Publication:
1983
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9520977
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
58. Sitzung vom 19. Januar 1984
Stellv. Präsident Longolius
(A) Ich rufe auf
lfd. Nr. 16, Drucksache 9/1503:
Beschlußempfehlung des Ausschusses für
Stadtentwicklung, Umweltschutz und Verkehr
vom 1. Dezember 1983 zum Antrag der Fraktion
der CDU über Waidgesundheitsprogramm, Druck
sache 9/1446
- hierzu der Änderungsantrag der Fraktion der SPD:
Der Antrag der Fraktion der CDU über Waldgesund
heitsprogramm - Drs 9/1446 - erhält folgende Fas
sung:
Ergänzend zu dringend erforderlichen Maßnahmen
zur Luftreinhaltung in Berlin, die auch dem Waldsterben
in Berlin entgegenwirken sollen, wird der Senat auf
gefordert, bisher vernachlässigte oder unzulänglich
durchgeführte Maßnahmen in den Berliner Wäldern
umgehend einzuleiten und dem Abgeordnetenhaus bis
zum 31. März 1984 über das Veranlaßte zu berichten.
Insbesondere erwartet das Abgeordnetenhaus:
1. Zur besseren Beurteilung des Umfangs der bereits
eingetretenen Schädigung der Berliner Wälder und
der Wirksamkeit der eingeleiteten Gegenmaßnah
men ist ein Programm zur Schadensfrüherkennung
sowie ein System zur permanenten Erfassung von
Baumschäden unter Berücksichtigung der Stand
ort-, Boden- und Klimabedingungen zu entwickeln,
insbesondere:
a) Die zuletzt im Jahre 1950 vom Pfianzenschutz-
amt durchgeführte Aufnahme der Vegetation,
der Bodenvegetation und des Waldbodens ist
zu aktualisieren und künftig in kontinuierlichen
Zeitabständen durchzuführen.
b) Durch eine regelmäßige Durchführung von
Infrarotuntersuchungen des Berliner Waldes ist
eine zuverlässige Schadensermittlung zu ge
währleisten.
c) Zur Messung der Schadstoffbelastung sind in
Boden- und Kronenhöhe Meßstellen in den Ber
liner Wäldern einzurichten.
2. Um die Schadstoffbelastung der Berliner Wälder zu
mindern, ist der Verkehr mit Kraftfahrzeugen durch
die Forsten auf das unumgängliche Maß zu reduzie
ren. Der Senat soll in einem Bericht darstellen, wie
mit Geschwindigkeitsbegrenzungen in und in der
Umgebung von Berliner Wäldern die Belastung der
Wälder verringert werden kann.
3. Die durch Luftverunreinigungen und saure Nieder
schläge hervorgerufenen Schädigungen werden
durch Schädigungen der in ihrer Abwehrkraft
geschwächten Bäume durch natürliche Schädlinge
verstärkt. Durch waldhygienische Maßnahmen ist
ein Übergreifen dieser Schädlinge auf andere
Bäume zu begegnen. Dabei ist insbesondere
- eine umgehende Aufforstung abgestorbener
Bestände durchzuführen,
- eine waldbauliche Stabilisierung der Bestände
durch Verjüngung und durch standortgerechte
Baumarten zu gewährleisten,
- geschädigte Neuanpflanzungen umgehend
durch neue Auspflanzungen zu heilen,
- die vorbeugende Schädlingsbekämpfung recht
zeitig vorzubereiten,
- die Bodenqualität durch natürliche Düngung zu
verbessern,
- die chemische Düngung erst nach erfolgten
Bodenuntersuchungen durchzuführen,
- verstärkt der Schlagabraum mechanisch zu zer
kleinern und zur Verbesserung des Bodens
zuzuführen.
4. Die vorgenannten Maßnahmen erfordern einen
erhöhten Einsatz von Personal- und Sachmitteln.
Die Berliner Forsten sind daher in den Stand zu set
zen, die zusätzlichen, durch das akute Waldsterben
bedingten, Aufgaben zu erfüllen. Hierzu sind neue
Dauerarbeitsplätze für qualifizierte Forstarbeiter, die
andere Beschäftigte und insbesondere ABM-Kräfte
anleiten, zu schaffen.
Die instrumentale Ausstattung der Berliner Forsten
ist den gestiegenen Anforderungen entsprechend
zu optimieren.
5. Der Senat wird aufgefordert, sich am EG-Aktions-
programm zur Bekämpfung von Waldschäden
sowie an einem bundesweit abgestimmten Boden
forschungsprogramm zu beteiligen.
verbunden mit
lfd. Nr. 17, Drucksache 9/1504:
Beschlußempfehlung des Ausschusses für
Stadtentwicklung, Umweltschutz und Verkehr
vom 1. Dezember 1983 zum Antrag der Fraktion
der SPD über forstliche Maßnahmen zur Bekämp
fung des Waldsterbens, Drucksache 9/1465
In der Beratung hat das Wort der Abgeordnete Liepelt.
Liepelt (CDU): Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen
und Herren! Wenn der Wald stirbt, sind die Menschen bedroht.
Die alarmierenden Meldungen über das zunehmende Waldster
ben auch in Berlin reißen nicht ab. Als die CDU zusammen mit
der F.D.P. zum erstenmal dieses Thema in das Parlament
brachte, sprachen wir von der umweltpolitischen Zeitbombe.
Mancher, der das damals noch nicht ernst nehmen konnte, ist
heute eines Besseren belehrt.
Ein Drittel der Berliner Wälder ist gefährdet. Wenn man die
Statistik sieht, muß man sagen, daß sie sich schlimmer liest. Bis
zu 41 % sichtbare Schäden zeigt die letzte Waldinventur auf.
Das sind 5% der gesamten Berliner Fläche, die hier in Betracht
kommt.
Aber wir haben nicht nur dieses Thema vor das Parlament
gebracht. Eine der signifikantesten haushaltspolitischen posi
tiven Änderungen ist die hier gebilligte Zusatzmillion für die
Waldinventur, für forstliche Maßnahmen gegen das Baum
sterben. Damit haben die Koalitionsfraktionen gezeigt, daß sie
über das Problem nicht nur reden, sondern daß sie auch finan
ziell und haushaltspolitisch gegen das Waldsterben handeln
können. Dieses ist ein Fortschritt für dieses Jahr 1984!
[Beifall bei der CDU und der F.D.P.]
Forstwirtschaftliche Maßnahmen im eigenen Hause beinhalten
auch unsere Anträge, die wir heute abschließend zu beraten
haben. Es ist ein Vorsorgeprogramm, das auf der Grundlage
des CDU-Antrages und ergänzt durch die Vorstellungen, die die
F.D.P. im Ausschuß vorgelegt hat, beruht.
Lassen Sie mich zwei grundsätzliche Anmerkungen dazu
machen. Bei aller Ursachendiskussion über den „sauren
Regen“ und die Gefährdung unserer Wälder muß hier doch ein
deutig festgehalten werden, daß die Primärursache natürlich
die Luftbelastung ist. Darüber kann man sich nicht hinweg
reden. Alle anderen Maßnahmen, die in unseren Anträgen ange
sprochen sind, wie Schädlingsbefall, Trockenheit und viele
andere mehr, sind Sekundärfolgen, die im Zusammenwirken mit
der Luftverschmutzung erst die dramatische Entwicklung des
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