Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
10. Sitzung vom 12. November 19 pgi
498
(A)
(B)
Sen Wronski
en
mal in Anführungsstrichen - dieses „Szenenkreises alternative
Arbeitsformen“ sorgfältig beobachten und etwaige beschäftigungs
wirksame Ansätze auf ihre Förderungswürdigkeit in bezug auf das
Instrumentarium des Arbeitsförderungsgesetzes hin prüfen, und
ich sage Ihnen, im Grundsatz wohlwollend - und ich füge hinzu, es
darf kein Schnickschnack sein, und es muß im Ansatz seriös
wirken.
[Zuruf; Sehr gut! und Beifall von der SPD]
- Danke schön, das tut auch mal gut.
Zur Frage 6; Es ist sicher ein gemeinsames Zieljungen Männern
und Frauen gleichermaßen eine Berufsausbildung in allen Berufen
zu ermöglichen. Hierzu kann und will der Senat seinen bescheide
nen Beitrag leisten. Ein Blick auf die Besetzung der Berufsbereiche
der Fertigungsberufe und der technischen Berufe mit weiblichen
Auszubildenden seit 1962 zeigt, daß die weiblichen Jugendlichen
insgesamt nur allmählich gewerblich-technische Ausbildungs
berufe ergreifen. Es gab damals zum Beispiel in den Berufen
Schlosser und Gas- und Wasserinstallateur keinen einzigen weib
lichen Lehrling. Inzwischen gibt es in diesen Berufen zwar weib
liche Auszubildende, ihre männlichen Kollegen stellen aber immer
noch weit über 95 % in diesen beiden Berufen. - Ich füge einmal frei
hinzu, mich wundert das auch gar nicht.
Um das Spektrum der für Frauen qualifizierten technischen Be
rufe zu vergrößern, wird in Berlin in vier Großunternehmen ein
Modellversuch zur Erschließung gewerblich-technischer Ausbil
dungsberufe für weibliche Jugendliche durchgeführt. Einem Zwi
schenbericht über diese Modellversuche ist zweierlei zu ent
nehmen:
a) Die Situation auf dem Ausbildungstellenmarkt, auf dem
Frauen bisher relativ wenig Ausbildungsplätze in gewerblich-tech
nischen Berufen angeboten werden, hat auch Einfluß auf die von
jungen Frauen letztlich bekundeten Berufswünsche. Der Modell
versuch soll Erkenntnisse über eventuelle Einflußmöglichkeiten und
Maßnahmen bringen - über eventuelle! Der Senat unterstützt
diesen Modellversuch sowohl finanziell wie auch ideell. Er würde es
begrüßen, wenn durch diesen Modellversuch eine Initialzündung
ausgelöst werden könnte. Ein Erfolg ergibt sich jedoch nicht
zwangsläufig. Sollte der Fall eintreten, daß diese Initialzündung ver
pufft, so sollten wir alle zusammen den Mute haben, uns einzuge
stehen, daß auch weitere Modellversuche da nicht weiterheifen
werden.
b) Der Öffnung verschiedener Berufe für Mädchen und junge
Frauen stehen auch Rechtsvorschriften entgegen, die ursprünglich
eine wichtige Schutzfunktion hatten, heute aber nicht mehr zeit
gemäß sind. Hier hat der Staat einen Handlungsspielraum. So heißt
es zum Beispiel in der Arbeitszeitverordnung, daß Frauen aus ge
sundheitlichen Gründen nicht mit den eigentlichen Betriebsarbei
ten auf Baustellen beschäftigt werden dürfen. Der damalige Sena
tor für Arbeit und Soziales hat deshalb im Einvernehmen mit dem
Landesausschuß für Berufsbildung im Frühjahr dieses Jahres das
Landesamt für Arbeitsschutz und technische Sicherheit angewie
sen, diese Vorschrift nicht in Berufen des Baunebengewerbes an
zuwenden, da im Zuge des technischen Fortschritts in diesem Be
reich erhebliche Arbeitserleichterungen geschaffen worden sind. In
diese Richtung denke ich auch. Darüber hinaus hat der Landesaus
schuß für Berufsbildung empfohlen, Bedenken gegen eine Be
schäftigung von Frauen in dem dem Bauhauptgewerbe angehören
den Berufen Isolierer, Isoliermonteur sowie Wärme-, Kälte- und
Schallschutzisolierer zurückzustellen. Auch diese Empfehlung hat
der Senat bereits aufgegriffen. In diese Richtung sind weitere
Schritte denkbar und notwendig. Ich finde - um ein kurioses Bei
spiel zu erwähnen - zum Beispiel keine Erklärung dafür, daß Nacht
arbeit für Frauen in Bäckereien verboten ist, andererseits Frauen
aber nachts durchaus als Postbeamtin arbeiten dürfen
[Sund (SPD): Oder als Stenographen! - Beifall
bei der SPD]
oder wo auch immer - ja, auch hier im Hause.
Der Senat ist bemüht, den sozialen Wandel, der die beruflichen
Chancen der Frau verbessert, zu fördern. Er wird allerdings keine
Bestrebung unterstützen, die Jungen und Mädchen in gewerblich
technische Berufe drängen. Dies wäre keine Verbesserung d ane
beruflichen Chancen der Frau, sondern eine erhebliche Beeinträc is'
tigung der freien Berufswahl. , ßS
[Beifall bei der CDU]
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Administrative Maßnahmen, die einer allgemeinen Gleichheitside lögt
logie entspringen - ich unterstelle sie keinem hier im Raum -, W( > n
den aus genau diesen Gründen abgelehnt. ger
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Bevor ich die Fragen 7 und 8, die Fragen zu den Ausbildung ese
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und Arbeitsmöglichkeiten junger Ausländer in Berlin beantwort
will ich kurz einige Fakten nennen, die die Ausgangssituation ken
zeichnen - dies ist eine Sache, die uns aktuell eine der größti
Sorgen bereitet: Die Zahl der ausländischen Jugendlichen im Alt«
von 15 bis unter 20 Jahre ist durch das Heranwachsen jüngerer g
burtenstarker Jahrgänge, vor allem aber durch den fortgesetzt st;
ken Familiennachzug von 9 800 in 1976 um nahezu 10 000 a
19 800 in Ende 1980 angestiegen. Die Zunahme war hauptsächli
bei der türkischen Nationalitätengruppe zu verzeichnen - ich für
an: nahezu ausschließlich! Allein die Zahl der jährlich zugewande
ten türkischen Jugendlichen im Alter von 15 bis unter 20 Jahre h |v-S|
sich in den letzten fünf Jahren vervierfacht. Hierbei ist festzustelle
daß die Wettbewerbsfähigkeit dieser Jugendlichen auf dem Ausb
dungs- und Stellenmarkt wesentlich ungünstiger einzuschätzenii
als die der gleichaltrigen deutschen Jugendlichen. Damit möchi
ich zur Beantwortung der Frage 7 kommen, was der Senat zur Ve
besserung der Situation junger Ausländer unternimmt.
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Der Senat hat - es gibt ja gewisse Kontinuitäten, auch im Senat ;ger
mehrfach auf die sich anbahnende Entwicklung hingewiesen un ich
wiederholt die Berliner Wirtschaft dazu aufgerufen, mehr ausläi als
dische Jugendliche in Ausbildung und Beschäftigung zu nehme: ;he
Ferner hat Berlin als erstes Bundesland bereits in 1976 modeilha n; ir
Eingliederungslehrgänge für ausländische Jugendliche durchgs ipaz
führt, um ihnen die Eingliederung in die Arbeitswelt zu erleichter che;
und zu ermöglichen. Ab 1978 wurden derartige Lehrgänge bundes
weit angeboten; 1980 wurden diese Kurse nach einem bundeswe
überarbeiteten Konzept durch ganzjährige Vollzeitlehrgänge, näm usc |
lieh durch die von Ihnen genannten „Maßnahmen zur Berufsvo: us ^i
bereitung und sozialen Eingliederung junger Ausländer“, kur 3ez ''
MBSE genannt, abgelösL > n M
ilen
Ich möchte hier aber kritisch anmerken: So schön sich die Sach
ichs
auch anhört und so wirksam sie erscheint, schafft sie uns doch gle
chermaßen im Zusammenhang mit dem hohen Plateau unsere
Schülerberges zusätzliche Probleme, und es ist ernsthaft die Frag ;me
zu stellen - wir haben sie kürzlich im Ausschuß auch angespro '
chen, und ich bitte, sie seriös und intensiv durchzuspielen -, inwie 0{ jJ
weit wir uns mit den im Prinzip nützlichen und von allen gewünsch £
ten Maßnahmen nicht für die Folgezeit zusätzliche Probleme au! )an ‘
bürden. Diese Frage muß sorgfältig durchdacht werden, in alle: ;n ü
ihren insbesondere langfristigen Konsequenzen. ^ er
Der Senat hält es wie die übrigen Bundesländer, der Bund uni
die Bundesanstalt für Arbeit für wünschenswert, daß sich auch di« j r ^
Wirtschaft, sei es in alleiniger Durchführung, sei es in Kooperatio: ™
mit anderen Trägern der Maßnahme, am MBSE beteiligt. Erste & - 1 ®“
folge in dieser Richtung sind darin zu sehen, daß ab Februar 198 JS “ 1
das Bildungswerk der Berliner Wirtschaft in verschiedenen Berli ® cl1(
ner Unternehmen im Bereich der Metallverarbeitung, Elektrotech
nik, Baufertigung MBSE-Kurse durchführt. Inzwischen konnte die ? 1
Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit der Berliner Wirtschaft ve: ^
stärkt werden. Seit dem Herbst 1981 beteiligt sich auch der Verein ? mit
zur Eingliederung und Ausbildung in der Berliner chemischen Indu ;n -^
strie als Träger der Maßnahmen. Unter anderem konnte dadurcl 'J 1 L<
dem Bedarf entsprechend, die Kapazität von 1 200 Plätzen End« j ur
1980 auf nahezu 1500 im letzten Quartal 1981 erhöht werden. Aller
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die dies mit gefördert haben, gilt der Dank auch meinerseits,
Sie fragen, meine Damen und Herren von der SPD, ob der Sena! ;huß
diese Aufnahmekapazität für ausreichend hält Der Senat hat hier snat
über Abstimmungsgespräche mit dem Landesarbeitsamt Berlin ge- «ng
führt; nach übereinstimmender Auffassung der Beteiligten dürfte igun
das MBSE-Angebot gegenwärtig und auch mittelfristig erforderlich ’irtsc
und angemessen sein. Was die Qualität der Maßnahmen betrifft iiten
- wir haben kürzlich im Ausschuß schon darüber gesprochen so n ur
waren und sind sich alle Verantwortlichen darin einig, daß dasjachv
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