Publication:
1982
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-9497397
Path:

Abgeordnetenhaus von Berlin - 9. Wahlperiode
10. Sitzung vom 12. November
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496
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Sen Wronski
erfaßt werden. Der Präsident des Landesarbeitsamtes Berlin
schätzt jedoch die Größenordnung, ich gebe die Meinung weiter,
der Zahl der Kindergeld-Arbeitslosen für beachtenswert.
Zu Ihrer Frage 2; Ohne Zweifel sind die verfügbaren statistischen
Daten zur Klärung aktueller spezifischer Probleme der Jugend
arbeitslosigkeit anhand der zweimal jährlich erstellten Struktur
analysen der Bundesanstalt für Arbeit, wie sich gezeigt hat, unzurei
chend. Der Berliner Senat hatte bisher nur beschränkte Möglichkei
ten, bei der Bundesanstalt für Arbeit auf eine seinen Wünschen ent
sprechende tiefere Aufgliederung der bundeseinheitlich geführten
Statistiken hinzuwirken. Der Entwurf der Bundesregierung eines
Gesetzes zur Konsolidierung der Arbeitsförderung sieht nunmehr
aber vor, daß der Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung
nicht nur Art und Umfang der Statistiken der Bundesanstalt für
Arbeit bestimmen kann, sondern auch ihren Umfang. Der Senat
sieht hierin Möglichkeiten, die auch von den anderen Bundeslän
dern beklagte, unbefriedigende statistische Ausgangslage zu ver
bessern.
[Beifall bei der SPD]
Das ist einmal etwas Positives im AFKG, aber es ist fast das einzig
Positive. Nicht zuletzt auf Betreiben des Landes Berlin sollte sich
bereits zu Beginn dieses Jahres beim Bundesministerium für Arbeit
und Sozialordnung die sogenannte Bund-Länder-Kommission
damit befassen, die Arbeitsmarktberichterstattung und -Statistik,
insbesondere die Arbeitslosenbeschäftigungsstatistik, weiterzuent
wickeln. Jedoch, im Hinblick auf die aktuellere Problematik des Lei
stungsmißbrauches und der Konsolidierung im Bereich der Arbeits
förderung hat die Kommission ihre Behandlung statistischer Fragen
vorerst zurückgestellt Verständlich!
Nach dem derzeitigen Informationsstand wird sie nunmehr aber
auftragsgemäß eine erste Stellungnahme zum Inhalt der Arbeits
marktberichterstattung und -Statistik noch in diesem Jahr vorlegen.
Großes Fragezeichen von mir. Von dieser Statistik erhofft sich der
Senat auch Aussagen über eine Verbesserung der statistischen
Daten im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit.
Zu Frage 3: Dieser Frage entnehme ich, daß auch Sie die Auffas
sung des Senats teilen, daß das Ausbildungsplatzangebot im näch
sten Jahr in dieser Stadt noch einmal, wenn auch nicht mehr in sehr
erheblichem Umfang, wachsen muß. Dies sicherzustellen ist aber
nicht ausschließlich Sache des Senats. Es ist und bleibt vielmehr
Aufgabe der privaten Wirtschaft - ich zitiere hier nicht, aber ich
gebe meine eigene Meinung wieder, aber sie könnte zitiert wer
den - das Angebot an Ausbildungsplätzen in Industrie, Handel und
Handwerk der Nachfrage entsprechend auszuweiten, und zwar im
Einvernehmen mit allen an der Berufsausbildung Beteiligten.
Dieses zu ermöglichen, ist Aufgabe der hier schon zitierten Sonder
kommission; sie hat kürzlich getagt und wird demnächst wieder Zu
sammenkommen. Nach den dort vorgetragenen Berichten der Kam
mern und Verbände können wir, ich sagte das bereits, damit rech
nen, daß wir Ende des Jahres voraussichtlich insgesamt 35 200
Ausbildungsplätze in Berlin begründet haben werden, wovon mehr
als 14 000 neubegründete Ausbildungsverhältnisse sind. Damit
konnte dem Wunsch der Schulabgänger, einen Ausbildungsberuf
im dualen System zu erlernen, etwa in dem Umfang wie in den ver
gangenen Jahren entsprochen werden.
Nach der erheblichen Steigerung der Zahl der Ausbildungsver
hältnisse seit 1974 auf mehr als das Doppelte wird im Jahr 1981
allerdings ein Abflachen dieser Expansionskurve sichtbar. Eine
starke Anspannung auf dem Ausbildungsstellenmarkt ist unver
kennbar. Umsatzrückgang und Ertragslage vieler Unternehmen las
sen eher Zurückhaltung bei der weiterhin notwendigen Steigerung
des Ausbildungsplatzangebotes befürchten. Wir befinden uns
gegenwärtig auf dem sogenannten Plateau des Schülerberges, das
erst in 1985 eine Absenkung erfährt, wenn nicht andere Einfluß
größen - ausländische Zuzüge - alle Überlegungen in diese Rich
tung hin völlig auf den Kopf stellen.
Die CDU-Fraktion hatte deswegen schon im Februar I960 bean
tragt, die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungsplätzen für den
begrenzten Zeitraum des voraussichtlichen Engpasses verstärkt zu
fördern. Bereits damals war aber auch erkennbar, daß sich die Be
triebe auf die Grenzen ihrer Ausbildungskapazität und ihres Nach
wuchsbedarfes zubewegen und konjunkturelle Einbrüche sich
negativ hinsichtlich der Ausbildungsplatzsituation auswirken köni
ten.
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Die Sonderkommission wird sich im Januar erneut mit dieser Pr, roh
blematik befassen, ich sage das nur im Ausblick auf das Kon
mende, frühestens dann kann eine aktualisierte Vorausschau ai
die Ausbildungsplatznachfrage in den Jahren des Spitzenbedarf
erörtert werden. Mehrere gegenläufige Trends in der Zusammei ' sst
Setzung der Schulabgänger erschweren im übrigen eine Bedarf-
Schätzung gegenüber früheren Modellrechnungen ganz erheblicl
Das kommt erschwerend hinzu.
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Sie fragen weiterhin, meine Damen und Herren von der SPD,
der Senat strukturell notwendige Veränderungen des Ausbildung! teil
Platzangebotes sicherzustellen gedenkt. Dahinter verbirgt sich
könnte man meinen, die Vorstellung, der Senat -
[Zuruf des Abg. Sund (SPD)]
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- Ja, das ist aber aus meiner Sicht, Herr Kollege Sund, der falsch , ru f|
und gefährliche Denkansatz: Bediene einen Hebel, und scho ’
kannst du den Staat sicherstellen. Ich habe eingangs meiner allge
meinen Bemerkungen darauf hingewiesen, daß die Sicherstellung
das heißt das Öffnen der öffentlichen Hand bestimmte Voraussei
zungen haben muß, sonst funktionieren die besten Bemühung®
der öffentlichen Hand nicht Diese Frage kann aber nur beantwort; L s
werden, wenn schlüssige Erkenntnisse darüber voriiegen, welch u ,
strukturellen Veränderungen notwendig sind und - da sind wi
wieder bei der Statistik - in welche Richtung der Strukturwandel er ft
folgen und an welchen Zielsetzungen man sich orientieren soll.
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Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich hier erkläre, daß es werte
dem Senat noch irgendeinem anderen Beteiligten heute möglichisl
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wirtschaftliche und damit auch berufliche Strukturwandlungen Inal iC ^
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ihren Formen und Folgen vorauszusehen. Auch der Arbeitsmark!
und der Berufsforschung ist es erklärtermaßen nicht möglich - um U e
das wissen Sie doch ganz genau, Herr Kollege Kern -, auch nu
plausibel vorherzusagen, wie sich die Beschäftigungs- und Eic
kommenschancen für bestimmte Berufe oder Qualifikationen in
Laufe eines 40jährigen Erwerbslebens der heutigen Jugendliche: är öh
entwickeln werden. Sinn hat die Frage nach der Strukturierung um
nach dem Fördern in die eine oder andere Richtung doch nur dann
wenn man sie im Hinblick auf die lebenslangen Berufs- und Arbeite p n -
Chancen sieht. Dies ist das außerordentlich schwierige Problem
vor dem wir alle stehen!
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Es ist daher politisch richtig und vernünftig, die berufliche Struk
turierung des dualen Systems der Steuerung durch Angebot um
Nachfrage dem Ausbildungsstellenmarkt zu überlassen, auch au#ng.
der Sicht des Rechts auf eine freie Berufswahl. Ich möchte alle: 'eite
dings nicht verhehlen, daß ich dort, wo es nicht um Eingriffe in dii ohl
betriebliche Ausbildung geht, sondern um die verantwortungs ne
bewußte Bemessung von Ausbildungsplätzen, die der Staat selbs [hrg:
bereithält, die Dinge etwas anders zu sehen sind. Ich denke hierbe eie
zum Beispiel an die Vermehrung der Zahl der Studienplätze« ie J
einigen sozialwissenschaftlichen und philologischen Fächern da leruf
letzten Jahre. Dieses Angebot ist, wie wir wissen, stark aufgegriffer |
und in Anspruch genommen worden, und aus diesen Berufsbildern ^
resultieren nicht zuletzt die aktuellen Probleme. | un g
Andererseits hat der Ausbildungsstellenmarkt durchaus auf die
anhaltenden Klagen über Fachkräftemangel in bestimmten Berei ^
chen reagiert. Der Anteil der gewerblich-technischen Berufe am g .
Lehrstellenangebot, insbesondere im industriellen Bereich, hat»
den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen - Gott sei Dank
kann man da nur sagen. Der Senat sieht hierin eine positive Ent-_ n ^
wicklung.
beisp
Die Notwendigkeit der außerbetrieblichen Ausbildung im Berufs- Wer
amt wurde von allen an der Berufsausbildung Beteiligten in Berlin j £ s
anerkannt. Mit einem Anteil von etwa 3 % im gesamten Ausbildungs- n ai
Platzangebot im dualen System kann das Berufsamt jedoch nicht Vbei
wie es in der Fragestellung möglicherweise anklingt, die Angebots- iurcf
Struktur nennenswert beeinflussen. Die Ausweitung des Ausbil- inge!
dungsplatzangebots in gewerblich-technischen Berufen im Berufs- en. [
amt wird durch die Erhöhung des Ausbildungsplatzangebots über- ändi;
wiegend in kaufmännisch-verwaltenden Berufen im öffentlichen krbei
Dienst des Landes Berlin kompensiert pieler
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