Publication:
1983
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9520977
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
56. Sitzung vom 9. Dezember 1983
(A)
(B)
Stellv. Präsidentin Wiechatzek
Ich rufe auf
Einzelplan 17 — Kulturelle
Angelegenheiten —
hierzu;
1. Betragliche Änderungen des Hauptausschusses
nach Drucksache 9/1451
2. Änderungen des Hauptausschusses zum Stellen
plan nach Drucksache 9/1451
3. Sachbeschlüsse des Hauptausschusses nach
Drucksache 9/1450, Nrn. 25 bis 27
4. Änderungsantrag Nr. 10 der AL-Fraktion
Kapitel
Titel
Der Haushaltsplanentwurf 1984 wird wie folgt geändert:
Bezeichnung bisher
DM
OM
DM
1700
SenatsverwaHung für Kulturell« Angelegenheiten
685 54 (neu) Zuschüsse für soziokulturelle Aktivitäten
-
2000 000
2 000 000
701 03
Wiederaufbau der Kongreßhalle
31 000 000
-20 000 000
11 000 000
17 35
Amerika-Gedenkbibtiothek
523 02
Ergänzung und Erweiterung des Bestandes
1 018 000
82000
1 100 000
5. Änderungsanträge Nrn. 7 und 8 der SPD-
Fraktion
Die Beschlußempfehlung des Hauptausschusses vom 21. November 1983 — Drucksache 9/1451 — wird wie
folgt geändert;
Betragliche Änderungen
lfd Nr.Kapitel Bezeichnung
Titel
bisher
DM
hinzu
treten
DM
17 00 Sanatsvenealtung für Kulturell« Angelegen
heiten
7. 701 03 Wiederaufbau der Kongreßhalle
Verpflichtungseimächtigungen
bisher 30 000 000
hinzu treten -15 000 000
neu 15000 000
8. 701 01 Neubau eines Kammermusiksaales
Verpflichtungsermächtigungen
bisher 20 000000
hinzu treten — 20 000 000
15000 000 -10000 000 5 000 000
20000000 - 20 000 000
[Anhaltende Unruhe — Glocke des Präsidenten]
Gibt es Wortmeldungen? — Herr Kollat!
[Anhaltende Unruhe]
— Einen Moment, Herr Kollat!
[Glocke der Präsidentin]
— Meine Damen und Herren! Darf ich doch bitte um Ruhe
bitten! — Bitte schön, Herr Kollat!
Kollat (SPD); Frau Präsidentin! Meine Damen und
Herren! Eine deutsche Redewendung heißt: „Wer vielen
vieles bringt, wird manchen etwas bringen.“ Diesen Ein
druck muß man haben, wenn man sowohl rückblickend
wie reinblickend und ausblickend sich den Kulturhaushalt
und damit die Tätigkeit des Senators für Kulturelle An
gelegenheiten betrachtet. Das heißt mit anderen Worten:
Hier ist eine Fülle von Gedanken und Projekten angeris
sen worden. Böse Zungen übrigens, zu denen ich mich
nicht zählen will, sprechen von Windeiern. Die sind hier
angerissen worden, ohne daß sie eine Konkretisierung
oder eine Abrundung erfahren haben.
[Beifall bei der SPD]
Nun werden Sie sagen, das ist die Auffassung eines (C)
einzelnen Herrn. Aber durchaus nicht, meine Damen und
Herren, sondern zumindest muß auch der Hauptausschuß
dieser Auffassung gewesen sein; denn er hat die Auf
lage erteilt, daß bis zum 31. März 1983 eine umfassende
Gesamtkonzeption für das zukünftige Angebot Berlins
vorzulegen ist. Ich finde es in Ordnung, wenn in dieser
Auflage von einer Gesamtkonzeption die Rede ist; denn
diese Konzeption im einzelnen und auch insgesamt wird
von uns nicht nur heute, sondern wurde schon des öfteren
in Ausschußsitzungen, in Plenardebatten und öffentlichen
Darlegungen gefordert. Eine Konzeption im einzelnen
und eine Konzeption insgesamt fehlt. Nun werden Sie
sagen: Mein lieber Freund, werde doch bitte konkret. —
Das soll auch geschehen.
(/
Da ist die Rede von dem Wiederaufbau der Kongreß
halle. Darüber kann man dieser und jener Meinung sein.
Aber eines steht fest: Man kann ein solches Bauwerk
— bei aller Wichtigkeit — im Hinblick auf die haushalts
mäßigen Auswirkungen nur betreiben, wenn man auch
weiß, was man hinterher mit diesem Bauwerk tun und las
sen will.
[Beifall bei der SPD]
Eine solche zureichende Konzeption fehlt bis zum heuti
gen Tag. Nun könnte ich übertreiben, aber ich will das
selbst gar nicht, sondern will nur darauf hinweisen, welche
Stimmen es aus dem Kreise der CDU gibt. Deswegen
erlaube ich mir, im Hinblick auf die Kongreßhalle Herrn
von Kekul6, langjähriger Abgeordneter, wichtiger Mann
in der Kulturszene der Stadt und der CDU, zu zitieren.
Herr von Kekule sagt in der neuesten Nummer des
Kunst-Magazins von Charlottenburg — November/Dezem
ber —, bezogen auf die Kongreßhalle:
Ihren Verwendungszweck hat sie an das Internatio
nale Congress Centrum verloren.
Herr von Kekulö sagt weiter:
Einer sinnvollen Verwendung kann sie nicht zugeführt
werden. Für Ausstellungen ist sie ebenso ungeeig
net wie als Ballsaal oder als Festspielhaus.
— Herr von Kekule! — Ich will noch einen Augenblick bei
meinem einstmals geschätzten Kollegen bleiben; er sagt
sogar in seinem längeren Aufsatz:
Es gibt für diese Kongreßhalle keinen Verwendungs
zweck!
— Das, meine Damen und Herren, ist nicht meine Auffas
sung, aber ich wollte die Palette der Meinungen aufzei
gen und wollte sagen; Darüber kann man erst reden und
mit Herrn von Kekule rechten, wenn eine Konzeption vor
liegt — und die ist bis zum heutigen Tage nicht vorhan
den.
Ich fahre fort: Da haben wir in Berlin das Hebbel-
Theater. Alle erfahrenen Leute sind sich darüber klar, daß
dieses wichtige Bauwerk nicht verrotten darf. Wir hören
aber nichts darüber, was mit dem Bauwerk geschehen
soll, wann es restauriert und welcher Nutzung es zu
geführt werden soll; und ähnlich sieht es mit dem alten
Gebäude der „Schaubühne“ am Halleschen Ufer aus.
Erfreulich ist, daß der Hauptausschuß wiederum die
Auflage erteilt hat im Hinblick auf die Theater und diese
Gebäude, sich erneut damit zu befassen, und ich würde
dem Hauptausschuß empfehlen, daß er seine Auflage er
weitert und fordert, einmal aufzulisten für Berlin, wie es
mit den vorhandenen Theaterplätzen steht, wie es um die
Bedürfnisse in dieser Stadt steht und was wir uns zu
künftig noch leisten können, also quasi für die Berliner
Theatersituation, wenn Sie so wollen — ich erinnere an
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