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Periodical volume Nr. 56, 9. Dezember 1983

Full text: Plenarprotokoll Issue 1983/84, 9. Wahlperiode, Band IV, 54.-70. Sitzung

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode 
56. Sitzung vom 9. Dezember 1983 
(A) 
Sen Dr. Hassemer 
Werkstatt. Auch da muß ich Sie fragen, ob Sie etwa der 
Auffassung sind, daß das, was ich dort plane, nämlich 
für Berlin ähnlich wie es in Bethanien für die Malerei 
[Ulrich (SPD): Damit haben Sie ja 
nun gar nichts zu tun!] 
und die darstellende Kunst geschehen ist, Werkstätten 
einzurichten, in denen Bildhauer der Stadt arbeiten kön 
nen, unsystematisch wäre, für die Bildhauer einen sol 
chen Ort herzustellen? Ich bin der Auffassung, das ist 
genau ein Platz, der fehlt, das ist genau eine Chance, 
die bisher in der Vergangenheit in Berlin nicht zur Ver 
fügung gestanden hat. Und deshalb ist es mir, Herr 
Ristock und Herr Ulrich, nicht nur gelungen, das von 
Ihnen geplante Rückhaltebecken dort bei den Hallen um 
zuplanen. Sie wollten dort Wasser haben und die Sched- 
dachhallen abreißen. Es ist mir schließlich auch gelungen, 
mit diesem Haushalt auch die Betriebsmittel, die ich von 
seiten des Landes für diese Einrichtung benötige, sicher 
zustellen. Dafür bedanke ich mich sehr. 
Da mit dem Bausenator die Kosten für die Investitionen 
abgesprochen sind, sehe ich uns auf einem guten Weg 
für die Scheddachhallen, wenn der Bezirk mitmacht. Und 
nun frage ich Sie und die SPD-Fraktion; Hätte ich diese 
Chance für die Kulturpolitik in Berlin etwa nicht nutzen 
sollen? Hätte ich die Hallen abreißen lassen sollen? 
Hätte das ein Rückhaltebecken der Panke werden sollen? 
All das waren die Planungen, die Sie, der SPD-Senat, 
vorbereitet haben. 
[Simon (CDU): Gut gemacht! Und nun reicht es!] 
aufgezogen werden. Was ich mit Nationaltheater als In- (C) 
halt verbinde, ist folgendes: Ich meine, daß die großen 
Einrichtungen der Stadt, daß die Ausstrahlungskraft der 
großen Bühnen Berlins, der Oper, der Philharmonie, daß 
diese Ausstrahlungskraft in Zukunft nur dann bewahrt 
werden kann, wenn wir uns klarmachen, daß Berlin auf 
diesem kulturellen Sektor eine besondere Verpflichtung 
hat. Wir sind hier nicht zu vergleichen mit den anderen 
deutschen Städten, sondern wir müssen uns klarmachen, 
daß beispielsweise die Staatlichen Bühnen eine Füh 
rungsrolle einzunehmen haben im Konzert der deutsch 
sprachigen Bühnen. Das bedeutet für mich, daß man zu 
allererst auf Berlin sehen muß, wenn man sich fragt, wo 
man regelmäßig und zuverlässig die Klassiker der deut 
schen Sprache im Theater betrachten kann, daß man zu 
erst auf Berlin blicken muß, wenn man sich fragt, wo die 
Jungen, die Zeitgenössischen besonders gefördert wer 
den, daß man zuallererst auf Berlin blicken muß, wenn 
man sich fragt, wo die Theaterarbeit in Deutschland 
voranbewegt wird. 
(A! 
[Ulrich (SPD): Wir werden Herrn Sasse noch 
vor Ihnen in Schutz nehmen müssen!] 
Das ist der Grund, warum ich vom Nationaltheater 
spreche. Herr Ulrich, dieser Begriff ist keine Behauptung, 
sondern er beinhaltet die Verpflichtung, für deutsche 
Autoren, für deutsche Regisseure, für deutsche Klas 
siker der erste Ort zu sein, und dieser Verpflichtung 
möchte ich die Staatlichen Bühnen unterwerfen. 
[Beifall bei der CDU — Unruhe bei der SPD — 
Zurufe von der SPD; Zugabe, Zugabe!] 
Ich habe der SPD schon einmal zum Thema Filmhaus 
im Hebbel-Theater gesagt, daß es natürlich weitere 
Punkte gibt, die wir bisher noch nicht erledigt haben, 
die ich Ihnen heute noch nicht vortragen kann. 
[Ulrich (SPD): Das ist richtig!] 
Ich werde mich allerdings nicht abhalten lassen, sowohl 
zu dem einen als auch zu dem anderen Thema nicht nur 
Konzeptionen zu entwickeln, sondern die Umsetzung sol 
cher Konzeptionen sicherzustellen. Das ist jetzt bei der 
Bildhauerwerkstatt gelungen, das ist bei dem Kammer 
musiksaal gelungen, das ist bei dem Literaturhaus gelun 
gen. Alles das sind Dinge, die Sie nicht geschafft haben. 
[Beifall bei der CDU] 
Herr Ulrich, wenn der Stadt das erspart bleibt, was Sie 
jetzt schon zwei Tage lang als Hoffnungen hier präsen 
tiert haben, wenn also der CDU-Senat weiter die Chance 
hat, diese Stadt zu regieren, dann wird nicht wieder das 
eintreten, was in der Vergangenheit war, nämlich, daß im 
kulturellen Bereich nichts passierte. Es wird weiter auf 
wärts mit der Kulturarbeit in der Stadt gehen. Und da wird 
allenfalls in einer solchen Debatte vom Fraktionsvorsitzen 
den der SPD dagegen vorgetragen. 
[Schürmann (SPD): .Sie wollten etwas zum 
neuen Intendanten sagen!] 
— Das allerdings ist für uns im Gegensatz zur Zustim 
mung der Künstler ein wichtiger Aspekt. 
Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Fraktionsvor 
sitzenden noch zwei Sätze zu dem Thema National 
theater. Es ist nicht die Behauptung, in Berlin etwa 
eine Einrichtung zu bekommen, an der unter Mitwirkung 
aller Fraktionsvorsitzenden morgens irgendwelche Fahnen 
Stellv. Präsident Longoiius: Das Wort hat jetzt der 
Kollege Dr. Biewald. 
[Unruhe bei der AL — Zurufe von 
der AL: Nein! Erbarmen!] 
Dr. Biewald (CDU): Herr Präsident! Meine Damen und 
Herren! Auch wenn es der AL nicht gefällt, ich habe in 
diesem Hause elf Debatten zum Haushalt — also auch 
elf Debatten zum kulturellen Haushalt — verfolgt, viele 
mit Grimmen, manche mit Hoffnungen. Zum erstenmal 
meine ich ein Lächeln aufsetzen zu dürfen; aber ich bin 
natürlich, verehrter Herr Senator, mit dem Haushalt — 
das darf ein Kulturpolitiker wohl auch nicht sein — nicht 
voll zufrieden. Dennoch, wenn wir uns die Zahlen an- 
sehen, hat das Herr Hassemer schon richtiggestellt und 
gesagt, daß wir 7% Steigerung haben. Ich will sagen: 
Das ist eine der größten Zuwachsraten, die wir je hatten. 
Zumal wenn Sie sich einmal am Zuschußbedarf von 
363 Millionen DM in diesem Haushalt orientieren, dann 
haben wir einen Haushaltsanteil von 5 %. Und wenn Sie 
sogar den Gesamtetat sehen von 5,7 %! Dies ist in dieser 
Stadt neu, und dies sollte man anerkennen: daß es trotz 
eines Sparhaushaltes eine solche solche Steigerung gibt. 
[Beifall bei der CDU] 
Die Verstärkung von 11 Positionen um 23 Millionen DM 
bei Streichungen von rund 500 000 DM läßt uns hoffen: 
Denn so gibt es ein Nebeneinander von Leistungen, die 
für Berlin nötig sind, beispielsweise in den Gebieten 
Kongreßhalle, Literaturzentrum, Freie Gruppen, auch Heb 
bel-Theater, lieber Kollege Kollat, und Theater des We 
stens und Gropius-Bau. Wenn wir diese Latte von Lei 
stungen sehen, dann muß man sie auch anerkennen. 
(D) 
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