Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
12. Sitzung vom 10. Dezember
lü gec
692
Röseler
tion beschworen wird, sondern daß die ausländischen Kinder so
gefördert werden, daß sie sich in unserer Gesellschaft behaupten
können.
[Beifall bei der CDU]
Alles, was diesem Ziel dient, wollen wir von der CDU-Fraktion ge
meinsam mit allen Fraktionen dieses Flauses ansteuern.
[Lorenz, Gerald (SPD): Auch mit allen Verbänden oder
nur mit dem einen, den Sie genannt haben?]
- Gerne! Mit allen Fraktionen dieses Flauses.
Das zweite aber ist, daß wir der Möglichkeit Raum lassen wollen,
daß Grundsätze hier im Parlament nicht so festgeschrieben wer
den, daß wir nicht mehr die notwendige Flexibilität behalten, um
einen Weg, den wir hier und heute beschreiten, und der sich als
Irrweg herausstellt, in absehbarer Zeit korrigieren zu können.
Deshalb sind wir dafür, die Senatsverwaltung für Schulwesen
nicht in der Weise anzubinden, wie es hier vorgesehen wird. Wir
sind dafür, daß die Senatsverwaltung - Frau Dr. Laurien wird sich
dazu sicher noch äußern - im Schulausschuß ihr Konzept vor
trägt, das sie realisieren will, um dem Gedanken der Integration
im Schulalltag zum Durchbruch zu verhelfen. Dazu gehört auch,
daß wir hier als Parlamentarier, die zumeist nicht in einer Schule,
jedenfalls nicht in pädagogischer Funktion, tätig waren, den Päd
agogen nicht Integrationsziele und -markierungen vorgeben, die
von den Pädagogen schlicht als Unsinn abgetan werden. Das
wollen wir nicht. Die CDU-Fraktion vertraut der Schulsenatorin
und erwartet die Ergänzungen durch die Senatsverwaltung für
Schulwesen in der heutigen Integrations-Diskussion.
[Beifall bei der CDU]
Präsident Rebsch: Das Wort hat für die Fraktion der Alternati
ven Liste die Kollegin Schaar.
[Feilcke (CDU): Aber, Frau Schaar, jetzt ein
bißchen ausführlich!]
Frau Schaar (AL): Ja, Flerr Kollege, ich werde mich bemühen,
ein bißchen ausführlich zu sein, obwohl ich mich überhaupt nicht
darauf vorbereitet habe, denn ich war der Ansicht, daß eine sol
che Änderung des Schulgesetzes und der Durchführungsverord
nung erst einmal ausführlich im Ausschuß besprochen werden
sollte. Spätestens bei der Besprechung des Ausländererlasses in
der letzten Sitzung - der uns sehr erschreckt hat - waren wir der
Ansicht, daß die Ausländerpolitik, besonders die Jugend- und
Schulpolitik, das muß ich leider sagen, bisher versagt hat, und wir
haben alle versagt, die wir da irgendwie mitgewirkt haben. Das
muß ich auch von mir sagen, die ich als Lehrerin auch im Landes
schulbeirat und im Bezirkslehrerausschuß mitgewirkt habe, wo
wir ein ganzes Jahr über das Thema gesprochen, aber nicht den
richtigen Weg gefunden haben. Daß wir ihn aber finden müssen,
das haben wir jetzt gesehen, nachdem sich herausgestellt hat,
daß Jugendliche, die die deutsche Sprache nicht genügend be
herrschen, die keine Arbeit finden, weil sie den Hauptschulab
schluß nicht machen konnten, einfach ins Ausland abgeschoben
und von ihrer Familie getrennt werden. Deshalb müssen wir mehr
für diese Jugendlichen tun, und aus diesem Grund kann ich ver
stehen, daß die SPD sich hingesetzt und versucht hat, schnell
einen Antrag zu formulieren. Ich bin aber der Ansicht, daß man
diese Anträge nicht ohne eingehende Diskussion im Ausschuß
verabschieden kann, sie müssen also in den Ausschuß überwie
sen werden. Sie müssen aber auch ausdiskutiert werden mit an
deren Berufsverbänden als dem VBE, zum Beispiel mit meinem,
der GEW; es gibt sicher auch Ausländervereinigungen, die sich
damit befassen werden. Es wird sicher noch eine Weile dauern,
bis wir die richtigen Möglichkeiten gefunden haben, mehr für die
ausländischen Schüler zu tun.
Ich will auf Einzelheiten zurückkommen. Ich bin wirklich der
Ansicht, daß diese besonderen Ausländerklassen, wie sie in der
letzten Durchführungsverordnung festgeschrieben sind, einfach
abgeschafft werden müssen, und insofern kann ich verstehen,
daß das Wort Übergangsklassen schon ein bißchen eleganter ist.
aber wahrscheinlich das Problem auch noch nicht löst, zumal tat-
[big
sis
sächlich für mich nicht in Frage kommt, nur einen deutschen Lei
rer vorzusehen, denn ich bin der Ansicht, das muttersprachli Vf
Problem ist damit vor allem nicht gelöst. Und es ist damit au:
nicht gelöst, daß die ausländischen Kinder die deutsche Spract
dann so beherrschen, daß sie möglicherweise nach zwei Jahre ■ )as
in der Lage sind, in eine deutsche Regelklasse überzuwechseli
Sie brauchen auch außerhalb des Unterrichts den Umgang
Dan
s k
ch
irir
deutschen Kindern, um die deutsche Sprache zu lernen. Wie m;
zum Beispiel diese 30 Prozent deutsch beherrschenden auslär
dischen Schüler festlegen will, ist mir auch nicht klar; bei Auslär !ectl
dem jedenfalls besteht die Furcht, daß einfach ausgetestet win
und alles, was über 30 Prozent ist, kommt wieder in die Übe
gangsklasse. Man hat in Kreisen der Ausländer einfach Angs
daß da ganz rigide vorgegangen wird, obwohl ich das im Antn
der SPD nicht so hart sehe. Ich glaube schon, daß es eine bessi
re Sache ist, nicht mehr nach der Staatsbürgerschaft zu gehei
sondern den Versuch zu machen, sich an der Sprachfähigkeit; lrt
orientieren. Aber ich glaube doch, daß es außergewöhnlic iacif
schwierig ist. Schon allein der Vergleich mit ausländischen Kii
dem in Neukölln, wo ich arbeite, wird schwierig sein; denn au®
das Sprachniveau der deutschen Kinder hat außergewöhnlich a! r ® n
genommen, und hier müßte man allerdings auch einmal die Frag
stellen: sind denn diese deutschen Kinder überhaupt alle fähig
dem Unterricht in der ersten Klasse sprachlich zu folgen, wie ma
es von den ausländischen Kindern erwartet?
rhii
n; V
Dann ist da das Problem des Bussing. Ich weiß nicht, wie ma
über Schulbereiche und über Bezirke hinweg den Ausgleich voi
statten gehen lassen will. Dieses Problem ist auch noch läng j e f
r Sc
June
n du
idtra
jrde
nicht ausdiskutiert; hier bin ich auch ziemlich skeptisch, ob di
die richtige Form ist, die Auständerproblematik in den Griff zu bi
kommen.
ichn
Ille
irdei
jerz;
Daß man deutsche und ausländische Eltern weitgehend beteil
gen will, finde ich hervorragend, wie es zum Beispiel jetzt in Wei g 0 s
ding und Tiergarten - in Neukölln nur in einer Klasse - der Fa
war, wo sich die Eltern bereitgefunden haben, daß ihre Kindt
das
iroch
eine gemeinsame Klasse bilden sollen, was von oben abgeblocl |tzc j {
worden ist, wobei dann das Wort von der Apartheid auftauchti
Erziehung zur Apartheid ist natürlich das Gegenteil von Integr;
tion. Dies habe ich jetzt ad hoc dazu zu sagen; das andere sollt
nicht nur in Ausschüssen, sondern in der Öffentlichkeit breit di:
kotiert werden.
[Beifall bei der ALj
isfül
tiüle
Präs
ge t
Präsident Rebsch: Das Wort hat für die F.D.P. der Abgeordnt
te Fabig. Bitte sehr, Herr Kollege!
Fab
Rös
pn gi
hlac
egs
ngef
Fabi
Fabig (F.D.P.): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! He
Röseler, wenn Diskussionen im Ausschuß ohne Konsequenze
bleiben oder wenn Grundsätzliches zu regeln ist, sollte ma
schon die Form des Gesetzes wählen oder der Gesetzesändf
rung; das ist schon richtig. Insofern ist das keine überflüssig
Übung, was hier versucht wird, sondern vielleicht auch ganz sim jna j,
voll.
[Feilcke (CDU): Er meint die DVO!]
- Ja, er sagte, man sollte nicht mit der Durchführungsverot(|ichtu
nung den Senat so festlegen.
[Feilcke (CDU): Das ist nicht Sache des Parlaments!]
mige
)nde
id ai
Die Tendenz war so, daß er auch gegen eine gesetzliche Regf al
emisi
lung oder eine Gesetzesänderung ist. Denn es ist doch so, da
wir bei Sachen, die wir nach § 21 Abs. 5 GO in den Ausschüsse ntei h
beraten, keinen Beschluß fassen können, sondern auseinandei !nntn
gehen, und damit ist die Sache erledigt. Das sollte verbinde biß
werden.
Daß die Senatsverwaltung tätig wird, ist ja auch sehr interessai
und auch sehr gut. Möglicherweise tut sie damit etwas Gutes; dt
gegen haben wir im Zweifelsfall nichts, nur wir wollen nicht eim
Verwaltung überlassen, was sie tut, ihr das nicht in das Beliebe
stellen, sondern wir wollen der Verwaltung klare Regeln gebei
nach denen sie vorzugehen hat.
(iede
vche
nz c
mgs\
ammi
[Beifall der Abgn. Momper (SPD) und
Hans-Georg Lorenz (SPD)]
Präs
aurie
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.