Publication:
1983
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9520977
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
56. Sitzung vom 9. Dezember 1983
Kotlat
einstige Dinge —, einen sogenannten „Bettenplan“, einen
Theaterplatzplan.
Weil ich bei den Theatern bin, wollen wir doch bitte
nicht übersehen: Im Zusammenhang mit der etwas be
fremdlichen Verabschiedung von Boy Gobert ist die Idee
aufgebracht worden — sicherlich eine äußerst diskutable
Idee, und ich wäre der letzte, der dazu von vornherein
nein sagte —, nämlich die Idee eines Deutschen National
theaters. Das war schon vor Monaten; wenn wir aber
jetzt fragen, wie denn dieses Deutsche Nationaltheater
in Berlin aussehen soll, dann herrscht mehr oder weniger
das große Schweigen.
Um fortzufahren, meine Damen und Herren, weil ich hier
Anlaß nehme aufgrund der bösen Zungen, die da von
„Windeiern“ sprechen, noch einmal konkret zu werden:
Wir haben eine Ausschreibung — aufgrund eines An
trages der SPD beschlossen von diesem Haus —, auf
dem Gelände des Prinz-Albrecht-Palais ein Mahnmal zu
errichten. Wie sieht es denn nun mit dem gesamten Ge
lände aus? Was haben wir zu erwarten von dem ehe
maligen Bereich des Prinz-Albrecht-Palais, was haben wir
zu erwarten vom Gropius-Bau in unmittelbarer Nähe der
Mauer, in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Reichsluft
waffenministeriums, in unmittelbarer Nähe des alten Preu
ßischen Landtages? Auch dazu hören wir entweder wenig,
oder das, was wir hören, ist in unseren Augen — und das
müssen Sie uns schon mal zubilligen — unzureichend.
[Beifall bei der SPD]
Ich komme zum nächsten angerissenen Projekt: dem Li
teraturzentrum. Wie es damit weitergehen soll, das entzieht
sich unserer Kenntnis. Auch der schon längst fällige —wenn
ich mich recht erinnere: schon seit Jahren überfällige —
Literaturbericht des Senats, der Bericht über die Literatur
szene dieser Stadt, steht aus und liegt uns zur Diskussion
noch nicht vor.
Nun darf ich einen Sprung machen an die Panke im
Wedding; da ist die Rede von den Bildhauerwerkstätten.
Aber wie die verankert werden sollen, wie die finanziert
werden sollen, welche Priorität die erhalten sollen, das
alles wissen wir nicht. Wenn wir ein paar hundert Meter
weiter gehen, dann wissen wir auch nicht, was mit den
Werkhallen der AEG im Wedding geschehen soll, obwohl
man sich bezüglich dieser Werkhallen etwas vorstellen
kann, wenn man etwas Phantasie hat, und ich meine, in
der Politik ist auch Phantasie nötig, nicht nur Visionen,
wie es gestern und heute hier der Fall war, nicht nur
Utopien, sondern auch Phantasie; und da kann man Phan
tasie haben, aber wir merken hier nichts davon.
[Beifall bei der SPD]
Ein weiteres Projekt — und ich bin weiter bemüht, kon
kret zu bleiben — ist das „Esplanade“. Da war vor einiger
Zeit die Rede davon, in diesem „Esplanade“ wolle man
irgendwie den Filmbereich Berlins unterbringen. Sie mer
ken schon, mir fehlen die richtigen Begriffe, weil ich un
sicher bin aufgrund einer unzureichenden, nicht abgerun
deten Darlegung. Was soll mit dem „Esplanade“ dort
am Potsdamer Platz geschehen? Wir wissen es nicht.
Aber gehen wir weg von den Projekten, die an be
stimmte Gebäude gehängt sind. Ich darf die Aufzählung,
die ich hier mit mehr oder weniger Kritik und Bedauern
vortrage, fortsetzen: Wie steht es mit der kulturellen Ar
beit in den Bezirken? Das ist doch etwas sehr Wichtiges,
und wir wissen, da hat es Kommissionen gegeben, Be
ratergruppen, da waren Volksbildungsstadträte beteiligt, (C)
sehr progressive der CDU, ich denke an meinen sehr
geschätzten Kollegen Willimsky aus Reinickendorf, und
was kommt heraus? Bis jetzt nichts, wovon wir Kenntnis
nehmen könnten.
Auch steht schon längst aus der Bericht über die Samm
lungen der Hochschulen und Universitäten. Auch den
müssen wir anmahnen, rückblickend, reinschauend und
vorausblickend.
[Beifall bei der SPD]
Und als letzten Punkt dieser Aufzählung — man kann
hier nicht alles und ewig aufzählen — will ich den Muse
umspädagogischen Dienst nennen, eine Einrichtung, die
wir von A bis Z bejaht haben. Wir haben vor einiger Zeit
zur Kenntnis nehmen müssen: Es gibt Überlegungen,
sicherlich sehr diskutable Überlegungen, diesen Museums
pädagogischen Dienst umzumünzen in einen Kulturpäd
agogischen Dienst. Aber wie soll der denn aussehen, wo
soll der angesiedelt werden, welche Aufgaben will man
ihm überantworten? Alles das fehlt.
Nun, meine Damen und Herren, wir sind — und ich
glaube, das Stichwort hat Jochen Vogel hier einmal aus
gegeben — Vertreter einer konstruktiven Opposition, und
deswegen die dringende Forderung an den Senat: Brin
gen Sie doch bitte das ganze in eine zusammenfassende
Konzeption mit Prioritäten, mit Aussagen über die haus
haltsmäßigen Auswirkungen — mit anderen Worten: Brin
gen Sie uns doch im nächsten Jahr einen Kulturentwick
lungsplan.
[Beifall bei der SPD]
Letzte Bemerkung:
(D)
[Zuruf; Wirklich?]
— Ja, ich höre eben die Frage „Wirklich?“, so soll es
denn auch sein, denn was man verspricht, muß man hal
ten. — Nun, meine Damen und Herren, geht seit einiger
Zeit ein äußerst bejahenswerter, diskutabler Gedanke
durch die Stadt, der Gedanke eines Forums für Ge
schichte und Gegenwart. Dazu kann ich abschließend nur
sagen: Wir bitten den Senat, nein, wir fordern ihn auf,
für dieses Forum schleunigst eine zureichende Konzep
tion vorzulegen, damit wir mit diesem Senat — wir als
Opposition — in die geistige Auseinandersetzung eintre-
ten können über den Bereich Geschichte, Geschichts
unterricht, Geschichtswissen, Geschichtsbewußtsein usw.
Wir fordern Sie also auf: Legen Sie ein Konzept vor, das
uns die Gelegenheit gibt, mit Ihnen bis zum April 1985
zum Thema Geschichte in die geistige Auseinandersetzung
einzutreten.
[Beifall bei der SPD]
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Nächster Redner ist der
Abgeordnete Lehmann-Brauns.
Dr. Lehmann-Brauns (CDU): Frau Präsidentin! Meine
Damen und Herren! Lieber Herr Kollat, meine Fraktion
nimmt mit Respekt Ihre Kritik an der Kulturpolitik dieses
Senats zur Kenntnis, die ich dahin zusammenfassen darf,
daß Ihnen zum Teil das Tempo zu langsam ist oder das
Verfahren nicht so ganz paßt; aber im Grunde genom
men entnehme ich Ihren Ausführungen nichts weiter als
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