Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
11. Sitzung vom 26. November 19| , g eo
586
Sen Dr. Kewenig
(A) Was den gesetzlichen Weiterbildungsauftrag anlangt,
halte ich einen Versuch, die Aufgaben der Hochschulen in
solche erster und zweiter Wahl, in originäre oder subsidiäre,
zu unterteilen, bildungspolitisch nicht für angemessen. An
gesichts der zu erwartenden Nachfrage werden die Hoch
schulen sich allerdings bis in die 90er Jahre hinein auf ihre
traditionelle Aufgabe konzentrieren müssen, eine wissen
schaftliche Erstausbildung zu vermitteln. Es wäre jedoch ver
fehlt, daraus zu folgern, das HRG oder das BerlHG würden
von einer Subsidiarität des Weiterbildungsauftrages gegen
über anderen Aufgaben festsprechen und eine solche Sub
sidiarität festschreiben.
Die Weiterbildung als zukunftsweisende Gestaltungs- und
Entwicklungsaufgabe ist zu allererst durch die Hochschulen
selbst zu fördern. Die Berliner Hochschulen haben dies in
der Vergangenheit auch in anerkennenswerter Weise getan
und im Rahmen von Modellversuchen oder vergleichbaren
Projekten wertvolle Erfahrungen gesammelt. Der Senat
wird auch künftig die Ansätze der Hochschulen fördern, in
ausgewählten Bereichen Modelle für die Hochschulweiter
bildung zu entwickeln. Er wird dabei insbesondere auf eine
intensive und kontinuierliche Abstimmung und Kooperation
mit anderen Weiterbildungsträgern und auf die hochschul-
spezifische Auswahl und Gestaltung des jeweiligen Ange
bots achten.
Es muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß zu
sätzliche Haushaltsmittel nicht zur Verfügung stehen und
die erforderlichen Mittel im wesentlichen durch Umvertei
lung und Umschichtung innerhalb der Haushalte der Hoch
schulen bereitgestellt werden müssen. Auch aus diesem
Grunde verbietet es sich, in Konkurrenz zu anderen Weiter
bildungsträgern umfangreiche Weiterbildungskapazitäten an
Hochschulen jetzt und heute ausbauen zu wollen. Noch ein
mal; In schlechten Zeiten müssen die verfügbaren Mittel
und Kräfte zunächst auf die traditionelle Aufgabe der Erst
ausbildung konzentriert werden.
Zur 7. Frage; Die im Kuratorium der HdK vertretenen Mit
glieder des Senats von Berlin haben sich dagegen ausge-
(B) sprachen, an der Hochschule eine Arbeitsstelle für Weiter
bildung einzurichten, ehe der Abschlußbericht des Modell
versuches Künstlerweiterbildung vorliegt und seine Ergeb
nisse auf einer ausreichend breiten Basis diskutiert und
auch durch Außenstehende begutachtet werden können. Sie
hielten es auch nicht für vertretbar, daß die Hochschule eine
Aktivität neu beginnt, die nach eigener Schätzung ursprüng
lich jährliche Kosten von ca. 700 000 DM mit sich bringen
wird, gleichzeitig aber die gleiche Hochschule auf die an
geblich katastrophalen Folgen hinweist, die unvermeidlich
sein sollen, wenn die HdK den auf sie entfallenen Anteil
an Einsparungen in Höhe von 600 000 DM — also weniger
als das, was sie für die Weiterbildung selbst ausgeben
wollte — erbringen muß. Das Kuratorium verschloß sich
dieser — wie ich fand, sehr schlüssigen — Argumentation,
beschloß die Errichtung einer kulturpädagogischen Arbeits
stelle und beauftragte die Hauptkommission, für die Arbeits
stelle einen Rahmen zu finden, der dem Sparbeschluß des
Senats vom 25.8.1981 Rechnung trägt. Vorbehaltlich dieses
einvernehmlich mit meiner Verwaltung zu findenden Rah
mens oder der Bereitschaft des Abgeordnetenhauses, zu
sätzliche Mittel für diesen Zweck bereitzustellen, wird die
Hochschule die von ihr mit so viel Energie geforderte Ar
beitsstelle einrichten und betreiben.
Zur 8. und letzten Frage: Die Einheit von Forschung und
Lehre wird an den wissenschaftlichen Hochschulen vor allem
dadurch hergestellt, daß die Professoren sowohl Aufgaben
in der Lehre als auch Aufgaben in der Forschung wahrneh
men. Daran ändern die Sparmaßnahmen des Senats nichts.
Allerdings ergibt sich für jeden Forscher seit jeher die Ein
schränkung, seine Vorhaben im Rahmen des finanziell Mög
lichen zu realisieren, also zum Beispiel unter Berücksichti
gung der Sachausstattung und der Zahl der Mitarbeiter.
Hier wird es künftig sicherlich an der einen oder anderen
Stelle zu Engpässen kommen. Ich sehe jedoch nicht, daß
dadurch die Einheit von Forschung und Lehre grundsätzlich
in Frage gestellt würde.
Wissenschaftliche Mitarbeiter können nach wie vor — ich
verweise auf §144 des Berliner Hochschulgesetzes — an
der Forschung beteiligt werden. Was die Beteiligung der
Studenten an der Forschung angeht, so begrüße ich es sehr
wenn durch die entsprechende Gestaltung der Studiengängi jvenl
die Studenten bereits während der Ausbildung an die For iem
schung herangeführt werden, etwa im Rahmen von Seminar ;rder
arbeiten und Projekten. Allerdings wird es gerade bei sol Igen
chen personalintensiven Studienformen notwendig sein, sid ich e
auf das finanziell Machbare zu beschränken.
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Gestatten Sie mir zum Abschluß eine allgemeine Bemer ne ?
kung. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um einer Aul
fassung entgegenzuwirken, die Geld und Geist verwedi
seit. Der Irrtum, kultureller und insbesondere Wissenschaft
lieber Fortschritt setze die wirtschaftliche Prosperität voraus
wird durch die Geschichte der Berliner Universität selbs ,
widerlegt. Gerade die Reform, die für die wissenschaftlich! ä S' a !
Ausbildung in Deutschland maßgeblich wurde, nämlich di “ erl j
durch Wilhelm von Humboldt eingeleitete Hochschulreforn n ’ jl
fand in einer für diesen Staat fast hoffnungslosen Lage stat m dl
Wir sind von einer solchen Lage glücklicherweise weit ent
fernt, haben uns aber während des beispiellosen Wirtschaft
liehen Aufbaus, der hinter uns liegt, daran gewöhnt, Fort
schritt mit der Steigerung des Bruttosozialprodukts gleich >rr D
ich
zusetzen. In der Tat ist Fortschritt heute teurer als zu Hum
boldts Zeit, aber noch immer ist er vor allem abhängig voi uchsc
der Qualität der ihn tragenden Ideen und Personen un; is unt
nur sehr eingeschränkt von den verfügbaren finanzielle hkeit
Ressourcen. Darum ist der Anspruch des Senats, Berlin al
Wissenschafts- und Kulturzentrum zu erhalten und auszu
bauen, durch die unvermeidlichen Sparmaßnahmen keines
wegs existentiell gefährdet. Der Anspruch stellt sich viel
mehr als eine besondere Herausforderung an uns alle dai irschi
sinkende finanzielle Ressourcen durch starkes Engagemen ich e
Quantität durch Qualität zu ersetzen. - Ich danke Ihnen!
[Beifall bei der CDU]
Stellv. Präsident Longolius: Das Wort zur Besprechen! “ ?
hat der Abgeordnete Dr. Jänicke.
Dr. Jänicke (AL): Ich erwidere unmittelbar: Herr Senatoi
es geht nicht um die Frage wesentlicher Einsparungen in
Bildungsbereich. Da könnten wir uns vielleicht in verschie
denen Bereichen einigen, insbesondere im investiven Be
reich, im Baubereich usw., auch was die sächliche Ausstat
tung betrifft. Da läßt sich durchaus einiges sparen, und dii
dort z. T. übliche Staatsverschwendung ist durchaus kritik
würdig. Aber Sie haben hier über den Personalbereich ge
redet, und ich muß mich wirklich wundern, wie wenig Sii
informiert sind über die geringen Forschungsmöglichkeite:
im Mittelbau. Das gilt insbesondere für den medizinische:
Bereich; hier herrschen zum Teil Ausbeutungsverhältnisse
die untragbar sind, gerade als Folge der Sparpolitik, z. B
wenn Überstunden von Leuten, die eigentlich forschen soll
ten, nicht mehr bezahlt werden.
Wenn Sie bei der Zahl, die Sie genannt haben, tatsächlid :r Fo
Forschungsstellen gemeint hätten, dann wäre das ein Argu
ment, sogar ein wichtiges Argument für die Struktur de:
Universitäten. Ich habe in meinem Fachbereich — Politisch: 5nu 9
Wissenschaften — die Erfahrung gemacht, daß wir übe f a !
Drittmittel — DFG, VW-Stiftung, auch Berlin-Forschung
die ich hier sehr verteidigen möchte — mehr reine For
schungsassistenten hatten als von der Universität bezahlt: dentl
Assistenten. Die hierdurch geförderte Möglichkeit, scho:
im Studium Forschung zu betreiben, Projektseminare zu ma
chen und relevante, praxisnahe Themen zu bearbeiten, ha
sich auf die Lehre, auf die Berufsperspektive der Studenten a ° M ®
auf die Motivation außerordentlich günstig ausgewirkt. Abe* ,ch °
das waren eben nicht die normalen Universitätsstellen, son'
dem die Ergebnisse der Einwerbung von Drittmitteln
Stell:
Ich möchte in diesem Zusammenhang eine Bemerkung zu
Graduiertenförderung machen, weil diese für Ihr Argumen
der Aufhänger war. Hier sind Mittel eingestellt worden, di: sordn
keine reale Bezahlung darstellen. Das waren vielmehr Dar
lehen, die in einem komplizierten Antragsverfahren vergebe:
wurden. Da mußte so ein armer Promovent einen ausführ
liehen Antrag stellen, der zwei Gutachter — Hochschullehrer erren
— erforderte. Wenn die ihr Plazet gegeben hatten und eben
so der Fachbereich und die Graduiertenförderungskommis ieser
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