Publication:
1983
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9520977
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
56. Sitzung vom 9. Dezember 1983
Sen Dr. Hassemer
(A) — Herr Ulrich, Sie müssen zuhören, denn ich bin sicher,
Sie wissen das noch nicht. —
[Ulrich (SPD); Ich bin ein Literaturfan!]
Wir werden dieses Haus den Leuten, die sich mit Litera
tur in der Stadt beschäftigen, zur Verfügung stellen. Wir
werden es zu einem Treffpunkt für die Verbände machen,
für die Literaten. Wir werden hier den Bereich der Lite
ratur fördern, das also tun, was liberale Kulturpolitik aus
macht. Wir werden die in der Stadt verfügbaren Künst
ler, die Literaten fördern, auf deren Kraft wir uns mit
unserer Kulturpolitik stützen müssen; das Literaturhaus
ist also eine Maßnahme, die wie der Kammermusiksaal
in unserer Politik in die Zukunft weist, die neue Ent
wicklungschancen für die Kultur in Berlin schafft.
Dies gilt im übrigen auch für die Kongreßhalle.
[Starke Unruhe — Glocke des Präsidenten]
Meine Damen und Herren von der SPD! Ich bekenne
mich dazu, daß ich mir die Chance der Nutzung der Kon
greßhalle für kulturelle Zwecke nicht entgehen lassen will.
[Beifall der Abgn. Adler (CDU) und Zemla (CDU)]
Ich hielte es für geradezu fahrlässig, wenn in einem
Bau, in dem hier nun nicht die Wirtschaft, nicht die AMK,
sondern die Kultur zu Hause sein kann, wenn ich die
Chancen einer Entwicklung hin in dieses Haus mir etwa
verbauen würde. Ich habe das in einer anderen Diskus
sion schon einmal gesagt, meine Damen und Herren von
der SPD. Da Sie sagen, für die Kongreßhalle gibt es
keine Nutzung, und das macht jetzt das ICC, und da Sie
(g) das ICC neben die Kongreßhalle geplant haben, möchte
ich Sie wirklich einmal fragen, was Sie denn eigentlich
mit der Kongreßhalle gemacht hätten, wenn sie nicht
zusammengefallen wäre? Ich muß befürchten, Sie hätten
sie aus lauter Not mit dem, was Sie heute an Nutzungs
konzept bedenken, Sie hätten sie, ohne daß sie zusam
mengefallen wäre, abreißen müssen. Ich hätte das Ihnen
sogar zugetraut.
Stellv. Präsident Longolius; Gestatten Sie eine wei
tere Zwischenfrage, Herr Senator?
Dr. Hassemer, Senator für Kulturelle Angelegenheiten:
Ja, bitte sehr!
Stellv. Präsident Longolius: Bitte, Herr Dr. Lehmann-
Brauns!
Dr. Lehmann-Brauns (CDU): Herr Senator, damit in der
Debatte nicht der falsche Eindruck entsteht, als wenn sich
die Kahlschlagpolitik der SPD auf den Gropiusbereich
beschränkt hätte, und daß auch keine weitere Folge ist,
daß der Spitzenkandidat Ristock sich aus diesen Dingen
ganz klammheimlich herausmogelt, würden Sie bestätigen,
daß die Bauwut der sozialdemokratischen Regierung auch
in Vororten unter der vollen Verantwortung von Herrn
Ristock nur zum Teil durch die CDU-Politik gestoppt
werden konnte?
[Ristock (SPD): Ihr baut doch wieder auf
den Feldern!]
Dr. Hassemer, Senator für Kulturelle Angelegenheiten:
Herr Kollege Lehmann-Brauns! Herr Ristock! Ich möchte
in diesen Bereich deshalb nicht tiefer einsteigen, weil es
mich tatsächlich aus der Kultur vollends herausbringen (C)
würde. Ich könnte einiges dazu sagen.
[Beifall des Abg. Dr. Kremendahl (SPD)]
— Herr Kremendahl möchte auch nicht, daß ich das Thema
aufgreife. Ich verstehe, daß Sie das nicht wollen. Wenn
ich bei der SPD wäre, würde ich das auch nicht wollen.
Stellv. Präsident Longolius: Es wartet eine weitere Zwi
schenfrage auf Sie. Wollen Sie die zulassen, Herr Se
nator?
Dr. Hassemer, Senator für Kulturelle Angelegenheiten;
Bitte sehr!
Kollai (SPD); Herr Senator, Sie setzen sich bezüglich
der Kongreßhalle jetzt mit der SPD auseinander. Nun,
da sind die Fronten klar. Warum aber sind Sie nicht be
reit, auf die Kritik Ihres Parteifreundes, des ehemaligen
Abgeordneten Herrn von Kekulö, einzugehen, der in der
Kulturszene Berlins kein Unbekannter und Unbedeuten
der ist? Wie wäre es, wenn Sie dazu einmal Stellung
nähmen?
Dr. Hassemer, Senator für Kulturelle Angelegenheiten:
Herr Kollat, Sie werden kaum einen finden, der größeres
Vertrauen in die Intelligenz und Einsichtskraft von CDU-
Mitgliedern hat, vor allem, wenn sie schon einmal im Par
lament waren, als mich. Es kommt aber trotzdem immer
wieder vor, daß selbst so hoch angesehene und von mir
außerordentlich geschätzte Persönlichkeiten, wie der von
Ihnen genannte ehemalige Kollege, aus Gründen irren,
die ich schwer nachvollziehen kann, und dieselben fal
schen Schlußfolgerungen ziehen wie die SPD. W
[Beifall bei der CDU]
Es kommt vor, und wir alle müssen uns damit abfinden,
Herr von Kekulö besonders.
Ich möchte aber das Thema an einem Punkt noch ein
mal konkret machen.
[Gerald Lorenz (SPD): Das 18. Nutzungskonzept! —
Schneider (SPD): Aber dann muß Schluß sein!]
Sehen Sie, zum Beispiel haben wir in diesen Tagen in
den Verhandlungen mit der Free Music Production ge
klärt, daß wir mit Zuschüssen, die wir sehr schnell jetzt
geben werden, von uns aus die Voraussetzungen schaf
fen, daß sie in Zukunft weiter existieren kann. Die Existenz
dieser Gruppe ist allerdings auf Dauer nur möglich, wenn
sie wirklich einen Ort hat, an dem sie sich nicht nur für
einige Jahre, sondern auf Dauer einnisten kann. Wir sind
uns mit den Leuten einig, daß es mindestens sehr nahe
liegt, in Teilräumen der Kongreßhalle beispielsweise un
ter sehr vielen andern auch diese Gruppe unterzubringen.
Ich gehe davon aus, daß die Leute, sobald sie alle nun in
breiter Front gesehen haben, daß wir ernsthaft die Kon
greßhalle wiederaufbauen, daß es wie bei dieser Or
ganisation Gruppen geben wird, die Interessen entwik-
keln für die Nutzung der Kongreßhalle. Da sie offenbar
nicht über ausreichenden Kontakt zu diesen Gruppen ver
fügen, kann ich Ihnen mitteilen, daß sie einen Bedarf an
Flächen sowohl zum Proben als auch zum Auftreten ha
ben. Es besteht ein Bedarf dafür, daß wir zusätzliche Flä
chen aus dem Bereich der Kultur entwickeln. Warum soll
das denn nicht in der Kongreßhalle sein?
Der nächste Punkt, den Sie ansprachen, waren die
Scheddachhallen an der Osloer Straße, die Bildhauer-
3501
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