Publication:
1983
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9520977
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
56. Sitzung vom 9. Dezember 1983
Palm
(A)
(B)
Außerdem weise ich darauf hin, daß die Großfeuerungs
anlagenverordnung und auch die neue TA Luft von der
jetzigen Bundesregierung, nämlich der von der CDU
geführten Bundesregierung, eingeführt wurden und nicht
von Ihrer Regierung, die lange genug dazu Zeit hatte.
[Beifall bei der CDU]
Lassen Sie mich noch einen Hinweis machen: Manch
mal entsteht der Eindruck, wir in Berlin seien etwas Be
sonderes. Wenn man z. B. durchs Ruhrgebiet fährt, und
man ist da in einem kleineren Ort, der sehr nett gestaltet
ist, man fährt da die Straße entlang, kommt um die Ecke,
dann sieht man Hochöfen, dann sieht man Qualm, dann
sieht man Rohre von Kokereigas quer über die Straße
laufen, und man fragt die Leute: Sagt mal, seid ihr denn
eigentlich hier zufrieden und könnt ihr denn hier leben?
— dann sagen die einem ganz nüchtern: Das sind unsere
Arbeitsplätze. — Wir allerdings sind hier langsam dabei,
wirklich klinisch saubere Dauerarbeitsplätze zu verlangen,
die auf Lebenszeit angelegt sind, aber bloß um Gottes
willen keine Umweltbelastung schaffen, und dieses kön
nen wir uns bestimmt in Berlin nicht leisten.
[Dr. Köppl (AL): Ich habe gestern gesagt,
75 000 t pro Jahr Schwefeldioxid werden in die
Luft gepustet, und da sagen Sie hier: „klinisch
saubere Arbeitsplätze“! — Mann, wovon reden
Sie denn?]
Darf ich weiter zur Energiepolitik noch bemerken, daß
wir gemeinsam mit dem vorigen Senat das Erdgasprojekt
eingeleitet haben. Allerdings — und das wissen wir aus
bitterer Erfahrung — ist es uns bei Ihrem Senat nicht
gelungen, das Projekt so in Gang zu bringen, wie es not
wendig gewesen wäre. Der jetzige Senat hat zügig und
mit konkreten Maßnahmen dieses Projekt weitergeführt,
und wir sind heute bei dem Stand, wie Sie alle wissen,
daß wir ab 1985 das erste Erdgas nach Berlin bekommen.
[Beifall bei der CDU]
Ich möchte Sie auffordern, wirklich in Zukunft nicht mies
zumachen, sondern optimistisch für unsere Stadt Ihre
Politik zu machen.
[Dr. Köppl (AL): Das Fernsehen geht schon
raus. Das lohnt sich nicht einmal aufzuzeichnen!]
Zum Schluß möchte ich ein Zitat aus der „Zeit“ bringen,
denn Sie haben den Senat und uns angegriffen an einer
Stelle, wo Sie immer wieder daraufgehauen haben und wo
der Senat am stärksten ist, nämlich bei der Wirtschafts
und Arbeitsmarktpolitik. Sie haben es immer wieder ver
sucht. Wenn man mal zum Sport hinübergeht, würde man
beim Fußball sagen: Sie haben versucht, durch die Mitte
zu kommen. Wenn Sie so weitermachen, geht es Ihnen so
wie den Bundesligavereinen, die inzwischen aus allen
Wettbewerben ausgeschieden sind. Nun dieses Zitat aus
der „Zeit“ vom 7. Oktober 1983:
Während überall nach einem Rezept gegen die
Arbeitslosigkeit gesucht wird, wurde in Berlin
ein Konzept entwickelt.
Wir stimmen diesem Haushalt zu.
[Beifall bei der CDU]
Stellv. Präsidentin Wiechatzek: Nächster Redner ist Se
nator Kewenig.
Dr. Kewenig, Senator für Wissenschaft und Forschung:
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Her
ren! Sie werden vielleicht überrascht sein, daß der Wis
senschaftssenator sich zu Wort meldet.
[Zuruf des Abg. Dr. Kremendahl (SPD)]
— Vielen Dank, Herr Kremendahl, ich hatte schon gehofft,
daß Sie klatschen würden. — Aber im Gegensatz zu dem
Bild, das Herr Kremendahl immer wieder hier entwickelt,
wenn er über die Wissenschaftspolitik in Berlin spricht,
ist es ja eben nicht so, daß sich diese Wissenschafts
politik etwa vor dem Verwaltungsgericht und dem Ober
verwaltungsgericht Berlin vollzieht, sondern, meine Damen
und Herren, ob Sie es glauben oder nicht, sie vollzieht
sich einerseits in den Hochschulen und den wissenschaft
lichen Einrichtungen Berlins und sie vollzieht sich zum an
deren — und das ist der Grund, weshalb ich hier noch
einmal in der Debatte sprechen möchte — in der Koope
ration zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Diese Ko
operation eben nicht — und das möchte ich kurz belegen —
ein Schlagwort geblieben, ein Schlagwort, das möglicher
weise in der Regierungserklärung auftrat, aber dann nicht
mehr, sondern sie ist aufgrund der vorzüglichen Zusam
menarbeit zwischen der Wirtschaftsverwaltung, der Wis
senschaftsverwaltung, der Finanzverwaltung, den betroffe
nen wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Betrieben in
zwischen in Berlin zur Realität geworden. Ich möchte
Ihnen ein oder zwei Beispiele für diese heute schon exi
stierende Realität der Kooperation von Wissenschaft und
Wirtschaft hier einmal vorstellen, damit alle Zweifel, die
Sie möglicherweise noch haben, verfliegen.
Voraussetzung für eine effektive Kooperation zwischen
Wirtschaft und Wissenschaft sind einmal die Bereitschaft
auf beiden Seiten, zum anderen die Fähigkeit auf beiden
Seiten und zum dritten die Entschlossenheit, die notwen
digen sachlichen und personellen Ressourcen in diese Zu
sammenarbeit zu investieren.
Mein erstes Beispiel ist der Kernspintomograph, den
wir in der vorigen Woche im Klinikum Charlottenburg auf
gestellt haben. Warum ist das ein Beispiel für die Koope
ration zwischen Wissenschaft und Wirtschaft? — Es ist ein
Investitionsvolumen von gut 5 Millionen DM. Von dieser
5 Millionen-Investition hat eine große Berliner Firma,
die Kontrastmittel herstellt und deshalb großes Interesse
an der Forschung im Bereich der Röntgenologie hat, 1,5
Millionen DM bezahlt. Den restlichen Betrag von etwa
4 Millionen DM haben der Bund und das Land Berlin sich
geteilt. Innerhalb weniger Monate ist der erste Kernspin
tomograph an einer deutschen Hochschule im Charlotten
burger Klinikum tatsächlich aufgestellt worden. Diese Ko
operation hat so gut geklappt — lassen Sie mich zunächst
erst einmal die wissenschaftliche Seite erwähnen —, daß
zwei Tage, nachdem das Gerät installiert war, Bilder, die
mit diesem neuen Gerät geschossen worden sind, nach
Amerika gebracht und dort auf einem großen Kongreß vor
20 000 Röntgenologen und Internisten in Chicago gezeigt
worden sind. Obwohl diese Methode, die man hier in
Berlin mit Kontrastmitteln der Firma Schering erprobt hat,
zunächst einmal auf große Zurückhaltung stieß, haben
alle Beobachter von einer bemerkenswerten Reaktion des
amerikanischen Publikums berichtet. Die Reaktion war:
„Oh, these bloody Germans, they are coming again.“ —
Man war also von der Qualität der Bilder, die hier in Ber
lin geschossen und dann nach Chicago transferiert wor
den sind, so angetan, daß man tatsächlich wieder einen
gewissen Kotau vor dem Erfindungsgeist und vor der
guten Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft
auf der einen Seite und technischem Fortschritt auf der
anderen Seite in der Bundesrepublik machte.
[Beifall bei der CDU und der F.D.P.]
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