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Volume Nr. 49, 26. März 1987

Full text : Plenarprotokoll (Public Domain) Ausgabe 1986/87, 10. Wahlperiode, Band III, 36.-49. Sitzung (Public Domain)

Abgeordnetenhaus  von  Berlin  -  10.  Wahlperiode

49.  Sitzung  vom  26.  März  1987

Stellv.  Präsident  Longolius
Lfd.  Nr.  23,  Drucksache  10/1443:
Antrag  der  Fraktion  der  CDU  und  der  Fraktion  der
F.D.P.  über  Kennzeichnung  von  Baudenkmälern
Keine  Wortmeldungen.  Der  Ältestenrat  empfiehlt  Überweisung
an  den  Ausschuß  für  Stadtentwicklung  und  Umweltschutz.  Ich
bitte  um  Ihr  Handzeichen  bei  Zustimmung.  -  Danke,  das  ist
beschlossen.
lfd.  Nr.  24,  Drucksache  10/1444:
Antrag  der  Fraktion  der  AL  auf  Annahme  einer
Entschließung  über  separates  Abkommen  zu  den
Mittelstreckenraketen
Herr  Kollege  Giesel  hat  das  Wort  zur  Geschäftsordnung,
Giesel  (CDU):  Herr  Präsident!  Meine  Damen  und  Herren!
Der  Gegenstand  dieses  Antrages  gehört  eindeutig  in  die  Bundeskompetenz. ­
  Deshalb  sollte  sich  dieses  Haus  damit  nicht
befassen.  Ich  beantrage  Übergang  zur  Tagesordnung.
(Beifall  bei  der  CDU]

Stellv.  Präsident  Longolius:  Frau  Kollegin  Dr.  Schramm!
Frau  Dr.  Schramm  (AL):  Ich  spreche  gegen  diesen  Antrag.
Sie  wollen  sich  vor  einer  Stellungnahme  nur  drücken.
[Beifall  bei  der  AL  -  Zurufe  von  der  CDU]
Sie  wollen  sich  davor  drücken,  zu  sagen,  wie  Ihre  Partei  in
Berlin  dazu  steht,  daß  das  Angebot,  daß  die  Mittelstreckenraketen ­
  wirklich  wegkommen  könnten,  eine  reale  Chance  ist.
[Zurufe  von  der  CDU  -  Glocke  des  Präsidenten]
Ich  begründe,  warum  dieses  Parlament  durchaus  die  Aufgabe
und  die  Pflicht  hat,  in  dieser  historischen  Situation  Stellung  zu
beziehen  und  sich  nicht  mit  formalen  Argumenten,  das  sei
Sache  der  Bundespolitik,  herauszureden.  Es  ist  ein  Entschließungsantrag. ­
  Es  ist  eine  Resolution.  Das  Parlament  kann  eine
Resolution  zu  diesen  Fragen  abfassen  und  beschließen.  Das  ist
ohne  Problem  möglich.  Ich  bin  sogar  der  Meinung,  daß  diese
Frage  so  wichtig  ist,  daß  jedes  Landes-  und  Stadtparlament  Stellung ­
  beziehen  sollte  zu  der  anstehenden  Problematik,  vollends
aber  das  Sladtparlament  von  Berlin,  welches  immer  betont,  daß
es  von  seiner  Lage  und  Aufgabenstellung  her  das  größte  Interesse ­
  an  einem  Voranschreiten  der  Abrüstung  hat.
[Beifall  bei  der  AL]
Sie  wollen  nur  die  ganzen  Probleme,  die  inzwischen  entstanden ­
  sind  wegschieben.  Bekanntlich  gibt  es  den  Plan  von  Herrn
Weinberger,  der  in  Teilen  der  Bundesrepublik  unterstützt  wird,
der  vorsieht,  die  Pershing  Il-Raketen  umzurüsten  zu  Pershing  I  B-Raketen,
  die  man  dann  wieder  zu  Pershing  Il-Raketen  Umrüsten
könnte,  und  alles  hier  im  Land  zu  lassen.  Es  gibt  den  fatalen  Vorschlag, ­
  die  Cruise-missiles  nicht  abzuziehen,  sondern  auf  der
See  und  in  der  Luft  zu  stationieren.
[Zuruf:  Geschäftsordnung!  -  Unruhe  -  Glocke  des
Präsidenten]
Alle  diese  Dinge,  die  jetzt  anstehen,  die  entschieden  werden
müßten  in  der  Öffentlichkeit,  im  Parlament  und  in  Verhandlungen, ­
  erfordern  eindeutige  Stellungnahmen  von  allen  Parlamentariern. ­
  Genau  dem  weichen  Sie  aus.  Die  Chance  kann  auch
vertan  werden.
[Lummer  (CDU):  Die  hätten  Sie  schon  längst  vertan!
Wenn  es  nach  Ihnen  gegangen  wäre,
hätte  es  sie  nicht  gegeben!]
Es  gab  schon  zweimal  in  der  Nachkriegsgeschichte  eine
Ungleichzeitigkeit.  Es  gab  die  Ungleichzeitigkeit,  daß  die  westliche ­
  Seite  zu  Entspannung  und  Abrüstung  bereiter  war  als  die

östliche  und  umgekehrt.  So  weitreichende  Vorschläge  und  (C)
Bereitschaft  der  UdSSR  zu  innen-  und  außenpolitischen  Reformen ­
  wie  jetzt  hat  es  noch  nie  gegeben
[Zurufe  von  der  CDU  -  Lummer  (CDU):  Herr  Präsident,
Sie  sind  sehr  geduldig!]
und  diese  treffen  auf  die  härteste  aller  US-Administrationen,  die
im  Moment  nicht  das  geringste  Interesse  daran  hat,  daß  diese
Abrüstung  zustande  kommt.  Da  sind  die  Europäer  -  ganz  besonders ­
  die  Bundesrepublik,  in  der  einzig  die  Pershing  II  stationiert
sind  -  aufgerufen,
[Lummer  (CDU):  Das  wissen  wir  doch  alles!]
-  Ja,  dann  beschließen  Sie  das  doch.  Das  hat  doch  eine  Wirkung ­
  auf  die  Meinungsbildung  im  Land  und  auf  Bonn.
[Buwitt  (CDU):  Das  hat  mit  der  Geschäftsordnung  nichts
zu  tun!]
Das  hat  doch  auch  eine  Wirkung  auf  die  Sowjetunion  und  die
USA.  Man  kann  das  doch  nicht  dem  Selbstlauf  überlassen.
Wenn  sich  die  Leute  nicht  einsetzen  und  wir  auch  nicht,
wird  die  Chance  vertan.  Die  USA  suchen  nur  nach  Ausreden  und
Gründen,  um  das  Angebot  nicht  anzunehmen.  Sie  werden  dann
vermutlich  die  ersten  sein,  die  sagen,  es  sei  leider  nicht  möglich
gewesen,  aber  Sie  haben  nichts  dafür  getan,  daß  es  passiert.
[Beifall  bei  der  AL).

Stellv.  Präsident  Longolius;  So,  wir  haben  einen  Geschäftsordnungsantrag ­
  auf  Übergang  zur  Tagesordnung,  dem  widersprochen ­
  worden  ist.  Wir  stimmen  also  darüber  ab.  Wer  zur
Tagesordnung  übergehen  und  diesen  Punkt  nicht  behandelt
sehen  möchte,  den  bitte  ich  um  das  Handzeichen.
[Frau  Ahme  (AL):  Lassen  Sie  doch  wenigstens  die
Debatte  zu!]
-  Ich  bitte  um  die  Gegenprobe!  -  Das  erste  war  die  Mehrheit.
Wir  kommen  nun  zu  den  dringlichen  Anträgen,  die  in  der
Aufstellung  unter  den  Nummer  3  bis  5  aufgeführt  sind.  Gegen
die  Anerkennung  der  Dringlichkeit  sehe  ich  keinen  Widerspruch.
Ich  rufe  auf
lfd.  Nr.  24  B,  Drucksache  10/1448:
Antrag  der  Fraktion  der  SPD  über  Änderung  der
Smog-Verordnung
Wortmeldungen  in  der  Beratung  gibt  es  nicht.  Hierzu  möchte  ich
anregen,  den  Antrag  an  den  Ausschuß  für  Stadtentwicklung  und
Umweltschutz  zu  überweisen.  Ich  bitte  um  Ihr  Handzeichen,
wenn  Sie  dem  zustimmen.  -  Danke,  das  ist  beschlossen.
Ich  rufe  auf
lfd.  Nr.  24  C,  Drucksache  10/1449:
Antrag  der  Fraktion  der  SPD  über  Rücknahme  des
Flächennutzungsplanentwurfes
Hierzu  gibt  es  einen  Änderungsantrag  der  Fraktion  der  AL:

In  der  zweiten  Zeile  nach  „zurückzuziehen“  wird  ein
Punkt  eingefügt.  Der  Rest  des  Satzes  entfällt.  Statt  dessen ­
  wird  ergänzt;
„Der  Senat  begibt  sich  in  eine  eingehende  Diskussion
mit  den  Bezirken  und  betroffenen  Verbänden.  Dabei  ist
Eile  gänzlich  unnötig.  In  einem  Zeitraum  von  ca.  2  Jahren
soll  der  Flächennutzungsplan,  zusammengesetzt  aus  12
bezirklichen  Flächennutzungsplänen,  nach  vielen  öffentlichen ­
  Diskussionen  und  Planungssitzungen  zusammengestellt ­
  werden.

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