Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

r lg; ,geordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
11. Sitzung vom 26. November 1981
587
, jänicke
sehftn ihre Plazets gegeben hatten, dann kriegte der Pro-
ängi )vent sein Darlehen; reichlich 800 DM, mehr nicht. Nach
For 1 em Jahr mußte wieder ein ausführlicher Bericht erstellt
;rden. Und nun überlegen Sie einmal, was für diese ge
igen Kosten „eingekauft“ worden ist, überlegen Sie sich
ich einmal, was eine Dissertation kosten würde, wenn man
= beim DIW oder bei Prognos in Auftrag geben würde,
ne so qualifizierte Arbeit, an der mehrere Jahre höchst
iensiv gearbeit wird,
gfallen zu lassen, trifft die Universitäten an einem außer-
dentlich sensiblen Punkt. Das muß eigentlich jeder wis-
n, der den Betrieb kennt. Ich frage mich ernsthaft, wa
rn diese minimalen Mittel nicht vorhanden sein sollten,
irum ausgerechnet das gekürzt wird.
Wenn wirklich Geld fehlen sollte, dann könnte man auf
Fort|e Idee der Umverteilung kommen. Sie wissen vielleicht,
irr Dr. Kewenig, es gibt die Initiative von Herrn Grottian
ich gehöre auch dazu —, da wird gesagt, wir haben als
vo*)chschullehrer weiß Gott genug, der Zuwachs kann bei
un»s unterbleiben, schaffen Sie dafür neue Stellen oder Mög-
hkeiten der Graduiertenförderung. Die Graduiertenförde-
ng ist der sensibelste Punkt der Hochschulen. Wenn Leute,
3 mehrere Jahre an einer Dissertation sitzen, nicht ein
nimum an materieller Absicherung haben, dann entfällt im
ireich der Universitäten eben sehr viel. Es entfällt diese
daijirschungskapazität, die beträchtlich ist. Es entfällt aber
ch ein wesentliches Maß an unabhängiger Forschung, die
n der Kommerzforschung abzugrenzen wäre. Ich warne
ngend davor, den Universitäten die Lehre und den gro-
än Instituten die Forschung zu überlassen.
Stellv. Präsident Longolius: Gestatten Sie eine Zwischen-
age? — Herr Abgeordneter Dr. Kewenig, bitte.
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[Dr. Mahlo (CDU): Deswegen braucht sie nicht
qualifiziert zu sein!]
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Dr. Kewenig (CDU): Herr Dr. Jänicke, Sie wissen doch
iffentlich, daß das Graduiertenförderungsgesetz ein Bun-
jsgesetz ist und daß sowohl der hiesige Senat als auch
ir zuständige Senator sich dafür eingesetzt haben, daß
e Graduiertenförderung in der bisherigen Form fortge
hrt wird?
Dr. Jänicke (AL): Das ist mir bekannt. Ich versuche hier
für einzutreten, daß diese geringfügigen Kosten auf
bracht werden. Das muß doch in Übereinstimmung mit dem
and möglich sein, da ansonsten die Forschung an die gro-
in Institute zu gehen droht. Die großen Institute sind von
oßen Auftraggebern abhängig, und die Tendenzen sind
itsprechend. Wir hätten dann auf der einen Seite die
rschung und auf der anderen die Lehre, die bei Wegfall
ilid ir Forschung eben an Qualität verliert, an Motivation ver-
srt, weltfremder wird. Wir haben in den frühen 70er Jahren
lebt, was es bedeutet, wenn es an den Universitäten nicht
seht J nug Forschung gibt. Ich kann von meinem Fachbereich
jbe lr sagen, daß, als wir im Laufe der 70er Jahre Forschung
jn g ireingeholt haben, Drittmittelforschung im großen Stil
For was wenig bekannt ist —, dies unserem Fachbereich außer-
hlt( dentlich gut getan und auch die Berufschancen von Ab-
; hoi fventen gefördert hat. Aber wie dem auch sei, wir brauchen
e unabhängige Forschung der Universitäten. Ein Industrie-
nd mit ungewisser Zukunft kann sich nicht nur auf die
isblierten Institutsforschungen verlassen, sondern braucht
ich diesen — billig zu habenden — Sachverstand.
[Beifall bei der AL]
Stellv. Präsident Longolius: Das Wort hat die Frau Ab-
d 11 ^ordnete Dr. Besser.
Dar
bei
ihr Frau Dr. Besser (CDU): Herr Präsident! Meine Damen und
ire: erren! Ich habe mich ein bißchen gewundert. Die Über-
en :hrift, die sich mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs bei
nis’ ieser Großen Anfrage befaßte, hat eigentlich ein sehr
ernstes Thema berührt. Die Berliner Hochschulen haben es
dringend nötig, einen sehr guten — und ich sage mit aller
Vorsicht, auch möglicherweise in Zukunft in manchen Fällen
wieder besseren — wissenschaftlichen Nachwuchs zu haben.
Nun kenne ich insbesondere aus dem Kuratorium der
Freien Universität, Herr Dr. Jänicke, die fabelhaften Einlas
sungen der Universitätsfraktion, daß man überall das ein
sparen will, wo man gerade für die Forschung die Investi
tionen und die Sachmittel benötigt, daß man viel Geld in
personelle Dinge hineinsteckt, die gar nicht unmittelbar
Forschung und Lehre betreffen. Da stimmt die Alternative
Liste immer fleißig mit dieser Fraktion zusammen ab, wenn
es um die genannten Dinge geht. Ich bin der Auffassung,
daß alles, was der Forschung i n unseren Universitäten
dient, Priorität haben muß. Wenn Sie, Frau Kohlhepp, wie
Sie vorhin sagten, keine Verschulung haben wollten, dann
brauchen Sie gerade eine forschungsstarke Universität, denn
dann wird nicht gelernt, was da steht, sondern es gibt einen
unmittelbaren Verbund von der Forschung zur Lehre.
Was mich mit Sorge erfüllt, ist die Gefahr, daß uns die
Forschung aus den Berliner Universitäten auswandert und
in entsprechende Forschungsinstitutionen oder -Institute
hinüberwandert. Lesen Sie bitte einmal nach, was der Leiter
des Wissenschaftskollegs zur Möglichkeit des Forschens in
einer Berliner Universität gesagt hat — überhaupt dazu in
einer bundesdeutschen Universität nach der „Reform“. Er
begründete da sehr wörtlich, daß das Klima nicht mehr für
d i e große Forschung geeignet ist, und daß sie deshalb
auswandern muß. Hier gemeinsam dafür zu wirken, daß diese
Entwicklung wieder korrigiert werden kann, das ist etwas,
bei dem Sie alle Fraktionen dieses Hauses hinter sich haben
werden. Dazu gehört dann allerdings auch ein nicht un
wesentliches Umdenken in der Richtung, daß alles, was der
Forschung dient, Herr Kollege Dr. Jänicke, auch das, was
Drittmittelforschung ist, aus Bereichen, die Sie eben zu kri
tisieren für richtig hielten, auch zur Forschung gehört. Davon
können wir nicht genug bekommen. Gerade der Student,
der später einmal der „große Forscher“ werden soll und will,
muß dafür die Voraussetzungen haben können. Er kann gar
nicht früh genug mit der Forschung in Berührung kommen.
Einiges höre ich in den Berliner Hochschulen völlig anders,
als Sie es hier dargestellt haben. Es wird immer wieder
deutlich gemacht — wenn wir manchmal Zweifel hatten, ob
jeder aus dem Mittelbau tatsächlich noch die Forschungs
leistung erbringt und nach der Struktur, die wir nach der
Hochschulreform haben, aufgrund der gewünschten Lehr
aufgaben auch erbringen kann —, daß die Forschung gerade
von diesen Kräften und nicht mehr von den Professoren
getragen werde. Sie sind nun selbst ein Professor, Herr
Kollege Jänicke, und Sie werden deshalb sicher beurteilen
können, ob Professoren in unseren Berliner Hochschulen
noch forschen und was sie in der Forschung leisten, oder ob
das die „Mittelbauern“ — wie das vereinfacht heißt — tun.
Ich habe jedenfalls mit großem Interesse zur Kenntnis
genommen, welchen Standpunkt Sie hier vertreten haben.
Ich höre immer gern zu und bin auch bereit zu lernen, wenn
jemand sagt, er sei kompetent, und er könne dies beurteilen.
Ich hoffe aber, daß dies in den verschiedenen Bereichen
der Universität durchaus unterschiedlich ist. Es kann auch
sicher in einem Fachbereich in verschiedenen Instituten
unterschiedlich sein. Deswegen erschien mir Ihre Aussage
besonders interessant.
Lassen Sie mich weiter dazu sagen: Eine Reihe von
Kosten konnten in der Vergangenheit übernommen werden
— dazu gehören auch die Dissertationskosten —, weil das
Geld da war und weil der Standpunkt hier oft genug — übri
gens belegt — vertreten worden ist, daß das Geld in Bonn
eigentlich nur abzuholen sei. Das war natürlich kompliziert,
da mußte man umfangreiche Anträge stellen. Dabei ist dann
dafür extra eine neue Sorte Mitarbeiter an der Technischen
Universität geschaffen worden — und zwar hochbezahlte —,
die nur dafür da waren, daß die Professoren die Anträge
richtig stellten, damit das Geld gesichert war.
In dieser Zeit konnte man vieles durch finanzielle Erleich
terungen leisten, was künftig nicht mehr der Fall sein wird.
Ich habe in großer persönlicher Notzeit und auch in Notzeit
dieses Staates meine Dissertationskosten allein getragen.
Eine völlig unzumutbare Forderung war und ist dies nicht.
(C)
(D)
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