Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

562
Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
(A)
(B)
Rasch
wäre. Ich glaube aber nicht, daß man hier schon von einer
Tendenzwende sprechen kann. Das akzeptieren wir.
Wie es nun aber weitergeht, Herr Senator, das ist in der
Antwort nicht deutlich geworden. Das gleiche gilt in Ihrer
Beschreibung auch für die Fachhochschule für Sozialarbeit
und Sozialpädagogik, Hier ist ebenfalls zu begrüßen, daß
sich die Lage konsolidiert hat, was wir bestätigen können.
Sie haben das zwar dargestellt, aber es reicht im Moment
nicht aus. Nun haben Sie zu Recht auf die „Arbeitsgruppe
Huhn“ hingewiesen, die zur Zeit an einem Konzept arbeitet.
Da dies zur Zeit nicht ausreicht, werden wir abwarten müs
sen, was der Senat nun an weiteren Ermittlungen für diese
und auch die anderen Fachhochschulen aufweisen kann.
Wir sind uns einig mit Ihnen in der Frage einer rigorosen
Bedarfslenkung, da man hier aus verfassungsrechtlichen
Gründen nicht eingreifen darf und kann, auch wenn wir
hier eine Nachfrage nach Studienplätzen sehen, die wir in
unserer Gesellschaft und unserem Beschäftigungssystem
nicht bedienen werden können. Das wissen wir. Es ist aber
zu fragen, ob genug getan worden ist in bezug auf Stu
dienberatung. Ich sehe das auch ganz nüchtern in ganz an
deren Bereichen. Ich meine zum Beispiel den Lehrerbereich;
sie wissen, meine Damen und Herren, daß ich mich hier
gut auskenne. Eine Studienberatung soll nicht nur beim
Eintritt in das Studium vorgenommen werden, sondern es
soll auch eine Berufsberatung in der Schule geben. Hier
gibt es nach wie vor eine Diskrepanz zwischen den Anforde
rungen, die die Schule an den Staat gerichtet hat, und den
Fähigkeiten der jeweiligen Anstalten. Es ist eine Aufgabe
der Anstalten eine so qualifizierte Berufsberatung zu ma
chen, daß sie wirklich stärker motiviert oder demotiviert —
je nachdem wie die Chancen insgesamt sind.
Nun haben Sie sich geäußert, Herr Senator, zur Fachhoch
schule für Wirtschaft. Dies war nun mehr als eine herbe
Kritik, ja es war eine vernichtende Kritik, die ich aus vieler
lei Gründen in dieser Form nicht akzeptieren kann. Ich
habe mit sehr großer Aufmerksamkeit.. .
[Frau Abg. Besser (CDU): Es ist aber zutreffend!]
Ich habe mit großer Aufmerksam festgestellt, daß die Kon
sequenz aus dieser Kritik nicht die gleiche ist, die — zu-
mindestens aus der CDU-Fraktion — in mein Ohr gekom
men ist.
[Palm (CDU): Das ist eine Zeitfrage!]
Die CDU-Fraktion hat durch Zwischenrufe deutlich gemacht,
daß die Frage einer Auflösung von ihr wohl unterstützt
wird, während der Senat hier eine andere Position ein
nimmt. Ich bin gespannt, Herr Dr. Heyden, ob Sie dazu
etwas sagen werden.
[Dr. Heyden (CDU); Ich werde gleich etwas dazu
sagen!]
Der Kollege Glotz hat seinerzeit hier eine Fülle von Stellen
nicht besetzt, um eine Reserve für Planungsaufgaben und
Entwicklungen aller Fachhochschulen — auch der FHW —
zu haben. Es wird also davon abhängen, Herr Senator Dr.
Kewenig, wenn ich Ihre Vorschläge hier richtig verstanden
habe, wie Sie diese nun umsetzen werden. Die Vorschläge,
die hier vorgetragen worden sind, finden unsere Billigung.
Wenn sie sich umsetzen lassen, wollen wir Sie in dieser
Arbeit unterstützen. Es gibt aber Anlaß zu Zweifeln, ob das
angesichts der jetzigen Situation der Fachhochschulen zu
dem momentanen Zeitpunkt ein erfolgversprechendes Kon
zept ist. Dies liegt aber letzten Endes in der Verantwortung
des Senats, nicht in der unsrigen.
Ich will zum Schluß noch einmal auf einen Punkt ein-
gehen, der mit der eingangs dargestellten Grundproblema
tik korrespondiert. Ich meine die Frage des Praxisbezuges.
Ich finde es richtig, Herr Senator Dr. Kewenig, daß Sie mehr
Praxisbezug gefordert haben. Dies gilt aber, wenn man das
Verhältnis von Fachhochschule zu Universität sieht, auch
für die Universitäten. Sie, Herr Senator Dr. Kewenig schüt-
11. Sitzung vom 26. November 13
r- H
teln leicht das Haupt. Ich bin aber der Ansicht, das sollte T
wir sehr sorgfältig prüfen.
[Dr. Heyden (CDU); Richtig, prüfen kann man es ja!]
Es gibt eine Fülle von Studiengängen mit hehrem wisse
schaftlichen Anspruch, für die eine berufliche Praxis a f.j.
Vor- oder Zwischenstufe ausgesprochen gut wäre. Ich \ '
jetzt nicht auf ein ganz bestimmtes Berufsfeld eingehe
Wir haben aber heute immer noch in Wissenschaft m
Forschung Hochschullehrer, die nie eine betriebliche, n
eine real-praxisbezogene Erfahrung gemacht haben, die i
mer nur in lernenden oder lehrenden Bereichen waren, ut
wenn ich es einmal ganz schlicht und brutal formuliere, di
8-Stundentag in dieser Form nie empfunden haben, wi
sie ihn nicht erlebt haben, denn sie konnten ihn in ander
Form gestalten.
[Dr. Heyden (CDU): Sehr vornehm ausgedrückt! —
Beifall bei der CDU]
Man achte auf die Eleganz meiner Formulierung. —
[Landowsky (CDU): Man muß es aber auch
nicht übertreiben!]
— Nach den Ausführungen meines Kollegen Baetge un
der AL über die Diäten, Herr Kollege Landowsky, mu
man aber auch ganz deutlich sagen, daß auch gearbeiti mg:
eutli
a is
wird. So ist das nicht. —
Ich möchte ein kurzes Fazit ziehen; Ich stelle hier fes
daß der Senat keine integrierte Gesamthochschule mel l’j ,
will. Ich stelle aber fest, daß der Senat zum heutigen Tag
noch kein neues, greifbares Konzept in bezug auf die be '
stehenden Fachhochschulen vorlegen und vorweisen kan:
Er hat Akzente genannt, die — wenn man eine vernünftig
Verzahnung und Integration erreicht — im Grunde genor
men zumindest partiell Vorstellungen abdecken kann, di
bei einer integrierten Gesamthochschule vorhanden warei
Ich stelle weiterhin fest, daß im übrigen — ich bin hie
überhaupt nicht darauf eingegangen — der Senat zu de
berühmten Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspfleg
überhaupt nichts gesagt hat. Die ist ja in dem Gesam!
Ringelreihen der Fachhochschulpolitik ebenfalls drin,
bedaure, daß das nicht enthalten war.
[Dr. Dittberner (F.D.P.): Es ist alles noch offen!]
— Herr Kollege Dittberner wirft mir zu, daß alles noch offe
sei. Dies scheint in der Tat das tragende Element der
antwortung gewesen zu sein, bis auf die eingangs gemacht
Kernaussage: keine integrierte Gesamthochschule. — Meie
Damen und Herren, ich bedanke mich für die Aufmerksam
keit.
[Beifall bei der F.D.P. und bei der CDU]
Stellv. Präsident Longolius; Nächster Redner ist der Ab
geordnete Dr. Heyden.
Dr. Heyden (CDU): Herr Präsident! Meine Damen ui*
Herren! Ich will versuchen, angesichts der großen Beteih
gung im Saal meine Rede gedrängt in Thesenform darz«
stellen.
[Beifall von Abg. Schmidt (AL)]
Ich will damit gleich anfangen und die These 1 anführer?
Die Selbständigkeit der Berliner Fachhochschulen muß
halten bleiben. Daraus folgt, dies ist eine ganz klare Absage
an die Gesamthochschule. Es ist aber keine Absage
Kooperationen zwischen Fachhochschulen untereinande
oder Fachhochschule mit Universität. Überall dort, wo
möglich ist, soll diese Kooperation sein. Sie muß allerding !
mindestens im kostenneutralen Bereich liegen oder soga
kostensenkend sich auswirken.
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