Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
11. Sitzung vom 26. November isi^
542
(A)
(B)
Frau Dr. Laurien, Senatorin für Schulwesen, Jugend und Sport:
Ich möchte nachdrücklich wiederholen, daß es keine Verbote gibt,
sondern daß jeweils verlangt wird, daß ein Friedenstag auch seiner
Überschrift entspricht und nicht etwa einseitige Ideologisierungen
verbreitet, sondern gerade die gegensätzlichen Meinungen zur
Sprache bringt Nur dann ist er seinem Namen auch entsprechend
konzipiert.
[Beifall bei der CDU]
Präsident Rebsch: Das Wort hat zu einer Zusatzfrage der
Abgeordnete Dr. Lehmann-Brauns.
Dr. Lehmann-Brauns (CDU): Frau Senatorin, wenn Sie schon
mit Ihrer Antwort den Kollegen Momper nicht zufriedenstellen kön
nen, sind Sie dann vielleicht bereit, ihm das Prädikat „Friedens
freund“ zuzuerkennen?
[Unruhe bei allen Fraktionen - Rabatsch (AL):
Ein hochpolitischer Beitrag!]
Präsident Rebsch: Frau Senatorin!
Frau Dr. Laurien, Senatorin für Schulwesen, Jugend und Sport;
Obwohl ich selbstverständlich bei der Hochschätzung, Herr Ab
geordneter, die ich für Sie habe, Ihnen ungern widerspreche,
möchte ich sagen, daß es nicht meine Aufgabe ist, Ehrentitel oder
andere zu verleihen. Ausschließlich der Bundespräsident vollzieht
solche Ehrungen in unserem Staat.
[Beifall bei der CDU]
Präsident Rebsch: Zu einer weiteren Zusatzfrage, Herr Ab
geordneter Kollat!
Kollat (SPD); Frau Senatorin, halten Sie es für angebracht, im
Hinblick auf die dringlich notwendige Friedenserziehung an
unseren Schulen unsere Lehrer erneut darauf aufmerksam zu
machen, daß bereits in den 70er Jahren unsere Landesbildstelle
eine sehr ordentliche Unterrichtshilfe über Friedenserziehung erar
beitet hat? Der Grund meiner Frage: Ich habe den Eindruck, daß
diese gute Broschüre in Vergessenheit geraten ist.
Präsident Rebsch: Frau Senatorin!
Frau Dr. Laurien, Senatorin für Schulwesen, Jugend und Sport:
Herr Präsident! Herr Abgeordneter! Ich habe an alle Schulen vor
kurzem ein ausführliches Schreiben gerichtet, in dem wir auf die
Bedeutung der Friedensthematik, auf ihren Bezug zu den Lehr
plänen hingewiesen haben, denn es bedarf eigentlich keiner beson
deren Aktionen, weil dies in den Lehrplänen der Berliner Schule
durchaus enthalten ist. Ich darf dabei Herrn Rasch einmal an
gucken, daß wir hier wirklich vorgefunden haben, daß dieses
Thema in den Lehrplänen vorkommt. Und wir haben dann, Herr Ab
geordneter, den Schulen auch eine Materialzusammenstellung an
gefügt, anhand derer sie sich sachlich informieren können. Und ich
weiß, daß auch der von Ihnen genannte Beitrag der Landesbild
stelle dort mit aufgeführt ist.
Ich hoffe, daß diese Anregung, die sich nicht nur auf diese Quelle
bezieht, sondern auf mehrere, von den Schulen auch aufgegriffen
wird. Ich höre jedenfalls, daß dieser Brief große Zustimmung gefun
den hat, weil man ihn als konkrete Hilfe erfährt.
[Beifall bei der CDU]
Präsident Rebsch: Nächste Zusatzfrage, Herr Abgeordneter
Sellin!
Sellin (AL): Frau Senatorin, halten Sie es nicht für demokratisch,
daß ein Schulkollegium in Zusammenarbeit mit der Schülervertre
tung eine Konzeption für einen Friedenstag an der Schule selbst
entwickelt und diese Konzeption auch durchführen darf in eine
demokratischen Land? 1 ,
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Präsident Rebsch: Frau Senatorin! iu s
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Frau Dr. Laurien, Senatorin für Schulwesen, Jugend und Spa
Es entspricht- unserer Verfassung, daß die Schule in öffentlich!
Verantwortung betrieben wird. Kein Kollegium nimmt der Schulet
sicht ihre Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, daß der Inhalt d
Schule so ist, daß Eltern, die einer der demokratischen Partei!
oder keiner von ihnen angehören, nicht fürchten müssen, daß ih; P r *
Kinder in der Schule Idologie statt Sachinformationen erhalte
[Beifall bei der CDU]
Ich lese Ihnen getrost einmal den Entwurf vor, mit dem die Schule f h:
die Debatte gehen wollte. Wenn die Auswirkungen der Rüstung Jii
ausgaben ausschließlich bei der Bundesrepublik gefragt werde j r st
und wenn die Alternativen für die militärische Verteidigung au
schließlich mit der Neutronenbombe und mit der amerikanisch!
Außenpolitik konfrontiert werden, dann ist das zwar ein Ansatz, üh
den wir reden, aber er ist entwicklungsfähig und kann so als Gafeen
ihm
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zes nicht ausreichen.
[Beifall bei der CDU - Momper (SPD):
Dann lesen Sie ihn doch mal vor! I ns
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Präsident Rebsch: Zu einer weiteren Zusatzfrage hat das Wo md(
der Abgeordnete Momper. t be.
Momper (SPD): Frau Senatorin! Abgesehen davon, daß Siede
Bericht interpretiert und nicht vorgelesen haben, möchte ich Sii p r£
fragen: Halten Sie es nicht für zutiefst pädagogisch, daß im Untei
rieht beziehungsweise in einer solchen Veranstaltung die von de
Schülern gestellten Fragen, wie auch immer sie aussehen, bean
wertet werden, anstatt daß von oben her ein Konzept, das ja irgend
welche Kriterien der Ausgewogenheit durchaus entsprechen mat 1 ®
aufgepfropft wird?
[Beifall bei der SPD und der AL]
Präsident Rebsch: Frau Senatorin!
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ich
Frau Dr. Laurien, Senatorin für Schulwesen, Jugend und Spor
Herr Präsident! Herr Abgeordneter! Ich bedauere, daß Sie offenba jf
nicht hinreichend informiert sind. Aber das läßt sich sicher ausgle f
chen. Genau die Fragen, die die Schüler stellen - und ich habe vo:
gelesen, was in dem Entwurf stand; ich habe es nicht verändert-4
werden aufgenommen, sie werden ergänzt und weitergeführt. Id
zitiere noch einmal aus dem Brief meiner Mitarbeiter; Wenn etw;
wörtlich aufgenommen wird der Vorschlag der Schule „Feindbilde:
und ergänzt wird wegen des Bezuges zur Unterrichtsverpflichtun: |
„und Aggressionstheorien“, dann ist das doch wohl keine Verände
rung der Fragestellung, sondern es ist jene wissenschaftliche Ve:
tiefung, wie sie einer Oberstufenklasse, die ja damit auch in dieser
berufsbildenden Feld Qualitäten erweisen soll, pädagogisch uni
sachlich zukommt Oder nehmen Sie folgendes: Wenn da nur „Neu
tronenbombe“ und „amerikanische Außenpolitik“ stand, dann wirc
hier daraus gemacht „Atomwaffen in der militärischen Strategie'
Dabei geht nichts verloren!
Ich lese jetzt nicht alles vor. Das sind ja auch nur Vorschläge, uni Sj
nicht Programme. Ich meine, es sei die Pflicht der Erwachsener
Schüleransätze aufzunehmen, aber sie doch auch zu ergänzen un:
zu vertiefen, wo es gerade zu einer begründeten Antwort sinnvoi |
erscheint.
[Beifall bei der CDU]
Präsident Rebsch: Das Wort zu einer weiteren Zusatzfrage ha:
der Abgeordnete Amonat
[Amonat (SPD); Ich ziehe meine Frage zurück!]
Dann kommt jetzt Herr Abgeordneter Feilcke mit einer Zusatz
frage an die Reihe.
I
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