Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
11. Sitzung vom 26. November ig; bge
564
Dr. Heyden
(A)
halten und auch ihre Existenzberechtigung nächweisen zu
können. — Ich danke Ihnen.
[Beifall bei der CDU]
Stellv. Präsident Longolius: Nächster Redner ist der Abge
ordnete Dr. Sauberzweig.
Dr. Sauberzweig (SPD): Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Ich glaube, daß eine Diskussion um die Situation
der Fachhochschulen im Lande Berlin — so das Thema der
Großen Anfrage der F.D.P.-Fraktion - mehr ist als etwa ein
Randproblem der Hochschulentwicklung und der Hochschul
politik. Wer den Zwischenbericht zu diesem Thema, den Pro
fessor Huhn vorgelegt hat, aufmerksam gelesen hat, der
weiß, daß in den Fachhochschulen in Berlin schwerwiegende
Probleme bestehen, und ich meine - das ist auch durch Ihre
Beantwortung, Herr Senator Kewenig, mindestens im Ansatz
deutlich geworden daß sich bei einer Verdrängung dieser Pro
bleme relativ schnell eine Zuspitzung der Situation ergeben hätte
und ergeben würde.
Die SPD-Fraktion, deren grundsätzliche Position nach wie
vor durch die zwölf Thesen zur Hochschulreform des früheren
Wissenschaftssenators Peter Glotz beschrieben ist, würde
eine Lösung der bestehenden Probleme über den Weg einer
Gesamtfachhochschule für leichter halten als bei der gegen
wärtig vom Senat offenbar angestrebten Lösung, nämlich von
den einzelnen Fachhochschulen selbst das Problem anzu
gehen. Ich möchte aber auch darauf hinweisen — hierbei
stimme ich mit dem Kollegen Dittberner überein —, daß wir
auch das Problem sehen, daß die hochschulpolitischen An
kündigungen des Senats in der Regierungserklärung im
Widerspruch stehen zu dem Gesetz über die Hochschulen im
Lande Berlin, vor allem in dem von Ihnen zitierten §9, und
auch zum Hochschulrahmengesetz des Bundes. Wir sind neu
gierig, auf welche Weise der Senat glaubt, mit der Vorlage
(B) seines Hochschulkonzepts an diesen beiden Problemen vor
beizukommen.
Ich möchte auch ausdrücklich betonen, daß wir daran fest-
halten wollen — und insofern gibt es eine Übereinstimmung,
wenngleich ich bei den Zugangsvoraussetzungen eine Diver
genz sehe —, den Zugang auch für Interessenten mit beruf
licher Erfahrung zu den entsprechenden Fachhochschulen zu
befürworten. Ich vermute aber, daß dann die verschiedenen
Standpunkte bei der Formulierung von Zugangsvorausset
zungen in der Einzelberatung deutlich werden.
Meine Damen und Herren, die Analyse von Professor Huhn
hat gezeigt, daß für die Berliner Fachhochschulen ein Pro
blem in den Studentenzahlen zu sehen ist. Hierüber ist be
reits von mehreren Kollegen an dieser Stelle Richtiges ge
sagt worden. Ich glaube, daß man die Trendwende bei den
Fachhochschulen, die zurückgehende Studentenzahlen hatten
und haben, noch nicht durch die gegenwärtig verbesserte
Situation feststellen kann, sondern daß hier die demogra
phische Entwicklung eine Rolle spielt und daß wir uns vor
allem im Blick auf die späteren neunziger Jahre überlegen
müssen, wie die Attraktivität und die Leistungsfähigkeit der
Fachhochschulen erhalten werden kann.
Im übrigen ist zu bedenken, daß es hier zwischen den Ber
liner Fachhochschulen und den Berliner Universitäten zu
einem Verdrängungswettbewerb kommen könnte, und das
wird es den Fachhochschulen gegebenenfalls schwerer ma
chen, inhaltlich unterschiedliche Studiengänge im Vergleich
zu den Universitäten aufrechtzuerhalten und ihren eigenen
Bildungsauftrag inhaltlich zu erfüllen.
Angesichts dieser Situation ist es, und zwar unabhängig
von dem Lösungsmodell Gesamtfachhochschule, das wir nach
wie vor für richtig halten, dringend erforderlich, folgende
Fragen zu klären und konstruktive Lösungen in der Hoch
schulpolitik dafür anzubieten;
1. das Verhältnis von Kurzstudiengängen und Langstudien
gängen ist zu überprüfen, und dabei muß man sehen, daß die
Kurzstudiengänge von einem nicht geringen Teil von Studenten
als Zugang zu den Universitäten genutzt werden. Es ist schon von
der „Durchlauferhitzerfunktion“ gesprochen worden. Es kann
ich
sicherlich nicht die Hauptaufgabe der Fachhochschule sein, z ( , n
Universität zu führen, aber ich warne auch davor, Herr Koliec oc
Heyden, ohne weiteres und undiskutiert den Weg über die Faci oße
hochschule zur Universtität abzuschneiden. Ich meine, es my
auch eine Möglichkeit des zweiten Bildungsweges bleiben, ay
diese Weise zur Hochschule zu kommen. Da geht es dar:
glaube ich, um die Klärung von Einzelheiten.
[Beifall des Abg. Neumann (SPD)]
foi
,be
; A
fctor
ewe
|er I
Ste
2. Den Fachhochschulen muß es durch eine weiterführerui
Hochschulpolitik ermöglicht werden, ihren Bildungsauftrag;
formulieren und zu realisieren. Ich sehe den Zielkonflikt, sic
einerseits nur als Universitätsvorbereitungsschule zu sehe
und einen großen Teil der Studenten nach dem Grundsfc
dium zu verlieren und zugleich einen auf den Erwerb eine fehr
berufsqualifizierenden Abschlusses ausgerichteten Studier
gang mit dem Anspruch auf Qualität durchzuhalten. Und
läßt sich, glaube ich, nicht nur, wie es der Wissenschaftsrs (ern
gemeint hat, durch den „Anwendungsbezug“ der Fachhocf srlii
schulen lösen. Ich bin mit Professor Huhn der Meinung, dajch fi
das Gütezeichen „Anwendungsbezug“ allein das Proble:
eher verschleiert als löst und daß Verbesserungen und At
hilfen von den tatsächlich vorhandenen Einzelproblemen ht Sfon
zu entwickeln sind. Der Praxisbezug, Herr Senator Keweni: |ldu
den Sie in den Vordergrund gestellt haben: Nichts gege ese
diesen Praxisbezug, aber ich bin sicher, daß, wenn wir in di r.
Einzelheiten der Ausformung gehen, wir im Hinblick auf de jd c
Theorie-Praxis-Begriff, der in dieser Position steckt, noc
unterschiedliche Akzentuierungen feststellen. Bei Ihnen ii
mir zuviel von der „gediegenen Ausbildung“ die Rede, di
im Gegensatz zu anderen Angeboten, etwa im theoretische
Bereich stehen könnte. Im übrigen gibt es hierzu sehr bedei
kenswerte Vorschläge in dem Bericht von Herrn Huhn. Sie sin
aufzugreifen, wobei wir der Einführung von integrierten Praxi:
phasen und Praxissemestern - in diesem Falle gibt es waf
scheinlich im Grundsatz eine Übereinstimmung - besonde:
Bedeutung beimessen.
Oe
chic
;hul
icht
'Jlchic
t ja
ächf
egli
ider
:hul
ledir
>ge:
Der dritte Punkt: Die Forschung darf an den Fachhod
schulen nicht eingeschränkt werden. Jeder Gegensatz vo
Praxisbezug und Forschungsbezug ist falsch, beide Kompo ....
nenten bedingen sich gegenseitig, und es ist für die Fad
hochschulen unverzichtbar, daß sie sich selbst an der wisse" I®
schaftlichen Diskussion beteiligen und eigene Forschung!
;hul
ergebnisse einbringen. Ich möchte vor allen Dingen anregei F rl ]
jnk
ich;
den Austausch von Forschungsbedürfnissen und Forschung:
ergebnissen unter den Berliner Hochschulen zu forciere:
einen Gedanken- und Meinungsaustausch darüber herbe
zuführen, um Forschungsschwerpunkte auch auf diese Weis^B°9
zu fördern.
Die vierte Möglichkeit, die wir sehen, ist, daß es aud
SEs
wenn Sie bei Ihrem Weg bleiben, nämlich die Fachhochsche fchaf
len gesondert zu erhalten, notwendig und möglich ist, z
einer stärkeren Zusammenarbeit unter den Fachhochschule l,
-Ti« /rtinmon iim nii-in tor>M Inrin Anvonco imn 7ii »mrnmnorf i»!
fen
zu kommen, um eine fachliche Abkapselung zu verbinden
Die Kooperationen zu den Universitäten sind ebenfalls z
intensivieren, und ich finde es sehr bedenkens- und überle | r
genswert, einige Vorschläge, die von Herrn Huhn in seine | an2
Ausarbeitung gemacht worden sind, aufzugreifen, um ge
meinsame Projekte und gemeinsame Probleme von de
Fachhochschulen anzugehen.
Mein Fazit ist: Die Aufgabe und die Arbeit der Berlins
Fachhochschulen steht in einem engen Zusammenhang ro
der gesellschaftlichen Entwicklung, und von daher rühre
auch ein großer Teil ihrer Probleme. Die Fachhochschule
arbeiten zu einem nicht geringen Teil, wie es Herr Huhn for
muliert hat, am „Wundrand der Gesellschaft“. Und so spie
geln sich die Probleme der Gesellschaft natürlich auch dtr
wider. Sie werden deshalb ihre Schwierigkeiten, glaube id
nur dann lösen, wenn wir auch dies mit in unsere Reforrt
Überlegungen mit einbeziehen; das aber ist nur durch ein
Vielzahl von Maßnahmen, die an konkreten Problemen an|
setzen, möglich. Wer glaubt, daß man diese drängende
Fragen unbeantwortet lassen kann, wird den Bestand de
Fachhochschulen gefährden. Ich glaube, daß jetzt die kor:
kreten Probleme ernst genommen werden müssen und d«
Berliner Fachhochschulen die Chancen erhalten müssen, ft *
Lehr- und Studienangebot inhaltlich zu verbessern, und da: p fü
gilt insbesondere dann, wenn man sie als einen bestimmte" f n u
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.