Publication:
1983
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9520977
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
62. Sitzung vom 23. Februar 1984
(A) Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Herr Thomas, gestatten
Sie eine Zwischenfrage?
Thomas (SPD); Aber bitte schön!
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Bitte sehr, Herr Freuden
thal!
Freudenthal (AL): Herr Kollege Thomas, sind Sie mit mir
einer Meinung, daß es vielleicht für die Leute im Märkischen
Viertel auch noch andere lohnende Ziele gibt als den Bahnhof
Zoo und daß man vielleicht auch vor diesem Hintergrund über
legen muß, was für sie attraktiv ist?
Thomas (SPD): Herr Freudenthal, ich gehe davon aus, daß
die Einwohner des Märkischen Viertels in die unterschiedlich
sten Stadtteile von Berlin fahren. Ich habe nur ein Beispiel von
vielen genannt. Nur, Sie werden eines einräumen: Wenn es
kein schienengebundenes Verkehrsmittel gibt, das in das Mär
kische Viertel hineinführt, dann werden Sie die Bürger des Mär
kischen Viertels, die heute sehr viele Wege mit einem öffent
lichen Verkehrsmittel zurücklegen können, zwingen, für diese
Wege künftig mehrere Verkehrsmittel zu benutzen - und das ist
Minderung der Attraktivität
[Giesel (CDU): Wie lange braucht denn der Bus
bis zum Zoo?]
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Gestatten Sie eine Zwi
schenfrage von Herrn Kollat?
Thomas (SPD): Bitte sehr!
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Bitte schön!
Kollat (SPD): Kollege Thomas, haben Sie schon einmal mor
gens oder abends während des Berufsverkehrs an den beiden
Ausfallstraßen des Märkischen Viertels gestanden und dort
zugesehen? - Wenn ja, dann sollten Sie diese Erkenntnisse
dem Hohen Hause nicht vorenthalten; denn viele scheinen da
von noch nie etwas gesehen oder gehört zu haben.
[Beifall bei der SPD]
Thomas (SPD): Sehr verehrter Kollege Kollat, es ist mir völlig
klar, daß die gegenwärtige Situation in der Bedienung des
öffentlichen Personennahverkehrs für das Märkische Viertel,
wenn ich allein von der Bedienung durch den Bus ausgehe,
nahezu optimal ist, daß aber dennoch die Bürger des Märki
schen Viertels in einem erheblichen Umfang den privaten Pkw
benutzen. Ich fürchte, daß sich dieser Trend, wenn das, was
heute vom Regierenden Bürgermeister angeboten worden ist,
Realität wird, noch verstärken wird.
Die SPD-Fraktion verlangt vom Senat, daß er deutlich macht,
wie sich der schienengebundene Nahverkehr künftig in den ein
zelnen Ortsteilen entwickeln soll, wo die U-Bahn weitergebaut
werden soll, welche S-Bahn-Linien er im Verlauf der nächsten
Jahre in Betrieb nehmen will, wie er sich die Betriebskostenent
wicklung vorgestellt, wie er sich die Zubringerfunktionen des
Busverkehrs vorstellt, welche Einsparungen er bei der Neu-
zuschneidung der Buslinien erwartet,
[Dr. Meisner (SPD): Und welche Maßnahmen für den
Individualverkehr zu treffen sind!]
welche Maßnahmen zur Einschränkung des Individualverkehrs
dazu parallel ergriffen werden sollen,
[Staffelt (SPD); Und was das kostet!]
und schließlich, wie die Mittet aufgebracht werden sollen, die
dieses öffentliche Personennahverkehrskonzept kostet
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Herr/Thomas, gestatten (C)
Sie ein weitere Zwischenfrage?
Thomas (SPD): Ja, bitte!
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Bitte schön!
Giesel (CDU): Herr Kollege Thomas, habe ich Sie richtig ver
standen: Sie fordern Zwangsmaßnahmen gegen die Auto
fahrer?
Thomas (SPD): Herr Giesel, es tut mir furchtbar leid: Meine
Pantasie reicht erheblich weiter als die Ihre.
[Beifall bei der SPD]
Sie scheinen offenbar nur in Extremen leben zu können: ent
weder hemmungslosem Manchester-Liberalismus oder admini
strativem Bevormunden. Es gibt eine ganze Reihe von marktkon
formen Maßnahmen, die durchaus im Rahmen eines liberalen
Wirtschaftssystems akzeptabel sind, ohne daß wir bereits zu
dem kommen, was Sie für Zwang halten.
[Adler (CDU); Aufzählen!]
- Meine Damen und Herren, ich habe jetzt noch eineinhalb
Minuten Redezeit; ich wollte mich —
[Heiterkeit bei der CDU]
- Ja, verzeihen Sie! Sagen Sie Herrn Giesel, daß er seine
Fragen künftig früher stellen soll, dann kann ich sie auch beant
worten. -
Ich stelle noch einmal für die SPD fest: Wir sind bereit, an der
weiteren Inbetriebnahme von S-Bahn-Strecken in Berlin mitzu
wirken.
[Buwitt (CDU): Alles nur Geschwafel!] (D)
Nur, meine Damen und Herren von der CDU, Ihre chaotische
Betriebsamkeit kann von uns nicht gebilligt und unterstützt
werden. Wenn Sie einen breiten Konsens in diesem Haus auf
diesem Gebiet wünschen, dann präsentieren Sie uns, bitte, ein
geschlossenes Konzept und nicht das hilflose Stammeln des
Herrn Vetter.
[Beifall bei der SPD]
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Weitere Wortmeldungen
liegen nicht vor. Damit hat die Größe Anfrage ihre Erledigung
gefunden.
Ich rufe auf
Ifd. Nr. 5, Drucksache 9/1588:
Wahl von Beisitzern des Feststellungsausschus
ses und des Beschwerdeausschusses für Kriegs
gefangenenentschädigung gemäß Beschlußemp
fehlung des Ausschusses für Gesundheit, Sozia
les und Familie vom 6. Februar 1984 zur Vorlage,
Drucksache 9/1024
Wer die in der Drucksache 9/1588 aufgeführten Personen zu
Beisitzern beziehungsweise zu stellvertretenden Beisitzern in
dem Feststellungsausschuß und in dem Beschwerdeausschuß
für Kriegsgefangenenentschädigung zu wählen wünscht, den
bitte ich um das Handzeichen. - Danke schön, das ist mit
großer Mehrheit so beschlossen.
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