Abgeordnetenhaus von Berlin - 10. Wahlperiode
85. Sitzung vom 24. November 1988
Dr. Lange
(A) Deshalb, Herr Kollege Lorenz, weiß dieses Parlament und
weiß die Öffentlichkeit: Wenn Sie sich über diesen sensiblen
Bereich äußern, dann braucht man wirklich nicht zuzuhören.
[Beifall bei der F.D.P. - Zurufe]
Herr Kollege Lorenz, lassen Sie mich das gleich weiterspin
nen: Sie haben heute hier mitgeteilt. Sie verlassen die PKK.
Ich empfinde diese Erklärung gleichzeitig als Versprechen.
Ich empfinde sie als Versprechen, daß wir damit auch das
Versprechen von Ihnen haben, daß Sie in der nächsten
Legislaturperiode für diese Tätigkeit nicht mehr zur Verfügung
stehen,
[Zurufe von der SPD]
weil es dann vielleicht, Herr Kollege Lorenz, mit anderen
Kollegen aus Ihrer Fraktion möglich sein wird, die PKK
wirklich der Funktion zuzuführen, die sie eigentlich hat.
nämlich Aufklärung zu treiben und durch Frage- und Antwort
spiel bestimmte Probleme zu erhellen oder zu hinterfragen,
wie es neudeutsch heißt.
Vierte Bemerkung; Sie haben, Herr Kollege Lorenz, langat
mig ausgeführt, die Aufarbeitung der vorliegenden Probleme
sei nicht gelungen. Sie haben unterschwellig erklärt, wir
hätten zuwenig getagt, CDU und F.D.P. hätten die Tagungen
und die Aufklärung behindert. Fakt ist, daß wir in 14 Monaten in
20 Sitzungen uns mit Vorgängen, die das Landesamt für
Verfassungsschutz betreffen, beschäftigt haben, im Schnitt in
zweieinhalb- bis dreistündigen Sitzungen. Wenn Sie die
Parlamentspause im Sommer und zu Weihnachten abrech
nen, ist das, im Schnitt gerechnet, ein 14tägiger Tagungs
rhythmus von etwa drei Stunden. Ich sehe nicht, daß dies -
zumindest was die Terminansetzung betrifft, die wir immer
(B) gemeinsam gefunden haben - in irgendeiner Form eine
Behinderung der Arbeit dieser PKK darstellt.
Fünfte Bemerkung: Herr Kollege Lorenz, Sie haben hier
dargestellt, es sei nicht gelungen, das zentrale Thema dieser
Parlamentarischen Kontrollkommission, das ja erst die Ein
setzung bedingt hat. aufzuarbeiten-den Fall Schmücker. Herr
Kollege Lorenz, Sie müssen sich fragen lassen: Leiden Sie an
Gedächtnisschwund, oder ist Ihnen entgangen, daß wir über
diesen Vorgang mehrere Stunden diskutiert haben? - Und
wenn Sie, Herr Kollege Lorenz, einen weiteren Aufklärungs
bedarf in dieser Angelegenheit gesehen hätten, warum haben
Sie nicht dafür Sorge getragen, daß dieser Punkt erneut auf die
Tagesordnung gesetzt wurde?
[Zurufe von der SPD]
Warum haben Sie es versäumt - gerade Sie, Herr Pätzold -,
die entsprechenden Fragen zu stellen? Warum haben Sie sich,
Herr Kollege Pätzold, eigentlich im wesentlichen - ich sage
mal; zu 80% - in den Beratungen dieser PKK darin ergangen,
daß Sie eine Mischung zwischen Behauptungen und Frage
stellungen vorgetragen haben; Sie wüßten ja nicht genau,
aber Sie hätten gehört aus dem Hause, es könne natürlich
auch nicht zutreffen, es müsse nicht sein, aber es könne ja
etwas Wahres dran sein, und der Senator hätte ja Gelegenheit,
etwas richtigzustellen? - Herr Kollege Pätzold, warum haben
Sie eigentlich die auch aus dem Innenausschuß von Ihnen
hinlänglich bekannte Art der Vermischung von Halbwahrhei
ten, ein bißchen Vermutungen, ein bißchen Verleumdungen
nicht abgelegt und durch präzise Fragen dazu beigetragen,
den Sachverhalt aufzuklären, zu dem Sie offensichtlich immer
noch einen Aufklärungsbedarf haben?
Sechste Bemerkung: Herr Kollege Lorenz, auch die Darstel
lung, daß hier offensichtlich unter der Androhung der Bitte, in
bestimmte Akten einzusehen, der Senator oder der Amtsleiter
Weisung gegeben hätte, bestimmte Vorgänge zu vernichten,
ist schlichtweg unwahr. - Ich sage das in diesem einen Satz
und will das auch nicht weiter kommentieren.
Siebente Bemerkung: Sie haben erneut den Bericht über
die Organisationen und Parteien hier erwähnt, der über
verfassungsfeindliche Bestrebungen unterrichtet. Ich glaube,
wir brauchen das nicht auszuführen. Das war Gegenstand der
Debatte hier und auch im Innenausschuß. Sie haben damals
versucht, groß aufzubauen, welche Ungeheuerlichkeiten im
Landesamt für Verfassungsschutz vorgekommen seien. Auch
dieses Kartenhaus, Kollege Lorenz, ist in sich zusammenge
fallen.
[Zuruf des Abg. Lorenz (SPD)]
- Es ging nicht um den Bericht, Herr Kollege! Es ging darum,
daß behauptet wurde, dieser Bericht sein eindeutig unter
bestimmten politischen Vorgaben von oben manipuliert wor
den. Dies hat sich nun als offensichtliches Hirngespinst von
zwei Ihrer Kollegen herausgestellt, die das gern so gesehen
hätten, aber die sich durch die Darstellung der Fakten nicht
bestätigt fühlen konnten.
Nächste Bemerkung: Herr Kollege! Sie haben ganz unkon
trolliert über Verfahrensabläufe in der PKK berichtet. Ich oder
andere hätten Beamte oder Mitarbeiter, die dort angehört
wurden, abqualifiziert und man hätte im nachhinein Beamte,
die vor der PKK ausgesagt haben, kaltgestellt. Das sind doch
offensichtlich alles Interpretationen von Vorgängen, die mit
der Änderung der Leitungsstrukturen in der Berliner Verwal
tung zu tun haben. Der Senator hat hierzu Ausführungen
gemacht. Daß möglicherweise die Straffung der Leitungs
struktur im Landesamt für Verfassungsschutz nicht immer
Ihren Vorstellungen und den sicher auch bei Ihnen vorhande
nen Querverbindungen zu diesem Haus entsprochen hat, das
mag ja sein. Dies aber so darzustellen, wie Sie es hier getan
haben, ist schlichtweg eine Ungeheuerlichkeit.
Lassen Sie mich einen letzten Punkt anführen. Das ist ja so
Ihre Art, Herr Kollege Lorenz, hier nur anzudeuten, über all
das Schlimme, das Sie in all den Monaten in der PKK erfahren
hätten, hinaus gebe es nun auch noch andere Punkte. Da seien
der SPD noch weitere ganz schlimme Vorgänge bekannt.
Wenn das wirklich so sein sollte, Herr Kollege Lorenz, dann
haben Sie Ihr Mandat nicht wahrgenommen! Es wäre doch
Ihre Verpflichtung gewesen, im Innenausschuß oder in der
PKK diese angeblich so schlimmen Dinge vorzutragen. Wieso
laufen Sie denn mit Erkenntnissen herum, die Ihre Seele
bedrücken - oder auch nicht? Warum sind Sie, Herr Kollege
Pätzold, denn mitdiesen angeblich so schlimmen Dingen nicht
in die PKK gekommen? Warum haben Sie diese Dinge dort
nicht vorgetragen? Es wäre Ihre Pflicht gewesen, dies dort zur
Sprache zu bringen! Auf ihren Vorwurf mit dem Spion hat ja
der Senator schon reagiert. Meine Wertung kann nur sein: Der
muß sich in der Person geirrt haben, Herr Kollege Pätzotd! Der
wollte vielleicht den Herrn Lorenz daraufhin testen, wie weit er
ministrabel ist. - Anders kann ich mir das wirklich nicht
erklären.
[Beifall bei der F.D.P. und der CDU -
Dr. Kremendahl (SPD): Abenteuerlicher Schwätzer!
Weitere Zurufe von der SPD]
Lassen Sie mich noch eine Anmerkung machen zu dem
Untersuchungsausschuß. Da sind Sie doch selbst dran schuld!
Offensichtl ich waren Sie doch von Anfang an mit der Arbeit der
PKK nicht zufrieden. Warum haben Sie denn diesen Antrag auf
Einsetzung eines Untersuchungsausschusses nicht sofort
eingebracht? Warum haben Sie ihn erst so spät eingebracht?
Warum haben Sie ihn, Herr Kollege Pätzold, so eingebracht,
daß er gar nicht annehmbar war, weil er- angefangen bei der
Überschrift - Unterstellungen, Wertungen zum Inhalt hatte?-
Wir hätten doch Recht und Gesetz verletzt, wenn wir diesen
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