Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
11. Sitzung vom 26. November 19 jgeoi
590
Dr. Dittberner
Die gegenwärtige Phase in der Hochschulentwicklung ist
in der Tat insofern eine schwierige, weil bei dieser gegen
wärtigen Entwicklung der wissenschaftliche Nachwuchs auf
der Strecke zu bleiben droht — wegen der Sparzwänge auf
der einen Seite und wegen des hohen Andranges auf der
anderen, schließlich auch deswegen, weil wir eine Besetzung
der wissenschaftlichen Nachwuchsstellen, mit sehr jungen
und sehr qualifizierten Mitarbeitern feststellen können. Die
ses bringt die Gefahr mit sich, daß sozusagen der wissen
schaftliche Standard vom Personal her in der Bundesrepu
blik für eine ganze Generation auffallen könnte.
Es ist natürlich auch eine Ungerechtigkeit, eine Benach
teiligung einer ganzen Generation, die nicht, wie die vorher
gehende, die Chance zur wissenschaftlichen Qualifikation
hat, einfach, weil wir die Mittel nicht mehr haben und weil
die Zahl der Mitglieder dieser Generation so groß ist.
[Beifall des Abg. Rasch (F.D.P.)]
Insofern ist eine solche Diskussion über dieses Thema:
Wie können wir die Situation der wissenschaftlichen Mitar
beiter, des wissenschaftlichen Nachwuchses, verbessern,
wichtig und notwendig. Wir werden das auch nicht allein im
Bereich der Freien Universität und der Technischen Univer
sität und in den anderen Hochschulen in Berlin lösen kön
nen, auch nicht im Berliner Bereich allein, sondern das ist
eine Aufgabe, die sich auch und sehr zentral an den Bund
richtet, was hier auch gesagt werden sollte. Insofern ist es
richtig, daß die BAFöG-Problematik, Erhöhung der Lebens
haltungskosten der Studenten, hier angesprochen wird, denn
dies ist alles etwas, was nur zum Teil in die Zuständigkeit
Berlins, nur zum Teil in die Zuständigkeit des Abgeordne
tenhauses von Berlin, fällt. Ich sehe das große Problem,
daß die Studenten bei steigenden Lebenshaltungskosten,
bei geringeren BAFöG-Mitteln, bei Anstieg beispielsweise
des Beitrages für das Studentenwerk, bei steigenden Preisen
für die Nahverkehrsmittel und bei sonstigen Tariferhöhun
gen, irgendwann einmal in eine Situation kommen, in der sie
tatsächlich mit finanziellen Engpässen zu rechnen haben, die
wir in der Vergangenheit nicht gekannt haben. Ich meine,
daß in der Tat hier und in anderen bildungs- und finanzpoli
tischen Gremien darüber nicht die letzte Diskussion geführt
sein wird.
Wir haben Vorschläge vom Senat über Einsparungen, von
denen ich sagen muß, daß sie für den Hochschulbereich,
jedenfalls für das Jahr 1982, in dieser Größenordnung wohl
realisiert werden müssen. Ich finde, unsere Diskussion hier
im Abgeordnetenhaus, Frau Kollegin Kohlhepp, kann eigent
lich nur so etwas wie ein Hilfshinweis auf den Entschei
dungsprozeß sein. Nach meiner Einschätzung muß es so
sein, daß alle diese Fragen, die hier gestellt worden sind,
jetzt und im Augenblick und zunächst einmal an den Hoch
schulen und Universitäten diskutiert und entschieden wer
den müssen. Je eindeutiger die Universitäten und die Hoch
schulen selber Vorschläge für die Einsparung machen, desto
besser ist es für die Hochschulen, für die Hochschulautono
mie und desto eher können wir uns darauf verlassen, daß
solche Entscheidungen auch sachkundig getroffen werden.
Ich meine, darauf sollten wir in der Tat großen Wert legen.
Ich bin aber auch ganz klar der Auffassung — das ist auch
die Linie der F.D.P.-Fraktion —, daß wir bei den Einsparun
gen, bei der gesamten Spardiskussion im Zusammenhang
mit dem kommenden Haushalt und so weiter darauf achten
müssen, daß die Priorität in der Lehre, das heißt aber auch
gleichzeitig die Priorität im wissenschaftlichen Nachwuchs,
gewahrt werden muß.
Ich bin der Auffassung, daß das Tutorensystem in der
Tat eine wichtige Einrichtung an unseren Hochschulen ist
und daß dies überhaupt kein Bereich ist, der sich für groß
artige Sparvorhaben eignet. Ganze Lehrveranstaltungen in
so wichtigen Fächern, wie zum Beispiel Mathematik, wären
ohne Tutoren überhaupt nicht durchzuführen. Auf der ande
ren Seite dienen ja solche Tutoren der Ausbildung des wis
senschaftlichen Nachwuchses. Ich will also zu später Stunde
diese Diskussion aus meiner Sicht so zusammenfassen, daß
ich sage, es ist wichtig, daß wir darauf hinweisen, daß der
wissenschaftliche Nachwuchs eine ganz besondere Förde
rung in der gegenwärtigen Phase braucht. Und wir sollten
dies bei den kommenden Entscheidungen, zunächst einmal
in den Hochschulen, dann im Hauptausschuß und dan
schließlich hier im Abgeordnetenhaus nicht aus den Auge
verlieren. Eine Sparwelle, die auf die Hochschulen zugel
und die den wissenschaftlichen Nachwuchs zerstören würct
wäre in der Tat nicht nur für die Hochschulen, sondern fi
uns alle von großem Obel. Ich danke Ihnen.
[Beifall bei der F.D.P. und der CDU]
Stellv. Präsident Longolius; Nächste Rednerin ist die Fra
Abgeordnete Kohlhepp.
Frau Kohlhepp (AL): Meine Damen und Herren
möchte nur zwei Punkte noch kurz ansprechen, die eventual
zu Mißverständnissen führen können, nämlich folgende: Dii
Notwendigkeit der Forschung bestreitet niemand, es geh
hier nur darum, zu fragen, welche Forschung. Es gibt eine:
Zusammenhang mit der Lehre, der gesehen werden mu6
Deshalb handelt es sich um die Forschung, die in diesen
Kontext zu sehen ist und nicht um die Einzelinteressen voi
Ordinarien. Die alte Ordinarienuniversität wollen wir nich
mehr haben! Die Forschung, wie sie dort getrieben wurde
entspricht nicht mehr dem, was wir heute unter Forschunj
verstehen und was wir darunter verstehen müssen, wem
die Forschung für unsere Gesellschaft effektiv werden soll
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Es sind also die Ausgaben zu kritisieren, die im Zusam,
menhang mit Berufungszusagen gemacht werden, die sici
sowohl auf den investiven als auch auf den personellen Be
reich beziehen.
Als Beispiel möchte ich hinweisen auf Forschung in Korn-
munikationswissenschaften. Da gibt es heute schon Ansätze
die ein sehr enges Zusammengehen von Forschung unt
Lehre beinhalten, zum Beispiel das Konzept der Aktions
oder Handlungsforschung. Das wollte ich mal ansprechen
denn gerade hier zeigt sich, daß es möglich ist, daß beson
ders die Betroffenen diejenigen sind, die sowohl in de
Lehre als auch in der Forschung arbeiten. Es geht dabe
auch um dieses Konzept von der frauenspezifischen Fm
schung, um das noch mal zu nennen. Ich werde später noch
mal darauf eingehen.
Der zweite Punkt: Das Weiterbildungskonzept an der HdK
Die HdK hat ein Weiterbildungsmodell erarbeitet, das inter
national anerkannt ist. Das läuft am Ende des Jahres aus,
und die HdK ist soweit, daß sie dieses Modell nun in die
Praxis umsetzen kann. Sie hat das hochschulintern geregelt
das Kuratorium hat gegen die Stimme von Herrn Dr. Kewe
nig dieser Arbeitsstelle zur Weiterbildung, wie sie genannt
wird, zugestimmt. Und ich meine, es ist unredlich, von der
HdK zu verlangen, daß sie jetzt erst einmal eine Pause
macht und mit der Arbeit aufhört, bis das, was bis Ende des
Jahres in dem Modell getan wird, als Bericht vorliegt. Das
ist dann vielleicht im Frühjahr der Fall, und dann wird der
Neubeginn der Arbeit irgendwann einmal genehmigt, so daß
dann ein Loch von einem halben Jahr oder einem ganzen
Jahr in der Arbeit der HdK entsteht. Die HdK kann auf
diese Weise ihr Modell, das fertig ausgearbeitet und inte:
national anerkannt ist, nicht in die Praxis umsetzen. Ich
meine, das wird auch von der HdK als Eingriff in die Auto
nomie der Hochschulen empfunden, wenn das jetzt durch
irgendwelche Stellenkürzungen und anderes unterlaufen
wird.
[Beifall bei der AL]
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Stellv. Präsident Longolius: Weitere Wortmeldungen lie
gen nicht vor. Damit hat die Große Anfrage ihre Erledigung
gefunden.
Meine Damen und Herren, die SPD-Fraktion hat die Ver
tagung des nächsten Tagesordnungspunktes — Große An
frage über Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs
in Berlin — auf die erste Sitzung im Januar beantragt. Ich
sehe keinen Widerspruch, dann werden wir so verfahren.
Lfd. Nr. 11 ist bereits vertagt.
| 3. :
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