Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
14. Sitzung vom 22. Januar 19;
788
Frau Wiechatzek
(A)
Einen Ausweg, eine Möglichkeit, wie sie Familie und Beruf mit
einander verbinden können, sehen viele Frauen darin, daß sie
sich um Teilzeitarbeilsplätze bemühen. Hier aber bleibt das An
gebot weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück.
[Sund (SPD): Haben Sie einmal nach den Gründen geforscht?]
obwohl positive Erfahrungen in den Vereinigten Staaten, Norwe
gen und Großbritannien vorliegen. Ja, es gibt selbst bei uns
schon erfolgreiche Ansätze. Ich darf hier auf die Möbelhauskette
Ikea verweisen, die auch in Berlin eine Niederlassung besitzt.
Dieses - wie man hört - gut funktionierende Beispiel belegt, daß
mindestens in Teilbereichen der Wirtschaft hier schon die Zei
chen der Zeit erkannt wurden.
Ich hoffe deshalb zuversichtlich, daß unsere Initiative über den
Bereich des öffentlichen Dienstes hinaus Überlegungen in dieser
Richtung fördert und bei allen Beteiligten endlich neue Denkpro
zesse in Gang setzt.
Die Zeit ist fortgeschritten, die Aufmerksamkeit sinkt. Ich erhof
fe mir wirklich für alle Betroffenen, speziell auch für die Frauen,
daß in den Ausschüssen eine wesentlich bessere, konzentrierte
re und intensivere Beratung erfolgt, als dies hier möglich ist. - Ich
danke Ihnen.
[Beifall bei der CDU und bei der SPD]
Stellv. Präsident Longolius: Ich kann mir hier die Bemerkung
nicht verkneifen, wenn alle, die Beifall klatschen, zugehört
hätten, dann wäre es wesentlich ruhiger gewesen.
Job-sharing heißt wohl, daß mehrere die gleiche Arbeit hintereil
ander und nicht gleichzeitig tun, womit das Reden gemeint wän
Zur Beratung hat die Frau Abgeordnete Korthaase das Wort.
teil
2.
Im Frühjahr 1981 strebten 18% der Arbeitslosen in der Bun
desrepublik Deutschland einen Teilzeitarbeitsplatz an, das heißt,
auf die offenen Teilzeitarbeitsplätze, die angeboten wurden, ka
men jeweils immerhin elf Bewerber. Weiterhin zeigt uns eine Em-
nid-Umfrage, daß eine erhebliche Minderheit von Berufstätigen
eine Teilzeitarbeit einem Full-Time-Job gegenüber vorziehen
würde. Emnid hat festgestellt, daß rund ein Drittel der Beschäftig
ten sich für das Job-sharing ausgesprochen haben, Job-sharing
als eine speziellere, und wie ich meine, als eine bessere Form
der Teilzeitarbeit. Job-sharing bietet neben der flexiblen Arbeits-
gestallung auch eher die Möglichkeit, qualifiziertere Arbeitsplät
ze anzubieten. Dies könnte auch für Männer einen Anreiz bieten,
von diesem Angebot des Job-sharings Gebrauch zu machen. Es
gibt durchaus Ehepaare in unserer Gesellschaft, die mit einem
Einkommen zufrieden wären, wenn sie dafür mehr Freizeit für
sich hätten. Sie sind aber damit unzufrieden, daß dann in der
Regel der Mann wieder außer Haus tätig sein muß, während der
Frau wieder die Rolle in der Familie und im Haushalt zufällt. Hier
könnten also unsere Initiativen eine Abhilfe schaffen.
Frau Korthaase (SPD): Herr Präsident! Meine Damen und Hei
ren! Es fällt mir besonders schwer, liebe Kollegin Wiechatzei
nach Ihnen zu sprechen, denn wir haben sowieso kaum eine Lob
by, und nun muß ich diese Lobby noch kaputtmachen, indem ici
sehr bedauere, wie es die CDU geschafft hat, Ihren weibliche
Mitgliedern ordentlich Sand in die Augen zu streuen. Ich möchl
hier keine Grundsatzdiskussion beginnen, die werden wir im Aus
schuß haben. Wenn sich aber jemand ernsthaft mit der Arbeit;
marktpolitik beschäftigt hat und Arbeitnehmer ist, dann darf ma
wohl sagen, daß die Teilzeitarbeit eine der gefährlichsten Arbe
ten überhaupt und Vollüberlastung ist und Job-sharing wohl nu
ein großer Vorteil für die Arbeitgeber sein kann; es geht alles2
Lasten der Arbeitnehmer. Ich möchte hier noch einmal ganz den;
lieh betonen, daß ich mit Ihnen sicherlich sehr konträr im Aus
schuß diskutieren werde.
[Beifall bei der SPD]
fird
ibgf
Stellv. Präsident Longolius: Das Wort hat jetzt die Frau Abge ; Dr
ordnete Schaar.
Eine flexiblere Arbeitsgestaltung könnte aber auch eine we
sentliche Hilfe für ältere Arbeitnehmer sein, die kurz vor dem
Ausscheiden aus dem Berufsleben stehen. Hier könnte ein flie
ßender Übergang, eine stufenweise Reduzierung der Arbeitszeit
hilfreich und so für die danach entstehende Freizeit eine gute
Vorbereitung sein. Aber eine individuelle Arbeitszeit, die durch
Job-sharing und Teilzeitarbeit angeboten wird, könnte auch der
sogenannten Aussteigermentalität Vorbeugen. Materielle Absi
cherung ist für viele nicht mehr allein erstrebenswert. Es könnten
also die Arbeitnehmer, die nicht mehr ganztätig in festen Arbeits
strukturen in ihrem Beruf tätig sein wollen, hier eine Möglichkeit
finden, ohne sich von der Gesellschaft zu entfernen, gleichzeitig
(B) Beruf und Freizeit besser miteinander zu verbinden. Gerade vor
dem Hintergrund der doch sehr angespannten Situation auf dem
Arbeitsmarkt gewinnt diese Überlegung eine neue Dimension.
Wir sollten daher nichts unversucht lassen, was die Beschäfti
gungschancen in Berlin verbessern könnte. Die Gewerkschaften
sind daher aufgerufen, endlich in eine vorurteilsfreie Diskussion
einzutreten, denn ich halte es einfach für unverständlich, auf der
einen Seite nach sehr teuren, kaum finanzierbaren Beschäfti
gungsprogrammen zu rufen, auf der anderen Seite aber an star
ren Strukturen der Arbeifswelt festzuhalten und nicht den Mut zu
besitzen, einmal neue Wege zu gehen,
Vir I
ravi
50(
uti
ara
Frau Schaar (AL): Herr Präsident! Meine Damen und Herrer
In der AL ist das letzte Wort über Zustimmung oder Ablehnun:
zum Job-sharing noch nicht gesprochen. Ich finde es aber seh
interessant, wie von Frau Wiechatzek, bei der übrigens die eige
nen Kollegen nicht zugehört haben, was außergewöhnlich bedat
erlich ist, Job-sharing für Frauen und für ältere Arbeitnehmer an
geboten wird. Dies muß eigentlich bereits bedenklich Stimmer
Schon deshalb werde ich mich persönlich mit diesem Probier
auseinandersetzen, denn Job-sharing ist eine Sache, die einfac !
auf die Arbeitnehmer abgeschoben wird, und zwar nicht zu ihrer!...
Vorteil
nnt
artf
10kl
lit /
ler (
[Feilcke (CDU); Unerhört!]
Vo
ie ii
Ich
Ich bin auch der Ansicht, daß Teilzeitarbeit und Job-sharini
nicht dasselbe sind. Hier muß noch gründlich über dieses Prcfe 0 ff €
blem diskutiert werden, und man sich aus diesem Grund mel
Zeit nehmen muß, in den Ausschüssen darüber zu sprechen. Vc
allem bin ich interessiert daran, wie zum Beispiel die Gewerk
schäften an dieses Problem herangehen werden. Ich bin der An
sicht, daß dies nicht oberflächlich geschehen darf, sondern ii
Sinne der Arbeitnehmer, die auf keinen Fall von diesem Job-sha
ring profitieren.
[Sund (SPD): Sehr wahr! - Beifall bei der AL]
:h f
;ar.
esc
den
eint
DH i
|äru
Stellv. Präsident Longolius: Weitere Wortmeldungen liege p rbi
nicht vor. Der Ältestenrat empfiehlt - es wäre ganz gut, wenn Si; | p j(
wenigstens da zuhören würden, wo Sie gleich abstimmen müs *
sen - die Überweisung an den Ausschuß für Inneres, Sichert»
und Ordnung, an den Ausschuß für Arbeit, - federführend » | em
den Ausschuß für Wirtschaft, an den Ausschuß für Frauenfrager ^ ts|
an den Ausschuß für Gesundheit, Soziales und Familie undar
Me
eßi
den Ausschuß für Betriebe. Wenn Sie diesen Ausschußüberwei r 0m
sungen zustimmen wollen, dann bitte ich um das Handzeichen.
Danke sehr! Das ist so beschlossen.
Ich rufe auf
lfd. Nr. 28, Drucksache 9/286:
Antrag der Fraktion der AL über lufthygienische Sofort!
maßnahmen
[Beifall im gesamten Hause]
Der Senat wird aufgefordert,
1. die §§ 44 bis 47 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes
über Messungen in Belastungsgebieten, Verfahren der
Messung und Auswertung, Emissionskataster und Luft-
reinhaltepläne umgehend zu vollziehen,
hen
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.