Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

r 198
,geordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
12. Sitzung vom 10. Dezember 1981
689
Än-
nde
)en-
las-
Momper (SPD); Schönen Dank, Herr Präsident, und schönen
mk, Herr Lorenz! - Ist es Ihnen, Herr Kollege Lorenz, entgan-
(i, daß die zuständige Frau Senatorin und vor allem auch der
r die Koordination der Ausländerpolilik so bedeutsame Senator
ik nicht anwesend sind und dadurch wieder ihr Interesse - ihr
angelndes nämlich - bekunden?
ndi-
[Beifail bei der SPD und Zurufe]
sen
Aber wenigstens ist Herr Lummer da, der ist immer da!
i ist
der
;her
ich-
ich-
i in-
;hu-
Lorenz, Hans-Georg (SPD): Ich habe das natürlich bemerkt,
»rr Momper, und ich höre selbstverständlich auch sehr auf-
erksam zu, wenn Herr Lummer bestätigt, daß es ausreicht, um
jsländerpolitik zu machen, daß er da ist. Insoweit wissen wir,
aran wir sind. Mir wäre es allerdings jetzt lieber, wenn die Sena-
rin
[Sen. Fink betritt den Sitzungssaal -
Heiterkeit und Beifall bei der SPD]
3er ‘ r Schulwesen hier wäre, denn sie hat eigentlich eine sehr viel
em isitivere Haltung zur Integrationspolitik, als sie der Innensena-
:hu ‘ hat.
[Frau Sen. Dr. Laurien betritt den Sitzungssaal -
Heiterkeit und Beifall bei der SPD und
Zurufe - Frau Sen. Dr. Laurien: Ich stand
vor der Tür und hörte Ihnen zu!]
ge-
enz
igs-
ög-
ann
sen
>re-
El-
ind
'er-
len
zu
die
en,
mg
ien
us-
;rr-
än-
teil
ra-
ör-
ire
len
ien
Ich habe daran nicht gezweifen.
Kommen wir wieder zurück zum inhaltlichen Gegenstand unse-
r Debatte. Wir waren der Meinung, daß man auch im Schuige-
itz klare Grundsätze festschreiben müßte, wie die Integration
i schulischen Bereich zu geschehen habe. Und da wir uns ja
iesamt einig sind -jedenfalls behauptet das ja noch immer jede
=r Parteien -, daß wir eine Integrationspolitik betreiben wollen,
twohl auch als klarer und eindeutiger Grundsatz die gemeinsa
me Beschulung von deutschen und ausländischen Kindern nicht
■nstritten. Im wesentlichen wohl auch nicht umstritten ist die Tat-
äche, daß es in bestimmten Bereichen Berlins zu Konzentratio-
3n ausländischer Schüler kommt, und zwar auch solcher aus-
ndischer Schüler, die leider über die notwendigen Sprachkennl-
sse nicht verfügen, so daß es mit einer Integrationspolitik kaum
och vereinbar ist, diese Schüler gemeinsam mit den deutschen
j beschulen. In einer Klasse, in der 20 ausländische Kinder auf
ur 8 deutsche Kinder treffen, wird wohl auch eine Integration
icht stattfinden, und es ist auch ein unbestrittener Grundsatz,
aß man in solchen Fällen zu anderen Lösungen kommen muß
Is einer gemeinsamen Beschulung.
Es ist nun sehr leicht, diese beiden Grundsätze in einem
chulgesetz zu fixieren; man wird wohl auch - wenn man sich die
ache nicht zu einfach machen will -, dazu kommen müssen,
benfalls einige Prinzipien zu formulieren, die die konkrete Situa-
3n in unseren Schulen auf diese Grundsätze anwendet. Wir ma
len dies mit dem Vorschlag, eine Durchführungsverordnung
ach bestimmten Prinzipien zu formulieren, die ich hier noch ein-
•al kurz darstellen möchte.
ht de
-Frak
m uni
silunj
ereici
ir, ge
iil de
rohte
, Die:
Zunächst sind wir der Meinung, daß diese Prinzipien, die ich
tzt - bezogen auf die konkrete Situation - darstellen werde,
icht für alle Ewigkeiten gelten sollen; denn in der Integrationspo-
ik wandeln sich die Bedingungen, und es ist durchaus nicht so,
aß ein Prinzip, das heute noch Gültigkeit hat, in fünf Jahren
benfalls noch gültig sein muß. Deshalb wollen wir, daß die Gül-
gkeit der Durchführungsverordnung auf fünf Jahre begrenzt wird
ad nicht auf Ewigkeit gilt - vor allem dann nicht, wenn sich die
ustände in den Schulen bereits so verändert haben, daß wir
ach zu anderen integrativen Maßnahmen in diesem Bereich
ontmen könnten.
[Feilcke (CDU); Was ist schon für die Ewigkeit?]
Nun ja, wissen Sie, manche Verordnung ist sehr alt geworden,
ad wie heißt es in dem berühmten Goethe-Spruch: „Es erben
ich Gesetz und Rechte, wie eine ew’ge Krankheit fort“. Das
cheint also ein Problem zu sein, das nicht auf unsere Zeit be-
renzt ist.
Wir meinen, daß heute folgende Prinzipien gelten sollten: Man
sollte nicht mehr nur nach Nationalitäten unterscheiden, sondern
nach der Sprachkompetenz der Kinder. Wir können nicht akzep
tieren, daß Nationalität, Kultur und andere Werthaltungen als
Maßstäbe genommen werden, um deutsche und ausländische
Kinder zu separieren. Wir sind auch der Meinung, daß ausländi
sche und deutsche Kinder die gleiche Intelligenz haben und
schon deshalb solche Kriterien nicht zutreffend als Unterschei
dungsmerkmale für die Integration im schulischen Bereich heran
gezogen werden können.
Das einzige, was tatsächlich den Unterricht in diesen national ge
mischten Klassen erheblich behindern kann, ist die mangelnde
Sprachkompetenz ausländischer Kinder. Deshalb sollte die
Sprachkompetenz der einzige Maßstab sein.
Im übrigen wird die Richtigkeit eines solchen Argument sinnfällig,
wenn man bedenkt, daß es jetzt deutsche Kinder gibt, die bei
spielsweise aus Rußland hierher kommen und nur geringe
Deutschkenntnisse haben. Diese Kinder sind natürlich auch ein
Lernhindernis in einer integrativen Klasse, weil sie die deutsche
Sprache nicht beherrschen, obwohl sie die deutsche Nationalität
haben.
Dieses Prinzip, künftig nicht mehr nach Nationalitäten zu unter
scheiden, sondern nach der Sprachkompetenz, weil es eben
auch ausländische Kinder gibt, die hier aufgewachsen sind, die
die Sprache ihrer Eltern, ihres Herkunftslandes fast nicht mehr
beherrschen und tatsächlich wie deutsche Kinder sprechen,
dieses Prinzip muß eingeführt werden, und dies ist inzwischen,
wie wir im Schulausschuß bemerken konnten, kaum noch strittig.
Wir meinen, daß Sprachausländer maximal 30 Prozent der Kin
der in einer integrativen Klasse ausmachen dürfen. Sonst ergibt
sich die Situation, daß die Kinder, die keine Sprachhemmnisse
haben, unter den anderen Kindern zu leiden haben. Selbst aber
dann, wenn der Anteil der Sprachausländer diese Grenze von 30
Prozent zu übersteigen droht, sollte durch einen bezirklichen und
überbezirklichen Ausgleich - gestaffelt nach Jahrgängen - ver
sucht werden, integrative Klassen zu bilden und sogenannte Aus
länderregelklassen zu vermeiden.
Wir meinen im übrigen, daß es überhaupt keine Ausländerre
gelklassen geben soll. Es darf nicht sein, daß ein ausländisches
Kind im ersten Schuljahr in eine solche Ausländerregelklasse
kommt und dann im sechsten Schuljahr der Grundschule sich
immer noch in einer solchen Klasse befindet. Es sollten vielmehr
Übergangsklassen gebildet werden, die durch besondere päd
agogische Maßnahmen in die Lage versetzt werden, jene sprach
lichen Defizite zu beseitigen, die es notwendig machen, die Kin
der von der integrativen Regeiklasse zu separieren.
Schließlich meinen wir, daß in ganz besonderem Maße die je
weilige Situation an den Schulen berücksichtigt werden muß. Es
kann durchaus sein, daß es an einer Schule so viele ausländi
sche Kinder gibt, daß nach landläufigen Maßstäben eine Integra
tion gefährdet sein könnte, aber durch die besondere Situation
vor Ort dies nicht der Fall ist und es sich empfiehlt, trotz der ho
hen Zahl der ausländischen Kinder eine integrative Klasse zu bil
den. Hier soll insbesondere auch einem integrativen Eiternwillen
gefolgt werden, also dem Willen der Eltern, integrative Klassen
auch dann zu bilden, wenn sonst allgemein gültige Prinzipien da
gegen sprechen. Es ist doch ein sehr ermutigendes Zeichen, daß
es in unserem Land deutsche Eitern gibt, die dafür sind, daß ihr
Kind eine Klasse besucht, in der 70 Prozent ausländische Kinder
sind, weil sie der Meinung sind, die Kinder paßten zusammen, sie
hätten sich zusammengelebt, sie spielten miteinander und wür
den eine neue integrative Gemeinschaft bilden. Solchen positi
ven Entwicklungen darf in Zukunft kein Hemmnis mehr angelegt
werden.
[Beifall bei der SPD]
Wir,- und nun will ich auf die konkrete Situation im Schulaus
schuß eingehen - hatten befürchtet, daß wir, wenn wir diese Prin
zipien so deutlich formulieren, auf den entschiedenen Wider
stand der Senatorin Frau Dr. Laurien stoßen würden, weil sie in
einigen Antworten auf Kleine Anfragen, insbesondere der Frak
tion der AL, angedeutet hatte, daß sie solche Prinzipien nicht ak-
(C)
(D)
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.