Publication:
1983
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9520977
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
56. Sitzung vom 9. Dezember 1983
Sen Dr. Kewenig
Diese schnelle Reaktion in Berlin hat aber nicht nur
dazu geführt, daß z. B. die Amerikaner in diesem speziel
len Gebiet wieder Respekt vor uns haben, sondern auch
dazu, daß einen Tag nach der Vorstellung des Gerätes
der Bund einen zusätzlichen Forschungsauftrag von über
einer Million DM dem Klinikum Charlottenburg in Aussicht
gestellt hat. Man glaubt, daß die Verwendung dieser Me
thode für den Bereich des Herzens große Entwicklungs
möglichkeiten und wissenschaftlichen Fortschritt ermög
licht. Einmal wird in Berlin durch ein derartiges Gerät also
Forschung angeregt, darüber hinaus aber auch Forschung
durch Drittmittel ermöglicht.
Es ist aber nicht nur die wissenschaftliche Schiene inter
essant — diese wäre mit Sicherheit gestern richtiger pla
ziert gewesen —, sondern interessant ist hier vor allem
die wirtschaftliche Seite. Die Firma Schering ist auf der
Welt einer der wichtigsten Anbieter von Kontrastmitteln.
Sie teilt sich den Markt mit zwei oder drei ernsthaften
Konkurrenten. Die Tatsache, daß wir hier in Berlin prak
tisch um die Ecke von Schering ein Gerät haben, das die
Kontrastmittel unmittelbar ausprobieren kann, führt — hof
fentlich — dazu, daß in einer der wenigen wirklich florie
renden Großindustrien in Berlin zusätzliche Arbeitsplätze in
einer möglichst nahen Zukunft geschaffen werden können.
[Beifall bei der CDU]
Diese Art des Beitrags der Wissenschaft, einmal nicht nur
Geld zu konsumieren und ständig vor den Türen des
Finanzsenators zu stehen, sondern durch Grundlagenfor
schung und angewandte Forschung in dem einen oder
anderen Bereich zusätzliche und krisenfeste Arbeitsplätze
neu zu schaffen, ist nachdrücklich hervorzuheben. Der Hin
weis darauf, daß es so etwas überhaupt und noch dazu in
Berlin gibt, gehört doch in diese Debatte.
Lassen Sie mich als zweites Demonstrationsobjekt nicht
eines der bekannten Beispiele wie das Doppelinstitut
oder das in Gründung befindliche Institut für Gen-Tech
nologie nennen, sondern lassen Sie mich nur auf ein Bei
spiel hinweisen, mit dem wir noch nicht ganz soweit wie
beim Kernspintomographen, aber immerhin relativ weit
sind. Sie haben vielleicht den Zeitungen entnommen, daß
wir vor wenigen Wochen „an“, d. h. in der Nähe der Tech
nischen Universität ein Forschungsinstitut in dem Bereich
der Verkehrstechnik gegründet haben. Das ist ein For
schungsinstitut, in dem Gesellschafter nicht etwa der
Staat oder die Hochschule oder irgendwelche anderen
öffentlichen Träger sind. Gesellschafter sind vielmehr zu
50 % das Volkswagenwerk, zu 25 % das Berliner Unter
nehmen Neoplan, und zu 25 % die SMV, die hier schon
diskutiert worden ist. Dies ist nur eines von fünf oder
sechs ebenfalls zitierfähigen Beispielen. Wir sind dabei,
um unsere wichtigsten Forschungseinrichtungen einen
Kranz von Instituten zu legen, die keine andere Aufgabe
haben als die, Ergebnisse der Grundlagenforschung, die
z. B. in den Hochschulinstituten erarbeitet werden, in ei
ner Art Zwischenträgerfunktion von der Idee zum Prototyp
zu entwickeln, damit dann dieser Prototyp von einem in
dustriellen Unternehmen tatsächlich in die Serienproduk
tion übernommen werden kann.
Wenn so große Unternehmen wie das Volkswagenwerk
und auch das Berliner Unternehmen Neoplan bereit sind,
sich in dieser Weise finanziell und sächlich an einem sol
chen Institut zu beteiligen, das in diesem konkreten Fall
an der Technischen Universität eingerichtet worden ist,
dann ist das ein weiteres Zeichen dafür, daß nicht nur die
Bereitschaft von Wissenschaft und Industrie zur Koope
ration besteht, weil beide Seiten ihren Vorteil erkannt
haben. Ich glaube darüber hinaus, daß dies auch ein Zei
chen ist für das Vertrauen, das insbesondere die Berliner
Industrie, aber auch die in der Bundesrepublik inzwischen (C)
wieder in die Berliner Wirtschaft gewonnen hat. Das
darf man doch wohl als einen wirklichen Fortschritt in der
Berliner Wissenschaftspolitik hervorheben, so wie ich sie
von meinem Vorgänger übernommen habe. Es sind nicht
nur die Berührungsängste abgebaut worden, sondern es
besteht tatsächlich wieder Vertrauen. Man ist zur Koope
ration bereit, ja sogar zur Investition in Forschungsvor
haben, die in oder an den Berliner Forschungseinrichtun
gen für die Industrie unternommen werden.
[Beifall bei der CDU]
Es wäre nun schlimm, wenn das, was ich hier vortrage,
möglicherweise nur zwischen Herrn Pieroth und mir mit
einer industriellen Leitungsebene oder auch der Universi
tät abgestimmt worden wäre. Wer den Standort Berlin zu
einem Technologiezentrum in Deutschland ausbauen will,
muß sich vor allem um die Bereitschaft zur Kooperation
auf der Arbeitsebene kümmern. Das ist geschehen. Ange
sichts der manchmal recht schwierigen Haushaltsverhand
lungen im Parlament ist diese Kooperationsbereitschaft
der Linie mit aller Deutlichkeit zu Tage getreten. Die
Arbeitsebene zeigt ebenfalls eine große Bereitschaft zu
einer engen Kooperation.
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Herr Senator, gestatten
Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Dr. Kremen
dahl? — Bitte schön, Herr Dr. Kremendahl!
Dr. Kremendahl (SPD): Herr Senator Kewenig! Wären
Sie bereit, neben den bereits von Ihnen geschilderten
und auch von uns uneingeschränkt positiv bewerteten
Beispielen als drittes Beispiel einer erfolgreichen Ko
operation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft den Ko
operationsvertrag zwischen der Freien Universität Berlin
und dem Deutschen Gewerkschaftsbund, Landesbezirk
Berlin, zu nennen?
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Bitte schön, Herr Sena
tor Dr. Kewenig!
Dr. Kewenig, Senator für Wissenschaft und Forschung:
Verehrter Herr Kremendahl, ich bin natürlich selbstver
ständlich bemüht, möglichst immer positiv auf Ihre Fragen
zu antworten, auch wenn wir das manchmal schwerfällt.
In diesem Fall wäre ich Ihnen jedoch dankbar, wenn Sie
den Hintergrund Ihrer Frage dahin konkretisieren könnten,
daß Sie mir einmal die Forschungsprojekte nennen, die
nach Ihrer Auffassung der Gewerkschaftsbund und die
Freie Universität gemeinsam unternehmen und die dann
in mittlerer oder langfristiger Zukunft tatsächlich zu zu
sätzlichen Arbeitsplätzen in der Stadt führen.
[Beifall bei der CDU]
Wenn Sie mir in dieser Debatte oder bei einer späteren
Gelegenheit diesen Nachweis führen, bin ich gern bereit,
auch diesen Fall als ein besonders gutes Beispiel der
Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft hier
von diesem Platz aus zu loben.
Meine Damen und Herren, ich möchte Ihre Geduld
nicht überstrapazieren, wir haben hier lange diskutiert
und gesprochen; ich möchte nur eines noch feststellen,
und ich komme deshalb auf das zurück, was hier gestern
zur Einleitung von dem Herrn Fraktionsvorsitzenden Ulrich
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