Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

>er 19 Dgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
12. Sitzung vom 10. Dezember 1981
691
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d WalÄd nun lassen Sie mich auf die Einzelheiten Ihres Vorschlags
er Lac mmen. Wir haben gestern mit dem VBE zusammengesessen,
Hierhin eine fachkundige Gruppierung zu diesem Thema päd-
ogischer Möglichkeiten. Dort wurde ausdrücklich gesagt, sa-
ifi sie morgen in dieser Debatte, daß der VBE mit erheblichen
Auslissagen der Vorschläge der SPD zur Durchführungsverord-
iin- t ng nicht einverstanden sei, daß er strikt dagegen sei. Wenn
nen auch an der breiten Zustimmung der Fachkundigen, der
dagegen gelegen ist, dann sollten Sie solche Stimmen auch
[(nehmen. Sie sollten nicht Vereinfachungen betreiben, wie Sie
vischt durch Ihren Vorschlag, die Verordnung hier auch im Parlament
einzelnen feslzulegen, machen. Über die gesetzlichen
■gelungen kann man sicher reden, nur muß man auch sehen,
,0 wir zunehmend zu einer immer stärkeren Verrechtlichung der
hule kommen. Ob das dem Freiheitsspielraum, ob das den Be-
rfnissen vor Ort wirklich entspricht, ist doch sehr die Frage. In
deren Bereichen beklagen Sie doch oft zuviel Gängelung
—roh Verwaltungen. Hier wollen Sie die Senalsverwaltung
mer stärker anbinden, indem Sie Vorgaben bis hin zu den
, rtl irchführungsverordnungen machen wollen,
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u geni Zu weiteren Einzelheiten: Da ist in Ihrem Antrag zur Durchfüh-
nen, ( ngsverordnung im ersten Spiegelstrich die Forderung enthal-
rn he i, daß nur deutsche Lehrer unterrichten sollen. Hier frage ich
len Ernstes, wie das, verbunden mit den sonstigen Einzelheiten
s Entwurfs der Durchführungsverordnung, funktionieren soll?
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Da sind zu Beginn eines Schuljahres möglicherweise etwa die
elfte der Schüler einer Klasse Ausländerkinder, die kein einzi-
s Wort Deutsch können oder nahezu nichts können. Sie stehen
nn einem deutschen Lehrer gegenüber, der kein Wort Türkisch
nn; das kann durch Ihre Vorschläge in der Realität passieren,
un frage ich mich nicht nur, welche pädagogischen Anstrengun-
n der Lehrer unternehmen muß, um mit den Kindern zu Rande
kommen, sondern ich frage mich auch, ob dort nicht eine Dis-
minierung der ausländischen Kinder festgeschrieben wird. Es
für einen Schüler ja wohl ein Unterschied, ob er einen Lehrer
rsich hat, den er versteht-möglicherweise in der Form des so-
nannten Kooperationslehrers -, oder ob er einen Lehrer vor
:h hat, mit dem er in keiner Weise kommunizieren kann. Da
ird einem türkischen Jungen dann gesagt: Friß Vogel oder stirb,
nn Du mich, Lehrer, nicht verstehst, ist das Dein Problem;
ich ein paar Monaten wird Dir schon geholfen werden. Ich warne
irigens davor - das deckt sich auch mit den Erörterungen mit
m VBE -, eine solche Forderung in einer Weise zu verankern,
0 sie zum Prinzip erhoben wird. Es muß eine Übergangsmög-
hkeit bestehen. Einig sind wir wahrscheinlich sehr rasch wieder
rin, daß das Ziel anzustreben ist, daß auf Dauer deutsche Leh-
r diese Klassen betreuen. Das muß das Ziel sein. Aber das soll
ich nicht ausschließen, daß zumindest in einer Übergangspha-
, wenn die Kinder mit absolut unzureichender Sprachkompe-
nz Zusammenkommen, auch eine Lehrkraft zur Verfügung
eht, die diesen Kindern als Ansprechpartner wirklich das Gefühl
n Sicherheit und Geborgenheit auch in der deutschen Schule
rmittelt.
[Lorenz, Hans-Georg (SPD): Das ist doch schon in den
Vorbereitungsklassen so; das haben Sie gar nicht
mitgekriegt!]
Herr Kollege Lorenz, ich habe etwas mehr Praxis, was die
:hule angeht, als Sie. Das dürfte ja nicht bestritten werden.
[Momper (SPD): Eine schlechte Praxis hatten Sie da
in Charlottenburg!]
Herr Kollege Momper, da kann ich einen Ihrer Parteifreunde
iidem Gespräch von gestern zitieren, der da ganz andere Auf-
ssungen hat, als Sie sie hier eben kundtaten.
[Momper (SPD); Welchen denn? Nennen Sie den
doch mall]
Herr Kollege Momper, fragen Sie Herrn Feilcke, der kann das
vörer istätigen. Herr Kollege Momper und Herr Lorenz, Sie gehen ja
n wo lr ade davon aus, daß die Kinder, die keine oder nur eine unge-
'Qende Sprachkompetenz haben, in Regelklassen hineinsollen.
" kann also durchaus passieren, daß, wenn die 30% nicht aus-
geschöptt sind, ein Kind, das heute aus der Türkei kommt, mor
gen bereits in die deutsche Regelklasse kommt, ohne daß auch
nur ein türkischer Lehrer an der Schule verfügbar ist.
[Lorenz, Hans-Georg (SPD); Was reden Sie denn da?]
Wenn wir den entsprechenden Lehrer schon nicht in der Vorbe
reitungsklasse haben, dann doch ganz gewiß erst recht nicht in
der gemischten deutsch/türkisch-sprachigen Regelklasse. Wir
haben bisher in den in verschiedenen Bezirken, insbesondere in
den Ballungsgebieten ausländischer Arbeitnehmer, eine Art von
türkischen Kooperationslehrern. Ich finde in den Einzelheiten
Ihres Entwurfs für eine DVO nichts vom Kooperationsiehrer. Die
CDU-Fraktion hält es für wünschenswert und wichtig, daß für eine
gewisse Phase ein solcher Lehrer zur Verfügung steht. Ich würde
mich freuen, wenn Sie hier unsere Bedenken ausräumen könn
ten.
[Abg. Hans-Georg Lorenz meldet sich zu einer
Zwischenfrage - Feilcke (CDU): Können wir das
nicht im Ausschuß besprechen?]
Herr Kollege Lorenz, ein wichtiges Problem ist auch gestern in
der Diskussion mit den Schulfachleuten deutlich geworden. Sie
arbeiten hier mit einem unklaren Begriffsinstrumentarium. Nicht
einmal die sechs hauptberuflichen Pädagogen, mit denen wir ge
stern zusammensaßen, erkannten, was Sie von der SPD eigent
lich wollen.
[Feilcke (CDU): Da weiß keiner, was ist eine
Übergangsklasse!]
Beispiel: Übergangsklasse. Es gibt die sogenannte Übergangs
klasse in der Berliner Schule. Sie gibt es seit Jahr und Tag - übri
gens mit einer Frequenz von 15 und nicht von 20. Dann gibt es
die deutschen Regelklassen. Schließlich gibt es die türkischen
Regelklassen im Notfall. An einer einzigen Schule in Berlin exi
stiert so etwas wie eine Übergangsklasse, Was aber in Ihrem Ent
wurf mit Übergangsklasse wirklich gemeint ist, darüber konnte
gestern nur gerätselt, aber nichts klar herausgefunden werden -
wohlbemerkt, von den schulpolitischen Fachleuten eines wichti
gen Lehrerverbandes in Berlin. Das allein spricht doch schon
Bände, was die Qualität Ihrer Markierungspunkte für die Durch
führungsverordnung angeht. - Aber da ich sehe, daß meine Re
dezeit nur noch zwei Minuten beträgt, möchte ich die anderen
Punkte wenigstens kurz anreißen, bei denen weitere Probleme
auftauchen.
[Lorenz, Gerald (SPD): Wir wollten doch nicht über
Einzelheiten sprechen, haben Sie gesagt!]
- Aber doch über einige Punkte, über die ja wohl Klarheit ge
schaffen werden muß.
Für die CDU-Fraktion gilt eines ganz bestimmt, daß der Eltern
wille nicht in der Weise addiert werden kann, wie beim Beispiel
Wedding. Dort sagen Sie, habe sich eine Mehrheit dafür ausge
sprochen, daß eine bestimmte Prozent-Grenze ausländischer
Kinder überschritten werde. Dann müssen Sie bitte auch sagen,
wie diese Mehrheit zustande gekommen ist. Die türkischen Eltern
waren einverstanden. Von den deutschen Eltern waren einige
einverstanden. Aber sehr viele deutsche Eltern waren nicht ein
verstanden mit einer solchen Regelung. Wenn der VBE sagt, er
sei strikt dagegen, und die CDU-Fraktion kann das nur unterstrei
chen, daß deutsche Kinder in einer deutschen Schulklasse, an
einer deutschen Schule im Ergebnis in die Minderheit geraten,
dann sollte, bitte schön, auch die SPD-Fraktion in diesem Hause
diese Argumente, diese Überlegungen berücksichtigen. Wie sol
len denn türkische Kinder im Sinne der Integration in die deut
sche Gesellschaft lebenstüchtig gemacht werden, wenn nicht die
türkischen Kinder an die deutschen Lebensverhältnisse gewöhnt
werden, sondern im Grunde die wenigen deutschen Kinder in
einer solchen Klasse an die türkischen Lebensverhältnisse, weil
mehr Ausländer in der Klasse sind als deutsche Kinder?
Lassen Sie mich zum Abschluß noch auf zwei Punkte hinwei-
sen. Zunächst - auch hier greife ich auch einen Punkt aus dem
gestrigen Gespräch auf -, muß das Entscheidende unserer
Schulpolitik doch wohl sein, daß nicht nur ein Pathos von Integra-
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