Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

aeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
15. Sitzung vom 28. Januar 1982
843
au Wiechatzek
21a
zu.
nki
pher für alle Fraktionen. Das Problem „Gewalt gegen
■auen“ ist von uns allen sehr ernst zu nehmen, und wir ha-
n uns in der nächsten Zeit alle sehr intensiv damit zu be-
häftigen. Es gibt daher wohl keine grundsätzlichen Schwie-
jkeiten.
Sie sagten, Sie hätten es sich gewünscht, daß wir über
in Antrag hier gleich abstimmen könnten. Ich will Ihnen
Ishalb kurz sagen, warum die CDU-Fraktion Überweisung
den Frauenausschuß beantragt hat. Ihnen ist doch genauso
e uns bekannt, daß der in Kürze vom Senat zu erwartende
auenbericht sich mit dieser Problematik beschäftigen wird.
e „i i halte es deshalb nicht für sinnvoll, einen Antrag zu stel-
"i, der die gleiche Problematik praktisch noch einmal auf-
rft und damit dem Frauenbericht vorgreift. Ich halte es für
sser, sollte der Frauenbericht nicht konkret genug sein,
nn einen Antrag detaillierter zu fassen, mit einer beson-
1 ren Problemstellung für den Senat.
Im übrigen meine ich auch, stimmt Ihr Antrag fast wört-
•h mit der Hamburger Initiative überein; er sollte daher
1 einmal im Ausschuß beraten werden, weil wir die Daten,
b uns Hamburg schon vorgegeben hat, zuvor näher he
chten sollten. Ich halte das vom Arbeitsablauf her für
involler.
Als drittes darf ich Ihnen sagen, meine Fraktion beschäf-
|t sich im Moment auch mit der Überlegung, ob wir diesen
itrag nicht generell erweitern sollten zu einem Antrag an
in Senat, sich generell mit der Gewalt in der Familie zu
eschäftigen. Denn es geht ja nicht nur um Gewalt gegen
p Frauen. Die CDU hat auch die Absicht, untersuchen zu
>sen, wie es um die Gewalt gegen Kinder steht. Wer
rieht eigentlich für die vielen Kinder, die von Eltern miß-
ich |ndelt werden? Welche Gründe dem zugrunde liegen? —
besteht ja, das sagt uns Hamburg, ein enger Zusammen-
ng zwischen der Gewalt gegen Frauen und der Gewalt
de |gen Kinder. Diese Problematik müßte daher einmal grund-
adi Itzlicher aufgerollt werden.
.Aus diesen Überlegungen heraus meine ich, es ist sinn-
äller, sich zunächst im Frauenausschuß mit Ihrem Antrag
I beschäftigen und den Bericht des Senats dazu abzuwar-
jlljn, der uns in dieser Angelegenheit sicherlich voranbringen
• Vielen Dank!
[Beifall bei der CDU und der F.D.P.]
Stellv. Präsident Franke: Das Wort hat Frau Abgeordnete
Ihaar.
rau Schaar (AL): Meine Damen und Herren! Die AL hält
| für richtig und notwendig, daß dem Problem Gewalt
"igen Frauen mehr öffentliche Beachtung zukommt, z. B.
tch in Form einer Studie, wie sie von der SPD gefordert
d. Wir meinen aber, daß dies natürlich nicht genug ist.
ist die Frage zu stellen, welche Intention seitens der
D mit der beantragten Untersuchung verfolgt wird. Es
T Jt nämlich durchaus genug Studien und Untersuchungen —
iS ist schon von der CDU gesagt worden, da sind wir ein-
' einer Meinung —
[Frau Wiechatzek (CDU):
Das muß Ihnen nicht peinlich sein!]
j dieser Problematik, z. B. liegt ja diese Untersuchung der
|itstelle betreffend Gleichstellung der Frau aus Hamburg
Wir warten schon sehr lange auf die Veröffentlichung
wissenschaftlichen Begleitstudie zum ersten Frauenhaus
|rlin, aber auch auf den Frauenbericht des Senats, der
> eigentlich schon längst vorgelegt werden sollte.
[Starke Unruhe]
Jen eine, daß die Frauen in dieser Stadt, die von Gewalt
|troffen werden — und es handelt sich ja in diesem Fall
Gewalt von Männern gegen Frauen —, weniger daran
teressiert sind, daß über sie und ihre Problematik ge
geben und gesprochen, lang und breit diskutiert wird,
vielmehr daran, daß ihnen geholfen wird. Deshalb fehlt
|r in dem Antrag der SPD eine außergewöhnlich wichtige
ibe
Komponente. Es ist von Experten und Expertinnen die Rede,
aber nicht von den Betroffenen selbst.
[Frau Wiechatzek (CDU): Sehr richtig!]
Deswegen werde ich mich im Ausschuß dafür einsetzen,
daß auch die Betroffenen zu dieser Problematik gehört
werden.
Ich erinnere dann auch noch einmal in diesem Zusam
menhang an unseren Antrag zur Finanzierung des Frauen
hausladens, und ich möchte hier einmal im Plenum darauf
hinweisen, daß dieser Antrag noch immer nicht verab
schiedet worden ist, obgleich er im Oktober oder November
in den Fauenausschuß gekommen ist, im Frauenladen disku
tiert wurde. Ich halte es schon für einen Skandal, daß das
von den Männern in diesem Ausschuß ebenso in die Länge
gezogen worden ist; die CDU hat nämlich aufgrund eines
Einwandes der Männer in diesem Ausschuß darauf bestan
den, daß die Frauenhäuser auch von Männern besucht wer
den. Vielleicht wissen Sie, daß in den Frauenhäusern Frauen
sind, die Gewalt von Männern erfahren haben und aus die
sem Grunde einfach nur mit Frauen sprechen wollen. Das ist
von den Männern einfach mit dem wirklich schon zynischen
Hinweis auf Gleichberechtigung begründet worden; ich
nehme hierbei die Männer der SPD aus, die sich da aus
geschlossen haben und erfreulicherweise sagten: Wenn die
Frauen nicht wünschen, daß Männer hinkommen, dann wer
den wir darauf verzichten. Der eine F.D.P.-Mann im Aus
schuß und die CDU-Männer bestanden einfach darauf. Aus
diesem Grunde ist meiner Meinung nach die Verabschie
dung dieses Antrages noch weit in die Länge gerückt. Wenn
CDU und F.D.P. nicht von ihrem Antrag zurücktreten, auch
mit männlichen Abgeordneten das Frauenhaus besuchen zu
können, dann, fürchte ich, wird hier praktisch in bezug auf
Gewalt gegen Frauen in Berlin noch eine Menge zu tun
sein. Es wird eine Menge gesprochen werden, aber es wird
in bezug auf Finanzierung nichts getan werden. Damit ist
dann keiner Frau geholfen.
Ich möchte ganz kurz zum Abschluß aus der Hamburger
Studie, die ich übrigens trotz aller Wissenschaftlichkeit doch
für sehr gut halte, da eine Menge an Praxis darin steht,
etwas vortragen, wie es nämlich Frauen geht, die Gewalt er
fahren haben. Ich möchte davor warnen, daß das Problem in
stitutionalisiert wird. Es heißt in dieser Studie — hier möchte
ich einmal zitieren —:
Eine Frau wird von ihrem Mann geschlagen und ruft die
Polizei. Diese sagt, sie könne wenig tun, rät aber der
Frau, sich an das Amt für Soziale Dienste zu wenden.
Dieses wiederum hält die familiären Konflikte der miß
handelten Frau für zu schwerwiegend, als daß es sinnvolle
Hilfe geben kann. Die zuständige Sozialarbeiterin er
kennt, daß die Kinder bereits unter den Gewalttätigkei
ten des Vaters gelitten haben, und schickt die Frau
weiter an eine Ehe- und Lebensberatungsstelle. Diese
hält es für sinnvoll, daß die Frau gemeinsam mit ihrem
Mann an einer Therapie teilnimmt. Spätestens an dieser
Stelle wird sich wahrscheinlich jede weitere Beratung
erübrigen, denn alle Verschiebung an eine kompetentere
Stelle hat nicht geklappt. Die Frau hat ein Jahr oder
länger mit der Suche nach Hilfe verbracht und immer
wieder gehofft, es gebe eine Stelle, die ihre Probleme
ganz besonders gut lösen könne. Die Frau wird schließ
lich resignieren. Wird sie wieder von ihrem Mann ge
schlagen, wird sie vielleicht wieder die Polizei rufen,
erneut an das Amt für Soziale Dienste verwiesen usw.,
usw. Wenn sie überhaupt ein weiteres Mal zu den Sozia
len Diensten geht, begegnet sie dort einer Sozialarbei
terin, die die Geschichte bereits kennt, selbst ohnmächtig
ist und sich vielleicht wünscht, die Polizei hätte den
Mann eingesperrt und nicht die Frau zu ihr geschickt. Sie
wird wahrscheinlich nach dem zweiten oder dritten der
artigen Kreislauf feststellen, daß man der Frau nicht
helfen kann. Und so bestärken sich von Mal zu Mal So
zialarbeiterin und mißhandelte Frau gegenseitig in ihrer
Resignation.
Ich hoffe, daß die Studie nicht dazu beiträgt, die Resigna
tion noch zu verstärken, sondern daß autonome Frauenhäuser
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