Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

588
Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
11. Sitzung vom 26. November 19
Frau Dr. Besser
(A) Darüber muß man sich klar sein, denn eines geht mir hier
immer wieder unter: Niemand ist. bereit — in den Hoch
schulen schon gar nicht —, daran zu denken, daß wir es mit
jungen Menschen zu tun haben, die z. B. gegenüber Lehr
lingen erheblich privilegiert sind in bezug auf alles, was
wir für sie aufwenden, aufzuwenden bereit sind. Dafür muß
dann allerdings auch erwartet werden, daß die entsprechen
den Gegenleistungen erbracht werden.
Stellv. Präsident Longolius; Gestatten Sie eine Zwischen
frage des Abgeordneten Dr. Jänicke? - Bitte, Herr Dr. Jä-
nicke!
Dr. Jänicke (AL): Sie verweisen auf Ihren eigenen Fall.
Meinen Sie, daß die geringe Zahl von Promotionen, die zu
Ihrer Zeit stattfand, heute ausreichend wäre, um z. B. auch
nur die internationale Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirt
schaft wie der deutschen zu garantieren? Dies ist eine Kate
gorie, die ich mir sonst nicht zu eigen mache, aber es gibt
wohl noch ein bestimmtes internationales Niveau an Inno
vationen in der Forschung; meinen Sie also, daß mit den zu
Ihrer Zeit üblichen geringen Promotionen, die daraus resul
tierten, daß nur der promovieren konnte, der einen reichen
Vater hatte, diese Wettbewerbsfähigkeit gewährleistet sein
würde?
[Boroffka (CDU): Das ist eine unerhörte Unterstellung
von Ihnen!]
Frau Dr. Besser (CDU): Also, Herr Kollege Dr. Jänicke,
1949 hatte keiner von uns einen reichen Vater.
Zweitens: Keiner von uns hat die gesamten Promotions
kosten gezahlt, die anfielen, sondern jeder nur seine. Um die
geht es. Diese sind heute sicherlich nicht schwerer zu er
bringen als 1949. Das werden Sie mir wohl wahrscheinlich
zugeben müssen.
[Schmidt (AL): Das waren aber schöne Zeiten!]
— Ja, wir hatten eine andere Zeit. Das ist völlig richtig. Wir
wollen uns auch nüchtern klar darüber sein, daß man die
Zeit, in der Wir jetzt leben, mit anderen Zeiten vergleichen
muß. Es muß möglich sein, Leistungen, die von den Men
schen zu den unterschiedlichsten Zeiten erbracht worden
sind, unter Umständen mit vergleichbaren Ergebnissen unter
dem Strich, miteinander in Beziehung zu bringen. Sie werden
sich sonst wahrscheinlich selbst am meisten schaden. Das
sollten Sie bitte bedenken.
Jetzt haben Sie, lieber Herr Kollege Dr. Jänicke, von der
Grottian-Initiative gesprochen. Ich mache Ihnen einen prak
tischen Vorschlag. Ich habe das alles nämlich sehr sorg
fältig gelesen; ich lese immer alles sehr sorgfältig, was
Herr Grottian schreibt.
[Boroffka (CDU): Was immer er schreibt!]
Ich habe mich mit ihm auch häufiger unterhalten. Er hat dies
auf viel mehr bezogen als nur auf den Kreis der Professoren.
Dies müßte man einmal zur Korrektur sagen. Beziehen wir
es aber einmal so, wie Sie es gesagt haben. Warum können
denn die Herren, die dieses Opfer gern bringen wollen für
den Nachwuchs, tatsächlich nicht einmal eine Stiftung grün
den und ein Konto anlegen, um in diese Stiftung dann ein
zuzahlen? Man muß immer erst einmal ein Beispiel geben,
weil man damit erreicht, daß man nachher auch Nachfolger
hat. Man darf niemals nur eine Forderung in die Landschaft
setzen und diese an die anderen adressieren, weil jeder
mann nur bereit ist, sich daran zu beteiligen, wenn erst ein
mal die anderen vorne weggegangen sind. Darum muß man
selber als Beispiel vorangehen, wie ich auch in meinem
Leben erst einmal meinen eigenen Weg gegangen bin, um
dann Nachfolger zu finden.
Stellv. Präsident Longolius; Gestatten Sie eine weitere
Zwischenfrage? — Bitte schön, Herr Dr. Jänicke!
Dr. Jänicke (AL): Es ist nett, Frau Dr. Besser, daß Sie 1
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ochse
eite (
Zwischenfrage zulassen, denn damit wird es etwas lebt,
diger. — Es ist wie mit dem Autoverkehr: Wenn drei Prozey
Idealisten darauf verzichten, Auto zu fahren, dann ist darr firen
das Problem des Automobilismus nicht gelöst. Wenn dr ! ; ven
Prozent der Hochschullehrer darauf verzichten, einen 2i t wi
wachs zu haben, den die OTV ihnen zuscheffelt, dann ist
Problem des Nachwuchses noch lange nicht gelöst. Es miÄ, rae q
eine generelle Lösung sein, die auch diejenigen betrifft, d
mit dem Geld weniger großzügig umgehen.
Stellv. Präsident Longolius: Sie wollten eine Frage stelle
Herr Dr. Jänicke. — Bitte schön, Frau Dr. Besser!
Frau Dr. Besser (CDU); Das war eine Anmerkung. - | ( l| äp
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will einmal versuchen, diese Anmerkung als Frage zu ve , nem
stehen. Lieber Kollege Herr Dr. Jänicke, auch eine solch !, ne || (
generelle Lösung lebt davon, daß erst einmal Beispiele gj ]
geben werden. Ohne Beispiele läuft nichts in dieser We
Dessen können Sie sicher sein.
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Ich möchte abschließend noch auf eines hinweisen; W
werden uns für die Zukunft — so meine ich —, wenn wir ta
sächlich zu neuen Formen kommen wollen, zwei Problem
ohne falsche Vorbehalte zur Lösung heranziehen müssen, k
meine zum einen die Tatsache, daß wir vor Jahren ein
Selbstverwaltung eingeführt haben und zum Teil immer not tuden
damit experimentieren — wie es damals hier von dies; nzu.9*
Stelle gesagt worden ist. Wir sollten diese Selbstverwa
tung einmal daraufhin überprüfen, ob wir sie nicht billige
straffer und besser funktionierend gestalten können. W
können vermutlich auch aus dem Bereich Geld heraushole en K
Und ich habe noch einen letzten Vorschlag, der auch übe 0 |(t e
dacht werden sollte. Die Vokabel ist hier heute schon gefa ; te glit
len. Wir haben in einer Zeit, in der die Hochschulen sehne ; ro ßg
gewachsen sind, viele Tutoren produziert. Wir sollten un
heute überlegen, ob wir weiterhin noch so viele Tutore f
produzieren sollen. Wir sollten uns heute überlegen, ob w
überhaupt noch so viele Tutoren brauchen. Damit schaffe
wir nämlich — ich will dies hier nicht vertiefen — neuespziai
Probleme. Vergleicht man Tutoreneinkommen mit denen di
Junghabilitierten, muß man sich die Frage stellen, ob ma ,ürde
md di
nicht manchen jungen Wissenschaftler in der Hochschule ha
ten könnte, wenn man ihn — gebündelt — mit den Aufgabe | en H
betraut, die heute noch einige Tutoren zu leisten haben. Di jestirr
meisten der Junghabilitierten sehen das übrigens auch si »rüfen
Sie trauen sich nur nicht, dies laut auszusprechen. Ich halt eiche
das aber für falsch und spreche es deshalb hier aus. Ei vendi
Staat, der eine gute Hochschule betreiben, guten wisse:
schaftlichen Nachwuchs haben will und dies nur aus de
Steuermitteln des Bürgers finanzieren kann, muß auch a n e T$te
dieser Stelle ökonomisch und im Sinne derer denken, di j emac
er dort lebenslang tätig sein lassen will. Ich halte das fü >jgent
eine wichtige Frage, die sorgfältig überlegt werden muß.
Schönen Dank!
[Beifall bei der CDU]
Stellv. Präsident Longolius: Nächster Redner ist der Ab
geordnete Dr. Kremendahl.
Dr. Kremendahl (SPD): Herr Präsident! Meine Damen uns
Herren! Die Probleme, die die Alternative Liste mit der Fo: an die
mulierung ihrer Anfrage aufgeworfen hat, laden zu eine "ame
hochschulpolitischen Generaldebatte ein, die wir sicherlid
heute nicht führen können. Ich möchte mich daher auch nep'®™'
auf einige wenige Punkte beschränken.
Der erste Punkt ist der leidige, aber notwendige Bereid Stelle
des Sparens, auf den Frau Kollegin Kohlhepp sehr stark de: ^ es
Akzent ihrer Begründung gelegt hat. Alle Fraktionen sim [Q r ^
sich ja wohl einig, daß auch im Hochschulbereich gespa“
werden muß, so sehr es — wie überall auch sonst — gut 1
innere Argumente dafür gibt, dort gerade nicht zu spare: (,| er _
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Wenn man dies aber tut, dann muß man sehen, daß „
System des Globalhaushalts, das wir im Hochschulbereid g en {
haben, den Vorteil hat, daß es natürlich eine Menge a: und j.
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