noch mehr
Information über die möglichen positiven Effekte der
Anerkennung für Betriebe, gerade im nicht reglemen­
tierten Bereich (im Bereich der reglementierten Berufe
liegen diese vor allem mit der Möglichkeit der Berufs­
ausübung auf der Hand) sinnvoll zu sein.

6.2 Beschäftigung von Personen mit ausländischen
Berufsabschlüssen und die Rolle der Anerkennung
Bei der BIBB­Betriebsbefragung im Jahr 2014 geben
knapp mehr als 15 Prozent der befragten Betriebe
an, dass sie Personen mit im Ausland erworbenen
Abschlüssen beschäftigen (vgl. Abbildung 50). Bei der
Unternehmensbefragung im Jahr 2012 im Rahmen

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

139

Abbildung 50 Derzeitige Beschäftigung von Personen mit einem im Ausland erworbenen Berufsabschluss
in den befragten Betrieben (in Prozent)

Ja,	mehrere	Personen 7,0	%

Ja,	eine	Person 8,1 %

Nein

0	%

83,9 %

20	%

40	%

60	%

80	%

100	%


Quelle:	Betriebsbefragung	des	BIBB	(2014);	gewichtete	Ergebnisse;	N	=	5.286;	zu	100	Prozent	fehlend	=	keine	Angabe.


der Studie „Empiriegestütztes Monitoring zur Qualifi­
zierungssituation in der deutschen Wirtschaft – Welle
Frühjahr 2013“ waren dies nur etwa 10 Prozent (Becker
und Lübbers 2013, S. 71).232

Berufsausbildung haben. Über 40 Prozent beschäftigen
Personen mit einem im Ausland erworbenen Hoch­
schulabschluss und nur rund ein Zehntel Personen mit
einem Fortbildungsabschluss (Meister, Techniker etc.).

Erwartungsgemäß steigt mit der Zahl der Mitarbeiten­
den auch der Anteil der Betriebe, die eine oder mehrere
Personen mit einem im Ausland erworbenen Abschluss
beschäftigen.

Von den Betrieben, die zum Zeitpunkt der Befragung
Personen mit solchen Abschlüssen beschäftigen, geben
knapp mehr als 20 Prozent an, dass darunter mindes­
tens eine Person ist, die ein Verfahren zur Anerkennung
des im Ausland erworbenen Berufsabschlusses durch­
läuft beziehungsweise bereits durchlaufen hat. Auch
dabei zeigen sich wieder Unterschiede bei den Be­
triebsgrößenklassen: Bei Betrieben mit 50 bis 249 Mit­
arbeitenden und mit mehr als 249 Mitarbeitenden sind
es jeweils über 30 Prozent.

Diese Betriebe wurden gebeten, das Qualifikationsniveau der Abschlüsse dieser Beschäftigten zu nennen.
Wie in Tabelle 14 zu erkennen ist, geben fast zwei Drit­
tel an, dass diese Personen eine abgeschlossene
Tabelle 14 Abschlüsse der augenblicklich in den be­
fragten Betrieben beschäftigten Personen
mit einer im Ausland erworbenen Berufs­
qualifikation	(in	Prozent)
Abgeschlossene Berufsausbildung

62,3 %

Meister-, Fachwirt- oder ähnlicher Fortbildungsabschluss

10,3	%

Hochschulabschluss

41,1 %

Quelle:	Betriebsbefragung	des	BIBB	(2014);	gewichtete	Ergebnisse.	
Einbezogen wurden nur Betriebe, die augenblicklich mindestens eine
Person	mit	einer	im	Ausland	erworbenen	Berufsqualifikation	beschäf­
tigen. Da Betriebe, die mehrere Personen dieser Gruppe beschäftigen,
mehrere	Qualifikationen	angeben	konnten,	addieren	sich	die	Ergeb­
nisse	auf	über	100	Prozent;	ungewichtete	Fallzahl	n	=	2.004.

232 Anders als bei der BIBB-Betriebsbefragung wurden dabei keine
Betriebe des Wirtschaftsabschnittes „Land- und Forstwirtschaft,
Fischerei“ befragt.

Die Anerkennung einer ausländischen Qualifikation
spielt vor allem bei der Rekrutierung von neuen Mitar­
beitenden eine Rolle (vgl. Abbildung 51): Bei mehr als
zwei Drittel der Betriebe, die Personen beschäftigen, die
ein Anerkennungsverfahren durchlaufen (haben), führ­
ten die betroffenen Personen das Verfahren vor dem
Beginn ihrer Beschäftigung im Betrieb durch.
Um die Rolle der Anerkennung als Personalentwick­
lungsmaßnahme zu betrachten, wurden die Betriebe,
bei denen Personen das Verfahren als Mitarbeitende/
Angestellte des Betriebs begonnen haben, weiterge­
hend zum Verfahren befragt.
Von Interesse war dabei, von wem die Initiative zur
Durchführung des Anerkennungsverfahrens aus­
ging. Hier zeigt sich, dass die Betriebe sehr aktiv sind:

140

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	51	 	Zeitpunkt	der	Durchführung	des	Anerkennungsverfahrens	bei	Betrieben,	die	Personen	beschäftigen,	
die ein Anerkennungsverfahren durchlaufen haben (in Prozent)

4,1	%

vor Beginn der Beschäftigung
nach Beginn der Beschäftigung

17,1	%

beides (bei mehreren Personen)

76,9	%

Quelle:	Betriebsbefragung	des	BIBB	(2014);	gewichtete	Ergebnisse.	Einbezogen	wurden	nur	Betriebe,	die	augenblicklich	mindestens	
eine	Person	beschäftigen,
	
	die	ein	Anerkennungsverfahren	durchläuft	beziehungsweise	durchlaufen	hat;	ungewichtete	Fallzahl	n	=	623;	
zu	100	Prozent	fehlend	=	keine	Angabe.

Abbildung	52	 	Art	der	Unterstützung	von	Beschäftigten	im	Anerkennungsverfahren	durch	Betriebe,	die	Personen	
beschäftigen,	die	während	ihrer	Zeit	im	Betrieb	ein	Anerkennungsverfahren	durchlaufen	(haben)	
(in Prozent)
Unterstützung	bei	Behördengängen

59,1 %

Angebot	flexibler	Arbeitszeiten

47,8 %

Freistellung

finanziell

0	%

40,5	%

28,3 %

20	%

40	%

60	%

80	%

Quelle:	Betriebsbefragung	des	BIBB	(2014);	gewichtete	Ergebnisse,	einbezogen	wurden	nur	Betriebe,	die	augenblicklich	mindestens	eine	Person	
beschäftigen,	die	während	der	Beschäftigung	im	Betrieb	ein	Anerkennungsverfahren	durchführt	oder	durchgeführt	hat;	ungewichtete	Fallzahl	n	=	192;	
Mehrfachantworten	möglich.

Während nur 32 Prozent dieser Betriebe angeben, dass
die Initiative von der beschäftigten Person ausging,
ergriffen fast 60 Prozent dieser Betriebe selbst die
Initiative.233

233	 Zu	100 Prozent	fehlend	=	keine	Angabe.

Unabhängig davon, von wem die Initiative ausging,
zeigt sich, dass die Betriebe ihren Beschäftigten beim
Bemühen um die Anerkennung ihrer Berufsqualifikation behilflich sind. Über 90 Prozent geben an, dass sie
die Beschäftigten (auf unterschiedliche Arten) während
des Verfahrens unterstützt haben beziehungsweise
noch unterstützen.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

141

Abbildung	53	 Änderungen
	
	für	Beschäftigte	nach	einem	Anerkennungsverfahren	in	Betrieben,	in	denen	sich	
für	Beschäftigte,	die	während	ihrer	Beschäftigung	ein	Anerkennungsverfahren	durchlaufen	haben,	
etwas geändert hat (in Prozent)

78,5 %

Sie	haben	höherwertige	Tätigkeiten	übernommen.

Der	Verdienst	hat	sich	erhöht.

Das Arbeitsverhältnis wurde entfristet.

53,8 %

18,0	%

Sie haben von Teilzeit in Vollzeit gewechselt. 7,4 %

Die befristete Tätigkeit wurde verlängert. 0,4	%

0	%

20	%

40	%

60	%

80	%

Quelle:	Betriebsbefragung	des	BIBB	(2014);	gewichtete	Ergebnisse.	Einbezogen	wurden	nur	Betriebe,	die	angeben,	dass	sich	für	die	Mitarbeitenden	
nach	einem	Anerkennungsverfahren	etwas	geändert	hat;	ungewichtete	Fallzahl	n	=	133;	Mehrfachantworten	möglich.

Abbildung 52 zeigt, welche Arten der Unterstützung
die Betriebe ihren Beschäftigten mit laufendem oder
abgeschlossenem Verfahren bieten beziehungsweise
geboten haben. Fast 60 Prozent unterstützen sie bei
den Behördengängen und fast 30 Prozent beteiligen
sich an den Kosten des Verfahrens. Aus weiteren Nen­
nungen (offene Angaben) wird deutlich, dass zudem
Unterstützung beim Ausfüllen der Antragsformulare
sowie bei Vorbereitungen auf Ausgleichsmaßnahmen
gegeben wird.
Nach Abschluss des Verfahrens ist von Interesse, wel­
che Auswirkungen die Anerkennung der im Ausland
erworbenen Berufsqualifikation für Mitarbeitende
hat. Von den Betrieben mit Personen, die während
ihrer Beschäftigung ein Verfahren durchlaufen haben,
kommen fast drei Viertel zu der Einschätzung, dass sich
die Situation für die Beschäftigten nach dem Verfahren
positiv verändert habe.
Das Ergebnis des Anerkennungsverfahrens bei den Be­
trieben, bei denen sich für die Beschäftigten nach dem
Verfahren etwas geändert hat, führte in fast 80 Prozent
der Fälle dazu, dass ihnen höherwertige Tätigkeiten
übertragen wurden (vgl. Abbildung 53). Damit einher­
gehend (jedoch nicht ausschließlich in diesen Fällen)

kam es auch zu einer Erhöhung des Verdiensts. Bei
18 Prozent wurde ein befristetes Arbeitsverhältnis in
ein unbefristetes gewandelt.
Firmen, die Arbeitnehmerüberlassung betreiben, wur­
den darüber hinaus gefragt, ob die Beschäftigten aus
ihrer Sicht die Chancen auf eine Übernahme in dem
Unternehmen, an das sie entliehen sind, durch eine
Anerkennung erhöhen können. Das Ergebnis dazu ist
eindeutig: Mehr als 80 Prozent sehen höhere Chancen
auf eine Übernahme, wenn die Person ein Anerken­
nungsverfahren positiv abgeschlossen hat. Aber nicht
nur für die Beschäftigten kann sich eine Anerkennung
positiv auswirken. Drei Viertel der Unternehmen, die
Arbeitnehmerüberlassung betreiben, sehen für sich
Vorteile durch die Anerkennung der Abschlüsse: Wenn
diese anerkannt sind, können die Personen als Fach­
kräfte überlassen werden, da sie nur dann die mit dem
ausleihenden Unternehmen vereinbarten Rahmenbe­
dingungen erfüllen.
Alle Betriebe wurden hypothetisch dazu befragt, ob sie
sich vorstellen könnten, Beschäftigte bei einem Aner­
kennungsverfahren zu unterstützen. Es zeigt sich, dass
sich mehr als zwei Drittel eine Unterstützung vorstel­
len könnten. Die Unterstützungsbereitschaft ist dann

142

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

besonders hoch, wenn die entsprechende anerkannte
Qualifikation auch dem Betrieb von Nutzen sei (dies
geben mehr als 88 Prozent der Unternehmen an, die
sich vorstellen könnten, Beschäftigte zu unterstützen).
Mehr als drei Viertel geben an, dass sie dies tun würden,
um Beschäftigte an das Unternehmen zu binden, und
fast drei Viertel, um den Beschäftigten Aufstiegsmög­
lichkeiten zu bieten.
Bei den Gründen (offene Nennungen), die gegen eine
Unterstützung beim Verfahren sprechen, wird deutlich,
dass diese teilweise auf die Unkenntnis der Möglich­
keiten oder auch auf allgemeine Vorurteile gegen­
über im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen
zurückzuführen sind. So besteht teilweise die Sorge,
dass die Abschlüsse trotz einer Anerkennung nicht
mit den deutschen Abschlüssen vergleichbar sind. Um
diese Vorurteile abzubauen, scheint es notwendig, den
Betrieben weitergehende Informationen über die Aner­
kennungsgesetze und die damit verbundenen Mög­
lichkeiten zu geben, zum Beispiel durch Best Practice­
Beispiele aus anderen Betrieben. Wenn ein Betrieb sich
nicht vorstellen kann, Beschäftigte zu unterstützen,
lässt sich daraus nicht unmittelbar schlussfolgern, dass
Vorurteile gegenüber einer anerkannten Qualifikation
bestehen. So wird mehrmals als Begründung angege­
ben, dass die Qualifikation bereits vor Eintritt in den
Betrieb vorhanden sein müsse und es keine Beschäftig­
ten gebe, die in die Zielgruppe fallen.

6.3 Beschäftigung und Beschäftigungs­
möglichkeiten der Zielgruppe
Mehr als 11 Prozent der Betriebe, die in den Jahren
2013 und 2014 Stellen im Fachkräftebereich besetzt
haben, geben an, dass darunter auch Personen sind, die
ihren Berufsabschluss im Ausland erworben haben.
Bei der Frage, warum diese Personen eingestellt wur­
den, zeigt sich sehr deutlich, dass dies vor allem mit den
vorhandenen Kompetenzen der Einzelnen begründet
wird (vgl. Abbildung 54). Über 90 Prozent geben an, dass
die Herkunft des Abschlusses nicht ausschlaggebend
war und die Person eingestellt wurde, weil sie fachlich
und persönlich überzeugt hat. Knapp mehr als die
Hälfte der Betriebe stellte diese ein, weil eine vielfältige
und bunte Belegschaft unterstützt werde, und mehr als
40 Prozent weisen auf die spezifischen Kompetenzen
dieser Mitarbeitenden hin. Der Anteil der Betriebe, die
angeben, solche Personen aufgrund von geringeren
Personalkosten eingestellt zu haben, ist dagegen sehr
niedrig.
Fast 80 Prozent aller befragten Betriebe geben an, dass
es keine grundsätzlichen Gründe gegen die Beschäfti­
gung von Personen mit einer im Ausland erworbenen
Berufsqualifikation gebe. Bei den Befragten, die der
Ansicht sind, dass solche Gründe vorliegen (offene
Nennungen), sind jedoch auch einige dabei, die nur

Abbildung	54	 Gründe
	
	für	die	Einstellung	von	Personen,	die	ihren	Berufsabschluss	im	Ausland	erworben	haben,	
bei	Betrieben,	die	in	den	Jahren	2013/2014	Personen	mit	im	Ausland	erworbenem	Berufsabschluss	
142
eingestellt haben (in Prozent)
Die	Person	hat	uns	fachlich	und	persönlich	
überzeugt. Die Herkunft des Abschlusses
war für uns egal.

91,4 %

Weil wir eine vielfältige und bunte
Belegschaft unterstützen.

50,8	%

Personen mit einem im Ausland erworbenen
Berufsabschluss bringen für unseren Betrieb
wichtige	spezifische	Kompetenzen	mit.
Die Beschäftigung solcher Personen
ist für uns kostengünstiger.
0	%

41,3 %

5,7 %

20	%

40	%

60	%

80	%

100	%

Quelle:	Betriebsbefragung	des	BIBB	(2014);	gewichtete	Ergebnisse.	Einbezogen	wurden	nur	Betriebe,	die	angaben,	in	den	letzten	zwei	Jahren	Perso­
nen	eingestellt	zu	haben,	die	ihren	Berufsabschluss	im	Ausland	erworben	haben;	ungewichtete	Fallzahl	n	=	1.205;	Mehrfachantworten	möglich.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

eine fehlende Anerkennung als Grund sehen. Wenn
es sich dabei um Berufe handelt, die durch die Aner­
kennungsgesetze abgedeckt sind, könnten durch diese
Gesetze Hinderungsgründe abgebaut werden. Wenn
andere Gründe vorliegen, dann sind dies oft Vorbehalte
im Hinblick auf die (Fach­) Sprachkenntnisse dieser
Personen oder auch die Vermutung, dass die Qualifika­
tion trotz einer Anerkennung nicht mit der deutschen
vergleichbar ist.

6.4 Weitere Stärkung der Betriebsperspektive
Um einerseits die Bekanntheit der Anerkennungs­
verfahren zu steigern und andererseits über deren
Möglichkeiten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu
informieren, unterstützt die Bundesregierung mehrere
Projekte mit dem Ziel der Ansprache, Sensibilisierung
und Schulung der betrieblichen Akteure zum Thema
Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen. Die
Anerkennungskultur in den Betrieben soll hierdurch
weiter gestärkt werden.
In einem sechsmonatigen Pilotprojekt „Fachkräfte
entdecken“ der IHK Nürnberg (bis Februar 2015)
wurden solche Mitgliedsunternehmen in der Region
Mittelfranken kontaktiert, bei denen potenziell aner­
kennungsinteressierte Mitarbeiterinnen und Mitar­
beiter vermutet werden konnten. Nach einer direkten
Telefonansprache der Personalverantwortlichen und
bei geäußertem Interesse weiterer Beratung durch das
Bildungsberater­Team der IHK Nürnberg konnte im
Idealfall konkrete Hilfestellung bei einer Antragstel­
lung nach dem BQFG geleistet werden. Die begleitende
Projektdokumentation zeigt, dass bei den konkret
angesprochenen Unternehmen in der Region ein
vergleichsweise geringer Bekanntheitsgrad des BQFG
vorhanden ist (rund 15 Prozent, Stand: 16. Januar 2015).
Etwa 14 Prozent (Stand: 16. Januar 2015) haben das
Angebot einer vertieften Beratung angenommen. Die
Erfahrungen des Projekts können auf weitere Regionen
übertragen werden.
Auch mit dem neuen Schwerpunkt des Förderpro­
gramms IQ „ESF-Qualifizierung im Kontext des
Anerkennungsgesetzes“234 rücken Unternehmen,
insbesondere KMU, stärker in den Blick, da viele Quali­

234 Vgl. II-2.2 und III-5.2.2.

143

fizierungen nur betrieblich sinnvoll organisiert werden
können. Wichtige Aufgabe für das Förderprogramm
ist es auch, diese Unternehmen für die Potenziale von
Migrantinnen und Migranten zu sensibilisieren, auch
über die Möglichkeiten des Anerkennungsgesetzes
und die Anerkennungsberatung. Denn während große
Betriebe häufig über eine professionelle Personalent­
wicklung verfügen, ist dies bei KMU oft nicht der Fall.
Die Unterstützung von Anerkennungsverfahren bietet
ihnen eine gute Möglichkeit, Kompetenzen von Mitar­
beitenden nutz­ und sichtbar zu machen.
Das vom BMBF finanzierte Projekt „Anerkannt“ des
DGB Bildungswerks (2014/2015) dient der Qualifizie­
rung von Arbeitnehmervertretungen als betrieblichen
Schlüsselpersonen zu kompetenten Ansprechpartnern
für die Beschäftigten zum Thema Anerkennung in
den Betrieben. Dafür werden zwei mehrtägige Fach­
kraftausbildungen und spezifische Informationsaufbe­
reitung und ­angebote sowie Tagungen und Workshops
zur Vernetzung mit anderen Akteuren beim Thema
Anerkennung durchgeführt. Das Projekt trägt somit
dazu bei, das Anerkennungsgesetz in den Betrieben
bekannter zu machen, es für eine systematische Sich­
tung der Qualifikationen in der Belegschaft zu nutzen
und die Akzeptanz der Verfahren und Bescheide zu
erhöhen. Im Projektverlauf zeigte sich nach bisheri­
gem Stand, dass eine branchenspezifische Ansprache
über die einzelnen Gewerkschaftssparten, die ebenfalls
ein erhebliches Informationsinteresse und ­bedürfnis
geäußert haben, am meisten Erfolg versprechend er­
scheint, um KMU zu erreichen und um eine möglichst
breite Wirkung der Initiative zu erzeugen.

144


IV

Detailstudien zum
Anerkennungsgeschehen

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

145

1. Entwicklung der Zielgruppe


Zielgruppe

Information &
Beratung

Das Wichtigste in Kürze:
	 Im Jahr 2013 sind mehr als 1,1 Millionen Aus­


länderinnen und Ausländer nach Deutschland 

zugezogen. Im ersten Halbjahr 2014 waren es 

bereits über 600.000.

	 Die starke Zunahme der Zuwanderung nach
Deutschland seit 2009 wird hauptsächlich durch
Herkunftsländer innerhalb der Europäischen
Union getragen, dabei insbesondere aus Polen,
Bulgarien, Rumänien, Spanien und Italien.
	 Fast 80 Prozent der 2013 nach Deutschland Zuge­
wanderten sind 18 bis 49 Jahre alt.
	 Die Zahl der Zugezogenen aus dem Ausland, die
über einen beruflichen Abschluss verfügen, ist
infolge der gewachsenen Zuwanderung insgesamt
in den letzten Jahren stark gestiegen. Dadurch sind
im Jahr 2013 etwa 500.000 beruflich Qualifizierte
im Alter von 18 bis 49 Jahren nach Deutschland ge­
kommen. Im Jahr 2010 waren es noch etwa 300.000.
 Von den 18­ bis 49­jährigen Zugezogenen haben
über die Hälfte eine berufliche Qualifikation
(mehr als 20 Prozent eine nicht-akademische
berufliche Ausbildung und etwa 35 Prozent einen
ausländischen Hochschulabschluss).
	 Bei den 25­ bis 64­Jährigen bringen etwa zwei
Drittel der Zugewanderten eine berufliche Quali­
fikation mit (etwa 25 Prozent eine nicht-akademi­
sche berufliche Ausbildung und etwa 40 Prozent
einen Hochschulabschluss).
	 Aus Südeuropa kommen überdurchschnittlich
viele Menschen im erwerbsfähigen Alter mit ei­
ner akademischen Ausbildung nach Deutschland.
	 Zugezogene aus osteuropäischen Herkunfts­

ländern (insbesondere Polen, Rumänien und 

Ungarn) besitzen häufiger als im Durchschnitt
eine nicht-akademische berufliche Ausbildung
aus ihrem Herkunftsstaat.

Verfahren

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

Das Anerkennungsgesetz richtet sich an Personen,
die im Ausland einen beruflichen Abschluss erwor­
ben haben und in Deutschland erwerbstätig sind oder
sein möchten. Für sie kann sich mit der Anerkennung
ihres beruflichen Abschlusses ihre jeweilige berufliche
Situation verbessern (Brücker u. a. 2014). Bei dem weit­
aus überwiegenden Teil der Zielgruppe des Anerken­
nungsgesetzes handelt es sich um Zugezogene aus dem
Ausland. Auch wenn Deutsche mit einem beruflichen
Abschluss aus dem Ausland ebenfalls von einer Aner­
kennung profitieren235, handelt es sich bei der Mehrheit
der Antragstellenden um ausländische Staatsangehörige
(siehe III­2). In diesem Abschnitt wird gezeigt, wie sich
der Zuzug236 beruflich qualifizierter Ausländerinnen und
Ausländer nach Deutschland in den vergangenen Jahren
verändert hat und welche Auswirkungen sich daraus für
die Zielgruppe des Anerkennungsgesetzes ergeben.237 Als
Datengrundlage dienen hauptsächlich die Wanderungs­
statistik des Statistischen Bundesamtes und der Mikro­
zensus (vgl. Datensatzbeschreibung im Anhang A2).

1.1 Zuzug nach Deutschland
Der Zuzug von Ausländerinnen und Ausländern nach
Deutschland unterlag seit der deutschen Wiederver­
einigung starken Schwankungen. Während zu Beginn
der 1990er Jahre vor allem infolge der Balkankriege
über mehrere Jahre hinweg, insbesondere von 1991
bis 1993, eine vergleichsweise hohe Zuwanderung von
Ausländerinnen und Ausländern zu verzeichnen war
(größer als 900.000 pro Jahr), kam es anschließend bis

235 Beispielsweise durch ein Medizinstudium an einer privaten Hoch­
schule	(Titz	und	Horstkotte	2014).
236 Verlegung des ständigen Wohnsitzes aus dem Ausland in das Inland
(=	Bruttozuwanderung).
237 Eine detaillierte Darstellung der Gruppe der bereits in Deutschland
lebenden	Zuwanderinnen	und	Zuwanderer	(Art	der	beruflichen	
Qualifikation,	(Art	der)	Erwerbsbeteiligung	usw.	erfolgte	im	letzten	
Bericht	(Erbe	u.	a.	2014,	S. 52	ff.).

146

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 55 Zuzüge von Ausländerinnen und Ausländern nach Deutschland nach Herkunftsgebieten239 (absolut)
1.200.000

1.000.000

800.000

600.000

400.000

200.000

0

2006

2007

	 Sonstiges	*)
Australien und Ozeanien

2008

2009

2010

2011

Asien

Afrika

Amerika

übriges Europa

2012

2013
Europäische Union
(EU 28)

*)	Seeleute	deutscher	Reedereien	ohne	Wohnsitz	in	Deutschland,	unbekanntes	Ausland,	Ungeklärt	und	ohne	Angabe.
Quelle:	Statistisches	Bundesamt;	Vorläufige	Wanderungsergebnisse	2013	(Stand:	22.	Mai	2014);	Darstellung	des	BIBB.

Ende der 1990er Jahre zu einem nachhaltigen Rück­
gang der Zuwanderung nach Deutschland.238
239

Erst seit 2006 nehmen die Zuzüge von ausländischen
Staatsbürgerinnen und ­bürgern wieder zu (Abbil­
dung 55) und haben ab 2009 deutlich an Dynamik
gewonnen. Von 2006 bis 2013 haben sie sich nahezu
verdoppelt.

238	 In	den	1990er	Jahren	sind	viele	deutsche	Spätaussiedlerinnen	und	
Spätaussiedler	nach	Deutschland	zugezogen	(über	100.000	pro	Jahr).	
Seit	2006	sind	es	deutlich	unter	10.000	pro	Jahr	(vgl.	BAMF	2015a,	
S. 51).	Dadurch	war	die	Zahl	der	Zuzüge	von	Deutschen	in	dieser	
Zeit	(1991	bis	1996	größer	250.000	pro	Jahr)	deutlich	höher	als	heute	
(seit	2006	kleiner	als	120.000	pro	Jahr).
239 Das Herkunftsland/-gebiet der Zugezogen basiert auf dem Land
des letzten festen Wohnsitzes vor dem Zuzug nach Deutschland.
Diese Abgrenzung ist nicht immer deckungsgleich mit der Staats­
angehörigkeit	der	Zugezogenen.	Während	von	den	Zugezogenen	
aus Polen, Rumänien und Bulgarien über 99 Prozent die entspre­
chende Staatbürgerschaft besitzen, kommen aus Italien mit etwa
80	Prozent	und	Spanien	mit	etwa	75	Prozent	deutlich	weniger	
Zugezogene	mit	der	Staatsangehörigkeit	des	Herkunftslandes	(vgl.	
BAMF	2015a,	S.	28).

Abbildung 55 zeigt die Entwicklung der Zuzüge von
Ausländerinnen und Ausländern240 auf das Gebiet der
Bundesrepublik von 2006 bis 2013. Es ist deutlich zu
erkennen, dass ab 2006 der steigende Zuzug maßgeb­
lich durch Zuwanderinnen und Zuwanderer aus den
28 Mitgliedsstaaten241 der EU getragen wird. Während
bis zum Jahr 2003 deutlich weniger als die Hälfte der
Zugezogenen aus den Ländern der jetzigen EU stamm­
te (ohne Abbildung), ist dieser Anteil danach bis zum
Jahr 2013 auf etwa zwei Drittel der Zuzüge angewach­
sen (Abbildung 57).
Zwischen 2006 und 2013 sind die Zuzüge aus Spanien,
Griechenland, Italien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn,
Portugal, Afrika und den übrigen EU­Staaten über­
durchschnittlich gestiegen (Abbildung 56). Abgesehen
von den Niederlanden, für die keine Veränderung zu

240	 Es	wird	ausschließlich	der	Zuzug	von	nichtdeutschen	Staatsangehö­
rigen betrachtet.
241	 Alle	Mitgliedsstaaten	der	EU	(Stand:	1. Januar	2014).

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

147

Abbildung 56 Verhältnis der Zuzüge von Ausländerinnen und Ausländern des Jahres 2013 gegenüber 2006
nach Herkunftsgebieten
Bulgarien
Rumänien
Spanien
Griechenland
Italien
Ungarn
Portugal
AFRIKA
übrige EU
ASIEN
übriges Europa
AUSTRALIEN/OZEANIEN
Vereinigtes	Königreich
Tschechische Republik
AMERIKA
Polen
Frankreich
Österreich
Niederlande
0,00

1,00

2,00

3,00

4,00

5,00

6,00

7,00

8,00

9,00

Auswahl EU-Staaten: 13 zuwanderungsstärkste Herkunftsländer innerhalb der EU.
Lesehilfe:	Werte	kleiner	als	1	bedeuten	einen	Rückgang,	Werte	größer	als	1	eine	Zunahme	und	Werte	gleich	1	keine	Veränderung	des	Zuzugs.	
Im Gesamtdurchschnitt lag die Veränderung der Zuzüge bei 1,96. Alle Werte sind in Relation zum Durchschnitt dargestellt, wodurch sofort zu
erkennen ist, ob sie unter oder über dem Durchschnitt liegen. Beispiel Niederlande: Der Zuzug aus den Niederlanden hat sich nicht verändert
(Wert	=	1,00).	Weil	die	Niederlande	damit	weit	unter	dem	Durchschnitt	der	anderen	Länder	liegen,	ist	ihre	relative	Bedeutung	gesunken.
Quelle:	Statistisches	Bundesamt;	Vorläufige	Wanderungsergebnisse	2013	(Stand:	22.	Mai	2014);	Darstellung	des	BIBB.

verzeichnen ist, sind die Zuzüge aus allen anderen
Herkunftsgebieten ebenfalls gestiegen – wenn auch
teilweise deutlich unterhalb des Durchschnitts.
Der überdurchschnittlich starke Anstieg der Zuwan­
derung aus Südeuropa242 ist zu einem großen Teil den
wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise zuzurech­
nen.243 Viele Menschen suchen infolge der schwierigen
Arbeitsmarktbedingungen in ihrer Heimat nach einer
Erwerbstätigkeit in wirtschaftlich stabilen Regionen
wie Deutschland. Für diesen Zusammenhang spricht
auch, dass die starke Zunahme des Zuzugs aus Süd­

242 Spanien, Portugal, Italien, Griechenland.
243 Siehe dazu Fußnote 249.

europa erst ab 2009 einsetzt. Für Zugezogene aus
Bulgarien und Rumänien dürften in der Mehrzahl auch
wirtschaftliche Motive verantwortlich sein. Dement­
sprechend setzt bereits ab 2007 eine sehr starke Zunah­
me der Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien ein.
Die Zuwanderung aus Ungarn steigt demgegenüber
vergleichsweise kontinuierlich ohne markante Umbrü­
che in der Entwicklung erkennen zu lassen.
Weit mehr als die Hälfte der Zuzüge aus den 28 Mit­
gliedsstaaten der EU (etwa 60 Prozent beziehungsweise
441.000 Personen) kam aus Polen, Rumänien, Bulgarien
oder Ungarn und damit aus einem der jungen EU­Mit­
gliedsländer (Abbildung 57). Auf die Südländer Italien,
Spanien und Griechenland entfallen lediglich etwa

148

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung 57 Zusammensetzung der Zuzüge von Ausländerinnen und Ausländern 2013 nach Herkunftsgebieten
(in Prozent)

Russische	Föderation	21 %

Polen 26 %
übriges
Europa
(-EU) 13 %

Serbien 20 %

Rumänien 18 %
Amerika
4%

Türkei 16 %
Bosnien und Herzegowina
10 %

Bulgarien 8 %
EU 28
65 %

Asien
13 %

Italien 8 %
Spanien 5 %
Griechenland 5 %

Mazedonien 10 %
Übriges Europa
nicht EU
23 %

Ungarn 8 %

Afrika
4%

übrige EU 22 %

Australien und Ozeanien;
Sonstiges*)	1 %
*)	Seeleute	deutscher	Reedereien	ohne	Wohnsitz	in	Deutschland,	unbekanntes	Ausland,	Ungeklärt	und	ohne	Angabe.
Quelle:	Statistisches	Bundesamt;	Vorläufige	Wanderungsergebnisse	2013	(Stand:	22.	Mai	2014);	Darstellung	des	BIBB.

18 Prozent (ca. 127.000 Personen), obwohl diese zusam­
men mit etwa 118 Millionen deutlich mehr Einwohner
zählen als Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn mit
etwa 75 Millionen Einwohnern. Insgesamt kamen im
Jahr 2013 über 50 Prozent aller Zugezogenen mit nicht
deutscher Staatsangehörigkeit aus Polen, Rumänien,
Bulgarien, Ungarn, Italien, Spanien oder Griechenland
(ca. 568.000 Personen).
Mit einem Anteil von etwa 13 Prozent sind die Zuzü­
ge aus den übrigen europäischen Ländern außerhalb
der EU für Deutschland von mittlerer Bedeutung. Sie
liegen auf dem gleichen Niveau wie die Zuzüge aus
dem asiatischen Raum. Amerika, Afrika und Australien/
Ozeanien tragen zusammen 9 Prozent zu den Zuzügen
bei (Abbildung 57).

sie nach Deutschland gekommen sind. Die Mehrzahl der
Zugezogenen ist 18 bis 49 Jahre alt. Ihr Anteil liegt bei den
meisten Herkunftsländern bei etwa 70 bis 80 Prozent. Im
Mittel waren im Jahr 2013 etwa 77 Prozent aller Zugezo­
genen 18 bis 49 Jahre alt. Während unter den Zugezoge­
nen aus Mazedonien und Serbien fast 30 Prozent jünger
als 18 Jahre waren, kamen aus Polen, Rumänien, Ungarn,
Spanien, den übrigen EU­Ländern und der Türkei weni­
ger als 10 Prozent unter 18-Jährige. Der Anteil der über
50­Jährigen ist in der Regel eher klein und über 65­Jähri­
ge kommen lediglich aus der Türkei245 in nennenswertem
Umfang nach Deutschland. Unter den Zugezogenen aus
den für Deutschland besonders bedeutsamen Herkunfts­
ländern Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Italien und
Spanien befanden sich mindestens etwa 80 Prozent 18bis 50­Jährige. Ein sehr großer Teil dieser Zugezogenen
befindet sich demzufolge im erwerbsfähigen Alter.

1.2	Alter	und	Qualifikation	der	Zugezogenen
Wie Abbildung 58 erkennen lässt, gibt es große Un­
terschiede in der Altersstruktur244 der Zugezogenen
entsprechend der jeweiligen Herkunftsgebiete, aus denen

244 Die Einteilung der Altersgruppen orientiert sich an der Fachserie 1
Reihe 1.2 des Statistischen Bundesamtes.

Sowohl die Wanderungsstatistik des Statistischen
Bundesamtes als auch die Daten des Ausländerzen­
tralregisters lassen kaum direkte Rückschlüsse auf die

245		 Unter	den	Zugezogenen	aus	der	Türkei	besaßen	im	Jahr	2013	beson­
ders viele Personen einen Aufenthaltstitel aus familiären Gründen
(vgl.	BAMF	2015a,	S. 35).	Demzufolge	könnte	Familiennachzug	bei	
türkischen	Zugezogenen	von	größerer	Bedeutung	sein.

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

149

Abbildung 58 Zugezogene Ausländerinnen und Ausländer im Jahr 2013 nach Herkunftsländern/-regionen und
Altersgruppen (in Prozent)
Gesamt
AUSTRALIEN/OZEANIEN
ASIEN
AMERIKA
AFRIKA
Bulgarien
Griechenland
Italien
Polen
Portugal
Rumänien
Spanien
Ungarn
Übrige EU-Länder
Bosnien und Herzegowina
Mazedonien
Russische	Föderation
Serbien
Türkei
Übrige nicht EU-Länder
0	%

20	%
unter 18

40	%
18 bis 25

60	%
	 25	bis	50

80	%
	 50	bis	65

100	%
65 und mehr

Quelle:	Statistisches	Bundesamt;	Fachserie	1	Reihe	1.2	(Stand:	5.	März	2014);	Darstellung	des	BIBB.

Qualifikation der zugezogenen Ausländerinnen und
Ausländer zu. Daher ist lediglich eine Abschätzung
möglich, indem zusätzliche Informationen aus dem
Mikrozensus herangezogen werden.246

246 Beim Mikrozensus handelt es sich um eine Stichprobenbefragung.
Daher stellen alle Ergebnisse, die mit Mikrozensusdaten berechnet
werden,	Näherungen	dar.	Somit	lassen	sich	Größenordnungen,	aber	
keine genauen Werte bestimmen. Ähnliche Herangehensweisen sind
bei	Geis	und	Kemeny	2014	sowie	Seibert	und	Wappler	2015	zu	finden.	
Siehe auch Fußnote 247 zur Abgrenzung der Untersuchungsgesamt­
heit.
Im Mikrozensus werden auch Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünf­
ten	befragt.	„Die	Erhebung	erstreckt	sich	auf	die	gesamte	Wohnbevöl­
kerung	in	Deutschland.	Dazu	gehören	alle	Personen	in	Privathaushal­
ten und Gemeinschaftsunterkünften am Haupt- und Nebenwohnsitz.
Nicht	zur	Erhebungsgesamtheit	gehören	Angehörige	ausländischer	
Streitkräfte sowie ausländischer diplomatischer Vertretungen mit ihren
Familienangehörigen.	Personen	ohne	Wohnung	(Obdachlose)	haben	
im Mikrozensus keine Erfassungschance.“ Qualitätsbericht Mikrozensus
2012,	Abschnitt	1.1,	Grundgesamtheit	(https://www.destatis.de/DE/
Publikationen/Qualitaetsberichte/Bevoelkerung/Mikrozensus2012.
pdf?__blob=publicationFile;	Abruf:	6.	Mai	2015).

Im Folgenden werden die Zugewanderten hinsicht­
lich ihrer beruflichen Qualifikation in drei Gruppen
unterteilt: nicht-akademische (mittlere) berufliche Ab­
schlüsse (berufliche Ausbildung), Hochschulabschlüsse
und fehlende berufliche Qualifikation. Abbildung 59
zeigt die Qualifikationsstrukturen der Zugezogenen
aus unterschiedlichen Herkunftsregionen mittels
Mikrozensusberechnungen.247 Demnach differieren
die beruflichen Qualifikationen der 18- bis 49-jährigen
Zugezogenen sehr stark zwischen den verschiedenen
Herkunftsgebieten. In der Regel bringt mehr als die
Hälfte der Zugezogenen dieser Altersgruppe entweder
einen beruflichen Ausbildungsabschluss oder einen

247 Für die Berechnungen wurden ausschließlich Personen berücksich­
tigt,	die	innerhalb	der	letzten	zwölf	Monate	vor	dem	Zeitpunkt	der	
Befragung aus dem Ausland nach Deutschland zugezogen sind. Die
Mikrozensusjahrgänge	2010,	2011	und	2012	wurden	zusammenge­
fasst ausgewertet, sodass die Untersuchungsgesamtheit Zugezogene
der	Jahre	2009	bis	2012	umfasst.

150

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	59	 Zugezogene
	
	18-	bis	49-jährige	Ausländerinnen	und	Ausländer	nach	Herkunft	und	Qualifikation	
(in Prozent)
AFRIKA
AMERIKA
ASIEN
AUSTRALIEN
Bulgarien
Frankreich
Griechenland
Italien
Polen
Rumänien
Russische	Föderation
Serbien
Spanien
Türkei
Ungarn
0	%

20	%

	 	Ausbildungsabschluss	(N	=	696)

40	%
	 Hochschulabschluss	(N	=	1.135)

60	%

80	%

100	%

	 kein	beruflicher	Abschluss	(N	=	1.408)

*Fälle	ohne	Angabe	zum	Berufsabschluss	wurden	ausgeschlossen	(n	=	71).
Untersuchungsgesamtheit:	18-	bis	49-jährige	Ausländerinnen	und	Ausländer,	die	seit	höchstens	einem	Jahr	in	Deutschland	leben.
Quelle:	Mikrozensus	2010,	2011	und	2012;	Berechnungen	und	Darstellung	des	BIBB.

Hochschulabschluss aus dem Ausland mit.248 Ledig­
lich unter den 18­ bis 49­jährigen Zugezogenen aus
Afrika, Bulgarien, Serbien und der Türkei haben zum
Teil deutlich mehr als 50 Prozent keinen beruflich
qualifizierenden Abschluss. Annähernd die Hälfte aller
18­ bis 49­jährigen Zugezogenen aus Polen und Un­
garn besitzt einen beruflichen Ausbildungsabschluss
(nicht­akademische Fachkräfte). Insgesamt besitzen
über 60 Prozent der 18- bis 49-jährigen Zugezogenen
aus diesen Ländern eine berufliche Qualifikation, ent­
weder durch einen nicht-akademischen beruflichen
Ausbildungsabschluss oder durch einen Hochschulab­
schluss. Unter den wichtigsten fünf Herkunftsländern
(Polen, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Italien)
bildet lediglich Bulgarien die Ausnahme, dass nur
etwa 40 Prozent der 18- bis 49-jährigen Zugezogenen
beruflich qualifiziert sind. Insgesamt kommen aus den

248		 Unter	den	jüngeren	Zugewanderten	(18-	bis	24-Jährige)	ohne	jeg-	
lichen	beruflichen	Abschluss	befinden	sich	vermutlich	viele	ausländi­
sche	Studierende	an	deutschen	Universitäten	(vgl.	SVR	2014b,	S. 63		ff.	
und S. 85 ff.).

wichtigsten Herkunftsländern überdurchschnittlich
viele Personen mit einem nicht­akademischen beruf­
lichen Ausbildungsabschluss (insbesondere aus Polen,
Rumänien und Ungarn) nach Deutschland. Aber auch
aus anderen Ländern wie Griechenland, Mazedonien,
der Russischen Föderation oder Serbien kommen an­
teilig viele Menschen mit einem nicht­akademischen
beruflichen Ausbildungsabschluss.
Wenn demgegenüber 25­ bis 64­jährige Zugewanderte
in den Blick genommen werden (ohne Abbildung), sind
etwa zwei Drittel der Zugewanderten entweder durch
eine nicht-akademische berufliche Ausbildung oder
durch einen Hochschulabschluss beruflich qualifiziert
(vgl. Seibert und Wappler 2015 sowie Liebau und Romi­
ti 2014). Die beiden Analysen kommen, trotz unter­
schiedlicher Datengrundlagen, zu einem annähernd
gleichen Ergebnis. Demzufolge haben die Zugezogenen
in dieser Altersgruppe zu mehr als einem Viertel eine
nicht-akademische berufliche Ausbildung und etwa
40 Prozent besitzen einen Hochschulabschluss. Nur

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

etwa ein Drittel bringt keine berufliche Qualifikation
aus dem Ausland mit.

1.3 Fazit
Die Gesamtentwicklung der Zuwanderung nach
Deutschland wurde ab etwa 2007 sehr stark von wenigen
wichtigen Herkunftsländern dominiert (Abbildung 55
bis Abbildung 57). Dazu zählen neben Polen als quanti­
tativ bedeutendstem Herkunftsland vor allem Rumäni­
en, Bulgarien, Ungarn, Spanien, Italien und Griechen­
land. Diese Herkunftsländer haben im Jahr 2013 mehr
als die Hälfte zur gesamten Zuwanderung von Auslän­
derinnen und Ausländern nach Deutschland beigetra­
gen – mit bislang steigender Tendenz.
 Fast 80 Prozent der 2013 nach Deutschland zugezo­
genen Ausländerinnen und Ausländer waren 18 bis
49 Jahre alt.
	 Die Zahl der Zugezogenen mit einem beruflichen
Ausbildungsabschluss (nicht­akademische Fach­
kräfte) ist in den vergangenen Jahren infolge der
gestiegenen Zuwanderung aus Polen, Rumänien,
Bulgarien, Ungarn und Griechenland deutlich
angewachsen.
	 Unter der Voraussetzung, dass die Zuzüge aus diesen
Ländern weiterhin auf hohem Niveau verbleiben249,
wird voraussichtlich auch die Zahl der Zuwande­
rung nicht­akademischer Fachkräfte auf hohem
Niveau bleiben.
	 Aus Spanien, Italien und den übrigen EU­Ländern
kommen ebenfalls viele beruflich qualifizierte
Menschen mit einem Hochschulabschluss nach
Deutschland. Nicht­akademische Fachkräfte sind
unter Zugezogenen aus diesen Herkunftsländern
seltener vertreten.
	 Von den 18­ bis 49­jährigen Zugezogenen sind
insgesamt mehr als 20 Prozent nicht-akademische
Fachkräfte mit einem Abschluss aus dem Ausland.
Etwa 35 Prozent besitzen einen ausländischen
Hochschulabschluss. Somit sind in dieser beson­
ders großen Altersgruppe über 55 Prozent bereits
beruflich qualifiziert, wenn sie nach Deutschland
kommen.

249		 Brenke	und	Neubecker	(2013)	halten	aufgrund	der	wirtschaftlichen	
Schwierigkeiten in den südeuropäischen Ländern eine Veränderung der Zuwanderungszahlen aus Rumänien und Bulgarien unter
anderem nach Deutschland für wahrscheinlich. Siehe dazu auch SVR
2014b,	S. 66.

151

In den Jahren ab 2009 ist die Zuwanderung nach
Deutschland stark gestiegen und hat sich bis 2013 na­
hezu verdoppelt. Wichtige Impulse für die Entwicklung
sind im Wohlstandsgefälle zwischen Deutschland und
den jeweiligen Herkunftsstaaten zu suchen. Aus den
Ländern Südeuropas kommen immer mehr Menschen
nach Deutschland, um der prekären Situation in ihren
Heimatländern infolge der Finanzkrise auszuweichen
(vgl. Duschl, Kraußlach und Pfeffer-Hoffmann o. J.).
Die Zuwanderung aus den osteuropäischen Ländern
hat hingegen bereits vor der Finanzkrise eingesetzt
und ist eher durch ein generelles Wohlstandsgefälle
bedingt. Trotz der enormen Verschiebung der Wande­
rungsbewegungen hat sich wenig daran geändert, dass
deutlich mehr als die Hälfte der 18­ bis 49­jährigen
Zugezogenen eine berufliche Qualifikation aus dem
Ausland mitbringt. Als Folge der raschen Zunahme der
Zuwanderung insgesamt hat sich die Zahl beruflich
qualifizierter Zugezogener im Alter von 18 bis 49 Jahren
von etwa 300.000 im Jahr 2010 auf etwa 500.000 im Jahr
2013 erhöht.250

250 Hierbei handelt es sich um Näherungswerte, die auf den Schätzungen	der	Qualifikationsstruktur	der	Zugewanderten	mit	Mikrozensus­
daten (siehe Fußnoten 246 und 247) und der Wanderungsstatistik
des	Statistischen	Bundesamtes	beruhen.	Somit	können	Größenord­
nungen angegeben werden und keine genauen Werte.

152

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

2. Beratung zum Thema Anerkennung durch die Jobcenter 

und Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer


Zielgruppe

Information &
Beratung

Das Wichtigste in Kürze:
	 Bei der Beratung zum Thema Anerkennung wird

die Vermittlung in Deutsch­ beziehungsweise
Integrationskurse sowohl von den Jobcentern als
auch den MBE als häufigster Schritt genannt. Bei
den Jobcentern folgt der Verweis an Beratungsein­
richtungen zum Thema Anerkennung (an zweiter
Stelle) sowie die Prüfung der Erfolgsaussichten
der Arbeitsmarktintegration mit beziehungswei­
se ohne Anerkennung (an dritter Stelle). Bei den
MBE folgt die Ermittlung der zuständigen Stelle
(an zweiter Stelle) sowie die Unterstützung bei der
Zusammenstellung der nötigen Unterlagen (an
dritter Stelle).
	 Nach Einschätzung eines Großteils der Beraten­
den beider Einrichtungen ist es ihren Kundinnen
und Kunden mit ausländischem Abschluss wich­
tig, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten.
	 Selbst in den nicht reglementierten Berufen ist es
aus Sicht von drei Viertel der MBE und der Hälfte
der Jobcenter nicht einfach, die Kundinnen und
Kunden auch ohne Anerkennung in eine Erwerbs­
tätigkeit zu vermitteln – obwohl die Anerkennung
keine zwingende Voraussetzung dafür ist.
	 Der Ausgang des Anerkennungsverfahrens ist
für zwei Drittel der Jobcenter und für die Hälfte
der MBE in den meisten Fällen nicht vorherseh­
bar. Die Befragten beider Einrichtungen nehmen
die IQ­Beratungsstellen als „spezialisierte Kompe­
tenzzentren“ für das Thema Anerkennung wahr,
insbesondere was die Prognose eines möglichen
Verfahrensausgangs angeht, und holen sich dort
im Bedarfsfall Rat ein.
	 Ein Großteil der Beratenden beider Einrichtun­
gen konnte bereits Erfahrungen mit Personen

Verfahren

ggf. Anpassungsqualifizierung

Nutzung
für den Beruf

sammeln, die mit ihren Anerkennungsbeschei­
den bei ihnen waren. Die Bescheide sind für die
Antragstellenden nicht leicht lesbar, so die über­
einstimmende Einschätzung der Mehrheit der
Beratenden beider Einrichtungen (bei der Frage
wurde nicht nach reglementierten und nicht
reglementierten Berufen unterschieden).
	 Im reglementierten Bereich bescheinigen jedoch
die meisten Beratenden den Bescheiden, die Art
der Ausgleichsmaßnahme zu benennen – eine
Angabe, die das Gesetz auch vorsieht.
	 Auch bei den Bescheiden über teilweise Gleich­
wertigkeit oder mit Auflagen ergibt sich ein
tendenziell – wenn auch nicht durchgehend –
positives Bild hinsichtlich der folgenden Aussa­
gen: Wesentliche Unterschiede werden präzise
dargestellt, der Qualifizierungsbedarf und die
nächsten notwendigen Schritte lassen sich aus
den Bescheiden gut ableiten. Allerdings fällt der
Grad der Zustimmung der Beratenden insgesamt
deutlich niedriger als bei der Aussage zur Aus­
gleichsmaßnahme aus.
	 In MBE und Jobcentern sieht jeweils rund die
Hälfte der Befragten oder mehr Unterstüt­
zungsbedarf im Bereich Wissensmanagement,
Schulung zum Thema Anerkennung und
Vernetzung mit anderen Akteuren. Während bei
den Jobcentern vor allem Bedarf hinsichtlich
aufenthaltsrechtlicher Fragen besteht, nennen
die MBE zudem Unterstützungsbedarf bei der
Recherche zu bestimmten Berufen. Darüber
hinaus äußern Beratende beider Einrichtungen
in den Interviews Bedarf an berufsbezogener
Sprachförderung sowie an mehr Förderung von
Qualifizierungsmaßnahmen.

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

In dieser Detailstudie wird anhand der Ergebnisse
der empirischen Untersuchungen dargestellt, wie die
Beratung zum Thema Anerkennung bei den Jobcen­
tern und Beratungsstellen der Migrationsberatung für
erwachsene Zuwanderer (MBE) abläuft und zu welchen
Einschätzungen die Beratenden gelangen. Jobcenter
informieren zum Thema Anerkennung, schätzen die
Arbeitsmarktchancen ein, informieren über Qualifizie­
rungen und vermitteln Kundinnen und Kunden in den
Arbeitsmarkt. Besteht die Notwendigkeit einer indivi­
duellen Verfahrensbegleitung, verweisen sie gegebenen­
falls an eine Beratungsstelle. MBE informieren unter
anderem zum Thema Anerkennung und bieten sowohl
Unterstützung während des Anerkennungsverfahrens
als auch danach an.

2.1 Jobcenter
Wie bereits im ersten Bericht zum Anerkennungsge­
setz dargestellt (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 29), führen die
Agenturen für Arbeit und die Jobcenter Arbeitsmarkt­
beratungen mit Bezug zur Anerkennung der auslän­
dischen Berufsqualifikation durch. Dabei gehen die
Beraterinnen und Berater nach dem 4­Phasen­Modell
der Integrationsarbeit vor: Kompetenzen analysieren,
Integrationsziel festlegen, Strategie auswählen sowie
Konzept umsetzen und nachhalten (ebenda).
Von Februar bis April 2014 hat das BIBB­Anerken­
nungsmonitoring Interviews mit Beratenden von
Jobcentern geführt. Von August bis September 2014
wurde die quantitative Befragung durchgeführt (vgl.
Datensatzbeschreibung im Anhang A2).
Die Jobcenter sollten verschiedene Aussagen zur Bera­
tung mit Bezug zum Thema Anerkennung einschätzen.
71 Prozent stimmen der Aussage zu, dass es den Perso­
nen mit ausländischem Abschluss in der Regel wichtig
ist, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten.251 Jeweils
etwas mehr als die Hälfte der befragten Jobcenter lehnt
die beiden Aussagen zur Vermittlung der Kundinnen
und Kunden ohne Anerkennung ab: „Im nicht reg­
lementierten Bereich ist es häufig einfach, die Kun­

251		 n	=	137.	44	Jobcenter	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	
gemacht.	Die	Antwortmöglichkeiten	„stimme	voll	zu“	und	„stimme	
eher zu“ wurden zur Kategorie „Zustimmung“ zusammengefasst,
die	Möglichkeiten	„stimme	eher	nicht	zu“	und	„stimme	nicht	zu“	zur	
Kategorie „Ablehnung“.

153

dinnen und Kunden auch ohne Anerkennung in eine
Erwerbstätigkeit zu vermitteln“ (51 Prozent252) und „In
Mangelberufen aus dem reglementierten Bereich ist es
häufig einfach, die Kundinnen und Kunden auch ohne
Anerkennung in eine Erwerbstätigkeit zu vermitteln,
die dann aber nicht ihrem erlernten Beruf entspricht“
(59 Prozent253). Die Aussage, dass der Ausgang des Aner­
kennungsverfahrens in den meisten Fällen vorherseh­
bar ist, lehnen 66 Prozent254 der befragten Jobcenter ab.
Aus den Interviews geht hervor, dass sich die Jobcenter
bei den IQ­Beratungsstellen oder den zuständigen Stel­
len eine Prognose über den voraussichtlichen Ausgang
eines Anerkennungsverfahrens einholen.
Diese Ergebnisse passen zu einem Dilemma, das zum
Teil in den Interviews geschildert wurde: Für die Be­
raterinnen und Berater stellt sich die Frage, ob sie ihre
Kundinnen und Kunden mit im Ausland erworbenen
Berufsqualifikationen direkt, also ohne Anerkennung,
in den Arbeitsmarkt vermitteln, gegebenenfalls in eine
nicht ausbildungsadäquate Stelle (erste Variante), oder
ein Anerkennungsverfahren in die Wege leiten (zwei­
te Variante). Die erste Variante sei gegenüber einem
Anerkennungsverfahren schneller und kostengünstiger.
Allerdings entspreche diese Variante nicht zwangsläu­
fig den Vorstellungen oder Wünschen der Kundinnen
und Kunden. Da das Vermittlungsbudget begrenzt
ist, benötigen die Vermittlerinnen und Vermittler für
die Bewilligung eines Anerkennungsverfahrens eine
Einschätzung über den voraussichtlichen Ausgang des
Verfahrens (siehe oben) sowie die voraussichtlichen
Kosten. Bei Personen im Leistungsbezug können sich
aus einem finanzierten Anerkennungsverfahren Folge­
kosten ergeben, zum Beispiel wenn das Verfahren mit
einer teilweisen Gleichwertigkeit ausgeht. Die Kosten
für eine entsprechende Anpassungsqualifizierung müss­
ten dann ebenfalls übernommen werden. Auch wenn
bei einem Anerkennungsverfahren die Vermittlung in
den Arbeitsmarkt erst später erfolgt, sei diese zweite
Variante für die Kundinnen und Kunden zufriedenstel­
lender und der Verbleib im Arbeitsmarkt aufgrund einer
qualifikationsadäquaten Beschäftigung langfristiger.

252	 n	=	134.	47	Jobcenter	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	ge­
macht.
253	 n	=	128.	53	Jobcenter	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	ge­
macht.
254	 n	=	124.	57	Jobcenter	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	ge­
macht.

154

Da zum einen das Potenzial von zugewanderten Men­
schen genutzt, zum anderen aber Hilfebedürftigkeit
beendet werden soll, wünschen sich die interviewten
Vermittlerinnen und Vermittler eine Klarstellung
vonseiten des Gesetzgebers oder des BMAS, wie
gehandelt werden soll. So solle ein Anerkennungsver­
fahren und dadurch eine spätere Vermittlung in den
Arbeitsmarkt nicht als Minderleistung des Jobcenters
gewertet werden.

2.1.1 Informationsstand zum Thema Anerkennung
und Nutzung von Informationsangeboten
Die Beratenden der Jobcenter sollten angeben, auf
welchem Weg sie sich über das Anerkennungsgesetz
und die damit zusammenhängenden Möglichkeiten in­
formiert haben.255 Von den Beratenden, die diese Frage
beantwortet haben, wurden den meisten (85 Prozent)
Informationsmaterialien zur Verfügung gestellt256 oder
sie haben selbst zum Thema Anerkennung recherchiert
(68 Prozent). 48 Prozent haben an einer Schulung des
IQ-Netzwerks teilgenommen. Ein Drittel (34 Prozent)
gibt an, dass langjährige Erfahrung beziehungswei­
se Routine bei der Beratung im Bereich berufliche
Anerkennung besteht. Eine interne Schulung haben
21 Prozent besucht.
Zudem wurden die Beratenden gefragt, ob sie verschie­
dene Informationsangebote zum Thema Anerkennung
(siehe auch II­2.2 und III­1) kennen beziehungsweise
wie häufig sie diese nutzen. Die Beratenden geben an,
dass sie von den Informationsangeboten immer bis
eher häufig auf die Datenbank BERUFENET257 (90 Pro­
zent) und das Portal „Anerkennung in Deutschland
(55 Prozent) zugreifen.258

255	 Mehrfachantworten	möglich.	Von	181	befragten	Jobcentern	haben	
136	Jobcenter	(n)	die	Frage	beantwortet.	45 Jobcenter	haben	keine	
Angabe gemacht.
256 Es wurde nicht abgefragt, wer diese Informationsmaterialien zur
Verfügung gestellt hat.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

2.1.2 Bestandteile der Beratung zum Thema
Anerkennung
Bei der Befragung sollten die Jobcenter einschätzen,
ob verschiedene Beratungsschritte Bestandteil der
Beratung von Kundinnen und Kunden mit im Ausland
erworbenen Berufsqualifikationen sind und wenn
ja wie häufig. Im Folgenden werden die abgefragten
Beratungsschritte nach abnehmender Häufigkeit der
Nennungen beschrieben (vgl. Abbildung 60).
Bei der Beratung zum Thema Anerkennung ist der
Verweis an Beratungseinrichtungen zum Thema An­
erkennung mit 93 Prozent der zweithäufigst genannte
Bestandteil. Aus den Interviews, aber auch aus den
offenen Angaben bei der quantitativen Befragung wird
ersichtlich, dass Jobcenter mit den IQ­Beratungsstellen
kooperieren beziehungsweise beim Thema Anerken­
nung an diese verweisen.
Laut HEGA 03/2012–17259 sollen die Vermittlerinnen
und Vermittler bei der arbeitsmarktbezogenen Bera­
tung eine Einschätzung der ausbildungsadäquaten
Integrationschancen – mit und ohne Anerkennung –
vornehmen. Der Großteil der befragten Jobcenter gibt
an, dass diese Prüfung der Integrationschancen mit
Anerkennung (87 Prozent) beziehungsweise ohne An­
erkennung (86 Prozent) immer bis eher häufig Bestand­
teil der Beratung zum Thema Anerkennung ist. Die
HEGA 03/2012–17 sieht außerdem die Ermittlung der
für die Anerkennung zuständigen Stelle im Rahmen
der arbeitsmarktbezogenen Beratung vor. Tatsächlich
geben 80 Prozent der befragten Jobcenter an, dass
dieser Schritt immer bis eher häufig Bestandteil der
Beratung zum Thema Anerkennung ist. Für den Ver­
weis an die zuständige Stelle kann eine Identifizierung
(Vorklärung) des möglichen deutschen Referenzberufs
notwendig sein (vgl. HEGA 03/2012–17). 69 Prozent der
befragten Jobcenter nennen die Recherche zum mög­
lichen deutschen Referenzberuf immer bis eher häufig
als Bestandteil der Beratung zum Thema Anerkennung.

257 BERUFENET beinhaltet zwar keine konkreten Informationen
zum	Thema	Anerkennung,	umfasst	jedoch	ca.	3.200	aktuel­
le	und	weitere	ca.	4.800	archivierte	Berufsbeschreibungen	
(vgl. http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/hilfeDetail.
do?product=BERUFENET&name=bn_was_ist&version=1.9.5,	Abruf:	
18. März	2015).
258	 n	=	jeweils	140.	Jeweils	41	Jobcenter	haben	zu	diesen	beiden	
Informationsangeboten	keine	Angabe	gemacht.	Die	Antwortmög­
lichkeiten	„immer“,	„häufig“	und	„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	
„immer	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	
selten“, „selten“ und „nie“ zur Kategorie „eher selten bis nie“.

259 Vgl. http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Veroeffentli­
chungen/Weisungen/Arbeitgeber/Detail/index.htm?dfContentId=L
6019022DSTBAI431814	(Abruf:	18. März	2015).

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

155

	
	Einschätzung	der	Häufigkeit	der	Beratungsbestandteile	zum	Thema	Anerkennung	
Abbildung	60	 Jobcenter:
(in Prozent)
96 %

Vermittlung in Deutsch-/Integrationskurse
Verweis an Beratungseinrichtungen
zum Thema Anerkennung

93 %

Prüfung: Erfolgsaussichten Arbeitsmarktintegration
mit Anerkennung

87 %

Prüfung: Erfolgsaussichten Arbeitsmarktintegration
ohne Anerkennung

86 %

Ermittlung der zuständigen Stelle

80	%

Empfehlung und/oder Vermittlung
von	Weiterqualifizierungen

77 %

Recherche	zum	möglichen	deutschen	
Referenzberuf

69 %

Entscheidung über Finanzierung

65 %

Sammlung aller Unterlagen

64 %
59 %

Beratung	zu	alternativen	Möglichkeiten
Erläuterung des Bescheids gegenüber
den Kundinnen/Kunden

44 %
39 %

Berechnung der Verfahrenskosten
Gemeinsames Ausfüllen des Antrags
mit Kundinnen/Kunden

33 %
32 %

Recherche zum Ausbildungssystem/-staat

0	%

50	%

100	%

	 immer	bis	eher	häufig
Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	Jobcenter;	n	=	jeweils	135;	46	Jobcenter	haben	zu	allen	Bestandteilen	der	Beratung	keine	Angabe	gemacht.	
Die	Antwortmöglichkeiten	„immer“,	„häufig“	und	„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	„immer	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	
„eher selten“, „selten“ und „nie“ zur Kategorie „eher selten bis nie“ (in der Abbildung nicht dargestellt).

Die Entscheidung über die Finanzierung eines An­
erkennungsverfahrens ist für 65 Prozent der befrag­
ten Jobcenter immer bis eher häufig Bestandteil der
Beratung zum Thema Anerkennung (mehr dazu siehe
III-5.3.1). Für 59 Prozent der befragten Jobcenter ist die
Beratung zu alternativen Möglichkeiten (siehe dazu
vor allem IV­3.4) anstelle einer Gleichwertigkeitsprü­
fung immer bis eher häufig Bestandteil der Beratung
zum Thema Anerkennung.

Die Berechnung der Verfahrenskosten (siehe dazu
auch III-5.3.1) geben 39 Prozent der befragten Jobcen­
ter immer bis eher häufig als Bestandteil der Beratung
zum Thema Anerkennung an. In den Interviews wer­
den konkretere Informationen über die anfallenden
Gebühren – insbesondere im Kammerbereich – als
Unterstützungsbedarf formuliert (vgl. IV­2.1.5). Zur
Nutzung von Finanzierungsmöglichkeiten durch die
befragten Jobcenter siehe III­5.3.1.

156

2.1.3 Sprache in der Beratung
80 Prozent260 der befragten Jobcenter stimmen der
Aussage „Die Beratung mit Bezug zum Thema Aner­
kennungsgesetz kann ich in der Regel auf Deutsch
führen“ zu. Die Einschätzungen der interviewten
Beratenden zum Thema Sprache in der Beratung gehen
auseinander: Ein Teil der Interviewten berichtet, dass
die Beratung problemlos geführt werden könne; bei
Sprachproblemen bringen die Kundinnen und Kunden
Personen (beispielweise Verwandte oder Bekannte) zur
Beratung mit, die dolmetschen. Der andere Teil der
Interviewten berichtet, dass die Beratung sich aufgrund
der Sprache schwierig gestalte. Dann würden entweder
Personen, die sich selbst noch im Sprachkurs befinden
beziehungsweise diesen gerade abgeschlossen haben,
Kolleginnen und Kollegen mit Fremdsprachenkennt­
nissen oder ehrenamtliche Sprachmittler hinzugezo­
gen. Der zweiten Aussage zum Thema Sprache „Meine
Empfehlung für oder gegen ein Anerkennungsver­
fahren hängt auch von den Deutschkenntnissen der
Anerkennungsinteressierten ab“ stimmen 62 Prozent261
der befragten Jobcenter zu.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Sehr positiv ist, dass für 94 Prozent265 der befragten
Jobcenter die Aussage bei den reglementierten Berufen
zutrifft „Der Bescheid benennt die Art der Ausgleichs­
maßnahme (Anpassungslehrgang, Eignungsprüfung,
Kenntnisprüfung)“. Der Großteil (85 Prozent) gibt an,
sehr häufig bis eher häufig dringend dazu zu raten,
diese Ausgleichsmaßnahme zu machen und an die ent­
sprechende Einrichtung zu verweisen.266 Auch die drei
Aussagen zu Bescheiden mit Auflage einer Ausgleichs­
maßnahme oder mit einer teilweisen Gleichwertigkeit
werden von der Mehrheit der befragten Jobcenter
positiv bewertet: Wesentliche Unterschiede werden
präzise dargestellt (63 Prozent267), Qualifizierungsbedarf
(66 Prozent268) und die nächsten notwendigen Schritte
(72 Prozent269) lassen sich aus den Bescheiden gut ablei­
ten. Das weitere Vorgehen der Jobcenter bei Personen
mit einem Bescheid über eine teilweise Gleichwertig­
keit wird in III­4.1.3 dargestellt.

Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes haben
74 Prozent262 der befragten Beratenden Erfahrungen
mit Personen sammeln können, die mit ihren Be­
scheiden bei ihnen waren. Die beiden Aussagen zu den
Bescheiden insgesamt werden von den Beratenden
unterschiedlich eingeschätzt: 59 Prozent geben an, dass
die Aussage „Die Bescheide sind für die Antragstellen­
den leicht lesbar“ nicht zutrifft.263 Hingegen trifft für
53 Prozent die Aussage „Die Bescheide entsprechen
optisch den Vorstellungen der Antragstellenden“264 zu.

Zum Thema Verbleib geht aus den Interviews mit den
Beratenden der Jobcenter Folgendes hervor: Wird den
Kundinnen und Kunden ein Anerkennungsverfahren
finanziert, müssen sie den Gebührenbescheid zu­
sammen mit dem Gleichwertigkeitsbescheid vorle­
gen. In diesem Fall wissen die Vermittlerinnen und
Vermittler, wie das Verfahren ausgegangen ist. Wenn
die Kundinnen und Kunden anschließend in einen
anderen Fachdienst innerhalb der Arbeitsverwaltung
verwiesen werden (zum Beispiel in die Akademiker­
vermittlung) oder der Anspruch auf Leistungen durch
die BA wegfällt (beispielweise weil die Kundin oder
der Kunde eine Arbeitsstelle gefunden hat), haben die
Beratenden meist keine Informationen mehr über ihre
(ehemaligen) Kundinnen und Kunden. Dies liegt auch
daran, dass die Vermittlerinnen und Vermittler wenig
direkten Kontakt zu Arbeitgebern haben, denn diese
laufen über den Arbeitgeberservice der BA.

260	 n	=	137.	44	Jobcenter	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	gemacht.

265		 n	=	72.	109	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.

2.1.4 Einschätzungen zu Bescheiden und
zum Verbleib der Kundinnen und Kunden

261	 n	=	135.	46	Jobcenter	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	gemacht.
262	 n	=	133.	48	Jobcenter	haben	zu	dieser	Frage	keine	Angabe	gemacht.
263	 n	=	78.	103	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe	gemacht.	Die	Antwortmöglichkeiten	„trifft	voll	zu“	und	
„trifft eher zu“ wurden zur Kategorie „trifft zu“ zusammengefasst,
die	Möglichkeiten	„trifft	eher	nicht	zu“	und	„trifft	nicht	zu“	zur	
Kategorie „trifft nicht zu“.
264 Im Vergleich zu anderen Dokumenten wie beispielsweise einem
Prüfungszeugnis bei Abschluss einer dualen Ausbildung oder einer
Diplomurkunde.	n	=	58.	123	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geant­
wortet oder keine Angabe gemacht.

266	 n	=	68.	26	Jobcenter	haben	mit	„trifft	nicht	zu“	geantwortet.	87		Job­
center	haben	keine	Angabe	gemacht.	Die	Antwortmöglichkeiten	
„sehr	häufig“,	„häufig“	und	„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	„sehr	
häufig	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	
selten“, „selten“ und „nie“ zur Kategorie „eher selten bis nie“.
267	 n	=	73.	108	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
268	 n	=	77.	104	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
269	 n	=	79.	102	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

2.1.5 Unterstützungsbedarf
Abschließend sollten die befragten Jobcenter ein­
schätzen, ob sie Unterstützungsbedarf hinsichtlich der
Rahmenbedingungen für die Beratung zum Thema
Anerkennung sehen.270 Von den Beratenden, die
diese Frage beantwortet haben, wurde am häufigsten
Unterstützungs­ beziehungsweise Schulungsbedarf zu
aufenthaltsrechtlichen Fragen mit 72 Prozent genannt.
Da die Beratenden der MBE aufgrund ihres Aufgaben­
bereichs über vertieftes Wissen zum Thema Aufenthalt
verfügen, wäre es sinnvoll, dass die Beratenden der Job­
center bei aufenthaltsrechtlichen Fragen seitens ihrer
Kundinnen und Kunden an die MBE verweisen. Etwa
die Hälfte sieht Schulungsbedarf zum Thema Anerken­
nung (55 Prozent), Unterstützung im Wissensmanage­
ment (51 Prozent) und bei der Vernetzung mit anderen
Akteuren (48 Prozent). 35 Prozent benötigen Unterstüt­
zung bei der Recherche zu bestimmten Berufen.
In den Interviews werden vielfältige Unterstützungsbe­
darfe – für die Beratenden selbst, für die Anerkennungs­
interessierten, aber auch für andere Akteure – geschil­
dert:
	 Größeres Budget für Qualifizierungsmaßnahmen
sowie finanzielle Unterstützung der Personen bei
Qualifikationsanalysen, beispielsweise durch Betrie­
be oder Förderinstrumente;
	 Berufsbezogene Sprachförderung für Personen;
	 Transparentere Gestaltung der Gebühren für ein
Anerkennungsverfahren sowohl für die Jobcenter
selbst als auch für die Anerkennungsinteressierten;
	 Der Datenschutz ist unter anderem ein Grund, wa­
rum Jobcenter – aber auch andere Akteure – wenig
oder gar keine Informationen über den Verbleib der
Personen haben. Um den Akteuren den Austausch
zu erleichtern, besteht demnach noch Handlungs­
bedarf. Zum Teil können Personen bereits eine
Einwilligungserklärung ausfüllen, dass ihre Daten
von der IQ­Beratungsstelle ans Jobcenter übermit­
telt werden.

157

2.2 Migrationsberatung für erwachsene
Zuwanderer
Die MBE beraten Zuwanderinnen und Zuwanderer
über 27 Jahre. Dabei gehen sie nach der Methode des
Case Managements vor, das heißt, sie gewährleisten
eine systematische Integrationsbegleitung (siehe auch
II­2.2).
Das BIBB­Anerkennungsmonitoring hat im März
2014 Interviews mit Beratenden der MBE geführt. Die
quantitative Befragung wurde von August bis Septem­
ber 2014 durchgeführt (vgl. Datensatzbeschreibung im
Anhang A2).271
78 Prozent272 der befragten MBE stimmen der Aussage
zu, dass es den Personen mit ausländischem Abschluss
in der Regel wichtig ist, in ihrem erlernten Beruf zu ar­
beiten. Die Aussage „Im nicht reglementierten Bereich
ist es häufig einfach für die Personen mit ausländi­
schem Abschluss auch ohne Anerkennung in eine der
Ausbildung entsprechende Erwerbstätigkeit zu gelan­
gen“ lehnen hingegen 75 Prozent273 ab. Bei der Aussage
„Der Ausgang des Anerkennungsverfahrens ist in den
meisten Fällen vorhersehbar“ gehen die Einschät­
zungen der befragten MBE auseinander: 48 Prozent
stimmen dieser Aussage zu, 52 Prozent lehnen sie ab.274
Aus den Interviews geht hervor, dass sich die MBE –
ebenso wie die Jobcenter – bei den IQ­Beratungsstellen
oder den zuständigen Stellen eine Prognose über den
voraussichtlichen Ausgang eines Anerkennungsverfah­
rens einholen.

2.2.1 Informationsstand zum Thema Anerkennung
und Nutzung von Informationsangeboten
Auch die Beraterinnen und Berater der MBE wurden
gefragt, auf welche Weise sie sich über das Anerken­
nungsgesetz und die damit zusammenhängenden

271	 Die	Stellen	des	JMD	wurden	nicht	befragt,	da	angenommen	wurde,	
dass	das	Thema	Anerkennung	bei	Personen	unter	27	Jahren	eine	
geringe Rolle spielt (zum Beispiel weil diese Personen sich noch in
der	Ausbildung	beziehungsweise	im	Studium	befinden).
270	 Mehrfachantworten	möglich.	Von	181	befragten	Jobcentern	haben	
103	Jobcenter	(n)	einen	oder	mehrere	Unterstützungsbedarfe	
genannt.	78	Jobcenter	haben	keine	Angabe	gemacht.

272	 n	=	202.	46	MBE	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	gemacht.
273	 n	=	195.	53	MBE	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	gemacht.
274	 n	=	200.	48	MBE	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	gemacht.

158

Möglichkeiten informiert haben.275 87 Prozent derjeni­
gen, die diese Frage beantwortet haben, wurden Infor­
mationsmaterialien zur Verfügung gestellt276, 81 Pro­
zent haben selbst recherchiert. Etwas mehr als die
Hälfte (57 Prozent) gibt an, über langjährige Erfahrung
beziehungsweise Routine bei der Beratung im Bereich
berufliche Anerkennung zu verfügen. Eine Schulung
zur beruflichen Anerkennung des IQ-Netzwerks haben
53 Prozent besucht (zum Thema Vernetzung der Akteu­
re siehe II-2.3) und 39 Prozent eine interne Schulung.
Die Beratenden der MBE geben an, dass sie als Informa­
tionsangebote zum Thema Anerkennung das Portal „An­
erkennung in Deutschland“ (75 Prozent), die Datenbank
anabin (64 Prozent) und die Datenbank BERUFENET
(45 Prozent) immer bis eher häufig nutzen.277

2.2.2 Bestandteile der Beratung zum Thema
Anerkennung
Im Folgenden werden die abgefragten Beratungs­
schritte nach abnehmender Häufigkeit der Nennungen
beschrieben (vgl. Abbildung 61).
94 Prozent der befragten MBE nennen die Vermittlung
von Kundinnen und Kunden in Deutsch- beziehungs­
weise Integrationskurse bei nicht ausreichenden
Deutschkenntnissen immer bis eher häufig als Bestand­
teil der Beratung zum Thema Anerkennung. Die hohe
Bedeutung dieses Schritts ist darauf zurückzuführen,
dass sich die Beratungsleistungen der MBE vor allem an
Neu­Zugewanderte richten, bei denen der Erwerb der
deutschen Sprache eine zentrale Rolle spielt. In den In­
terviews wurde dazu jedoch folgendes Problem beschrie­
ben: Das BAMF finanziert nur Kurse bis zum Sprachni­
veau B1, für die Tätigkeit im gelernten Beruf sei meist
jedoch Sprachniveau B2 oder die Absolvierung eines
berufsbezogenen Sprachkurses erforderlich (vgl. III­5).
Für 92 Prozent der befragten MBE ist die Ermittlung
der zuständigen Stelle immer bis eher häufig Bestand­
teil der Beratung zum Thema Anerkennung. Aus den
275	 Mehrfachantworten	möglich.	Von	248	befragten	MBE	haben	200	
MBE (n) die Frage beantwortet. 48 MBE haben keine Angabe ge­
macht.
276 Es wurde nicht abgefragt, wer diese Informationsmaterialien zur
Verfügung gestellt hat.
277	 n	=	jeweils	205.	Jeweils	43	MBE	haben	zu	diesen	drei	Informations­
angeboten keine Angabe gemacht.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Interviews kommt der Hinweis, dass an Beratungs­
stellen des IQ­Netzwerkes verwiesen wird, wenn die
zuständige Stelle unklar ist. 89 Prozent der befragten
MBE geben an, dass die Unterstützung bei der Zusam­
menstellung der nötigen Unterlagen, die Auskunft ge­
ben über die Ausbildung, weitere Qualifikationen und
Berufserfahrung etc., immer bis eher häufig Bestandteil
der Beratung ist.
Der Verweis an Beratungseinrichtungen zum Thema
Anerkennung ist für 74 Prozent der befragten Stellen
der MBE immer bis eher häufig Bestandteil der Beratung
zum Thema Anerkennung. Aus den Interviews, aber
auch aus den offenen Angaben bei der quantitativen
Befragung wird ersichtlich, dass die Stellen der MBE die
IQ­Beratungsstellen als „spezialisiert“ beziehungsweise
„Kompetenzzentren“ für das Thema Anerkennung an­
sehen. Da das Thema berufliche Integration beziehungs­
weise Anerkennung lediglich ein Thema unter vielen
anderen (wie beispielsweise Aufenthaltsrecht, soziale
Sicherung, Integrationskurse, familiäre Situation) beim
Case Management ist, empfinden die befragten Stellen
der MBE einen Verweis an IQ­Beratungsstellen zum
Thema Anerkennung als Erleichterung.
Die Recherche zum möglichen deutschen Referenz­
beruf wird von 73 Prozent der befragten MBE immer
bis eher häufig als Bestandteil der Beratung zum The­
ma Anerkennung angegeben. In den Interviews wird
geäußert, dass der deutsche Referenzberuf auf Basis der
Routine der Beratenden ermittelt werde oder oft klar
sei (zum Beispiel beim Beruf Ärztin und Arzt); wenn der
Referenzberuf unklar sei, werde Rücksprache mit den
IQ­Beratungsstellen gehalten oder auf Datenbanken
zurückgegriffen.
Für 70 Prozent der befragten MBE ist die Empfehlung
und/oder Vermittlung von Weiterqualifizierungen
(siehe dazu vor allem III-4) immer bis eher häufig Be­
standteil der Beratung zum Thema Anerkennung. Die
relativ hohe Bedeutung dieses Beratungsschritts könn­
te darauf zurückgeführt werden, dass die Kundinnen
und Kunden nach einem abgeschlossenen Anerken­
nungsverfahren im Rahmen des Case Managements zu
den MBE zurückkehren.
65 Prozent der befragten MBE geben an, dass die Ein­
schätzung der Verfahrenskosten (siehe dazu auch

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

159

Abbildung	61	 MBE:	Einschätzung	der	Häufigkeit	der	Beratungsbestandteile	zum	Thema	Anerkennung	(in	Prozent)
94 %

Vermittlung	in	Deutsch-/Integrationskurse	(n	=	202)

92 %

Ermittlung	der	zuständigen	Stelle	(n	=	203)
Unterstützung bei der Zusammenstellung der
nötigen	Unterlagen	(n	=	202)

89 %

Erläuterung des Bescheids gegenüber
den	Antragstellenden	(n	=	202)

83 %

Gemeinsames Ausfüllen des Antrags
mit	den	Antragstellenden	(n	=	202)

80	%

Verweis an Beratungseinrichtungen
zum	Thema	Anerkennung	(n	=	201)

74 %

Recherche	zum	möglichen	deutschen	
Referenzberuf	(n	=	202)

73 %

Empfehlung und/oder Vermittlung
von	Weiterqualifizierungen	(n	=	201)

70	%
65 %

Einschätzung	der	Verfahrenskosten	(n	=	202)

61 %

Beratung	zu	alternativen	Möglichkeiten	(n	=	201)
Prüfung: Erfolgsaussichten Arbeitsmarktintegration
mit	Anerkennung	(n	=	201)

60	%

Recherche	zum	Ausbildungssystem/-staat	(n	=	202)

57 %

Prüfung: Erfolgsaussichten Arbeitsmarktintegration
ohne	Anerkennung	(n	=	201)

56 %

0	%

50	%

100	%

	 immer	bis	eher	häufig
Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	MBE;	n	jeweils	ausgewiesen.	Die	Antwortmöglichkeiten	„immer“,	„häufig“	und	„eher	häufig“	wurden	
zur	Kategorie	„immer	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	zur	Kategorie	„eher	selten	bis	nie“	
(in	der	Abbildung	nicht	dargestellt);	jeweils	zur	Gesamtzahl	aller	befragten	MBE	(n	=	248)	fehlend	=	keine	Angabe.

III-5.3.2) immer bis eher häufig Bestandteil der Bera­
tung zum Thema Anerkennung ist. Aus den Interviews
geht hervor, dass das Thema Kosten und Finanzierung
in der Beratung unterschiedlich gehandhabt wird: Es
reicht vom reinen Hinweis, dass Kosten entstehen, bis
zu einer Beratung zu Finanzierungsmöglichkeiten (zur
Empfehlung von Finanzierungsmöglichkeiten durch
die MBE siehe III­5.3.2).
Die Beratung zu alternativen Möglichkeiten (siehe
dazu vor allem IV­3.4) anstelle einer Gleichwertig­
keitsprüfung nennen 61 Prozent der befragten MBE
immer bis eher häufig als Bestandteil der Beratung.
Die Interviews mit den Beratenden zeigen zudem, dass

– ergänzend zu den MBE – die Beratung zu alternativen
Verfahren entweder den IQ­Beratungsstellen oder den
zuständigen Stellen überlassen wird.
57 Prozent der befragten MBE geben an, dass die
Recherche zum Ausbildungssystem und Ausbildungs­
staat immer bis eher häufig Bestandteil der Beratung
zum Thema Anerkennung ist. Bei den befragten Job­
centern wird dieser Beratungsschritt seltener (32 Pro­
zent) genannt (vgl. IV­2.1.2). Daher ist anzunehmen,
dass diese Recherche von anderen Beratungsstellen
(wie zum Beispiel IQ) oder von den zuständigen Stellen
selbst vorgenommen wird.

160

2.2.3 Sprache in der Beratung
76 Prozent278 der befragten MBE stimmen der Aussage
„Die Beratung zum Thema Anerkennungsgesetz kann
ich in der Regel auf Deutsch führen“ zu. Die Beraterin­
nen und Berater der MBE verfügen allerdings neben
Deutsch und Englisch über vielfältige Sprachkompe­
tenzen. Sollten die in der Beratungsstelle angebotenen
Sprachen nicht die Muttersprache der Kundinnen und
Kunden abdecken beziehungsweise die Kommunika­
tion nicht in einer von den Kundinnen und Kunden
und Beratenden beherrschten Sprache möglich sein,
besteht zum Teil die Möglichkeit, an andere MBE in
der Region zu verweisen, die diese Sprachen anbieten.
Besteht diese Möglichkeit nicht, stellt sich aus Sicht der
Interviewten das Problem dar, dass keine Kostenüber­
nahmen für Dolmetscherinnen oder Dolmetscher vor­
gesehen sind. Eine pragmatische Lösung besteht darin,
dass Bekannte der Kundinnen und Kunden gebeten
werden, bei der Beratung zu übersetzen. Die zweite
Aussage zum Thema Sprache „Meine Empfehlung für
oder gegen ein Anerkennungsverfahren hängt von den
Deutschkenntnissen der Anerkennungsinteressierten
ab“ lehnen 63 Prozent279 der befragten MBE ab.

2.2.4 Einschätzungen zu Bescheiden und
zum Verbleib der Kundinnen und Kunden
Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes haben
rund 91 Prozent280 der befragten Beratenden Erfah­
rungen mit Personen sammeln können, die mit ihren
Bescheiden bei ihnen waren. Zwei Drittel geben an,
dass die beiden Aussagen zu allen Bescheiden nicht
zutreffen: „Die Bescheide sind für die Antragstellen­
den leicht lesbar“ (67 Prozent281) und „Die Bescheide
entsprechen optisch den Vorstellungen der Antrag­
stellenden“ (61 Prozent282).

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Positiv zu bewerten ist, dass rund 87 Prozent283 der
befragten MBE angeben, dass die Aussage bei regle­
mentierten Berufen „Der Bescheid benennt die Art der
Ausgleichsmaßnahme (Anpassungslehrgang, Eignungs­
prüfung, Kenntnisprüfung)“ zutrifft. Die drei Aussagen
zu Bescheiden mit Auflage einer Ausgleichsmaßnahme
oder mit einer teilweisen Gleichwertigkeit werden von
etwas mehr als der Hälfte der MBE positiv eingeschätzt:
Wesentliche Unterschiede werden präzise dargestellt
(56 Prozent284), Qualifizierungsbedarf (58 Prozent285)
und die nächsten notwendigen Schritte (53 Prozent286)
lassen sich aus den Bescheiden gut ableiten.
Aus den Interviews mit den Beratenden der MBE geht
Folgendes zum Thema Verbleib hervor: Da die Kundin­
nen und Kunden im Rahmen des Case Managements
begleitet werden, kommen sie in der Regel während
des Anerkennungsverfahrens (beispielsweise um Hilfe
bei der Antragstellung zu bekommen) beziehungsweise
nach dessen Abschluss zu den Beratenden zurück, die
sie auf dem weiteren Weg unterstützen (zum Beispiel
beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen).

2.2.5 Unterstützungsbedarf
Abschließend sollten die befragten MBE einschät­
zen, ob sie Unterstützungsbedarf hinsichtlich der
Rahmenbedingungen für die Beratung zum Thema
Anerkennung sehen.287 64 Prozent der Beratenden,
die diese Frage beantwortet haben, nennen Unterstüt­
zungsbedarf im Wissensmanagement. Unterstützung
bei der Recherche zu bestimmten Berufen (56 Pro­
zent), Unterstützung bei der Vernetzung mit anderen
Akteuren (54 Prozent) und Schulungsbedarf zum
Thema Anerkennung (52 Prozent) werden etwa gleich
oft angegeben. Nur 26 Prozent sehen Unterstützungsbeziehungsweise Schulungsbedarf zu aufenthalts­
rechtlichen Fragen. Angesichts der Tatsache, dass die

283	 n	=	149.	99	MBE	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
278	 n	=	206.	42	MBE	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	gemacht.
279	 n	=	203.	45	MBE	haben	zu	dieser	Aussage	keine	Angabe	gemacht.
280	 n	=	194.	54	MBE	haben	zu	dieser	Frage	keine	Angabe	gemacht.
281	 n	=	162.	86	MBE	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
282	 Im	Vergleich	zu	anderen	Zertifikaten	wie	beispielweise	einem	
Prüfungszeugnis	bei	Abschluss	einer	dualen	Ausbildung.	n	=	126.	
122 MBE haben mit „weiß nicht“ geantwortet oder keine Angabe
gemacht.

284	 n	=	149.	99	MBE	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
285	 n	=	150.	98	MBE	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
286	 n	=	156.	92	MBE	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
287	 Mehrfachantworten	möglich.	Von	248	befragten	MBE	haben	
169 MBE (n) einen oder mehrere Unterstützungsbedarfe genannt.
79 MBE haben keine Angabe gemacht.

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Beratenden ihre Kundinnen und Kunden zum Thema
Aufenthalt beraten (müssen), ist dieses Ergebnis nicht
verwunderlich.
In den Interviews werden folgende Unterstützungs­
bedarfe – für die Beratenden selbst, aber auch für die
Anerkennungsinteressierten – geschildert:
 Mehr Zeitkontingente beziehungsweise Stellen für
das Thema Anerkennung bei den MBE;
 Vermittlung von Fachsprachkenntnissen für die
Personen;
	 Gezielte Qualifikationsberatung und individuellere
Qualifizierungsangebote für die Personen (vgl. II-2.2
zur neuen Ausrichtung des Förderprogramms IQ);
 Mehr Förderinstrumente zur Finanzierung von
Anerkennungsverfahren und von Qualifizierungen
für die Personen.

161

162

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

3. Von der Beratung zum Antrag


Zielgruppe

Information &
Beratung

Das Wichtigste in Kürze:
	 Das Interesse an Beratungen zum Anerkennungs­

gesetz ist hoch, aber nicht jede Beratung führt zu
einem Antrag.
	 Im Handwerk resultiert lediglich aus jeder fünf­
ten Beratung ein Antrag. Im Bereich Industrie
und Handel stellt jeder Zweite, der von den Vor­
Ort­Kammern beraten wurde, einen Antrag. Bei
den Berufen Ärztin und Arzt sowie Gesundheits­
und Krankenpflegerin und -pfleger stellen drei
Viertel der Beratungssuchenden einen Antrag.
	 Die Ergebnisse der durchgeführten Befragungen
zeigen verschiedene Gründe auf, die dazu führen
können, dass im Anschluss an eine Beratung kein
Antrag gestellt wird.
	 Im Handwerk sind die Gründe dafür, keinen
Antrag zu stellen, vor allem falsche Erwartungen
an das Verfahren oder alternative Verfahren (vor
allem bei Meisterqualifikationen), die für die
Anerkennungsinteressierten zielführender sind.
Demgegenüber spielt im Bereich Industrie und
Handel die Frage nach Kosten und Finanzierung
der Verfahren eine zentrale Rolle. Letzteres wird
auch von den Jobcentern und den MBE bestätigt.
	 Bei der Antragsvorbereitung wird von beiden
Kammerbereichen und den Jobcentern die Be­
schaffung der Unterlagen als Problem benannt,
welches dazu führen kann, dass letztendlich kein
Antrag gestellt wird.
	 Bei den Berufen Ärztin und Arzt sowie Gesund­
heits- und Krankenpflegerin und -pfleger stellen
sich vor allem die Deutschkenntnisse als proble­
matisch heraus, obwohl sie nach der Rechtslage
nichts mit dem Anerkennungsverfahren im
engeren Sinne zu tun haben.
	 Aus Perspektive der Jobcenter und der MBE stel­
len viele Personen keinen Antrag, weil sie ohne

Verfahren

ggf. Anpassungs­
qualifizierung

Nutzung
für den Beruf

Anerkennung eine Erwerbstätigkeit aufnehmen.
Teilweise ist es einfacher, diese Personen in den
Arbeitsmarkt zu vermitteln als ein Anerken­
nungsverfahren zu durchlaufen.
	 Im Vergleich zum BQFG kommt dem BVFG für
Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler mittler­
weile eine eher untergeordnete Bedeutung zu.
Auch die bilateralen Gleichstellungsabkommen
mit Österreich und Frankreich spielen kaum eine
Rolle.
	 Bei den Ausbildungsberufen im IHK­ und HWK­
Bereich spielen die abgefragten alternativen
Verfahren etwa die gleiche Rolle: Trotz der hohen
Voraussetzungen scheint die Externenprüfung
aufgrund des Erwerbs des deutschen Berufsab­
schlusses eine attraktive Alternative zu sein. Sich
direkt für eine Umschulung beziehungsweise
verkürzte Ausbildung zu entscheiden, kann bei
Aussicht auf eine teilweise Gleichwertigkeit zum
Teil der einfachere Weg sein.
 Alternative Verfahren spielen insbesondere bei
den Meisterqualifikationen im Handwerk eine
große Rolle, vor allem die beiden Eintragungsver­
fahren in die Handwerksrolle sowie die Anzeige
der gewerblichen Tätigkeit für die Eintragung in
die Handwerksrolle.
Die Beratung im Vorfeld des Anerkennungsverfahrens
hat eine hohe Bedeutung: Sowohl bei nicht reglemen­
tierten Berufen und reglementierten Meisterqualifi­
kationen im Kammerbereich als auch im Bereich der
reglementierten Berufe in Länderzuständigkeit wird
seitens der zuständigen Stellen betont, dass eine um­
fassende Beratung der Anerkennungsinteressierten die
Grundlage für ein erfolgreiches Verfahren ist.
Wie die Auswertungen zur amtlichen Statistik zeigen
(siehe III­2), wurden auch in 2013 die meisten Verfah­

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

163

Abbildung 62 Das Verhältnis von Beratungen zu Anträgen nach Zuständigkeitsbereichen (Schätzung)
Ärztin/Arzt

Gesundheits- und
Krankenpfleger/-in

Berufe im Handwerk

Berufe im Bereich
Industrie und Handel

Anteil von Beratungen, die zu einem Antrag führen
Anteil von Beratungen, die nicht zu einem Antrag führen
Quelle:	Ärztin	und	Arzt	sowie	Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	und	-pfleger:	BIBB-Befragung	(2014)	der	zuständigen	Stellen	
in	den	Gesundheitsberufen	(Ärztin/Arzt	n	=	13;	Gesundheits-	und	Krankenpfleger/-in	n	=	12);	Handwerk:	BIBB-/ZDH-Befragung	(2014)	
der	Handwerkskammern	(n	=	53);	Industrie	und	Handel:	DIHK-Dokumentationstool	sowie	BIBB-Befragung	(2014)	der	Industrie-	und	
Handelskammern	(n	=	52)	und	IHK	FOSA-Trendbarometer;	Stichtag	jeweils	31.	März	2014.	Schematische	Darstellung;	
zu den methodischen Unterschieden siehe die Datensatzbeschreibung in Anhang A2.

ren im Bereich der reglementierten Berufe und hier
insbesondere in den medizinischen Gesundheitsberu­
fen durchgeführt. Der Anteil der nicht reglementierten
Berufe war mit 22 Prozent an allen Verfahren in 2013
vergleichsweise gering. Demgegenüber zeigen die
Beratungsdaten, dass vor allem die Kammern einen
erheblichen Beratungsaufwand betreiben. Allein in den
Bereichen Handwerk sowie Industrie und Handel sind
seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes fast 40.000
Beratungen durchgeführt worden. In 2013 waren es
schätzungsweise 15.000.288 Auch die Zahlen zum Bera­
tungsaufkommen belegen also, dass nicht alle Perso­
nen, die sich für eine Anerkennung interessieren und
hierzu beraten lassen, dann tatsächlich einen Antrag
auf Anerkennung stellen.289
In dieser Detailstudie soll den Gründen für diese
Diskrepanz nachgegangen werden. Hierfür wird das
Beratungsgeschehen (siehe III­1) näher beleuchtet und
Ergebnisse der vom BIBB­Anerkennungsmonitoring

288 Auf das Kalenderjahr bezogene Daten liegen nicht vor. Die Schät­
zung der Beratungsanzahl basiert auf dem durchschnittlichen
Beratungsaufkommen	von	April	2012	bis	einschließlich	März	2013	
hochgerechnet	auf	das	Kalenderjahr	2013.	In	den	Daten	sind	auch	
Beratungen	zu	reglementierten	Meisterqualifikationen	im	Handwerk	
enthalten.
289 Bei der Betrachtung des Verhältnisses von Beratung zu Anträgen
wird lediglich das Beratungsaufkommen bei den zuständigen Stellen
berücksichtigt.

durchgeführten Befragungen bei den Handwerks­
kammern, den Industrie­ und Handelskammern, den
zuständigen Stellen für die Berufe Ärztin und Arzt,
Gesundheits- und Krankenpflegerin und -pfleger sowie
bei Jobcentern und MBE dargestellt. Zur Interpretation
werden darüber hinaus einzelne Ergebnisse aus ver­
schiedenen Experteninterviews herangezogen (siehe
Datensatzbeschreibung im Anhang A2).

3.1 Das Verhältnis von Beratungen zu Anträgen
Wie bereits festgestellt (Erbe u. a. 2014, S. 86 ff.), besteht
ein teilweise erheblicher Unterschied zwischen der
Anzahl der Beratungen und der Anträge auf Gleich­
wertigkeitsprüfung in den einzelnen Zuständigkeits­
bereichen. Um diese Diskrepanz näher zu untersuchen,
hat das BIBB­Anerkennungsmonitoring durch Befra­
gungen von zuständigen Stellen Daten und Einschät­
zungen erhoben. Angesichts der unterschiedlichen
Organisation und des unterschiedlichen Umgangs
mit der Dokumentation von Beratungen ist es leider
nicht möglich, eine standardisierte Datenbasis über die
Zuständigkeitsbereiche hinweg zu erstellen. Bei den
Kammern konnten quantitative Daten ausgewertet
werden, während im Gesundheitsbereich ebenso wie
bei den Beratungseinrichtungen Einschätzungen der
Expertinnen und Experten abgefragt werden konnten.
Auch wenn die Vergleichbarkeit der im Folgenden

164

dargestellten Einzelergebnisse daher eingeschränkt
ist, erlaubt sie doch eine lohnende Annäherung an das
Verhältnis von Beratungen zu Anträgen.
Nach Einschätzung der befragten zuständigen Stellen
für die Berufe Ärztin und Arzt sowie Gesundheits­ und
Krankenpflegerin und -pfleger führen jeweils etwa drei
Viertel aller Beratungen zu einem Antrag. Im Falle der
zuständigen Stellen für den Beruf Gesundheits­ und
Krankenpflegerin und -pfleger ist davon auszugehen,
dass es sogar noch mehr sind.290
Ein anderes Bild zeigt sich im Kammerbereich. Im
Handwerk fällt das Verhältnis Beratungen zu Anträgen
sehr gering aus: Auf fünf Beratungen folgt ein Antrag.
Im Bereich Industrie und Handel führt etwa jede
zweite Beratung zu einem Antrag. Abbildung 62 veran­
schaulicht das Verhältnis von Beratungen zu Anträgen
in den verschiedenen Zuständigkeitsbereichen.
Generell ist beim Vergleich von Beratungen und An­
trägen zu berücksichtigen, dass Beratungssuchende
auch im Folgejahr der Beratung einen Antrag stellen
können. Eine Antragstellung kann auch erst nach
mehreren Monaten erfolgen, weil die Anerkennungs­
interessierten Dokumente besorgen müssen oder erst
viel später den Entschluss fassen, einen Antrag zu stel­
len. Darüber hinaus ist es möglich, auch ohne Beratung
einen Antrag zu stellen. Letzteres ist nach Einschätzung
der zuständigen Stellen im Kammerbereich eher die
Ausnahme.291

290 Zwei der zuständigen Stellen in diesem Bereich geben an, dass mehr
Anträge eingegangen sind als Beratungen durchgeführt wurden. Um
einen	Mittelwert	zu	bilden,	wurden	diese	Angaben	als	110 Prozent	
geschätzt. Das bedeutet das Verhältnis von Beratungen zu Anträgen
könnte	noch	deutlich	höher	ausfallen	als	hier	dargestellt.
291 Aufgrund der unterschiedlichen Datenlage muss auf Einschränkun­
gen hinsichtlich der Belastbarkeit der zugrunde liegenden Daten
hingewiesen werden. Bei den Rückmeldungen der zuständigen
Stellen	für	Ärztin	und	Arzt	sowie	Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	
und	-pfleger	handelt	es	sich	um	Einschätzungen	der	Stellen	zum	
Verhältnis von Beratungen zu Anträgen. Im Handwerk wurden kon­
krete Angaben zur Anzahl der Beratungen und der Anträge erhoben.
Alle Handwerkskammern haben sich an der Befragung beteiligt. Im
Bereich Industrie und Handel wurden zum einen die Beratungsdaten
des DIHK-Dokumentationstools sowie weitere Beratungsdaten im
Rahmen einer BIBB-Befragung der Vor-Ort-IHKn genutzt und mit
den Angaben der IHK FOSA im Rahmen ihres Trendbarometers ver­
glichen. Da sich nicht alle beratenden Industrie- und Handelskam­
mern an der Meldung im DIHK-Tool beteiligen, müsste das Delta
zwischen	Beratungen	und	Anträgen	größer	ausfallen.	Ebenso	sind	
die Anträge zu berücksichtigen, die bei den nicht in der IHK FOSA
organisierten Industrie- und Handelskammern bearbeitet wurden.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

3.2	Gründe,	keinen	Antrag	zu	stellen,	aus	der	Sicht	
unterschiedlicher Akteure
In der folgenden Analyse wird der Fokus auf Personen
gelegt, die die Antragsvoraussetzung erfüllen (vgl. Erbe
u. a. 2014, S. 92), aber keinen Antrag stellen. Die Gründe
dafür sind vielfältig:
Hierzu gehören der zeitliche Aufwand, der mit einer
Antragstellung einhergeht, die dafür aufzubringenden
Kosten beziehungsweise die Frage ihrer Finanzierung
oder Probleme bei der Beschaffung der Unterlagen. Die
Relevanz der genannten Gründe wird von den befrag­
ten Akteuren unterschiedlich bewertet.
Das Ergebnis der Beratung kann auch sein, dass ein
Anerkennungsverfahren im Rahmen des BQFG nicht
zielführend ist und andere, alternative Verfahren und
Wege besser zu den Voraussetzungen der Personen
passen, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen.
Des Weiteren stellen die Sprachkenntnisse der Aner­
kennungsinteressierten im nicht reglementierten Be­
reich zwar keine Voraussetzung für die Feststellung der
Gleichwertigkeit dar. Trotzdem kann aber ein Ergebnis
der Beratung sein, dass die Deutschkenntnisse, die die
Anerkennungsinteressierten mitbringen, eine Arbeits­
marktintegration erschweren und daher von einer
Antragstellung zunächst abgeraten wird. Im reglemen­
tierten Bereich sind die Deutschkenntnisse zum Teil
obligatorisch: Im Rahmen der Berufszulassung müssen
die Antragstellenden ein bestimmtes Sprachniveau
nachweisen (siehe dazu III­3.8).
Ein weiterer Grund, keinen Antrag zu stellen, be­
trifft die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der
Beratungssuchenden und dem tatsächlichen Aufwand
eines Anerkennungsverfahrens. Wenn diese Diskrepanz
während der Beratung deutlich wird, sehen einige
Beratungssuchende von der Antragstellung ab.
Ein Grund, der schon während der Beratung, aber
auch bei der Antragsvorbereitung dazu führen kann,
dass kein Antrag gestellt wird, ist die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit. Gerade für den Bereich der nicht
reglementierten Berufe wird in den Interviews seitens
der Kammern häufiger davon berichtet, dass Anerken­
nungsinteressierte in der Beratung zum ersten Mal von

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

165

der Möglichkeit erfahren, auch ohne formale Anerken­
nung ihres im Ausland erworbenen Abschlusses arbei­
ten zu können. Vielen Anerkennungsinteressierten ist
die Tatsache, dass ein Betrieb sie auch ohne formale
Anerkennung einstellen kann, nicht bewusst.

3.2.1 Gründe aus der Sicht der Kammern
(HWK – IHK)
Im Folgenden werden aus Sicht der zuständigen Stellen
im Kammerbereich die Gründe dargestellt, warum
antragsberechtigte Beratungssuchende letztendlich
keinen Antrag stellen. Abbildung 63 zeigt die Verteilung
der Einschätzungen für den Handwerksbereich.
Die Mehrzahl der Handwerkskammern beurteilen
die falschen Erwartungen der Beratungssuchungen
als sehr häufigen bis eher häufigen Grund, keinen
Antrag zu stellen. Nach Aussagen der interviewten
Kammern ist dabei die unzureichende Vorinformation

einiger Personen ein Problem. Vielen ist im Vorfeld
nicht bewusst, dass es sich bei der Anerkennung um
eine Gleichwertigkeitsfeststellung, das heißt um einen
Vergleich der Abschlüsse auf Basis von Dokumenten
handelt, und nicht um eine automatische Anerken­
nung. Bei diesen Personen, für die der Aufwand einer
Antragstellung zu hoch erscheint, sollte daher ein
Erwartungsmanagement bei der Information und in
der Beratung (durch die zuständigen Stellen und IQ­
Netzwerke) erfolgen und die bestehenden Unterstüt­
zungsangebote verstärkt und ausgebaut werden.
Ebenso von großer Bedeutung ist das Aufzeigen und
Angebot von alternativen Verfahren: 29 Kammern
geben an, dass diese Alternativen sehr häufig bis eher
häufig dazu führen, keinen Antrag auf Anerkennung zu
stellen. Ein Grund dafür ist möglicherweise die zentrale
Strategie im Handwerk, auf Alternativen zum Anerken­
nungsverfahren hinzuweisen (siehe Erbe u. a. 2014, S. 73
und nächster Abschnitt IV­3.4).292

Abbildung	63	 Gründe,	warum	kein	Antrag	gestellt	wird,	aus	Sicht	der	Handwerkskammern	(absolut)
falsche	Erwartungen	(n	=	49)

33

alternative	Verfahren	(n	=	42)

16

29

Beschaffung	Unterlagen	(n	=	48)

13

22

Kosten	und	Finanzierung	(n	=	49)

26

20

Deutschkenntnisse	(n	=	48)

29

18

Aufnahme	Erwerbstätigkeit	(n	=	36)

30

14

zeitlicher	Aufwand	(n	=	42)

22

9
0

5

33
10

15

	 sehr	häufig	bis	eher	häufig

20

25

30

35

40

45

50

eher selten bis nie

Quelle:	BIBB-/ZDH-Befragung	(2014)	der	Handwerkskammern;	n	jeweils	ausgewiesen.	Die	Antwortmöglichkeiten	„sehr	häufig“,	„häufig“	und	„eher	
häufig“	wurden	zur	Kategorie	„sehr	häufig	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	zur	Kategorie	
„eher	selten	bis	nie“;	jeweils	zur	Gesamtzahl	aller	befragten	HWKn	(n	=	53)	fehlend	=	keine	Angabe/weiß	nicht.

292 Bei den reglementierten Berufen im Handwerk (Meisterberufe im
zulassungspflichtigen	Handwerk)	bieten	sich	verschiedene	Alternati­
ven zum Anerkennungsverfahren.

166

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	64	 Gründe,	warum	kein	Antrag	gestellt	wird,	aus	Sicht	der	Industrie-	und	Handelskammern	(absolut)

Kosten	und	Finanzierung	(n	=	40)

30

Aufnahme	Erwerbstätigkeit	(n	=	33)

17

Beschaffung	Unterlagen	(n	=	39)

17

falsche	Erwartungen	(n	=	39)

10
16
22

16

Deutschkenntnisse	(n	=	39)

23

13

alternative	Verfahren	(n	=	37)

26

9

zeitlicher	Aufwand	(n	=	39)

28

6
0

33
5

10

15

	 sehr	häufig	bis	eher	häufig

20

25

30

35

40

45

eher selten bis nie

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	Industrie-	und	Handelskammern;	n	jeweils	ausgewiesen.	Die	Antwortmöglichkeiten	„sehr	häufig“,	„häufig“	und	
„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	„sehr	häufig	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	zur	Kategorie	
„eher	selten	bis	nie“;	jeweils	zur	Gesamtzahl	aller	befragten	IHKn	(n	=	52)	fehlend	=	keine	Angabe/weiß	nicht.

Die Beschaffung der Unterlagen zur Erfüllung der
gesetzlichen Mitwirkungspflicht ist für knapp die
Hälfte (22 Kammern) ein Grund für die ausbleibende
Antragstellung. Dies ist für einen Teil der Anerken­
nungsinteressierten dann besonders schwierig, wenn
beispielsweise Institutionen im Ausland angesprochen
werden müssen. In diesem Zusammenhang kann es
vorkommen, dass die Personen ins Heimatland bezie­
hungsweise in das Land, wo der Abschluss erworben
wurde, reisen müssen. Des Weiteren ist die Dokumen­
tationskultur in einigen Ländern nicht so ausgeprägt
wie in Deutschland. Deshalb können einige Unterlagen
zur Aufklärung des Sachverhalts von den zuständigen
Institutionen nicht erbracht werden.293
Das Thema Kosten und Finanzierung spielt bei
20 Kammern eine Rolle. Die nicht ausreichenden
Deutschkenntnisse sehen etwas mehr als ein Drittel
der Kammern (18) als sehr häufigen bis eher häufigen
Grund, keinen Antrag zu stellen. Die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit wird von 14 Kammern als häufiger

293	 Für	diese	Personen	könnten	sonstige	geeignete	Verfahren	
(„Qualifikationsanalyse“)	passend	sein,	siehe	dazu	III-3.5.	

Grund aufgeführt. Der zeitliche Aufwand für das Ver­
fahren ist lediglich aus der Perspektive von neun Kam­
mern ein Problem für die Anerkennungsinteressierten.
Ein anderes Bild zeichnen die Industrie­ und Handels­
kammern (siehe Abbildung 64). 30 von 40 Industrie­
und Handelskammern geben die Kosten beziehungs­
weise die Finanzierung der Kosten als sehr häufigen bis
eher häufigen Grund an, warum eine Antragstellung
ausbleibt (siehe dazu auch III­5.3.3).
Etwas mehr als die Hälfte der Kammern (17) gibt an, dass
durch die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit letztendlich
keine Antragstellung erfolgt. Ebenfalls 17 Industrie­ und
Handelskammern benennen die Beschaffung der Unter­
lagen und 16 falsche Erwartungen als sehr häufigen bis
eher häufigen Grund, keinen Antrag zu stellen. Von nicht
ausreichenden Deutschkenntnissen berichtet ein Drittel
der Kammern (13). Alternative Verfahren werden von
knapp einem Viertel (neun) als Grund angegeben. Einen
zu hohen zeitlichen Aufwand für die Anerkennungsin­
teressierten nennen nur sechs Industrie­ und Handels­
kammern sehr häufig bis eher häufig.

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

Die Gründe für das Ausbleiben eines Antrags nach
erfolgter Beratung bei Personen, die grundsätzlich die
Voraussetzungen für eine Gleichwertigkeitsprüfung
erfüllen, gestalten sich bei den Kammerbereichen
unterschiedlich, aber auch Gemeinsamkeiten sind
festzustellen.
Während im Handwerksbereich eher externe Faktoren
wie falsche Erwartungen, alternative Verfahren oder
die Beschaffung von Unterlagen das Ausbleiben eines
Antrags stärker beeinflussen, spielt im Industrie- und
Handelsbereich der Faktor Kosten und Finanzierung
des Anerkennungsverfahrens eine zentrale Rolle (siehe
dazu III­5.3.3).
Auffällig ist, dass alternative Verfahren in den Kammer­
bereichen jeweils einen anderen Stellenwert haben.
Darauf wird im folgenden Abschnitt IV­3.4 genauer
eingegangen. Für den Handwerks­ und Industrie­ und
Handelsbereich gilt gleichermaßen, dass die Beschaf­
fung der notwendigen Unterlagen zur Erfüllung der
gesetzlichen Mitwirkungspflicht für Anerkennungs­
interessierte oftmals schwierig sein kann. Dass die
Beschaffung der Unterlagen bereits in der Beratung
thematisiert wird, birgt aber auch einen Vorteil. So zeigt
sich in der amtlichen Statistik für das Jahr 2013, dass
im Bereich der nicht reglementierten Berufe lediglich
bei 11 Prozent der bearbeiteten Anträge eine Nachfor­
derung weiterer Unterlagen im Laufe des Verfahrens
notwendig war. Demgegenüber wurden im Bereich der
reglementierten Berufe in 53 Prozent der Fälle Unterla­
gen nachgefordert (siehe III­3.2). Diese vergleichsweise
geringe Nachforderungsquote kann auf die Beratungs­
ansätze und die Betonung der Sichtung der Unterlagen
im Beratungsgespräch bei den Handwerkskammern
und den Industrie­ und Handelskammern zurückge­
führt werden (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 74 ff.).
Aus Sicht der Befragten beider Kammerbereiche ist ein
zu hoher zeitlicher Aufwand für die Antragstellenden
nur selten ein Grund, keinen Antrag zu stellen.
Bei dem Vergleich der Einschätzungen und der
Interpretation der Ergebnisse muss die unterschied­
liche Stellung der Kammern berücksichtigt werden.
Während die Handwerkskammern für die Einstiegs­
beratung und das Gleichwertigkeitsfeststellungs­
verfahren – und damit auch für die Antragsent­

167

gegennahme – zuständig sind, übernehmen die
Vor­Ort­IHKn die Einstiegsberatung in ihrem Zustän­
digkeitsbereich; für das Gleichwertigkeitsfeststellungs­
verfahren ist in großen Teilen die IHK FOSA zuständig
(siehe II­2.1). Die Industrie­ und Handelskammern
vor Ort können – auch nach eigener Aussage – nicht
verfolgen, wer genau von den Personen, die sie beraten
haben, anschließend einen Antrag bei der IHK FOSA
stellt. So würden von der IHK FOSA aus Datenschutz­
gründen keine Informationen über Antragstellende an
die Vor­Ort­IHKn geliefert, es sei denn die Antragstel­
lenden stimmten diesem Vorgehen explizit zu.

3.2.2 Gründe aus der Sicht der zuständigen Stellen
für die Berufe Ärztin und Arzt sowie Gesundheits­
und	Krankenpflegerin	und	-pfleger
Im Gegensatz zum Kammerbereich stellen bei den
Berufen Ärztin und Arzt sowie Gesundheits­ und Kran­
kenpflegerin und -pfleger viel mehr Beratungssuchen­
de tatsächlich einen Antrag.
Diese Verhältnisse spiegeln auch die Rückmeldungen
der zuständigen Stellen zu den Gründen wider, warum
kein Antrag gestellt wird (siehe Abbildung 65).
Die zuständigen Stellen im Berufsfeld Ärztin und Arzt
melden überwiegend, dass die abgefragten Gründe
eher selten bis nie zu einem Problem im Vorfeld der
Antragstellung werden. Dies gilt insbesondere für die
Beschaffung der Unterlagen sowie Kosten und Finan­
zierung. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit wurde
nur sehr selten als Grund, keinen Antrag zu stellen,
bewertet. Anders als im nicht reglementierten Bereich
ist bei den reglementierten Berufen die Anerkennung
zwingende Voraussetzung dafür, im entsprechenden
Beruf tätig zu werden. Deshalb kann es sich bei der
aufgenommenen Beschäftigung nur um nicht ausbil­
dungsadäquate Tätigkeiten handeln.
Die Hälfte der zuständigen Stellen für die Anerken­
nung von Ärztinnen und Ärzten melden mangelnde
Deutschkenntnisse als Problem zurück. Im Gegensatz
zu den Berufen im nicht reglementierten Bereich gibt
es für die Approbation als Ärztin und Arzt Anforderun­
gen hinsichtlich der nachzuweisenden Sprachkennt­
nisse. Wie im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz
geschildert, sind Nachweise der Sprachkenntnisse

168

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	65	 Gründe,	warum	kein	Antrag	gestellt	wird,	aus	Sicht	der	zuständigen	Stellen	für	Ärztin	und	Arzt	(absolut)

Deutschkenntnisse	(n	=	10)

5

falsche	Erwartungen	(n	=	9)

5
6

3

zeitlicher	Aufwand	(n	=	11)

2

Kosten	und	Finanzierung	(n	=	9)

9

1

8

Beschaffung	Unterlagen	(n	=	11)

11

Aufnahme	Erwerbstätigkeit	(n	=	3)

3
0

2

4

	 immer	bis	eher	häufig

6

8

10

12

eher selten bis nie

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	zuständigen	Stellen	bei	den	Gesundheitsberufen;	n	jeweils	ausgewiesen.	Die	Antwortmöglichkeiten	„immer“,	
„häufig“	und	„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	„immer	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	
zur	Kategorie	„eher	selten	bis	nie“;	jeweils	zur	Gesamtzahl	aller	befragten	zuständigen	Stellen	für	Ärztinnen	und	Ärzte	(Approbation)	(n	=	13)	
fehlend	=	keine	Angabe/weiß	nicht.

„Teil der Liste der für den Antrag auf Approbation
vorzulegenden Unterlagen“ (Erbe u. a. 2014, S. 102).
Dass nicht ausreichende Sprachkenntnisse bereits in
der Beratung zu einem Problem werden – und nicht
erst bei der Berufszulassung im weiteren Verfahren –,
kann damit in Zusammenhang gebracht werden, dass
einige zuständige Stellen den Sprachnachweis als
Voraussetzung für die Antragstellung ansehen. Dies
entspricht allerdings nicht den einschlägigen Rege­
lungen, da Sprachkenntnisse für die Berufszulassung/
Approbation benötigt werden und nicht bereits mit
Antragstellung zur Anerkennung gefordert werden
dürfen (vgl. III­3.8). Des Weiteren wurden falschen Er­
wartungen von drei zuständigen Stellen als häufigeres
Problem benannt.294
Anders ist das Bild für den Beruf Gesundheits­ und
Krankenpflegerin und -pfleger (siehe Abbildung 66).
Auch aus diesem Bereich wird gemeldet, dass die
Sprachkenntnisse (sieben Stellen) ein häufiger Grund
dafür sind, keinen Antrag zu stellen. In diesem Beruf

294 Das Problem wird im Zusammenhang mit den Rückmeldungen im
Berufsbereich	Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	und	-pfleger	
weiter unten diskutiert.

gilt ebenfalls, dass der Nachweis eines bestimmten
Sprachniveaus für die Berufszulassung obligatorisch ist.
Im Gegensatz zu den Rückmeldungen im Beruf Ärztin
und Arzt ist es hier allerdings so, dass etwa die Hälfte
der zuständigen Stellen meldet, dass sie den Nachweis
über die Sprachkenntnisse nicht schon mit Antragstel­
lung einfordern (siehe auch III­3.8.2).
Ebenso häufig spielen falsche Erwartungen an das An­
erkennungsverfahren (sieben Stellen) eine größere Rol­
le. Auch hier erwartet nach Aussagen der zuständigen
Stellen ein Teil der Anerkennungsinteressierten, mit
Vorlage des Ausbildungsnachweises eine automatische
Anerkennung zu erhalten (wie dies bei dem Verfahren
nach der EU­Richtlinie der Fall ist). Mit der Darstellung
des Aufwands und der Tatsache, dass eine automatische
Anerkennung nur für bestimmte Personengruppen
möglich ist, würde man „natürlich sehr viele Menschen
enttäuschen“.295

295	 Diese	Rückmeldung	bezieht	sich	nicht	spezifisch	auf	einen	Berufsbereich, sondern sie schildert die Eindrücke der zuständigen Stelle über
alle Berufe.

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

169

Abbildung	66	 Gründe,
	
	warum	kein	Antrag	gestellt	wird,	aus	Sicht	der	zuständigen	Stellen	für	Gesundheits-	und	
Krankenpflegerin	und	-pfleger	(absolut)

Deutschkenntnisse	(n	=	10)

7

3

falsche	Erwartungen	(n	=	10)

7

3

Aufnahme	Erwerbstätigkeit	(n	=	9)

5

zeitlicher	Aufwand	(n	=	10)

5

Kosten	und	Finanzierung	(n	=	10)

4
5

4

Beschaffung	Unterlagen	(n	=	10)

6

2
0

8
2

4

	 immer	bis	eher	häufig

6

8

10

12

eher selten bis nie

Quelle:	BIBB-Befragung	(2014)	der	zuständigen	Stellen	in	den	Gesundheitsberufen;	n	jeweils	ausgewiesen.	Die	Antwortmöglichkeiten	„immer“,	
„häufig“	und	„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	„immer	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	zur	
Kategorie	„eher	selten	bis	nie“;	jeweils	zur	Gesamtzahl	aller	befragten	zuständigen	Stellen	für	Gesundheits-	und	Krankenpflegerin	und	-pfleger	(n	=	12)	
fehlend	=	keine	Angabe/weiß	nicht.

Mehr als die Hälfte der befragten zuständigen Stellen
gibt die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit als Grund an,
keinen Antrag zu stellen. Aus der Beratungspraxis ist
bekannt, dass Anerkennungsinteressierte mitunter den
Weg wählen und sich für die Aufnahme einer Helfer­
tätigkeit im Bereich Gesundheit und Pflege ent­
scheiden. Dies muss nicht zwangsläufig dazu führen,
keinen Antrag zu stellen. Die Helfertätigkeit wird als
Überbrückungslösung gewählt, um zwischenzeitlich
Berufspraxis zu sammeln und berufliche Kenntnisse zu
erwerben, die für das Bestehen der Kenntnisprüfung
von Vorteil sein können.
Die größte Hürde in beiden Bereichen stellen die
Sprachkenntnisse dar. Unabhängig von der Frage,
wie gut jemand in der Beratung die deutsche Sprache
beherrscht, bedarf es einer klaren Anwendung der
gesetzlichen Vorgaben: Der Nachweis des verlangten
Sprachniveaus ist Teil der Beantragung der Approba­
tion beziehungsweise der Berufszulassung und
nicht des Anerkennungsverfahrens. Dies sollten die
zuständigen Stellen beziehungsweise Beratungsein­
richtungen bereits in der Beratung deutlich machen
und auf die Möglichkeit hinweisen, die erforderlichen

Sprachkenntnisse im Rahmen vorbereitender und
zum Teil berufsbegleitender Maßnahmen zu erlangen.
Neben den Sprachkenntnissen sind es in diesen beiden
Berufsbereichen auch die falschen Erwartungen, die
die Antragstellung beeinflussen.

3.2.3 Gründe aus der Sicht der Jobcenter und MBE
Einen erweiterten Blick auf das Thema bieten die
Rückmeldungen der befragten Jobcenter296 und der
befragten MBE297.
Im Rahmen ihrer arbeitsmarktbezogenen Beratung
haben Jobcenter (siehe II­2.2 und IV­2.1) Kontakt zu
Personen, die ein Anerkennungsverfahren anstreben

296	 Bei	dieser	Befragung	wurden	525	Jobcenter	und	178	Arbeitsagentu­
ren	angeschrieben.	Es	haben	181	Jobcenter	an	der	Befragung	teilge­
nommen, allerdings nur eine Arbeitsagentur. Aufgrund mangelnder
Aussagekraft werden die Befragungsergebnisse dieser Arbeitsagen­
tur nicht dargestellt.
297	 Die	MBE	sind	für	Personen	ab	27	Jahren	zuständig,	die	JMD	für	
Personen	unter	27	Jahren.	Die	Stellen	des	JMD	wurden	nicht	befragt,	
da angenommen wurde, dass das Thema Anerkennung bei Personen
unter	27	Jahren	eine	geringe	Rolle	spielt	(zum	Beispiel	weil	diese	
Personen sich noch in der Ausbildung beziehungsweise im Studium
befinden).

170

beziehungsweise bereits durchlaufen haben. Die Auf­
nahme einer Erwerbstätigkeit ohne Anerkennung ist
aus Sicht der befragten Jobcenter der Hauptgrund, der
gegen eine Antragstellung spricht: 77 Prozent298 geben
dies sehr häufig bis eher häufig an. Als weitere Gründe
werden die Beschaffung der Unterlagen (73 Prozent299)
und nicht ausreichende Deutschkenntnisse der Aner­
kennungsinteressierten (64 Prozent300) sehr häufig bis
eher häufig genannt. Nur 30 Prozent301 der befragten
Jobcenter sehen Kosten und Finanzierung sehr häufig
bis eher häufig als Grund, keinen Antrag zu stellen
(siehe dazu auch III­5.3.3). In den seltensten Fällen
(9 Prozent302) wird seitens der befragten Jobcenter im
Rahmen einer Beratung gegen eine Antragstellung
votiert.303
Die MBE (siehe II­2.2 und IV­2.2) betreuen ihre Klien­
tinnen und Klienten umfassend im Rahmen des Case
Managements. Auch die befragten MBE geben als
Hauptgrund gegen eine Antragstellung die Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit ohne Anerkennung (81 Pro­
zent304) an. Weitere Gründe305, warum sehr häufig bis
eher häufig kein Antrag gestellt wird, sind alternative
Verfahren (77 Prozent) und Kosten und Finanzierung
(74 Prozent).

3.3 Angrenzende Rechtsgrundlagen
Bereits vor Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes am
1. April 2012 bestanden für bestimmte Personengrup­
pen gesetzliche Grundlagen, die die Anerkennung ihrer
im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen ermög­
lichten (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 20). Im Folgenden wird
dargestellt, welche Rolle das Bundesvertriebenengesetz

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

(BVFG), das für Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler
gilt, sowie die bilateralen Gleichstellungsabkommen,
die mit Österreich und Frankreich bestehen, in den
Bereichen Handwerk sowie Industrie und Handel
spielen.306
Vom 1. April 2012 bis 31. Dezember 2014 wurden bei
den IHKn 601 Beratungen (telefonisch und persönlich)
zum BVFG dokumentiert.307 Bei der HWK­Befragung
geben zehn Kammern an, dass bei einem Ausbildungs­
beruf sehr häufig bis eher häufig zu einem Verfahren
nach § 10 BVFG geraten werde, bei einer Meisterqualifi­
kation geben dies sieben Kammern an.308 Nach Ein­
schätzung der befragten Kammern spielt diese Recht­
grundlage also eher eine untergeordnete Rolle. Dies sei
möglicherweise darauf zurückführen, dass das BVFG
bereits seit 1953 gilt und „die große Welle durch sei“.309
Tatsächlich ist die Zahl der einreisenden Spätaussiedle­
rinnen und Spätaussiedler und ihrer Angehörigen nach
Deutschland drastisch gesunken: Von 98.484 in 2001 bis
auf 5.469 Personen Ende 2014 (siehe Abbildung 67).
Grundsätzlich können Spätaussiedlerinnen und Spät­
aussiedler zwischen einem Anerkennungsverfahren
nach BVFG oder BQFG wählen.310 Bei einem Verfahren
nach BVFG kann es sich als vorteilhaft erweisen, dass
die Ausbildung aus dem Ausland gegebenenfalls auch
mit einem früher geltenden deutschen Referenzberuf
verglichen werden kann und dass keine beziehungs­
weise geringere Kosten als bei einem BQFG­Verfahren
anfallen. Bei Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern
werden ausländische Beitrags­ und Beschäftigungs­
zeiten in der deutschen Rentenversicherung gemäß

298	 n	=	125.	56	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
299	 n	=	120.	61	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
300	 n	=	123.	58	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
301	 n	=	110.	71	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
302	 n	=	106.	75	Jobcenter	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.
303 Bei der Befragung wurde nicht nach Ausbildungsbereichen oder
reglementierten beziehungsweise nicht reglementierten Berufen
differenziert.

306	 Dazu	werden	sowohl	Ergebnisse	der	in	2014	durchgeführten	
quantitativen Befragungen bei den Handwerkskammern und
Industrie-	und	Handelskammern	als	auch	der	in	2013	und	2014	
geführten qualitativen Interviews (perspektivenübergreifend) sowie
das Datenmanagement-Tool des DIHK genutzt.
307	 Für	den	gleichen	Zeitraum	sind	13.508	Einstiegsberatungen	doku­
mentiert (vgl. III-1.3). Das Datenmanagement-Tool wird derzeit von
63 Industrie- und Handelskammern genutzt.
308 Dazu haben 44 von 53 Handwerkskammern eine Angabe gemacht.

304	 n	=	195.	52	MBE	haben	mit	„weiß	nicht“	geantwortet	oder	keine	
Angabe gemacht.

309 Einschätzung einer interviewten Beraterin einer Handwerkskammer.
Sie	bezog	sich	bei	ihrer	Aussage	auf	den	Zeitraum	Ende	der	90er	
Jahre,	als	sehr	viele	Spätaussiedlerinnen	und	Spätaussiedler	nach	
Deutschland kamen.

305	 n	=	jeweils	196.	Jeweils	53	MBE	haben	bei	diesen	beiden	Gründen	
„weiß nicht“ angegeben oder keine Angabe gemacht.

310 Nähere Erläuterung unter www.anerkennung-in-deutschland.de/
html/de/spaetaussiedler.php	(Abruf:	18. März	2015).

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

171

Abbildung 67 Einreise von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern und ihrer Angehörigen nach Deutschland
im Zeitverlauf von 2001 bis 2014 (absolut)
100.000
90.000
80.000
70.000
60.000
50.000
40.000
30.000
20.000
10.000


2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

0


Quelle: BVA-Statistik zur Einreise von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern nach Deutschland im Zeitverlauf (http://www.bva.bund.de/DE/
Organisation/Abteilungen/Abteilung_S/Spaetaussiedler/statistik/Monat/2a.html?nn	=	4487534,	Abruf:	18.	März	2015);	Darstellung	des	BIBB.

dem Fremdrentengesetz berücksichtigt.311 Aus dem
IHK­Bereich kommt der Hinweis, dass Personen
sich für ein Verfahren nach dem BVFG entscheiden,
wenn es lediglich um einen solchen Nachweis für die
Rentenversicherung gehe, da dies die kostengünstigere
und schnellere312 Variante sei. Vonseiten der MBE wird
berichtet, dass bei bestimmten Berufen (zum Beispiel
technische Berufe aus Russland) ein BVFG­Verfahren
bessere Aussichten auf Erfolg habe. Teilweise sei eine
Anerkennung auch nur nach diesem Gesetz möglich.313
Jedoch besteht nur beim Anerkennungsgesetz die Mög­
lichkeit, Berufserfahrung im Verfahren zu berücksich­
tigen, was als großer Vorteil gegenüber dem BVFG zu
werten ist (vgl. III­3.4).

311	 Vgl.	http://www.kiew.diplo.de/contentblob/4021628/Da­
ten/3609848/pdf_Merkblatt_Aufnahmeverfahren.pdf	(Abruf:	
18. März		2015).
312 Laut einer interviewten Beraterin der IHK beträgt die Bearbeitungs­
dauer	bei	BVFG-Anträgen	14 Tage.
313 Eine MBE-Beraterin nannte als Beispiel eine Buchhalterin aus Russ­
land, die ihren Beruf nach dem BVFG als Bürokauffrau anerkennen
lassen	konnte.	Nach	dem	BQFG	sei	dies	nicht	möglich	gewesen,	da	
Buchhalterin und Buchhalter in Deutschland ein Weiterbildungs­
beruf ist.

Im Vergleich zum BVFG scheint den bilateralen
Gleichstellungsabkommen mit Frankreich314 und
Österreich315 eine noch geringere Bedeutung zuzukom­
men: Im Bereich Industrie und Handel raten nur zwei

314		 Grundlage	für	die	rechtliche	Gleichstellung	von	französischen	und	
deutschen	Abschlüssen	ist	die	„Verordnung	zur	Gleichstellung	franzö­
sischer Prüfungszeugnisse“ (siehe: http://www.gesetze-im-internet.
de/bundesrecht/prfgzfrankrv/gesamt.pdf,	Abruf:	18. März	2015).	Eine	
wichtige Signalwirkung zur Akzeptanz der Abschlüsse bei den Arbeit­
gebern in den jeweiligen Ländern hat die „Erklärung über die generelle
Vergleichbarkeit	von	deutschen	und	französischen	Berufsabschluss­
zeugnissen“	(siehe:	http://www.ihk-fosa.de/fileadmin/ihk-fosa/
Dateien/Gesetze_und_Offizielles/Gemeinsame_Erklaerung_Frank­
reich.pdf,	Abruf:	18. März	2015).
315	 Grundlage	für	die	rechtliche	Gleichstellung	von	österreichischen	und	
deutschen	Abschlüssen	ist	die	„Verordnung	zur	Gleichstellung	ös­
terreichischer Prüfungszeugnisse mit Zeugnissen über das Bestehen
der Abschlussprüfung oder Gesellenprüfung in anerkannten Ausbil­
dungsberufen“ (siehe: http://www.gesetze-im-internet.de/prf­
gzautv/BJNR007710990.html,	Abruf:	18. März	2015).	Eine	wichtige	
Signalwirkung zur Akzeptanz der Abschlüsse bei den Arbeitgebern in
den jeweiligen Ländern hat die „Gemeinsame Erklärung auf dem Ge­
biet	der	beruflichen	Bildung	über	die	grundsätzliche	Vergleichbarkeit	
von	Ausbildungsabschlüssen	im	beruflichen	Bereich“	aus	dem	Jahr	
2005	(siehe:	http://www.ihk-fosa.de/fileadmin/ihk-fosa/Dateien/
Gesetze_und_Offizielles/Gemeinsame_Erklaerung_OEsterreich.pdf,	
Abruf:	18. März	2015).

172

Kammern316 bei einem Ausbildungsberuf sehr häufig
bis eher häufig zu einer Gleichstellung, im Handwerks­
bereich geben dies je vier Kammern bei einem Ausbil­
dungsberuf317 und bei einer Meisterqualifikation318 an.

3.4 Alternative Verfahren und Möglichkeiten
Wie bereits im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz
(vgl. Erbe u. a. 2014, S. 72 ff.) dargestellt, können neben
einem Anerkennungsverfahren alternative Verfah­
ren und Möglichkeiten für Personen mit im Ausland
erworbenen Berufsqualifikationen zum Teil zielfüh­
render sein. Dies hängt stark vom jeweiligen Einzelfall,
dem Alter, den Deutschkenntnissen, der finanziellen
Situation, der Berufserfahrung und dem Ziel der jewei­
ligen Person ab. Zu beachten ist, dass es (mit Ausnahme
des Meisterbriefs) aus rechtlicher Perspektive keinen
Unterschied macht, ob jemand eine deutsche Ausbil­
dung abgeschlossen hat oder einen Gleichwertigkeits­
bescheid vorlegen kann (vgl. § 50a BBiG).
Da bei reglementierten Berufen die Anerkennung der
ausländischen Berufsqualifikation zwingende Vorausset­
zung ist, um diese in Deutschland ausüben zu können,
bestehen keine Alternativen zum Anerkennungsverfah­
ren. Deshalb wird in diesem Abschnitt die Bedeutung
einiger alternativer Verfahren nur für die Bereiche
Handwerk und Industrie und Handel beleuchtet.319
Bei den Ausbildungsberufen im IHK­ und HWK­
Bereich wurde abgefragt, wie häufig zu einer Exter­
nenprüfung, einer Umschulung beziehungsweise
verkürzten Ausbildung und zu einer Weiterbildung
beziehungsweise Fortbildungsprüfung (Letzteres nur
für den IHK­Bereich) geraten wird. Es zeigt sich, dass
diese drei Alternativen in beiden Bereichen etwa die
gleiche Rolle spielen (siehe Abbildung 68).

316 Dazu haben 38 der 52 befragten IHKn eine Angabe gemacht. Bei
Ausbildungsberufen	im	IHK-Bereich	ist	§ 50	BBiG	Grundlage	für	
eine Gleichstellung.
317 Dazu haben 43 der 53 HWKn eine Angabe gemacht. Bei Ausbil­
dungsberufen	im	HWK-Bereich	sind	§ 40	Absatz 2	HwO	und	
§ 50	BBiG	Grundlage	für	eine	Gleichstellung.
318 Dazu haben 41 der 53 HWKn eine Angabe gemacht. Bei Meister­
qualifikationen	im	HWK-Bereich	ist	§ 50a	Absatz 2	HwO	Grundlage	
für eine Gleichstellung.
319	 Dazu	werden	ebenfalls	sowohl	Ergebnisse	der	in	2014	durchgeführ­
ten quantitativen Befragungen bei den Handwerkskammern und
Industrie-	und	Handelskammern	als	auch	der	in	2013	und	2014	ge­
führten qualitativen Interviews (perspektivenübergreifend) genutzt.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Je ein Viertel der befragten Handwerkskammern und
Industrie- und Handelskammern rät sehr häufig bis
eher häufig zu einer Externenprüfung.320 Dies kann
damit begründet werden, dass die Voraussetzungen für
die Externenprüfung sehr hoch sind. Zulassungsvor­
aussetzung gemäß § 45 Absatz 2 BBiG beziehungsweise
§ 37 Absatz 2 HwO ist der Nachweis der eineinhalbfachen Zeit an einschlägiger Berufserfahrung, die als
Ausbildungszeit vorgeschrieben ist (bei einer dreijähri­
gen Ausbildung also viereinhalb Jahre). Dabei können
auch im Ausland absolvierte Ausbildungszeiten ange­
rechnet werden (vgl. Schreiber und Weber­Höller 2011).
Darüber hinaus nennen viele Beratende (IHK, HWK
und MBE) sehr gute deutsche (Fach­)Sprachkenntnisse
zur Vorbereitung auf die Prüfung und Ablegen dieser
als notwendig. So kommt aus dem IHK­Bereich der
Hinweis, dass von B1­ oder B2­Sprachniveau ausgegan­
gen werde. Vor allem im HWK­Bereich scheint für eine
Beratung zur Externenprüfung wichtig zu sein, dass die
Ausbildung aus dem Ausland noch nicht so lange her
ist, da die Externenprüfung auf dem heutigen Stand
der Technik und Theorie beruht.
Zu einer Umschulung beziehungsweise verkürzten
Ausbildung raten 14 von 45 Handwerkskammern sehr
häufig bis eher häufig, bei den Industrie- und Handels­
kammern sind es neun von 43. Was die sprachlichen
Voraussetzungen angeht, gehen die Ansichten der
Interviewten auseinander: Im IHK­Bereich werden
sehr gute Deutschkenntnisse für notwendig erach­
tet.321 Vonseiten der MBE wird berichtet, dass manche
Personen sich eher für eine neue Ausbildung (statt
zum Beispiel für eine Externenprüfung) entscheiden,
um die Sprache mit der Ausbildung zu lernen. Nach
Meinung einzelner MBE sei eine neue Ausbildung
zum Teil sinnvoller, gerade dann, wenn das Anerken­
nungsverfahren mit großer Wahrscheinlichkeit zu
einer teilweisen Gleichwertigkeit führt. Zudem ist nach
Einschätzungen von einigen Handwerkskammern eine
Umschulung oder (verkürzte) Ausbildung im Vergleich
zu einer Anpassungsqualifizierung (vgl. III-4), die nach
der Feststellung einer teilweisen Gleichwertigkeit ab­

320 Damit kommt der Externenprüfung als Alternative nicht so eine
hohe Bedeutung zu wie im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz
angenommen	(vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S. 73).
321 Eine Beraterin sieht die Sprachkenntnisse als wichtig an, um dem
Berufsschulunterricht folgen und die schriftliche Abschlussprüfung
bestehen	zu	können.

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

173

	
	sowie	Industrie	und	Handel:	Häufigkeit,	dass	bei	einem	Ausbildungsberuf	zu	alternativen	
Abbildung	68	 Handwerk
Möglichkeiten geraten wird (absolut)

HWK
(n	=	48)

12

36

Externenprüfung
IHK
(n	=	44)

11

HWK
(n	=	45)

33

14

31

Umschulung/
verkürzte Ausbildung
IHK
(n	=	43)

Weiterbildung/
Fortbildungs­
prüfung*

9

HWK
(n	=	44)

34

32

12

IHK
(n	=	44)

9

0

35

10

20

	 sehr	häufig	bis	eher	häufig

30

40

50

eher selten bis nie

*	Im	IHK-Bereich	hieß	das	abgefragte	Item	„Weiterbildung/Ablegung	einer	Fortbildungsprüfung“,	im	HWK-Bereich	nur	„Weiterbildung“.
Quelle:	BIBB-/ZDH-Befragung	(2014)	der	Handwerkskammern	und	BIBB-Befragung	(2014)	der	Industrie-	und	Handelskammern;	
n	jeweils	ausgewiesen.	Die	Antwortmöglichkeiten	„sehr	häufig“,	„häufig“	und	„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	„sehr	häufig	bis	eher	häufig“	
zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	zur	Kategorie	„eher	selten	bis	nie“;	jeweils	zur	Gesamtzahl	aller	befragten
	HWKn	(n	=	53)	und	IHKn	(n	=	52)	fehlend	=	keine	Angabe/weiß	nicht.

solviert werden kann, kostengünstiger und insgesamt
einfacher. Dort wird von Fällen berichtet, in denen
Personen lieber eine Umschulung machen wollten, auf
Anraten der Arbeitsverwaltung jedoch zuerst ein Aner­
kennungsverfahren in die Wege geleitet wurde.
Eine Weiterbildung (non­formale Bildung) empfeh­
len zwölf von 44 Handwerkskammern sehr häufig bis
eher häufig. Zu einer Weiterbildung beziehungsweise
Fortbildungsprüfung (formaler Abschluss) raten neun
von 44 Industrie- und Handelskammern sehr häufig
bis eher häufig. In den Interviews gibt es nur Hinweise,
dass zu einer Weiterbildung oder Fortbildung geraten
wird beziehungsweise die Personen dies anstreben,
aber keine Aussagen zu Voraussetzungen, Kosten etc.
Eine Kammer wird nur zu einer Fortbildungsprüfung
raten, wenn sie davon ausgeht, dass die Zulassungsvo­

raussetzungen vorliegen (oft reicht dafür schon eine
ausreichende Berufserfahrung aus).
Bei den Meisterqualifikationen im Handwerksbereich
wurde bei mehreren alternativen Verfahren abgefragt,
wie häufig zu diesen geraten wird (siehe Abbildung 69).
Es zeigt sich, dass bei den Handwerksmeisterqualifi­
kationen im reglementierten Handwerk nach HwO
Anlage A die beiden Verfahren zur Eintragung in die
Handwerksrolle die größte Rolle spielen: Zu einer
Ausnahmebewilligung nach § 8 HwO rät etwas mehr
als die Hälfte (26) der Handwerkskammern sehr häufig
bis eher häufig. Eine Eintragung nach § 9 HwO i. V. m.
EU/EWR­Handwerk­VO, die sich speziell an Staatsan­
gehörige eines Mitgliedsstaates der EU, eines Vertrags­
staates der EWR oder der Schweiz richtet, empfiehlt

174

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Abbildung	69	 	Handwerk:	Häufigkeit,	dass	bei	einer	Meisterqualifikation	zu	alternativen	Möglichkeiten	geraten	wird	
(absolut)
Eintr. Handwerksrolle
Ausnahmebewilligung	§	8	HwO	(n	=	46)

26

Eintr. Handwerksrolle nach § 9 HwO
i.	V.	m.	EU/EWR-Handwerk-VO	(n	=	43)

20

19

Anzeige	der	gewerblichen	Tätigkeit*	(n	=	38)

24

15

23

Meisterprüfung/Fortbildung	(n	=	43)

11

32

Weiterbildung	(n	=	43)

11

32

Externenprüfung	(n	=	42)

6

Umschulung/verkürzte	Ausbildung	(n	=	43)

36

3

0

40

10

20

	 sehr	häufig	bis	eher	häufig

30

40

50

eher selten bis nie

*	Das	abgefragte	Item	hieß	„Anzeige	der	gewerblichen	Tätigkeit	für	die	Eintragung	in	die	Handwerksrolle“.
Quelle:	BIBB-/ZDH-Befragung	(2014)	der	Handwerkskammern;	n	jeweils	ausgewiesen.	Die	Antwortmöglichkeiten	„sehr	häufig“,	„häufig“	
und	„eher	häufig“	wurden	zur	Kategorie	„sehr	häufig	bis	eher	häufig“	zusammengefasst,	die	Möglichkeiten	„eher	selten“,	„selten“	und	„nie“	
zur	Kategorie	„eher	selten	bis	nie“;	jeweils	zur	Gesamtzahl	aller	befragten	HWKn	(n	=	53)	fehlend	=	keine	Angabe/weiß	nicht.

etwas weniger als die Hälfte (19) der Handwerkskam­
mern sehr häufig bis eher häufig.322 Nach Einschätzung
der Handwerkskammern scheint diese Alternative
zielführender als ein Anerkennungsverfahren zu sein,
wenn das Hauptanliegen der Person ist, sich selbststän­
dig zu machen.
Bei den Handwerksmeisterqualifikationen im nicht
reglementierten Gewerbe nach HwO Anlage B besteht
die Möglichkeit der Anzeige der gewerblichen Tätig­
keit für die Eintragung in die Handwerksrolle. Auch
dieser Alternative kommt eine relativ große Bedeutung
zu, da 15 von 38 Handwerkskammern sie sehr häufig
bis eher häufig empfehlen.
Wie in Abschnitt IV­3.2.1 dargestellt, sind alternative
Verfahren im Handwerksbereich häufiger ein Grund,
keinen Antrag zu stellen, als im Bereich Industrie und

322 Damit kann die Aussage im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz
bestätigt	werden,	dass	es	sich	um	eine	häufig	genannte	Alternative	
zur	Gleichwertigkeitsprüfung	handelt	(vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S. 73).

Handel. Während bei den Ausbildungsberufen in
beiden Bereichen etwa gleich häufig zu alternativen
Verfahren geraten wird, geht die Beratung vor allem
bei Meisterqualifikationen im Handwerk in Richtung
bestehender Alternativen. Dies liegt daran, dass das
Handwerksrecht schon seit Jahren vielfältige Möglich­
keiten für den Zugang zu den reglementierten Meister­
berufen eröffnet.
Zu einer Weiterbildung rät ein Drittel der Handwerks­
kammern sehr häufig bis eher häufig, ebenso zu einer
Meisterprüfung beziehungsweise Fortbildung. In den
Interviews werden gute Deutschkenntnisse sowie aus­
reichend Berufserfahrung in Deutschland als Voraus­
setzungen für die Meisterprüfung genannt. Gemäß den
Einschätzungen in den Interviews seien die Motive der
Personen für die Ablegung der Meisterprüfung darin
begründet, einen deutschen Meisterbrief zu bekommen
und sich Meisterin beziehungsweise Meister nennen
zu dürfen. Dieses Ziel kann nur mit dem Bestehen der
jeweiligen Prüfung erreicht werden; mit einer voll­

IV DETAILSTUDIEN ZUM ANERKENNUNGSGESCHEHEN

ständigen Anerkennung erhalten die Personen zwar
dieselben Rechte zum selbstständigen Gewerbebetrieb
wie die Inhaberinnen und Inhaber eines Meisterab­
schlusses, sie dürfen aber nicht den Titel führen. Sofern
Personen mit einer ausländischen Berufsqualifikation
eine Meisterprüfung ablegen, besteht die Möglichkeit,
einen Antrag auf Befreiung von Prüfungsbestandteilen
aufgrund des ausländischen Abschlusses zu stellen.
Eine entsprechende Empfehlung für die Externenprü­
fung sowie die Umschulung wird eher selten ausge­
sprochen: Sechs von 42 Handwerkskammern raten
sehr häufig bis eher häufig zu einer Externenprüfung
und drei von 43 zu einer Umschulung beziehungsweise
verkürzten Ausbildung. Zu diesen Alternativen wird
zum Beispiel geraten, wenn die Person eine Anerken­
nung anstrebt, die sich auf eine Meisterqualifikation
bezieht, die Erfolgschancen aber nach Prognose der
Kammer sehr gering sind. Die vorhandenen Kenntnis­
se, Fertigkeiten und Fähigkeiten der Personen können
in diesen Fällen unter Umständen die Zulassung zur
Externenprüfung ermöglichen oder als Begründung
für die Verkürzung einer Ausbildung in Deutschland
herangezogen werden.

175

176

Anhang

ANHANG

177

A1 Glossar

*	 Entsprechend markierte Erläuterungen wurden wörtlich aus dem Glossar von Anerkennung in Deutschland
übernommen.323
324325

** Entsprechend markierte Erläuterungen wurden wörtlich aus dem Glossar von Anerkennung in Deutschland
übernommen, jedoch gekürzt, verändert oder ergänzt.
anabin	

anabin ist das offizielle Portal der Länder zur Anerkennung ausländischer Bildungs­
nachweise. Es wird von der ZAB betrieben. Anabin stellt Informationen zur Bewertung
ausländischer Bildungsnachweise zu über 180 Ländern und deren Bildungsinstitutionen
und Abschlüssen bereit. Das Portal verfügt über einen Behördenzugang für Anerken­
nungsstellen sowie über ein öffentliches Informationsangebot.324

Anerkennung	

Berufliche Anerkennung nach dem Anerkennungsgesetz ist die Bewertung und Bestäti­
gung der vollen oder teilweisen Gleichwertigkeit einer ausländischen Berufsqualifi­
kation mit dem entsprechenden deutschen Ausbildungsnachweis im Rahmen eines
Verfahrens (siehe Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren).**

Anerkennungsgesetz 	

„Anerkennungsgesetz“ ist die inoffizielle Kurzform für das am 1. April 2012 in Kraft
getretene Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland
erworbener Berufsqualifikationen. Das Anerkennungsgesetz regelt die Anerkennung
ausländischer Berufsqualifikationen für Berufe in der Zuständigkeit des Bundes. Es ist
ein Artikelgesetz und umfasst das Bundesgesetz BQFG (Zuständigkeit des BMBF) sowie
Änderungen beziehungsweise Anpassungen in den berufsrechtlichen Fachgesetzen und
Verordnungen (Zuständigkeiten der Fachressorts).**

Anerkennungsportal	

„Anerkennung in Deutschland“ ist das offizielle Portal der Bundesregierung zur Aner­
kennung ausländischer Berufsqualifikationen. Es wird vom BIBB im Auftrag des BMBF
betrieben. Das Portal bietet Informationen in den Sprachen Deutsch, Englisch, Grie­
chisch, Italienisch, Polnisch, Rumänisch, Spanisch und Türkisch. Mithilfe des Anerken­
nungsfinders können Anerkennungsinteressierte den Referenzberuf eingrenzen sowie
die entsprechende zuständige Stelle ermitteln.325

Anerkennungsverfahren	 siehe Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren
Anpassungslehrgang	

Die Bezeichnung „Anpassungslehrgang“ stammt aus der EU-Berufsanerkennungs­
richtlinie 2005/36/EG. Die Absolvierung eines Anpassungslehrgangs ist eine Mög­
lichkeit, um in den reglementierten Berufen festgestellte wesentliche Unterschiede
zwischen einer ausländischen Berufsqualifikation und der inländischen Referenz­
qualifikation auszugleichen mit dem Ziel, die Anerkennung und damit die Berufs­
zulassung oder das Recht zur Titelführung zu erreichen.**

323	 Vgl.	www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/glossar.php	(Abruf:	18. März	2015).

324	 Vgl.	http://anabin.kmk.org	(Abruf:	28.	April	2015).

325	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	28,	und	www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/ueber_uns.php	(Abruf:	18.	März	2015).


178

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Ausgleichsmaßnahme
oder
Anpassungsmaßnahme

Die Bezeichnung „Ausgleichsmaßnahme“ stammt aus der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG. Mit einer Ausgleichsmaßnahme (= Anpassungsmaßnahme)
können in den reglementierten Berufen festgestellte wesentliche Unterschiede
zwischen einer ausländischen Berufsqualifikation und der inländischen Referenz­
qualifikation ausgeglichen werden, um die Anerkennung und damit die Berufs­
zulassung oder das Recht zur Titelführung zu erreichen. Mit den Ausgleichsmaßnahmen
werden gleichwertige Fähigkeiten und Kenntnisse erworben beziehungsweise nach­
gewiesen. Eine Ausgleichsmaßnahme kann je nach Beruf und rechtlicher Regelung
ein Anpassungslehrgang oder eine Prüfung (Eignungsprüfung oder bei Drittstaats­
abschlüssen eine Kenntnisprüfung) sein.

Anpassungsqualifizierung

Mit einer Anpassungsqualifizierung können in den nicht reglementierten Berufen
festgestellte wesentliche Unterschiede zwischen einer ausländischen Berufsqualifika­
tion und der inländischen Referenzqualifikation ausgeglichen werden, um die volle
Gleichwertigkeit zu erreichen. Die Absolvierung einer solchen Anpassungsqualifizierung
ist bei den nicht reglementierten Berufen nicht zwingend Voraussetzung zur Ausübung
des Berufs, dies ist auch ohne einen Gleichwertigkeitsbescheid (siehe Gleichwertigkeits­
feststellungsverfahren) möglich.

Approbation

Die Approbation ist die staatliche Zulassung, die zur Ausübung bestimmter akade­
mischer Heilberufe erforderlich ist (zum Beispiel Ärztin/Arzt, Zahnärztin/Zahnarzt,
Apothekerin/Apotheker). Für die Erteilung einer Approbation müssen vom Antrag­
stellenden verschiedene Voraussetzungen wie zum Beispiel der erfolgreiche Abschluss
eines Studiums, Deutschkenntnisse und gesundheitliche Eignung (siehe unter anderem
§ 3 BÄO) erfüllt werden.

Ausbildungsnachweise

Ausbildungsnachweise sind Prüfungszeugnisse und Befähigungsnachweise, die von ver­
antwortlichen Stellen für den Abschluss einer erfolgreich absolvierten Berufsbildung
ausgestellt werden.326

Ausbildungsordnung

Bei dualen Ausbildungsberufen ist die Ausbildungsordnung die rechtliche Grundlage
der Ausbildung. Dort ist unter anderem festgehalten, wie der Ausbildungsberuf heißt,
wie lange die Ausbildung dauert und welche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse
während der Ausbildung zu erlernen sind. Ausbildungsordnungen können von den
zuständigen Stellen beim Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren herangezogen
werden, um die Inhalte der Auslandsqualifikation mit denen der deutschen Ausbildung
vergleichen zu können.

326

326 § 3 Absatz 2 BQFG.

ANHANG

automatische
Anerkennung

179

Die automatische Anerkennung stammt aus der EU­Berufsanerkennungsrichtlinie
2005/36/EG. Bei sieben sogenannten „sektoralen“ reglementierten Berufen (Ärzte,
Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Gesundheits- und Krankenpfleger, Hebammen,
Architekten), in denen die Mindestanforderungen an die Ausbildung auf europäischer
Ebene harmonisiert sind, erfolgt eine automatische Anerkennung, wenn die Berufs­
qualifikation in Anhang V der Richtlinie aufgelistet ist.
Die zuständige Behörde darf dann keine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung vorneh­
men und dementsprechend keine Dokumente verlangen, die nähere Angaben zu den
Inhalten der absolvierten Ausbildung enthalten.
Für alle anderen reglementierten Berufe ist eine individuelle Prüfung der Gleichwer­
tigkeit (siehe Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren) der beruflichen Qualifikation
durch die zuständigen Stellen vorgesehen.327

Berufsabschluss

Der nachgewiesene Abschluss einer beruflichen Aus- oder Fortbildung, der durch er­
folgreiches Ablegen einer staatlichen oder staatlich anerkannten Prüfung erlangt wird.*

Berufsbildung

Berufsbildung im Sinne dieses Gesetzes ist eine durch Rechts­ oder Verwaltungsvor­
schriften geregelte Berufsausbildung oder berufliche Fortbildung. Eine Berufsausbil­
dung vermittelt die zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit erforder­
liche berufliche Handlungsfähigkeit. Sie findet in einem geordneten Ausbildungsgang
statt, der auch den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrungen umfassen kann. Die
berufliche Fortbildung erweitert die berufliche Handlungsfähigkeit über die Berufsaus­
bildung hinaus.328

Berufsqualifikationen

Berufsqualifikationen sind Qualifikationen, die durch Ausbildungsnachweise, Befähi­
gungsnachweise oder einschlägige, im Ausland oder Inland erworbene Berufserfahrung
oder sonstige einschlägige Qualifikationen nachgewiesen werden.329

Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz
(BQFG)

Das Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen (BQFG
– Artikel 1 des Anerkennungsgesetzes) ist ein Bundesgesetz im Zuständigkeitsbereich
des BMBF, welches seit dem 1. April 2012 in Kraft ist. Es ist eine Art Stammgesetz für
die Anerkennung von Berufsqualifikationen in Deutschland. Es regelt Verfahren und
Kriterien für die Prüfung der Gleichwertigkeit der im Ausland erworbenen Qualifikation
mit dem deutschen Referenzberuf. Sein Hauptanwendungsbereich sind die Gleich­
wertigkeitsfeststellungsverfahren im Bereich der dualen Ausbildungsberufe.**

BQ-Portal

Das BQ­Portal unterstützt zuständige Stellen und Arbeitgeber bei der Bewertung
ausländischer Berufsabschlüsse. Es wird vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln be­
trieben. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 befanden sich 69 veröffentlichte Länderprofile
mit 958 ausländischen Berufsprofilen und 386 Prüfergebnisse im BQ-Portal.330

327328329330

327	 Vgl.	www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/eu_anerkennungsrichtlinie.php	(Abruf:	18.	März	2015).

328 § 3 Absatz 3 BQFG.

329 § 3 Absatz 1 BQFG.

330	 Abfrage	beim	IW	Köln	vom	22.	Januar	2015.


180

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

bundesrechtlich
geregelte Berufe

Das sind Berufe, die in der gesetzgeberischen Zuständigkeit des Bundes liegen. Das
Anerkennungsgesetz des Bundes erstreckt sich ausschließlich auf die bundesrechtlich
geregelten Berufe. Dies trifft auf die große Zahl der Berufe nach BBiG und HwO zu,
also auf die Ausbildungsberufe des sogenannten Dualen Systems, aber auch auf eine
Reihe weiterer Berufe, die im Gesetz aufgeführt sind (zum Beispiel Ärztin/Arzt, Gesund­
heits- und Krankenpflegerin/-pfleger). Der auf der Grundlage von Bundesrecht erstellte
rechtsmittelfähige Gleichwertigkeitsbescheid hat bundesweit Gültigkeit. Für die landes­
rechtlich geregelten Berufe haben die Länder eigene Anerkennungsgesetze erlassen.331

Bundesvertriebenengesetz (BVFG)

Das Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge (BVFG) trat 1953
in Kraft. Nach § 10 BVFG werden Prüfungen und Befähigungsnachweise von Spätaus­
siedlerinnen und Spätaussiedlern anerkannt, wenn sie dem entsprechenden deutschen
Abschluss gleichwertig sind. Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler haben jetzt die
Wahl: Sie können für berufliche Abschlüsse, die sie in den Aussiedlungsgebieten erwor­
ben haben, wie bisher das Verfahren nach dem BVFG oder das neue Gleichwertigkeits­
verfahren nach dem BQFG anstreben.332

Drittstaat

Als Drittstaat werden in der Europäischen Union (EU) alle Staaten außerhalb der EU, dem
Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder der Schweiz als einem durch ein besonderes
Abkommen der EU gleichgestelltem Staat bezeichnet (siehe auch EU/EWR/Schweiz).**

Eignungsprüfung
(auch Defizitprüfung
genannt)

Die Bezeichnung „Eignungsprüfung“ stammt aus der EU-Berufsanerkennungsricht­
linie 2005/36/EG. Sie bezeichnet eine von den zuständigen Behörden durchgeführte
Prüfung, durch die die Antragstellerin oder der Antragsteller die Gleichwertigkeit ihres
Kenntnisstandes nachweisen kann. Die Eignungsprüfung erstreckt sich auf Sachge­
biete, deren Kenntnis eine wesentliche Voraussetzung für die Ausübung des Berufs im
Aufnahmestaat ist. Die Richtlinie 2005/36/EG schreibt vor, dass die Eignungsprüfung
auf die festgestellten Ausbildungsdefizite beschränkt werden muss. Die Anerkennungs­
behörden haben zu berücksichtigen, dass die Antragstellenden in ihren Herkunftsmit­
gliedsstaaten bereits berufliche Qualifikationen erworben haben. Die Eignungsprüfung
wird zum Teil auch als Defizitprüfung bezeichnet.**

Einstiegsberatung

Einstiegsberatungen werden von den zuständigen Stellen durchgeführt. Dabei in­
formieren sie Anerkennungsinteressierte über die gesetzlichen Grundlagen und das
Anerkennungsverfahren insgesamt (einzureichende Unterlagen, Kosten usw.). Im Sinne
einer Vorprüfung wird mit den Anerkennungsinteressierten der deutsche Referenzbe­
ruf ermittelt. Darüber hinaus werden berufliche Ziele und Vorstellungen erörtert und
auf alternative Verfahren (zum Beispiel Externenprüfung, Umschulung) hingewiesen.333

331332333

331	 Vgl.	http://www.anerkennung-in-deutschland.de/media/20120320_erlaeuterungen_zum_anerkennungsg_bund.pdf	(Abruf:	18.	März	2015).
332	 Vgl.	http://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/spaetaussiedler.php	und	http://www.gesetze-im-internet.de/bvfg/BJNR002010953.html	
(Abruf:	18.	März	2015).
333	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	27	und	29.

ANHANG

181

Erstberatung

Die Erstberatung umfasst in der Regel Informationen zu den jeweils relevanten gesetz­
lichen Grundlagen und Verfahren, die Vorklärung des Referenzberufs sowie den Verweis
(siehe Verweisberatung) an die für die Gleichwertigkeitsfeststellung (siehe Gleichwertig­
keitsfeststellungsverfahren) zuständige Stelle. Die Erstberatung wird insbesondere durch
die Beratungsstellen des IQ­Netzwerks (siehe Integration durch Qualifizierung), durch
die Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland sowie weitere Beratungseinrichtungen
durchgeführt. Auch die regionalen Kammern im Bereich Industrie und Handel bezeich­
nen die eigene Beratung häufig als Erstberatung.334

EU/EWR/Schweiz

Staaten der Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR)
und die Schweiz. EU­Mitgliedsstaaten sind: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland,
Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen,
Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowe­
nien, Spanien, Schweden, Tschechische Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Zypern.
EWR­Staaten sind alle EU­Mitgliedsstaaten plus Island, Liechtenstein und Norwegen. Die
Schweiz nimmt auf der Grundlage bilateraler Abkommen mit der EU am europäischen
System der beruflichen Anerkennung teil.*

EU-Berufsanerkennungs­
richtlinie 2005/36/EG

Diese Richtlinie der Europäischen Union (genannt: Berufsanerkennungsrichtlinie) ist
am 15. Oktober 2005 in Kraft getreten und fasst 15 Richtlinien zur Anerkennung von
Berufsqualifikationen zusammen. Sie gilt nur für reglementierte Berufe und legt für
Staatsangehörige der EU­Mitgliedsstaaten Kriterien und Verfahrensgrundsätze für die
gegenseitige Anerkennung von in EU-Mitgliedsstaaten erworbenen Berufsqualifikatio­
nen fest. Als Beurteilungskriterium für die Gleichwertigkeit von beruflichen Qualifikationen wird in der Richtlinie der Begriff der „wesentlichen Unterschiede“ eingeführt.
Die Richtlinie schreibt vor, dass die Anerkennungsbehörden einschlägige Berufserfah­
rung berücksichtigen müssen und dadurch wesentliche Unterschiede in den Ausbil­
dungen ausgeglichen werden können. Schließlich schreibt die Richtlinie sogenannte
Anpassungsmaßnahmen für den Fall vor, dass wesentliche Unterschiede vorliegen.*
Die Richtlinie ist vollständig in Deutschland umgesetzt.
Die Richtlinie wurde mit der Richtlinie 2013/55/EU geändert. Diese Änderungen sind
bis zum 18. Januar 2016 in nationales Recht umzusetzen.

Externenprüfung

334335

334	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	27.
335	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	73.

Die sogenannte Externenprüfung ermöglicht Personen, die keine duale Ausbildung
durchlaufen haben, an der regulären Berufsabschlussprüfung teilzunehmen. Zugelassen
werden Personen, die einschlägige Berufserfahrung oder andere Lernleistungen im an­
gestrebten Beruf nachweisen können. Das Zulassungsverfahren wird von den zustän­
digen Stellen, dies sind in der Regel die Kammern, durchgeführt. Die Externenprüfung
wird im Berufsbildungsgesetz (§ 45 Absatz 2 BBiG) und entsprechend in der Handwerks­
ordnung (§ 37 Absatz 2 HwO) geregelt. Für Personen mit einem im Ausland erworbenen
Berufsabschluss kann je nach den Umständen des Einzelfalls statt des Anerkennungs­
verfahrens auch eine Externenprüfung infrage kommen.335

182

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren

Beim Gleichwertigkeitsfeststellungsverfahren vergleicht die zuständige Stelle die aus­
ländische Berufsqualifikation anhand festgelegter, formaler Kriterien (wie zum Beispiel
Ausbildungsinhalt und -dauer) mit einer deutschen Berufsqualifikation. Die zuständige
Stelle stellt einen Gleichwertigkeitsbescheid mit dem Ergebnis dieses Vergleichs aus,
der den Antragstellenden rechtlich mit Personen gleichstellt, die einen entsprechenden
deutschen Berufsabschluss besitzen. Liegen keine wesentlichen Unterschiede zwischen
der ausländischen und der deutschen Berufsqualifikation vor, wird die volle Gleichwer­
tigkeit festgestellt, bei wesentlichen Unterschieden, die nicht durch eine entsprechende
Berufserfahrung ausgeglichen werden können, die teilweise Gleichwertigkeit. Beste­
hen keine Gemeinsamkeiten, wird keine Gleichwertigkeit festgestellt (Ablehnung des
Antrags).**

Hotline Arbeiten und
Leben in Deutschland

Seit dem 1. Dezember 2014 bietet die zentrale „Hotline Arbeiten und Leben in
Deutschland“ eine individuelle telefonische Erstberatung zu den Themen Anerken­
nung ausländischer Berufsabschlüsse, Einreise und Aufenthalt, Jobsuche und Deutsch
lernen an. Erreichbar ist die Hotline Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 15 Uhr unter der
Nummer +49 30 1815­111.
Die Hotline wird als Maßnahme der Demografiestrategie der Bundesregierung ge­
meinsam vom BAMF und der BA im Rahmen einer ressortübergreifenden Kooperation
zwischen dem BMWi, dem BMI und dem BMBF betrieben. Sie begleitet die bestehenden
Angebote von www.make-it-in-germany.com, www.anerkennung-in-deutschland.de,
www.bamf.de, www.arbeitsagentur.de und www.zav.de.

IHK FOSA

Im Bereich Industrie und Handel wurde im Frühjahr 2012 mit der IHK FOSA (Foreign
Skills Approval) eine zentrale zuständige Stelle geschaffen, die für den Verwaltungs­
vollzug im Rahmen des BQFG verantwortlich ist. Die IHK FOSA wurde als eigenstän­
dige Körperschaft des öffentlichen Rechts durch den Zusammenschluss von 77 der
80 Industrie­ und Handelskammern gegründet. Die Kammern Wuppertal­Solingen­
Remscheid, Hannover und Braunschweig beteiligen sich nicht. Die IHK Braunschweig
hat formell die Aufgaben nach dem BQFG auf die IHK Hannover übertragen. Die
Vor­Ort­Kammern sind für die Einstiegsberatung im Vorfeld der Antragstellungen
verantwortlich.336

336

336	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	29	und	34.

ANHANG

183

Integration durch
Qualifizierung (IQ)

Das Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“ (IQ), das gemeinsam vom
BMAS, vom BMBF und der BA getragen wird, hat 16 regionale Netzwerke installiert,
die alle Länder der Bundesrepublik abdecken. Es berät Anerkennungsinteressierte und
unterstützt Regelinstitutionen (zum Beispiel Agenturen für Arbeit und Jobcenter),
aber auch die Kammern und die regionale Wirtschaft. Bundesweit gibt es ca. 70 IQ­
Erstanlaufstellen zur Erstberatung für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifi­
kationen.337

Kenntnisprüfung

Die Kenntnisprüfung ist eine Ausgleichsmaßnahme (= Anpassungsmaßnahme). Es han­
delt sich dabei um eine Prüfung zum Nachweis der Gleichwertigkeit vorhandener beruf­
licher Kenntnisse und Fähigkeiten. Die Kenntnisprüfung bezieht sich auf den Inhalt der
deutschen staatlichen Abschlussprüfung. Das heißt nicht, dass die Prüfung im Umfang
einer staatlichen Abschlussprüfung entspricht. Sämtliche Inhalte der Abschlussprüfung
können aber abgeprüft werden.**

landesrechtlich geregelte Berufe, die in der Zuständigkeit der Länder liegen und für die die Länder eigene Aner­
kennungsgesetze erlassen haben (zum Beispiel Lehrerin/Lehrer, Erzieherin/Erzieher).338
Berufe
Migrationsberatung für
erwachsene
Zuwanderer (MBE)

Bundesweit gibt es über 700 MBE­Beratungsstellen. Das BAMF ist für die Durchführung
der MBE zuständig. Das Beratungsangebot richtet sich grundsätzlich an erwachsene
Zuwandererinnen und Zuwanderer über 27 Jahre. Beraten werden prioritär Neuzu­
wandererinnen und Neuzuwanderer bis zu drei Jahre nach Einreise in das Bundes­
gebiet beziehungsweise bis zu drei Jahre nach Erlangung des auf Dauer angelegten
Aufenthaltsstatus. Die Migrationsberatung der jugendlichen und jungen erwachsenen
Zuwandererinnen und Zuwanderer bis zum 27. Lebensjahr führen die über 420 Jugendmigrationsdienste (JMD) durch.339

nicht reglementierte
Berufe

Der Berufszugang oder die Berufsausübung ist bei nicht reglementierten Berufen an
keine bestimmte staatliche Vorgabe geknüpft (zum Beispiel Kaufleute für Büromanage­
ment). Das heißt, der Beruf kann ohne staatliche Zulassung ausgeübt werden. Dies gilt
insbesondere für alle Ausbildungsberufe im Dualen System. Ist der Beruf in Deutsch­
land nicht staatlich reglementiert, kann man sich mit einer ausländischen Qualifikation
direkt auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewerben oder sich selbstständig machen. Die
Anerkennung ist in diesem Fall als Transparenzinstrument – sowohl für die Person
selbst als auch für potenzielle Arbeitgeber – hilfreich, um Kenntnisse und Fähigkeiten
einschätzen zu können.**

337338339

337	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	27	und	29.

338	 Vgl.	http://www.anerkennung-in-deutschland.de/html/de/laendergesetze.php	(Abruf:	18.	März	2015).

339	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	27	und	Förderrichtlinien	der	MBE	2010	(https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Migrationserst­
beratung/mbe-foeri_pdf.pdf?__blob=publicationFile,	Abruf:	18.	März	2015).

184

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Prototyping

Das Projekt Prototyping I (Laufzeit: August 2011 bis Januar 2014) hat im Verbund von
sieben Kammern, dem Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk an der Uni­
versität zu Köln und der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk unter Leitung
des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) und bildungspolitischer Federfüh­
rung des ZDH Standards und Materialien zur Vereinheitlichung der Einstiegsberatung
durch die zuständigen Stellen erarbeitet und Grundlagen für eine bundesweit möglichst
einheitliche Praxis für „sonstige Verfahren“ nach § 14 BQFG beziehungsweise § 50b Absatz
4 HwO zur Feststellung der Gleichwertigkeit bei fehlenden Ausbildungsnachweisen
(Verfahrensprototyp) geschaffen sowie Standards für geeignete Verfahren zur Feststellung
beruflicher Handlungskompetenzen in diesen Fällen (die sogenannte Qualifikationsanalyse) erarbeitet.340 Seit dem 1. Januar 2015 ist das vom BMBF finanzierte und vom BIBB
koordinierte Projekt Prototyping Transfer mit einer Laufzeit von drei Jahren gestartet, dass
die modellhaft entwickelten Instrumente und Verfahren bundesweit zugänglich macht
und Kammern bei Bedarf bei der Implementierung der Verfahren unterstützt.
www.anerkennung-in-deutschland.de/qualifikationsanalyse

Qualifikationsanalyse

Im Anwendungsbereich des BQFG gibt es die Möglichkeit, die beruflichen Kompetenzen
mithilfe einer Qualifikationsanalyse festzustellen. Sie kommt zur Anwendung, wenn die
Antragstellenden die erforderlichen Unterlagen nicht oder nur teilweise vorlegen kön­
nen oder Zweifel an Inhalt oder Richtigkeit der Unterlagen nicht ausgeräumt werden
können (§ 14 BQFG beziehungsweise § 50b Absatz 4 HwO). Möglich sind Arbeitsproben,
Fachgespräche, praktische und theoretische Prüfungen. Dass die erforderlichen Unter­
lagen nicht vorgelegt werden können, darf vom Antragstellenden nicht selbst verschul­
det sein (siehe auch Prototyping).**

Referenzberuf
oder
Referenzqualifikation

Beim Anerkennungsverfahren wird die ausländische Berufsqualifikation mit den
(Ausbildungs-)Inhalten einer deutschen Qualifikation beziehungsweise einem deut­
schen Beruf, dem sogenannten Referenzberuf, verglichen. Die Ermittlung beziehungs­
weise Festlegung eines Referenzberufs ist erforderlich, um die zuständige Stelle zu
ermitteln und das Verfahren durchführen zu können.

reglementierte Berufe

Berufliche Tätigkeiten, deren Aufnahme oder Ausübung durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften an den Besitz bestimmter Berufsqualifikationen gebunden ist (zum Beispiel
Rechtanwältin/Rechtsanwalt, Psychotherapeutin/Psychotherapeut). Es gibt in Deutsch­
land 81 bundesrechtlich reglementierte Berufe (davon 41 zulassungspflichtige Hand­
werks­Meisterberufe) und 18 auf Länderebene.**

Verweisberatung

Von einer Verweisberatung spricht man, wenn Anerkennungsinteressierte
a) von einer Beratungseinrichtung an die zuständige Stelle verwiesen oder
b) von einer in diesem Fall nicht zuständigen Stelle an die zuständige Stelle verwiesen
werden.

340

340	 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	30	und	71.

ANHANG

185

Zentrale Auslands- und
Fachvermittlung (ZAV)

Die ZAV ist eine Einrichtung der BA. Zu ihren Aufgaben gehört die Rekrutierung und
Vermittlung von Fachkräften aus dem Ausland für Arbeitgeber in Deutschland. Sie ist
für die Zulassung ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum deutschen
Arbeitsmarkt zuständig.341

Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen
(ZAB)

Die ZAB der Kultusministerkonferenz (KMK) ist das Kompetenzzentrum der Länder zur
Anerkennung ausländischer Bildungsnachweise. Die Kernaufgaben sind die Beobachtung,
Analyse und Bewertung ausländischer Bildungssysteme sowie die Dokumentation und
Veröffentlichung dieser Informationen auf dem Internetportal anabin (http://anabin.
kmk.org) zur Nutzung für Behörden und Privatpersonen. Die ZAB erstellt Gutachten zur
Bewertung ausländischer Bildungsnachweise für Behörden und stellt für Privatpersonen
Zeugnisbewertungen für ausländische Hochschulabschlüsse nach dem Lissabonner Aner­
kennungsübereinkommen weltweit (Zeugnisbewertungen) aus. Sie ist zudem die Nationale
Informationsstelle für die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG.
Mit den Anerkennungsgesetzen hat die ZAB neue Aufgaben übernommen: die Begut­
achtung von Drittstaatsqualifikationen für die zuständigen Anerkennungsstellen der
Länder sowie die Ausstellung von Gleichwertigkeitsbescheiden für nicht reglementierte
landesrechtlich geregelte schulische Berufe342 für Berlin, Baden­Württemberg und
Niedersachsen.

zuständige Stellen

Eine Behörde oder andere Institution, die auf der Grundlage der geltenden Rechts­ und
Verfahrensvorschriften die Überprüfung der Gleichwertigkeit einer ausländischen
Berufsqualifikation durchführt.**
Für die nicht reglementierten Berufe im dualen System sind gemäß § 8 BQFG die Kam­
mern (Handwerkskammern, Kammern der Freien Berufe, Landwirtschaftskammern
etc.) für die ihnen zugeordneten Berufe zuständig. Im Bereich Industrie und Handel
führen die IHK FOSA und die Kammern Wuppertal­Solingen­Remscheid, Hannover
und Braunschweig das Anerkennungsverfahren durch. Für die reglementierten Berufe
richtet sich die Zuständigkeit nach dem jeweiligen Fachrecht und den Ausführungs­
bestimmungen der 16 Länder. In der Regel sind dies Länderbehörden (zum Beispiel
Regierungspräsidien, Landesämter). Das Anerkennungsverfahren für die im Rahmen der
Handwerksordnung reglementierten Berufe (zum Beispiel Meisterin/Meister) erfolgt
durch die Handwerkskammern. Landesrechtlich geregelte Berufe unterliegen der
Zuständigkeit der Länder.

341342

341	 Vgl.	www.zav.de	(Abruf:	18.	März	2015).
342		 Vgl.	Erbe	u.	a.	2014,	S.	31,	und	www.kmk.org/zab/gleichwertigkeitsbescheide-fuer-nicht-reglementierte-landesrechtlich-geregelte-berufe.html	
(Abruf:	18.	März	2015).

186

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

A2 Datensatzbeschreibungen

Beratungsdaten der BAMF-Anerkennungshotline343
(seit	1. Dezember	2014	„Hotline	Arbeiten	und	
Leben in Deutschland“) und IQ-Erstanlaufstellen
Die Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“ im Förder­
programm IQ (in der vergangenen Förderperiode IQ­
Fachstelle „Anerkennung“), angesiedelt beim Forschungs­
institut Betriebliche Bildung (f­bb) in Nürnberg, betreibt
seit 1. August 2012 eine zentrale Online-Datenbank, in
der bundesweit alle IQ­Beratungsstellen ihre Beratungs­
fälle dokumentieren. Hierüber erstellt die Fachstelle
quartalsweise Auswertungsberichte über alle erfassten
Merkmale sowie zusätzlich Jahresberichte. Die Fachstelle
und die BAMF-Anerkennungshotline (seit 1. Dezember
2014 „Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland“ der
Bundesregierung, die vom BAMF und der ZAV der BA
betrieben wird) stellen dem BIBB­Anerkennungsmoni­
toring regelmäßig Daten über die von ihnen beratenen
Anerkennungsinteressierten zur Verfügung. Bis zum
31. Dezember 2014 wurden insgesamt 64.926 Beratungs­
fälle dokumentiert, von denen 37.946 Fälle auf die IQ­
Beratungsstellen (Stichtag: 24. Februar 2015) und 26.980
Fälle auf die Hotlines (Stichtag: 1. Januar 2015) entfallen.
Die Daten der BAMF­Anerkennungshotline und der
„Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland“ liegen
für den Zeitraum ab April 2012 vor, die Daten der IQ­
Beratungsstellen ab August 2012.
Die Dokumentation der IQ­Beratungsstellen enthält
mehr Variablen als die der Hotline „Arbeiten und Leben
in Deutschland“, daher können in den Auswertungen
nicht an allen Stellen die Informationen für beide Do­
kumentationen ausgewiesen werden.
Für die Auswertungen wurden beide Dokumentatio­
nen zusammengefasst und gemeinsam ausgewertet.
In den Analysen wird als Beratungszahl die Anzahl der
Erstkontakte zugrunde gelegt, da die Anzahl der Folge­
kontakte ausschließlich von den IQ­Beratungsstellen
angegeben wurde.

343 Das Beratungsaufkommen des BAMF, welches in diesem Teil des
Berichts dargestellt wird, bezieht sich nur auf die Beratungen zu
beruflichen	Abschlüssen.	Beratungen	zu	Schulabschlüssen,	Führung	
akademischer Grade usw. werden nicht betrachtet.

Erhebung bei den zuständigen Stellen –
Handwerkskammern
Das BIBB­Anerkennungsmonitoring hat in enger
Abstimmung mit dem ZDH im Zeitraum vom 25. März
bis 9. April 2014 sowie vom 16. Dezember 2014 bis
zum 30. Januar 2015 zwei Vollerhebungen bei den
Deutschen Handwerkskammern durchgeführt. Alle 53
Handwerkskammern haben teilgenommen.
Bei der ersten Erhebung 2014 wurden Fragen zu Ein­
schätzungen bestimmter Informations­und Beratungs­
angebote, zu alternativen Verfahren, zu Gründen der
Beratungsinteressierten keinen Antrag zu stellen sowie
zu Gründen für das Zurückziehen bereits gestellter An­
träge erhoben. Des Weiteren wurden Einschätzungen
zu „wesentlichen Unterschieden“ abgefragt, beispiels­
weise wie häufig sich diese aus der Ausbildungsdauer
ergeben, in welchen Referenzberufen sie besonders
häufig festgestellt werden und wie häufig sie durch die
Berücksichtigung von Berufserfahrung kompensiert
werden können.
Ebenso waren Fragen zu „sonstigen Verfahren“ von In­
teresse sowie zu Unterstützungsbedarfen hinsichtlich
der Rahmenbedingungen für die Durchführung der
Verfahren. Die Handwerkskammern wurden um eine
Einschätzung des Angebotes an Weiterqualifizierungen
und Anpassungsmaßnahmen in ihrer Region gebeten.
Die Befragungen wurden mittels eines vom ZDH
mit einer Teilnahmeaufforderung verteilten PDF­
Fragebogens des BIBB durchgeführt. Die ausgefüllten
Fragebögen wurden von den Mitarbeitenden des BIBB­
Anerkennungsmonitorings datentechnisch erfasst und
ausgewertet.

Erhebung bei den zuständigen Stellen –
Industrie- und Handelskammern
Im Zeitraum vom 5. Juni bis 25. Juni 2014 hat das
BIBB­Anerkennungsmonitoring in Abstimmung mit
dem DIHK eine Vollerhebung bei den Industrie­ und
Handelskammern durchgeführt. Um den Aufwand für
die Stellen möglichst gering zu halten, wurde zunächst

ANHANG

der Zugang über das Stellenprüfungstool des Inter­
netportals „Anerkennung in Deutschland“ gewählt.
Da jedoch nach Ende der Erhebung ein eher geringer
Rücklauf zu verzeichnen war, wurde im Zeitraum vom
22. Juli bis 5. September 2014 eine zweite Erhebungs­
welle gestartet. Diese Welle wurde per PDF­Fragebogen
über E­Mail­Adressen verteilt und durchgeführt. Beide
Erhebungswellen zusammen ergaben einen Rücklauf
von 52 von insgesamt 80 angeschriebenen IHKn.
Die Fragen orientierten sich an der Erhebung bei den
Handwerkskammern, wurden allerdings zielgrup­
pengerecht angepasst. Auch wurde die IHK FOSA mit
einem separaten Fragebogen befragt, da sie, anders als
die übrigen IHKn (Ausnahme Hannover, Wuppertal
und Braunschweig), nicht nur mit der Beratung der
Interessierten beschäftigt ist, sondern auch die Gleich­
wertigkeitsprüfung als Zentralstelle für 77 der 80 IHKn
durchführt.

Erhebung bei den zuständigen Stellen –
Ländervollzug im Gesundheitsbereich
Im Zeitraum vom 29. Juli bis 5. September 2014 hat das
BIBB­Anerkennungsmonitoring eine Vollerhebung
zum Ländervollzug in vier ausgewählten Berufen
des Gesundheitsbereiches durchgeführt (Ärztin und
Arzt, Gesundheits- und Krankenpflegerin und -pfle­
ger, Zahnärztin und Zahnarzt sowie Apothekerin und
Apotheker). Diese Berufe wurden ausgewählt, da hier
eine hohe Nachfrage nach Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen besteht. Da in einer zuständi­
gen Stelle mehrere Personen Ansprechpartnerinnen
beziehungsweise Ansprechpartner für diese Erhebung
sein können, wurde die Befragung per PDF­Fragebogen
über einen E­Mail­Versand mit der Bitte um Weiterlei­
tung an alle zuständigen Personen verteilt. Insgesamt
wurden 94 potenzielle Auskunftgebende angeschrie­
ben. 38 Fragebögen wurden beantwortet.
Die Fragen in dieser Erhebung waren umfangreicher
als bei den übrigen zuständigen Stellen, da es sich um
einen besonderen Bereich von hoher Relevanz handelt.
Themen, die behandelt worden sind: Beratungen zum
Anerkennungsgesetz, Gleichwertigkeitsprüfungen
sowie Sprachkenntnisse, Kontakte und Kooperationen.

187

Erhebung bei Einrichtungen der Arbeitsverwaltung
(Arbeitsagenturen,	Jobcenter)	und	Stellen	
der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
Im Zeitraum vom 7. August bis 12. September 2014 hat
das BIBB­Anerkennungsmonitoring Einrichtungen
der Arbeitsverwaltung sowie Stellen der Migrations­
beratung für erwachsene Zuwanderer befragt. Bei
den Einrichtungen der Arbeitsverwaltung wurden
525 Jobcenter (Rücklauf: 181, davon 22 Einrichtungen
in kommunaler Trägerschaft und 159 gemeinsame
Einrichtungen)344 gebeten teilzunehmen. Außerdem
wurden 711 MBE angeschrieben, wovon 248 teilge­
nommen haben.
Die Fragen behandeln insbesondere den Beratungs­
aufwand, der in Bezug auf das Anerkennungsgesetz
angefallen ist beziehungsweise anfällt, und betreffen
die Organisation der Beratung. So wurde beispielswei­
se nach einer Einschätzung zu den Beratungsfällen
gefragt, ob sprachliche Herausforderungen bei der Be­
ratung bestehen, ob die Beratenden selbst Schulungen
zum Thema Anerkennung besucht haben, ob Kontakte
und Kooperationen mit anderen Institutionen beste­
hen und vieles mehr. Da qualitative Interviews ergeben
haben, dass sich Personen auch nach einem abge­
schlossenen Anerkennungsverfahren teilweise noch in
der Beratung der MBE beziehungsweise der Arbeitsver­
waltung befinden, wurden auch Fragen zu den Gleich­
wertigkeitsbescheiden und deren Verwertung auf dem
Arbeitsmarkt aufgenommen. Insgesamt wurden den
Einrichtungen der Arbeitsverwaltung sowie den MBE
jeweils 20 Fragen mit Unterfragen gestellt.
Die Erhebung wurde mittels eines Online­Befragungs­
systems des BIBB durchgeführt. Die angeschriebenen
Einrichtungen erhielten einen personalisierten Link,
der zur Befragungsplattform führte. Jede Einrichtung
konnte also den Fragebogen nur einmal ausfüllen. Die
Jobcenter wurden gebeten, den Fragebogen zur Beant­
wortung an eine Person, die speziell für die Beratung
von Personen mit ausländischer Berufsqualifikation
zuständig ist, weiterzuleiten. Aus den Rückmeldungen
ist ersichtlich, dass Personen mit unterschiedlichen

344	 Es	wurden	178	Arbeitsagenturen	angeschrieben.	Da	möglicherweise	
aufgrund von Missverständnissen oder technischer Probleme nur
eine Arbeitsagentur an der BIBB-Befragung teilgenommen hat, wird
sie in diesem Bericht nicht dargestellt.

188

Funktionen geantwortet haben, darunter Arbeitsver­
mittlerinnen und Arbeitsvermittler, Migrationsbeauf­
tragte, Vermittlerinnen und Vermittler im Arbeitgeber­
service, aber auch Teamleitende und Bereichsleitende
Markt und Integration.

Befragung des wbmonitors
Der wbmonitor ist ein Kooperationsprojekt zwischen
dem BIBB und dem Deutschen Institut für Erwach­
senenbildung – Leibniz­Zentrum für Lebenslanges
Lernen (DIE) und stellt die größte regelmäßig in
Deutschland durchgeführte bundesweite Befragung
unter Weiterbildungsanbietern dar. Mit den jährlich
im Mai durchgeführten Onlinebefragungen sollen
Transparenz über die heterogene Anbieterlandschaft
in der Weiterbildung hergestellt, aktuelle Entwicklun­
gen identifiziert und Veränderungen im Zeitverlauf
nachgezeichnet werden. Die Befragungen weisen ein
Längsschnittdesign auf mit jährlich identisch gestellten
Fragen zum Profil und zu Strukturen der Einrichtung
sowie wechselnden Themenschwerpunkten. Fragen zu
Weiterbildungen im Zusammenhang mit dem BQFG
wurden 2013 und 2014 vom BIBB­Anerkennungsmo­
nitoring entwickelt und am Ende des Fragebogens
zusätzlich aufgenommen.
Adressbasis der Befragungen ist seit 2007 ein hierfür
ermittelter Bestand an Anbietern von offen zugängli­
cher beruflicher und/oder allgemeiner Weiterbildung
in Deutschland. Nach dem Betriebsstättenkonzept des
wbmonitor werden Filialen beziehungsweise Nieder­
lassungen mit einer dauerhaften personellen Präsenz
und einem eigenen Angebot als eigene Anbieter be­
fragt. Zur Befragung 2014 wurde die Adressbasis durch
die Aufnahme von rund 8.000 neu geprüften Betriebs­
stätten aktualisiert.
Zur Befragung 2014 wurden rund 21.250 dem wbmoni­
tor zu diesem Zeitpunkt bekannte, auf dem Markt ak­
tive Weiterbildungsanbieter eingeladen. Es beteiligten
sich 2.040 Weiterbildungsanbieter, die Ausschöpfungs­
quote betrug netto 9,8 Prozent. Ein Gewichtungs- und
Hochrechnungsverfahren ermöglicht die Projektion
der Daten der Befragungsteilnehmerinnen und ­teil­
nehmer auf alle dem wbmonitor bekannten Anbieter.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

Betriebsbefragung des BIBB
Die Betriebsbefragung des BIBB­Anerkennungsmoni­
torings wurde vom 27. August bis 7. November 2014
von der Firma uzbonn – Gesellschaft für empirische
Sozialforschung und Evaluation als eine CATI (Compu­
ter Assisted Telephone Interview) – Befragung durch­
geführt. Sie enthielt 41 Fragen (inklusive Fragen, die
aufgrund von inhaltlichen Filtern nicht allen Betrieben
gestellt wurden) zu sechs Themenbereichen. Im ersten
Teil der Befragung wurden allgemeine Angaben zu
Betriebsgröße, Wirtschaftsabschnitt (erste Ebene der
Klassifikation der Wirtschaftszweige Ausgabe 2008 (WZ
08)), Kammerzugehörigkeit sowie geografische Lage
des Betriebes erhoben. Der zweite Teil umfasste Fragen
zu internationalen Tätigkeiten der Betriebe, der dritte
erhob Informationen zur Qualifikationsstruktur des
Personals. Im vierten und fünften Teil wurden Be­
kanntheit und Erfahrungen mit den Anerkennungsge­
setzen von Bund und Ländern erfragt (es wurde davon
ausgegangen, dass den Personalverantwortlichen nicht
unbedingt bekannt ist, auf welche Berufe sich die un­
terschiedlichen Gesetze jeweils beziehen, deshalb wur­
de nicht zwischen dem Anerkennungsgesetz Bund und
den Anerkennungsgesetzen der Länder unterschieden).
Der sechste und letzte Teil war Fragen zur subjektiven
Einschätzung eines möglichen Fachkräftemangels
sowie Reaktionen darauf gewidmet.
Die Befragung wurde telefonisch durchgeführt. Es wur­
den insgesamt Informationen (Betriebsname, Adresse,
Telefonnummer, Wirtschaftszweig und Beschäftig­
tenzahl) von 70.000 Betrieben zur Verfügung gestellt,
die zufallsgesteuert aus Angaben von über 4.077.580
Betrieben in Deutschland gezogen wurden. Aufgrund
inhaltlicher Überlegungen hat das BIBB die Wirt­
schaftsabschnitte (erste Ebene der WZ 2008) „Private
Haushalte mit Hauspersonal“ sowie „Exterritoriale
Organisationen und Körperschaften“ ausgeschlossen.
Zudem entschied das BIBB vor der Befragung, dass
Betriebe des Wirtschaftsabschnittes „Bergbau und
Gewinnung von Steinen und Erden“ ebenfalls nicht
befragt werden, da deren Anzahl in der Grundgesamt­
heit bereits so gering ist, dass hier eine stark überpro­
portionale Anzahl von Betrieben hätte befragt werden
müssen. Dies hätte dazu geführt, dass andere Wirt­
schaftsabschnitte unterproportional befragt worden
wären. Es wurde eine disproportional geschichtete

ANHANG

Stichprobe gezogen. Dies bezieht sich zum einen auf
die Wirtschaftszweige. So wurden aus dem Wirtschafts­
abschnitt „Gesundheits­ und Sozialwesen“ sowie der
Wirtschaftsabteilung (zweite Ebene der WZ 2008)
„Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften“ eine
überproportionale Anzahl gezogen, da dort aufgrund
der Daten der amtlichen Statistik des Anerkennungsge­
setzes und von Befragungen besonders viel Erfahrung
mit den Gesetzen vermutet wurde. Die Anzahl der
Betriebe aus dem Wirtschaftsabschnitt „Öffentliche
Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung“ war
hingegen unterproportional repräsentiert. Dispropor­
tional geschichtet gezogen wurde zudem in Hinblick
auf die Betriebsgröße dahingehend, dass Großbetriebe
überproportional und Kleinstbetriebe unterproportio­
nal gezogen wurden. Die Betriebe wurden dafür in vier
Betriebsgrößenklassen (ein bis neun Mitarbeitende,
zehn bis 49 Mitarbeitende, 50 bis 249 Mitarbeitende
und ab 250 Mitarbeitende) aufgeteilt. So sollte gewähr­
leitet werden, dass auch die großen Betriebe in aus­
reichender Zahl in der Stichprobe vertreten sind, um
valide Aussagen über diesen Betriebstypus treffen zu
können.
Die Teilnahme an der Betriebsbefragung war freiwillig.
Insgesamt liegen verwertbare Telefoninterviews von
5.286 Betrieben vor. Um die disproportionale Schich­
tung sowie einen möglichen Beteiligungsbias auszu­
gleichen, wurden die Daten anhand der Unterneh­
mensgröße und der Wirtschaftsabschnitte gewichtet.

Qualitative Erhebungen
In der Untersuchungsphase für den zweiten Bericht zum
Anerkennungsgesetz wurden insgesamt 27 umfangrei­
che, leitfadengestützte Interviews geführt. In fast allen
Fällen wurden die Gespräche aufgezeichnet (ansonsten
protokolliert). Die Auswertung der transkribierten Inter­
views erfolgte nach inhaltsanalytischen, standardisierten
Kriterien mithilfe computergestützter qualitativer Da­
ten­ und Textanalyse. Folgende Interviewpartnerinnen
und Interviewpartner wurden befragt:
	

Vier Jobcenter und drei MBE zu deren Rolle bei der
Beratung zum Thema Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen. Diese Interviews dienten
insbesondere auch der Vorbereitung der standardi­
sierten Befragung der Jobcenter und MBE.

189

	

	

	



	

Vier zuständige Stellen für die Anerkennung von
Gesundheits- und Krankenpflegerinnen beziehungs­
weise -pflegern wurden zu ihren ersten Erfahrungen
mit der Umsetzung der am 1. Januar 2014 in Kraft
getretenen Rechtsverordnung zur „Durchführung
und zum Inhalt von Anpassungsmaßnahmen zur
Erteilung der Berufserlaubnis in den Heilberufen
des Bundes“ befragt.
Fünf Ärztinnen und Ärzte, die sich zum Interview­
zeitpunkt in einem Vorbereitungslehrgang auf
die Kenntnisprüfung befanden, wurden zu ihren
persönlichen Erfahrungen im Prozess der Anerken­
nung (von der Beratung über die Antragstellung,
gegebenenfalls der Zeit der Berufserlaubnis bis zur
Teilnahme im Vorbereitungslehrgang) interviewt.
Die zuständigen Stellen für die Anerkennung der
Qualifikationen der Interviewten befanden sich in
verschiedenen Bundesländern.
Um vertiefte Erkenntnisse im Bereich der Altenpfle­
ge zu gewinnen, wurden außerdem drei zuständige
Stellen für die Anerkennung von Altenpflegerinnen
beziehungsweise Altenpflegern, eine Beratungsein­
richtung und zwei Bildungsanbieter, die im Ausland
qualifizierte Pflegekräfte begleiten und vermitteln,
befragt.
Übergreifend wurden Interviews mit einer Perso­
nalüberlassungsfirma, drei Weiterbildungsanbietern
sowie dem Marburger Bund geführt.
Darüber hinaus wurden Experteninterviews und
­gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern ver­
schiedener Behörden, Verbände, Projekte, Firmen
und anderen Einrichtungen der Umsetzungspraxis
geführt, um den Sachstand und/oder Einschätzun­
gen zu bestimmten Fragen gezielt einzuholen. Dazu
zählen unter anderem BDA, BA (Early Intervention),
IHK Nürnberg.

190

Webanalyse
Nach festgelegten Kriterien wurden in der Zeit vom
15. August bis 26. September 2014 die Internetauftritte
von 37 Länderbehörden analysiert. Es handelt sich
dabei um die zuständigen Stellen, die für die Referenz­
qualifikationen „Ärztin und Arzt“, „Gesundheits- und
Krankenpflegerin und -pfleger“, „Zahnärztin und Zahn­
arzt“, sowie „Apothekerin und Apotheker“ zuständig
sind.

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

(Ortsumzüge). Es werden die Zu­ und Fortzüge von
deutschen und von nicht deutschen Personen erfasst.
Die Daten der Wanderungsstatistik dienen als wichtige
Informationsquelle über die räumliche Mobilität der
Bevölkerung und über das Migrationsgeschehen.
Quelle: Fachserie 1 Reihe 1.2 des Statistischen Bundes­
amtes vom 5. März 2014.345

Recherchiert wurde für die genannten Berufe, welche
Dokumente für die Gleichwertigkeitsprüfung in wel­
cher Form (übersetzt, legalisiert etc.) vorgelegt werden
sollen, welche Sprachkenntnisse in welcher Form
gefordert werden und welche Kosten für das Anerken­
nungsverfahren angegeben werden.

Mikrozensus
Der Mikrozensus ist eine amtliche Repräsentativsta­
tistik des Statistischen Bundesamtes über die Bevöl­
kerung und den Arbeitsmarkt. Jedes Jahr nehmen
etwa 1 Prozent aller Haushalte in Deutschland an der
Befragung teil (laufende Haushaltsstichprobe). Ins­
gesamt beteiligen sich rund 390.000 Haushalte mit
830.000 Personen an der Befragung. Im Gegensatz zu
den meisten Befragungen besteht beim Mikrozensus
eine gesetzliche Auskunftspflicht. Daher beantworten
ca. 96 Prozent der Befragten die Pflichtfragen im Mik­
rozensus. Diese Tatsache und der Umfang der befragten
Personen machen ihn zur wichtigsten Repräsentativ­
befragung in Deutschland.

Wanderungsstatistik
Die Wanderungsstatistik wird vom Statistischen Bun­
desamt erstellt und beruht auf der Meldepflicht. Erhe­
bungsgrundlage sind die An­ und Abmeldungen, die
bei Wohnungswechseln bei den Meldeämtern einge­
hen. Erhebungsgesamtheit ist die Summe aller von den
Meldeämtern erfassten Wechselfälle der Haupt­ bezie­
hungsweise alleinigen Wohnung über Gemeindegren­
zen in Deutschland. Dabei kann der Wohnungswechsel
über die Gemeindegrenzen innerhalb Deutschlands
(Binnenwanderung) oder über die Grenzen Deutsch­
lands (Außenwanderung) erfolgen. Nicht einbezogen
werden Wohnungswechsel innerhalb einer Gemeinde

345 Vgl. https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/
Bevoelkerung/Wanderungen/Wanderungen.html	(Abruf:	18. März	
2015).

ANHANG

191

A3 Tabellen

Tabelle	15	 Übersicht	zum	Stand	der	Anerkennungsgesetzgebung	in	den	Ländern	(Stand:	1. Juli	2014)
Land

Stand

Fundstelle

in Kraft seit

Landtagsdrucksache

BW

Gesetz	über	die	Anerkennung	ausländischer	Berufsqualifikationen	in	
Baden-Württemberg	vom	19. Dezember 2013

GBl.	2014,	S. 1

11.01.2014

15/4325

BY

Bayerisches Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit auslän­
discher	Berufsqualifikationen	vom	24. Juli 2013

Bay	GVBl.	2013,	S. 439

01.08.2013

16/16010

BE

Gesetz	über	die	Anerkennung	ausländischer	Berufsqualifikationen	vom	 GVBl. Berlin,
7. Februar 2014
S. 39

20.02.2014

17/1220
17/1391

BB

Brandenburgisches Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und
Anerkennung	im	Ausland	erworbener	Berufsqualifikationen	vom	
5. Dezember 2013

GVBl. Brandenburg,
Teil	I,	Nr. 37	

01.01.2014

5/7921
5/8175

HB

Bremisches	Gesetz	über	die	Anerkennung	ausländischer	Berufsqualifi­
kationen	vom	28. Januar 2014

Brem. GBl.,
S. 74

06.02.2014

18/947

HH

Hamburgisches Gesetz über die Anerkennung ausländischer Berufs­
qualifikationen	vom	19. Juni 2012

HmbGVBl.,
S. 254

01.08.2012

20/4106

HE

Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Aus­
land	erworbener	Berufsqualifikationen	vom	12. Dezember 2012	

Hess. GVBl.,
S. 581

21.12.2012

18/6072

MV

Gesetz über die Bewertung und Anerkennung im Ausland erworbener
Qualifikationen	in	Mecklenburg-Vorpommern	und	zur	Änderung	ande­
rer	Gesetze	vom	10. Dezember 2012

GVOBl. M-V,
S. 537	

29.12.2012

6/1209
6/1383

NI

Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im
Ausland	erworbener	Berufsqualifikationen	in	Niedersachsen	vom	
12. Dezember 2012	

Nds. GVBl.,
S. 591

19.12.2012

16/5126

NW

Anerkennungsgesetz	Nordrhein-Westfalen	vom	28. Mai 2013

GV NRW,
S. 272

15.06.2013

16/1188
16/2903

RP

Landesgesetz zur Feststellung und Anerkennung im Ausland erwor­
bener	Berufsqualifikationen	vom	8. Oktober 2013

GVBl. RP,
S. 359

16.10.2013

16/2470
16/2733

SL

Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Aus­
land	erworbener	Berufsqualifikationen	vom	16. Oktober 2012

Abl.	SL	Nr. 28	vom	
29. November	2012

30.11.2012

15/118

SN

Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Aus­
land	erworbener	Berufsqualifikationen	vom	17. Dezember 2013

Sächs.	GVBl.	Nr. 17,	
S. 874

31.12.2013

5/12266

ST

Gesetz	über	die	Anerkennung	im	Ausland	erworbener	Berufsqualifika­
tionen	im	Land	Sachsen-Anhalt	vom	24. Juni 2014

GVBl. LSA,
S. 350

01.07.2014

6/2220
6/3059

SH

Anerkennungsgesetz	Schleswig-Holstein	vom	1. Juni 2014

GVoBl.	Schl.-H.	S. 92

27.06.2014

18/994
18/1757

TH

Thüringer Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung
im	Ausland	erworbener	Berufsqualifikationen	und	zur	Umsetzung	des	
Übereinkommens	über	die	Anerkennung	von	Qualifikationen	im	Hoch­
schulbereich in der europäischen Region (Thüringer Anerkennungs­
gesetz	–	ThürAnerkG)	vom	16. April 2014

GVBl. für den Freistaat
Thüringen	Nr. 4,	S. 139

01.05.2014

5/6963
5/7592

Quelle:	Ministerium	für	Wissenschaft	und	Wirtschaft	des	Landes	Sachsen-Anhalt	(vgl.	http://www.mw.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Bibliothek/
Politik_und_Verwaltung/MW/Service/140701-Uebers-Anerk-Gesetzgebung.pdf,	Abruf:	18. Mai	2015).	

192

BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015

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Herausgeber
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Referat Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
11055 Berlin
Text/Autorinnen und Autoren
BMBF
Die Teile II bis IV wurden im Auftrag des BMBF vom
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erstellt:
Dr. Jessica Erbe (Projektleitung, BIBB, Arbeitsbereich
„Anerkennungsgesetz, Anfragenkoordination, Internet“)
Tom Wünsche (stellv. Projektleitung, BIBB, Arbeitsbereich
„Qualifikation, berufliche Integration und Erwerbstätigkeit“)
Carolin Böse
Ricarda Knöller
Anna Cristin Lewalder
Sandra Lüdemann
Friederike Rausch-Berhie
Peter Rehfeld
Manuel Schandock
Daniel Schreiber
Sabrina Inez Weller
Bestellungen
schriftlich an
Publikationsversand der Bundesregierung
Postfach 48 10 09
18132 Rostock
E-Mail: publikationen@bundesregierung.de
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Tel.: 030 18 272 272 1
Fax: 030 18 10 272 272 11
Stand
Juni 2015
Druck
Silber Druck oHG
Gestaltung
W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld; Christiane Zay
Bildnachweis
Titelbild: Portal „Anerkennung in Deutschland“
S. 12 Vorwort: Presse und Informationsamt der Bundes­
regierung, Steffen Kugler (Porträt Prof. Dr. Johanna Wanka)
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