Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

er1s ,geordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
11. Sitzung vom 26. November 1981
583
eilv. Präsident Longolius
n Ausschuß für Stadtentwicklung und Umweltschutz und
den Ausschuß für Verkehr. Als federführenden Ausschuß
hlage ich den Ausschuß für Betriebe vor. Wer dem zuzu-
, ne mmen wünscht, den bitte ich um das Handzeichen. —
mke, das ist dann so beschlossen.
woll; Die lfdn. Nrn. 7 und 8 der Tagesordnung sind bereits ver-
äprut jt. Ich rlJ f e daher auf
lfd. Nr. 9, Drucksache 9/206:
Große Anfrage der Fraktion der AL über Situation des
wissenschaftlichen Nachwuchses
älter
He;
h.
Wie kann der Senat bei seinem Anspruch, Berlin
zu einem Wissenschafts- und Kulturzentrum aus
zubauen, begründen, daß seine Sparmaßnahmen
im Bereich der Berliner Hochschulen besonders
einschneidend sind und innerhalb der Hochschulen
der Bereich der Lehre und die Lern- und Lebens
bedingungen der Studenten und der jungen Wis
senschaftler sowie die Arbeitsbedingungen der an
den Hochschulen beschäftigten Arbeiter und An
gestellten besonders hart getroffen werden?
Wie will es der Senat verantworten, die Funktions
fähigkeit der Hochschulen auf diese Weise zu be
einträchtigen?
Wie stellt sich der Senat eine effektive Lehre vor,
wenn
a) eine unverantwortlich hohe Zahl von Professo
renstellen, vor allem in für die Lehre relevanten
Bereichen gestrichen wird,
b) Stellen von wissenschaftlichen Mitarbeitern
nicht wieder besetzt werden,
c) das Tutorensystem im Laufe von drei Jahren
vollständig abgebaut werden soll, so daß Lehr
veranstaltungen zu Massenveranstaltungen von
mehreren hundert Studenten werden?
Wie stellt sich der Senat vor, daß Studenten bei
Kürzungen von BAföG, Erhöhung der Lebenshal
tungskosten und der sozialen Abgaben, bei Zeit-,
Kraft- und Geldaufwand bei der Wohnungssuche
studieren können, wenn zudem noch eine „Straf
fung“ des Studiums stattfindet?
Was gedenkt der Senat zu tun, um nach dem Fort
fall der Graduiertenförderung jungen Wissenschaft
lern eine Weiterarbeit in Forschung und Lehre zu
ermöglichen?
Wie will der Senat dem Anspruch nach Öffnung
der Hochschule und lebenslangem Lernen für brei
tere Bevölkerungskreise und dem gesetzlichen
Auftrag zur Weiterbildung als originärem und ge
nuinem Bestandteil der Hochschule gerecht wer
den (§ 4 Abs. 6 des Berliner Hochschulgesetzes und
§ 2 Abs. 3 des Hochschulrahmengesetzes)?
Wie will der Senat die durch einen Modellversuch
vorbereitete und durch das Kuratorium der HdK
bereits beschlossene Weiterbildung (Schaffung
einer Arbeitsstelle) an der Hochschule der Künste
unterstützen und finanzieren?
Wie will der Senat den Anspruch auf Einheit von
Forschung und Lehre sichern und auch wissen
schaftlichen Mitarbeitern und Studenten die Teil
nahme an der Forschung ermöglichen?
r Begründung hat das Wort Frau Abgeordnete Kohlhepp.
B ä' r ® u Kohlhepp (AL): Meine Damen und Herren! Viele
5 |chschulangehörige — und zwar nicht nur Studenten, son-
dem auch wissenschaftliche Mitarbeiter, Professoren und
sonstige Mitarbeiter — befürchten, daß durch die Sparmaß
nahmen die Funktionsfähigkeit der Hochschulen beeinträch
tigt wird. Diese Furcht wird sogar von den Gremien der
Hochschulen zum Ausdruck gebracht. Ich verstehe nicht, wie
der Anspruch des CDU-Senats auf ein Wissenschaftszen
trum Berlin damit in Einklang zu bringen ist, daß der wissen
schaftliche Nachwuchs in dieser Weise beeinträchtigt wird,
wie das hier tatsächlich geschieht. Ich möchte das an einigen
Punkten klarmachen. Erstens am Bereich der Lehre, zwei
tens am Angriff auf die Lebensqualität und die Arbeitsfähig
keit der Studenten, auf die Graduiertenförderung, auf die
Weiterbildung innerhalb der Universitäten und Hochschulen,
auf die Situation der jungen Wissenschaftlerinnen und Stu
dentinnen und auf das Verhältnis von Forschung und Lehre.
Zur Lehre: In der Technischen Universität gibt es bereits
Übungen, an denen mehrere hundert Studenten teilnehmen.
Wie bewältigen die Lehrenden und Lernenden nun diese
Situation? Es ist so, daß ein großer Teil der Lehraufgaben
dort von wissenschaftlichen Mitarbeitern übernommen wird.
Außerdem organisieren sich die Studenten in kleinen Lern
gruppen zu etwa 20 Personen, die von einem Tutor betreut
werden. Hier setzt nun das Kürzungsprogramm des Senats
an. Bei den Assistenten werden sehr viele Stellen gekürzt.
Das Tutorensystem soll innerhalb von drei Jahren ganz und
gar abgebaut werden. Was bewirkt das nun? Es kommt noch
etwas hinzu, bei den Streichungen von Professorenstellen
wird vor allem im Bereich der Lehre gestrichen. Die Folge
aller dieser Maßnahmen wird sein, daß künftig die Unter
richts- und Lehrveranstaltungen an den Universitäten zu
Vorlesungen alten Stils werden. Sie sind dann effektiv im
Sinne von Prüfungen, daß also einfach nur Prüfungswissen
eingepaukt wird und in den Prüfungen einfach nur graue
Theorie abgefragt wird. Sämtliche Mittel, mit denen eine
Praxisausbildung bisher ermöglicht wurde, werden gekürzt.
Das, was als Straffung des Studiums bezeichnet wird, ist
dann eine Verschulung, in der nicht selbständig denkende
Menschen ausgebildet werden, sondern Leute, die ein ge
lerntes Wissen einfach Wiederkauen.
Die Lage der Studenten wird immer bedenklicher. Viele
Studenten erhalten durch die neuen Bestimmungen des
BAföG keine Unterhaltszahlungen mehr. Sie sind also dar
auf angewiesen, sich entweder von den Eltern bezahlen zu
lassen oder arbeiten zu gehen. Was das bedeutet bei stei
genden Lebenshaltungskosten und auch steigenden Sozial
abgaben, bei der Wohnungsknappheit, das kann man sich
leicht ausdenken. Da BAföG mit der Bundesgesetzgebung
zusammenhängt, möchte ich auch Herrn Senator Blüm bit
ten, etwas dazu zu sagen.
[Schmidt (AL); Der ist doch gar nicht dal]
— Dann soll er wiederkommen!
Die Graduiertenförderung soll auslaufen. Was will der
Senat damit erreichen? — Will er überhaupt keinen wissen
schaftlichen Nachwuchs mehr? Meint der Senat, daß mit dem
Diplom alles zu Ende sein soll?
Dann kommt die Weiterbildung im Bereich der Hochschu
len: Es ist so gut wie unmöglich, noch ein postgraduales
Studium führen zu können. Die Weiterbildungsveranstaltun
gen, mit denen eine Zulassung zum Studium auf dem zwei
ten Bildungsweg zu erreichen sind, werden gestrichen. Da
durch wird eine Abkoppelung der Hochschulen, der Universi
täten von großen Teilen der Bevölkerung bewirkt. Weiter
bildungskonzepte, wie sie bereits in der Hochschule der
Künste ausgearbeitet worden sind und hochschulintern be
reits beschlossen wurden, werden blockiert. Über die Stel
lenpläne wird diese Weiterbildung so gut wie unmöglich
gemacht. Ich bitte also auch um eine Stellungnahme dazu,
wie es an der HdK mit der Weiterbildung fortgehen soll.
ln der Großen Anfrage zwar nicht angesprochen, aber
doch wichtig ist die Situation der Wissenschaftlerinnen, der
Studentinnen. Eine Förderung von Frauenstudium und
Frauenforschung findet zu wenig statt. Es sollte eine Zen
traleinrichtung für Frauenstudien an der FU geschaffen wer
den; was ist daraus geworden?
(C)
(D)
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