Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

198 bqeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
10. Sitzung vom 12. November 1981
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feilcke
iunJ itung kommt, ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein. Er
irats II ja in diesen zehn Monaten etwas lernen, das ihn für sein späte
ste g Berufsleben fähiger macht Insofern muß eine Eingangsanfor-
nwi , r ung erfüllt sein: Jeder, der in eine solche Maßnahme hinein-
I voi immt, muß der deutschen Sprache mindestens teilweise mächtig
sein iin, sonst kann er die Maßnahme nicht erfolgreich durchlaufen. Ich
Has jbe mir selbst einen Eindruck verschaffen können und weiß, daß
lies« | einige Jugendliche gibt, die mit großer Begeisterung und offen-
sset ;htlich mit großem Lernerfolg in diesen Einrichtungen sind, aber
haf c h andere, die mehr oder weniger teilnahmslos, weil Verständnis
se; ; dabeisitzen.
|lch möchte jetzt nicht vollständig sein, vielmehr weitere soge-
nnte Problemgruppen aussparen, um mich auf die Frage konzen-
;ren zu können, was eigentlich geschehen muß. Sowohl bei
len, Herr Senator Wronski, als auch bei Ihnen, Herr Wagner, hat
hon die Frage der Qualifikation der Aus- und Fortbildung, insbe-
ndere auch der Umschulung eine Rolle gespielt. Ich stimme
ten voll zu, daß es unsinnig wäre, auszubilden, wenn man genau
iß, daß es im Anschluß an die Ausbildung eine Umschulungs-
ßnahme geben muß. Aber diese Sicherheit gibt uns niemand,
jmand kann uns mit Sicherheit sagen, welche Berufe in welcher
gen; Ihl künftig gebraucht werden. Kein Betrieb bildet aus in Berufen,
n denen bekannt ist, daß es hier hinterher überhaupt keine Be-
häftigungsmöglichkeiten gibt - kein Betrieb tut das.
[Sellin (AL): Sind Sie sicher?]
innoch müssen wir auch hier etwas differenzieren. - Herr Sellin,
türlich gibt es Betriebe, und das kann man nur begrüßen, die aus-
den, obwohl sie wissen, daß sie selbst hinterher keine Beschäfti-
ng garantieren können. Aber es gibt wohl keine Ausbildung in
g ge jjendwelchen Berufsbildern, die erkennbar keine Zukunft haben,
ß w;
Stellv. Präsident Franke: Gestatten Sie eine Zwischenfrage
■ Abgeordneten Sellin?
eileke (CDU): Selbstverständlich, gern!
Stellv. Präsident Franke: Bitte sehr, Herr Kollege!
iOZli
Hin (AL): Wie stehen Sie zu der Tatsache, daß die Ausbildung
Frisör und zum Bäcker als klassische Beispiele gelten, daß die
irischen, die diese Ausbildung genossen haben, zu über 50 %
ie i|se Ausbildung nachher als Beruf nicht ausüben, sondern in an-
efen Berufen Unterkommen müssen, sei es als Fließbandarbeiter
r mit sonstiger Tätigkeit? - Da ist ein Mißverhältnis!
Feilcke (CDU): Wenn das so wäre, wie Sie sagen, wäre das ein
^Verhältnis, aber tatsächlich ist es so, daß gerade bei den Frisö-
| die Situation, soweit mir bekannt, etwas anders aussieht, daß
[ir viele von den jungen Mädchen hinterher ihre Berufstätigkeit
erhaupt nicht ausüben wollen und daß es auf der anderen Seite,
weit mir bekannt, einen Mangel an qualifizierten Frisören gibt. Es
pber sicherlich richtig, daß insgesamt eine sehr viel größere Zahl
ih in diesen Bereichen ausgebildel wird, als später in diesem Be-
|tätig sind. Auf der anderen Seite ist es jedoch ein Beruf, der sich
|der zunehmender Beschäftigung erfreut. Die Mode hat sicher-
i auch einen Teil mit dazu beigetragen - die Menschen gehen
|te wieder häufiger zum Frisör. Dieser Beruf wird sicherlich auch
per Zukunft gebraucht. Das Beispiel von Herrn Wagner bezog
i ja, wenn ich das richtig verstanden habe, auf Berufe, von denen
schon zu erkennen ist, daß sie keine Chance haben. Das wäre
Ser Tat unsinnig. Wir dürfen aber nicht fordern, daß nur dort aus-
pildet wird, wo auch eine Beschäftigung garantiert werden kann.
! müssen auch das Risiko eingehen, daß später einmal eine Um-
fulung folgen muß; wobei die Umschulung sich eigentlich auf
ienigen beziehen sollte, die bereits eine berufliche Tätigkeit aus-
|bt haben, zumindest jedoch über eine längere Zeit berufliche Er
dung gesammelt haben, denn sonst wäre es eine Verlängerung
1 Verbleibens im Biidungssystem, was niemand hier wohl will.
Das Beispiel mit der Feuerwehr, Herr Wagner; Die Vorausset- (C)
zung zu einer Tätigkeit bei der Feuerwehr ist der erlernte Hand
werksberuf.
[Wagner (SPD); Bäcker!]
- Auch der Bäcker befähigt offensichtlich nach den Einstellungs
voraussetzungen der Feuerwehr, diesen Beruf zu ergreifen. Dann
mögen bitte die Einschulungsvoraussetzungen bei der Feuerwehr
geändert werden. Ich sehe auch gar nicht, wo da eigentlich Grund
zur Erheiterung ist. Die Feuerwehr hat in der Vergangenheit selbst
zu wenig Fachkräfte ausgebildet, um ihren eigenen Nachwuchsbe
darf daraus zu rekrutieren. Also hat sie auf diejenigen zurückgegrif
fen, die sich sozusagen auf dem Arbeitsmarkt angeboten haben.
Wir würden das im Einzelfall kritisieren, aber unter dem Strich
gesehen ist das eine Entscheidung von vielen einzelnen Menschen,
sowohl die Entscheidung, einmal den Bäckerberuf zu erlernen, als
auch später die Entscheidung, sich von der Feuerwehr anwerben
zu lassen. Ich sehe darin überhaupt keinen Grund, irgend etwas be
lustigend darzustelien.
Wir müssen - und der Wirtschaftssenator wird noch Gelegen
heit haben, dazu Stellung zu nehmen - alles tun, um in Berlin Inve
stitionen und Produktionen wieder in Gang zu bringen, zu forcieren.
Berühmte Beispiele fallen mir da ein. Es gibt ja brachliegende Kapa
zitäten, sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in
Berlin. Da bedarf es natürlich politischer Entscheidungen. Es gibt
brachliegende Kapazitäten etwa im Bereich des Kraftwerkbaues,
und Sie wissen, in welchem Maße auch Berliner Großbetriebe dar
an partizipieren könnten. Es gibt brachliegende Kapazitäten im Be
reich der Telekommunikation; dazu bedarf es mutiger politischer
Entscheidungen, und die muß man von der Bundesregierung for
dern. Wenn solche Entscheidungen natürlich ausgesetzt werden,
haben sie wiederum negative arbeitsmarktpolitische Folgen. Ich
stimme Ihnen zu, Herr Wagner, die beste Beschäftigungspolitik ist
eine gute Wirtschaftspolitik, und dazu können wir diesen Senat nur
ermutigen und ermuntern.
Wenn ich Sie, Herr Kern, richtig verstanden habe - ich weiß
nicht, ob er im Moment anwesend ist haben Sie auch von be-
schäftigungspolitischen Impulsen gesprochen. Wenn Sie damit
etwa Beschäftigungsprogramme gemeint haben sollten, dann wer
den Sie unsere Zustimmung hierzu nicht finden; diese beschäfti
gungspolitischen Programme haben in der Vergangenheit gezeigt,
daß sie sehr teuer, also heute gar nicht mehr zu finanzieren sind,
daß sie im übrigen wenig Arbeitsplätze schaffen und darüber hin
aus einen Strohfeuer-Effekt aufweisen, das heißt, in dem Augen
blick, in dem eine Maßnahme abgelaufen ist, tauchen die Probleme
verschärft neu auf. Insofern können wir niemandem zustimmen, der
Beschäftigungsprogramme fordert.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich noch zwei kurze
Punkte ansprechen. Der eine Punkt ist die Teilzeitarbeit Wir sind
davon überzeugt, daß es möglich wäre, einer größeren Zahl von
Arbeitslosen - insbesondere handelt es sich hier um Frauen - eine
Beschäftigung zu eröffnen, wenn die Möglichkeit der Teilzeitarbeit
intensiver genützt würde. Wir werden uns sehr darum bemühen
und die entsprechenden Initiativen auch vorbereiten, daß der Senat
bei allen in Frage kommenden Arbeitgebern, sowohl den öffent
lichen als auch den privaten Arbeitgebern, dafür wirbt, das Angebot
an Teilzeitarbeitsplätzen zu erweitern. Die spezielle Ausprägung
des Job-Sharing werden wir in einem Antrag in einer der nächsten
Sitzungen aufgreifen.
Stellv. Präsident Franke; Gestatten Sie eine Zwischenfrage?
Feilcke (CDU): Ja, bitte schön!
Stellv. Präsident Franke: Bitte, Frau Korthaase!
Frau Korthaase (SPD); Herr Feilcke, ist Ihnen bekannt, daß vier
Fünftel der Frauen, die eine Arbeit suchen, eine Vollzeitbeschäfti
gung suchen?
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