Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
11. Sitzung vom 26. November is;
jge
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Dr. Kremendahl
(A) eine sichere, schnellere und sinnvollere Berufseinmündung
bringt, wenn sie auf das Überwechseln in einen Langzeit
studiengang verzichten.
Zu Ihrem zweiten Vorschlag, den Sie gemacht haben, Herr
Heyden: Bei der berufsfeldbezogenen Zulassung frage ich
mich nicht nur, wie es da mit den rechtlichen Voraussetzun
gen steht, so etwas einzuführen, sondern ich frage mich
auch, ob das nicht auch besser und sinnvoller zu lösen
wäre, wenn man die Fachhochschulen nicht isoliert betrach
tet, wie das gegenwärtig der Fall ist, sondern wenn man an
einen Verbund oder an eine Gesamtfachhochschule dächte,
weil es attraktiv wäre, gerade für Leute aus der Berufs
praxis, den Horizont zu erweitern nicht nur im Rahmen ihres
engeren Fachgebiets, sondern im Rahmen eines gefächerten,
aufeinander bezogenen größeren Studienangebots,
Und außerdem, Herr Kollege Heyden, wie steht es denn
mit der viel beschworenen Subsidiarität und mit der freien
Wahl des Berufs des einzelnen, wenn par ordre du Moufti
offensichtlich verfügt werden soll, wer zugelassen werden
kann und wer nicht. All dies, und man könnte das noch um
viele Punkte verlängern, führt mich dazu, namens der So
zialdemokratischen Fraktion drei Punkte deutlich zu machen:
Der erste ist: Bei den Fachhochschulen darf nicht nur der
Status quo verwaltet werden, weil er differenziert, aber
doch in ähnliche Richtung gehend sich zum Status quo minus
entwickelt, wenn nichts Entscheidendes dort geschieht.
Das zweite ist; Fachhochschulen sind gegründet worden
vor zehn Jahren, um Hochschulen zu sein, und nicht, um
Klippschulen zu werden; das heißt, daß ein ausgewogenes
Verhältnis von Lehre und Forschung, und zwar von anwen
dungsbezogener Lehre und Forschung auch an den Fach
hochschulen bestehen muß. Es ist ein abermaliges Mär
chen — der Begriff ist ja schon wiederholt verwandt wor
den — zu meinen, Forschungsergebnisse der Universitäten
könnten ohne weiteres in Fachhochschulen fruchtbar ge
macht werden. Von allen Fachhochschulen wird deutlich
gemacht, daß eine eigene feldorientierte, anwendungsorien-
tierte Forschung gewünscht und gefordert wird. Und wenn
' ' man dies für prinzipiell richtig hält, dann geht es nicht an,
das Lehrdeputat noch mehr zu erhöhen oder Ermäßigungs
stunden noch mehr zu kürzen, sondern dann muß für das
dort ja teilweise auch hervorragend wissenschaftlich quali
fizierte Personal die Möglichkeit zu eigener Forschungs
tätigkeit gegeben und in vielen Fällen auch erweitert wer
den.
Und der dritte Grundsatz: Wir Sozialdemokraten halten
fest daran, daß Fachhochschulen in Berlin eine Perspektive
brauchen. Diese Perspektive kann nicht darin bestehen, in
den Universitäten, in verwandten Fachbereichen Kurz- und
Langstudiengänge nebeneinander einzurichten, wohl aber
darin, all das, was sie jetzt in einzelne Fachhochschulen
aufteilt, in einem sinnvollen organisatorischen Zusammen
hang zu überführen, in einen organisatorischen Zusammen
hang, der interdisziplinäre Arbeit möglich macht, wie sie z. B,
explizit gewünscht wird auch von der Fachhochschule für
Verwaltung und Rechtspflege, in bezug auf die Fachhoch
schule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, den wir uns
sinnvoll vorstellen könnten auch im Bereich der Fachhoch
schule für Wirtschaft und der Technischen Fachhochschule,
in der Durchdringung von wirtschaftlichen und technischen
Fächern,
[Glocke des Präsidenten]
Meine Damen und Herren, wir halten diese Perspektive
nach wie vor für sinnvoll und werden den Senat nicht aus
der Verantwortung für die künftige Planung entlassen.
[Beifall bei der SPD]
Stellv. Präsident Franke: Das Wort für längstens drei
Minuten hat nun der Kollege Dr. Dittberner.
Dr. Dittberner (F.D.P.): Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Ich will diese Minuten gar nicht voll ausnutzen,
aber lassen Sie mich nur sagen, daß wir von der F.D.P.-
eil
Fraktion die heutige Diskussion sozusagen als die Eröffnur,
eines politischen Entscheidungsprozesses im Hinblick auf (j
Fachhochschulen verstehen. Ich bin der Auffassung und d
F.D.P.-Fraktion wird diese Meinung teilen, daß wir hier nirf
nur punktuell Vorgehen dürfen, sondern daß wir in stärke
rem Maße ein Gesamtkonzept für diesen Bereich brauche!
Ich habe aber erkannt, Herr Senator Kewenig, daß di
Passage Ihrer Rede, in der Sie gesagt haben, daß Koops
rationen, Zusammenarbeiten zwischen den verschiedene
Hochschulen stattfinden sollen, ein Punkt ist, von dem »
ausgehen können. Es ist wichtig und richtig: Die Fad
hochschulen und die Hochschulen überhaupt dürfen sii i£ta
nicht gegenseitig abschotten, sondern es soll eine Koopi m
ration stattfinden. Und wenn dabei die Eigenständig!« r
und die Vielfalt gewahrt werden kann, dann ist das siche fra
lieh ein Weg, den wir gehen können, ob wir das nun Hot} 1
schulplanung, Gesamthochschule oder wie auch immer ne:
nen mögen. — Recht schönen Dank!
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[Beifall bei der F.D.P. und vereinzelt bei der CDU]
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Stellv. Präsident Franke: Weitere Wortmeldungen liege
nicht vor. Damit ist die Große Anfrage erledigt.
Ich rufe auf zur gemeinsamen Behandlung — wie bereit
beschlossen — die
lfd. Nr. 6, Drucksache 9/193:
Große Anfrage der Fraktion der SPD über
Tarifkonzeption des Senats für die Eigen
betriebe des Landes Berlin
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1. Beabsichtigt der Senat an der vom Abgeordneten
haus einmütig gebilligten Tarifkonzeption aus dem
Jahre 1975 (Drucksache 7/302) festzuhalten?
2. Hält der Senat die dem damaligen Beschluß zu
grunde liegenden Rahmenbedingungen auch heute
noch für gegeben?
3. Wie beurteilt der Senat die Auswirkungen von
deutlich über der allgemeinen Preissteigerungsrate
liegenden Tariferhöhungen auf
a) die Lebenshaltungskosten durchschnittlicher Ar
beitnehmerhaushalte angesichts sinkender Real
einkommen,
b) die Betriebskosten des ortsansässigen Gewer
bes im Vergleich zum übrigen Bundesgebiet?
4. Beabsichtigt der Senat konkrete Maßnahmen zum
Personalabbau oder zur Leistungseinschränkung
zu ergreifen, um die Tariferhöhungen bei den Ber
liner Eigenbetrieben zu begrenzen?
5. Wie gedenkt der Senat, in der Zukunft notwendige
Investitionen der Eigenbetriebe zu finanzieren?
6. Welche Tariferhöhungen würden sich durch den
vom Senat geplanten Abbau des Ausgleiches des
Standortnachteiles der Gasag aus dem Landes
haushalt für die Gaspreise ergeben, und welche
Auswirkungen ergeben sich daraus für den Indu
striestandort Berlin im Vergleich zum übrigen Bun
desgebiet?
7. Gedenkt der Senat dem öffentlichen Personennah
verkehr politische Priorität einzuräumen, und wie
wird sich dies gegebenenfalls bei der BVG
a) bei der Tarifgestaltung im Bereich der Zeitfahr
ausweise,
b) auf das Leistungsangebot,
c) auf den erreichten Kostendeckungsgrad
auswirken?
8. Wann gedenkt der Senat dem Abgeordnetenhaus
ein in sich geschlossenes Tarifkonzept, unter Be
rücksichtigung der veränderten Rahmenbedingun
gen vorzulegen?
und
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